Wr. 98 te6n* außer Sonntags. Dem Gießener Anzeiger werden tm Wechsel mit dem VeMscheN Landwirt die Lietzener Kamtiien« Rätter viermal in der Woche beigelegt. Rotationsdruck u. Verlag der Brühl'ichen Ünwers.-Buch-u. Steindruckerri. 9t Lang«. Redaktion, Ervedtttoa und Druckerei: Schalstraße 7. Adresse für Depefchvrr Anzeiger Gieße». Fernsprechanschluß M 51 Erstes Blatt. 155. Jahrgang Donnerstag 27. April 1905 dBMW o dBL ««A»gspr»i»r v W W monatlich7b^viertel- Gietzener Anzeiger M ®ena«|.!lnjeis in Dienst gestellt werden können. Es sollen demgemäß zunächst 18 Torpedokreuzer in Auftrag gegeben werden zu einem Tonnen- g.ehalt von 500—600 Tonnen und einer Geschwiardigkeit von 25 Kwoten, ferner 4 Unterseeboote. Die Schiffe sollen ihre Namen zu Ehren der hauptsächlichsteus Spender erhalten. Der erste in Auftrag zu geberrde Torpedo-- kreuzar soll Feldmarschall Graf Scheremeteff heißen nach dem Grasen Scheremeteff, der über 4 Millionen hergegeben hat. Der Emir von Buckbara hat ebensoviel gespendet, einer der Torpedo kreuz er soll daher „Emir Buchharsky" heißen. Weitere: Namen neuer Schiffe sollen sein: „Stawvrpolsky Trnkhmenets" lnach den Händlern von Stawropol im Kaukasus, die 660000 Mark spendet en V ferner „Finn" (zu Ehren des Senats von Finnland, der 600 000 Mark her gegeben hat) usw. Dem Namen nach scheint die Torpedokreuzer-Flotte also bereits fertig zu sein. Russische Disziplin. Paris, 26. April. Aus Petersburg wird berichtet: 2000 Soldaten der Regimenter Orenburg und Troitsby, Welche sich auf dem Wege nach dem Ktfiegsschauplatze befinden, zerftörteut einen staatlichen Alkoholausschank, sowie die Opferkästen des Rotew Kreuzes. Ein Preußenprinz in Ostafien. Peking, 26. April. (Reuter./ Nach den gegentoärtigett Bestimmungen hat Pnnz Friedrich Leopold von Preußen am. infolge von Herzleiden aus 1OOO CO Sonntaq Peking verla . feit unb sich über Kalgan «nd Kiachte Our russischen Armee begeben. Der Besuch be§ fr™ ist sehr rukng verlaufen: offiziell hat er nur bei Hofe Besuch abgestattet. Der Prinz hat sich über seinen Aufenthalt befriedigt ausgesprochen. Kolonialpost. Paris, 26. April. Der Generalkommissar des französischen Kongo, Gentil, hat eine Verfügung ertasten, wonach der Export von Elefantenzähnen von weniger als 2 Kilo Gewicht untersagt wird. Durch diese Maßregel wird die Schonung der jungen Elefanten bezweckt. Ferner ordnete der Generalkommistar an, daß vom 1. Dezember 1906 ab Elfenbein nicht mehr als SLeuerzahlungSmittel angenommen werden dürfe. Kcer und KlotLe. __ Generalleutnant Em mich, der an die Spitze der 10. Division in Posen tritt, befand sich bereits seit Februar d. I. in seinem Dienstgrade. Er steht im 57. Lebensjahre. Als Bataillonskommandeur stand er um 1890 bei dem 116. Jnf.-Regiment in Gießen und beim 11. Jägerbataillon in *• AuS dem Militär-Wochenblatt. Befördert zum Hauptmann: Finger, Oberlt. der Landwehr-Feldart. 2. Aufgebots (Worms); zu Oberlts.: die Lts. der Res.: Gutmann des Jnf.-Regt§. Markgraf Ludwig Wilhelm (3. Bad) Nr. 111 (Gießen), Ortenbach des Großh. Hess. Train-Bats. Nr. 18 (Worms), Koeniger, Pfeiffer (Gießen), Lts. der Landw.-Feldart. 1. Aufgebots; zu Lts. der Res.: die Vizefeldwebel bezw. Vizcmachtmeister: Weber (Gießen), des 1. Nastau. Jnf.-Regts. Nr. 87, Linken held (I Darmstadt), de§ 1. Großh. Hess. Jnf.-(Leibgarde-)Negts. Nr. 115, Völsing (I Darmstadt), dcS Jnf.-Leib-Regts. Großherzogin (3. Großh. Hess.) Nr. 117, Kaus (I Darmstadt), Reitz (Mainz), des 5. Großh. Hess. Jnf.-Regts. Nr. 168. * * Regimentsbesichtigung. Se. Exzellenz der kommandierende General v. Eichhorn aus Frankfurt trifft Ende der nächsten Woche hier ein zu einer dreitägigen Regimentsbesichtigung. • * Schillerfeier. Unsere Notiz in Nr. 96 vom 25. April können wir heute dahin ergänzen, daß außer dev Vorstellung am Freitag, dem 5. Mai, noch eine zweite Vorstellung mit gleichen Preisen für Montag, dem 8. Mai, vorgesehen ist. Sonntag, den 7. Mai, findet eine Volts-' Vorstellung statt. * * Feuer. Gellern abend 9^2 Uhr brach in einer Scheune des Bäckermeisters Löb er in der Lindengasse Feuer on§. Da alsbald genügend Hilfe zur Stelle mar, blieb das Feuer auf seinen Herd beschränkt, es wurde sogar noch der untere Stock gerettet. Vier Hydrantenschlauche griffen den Brand von allen Seiten an, während eine große Menschenmenge den Platz umlland, so daß die Polizei Mühe hatte, die Absperrung aufrecht zu halten. Die Entitehungsursache ist noch nicht aufgeklärt; der Eigentümer war noch s/t Stunden vorher mit seinen Knechten in dem Gebäude und behandelte ein darin stehendes krankes Pferd. • • Zur Hundesperre. Nach einer an das Großh. Polizeiamt gelangten Mitteilung des Königl. Instituts für Infektionskrankheiten zu Berlin ist auch bei dein zweiten hier am 2. d. M. verendeten Hunde Tollwut fest- gestellt morden. • * Ein blinder Violin-Virtuose wird sich am Dienstag, den 