Erstes Blatt. 155. Jahrgang Mittwoch 26. Juli 1905 22 Glchener Anzeiger W General-Anzeiger * ” iEsS Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen MD __________ zetgenleil: HanS Beck. Nr. 173 •»»••tet tieti* außer 6oraüag4. Dem Gießener Anzeiger werden im Wecktet mit dem Vesfischen Landwirt die Gießener Kamillen, ttüttet viermal in der Woche beigelegt. KotationSdruck u. Verlag der Brühl'ichen VrrtDerj.-Buch-n. Stetn- druckerei. St Bonge. Redaktion, Trvedition und Druckerei: Ochntfteatze 1. -ldresie tih Depeschen: «uzetger Gießen. AerniprrchanichlußNr.bl. Are heutige Kummer umfaßt 10 Seiten, parlamentarisches aus Lessen. Den Mitgliedern der Zweiten Kammer wurde folgendes Schreiben des Staatsministers Nothe Exz. an den Präsidenten Geheimrat Haas zur Kenntnis gebracht: „Euer Hochwohlgeboren beehre ich mich crgebenst mitzuteilen, daß da? Ministerium mit Zustimmung Sr. Kgl. Hoheit des Groß- Herzogsbeschlossenhat, den Schluß des Landtags dieses Mal ausnahmsweise erst für Mitte Oktober d. I. in Aussicht zu nehmen. Zugleich erlaube ich mir ergebenst zu bemerken, daß, mit Rücksicht auf dringend gebotene Erholungsurlaube, das Ministerium für den Nest des Monats Juli und für den Monat August an Ausschußsitzungen teilzunehmen nicht in der Lage sein wird. Mit der Versicherung ausgezeichneter Hochachtung habe ich die Ehre -u sein Eller Hochwohlgeboren ergebenster gez. Rothe, Staatsminister/ Der Zweiten Kammer gingen weitere Berichte der Ausschüsse der Ersten Kammer zu. Es wird beantragt, den Beschlüssen der Zweiten Kammer hinsichtlich folgender Vorlagen, Anträge und Vorstellungen zuzustimmen: Antrag Brauer und Genossen, betr. anderweitige Erhebung der Sprunggelder, Regierungsvorlage betr. das Gymnasium zu Worms, Vorstellung de? Kanzlisten Hübner in Darmstadt, Vorstellung des Beigeordneten Halm zu Offenheim, Vorstellung der Kreisgeometcr, Vorstellung des Gastwirts Weise in Frankfurt a. M., Vorstellung der Straßenwärter des Großherzogtums, Regierungsvorlage betr. die RäumungS frist en bei der WohnungS- miete, Regierungsvorlage betr. Herstellung mehrerer Nebenbahnen, Antrag Reh betr. Reichsviehseuchengesetz vom 23. Juni 1880, Regierungsvorlage betr. die Gehalte der Volksschullehrer, Regierungsvorlage betr. Handel mit Giften. Den Staatsvertrag mit Preußen und den thüringischen Staaten betr. die Lotterie empfiehlt der Finanzausschuß anzunehmen. Zu der Frage der Entschädigung der Kollekteure bemerkt der Berichterstatter Geheimrat Michel: „Bedauerlich bleibt die durch den Vertrag herbeigeführte De- /lachteiligung der hessischen Kollekteure, die nut dem großen Eifer sich dem Absatz der Hessen-Thüringischen Lose gewidmet haben, und im Vertrauen ' auf die Beständigkeit der Einrichtung sich zu Ausgaben haben bereit finden lassen, welche gewiß unterblieben wären, wenn sie erwartet hätten, daß die selbständige Lotterie so rasch wieder verschwinden würde. Die Großh. Lotteriedirektion hätte vielleicht besser getan, wenn sie den Berufseifer der Kollekteure gezügelt hätte, anstatt ihn anzuspornen, wodurch auch die ungesetzlichen Uebergriffe in verbotene Gebiete vermieden oder doch vermindert worden wären. In dem Staatsvertrag ist zwar in qe= wissem Maße sür das Fortbestehen der Kollekteure oder für ihre Entschädigung in bescheidenem Maße gesorgt, aber ganz ist das entstandene Unheil doch nicht zu beseitigen. Man muß sich indessen damit bescheiden, denn einen rechtlichen Anspruch haben die Kollek- tenre laut den mit ihnen abgeschlossenen Verträgen nicht, und größere Mittel, als in dem Staatsvertrag für ihre Schadloshaltung vorgesehen, waren eben nicht zu erreichen." lieber die Regierungsvorlage betr. die Errichtung und Leitung von technischen Privatunterrichtsanstalten erstattete Oberlandesgerichtspräfident Conradi namens des Gesetzgebungsausschusses eingehenden Bericht. Der Ausschuß stimmte mit einigen Abänderungen der Vorlage zu. Nicht einverstanden ist der Erste Ausschuß (lt. „M. I.") mit dem Antrag Häusel, die neugegründete Zuchtstation Stockheim aufzuheben und Gestütsstationen in Höchst i. O. und Beerfelden einzurichten. Einem in dieser Richtung gefaßten Beschlüsse der Zweiten Kammer wird die Zustimm- ung versagt._____ KoMische Tagesschau, lieber die Disziplin unserer Marine, so schreibt heute die „Nordd. Allg. Ztg.", veröffentlichten die „Münch. N. Nachr." vom 18. Juli einen Artikel, der sich besonders eingehend mit einem angeblichen Zwischenfall an Bord des Kreuzers „Fr au en lob" beschäftigte. Die in diesem Artikel enthaltenen Angaben über Disziplinwidrigkeiten an Bord S. M. S. „Frauenlob" sind in den wesentlichen Punkten frei erfunden. Nichtig ist nur, daß in der Nacht vom 4./5. Juni ds. Js. einzelne kleinere Gegenstände des Schiffsinventars über Bord geworfen, andere beschädigt sind. Ein irgendwie erheblicher Schaden ist dadurch nicht entstanden. Sonstige Disziplinwidrigkeiten von Belang sind an Bord des Kreuzers nicht vorgckommen. Es liegt nach dem bisherigen Ergebnis der gerichtlichen Untersuchung der Verdacht vor, daß die erwähnte Ausschreitung auf Mannschaften des 3. Jahrgangs zurückzuführen ist, die am Abend des. 4. Juni Erlaubnis erhalten hatten, ein Faß Bier zu trinken, unb ärgerlich darüber waren, daß ihrer Zecherei vom wachhabenden Offizier em Ende gesetzt wurde, als das Faß geleert war. Um durch eine ernste Maßregelung der Wiederkehr solcher Vorkommnisse vorzubeugen, ist S. M. S. „Frauenlob" während der Kieler Woche in die Neustädter Bucht gelegt worden. Die Maßnahme ist schon am 20. Juni verfügt; bei der Ankunft Sr. Majestät des Kaisers war das Schiff nicht mehr im Kieler Aasen. Es liegt kein Grund für die Annahme vor, daß der