Nr. 70 Donnerstag, 23. März 1905 155. Ja' General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Elchen. Das mutz bei •tftofttxÄ. tpxMx* o. tntdral i 6dbuflh.lt t*L Rx. M, Birtm Abg. Eickhoff (frcif. Vp.) wünscht, daß für die Erlangung der Berechtigung zum einjährig-freiwilligen Dienst und für seine Ableistung Erleichterungen gewährt werden, die cs auch minderbemittelten Familien möglich machen, ihre Söhne einjährig dienen zu lassen. Er wünscht ferner Erleichterungen Lei den Kontrollversamin- lungen. Er klagt ferner über die Bevorzugung des Gardekorps vor der Linie, namentlich an der Majorsecke. Die Hauptleute würden bei der Garde weit eher befördert, als in der Linie. Der Kastengeist würde grotzgezogen. Im Interesse der gesunden Entwicklung 1 Uhr. DaS Haus ist schwach beseht. AmBundesra'"'' ' große darin investierte Kapital will verzinst sein! bei den Preisen wieder herauskommcn. Parlamentarische Verhandlungen. Nachdruck ohne Vereinbarung nicht gestattet. Deutscher Reichstag. 170. Sitzung vom 22. März. , v. Einem u. a. Die zweite Beratung des M i I i 1 ä r e t a t S wird fortgesetzt beim Titel „Gehalt dcS Kriegsministers-. Hierzu liegt folaende Resolution der Abgg. Erz - o e r g e r iZentr.s und Gen. vor: den Reichskanzler zu ersuchen, in der Uebersicht über die Ergebnisse des Heeresergänzungsgeschäfts und der Nachweisung über dre Herkunft und Beschäftigung der Militärpflichtigen eine Scheidung nach Herkunft und Beschäftigung auch dahin vorzunehmen, ob die Ausgehobenen eine zwei jährige oder d r e i - jährige Dienstzeit zu leisten haben. Abg. Kämpf Ureis. Vvt.f: Es sind Stimmen laut geworden, oie sich über die Bevorzugung der Produzentenvereinigungen vor den Händlern bei den Ankäufen der Militärverwaltung beschweren Wir halten cs nun für selbstverständlich, datz die Verwaltung ihren Bedarf da deckt, wo sie ihn am besten und billigsten bekommen kann Aber wir meinen: die Händler und die Produzenten sollten gleichberechtigt mir einander konkurrieren dürfen. Statt dessen geht die Verwaltung direkt an die Produzenten heran. Und feder Weitz doch, datz wenn man zu jemand kommt und ihn zu einer Offerte veranlaßt, man teurer wegkommt, als wenn man den Betreffenden an sich herankommen lätzt. Wenn man den Herren Landwirten alle möglichen Erleichterungen gewährt, so sollte man sie auch den Herren Kaufleuten gewähren. Der preußische Handelsminister hat auf eme Beschwerde der Händler um größere Berücksichtigung durch dre Proviantämter geantwortet: es liege kein Grund vor, die Händler grundsätzlich auszuschließen. Na ia, das kennt man: Fürst Btsmarck hat einmal gesagt: grundsätzlich annehmen, heißt tatsächlich ablehnen. sSehr gilt!) Man sollte doch dem Handel gegenüber anders auftreten. Schon allein auch im militärischen Interesse. Wenn man in Friedenszeiten den Handel zurückseht und schwächt, bann wird er schwer imstande sein, im Kriege seiner Pflicht nach- zukommen, und da ist man doch auf den Handel angewiesen. Abg. v. Brockhauien skons.f: Ich hätte gewünscht, daß die Be» Mwerden des Vorredners nicht letzt, sondern erst beim Titel ^/latriralvcrpflegung" vorgebracht wären, denn die Sache ist so wichtig, daß sie einer besonderen Behandlung bedarf. Ich kann nicht soweit gehen, wie dies der Vorredner getan hat, und irgend einen Anspruch der Versorgung der Armee von feiten des Handels zu- 9,eJ?en- Der Handel hat allerdings eine sehr große Volkswirtschaftuche Bedeutung, wenn aber die Möglichkeit gegeben ist, einen direkten Verkehr zwischen Konsumenten und Produzenten zu schaffen, so kann die Rücksicht auf den Handel überhaupt nicht rrt Betracht romrnen Man darf diese Frage nicht vom Standpunkt des Großstädters betrachten. Man soll doch einmal aufs Land gehen und sehen, was die Landleute alles für die Armee tun, daß sie die meisten Rekruten stellen, die großen Manöverlasten zu tragen gaben, uno toenn man weiß, wie sie darüber denken, dann kann man erst darüber mitreden. Die Proviantämter sollen in erster Linie von den Produzenten selber kaufen. Diese sind auch so organisiert, daß sre auch im Kriegsfall völlig den Bedarf decken können. Sie sind in jeder Beziehung leistungsfähig. Der Kriegsminister soll den Termin- handel hier nicht wieder einführen. Er ist abgeschafft, damit müßen Sre snach lrnkss sich abfinden, und es bleibt dabei! Die Heeresverwaltung sollte vor allen Dingen kein ausländisches Getreide kaufen,,sie muß ihren Bedarf im Inlande decken. In Oesterreich Elfe dre Verwaltung nur von den Produzenten. Die Preisbildung des Getreides, wie sie jetzt gehandhabt wird, ist nicht richtig, hier mutz Wandel geschaffen werden. Es müßte vielmehr eine Kommis- sron eingesetzt werden, die über die Preisbildung einen Beschluß faßte Dre Berliner Preise sind heute nicht mehr so maßgebend, wie sic es ftuber waren. In dem republikanischen Frankreich, von dem man doch annehmen müßte, daß es den Handel besonders begünstigte, ist auch der direkte Bezug von den Produzenten ange- ordnct., So müßen wir cs auch machen, es ist nur eine Pflicht der Gerechtigkeit, daß die, welche die meisten Lasten tragen, auch bei den Lieferungen bevorzugt werden. Die ganze Frage muß in einer Konferenz, in der sowohl die Landwirtschaft wie das Ministe- crum vertreten sein müßen — gegen eine Vertretung deS Handels habe ich auch nichts — genau besprochen werden, damit wir auch zu den Verhältnissen kommen, wie sie in Frankreich und Oesterreich schon bestehen. Produzenten kaufen, ist überhaupt kein so großer, wie der Abg. Kämpf es darstellte. Tie Militärverwaltung braucht höchstens 1 Proz. des gesamten RoggenumsatzeS in Deutschland. Auch sonst ist es nicht richtig, daß die Produzenten bevorzugt werden. Wir geben den Produzenten zwar leihweise Säcke her. aber dies ist ein allgemeiner Brauch, dies tun die Händler auch. Wenn wir ferner den Produzenten Reinigungsmaschinen zur Verfügung stellen, so tun wir das meistens deshalb, weil die Bauern vielfach nicht im Besitz solcher Maschinen sind, während die Händler sie m ist zu haben pflegen. Im übrigen geschieht die Reinigung n cht aus Kosten des Proviantamts, sondern auf Kosten der Pro' izenten So weit, wie Herr von Brockhansen verlangte: daß wir ur die Produzenten selber hcranftehen, können wir nicht gehen. ' cnn gerade im Westen des Reiches, wo aus Gründen der Lander- rleidi- gung die größten Maßen von Soldaten stehen, wird nur wenig Korn gebaut. Mit den landwirtschaftlichen Genoßenschaften habe" wir leider nicht durchweg günstige Erfahrungen gemacht: ihre großen Kornhäuser und ihr Beamtenslab wollen bezahlt und das Pferde in Südwestaftika bewährt hätten. Ich kann diese Frage bejahen: nach den uns zugegangenen Berichten haben sie sich von allen Pferden am besten bewährt. (Beifall rechts.) Eine weitere Frage bezieht sich darauf, ob es nicht wünschenswert wäre, sowohl für die Militärverwaltung wie auch für die Landbevölkerung, daß das 14. Armeekorps baldigst einen Truppenübungsplatz bekäme. Auch diese Frage bejahe ick. Es ist uns indeßen noch nicht gelungen, einen geeigneten Uebungsplatz zu erlangen, wir werden aber unsere Bemühungen forticyen. Den Klagen über unzureichende Hohe Der Ausglcicksgelder in den Manövern werden wir nach Möglichkeit Rechnung zu tragen suchen, und ich hoffe, daß wir zu einem günstigen Ergebnis gelangen. Wir haben ja alle Ursache, überall die Freude am Soldatenstande zu erhöhen. Tic Rede des Grafen Mielczynski ist so recht ein Spiegelbild gewesen von den Zuständen in der Provinz Posen. Ob er diese Rede in ruhigem Tone gehalten hat, darüber stelle ich die Entscheidung dem Urteil des Hauses anheim. Wenn Graf Miel- czynski sagte, daß die Erinnerung an die Taten be§ Ostmarken- vereinc in ihm das Gefühl Der Verachtung auslösten,dann werden wohl die Gefühle auf der anderen Seite auch nicht anders sein. Ick gehöre dem Ostmarkenverein nicht an, ich weiß auch nicht, ob Offiziere ihm angehören, aber das möchte ich doch glauben, daß dem Ostmartenveeein eine große Menge von Ehrenmännern angehören (Beifall rechts), und ich glaube nicht, daß es angezeigt ist, diesen