2. Mai, unseren Musikfreunden vorstellen. Laut Zeitungsnotizen ist Hr. Wilhelm Schäfer kein zu unterschätzender Künstler, der mit bekannten Größen, u. a. mit dem dänischen Geigenkünstler One Butt, sowie Prof. Gering (Königl. Musitdirigent) zusammengewirkt hat. Wie aus einem Inserat in der heutigen Nummer unseres Blattes hervorgeht, wegen Dienstunbrauchbarkeit 2,9 als Ganzinvalide 1,6 Die Zahl der Entlastungen Aus Stadt und Land. Gießen, 27. April 1905. •» Ein Jubiläum der Landesuniversität. Am 24. April ds. Js. war ein Vierteljahrhundert verflossen, seitdem das KollegienhauS der Landesuniversität in der Ludwig- straße durch eine festliche Einweihung seiner Bestimmung übergeben wurde. Am 2. Mai 1880,' an einem Montage, begannen in dem neuen Bau die Vorlesungen, und aus dieser Zeit datiert der neuere Aufschwung der Ludovieiana. Nach dem Kollegienhaus entstanden in den verflossenen 25 Jahren das chemische Laboratorium in der Ludwigstraße, das physikalische und das physikalisch-chemische Institut an der Goethe- straße, sowie das neue, jüngst eingeweihte Bibliotheksgebäude an der Stephanstraße, die gynäkologische Klinik und die medizinische Klinik, das hygienische Institut und die psychiatrische Klinik, der sich die der Vollendung nahen, Gebäude der Veterinär-Anstalt und die in Angriff genommenen Bauten der chirurgischen Klinik und der ophtal- mologischen Klinik auf dem Seltersberg würdig anschließen werden. Als da§ Kollegienhaus nach seiner Vollendung in Benutzung genommen wurde, zählte die Universität Gießen 394 Studierende, während heute deren Zahl über 1000 beträgt. Das erste Kollegienhaus der Universität Gießen stand am Brandplatz auf der Stelle, wo heute der nüchterne, an Geschmacklosigkeit seines Gleichen suchende alte Bibliotheksbau sich befindet, der 1839 errichtet wurde und bis 1880 als Kollegienhaus diente. Professor Buchner berichtet über das 1837 niedergelegte älteste Kollegienhaus, dessen Grundstein 1607, wenige Wochen vor der feierlichen Eröffnung der Universität, gelegt wurde: „Es war der Stolz der Gießener Bevölkerung: nrag auch im Laufe der Zeit die Eürrichtuug des BmreS nicht mehr hürgereicht Ausland. Ajaccio, 26. April. Der König und die Königin von England sind mit ihrer von zwei Kreuzern und zwei Torpedobooten eskortierten Jacht heute früh hier ange- tommen. Der König besichtigte heute nachmittag das Bona- partehaus. Rom, 26.April. Das Institut Colonial International verhandelte heute zunächst über die Frage der Bewässerung und Wassergerechtsame. Nach längerer Debatte wurde auf Anregung des Herzogs Johann Albrecht von Mecklenburg und anderer beschlossen, eine Sammlung der Wassergesetzgebung der wichtigsten Länder und eme Darstellung ihrer leitenden Grundsätze herauszugeben. Weiter wurde über die koloniale Bergwerksgesetz- gebung verhandelt. Die Debatte, an welcher sich Köbner- Derlin, v. d. Heydt-Berlin und Janssen-Brüstel beteiligten, betraf besonders die Rolle des Staats in der Minengesetz- gebung, sowie die Frage, inwieweit die Eingeborenen zum Äinenbetriebe zuzulasten sind. Die Mitglieder des Instituts werden morgen vom König empfangen werden. Wien, 26. April. Wie die „N. Fr. Pr." meldet, plant die österreichische Regierung die Erhöhung der Branntweinsteuer um 20 Prozent. Das Erträgnis dieser Steuer soll zur Reform der Landesfinanzen dienen. Belgrad, 26. April. Die Anleihesrage scheint Mieder in eine neue Phase getreten zu sein. Da die Jung- radikalen drohten, mir allen Mitteln eine über den Bedarf zu Bewaffnungszwecken höher steigende Anleihe zu bekämpfen und da man augenscheinlich auf Schwierigkeiten bei den französischen Finanzkreisen stieß, ist die Negierung jetzt geneigt, nur etwa 30 bis 40 Millionen ausschließlich für Be- waffmmg zu kontrahieren. Sollte diese Summe unter gün* stiaen Bedingungen in D-e utschlan d beschafft werden können, fo^ wird auch die ganze Militär-Lieferung der deutschen Industrie überwiesen werden. stärke hat sich also in 10 Jahren gilt in Fachkreisen als sicher, daß daran vorzugsweise die ungeheure Steigerung des Bierkonsums in den letzten zwanzig Jabren schuld hat. Dieser ist nämlich seit Mitte der 80er Jahre bis 1901/02 von 40 auf 124 Liter, also um mehr Marburg. _ Die Zahl der Herzkranken im Heere nimmt beständig zu, woraus sich die Aufmerksamkeit der Militärbehörden schon seit langer Zeit mit Besorgnis gerichtet hat. Das gilt auch für die Marine. Wie der Sanitätsbericht der deutschen Marine für 1899/1901 (Berlin 1903) und 1901/02 (Berlin 1904) S. 27 ergibt, betrug die Zahl der Entlassungen ' " Mann der Kopfstärke: als ein Drittel gestiegen. __ Im Verlage der Holbuchhandlnng von Karl Siegitz- mnnd in Berlin 8W., Destauerstraße 13, erschien soeben: Stecherts Armee-Einteilung und Quartierliste des deutschen Reichsheeres und der kaiserlichen Marine. Nach dem Stande vom 1. April. Nach amtlichen Quellen bearbeitet und herauSgegeben von der Redaktion dcS Deutschen Soldatenhortes. 