Kommandant, Fregattenkapitän Caesar, durch übermäßige Strenge die Ausschreitung verschuldet hat. Es ist nicht richtig,' daß er vorübergehend seines Kommandos enthoben gewesen ist. Seine Ernennung zum Kommandanten S. M. S. Mars" — die übrigens erst am 1. Oktober d. I. in Kraft tritt, bis dahin führt er das Kommando S. M. S. „Frauen- ob" weiter — steht nicht im Zusammenhang mit dem hier erörterten Vorgang, sondern war schon vor dem Vorfall auf dem Kreuzer für die alljährlich während der Kieler Woche lekanntgegebenen Herbstkommandierungen der Stabsoffiziere )er Marine vorgesehen. In der Ernennung zum Komman- )anteu eines unserer großen Artillerieschulschiffe kann überdies niemals eine Zurücksetzung oder Maßregelung gefunden werden. Sie beweist im Gegenteil das volle Vertrauen zu Leistungen und Fähigkeiten des Fregattenkapitäns Caesar. Der Behauptung, daß die Manneszucht in unserer Marine in beklagenswerter Weise abnehme, muß mit aller Entschiedenheit entgegengetreten werden. Daß Ausschreitungen einzelner vorkommen, ist nicht zu vermeiden; aus ihnen läßt sich kein Schluß ziehen auf den Geist des Ganzen. Schwerere Insubordinationen sind überdies speziell )ei der aktiven Schlachtflotte, zu welcher auch der Kreuzer „Frauenlob" gehört, neuerdings nicht öfter vorge- omm en, als in früheren Jahren. Die Strafstatistik ictoeift eher eine Ab- wie eine Zunahme gerichtlicher Unter« uchungen, und sicher eine Abnahme der verhängten schweren Strafen. Die Begegnung von Mö'kö, die presse und die Börse. Die Bedeutung der Entrevue wird von dem „Berl. Lok>Anz." heute folgendermaßen besprochen: „Wenn auch über dcn Inhalt der Unterredungen zwischen dem Zaren und Kaiser Wilhelm amtlich nichts bekannt gegeben wird, so darf bob versichert werden, daß zwischen den beiden Herrschern sehr wichtige politische Angelegenheiten erörtert wurden und daß beide Monarchen von dem Ergebnis ihrer Begegnung überaus befriedigt sind und diesem Gefühle auch Ausdruck gegeben haben. Die sonderbaren Kommentare, die allerorts in der auswärtigen Presse austauchen, rühren zumeist, so z. B. selbst in den russischen Blättern, daher, daß eben niemand weiß, was auf den Käiser- Jachten vor sich gegangen ist. In diese Kategorie der Konick- turalpolitik gehört auch die törichte Annahme der Nowoje Wremja — die ihr Echv in der englischen Presse findet — daß Kaiser Wilhelm in Biörkö die Idee einer franko-russischk-deut- schen Koalition zur Bekämpfung der „gelben Gefahr", d. h. mit anderen Worten, zur Zurückdränaung Japans angeregt haben durfte. Daß die auswärtige YZresse in Ermangelung positiver Nachrichten sich in solchen Kombinationen ergeht, mag zum Teil auch darauf zurückzuführen sein, daß die Kaiserbegcgnung eben völlig Überraschend kam. Tatsächlich war es bis zu dem Augenblick, in dem die beiden Monarchen zusammcntraseu, selbst keiner der fremden Regierungen bekannt geworden, ob die Begegnung stattfindet oder nicht; so gut blieb diesmal das Geheimnis gewahrt." Daß Zar Nikolaus zu Schiff Peterhof verlassen wolle, unterlag indes seit etwa einer Woche keinem Zweifel. Die Vorbereitungen, die für dieses Unternehmen nötig waren, konnten nicht geheim betrieben werden. Man sah die Instandsetzung des „Polarstern", man bemerkte oen verdoppelten Eifer der Polizei, und die Entsendung zweier Kavallerieschwadronen nach Kronstadt ließ sich unschwer auf das Bestreben zurückführen, die Etappen oes Reiseweges zu sichern. Nur der Zweck der Hebung blieb verborgen. Erst glaubte man in Petersburg, die Vorbereitungen ständen mit dem Semstwokongreß in Zusammenhang, und auch als die Herren in Moskau sich weniger radikal zeigten, als man gefürchtet hatte, rechneten die vom Hofe noch ziemlich bestimmt mit einer Reise nach Kopenhagen und einem längeren Aufenthalt des Zaren in Dänemark. So kann es nicht wunder nehmen, daß die Kunde von der Kaiser- Entrevue in Peterhof wie in Petersburg zunächst wieder die absurdesten Gerüchte im Gefolge hatte, von denen hier nur das nicht etwa nur von kritiklosen Schwätzern verbreitete erwähnt sein mag, daß der Zar persönlich den Kaiser ersuchen wolle, Truppen über die polnische Grenze zu werfen. Wie in Berlin verlautet, sollen die Verhandlungen über die Zusammenkunft schon seit Anfang JNni vom Zaren eingeleitet worden sein. Der Träger dieser Mission war der Großfürst Michael Mexandrowitsch, der bekanntlich den Hochzeitsfeierlichkeiten in Berlin beiwohnte. Gegenüber ausländischen Ausstreuungen glaubt die „Tägl. Rundsch." auf Grund zuverlässiger Informationen feststellen zu können, daß Kaiser Wilhelm an der Annahme der amerikanischen Friedensvermittelung durch den Zaren einen größeren Anteil hat, als bisher bekannt geworden ist, ugnd daß der Kaiser gegenüber der russischen Reformfrage lediglich die Stellung einnimmt, die bestimmt wird durch Deutschlands Interesse, im östlichen Nachbarstaate dauernd geordnete Zustande aufrecht erhalten zu sehen. Das „Berl. Tagebl.