Nr. 97 Zweites Blatt. 155. Jahrgang Mittwoch 36. April 1 905 Gietzener Anzeiger OrfchetrU Üd-Nch mit Ausnahme des Sonntags. Redaktion, Expedition u. Druckerei: Schulftr.U. Tel. Nr. 5L Letegr,-Adr. i Anzeiger ©U^ctt» Rotationsdruck und Verlag der Brühl'sche» Unwersitätsdruckerei. R. Laag«, Gieße», Die „Sietzen« Kamlliendlatter" werden dem ^Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der »^elstjch« CaßdwUr* erjchetrU monatlich einmal. General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Siehrn. 2289 Gießen, den 18. April 1905. Großberzogliches K^sisamt Gießen. I. V.: Dr. Wagner. Kekanntmachmig. Be tr.: Gesuch der Gailischen Dampfziegclei und Tonwaren, fabrik zu Gießen um Genehmigung einer Dampfkesselanlage. Die Gallische Dampfziegelei und Tonwarenfabrik in Gießen beabsichtigt, bei ihrem Tonwerk in der Gemarkung Gießen eine Dampfkesselanlage zu errichten. Pläne und Beschreibung hierüber liegen 14 Tage lang, vom Erscheinen dieses im Kreisblatt für den Kreis Gießen an gerechnet, auf dem Bureau der Großh. Bürgermeisterei Gießen zur Einsicht der Interessenten offen. Etwaige Ein- wendtingen sind binnen dieser Frist bei Meidung des Ausschluffes bei Großherzoglicher Bürgermeisterei Gießen vorzubringen. Zar Lotteriegemeivschast. Ein paar Angestellte bei hessischen Lotteriekollekteuren haben an den Finanzminister Gnauth eine Eingabe gerichtet, in der sie im wesentlichen folgendes ausführen: Ein nicht unbedeutender Teil besonders der sogen. Export- kollektenre der ursprünglichen Hessischen Landeslotterie ist, mangels ausreichender Fachkenntnisse, gelungen gewesen, erfahrene, mtt allen technischen Kenntnissen des Lotteriegewerbes ausgerüstete Personen anzustellen, was ohne Mühe gelungen ist, als die Hess. Landeslotterie einmal im Gegensatz zu anderen Staatslotterie - Unternehmungen in außerordentlich sachkundiger Hand ruhte und andererseits wegen ihres Absatzgebietes, an sich die größte Gewähr der Existenz geboten hat. In vielen Fällen sind Angestellte — die jetzigen Ereignisse nicht vvraussehend — dazu geschritten, sich eine Familie zu gründen, in der Hoffnung, daß der stolze Bau, den aufzurichten ihre erste Aufgabe mit gewesen ist, niemals mehr zusammen gerissen werden könnte. Schon als die ersten Entwürfe der Heff. Landeslotterie auftauchten und Kollekteure mit Fachkenntniffen im Großherzogtum nicht existierten — die sonstigen ansässig gewesenen Losehändler konnten als Fachleute nicht in Frage kommen — waren es die Angestellten der Großkvllekteure Norddeutschlands, welche ihre Erfahrungen und Wahrnehmungen im Interesse ^>es Lotterieunternehmers, also des Staates zur Verfügung stellten und gleich von Anfang an mttarbeiteten und das Unternehmen förderten. Freilich wurde ihnen hierfür eine Lebensstellung für den Fall des Gelingens des Geschäftes in Aussicht gestellt, ferner wurden sie auch für ihre Mühe bezahlt, doch bie wirkliche Entschädigung sollt? erst im Laufe der Jahre durch Aufbesserung des Fixums erfolgen. Diese Hoffnung indes wird zu Wasser, wenn eurem Vertrage mit Preußen die Zustimmung gegeben wird, wonach unsere Lotterie eingeht. In diesem Augenblick werden Hunderte von- Angestellten auf die Straße gesetzt, dieselben Steuerzahler, welche im Laufe der letzten fünf Jahre dem Hessischen. Staat allein an Steuern gewiß weit ü ber H un de r t t a u fe n d Mark eingebracht haben, abgesehen von ihrer Tättgkeit, die an sich schon eine Förderung der Staatsinter essen bedeutete. Die Herren bitten: , 1. die Selbständigkeit der Staatslotterie als Basis der Verhandlungen mit Preußen anzunehmen, oder 1. wenn ein Vertrag nnt Preußen abgeschlossen wird, wonach unsere Staatslotterie aufhört zu existieren, auch für den nicht selbständigen Teil derKollekteurschaft eine Vergütung von etwa 2 Mark pro ganzes Los vorzusehen. Diese Entschädigung wird dem Kollekteur zur Weitergabe an diejenigen Angestellten nach Maßgabe des zuletzt bezogenen Gehaltes übergeben, welche mindestens zwei Jahre ununterbrochen bei einem Kollekteur in der Hess.-Thür. Staatslotterie Beschäftigung gestmden haben. Es würde dies einmal als eine teilweise Enffchädigung für den Verlust der erst durch vollständige Preisgabe aller Fachkenntnisse errungenen Existenz bedeuten, und ferner als ein Ersatz der Kosten angesehen werden können, welche mit der erforderlichen Veränderung der Verhältnisse verbunden sind. Angefügt ist ein Plan-Entwurf, welcher, bei nur 60 000 Losen, einen weit größeren Ueberschuß für den Staat abwirft, als der heutige mit 100 000 Losen, dieser Entwurf sieht bei 60 000 (statt 100 000) Losen 24 000 (statt 41 000) Gewinne vor. Der Einsatz oder Lospreis soll nicht mehr 168, sondern 200 Mark betragen. Cs können Gewinne entfallen von 40 000 Mark und mehr auf 3535 (jetzt 5000), von 10 000—39 000 Mark auf 1714 (jetzt 2040), von 1000—9000 Mk. auf 50 fietzt 52^ Lose, und mehr als das Doppelte des Einsatzes nach Kürzung