Erstes Blatt. Freitag 24. März 1905 Schulstratze 7. tlbrefle tot Depeschen: Anzeiger Gtetzeu. Kern!prrchanichluß Nr 51. 155. Jahrgang »Nr. 71 (hlQtlat töfltid) außer Sonntag-. Dein Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Kesfischen Landwirt die Siebener Kamillen. Hättet viermal in der Woche beigelegt. Rotationsdruck il Verlag der Brühl 'ichen Untverl.-Buch-u. Stein» druckerrt. Ä. Lange. Aedattton, ErpedMoa /Hg|7 SM Ajib WtT* vezngspret», jßÄMffiöy MR MM monatlich 7LPf^oter1el- SietzenerAnMger« General-Anzeiger & MM Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen MtzZ zetgenteil: Hans Beck. Ale Heutige Kummer umfaßt 14 Seiten. .£=■■■ . — ____■____' - -JL- — -'"l Volitische Tagesschau. Kaiser Wilhelm II. Hat sich seit längerer Zeit der größeren öffentlichen KNndgeb- nngen enthalten. Um so mehr Beachtung wird die (gestern von uns mitgeteilte) Bremer Rede finden. Daß der Kaiser vor seiner Mittelmeerfahrt, die ihn auch nach Tanger führen wird, eine so lebhaft den Segen des Friedens preisende Rede gehalten hat, ist sicherlich kein Zufall. Es sah in den letzten Tagen so aus, als ob von Marokko her ein Konflikt zwischen Frankreich imb Deutschland drohe. Die kräftige Note der „Nordd. Mlg. Zig." gegen jede Beeinträchtigung unserer wirtschaftlichen Interessen in Marokko von französischer Seite mußte diese Besorgnis ehe bestätigen als entkräften. Seitdem die Absicht des K'aiserbesuchs in.Tanger feststand, sind die alten Gegner in London fast noch eifriger als selbst in Paris bemüht, den Zeitpunkt der Reise als ,.nicht glücklich gewählt zu bezeichnen und Frankreich vor der deutschen Konkurrenz, auf politischem Gebiet, in Marokko zu warnen. Auch heute wieder glaubt die „Times" ihre abfällige Kritik üben zu sollen, mit der naiven Begründung: Deutschland habe tatsächlich nicht mehr Recht als andere europäische Mächte, sich in Marokko einzumischen. Die Leitung rmserer auswärtigen Politik wird wenig darnach ftagen, welche Schranken die „Times" der deutschen „Einmischung" zieht. Die englische Regierung ist jedenfalls bei weitem nicht so argwöhnisch wie die Freunde Frankreichs in der „Times" es sind. Der Kaiser hat, ohne Marokko zu er- wähnen, bestimmt die Ehrlichkeit der deutschen Politik betont. Danach ist für alle arideren Annahmen nicht der mindeste Raum. Der Schwerpunkt liegt in den Sätzen über das deutsche Weltreich. Bon einem „öden Weltreich" im Sinne der großen Eroberer des Altertums und der Neuzeit will der Kaiser nichts wissen. Damit tritt der Kaiser aufs neue denen entgegen, die dem Deutschen Reiche unter seiner Führung Einmischungs- und Ervberungsgelüste aller Art zuzuschreiben nicht müde werden. Der Kaiser bekennt sich aufs neue als F r i e d e n s f ü r st. Er ist es auch tatsächlich gewesen: wenn das Deutsche Reich Handel suchte, so wäre überreichlich Gelegenheit dazu gewesen. In Wirklichkeit hat Kaiser Wilhelm mit Freundlichkeiten nach den verschiedensten Richtungen nicht gespart. Kaiser Wilhelm II. hat auch mit der Politik derjenigen seiner Vorgänger gebrochen, die durch besiegte Königreiche, Kurfürstentümer und anderer Staatengebilde Preußen vergrößert haben. Auch scheint jetzt das Ende von Neuen K'olon ieerwerb- un gen gekommen zu sein, was nach den traurigen Erfahrungen, die wir mit unseren Kolonien in der letzten Zeit wieder machen, erfreulich wäre. Schon Bismarck sprach einst, um die argwöhnischen Nachbarn über etwaige Eroberungsgelüste des neuen deutschen Reiches zu beruhigen, das Wort aus: Deutschland ist saturiert. Wir wollen hoffen, daß der Verzicht auf eine Arealvermehrung des deutschen Reiches, das Abschwören jeder Eroberungspolitik der Leitstern der deutschen Politik fürs nächste bleibe. Es sind innerhalb der Grenzen des deutschen Reiches so große Kulturaufgaben zu erfüllen, daß es ein Wahnwitz wäre, Deutschlands Schicksal an die Wechselfälle einer „öden Weltpvlitik" zu knüpfen. Der Kaiser will aber doch durchaus nicht, daß das Deutsche Reich einflußlos und teilnahmslos beiseite stehe im Rate der Völker, er spricht sogar in gewissem Sinne von einer Hohen- zollernweltherrschaft. In dieser Verbindung wendet der Kaiser das biblische Wort vom „Salz der Erde" aus das deutsche Volk an. Das Deutsche Reich soll sich eine allgemein anerkannte Vertrauensstellung in der Welt erwerben durch die Tüchtigkeit des deutschen Volkes und durch seine ungeschwächte, was die Seemacht anbelangt, noch verstärkte Wehrhaftigkeit. Für die praktische Politik sind die der Flotte gewidmeten Sätze der kaiserlichen Rede die wichtigsten. Daraus spricht das Bewußtsein, daß unsere Flotte schon heute etwas bedeutet. Auch hier betont der Kaiser die friedliche Tendenz der deutschen Politik. Nach dm Amßerungen des Kaisers muß man ann-ehmen, daß er diese, wenn der jüngste Flottmplan verwirklicht ist, für stark genug hält und daß alsdann auf eine weitere Vergrößerung zunächst verzichtet wird. Dies ist besonders dm Engländern gegenüber von Wert, die auf unsere Flottm- vermehrung mit eifersüchtigem Argwohn blicken. Man darf^ gespannt daraus sein, welches Echo die der Flotte gewidmete kaiserliche Kundgebung im Auslande, insbesondere in England, finden wird. Vom Reichstage. Wenn etwas zu der Verflachung der Parlamentsdebatten beigetragen hat, dann ist es der Hang mancher Volksvertreter zu persönlichen Auseinandersetzungen, die nicht selten in Zänkerei ausarten. Darunter leidet die ernste parlamentarische Arbeit und auch der parlamentarische Ton. Lediglich aus persönlichen Beweggründen hielt man es diesmal für geboten, bei der Militärdebatte die antisemitische Bewegung zu erörtern. Das nahm kostbare Zeit in Anspruch und trug nicht