I Ü r ’S**®* ÜÜalMiS, 155. Jahrgang Erstes Blatt. Gietzen General-Anzeiger Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Sichen J°l°ri aeiu*i ZUM Geburtstage 5. K H. des Großherzog über den Entwurf einer! ivirb der Staatssekretär Frhr. v. Stengel die NeichS» y.'utige 'Munrrner umfaßt 20 Seiten. Annahme von anjelgti für die 2oge5iunmnet bis pormitlagS 10 Uhr. 3eilcnprciS: lokal 12Pß, auswärts 20 Pfg. Verantwortlich für ben poliL und eiligem. Teil: P. Wittko: für „Stadt und Land* und .Gerichts!aal': Ernst Hetz, für den Anzeigenteil: Hans Beck. finanzreforin mit einer längeren Rede einbringen. Die erste Lesung dieser Vorlage wird voraussichtlich am 5. Dez. b. K. H. Großherzog Ernst Ludwig tritt heute in ein neues, sein 38. Lebensjahr ein. Freudigen Herzens feiert das hessische Volk diesen Tag, und eS gedenkt heute alles bet; Guten und Segensreichen, daS eS der eprießlichen Negententätigkeit seines aufrichtig vn-ehrten Landesherrn zu verdanken hat; und nicht zum wenigsten auch dessen, waS eS ihm hälfe verdanken können, wenn eS nicht reaktionären Gewalten gelungen wäre zu verkitt ln, was unser von ganzem Herzen volksfreundlicher Grobherzog bem Laube zu bescheren gelionnen war. Sollte sich bonim boS hessische Volk barauf beschränken, seinen Gefühlen bei treuen und vertrauensvollen ZuihmstehenS, der innigen Verehrung nnb Siebe lediglich in Worten, lediglich in äußeren Festlichkeiten Ausdruck zu verleiben? Wurde ben gesundem Fortschritte bicnenben Plänen unb Wünschen beS Fürsten nicht mehr Nechnung getrogen, würbe ihm nicht größere Freube unb Befriedigung bereitet tun ben, wenn unfer Volk durch bie Tat beweisen wurde, daß es ihn in freudiger Hingabe an die Interessen deS Vater» lor’beS unb ber Nation als leuchtenbeS Vorbild betrachtet unb bem Schlepptau oorherrschendet tenagogen entwachsen ist?! Ein politisch reifes Volk muß eS als eine Pflicht gegen sich feth.fi erkennen, ben tüchtigen unb roeitblicfenben Männern seiner Regierung, die in ernster Ze t mit staatsmännischer Einsicht, freiem Blick, moralischer straft unb geschickter, sorglicher Land seine Geschicke zum Ausstiege zu lenken bie aufrichtige Absicht haben, Beachtung zu taucht bebienen. . __ Die erste Plenarsitzung des Reichstages ist an den 28. November 1 Uht mittags mit der Tagesordnung: Feststellung der Beschlußfähigkeit angeordnet. In der zweiten Sitzung am folgenden Tage soll zur Wahl des Vorstandes geschritten werden. Im Anschluß an die Präsidentenwahl beginnen. — Tie Verhaftung deS ReichStagSabg. Krösell^ die in Hamburg erfolgt sein sollte, wird offiziell dement tiert. ES handelt sich um ein Versehen der Polizei. __ Infolge der Beförderung deS Reichstags- und Land- tagSabg. ^NeichSgerichtsrats Dr. Spahn zum Präsidenten deS SberlandesgerichtS in stiel sind Neuwahlen für den betreffenden Reichstags- und LandtagswahlkreiS erforderlich aeworden. Dr. Spahn bat eine langjährige parlamentarische Tätigkeit hinter sich. Seit 1882 war er mit Unterbrechung Mitglied des Abgeordnetenhaiises für Enpen-Aachen und zuletzt für Fulda, von 1884 ab vertrat er im Reichstage bis 1890 den Wahlkreis Braunsberg unb seit 1890 ben Wahlkreis Bonn. Der Bonner Wahlkreis ist sichere Domäne bet ßentrumS. Posen, 24. Nov. Am Bußtage fanben hier in ver- schiebenen Ortschaften ber Provinz Straßendemonstrationen gegen daS preußische Dre iklasse n-Wahlsystem statt. Dresden, 24. Nov. In der Zweiten Stammet teilte der Präsident Mehnert mit, baß bie Regierung demnächst eine Vorlage wegen Abänderung der Zusammensetzung der Ersten Kammer einzubringen gedenke. Für Montag sind Interpellationen bett, bie Neuordnung des Wahlrechtes für die Zweite Kammer auf die Tagesordnung gesetzt. Eisenach, 24. Nov. Die nat io n allib er ale Neichsoerein unb bie freisinnige VolkSpartei haben jetzt nach Beenbigung der NeichstagSwahl eine gemeinsame Gifte zur Gemeinderatswahl aufgestellt. DaS ist dev erste Schritt zu einer Verständigung beider Parteien. t>euticbee Berlin, 24. Nov. Der Kaiser ist heute nachmittag mit den Prinzen Eitel Friedrich, Adalbert und August Wilhelm nebst dem Gefolge zu den Hofjagden nach der Göhrde adgereist und ist dort am Abend eingetroffen. __ Die „Nat.-Ztg.* meldet, der Kaiser werde dem Vernehmen nach im April 1906 den Besuch des Königs AlfonS in Spanien erwidern. Nähere Bestimmungen seien noch nicht getroffen. __ Die „Nordd. Allg. Ztg.' widmet dem neu gewählten König Haa'kon anläßlich seines morgen erfolaenben Einzuges in ebriltiania einen kurzen Begrüßungsartikel, der mit folgenden Worten schließt: In Deutschland, das durch mannigfarfie Besiehungen zu Nor- weaen verbunben ist, wird man der emporfteiaenben Eni^altiina ber reichen Kraste, bie von ber Vorsehung in die nordische Nation eingevflanst sind, mit aufrichtiger S nm o othie tolaeii unb bem stamm- unb geistesvcrwanblen nördlichen Volke Gluck unb jedes Gedeihen in der Erfüllung feiner Kulturmtssion wünschen. __ Das Amtsblatt für bas Fürstentum Lippe gibt bekannt, daß außer ben Geschwistern des Fürsten die Titel eines Prinzen bezw. einer Prinzessin erhalten haben: Graf Le opold zur Lippe-Biesterfcld, zurzeit Bad Memberg. Graf Rudolf zur Lippe-Biesterfeld, zurzeit auf Trogelwitz. b.ifen Gemahlin Prinzessin Luise von Ardeck und deren Deszendenz, Graf Friedrich Wilhelm zur Lippe-Bleller- feld, zurzeit Volsdam, besten Gemahlin Gräfin Gisela zu Pfenbürg und Bübingen unb deren Deszendenz. Die verwitwete Gräfin Friedrich zur Lippe-Biesterfcld, Prinzessin Tiarie von Löwenstein-Wcrtheim-Freudenberg, -urzeit in Kastel, unb bereit Töchter, bie Gräsinnen Adelheid, Olga und Marie zur Lippc-Bie'terfeld dürfen sich gleichfalls des Titels Prinzessin mit dem Prädikat Durch- AulstlLe Jlcuigkeiten. Die Ergebnisse der Abstimmungen in dem Kvn- qmesse derSemstwo und Städte zu Moskau sind folgende: sütir das direkte Wahlrecht stimmten 174, für ein zn?ei- noM sWahlmänner) 28 und für des direkte in ben Städten u01b ein zweifaches auf dem Londe 28. Die konltitu- c -r e n d c V e r s a m m l n n g wurde mit 137 gegen 80 stimmen iNaelehnt. Für konsiit.'icrendc Frnktwnen der ersten Vcv- iüinmlung erklärten sich 204, gegen 23. Tie Messung der bie Suitionaütätcn bedrückenden Gesche verlangen alle gegen vtcr M fem Gießener Anzeiger »er ben im Wechsel mit ’ itim hessischen Landwirt ? Lietzener Zamitten- Mälter ptennal m der Woche bemelfgt JloLQtionebaia u. 'Per- I leg der Brühl 'scheu U. lepers.-Buch-u. Slcin- bnderei. R. Lange, s.edaklion, Erpediuon und Druckerei: Lchulstratze 7. 