80 Pfg. — Die Armeeliste enthält eine tabellarische und übersichtliche Zusammenstellung aller Truppenteile der deutschen Armee mit namentlicher Angabe der Chefs (Inhaber), Kommandeure und Standorte, sowie kurze Uni» orm-Beschreibungen und Abbildungen der Regiments- Namenszüge, ferner die Personalien der Kriegsministerien und höheren Militärbehörden, die Generalstäbe, Inspektionen, Gouvernements und Kommandanturen, Erziehungs- und Bildungswesen, Verwaltungsbehörden :c. rc. Deutscher schildert die Lage in Südrußland in den schwärzesten Farben. Die Selbstmorde nehmen in er- schreckender Weise zu. In Ismaila sind an einem Tage 5 Selbstmorde von Gestellungspflichtigen vorgekommen. Die Bewohner vieler kleiner Orte Besarabiens ziehen in Prozessionen zu dem Statthalter, um ihm Bittschriften für Einstellung de§ Krieges zu übermitteln. Kußland in Sturm und Drang. Petersburg, 26. April. (Petersburger Telegr.-Ag.) AuS offizieller Quelle wird folgendes mitgeteilt: Die Meldung einer Londoner Telegraphen-Ägentur, daß eine gewisse Leontieff, die mit anderen Anarchisten in Petersburg -arretiert wurde, einKomplott auf das Leben der K a iser in - 9)1 u 14er vorbereitet hätte, ent behrt jeglicher Begründung. Ebenfalls erdichtet ist die Nachricht, die Leontieff habe zu diesem Zwecke Schritte getan, um zum Hoffräulein ernannt zu werden. Die Leontieff verbrachte fast ihr ganzes Leben im Auslande, wo sie u. a. an der Lausanner Universität Medizin studierte, und konnte nicht auf eine derartige Auszeichnung rechnen; sie gehörte auch ihrer Herkunft nacy nicht deryöheren Gesellschaft von Petersburg an. Es besteht durchaus kein Zusammenhang zwischen dem tragischen Fall des Selbstmordversuches zweier Damen der Aristokratie und dem Komplott der Anarchisten, welche Anfang März in Petersburg festgenommen wurden. Daher ist auch die Meldung, dieses Ereignis hätte in den Hoskreisen große Bestürzung hervorgerufen, ganz unbegründet. Der O f s i z i er des Preobrashenski-Garde-Regimentes, Leontieff, der sich das Leben nahm, ist tatsächlich ein Verwandter der Verhafteten, und zwar ihr Vetter, aber gerade die Tatsache des Selbstmordes des Offiziers, welcher die Schmach, einer Familie anzugehören, von der ein Mitglied der revolutionären Partei angehört, nicht ertragen konnte, beweist, wie stark die Loyalität gegenüber dem Thron unter den russischen Offizieren ist. Die Bemühungen, den tragischen Vorfall und das persönliche Drama zu einem politischen Ereignis aufzubauschen, beweisen nur, wie geschickt die Agitation in der russischen intelligenten Gesellschaft geführt wird. Petersburg, 26. April. Die „Birshewija Wjedomost? oespricht heute Abend an leitender Stelle die in der Stadt umlaufenden Gerüchte, nach denen angeblich am 1. Mai, dem zweiten russischen Osterfeiertage, etwa 5000 Rowdies, sogenannte Hooligans, in Korps auf die einzelnen Stadtteile verteilt, die Straßen durchziehen und dhe gebildete Bevölkerung niedermachen wollen, die Bewegung, so besagen die Gerüchte weiter, sei nicht gegen die Regierung gerichtet und die eigentliche Arbeiterbevölkerung sei an ihr nicht beteiligt. Auch die Zeitung »Ruß" nimmt von den Gerüchten Notiz. Petersburg, 26. April. Der Gehilfe des Dirigenten der Handelssektion im Finanzministerium und Verweser der Sektion für G et r ei d e h a n d e l, Staatsrat Kasperow, ist nach Veruntreuung von 1 300000 Rubel flüchtig geworden. Odessa, 26. April. Infolge der Verbreitung der unwahren Nachricht, die Regierung habe 10 000 Rubel zur Verteilung an die Hinterbliebenen der Reservisten gesandt, Zogen gestern ca. 10 000 Frauen vor das Gemeindehaus und verlangten die Aiiszahlimg des Geldes. Sie ließen sich nicht überzeugen, daß diese Meldung auf einen schlechten Witz zurückzuführen sei, schlugen Fenster und Türen ein und bewarfen die Polizisten mit Gegenständen aller Art. Es gelang erst, die Frauen auseinander zu bringen, nachdem der Bürgermeister als Vorsitzender der Gesellschaft zur Unterstützung der Familien der einberufenen Reservisten eine größere Geldsumme verteilt hatte. Lemberg, 26. April. Wie aus Warschau berichtet wird, wurde der durch ein Attentat verwundete Polizei- meister Baron Nolcken seiner Stellung enthoben und die Leitung des Warschauer Posizeiwesens dem Polizeimeister von Wilna, Oberst Meyer, der ebenfalls ein Deutscher ist, übertragen. Bukarest, 26. April. Ein auS Odessa eingetroffener haben, fo war dieser doch ein Schmuck der Stadt, hinter dem sich turmartig die Sternwarte erhob, mit der reichen Sammlung rtronomijdjer Instrumente, die Landgraf Phrsipp von Butzbach 1643 der nNiversität vermacht hatte. Diese kostbare Sammlung, unschätzbar für die Geschickte der Wissenschaft, an deren Entstebm Kepler lebhaften Anteil genommen, wurde in den 40 er Jahren! des vorigen Jahrhunderts