Nr. 173 Zweites Blatt. 155. Jahrgang Mittwoch 26. Juli 1905 •xftftetat S-Nch mit thrfnafjm» de» Sonntag«. Die „»leBenet LaiaiNenblStter- werden dem .Anzeiger viermal wöchentlich betgelegl. Der •QCW4« toeOwixt* erldjetxU moaatUch einmal. Gießener Anzeiger Rotationsdruck und vertag ba Brühl Ich« UntDerfitäLM)ruderet 8t Lange, Dietzen. Redaktion. Expedttio» «.Druckerei: Schulstr.1. Tel. Nr. 6L lelegt^ttbt. r La-eiger Dietz«» General-Anzeiger, Amtr- und Anzeigeblatt für den Kreis Eichen. Soldaterrquäler. Das Depeschenbureau Herold meldet heute: Berlin, 25. Juli. Wegen Mißhandlung voU Untergebenen wurde ein Unteroffizier von der 9. Kompagnie des Königin Augusta-Regiments in Untersuchung genommen. Dieser Fall hängt mit den kürzlich gemeldeten Selbstmordversuchen zweier Untergebener des Unteroffiziers zusammen. Eine Vernehmung der ganzen Kvrporalschast führte zur Inhaftnahme des Unteroffiziers, der dem Regiment seit dem Jahre 1901 angehört. Kriegsgerichtsverhandlungen in Darmstadt und anderen Orten sowie diese Meldung machen wieder einmal die Frage der Soldatenmißhandlungen aktuell. Wer im Reichstag gehört hat, mit welcher aufrichtigen Entrüstung der preuß. Kriegsminister v. Einem sich über Soldatenmißhandlungen äußerte, mit welcher Nachdrücklichkeit der Minister die Bekämpfung dieses Uebels versprach, kann nicht im Zweifel darüber sein, daß es den leitenden Stellen im Heere ernst ist mit den Bestrebungen, den schmählichen Mißbrauch der Gewalt auszurotten. Wohl aber wird Meinungsverschiedenheit darüber bestehen, ob die bisher ergriffenen Mittel wirksam genug sind, eine entschiedene Besserung dadurch herbeizuführen, daß sie das Uebel an der Wurzel treffen. Ein zweckmäßiges Vorbeugungsmittel gegen Soldatenmißhand lung schien die Einführung der Beschwerdepflicht, und zwar bei Strafe im Unterlassungsfall, zu sein. Ein Anfang dazu ist gemacht worden, aber diese Maßregel wurde alsbald als eine Gefahr für die Erhaltung der Disziplin betrachtet. Ein anderer, nach Laienurteil ebenso zweckmäßiger Befehl verfügte, daß der ausbildende Unteroffizier stets einen bestimmten Ab st and von den Rekruten einhalten müsse. Auch diese Neuerung scheint außer Kraft gesetzt zu sein, mindestens haben wir nichts von einer Einführung in weiterem Umfange gelesen. Geblieben sind die eindringlichen Warnungen vor Soldatenmißhaudlungen. Wir wollen gern glauben, daß in dieser Hinsicht nichts unterlassen wird, wir glauben ebenso dem durch die Statistik geführten Nachweis von einer Abnahme der Soldatenmißhandlungen. Aber wenn die Frage gestellt wird, ob eine derart bemerkliche und gründliche Besserung erzielt ist, daß diese Mißhand- lunAen zu den seltenen Erscheinungen zählen, dann muß die Frage ehrlicherweise verneint werden. Es kommen noch viel zu viel Soldatenschindereien zur öffentlichen Kenntnis. Und bei der lähmenden Frrrcht, die manches Opfer fortgesetzter brutaler Quälerei beherrscht und von der Anzeige abschreckt, muß man leider annehmen, daß außerdem eine nicht unbeträchtliche Zahl von Fällen unentdeckt und ungesühnt bleibt. Selbst in der Gerichtssitzung haben die Verhandlungsleiter oft Mühe, den Mißhandelten wie die Zeugen zu einer rückhaltlosen Aussage zu bewegen; so stark ist die Besorgnis, daß durch belastende Bekundungen der Soldat sich bei den unteren Vorgesetzten mißliebig machen könnte. Fast alle Soldatenmißhandlungen weisen das gleiche Bild auf: Auf der Kasernenstube oder im Stall, zu einer Zeit, wo das Erscheinen eines Offiziers nicht zu erwarten ist, gehen die Quälereien der beklagenswerten Menschen vor sich, die irgendwie, sei es durch schlechte Leistung oder durch Beschränktheit oder auch nur durch ihr Dasein den Grimm eines Unteroffiziers erregt haben. Die Kameraden des Gepeinigten schweigen, um nicht selbst an die Reihe zu kommen, mitunter werden sie sogar geznnmgen, sich an den Mißhandlungen zu beteiligen. Besonders der letztere Umstand macht häufig die Entdeckung fortgesetzter Mißhandlungen unmöglich, weil die Beteiligten nun sich als Mitschuldige fühlen und infolgedessen sehr daran interessiert sind, daß nichts verlautet. Erst wenn der Mißhandelte ins Lazarett muß, .o!der wenn ,'ch nach Ablauf der Dienstzeit schwere Gesundheitsschädigungen geltend machen. Pflegt es in solchen Fällen zur Entdeckung zu kommen. Wie ist den Soldatenmißhandlungen mit Entschiedenheit zu begegnen? Da die vorbeugenden Maßregeln nicht so wirken, wie es durchairs zu wünschen ist, kann wohl nur von dem Mittel exemplarischer Bestraffmg ein heilsamer Einfluß erwartet werden. Wenn ein Soldatenquäler weiß, daß ihm seine Taten teuer zu stehen kommen, so wird er zweifellos seiner brutalen Neigungen eifriger Herr zu werden suchen. Indessen, die von den Kriegsgerichten verhängten Strafen wegen Soldatenmißhandlung sind im allgemeinen nicht „exemplarisch". Die Sühne erscheint im Einblick auf das angerichtete Unheil, auf die Folgen der Peinigung, die mitunter ein dauerndes Siechtum herbei führt, in manchem Fall nicht schwer genug, nicht ausreichend. Man wird ja unterscheiden müssen zwischen Mißhandlungen in Aufwallung des Zornes und zwischen raffinierten Torturen, die mit kaltblütiger Grausamkeit erdacht und verübt wurden. Bei Fällen der letzteren Art scheint Milde des Urteils auch dann nicht am Platze, wenn dem Angesckul- bißten die vorzüglichsten Zeugnisse über seine dienstliche Tätigkeit und Befähigung ausgestellt werden. Wir meinen: gerade weil solche im Dienst besonders Tüchtiger: ein besonderes Vertrauen seitens der höheren Vorgesetzten entgegengebracht wird, ist der Mißbrauch dieses Vertrauens doppelt verwerflich. Gegen gewohnheitsmäßige Quäler aber, in denen die Bestie steckt, Quäler, die nach der ganzen Art ihrer Handlungen als unverbesserlich gelten müssen, hilft nur das Eine: i n n u s a n s d e m c c r c 1______ Kellner Meyer. Das Landgericht in Bückeburg lehnte eine Entschädigung des Kellners M c y e r wegen der erlittenen Untersuchungshaft ab, da das Verfahren „weder die Unschuld noch die Reinigung des Angeklagten vom Meineidoerdacht ergeben" habe. So lautet heute eine kurze Oldenburger