gerade zur Erhöhung des geistigen Niveaus des Reichstags bei. Zwar ist der Wortschatz des Grafen Pückler noch nicht in die parlamentarische Rhetorik übergegangen, aber auch den dessen politischer Richtung nahestehend^ Abgeordneten sind urwüchsige Ausdrücke geläufig. Im Munde ist das Hin- und Herreden über diese Frage zwecklos, denn es gelingt nicht, eine Meinungsänderung herbeizusühren. Peinlich aber wirkt es, wenn immer und immer wieder von beiden Seiten Aussprüche fürstlicher Personen als Beweis herangezogen werden. Die sachliche Kritik am Heerwesen bot gestern mancherlei 'Bemerkenswertes. Es sei da hingewiesen auf die Rede des 'Abg. Storz (südd. Volksp.), der u. a. aus militärisch sozialen Gründen für die Abschaffung der Einjährigen- -S ch n ü r e plädierte. Von der rechten Seite des Hauses ertönten bewegliche Klagen über die dem platten Lande auferlegten Ma- möverlasten und über die unzulängliche Entschädigung. Maß auch die Städte ein gerüttelt Maß dieser Lasten zu tragen haben, davon legte Abg. Dr. Wallau-Lauterbach Zeugnis ab. Von durchschlagender Wirkung war die schlichte Feststellung der Tatsache, daß die Stadt Gießen nicht weniger als 4000 0 Mk. Zuschuß zu den Einquartierungslasten zahlen mußte. Man darf da in der Tat von einer „Militärsteuer" reden, die der Begeisterung der Bürgerschaft für den bunten Rock nicht grade förderlich ist. Von aktueller Bedeutung — zurzeit findet die Aus- mustenmg der Rekruten statt — waren die Beschwerden des Abg. Nacken (Ztr.) über Mißstände beim Aushebungsgeschäft, unter denen zumeist die wirtschaftlich Schwachen leiden. Der preußische Knegsminister gab entgegenkommenden Bescheid. Die scharfe Abfuhr, die General v. Einem dem sehr keck auftretenden Grafen Mieleynski (Pole) zuteil werden ließ, war wohlverdient. Vielleicht nimmt Herr o. Jadzewski, dessen Mäßigung Graf Bülow neulich Anerkennung zollte, den jugendlichen Heißsporn für einige Zeit in Behandlung, der sich zu einer ziemlich unverblümten Beleidigung parlamentarischer Kollegen hinreißen ließ. Im übrigen sei die warme Fürsprache hervorgehoben, die zwei Abgeordnete der Linken zugunsten der Zivilmusiker in ihrem schweren Konkurrenzkampf gegen die Militärkapellen einlegten. Diese brennende soziale Frage hat dem Kriegsminister, wie er eingestand, schon viel Aerger bereitet. Am Schluß der Sitzung gab es noch einen Scherz. Der Ab- geordn. Böckler (Antis.) enthüllte die haarsträubende Tatsache, daß das preußische Kriegsmmistermm seine Streichhölzer aus einem Warenhaus bezieht! Der Krieg. Die Russen auf der Flucht. Tokio, 23. März. (Amtlich.) Marschall Oyama meldet: Japanische Truppen, welche den Feind verfolgen, sind am 21. März in CH au tu, 20 Meilen nördlich von Kaiyuen, eingezogen. Tie starken feindlichen Abteilungen ziehen sich in Unordnung nach Nord osten längs der Eisenbahn zurück. Petersburg, 23. März. General L i n e w i t s ch telegraphierte gestern: Meldungen über Zusammenstöße mit dem Feinde am 21. März liegen nicht vor. London, 23. März. Von der russischen Armee in Guntzuling wird gemeldet, daß die Rückzugspläne in dem von Kuropatkin,Linewitsch, Bilderling und Kaulbars abgehaltenen Kriegsrat entworfen wurden. Guntzuling ist jetzt ein großes Feldlager. Die vordersten Divisionen marschieren nach Norden weiter und frische Truppen aus Europa kommen von Charbin nach Süden, um die erschöpfte Nachhut abzulösen. Russische Verstärkungen. London, 23. März. „Daily Chronicle" meldet aus Petersburg, daß General Linewitsch 2 40 OOOMannVer- stärkungen erhalten werde. (!) Petersburg, 23. März. Der erste Teil der kaukasischen Truppen trifft am 4. April auf dem Kriegsschauplätze ein. Der Zar hat den Kommandeur des Moskauer Militärbezirks in der Frage der Mobilisierung des Krakauer Korps hierher berufen. Japanische und Chinessiche Greueltaten. Petersburg, 23. März, (W. B.) Die Petersburger Telegr.-Ag. verbreitet folgendes Telegramm aus Sypingai vom 22. März: Der Rückzug der Russen nach Norden rief unter der friedlichen Bevölkerung, die auf den Sieg der russischen Armee gehofft hatte und jetzt mit Weibern und Kindern in die Berge flüchtet, eine Panik hervor. Beim Durchzuge der Russen durch die chinesischen Städte schließen die Einwohner die Türen, ziehen aber mit den festlich gekleideten Frauen und Kindern den Japanern entgegen. Die Japaner setzen die harte Behandlung der Chinesen fort, und wenden Strafen an wie früher in Fönghwangtschöng, Liau- jang und Inkan. Selbst Chinesen, die bloß verdächtig sind, daß die Russen in irgendwelchen freundlichen Beziehungen zu ihnen stehen, werden gemartert. Nach Norden geflüchtete Chinesen sind gefoltert worden. Ein Uebersetzer wurde hin gerichtet. Kaufleuten, die russisches Geld besitzen, werden die Hände abgehauen. Selbst Beamte, die mit den Russen dienstlichen Verkehr hatten, werden nicht geschont. Der erste Gouverneur von Liaujang, Sujan, wird in Haitscheng gefangen geholten, der zweite, Scheng, wurde g e f o l tert und nach Port Arthur verbannt; seine Familie iairbc gleichfalls gefoltert. Die Diener wurden h i n g e r i ch t e t. Der chinesische Oberst T s h a o wurde mit seinem Neffen in Jnkou hinge- richtet, weil er früher mit den Russen verkehrte. Ter chinesische O s f i zi e r S h u wnrde auf den bloßen Verdacht hin, mit den Russen Beziehungen unterhalten zu haben, ohne gerichtliche Untersuchung mit dem Tode bestraft. Tie Chinesen fürchten die Rache der Japaner und wagen nicht, den Russen Lebensmittel zu verkaufen. London, 23. März. „Morning Post' meldet, daß Japan und China ein geheimes Abkommen betreffend die Mandschurei abgeschlossen hätten. (Das wäre angesichts der obigen Meldung