zerschlagen, und als altes Messing vertrödelt. Diese Tatsache mag als beschämender Beweis dienen, wie es um jene Zeit in unserer Hochschulstadt an rechten Männern fehlte, die einem solchen Vandalismus hatten steuern können. „ Der Lehrkörper bestand vor 25 Jahren au§ 54 Dozenten, während heute deren Zahl 99 beträgt. Von den vor 25 Jahren im Amt gewesenen Professoren lehren heute noch: Geheimrat Prof. Dr. Onken, Geheimrat Prof. Dr. Heß, Geheimrat Prof. Dr. Naumann, Geheimrat Prof. Dr. Pasch, Geheimrat Prof. Dr. Eckhard. Die Geheimräte Laspeyres und Thae r wohnen noch in Gießen, befinden sich jedoch im Ruhestand. ** Zum Wechsel im Regimentskommando er< fahren wir folgendes: Oberst o. Graevenitz hatte schon vor reichlich 2 Monaten sein Abschiedsgesuch an Allerhöchster Stelle eingereicht; die Führung des Regiments hatte von be an der dienstälteste Stabsoffizier Major Hofmann, dann der neuernannte Oberstlk. v. Cont a. Bereits am 29 .März hat Herr v. Graevenitz mit seiner Familie Gießen verlassen und ist nach Dessau über gesiedelt, wo er nunmehr im Kleide des friedlichen Bürgers sein Leben sortzuführen und zu beschließen gedenkt, v. Graevenitz stand früher in Dessau, die Familie ist in der Nähe begütert. Am Tage vor der Mreise, am 28. März, wurde im Kasino ein Abschiedsessen gehalten, zu dem außer dem Offizierl'orps die Spitzen der Behörden, Reserveoffiziere des Regiments und Freunde des Scheidenden erschienen waren. ™ v. Graevenitz wurde, am 2. September 1870, also am Tage nach der Schlacht von Sedan, Leutnant im J'nf.-Regt. Nr .93 und erwarb sich während des Feldzuges gegen Frankreich das eiserne ^ireuz. 1878 wurde er Oberleutnant und war als solcher vier Jahre beider Kriegsschule tu Potsdam. Nachdem er in da.s Anhaltische Jnf.-Negt. Nr. 93 zurückgekehrt war, wurde er 1886 Hauptmann, erhielt jedoch später ein um ein Jahr vordat'iertes Patent dieser Charge. 1894 wurde er Major« und war als solcher zunächst bei dem Grenadier-Regt. König Friedrich HI. (2. Schles.) Nr. 11 in Breslau kommandiert und sodann Komm, des 1. Bats. in diesem Regiment. 1897 wurde er Komm, des 1. Bats. in dem neugebildeten Jns.- Regt. Nr. 166 in Hanau, 1900 Oberstlt. im Stabe des Jnf.-Regts. Kaiser Friedrich König von Preußen (1. Württ.) M. 125 in Stuttgart. Am 27. Januar 1903 wurde er unter Beförderung zum Oberst zum Kommandeur des Jnf.-Regts. Kaiser Wilhelm (2. Großh. Hess.) Nr. 116 in Gießen ernannt. — Der neue Regiments!ommandeur Oberst v. Linde n a u wurde 1874 zum Leutnant beim Jnf.-Regt. Nr. 25 und 1884 Oberleutnant bei demselben Regiment. Als solcher war er zwei Jahre lang Adjutant der 39. Inf.-Brigade und wurde darauf beim Generalstab der Armee kommandiert. 1889 wurde er unter Beförderung zum Hauptmann in den Generalstab der Armee versetzt und war zunächst dem großen Generalstabe zugeteilt. Dann gehörte er noch dem Generalstabe des 7. Armeekorps in Münster und dem Generalstabe der 13. Division an. Nachdem er darauf zwei Jahre lang Kompagniechef im Füs.-Regt. König (Schleswig- Holsteinisches) Nr. 86 gewesen, wurde er in Sen General- stad der Armee zurückversetzt und dem Gen.'ralstab der 29. Division in Freiburg i. Br. zugeteilt. In dieser Stellung wurde er 1894 Major. Nachdem er drei Jahre dem Generalstabe der 29. Division angehört hatte, war er noch zwei Jahre lang beim Generalstabe des 14. Armeekorps in Karlsruhe tätig. Darauf wurde er Kommandeur des 1. Bats. im Jnf.-Regt. Prinz Louis Ferdinand von Preußen (1. Magdeburg.) Nr. 27 in Halberstadt. 1901 wurde er Oberstlt. und mit Wahrnehmung der Geschäfte eines Abteilungschefs im großen Genera^lstab beauftragt. Nachdem er zum Chef der 1. Abteilung im großen Generalstab ernannt worden, erfolgte am 18. April 1903 ferne Beförderung zum Oberst. Kanea, 26. April. (Reuter.) Die en^sche Flotte unter den Admiralen Domville und Grenfell kreuzt in der Nähe von Suda. Die Kreuzer „Diana", „Juno" und „Le- viathan" und die Torpedoboote „Albatroß", „Desperate", „Foam" und „Star" segelten mit Ordre nach Marma- ritfa ab. Paris, 26. April. Die Mission de§ Grafen Tatten- bach nach Fez wird in allen politischen Kreisen lebhaft kommentiert. Man glaubt hier zu wissen, daß Deutschland eit Anfang November 1904 an dem Handelsvertrag arbeitet, welcher jetzt in Fez zum Abschluß gelangen soll. — Ministerpräsident Nouvier, der japanische Gesandte Motono und andere politische Persönlichkeiten waren heute zum Diner beim deutschen Botschafter Fürsten Radolin. Zu Ehren des Königs von England gibt Präsident Sou bet im Elysee am Sonntag ein Diner. Ein mysteriöser Todesfall. Ein Telegramm des „Wiener k. k. Telegr. Korr.-Bur." au§ Konstantinopel meldet den Tod des zweitjüngsten Bruders des Sultans, des Prinzen Ahmed Kemal- e b i n, der seit Monaten krank gewesen sei. Da es auch in der Türkei bei dem Tode eines Prinzen nicht üblich ist, daß die Nachncht von seinem Ableben erst nach der Beisetzung bekannt gegeben wird, so ist die Vermutung nicht von der Hand zu weisen, daß bei diesem Todesfall nicht mit rechten Dingen zugegangen ist. Telephonischer Kursbericht . 