Meldung. Mit soviel Genugtuung die Nachricht begrüßt worden ist, daß dem Meyer eine Entschädigung für die erlittene stebenmonatige Untersuchungshaft zugesprochen werden würde, mit soviel Erstaunen wird man diese Meldung vernehmen. Doch für diese Entscheidung ist weniger das Gericht, als die Fasiung des Gesetzes verantwortlich zu machen, die, worauf von vornherein beim Erscheinen des Entwurfs aufmerksam gemacht wurde, dem Freigesprochenen nur unter besonders günstigen Umständen das Durchsetzen von Entschädigungsansprüchen ermöglicht. Wahrscheinlich werden nunmehr durch Sammlungen Mittel aufgebracht werden, und eS ist zu erwarten, daß sie reichlich genug fließen, um dem bemitleidenswerten jungen Manne nicht nur eine Entschädigung für den entgangenen Verdienst zu gewähren, sondern ihm auch Unterstützung für die Zukunft zuteil werden zu lassen. ES mag nach streng juridischer Auffasiung zutreffen, was daS Bückeburger Landgericht in die oben in Anführungsstriche gesetzten Worte kleidet, aber die Auffasiung, daß Meyer in seine Lage ohne Verschulden hineingeraten ist, hat sicherlich den bei weitem größten Teil der Oesientlichkeit auf ihrer Seite.________________________________ Aus Stadt und Kaud. Gießen, 26. Juli 1905. •* Der neue Rektor. Se. Kgl. Hoh. der Groß- herzog haben Allergnädigst geruht, am 22. Juli ds. Js. den ordentl. Profesior in der philosophischen Fakultät Geh. Hofrat Dr. Otto Behaghel zum Rektor der Landes- unioersität für die Zeit vom 1. Oktober 1905 bis 30. September 1906 zu ernennen. " Personalien. Se. Kgl. Hoh. der Großherzog haben dem Forstwart der Kommunalforstwartei Rockenberg, Weil zu Rockenberg, aus Anlaß seiner Versetzung in den Ruhestand den Charakter als „Förster" verliehen. ** Grund steinlegung zur Bismarcksäule. Die auS Anlaß der Grundsteinlegung der Bismarcksäule geplante Wagen fahrt nimmt ihren Weg vom Kollegienhaus aus durch die Goethestraße, Südanlage, Seltersweg, Kreuzplatz, Marktplatz, Kirchenplatz, Walltorstraße, Nordanlage nach der Hardt. Die Feierlichkeit wird eröffnet durch den Kaisermarsch von Wagner, alsdann folgt die Festrede von Profeffor Dr. Haller, hierauf die Rede des Vertreters der Studentenschaft, stud. Schlie (Arminia). Dann erfolgen durch die Spitzen der Behörden, die Chargierten der Korporationen und die Fakultätsvertreter die Hammerschläge. Die Feier schließt mit dem Althessischen Präsentiermarsch. Abends 8’/2 Uhr findet Kommers der Studentenschaft auf TextorS Terrasie statt. Wchtarer Koethekenntr. Ein Erlebnis von Josef Wenz. (Original-Artikel des „Gießener Anzeiger") Wir fitzen im Schützengarten in Wetzlar. Am Fuße des Hügels, 6er die Ruine KalSmunt trägt, von der aus der Blick über ein herrliches Stückchen Erde schweift. In der rebumsponnenen Laube fitzt sich's gut. Man schaut hinaus auf die sonnbeschienene Stadt, die sich so malerisch am Berg hinaufzieht, auf den ragenden Dom und die grünen Höhen. Vom Dome herüber klingen die Glocken und verkünden das Andenken eines Großen. Wir sind in heiterer Laune und zu Scherzen aufgelegt. „Kellner l* ruft mein Begleiter. „Sagen Sie mal, wisien Sie vielleicht, ob man jetzt den Herrn Goethe sprechen kann?" Der Gefragte sieht uns ziemlich ratlos an. „Wen? Goethe?" Sein Gesicht nimmt einen nicht gerade besonders geistreichen Ausdruck an. „Ja, Goethe. Wir möchten ihn heute gern mal sprechen. Wißen Sie nicht, wann man das kann?" „Nein, nein." „Der muß doch Sprechstunden haben. Kennen Sie ihn denn überhaupt nicht?" „Den Herrn Goethe? Nein, den kenn' ich nicht. Ich bin erst seit 14 Tagen hier und von Frankfurt gekommen. Aber der andere weiß es vielleicht. Du, Fritz, die Herren möchten den Herrn Goethe sprechen. Weißt Du, wer das ist?" Fritz erscheint. a „Wissen Sie, ob man den Herrn Goethe jetzt sprechen kann? „Goethe? Hier? In Wetzlar? Nein. Den teim ich nicht" Tie beiden Goethekenner verschwinden und lasten uns Zeit, anseren Lachmuskeln freien Lauf zu lasten. Ter erste kommt wieder in unsere Nähe. a „Ja, sagen Sie mal, wie ist es denn mit dem Herrn Goethe? „Der ist ja schon lang tot*, laate er, mit dem ganzen Gesichte {pthetib Ich weiß nicht, ob er sich diese Wissenschaft bei der Köchin oder beim Stubenmädchen geholt hat. Nun taucht auch Fritz wieder auf der Bildfläche auf und kommt mit sieqesgewifsen Schritten auf uns zu. „Das war ja 'n Dichter, der Goethe. Der hat im Jahr 1775 hier gelebt", verkündet er triumphierend. Na, ungefähr stimmts ja auch. Der Herr Wirt, hinter dem wir das Orakel wohl zu suchen haben, haben sich mir um drei Jahre geirrt. „Ja, dann können wir ihn allerdings nicht mehr aufsuchen.* Mit diesen Worten verlassen wir das Lokal, verfolgt von den überlegenen Blicken der beiden Goethekenner, die uns zu sagen scheinen: „Na, denen haben wirs aber^mal gezeigt!* — Der Umbau des Darmstädter Hoftheaters ist, so schreibt man uns aus Darmstadt, jetzt so weit vorgeschritten, daß sich ein Einblir in die Veränderungen, die das alte Haus erfahren hat, gewinnen läßt. Der Bühnenraum und die Sperrsitze sind zwei Meter tiefer gelegt worden. Auch die ganze Anordnung der übrigen Sitzplätze ist eine flachere, fodaß man zu den Rängen nicht mehr so viel zu steigen hat, wie das früher der Fall war. Dadurch hat sich der Zuschauerraum westuit- lich zu seinem Vorteil verändert. Die Gesamtzahl der Plätze ist um 240 auf über 1400 gestiegen. Das Foher ist unverändert geblieben, nattirlich aber durchaus renoviert worden. D er Bühnenraum wurde in modernfter Weise ausgestattet: hier herrschen, wie in allen neueren Theatern, die Eisenkonstruktwnen vor. Eine wichtige Neuerung ist die Errichtung des fisebäudes für die Unterbringung der Dekorationen, das an das Theater ulbst angebaut ist Neue Dekorationen sind bisher nicht beschafft worden, doch dürfte dies für einzelne Stücke noch geschehen, denn in den neuen Rahmen passen auch neue Bilder besser. . Selbstverständlich ist auf die Fruerncherhett im weitesten.Maße Nuckffcht genommen Die Garderoben find so schon geräumig, das; sich manches 2T)eatcr daran ein Muster absehen kann. Wie gesagt, sind die Bauavbeiten so weit vorgeschritten, daß