7s.edattwn 112 Bei lag u.Lxped.e^-Söl iöirefie für Depcichen: rmzeiger «leien. ZlLDetnC'l' ,7 278 ■ trlfiflnt tilgt. Stimmen. DeS Bureau schlug vor. ---- --- - ■ Resolution über die polnische Frage zu beraten. Dne- Bureau stimmte der frühem Cntfdycibung des hjr g « ; die Autonomie Polens rückb ltlos zu. Tie lnstagte Cntschcrdung h be nickt nur nichts mit der Loslösung Polens zu tim. I.ouderu sei im Gegenteil nötig, die Macht und bie Untcilbnrfrit b- Reiches zu gewähr!eist-n. Daher entspröckM die m dem Emn- mnniauö bargelegten Beweggründe für die Emffchrung bcs Belagerungszustandes in Polen nickst Un wahren Tatsachen, ^er Kongreß erachtet als dringeiid? Masmahmen sollende: 1- Aufhebung d e s B e l a g e r u n g s z n st a n be s i n P o len; 2. Unterbreitung der Frage ber Autonomie Polens in der ersten russischen Nationalversammlung unter der Vebmgung der Eiuhcit des Reick>es: 3. unvemi-gliche E i n s ü hr u n g de r p o l ni s che n Sprache in ben Elementarschulen, m b-n Gerichten und (Skmeinbnt und bei V-whmblungen vor den FriedenSmckstern in Polen. Der Kongreß nahm einen Beschluß betreffs nach folgender Abänderungsanträge an: Abschaffung der Ausnahmc- gesetze, Ernennung neuer Polizei- und Verw'ltainasbeamten, Unterordnung oller Minister mit Ansn-ibme d-'s Hof Ministers unter den Ministerrot, Untersuchung sämtlicher unter Teilnahme des Publikums begangener Aussclneitungen. Nntorordnung der Polizei unter die Semstwos und Städte, Schaffung von öffentlichen Sicherheitskomitees unb völlige Amnestie für alle politischen unb religiösen Verbrechen, bie vor und nach dem Manifest begangen worden find. , „ Der „Ruß" ist fest überzeugt, daß die vom Semstwo- Kongreß vo r g e s ch l a g e n e Verfassung von Witte accepticrt werden und von ihm zur Durchsührimg gelanoen werde, di dieser stark genug dazu sei. Wie dos Blatt weiter meldet, hätten beim letzten Ministerr-t m ZarSko'e Sselo die Reaktionäre voii Neuem versucht, die Stellung Wittes in untergraben. Es ist ihnen aber nicht gelungen, da bet Z ar fest z u W i 11 e steht. Dos von Witte vorgelegte freiheitliche P r e st- gesetz sei vom Zaren aeceptiert worben. Weiter heust es, baß bos allgemeine, geheime unb direkte Wahlrecht sickier gewährt trerb-n wird. (?) Ate polit sche Arists in Knglanv. Tie Liberalen sträuben sich gegen die Uebernahnw der Negierung im jetzigen Übugeublick. Auch der gestrige Kabine: tsrat brachte keine Klarheit. „Evening S4andard" meldet, bnit Kabinett fei nicht ,u einem endgiltigen B e - sä luß gekommen: die wettere Beratung finde am 1. Dez flalt. Premierminister Balfour verließ gestern London und bli'ibt bis Montag fern, begab sich aber nicht nach Sandmng- hant, dem Aufenthaltsort des Königs. Alle Berichte stim- mem darin überein, daß dar Kabinett sich entschlossen »hat., nicht z u demissi'nteren. Es heißt, der Entschluß sei batiptsächlich durch die KenntniSsteeinfiusit worden, bcifo sich oic Liberalen w-.'igern würden, die Riegierung zu übt nteßmen, bevor das Parlament aufgelöst fei. Lord R osebery, der frühere Führer der en gl. Liberal, en, erklärte sich in einer Rede als besonderer Freund sstankreichS, aber aud) fü r d i e Erhaltung deS Z: jede ns mitTeutschland. Gleichzeitig erfährt man, basi am 1. Dezember der Ausschuß, der sich die Herber- jührung einer freundschaftlichen Verstän- öt,nu n g zwischen Deutsr land und England zum Ziele gescht hat, unter dem Vorsitz des Lords Avesury eine Heirsammlung abhalten wird. Mögen nun traüdem, was Bei der Verworrenheit der Sage und der Unsicherheit des, Kabinetts sowie der Libe- ta!len, die letzteren früher oder später ins Ministerium Einzug halten — in den Beziehungen deS JnselreichS zum Srsland und speziell zu Deutschland würde der Kabinetts- wechsel nicht das mindeste ändern. Darüber hat auch der bekannte liberale Politiker Sir Edward Grey, den man ben zukünftigen Minister deS Auswärtigen nannte, in einer großen Eityrede ebensowenig einen Zweifel gelassen, wie jetzt Lord Rosebery. Die Liberalen sind in ihrer Ltiellunguahme gegenüber Deutschland sogar bestimmter als bie Konservativen und Unionisten, denn Grey erklärte tumb heraus, es müsse die B e d i n g u n g j e d e r Besserung de§ deutsch-engliichen Verhältnisses sein, ba‘ß die Beziehungen zwischen Deutschland und p a a n I r e i d) ..gerecht und gut" sind. Mit anderen Sorten: die Freundschaft mit Frankreich gilt b< n englischen Liberalen mehr als das Ein- uc rnehmen mit Deutschland, und sie werden bann las „gerecht und gut" gelten lassen, wenn Deutschland die Interessen Frankreichs mindestens ebenso berücksick)tigt tote leine eigenen. Wir stehen vor der Marokkokonferenz. ^eutsch- Irtnb kann Wunder erleben, denn die eigentlichen Schwierig- V. ten beginnen in Mgerieas. Englands Liberale sind dann liitleicht doch schon am Ruder. Zur Zeit Gladstones gab t3 noch einen Unterschied zwischen Torys und Whigs bei- jyjelstreife in der Stellung zur Orientpolitik. Heute aber teltjerrfcßt ein G'danke das Jnseldolk ohne Unterschied der Livrteirichtuna: daß das Niederringen einer festländischen Kuas-macht die unbedingte Voraussetzung für die Nnfrecht- wlhaltung des politischen und wrrtschaftlick)en Einflusses Uglands sei, nämlich das Niederringen Deutsch- Iain d s. Diese Tatsache wird durch keine Friedensreoe konser- vcitivcr, unionistischer oder liberaler Minister and der Welt geid)Gfft. Sollten auch die Neuwahlen zum Unterhause zu erbitterten Kämpfen führen, in Deutschland weiß man. daß benbei lediglich innerpolitiscye Fragen eine Rolle spielen. 9D Balfour, Chamberlain oder Campbell-Bannermann — es bluibt Deutschland gegenüber derselbe Faden, nur ändert sich die Nummer. miücrin ZW 561 Ludwtgstrast ft; Biologe S* zjrrtzylifts- Verpacht»^ • Ärom 1.« «"be» verpaß Hur wchNSe fjyingj "LmA Samstag 25. November 19051 ve,ng0vret»r A monatlich 7B UL, oierteV- V _ jährlich Dtk. 8.20; durch xA A4 Abbole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch HAH ü W ES T die Post Mk. 2-viertel- V:4 ba fährt. auSschl. Bestellg. Ausland. Kopenhagen, 24. Nov. In hiesigen unteterichteten Kreisen verlautet, daß das norwegische Königspaar die Absicht hege, sobald als tunlich deut König Oskav in Stockholm einen Besuch abzustatten, was, wie man hofft, zur Besänftigung der noch immer stark erregten öffentlichen Meinung Schwedens beitragen werde. London, 24. Nov. Künig Haakon wurde zums Ehrenadmiral in der britischen Flotte ernannt. Haag, 24. Nov. Ter Minister des Aeußern spricht in einer der Kammer zugestellten Denkschrift die HoffnunA aus, daß die Clrenze zur Ausführung von Vieh nach Teutschlano geöffnet werden würde. Wien, 24. Nov. Die „Neue Fr. Pr." meldet: Die Machte werden die ablehnende Note der PfortS nicht beantworten. Ihre Entgegnung besteht^ in beut Auftrag an die Flottenkommandanten, die Aktion zu. beginnen. In diplomattscben Kreisen wird befürchtet, daß die Flottendemonstra'ion weitgehende Verwicklungen auf dem Balkan nach sich ziehen könne. Die Mächte haben eine Kollektivnote an die Dalkcmstaaten ergehen lassen, in ber den Regierungen klar gemacht wird, daß sie in dem! Vorgehett der Mächte keinen Anlaß erblicken mögen, bie Ruhe auf dem Balkan zu stören. Budapest, 24. Nov. Heute erschien der neu ernannte Obergespan-Stellvertreter, Gras Laßberg, in Begleitung einer Abteilung Gendarmen im Pcster Kvmitatshause, wies dem suspendierten Obernotas Fazekas ein königl. Hand«, schreiben vor und forderte ihn auf, ihn sein Amt zu übet* geben. Fazekas erklärte, daß er die Nechtsgiltigkeit des Schretbens nicht anerkenne. Hierauf gab der Graf Befehl, die versiegelten Amtsräume des Obergespan-Bureaus zu öffnen. Tie Gendarmen wichen j.'doch vor den Anhängern des ab gefetzten Obergespats zurück und erst dem ein- schrcitenden Milit r gelang e?. Die Türen zu öffnen. Nachdem der Graf von seinen Amtslokalitäten Besitz genommen hatte, begann die Menge, meist Studenten und Beamte^ l-Burcaugehilse^.- ihi, iino auf btherem Mont )tiul Angeboie inner :n ©ießener Anzeig« ! Hinechrilkt! chl für ®e|d)äit zu isi i\ Frau M. Hostru Weyiar, Hiw., । ne nicht, lötrlfluftni 4 t, esenL auch ausyjen nul 'Mnaebote wun il i Gieü. 