des Abzuges auf 15 (jetzt 20) Lose. Mit diesem Vorschläge haben sie den Beweis erbracht, daß die Aufrechterhaltung der Selbstständigkeit ' unserer Lotterie ohne Gefährdung der fiskalischen Interessen, sowie derjenigen der Kollekteurschaft möglich ist. Auch an die Mitglieder des hessischen Landtages haben öie Herren ein Schriftstück gesandt, in dem sie u. a. folgendes bemerken: _ . „ , Mit der Gründung der Hess. Landeslotterie vor mehr als fünf Jahren hat ein sehr nennenswertes Kapital in Hessen Emzug gehalten Mit diesem haben ferner Hunderte von erfahrenen H-ach- leuten der nicht selbständigen Kollekteurschaft ihr Domizil nach Hessen verlegt und weiter Dutzende von Groß- und Kleindruckern, Papier- und Knvertfabriken im Hinblick auf das.Entstehen dieses neuen hessischen Geschäftszweiges große finanzielle Opfer gebracht, um den zu erwartenden Anforderungen aus diesem Gebiete gewachsen zu sein. Was aber, wenn unsere Negierung Preußens Wunsche nachgiöt und auf das Bestehen der eigenen LandElotterie gegen eine vMW &n 1^05^9 1)^^? ^una(^ schwindet das mobile Kapital aus Hessen wieder, womit — wie allgemein bekannt — em Verlust der Exist^izen Zahlreicher Arbeiter in den Druckereigewerben usw. verknüpft ist und schließlich wäre damit denjenigen Koll^teuren und AngesteN- ten die Existenz genommen, cmf die man vor fünf Jahren ko dringend angewiesen gewesen ist. Der Staat kann nicht nach dem Prinzip handeln. „„Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan, der Mohr kann gehenl , das geschieht aber, wenn unsere Regierung imH allen das Brot mmmt, nur weil der Staat infolge eines nur scheinbaren Entgegenkommens ' eines Bundesstaates auf andere Weiie gerade so gut nuf seine Rechnung zu kommen glaubt als heute, —ann hatte man H fünf Jaüren mit Berßen in gleicher Angelegenheit paktieren können und mcht erst di^ Hiffe des Kapitals und seines Gefolges, d. h. die Mitarbeit zahlreicher Fachleute ^^rufen müssen zur Sanierung dieses Bodens, auf dem Hessen und Preußen künftig vhne den Sämann ernten können. — — Firlitische Tagesschau. Eine politische Aussprache. Die „Nordd. Mg. Ztg." b^cn.jici die bevorstehende politische Aussprache der Minister Litton i und Golu- chowski (siehe unsere gestrige „Politische Wochenschau")' als „auch vom deutschen Standpunkt erwünscht". (Eine etwas lakonische Bemerkung in dem offiziösen Blatt, das sonst bei dergleichen Gelegenheiten die Bedeutung des Ereignisses kräftiger hervorhebt. Zu schwungvollen Worten, wie sie oie österreichische Presse der Zusammenkunft widmet, scheint man in Berlin an amtlicher Stelle keine rechte Veranlassung zu sehen. In der Tat darf die Begegnung der beiden Minister des Aeußeren nicht überschätzt werden. Die Höflichkeiten der Staatsmänner vergehen — aber es bleiben bestehen die Ausgaben Italiens, daS nicht leicht in militärische Unkosten sich stürzt, zur Befestigung der italienisch- österreichischen Grenze. Wiener Zeitungen selbst vergessen bei aller festlichen Erregung nicht auf dies Moment hinzuweisen. Die „N. Fr. Pr." sagt sehr schön, der Besuch stelle den Schlußfolgerungen, nämlich einer Spannung zwischen Italien und Oesterreich-Ungarn, „ein lebendiges Dementi entgegen". Ein Dementi durch Tatsachen wäre unseres Erachtens wertvoller. Immerhin mag die 'Aussprache etwaige Verstimmung beschwichtigen helfen. In diplomatischen Kreisen Roms legt man der Minister- Entrevue große Bedeutung bei. Wie verlautet, haben Oesterreich und Rußland das Verlangen Englands und Italiens nach Einsetzung einer Finanzkontrolle in Mace- donien angenommen. Deutschland und Frankreich hätten während dieser Verhandlungen eine höchst loyale Zurückhaltung gezeigt. Die Finanzkontrolle würde mit einer Zollreform einsetzen und ihr Erträgnis würde zur Herbeiführung der von der Bevölkerung erwarteten Maßnahmen verwendet werden. Wie die „N. Fr. Pr." erfährt, werden der Zusammenkunft 'auch der italienische Botschafter in Wien und der österreichische Botschafter in Rom beiwohnen. Kaiser Wilhelm trifft am nächsten Montag in Venedig ein und wird, wie verlautet, die Minister Tittoni und Goluchowski bei sich empfangen. Die Stadtverwaltung plant zu Ehren des Kaisers eine Serenade und festliche Beleuchtung des Markusplatzes. Amerikanische Zollpolitik. Ein Zollkrieg zwischen Deutschland und den Vereinigten Staaten wird bereits an die Wand gemalt. Sollte er in der Tat ausbrechen, dann würde gegen ihn der deutsch-kanadfiche Zollkonftikt ein Kinderspiel sein. Es ist hinlänglich bekannt, daß das Handelsabkommen Deutschlands mit den Vereinigten Staaten vom Jahre 1900 der deutschen Industrie den empfindlichsten Nachteil gebracht hat, daß der deutschen Einfuhr nicht selten eine unerhört unfreundliche Behandlung seitens der amerikanischen Zollbehörden zuteil wird. In einer beschwerde- führenden Eingabe der Frankfurter Handelskammer an den Reichskanzler ist überzeugend dargelegt, daß bei