Männern gegenüber ein Gefühl der Verachtung kund zu tun. ((Erneuter Beifall rechts.) Ich muß auch offen erklären, wenn dieser Ostmarkenverevi irgend einen Ball gibt, io kann ich cs nicht einsehen, warum der IcmmanDicrenDe General mit seinen Offizieren nicht daran teil- nehmen soll. (Lebhafte Zustimmung.) Ausdrücklich protestieren muß ich Dagegen, daß polnische Soldaten m Der Armee schlechter behandelt luüroen, als Angehörige irgend einer andern Abstammung. Tas ist absolut nicht wahr. Tie Fälle, die der Abg. Graf Mielczynski angeführt hat, daß Briefe oder Geldsendungen polnischen Soldaten nicht ausgeliefert sind, sollte er mir nur näher kennzeichnen, bann werde ich zweifellos eine Untersuchung eintreten laßen. Graf Mielczynski hat auch von einem Boykott gesprochen, vom Verbot von Lokalen usw. Nun steht aber dock ganz offenbar fest, daß wir gerade in Posen im Kriegszustände uns befinden. Wir werden uns wahrscheinlich nicht darüber einig werden, wer anaefangen hat. Aber Der Zustand besteht und daß der Boykott von polnischer Seite mit aller Härte durckycführt wird, daß Die Polen uns darin im Charakter überlegen sind, das steht zweifellos fest, und ich sehe nicht ein, warum die Deutschen sich nicht wehren sollen. (Beifall.) Graf Mielczvnski hat gesagt, weil man beiläufig gehört habe, er würde zu diesem Etat sprechen, so wären ihm von allen Seiten unzählige Briefe gugegangen. Ich habe aus der „Praha"' entnommen, daß dec Graf Mielczynski vorher gewißermaßen ein AuS- fdireiben erlassen hat (Hört! Hört! und Heiterkeit), man möge alle Schikanen, die Reservisten ober im Heere noch dienende Mannschaften ober bereu Vcrwanbtc erlitten hätten, ihm als schätzbare- Material mitteilen. (Große Heiterkeit rechts.) Am Schlüße biefet Zuschrift an bie „Praha" wirb ausgeführt, daß die Nomen derjenigen, welche durch die Behandlung ihrer Angelegenheit im Reichstage geschädigt werben könnten, verschwiegen bleiben sollten. ES wäre bcßer, wenn Graf Mielczynski hier ein untere? Verfahren eingeschlagen hätte. Indem er tatsächlich sich rlickt bereit erklärt hat, die Namen mir zur Verfügung zu stellen, ftdhe ich hier einer neuen Firma ohne jede Haftpflicht gegenüber. (Heiterkeit.) Ich möchte doch an den Grafen Mielczynski die Frage richten, da er sich in seinem Ausschreiben auch auf die polnische Ritterlichkeit bezogen hat, ob es nicht viel mehr am Platze wäre, wenn er, falls er wieder ein Ausschreiben erläßt, sagt: jeder der Betreffenden steht mir mit Namen und Ehre für die Nichtigkeit der Angaben. (Beifall rechts. Lacken bei den Polen.) Abg. von Trciienfcls flons.) begründet die Resolution des Abg. Abg. Grafen zu Stolberg und führt einzelne Fälle an, in denen Landleuten ihre Pferde requiriert seien, gerade in der Zeit, wo sie am nötigsten gebraucht wurden. Oft seien Fuhrwerke fünf Tage lang herumgeschleppt, wiederholt sei es sogar vorgekommen, daß Pferde infolge der Anstrengungen verendeten. Bei den Entschädigungen würde jedoch geknausert und nur sehr wenig gezahlt; .all solche Vorfälle erregten nur Verbitterung. Generalmajor v. Gollwitz erwidert, unter Hinweis auf die Bestimmungen des Materialvcr^flegungsgcsetzes, daß die Truppen- fübrer angewiesen seien, mit der größten Rücksichtnahme vorzugehen. Wenn Härten vorgekommen sein sollten, so wäre er dem Vorredner dankbar, wenn er ihm die genauen Daten mitteilen wollte, er würde dann für Abhilfe sorgen. Abg. Dr. von Janne; (Lothringer) bringt einen Fall in Metz Sstr Sprache, wo jemand von einem Posten erschoßen wurde. Er wünscht, daß für derartig verantwortungsreiche Posten nur ältere Jahrgänge genommen werden sollten und verlangt überhaupt Garantien dafür, daß solche Vorkommnisse sich nicht wiederholen. Kriegsminister von Einem: Der unglückliche Fall in Metz ist bereits von dem Abg. Erzberger in der Kommission zur Sprache gebracht worden. Ich konnte damals nicht gleich Auskunft geben, ob der Posten nach seiner Instruktion gehandelt hat. Mittlerweile ist diese Sonderinstruktion bei mir eingelaufen und hat ergeben, daß der Mann tatsächlich gegen die Instruktion gehandelt hat. Die Instruktion sagt, der Posten darf von seiner Waffe nur Gebrauch machen, 1) wenn er tätlich angegriffen wird, 2) wenn er tätlichen Widerstand findet, 3) zur Verfolgung eines entsprungenen Festgenommenen, 4) zum Schutze der dem Posten anvertrauten Sachen oder Personen. Keiner dieser Fäflc lag vor. Die gerichtliche Untersuchung ist eingeleitet worden. Ich weiß nicht, was den Posten veranlaßt hat, auf diesen harmlosen Mann zu schießen. Er hat gesagt, er glaubte, der Mann wollte ins Depot bringen. DaS ist aber nicht der Fall. Es ist ja möglich, daß die Posten in Metz durch Erzählungen und derartiges etwas nervös sind. In letzter Zeit sind nämlich viele Fälle tätlicher Angriffe auf Posten erfolgt, so am 25. September 1904, am 24. Oktober, am 23. Dezember und am 29. Dezember. Es wäre ja vielleicht möglich, daß das Unglück hätte vermieden werden können, wenn ein ruhigerer Mann oder ein Mann von längerer Dienstzeit auf den Posten gestellt wäre. Wenn aber der Abg. Iannez gebeten hat, es möchten ihm Garantien dafür gegeben werden, datz so etwas sich nicht wiederholt, so mutz ich ihm sagen, solche Garantien können nicht gegeben werden, das sind eben Unglücksfalle genau, so wie Unglücksfälle auf einer Eisenbahn ober auf einem Schiff. Abg. Eickhoff (frcif. Vp.) wünscht, daß für die Erlangung der , Generalmajor v. Gollwitz: Die Militärverwaltung kann hier allein keine generellen Aenderungen vornehmen, da sie sich auf eine von der Regierung gutgeheißene Maßnahme stützt. Ich möchte daber auch glauben, daß die hier gegen bie Militärverwaltung gerichteten Bcickwerben nicht von ihr allein erörtert unb weiter be- arbeitet werben können, sonbern baß sie an eine weitere Abresse gerichtet werben müßen. Wenn bie Heeresverwaltung in erster Linie bei Produzenten rauft, so venährt sie dabei nicht anders wie jeder andere Konsument, wie jede gute Hausfrau, bie dort kauft, wo sie bie Waren am besten und billigsten bekommt. Wir können, wie dies vom Abg. von Brockhausen schon ganz richtig ausgeführt würbe, dem Handel kein Recht darauf anerkennen, daß er bei allen Geschäften und Käufern Mittler sein muffe. Ich weiß wohl, daß dies auch heute hier nickt direkt verlangt worden ist, aber es ist gut, wenn dies einmal hier ausgeführt wird. Wir kaufen beim Produzenten unb fördern ferne Bestrebungen, weil wir dort billig unb gut kaufen. Zur Bekräftigung dieser Angaben einige Zahlen. Wir haben 1903 durchschnittlich be: allen Einkäufen der Heeresverwaltung bezahlt für bie Tonne Weizen aus erster Hanb 163,90 Mk., aus zweiter Hanb 167,21 Mk., wir haben also bet jeder Tonne Weizen 3,81 Mk. gcsvart. Für bie Tonne Roggen haben wir aus erster Hanb 183,39 Mk., aus zweiter Hanb 138,56 Mk. gezahlt, also 5,17 Mk gespart. Beim Hafer beläuft sich die Ersparnis auf 6,48 Mk. «Hört, hört!) Wenn man diese Ersparnisse mit der Menge des Bedarfs multipliziert, so wird man zugeben müßen, daß wir nur zum Besten der Steuerzahler gehandelt haben. Beim Einkauf von Produzenten kaufen wir durchschnittlich auch besser ein, als von Händlern. Wir werden weniger Der Gefahr ausgesetzt, Mißware vorgesetzt zu bekommen. Endlich ist cs auch nicht zu unterschätzen, daß bie unmittelbare Berührung mit ben Produzenten eine gute Ausbilbung ber Proviantbeamten herbeiführt, nicht nur für ben Frieden, sondern auch für bk Kriegstätigkeit, wenn es darauf ankommt, bie Kräfte des Ländes auszunutzen. Indem unsere Proviantbeamten im Frieden mit ber Landwirten in Verbindung treten, werden sie veranlaßt, sich um bie ganzen Marktverhältnisse zu kümmern unb sie eignen sich badurch lanbwirtschastliche unb geschäftliche Kenntnisse im höheren Grabe an. Selbstverstänblich wirb auch bei ben Produzenten bie Ware scharf geprüft, benn bie Beamten sind angewiesen, nur gute Ware zu kaufen. Der sogen. Schaben, ber dem Handel daburck entsteht, daß wir direkt bei den Abg. Meist (Soz.) läßt sich ausführlich über einen Fall aus, in dem ein offenbar geisteskranker Mann Doch zum Mili.