etwas verwunderlich. Toch darf man der offiziösen russischen Meldung nicht ohne weiteres trauen. Ein japanisches Tementi wird zweifellos nicht ausbleiben. D. Red.) Charbin, 23. März. Es bestätigt sich, daß die Verwundeten und das Personal des Roten Kreuzes im Mlukden vor Ankunft der Japaner von den Chinesen ermordet worden seien. Hier herrscht große Besorgnis. Frauen und Kinder verlassen täglich in Spezialzügen die Stadt. Von den Geschwadern. Petersburg, 23. März. Gerüchtweise verlautet, das! baltische Geschwader h^bc Madagaskar verlassen^ um sich nach bm Snnda-Jnseln zu begeben, wo e§ vor! Anker geh n wird. Dort wäre es dem Geschwader möglich, eine fortwährende Ueb-rwachuug auszuüben unh die japanische Flotte zu bedrohm. Die Japaner wurden dann ihre Verbind--^ ung zwischen Japan und Europa abgeschnitteu( seb"n. Es scheint, daß für diesen Fall ein Kaperkrieg enfc stestn würde, der besonders mit Erfolg seitens Rußlands geführt werd'n könnte. Außerdem würde ein solcher Krieg den Russen den Vorteil bieten, daß die japanische Flotte immer weiter von ihrer Operations-Be.sis entfernt würde U7Ü> jede Operation in der gefährlichen Nahe von Wlad'^ostok verändert würde. Port Louis, 23. MäiH. (Reuter.l Ein von Colombo hier ein getroffener Dampfer bringt die Meldung, er habe in der Nacht zum 17. März ein russisches Torpedoboot getroffen, denk in einiger Entfernung eine Flotte folgte. Er habe deren Natio-. nalität und Zusanrmensenung nicht feststellen können. Hamburg, 23. März. Von den für das rmfsische Geschwader gecharterten Dampfern verläßt die „SEbria" übermorgen den hiesigen Hafen, die übrigen Dampfer werden in kurzer Zeit folgen. Die Anmusterung der Seeleute geschieht durch dke hiesige Firma Knöbr und Burchardt Nachf., Vertreterin der Vetersbu'rger Reederei Wachter imb Co. Die „Belgravia", die mit Kohlen beladen auf der Unterelbe liegt, bient bis zur Abfahrt noch als Kasernenschiff für die Auswanderer der Hamburg-Amerika-Linie, da die Auswandererhallen wegen der zahlreichen! Schiffsverkäufe überfüllt sind. London, 23. März. Die Hcrmburg-Umerika-SchiffahrtS- Gesellschaft hat 34 Dampfer in Aden gechartert, um 100 000 Tonnen Kohle, welche in dem französischen Hafen Dschibuti liegen, aufzunehmen. Die 34 Dampfer werden daun die ruflisck>e Ostseeflotte als Kohlendampfer begleiten. Die Osh, seeflotte wird Ende dieses Monats in Dschibuti erwartet. London, 23. März. In Anwesenheit des japanischen $e* sandten Hayaschi ist in New-Castle ein japan ischeS Kriegsschiff 1. Klasse vom Stapel gelaufen. Rußend in Sturm und prang. Abermals ein Attentat. Aus Petersburg wird gemeldet: Vor dem Palaste des Großfürsten Ale^iL wurde ein Mann verhaftet, der ein umfangreiches Paket bet sich trug und versuchte, während der Ausfahrt der Wagen in den Palast ein- zubringen. Das Paket enthielt eine Bombe. Der Verhaftete weigerte sich, irgend welche Angaben über seine Persönlichkeit zrr machen. Erne haarströubende Bestialität eines ruffischen Polizeibeamten wird aus Kutno mv Gouvernement Warschau berichtet: Auf die Nachricht, daß auf der Chaussee beim Gute Lanentr 140 Bauern mit Frauen und Kindern versammelt wären, begab sich der Cbef der Landwaebe mit einer Kompanie Soldaten dorthin und ließ auf die Leute, trotzdem sich diese ruhig verhielten, feuern. Zwei Personen wurden auf der Stelle getötet, fünfzig verwundet, davon zwanpg schwer; von den Verwundeten starben sieben auf dem Wege zum Hospital. AeutscS-Hfrika. Eine Denkschrift über den Aufstand in Teutsch'SLdwestaftlkL. Der Reichskanzler legte dem Reichstage eine vom Gene- ralftabe ausgearbeftele .Denkschrift über den Verlauf be8; Aufstandes in Südwestafrika, Fortsetzung^, vor. Die Denkschrift giebt eine zusammenhängende Darstellung der Ereignisse im Norden des Schutzgebietes seit dem 2. Februar, in der es heißt: Die Hereros stellen sich nicht mehr zumKampse. Die wenigen überlebenden Führer fanden zumeist Zuflucht auf englischem Gebiet, wie Samirel Maharero, der sich an den Ngami-See in Britifch-Betfchuanaland flüchtete. Das Volk wandte sich den alten Wohnsitzen wieder zu und halt sich im Busch verborgen. Die Unsicherheit im ganzen Lande ist noch groß. Daher wurde gui Stationsbesatzungen übergegangen. Sehr erfreulid) ist, daß der Typhus wesentlich nachgelassen hat. Der Kranken» bestand ist fetzt 174 gegen 343 im Januar. Die Denkschrift besagt ferner: Im Süden des Schutzgebietes konnten die siegreichen Januar kämpfe gegen d i e Hottentotten am Auob wegen der Verpfleg ungsschwierigkeiten nicht üt! wünschenswertem Maße ausgenutzt werden. Noch mehr litten die Operationen aeqen Moreuga und Morris unter Verpflegungs- schwierigke-ten. Allen Uebelstanden indem letzteren Gebiete ist nut abzuhelfen durch den baldigen Bau einer Eisenbahn Liideritz-i B u ch t—K u b u b. Anfangs Marz gelang es General v. Trotha, nach langen Vorbereitungen und durch besonders glückliche Umstände die Verpflegungsschwierigkeiten vorübergehend zu beseitigen. Die Denkschrift schildert dann die wieder aufgenommenerr Operationen gegen die Banden Morengas und Morris bet Nnrudos, über die Telegramme bereits berichteten, und bemerkt hierzu, der Vormarsch auf ungebahnten Pfaden, der Kampf in wilden Bergen, der quälende Durst und der Wassermangel stellten an die Leistungsfähigkeit der Truppen hohe Anforderungen, denen sie sich aber wie in allen früheren Fällen vollkommen aewachsen zeigen. Bezüglich der Kameruner Vorgänge erfährt die „Nat.-Ztg.", daß im Kolonialamt newi Nachriehten über die Bewegung in Südkamerun auch heute noch nicht varlieaen. Der gestern von W. T. B. als zuletzt eingetroffen bezeichnete amtliche Bericht datiert nach der Meinung der „Nat.