der bisherigen und gegenwärtigen Sachlage von Konzessionen amerikanischerseits kaum die Rede sein kann. Denn wo verhältnismäßig geringfügige Vergünstig- ungen aus deutsche Artikel gewährt sind, werden sie durch chikanöse Zollbehandlung wieder in Frage gestellt. (SHne so systematische Schädigung seiner Interessen kann sich Deutschland auf die Dauer nicht gefallen lassen, und eine Rücksichtnahme auf die politischen Beziehungen zur Union darf hier nicht allein entscheidend sein. Sie würde als Schwäche ausgelegt werden. Auf der Forderung voller handelspolitischer Gegenseitigkeit muß Deutschland mit allem Nachdruck beharren. Wenn die „Newyorker Staatsztg." recht unterrichtet ist, denkt aber die Washingtoner Regierung nicht daran, in Verhandlungen über den Abschluß eines Gegenseitigkeitsvertrages mit Deutschland einzutreten, weil dessen Genehmigung durch den Senat ausgeschlossen erscheine. In Widerspruch hiermit steht eine ältere Meldung der „Kreuzztg.", daß die Bundesregierung grundsätzlich entschlossen sei, auf deutsche Waren Zollnachlässe zu gewähren zum Ausgleich der den Vereinigten Staaten aus der deutschen Meistbegünstigung erwachsenden Vorteile. Die Frage ist nun: haben überhaupt diesbezügliche Verhandlungen mit der Washingtoner Negierung stattgefunden oder besteht Aussicht, alsbald in solche Verhandlungen eintreten zu können? Es ist an der Zeit, daß hierauf im Reichstag eine klare Antwort erteilt wird. Die seit Jahr und Tag so ungünsttg behandelte deutsche Industrie muß wissen, woran sie ist. Für sie kann die Aussicht auf einen Zollkrieg kaum beunruhigender sein, als dieser Zustand der Unsicherheit. * König Alfons vnd der Marokko-Konflikt. Der Versuch, König Alfons von Spanien in die Marokkoaffäre hereinzuziehen, ist nicht geglückt. Ob er — von feiten Frankreichs natürlich, denn Teuftchland hat keine Veranlassung, die Vermittelung durch einen Dritten in Erwägung zu ziehen — ob also dieser Versuch offiziell unternommen worden ist, muß dahingestellt bleiben. Jedenfalls war in den Herrn Delcasse nahestehenden Organen der öffentlichen Meinung zu lesen, daß der jugendliche Regent Spaniens eine gewisse Bedeutung erlangt habe als ausgleichender Faktor bei Differenzen im Staats- und öffentlichen Leben. Der Wunsch, König Mfons möge sich erneut in ausgleichendem Sinne betätigen, lag für Frankreich in der Marokkoangelegenheit umsomehr nahe, als die Beziehungen zwischen den Höfen von Madrid und Berlin sich in neuerer Zeit besonders freundschaftlich gestaltet haben. Andererseits ist Frankreich der Hauptgläubiger Spaniens, der fteilich die politischen Interessen seines Schuldners gerade in Marokko gering achtet und nur zu einer Vereinbarung mit England zu kommen trachtete. Das man wohl den Könist Alfons zurückhalten, mit der Vermittelung im Marokkozwrschensall sich zu befassen. * Zur Regelung des Submssfionswesens. Die viel erörterte Regelung des gewerblichen Submissions- Wesens durch Gesetz scheint nun endlich feste Gestalt zunächst für Preußen und dann für das Reich annehmen zu sollen. In einer Rede über die Mittelstandspolitik des Zentrums in der laufenden Session wies der Abg. Trimborn vor einigen Tagen in einer Versammlung des Volksvereins in Köln auf eine Erklärung des Staatssekretärs des Reichsamts des Innern, Grafen Posa- dvwskp hin, die folgendermaßen lautete: „Das Submissionswesen ist auch im Reiche GegenstmH fortgesetzter Aufmerffamkett. In Preußen ist bereits für die Regelung des Submissionswesens eine sehr eingehende Denkschrift ausgearbeitet. Es ist natürlich, daß — da ja Preußen mit feinen großen Betriebsverwaltungen ein viel größerer Arbeitgeber ist wie das Reich als solches — wir zunächst abwarten müssen, welche Gestalt die Regelimg der SubmissionS- bedingungen in dem Bundesstaate Preußen haben wird. Ich kann aber heute schon versichern, daß in diesen neuen Sub- mipionsbedingungen ausdrücklich vorgesehen ist, daß die einheimischen Handwerker möglichst vor den auswärtigen berücksichtigt werden sollen". Dem fügte Trimborn hinzu: „Diese Erklärung kann ich dahin ergänzen, daß der Konk Mission für Handel und Gewerbe, deren Vorsitzender, ich bin, der Entwurf der neuen preußischen Submissionsbedingungen Vorgelegen hat. Wir haben ihn in vier Sitzungen durchberaten und dabei dieselben Grundsätze, die in dem Anträge Gröber enthalten sind, der Regierung zur Berücksichtigung empfohlen. Der Landtag ist diesem Beschlüsse der Kommission für Handel und Gewerbe einstimmig beigetreten. Hiernach 'steht zu erwarten, daß das Submissionswesen zunächst in Preußen und demnächst im Reich eine erheblich bessere Gestaltung Gunsten der kleinen und mittleren Gewerbetreibenden erfahren wird." Die in vorstehendem erwähnten, von Ab-g. Gröber entwickeltet^ Grundsätze vertreten folgendes: 1. Mit dem Prinzip, daß für die Vergebung die Mindest) forderung vorwiegend entscheidend sei, müsse gebrochen werden. Eine gerechtere Entlohnung sei die Hauptsache. 