^ knüpft an die Begegnung die weitesten politischen Folgen und ist, gleich uns, der Meinung, daß, wenn Rußland nut Japan so weit im Frieden ist, daß es die Kriegsentschädigung zu zahlen hat, es sich nicht allein mit einer neuen Anleihe an Frankreich wendet, sondern auch an den deutschen Geldmarkt. In diesem Falle, so meint das Berliner Blatt, würde sich Deutschland nur daun zu einer Anleihe verstehen, wenn unserem Kaiser die weitesten Garantien eines dauernden ernsthaften Friedenszustandes seitens des Zweibundes gewährt würben. Daß ja die Begegnung politisch von der größten Bedeutung ist, wird niemand bestreiten können, und wir wollen hoffen, daß an ihr die Saaten des Friedens und des Aufblühens sprießen mögen. Die englischen Blätter bewahren große Zurückhal- timg in der Beurteilung der Kaiser-Entrevue und begnügen! sich meist damit, die Kommentare französischer Zeitungen wiederzugeben. Die konservative „Pall Mall Gazette" hebt die große Bedeutung der Zusammenkunft hervor, die sig hauptsächlich in den möglichen Folgen für das russische französische Bündnis erblickt. Deutschland sei gegen- wärtig allmächtig auf dem Festlande Europas unb es lasse dies das Festland fühlen. England könne jedoch seinen Einfluß auf daS Festland mittelst b er Seegeltend machen und daher halte es den Schlüssel der internationalen Lage in der Hand und nichtDeutsch- l a n d. Maßvoll bespricht der Pariser „Temps" die Kaiser- Begegnung, welche leicht damit zu erklären sei, daß der Zar in einer für ihn so schweren Zeit die Ansicht eines Souveräns! hören wollte, dessen intellektuelle und moralische Tüchtigkeit, dessen treues Festhalten an deut monarchischen Gedanken und dessen Tatkraft unbestreitbar seien. Der Wert der franko-russischen Allianz werde durch die Zusammenkunft vor Björkö nicht vermindert. In der r u s s i s ch e n Presse liest man lediglich Regier» ungskommentare zur Monarchen-Begegnung, da die Zensur alle privaten Erörterungen verboten hat. Der Petersburger Korrespondent der Wiener „N. Fr. Pr." äußert sich folgendermaßen: Wer sich Kaiser Wilhelm als einen Gegner der russischen Friedensverhandlungen vorstellt, der wisse nicht, welchen Anteil der Kaiser daran hat, daß gegenwärtig in Amerika Besprechungen über den Frieden stattfinden, und wer der Ansicht sei, baß Kaiser Wilhelm dem Zaren geraten habe, die in Rußland verlangte» Reformen zu verweigern, solle doch erst abwarten, welche Maßregeln der Zar in Zukunft ergreifen wird. An der Börse begegnet die Zusammenkunft begreiflicherweise dem größten Interesse. Russenwerte waren auf das Bekanntwerden dieser Zusammenkunft durchgängig höher, zum Teil sogar recht erheblicher Natur. Dre Rufs. Rente von 1880 zog um y4 Proz., die Anleihe bon 19Ö2 und Russische Konsols um Ä Proz. an. Bei den Prioritäten betragen die Kurssteigerungen durchschnittlich Ve Proz. Die Berliner Firma, die dort die russischen Interessen vertritt, — also wohl das Haus Mendelssohn — und die in prekäre Situationen stets intervenierend ein griff, gab jetzt selbst bei der lebhaftesten Nachfrage kein Material ab. Paris, das im Gegensatz zu Berlin in russischen Werten niedrigere Kurse aufwies, gab viele Verkaufsordres nach Berlin. —| Den ftanzös. Börsen will diese Zusammenkunft nicht recht gefallen, wogegen die deutschen Börsen in ihr, wenn auch nicht gerade eine Friedensgarantie, so doch immerhin eine Unterstützung des Friedensgedankens sehen. Zum Attentat auf den türkischen Sultan. Konstantinopel, 25. Juli. Die Angestellten und Diener im Pilbiz sowie die Einwohner der umliegenden Privathäuser wurden einem! strengen Verhör unterworfen. Der Sultan hat den Hinterbliebenen der Opfer des Attentats Unterstützungen zukomme» lassen und ihnen Versorgung zugesagt. Auch ein Deutscher ist verhaftet worben, bet Lehrer Hans Zeller aus Nürnberg. Die Behörden leugneten anfänglich seine Verhaftung und gaben sie erst heute zu, jedenfalls um ihre Untersuchung abzuschließen, da durch die türkischen Behörden verhaftete deutsche Staatsangehörige 24 Stunden nach der Verhaftung spätestens dem hiesigen Konsulat übergeben werden müssen. Der bentsche Generalkonsul hat die Recherchen nach Zeller eifrigst betrieben und wird dessen soforttge Uebergäbe veranlassen. Allem Anschein nach hegt gegen Zeller nichts Verdächtiges vor und seine Verhaftung ist nur dem Umstande zuM- schreiben, daß er hinter dem Kavalleriekordon der Se- lamlikfeier zusah, wie dies oft weniger benrittelte Fremde tun, um die Zulassungstaxe von acht Francs zu sparen. Zwei Minuten nach dem Attentat zeichnete er dort ein Krognis und versuchte eine photographische Aufnahme. Der Apparat wurde konfisziert. Zeller oder Heller — die Nachrichten lauten zurzeit verschieden — ist unverheiratet, 44 Jahre alt und seit etwa 12 Jahren Volksschnllehrer in Nürnberg. Wussssche MeuigLeiten. In Petersburg wird in Tausenden von Exemplaren ein Aufruf der Arbeiter an die Vertreter der Semstwos und Städte verbreitet, in dem es heißt: „Unsere Aufgabe ist der bewaffnete Aufstand. Wir wollen das alte System mit der Wurzel ausrotten. Nun sagt uns, mit wem Ihr gehen wollt, mit dem Zaren oder mit uns? Bedenkt aber bei Eurem Entschluß, Bürger, daß heute Jeder, der nicht für das Volk einsteht, ein Feind des Volkes ist." Trotz Intervention hochgestellter Persönlichkeiten hält bet Generalgouverneur von Polen das Verbot der Abhaltung des nach Warschau einberufenen landwirtschaftlichen. Kongresses aufrecht. In TifliS wurde der Polizei meist er Kowalow durch eine gegen ihn geschleuderte Bombe schwer verwundet. Zwei Bombenwerfer wurden verhaftet. In Warschau wurde ein Geheimagent der Polizei durch Messerstiche getötet. Ein Polizist in Moszyer, einer in Kalisch sowie ein Detektiv in Sosnowice wurden ermordet. In Lodz wurde eine Bombenfabrik entdeckt. Außer Rohmaterial zu deren Herstellung fand man vier Kisten mit Proklamationen an das Lodzer Militär und eine Liste von einigen 20 Führern der Lodrer Sozialisten und Anarckültem pte Inhaber der Wohnung sowie die auf der Liste bezeichneten Personen wurden verhaftet. Aus Nowotscherkask wird gemeldet: In sechs Donschen Kosaken-Regimentern, deren Mobilisation soeben beendet ist, herrscht großer Aufruhr. Sie weigern §rch, Polizeidienste im Innern des Reiches zu leisten, was sie als eine des Soldaten unwürdige Ausgabe hinstellen. Ein Regiment, das in voller Kriegsausrüstung und in vollem ^stände zusammengctreten