-Ztg." etwa vom 14. d. MtS. Danach fei zu befürchten, daß die amtliche Bestätigung über den Auf st and in Süd-Kamerun nicht ausbleibt. Bezogen sich doch auch die letzten Telegramme des Gouverneurs namentlich auf im Süden drohende Bewegungen. * Die Vorlage bctr. den Bau der Kamerun-Tschad- see-Bahn hat die Genehmigung deS Kaisers gefunden. Ans gtniit und Kano. Gießen, den 24. März 1905. — Personalien. S. K. H. der Großherzog haben dem Repetenten an der Theologischen Fakultät zu Gießen Lic. theol. Fuchs, die evangelische Pfarrstelle zu Rüsselsheim, Dekanat Groß-Gerau übertragen. In der gestrigen nichtöffentlichen Stadt- Derordnetensitzung wurde in der Angelegenheit des Theaterbaues em Jdeenwettbewerb ausgeschrieben zwischen folgenden Firmen: Fellner und Helmer (K. K. Bauräte) in Wien, RegierlingSbaumeister Mo ritz-Köln (der Erbauer des Kölner neuen Theaters), Prof. Dülfer-München, Architekt Sehring-Charlottenburg, Architekt Tittrich- Diünchen, und den Gießener Architekten, die sich darum bewerben wollen. "* Die Hauptgewinne der Gießener Pferde- kotterie steten auf folgende Nummern: Gewinn Nr. 1 auf Los Nr. 6432 nach Niedermendig, an den Stcinbruch- besitzer Sebastian Schneider (Kollekte des Sattlermeisters Bender hier), Gew. Nr. 2 auf Los Nr. 1400 nach Gießen, Gew. Nr. 3 auf Los Nr. 10 114 nach Grünberg, Gewinn Nr. 4 auf Los Nr. 5978 nach Gießen, Gew. Nr. 5 aus Los Nr. 3384 nach Gießen, Gew. Nr. 6 auf Los Nr. 55 nach Gießen, Gewinn Nr. 7 auf Los Nr. 19 114 nach Münchholzhausen, Gewinn Nr. 8 auf Los Nr. 18 308 nach Neutsch b. Wald, Gewinn Nr. 9 auf Los Nr. 338 nach Gr -Erchen, Gewinn Nr. 10 auf Los Nr. 15 219 nach Gießen. ** Tas alte Bibliotheksgcbäude. Der Plan, das alte Bibliotheksgebüude unserer Hochschule in seiner Fassade der Umgebung des Landgraf Philipp-Platzes an- zuvasscn, ist daran gescheitert, daß das Finanzministerium die für den Umbau geforderten 85000 resp. 63 000 Mk. auf 35 000 Mk. reduziert hat. Tas Gebäude wird daher in der Hauptsache nur im Innern zweckentsprechend um- gebaut, um darin drei Institute unserer Universität und zwar, wie früher schon erwähnt wurde, das Botanische, das Geographische und das MathematUch-phisikalische Institut unterzubringen. Tas durch dessen Beilegung frei w.rden.e Gebäude des Botanischen Instituts in der ^enckenbergstraße wird dem LandwirtschasUichen Institut eingeräumt werden, das zurzeit im Kollegrengebäude in der Ludwigstraße sich befindet. ** Einen schlechten Handel schloß ein hiesiger Geschäftsmann, der eine Anzahl Lose der Pferdemarltlotterie zum gelegentlichen Verkauf und Sclbstgcbrauch übernouunen hatte, ab. Er bot einem Mann aus Grün berg seine Lose zum Kaufe an. Ter wollte aber die „Märker" sparen und lehnte das Angebot ab. Um mm aber die Lose los zu werden, schenkte ihm unser Gießener eins davon. Gestern wurde die Nummer mit dem drillen Hauptgewinn gezogen. Tableau! — Der dritte Hauptgewinn besteht in einem Lauler- bacher Wagen mit Bock, ferner einer braunen Stute mit Stern und K u mm et g e schi rr. ** Frühjahrspferdemarkt. In unserem voraestrigen kurzen Bericht war von einer primitiven Musikkapelle gesprochen worden. TaS ist aus einen Irrtum zurückzwühren; in den Vor- wutagsstunden spiellen in der Nähe des Marktes umherziehende Musikanten, später aber die hiesige Feuerwehrkapelle, deren Leistungen beifällig ausgenommen wurden. w. Nldda, 22. März. Heute nachmittag fand im Saale des „Gambrinus" die Schlußfeier der hiesigen Gewerbeschule statt, zu der von amtlicher Seite Gewerbeschulinspektor Meyer-Darmstadt (früher Hauptlehrer hier) und Kreisamtmann Dr. Bernbeck-Büdingen erschienen waren. 2lnf die Begrüßung durch den Vorsitzenden des Auf- stchtsrats, Möbelfabrikanten Ringshausen, folgte ein Rechenschaftsbericht des Hauptlehrers Höhn, wonach die Gewerbeschule von 33 Schülern, 2 Hospitanten und 7 Meister- prüfungskandidaten besucht wurde; die Sonntagszeichenschule von 154 Schülern, die Abendschule von 30 Schülern. Tas Alter differiert zwischen 14 und 27 Jahren. Nach einem Gang durch die sehr reichhaltige Ausstelliinq von Schüler- arbeiten, unter denen besonders die perspektivischen und Modellezeichnungen sich hervortaten, wobei Hauptlehrer Höhn die Erläuteriingen gab, wurden die Namen der Bewerber um die drei Preisaufgaben (einer Kleinkinderschule zu Nidda, eine Brücke über die Nidda und ein dreiteiliges geschäftliches Fenster) aus den beigegebenen Couverts ersehen. Es erhielten je den ersten Preis Witt aus Nidda, Jockel aus Hungen und Schwab aus Geiß-Nidda. Aus dem Kreis Gießen besuchten 5 Schüler die Schule, von denen außer dem genannten Jockel Bieker aus Ober-Bessingen den dritten Preis in der ersten Abteilung erhielt. Die Zeugnisse der Schüler waren meist sehr gut. Mit einem Tank an die Lehrer und Gönner der Schule wurde der offizielle Teil geschloffen, an den sich ein gemütlicher reihte. s. Hartmannsha in, 22. März. Tie Bahnbauarbeiten an der Strecke Greben Hain —Gedern haben nunmehr wieder in größerem Umfange begoimen, nachdem sie längere Zeit wegen des hohen Schnees eingestellt werden mußten. Tas Geleise ist nun von Grebenhain bis an hiesige Station fertig gelegt und wird jetzt auf der weiteren Strecke fortgesetzt, da die Erdarbeiten bis über Oberseemen hinaus fast ganz fertig gestellt sind. Nur oberhalb Gedern sind noch bedeutende Erdmassen zu bewegen. Heute hat auch der an der hiesigen Station ausgestellte Steinbrecher seine Tätigkeit begonnen, um die hier fast haushoch aufgetürmten Bascrltmassen aus dem großen Durchschnitt zu Schotter zu zerkleinern. Tiefer wird sosort in Waggons geladen und durch einen Materialzug, der täglich zwischen