2. Es soll die Vergebung nicht zum Vorteil einiger großer Lieferanten ausfallen: sondern es sollen dabei möglichst viele kleine Ge- tverbetteibende Mgelassen werden und ihren .Vorteil haben. 3. Deshalb möglichst freihändige Vergebung; Bildung möglichst kleiner Lose; genügend lange Lieferfristen; geringe Sicherheitsleistungen : Beschleunigung der Zahlungen; 4. Berücksichtigung der Handwerkergenossenschaften; 5. Bevorzugung derin- ländischen und der ortsansässigen Unternehmer; 6 .wohlwollende Handhabung der Submissionsbedingungen. Wenn die hier aufgestellten Grundsätze bei der demnächstige» Regelung mir einigermaßen genügende Berücksichttgung finden, so dürfte dieselbe gegenüber dem jetzigen Zustande einen annehmbaren Fortschritt bedeuten. Zu wünschen bleibt nur, daß die Regierung nun recht bald aus dem Zustand der Erwägungen mit einer fertigen Verordnung herauskommt. Der dritte Feiertas Ein Mahnwort. Man schreibt uns: Die Feiertage sirrd der religiösen Erbauung, der Er> holung und der Geselligkeit gewidmet. J!n diesem Sinne heißen wir sie alle Jahr um Jahr im Getriebe des Werk- taglebens willkommen. In der ersten christlichen Kirche wurden sehr wenige Festtage gefeiert, bis zum Ende deS 1. Jahrhunderts außer dem Sonntag nur das Osterfest und vorausgehend Jesu Todestag, der Charfteitag. Im 2. Jvhrhundeitt kam das Pfingstfest hinzu, Weihnachten wuÄe erst seit dem 5. Jahrhundert festli chbegangen. Die Feiertage nahmen dann mit der Menge der Heiligen und mit den verschiedenen wichtigen Lebensverhältnissen der Maria und ihren Beziehungen zu Jesus zu. Im 7. Jahrhundert wurde schon ein Kollektiv-Festtag für alle Heiligen gefeiert, seit dem 9. Jahrh. das Fest der Engel, seit dem 10. Jahrh. Allerseelen, int 13. Jahrh. Fronleichnam. 'Auch anstößige Feste, wie das Narren- und Eselsfest dürfen nicht vergessen werden. Die Reformatoren hoben später den größten Teil der Feste auf und in der protestantischen Kirche werden außer den großen Festen, Weihnachten, Osterrt und Pfingsten nur noch Neujahr, Charfteitag und tzimmelfahrtstag gefeiert. Von den sogenannten kleinen Festen, die auf deit Sonntag verlegt wurden, ist hier nicht die Rede. Weihnachten, Ostern inu> Pfingsten galten früher drei Feiertage offiziell, jetzt begnügt man sich an den meisten Orten mit zwei. Wir in der guten Stadt Gießen mitsamt den umliegenden Ortschaften erfteuen uns noch der Spezialität des dritten Feiertages. Die Frage ist: Freuen sich wirklich alle, die zum drittenmale das Festtag kleid anlegen und in Untätigkett verharren? Wir glauben kaum. Viele sehen nach zwei anstrengenden Feiertagen, daß ach! kein Geld mehr in ihrem^ Beutel klingt. Aber „Aus Gemeinem ist der Mensch gemacht Und die Gewohnheit nennt er seine Amme." Anstatt zur Arbeit zurückzukehren, legen sie erst recht die Hände in den Schoß, oder sie borgen bei Peter und Paul, auf daß sie mit Weib und Kind ins Wirtshaus ziehen können. Die Gutgesinnten hält falsche Scham von der Arbeitl fern, und die Furcht vor der kompakten Majorität. die Gutgesinnten ist unser Mahnwort gerichtet. MügeiL sie endlich den Mut finden, mit der Unsitte deA- dritten Feiertags zu brechen, der seit der gesetzlichen Regelung der Sonntagsruhe auch oie entfernteste^ Berechtigung verloren hat. Gewiß wird zunächst^ eine Minderheit gegen den Strom schwimmen, aber 6alb — dessen sind wir sicher — wird dieser und jener ihrem lobenswerten Beispiel folgen, und in nicht ferner Zeit, fix- hoffen wir, wird der dritte Feiertag zum Heil der Bevölkerung aus dem Kalender der Gießener gestrichen sein. x y z. Aus Stadt und Land. Gießen, 26. April 1905. '* Universitätsferien -Ende. Am Donnerstag beginnen die Kollegien für die Forstleute, am Montag und Dienstag k. Woche nehmen im Kollegienhause die Vorlesungen für die anderen Fächer ihren Anfang. ** Tagesordnung für die Sitzung der Stadtverordneten am nächsten Freitag. 1. Die Verbrallchssteuern in der Stadt Gießen. 2. Vorlage des Voranschlags für 1905. 3. Verpachtung eines Stückchens Wiese an der Wiesenstraße an Jul. Hahn Nächst 4. Der Wald brand am 4. August 1904. 5. Ausbau der Noonstraße; hier: Geländeerwerb von K. Stohr Wiv. 6. Ersatz der Dienstkleider für die städtischen Taglöhner. 7. Kanalanschluß der ®runMtiicfe Walltorstraße 53, 59 und 63. 