'Anzeiger /r^ir. r i M >ug\uiiw luti citilt ["* schenken. Daß ein Mann von freiheitlicher Gesinnung und treuer Besorgnis für die Er- rocitenmg der VolkSrechte den hessischen Furstenthron ziert, daß erprobte, scharfuchttge Staatsmänner ihm zur Seite stehen, die mit vollem Herzen gewillt sind, den Ideen de» Landesherr» zur Verwirklichung zu verhelfen, ist leider von so manchem Heffen noch immer nicht erkannt worden. Wiederholt hat HcffenS Großherzog zu erkennen gegeben, daß et allein an dem Volke liegt, wenn diese Ideen noch immer nicht zur Tat geworden sind, daß es einzig vernünftig ist, fest zusammen und ihm zur Seite zu stehen zur Abschüttelung deS Joches einzelner Ucbermächtiger, zur Stärkung der Volksmacht, zur inneren Festigung unb inneren Befreiung auch des lleincn und kleinsten ManneS aus bem Volke, zur Förderung deS Ansehens wie der Jntereffen auch der Bedürftigen. Nicht scköner, würdig r und ersprießlicher kann der heutige Tag gefeiert werden, als indem jeder Einzelne in wahrhaft vaterländischer Emkehr bnS unverbrüchliche Gelöbnis ablcgt, daß er fortan mehr als bisher, daß er unentwegt in Zukunft sich beeifern wird nach seinen bellen Kräften, deS Fürsten wenn auch noch unausgesprochene, so doch genugsam verdeutlichte siaalskluge Mahnung zu beherzigen und in treuer Erfüllung aller Pflichte« gegen Staat und Gesellschaft des LandcSherrn edlen Absichten zum Ziele zu verhelfen. ßWgeseüei "cnide tzkichasti^. J rdarbeity gejucht. t- SW 7—i-— J bursrrl. Itlbüdn^^ hn.bt gulen Vct- • ob. Ipatet fetjr W durch Frau d. tzauö Mirdjenpiti'e1 n dem Einhom mit: Lager |ofort zu rtr u verlauieii. - Sföbr 1 fteijiler, Bahnho'iu-d SltiiiWt % ar.lsans IX, 07935 _ [onfektim „eu-u.Aiuveri» ÄN.Zackcu.S-stü«'- bet Geschichte belehren dadurch ung in vcrsität als wir das mit Tenn sie ist eine der Folgen d von, das; sich im Reformations>- zeitalter unser Volk wenig geschickt gezeigt hat. die ihm zir- strömenden neuen Gedanken zu verarbeiten. Tie Neformbcwegnng führte nicht zu einer deutschen Nationalkirche, sondern zu Kirchen der reinen Lehr, die von Lehr Streitigkeiten zerrissen wurden. Kaisermacht und Fürstenmacht stießen aufeinander, die religiöse und politische Einheit unseres Volkes zerrist. Zu den Unglück- licken Ereignissen jener Zeit gehört auch die Teilung des Fürstentums Philipvs des Großmütigen. Ter Redner schilderte sodann wie der Artikel in Nr. 23£ vom 10. Oktober d. I. über die Gründung deS Gymnastunrs illostre den Zerfall des hessischen Staates und der hessischen Kirche, die Teilung Ober'' -'eu-> nvischen Kassel und Darmstadt, die Bedrückung der Lutheraner zu Marburg durch Landgraf Moritz, ihre Auswanderung nack (Mieren nnd die Gründung unserer Universität Westen. Nach einer Schilderung d^r Universität in ihrem ältesten Zustande fuhr der Redner dann fort: Die Universität gedenkt 1907 ihre dritte Sakularfeier zu feiern, weil sie erst 1607 das kaiserliche Privileg und dunst den Namen einer Universität cr- halten hat. während sie sich bis dahin Gymnasium iUustre nennen musste. TaS Jahr 1605 aber wird heute gefeiert, weil eS daS der grundlegenden Taten gewesen ist. Der Taten dieses Jahres erfreuen wir uns auch heute noch, trotzdem der Gang der Entwicklung die Universität in eine Gestalt übergeführt hat, in der sie der Hochschule non 1605 ganz unähnlich geworden ist. Es folgte hierauf in der Rede eine Kontrastierung des heutigen Lehrkörpers und der heutigen Institute mit den Einrichtungen von 1605. Tie vlplosophische Fakultät, damals zum Teil noch Dorbereitungsfakultät für die übrigen, ist zu einer Universität im ab, das' wir unS durch jene Ereignisse und ihre Wirk der Gcschickste belehren lassen. Ter Gründer der Unü- und der Fürsorge Ludwigs gedenken wir um so lieber, es mit ungemischter Freude tun können. Leider ist . den Ereignissen nnd Zustäuben nicht der Fall, die zur Gründung einer besonderen Hochsckmle in Giesten geführt haben. Kleinen geworden. Medizin nnd Nostnrwissenschäften, die 160o kaum zu bemerken waren, haben vollends eine gewaltige Ausdehnung genommen. Tas alles aber ist nur der Ausdrück der grasten inneren Umwandlung der -j-inge. Die Universität ist nicht mehr ein an die dogmatische Formel gebundenes Lehrinstitut, und mit den Mitteln der Diawkttk em System als richtig zu erweisen, sieht unsere Zeit nicht mehr als wissenschaftliche Arbeit an. Heute dient die Univerlitat der freien Forschung und der Verbreitung ihrer Resultate. Es entspricht der Entwicklung des öffentlichen Lebens, unseres Volkes. Denn die Religion lenkt nicht mehr unsere Politik. Staat und Kirche haben sich auf ihre besonderen Aufgaben besonnen, auch zum Heil der Kirche. Heute sitzen Angehörige aller Religionen und Konfessionen in den juristischen, medizinischen und philosophischen Fakultäten. Die Gründer unserer Universität würden oas ebenso verdammen, wie die fteundlichen Beziehungen, die jetzt zwischen reformierten und lutherischen Theologen bestehen. Es ist das alles aber mit die Folge davon, dast der Schatz religiöser Gedanken der Reformationszeit dem lebenden Geschlecm wieder deutlicher geworden ist. Ter evangelischen Kirche ist zum Besten unseres Volkes das Schicksal erspart geblieben, etwa wie die russische Kirche auf der dogmatischen Entwicklungsstufe zu erstarren. Was da§ für die religiöse und moralische Erp ziehung eines Volkes bedeutet, lehren die Ereignisse der letzten Tage. UnS erscheint manches segensreich, was den Gründern als gräuliche Verderbnis erschienen wäre. Faßt doch bei uns in Hessen dasselbe Kirchenregiment lutherische, reformierte und unierte Gemeinden unter derselben Verwaltung zusammen. Tie dogmatische Formel und der Ritus haben ihre trennende K'raft für das religiöse Leben der Laien eingebüßt. Diese verlangen religiöse Förderung, nicht theologische Belehrung, Brot nicht Steine. Trotz deS Wandels der Zecken werden wir nicht meinen, daß unS die Ereignisse des Jahres 1605 nicht belehren könnten. Wenn wir uns für so fortgeschritten hielten, so br>mchte nur an zweierlei erinnert zu werden, worin uns die Hochschule von 1605 überlegen war. Ihr war ein Pädagog angegliedert, d. h. sie beeinflußte die Vorbereitung zu den Universitätsstudien in entscheidender Weise und diese Vorbereitung war eine einheitliche. Tann aber durchzog alle Stände die Ueberzeugung, von der Bedeutung der theologischen Studien für das öffentliche Leben wie insbesondere für das geistliche Amt. Tas wird in unserer Zeit häufig vermißt. So werden wir gut tun von den Männern jener T"ge zu lernen. Ter Mannesmait, mit dem sie unberechtigtem Verlangen widerstanden, und der Geist der Wahrhaftigkeit, in dem sie für ihre Ueberzcngnng eintraten, ist auch für unsere Zeit vorbildlich. Wir können auch von ihrer Kunst lernen, sich den Verhältnissen anzupaffen und mit kleinen Mitteln eine leistungsfähige Hochschule zu erhalten. Mögen wir aber auch lernen, daß Unfriede verzehrt und daß jedes Eingreifen des Staates in Religion und fi'irrbe den Unfrieden mehrt, nickt aufbaut, sondern zerstört. Wie die Religion, so verträgt es auch die Wissensch'ft nicht, daß man ihr von außen Gesetze vorsckreibt. Wenn politische oder kircklicke Parteien versuchen, die Universitäten ihren Zielen dienstb''r zu machen, so dürfen sie sich nickt wundern, wenn sie auf Widerstand stoßen. Zwischen Religion und Theologie müßten wir immer mehr scheiden lernen. Tie Theologie muß die Freiheit ihiwr Bewegung behalten, ist sie