Grebenhain und hier verkehrt, aus die Strecke gebracht. Tie Maschine des Brechers erregt wegen ihrer kolossalen Größe die Bewunderung aller Vorübergehenden und übt außer ihrer eigentlichen Tätigkeit als Beweger des Brechers noch eine weitere aus; sie zieht sich nämlich selbst die mit Basalt beladenen Rollwagen über eine schiefe Ebene auf das ziemlich hohe Gerüst des Brechers. An den Bahnhofsgebäuden, deren Fundamente schon im Herbst gelegt worden sind, wird in den nächsten Tagen weiter gearbeitet. R. B. T arm stad t, 23. März. Ter Sonderausschuß für die Kommun al st euer reform hielt in den letzten Tagen wieder längere Sitzungen ab, bei welchen auch Staats- mmister Rothe, Finanzmmister Gnauth und Regier- ungstommissare teilnahmen. Gestern hat der Ausschuß die Generaldistusfion über die Regierungsvorlage beendet und rst '» die Einzelberatung emgetreien. D.e weitere Beratung Durst-» aber möglicherweise eine unlieb jame Unter- brechung erfahren, da ,Äbg. Tr. Gut fleisch, dessen reiche parlamentarische Erfahrung man bei dieser hochwichtigen Gesetzesmatcrie nicht entbehren möchte, gestern erkrankt ist. — Ter Finanzausschuß der zweiten Kammer war heute zur Beratung beisammen und stellte eine Anzahl kleinerer Vorlagen für die Plcnarberatung fertig. — Ter Sonderausschuß für die Regierungsvorlage inbetresf der b e r u s l i ch e n O r g a n i s a t i o n d e r Landwirtschaft hat in seiner letzten Sitzung die Beratung über den Gesetzentwurf beendet und den Abg. Dr. Fr e n a y. mit der Abfassung des schriftlichen Ausschußberichts beauftragt. Es ist daher nicht ausgeschlossen, daß auch dieser Gesetzentwurf schon beim Wiederzusammentritt der zweiten Kammer am Schluß des lausenden Monats mit zur Beratung kommt. — Der Heilstättenverein für das Groß Herzogtum Hessen hielt heute im Sitzungssaale der Jnvalidenversicherungsanstalt seine diesjährige Hauptversammlung ab. Ter Vorsitzende, Regicrungsrat Tietz, teilte mit, daß die Lungenheilstätte in Winterkasten im September d. I. eröffnet werden könne. Die Kosten für die Anstalt belaufen sich auf 681000 Mk. (gegen 400000 Mark im Voranschlag). Tie Versammlung beschloß deshalb, ein weiteres Darlehen von 300 000 Mk. bei der Jnvalidenversicherungsanstalt aufzunehmen. Geh. Obermedizinalrat Tr. Hauser hielt sodann einen Bortrag über die „Tuberkulose in Hessen". Mainz, 23. März. Tas „Tagblatt" verbreitet das Gerücht, daß Tompropst Malzi flüchtig gegangen sei. Ter Dompropst hatte nach einer Kautionsstellung von 10 000 Wik. in einem hiesigen Kloster Aufenthalt genommen. (to.) Frankfurt a. M., In der letzten Nacht wurde in der Uhren- und Goldwarenh an dlung von Ernst Heinrich Bauer ein großer Einbruchsdieb st ahl ausgesührt. Tie Diebe schnitten in der Hinteren La-dentnr die untere Fiillung heraus und öffneten die übrigen Türen mittels Nachschlüssels. Tann rafften sie alles zusammen, was sie fanden. Goldene und silberne Herren- und Tamenuhren, goldene Ketten, Broschen, Ohrmge, Brillanten im Gesamtwerte von 15 000 M ar k. Bauer wohnt im ersten Stock des Hauses. Er hat von dcmIwr- gefatlenen nichts wahrgenommen. Auch sonst blieben bie Spitzbuben unbemerlt, sodaß nicht die geringste Spur vorhanden ist. Wie die „Kl. Pr." über diesen Vorfall noch erfährt, wurde der Embruch zwischen 12 und 2 Uhr verübt. Mit welcher Ortskenntnis und llcBeilegung die Diebe vorgegangen sind, beweist der Umstand, daß gerade die wertvoUsten Sachen geraubt wurden. Verdacht besteht gegen einen Gehilfen, der am Montag von Bauer entlassen worden ist. Limburg, 21. März. Ein junger Mann, der in Villmar von einem tollwutverdächtigen Hund gebissen worden war, hatte sich sofort zur Schutzimpfung nach Berlin begeben, ist aber dort an Tollwut gestorben. Auch im Unterwestermald und im Kreis Limburg sind Fälle von Hundetollwiit vorgekommen. Tie Drnckvergebung der st'cidt schen Schuldverschreibungen wurde in der gestrigen öffentlichen Stadtverordnelensitzung ans Anlaß der Erklärung der beiden hiesigen Univeisitäts- Triickereien im Inseratenteil des Gieß. Anz. vom Ober- bürgermeister noch einmal zur Sprache gebracht. Oberbgm. Mecum bemühte sich, die Ausführungen der Brühl'schen und der von Nkünchoiv'schen Druckerei (Nr. 61 des Gießener Anz.) im einzelnen 51t widerlegen. Zunächst habe er voraus- zuschicken, daß die Stadtverorbneten-Beisammlung über ihre Beschlüsse niemand Veraiilwortung schtilde und zii einer Rechtfertigung nicht verpflichtet sei. Von einem Akt der Willkür in dem Vorgehen der Bürgermeisterei könne nicht die Rede sein, denn die Bürgermeisterei habe in der Sache keinen Beschluß gefaßt, sondern die Finanzdeputation habe einen Vorschlag gemacht, und die Stadtverordnetenversammlung habe ihn genehmigt. Was die Lieferung des Trocken- stempels anlange, so stelle er feit, daß durch Gesetz vom 14.Januar 1905 dieser Stempel vorgeschrieben sei, unb cs sei Luche der sich um den Auftrag bewerbenden Diiickereien, auch um die gesetzlichen Vorschriften, die dabei mitspielen, sich zu bekümmern. Die aiiswärtigen Druckereien hätten bei ihren Angeboten den Trockenstempel mit berücksichtigt. Von dem zu liefernden Papiermaterial fei in dem Schreiben der Bürgermeisterei nur gesagt worden, daß ein gutes, nicht daß ein billiges Papier gewünscht werde. Aiißerdem habe es den Firmen aiich fretgeftanben, verschiedene Papiere zur Ansicht vorzulegen. Bei dem von den beiden beschweideführen- den Firmen ins Feld geführten Preisunterschied sei zu berücksichtigen, daß die alten Driicke mit 2 und die neuen, von der auswärtigen Firma engmommenen, mit 5 Farven her- geslellt seien. Der (Mlärmig der Firmen, daß bei solchem PrelSiinterschied bei dem auswärtigen