war, sandte dem Kosaken-Attaman ein Telegramm, worin Offiziere wie Mannschaften den Dienst im Innern des Reiches ab lehn en, dagegen sich bereit erklären, ihr Leben im Kriege im fernen Osten jeder Zeit in die Schanze zu schlagen. Das Telegramm wurde dem Kriegsminister übersandt, der den Befehl erteilte, die Ruhe in den Regimentern unverzüglich wiederherzustellen. Aus Ataök und Laud. Gießen, 26. Juli 1905. ** Personalien. Se. Kgl. Hoh. der Großherzog Haben den Amtsrichter in Laubach, Zimmermann, zum Die Friedensverhandlungen. Paris, 25. Juli. Ministerpräsident Rouvier empfing heute den russischen Friedensbevollmächtigten W'.tte rmü hatte mit ihm eine längere Unterredung. Witte reist morgen in Begleitung des hiesigen Agenten /6eä russischen Finanzministers Raffanowitsch nach Cher- Dourg, wo er sich nach Nordamerika einschifsen wird. Es verlautet auf das bestimmteste, daß Witte beauflagt ist, bei Beginn der Friedensverhandlungen zu er- !Nären, Rußland werde keine Kriegsentschädigung und kein -emer Kriegsentschädigung ähnliches Arrangement bewilligen. !Es ist dies der Punkt, über den, wie Witte selbst befürchtet, die Verhandlungen gleich zu Beginn scheitern könnten. Witte, her hier auch mehrere Mitglieder des Hauses Rothschild gesehen hat, hat die Versicherung erhalten, daß nach dem IFriedensschluß Frankreich zu einer neuen Anleihe bereit M was übrigens seit langem feststand. Der „Ternps" hebt hervor, daß Witte bei i einem hiesigen Musenthalt weder politische noch finanzielle Verhandlungen geführt, sondern sich bei seinen Zusammen- fihtften mit zahlreichen politischen und finanziellen Per- Dnlichkeiten lediglich aus ^spräche beschränkt habe. Newyork, 25. Juli, Baron Komura ist mit ®e= ytolge heute vormittag in Jersey City angekommen und durch eine Abordnung japanischer Kaufleute nach Newyork geleitet iwvrden. — Aus Washington wird halboffiziös gemeldet, daß die erste Verhandlung in Portsmouth dem Waffenstillstand gelten werde. Japan sei einem solchen nicht ^abgeneigt, falls seine Dauer kurz, etwa auf einen Monat gemessen werde. ______________ Deutsches Reich. Berlin, 25. Juli. Man meldet aus Wisby: Die ^Hohenzollern" mit dem Kaiser an Bord, ist mit den Begleitschiffen heute nachmittag hier eingetroffen. Der deutsche Konsul begab sich an Bord. — Der Kaiser wird voraussichtlich morgen bei schönem Wetter von Pillau aus zu Wasser, bei ungünstigem Wetter mit der Bahn über Königsberg in Kabinen eintreffen. Kattowitz, 25. Juli. Wie der La ndwirtschafts- n ister den oberschlesischen Städten durch den Regierungspräsidenten mitteilen ließ, hat er von einer Aenderung der jEinfuhr des russischen Schweinekontingents «vorläufig Abstand genommen, nachdem die landwirtschaftliche Viehzentrale es übernommen hat, den sBedarf an Schweinen in Oberschlesien zu decken. Ausland. Stockholm, 25. Juli. Die Unionskommission lehnte den Antrag des Königs, daß die Regierung mit Norwegen unterhandeln solle, ab, und will die Unter» Handlungen dem Reichstage übertragen. Sie stellt die Bewilligung von 100 Millionen Kronen anheim, wovon 25 Prozent 'fofort und der Rest gemäß dem Beschluß des Reichstages der Regierung zur Verfiigung gestellt werden sollen. Der Ausschuß schlügt folgende besonderen Forderungen bei einer etwaigen Auflösung der Union . vor: 1) Auf jeder Seite der Grenze zwischen den beiden Reichen Nurd ein Gebiet festgesetzt, innerhalb dessen die Be festig - ungen geschleift werden sollen und neue Befestigungen mcht .errichtet werden dürfen. 2) Die Weidegerechtigkcit für Aemrtiere der schwedischen Lappländer im nördlichen Norwegen wird festgelegt. 3) Der Transithandel durch beide Län- der, wird gegen Behinderungen oder unbillige Erschwerungen gesrchert und 4) die vertragsmäßige Rechtsstellung Schwedens gegenüber den siemden Mächten muß klargestellt werden, sodaß namentlich die vollständige Freiheit Schwedens von der Verantwortlichkeit für Norwegen gegen» . andern Staaten unzweifelhaft wird. 'Das Ministerium reichte darauf seine Entlassung ein. Rönne (Bornholm), 25. Juli. Ter deutsche Kron- Pttn8 und die Kronprinzessin, welche gestern abend an Bord der Jacht „Iduna" hier eingetroffen sind, besuchten heute Allmge, .hämmeren und die Hämin erhus-Ruinen und kehrten "»eute nachmittag nach Roenne zurück. London, 25. Juli. (Unterhaus.) Es herrscht auf allen Seiten große Erregung. Als das $bau§ die Diskussion über das rrische Budget wieder aufnimmt, stellt Winston Churchill (lib.) P^rt den Antrag, dieselben zu vertagen. Während Churchill sprilM, machen . sich mehrere Ministerielle über seine stotternde Sprea-weise lustig. Sofort erhebt sich ein Sturm der Entrüstung auf den Bänken der Opposition, deren Mitglieder t euch! Werft die Lumpen hinaus! Schließlich wird die Ordnung wiederhergestellt. Der Vizesprecher lehnt es ab, den Antrag Churchill zur Mstimmung zu bringen, toeil er der Geschäftsordnung widerspräche. Darauf wird das "Budget weiterberaten. (Oberhaus.) Iw Beantwortung einer Anfrage be- treffent) den Verkauf der Whitworth - Ko h l e n f e Ib e r wieder- bolt bcr Minister des Aenßeren Lansdowue seine bereits gegebene Auskunft mit dem .hinzufügen, daß die Regierung in Erfahrung ge- bradyt habe, daß die in Whitworth geförderte Kohle minder- to-Vtlü J€L Durch den Ankauf werde anscheinend die ausreichende Versorgung der britischen Marine mit wallischer Kohle -nicht berührt. _. Varis, 25. Juli. Ter „Petit Parisien" meldet aus Tanger: Die Niederlage des Prätendenten bestätigt sich in vollem Umfange. Die Truppen des Sultans machten viele Gefangene u.a . auch die Sklaven des Prätendentep, zwei Revolvergeschütze, große Mengen Munition und Vieh wurden erbeutet. Der