101.65 I 3*J/n Mexikaner 4% Oesterr. Goldrente 4l/8% Oesterr. Silberrente . 101.10 4l/,°/0 äussere Argentiner Tendenz: schwach. . 90.55 . 101.40 . 90.40 . 100.40 . 99.00 . 101 90 4% 40/, 4% 30/ 1K Ungar. Goldrente Italien. Rente . Portugieser I . Portugiesen. UI UniL Türken . . 96.30 . . 138 00 . . 12 UO , . 209.70 , . 188.00 . 142.20 . . 156 60 . . 169 00 . .142 00 . . 16.60 . . 189.00 . . 270.00 . . 247.00 . . 215 00 . . 100.50 Chinesen Electric. Sohuokert Nordd. Lloyd . . Kreditaktien . . Diskonto-Kommandit Darmstädter Bank Dresdener Bank . Berliner Handelsges Oesterr. Staatsbahn Lombarden . . Gotthardbahn , . Laurahütte . • Bochum . . . Harpener . . . Staatschatzscheine . 100.00 . 105.95 . 67.40 . 67.70 . 88.70 . 136.00 . 51.50 00.00 W/o 8’/o 3V,% 3 % 8Ve% 3l i.% Reichsanleihe do. Konsols , do. . . Hessen . Oberhessen ^toiün, Margueriten, 'Tvelweiß, Vergißmeinnicht, Eichen- blätter usw. Dom Reiz des zeichnerischen Entwurfs ist die über alles Lob erhabene Arbeit gerecht geworden. Die Genauigkeit der 'Ausführung gebt soweit, daß man die Stickerei eher für dao Werk des Silberschmieds als weidlicher Hände halten möchte. Glänzender und matter Laim, Ge- rinn ft, Bouillon, Schnur, spanische Kettchen, Flittern und Silberfäden aller 'Art sind zur Verwendung gekommen, und durch deren geschickte Anordnung wurden herrliche Schattierungen erzielt. Besonders kommen die teils in stark erhabener Arbeit ausgeführten, teils ganz frei vom Gruud- 'toff sich abhebenden Rosen und Kelche zu prunkvoller Wirkung. Die Schleppe wird zu einem weißen, silbergestickten Tüllkleid über rosa 'Atlas getragen werden. * U e b er einAutv mobilabenten er eines Berliner Universitntsvroseiiors wird ans W n r zbu r gemeldet: Der Geheime Mctuzinalrat Professor Dr. Albert Hoffa, Direktor der Univmitätspoliklinik für orthopädische Chirurgie zu Berlin, hatte sein Automobil in München als Frachtgut nach Ochsenfurt aufgegeben, von wo es als Eilgut nach Berlin weiterspediert werden sollte. In Ochsenfurt fand nun ein Bahnbediensteter, daß im Behälter des Wagens sich noch etwa 15 Kilo Benzin befanden. Da die Verfrachtung von Benzin dem Darif für feuergefährliche Gegenstände unterliegt, so witterte er Gebührenhinterziehung, die mit bem zwölffachen Betrage der Fracht bestraft wird, wobei mich die Emballage in diesem Fälle also das sehr schwere Automobil selbst, mitzuberechnen ist. Der Stationsbeamte in Ochsenfurt veranlaßte daher die Anhaltung des Frachtstückes in Würzburg, da die Ware für Fracht und Strafe — im vorliegenden Falle insgesamt 21500 Mark — zu hasten hat. Der Weitertransport wurde deshalb in Würzburg inhibiert. Professor Dr. Hoffa veranlaßte sofort die nötigen Schritte zur Befreiung seines Fahrzeuges, was auch nach kurzer Zeit bewirkt wurde, und zwar gegen Ausstellung eines Reverses, wonach der ^Eigentümer sich vervstichtete, für Fracht und Strafe den königlich baperischen Verkehrsanstalteu aufzukommen. Professor Dr. Hoffa erhebt den Einwand, daß das Gesamtgewicht des Automobils unmöglich als Emballage in Anrcckinnng gebracht werden dürfe, und höchstens der zwölffache Betrag für die Vorgefundenen fünfzehn Kilo Benzin, von deren Vorhandensein er übrigens keine Kenntnis gehabt habe, angerechnet werden könne. Auf den Ausgang dieses seltsamen Rechtsstreites ist man namentlich in den Kreisen der Automobilisten sehr gespannt. — Früher ließen die Professoren den Regenschirm „in Gedanken" stehen. Jetzt sind sie moderner geworden und vergessen das Benzin im Autonlobil. * Eine hübsche Episode, die den deutschen Kronprinzen als schlagfertigen Redner zeigt, wird im folgenden geschildert: Der Kronprinz hatte bei dem Sohne seines Feldwebels (der Kronprinz ist Chef der 2. Kompagnie des 1. Garde- Regiments z. F.i die Vatenstelle übernommen und dem Täufling ein nicht unbedeutendes Geldgeschenk gemacht. Bei dem der Zeremonie folgenden Mahle brachte her Kronprinz ein Hochau den Täufling aus imd meinte dabei: „Möge beim auch dies Kind dazu beitragen, und durch den ehrlichen, geraden Sinn seines Vaters ist es dazu berufen, daß Deutschland auch ferner ruhmreich und mächtig in der Welt dastebt!" In diesem Moment begann das Kind zu schrein. Der Kronprinz eilte an sein Bettchen und sagte: „Du hast acceptiert, mein Kind, Gott sei mit dir zu deinem und deines Vaterlandes Segen." "Kleine Tageschronik. In Oppeln erschoß bei einem Streit einer Zigennerbande ein Zigeuner seinen Gegner, den Vater von 5 Kindern, mit einer Doppelsiinte und entfloh. Sechs andere Zigeuner wurden verhaftet. Schisssnachrichterr. Red Star Linie Vertreter Carl Retter, Gießen, Bleichstraste 8. ' Der Postdamvstr „Kroonland" der Red Star Linie in