dach recht eigentlich d's Einheitsband der evangelischen Kirche. Ein Gemeinwesen ist um so kräftiger und lebensfähiger, je größere Mannigfaltigkeit es in sich erträgt. Innere K'raft, nicht äußere Organisation fehlt dem Protestantismus, wo er sich nicht genügend geltend macht. Unsere Reckste muß besser lernen, daß Einheit der Kirche nickt Einheit der theologischen Schule bedeutet: unsere Linke, daß sich alte Formen und Formeln zwar mit neuem Geist erfüllen Essen, daß es aber zwecklos ist, sie zerbrechen zu wollen. In Ruhe muß sich vollziehen, was sich dort nickst hindern läßt: der Kampf der Geister. In weiser Beachtung dessen, was seiner Zeit nottat, hat einst Ludwig V. die Hockpschule gestiftet. Auch seine Nachfolger haben sie geschützt und in einer zeitaemäßen Entwicklung erhalten. Jeist waltet über ihr ein weitsickstiger. mit dem Denken und Empfinden, den Nöten und Sorgen unserer Zeit wohlvertranter F-ürft. Wir dürfen hoffen und vertrauen, daß wir unter seinem Zepter unserer Arbeit ohne Hemmnisse werden leben können. In ihr bis zum letzten Atemzuge ohne Furckst und Tadel auszuharren sei das Gelöbnis dieser feierlichen Stunde. Ta8 Festessen in Gießen. Bei dem Festessen der Beamten nnd Bürgerschaft, daS nm 2 Uhr im Saale des Gesellschaftsvereins ftattfand, hielt der Rektor der Universität, S. Magnifizenz Geh. Heirat Prof. Dr. Behaghel, folgende Festrede: Aul dem Boden, ans dem wir hier flehen, hoben vor 2000 Jahren keine Germanen, sondern Kelten gesessen, die den ganzen Süden und Wehen unseres Vaterlande? eingenommen hatten. Aber um den Veainn etwa imlerer Zeitrechnung weichen die Kelten langsam zurück vor dem mächtigen Andrang germanischer Stämme, für die jetzt eine Zeit langer nnd weiter Wanderungen beginnt. Zn denen, die am frühesten zur Ruhe kommen, gehört der alte Ebattenftamm. der sortan mit Zähigkeit seine Sitze behoiwtet. Man sagt wohl nerne: Wer rastet, der rostet. Aber unfernHessenstamm hat solcher Fluch zu früher Seßhaftiakeit nicht getroffen; mit Stolz bürfen wir aus seine unverwüstliche Lebenskraft und Regsamkeit schauen, mit Stolz dürken wir sagen, daß er es anderen Stämmen nickst nur gleich tut, fonbcai in vielen Dingen balmbrechend, Mnstergiltiges schaffend vorangeht, unter der Leitung eines geiftoosten weitblickenden Fürsten. Manches hat sich gewandelt seit den Tagen der Vor- zeit. Ten Nachfolgern der alten Herzöge ist es nicht mehr oberste Ausgabe, ihren Völkern voranzuschreiten im Kamps der Schwerter. Denn Fürsten und Stämme haben eine große Tempelgemeinschast gegründet, und sie haben den hoben Führer dieses Knltverbandes an die Spitze ihrer Heerscharen gestellt. Aber der alte Weitester bat nicht au'gehört; er hat sich vertieft und sich die höchsten Ziele gestellt: er gilt dem Vorkamv? in idealen Dingen, den, Ringen um edelsten geist-geil Besitz. Mit stolzer Frelldc tmtfen wir Hessen ansschauen zu llnsercm Landesherrn, der siegreich des Geistes Sternenbaiiner uns voranträgt. Ihm gilt heute unter ehrfürchtiger Dank, unsere Liebe unb Verehrung. Ich sorbere Sie aus, mit mir einzustimmen in den Rus: Se. Kgl. Hoheit der Großherzog Ernst Ludwig von Hessen unb bei Rhein, er lebe hoch, hoch, hoch! Aus Land und Reich- In D a rmsta dt fand nm 1 Uhr im Residenzschloß Festtafel statt, an der daS Großherzogspaar und die hier anwesenden Fürstlichkeiten teilnahfnen. Heute Abend findet iin Residenzschloß eine Abendunterhaltung statt, zu der über 100 Einladungen ergangen sind. V Laubach, 24. Nov. Zur Feier deS Geburtsfestes des Großherzoas hielt heute nachmittag im siffklich geschmückten Zcickr-n- saale daS Gymnasium Fridericianum cincu öffentlichen FestaktuS ab. Das Programm wies neben Deklamationen, einige mehrstimmige Chöre auf. Der Inhalt der vorgeträgenen Gedichte stand in Dezichuug zur Festrede, gehalten von dem Lcbramtsasscssor Dr. A u s f e l d. Er behandelte bgrin diePlü n- deru ng von Lauback im 30jährigen Kriege durch die Truppen Jlo's, sich an die Wettersclder Chronik an- schließend. — Am ?lbend fand eine allgemeine Feier im Gasthause zur Traube statt, an der sich auch die Vereine beteiligten. Die Gesangvereine Eintracht und Harmonie belebten durch Vorträge die Feier. Die Festansprache hatte Graf Karl zu Solms-Lauback übernommen; sie endete mit einem Hoch auf S. K. H. den Ysroßherzog. _ ** Groß Herzogs Geburtstag tu Berlin. Man schreibt uns: Am 18. b. M. land in bein prächtig mit den Büsten de? Kaffer? unb des GroßherzogS, sowie hessischen Fahnen unb Wappen geschmückten Kaisersaal Bnggcnhagen bic Dovvelieier bes Geburtstages Sr. Kgl. Hoheit de? GroßherzogS sowie des siebenten Stistnngssestes des Vereins ehemaliger Kameraden bet GroßH. liess. (25. Division zu Berlin statt. Die von mehr al? 500 Teilnehmern besuchte Festversammlung nahm einen glänzenden Verlauf. "Aus ben Garnisonen Berlin, Potsdam und Spandau waren tast st sämtliche aktiven und inaktiven hessischen Osfiziere erschienen, u. a. f Generalleutnant v. Scholl, Generaladjutanl und Generalkapitän Den Obergespan zu beschimpfen und seine Zimmer Mit Steinen zu bewerfen. Hierauf erschien die Polizei und vertrieb die Menge und gebot den renitenten Beamten und Ausschussmitgliedern, sofort das Komi tath aus zu verlassen. Als diese dcm"Vcfehle nicht gehorchten, wurden sie, darunter auch das Maanatenhausmitglied Baron Pronay und zwei 'Abgeordnete, von der Polizei mit Gewalt hinausgeworfen, und zwei verhaftet. Graf Laß- bcra ernannte einen neuen Obernotar und wird gegen die renitenten Beamten eine strasgerichtliche Untersuchung einleiten. Tie Komitatsbeamten beschlossen, in den Ausstand zu treten. , , t Sofia, 24. Nov. In der Sobranje antwortete der -Minister des Innern, Petrow, der über den angeblichen Rücktritt des Ministers G a t c w befragt wurde, Gatetv habe illoyal und perfid gehandelt wie ein Schuft und Narr. Er werde ihn beu der Rückkehr beim Ohr packen und ans dem Kabinett und der Kortes schmeißen. Tie Majorität stimmte dem Minister Petkow zu und sprach einen Tadel gegen Gatew aus, der wahrscheinlich auch, ohne daß er ein formelles Rücktrittsgesuch einreicht, eine hmanswurfartige Enthebun von seinem Amte erwartet. Tokio, 24. Nov. (Reuter. - Die Agitation gegen die Regierung wegen der Beibehaltung des Kriegs- rechtcs in Tokio und der beschränkenden Maßnahmen gegen die Presse wird immer starrer. Selbst unter den Mitgliedern des Hauses der Pairs fuu. viele, die mit der Opposition sympathisieren. . — Admiral Togo wird seinen B e s u ch m England im März oder April abstatten. Wahrscheinlich wird der japanische Seeheld auch Frankreich und Italien besuchen. Die Irrer des Kebnrlstages S. K. K. des Hroßötrzoqs. (Siegen, 25. November. Wie in ganz Hessen, begeht man heilte auch in Gießen den Geburtstag S. K. H. des GroßherzogS in der alther- gebrachten Weise, nicht mit rauschenden Festen, aber um so inniger und herzlicher. Zur Feier des TageS haben die öffentlichen Gebäude Flaggenschmuck angelegt und ebenso eine Reihe von Privathäuscrn. Die öffentlichen Bureaus sind geschlossen und die Landesiiniversität, sowie die Schulen hielten Feiern ab. Die Feier des Realgymnasiums und der Ober- re alsch ule fand bereits Freitag nachmittag statt. Prof. Weimar hielt eine wohlgelungene Rede über „die große Landgräfin Karoline". Einige Schuler trugen Gedichte vor. Der vierstimmige Gesang, zum ersten Male von Lehrer Kissel