Prätendent selbst floh in die Berge. L^?6k6s°Csayba (Ungarn>, 25. Juli. Die Polizei ber» Hastete auf dem hiesigen Balmhofe einen aus Kopenhagen gebür- tigen Anarchisten namens Peter Weils-Herrensohn, ©er unter dem Verdacht steht, an dem Attentat gegen den von Spanien in Paris beteiligt zu sein. Jp ashington, 25. Juli. Der deutsche Geschäftsträger Botschaftsrat Frhr. von dem Bussckw-haddenhausen übermittelte im Auftrage des deutschen Kaisers durch das Staatsdepartement dem Negerarbeiter George Ellis, der am 15. Januar den Dhnamitanschlag gegen die Statue Friedrich des Großen vereitelte, eine silberne Uhr mit Kette. Oberamtsrichter bei diesem Gericht ernannt. Dem Amtsrichter in Zwingenberg, Osann, wurde der Charakter als Amtsgerichtsrat erteilt. Der Notar in Pfeddersheim, Dr. Bing, wurde zum Notar in Worms als Nachfolger des Notars Dr. Wallenstein ernannt. — Ernannt wurden der Gerichtsvollzieher in Pfeddersheim, Merker, zum Gerichtsvollzieher in Worms, der Gerichtsvollzieher-Aspirant Schulz in Pfeddersheim zum Gerichtsvollzieher daselbst, der Sergeant im Dragoner-Regiment Nr. 23 und Gerichtsvollzieher-Aspirant Litters zum Gerichtsvollzieher mit dem Amtssitze in Michelstadt. ** Schulpersonalien. Dem Schulverwalter Heinr. Häuser in Vilbel wurde eine Stelle an der Gemeindeschule zu Holzhausen (Kreis Friedberg) übertragen. Bestätigt wurde der vom Grafen Schlitz, gen. v. Görtz, für die 3. Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Schlitz präsentierte Lehrer Karl Stein für diese Stelle. ** Von Seiten des Großh. Gymnasiums geht uns folgende Mitteilung zu: „Durch eine gefällige Anfrage der Redaktion veranlaßt, teilen wir hier für etwaige Interessenten mit, daß der Lehrerrat vor Kurzem einstimmig beschlossen hat, das 300jährige Jude l- f e ft des Gymnasiums statt am 9. Oktober dieses Jahres vielmehr, woran ohnehin zuerst gedacht war, zeitlich zusammen- fafienb mit demjenigen der Universität, im Oktober 1907 zu feiern. Von den verschiedenen Gründen, die dazu führten, heben wir als das Schulpublstum interessierend hervor, daß unser Schülerorchester augenblicklich kein einziges Mitglied zählt, das in der Geller'schen Festkantnte Mitwirken könnte, so daß man ausschließlich au? fremde Kräfte angewiesen wäre, sowie daß für die ursprünglich geplante Aufführung des Euripideischen Hippolytus ein entsprechender Ersatz bis jetzt nicht gefunden ist." "Flottenfahrt. An der vom Hessischen Flottenverein veranstalteten viertägigen Reise nach Hamburg, die heute vormittag angetreten wurde, nehmen vier Klassenlehrer des hiesigen Gymnasiums, fünf Akzessisten und 28 Schüler teil. Auch einige Realgymnasiasten haben sich angeschlossen. ** Ein Hotelprojekt des Großherzogs? Die Darm st. Ztg. schreibt: Jüngst ist eine Notiz durch die Presse gegangen, die, wie wir zuverlässig erfahren und wie den Verhältnissen nicht fernstehende sich wohl dachten, apokryph ist. Ein „Hotelvrojekt des Großherzogs" existiert nicht und auch die weiteren Mitteilungen jener Notiz sind, soweit sie S. K. H. den Gvoßherzog betreffen, unrichtig. Hierzu wird uns heute von dem" Berichterstatter, der uns die erste Notiz übersandt hat, aus Darmstadt folgendes berichtet: Wir stellen fest, daß unsere Notiz den Tatsachen entspricht. Unzutreffend daran ist nur, daß der Großherzog sich bereit erklärt habe, dauernd die erste (Stage des zu bauenden Hotels zu mieten. Darüber ist, wie wir neuerdings hören, noch kein definitiver Beschluß gefaßt. Daß der Großherzog die Errichtung des Hotels im alten Palaisgarten sehr gerne sehen würde, ist eine nicht zu bestreitende Tatsache. Wer in Darmstadt Bescheid weiß, dem ist auch bekannt, daß vor einiger Zeit einem Konsortium von hiesigen wohlhabenden, dem Hofe nahestehenden Herren anheimgestellt wurde, das Hotel im alten Palaisgarten mit der Front nach der Elisabethenstraße zu bauen. Die damaligen Pläne sind aber gescheitert. Wir stellen gegenüber allen Dementis ausdrücklich fest, daß gegenwärtig zwischen dem Kabinett und dem Finanzministerium einerseits und einigen Frankfurter Baufirmen andererseits Verhandlungen wegen des Hotelbaues geführt werden. Sie wären vielleicht schon zum Abschluß gelangt, wenn nicht neuerdings der Preis für das Grundstück, der ursprünglich 500 000 Mark betrug, erhöht worden wäre. ** Bauliche Veränderungen auf dem Schiffen- b erg. Schon seit längerer Zeit ist man auf dem Schiffenberg mit einer Restaurierung des Wohnhauses beschäftigt. Neue Fenstergesimse werden eingezogen, das alte Fachwerk, das man im 2. Stock an manchen Stellen mit leichter Mühe hätte hinaustreten können, wird ausgebeffert. Durch Beseitigung der langen Gänge im Obergeschoß wird Raum gewonnen für neue Wohnräume, und wie verlautet, beabsichtigt Herr Lynker auch Fremdenzimmer herzurichten. Diese Einrichtung verspricht sehr nett zu werden, und mancher Besucher des Schiffenberges, manch alter „Gießer" Student wird sich freuen, hier, wo er so manche liebe Nacht bei einer guten Bowle der Sonne entgegensah, in spateren Tagen mit seiner Familie übernachten oder hier längere Zeit im Schatten des kühlen Waldes die Sommerfrische genießen zu können. ** Geschäftsjubiläum. Die Buchbinderei Sann in dec Bismarckstraße feiert heute, am 26. Juli, ihr 25jähriges Geschäftsjubiläum. "Ein Stockholmer Damenquartett wird nächsten Sonntag abend im Neuen Saalbau ein großes Konzert veranstalten. lieber die Darbietungen der vier Damen, die in schwedischer Nationaltracht auftreten, schreiben auswärtige Zeitungen anerkennende Artikel. •’ Die Beerenernte in unseren oberhessischen Wäldern geht jetzt ihrem Ende entgegen. Sie war in diesem Jahre eine sehr reiche, besonders bezüglich der Himbeeren