tönt* werpen, ist laut Telegramm am 24. April wohlbehalten io Newport angekommen. Arbeiterbewegung. Stockholm, 26. April. Nachdem die Sozialisten wegen der im Reichstage eingebrachten Streikvorlaqe den Generalausstand angedroht, haben die Metallarbeiter in Malmö gestern die Arbeit niedergelegt. Stockholm, HelstngforS und andere Städte bereiten sich vor, zu folgen. (Frkß Ztq.l Gießener landwirtschaftlicher Wetterdienst. Vo'nnsstchtttihe Witterung in Hessen für Freitag, den 98. ]905: Vorübergehend aufheiternd, dann wieder Trübung und stellenweise Gewitterregen, warmer. Näheres ixxxb b** Apener Wetterkarte. Ilniversttäis-NaAriLlen. — D i e katholischen Studenten Norddeutschlands rüsten sich zur V e r t e i d i g u n q. Der Philisterzirkel „Kleeblatt" und die akademischen Vereine „Gothia" und „Rbeno-Guestphalia" laden alle Angehörigen des Verbandes nichllarbentragender katholischer Studentenvereine aus Norddeutfchland zu einer Be- svrechung in Hannover ein. In bem Aufruf beißt es u. a.: Nachdem die von der s o g e n a n n t e n liberalen Studentenschaft in Szene gesetzte Hetze gegen die katholischen Korporationen gescheitert ist und die Bewltlgung der letzteren auf gesetzlicher Grundlage stch als undurchführbar erwiesen hat sticht man dies Ziel jetzt auf Umwegen, durch Bopkottieruna der' katholischen Vereine und ihrer Mitglieder zu erreichen. Gegen solche Anfeindungen Front zu machen und den eigenen Standpunkt zu verteidigen ist Pflicht eines jeden Verbandsmitgliedes." Göttingen, 26. Avril. Fünfzehn deutsche Hochschulen haben der vom Senat der hiesigen Universität an den Kultusminister gerichteten Eingabe z u g e st , m m t. werden bei dem Konzert noch mitwirken Frl. Toni Stein - mann, Konzertsängerin in Mainz und Hr. P. Knauth, Hochschullehrer des Konservatoriums zu Dresden. ** Lotteriegemeinschaft. Nach der „Frks. Ztg." /oll bereits in den letzten Tagen der Vertragsabschluß in der Hessisch-Preußischen Lotteriegemeinschaft vollzogen worden sein. ** Das Gr oßher z o glich e P aa r ist heute vormittag, wie uns drahtlich aus Darmftadt gemeldet wird, um 1Ö Uhr in Begleitung von Prinz-essin Dorothea von Solms- Li ch , Prinzessin Luise und PrinzGeorg von Battenberg per Automobil nach Lich gefahren. Die hohen .Herrschaften kehren im Laufe des morgigen Tages wieder nach Darmstadt zurück. — Prinz Ludwig von Battenberg ist ebenfalls heute per Bahn nach Lich gereist. ** Die Aburteilung Huddes. Das nächste Schwurgericht, in welchem voraussichtlich der Fall Hudde zur Verhandlung kommen wird, wird neuem Vernehmen nach noch in der letzten Woche de? Mai stattsinden. Zum Verteidiger HuddeS ist von Amtsweaen Rechtsanwalt Dr. Jung ernannt worden. Grkqinar-Dratjlmesdunqm. Berlin, 26. April. In einem Hause in der Frieden- 'traße wurde ein neuer Fall v on Genickstarre bei einem 11jährigen Knaben namens Schirmer festgestellt. — Den Morgenblättern zufolge legt Paul Lindau am Schluffe dieser Spielzeit auß Gesundheitsrücksichten die Direktion des deutschen Theaters nieder, da er, wie er in einer Zuschrift sagt, sich nicht mehr kräftig genug fühle, eine günstigere Gestaltung der Verhältniffe herbeizuführen, es aber auf die Möglichkeit der Kalamität eines Zusammenbruchs mitten in der nächsten Spielzeit nicht ankommen laffen durfte. — Dem Gouverneur von Südwestafrika, Oberst Leut wein, ist der Charakter als Generalmajor unter Belaffune ä, la suite der Schutztruppe von Südwestafrika ver. liehen worden. — Gestern abend sprang aus dem zweiten Stockwerk eines Hauses ein Mann auf die Straße hinab, rot er mit zerschlagenem Kopfe uud gebrochenen Glied» maßen liegen blieb. Es war der 40jährige Leutnant a. D. v. Kracht, der in einem Anfalle von epileptischen Krämpfen den Arzt und seine Wirtin mit dem Säbel angriff und dann aus dem Fenster sprang. Kassel, 27. April. Der Husar Rhode vom hiesigen Husaren-Regiment ist unter Genickstarre verdächtigen Erscheinungen während des Osterurlaubs in Ober-Kaufungen plötzlich gestorben. Es wurden deshalb alle Urlauber der Kasseler Regimenter telegraphisch zurückberufen, um im Militär- Lazarett beobachtet zu werden. Düsseldorf, 27. April. Infolge Kenterns eines Bootes auf dem Rhein bei Rees durch Wellenschlag eines vorüberfahrenden Dampfers ertrank der Zahlmeister Gabe aus Wesel. Eine zweite Person konnte gerettet werden. London, 27. April. Wie der „Daily Mail* aus Hongkong telegraphiert wird, wurde das Kabel nachHainarr zerschnitten. Man glaubt, daß russische Agenten die Täter sind. Rom, 27. April. Die hier kolportierte Behauptung^ Frankreich habe den Hafen von Tripolis auf 99 Jahre gepachtet, macht böses Blut. Man hofft indes, daß sich die Nachricht nicht bestätigen wird. Einige Abgeordnet« werden in der Kammer hierüber interpellieren. Rom, 26. April. Die „Patria" schreibt: Dank der ruhigen Beurteilung der Dinge seitens Frankreichs sei die marokkanische Frage