Angebot eine ganz erheblich bessere Ausstattung vorausgesetzt iverden müßte, was aber aiis den eingesandten Mustern keineswegs crnchtlich sei, sei entgegen.zuhalten, daß die Brühl'sche Druckerei doch wohl keine Gelegenheit gehabt habe, die neuen Drucke sich anzu- iehen. Auch das Kleben der Farben bei der letzten Lieferung könne nicht einer zu kurzen Lieferfrist ziigeschrieben werden, denn es sei der Firma bekannt gewesen, daß sie mit einer Frist von 28 Tagen zu rechnen habe, und wenn lic besorgt habe, diese Zeit sei zu knapp bemessen, so hätte sie sich um den Auftrag nicht bewerben sollen. Was schließlich d^e erwähnten Trockenstempel anlange, so würden nicht oin, sondern zwei Stempel, ein großer und ein kleiner, auf Mantel und Scheine verlangt, und wenn man in Betracht ziehe, daß 76 £00 Stempelciupräg- ungen zu erfolgen hätren, müsse man doch glauben, daß dies das Angebot wesentlich verteuern würde. Wenn mau also dies und die Mehranwenduu.g von Farben in Betracht ziehe, komme man zu der Ansicht, daß ein Preisunterschied der angefochtenen Art bei annähernd gleicher Ausstattung nicht mehr vorhanden sein würde. Oberbgm. Mecum setzte sodann die früher von der Brählfchen Druckerei gelieferten Schein? und die von der auswärtigen Firma hergcstelltcn Vordrucke in Umlauf. Bevor wir in dem. Bericht über den weiteren Verlaus der Verhaudlung fortfahren, seien hier kurz die Erwägungen angeführt, die das Vorgehen der beiden Druckereien als durchaus berechtigt erscheinen lassen. Es war eine öffentliche Sitzung, in welcher die Leistung einer ange- gesehenen hiesigen Ofsizur bemängelt worden war, und Die Stadtverwaltung hatte sich allerdings zu gewärtigen, daß ein so ungerechtfertigter Angriff nicht unwiderlegt bleiben würde. Und bay man ein gänzlich verfehltes Verfahren eingeschlagen hat, beweist die ganze Argumentation des Oberoürgermersters, der scch viel mehr darauf beschräukte, der Brüytscheu Druckerei den Vorwurf unzulänglicher Auostatiung ii-res Angebots zu mauzen, als die in der vorigen Sitzung erwähnce Bemängelung bei früheren Truäarve.ir ernjllich aufrecht zu halten. Es mußte ja auch aufsallen, wenn man zurest eine Firma zus Offerten veranlaßt (doch wohl mit der Absicht, biefem auch wirklich näherzutreten), um bann bie anderweitige« Vergebung mit einer Kritik über eine frühere Sache zu rechtfertigen! Aus der schriftlichen Aufforderung der Bürgermeisterei vom 4. d. M. war aber in keiner Weise zu entnehmen, baß eine Aenberung in ber seither üblichen Ausstattung verlangt werbe. Es wäre boch billig und sehr einfach gewesen, in biesem Schreiben bie neu ausgetretenen Anforderungen in kurzen Bemerkungen zu präzisieren. Das hätte zumal hier am Orte keine Schwierigkeiten gemacht. Auf die von Oberbgm. Mecum vorgebrachte Rechtfertigung des großen Preisunterfchiebes ber Angebote erklärt bie Brühlsche Druckerei wieberholt, baß sie bei einer gleichen Ausstattung, wie bie von der fremden Firma angenommene, einen so hohen Preis dennoch nicht augesetzt haben würbe. Tas Einprägen des Trockenstempels auch in dem vom Oberbürgermeister erwähnten Umfang würbe bie in der Erklärung angegebene Summe von 50 Mk. unter keinen Um- ständen übersteigen. Wie aus den Bewerbungsschreiben ber hiesigen drei aufgeforderten Druckereien hervorgeht, waren für den diesmaligen Druck drei Farben vorgesehen. Die Qualität der eingereichten Papierprobe war eine vorzügliche, wenn die Papierstärke nicht konvenierte, hätten aus Wunsch innerhalb weniger Minuten eine Menge anderer geeigneter Papierproben vorgelegt werden können, bie ben Gesamtpreis nicht oder nur unwesentlich beeinflußt hätten. Bei Fünffarbendruck, beliebig gewähltem Papier und Einprägung ber Trockenstempel auf Mänteln und Zinsfchciuen würden die Angebote der hiesigen Druckereien sich immer noch wesentlich niedriger gestellt haben als das ber auswärtigen Druckerei. Daß bie letzten Schuldverschreibungen von 1903 nur in zwei Farben hergestellt wurden, ist darauf zurückzuführen, daß in den letzten Jahren seitens ber Bürgermeisterei durch die Art ber Submissiousvergebung bie Preise so heruntergedrückt worben sind, baß bei manchen Lieferungen selbst von einem geringen finanziellen Gewinn unmöglich die Rede sein kann. Bei dem Truck in nur zwei Farben müssen diese stärker aufgetragen werben als bei Benutzung von fünf Farben und bedingen eine längere Lieserungszcit, um gut zu trocknen unb leicht beschrieben werben zu können. Bei dem der auswärtigen Firma bewilligten Preise würden auch die hiesigen ausgefoiderien Firmen ihre gute Oiechnung gefunden und den Beweis erbracht haben, daß sie auswärtigen Firmen in Bezug auf Leistungsfähigkeit in keiner Weise nachstchen. Stadtv. Kirch (der der Finanzdeputation angehört) gibt zu, daß man verschiedener Meinung darüber sein könne, ob die Vergebung nach auswärts nötig war (!), betonen müsse er aber hier, daß es ungehörig sei, wenn hiesige Gewerbetreibende in solcher Weise wie die Druckereien Beschlüsse der Stadtverordneten kritisierten. Tie Stlidt- verordnetenversammlung habe den Beschluß gefaßt, sie habe das Geld bewilligt. Man könne, wie gesagt, über die Sache selbst verschiedener Mclniing sein, es sei danials etwas rasch gegangen, aber gegen das Verfahren der beiden Firmen müsse er Verwahrung einlegen. Hierzu ist zu bemerken, daß mit dem Zugeständnis des Herrn Stadtverordneten Kirch, man könne verschiedener Meinung über die Notwendigkeit der Vergebi-ng nach aus-- wärts fein, und es sei „damals etrvas rasch gegangen", doch ohne weiteres hervorgeht, daß die in Betracht kommenden Druckereien das Recht der Gegenäußerung für sich in Anspruch nehmen durften. Sie waren