und Heidelbeeren. Himbeeren giebt es in der Umgebung von Gießen, Laubach und Herbstein in großer Masse, täglich sieht man Scharen von Kindern und Erwachsenen ganze Töpfe und Eimer mit Beeren nach den Städten bringen. Die Preise betragen 8—10 Pfg. pro Schoppen oder 40—50 Psg. pro Topf. ** Die Raubmorde in der Wiesbadener Gegend. Der „Rh. K." schreibt: Der Landgerichtsbezirk Wiesbaden nimmt sonst eine Ausnahmestellung in der preußischen Monarchie ein. Schwere Verbrechen zählen zu den größten Seltenheiten, und wenn nicht Amtsverbrechen, Brandstiftung, Bankrott und Meineid zur Kompetenz des Schwurgerichts zählten, alles Straftaten, bei denen mehr Verhältnisse ausschlaggebend sind, als der verbrecherische Trieb, so würden einige Sitzungen des Schwurgerichts alljährlich vollständig zur Aburteilung der in seine Zuständigkett fallenden Delikte ausreichen. Da mußten die drei Bluttaten, deren Schauplatz der Bezirk war, um so größeres Auffehen erregen. Gleich zu Anfang lenkte sich der Verdacht der Täterschaft auf die fremden Erdarbeiter, Italiener, Kroaten usw., die derzeit zu Hunderten in der Gegend beschäftigt sind. Für diesen Verdacht aber haben sich im Verlaufe der Untersuchung keinerlei Anhaltspunkte ergeben. Dagegen rief die Gleichmäßigkeit der Verhältnisse, unter denen die Verbrechen verübt worden sind, sowie der Umstand, daß hier wie dort das Opfer.ein wandernder Geselle zu sein scheint, in deren Besitz man im allgemeinen Schätze nicht vermutet und schließlich die Beschreibung der Personen, die zunächst den Verdacht der Täterschaft auf sich lenkten, die Vermutung wach, daß dieselben Leute in allen drei Fällen die Täter seien. In der Zwischenzeit nun ist ein weiterer Straßenraub verübt worden, zwar nicht im Wiesbadener, Bezirk, aber nicht weit davon im Hessischen. Im Hirsch- Horner Gemeindewald wurde am 14. Juli ein Tagelöhner namens Götz von zwei Strolchen überfallen, und zwar nicht ermordet, wohl aber seiner Barschaft beraubt. In diesem Falle konnte Götz die Täter genau schildern. Die Beschreib-, ung stimmt genau mit derjenigen der mutmaßlichen Täter in Biebrich und Rüdesheim überein. Man kann sich demnach der Ueberzeugung kaum mehr verschließen, daß zwei reisende Handwerks burschen die Mordtaten samt und sonders auf dem Gewissen haben. Vielleicht ist diese Feststellung der erste Schritt zur Ermittelung der Täter. -ft Hausen, 25. Juli. Der hiesige Kriegerverein feiert am 13. August sein 25jähriges Bestehen. An diesem Tage soll ihm eine Fahnenschleife von Sr. Majestät dem Kaiser und ein Ehrendiplom von der Kriegerkameradschaft Hassia überreicht werden. § Lich, 25. Juli. Bei den nächsten La ndta gswa h l en beabsichtigt man, für den Wahlkreis Hungen-Lich einen Kandidaten aus Lich aufzustellen. Neben Herrn Ihring wird auch Bürgermeister Heller als Kandidat genannt. i. Lich, 25. Juli. Der Kriegerverein Lich hat in nächster Zeit v erschiedene Festlichkeiten vor. Nächsten Sonntag findet am Seedamm an der Gießener Straße ein Probeschießen mit den neu hergerichteten Gewehren statt. Sonntag, den 6. August, wird dem Vereine die von Sr. Maj. dem Deutschen Kaiser verliehene Fahnenschleife überreicht, wozu die Kriegervereine des Bezirks und der Umgegend und die Vereine der Stadt eingeladen werden. Daran wird sich ein Volksfest auf der Hardt anschließen. Sonntag, den 13. August, findet sodann das diesjährige Preisschießen des Vereins statt. In der Mittagsstunde wird wie alljährlich das Kriegerdenkmal auf dem Friedhöfe bekränzt. Die Preisverteilung wird in der Turnhalle stattfinden. (!) Hungen, 25. Juli. Der O berh essisch e B ienen- züchterverein wird nächsten Sonntag seine 45. Wanderversammlung hier im Gasthaus „zur Traube" abhalten und gleichzeitig eine Ausstellung und einen Honig markt veranstalten. Montag findet die Generalversammlung des Vereins statt. Lehrer Döll-Wieseck wird dabei einen Vortrag halten über das Tema: „Wie erwirbt sich der Imker ein besseres Absatzgebiet für den Honig?" ? Schotten, 25. Juli. Bei der heutigen Wahl eines Beigeordneten wurde der seitherige Beigeordnete Theodor Cellarius mit 127 Stimmen wiedergewählt. Ein Gegenkandidat war nicht aufgestellt worden. Ein Drittel aller Wahlberechtigten hatte abgestimmt. tc. Mainz, 25. Juli. In einem die vorige Wochv hier aus dem Rheine geländeten Toten glaubte man den Taglöhner Brenn eis aus Offenbach feststellen zu können, da dessen Frau die Wäsche und Kleidung für die ihres Mannes erklärte. Wie jetzt aus Mannheim gemeldet wird, befindet sich Brenneis dort wohl und munter. p. Wetzlar, 25. Juli Statt in mäßigem Tempo zu fahren, sauste gestern gegen abend ein Radler durch unsere Wöllbacherstraße hinab und überfuhr dabei den 11jährigen Sohn des Gärtners Dörge so unglücklich, daß er das Schlüsselbein brach und eine Gehirnerschütterung erlitt. p. Burgsolms a. d. Lahn, 25. Juli. In tiefe Be» trübnis ist heute die vierköpfige Arbeiterfamilie Becker von hier versetzt worden. Der Mann und Vater Karl Becker wurde nämlich in einem nahen Steinbruch durch niedergehendes Gestein verschüttet. Als man den Armen hervorzog, war er bereits eine Leiche. Groß ist das Mitleid mit der so schwer heimgesuchten Familie. Höchst, 25. Juli. Zu dem schon kurz mifgeteiltet Automobil-Unfall, der sich am Samstag nachmittag in Erbenheim zugetragen hat, wobei der 13 jährige Sohn des Gastwirts Merten das Leben verlor, schreibt das „Höchster Kreisblatt": Der Privatier Kröll aus Eltville kam Samstag abend halb 9 Uhr mit seinem Auto, in welchem er mit einer jungen Dame saß, durch Erbcnheim; vor ihm fuhr in der Mitte der Straße ein hochbeladener Erntewagen, der trotz wiederholter Signale nicht zur Seite bog. Der