är ausge- hobcn und dann Dort wegen Achtungsverletzung mit Gefängnis bestraft wurde. Generalleutnant Sixt von Armin: Die Armee hat kein Intcr- cße Daran, geistig minderwertige Leute einzustellcn. Tie Sanitäts- oftiziere sind entsprechend instruiert. Leider besteht im Volk die Neigung, Geistesschwäche zu verheimlichen. Und daher mag mancher bedaucrlick)c Fall passieren. Heber den speziellen Fall, Den Der Vorredner borgetragen, ist uns zurzeit nichts bekannt. Mittlerweile ist folgende Resolution der Abgg. Graf zu Stolberg-Wernigerode (Ion).) u. Gen. eingegangen: die verbündeten Regierungen zu ersuchen, baldmöglichst eine Revision des Gesetzes über die Naturallcistung für Die bewaffnete Macht im Frieden vom 24. Mai 1898 in Dem Sinne herbeizuführen, daß die Entschädigungssätze soweit erholst werden, daß sie Dem tatsächlichen Werte Der Leistungen entsprechen. Abg. Werner (Antis.): Die Militärverwaltung muß für ihr gutes Geld auch gute Ware bekommen. Es muß eine strenge Kon- ttolle stattfinden. Daß die ProDuzenten bevorzugt werden, erachte ich für selbstverständlich und die Resolution Graf Stolberg begrüße ich mit Freuden. Redner verbreitet sich sodann über das Unter» offizierkorps, Den Unteroffizierersatz usw., und plädiert für Besserstellung Der Unteroffiziere. Abg. Tr. Böttger (natl.) bringt die Beschwerden ber Gewerbetreibenden gegen die Militärverwaltung zur Sprache; u. a. hat Die Handelskammer in Trier den Wein- und Spirituosenhandel Der Offizierskasinos für nicht vereinbar erklärt mit Der sozialen Stellung Der Offiziere. Ferner wtrD es scharf getadelt, Daß sich die Militärkantinen zu Warenhäusern im Kleinen ausgewachsen haben. Da die KantinierS 10—-20 000 Mk. jährliche Pacht herauswirtschaften müßen und dies bei dem gewöhnlichen Umsatz in Lebensbedürfnissen der Soldaten nicht zu erzielen ist, lo Wersen sich die Kantinen auf Den Verkauf von sogenannten Erttasachen. Der innen eigentlich verboten ist. Sie verkaufen Helme, Mützen, Handschuhe, Uhrketten, Portemonnaies, Zigarrentascken, Bierkrüge, Pantoffeln, Schuhe, Besen, Unterzeug usw. Die Beschwerden der in der Nähe wohnenden Geschäftsleute sind nutzlos, ja gefährlich, Denn den Nörglern wird auch noch das bißchen Kundschaft vom Militär entzogen, was geblieben ist. . Ueberhaupt werden häufig die Soldaten von oben beeinflußt, bei dem Kantineninhaber zu kaufen, der ist ja selbst alter Unteroffizier oder Feldwebel, der arme Teufel muß Die hohe Pacht zahlen, usw. Daß es in den Kantinen mit Ladenschluß und Sonntagsruhe nicht so genau genommen wird, erklärt sich aus Der unkontrollierbaren Art des Betriebes. Redner verlangt, daß die Truppenkantinen nicht zu überhohen Pachtpreisen verpachtet, Daß nur Die nottoenbi^ften Lebensbedürfnisse barin feilgehalten werben unb ein Verzeichnis Dieser Waren ben bürgerlichen Gewerbetreiben- Den auf ihren Wunsch mitgeteilt wird. Ten Mannschaften soll bie Gelegenheit nicht beschränkt werden, außerhalb ber Kaserne ihren Vebarf zu becken unb bie Beeinflussung Der Mannschaften im entgegengesetzten Sinne soll itrafbar sein. Die gesetzlichen unb ortspolizeilichen Bestimmungen sollen auch auf bie Kantinen angewandt werden. Zur Frage der Militärhandwerker, die ja nach und nach in Zivilhandwerker umgewandelt werden sollen, bringt Der ReDner Die Beschwerden gegen bas Monopol der Regimentsschncidcr vor. Er verlangt, daß bie Militärhanbwerker bi? zur endgültigen Um» ivandlung bester besoldet werben, daß ihnen bann aber auch ber Privatgewerbebetrieb und ber Hanbel mit Militäreffekten unter* sagt wird. Auch hier soll bie Beeinflussung ber Mannschaften, bie vielfach jetzt von ben Felbwebeln besorgt wirb, unter Strafe gestellt werben. Der Mittelstand wird dem Kriegsminister dankbar fein, wenn er die vorhandenen zahlreickren Mißstände auf diesem ©ebiete^ des Wettbewerbes mit bürgerlichen Berufen beseitigt. Abg. Dove (freis. Vgg.): Bei ber Frage ber Militärlieferungen hat. freilich lediglich das Jntereste der Militärverwaltung zu ent» scheiben, nicht der Streit der wirtschaftlichen Interestenten. Darin stimme ich dem Regierungsvertreter bei. Aber das richtet sich nicht gegen Herrn Kaempf, sondern umgekehrt gegen Herrn von Brockhausen, der eine Bevorzugung ber Landwirtschaft verlangte. Die Hausfrauen-Oekonomie des Generals Gallwitz scheint mir nicht sehr stichfest. Soll man um eines kleinen momentanen Vorteils willen dauernde große Vorteile aufs Spiel setzen? Unb bas geschieht, wenn man den Handel vorn Wettbewerb ausschließt. Abg. Graf Mielczynski (Pole) klagt über die angeblich rohe Behandlung ber polnischen Soldaten und über Den Boykott polnischer Lokale durch die Militärverwaltung. Davon, baß in diesen Lokalen sozialdemokratische oder reichsfeindliche Agitation getrieben würde, ist keine Rede. Der hakatisttsche Geist herrscht eben schon auch in der Armee, bei Der Jubiläumsfeier des Ostmarkenvereins waren 40 Offiziere zugegen. Was sollten die polnischen Soldaten denken, wenn sie sehen, daß ihre Offiziere sich mit ihren ärgsten Feinden verbrüdern. In mir kann bie Erinnerung an das Verhalten des Ostmarkenvereins nur das Gefühl ber Verachtung aus- losen. (Unruhe.) Als man erfahren hat, baß ich zu diesem Etat sprechen würde, sind mir eine große Reihe von Briefen zugegangen, in Denen bittere Beschwerde über ungerechte Behandlung polnischer Soldaten geführt wird. Es sind sogar Fälle vorgekommen, in denen man ihnen Briefe unb Geldsendungen oorenthalten hat. Man darf doch nicht vergessen, daß Tcutsckland die polnischen Soldaten nicht entbehren kann. 1866 mußten sie gegen ihre eigenen Brüder kämpfen. Polen hat eine ruhmvolle Vergangenheit (Lachen rechts), vergessen Sie doch nicht, baß es Polen waren, die Europa por den Türken retteten. Abtz. Fehrenbach (Zentr.) begründet die Resolution Erzberger unb wünscht einen Truppenübungspiatz für bas 14. Armeekorps. Preußischer Kriegsminister von Einem: Es ist mehrfach die Frage aufgeworfen, ob^ sich unsere in Ostpreußen anaekauften isK Gießener Anzeiger rmsereS Volkes müßtet! derartige Zustände emfhören. Redner äußert sich dann weiter dahin, daß seine vorjährigen Ausführungen über die Nichtdeförderung der jüdischen Mitbürger unwiderlegt geblieben seien. Diese Zurücksetzung verstoße gegen die preußische und Rcicksverfaffung. Redner ist darüber befremdet, daß der Kriegs» .Minister, der sonst so energisch jede Beschimpfung der Armee zurück- weise, die Beschimpfung der jüdischen Soldaten, ja der jüdischen Veteranen aus unseren großen Feldzügen so ruhig bingenommen habe. Ein jüdischer CtabSarrt habe seinen Abschied genommen, weil der Kriegsminister die Angriffe des Abg. Liebermann von Sonnenberg in feiner Weise znrnckgewiesen habe. Derartiges sei ein Unrecht, das die deutsch^ Volksseele vergifte lLachen bei den Antisemiten; Redner wird überhaupt mehrfach von den Antisemiten unterbrochen, bis der Präsident um Rübe bittet.). Redner geht ausführlich auf eine Rede ein, die der Abg. Böckler in der .Hasen- Haide gebnlren hat, und wirft ihm. dem Historiker, Geschichts« Unkenntnis vor. Ferner: was der Abg. Liebermann von Sonnenberg im Vorjahr über den Fall Moses Bier hier vorgebracht, habe sich inzwischen als objektiv unwahr erwiesen: der General selbst habe inzwischen erklärt, daß Bier niemals ihm gegenüber sich als Inhaber des Eisernen Kreuzes aufgespielt habe. ES sei Pflicht jedes Ehrenmannes, eine solche Beschuldigung eines ehrenhaften Bürgers, die sich als unrichtig erwiesen, zurückzunehmen. Der Abg. Liebermann habe das bisher nidif getan. So weit führe Raffen- und Glaubenshaß! Er (Der Abg. Eickhoff) würde niemals aufhören, die Schmach des Jahrhunderts, den Antisemitismus, zu bekämpfen. (Beifall bei den Freisinnigen.) Kriegsminister v. Einem: Der Abg. Eickhoff hat mir soeben den Vorwurf gemacht, ich hätte Angriffe, die gegen deutsche Soldaten in diesem hohen Hause gerichtet wurden, nickr zurückgewiesen. Ich erinnere mich nicht, daß die Abgg. von Liebermann oder Böckler irgend eine Behauptung aufgestellt hätten, daß jüdische Solpatcn sich in unserem letzten Feldzuge schlecht geschlagen