der^Eröffnung des Theaters am 17. September nichts un Wege stehen durste. ** 5)ie fün füge Volkszählung. Nach Beschluß des Bundesrates sollen bei der am 1. Dezember stattfindenden Volkszählung folgende Fragen beantwortet werden: Vor- und Zuname, Verwandtschaft oder sonstige Stellung zum HauShaltungSvorstand, Familienstand, Geschlecht, Geburtstag und Geburtsjahr, Hauptberuf und Stellung im Hauptberuf, Religionsbekenntnis, Staatsangehörigkeit, ob im aktiven Dienst des Deutschen Reiches ober der deutschen Marine stehend, und schließlich für reichsangehörige, landsturmpflichttge Männer im Alter vom 39. bis zum vollendeten 45. Lebensjahre die Frage, ob militärisch ausgebildet (und zwar im Heer oder in der Marine), oder ob nicht militärisch ausgebildet. Außer diesen Fragen, die gemäß Anordnung des Reichskanzlers vom 22. März d. I. für sämtliche in der Nacht vom 30. November auf den 1. Dezember innerhalb der Grenzen der deutschen Staaten anwesenden Personen beantwortet werden sollen, steht den einzelnen Negierungen das Recht zu, Zusatzfragen zu stellen. ** Eine Buchbinder-Aus st ellung. Der Mitteldeutsche Kunstgewerbeverein veranstaltet vom 15. März bis 16. April 1906 in Frankfurt eine internationale Buch- binderkunstauSstellung. Die Ausstellung kann von Berufsund Liebhaber-Buchbindern des In- und Auslandes, wie auch von Bücherfreunden und Museen beschickt werden. Für besonders gute Leistungen ist die Erteilung von Diplomen in Aussicht genommen. ** Die Akademie für Sozial- und Handelswissenschaften und das Soziale Muse uw zu> Frankfurt a. M. haben eine Preisaufgabe veröffentlicht. Sie hat folgendes Thema: Welche gesetzlichen Maßregeln sind innerhalb des Rahmender heutigen Gesellschafts- und Wirtschaftsordnung möglich und empfehlenswert, um das im Stadterweiterungsgebiete gelegene Gelände für die Herstellung von Wohnhäusern auch gegen den Willen der Eigentümer verwertbar zu machen? Nachdem die große sozialpolitische, volkswirtschaftlichv und rechtliche Bedeutung der mit der Stadterweiterung verbundenen Vorgänge und Fragen mehr und mehr erkannt ist, so lautet die Veröffentlichung weiter, ist eine, die verschiedenen Seiten der Materie berücksichtigende öffentlich-rechtliche Regelung dieser Verhältnisse ein dringendes Bedürfnis geworden. Allseitig anerkannt ist, daß die öffentliche Gewalt in der einen oder anderen Weise einzugreifen hat, mn! die Aufftellung zweckmäßiger Bebauungspläne zu sichern und die Anlage der vorgesehenen Straßen und Plätze unter an gemeßener Regelung der Kostenfrage herbeizuführen. Auch s.nd bereits in verschiedenen Ländern gesetzliche Bestimmungen erlassen, die darauf hinzielen, auf öffentlich-rechtlichem Wege die Hindernisse, welche sich der Bebauung durch die Zersplitterung des Grundbesitzes entgegenstellen, zu beseitigen (zwangsweise Umlegung). Darüber hinaus sind, wenigstens in Deutschland, bisher Versuche öffentlich-rechtlicher Regelung der Verhältnisse kaum gemacht. Es soll hier nunmehr zur Untersuchung gestellt werden, inwieweit die in anderen Staaten bereits getroffenen Maßnahmen oder die von verschiedenen Seiten schon gemachten Vorschläge oder aber andere neu vorzuschlagende Wege geeignet sind, auf dem Boden der heutigen Gesellschafts- und Wirtschaftsordnung den Uebelstanden entgegenzutreten, welche sich insbesondere daraus ergeben, daß die privaten Eigentümer das zur Bebauung erforderliche Gelände nicht oder nicht zu angemessenen Preisen zur Verfügung stellen. Die bisherigen Maßnahmen und Vorschläge lassen sich etwa dahin ztffammenfassen: Forderung eines Vorkaufsrechtes der Gemeinden für den innerhalb ihres Weichbildes liegenden! Owund und Boden (Kommunalprogramm des National- sozialen Vereins, Protokoll des 4. National-sozialen Ber- treterta^ von 1899 zu Göttingen, auch abgedruckt in Adickes, Die sozialen Aufgaben der deutschen Städte, und Damaschke, Aufgaben der Gemeindepolitik). Ausdehnung des Enteignungsrechtes für öffentlich-rechtliche und gemeinnützige Körperschaften im Interesse der Wohnungsfürsorge; Gesetzgebung in Belgien (expropriation Par zones) und .Holland. Schaffung eines Rechtes für Baulustige, das im Stadterweiterungsgebiet gelegene, im Eigentum anderer stehende Gelände für Erbauung von Wohnhäusern in Anspruch zu — Die moderne Architektur. In Wien fand aus! Anlaß des zehnjährigen Bestandes einer hochangesehenen Architektenschule ein Bankett statt. Als erster Redner sprach Architekt Theodor Deininger. Er besprach den Kampf der moderne» mit der alten Nichttmg, welcher mit einem vollen Siege der ersteren geendet habe. Oberbaurat Wagner führte aus, daß Werke der Kunst und Menschen etwas beständig Werdendes seien. Die Architektur hat mit den Errungenschaften der Menschen gleichen Schritt gehalten. Sie hat die Individualität, das kostbarste Gut des Kunstjüngers, geschützt, endlich hat sie versucht, der Baukunst die ihr gebührende Führerrolle in der Kunst wieder zu verschaffen. Wenn die Allgemeinheit unser Bestreben noch nicht unbedingt anerkennt, so liegt der Grund darin, daß die Allgemeinheit jeder Neuschöpfung abhold ist und ihr auch das richtige Empfinden zur richtigen Beurteilung fehlt. Zum Beweise dessen weise ich darauf hin, was die Allgemeinheit an dem größten Wiener bildenden Künstler, Gustav Klimmt, verbrochen hat. lWir haben darüber seinerzeit kurz berichtet: die Gemälde Klimmts wurden aus der Aula der Wiener Nnivcrsttät gewiesen. D. Red.) Sehen wir auf die Leistungen unserer weiteren Kollegen, fo_ können wir ohne lleberhebung die Tatsache konstatieren, daß wir deutschen Völker mit unserer Kunst, sicher ab r mit der Baukunst und dem Knnstgewerbe, an der Spitze aller Knlturstaaten marschieren. — Joses Kainz und Hermann Sudermann. Wir jetzt bekannt wird, hat Kainz bei fernem letzten Aufenthalt in. Berlin während seines Gastspiels mit den Mitgliedern des Burgtheaters im Berliner Theater auch Sudermanns neues Schauspiel „Stein unter Steinen" kennen gelernt; trotz der anstrengenden Proben und seines allabendlichen Auftretens sand der Künstler die Zeit dazu: Ter Dichter, der auch der ersten Vorstellung seines „Fritzchen" durch das Wiener Ensemble in einer Loge beigewohnt hatte, las Kainz im intimsten Kreife sein jüngstes Werk vor, das im November dieses Jahres im Burgthealer in Szene gehen wird. Joses Kainz spielt in „Stein unter Steinen", von dein er sich sehr entzückt zeigte, die männliche Hauptrolle. nehmen (Vorschlag von Fancher in der Berliner Viertel- jahrsschrift für Volkswirtschaft, XVI [1866], und Verhandlungen des deutschen volkswirtschaftlichen Kongresses in Wien 1873), oder Herbeiführung eines Bauzwanges unter gewissen Voraussetzungen. Bei der Behandlung dieser und etwaiger anderer Vorschläge und Maßnahmen ist die Frage, zu welchem Preis und unter welchen Bedingungen das Gelände zu übernehmen ist, besonders eingehend zn erörtern. Schließlich sind die Mittel zu erörtern, durch welche die Spekulation wirksam verhindert werden kann, das der Bautätigkeit erschlossene Gelände sich wieder zu unterwerfen und dadurch die Wirkung der öffentlich-rechtlichen Maßnahmen wieder aufzuheben. Es ist erwünscht, daß die Vorschläge in einem detaillierten Gesetzentwurf ihren prägnanten Ausdruck finden. Die Behandlung des Themas hat sowohl nach der j u r i st i s ch e n als nach der volkswirtschaftlichen und sozialpolitischen Seite hin zu erfolgen. Die Erörterung der Steuerfragen fällt nicht in den Rahmen der Aufgabe. Es ist zulässig, auch nur eine der in Rede stehenden Maßregeln und Vorschläge zu behandeln. Die Preisarbeiten, welche in deutscher, französischer oder englischer Sprache abgcfaßt sein können, müssen bis spätestens 1. Januar 19 06 an den Rektor der Mademie für Sozial- und Handelswiffenschaften, Professor Dr. Bur- chard zu Frankfurt a. M., Börsenstraße 19, eingesandt sein. Sie sind mit einem Kennwort zu versehen. Der Name des Verfassers ist in einem mit dem Kennwort versehenen verschlossenen Umschlag anzugcben. Für die Preisvcrteil- ung steht die Summe von 3000 Mk. zur Verfügung, die nach Ermessen des Preisgerichts ganz oder geteilt zuerkannt werden kann. Anfragen und Mitteilungen, welche das Preisausschreiben betreffen, sind cm den Rektor der Mademie für Sozial- und Handelswissenschaften zu Frankfurt a. M. zu richten. "Im Volksdialekt befinden sich vereinzelt Worte, deren Klang, Bedeutung und Entstehung fremdartig erscheint. Es krönt, so schreibt man uns aus Waitershain, den Flaggenmast unseres neu erbauten Schulhauses ein kunstvoll in Eisen getriebener Vogel aus der Werkstätte des Kunst- schlosiers und Bürgermeisters Sann. Der Volksmund bezeichnet diesen Vogel mit dem sonderbaren Ausdruck „I lm en- d rutsch" und meint damit einen großen Raubvogel. In anderen Orten gebraucht man für einen solchen das Wort „Br uchpätsche". Es wäre gewiß von Interesse, wenn jemand die Entstehung beider eigenartiger Bezeichnungen näher erklären könnte. ** ®in netter Setzfehler ist einem Blatte in der Umgegend passiert. In einem Festbericht heißt es, dem Turnverein sei von dem Bürgermeister eine schöne Zahnbürste überreicht worden. Das ist gewiß ein nützliches Instrument, eignet sich aber doch weniger zum allgemeinen Gebrauch. Es war auch gar keine Zahnbürste, sondern eine Jahnbüste. Mainz, 24. Juli. Der Verein Mainzer Kaufleute hat vor kurzem an das Reichspostamt das Ersuchen gerichtet, die Postanweisungsgebühr für Beträge bis zu 20 Mk. auf 10 Pfg. zu ermäßigen. Dieses Ersuchen ist von der Behörde vorerst abschlägig beschieden worden. — Die hiesige Handelskammer befürwortet den Weiterbau der Selztal- b a h n von Stadecken nach Niederolm und damit den Anschluß an die Mainz—Alzeyer Linie. Die Stadtverordnetenversammlung wird demnächst zu einer Forderung eines Zuschußes zu den Geländeerwerbskosten Stellung zu nehmen haben. Es wird an einem zustimmenden Beschluß nicht gezweifelt, da die Stadt Mainz an dem Bau der genannten Anschlußlinie interessiert ist. ** Kleine Mitteilungen aus Hessen u/nb den Nachbar st aalen. Der Turnverein in Friedberg, einer der, ältesten des Turngaues Hessen, feiert nächsten Sonntag sein 60 jähriges Bestehen. — In Reichelsheim soll im Herbst mit dem Bau eines Elektrizitätswerks für ca. 12 Orte der mittleren Wetterau begonnen werden. Das Unternehmen soll in der Nähe des Bahnhofes errichtet werden. — Bürgermeister Georg Reitz in Södel, wohl der Nestor unter den Bürgermeistern der Wetterau, ist im hohen Alter von 82 Jahren gestorben. — Die Heuchelheimer Kirmes finbet am 20. intb 21. August att — Unter den Schulkindern in Ruppe r t e n r o d ist nach ärztlicher Feststellung Scharlach äus- -gebvochen. Die Krankheit tritt bis jetzt vereinzelt auf. — Die Generalversammlung desD.- und Oe. Alpenvereins . wurde^ am 25. d. M. in Bamberg abgehalten, wo der Verein zum >L-chutze und zur Pflege der Alpenpflanzen seinen Sitz hat, der eine reizende Ausstellung lebender Alpenpflanzen ver- anstaltft hat. Die Generalversammlung wurde vom Zentralpräsidenten Prof. A $ 15 Innsbruck geleitet. Der Jahresbericht konstatiert, daß Zahl der Sektionen auf 319 und der Mitgliederstand auf gestiegen ist. An Schutzhütten besitzt der Verein zur Zett 224, davon 160 bewirtschaftete. Die Markierungen von Gebirgswegen haben weitere Fortschritte gemacht: nahezu 2000 Wegetafeln wurden im verflossenen Jahre neu aufgestellt. Es wurden fünf Führer- und ein Ski-Kurs äbgehalten. Eine große Karte der Marmolata - Gruppe 1:25 000 wird demnächst et* schönen: Karten der Mlgäu-Lechthaler Gruppe und der Brenta- Gruppe werden vorbereitet. Für wissenschaftliche Unternebm- ungen, insbesondere h'ir meteorologische Stationen und Gletscher- forschung wurden 7051 Mark aufgewendet. Die Zentralbibliothek m München verfügt über etwa 10 000 Bände und 2000 Karten. alpinen Rettungsstellen hat sich auf 172, die der Meldestellen auf 615 erhöht. Für Ausrüstung dieser Stationen wurden nahezu 23000 Mark verausgabt. Der Ka ssenbericht, sowie der Voranschlag für 1906 wurden genehmigt. Darnach sind Einnahmen und Ausgaben für 1906 mit 476 000 Mk. vorgesehen. Von den Ausgaben sind 226 400 Mk. für die Zeitschrift, 144 000 Mk. für Weg- und Hüttenbauten, 19 500 Mk. für das Führerwesen, 7000 Mk. für wissenschaftliche Unternehmungen, 