zuerst angegriffen und durften znm Schutz gegen unberechtigten Tadel in öffentlicher Sitzung, zweifellos 'den Beschluß kritisieren, den Herr Kirch selbst mit ,einer Bemerkung als nicht eimvandfrei bezeichnete. Ta Herr Kirch zur Sache selbst kein Wort äußerte, ist sein Protest wirkungslos; das Recht der Kritik kann niemandem verwehrt werden, und dem Angegriffenen steht unbestreitbar das Recht der Abwehr zu. Oberbgm. Mecum kam sodann auch auf die im Gieß. Anz. von einem Handwerksmeister gerügte Ausschreibung der Beton- und Ra bitzarb eiten für den Neubau der höheren Mädchenschule zu sprechen. Er bedauere lebhaft, daß die Arbeit nicht auch in hiesigen Blattern ausgeschrieben worden sei. Dies sti auf ein Mißverständnis seiner Anordnungen ;urüekzuführen. Er habe Anweisung erteilt, daß alle Arbeits- ansschreibungen auch in hiesigen Blättern veröffentlicht würden, ob es Zweck zu haben scheine oder nicht. Bei der Vergebung der Beton- und Rabitzarbciten sei man davon ausgegangen, daß alle größeren Unternehmer, die Beton- arbeiten besorgen, auch Rabitzarbciten ausführen könnten. Es sei keineswegs ausgeschlossen worden, daß Teilangebote berücksichtigt weiden könnten. Und solche Angebote seien auch erfolgt und nicht zurückgcwicsen worden. Im übrigen sei die Meinung unzutreffend, daß man auswärtige Angebote vor hiesigen bevorzuge. Tas Gegenteil sei schon oft bewiesen worden. Stadtv. Heichelheim kommt auf den Druck der schulo- ocrschreibungen zurück und bemängelt bie Ausführung der Drucke durch die auswärtige Firma (in Han- liover). Die Form der Scheine unb Coupons sei un- geeignet unb zu groß. Auch sei kein Platz vorgesehen für bie Einzeichnung ber Besitzer von Inhaber- papieren, bie burch bas Bürgerliche Gesetzbiich gestattet ivcrbc. — Oberbgm. Meeum entgegnet, man könne einen berartigen Vermerk wohl auch auf bie Rückseite machen, und solche Fälle seien sehr selten. — Stadtv. Heichelheim meinte, ob man von dieser Vergebung nicht lieber abseben könnte, und bemerkt auf den Hinweis, daß bereits ein Beschluß gefaßt worden sei, er fei damals nicht ziDkgen gewesen und würde gegen diese Vergebung geltimmt unb sich bemüht haben, einen anberen Beschluß herbei* zuführen. Diese Bemerkung eines Mitgliedes der Finanzdeputation (und Herr Kommerzienrat Heichelheim ist als Bankier Sachverständiger auf diesem Gebiete) beweist, daß die Vergebung der Druckarbeiten nach auswärts völlig unnötig war. Vergleicht man bieErklärungenberHerren Stabtvv. Kirch unb H e i ch e 1 h e im unb nimmt bazn noch bie Ausführungen deZ Herrn Oberbürgermeisters Mecum in Sachen der Ausschreibungen für ben Mäbchenschulbau, so wirb boch wohl jeber Unvoreingenommene uns zugeslehen, baß eine öffentliche Kritik ber Beschlüsse unterer stäbtischen Behörden diswei en dringend von 9löten ist im vitalsten Interesse ber gesamten Gießener Bürgerschaft unb ihres Gelbbeutels. hem Markte TeSejuhonsscher ß^ursberichti J. Heck 1605 Giessen (Grünberger Str. 38), den 24. März 1905. 1573 zur Versteigerung. 01815 ' W Summe WK Mitgliederstand Ende 1904 1602 Hausen, am 24. März 1905. 1366) rrrente 4% Untrar. ^n,dr°nto . 4 *V Italcn Rente , . . 4< , % Porfn rstand unbedputen^. Darmstädter Pädagogium Darmstadt, 53 tzcerdwcg 53. Vorbereitunq «um Einiästriac«-, Primaner- und »lbitnricntc»- Eramc» iomic nun Eintritt in mitilcre und adere Klassen froherer Lehranstalten. Eintritt jcdcrzcit. Seit Jahre» dir besten Erfolge. hv'1/., M‘ Elias- Allen Verwandten und Bekannten die traurige Mitteilung1,. dass gestern morgen 9 Uhr unsere gute Gattin, Mutter, Schwester, Schwiegermutter, Grossmutter und Tante Frau Wilhelmine Heck geb. Herd ganz unerwartet, sanft entschlafen ist. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: KW Berlin. 24. März. Trofcfinr Friedrich Delitzsch gedenkt Ende dieses Monats eine abermalige forschnngsreile nach A s s b r i e n und Babvlon anzutreten. — ?Jrfa. v. Manteuffel hat, wie bestimmt versichert w'rd, d"s ihm anaebatcne Ob^rpräsidium ihn* Brovinz Brandenburg abgelehnt. — Die Stadwerodneten-Bers"nrmli'ng lehnte d'e Erhöhung des Grundgehaltes der Gemeinde-Schn''le brer ohne Be- nachteilig'ung trr Altersz"lagpn und des Endgehaltes a b,. bewilligte jedoch d'e vom Maa'llrat vorgeschlagene A u f b e n e r - ung der Wohnungsgelder. , v. annover, 24. März. Gestern bildete sich hier em neuer Ausschuß der Studierenden der Technischen .Hochschule unter dem Namen Verband der Studentenschaft der Techrnsmen Hochschule Hannover. Dem verbände känn-'n nach den vom Bektor und Senat genehmigten S^bumaen konfessionelle -Verbindungen und deten Mitglieder nicht a n g e h o r e n. Ter Verband besteht zum größten Teil aus Mitgliedern des früheren Ausschusses. Varis, 23. März. Der „T>mvs" erörtert tn1 K't i^cr ^e^r'ed'g ma die Ae"^erung-*n v^rs^i''dmer deutscher D.ct^r über se'nen voraeßrigen Artikel und erklärt: Die 2 und 4 des französisch-englischen Abkommens sichern vm Bercm mit dem deutsch-marokkanischen Handels-^^lrag dem deutschm Handel alle B''rgschaft"N, welche dieser m heit seiner Bedmtimg nur wünichm kann. Die franzosuche ivio- matif'. welche in st-ez nur d-r Syndikus d^s allen handeltreibenden Mächtm gemeinsamen W"nsches nach Ordnung und frieden ist, dmke nicht im Entserii^esten dar-m.. diese M'rasch-lllen irgendwie zu vermindern. Die d"utsche Negi"rung ist zu llar- blickend, als daß sie das 6!