hätten oder feige gewesen waren. Ick erinnere mich auch nicht, daß eine Aeußerung gefallen wäre, die jetzt im Heere dienenden jüdischen Soldaten seien schlecht oder hätten irgendwie ihre Pflicht verletzt. Ich habe nur gehört, daß Herr Böckler im vorigen Jahre sagte., daß er, wie der Vorredner aussührte, aus feinen Geschichtsstudien festgestellt hätte, wie „seine Juden" — wie er sie nannte — sich benommen hätten im Jahre 1813. Das waren historische Rückblicke (Lachen links), un) ich war nicht verpflichtet, dagegen vorzugehen. Der Vorredner kann mir nicht anmuten, daß ich alles das weiß, was er aus Broswüren oder dem Militärwochenblatt von 1833 oder 1857 vorgelesen hat. (Sehr put! und Heiterkeit rechts.) Ich habe in meinem Regiment jüdische Soldaten gehabt, und sie haben gut gedient. Tas erkläre ich hier. (Zurufe links: Vorher,!) Ich kann nichts vorher erklären, lvenn ich nicht gefragt werde, sondern erst nachher. ... „ Denn ich das Bewußtsein gehabt hätte, baß jefct im Heere dienende jüdische Soldaten angegriffen wären, so würde ich gebeten haben, mir bestimmte Fälle zu nennen, und dann würbe ich r>er> sucht haben, sie aufzuklären, und wenn ich sie aufgeklärt hätte, dann würde ich die Angriffe zurückgewiesen haben; aber Sie können von mir nicht verlangen, daß ich auf irgendwelche historischen Rückblicke antworte und sie zurückweise, weil mir das Material dazu vollkommen feblt. (Beifall rechts.) Abg. Lcdcbonr tSoz.) pflichtet dem Abg. Eickhoff bei und polemisiert gegen den Kriegsminister. Tie Rettungsmedaillen der Offiziere könnten die Sozialdemokraten schon deshalb nicht lobend erwähnen, weil sie das ganze Orden- und Medaillenlvesen für einen Unfug hielten. Redner setzt dann noch in längeren Ausführungen au§cinntü)cr, weshalb die Sozialdemokraten gegen das stehende Heer seien. Seine Darlegungen werden von einer steigenden Unruhe des Hauses und lärmenden Zurufen der Rechten begleitet, die Redner mit überlauter Stimme zu überschreien sucht, sodaß zeitweise ein förmliches Getöse un Saale herrscht. Hierauf vertagt sich das Haus. Abg. Liebermann von Sonnenberg bemerkt persönlich: Richt ich habe etwas Unwahres behauptet, sondern Herr Eickhoff. Ich habe schon im vorigen Jahre über den Fall Bier eine Erklärung zu Protokoll gegeben und wollte bei der dritten Lesung ausführlich auf den Fall eingehen, bekam aber leider nicht das Wort. Der Abg. Eickhoff hat mir also unrecht getan, wenn er mir vorwarf, ich hätte überhaupt nicht mehr den Fall erwähnen wollen. Allerdings stelle ich fest, daß Moses Bier doch insofern sckmld ist, als er 14 Tage bis drei Wochen lang als Ritter des Eisernen Kreuzes sich feiern ließ, ohne zu widersprechen. Abg. Eickhoff hält seinen Vorwurf aufrecht. Eine Erklärung zu Protokoll genüge nicht, von dieser bekomme niemand Kenntnis. Herr Liebermann habe in der Tat einem unbescholtenen Bürger Unrecht getan und habe noch beute versucht, eine unhaltbare Behauptung zum Teil aufrechtzuerhalten. Beide Abgeordneten stellen in drei- bis viermaligen Repliken und Dupliken unter großer Heiterkeit des Hauses „nochmals fest", daß sie recht hätten, der andere unrecht. Präsident Graf Vallcstrem: Ich mische mich sonst nicht in persönliche 93cmcrfiingen, muß aber doch meine persönliche Mitwirkung an der Sache klarstellen. Nachdem der Abg. Liebermann von Sonnenberg hier den Fall vorgebracht patte, erhielt ich von dem Feldmarschall Freiherrn von Loe, meinem gütigen Gönner, einen Brief, in dem er den Fall richtig stellte. Ich habe von diesem Brief Herrn Abg. Liebermann von Sonnenberg Kenntnis gegeben (Hört, hört! links) und ihm anheim gegeben, zu tun, Ivas er für richtig hielte, entweder eine Erklärung vor der Erklärung abzugeben oder nochmals das Wort zu nehmen. Herr Liebermann von Sonnenberg bat darauf jenen Brief an mich gerichtet, und ich habe davon dem Feldmarschall von Loe Kenntnis gegeben. Das war 1 meine Mitwirkung bei der Sacke. Nächste Sitzung Donnerstag, 1 Uhr. (Fortsetzung der heutigen Beratung.) Schluß 6% Uyr. H>arLam ntansches. (*) Darm stabt, 2Z. März. Ter 2. Ausschuß empfiehlt jn wesentlichen die Annahme des Entwurfs eines Gesetzes betr. die Anstaltsvormundschaft sowie des Entwurfs eines 'Gesetzes, das Beerdigungswesen betr. — Ter Abg. Reinhart hat einen Antrag eingebracht auf Aushebung des Artikels 48 des Fischerei,gejetzes vom 27. April 1881. Die Großh. Regierung macht inst Anschluß daran darauf auf- merksam, daß zurzeit Verhandlungen wegen reichsgesetzlicher Regelung der Angelegenheit schweben, welche die Herbeiführung übereinstimmender Vorschriften zum Gegenstand haben. Ter Ausschuß beantragt daher, den Antrag des Abg. Reinhart für erledigt zu erklären. — Eine Vorstellung der Gemeinde ^ell (Oberhejsen) betr. die Dienstanweisung vom 30. Januar 1902 zum Gesetz über das F a s e l w e f e n hat zu umfassenden Leratungen im 2. Ausschuß geführt. Ter Ausschuß beantragt, das Gesuch der Gemeinde Zell materiell für erledigt zu erklären, glaubt aber doch, Großh. Regierung auf eine bessere gesetzliche Klärung der Verhältnisse Hinweisen zu müssen, und gibt seiner Ansicht wie folgt Ausdruck: 1. Der § 16 der Dienstanweisung steht mit den Artikeln 1 und 5 des Gesetzes in ihrer dermatigen Fassung in Widerspruch ; 2. eine Auslegung der Gesetze durch Dienstanweisung ist nur dann sür zulässig zu erachten, wenn sie mit dem Gesetz in Einklang steht; 3. der Regierung vaibt es überlassen, den derzeit zwischen Artikl 1 und ö des Gesetzes bestehenden Widerspruch aus ges-etzgeberischem Wege zu beseitigen. Berlin, 22. März. In der Budgetkommission des Reichstages machte Staatssekretär v. Stengel Mit- teilungcn über die 4 6l * * 4/3 Millionen, die im Militärctal vom Extraordinanum ins Ordinarium von der Budgetkommission übertragen worden seien. Diese Maßnahme habe große Beunruhigung im Bundes rate hervorgerusen, die Bundes st aaten befurchten eine bedeutende Erhöhung der Matrikularbeiträge. Er hoffe, der Reichstag werde den Beschluß der Kommission noch korrigieren. Der Eintrag Arendt, die Einnahmen aus den Zöllen, Verbrauchssteuern und Aversen um 24 Millionen zu erhöhen, wurde angenommen, ebenso eine Resolution Speck, den Reichskanzler zu ersuchen, darauf emzuwirken, daß die bezüglich der zollfreien Verwendung von Benzin bestehenden Kontrollmaßregeln für die landwirtschaftlichen Betriebe tiinlichst erleichtert werden. Frhr. v. Stengel erklärt, die Reichsschatzverwaltung stehe der Resolution wohlwollend gegenüber. sÄttä Ataüt Mio £a>’ö. Gießen, den 23. März 1905. '* S. K. H. der Groß Herzog hat den Verzicht des Oberlandesgerichtspräsidenten i. P. Wirkt. Geheimrats Dr. L. Knorr auf die Rechte eines lebenslänglichen Mitgliedes der ersten Kammer angenommen. ** Sitzung des Provinzial- Ausschusses. Als erster Punkt der aestrigen Ta-gesordnung kam die Beschwerde des Abraham Baum zu Geilshausen gegen einen Polizeibefehl des Großh. Kreisamts Gießen zur Verhandlung. Von der Hofraite des Beschwerbeführers zieht ein Flutgraben nach dem Anwesen des B. Seyirling zu Geilshausen, der schon feit Jahren dadurch zu Klagen Veranlassung gab, daß er den Keller des Lchirting überschwemmte und diesem emvnndlichen Schaden zufügte. Tie Schuld hieran wurde dem Baum beigemessen, weil er nicht für regelmäßige Räumung des Grabens sorgte, sondern ihn verschlammen ließ, sodaß das Wasser übertreten mußte. Tas Großh. &rei§amt Gießen gab daher durch Polizeibefehl dem Baum auf, den Graben alsbald gründlich und hinreichend zu reinigen. Hiergegen erhob Baum Widerspruch, indem er das Vorhandensein eines Mißstandes bestritt. In der heutigen Verhandlung wurde eine gütliche Einigung zwischen den Parteien erzielt und die Entscheidung über den Rekurs gegen den Polizeibefehl insolgedessen ausgesetzt. — Tas Gesuch des Sbeinrid) Sack II. zu Heuchelheim um Erlaubnis zum Betriebe einer Gastwirtschaft hatte der Provinzial-Ausschuß schon m seiner Sitzung vom 1. Juni vorigen Jahres teilweise genehmigt, indem er die nachgesuchte Erlaubnis, jedoch ohne die Befugnis zum Ausschank geistiger Getränke erteilte. Tie gegen diese Entscheidung von dem