8000 Mark für die Bibliothek und 4000 Mark ftir das Rettungswesen besttmmt. Zur Ehrung des um den Verein hochverdienten verstorbenen Professors Eduard Richter wurde ein jährlicher Beittag von 2000 Mark zum Posten der wissenschaftlichen Unternehmungen bewilligt. Gewählt wurden: In den wissenschaftlichen Beirat Professor Penck-Wien und S e e m ü l l er-Innsbruck in den Weg- und Hüttenbauausschuß Unterstaatssekr. im Reichspostamt S tz d o w-Ber- lin und Berger-Warnsdorf, in die Führcrkommission Förch er-M aper-Bozen und Gordon-Wien. Ms Ort der nächstjährigen Generalversammlung wurde Leipzig gewählt. Für die folgenden Jahre liegen von den Sektionen Innsbruck, Graz und Tegernsee Einladungen vor. Die Festlichkeiten nahmen einen schönen Verlauf. Für die nächsten Tage sind Ausflüge beabsichtigt in die Umgegend von Bamberg, in die fränkische Schweiz, den Thüringerwald, die Rhön, das Fichtelgebirge, den bayrischen Wald und das bayrische Hochgebirge. _______ Dertnifd)6es. * Ein fürchterliches Brand Unglück. Aus New- Hork wird gevteldet, daß ein ungeheurer Brand in der Nähe der Stadt Austin im Staate Texas wütet und zwar indem Gebiet, wo sich die Petroleumquellen und die großen Petroleum-Reservoire befinden. Die Quelle sowie die Reservoire stehen in Flammen. Ein Flächenraum von über zwei Quadratkilometer bildet ein Flammenmeer. Der Schaden ist noch nicht zu übersehen. 2 0 Personen sind in den Flammen umgekommen, 50 erlitten gefährliche Brandwunden. • Unfälle. In einem Schieferbruch zu Thuin (Belgien) fand ein Erdrutsch statt, wodurch zwei Arbeiter verschüttet wurden. Bis jetzt ist eS nicht gelungen, die beiden Leichen zu bergen. — Bei Palermo fand in einer Grube infolge Explosion schlagender Wetter ein Erdrutsch statt, wobei 12 Arbeiter getötet, 4 schwer und zahlreiche andere leichter verletzt wurden. — In der Nacht entgleiste bei der Station Wyaschli unweit Morschansk (Rußland) ein nach dem fernen Osten gehender Militärzug. Viele Soldaten trugen mehr oder minder schwere Verletzungen davon. * Epidemien. In Paris soll eine Epidemie von schwarzen Pocken ausgebrochen fein. 48 Erkrankungsfälle seien bereits konstatiert, 21 Erkrankte ins Hospital gebracht worden. Die Sanitätsbehörden haben die umfassendsten Vorsichtsmaßregeln getroffen, um eine weitere Ausbreitung der Krankheit zu verhindern. — Aus New - Orleans wird amtlich mitgeteilt, daß 17 Fälle von gelbem Fieber fest- gestellt worden sind, von denen 6 tödlich verliefen. * Ein moderner Gargantua. Der größte Speisenvertilger auf der Welt ist wohl der Arbeiter Peter Dalbeck in Montreal. Der gute Mann muß entschieden einen Magen haben, dessen Wände mit eisernen Platten versehen sind. Er kann in zwanzig Minuten, ohne irgend welche Beschwerden zu verspüren, vier Dutzend Eier essen und an einem Tage 175 Glas Bier trinken. Aus Anlaß einer Wette verzehrte Dalbeck in einer Nacht sieben Schüsseln Wild, acht Omeletten, sechs Beefsteaks mit dem genügenden Quantum Brot und Kompott. Jedenfalls tut man gut, diesen Herrn Dalbeck nicht zur Tafel zu laden, denn das Vergnügen dürfte etwas kostspielig werden. "Wer getötet wird, erleidet keinen Schaden! Ein Ehemann, beffen Frau bei einer Eisenbahnfahrt tödlich verunglückte, erhob Anspruch gegen den Eisenbahnfiskus, den er durch alle Instanzen verfocht. Schließlich wurde vom Reichsgericht durch Urteil vom 24. Mai 1905 die Revision des Klägers zurückgewiesen. Der klassische Schlußsatz dieses Urteils lautet wörtlich: „Einen Schaden hat aber die Frau, da sie getötet worden, nicht erlitten; nur das Fahrgeld konnten ihre Erben oder der Kläger auf Grund des ehelichen Güterrechts zurückfordern; einen solchen Anspruch haben aber die Kläger nicht erhoben." Also nach Ansicht des höchsten deutschen Gerichtshofes erleidet jemand, der getötet wird, keinen Schaden! * Der gestörte Preischor. Der Männergesangverein eines kleinen rheinischen Ortes hatte zum Gesangswettstreit geladen. Unter anderen kam auch ein Verein, dessen Mitglieder sich in wochenlangen Proben auf das große Ereignis vorbereitet hatten. Im Bewußtsein des sicheren Sieges betraten die wackeren Sängersmannen die Bühne. Tiefe Stille tritt ein. „Schäfers Morgenlied" soll erklingen. Dreißig Lippenpaare öffnen sich und — ein brausendes Gelächter durchdröhnt den Zuschauerraum. Die Sängerschar steht ganz verdutzt und will aufs neue beginnen. Das gleiche Gelächter. Da wird dem Dirigenten die Ursache klar. Jeder der Sänger hatte sich kurz vor dem Auftreten an — Heidelbeeren gütlich getan und natürlich die Spuren davon auf dem „Sängermund" zurückbehalten, was einen unbeschreiblich komischen Eindruck machte. Mit der Stimmung war es natürlich vorbei und mit dem ersten Preis auch. * Kegeljungen wünsche. Ein erheiternder Brief, dessen Inhalt allerdings kein Muster von Orthographie ist, der aber seines drastischen Inhalts wegen gewiß manchen Leser in gute Laune versetzen wird, ist an den Vorsitzenden eines Kegelklubs gesandt worden. Der Inhalt des Briefes ist wörtlich folgender: „Wie mich erzählt sind sie Preses von den Kegelklubb Hein ©mitt. Ich richte mir dahehr im Namen des Sentrahlserbands der Kegel-Jungs an ihnen mit die Aufforderung folgenbe Para- Grafen strenge inne zu halten, sons kriegen sie keine Jungs meer, denn in meine Oren sind verschiedenes gekommen, was nich darin gehert und was nich mit unsere Staat-Tuten über 1 ist. Ihr Klubb ist mich schon lange ein Dohrn ins Auge gekommen, erste maal wegen das Viehle Wechseln und bann wegen die schlechte Behandlung. Para-Graf 1. Die Kegelzeit darf nich über drei Stunden teglich' sein, zwischen 12 Uhr Nächtens und 4 Uhr Mittags darf nich gekegelt werden, der Mine-Ral Lohn für 3 Stunden betrogt 1 Mk. die Person. Para-Graf 2. für Uehberstunden wird 3 Groschen die Stunde berechnet; auser dem müßen dann drei Jungs ankaschiert werden, damit sich immer einer was ausruhen kann. 3. führ jede Stunde ist fütir jeden Jung ein Glas Bier oder sonst zu liefern, aug mus jede Stunde 10 Minuhten Pause abgehalten sein, damit jeder Jung sein Bier aus Trinken kann oder sons wes machen kann, wofür der Vreses aufkommt. 