8. Bahnprojekte zur Erschließung des Vogelsbergs. ** Ernannt wurden der Lehrer an der Gemeindeschule zu Michelstadt i. O. Walti zum Lehrer an der Realschule daselbst; der Lehrer an der höheren Bürgerschule zu Pfungstadt Becken bach mit Wirkung vom 1. Mai zum Lehrer an dem Realgymnasium zu Darmstadt; der Lehrer an der Oberrealschule zu Darmstadt Römer zum Lehrer an dem Realgymnasium zu Darmstadt, der Lehrer an der Gemeindeschule zu Langen Keil zum Lehrer an dem Realgymnasium zu Darmstadt; der Lehrer an der Gemeindeschule zu Bleichenbach Pfaff zum Lehrer an der Oberrealschule zu Darmstadt, sämtlich unter Belassung in der Kategorie der Volksschullehrer. In den Rnhestand versetzt wurde am 15. April d. I. die Lehrerin an der Volksschule zu Mainz Wilhelmine Beisl er auf ihr Nachsuchen unter Anerkennung ihrer langjährigen treuen Dienste mit Wirkung vom 1. Mai. — Menagerie in Gießen. Laut einer Voranzeige rm Anzeigenteil trifft heute abend 11 Uhr die Raubtier-Karawane der I. Ehlbeck Wtw. aus Hamburg mit ihrem eigenen Riesenzelt auf Oswaldsgarten ein, um eine Reihe von Schaustellungen zu veranstalten. — Ans Herz gelegt. Auf einer Versammlung von Landwirten in einem Städtchen Oberhessens pries ein Redner, unter Hinweis auf die seit Jahren allgemein bekannten Erfolge künstlicher Dungmittel, deren Anwendung. Daneben bemerkte er jedoch, daß es ganz ohne Stalldünger auf die Dauer nicht angehe, und er schloß wörtlich: »Ader auch den Kuhmist kann ich den Herren Landwirten nicht warm genug ans Herz legen.* t Wiß mar, 24. April. Nach dem Antrag einer Anzahl beteiligter Grundeigentümer von Wißmar und Launs- bach soll in den auf dem linken Lahnufer gelegenen Teilen beider Gemarkungen das Feldbereinigungsversahren eingeleitet und diese Gemarkungsteile sollen zu dem im Gange befindlichen Feldbereinigungsversahren der Gemarkung Gießen links der Lahn zugezogen werden. Für Wißmar haben 137 Grundeigentümer mt 16,3178 Hektar Land für den Antrag gestimmt, und da sich nur ein Grundbesitzer ausgeschlossen hat, so ist das Zustandekommen des Unternehmens gesichert. In Launsbach ist der Antrag von 20 Grundeigentümern mit 8,9249 Hektar Gelände unterstützt worden. Da im ganzen 47 Grundeigentümer mit 14,7734 Hektar Land beteiligt sind, so ist auch für Launsbach die für das Zustandekommen des Unternehmens gesetzlich vorgeschriebene Mehrheit (mehr wie rin Fünftel der beteiligten Grundbesitzer mit mehr als der Hälfte der beteiligten Fläche) vorhanden. Bad-Nauheim, 22. April. Der Staatssekretär des Keußern der Vereinigten Staaten, Hay, ist mit seiner Gemahlin heute abend zur Kur hier emgetroffen. k- Steinfurth b. Bad-Nauh., 25. April. Es dürfte in weiteren Kreisen kaum bekannt sein, welchen großen Umfang die hiesige Rosenzucht angenommen hat. Sie ist hier zu einem allgemeinen Erwerbszweig geworden, vom Gutspächter bis zum kleinsten Landwirt pflanzt alles Rosen. Ein weiterer Aufschwung steht nun für die Nosenzucht bevor durch die vor kurzem gegründete Rosenzüchter-Genossen- schaft, welcher 130 Mitglieder angehören. Die Genossenschaft hat das freiherrlich von Löw'sche Gut zu 40 Mk. pro Morgen gepachtet, um es mit Rosen zu bepflanzen. Das Gelände umfaßt ca. 800 Morgen; die seitherigen Pächter zahlten nur 22 Mk. pro Morgen. Die Nosenzucht wurde hier in den 70 er Jahren vom Gutspächter Schultheis eingeführt. Die Rosenplantagen sind von Jahr zu Jahr vergrößert worden und jetzt sind ca. 1000 Morgen Landes in Verwendung. Der Versandt erfolgt größtenteils nach Nord-Deutschland, England, Rußland, Schweden, Paris usw. Gegenwärtig regen sich Hunderte fleißiger Hände, um die Stämmchen zu verpflanzen und zu beschneiden. sd. Darmstadt, 25. April. Der dritte (Gesetz- gebungS-)Ausschuß ist heute unter dem Vorsitz des Abg. Reh-Alsfeld zusammengetreten. Es wurde zunächst der Antrag Reh und Genossen, betr. die Ausführungsanweisung zum Reichsviehseuchengesetz für erledigt erklärt, da die Regierung den Begriff der wandernden Schafherden durch ein Ausschreiben festgelegt hat. Die Regierungsvorlage betr. den Gesetzentwurf über den Text der Gesetze: 1. Gehalte, 2. Pensionierung, 3. Witwen- und Waisenkaffe der Vols- schullehrer nach dem Bericht des Abg. Reh wurde angenommen. In gleicher Weise wurde der Gesetzentwurf über den Handel mit Giften angenommen. Darmstadt, 25. April. Prinz Heinrich von Preußen ist mit dem Prinzen Sigismund heute abend wieder abgereist. Frankfurt a. M., 25. April. Die heute hier unter dem Vorsitz des Kommerzienrats Eugen Coupienne-Mülheim a. d. Ruhr stattgehabte ordentliche Generalversammlung des Zentralvereins der deutschen Lederindustrie beriet u. a. die Gerbmaterialienzollfrage. Nach einem Referate des Generalsekretärs R. Krause-Berlin nahm die Generalversammlung einstimmig folgende Resolution an: »Der Zentralverein der deutschen Lederindustrie erkennt gern an, daß die Regierungen bei den bisher zum Abschluß gebrachten neuen Tarifverträgen die Interessen der deutschen Gerberei zu wahren bemüht gewesen sind, er erkennt ferner an, daß es den Regierungen durch die neuen Tarifverträge gelungen ist, einen Teil der. vom Reichstage in den neuen autonomen Zolltarif hineingebrachten Zollsätze für Gerbmaterialien den meistbegünstigten Staaten gegenüber zu beseitigen, einen anderen wesentlich zu ermäßigen, er sieht aber voraus, daß durch die dafiach noch verbliebenen Gerbmaterialienzollsätze eine schwere S ch ä d i g u n g eines großen Teiles der Lederindustrie herbeigeführt werden wird, protestiert deshalb auch