Anwalt des Gesuch steiler s an das Gr. Ministerium des Innern verfolgte Berufung hatte die Zurückverweisung an den Provinzial-Auchchuß zur nochmaligen Verhandlung zur Folge. Auf Grund der gestrigen Jeugen- aussaaen wurde auf Erteilung der nachgesuchten Konzesjion in vollem Umfange erkannt. • * Dortrag. Prof. Dr. Stauding er-Darmstadt hielt gestern abend im Saale des „Hotel Einhorn" einen Vortrag über den „Nutzen der Konsum vereine." Während in Deutschland das Konsiungeuosstnschastswesen noch in den Amderjchuhen stecke, führte der Redner aus, habe es sich in England aus kleinen Anfängen heraus zu außeroidentlicher Vollkommenheit entwickelt. Der Gesamtumsatz der englischen Konsumvereine betrage etwa 2 Milliar- den Mark jährlich; die Großemkaufsgesellschaft besitze eigene Seeschiffe, Teeplantagen, Fabriken re. Verschiedene jener Vereine hätten Genesnngshäuser und Erholungsheime für ihre Mitglieder errichtet. Auch in Deutschland hätten einzelne größere Konsumvereine, z. B. der Hamburger, durch den Bau von Wohnhäusern sehr segensreich für die Gesamtheit gewirkt Zweifellos bedeuten die Konsumgenossenschaften großen Nutzen für die Allgemeinheit, das erkenne auch Pros. Dr. Biermer in einer seiner neueren Schriften an. Es sei auch nicht wahr, daß der Kaufmann durch sie geschädigt werde, wie vielfach behauptet würde. Die Zahl der Händler sei in den letzten Jahren bedeutend gewachsen. Nach weiteren, mehr ins Einzelne gehenden Ausführungen schloß der Redner mit der besonders an die Frauen gerichteten Aufforderung, rege an dem Ausbau der Genossenschaften mitzuarbelten und vor allem den hiesigen Konsumverein durch ihre Mitgliedschaft zu unterstützen. Nach dem mit Beifall aufgenommenen Vortrage folgte ein Bericht über den Geschäftsgang des genannten Vereins, der durchaus günstig lautete. ** Ein Konzert des erblindeten Violin-Virtuosen Wilh. Schäfer findet, lt. einer Voranzeige im Inseratenteil, am 2. Mai im Neuen Saalbau statt. •* Schiller-Po st karten sind soeben erschienen. Jede Karte stellt Episoden aus dem Leben des Dichters dar und bringt neben dem Bildnisse Schillers aus der jeweiligen Alterstufe die charakteristischen Merkmale jeder Epoche seines Lebens und Schaffens in fortschreitendem Werdegang unter einheitlicher Zusammenfassung zur Anschauung. Die Karten benennen sich: 1. Heimatjahre; 2. Heimatlos; 3. Eigener Herd; 4. Meisterjahre; 5. Schiller und die Schweiz; 6. Schiller im Tode. (Verlag von Hans Bleher in Stuttgart.) § Alssetd, 22. Marz. Gegenwärtig zirkulieren Listen in den Ortschaften unseres Kreises zu einer Sammlung. Ein Komitee von Frauen hat nämlich beschlossen, damit Ihrer Königl. Hoheit der Groß Herzog in ein Hochzeitsgeschenk zu widmen, das in Gestalt von Decken, Vorlagen u. dgl. besteht, die aus Alsfelds berühmten Webereien ange- kailft werden sollen. -o- Bingenheim, 20. März. Gestern traf hier eine große Schafherde ohne Hirt ein. Wem die Schafe gehören und wo der Hirt geblieben ist, konnte bis jetzt nicht sestgestellt werden. y. Büdingen, 22. März. Für das Bahnprojekt Hanau-Büdingen, zu dessen Vorarbeiten nun hessischer- seits die Genehmigung emgetroffen ist, herrscht hier wenig Interesse. Man fürchtet eben, daß die Bahn uns mehr Sehaden als Vorteile bringen werde. Dies trifft auch zu, insbesondere für die Geschäftsleute. Auch würde unsere Stadt zu den Kosten (Geländestelliing) einen sehr hohen Beitrag zu leisten haben. Dies würde sich jedoch alles ändern, wenn die Gesellschaft sich entschlösse, die Bahn durch das obere Seemental weiter über Rmderbügen, Kefenrod nach Ober- Seemen zum Einschluß an die Linie Gedern-Lauterbach aus- zubauen. Die ausgedehnten Waldungen, die große Anzahl von Steinbrüchen njw. in und an diesem Tale garantieren eine Rentabilität dieser Strecke. Auch würbe unsere Stadt von dieser Strecke ansehnliche Vorteile haben. Wenn aber der Bau dieser Linie nicht jetzt im Anschluß an die Linie Hanau-Büdingen geschieht, bann ist in den ersten Jahrzehnten nicht mehr baran zu denken. Homburg, 22. März. Hier macht sich ncucrbingS eine Agitation zum Zweck des Baues einer Eisenbahn Homburg-Vilbel bemerkbar; doch will es uns scheinen, als ob es von weit größerer Wichtigkeit für Homburg wäre, den Ausbau der Sekundär bahn Homburg-Fried- berg zu einer Vollbahn zu erstreben, als welche sie ja auch uriprünglich projektiert war; denn sie brächte uns alsdann mit dem großen nordwestlichen Eisenbahnnetz in Kontakt und es lägen auch für die Gewährung dieses Wunsches die Aussichten an maßgebender Stelle günstiger. Weilburg, 22. Aiärz. An dem hiesigen Schlosse, Eigentum des Großherzogs von Luxemburg, werden gegen« wattig sehr umfangreiche Renovationsar beiten geuiacht. Die Erneilerungskosten sind seht hoch bemessen. Seit 1866 ist bas Schloß von der Großherzoglichen Familie nicht mehr beivohnt worden. Wie man nun hört, wirb nach Fertigstellung der Reparaturen re. der Erbgroßherzog von Luxemburg für kürzere Zeit Wohnung in dem Schlosse nehmen. Es ch w ege, 22. Vlärz. Heute nachmittag entgleisten auf der Strecke Esehwege-Treysa bei der Einfahrt in die Station Waldkappel sämtliche Wagen des Personenzuges. | sJlut die Lokomotive blieb auj bem Geleise. Berilngluckl ist niemand. Ein von Malsfeld entgegengesandter Zug nahm die Passagiere zur Weiterbeförderung auf. Der Verkehr wirb durch Umsteigen aufrecht erhalten. Die Ursache der Ent- gleisiing ist noch unbekannt. * * Kleine Mitteilungen aus 5) e s se n und den R a ch b a r st a a t e n. Rittmeister a. D. Roßbach und Frau Heb- wig Roßbach, geb. Schako, das bekannte 'JJluglieö des Frank- iurter Opernhauses, zeigen die Geburt einer Tochter an. — In einer Sandhöhle am Rhein bei Oppenheim spielten mehrere Knider, wobei der 12jährige Philipp F l a t h o bei einem plötzlichen Erdrutsch verschüttet wurde. Tot wurde der Knabe aus der Erde herausgezogen. OernÄijcytes. * (Gräfin Montigno,o hi o'iefole. Die Gräfin Montignoso wird in einigen Tagen, nachdem sie seit zehn Tagen im Hotel Aurora in Fiesvie bei Florenz geweilt hat, ihre bisherige Wohnung verlassen und eine kleine von ihr gemietete Villa in der Nähe ihres jetzigen Aufenthaltes! beziehen. Ter Aufenthalt der Gräfin bei Florenz wird bis Ende Mai dauern, damit die Gräfin bestänoig in der Nähe ihrer Rechtsbeistunde weilen kann. Die Apanage, die ihr seit dem 1. März entzogen ist, ist auch bisher aus- geblieben. Wiederholt beirüfiigte Gräfin Montignoso, daß alle Anschuldigungen gegen den Grafen Guieciardini Verleumdungen seien. Sie schildert ihn als einen durchaus ehrenwerten Mann, der sich stets mit größter Energie der tvehrlosen Frau annahm. Aus durchaus ehrenvollen Motiven habe er die Gräfin mit Rat uno Tat unterstützt. Sie^ habe kein anderes Gefühl als das der Dankbarkeit gegen ihn. In einem Privatbriefe heißt es wörtlich: „Ich bin mit einer Begeisterung hier (in Dresden) ausgenommen worden, die mich mit heißer Sehnsucht an die Jetten erinnert, als ich noch in meinem unvergeßlichen, geliebten Sachsen weilen durfte." — Aus die Sicherheit der Gräfin ist man in Fiesoie sehr bedacht. Carabinieri patrouillieren' unausgesetzt nachts um ihr Haus. Am Tage bewachen die Villa zwei Geheimpolizisten, die die Grafm auch auj ihren Ausflügen und Spaziergängen begleiten. * Ueber die Kesse 1 exp 1 o s io n in Brockton in Amerika, bei welcher über 100 Menschen ums Leben kamen, wird des näheren berichtet: In dem Gebäude arbeiteten über 400 Leute, darunter auch Frauen und Kinder. Tas Gebäude, in dem die Explosion stattfand, spaltete sich und die Fußböden stürzten mit den schweren Maschinen und eisernen Träger auf die Arbeiter, die sie zwischen den Trümmern festhielten. Um das Unglück voll zu machen, brach auch noch Feuer aus, sodaß die Rettungsarbeiten nur mit größter Schwierigkeit vor sich gehen konnten. Die unglüalichen Leute, die nicht durch fallende Steine oder Maschinenteile erschlagen worden waren, verbrannten, da sie nicht imstande waren, sich aus den Trümmern zu befreien. Das Feuer dehnte sich auch auf andere> Gebäude aus, aber ohne dort Menschenleben zu fordern. Bei den Rettungsarbeiten