geleitet, war ziemlich gut. Von den vier vorge- tragcnen Liedern sei das zum Schluß, „Hcssenschwur", mit Klaviersolo, erwähnt. Von einer öffentlichen Feier hatte man abgesehen. Auch die verschiedenen Religionsgemeinschaften gedachten heute des Landesherrn in besonderen Fcstgottesdiensten. In dem Fe st gott es di en st, der um 10 Uhr in der Stadtkirche als vereinigter Militär- und Zivilgottesdienst stattfand, predigte Pfarrer Euler über das Psalmwort „Jene verlaffen sich auf Wagen und Rosse, wir aber denken an den Namen des Herrn, unseres Gottes", und besprach im Blick auf die politische Lage die Frage: Worauf sollen wir uns verlassen? Tie Garnison eröffnete ihre Feier mit einem großen Zapfenstreich am gestrigen Wend, der sich unter Fuckel- bcleuchtung durch zahlreiche Straßen der S'adt bewegte. Heute vorrnittag fand um 7 Uhr großes Wecken statt. Tas Regiment besuchte dann den in Gemeinschaft mit den Zivil- kirchengemeinden abgehaltenc Gottesdienst, worauf um 11 Ve Uhr ein RegimentsapveU im Hof der Zeughauskaserne stattfand. Die akademische Feier der LandeSuniverfftät, bic außer dem Geburtstag des Landesherrn gleichzeitig auch der Erinnerung an die am 10. Oktober 1605 erfolgte Eröffnung des Gymnasium illustre, der ursprünglichen Gestalt der Gießener Hochschule, galt, fand um 11 1/i Uhr in der großen Univcrsitätsaula statt. Geh. Kirchenrat Professor D. Stade führte in seiner «kad. Festrede etwa folgendes aus: Ter Festscier liegt eine zweifache Veranlassung zu Grund unb zwar 1. ter Geburtstag des Landesherru. Wenn dieser als Rektor magnificentissimus in ein persönliches Verhältnis zur Universität getreten ist, so ist dies nur der Mschluß einer historischen Entwicklung, die mit der Stiftung cinsctzt. Schon Landgraf Ludwig V. hat die Universität immer als seine Universität betrachtet. Daher ist cd wohl erlaubt, am heutigen Tage auch den Ahnen zu feiern, der vor 300 Jahren bic Universität gestiftet hat unb das Gedächtnis jener Tage zu erneuern. Ties ist bic zweite Veranlassung der heutigen Feier. Wir erneuern das Gedächtnis Ludwigs und seiner Berater, indem wir an unserem Auge die Ereignisse des Jahres 1605 vorüberziehen lassen, sie zu verstehen und zu würdigen suchen. Das Berstäudiiis erschließt sich uns aus dem Gang der Geschichte seit der Reformation. Mit dem Einst vergleichen wir oas Jetzt und statten den Tank, den wir den Gründern schulden, der Kaiierl. Haustruvven, Generalmajor a. T. Keim, Overst ToS Oberstleutnant z. D. Freiherr Gebult v. Jungemcld, Ncichsmil-särö gerichlsrat Anschütz, Wirkt. Geheimer Legationörak Frhr. v. Lökiu und der Tircklor des Zool. Gartens zu Berlin Dr. Heck, ftucp zwei nach Berlin kommandierte rumänische Oisizierc, die einmal! j ein deutsches Kriegeriest mitmnehen wollten, waren erschienen unterhöhlen das bunte militärische Bild durch ihre glanzvollen Uni- formen. Nach einigen Vorträgen einer Militärkapelle würbe u>n 9 Uhr der Festakt bureb einen von dem Vorslanbemitglieb Leut- j nant a. D. v. Carnap, PoUzcileutimnt und Neviersianb; gebeteter ' zu Herzen gehenden Prolog, welcher von Frl. Ellen Wikke- L a m b o r b t oorgetragen wurde, cinqelcilct. Generallentncw1 v. Scholl brachte hierauf das mit ^encifierung mitgenommene bei- aui S. M. den Kaiser aus. Nach Absingzmg der Nationalhmnn, und nach einigen Gesanasvorträgcn der Tarnen Gertrud Witte- Larnbardt und Charlotte'Wichmann ergriff der Ehreiworsiyend« des Vereins, Generalmajor a. T. K c i m das Wort unb führte au-, daß schon in den ältesten Zeiten die Heffentreue sprichwörtlich at. wesen sei, daß auch der Verein der ehemaligen Kameraden GroßH. Hess. (25.) Twision zu Berlin an biciev Treue zum anqt. 'lammten Fürsteichaiise und dem schönen Heimatlande icühalten werbe unb daß in diesen ernsten Zeiten ein schönes gesunde? Verhältnis zwischen Lanbessürft unb Volk, für Kaiser unb Reich, füc unser schönes großes deutsches Vaterland den höchsten Wert habe. General Keim führte unfern geliebten Großherzog in seiner aaiy^' Herzensgute vor, er schilderte dessen hohe Verdienste um Kunst un) Wisienschast, die nicht nur auf unser Hcssenland, sondern weit ük dessen Grenzen hinaus befruchtenb und segensreich wirkten. Jube^ stimmte die Festversamnilimg in das Hoch ein, in welchem General Keim die Geburtstagswünschc des Hessenvereins für seinen Raubet. Herrn unb Protektor vereinte. — Es folgte nun die Vereins, festrede, gehalten von dem ersten Vorsitzenden, Kreistierarzt a.? Dr. Schäfer. Er dankte den zahlreichen FestteilneHmeni für ibt ; Erscheinen, und dankte besonders den Herren Offizieren. Er qat obann einen Bericht über das abgclmifenc Vereinsjahr, er fdiilberc i die erzielten Erfolge, gedachte in Dankbarkeit der llebernnhme bb: Protektorats durch K. H. den Großherzog, der Annahme brr Ehrenmitgliedsckwft durch S. K. H. des Prinzen Heinrich Dor Preußen, gab Bericht über die Audienzen, die der Vorstanb ur. Köiliglicheii Schloß zu Berlin bei bem Großherzog und der tSrox- Herzogin, sowie dem Prinzen Heinrich hatte, ferner über bj Öffentliche Hervortreten des Vereins bei der Eiuholiings'eier btt Kronvrmzessiu, des Königs Afioiis von Svanien, und den Tenkmalsenthülluugen für die Generalfeldmarschälle v. Roon unb v. Moltke. Ju inlereffaiiter Weise schildert Redner noch die soziami und nationalen Aufgaben Iber Kriegervereme unb wies nach, ba» auch unser Verein sich in ganz hevuorragenber Weise daran beteiligt habe, durch Gründung einer Unteistützungskasse, Arbenz, nachweis zc. re. Seine eindrucks- und wirkirngsvollc Rebe idjlog Dr. Schäfer mit dein Wunsche und der Ucberzeuaung, daß btt Verein auf dein begonnenen Wege iortschrciten werde und das; ihm auch bald der größte Stolz eines jeben Kriegervereins, bic üabnt j die die allen Soldaten im Bürgergewaub immer noch als hocbfiri Symbol betrachten, zu teil werden möge. Sein Hoch galt bat jchölien HeirnatlaudHessen.— Landlagsabgeordnetcr 3unq- j henn, Oberleutnant d. L., der als alter 115 er bem Verein et- | gehört, sprach im 9iamen unb Auftrag des deutschen Kriegerbnnbtr und des preußischen Laudes-Kriegerverbaudes die Wünsche für ki Verein aus und gab seiner höchsten Anerkennung Ausdruck ito den Geist, der in' den Reihen des hesstschen Kriegervereins hem*!, unb bas Ernporblüben desselben. — Mit dem Theaterstück „Dm 6)roßherzog" oder „Ein Familientag", das in vorzüglicher SBtve von Dilettanten gespielt wurde und große Heiterkeit erregte, schick der offizielle Teil und es folgte Tanz. Während der Kaffecvau't hielt der zweite Vorsitzende, Apotheker Walter W e i ß, eine zündenb: 'Ansprache an die Gaste, Vortragende und Damen. Er schloß nii: cmem Hoch auf die Damen. Bis zum frühen Morgen, bis die ernt Elektrische daran erinnerte, daß man nicht in den Gefilden bei Odenivalbes, des stillen Vogelsherges, ober an den Abhängen be: Nhcinberge weile, blieb der größte Teil der Festteiluehmer in echt hessischer Gemütlichkeit zusammen. Auszeichnungen. Anläßlich deS heutigen Geburtstages Sr. Kgl. Hoheit des GroßherzogS erfolgte eine größere Anzahl Ordens auSzeichnungen und Charaktererteilungen. U. a. erhielten: to? Kommaudeurkreuz 2. Klaffe des LudwigSordens Wof Dr. Kirstein in Mainz; daS Komturkreuz 2. Klassr Verdienstordens Philipps deS Großmütigen Hosstallmri''.k: v. Willich, Ministerialrat Dr. Becker, Dberbürgcrmtottr Mornewe g-Darnfftadt, sowie die Vortragenden Räte in bec