gegen diese Zollsätze, und richtet an die Regierungen und an den Reichstag die dringende Bitte, auf dem Wege des Handelsvertrages oder auf dem der autonomen Gesetzgebung jeden Gerbmaterialienzoll in Wirklichkeit zu beseitigen." [] Marburg, 25. April. Heute nachmittag stürzte am Pitgrimstein bei der Schlachthausbrücke ein etwa 5 Jahre alter Junge in den dort sehr tiefen Mühlgraben. Mehrere kleine Kinder, die einzig und allein in der Nähe waren, liefen schreiend davon und dies härte die zufällig aus einer Seitengaffe mit Gartengerätschaften kommende Arbeitertau Linne. Voll banger Ahnung lief sie schleunigst über die Brücke und zog den gerade wieder aus der Tiefe auftauchenden Knaben mit dem Rechen noch lebend ans Ufer. Die beherzte Frau hatte ihr eigenes Kind vom Tode errettet. ** Kleine M i t t e i l hu g e n ci us Hesse n und den Nachbarstaaten. Ter Plan der Errichtung einer K a i s e r ° Wilhelms-Warte auf der mit Villen besäten, nördlich der Stadt Braunfels gelegenen Anhöhe soll jetzt zur Ausführung kommen. — Der Unteroffizier Doil von der dritten Kompanie des 87. Inf.-Regts. in M n i n z hat sich erschossen. Doil sollte 40 Mk. an den Feldwebel abliefern, die er vermutlich während der Feiertage ansgegeben hat. Darin dürfte die Ursache zum Selbstmord liegen vermischte». Welches Volk aibt die besten Ehemänner? Vor einiger Zeit wurde erzählt, der Kaiser habe die Aeußerung getan, die Engländer seien die besten Ehegatten und jede Frau, die einen Engländer ;um Manne bekomme, könne deshalb bon Glück sagen. Mag dieses Kaiserwort nun echt oder apokryph sein — amüsant ist jedenfalls, daß sich jetzt ein öffentlicher Widerspruch gegen seinen Inhalt erhoben hat rmd daß dieser Widerspruch — v o n den Engländerinnen selbst ausgeht. Eine Londoner Schriftstellerin macht fick zur Wortführerin ihrer G/eschlecbtsgenossinnen jenseits des Kanals und erinnert daran, daß schon die viel genannte Romanschreiberin Ouida einmal gesagt habe: die Italiener seien gewiß nicht die besten Ehegatten, aber immer noch weit bessere, als die Briten. Denn die Italiener „liefen ihren Frauen nach", während sich die Sache in England gerade umgekehrt verhalte. Da lasse sich der Mann von der Frau soviel als möglich zu Hause pflegen und verwöhnen und nehme dies mit kaltblütiger Gelassenheit als etwas ganz Selbstverständliches hin. Tie englische Schriftstellerin ist übrigens der für uns sehr schmeichelhaften Ansicht, daß auch der Deutsche durchschnittlich seiner Frau mehr Aufmerksamkeit und Zärtlichkeit entgegenbringt, als ihre Landsleute dies tun. Mer das Ideal eines Ehegatten erreicht, wie sie meint, doch nur der Amerikaner, d. h. natürlich der Nordamerikaner der Vereinigten Staaten. Der Amerikaner ist der geduldigste, nachsichtigste und rücksichtsvollste aller Gatten. Er behandelt seine Frau wie eine Königin und „schuftet" Tag und Nacht, nur um Geld zu verdienen und es ihr zu Füßen zu legen, damit sie sich dafür die teuersten Kleider kaufen und — selbstverständlich ohne ihn — die schönsten Reisen leisten könne. — Dieses Loblied aus die Stellung der Amerikanerin in der Ehe ist ja nicht neu, aber es gibt auch Veranlassung, sich daran zu erinnern, wie in Amerika selbst in jüngster Zeit so ost Klage darüber erhoben worden ist, daß die Amerikanerinnenimmer mehr bestrebt seien, ihre Männer zu bloßen Arbeitstieren und zu willenlosen Sklaven ihrer Launen zu entwürdigen... • Im Examen. Von dem jetzt aus Anlaß des Todes des Reichsgerichtspräsidenten wieder viel erwähnten ersten Vorsitzenden des obersten Gerichtshofes Dr. Eduard von Simson erzählt man sich folgendes, wenig bekannte lustige Erlebnis: Simson stand eben im Begriff, sein erstes Examen zu machen, als er unterwegs mit einem anderen Kandidaten zusammentraf. Tas Gespräch drehte sich natürlich um das Examen, wobei Simsons Kollege sich sehr besorgt wegen des Pandektenrechtes aussprach, da er sich darin ziemlich schwach wisse. Simson tröstete ihn mit dem Bemerken, er hoffe, ihm behilflich sein zu können, wenn er in diesem Zweige vor ihm »dran käme*. Als ihm der Zufall hierin günstig war und er sich als ein so tüchtiger Jurist zeigte, daß die erstaunten Examinatoren die Frage an ihn richteten, bei wem er feinen Unterricht darin genoffen habe, antwortete er, auf seinen Kollegen zeigend: »Das wenige, das ich davon verstehe, verdanke ich hier meinem Freunde." Natürlich verzichteten nun die Herren darauf, diesen zu prüfen, und beide bestanden das Examen glänzend. • Muttermord auS Eifersucht. Ueber einen Muttermord aus Eifersucht wird aus Melbourne folgendes gemeldet: Rose Hubhard, ein hübsches junges Mädchen von 20 Jahren, war angeklagt, ihre Mutter vergiftet zu haben, mit der sie zusammen bei ihrem Stiefvater in der Nähe von Melbourne lebte. Im Prozeß wurde von der Verteidigung behauptet, der wirklich Schuldige sei der Stiefvater Robins, ein Mann von 65 Jahren, und nach einer an