Führer des Autos mußte sich deshalb beim Ueberholen sehr hart nach der linken Seite der Straße halten. In diesem Augenblick kam der junge Merten auf seinem Rade in voller Fahrt aus einer Seitengasse, stieß mit dem Auto zusammen, stürzte und wurde überfahren. Zehn Minuten später war er tot. Die Meldung von dem Vorfall gelangte alsbald hierher, und gegen abend wurde das Auto hier bei den Farbwerken angehalten, wobei der Besitzer Kröll erklärte, er sei mir deshalb in Erbenheim davongefahren, um sieh nicht den Mißhandlungen der erregten Landleute auszusetzen; in Höchst oder Frankfurt würde er sich freiwillig gemeldet haben, da er wußte, daß seine Nummer festgestellt war und ihn eine Schuld an dem Unglück nicht treffe. Er erfuhr erst in Höchst, daß der Junge mittlerweile verstorben war. Kröll wurde dem Amtsgericht zugeführt, das ihn aber auf freiem Fuß ließ. ______________________________ vermischtes. , vv *.P a r i9, 25. Juli. Der neueste R o rn a n der Romanschriftstellerin Gyp (Gräfin Märtel), der das Tagebuch eines Dennn- zranten behandelt, hat ein Duell verursacht. Kürassierritt- meister BaronGail, welcher seinerzeit mit Svveton nach dessen Angriff auf den Kriegsminister Andr6 ein Pistolendnell hatte, schrieb einen heftigen Brief an den Gatten der Verfasserin, Grafen Mörtel, welcher Gail forderte. Das Pistolenduell verlief unblutig. »Kleine Tage srchonik. Ein schweres Bahn-Un- g I ü ck ereignete sich, an dem Uebergange der Chaussee Landes- Hut-Freiburg m Schlesien. Ein mit 10 Personen besetzter Zmnrbus wurde von einer Vorlegelokomotive überfahren. Beide Merde wurden getötet und alle zehn Insassen, Mitglieder de- Gesangvereins „GemutlEeit" aus Fellhamrner, verletzt, drei von ihnen lebensgefährlich. Die Schuld an dem Unglück sott der Schrankenwärter tragen. — In der Nacht zum Montag wurde in E a n etn zxtn?r stiuem Blute schwimmend aufgefnnden, M» nach d-m Garmscmlazarett gebracht, wo er bald nach der starb ohne das D-wnsttsein wieder ettonflt $e Ww W ermittelt wurde, ist der Verstorbene der WjLhrige unb erheiratete Zimmermann Lüdtke, der sich in sbäter NacA- ?aniI”Mc "Usgehalten hatte. Mittels eines tödliche Verletzung am rechten Auge Mg^racft Von den Tätern fehlt jede Spur. - In rmrU WarÜ ? etne angeblich aus Frankfurt am Acarn stammende H v ch staplerin verhaftet, die sich als P'By emes preußischen Staatsrats, ins Frem- v^^MarÄeim^-.^.^- — In Würzburg ist der Korn- konigl. Kvmmerzienrat, im 52. Lebensjahre acMxm. - In Mecheln (Belgien) erstach ein Soldat im Streite mtt mehreren Zivilisten einen derselben, der Sttch traf ine Lunge. Der Soldat wurde verhaftet. — Bei ckons (BelgÄ iS; gl de" PiS fiebilbet, Pol yUiüe J! tl tc. 5 mark^. ver o° fc. v 00 S äM Lebend^' 49-51 • Crfil* 1 Cuahl 68-*®, 1,1 8»' bilden J90 Gi Bor« <7. Juli: Gest- ( A. i M dem G Die K66 Freb sollen dlSM Kiiöne riqent Gießen 1/1382 1/1383 össenllic werden Gieß, Gros K. 52/0 Tonne werden die vor l>euer ti slücke 1/49 bei 1/49. Gieß Gro Vla in eine ftorl gehr 'M tuns Di, Mii 9 Do« fcm es aus französischem Gebiet an der Grenze zwischen fünf Schmugglern und drei Zollbeamten zu einem Zusammenstoß. Die Zollbeamten machten von der Waffe Gebrauch und verwundeten einen Schmuggler schwer: ein Zollbeamter wurde durch Stockbiebe am Kovse ebenfalls s^'wer verlekt. Gerichts laal. Portland (Oregon), 25. Juli. Der Bund ess enator Mitchell wurde zu 1000 Dollars und 6 Monaten Gefängnis verurteilt, weil er seine Stellung als Senator dazu mißbrau-bt batte, die Qfeschaste seiner Advokatur zu fördern. Ärbeiterbewfgung. Essen, 25. Juli. Die unter Mitwirkung der sozialen Ao m Mission der Stadtverordneten gepflogenen Verhandlungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern im Baugewerbe hatten den Erfolg, daß unverzüglich in Einigung s v e r h a n d l u n a e n , die sich nicht nur auf Essen, sondern auf den ganzen rheinisch-westfälischen Jndustriebezirk erstrecken sollen, eingetreten wird. Es wird zu diesem Zwecke eine besondere Kommission au§ Vertretern der Arbeitgeber und Arbeiterverbände gebildet. Märkte. fc. Frankfurt a. M., 25. Juli. Leu- und Stroh- mar k t. Man notierte: Leu, altes Mk. 3.30 bis Mk. 3.45, neues Mk. 2 80 bis Mk. 3.20. Stroh Mk. 2.00 bis 2.40. Alles ver 50 Kilo. Tendenz: in Heu fest, in Stroh schleppend. te. Frankfurt a. M., 26. Juli. -Orig.-Telegr. des „Gieß. Anz.") Vieh markt. Zum Verkaufe standen 103 Kälber, 00 Schafe u. Hämmel, 678 Schweine. Kälber 1. Qual. 87—90 Pf,. Lebendgewicht 52—54 Pfg., 2. Qual. 80—84 Pfg., Lebendgewicht 49—51 Pfg., Schlachtgewicht 62—66 Pfg. Schafe 1. 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Aus dem Hauptbahnhofe trafen i ehn Mann von der Besatzung des ,Knjäs Potemkin* in Begleitung eines Agenten em, der als Reiseziel Hamburg angab, wo die Matrosen für verschiedene Handelsschiffe geheuert sein wollen. w. Mannheim, 26. Juli. In der gestrigen Sitzung des Bürgerausschusses wurde die Veranstaltung einer internationalen Kunstausstellung in Mannheim im Jahre 19 07, sowie die Erbauung eines für diesen Zweck zu benutzenden dauernden Bildergaleriegebäudes be- schloffen. Stockholm, 26. Juli. Die ruhige Stimmung der Bevölkerung hat ihren Grund darin, daß man, wie verlautet, unter der Hand erfahren hat, Norwegen sei bereit, auf Volksabstimmung einzugehen. Die Volksabstimmung kann innerhalb von 14 Tagen stattfinden. Man glaubt, daß die Norweger auch auf die Schleifung der kleineren Festungsanlagen an der Grenze und auf die Errichtung einer neutralen Zone eingehen werden. Wie verlautet, sucht man den König zu bewegen, ein starkes Ministerium zu wählen. Das konservative Blatt „Vort Sanb” erklärt: „Lieber ein Ministerium der