Verkehrsabteilung des preußischen Ministeriums der öffent- I lichen Arbeiten Oberbaurat Müller und Geh. Dbenfgn- rungSrat Tessmar, das Ehrenkreuz des PhilippSordens dir Profefforen LandSbcrg-Tarmstadt und S iebeck-Gießen. Bürgermeister Dr. Göttelmann-Mainz wurde zum Ober- bürgermeister ernannt. Ferner erhielten das Komturkreuz I. Kl. deS Philipp^' ordens der Oberst z. D. Röder zu Diersburg un! Ministerialdirektor Stieger-Berlin, Vorstand der Verkehrs- abtcilung im preuß. Ministerium d. öffentl. Arbeiten, da' Ehrenkreuz deS PhilippSordenS Landgerichtsdirektor Bockcn- heirn er-Mainz OberlandeSgerichtSrat Keller, Geh. Ober baurat Jmroth, Geh. Obcrsteuerrat Scyd, Geh. Ober finanziat D ornsciff, sämtlich in Darmstadt, das Mitglied der Königl. Eisenbahndirektion Frankfurt OberregierungSra | Dr. Meyer. Den Charakter als Geheimerat erhieltci Ministerialrat Dr. Eisen Huth, Vorsitzender der Schulab- tcilung, und Provinzialdirektor Freiherr von Grancy' Darmstadt. Das Ritterrreuz 1. Klasse des Philippsvrdens erhielten bc: Direktor der Augustinerschule zu FriÄ>borg Dr. £>enn. Ball^ der KreiSrcit Böckmanu zu Büdingen, der ovdentlickte Prom'.': in brr philosophischen Fakultät der LandeÄmiversität Clr-- brr Oberlehrer an der Aitgustinerschnle zu 3-ricbberg Prof -r. Herrn. Geiß, der Beigeordnete Kvmmorzienrat Ludwig eul' zu Gießen, der Kreisarzt Medizinalrat Dr. Ludwig H aberl»^ zu Gießen, der Direktor bc5 Wolfgang Emstz-Gymnasiunir w Büdingen Dr. Ludlvig Mohr, Dekan Marrer Emil Mi>vv zu Schotten, der Oberlehrer am Gymnasium zu Gießen Herma" j Rabn, der T-irektor der Blindenanstalt zu Friedberg ^rn Schwab, der Oberlehrer cm Realgymnasium unb der LbJ^ Realschule zu Gießen Professor Dr. Wiederhold, der rektor der Taubstummenanstalt zu Friedberg Ludwig Wodaeg^ TaS Ritterkreuz 2. Klasse des PWiPpsordens: der Komina'' baut der fr cito. Feuerwehr zu Friedberg Ferdinand Damm Friedberg, Oberlehrer Hch. Geck zu Vilbel, der Lehrer am gymnasium und der -Ober-Realsckmlc zu Gießen .Ü'aH 0wyru Irene Tienste: Polizeidiencr M. Schneider zu erbstci - bas allg. Ehrenzeichen m. b. Inschrift f. längs, treue Dienste i D,iusd)ätzer J-riedrich Drott zu Nibda, bet Ratsdiener „ Otterbein zu Gießen, der Beigeorbnete Johs. Pctlcl r a. T t?. mW :rirW VSs; ’^ntreue 'n btekvC^ **t*5?st MZ ocf) km, in ineldifin'. "Vereins iflt C' °*^c nun bic J^nben, KreisÜ' -t äer!c'1 der lieben^ ». der A,m°k ,bc§ Prinzen öetnr- UM, die der Vor- ^rosrherzog und br, m balle, ieuier i; ,et der Einholung^, non Spanien, L- l'elbmarlchälle v. R- )ert Redner noch bie'- vcreine und wies nc: wrraqenber Veiie dc-r Unlemutznnqskaije, L b wirkiniqsvolle Rch der Ueberzeuqunli, V ichreilen werde unb le n Krieciervcreins, di, anb immer noch als! nöge. Sein Hoch qc: anbtaq?abqeorbneletj aller 115 er bein Lm I des beuticben Kriege rbanbes bie Äiiniche1 Anerkenmmci Shisbru: Heben Knesiewerems t Mil bem ilieaterfiüd , bas in vorziiqlichn jtoßc Heilerkeil erregt nz. Während der ftr- Waller Weiß, eine |ie unb Tarnen, (hi.1, snihen Morgen, bis ': n nid)t in den W« ober an den 91tir:’- H der JesUnlnchi» u - >txu utStageS w t größere ÄnA tlft ingen. U. a. ttW § LudwigSorbens Koniturkreuz 2. Rk Aroßmütigen HaM Becker, Dbetbiirqt. e Vortragenden R5ti n Ministeriums btt. [[er und Geh. £■' -euz des ^«ippSof >bt und Siebeck-e -Mainz wurde M - tau; I. SL i»8 5' [in, Sotnanb »fr- b. öM- «*. W°> Sell». J* icrrat Sn». ® in SntmiloH w. : als *” "*£ !S-rs>tz-»dee h"glüi Fr-ih-r- ® s^var-Teemen, bet Fc.'dgcschivorene JabZs. Reinig zu Rupperten- rob nnb der Kirchcnrcchncr PH Schlehenbecker zu Heuchel- Trim, fit. Wiegen. T n Claras.er als 3d'n(r'rm-'nn n. Trolmann zu B d^aiiftim, daS Ritterlrenz 2. Kl. der Rentner und Stadtv. ch>ch. Iugbardt zu T^sen, da? silberne Kreuz des PbilipvS- nrd'nS der Borstand des K-ieg-rvereiusbezirks Vogelsberg V i e hl. •V», nlhi. Cbrenzeichen mit der Inschrift für langsäbriqe treue Dien'te der Br ü schafft, er Clft. Cnbers zu Tieften: und Briefträger .»Varl Schneider zu Treben ha in. Erinnerungszeichen für Cisenbabnbeamle. Gleichzeitig wird in bei „Tarmft. $1(1.' die zum heutigen Tage erfolgte Stiftung eines Erinnerungszeichens für Beamte mb Bedienstete der Staatseisenbahnen publiziert, die sich durch 40», bezw. 25jährige vorwurfsfreie Dienstzeit aus- iezeichnet haben. Dasselbe wird alljährlich am 25. November verliehen. Die heutige erstmalige Verleihung erfolate in 75 Ja Neu für 40jährige unb in 1025 Fällen für 25jährige Dienstzeit. Zur Flcischtcnerilng. Wie ein Telegramm aus Köln meldet, richtete der Ober- mräfibcnt der Rheinvrovinz, Tvrhr. v Schorlemer, an bie Regierungsvrästdenten eine Verfügung, worin ben 93er» waltnng8behörben zur Pflicht gemacht wirb, Erwägungen darüber anzustellen, wie der Flei sch teu ecu n g < ntgegenzutreten, namentlich die Versorgung der ärmeren Bevölkerung mit billigem Fleisch sicher- I ustellen sei. Da nach den durch bic Lanbwirtschaftskammer b'cflätigtcn Angaben Mangel an schlachtreifem Vieh nicht vor- foanben sei, müßte man besonders bahin streben, die Ver- hin b un g zwischen Viehzüchter unb Konsumenten uicht nur dem Zwischenhandel zu überlasten, sondern einen direkten Bezug des Schlachtviehes von den Wroduzenton seitens der Mehger anzubahnen. Der Oherprästdent wünscht, das; die Stadtverwaltungen ben Ankauf, sowie ben Fleischverkauf für die ärmere Bevölkerung hebst übernehmen oder den landwirtschaftlichen Vereinigungen unb Vieh Verkaufs» Genossen schäften Räume zum Fleisch verkauf überlassen. Desgleichen Flöchten bie großen industriellen Werke und Zechenverwaltungen fr ic Fleischversorgung ihrer Arbeiter übernehmen. Lirche unb schule. Berlin, 24. Nov. Der Magistrat beschloß die Er- t ichtuna eines Mädchen-Real-Reform-Gymnasi um § fnlr Schülerinnen ber höheren Mädchenschulen, die einen sikchsjahrigen Kursus mit Erfolg durchgernacht haben. Die Eröffnung bc5 Giimnastums ist zu Ostern 1906 in Aussicht genommen. Aus Stsdt mti jhnlb. Gießen, ben 25. November. Ordensverleih u ngen. S. K H. ber Groi;- ticrzog haben zum 12. November d. I. dem Bürgermeister, Ortsaerichtsvorsteher und Standesbeamten Johannes Dipp el ?n Zell (Kreis Alsfeld) und zum 15. November d. I. dem Bürgermeister, OrtSgerichtsvorsteher und Standesbeamten Beter Böckner zu Rieder-Ofleiden — das allgemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift „Für langjährige treue Dienste" «um Bande be5 Verdienstordens Philipps des Großmütigen Verliehen. Da? Ehrenzeichen für Mitglieder freiwilliger Feuerwehren wurde verliehen durch ^Entschließung Seiner Königlichen Hoheit des Groscherzogs bett Mitgliedern der freiwilligen Feuerwehr zu Stockhausen Heinrich Schrimpf II. Conrad Klippert, Andreas Oestreich und Heinrich - KÄST» cs-hule i“ Dekan j gießen iYinnaW ö' ienaflM;Xin unb/:, und Moeller V. • • Personalien. In den Ruhestand wurde verseht $Ncr Schullehrer an ber Gemeindeschule zu Hartershausen, Kreis Lauterbach, Karl Altstadt auf sein Nachsitchen. • • Besitzwechsel. Da? Dr. Zinftersche Anwesen, Westanlage 35, ist für 60500 Mk. in den Besitz des Nestaurateurs L. Grünewald übergegangen. Grünewald beabsichtigt dort ein Hotelrestaurant einzurichten. • • lieber das Ensemble .lieber’m großen Deich, das am nächsten Montag im Gießener Stadt- t f) e n t e r gastiert, schreibt ber Franks. Gen.