Sensationen reichen Verhandlung wurde das Mädchen freigesprochen und entlassen. Einem Detektiv gegenüber erklärte es jedoch bald darauf, es habe seine Mutter umgebracht, und als Beweggrund gab es an, es habe sich in feinen Stiefvater verliebt und sei von wilder Eifersucht gegen seine Mutter erfüllt gewesen. Rose Hubbard begab sich dann in Begleitung ihres Stiefvaters zur Polizei und ließ dort die folgende Erklärung zu Protokoll nehmen: „Ich, Rose Hubbard, wohnhaft Percy- Street, Kensington, Melbourne, erkläre feierlich und aufrichtig, daß ich mich erinnere, in der Hast der Polizei gegenüber ausgesagt zu haben, Robins habe meine Mutter ermordet. Das ist durchaus unwahr. Ich gab diese Aussage ab, um mich selbst vor der Verurteilung zu retten. Ich ge- tehe jetzt, daß ich meiner Mutter Quecksilber und Arsenik eingegeben habe, da sie mich oft schlug und auf mich eifer» üchtig war. Ich bereue, daß ich das getan habe, aber sie quälte mich und beschimpfte mich derartig, daß ich beschloß, sie wegzuschaffen. Ich mache diese Aussage, um einen Un- chuldigen von einem Verdacht zu befreien.* Die Polizei hat "ich überzeugt, daß dieses Bekenntnis der Rose Hubbard der Wahrheit entspricht, da das Mädchen jedoch einmal sreige- prochen worden war, konnte ohne weiteres nichts gegen sie unternommen werden. * Kleine Tageschronik. Aus Wien wird heute ge» m eldet: Der Verdacht, daß das Dienstmädchen der Frau N atz! er diese ermordet hat, (vgl. unser gestriges Wiener Telegramm) hat sich bestätigt. Das flüchtig gewordene Mädchen wurde in Olmütz verhaftet und hat bereits ein Gestandniß abgelegt. — Die spanische Königsfamilie schwebte am 24. d. M. in ernster Gefahr. Sie' fuhr im Automobil eine Anhöhe hinauf, als die Bremse versagte und das Gefährt hinab- zurutschen begann. Nur dem Umstände, daß es auf einen Wagen stieß, ist es zu danken, daß kein größeres Unglück entstand. — In Newport-News, (Virginien) hat O b e r l e u t n a n t z. S. S tarcke vom deutschen Kreuzer „Bremen* in einem Anfall von Schwermut infolge längeren Krankseins Selb st mord verübt, indem er sich mit einem Gewehr erschoß. — Nach einer Mitteilung der Altonaer Polizei ist der Telegraphen direkter Jahn bei der Altonaer Eischauktionshalle von der Kaimauer abgestürzt und in die Elbe gefallen. Hilfe war sofort zur Stelle. Der Verunglückte wurde den Fluten entrissen und ins Hamburger Hafenkrankenhaus gebracht. Die sofort vorgenommenen Wiederbelebungsversuche blieben erfolglos. — In Innsbruck ist ein 17 jähriges Mädchen unter Symptomen von Genickstarre g e st o r b e n. -r- In einem Hotel in B e r l i n e r s ch o ß s i ch die 28 Jahre alte Margarete Westermeyer aus München, die am ersten Feiertage eingekehrt war. Nach hinterlassenen Aufzeichnungen hat ihr Liebesgram die Waffe in die Hand gedrückt. — In Dahlhausen entdeckte die Polizei eine Falschmünzer- Werkstatt, beschlagnahmte die Gerätschaften und verhaftete drei Bergleute. Die Frau eines der V erhasteten wurde bei der Ausgabe falscher Zehnmark st ücke in Bochum festgenommen. — Der Zug Nr. 104 der Lokalbahn Breitengüßbach- Maroldsweisach überfnhr bei Breitevgützvach (Oberfranke^ v i e r E i s e n h a b n a r b e i t e r, die sämtlich getötet mürben Kandi-c urb •Srrfirf't. MvUiswinschaft. Berliner Börse vom 25. Avril 1905. (Mitgeteilt von der Bank für Handel und Industrie, Gieße«.) Privat-Diskont 2Ve Prozent. Anfangs- u. Schlußkurse. Oest. Kredit .... 208.90 209.50 Deutsche Bank . . . 240.40 239.87 Darmstädter Bank . . 142.30 142.50 Bochumer Guß . . . 251.00 250.20 Harpener Bergbau . . 217.90 217.25 Tendenz: Ruhig. R u s s i s ch e F i n a n z e n. Jüngst wurde mitgeteilt, daß Herr Fischer vom Berliner Bankhause Mendelssohn wieder einmal in Petersburg sei, aber in Abrede gestellt, daß dieser Besuch des deutschen Fmcmzmannes einer neuen Anleihe gelte. Trotz alledem wird mm berichtet, daß es sich bei den obenerwähnten Besprechungen um eine neue Geldbeschaffung für der. russischen Fiskus handelte, allerdings diesmal nicht als Uebemchme einet neuen Anleihe, sondern wre der „Fff. Ztg." aus Petersburg berichtet wird, in der Form eines kurzfristigen Vorschiffes, den der russischen Regierung das beteiligte Bankensyndikat eröffnet. Der Fiskus würde auf dieser Grundlage 2M Mill. Mk. zr 5 ff?roz. auf 9 Monate erhalten und das Syndikat als Sicherheit für den gleichen Betrag Schuldverschreibungen des russischen Schatzamtes mit, neunmonatlichem Ziel übernehmen. Deutsch - Ostasrikau ische Plant agen-Gesell- schäft. Das Geschäftsiabr schließt mit einem Verlust von 24 144 Mark und so erhöht sich die Unterbilanz auf 1564 539 Mark, während das gesamte Aktienkapital 1 985 750 Mk. beträgt, Danach steht es um die Gesellschaft herzlich schlecht. DerJahresberichtderHandelskammerOffen» bach a. M. spricht sich über die neuen Handelsverträge wie folgt aus: „Das Ergebnis der Handelsvertragsverhandlungen übertrifft weit das