wurden Wunder an Tapferkeit verrichtet. Vor allen Dingen zeichnete sich, so schreibt das Bureau Reuter, ein katholischer Priester, Pater Rourke, aus. Ter tapfere Mann verschaffte sich eine Leiter und rettete allein acht Frauen aus den brennenden Ruinen. Als er die neunte Fran aus dem Fenster ziehen wollte, schlugen die Flammen heraus, sodaß er einen Augenblick lang feinen Halt verlor, und die Unglückliche fiel m die Flammen zurück. Mit gleichem Mute rettete ein Polizist mehrere Mädchen, mußte aber drei Mädchen verbrennen sehen, ohne ihnen Hilfe leisten zu können. Heldenmütige Selbstaufopferung legte ein Arbeiter an den Tag, um ein Mädchen zu retten. Er wurde mit diesem zusammen durch die Trümmer festgehalten, erkannte jedoch, daß bei gemeinsamer Anstrengung wenigstens einem von ihnen die Rettung möglich sein werde. Tie beiden hoben darauf gemeinsam die Trümmermasjen so weit, daß der Mann das Mädchen hindurchdrücken konnte. Tie Trümmer fielen darauf aus öen braven Mann zurück und hielten ihn fest, bis er zu Asche verbrannt war. Ta bisher von den 400 Angestellten, die in dem zerstörten Gebäude arbeiteten, nur 250 gerettet wurden, fürchtet man, daß die Verluste an Menschenleben mehr als 100 betragen werden. In vielen Fällen sand die Retlungsmanuschaft nur noch halbverbrannte Knochen. Ter explodierte Kessel wurde durch die Geivalt der Explosion durch ein anheres Gebäude geschleudert und zerschmetterte ein 100 Fuß von der Explosivnsstelle entfernt liegendes Wohnhaus. Grobe Fahrlässigkeit scheint die Ursache der Explosion gewesen zu sefn. Man verwendete (wie dem Bureau Reuter telegraphiert wird) statt eines neuen Kessels, der nicht funktionieren wollte, einen alten Kessel, der seit Monaten ausrangiert worden war. Tev verantwortliche Maschinist, David Rockwell, Würbe schwer verwundet verhaftet und ins Hospital überführt, wo er bald darauf starb. Das Suchen nach Verunglückten ward durch die enorme Hitze der Trümmer sehr erschwert. Tie gefundenen Knochen werden in Kisten in die Leichenhalle überführt. In den meisten Fallen blieben nicht einmal so viel Kleider fetzen übrig, daß sich feststellen ließ, ob man c5 mit den Ueb^rasten einer, männiiüjen oder weiblichen ^eijon zu tun hatte.. - - - ~ * Z>er Krie». In Rußland betrachtet man den Entschluß Kuropat- °kins, unter seinem b'sherrgen Untergebenen zu dienen, als einen Beweis von ganz besonderer Charakterstärke, und es mag wohl sein, daß der geschlagene Feldherr von dem Wunsche beseelt ist, durch Leistungen an untergeordneter Stelle wenigstens zum Teil das wieder gut zu machen, was er als Oberseldherr versehen hat. Aber ob das Zusammenwirken Linewitschs mit' seinem früheren Vorgesetzten sich ersprießlich gestalten wird, ist zweifelhaft. Aus Guntschuling meldet Reuter: Kuropatkin war, da er glaubte, daß die Armee außer Gefahr ist, am 19. März nach Charbin gegangen. Aber da beschlossen wurde, daß er Kommandierender der ersten Armee bleiben solle, kehrte er zurück. Es wurden ihm große Ovationen dargebracht. Kuropatkin hielt eine kurze Ansprache, in der er die Hoffnung ausdrückte, daß die Armee bald imstande sein werde, die erlittenen Schicksalsschläge wieder gut zu machen. Rach vier Tagen Rübe in Tieling wurde das russische Heer wieder geordnet und setzte seinen Marsch regelrecht fort. Der japanischen Verfolgung fehlt es an Kraft und Eifer. T ' Aus Sypingai drahtet die Peters. Telegr.-Ag.: Kein ausländischer Militärattachee ist während des Rückzuges von Mulden in japanische Gefangenschaft geraten. Sie befinden sich alle in Gunjuling. Die er ft e Armee fyat kein Geschütz und keine Stellung verloren, dagegen sieben japanische Re- volverkanonen erbeutet und 400 Gefangene gemacht. Die Soldaten sind erbittert über den ständigen Rückzug und bedauern, auf Befehl Stellungen aufgeben zu müssen, welche die Japaner nicht nehmen'konnten. Ter Rückzug geschieht auf parallelen und früher durch die russischen Truppen vorbereiteten Bergstraßen in voller Ordnung. Reuter meldet aus Tokio, oie russische Nachhut /tehe 20 Meilen nördlich von Kaijuan. Die japanische Vorhut war ihr am 21. d. M. dicht auf den Fersen.. Die Russen ziehen sich auf drei Hauptstraßen nach Kirin und Tschangtschun zurück. Linewitsch meldet unter dem 21. März: Gestern erschienen vor unseren Vorposten kleine feindliche Kavallerieabteilungen, hinter denen Infanterie vorrückte. Letztere machte bei dem Dorfe Machantai Hält. Aus Charbin wird aus privater Quelle berichtet, daß starke Chungusen -Abteilungen, welche von japanischen Offizieren befehligt werden, gegenwärtig an der mongolischen Grenze in der Nähe von Zizikar, einem Punkte der sibirischen Eisenbalm, operieren.^ Man befurchtet, daß die Eisenbahnlinie durch die Banden zerstört werden könnte, wodurch der russischen Heeresleitung die größten Schwierigkeiten erwachsen würden. In Charbin herrscht bereits, wie es heißt, Hungersnot, da die Vorräte an Mehl und Weizen völlig^ aufgebraucht sind. Der größte Teil von Vorräten dieser Art, ist bereits vor Lwei Monaten nach Mukden transportiert worden. Alle Tage liegen andere Meldungen über eine, bevorstehende japanische Ausländsanleihe vor. Am Dienstag abend wurde noch aus Hamburg gemeldet, daß eine deutsche Beteiligung überhaupt fraglich geworden sei, und am Tage darauf wieder berichtet, daß eine internationale 5 proz. Anleihe als wahrscheinlich bezeichnet und daß das asiatische Syndikat deutscherseits an der Transaktion teilnehme. Aus diesem Syndikat sind die Mitglieder des Rufscnkonsortiums, also die Firmen Mendelssohn, Warschauer und Vleichrödcr, ferner die Diskonto-Gesell- schaft und die Handels-Gesellschaft ausgetreten. Andere Firmen dagegen hsnzugetretei^ Wir glauben an dw Sache nicht eher, als bis die Meldung kommt, daß die Anleih' bestimmt abgeschlossen ist und dann werden wir nicht verfehlen, unser Bedauern auszusprechen, daß deutsches Geld nach Japan ^-nrmt. Wir standen auch der letzten Russenanleihe nicht freundlich gegenüber. Der lebhafteste Verkehr in japanischen Anleihen ist am Londoner Markt. Es dürfte dah»r wohl interessieren, einen Blick auf die Kursbewegung zu .werfen. Es notierten: ult. Januar ult. Febr. 15. März 5 pCt. Japaner von 1895 96 99.25 100.75 100.75 4 „ „ , 1899 85.50 88.— 87.25 5 , „ „ 1901/02 100.50 98 38 97.75 6 „ „ v 1904 104 — 105.25 105.25 6 „ „ neueste 101.75 102.75 101.25 Ein Brief des Tokioer Berichterstatters der „Times führt unter Angabe vieler japanischer Preßstimmen aus, daß Japan nicht nur entschlossen sei, das englisch-japia- Nische Bündnis fortzusetzen, sondern daß von einflußreicher Seite dort die Erweiterung dieses Verhältnisses zu einer unbedingten Offensiv- und T e f e n s i v - Alli a nz nach dem Muster des russisch-französischen Bündnisses gewünscht werde. Tie „Times" bespricht diesen Gedanken, der allerdings noch der Erwägung bedürfe, sehr sympathisch. Japan gedenkt, aus den Legationen in Paris, Berlin und London Botschaften zu machen. Vom englischen Kabinett liegt, wie es heißt, schon die Einwilligung zur richtung einer britCckwn BvUcball in Tokio vor. ^eut'ches Neich. Berlin, 22. März. Der Kaiser verlieh der Kaiserin die Insignien des Johanniterordens für Souveräne. — Anläßlich des Heimgangs des Staatsininisters Freiherr v. Hämmerst ein sind seiner Familie Beileidskundgebungen in großer Fülle zugegangen. An der Spitze steht folgendes Telegramm des Kaisers an den ältesten Cohn, den Oberleutnant Frbr. v. Hammerstein: „Tief bewegt durch Ihre soeben erhaltene Meldung von dem Ableben Ihres Herrn Paters spreche ich Ihnen und den Ihrigen meine wärmste Teilnahme aus. Ich vertiere in dem Entschlafenen einen treu bewährten Berater, der allzu früh aus seiner ersprießlichen Tätigkeit abberuwn wnrde und der dem Vaterlande große Tienste zu leisten berufen war. Gott tröste Sie und die Ihrigen. Wilhelm R." — Der frühere sozialdemokr. Abg. Antrick, der wegen /iner „Eheirrung" sein Stadtverordnetenmandat nieder- legen sollte, hat seit dem 5. Januar auf unbestimmte Zeit Urlaub angemeldet und befindet sich, wie der „Vorwärts" mitteilt, seit mehreren Wochgn