in eine friedliche Phase eingetreten. Es würde kindisch sein, die hervorragenden Jnter- effen Frankreichs in Marokko zu leugnen, aber De le ass 6 habe sicher einen politischen Fehler begangen, indem er vergaß, daß andere Mächte außer England und Spanien Interessen in Marokko haben. Man habe der Fahrt des deutschen Kaisers nach Tanger eine tendenziöse Bedeutung geben wollen, während Deutschland nichts als die offene Tür in Marokko verlange und feiner Industrie ein gutes Aktionsfeld sichern wolle und gleichzeitig herzliche Bestrebungen zu Frankreich anstrebe. Auch Italien und Belgien, die wichtige Jntereffen in Marokko haben, sollen Sorge dafür tragen, in wirtschaftlicher Beziehung ihre Zukunft besser zu wahren, ohne die hervorragenden Rechte Frankreichs, zu verkennen. Bern, 27. April. Auf dem obersten Teil der P i l a t u s * Bahn waren einige Arbeiter mit der Instandsetzung der Linie beschäftigt, als sie von einer kleinen Lawine überrascht wurden, welche einen jungen Mann namens Achermann über berghohe Felswände hinabstieß. Er wurde als völlig ver* stammelte Leiche aufgefunden. Zürich, 26. April. Heute begann der Durchstich der letzten hundert Meter des großen Jungfrauentunnels. Singapore, 26. April. Das 3. baltische Geschwader unter dem Admiral Nebogatow ist in Penang, an der Westküste der Halbinsel Malacca, eingetroffen. Gerichtssaal. Elberfeld', 26. Avril. Der Fabrikarbeiter Julius Frauenzimmer ans Wald, der im Dezember 1876 wegen Ermordung ferner elf Monate alten Tochter vom Schwurgericht zum Tode verurteilt, dann aber zu lebenslänglicher Zuchthausstrafe begnadigt roofa'-m war, ist am ersten Oster feiert age, also nach'29 fahren, vollständig begnadigt worden. Frauenzimmer ist fetzt 61 Jahre alt. Thorn, 26. Avril. Eine aufregendeSzene spielte sich heute vor dem Schöffengericht ab. Ms gegen den Anstreicher Dorin eine sechsmonatige Gefangnisüwafe wegen Beleidigung des Polizeisergeanten Dehmlow und Widerstands gegen die Staatsgewalt verhandelt wurde, ergriff Dorin das drei Pfund schwere Sand- faß vom Tisch des Gerichtsschreibers,. warf es auf Dehmlow, packte diesen und würgte ihn. Zwei hn Zuschauer- raum anwesende Gendarmen machten den Wüterich dingfest. Von dem Militärgericht in Lands Hut (Bayern') wurde der Leutnant Graf Preysing II. des 2. schweren Reiterregiments wegen Mißhandlung eines Rekruten zu 18 Tagen Stubenarrest verurteilt. Preysing habe den Rekruten auf der Reitschule wegen Unaufmerksamkeit mit der Reitpeitsche derart geschlagen, daß der Mann sich zum Arzt meföeit mußte. Dadurch sei der Fall aufgedeckt worden. Wien, 26. Avril. Unter großem Andrange des Publikums begann beiUe vor dem Schwurgericht der Prozeß gegen das des Raubmordes angeklagte Ehepaar Heinrich und Franziska Klein. Auf die Frage des Präsidenten an die Franziska Klein, ob sie sich schuldig bekenne, erwidert diese leise und zögernd: Nein. Der Präsident konstatiert alsdann, daß die Angeklagte im Fahre 1904 wegen Diebstahls und Betruges bestraft wurde. Es toirrbe ferner festgestellt, daß sie immer gesund und nur in der letzten Zeit schwerhörig war. Ihre Angehörigen wollten ihren Angaben so wenig Glauben schenken, daß sie ihr nicht einmal ihre Verheiratung glauben wollten. Vom Jahre 1897 bis zum Fahre 1902 war die Angeklagte Novize in einem ungarischen Kloster, von wo sie entflohen ist. Später war sie in verschiedenen Häusern Erzieherin. Die Konfrontation des Ehepaares, das sich seit der Verhaftung in Paris nicht gesehen hat, war das interessantere Moment. Franziska Klein gibt zu, daß sie den Mord angestifter habe, bleibt jedoch dabei, daß Heinrich Klein der Mörder ist, wahrend dieser erllärt, daß sie den Mord verübt habe. Er bezeichnet ihre Angaben als Lüge. Heinrich Klein macht allgemein einen ungünstigen Eindruck. Aahnprojckte zur Erschließung des Woflelsberqes. Gießen, 27. April. Tie Stadtverordneten werden morgen zu den Bahn- Hrojekten des Vogelsbergs Stellung nehmen. Es ist deshalb angebracht, hier nochmals auf die seitherigen Bestrebungen hinzuweisen. Seit vielen Fahren wird von einem Eisenbahnkomitee ,n Ulrichstein, dessen rühriger Vorsitzender der kürzlich verstorbene prakt. Arzt Schmid^ in Ulrichstein war, für die Erbauung einer Eisenbahn von Mücke nach Ulrich- stein mit Fortsetzung nach Rixfeld an der Linie Lauterbach-Grebenhain agitiert. Es sind verschiedene Eingaben zur Verwirklichung des Projekts an die Großh. Regierung und den Landtag gerichtet worden, ohne daß jedoch bis jetzt ein greifbares Resultat erzielt worden wäre. Die Verwirklichung des Projektes scheiterte immer an dem Mangel einer genügenden finanziellen Unterstützung durch die beteiligten Gemeinden und das Privatkapital. Die interessierten Gemeinden sind wenig leistungsfähig und können deshalb keine großen Opfer für den an sich sehr wünschenswerten Bahnbau bringen, und der Staat lehnt es ab, die Linie