4. Unse Mid- alieder sind immer anständig zu behandeln, wie wir sie auch an- ftengig behandeln, Ausdrücke wie Jungs hohlt das Muhl, wenn unse Mid Glieder sich mal übern Verband sprechen, sind nich zu machen wie wir nich über sie auch nich machen. 5. Sollten sie sich verstoßen, so wird über sie gestretcht mit alle unse Mitteln. Ergebens August Lehmann, Preses von den Sentrahlserbands der Kegel Jungs. Dloten Beene Das Pudelgeld ist unser, für 2x9 einen g rösch en." Hcrichtssaat. (n.) Gießen, 25. Juli. Die Strafkammer verurteilte heute den seither unbestraften Schreiner Heinrich I. vvn Ober- Breidenbach wegen Sittlichkcitsverbrechens zu drei Jahren 6 Monaten Zuchthaus und sprach ihm die bürgerlichen Ehrenrechte auf_5 Jahre ab. I. hat im Laufe der drei letzten Jahre mit fünf Schulmadckren, die von Zeit zu Zeit in seine Werkstatt kamen, um Holzabfälle zu holen, unsittlichen Verkehr gepflogen. Er ist verheiratet und Vater mehrerer Kinder. — Der Taglöhner Johannes H. III. und der Dachdecker Adam Sch. von Rüddingshausen wurden durch das Schöffengericht Homberg wegen gegenseitiger Körperverletzung zu je 3 Monaten Gefängnis und H. außerdem wegen Bedrohung der Frau des Sch. zu drei Tagen Gefängnis verurteilt. Das Urteil wurde von beiden angefochten; H. war die Strafe zu hoch und Sch. berief sich auf Notwehr. Zwischen den Angeklagten besteht schon längere Zeit erbitterte Feindschaft. Ms eines Abends dem Sch. eine Fensterscheibe eingeworfen wurde, bezeichnete er H. als den Täter, worauf dieser mit einem Baumschäler auf ihn eindrang und ihm eine Verletzung am Kopfe beibrachte. Sch. wehrte sich mit einer Mißgabel, die er H. in die Hüfte stieß. Hierbei drohte H. der hinzueilenden Ehefrau des Sch. mit Halsabschneiden, wenn sie sich, nicht entferne. Wenn auch eine Notwehr auf feiten des Sch. nicht als feststehend angenommen wurde, so konnte doch das Gegenteil auch nicht als erwiesen bettachtet werden. Es mußte deshalb bezüglich des Sch. Freispruch eintteten, im übrigen fand das Urteil feine Bestätigung. — Wegen eures an einem sechsjährigen Kinde verübten Sittlichkeitsverbrechens hmrbe der 14 jährige Fabrikarbeiter Konrad P. von Lauterbach zu sechs Wochen Gefängnis verurteilt. Er hatte das Kind in ein Haus gelockt, indem er ihm Geld versprach, und nachdem er die Türe verschlossen hatte, die Handlung vorgenommen. Die anfänglichen Zweifel an der zur Erkenntnis der Sttafbarkeit erforderlichem Einsicht wurden durch das Verhalten des Angeklagten, der sich sehr geschickt verteidigte, gehoben. Wenn er auch zur Zett ber Tat an eine gerichtliche Bestrafung nickst dachte, so kam ihm, nach seiner eigenen Angabe, in der Folge doch zum Bewußtsein, daß ein derartiges Verbrechen mit Freiheitsstrafe geahndet wird. Da er das strafmündige Alter noch nicht lange überschritten hat, wurden ihm mildernde Umstände im vollen Maße _ zugebilligt. — Am zweiten Psingstfeiertage gerieten die Dienstknechte Heinrich E. und Christian B. von Aulendiebach mit zwei Burschen aus Mittel- grünbau auf der Ronneburg bei Mtwiedermus aus geringem Anlaß in Wortwechsel, in dessen Verlauf E. einem der Burschen mit einem Taschenmesser durch den Hut in den Kvpf stach. Ms dieser äußerte, daß er gestochen fei, zeigte ihm E. sein Messer mit den Worten: „Wenn ich Dich wieder tteffe, so stirbst Du!" Er wurde wegen Körperverletzung und Bedrohung zu 9 Monaten und 1 Woche Gefängnis verurteilt, wobei hervor- gehoben wurde, daß ttotz der geringen Verletzung mit Rücksicht auf die Gefährlichkeit der Handhabung des Messers auf eine hohe Strafe zu erkennen sei. Es fei nicht das Verdienst des Angeklagten E., daß der Verletzte mit einer so leichten Wunde davongekommen fei. Messerhelden seien stets mit hohen Strafen zu belegen. Bezüglich des B. mußte Freisprechung eintreten, da nicht erwiesen werden konnte, daß er mit E. gemeinschaftlich vorgegangen ist. Er hat nur einmal nach einem der Burschen gestoßen, dieser aber hat den Stoß 'nicht als Körperverletzung empfunden. — Dem Landwirt Konrad L. von Rinderbügen ging durch das Amtsgericht Büdingen ein S t r a f b e f e h l zu, weil er seinem Nachbar eine Hecke, die als Einfriedigung diente, beschädigt hatte. Er legte Einspruch ein, versäumte aber den Feldgerichtstermin, weshalb fein Einspruch ohne Beweisaufnahme verworfen werden mußte. Er erhob dagegen Berufung, da ihm mitgeteilt worden war, daß er zum Feldgericht eine Ladung bekäme. Als ihm bedeutet wurde, daß das Berufungsgericht nicht in d er Lage fei, an dem Urteil etwas zu ändern, zog er feine Berufung zurück. Landwirtschaft. § Vom oberen Vogelsberge, 25. Juli. Die Heu» ernte ist so ziemlich beenoigt. Der Kornschnitt hat in befferen Lagen schon begonnen. Die Ernte fällt in jeder Hinsicht gut aus. — Gegenwärtig fällt der ärmeren Bevölkerung ein guter Verdienst durch H i m b e er p f l ü ck e n zu; die Früchte werden von beit Krämern mit 10 Pfennig per Pfund bezahlt. — Für die Jäger steht eine ausnahmsweis gute Hasenjagd diesen Herbst i n Aussicht. Seit langen Jahren wurde eine so zahlreiche Vermehrung von „Meister Lampe" nicht beobachtet, als gerade in diesem Sommer. Saatenstand in Deutschland Mitte Juli (1 sehr gut, 2 gut, 3 mittel, 4 gering, 5 sehr gering): Winterweizen 1,4; Sommerweizen 2,5; Winterspelz 2,0; Wintcrroggen 2,5; Sommerroggen 2,6; Sommergerste 2,5; Hafer 2,8; Kartoffeln 2,3; Klee 3,0; Luzerne 2,6; BewässerungÄviesen 2,2; andere Wiesen! 