Schlimmste, was wir befürchtet haben. Daß bei denselben auf deutscher Seite die landwirtschaftlichen Interessen an erster Stelle maßgebend sein würden, darüber haben wir uns niemals einer Täuschung hingegeben. Wir haben aber nicht erwartet, daß dies fetbli unter Preisgabe /eines großen Teils der deutschen Ausfuhr geschehen toürbc. Für unseren Bezirk haben die mit Rußland-Oesterreich-Ungarn und der Schweiz abgeschlossenen Verträge eine recht beklagenswerte Bedeutung und auch die übrigen Abschlüsse lassen zum Teil außerordentlich viel zu wünschen übrig. Wir befürchten, daß ein sehr großer Teil der zahlreiche Spezialitäten für den Weltmarkt herstellenden und sich in der Hauptsache darin betätigenden Industrie unseres Bezirkes auf Grund dieser Neugestaltung der Handelsbeziehungen Deutschlands zum Auslande verloren geben wird. Bezeichnend für die Art, wie die Interessen der Ausfuhrindustrie bei den Verträgen gewahrt worden sind, ist die Tatsache, daß Oesterreich- llngarn gegenüber, welches eine ebenso leistungsfähige Industrie seiner Lederwaren hat, wie Deutschland, die Lederwarenzölle unseres Zolltarifes gebunden worden sind, trotzdem die östreichischen Zölle das Doppelte und Dreifache der deutsehen Zölle für Lederwaren ausmachen. Wir vermögen nicht zu begreifen, wie es mit der Volkswohlfahrt Deutschlands vereinbart sein soll, daß bei jährlich sehr erheblich steigendem Mehrbedarf au Nahrungsmitteln über die heimische Erzeugung hinaus und bei sonach fortgesetzt erheblich wachsenden Zahlungen an das Ausland für die Entnahme derselben vom Weltmarke auch 'iroch mit einem Rückgang der Ausfuhr von industriellen Erzeugnissen und einer damit Hand in Hano gehenden Mindereinnahme an Barvergütungen des Auslandes an un* aer"chnet werden muß." Märkte. 0 Bleichenbach, 25. April. Der heutige Ostermarkt war mit Schweinen überaus reichlich befahren, welche in kurzer Zeit zu hohen Preisen verkauft waren. Sechs Wochen alte Ferkel gingen zu 45 Mark das Paar rasch ab; ältere Ferkel kosteten das Paar 60 Mark. Die Preise für fette Schweine erreichten 58 Pfg. pro Pfund Schlachtgewicht. Htniversttäts-Machrichtrn. Zum Nackffolger des seitherigen Professors für Geschichte und Literaturgeschichte an der technischen Hocksschule zu Darmstadt, Professor Haruack, ist jetzt der außerordentliche Professor Arnold Verger aus Halle vorgesehen. i — In Zürich starb Professor H i r z e l von der veterinärmedizinischen Fakultät der Universität und Direktor des Tierspitals. — In Graz ist der Dekan der juristischen Fakultät, Professor Dr. N i l l e r gestorben. — Der Wiener Universitätsvrofessor Samuel Ritter v. Bas ch, ehemals Leibarzt des Kaisers Maximilian von Mexiko, ist heute im 68. Lebensjahre gestorben. München, 21. April. Die Zulassung weiblicker, das Reifezeugnis eines deutschen humanistischen oder Realgymnasiums besitzender Studierender an der Technischen Hochschule ist genehmigt worden. ridjfsiaaL Die Prinzessin von Isenburg. Das Bezirksgericht Arbon verurteilte die Prinzessin Alexandra von Isenburg wegen betrügerischen Bankervtts zu drei Wochen Gefängnis. Sie konnte auch diesmal nur in ihrer Abwesenheit verurteilt werden. Jusjng m örn ^teDlfsenifsncifittn irr Stehl v-itßro. Aufgebote. 15. April. Richard Geldsetzer, Heizer in Klein-Linden, mit Lina Lotz in Wallau. — 18. Dr. Kurt von Leuvoldt, Militär- Oberarzt dahrer, mit Margarete von Leupoldt in Görlitz. — 19. Georg Schuhmann, Bahnmeister in Tiedenhofen, mit Luise Plank dahier. Eheschließungen. 15. April! Ludwig Becker, Küfer dahier, mit Elise Margarete Schmidt in Rödgen. — Heinrich Ernst Max Müller, Elsendreher dahier, mit Elisabeth Wilhelmine Müller Hierselbst. Geborene. 9. April. Dem Wirt Karl Schmalz eine Tochter Marie Henriette Käthe. — Dem Kellner Alexander Hermann Herr eine Tochter Elisabeth Ntargarete. — 11. Dem Schlosser Karl Seipp eine Tochter. — Dem Taglöhner Karl Feldhaus eine Tochter. — 12. Dem Hallenmeister Wilhelm Schmitz eine Tochter. — Dem Schlosser Georg Friedrich Simon eine Tochter. — Dem Lackierer August Kramer ein Cohn August. — Dem Bäcker Wilhelm Geng» nagel eine Tochter. —- 13. Dem Biersahrer Heinrich Häuser^eine Tochter Elise Margarete. — 14. Dem Taglöhner Georg Warner ein Sohn Ernst. — 16. Dem Taglöhner Heinrich Pfaff eine Tochter Bertha Mathilde. — Dem Schriftsetzer Mathias Riedinger eine Tochter Christine Luise. — Dem Knecht Georg Kreis eine Tochter Lina. — 17. Dem Unrversitätsprosessor Dr. Heinrich Walther eine Tochter. — 18. Dem Maurerparlier Konrad Spies ein Sohn. Gestorbene. 15. April. Katharine Gräbe, geb. Rupp, 64 Jahre alt, Kochiy dahier. — 16. Josef Grobelny, 25 Jahre alt, Erdarbeiter dahier. — 19. Katharine Gräf, geb. Balßer, 67 Jahre alt, Ehefrau de» Vorarbeiters Georg Gräf dahier. — Katharine Iughard, geb. Gros, 61 Jahre alt, Witwe des Bäckermeisters Ehristtan Jug- hard III. dahier. 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