-Anz.: „U eber'n großen Teich" hat uns da? Srvbeum geführt, tmdibcm es unS in den letzten Monaten einen Blick ins Pariser, bann in5 Wiener Leben hat werfen lassen. Tas Haus war trotz frev Hitze gefüllt. Heitere Bilder nennt der Tichter seine Cverette — ober ist c5 eine Posse. In bunter Abwechslung zieht eine Reihe frische r, lebhafter Szenen an uns vorüber, ab und zu nnit einem Ct'ch ins Sentimentale, gleitet von gefälligen, z ierlichen Melodien, die bald populär werden dürften. 5§aS insbesondere in ben ersten drei Akten sehr gefällige Stück mürbe recht flott zur Darstellung gebracht. Auch nickst eine einzige frwr sehr zglstreichen Rollen unzureichend besetzt. E i n e n B e i f a l l, m i e ibn wohl kaum noch d i e R ä u m e d e s O r p h e u ms siiehört haben, erzielte Frä ul ein G r e t e G a l l u s, bie inrit einer angenehmen inodulgtionsiäbigen Stimme ein ringe- Möhnlich schauspielerisches Talent- verbindet. Auch bitte übrigen größeren Rosten lagen in den besten Händen. — Von der Rabenau, 24. Nov. Ein heiteres Stücklein ereignete sich Dienstag abend in unserer Gegend. Ein Arzt aus Londorf war mit seinem Fuhrwerk und einem Diiierfüßigen Begleiter, einem zottigen Jagdhund, Hektor mit Namen, zum Krankenbesuch in Beuern. Als nun ber Herr in einem Privathause verweilte, erlaubten sich Pferd und Hund als treue Bundesgenossen, durch irgend einen Zufast veranlaßt, bei Nacht und Nebel ditrchzugehen. ES ging der Heimat zu, wobei der Hund mit seinem eigentümlichen Kommando den biederen Gaul zu einem mehr als nötigen raschen Tempo anfeuerte. Die beiden Abenteurer langten (ießlic-h wohlbehalten in Londorf an, sodaß der Gebieter, der später anfam, r- dieser Hinsicht zufrieden mit ihnen sein dürfte und wohl gute Miene zum schlechten Spiel machen konnte. Darmstadt, 24. Nov. Prinzessin Ludwig von Battenberg ist nebst Prinzessin-Tochter Luise und Prinz- Sohn Ludwig nach dem Süden abgereist. In Begleitung befindet sich Miß Kerr. (Tarmst. Ztg.) Groß-Gerau, 24. Nov. Fl richtig gegangen ist der vom Dienst suspendierte, zuletzt in Bauschheim tätige und aus Worfelden gebürtige 25 Jahre alte Lehrer Krug. Die Staatsanwaltschaft Darmstadt verfolgt ihn steckbrieflich wegen Sittlichkeitsverbrechen, begangen an Schulkindern. h. Frankfurt n. M., 24. Nov. In der gestrigen Stadtverordneten-Versammlung wurde ein Dring- lichkeitSantrag angenommen, wonach aus dem Deutschen Städtetag, der am nächsten Montag in Berlin zusammentritt, die Frankfurter Delegierten den Antrag stellen sollen, den dauernden Sitz der Geschäftsleituug nach Frank- furt zu verlegen. Wenn dieser Antrag angenommen wird, soll Frankfurt einen Kostenzuschuß bis zu 10000 Mk. jährlich leisten und die nötigen Geschäftsräume stellen. * Kleine M i t t i l'' n o n ans Hessen unb ben Nachbarstaaten. Der Architekt und Bauunternehiner Josef F i s ch e r in F r a n k f u r t ist in Z a b l rr n g s s ch w i e r i g k e i t c u geraten. Die Passiven sind ziemlich bcdeulend. — In Marburg stürzte am Neubau des Kammergebäubes auf dem Kämpfrasen der ?Irbeiler Job. W i ck e r o t h aus Mardorf vom Dachgesims zur Erde. Er war sofort tot. — Die Brotvreise in C s f en <- hach werden vom Sonntag ab um 1 Pfg. für das Pfund erhöht PertnHcbteflL •lieber einen eigenartigen Streik wird au§ Freiburg im Breisgau berichtet: In der letzten Woche hatten die drei KorpS Suevia, Rhenania und Hasso-Borussia ihren S e rn e st e r - A n t ri 11S k o in m e r s, dem am Bormittag in üblicher Weise die 8. O.-Frübschoppen im Kaufhause folgte. An diese Veranstaltung schließt sich gewöhnlich eine Rundfahrt durch die Straften der Stadt. Die Droschkenkutscher standen in Parade vor dem Kaufhause und harrten der Studenten. Ten Mitgliedern der Suevia und der Hasso- Bonisien stellten sich die Kutscher diensteifrig zur Verfügung, während sie den Rhenanen gegenüber — streikten! Die Rhenanen bekamen einfach keinen Wagen; nur den Chargierten gelang es, sich telephonisch einen Zweispänner zu besorgen. Die übrigen mußten gute Miene zum bösen Spiele machen und auf die lustige Fahrt verzichten. Warum haben die Kutscher gestreikt? Weil mehrere Rhenanen bei Fahrten ins Höllental nicht mehr Droschken, sondern Automobile benützten! Darauf beschlossen die Kutscher, Rhenanen überhaupt nicht mehr zu fahren. Diese sollen schon beim 90jährigen Stiftungsfeste große Mühe gehabt haben, die nötige Zahl von Wagen für den Festzug zu erhalten. • Wegen Unterschlagung im Amte wurde der Rendant Georg Runge von der agrarischen Vieh- verwertungSgenossenschaft in Halle a. S. verhaftet und dem Untersuchungsgefängnis zugeführt. Gelegentlich einer unvermutet vorgenommenen Kassenrevision entdeckt«' man einen Fehlbetrag von rund 8000 Mk., den der Rendant damit zu erklären suchte, daß ihm angeblich vor mehreren Jahren 4000 Mk. gestohlen worden seien; die übrigen 4000 Mk. habe er nach unb nach dem Bestände der Kasse entnommen, um das Geld einem in großer Not befindlichen „guten Bekannten" zu leihen. Von dem Diebstahl will er deshalb keine Anzeige erstattet haben, weil sonst zu befürchten gewesen wäre, baß er seine Stelle verlieren würde. Diese Erzählung findet bei der Untersiichimgsbehörde keinerlei Glauben; man nimmt vielmehr an, daß Runge den gesamten Betrag unterschlagen und zur Befriedigung „nobler Passionen" verbraucht hat._________________________________________ Gießener Strafkammer. )( Tieften, 24. Nov. Die 25jährige Arbeiterin M. M. ans Gelnhaar war in verschiedenen Häusern zu Friedberg aushilfsweise beschäftigt. Sie stahl, was sie nur erreichen Tonnte, ohne Rücksicht darauf, ob sie Verwertung daftir hatte oder nicht. Sie ist bereits vielfach und zwar zuletzt mit längeren Zuchthausstrafen vorbestraft. In ber Verhandlung gab sie an, baß es ihr auch bei dem besten Vorsatz unmöglich sei, der Versuchung zu widerstehen. Trotzdem von keiner Seite behauptet werden konnte, daß sie geistig nicht normal sei, fayt das Gericht zu dem Schlüsse, die Verhandlung auSzusetzen und sie auf ihren Geisteszustand untersuchen zu lassen. — Der Schreiner K. M. von Butzbach überfiel eines Nachts den Schlosser fi'arl Schmidt hinterlistig und mifthindelte ihn. Sein Schwager fi'. B. benutzte die Gelegenheit, dem Mißhandelten sein Portemonnaie mit 15 Mark Inhalt abzunebmen, weshelb er sich demnächst vor dem Schwurgericht wegen RaubS zu verantworten hat. Dem M. konnte nicht nach- geweisen werden, daß er in Gemeinschaft mit seinem Schwager Schmidt h^be berauben wollen, da er sich bereits entfernt hatte, als sein Schwager dem Schmidt das Portemonnaie abnahm. Ter Begriff bc5 Raubs mußte ausscheiden und wurde M. wegen fiärperverletzung mittels hinterlisttgen Uebersalls zu einer Gefängnisstrafe von drei Wochen verurteilt, die durch die erlittene Ilnterfuchungsh^ft als verbüßt erachtet wurde. — Wegen Mißhandlung und Bedrohimg eines fi'nechts wurde der Sekonomie- verw.alter auf dem Erbacher Hof M. M. aus Tomerdinaen durch das Schöffengericht Büdingen zu 30 und 10 Mark Geldstrafe verurteilt. Der Verletzte, der als Nebenksäger auftrat, focht daS Urteil an und das Gericht kam zur Crböhimg der Straft wegen fiörververletzimg auf 70 Mark, während e« bei der Strafe wegen Dedrobimg fern Bewenden behielt, nachdem wiederholt festgestellt worden war, daß der Angeklagte den Verletzten in brn- Hcr Weise mit Fußtritten traktiert bat. — Der Schmied I. I. von Ovversbofen -nmrbe in einer Wirtschaft von dem angetrunkenen