2,8. In den Bemerkungen des „Reichsanz." heißt es: D ie bereits int Vormonat beklagte anhaltende Trockenheit übte auch rtt der ersten Hälfte ber abgelaufenen Berichtsperiode ihren! schädigenden Einfluß 'auf die Vegetation aus. Vielfach trat Notreife ein. Der Stand der Wintersaaten ist im allgemeinen befriedigend geblieben. Hitze und Trockenheit haben die Entwicklung ber Sommersaaten Noch weiter beeinttäch- tigt, immerhin ist der Stand der Sommerung doch als ehr mittlerer zu bezeichnen, Kartoffeln haben sich im allgemeinen infolge der eingettetenen Niederschläge s e hr er hol t. Der erste Schnitt von Klee und Luzerne fiel mit wenigen Ausnahmen reichlich und'gut aus, dagegen sind die Aussichten für den zweiten Schnitt in Süddeutschland nur sehr gering, wenn nicht die gewöhnliche warme und feuchte Witterung eintritt und an hält. In Mittel- und Norddeutschland hofft man auf einen befriedigenden zweiten Schnitt. Mit der Schur der Wiesen konnte im nördlichen Deutschland infolge des späten Frühlings nicht rechtzeitig begonnen werden. Die Einbringung des ersten Schnittes verlief dagegen in Mittel- und Süddeutschland günstig und fiel hinsichtlich der Menge und Beschaffenheit des Heus befriedigend aus. Die Aussichten' auf Grummet sind, namentlich in Süddeutschland» sehr gering, da die Wiesen infolge der dort noch immer uu- znrcichenden Niederschläge nur spärlich nackigefchoben haben. Kandel und AerKeljr. Dolkswinschafr. Berlin, 25. Juli. In ber heutigen Sitzung bes Zentra l» auSschusses ber Reichsbank bemerkte ber Vorsitzende, Reichsbankpräsident Dr. Koch, daß sich nach großer, mehr als ge- wöhitticher Anspannung am Schluffe des Vierteljahres ein beträchtlicher Rückfluß zeige. Indessen sei die Anlage mit Mk. 989 Millionen noch immer Hoch, 89 bezw. 117 und 175 Millionen größer als in den letzten drei Jahren, darunter wesentlich mehr Wechsel und auch mehr Reichsschatzanweisungen. Dagegen sei der Metallvorat mit Mk. 1005 Millionen um 46 bezw. 44 Millionen größer als im Jahre 1904 bezw. 1908, bas Golb um 66 unb 77 Millionen. Im Jahre 1902 habe bie Reichsbank 55 Millionen mehr Metall imb 21 Millionen mehr Golb besessen. Die fremden Gelber überstiegen mit 571 Millionen ben Bestand ber beiben letzten Vorjahre um Mk. 32 bezw. 20 Millionen, betrügen aber Mk. 6 Millionen weniger als 1902. Die Notenreserve sei um 3 bezw. 55 unb 126 Millionen kleiner als in ben brei letzten Vorjahren. Notenbeckung burch Metall gegen bas Vorjahr 1 Prozent besser. Die fremden Wechselkurse seien etwas gestiegen, jedoch nicht besonders hoch, der Privatdiskont in Berlin sei, obschon noch höher als in London unb Paris, boch von 2 s/8 am 14. b. Mt. auf 21/8 Prozent gefallen. Eine Diskontoeränderung werde zur Zeit nicht beabsichtigt. Märkte. 8 U l r i ch st e i n, 25. Juli. Während den gesttigen ersten Markttag unseres dreitägigen „Jakobimarktes" schlechtes Wetter in der zweiten Taghälfte heimsuchte, war der ziveite, heutige Markttag von besserem Wetter begleitet. Beide Markttage gelten dem Viehmarkte. Der gestrige Markt war sehr stark mit Ochsen, Kühen und Rinder befahren. Besonders herrschte eine gute Qualität an Stieren vor, an Bullen war nur ein Stück zu bemerken. Die außerordentlich gute Futtererträge haben die Preise für das Rindvieh sehr hoch gestellt. Trotz dieser hohen Preise ging der Handel flott. Für prima Maststiere wurde per Paar bezahlt 900-950 Mk., zweite Sorte 800—860 Mk., dritte Sorte bis zu 700 Mk. Kühe erster Sorte erzielten Preise dis zu 400 Mk., andere Sorten 300-380 Mk.; zwei- bis dreijährige Rinder kosteten 170—200Mk., 200—240 Mk. Am heutigen zweiten Markttag, ber mehr bem Jungvieh gatt, war bie Auffahrt schwächer, bie Preise waren aber roieberum hoch bei lebhaftem Hanbel. Auch ber heutige Schweinewa rkt war nicht sonberlich stark befahren. Der Hanbel nahm inbeffen einen flotten Gang bet guten Preisen. Tie Ferkel geringster Sorte würben bezahlt mit 45—50 Mk., bessere Sorte mit 59—60 M., beste Sorte 60—70 Mk. Der britte Markttag morgen gilt dem Krämermarkt unb ber Volksbelustigung. Wegen Verlegung meines Geschäftes von Neustadt 19 nach Marktplatz 11 verkaufe ich sämtliche Waren bestehend in Öhren-, Sold- und Silberwaren zu bedeutend herabgesetzten Preisen. 2962 Z. Kmiilkil. Juwelier M Uhrmacher. o :Q e c p -o c c 5 o o P e o :C c e Q p 1O o CD CD E c •- 5 *, G jO w o en se er e o p G t$Q e JQ E VD « JQ c VD G jO O p G Q P «r» e 132. p *o an. o S 3 *8* rs -M « G W c p Cto ep UP K5 E e$» CD G - "a o -o kO- >31 O D xO Q p p G 03 O K P 'S CK p co w» । G ca t-> ja 5 CD Lo e N r> 3 . 'S G ” t£Q 23 G i-a 2 ° o -o N G o G 3 p G - © — G p T 03 P P- P — vo G 3 5 J2 gjs ar» . E S? JO O = p 03 3 o O CD O a» *2 er? c 03 a o L LN G o xo .'S s ä 3 X -3 C-^XJ „ F O § Gt O q Ä -° X3 — . q «a -o- P = •- Kl „ er? s 5*2 G G 3 LÄ © p VD p ° p p c p L © vo ch er?Z c § _L 3 p X »f E *° p P O o) ^arr o -~ er? o X> e e 03 P Xi 3 =C x> a 3 .— 3" "p E . 3 P — p M ~ >O GJ c_> l< . ZÄ 3 " . 3 p 03 03 E P "3 3 p p .3 2 “‘w4’ 0370 ° C . E — 3 p' = p isa c Ä c _ 3 p Ä *O P S’e iE- a 52^ e» E 33 2 E E 3 O L xO O3§ 3 P 03 u—XD 3 e = 5«; ^*g e 1G" 3 3 Jo 2 -3 5 o S p •Gl 2 3 © io io" E 3 kS' P 3 o iG-kO' «=". O P i 03^7 o . xP" E P J? *ti o Jl -s 3 o p n E" E-Xi :3 E c p P -3 ^.-E LEI p — 3 Cu» ."J »—» o c @ >8^ «n § 5 .2 _^r p e o O x> «L 03 5 § S| p o 3 o O o ©W^=O 3 o CK c 2 ' 3 S . - "yD 3 p CX j_f <-.— =° p P 3"“- JJ p «« p p 33 E ■"k Ü 33 * ar» 10 -p o 2 3> S CD _ jO E ^o.E ■XD = «n °X> Q uE. E <ö> 2 p p p = ® Z^.^ZZLZ SS N P 2 .2 •S'S? ' » .S 2 p -o E2® A =.© oL O 3 p 3 p C X3 5 CD --G *2- _© 2 j5 2E x<"7> G> 5 §. .1® =» -k 2 O 3 p p «» CD 3 >— p CD P 3 •p P p X> <0X3 c 1-3.X2 P p *ti *5 3N s s LE- «X— Tj — ” .X JJ « ?P ■^^—£^3 G •p >b 3 r- -L Z ^rsL 'S 3 S p '*cr ji, q §. NZ- o 2 c^-p g £6$ o p .2* 3 p XD 3 X> <3 — ’S 3 Jt 3 3 _q ** P LE- vC> « “ o Je p 4C3p- — .r Et p p P W« - M jun, nachmittags 6 Uhr von der Kapelle des neuen ^riedho'e. aus statt. dy2U Herr Rechnungsrat Alois Gerdts 8915 Giessen und Wetzlar, den 25. Juli 1905. Becker. Chirurgische toriirKlit Frankfurterstrasse 94 Fernsprecher No. 133. Heute morgen vater und Grossvater Die trauernden Hinterbliebenen: fttarie Gerdts, geb. Nettesheim Charlotte Mandler, geb. Gerdts Else Gerdts Emil Mandler« im Alter von 66 Jahren. Um stille Teilnahme bitten Ferienaufenthalt««Kinder u. iunae Mädchen gebild. Familien. Sorgs. Pflege und Aussicht 1 U Woche 15-20 Mk. hv“/T Institut „Heimgarten", Jugenheim (u d. B. Bekmuümachung. Wegen Vornahme von Kanallsationsarbeiten wird die Garten st raße zwischen Südanlage und Löberstraße von heute an bis auf weiteres für den Fährverkehr gesperrt. Gießen, den 25. Juli 1905. Hroßh. Polizeunnt Gießen. Herberg. Versteigerung. Jreitag, den 28. d. Mts., vormittags 10 Uhr sollen in der alten Veterinäranstalt infolge Umzugs der Lehrschmiede folgende noch brauchbare Gegenstände gegen gleich bare Zahlung an den Meistbietenden versteigert werden. 