-genteil glw'bm könnte. D'e .'lus- os VITI die Schlofferarbeiten, Los IX die Glgierarbeiten unb Los X die Anstreicberarbeiten. Für jeden der Babnböfe Drredors und Neirnerod kommen noch als Los XI hinzu die Pstgsterarberten. Die Bauverwaltung bebält sich das Reckst vor, jedes Los eines Bahnhofes für sich, oder alle Arbeiten an einen Untermehmer zu vergeben. r , ,, . Zeichnungen und Bedingungen liegen guf der unterzeichneten Bau-Abteilnng utr Einncht ans. Das Verdingsbeft für ein Los eines Vabnbofes kann gegen vortost'eie Einieirdung von 50 Pfg. (nickst in Briefmarken!, das Geiamt-Verdingshest für einen Bahnhof für 3 Mark bezogen iverdeir. Tie Angebote, rvelche mit entivrechender dlnrschrrst versehet sein müssen, sind bis rum 15. Avril 1905, vormittags 11 Uhr, em- znsenden, nm welche Zeit die Eröffnuirg erfolgt. Zuschlagsfrist 4 Woebem /»< Herborn iNallaiO, den 23. März 1905. , Königliche Eifenbabn-Barr-?lbteiluna. dgs neue Geschäftsjahr 1904/05 übernommen. . 387 *) in der Bitanrveröffentlichung vom 26. November 1904 in Z.,nang gebrachten 36 Mitglieder komnwn wegen versväteter Anmeldung bei Gericht erst im Geschäftsjahr 1904/0o zum Nach've's. Gießen, den 23. März 1905. D54/8 Eifenbahn-Konfum-Berein Gießen. E. G. in. b. H. Rullmann. Altbans. Berichtigung. llabl der Mitglieder am 1. Oktober 1903 . . . Zugang im Laufe des Geschäftsjahre? 1903/04. Zusammen Ausgeschieden mit Ende des Geschäftsjahres . Bckanntmachung. In dem Verfahren zur Anlegung des Grundbuchs für die Gemarkung Mainzlar beginnt die Anmeldungssrist mit dem 1. Avril 1905 und endigt mit dem 30. Juni 1905. Die Vorschriften darüber, was seitens der Beteiligten während der Anmeldungssrist zu geschehen hat, können aus der Amtsstube des Großh. Ortsgerichtsvorstebers zu Mainzlar und aus dem Anschlag an der dortigen Ortstafel ersehen werden. Gießen, den 21. März 1905. 6)rifltnal-nral)fmcröurtqcn. h Usingen, §4. März. Gestern nachmittag verunglückte derBürgermeistervonOberrei chenbach i T in einem Automobil in der Nähe von Nsinaen. Er war soforttot. Ein anderer Jnsasseerlittschwere Verletzunaen am Kovfe. Die Beerdigung findet Sonntag den 26. März, nachmittags 2 Uhr statt. Todes-Anzeige. Allen Verwandten, Freunden und Bekannten die schmerzliche Mitteilung, daß gestern Abend 8'/, Uhr unter lieber Bruder und Schwager 1611 KaH Harms&h „ach kurzem schweren, mit Geduld ertragenem Leiden im Älter von 21 Jahren sonst entschlafen ist. Die trauernden Hinterbliebenen. der Passiva 77 954.29 Reingew inn 288.48 Jl. 137 907.52 ... 73 Zugang in 1904 —. Abgang in 1904 —. 73 indem er sich in einen Kanal stürzte. Es gelang jedoch, ihn yf retten. Sein Gei'"'"srnstand gibt zu Besorgnissen Anlatz. . Wien, 23. Merz. Ans Brünn w'rd berichtet: In Komgs- feld Bei Brünn trafen tschechische Rekruten zur Gestellung ein ans Wagen, die mit schwarzen Tüchern und Grabtranzen behangen waren und s^errnde Aufschrift trugen: ,.Wir kommen, weil wir müssen, wer tauglich ist, wird ein Sklave. Sie wollen unsere Leute, aber untere <5 e e t e uno Sprache schlagen sie nieder. Die Armee ist das Grab unserer I u a e n d". Der Bez^kshauptmann mdnew s:c Entfernung der Aufschriften und Embleme an, lehom fern Rekrut leistete Gehorsam, sodaß schließlich die Amtsdrener die Tafeln Echlagen mußten. Petersburg, 23. März. (Det-r?ch. Tel.-Ag.) Heiste wurde Kpt pririäulige Vertrag mit den riffsischen Banken betreffend die steberlassung von 150 Billionen der geplantm 5 proz. inueren Anleihe v^n 200 Millionen Rubel unterzeichnet. Der Emis- s'vnsk"rs wurde a"f 96 Prozmt f^gesekt. — Der Ausschuß für S-n Ban einer Bahn von Sibirien nach Turkestan beschloß d'e Vomahme der erforderlichen ins Einzelne gehenden . . . 212 90 . . 245.25 . . 143.50 , . 245.20 i . . 210.10 Tendenz: fest. Für Küche e Für Deutsche Arbeiter-Seife tf«,-™ ffründliclien nnd Bchnellen Reinigen der Hände. 1 Peck - 12 Stück F,ine Mark. Adler-Drogerie, Seltersweg 39, Otto Schaaf. 416 -*) 416 29 Srithlbitr Md-Vttpchmg. Tie ^agd in der Gemarkung Griedelbach, 571 Hektar einschließlich ca. 178 Hektar Wald, soll auf 9 Jahre öffentlich verpachtet werden. Termin: Montag ben 3. April er., vormittags 11 Uhr in der Görg'schen Wirtschaft zu Griedelbach. Schmalbach (Kreis Wetzlar), 23. März 1905. Der Bürgermeister: v. Hagen. P2I3 Bekanntmachung. Qnr Erlangung von Vorentwürien für das Gießener Stadt- tbeater ist ein beschränkter Idcenwcttbewerb ausaefchrieben worden. Die Entwürie sind bis -um 15. Mai bei uns einzureichen. 6)ießener ?lrchitekten, die an dem Wettbewerb tecknebmen wollen, können die Unterlagen dazu in der Seit vom 25 bis 31. März nut der Bürgerin ei sterei, Zimm er 15, in Empfang nehmen. Gießen, den 24. März 1905. , B "'a Großhcrzoglia l r^>".-mersterer Gießen. Mecum. Gießen, 24. März. Bi ebmarkt. Ber 21 und 22 März waren gufgetrieben 1256 ^tück Rindvwb, Schweine 328 Merde und 34 Fohlen. — Ter nächste Mark, findet am 4. rmd 5. Avril statt, am letzteren Tage auch Kramer- Weffener landwirtschaftlicher Wetterdienst. 2ro-ansstchtllche Witterung tu Heneu für Samstag, den 25. März 1905: Vorübergehend etwas wolkig und verernzelt m Rheinheffen unbedeutender Regen. Sväter wwder bester nacksts erheblich milber, tags nur wenig milder. Trockenperrode fortdauernd. . «n ii • . Nähere? bi^ch die Gießener unettevfartp. VemölseO-Bilgüz yro 31. HezeM 1904. Aktiva: .^affenbestand 301.60 Wertvapierebestand . ..... 2 050.— Geschäftsmobiliar und Utensilien . . . 450.— Guthaben in lausender Rechnung bei Genoffen . 25 660 13 Darlehn auf Schuldschein . . 18 745.— Hypotheken ....... 24 500.— Kaufschillinge . . . .... 5 222. Stückzinsen und Zinsenreste ...» 1 279.16 Ausstehende Provision . ♦ 34,88 Stimme der Aktiva 78 242.77 Passiva: Zur Krankenpflege,Nachtwachen, Massieren, Elektrisieren,all. Arien der Wasseranwendung empfiehlt sich L Kratz, gepr. Heilgehilfe, Marktplatz 21II, gegenüber der ^ngelapo theke. 01601 Fabrrä ter u. sämtliche Zubehörteile liefert billigst hv'"/,