in einer Nervenheilanstalt. Kiel, 22. März. Der Provinziallandtag der Provinz Schleswig-Holstein beschloß, dem Kronprinzen und seiner Brallt zur Vermählung ein H o ch z e i t s g e s ch e n k zu widmen. Zum bleibenden Gedächtnis an die im nächsten Jahre stattfindende Feier der silbernen Hochzeit des Kaiserpaares bewilligte der Provinziallandlag außerdem 10 0 0 0 0 Piark zur Errichtung einer Stiftung zur Versorgung aus Kündigung und ohne Pensionsberechtigung von in Provinzialdiensten stehenden Personen uni) deren Hinterbliebenen. Cuxhaven, 22. März. Der Kaiser ist nut dem Prinzen Heinrich um 91/* Uhr aus dem Hafenbahnhof ein- getrofsen. Ter Kai'er begab sich sofort zu dem am Stern- ko pf liegenden Paketfahrtdampfer „Hamburg". Das Wetter war tagsüber prachtvoll. Es weht eine lebhafte Brise. Essen (Ruhr), 22. März. Hier verlautet, daß als Folge des Bergarbeiterausstandes ein Königliches Polizeipräsidium nach Essen käme. Es bestehe die Absicht, für den rheinisch-westfälischen Jndustriebezirk die städtische Polizei zu verstaatlichen, nach dem Muster anderer großer Städte. Stuttgart, 22. März. Der König hat dem Grafen Posadowsky das Großkreuz des Kronenordens verliehen. — Auf den früheren Beschluß der Abgeordnetenkammer zu Gunsten der Schaffung einer korporativen Arbeiter- Vertretung hat die Regierung den Ständen nunmehr eine Antwort dahin übermittelt, daß die Regelung des Gegenstandes in naher Zeit durch das Reich in Aussicht zu nehmen ist. Tie kommende Tabakernte auf Kuba. lieber die Aussichten für die kommende Tabakernte entnehmen wir einem Berichte des Habanahauses Max Oettinger in Basel: „Ein abschließendes Urteil über den Ausfall der diesjährigen Tabakernte kann natürlich noch nicht gegeben werden, da noch viele Zufälligkeiten eintreten können; nach den bis jetzt eingetroffenen Berichten vom Lande, und nach eigener Besichtigung an Ort und Stelle kann aber das Urteil wie folgt zusammengestellt werden: „In den Tiefland-Distrikten der Vuelta Abajo konnten die Auspflanzungen frühzeitig bei günstiger Witterung erfolgen, und da Setzlinge reichlich zu normalen Preisen vorhanden, waren, wurde ein bei weitem größeres Terrain angepflanzt als im Vorjahre. Manche Pflanzer haben größere oder kleinere Teile ihrer Ländereien unter Zelten angepflanzt, um diese Art der Zucht auszuprobieren. Die Mehrzahl der Pflanzer aber hat ihre Felder durch Gazetuch eingefriedigt, d. h. große Felder durch Gazetuch in kleinere Parzellen eingeteilt, um so die Kraft des Windes abzufchwächen, unter der die Pflanzen sonst schwer zu leiden hatten. Dieses Verfahren hat anscheinend ein ,gutes. Resultat ergeben, indem man in diesem Jahre verhältnismäßig wenig zerrissene Blätter sieht, und verspricht auch das Ergebnis an Decken größer zu werden, als in früheren Jahren. Der Tabak konnte sich auf den Feldern bei guter Witterung rasch, entwickeln und ist heute bereits der größte Teil der Ernte in den Tiefland-Tistrikten geschnitten. Tas Schneiden des Tabaks selbst hat sich von Ende Dezember bis Anfangs Februar ausgedehnt, und war es nur wenigen Pflanzern möglich, die ganze Ernte bereits im Monat Januar einzubringen. Die Folge davon ist, daß der „Temprano"-Teil der Ernte, von dem man die besten Deckerklassen erwartet, nur in einigen Gegenden groß ausgefallen ist, während in anderen Gegenden ein weniger günstiges Resultat erzielt wurde. Indem nun Mitte und Ende Januar sporadisch weitere Niederschläge erfolgten, so dürfte auch der letzte Schnitt einen guten Teil Tabake ergeben, obgleich man einen guten Prozentsatz Decken aus diesem letzteren Schnitt nicht erwartet. Im allgemeinen verspricht das Gesamtergebnis der Tiefland-Distrikte der Vuelta Abajo sich günstig zu gestalten, doch IDerben aus oben angeführten Gründen Helle, früh verarbeitungsfähige. Decken auch dieses Jahr in nur geringem Maße vorhmtden sein. Im Gegensatz zum Tieflande hatten die Hochländer der Vuelta Abajo mit recht ungünstiger Witterung zu kämpfen. Die ersten Auspflanzungen hatten unter starken Niederschlägen zu leiden, so daß in einigen Gegenden eine zweite Anpflanzung von Setzlingen erfolgen mußte. Im Monat Dez-mber wurde das Wachstum der Pflanzen durch eintretende Kälte stark beeinträchtigt, so daß die Pflanzen im Wachstum zurückblieben, und der Schnitt erst jetzt vorgenommen werden kann. Das Ergebnis der Ernte in den Hochland- Distrikten wird aller Wahrscheinlichkeit nach nicht groß sein, und wird auch das Resultat an Decken kleiner sein, als im Vorjahre. In den Partido-Distrikten sind die Auspflanzungen etwas später erfolgt, doch wurde das Wachstum der Pflanzen durch gute Witterung begünstigt. Der Tabak ist in diesen Distrikten bereits zum größten Teil geschnitten und in den Trockenhäusern untergebracht worden. Man hofft hier auf eine normale Ernte mit einem guten Prozentsatz heller Decken." Kunst und ZSislenfchaft. — Aus Frankfurt«. M., wird geschrieben: Nach mannigfachen Verzögerungen kam das Gastspiel des Baritonisten Carl Leydström von Stockholm im hiesigen Opernhaus zustande. Ob der noch jugendliche Künstler ein vollgiltiger Ersatz für Dr. Pröll werden wird, der unsere Bühne verlassen wird, diese Frage möchten wir nach seinem Wotan offen lassen. Leydström bringt ein in den Mittellagen klangvolles Organ, Intelligenz und Empfindung mit. Doch schien die Stimme in der Höhe und den dramatischen Accenten den Anforderungen unseres Hauses keineswegs gewachsen; ebenso wird sich der Sänger mannigfache Un- maniercn in der Vortragsart abgewöhnen müssen, wobei man allerdings fein Ausländertum zu berücksichtigen hat. Tonschön kam der Abschied Wotans zur Wiedergabe, das Beste in der Leistung des Gastes, dem unser Publikum im übrigen eine sehr freundliche Aufnahme zuteil werden ließ. — Die Stuttgarter „Morgenpost" veröffentlicht folgende Erklärung: „Die Intendanz des Hoftheaters hat gegen mein Wissen die Erstaufführung meiner „M a r i a Friedhammer" in das Wilhelma-Theater verwiesen. Da ich mein von nahezu zwanzig größeren Bühnen aufgeführtes bezw. erworbenes Drama gerade in meiner Vaterstadt nicht als Premiere einer Nebenbühne gespielt sehen wollte, war ick> gezwungen, mein Stück zurückzuziehen. Heinrich L i'l i e n f e in." — In Ostende beabsichtigt man eine Bühne nachBay - r e u t h e r Muster zu gründen. Es beißt, das; das erforderliche Kapital 10, Millionen Frank betragen soll, von benen 700 000 Frank zusanuneng'ebracbt finb. Die Baupläne sind bereits fertig. An der Spitze dieses Unternehmens steht der berühmte Tenor Van Dyck. Mniockstläls-Nachrlchtin. — Seinen 70. Geburtstag begeht am 25. d-s. der bekannte Nationalökonom Geh. Regierungsrat Prof. Dr. jur. et ph.il. Adolf Wagner in Berlin. Als Sohn des Göttinger Physiologen Rudolf Wagner, des Bekämpfers des krassen naturwissenschaftlichen Materialismus usw.. 1835 in Erlangen geboren, erhielt Wagner seine Ausbildung in Göttingen und Heidelberg und promovierte 1857 an der Georgia-Augusta zum Dr. Phil. Ein Jahr später folgte er einer Berufung als Professor an die neu begründete Handelsakademie in Wien, 1863 in derselben Eigenschaft an die kaufmännische Fortbildungsanstalt in Hamburg. 1865 wurde er Professor an der damals noch völlig deutschen Universität in Dorpat und 1868 Ordinarius in Freiburg i. Br. Seit 1870 lehrt er in Berlin. Gleichzeitig wurde er Mitglied des Kgl. preuß. Statistischen Bureaus. In den Jahren bis zu seiner Berufung nach Berlin war cs in raster Linie dos Kredit-, Bank- und Währungswesen, dem er feine Aufmerksamkeit zuwandte. In Freiburg kam in den Jahren 1870 bis 1873 das Werk ,,Tas System der deutsch ’n Z ! • bau' '' . s ' gebung" heraus. Ein Ergebnis von Wagners statistischen Studien war in Hamburg 1864 die Schrift „Tie Gesetzmäßigkeit in den scheinbar willkürlichen Handlungen, besonders Selbem ud ti'ii'k". In den breiten Kreisen des deutschen Volkes wurde 1870 der Name Adolf Wagner allgemeiner bekannt, als er mit als erster gleich am Beginn des deutsch-französischen Krieges in einer Broschüre die unbedingte Notwendigkeit der Annexion — Ncauncxwn, wie er es nennt — Elsaß-Lothringens nack'wies. In seiner saechoiss.