auf.Staatskosten zu bauen. Zu diesem Projekt M''cke-Ulrichstein-Rixfeld kam vor einigen Fahren das Projekt Ehringshausen-Groß-Felda- Ulrichstein, das hauptsächlich in.Groß-Felda Anhänger besitzt. Groß-Felda ist der am meisten aufstrebende Ort des nördlichen Vogelsberges, und es ist zu erwarten, daß die Erbauung euTer Bahn an Groß-Felda vorbei dort neue gewerbliche Unternehm* ungen ins Leben rufen und vorhandene erweitern wird. Diesem Projekte stellen sich jedoch bei der Einmündung der Bahn in die Linie Gießen-Fnlda große Schwierigkeiten entgegen, da der jetzige Bahnhof in Ehringshausen sehr hoch liegt und die Zufuhr von Massenartikeln nahezu uinnöglich wird. Die Einmündung der von Ulrichstein her vrojektierten Bahn in Ehringshausen würde daher den Massengüterverkehr von Ehringshausen nur in geringem Maße an sich gezogen haben. Es wurde deshalb vorg^chla- gen, die projektierte. Linie tiefer zu legen und sie erst bei Burgund Nieder-Gemünden, oder gar bei Mücke in _ die oberhessische Bahn einlaufen zu lassen. — In neuerer Zeit wird nt der Hauptsache nur noch 'für eine Stichbahn von Ehringshausen nach Groß-Felda agitiert, und auch die Hess. Regierung steht diesem Projekte sympathisch gegenüber. t Zu diesen Projekten ist als drittes noch der Plan einer Bahn von Alsfeld über Ulrichstein nach Schotten, gekommen. Das sehr rührige Eisenbahnkomitee in Msfeld projektiert eine Bahn von Alsfeld über Liederbach, Strebendorf, Ober-Breiden- bach, Storndorf, Windhausen, Kestrich, Groß-Felda, Köddingen, Helpershain, Rebgeshain nach Ulrichstein, und diese Linie soll eventuell nach Schotten fortgesetzt werden, um eine duckte Verbindung Alsfeld-Frankfurt a. M. unter Umgebung von Gießen erhalten. Die Vorarbeiten für diese Strecke sind von.dem Komitee eingeleitet, und es scheint, daß auch die beteiligten Gemeinden bereit sind, die erforderlichen Aufwendungen aus sich zu nehmen. , . z ä ... Alle diese Projekte verfolgen den Zweck, den nördlichen Teil des Vogelsberges durch eine Bahn wirtschaftlich zu erschließen und gehen sämtlich — soweit sie nicht eine Stichbahn erstreben — über Ulrichstein. Die hessische Regierung hat bisher noch keine Entscheidung zu gunsten des einen oder anderen Projekts getroffen, da die einzelnen vorgeschlagenen Linien weder in wirtschaftlicher noch in technischer Hinsicht ein abschließendes Urteil gestatten. Für Gießen ist es von besonderem Interesse, daß die Befürworter der beiden ersten Projekte immer behaupten, ihr Verkehr gravitiere nicht nach Msfeld, jondern in erster Linie nach Gießen, wo sich das Landgericht, eine Garmson, Kliniken, Unterrichtsanstalten usw. befänden und wichtige Märkte abgehalten wurden. Die Erbauung einer Bahn über Alsfeld würde sie zu einem großen Umwege nötigen, zumal die projektierte Linie große Windungen vorsieht, und es wurde sich häufig, wie seither, lohnen, bett Weg nach Mucke zu Fuß zurückzulegen und erst von dort die Bahn zu benutzen. Für den Güterverkehr sei der Umweg über Alsfeld aber vielfach ganz unmöglich oder viel zu kostspielig, sodaß der erhoffte Vorteil stark reduziert wurde Zweifellos hat die Gießener Geschäftswelt ein wichtiges Interesse daran, daß sie ihr Hinterland auf dem beguemsten Wege erreichen kann, und dieser führt unbedingt über Mucke. Mucke ist der natürliche Eingang zum Vogelsberg und schon jetzt Knotenpunkt mehrerer Eisenbahnlinien Fm Interesse der Stadt Gießen ist es gelegen, daß die Stadtverordneten Ri-siiekte Mücke-Ulrichstein fordernd zur Seite treten Ueber die Fortsetzung der Bahn über Ulrichstein um-tk Won sich später schlüssig werden können, wenn die "erste wichtigste Strecke bt3 Ulrichstein fertiggestellt und in Betrieb genommen ist.___________________ vermischtes« «Die Courschlepve der Kronprinzessin. Die Äi ,Ä‘T,«S « "T"St e.1 tsAA. s r?" Berliner Kimstgewerbe-Museum nnSatiMlt lie fen P?of. Döpler b. I. entworfene Zeich- ausgestellt, -re von gehalten und ruft, trotz ««afüftruna — schwere Silberstickerer au' durch die Zierlichkeit des Musters doch hellrosa Snwmet - bind) ote o r Die vier vor allem den Eindrua ieicyicr Tanne 'n flepne wird von einer schon Msiierien «orrc W-MWW- andere Blumen emporstrcben. Hier st d,e gliche .»an« gÄÄ«- bestickt: Nelken. Achtung! Vorsicht! beim Einkauf Von w Werner CaMwogaf, M j^^enn Viele Nachahmungen Werden untergeschoben. Frankfurt a. M.. 27. April, 21/. Phr mittasrs. ----- -- 3490 Türkenlose..... 4% Grieoh. Monopol.-Anl. aber nur in Atcrschen, roo MaknLe anshängen. k.bisenachttM-Lotteck! Mehnvg 12.—15. Mai d. IS. 3333 Geldgewinne Gärtnerei, Wiesecker Weg. WtGges Lpeiruö, wenig gefahren, preiswert zu veckaufen. 2268 Näheres Bahnhofstraße 84. 1 zweirädr. Drückkarreu, 2 Fleisch-Wiegen, 2 Fleisch- Hackmaschinen, 1 Wiegeblock, mehrere Fleischkisteu mit Halen zu verkaufen. 02752 Zu ertragen Macktplatz 5. 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