1. Ein eiserner Schmiedeherd mit 3 Feuern. 2. Zwei Kastenblasbälge mit sämtlichem Zubehör, der eme 2 Feuer greifend. 3. Zwei Ambose mit Klotz. 4. Zwei Schraubstöcke. 5. Eine Partie altes Eisen (ca. 25 Str.) Gießen, den 26. Juli 1905. Großherzogliches Hochbauamt Gießen. Arbeitsnachweis der Stadt Gießen Gartenstrabe 2 (BürgermeistereigebLude) Zimmer Nr. 14. Der Arbeitsnachweis hat die Aufgabe, zwischen Arbeitg^>«n tmb Arbeitnehmern (Arbeitern jeglicher Art, Dienstboten tmb Lehrlingen) unentgeltlich Arbeit zu vermttteln- An den Werktagen von 8 btt 1 Uhr und von 5 bi« L Uhr geöffnet. Es können eingestellt werden: , 4 landwirtsch. Knechte und Arbeiter, ..Esiendreher, Hoble^ Fräser und Maschinenarbeiter (auswärts), Schleifer und PoUvcer, 1 Schmied, 2 Spengler, 1 Schlosser, 2 Wagner, 2 Schremer, I fc 1 Weckträgerin, 1 Friseur, 2 Installateure, Erdarbeiter, lungere Arvetter imb Arbeiterinnen, 2 jüngere Hausburschen, 1 Stallburfche, 1 Fuhrknechl, 1 Köchin, 1 jüngeres Lausmadcheir, ^aufrrauen, Dienstmädchen. Lehrlinge: 2 Schlosser, 1 Spengler, Schleifer oder Polierer, 1 Wagner, 1 Bäcker, 1 Schuhmacher, 1 Friseur, 1 Installateur, 1 Kellner. Es suchen Arbeit: 0/7 2 Schlosser, 1 Maschimsl oder Heizer, 1 Strickerm, 1 Buchbinder, 1 Wäscherin, 1 Schneider, 1 Installateur, 1 oabruarbeiter, Haus- oder Bureaudiener, Kassierer, 2 ältere Lauffrauen. Todes-Anzeige. Statt besonderer Anzeige. ioy2 Uhr entschlief sanft, versehen mit den hl. Sakramenten, mein innigst geliebter Mann, unser guter Vater, Schwieger- B..rtiE„s w F,d« < m, ... «=. K.,.n. ........ ...“» ’w- Total-Ausverkauf Wegen vollständiger Geschäftsaufgabe verkaufe, um schnell zu räumen, sämtliche mit 40 Prozent Nachlass WBl S«, kW« Mäusburg 15. ______p% Prima Weißmeiae Prima Ratmeine von 50 Pfg. an per Flasche, Prima Apselmin per Liter 30 Pfg. Fst. Simbmsust, Limetta per Liter 150 Pfg. KflST garantiert rein empfiehlt 2976 Louis Lind Weinhandlung, Kircheuplatz 10 Wirf। sind Schuppen, Haar- »Hl aussall und Haarspalte. Daher gebrauche man das seit 18 Jahren in allen Kulturstaalen eingesührte Peruanisches Tannin-Wasser von E. A. ühl- manu & Co„ Reichenbach i, V. 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Unter Hinweis auf die Bestimmungen der §§ 367 Nr. 8 und 368 Nr. 7 des Rcichsstrafgesetzbuchs machen wir darauf aufmerksam, daß das Polizeipersonal angewiesen ist, unnachsichtlich Anzeige zu erheben. Gießen, den 24. Juli 1905. Großh. Polizeiamt Gießen. Herberg. Hügel Pianinos 11 Lose für 5 Mark. Händler erhalten Extrarabatt bestimmt Ziehung am 31. Juli 1908. empfiehlt die Lotterie-Generalagentur Meid. Gg. Kurtz jr. In allen Loseverkaufsstellen MiiMlig mm WHrle'ltulWllrbeiten. Die bei Herstellung der Wafferversorgungsanlage für die Gemeinde Grebenhain, Kreis Lauterbach, Oberhessen, Vorkommen- ■ ■ - M / HM Sämtliche Schuhwaren sind von bestem Material angefertigt Franz E^eaameiea* Harmoniums mX» (Garbenbänder) empfiehlt J. Häuser vorm. J. Happel. Waschen n. Bügeln empfiehlt sich Frau Otto, Wäscherei, Liebigstraße 63. D1/, Aschaffenburger Fligel-um Piaiottrik mit Dampfbetrieb, Bahnhofsplatz, Gegründet 1830. Lieferant von f Hans v. Bülow, Fürstlichkeiten u. staatl. 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Die Benutzung der auf öffentlichen Straßen und Plätzen aufgestellten Beutilbrunncn der städtischen Quellwasserleitung ist nur für den gewöhnlichen Hausbedarf gestattet; jede weitergehende Entnahme von Wasser ans diesen Brunnen, insbesondere zu gewerblichen oder landwirtschaftlichen Zwecken, oder unter Verwendung von Schläuchen oder Fuhrwerken ist verboten. Gleiches Verbot kann nötigenfalls vorübergehend auch für die öffentlichen Pumpbruuueu auf Veranlassung der Großherzoglichen Bürgermeisterei erlassen werden. Das Wasser aus allen öffentlichen Brunnen darf nur mit /einen Zubern, Eimern und kleineren Gesäßen entnommen werden. Ein unnützes Laufenlassen der Ventilbrunnen ist verboten. Beim Mass erholen gebührt dem zuerst Kommenden für die Füllung höchstens zweier Gefäße der Vorzug. § 2. Jede Beruureiuigung der öffentlichen Bruunen, sowie der zugehörigen Ständer, Schächte und Vorschächte, Ablaufsschalen, Tröge und Rinnen, desgleichen das Ausspülen, Ab- und Auswaschen aller Art von Gegenständen, sowie das Waschen von Gemüse re. und das Viehtränken an den öffentlichen Brunnen ist untersagt, unbeschadet der Befugnis zur Entnahme von Wasser zu letzterem Zweck. Desgleichen sind verboten alle Handlungen beim Gebrauch der öffentlichen Brunnen, welche im Winter zu gefährlicher Eisbildung Anlaß geben können, ferner das Entleeren von Wasser in die Schächte der Pumpbrunnen und in die Vor- (oder Einlauf-) Schächte der Ventilbrunnen. § 3. Die unbefugte Entziehung von Wasser ans der Duell- tvafferleitung, sowie jede den Bestimmungen für den Bezug von Wasser aus dem Wafferwerk der Stadt Gießen widersprechende Benutzung der Wasserleitung ist verboten. Bei Brandausbruch in der Stadt sind alle Zapfstellen der Privatleitungen bis nach Bewältigung des Feuers möglichst geschlossen zu halten. Während der Dauer außergewöhnlichen Wassermangels kann durch Bekanntmachung Großh. Bürgermeisterei die Abgabe von Master aus der Wasserleitung im Allgemeinen auf gewisse Tages» stunden eingeschränkt und im Einzelnen auf Veranlassung Großh. Bürgermeisterei durch die unterzeichnete Behörde die Verwendung solchen Wassers seitens der Privaten zum Speisen von Springbrunnen, zum Besprengen von Gärten und Trottoirs, sowie zu gewerblichen Zwecken vorübergehend untersagt werden. § 4- Zuwiderhandlungen gegen diese Polizei-Verordnung und die Kus Grund derselben erlassenen Verbote werden, sosern nicht höhere gesetzliche Strafen cinzutreten haben, mit Geldstrafen bis zu 30 Mk., an deren Stelle im Falle des Unvermögens Haft tritt, bestraft. § 5. Diese Polizei-Verordnung tritt alsbald in Kraft. Gießen, den 25. Mai 1893. Großherzogliches Polizeiamt Gießen. 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