Linken als ein Koalitionsministerium!" Christian ia, 25. Juli. Sämtliche Blätter erklären, daß sie weitere Erläuterungen während der Beratungen über die Anträge des schwedischen Sonderausschusses im Reichstage abwarten wollen, bevor sie sich auf weitergehende Erörterungen der gestellten Bedingungen einlaffen. Die meisten Blätter heben jedoch bereits jetzt hervor, daß die gestellten Bedingungen sehr schwer annehmbar seien und teilweise einen Eingriff in die innere Verwaltung Norwegens darzustellen scheinen. „Aftenposten" betont, daß durch den Rücktritt des schwedischen Kabinetts ein neuer und vorläufig durchaus unberechenbarer Faktor in den Gang der Ereignisie hineingebracht worden sei. Das Blatt hofft, daß die Angelegenheit ohne unnötige Verzögerung durch gegenseitige Rücksichtnahme und beiderseitiges aufrichtiges Bemühen weiter nach einem für beide Länder glücklichen und ehrenvollen Ergebniffe hin fortschreiten werde. Scheidegg, 26. Juli. Gestern ist die neuerbaute Strecke Eigerwand—Eismeer der Jungfrau bahn in Betrieb genommen worhen. Unter Beteiligung von Touristen aller Länder wurde der erste Zug nach der 3160 Meter hoch liegenden Station EiSmeer aögeiaffen. Alles verlies vorzüglich. In dem Weiterbau der Jungfraubahn tritt vorläufig eine kurze Pause ein. Petersb urg, 26. Juli. Der bei der deutschen Botschaft in Petersburg beglaubigte Marine-Attachö, Fregatten- Kapitän Hintze, hielt dem Kaiser bei seiner Begegnung mit dem Zaren in Björkö Vortrag über die Erfahrungen, da er der Mobilisierung der russischen Ostsee- flotte und der AuSreise deS Geschwaders Roschdjest- wenSkys seiner Zeit beiwohnte. Warschau, 26. Juli. In der Vorstadt Praga über« fielen 20 streikende Bäcker in der Werkstatt den Bäckermeister Kleinschmidt. Der Backraum wurde vernichtet und vier Personen durch Mefferstiche schwer verletzt. — In der Gerberei der Aktiengesellschaft Pfeiffer, Temler & Szwedo und in der deutschen Gerberei von Blumk dauert der Streik, an dem 800 Personen beteiligt sind, fort. Um größerem Schaden vorzubeugen, wollten die Besitzer mit einigen treu gebliebenen Arbeitern die Tätigkeit in den Fabriken aufrecht erhalten. Die streikenden Arbeiter feuerten aber Schreckschüsse in die Fabriken. Newyo rk, 26. Juli. Die gesamte Presse legt der Kaiserbegegnung ungeheure Wichtigkeit bei und ist der Ansicht, deren erste Wirkung dürste ein schleuniger Frieden 8- schluß sein. Kaiser Wilhelm wünsche zweifellos eine Erneuerung des Drei-Kaifer-Bündniffes, wozu die Auspizien äußerst günstig seien. Kursbericht 4% Oestorr. Goldrentef. 4'/e% Oosterr. Silberrente . 101.15 Tendenz: fest. 135.20 54.00 . 97.70 . 106.00 . 67.25 . 67.00 4% Ungar. Goldrente, . , 4°/i Italien. Rente . . , 4% Portugieser I . . , 3°/ Portugiesen. III • , 1 % Unif. Türken . . , Türkenloso . . . . . 4% Grieoh. Monopol.-Anl. 4*/,% äussere Argentiner . . 69.15 . 96.80 . 136 00 . 125.70 . 207.40 . 190.00 . 144.80 . 159 00 . 170 40 . 144.90 . 18.20 101.10 I 90.20 101.30 90.35 100.60 99.50 101.55 3Ve°/o 30/n 3'/,"/, l°/n W/n 3*/,% 3% Mexikaner 4,/gn/ Chinesen Electric. Rchuckert Nordd. Lloyd . . Kreditaktien , . Diskonto-Kommandit Darmstädter Bank Dresdener Bank . Berliner "Randelsges Gestern. Staatebahn Lombarden . . Gottbardbahn . , Laurahütte . , Bochum . . . 11 arpener . . . Staatschatzscheine Frankfurt a. M., 25. Juli Offizielle Schlusskurse. Reiohaanleihe do. Konsole . do . . Hessen Oberhessen . 264.40 . 256.00 . 222 00 . 100.50 Grosser Möbel-Ausverkauf ......... 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Schildheuer in Gießen stehenden Grundstücke 1/49,3 — 222 qm Hosraite in der Stephansmark, l/49„ — 110 qm Grabgarten daselbst öffentlich meistbietend versteigert. Gießen, den 27. Juni 1905. Großh. Ortsgericht Gießen. Gros. Versteigerung. Donnerstag, den 27. Juli d. I., vormittags 11 Uhr »ersteigere ich auf dem Holzplatz des Phil. Carl Euler iu Gießen, Hammstraße 24 einen zur Konkursmasse des verstorbenen Heinr. Keßler in Lollar- gehörigen [3900 Mniltcm Wechm, 8,99 qm im Auftrag der Konkursvermal- tung gegen Barzahlung. Die Versteigerung findet bestimmt statt. Born, Gerichtsvollzieher. Bersicherungsstand 46 Tausend Polizeu. ■■ra I Allgemeine Renten-Anstalt Gegründet 1833. zu Stuttgart Neorganlftertl855. I Lebens- und Nenlenverstcherungsverein auf Gegenseitigkeit. Neue Versichcrungsbcdiugungen vom 1. Januar 1904 «Neußerg liverake VelUmmungeu in Bezug aufAnansecfitöarkeit und Anverfalkkarkeit der Lebensvcrftcheruugspolicen. rgs Anerkannt OUHgfl Verechnete Prämien bei frühem reg b Aivldendevbezng. raä A Neue, für Männer u. Frauen gesonderte Rententarife. | Außer den Prämienreserven noch bedeutende, besondere I Sicherheitsfonds. ss30/* B Nähere Auskunft, Prospekte u. Antragsformulare kostenfrei bei den Vertretern: durch Generalvertretung für Hessen, Hessen- Naffau u. die Pfalz: Darmstadt: ÄnguHt Berbenlch, Zimmerstr. 3; in Gießen: J. Dobermann, Hauptagcttt, Wcstanlage 64; Wilh. Karnbach, Privatier, Kanzleiberg 9; 1$. Hahn, Bahnbeamter a. D., Steinftraße 55; in Großen-Buseck: Salomon Berlin; in Großen-Lindcn: Heinr. Weiss, Bauunternehmer; in Laubach: Wilh Klipstein; in Wieseck: Ludwig Kirchner, Kausm. ❖ ♦♦¥♦♦♦♦♦♦*♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦ Der Giessener Kliniker-Verein erlaubt sich, die Serren Kollegen iu Gießen und Umgebung zu einem Freitag, den 28. d. 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Verschiedenes. v26/7 ___________Der Borstand. BiMzesMift Heute Abend 9 Uhr (Kesangstrrude im Vereinslokal. v”/T Der Borstand. ec Mutigen Ausgabe liegt ein Flugblatt der Motoren-Fabrik Oberursel Aktien-Gesell- schäft, Oberursel bei Frankfurt a. M., bei.