Müller I. W. tnm der Nminenmuhle zu Boden geworfen und mißhandelt. Auf Privatklage von selten des I. n/iirbe W. durch tws Schöffengericht Butzbach zu 6 Mark Geldstrafe verurteilt. Das Urteil wurde von dem Kläger angefochten, da ihm die Strafe zu niedrig erschien. Dem Beniftmgsaericht gelang es, einen Vergleich zustande ru bringen, indem sich der Angeklagte bereit erklärte, an den Kläger ein Schmerzensgeld zu -.ghlen und die Kosten zu übernehmen. — Der Bauunternehmer I. G. V. hier wurde wegen vorschriftswidrigem Ausbeuten seiner am Schiffenbergerw»'g gelegenen Sandftute zur Anzeige gebracht, w->s einen Strafbefehl geoen ihn zur Folge batte, gegen ben er Widerspruch erhob. Das Sckvff-mgericht oelanate zur Freisprechung und die Staatsanw'ltz'chift focht das Urteil ait. Nach achtstündiger Verhandlung, bei welch .w eine ar oste Anrghl beugen und Sachverständiger vernommen wurd.', kam die Straflarnmer zur Verurtellung des Au- iiigtcn rn eine Geldstrafe von 10 Mk. Märkte. Glesien, 25. Nov. Marktbericht. Auf heutigem Wochenmarkt, kosteten: Butler vr. Pld. LIO—1.20 Mk., Hühnereier 1 St. 6—9 Vlq^ 2 Ckck. 00—OßVig., Tgnieeier 15—00 Pia., Enteneier 6—7 Plg., Käse pr.Ctck.6- 8 Pst, Kasematte 2 Ctck. 5—6 ^g. Crbicn vr.Liter 2l Pig^ Linien vr. Liter 32 Psg., Tauben vr. Paar 0,80— l.OOMk., Hühner pr.St. 1,00-160 Mk., Hähne pr. Stück 0,80—1.80 Mk., Enten pr. Stück 1,80 '20 Mk., Gain- r.Pid. 60—70 Psg., Schlensieisch pr. Psd. 72- 'l-'ig., Kuh- NI nndfleisch vr. Piilnd 70—72 Psg., Schweine- Fleiü v. T'iunb 80—'«' Big., Schweinefleisch, gesalzen, pr. Psimd 94 st» .Kalbs!cisth pr. Pid. 70—80 Psg., Hammelfleisch pr. Pfund 50—76 Psg. Weliche per Pinnd —.— .Kartoffeln pr. 100 Kg. 5,00—5.50 Mk., Zwiebeln pr. Ztr. 6,00—8.00 Mk., Milch per Liter 20 Psg.. ?lepsel per Psiind 10 bis 25 Psg., in Körben 00 Psg., Nüsie 100 Stück 30—40 Psg., Birnen per Pid. Mk. 0.10—0.20, Weißkraut per Stück 8—10 Pfg., per Zentner Mk. 2.00—3.00. — Marktzeit 8—2 Uhr. fc. Frankfurt a. M., 25. Nov. Öen- unb Stroh- markt. Man notierte: Heu Mk. 3.60 bis Mk. 3.80, Stroh war kein? ongcrohren. Tendenz: matt. Kricflwsten der RedalrtilNi. lRnontzme Anfragen bleiben nnberücksichtiatfr. F. T., Lollar. Nach Artikel 6 des Wahlgesetzes sind bei den Wählender Wahlmännec unb der Abgeordneten nur Staats- bürger, welche das 25. Lehensjahr zurückgelegt haben, stinim- berechtigt. Ist die Staatsangehörigkeit nicht erworben worben, so ist bie Teilnahme an ber Wahl ausaeichlosien. Änainaf-Draljlmi'tdttnqen. Berlin, 25. Nov. Den „Berl. Pvk. Nachr." zufolge wird die im Neichsarnte des Innern ausgearbeitete Denkschrift über das Kartell wesen im Deutschen Reich. noch im Dezember dem Reichstage zuwestellt werden. Köln, 25. Nov. Tie unter dem Vorsitz des Regierungspräsidenten geführten Verhandlungen der Viehzentrale mit den Städten im Sinne der bekannten Forderung des Reichsftnaftr^ sind resultatlos verlaufen. Mannheim, 25. Nov. Gestern obenb zerstörte ein Großfeuer einen großen Teil ber Holzhanblung en gros von Luschka u. Wagemann. L a n b o n, 24. Nov. Dem Reuterschen Bureau wirb als Ergebnis ber heutigen Beratung beS Kabinetts mitgeteilt, bas Kabinett werbe nicht roieber vor baS Par-: la ment treten, es schiebe bie Lösung ber Frage, ob Demission bcs Kabinetts ober Auflösung be§ Parlaments, auf einige Wochen hinaus unb vermcibe baburch sowohl bie Nvtwenbigkeit allgemeiner Wahlen zur Weihnachtszeit, als auch bie Notwcnbigkeit einer kurzlebigen Regierung. Lonbon, 25. Nov. Der Eommobore beS hiesigen königlichen Pachtklubs erhielt bie offizielle Mitteilung, baß Kaiser Wilhelm nächstes Jahr einen Pokal unb. anbere Preise für eine Pacht-Wettfahrt von1 Dover nach Helgolanb stiften werbe, bie am 16. Jun starten soll. Der Pokal soll als silberner Hochzeitsvokal berzeichnet unb bie Porträts be§ Kaiserpaares unb bes König? Ebuarb tragen. Die Wettfahrt soll ein Hanbieap für Pachten von 80 t aller Nationen sein. London, 25. Nov. Hier ein gegangene Telcgram'mc berichten, beiß Ibsen im Sterben liege. Lonbon, 25. Nov. Tet fiommobore des hiesigen königlichen Jachtklubs erhielt die offizielle Mtt-. teilung, daß Kaiser Wilhelm nächstes Jahr einen Pokal unb anbere Preise für eine Iachtwettfahrt von D o v e r n a ch H e l g o l a u b ftifteu werbe, bie am 1 6. J u n i starten soll. Ter Pokal soft als silb e r n er H o chzei t s-- pokal bezeichnet und die Porträts des Kaiser-i paares uird des Königs Eduard tragen. Die Wettfahrt soll ein kiandicap ür Jachten von 80 T. aller Nationen sein. Wien, 25. Nov. Aus Athen wird gemeldet: Die Kommandanten des intern ationalen Seegeschwaders' haben von den Botschaftern in Konstantinopel den Befehl erhalten, direkt in die türkischen Gewässer einzulaufen und bic Zollstation Mytilene zu besetzen. Dort sollen sie weitere Instruktionen abwarten. Moskau, 25. Nov. toter beginnt von neuem' eine ernste Streikbewegung. Da>; die Kellner, Hausmädchen und T e l e p b o n i st i n n e u st r e i k e n , ist verhältnis- mäßin harmlos. Mer auch in mehreren Fabriken an der Peripherie nnden ernoutc IhiriTjen statt. Die Arbeit wurde eingestellt und viel' -ch wurden die Fabrikgebäude demoliert. Außerdem geht das Gerücht um, daß zum 4. Dezember ein neuer allgemeiner Eisenbahnerstreik bevorsteht. — Alle Bauern rechnen auf Lernd- zuteilungen noch vor dem Frühiahr und werden sich daher, wenn die Landzuteilung n.cht erfolgt. Betrogen fühlen. Fürst Schtscherlwtow, der in diesen Tagen entern Berichterstatter sagte, er habe sich von der Politik zurückgezogen, ist damit beschäftigt, eine kaiserliche Miliz zu organisieren. Warschau, 25. Nov. .Hervorragende Persönlichkeiten erhielten aus Petersburg d Trahtnachricht, daß Fürst Swiatopolk Mirskv zum Generalgouverneur von Warschau ernannt worden sei. Telefonische Kursberichte des Giessener Anzeigers, mits’eteilt von der Bank für Handel und Industrie, Giessen. Frankfurter Börf 3J4e/o Reichsanleihe • • 100.55 3% do. . . 89.85 3 J4 °/o Konsöls .... 100.85 3% do 88 90 3yi°l0 Hessen 99.50 3^°/„ Oberhessen . . . —.— 4% Oesterr. Goldrente. . 100.35 4*/8 -n Oesterr. Silberrente 100.70 4°n T’ncrar. Goldrente . . 96.05 \% Italien. Rente . . . —.— 3% Portugiesen Serie I . 68.00 3% Portugiesen „ ITT 68.00 russ.Staatsanl. 1905 94 45 4%0 « japan. Staatsanleihe 95.90 1 "6 Conv. Türken von 1903 90 10 Türkenlose 1.39.20 4 % Griech. Monopol-Anl. . 54 30 । % Süssere Argentinier . 89.70 3°/0 Mexikaner . . . . 6810 1/4% Chinesen . . . 97 90 Aktien: Bochum Guss 247.80 Buderus E. W 139.50 Tendenz: ruhig. Berliner Börse, 2 Canada E. B 173.10 Darmstadter Bank . . . 149.70 Deutsche Bank .... 241.50 Dortmunder Union C. . . 100.30 Dresdner Bank .... 165.00 Tendenz: schwach. g. Alilitär ohne Ehargc 15 Pkg. ladet ergebensk em Tie Direktion. 4% steuerfreie japanische Anleihe von 1905 Zum Tolstoi empfehle sbnr Die Subskription auf diese Anleihe findet am 29. November d. Js. zum Course von und 30 3t eorfen Kränze o(n. in schöner Aus'übruug u. großer Ausivahl zu billigen Plenen. so% stitt Der Prospekt lie?t in meinem Bureau zur Einsicht offen. Zeichnungsanmeldungen nehme entgegen. v"/u Sprach Siraaass Bankgeschäft, Alicesfrasse 2. Wir verkaufen bis Weihrachten einen grossen Posten Knabsn-Gardorobcn ?• t Gebrüder Stamm Schulstrasso. Marktplatz. IMntfrHtni! Im Stricken, Austritten foiD. Anweben o. 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