-nsst afllicki-schrist- stellerischen Tätigkeit ist seit ferner Niederlassung in Berlin eine zweite Periode in Wagners Wirken zu unterscheiden: die der großen zusammensassenden, systematischen Arbeit in seinem Buch. Seine Werke: „Grundlegung der politischen Oekouomie" und „Finanzwissenschaft" kann man wohl als Wagners hauptsächlichste wissenschaftliche Lebensarbeit betrachten. Wagner ist u. a. Ehrendoktor der Rechte der Universitäten Dublin uub Czernowitz. München, 22. März. Die technische Hochschule verlieh dem Architekten Prosessor Gabriel v. Seidl die Würde-eines Ehrendoktors der technischen Wissenschaften. Heidelberg, 19. März. Der hiesige Vrost Dr. Julius H a t s ch e k erhielt einen Ruf als Professor des Staatsrechts an. die Akademie in Posen und wird dem Stufe Folge leisten. — Der außerordentliche Professor an der Universität Leipzig, Dr. Rudolf Fick wurde zum ordentlichen Professor der Anatomie an der dentschen Universität Prag ernannt. — In Pest demonstrieren die katholilchen Studenten unh verlangen die Wiederanbrinqnng eines Kreuzes im Hörsaal unbi Errichtung eines Lehrstuhles für katbolifcbe Vbilofoobie. (StridjtsiaaL th. Gießen, 23. März. Gestern verhandelte das Kriegsgericht in der alten Kaserne in zwei Fällen. Der Gerichtshof bestand ans Kriegsgerichtsrat Koch, Verbandlungsleiter, Major Heuer, Vorsitzender, Hauptmann Locrbroks, Oberleutnant v. Peus I. und Oberleutnant Seb old, Beisitzer. Die Anklagen vertrat Kriegsgerichts-rat O b e n a u e r. Verhandelt wurde gegen den Unteroffizier Sch. von der 7. Komp. 116. Jnf.-Regts. wegen Bestechung und Vergehens aus § 102 und 116 des Mil.--Str.-G., weil, er cs unternommen hat, Mißvergnügen in Beziehung aus den Dienst unter seinm Kameraden zu erregen und durch Mißbrauch seiner dienstlichen Stellung Untergebene zur Begehung einer mit Strafe bedrohten Handlung zu bestimmen. Der Tatbestand war der folgende: Sch. hatte mit seinen Leuten, welche von allen Zügen der Kompagnie am schlechtesten sch offen, Dienst auf dem SÄießstcmd. , Kurz bevor dessen Zug an die Reihe kam, zu schießen, passierte etwas an, der Scheibe, und Sch. wurde vom Feldwebel beauftragt, dies wieder in Ordnung zu bringen. Hierbei soll er den Soldaten, welche auf dem Sch eiben stand die getroffenen Ringe anzuzeigen hatten, gesagt haben: „Leute, bald kommt mein Zug dran, wenn die gut schießen, gebe ich euch einige Flaschen Bier, darum zeigt gut an." Sch. hat tatsächlich später 1 Mark für Bier gespendet. Die Zmgen können jedoch nicht sagen, ob der Unteroffizier verlangt hat, sie sollten mehr Ringe anzeigen, als tatsächlich getroffen wurden, sie versichern auch, richtig , angezeigt zu haben. Das schwere Vergehen des Sch. bestand in , den nachstehenden Vorgängern Er l>atte seinem Hauptmann einen Rekruten zur Bestrafung gemeldet, der über Z.ipfenftreich aus der Kaserne geblieben war. Dieser hatte den Mamr statt mit einer Arreststrase damit bestraft, daß er dem jungen Soldaten auf einige Zeit den Ausgang aus der Kaserne verbot. Der Angeklagte war über die Milde seines Kvmpagnie-Chefs ärgerlich und unterwarf in zwei Fällen dessen Handlungsweise einer tadelnden Kritik. Er bemerkte dabei vor versammelter Mannschaft, Urlaubsüberschrcitung würde nicht mehr bestraft; die alten Leute seien gar keine Kerle, wenn sie sich nicht zusammentäten und gemeinsam Über den Zapfenstreich blieben; und wenn sie deswegen bestraft werden sollten, könnten sie sich darauf berufen, daß der Hauptmann einen Kameraden wegen derselben Sache unbestraft gelassen habe. D.r Hauptmann habe sich was schönes cingcbrockt und könne nächstens seine Lanze an die Wand hängen. Ter Gerichtshof hielt nach Lage der Beweise eine Bestechung für nicht erwiesen, verurteilte aber den Angeklagten wegen, feiner Verfehlung gegen feinen Kompagnie - Chef zu einer sechsmonatigen Gefängnisstrafe und Llusstoßung aus dem Unteroffiziersstand. — Ter weitere Fall richtete sich gegen bew Musketier P. von der 3. Komp, bes 116. Jnf.-Regts. Dieser, ein im Zivilleben schon mehrfach, darunter wiederholt wegen Diebstahls vorbestrafter Menfch, hatte sich der Unterschlagung schuldig gemacht, hatte sich unerlaubt von feiner Garnison Butzbach entfernt und war im Februar in Gießen aufgegriffen worden. Das Kriegsgericht erkannte gegen den Angeklagten auf vier Monate Gefängnis und Versetzung in die zweite Klasse des Soldatenktandes. Kirche unb Kchvle. Berlin, 22. März. Wie man dem B. T. aus theologischen Kreisen febreibt, hat der evangelische Oberkirchenrat in der Angelegenheit des Pastors D. Fischer von der Marlllskirche nunmehr die Entscheidung gefällt, dre zu Gunsten d esD.Fischer ausgefallen ist._____________' Arbeiterbewegung. Bochum, 22. März. Die „Bergarbeiter-Ztg/ enthält einen nack den Erfahrungen des Ausstandes ausgearbelteten Statuten- entwurf für den alten (sozialdemokratischen) Verband. Besonders bemerkenswert ist die Neuregelung und wesentliche Erhöhung der Beiträge, die der Entwurf vorsieht. Der Beitrag soll sich nach dem im Revier verdienten Durchschnittslohlr richten. Ter neue Entwurf sieht ferner für wichtige Angelegenheiten eine Urabstimmung vor und ermächtigt den Vorstand, bei besonderen Veranlassungen Extrabeiträge zu erheben. Weiter bringt der Entwurf auch eine Neuregelung be§ Unter- st üzu n gs w e s e n s und eine neue Bezirkseinteilurg. * Kleine Tageschrouik. In Nau mb u r g starb ein Geschwistervaar eines plötzlichen Todes. Die mit ihrem Bruder, bem Arzte Dr. Neibig zusainmenlebenbe Dame verschluckte sich beim Abendessen so, daß ihr der Bissen in die Lmtröhre geriet und fi.c erstickte Ihr Bruder regte sich über diesen Unglücksfall so auf, daß er einen Herzschlag erlitt und gleichmlls tot war. Handel und Verkehr. Uolksmirlschafl. Märkte. th. Gießen, 22. März. Auf dem heutigen Gangviehmarkt war ein Vorrat von 120 S^ück Ochsen in durchschnittlich sehr guter Qualität aufgefahren. Zahlreiche Käufer waren aus dem benachbarten Preußen zu uns gekommen, so daß der Vorrat für den Bedarf nicht hinreichtc und nur zu hohen Preisen Tiere zu haben waren. Gehandelt wurden Ochsen pro Paar 1. Qual. 850—900 Mk., 2. Qual. 750—800 Mk., 3. Qual. 650 bis 700 Mark, junge zweijährige Fahrstiere 600—660 Mark. Das Geschäft in Sckiweinen war weniger belebt. Die Preise für die Tiere waren höher als bei den letzten Markten. Ueberaus flau war der Absatz in Ferkeln, wogegen Einlegschweine begehrter waren. Es wurden verkauft jüngere Ferkel zu 32—40 Mark, kräftigere Ferkel 45—55 Mk., Springer 60—70 Mk., Einleg- schweine 85—125 Mk. pro Paar. Ferkel blieben stark überständig. Nächster Markt: 4. und 5. April; am zweiten Tage. auch Krämermarkt._______ Briefkasten der Uedaktian. B. Nach § 13 der Grundsätze für die Be^echmg der Subaltern»- und Unterbeamtenstellcn bei den Reichs- und Staatsbehörden mit Dlilitäranwärtern vom 7 21. Mär, 1882 (Reichszentralblatt S. 123) sind die Mllitäranwärter um Bewerbung zu den von ihnen begehrten Stellen iniolangc berechtigt, bis sie eine etats mäßige Stelle erlangt und anactretcn haben, -mit welcher Anspruch oder Slussicht auf Ruhegehalt oder dauernde Unterstützung verblmden i-‘r. — Hieraus ergibt sich, daß auch in den fragt. Fällen, wenn em Militäranwärtcr bereits eine Prüfung als Hilfsgerichtsschreiber abgelegt hat, aber noch nicht etatsmäßig angestellt ist, zur Be- werbmrg auch um eine Stelle bei der höheren Militärgerichtsbarkeit berechtigt ist und, da bei der letzteren Behörde eine vorhergehende in ormatorische Beschäftigung verlangt ivird, hierzu auch zugelassen iverden kann. Ob em Äiilltäranwärter, der sich noch int gkkiveu Militärdienst befindet, zu mebreien Behörden zum Vorbereitungsdienst fonimauDtevt werden kann, entscheidet von Fall zu Fall tue Militärbehörde. Jedenfalls ist die Zulassung zum Vorbereititngsdieilst bei m ebnere n Behörden angängig. -Hintlidie Nachrichten über Viehseuchen. Unter dem Schweinebestand des I. Franck zu Ockershausen, Kreis Marbttrg, ist ein Schwein an Rotlauf- seuche gefallen. Es ist Gehöftssperre angeordnet. Telephon No. 35 H. Schaffstaedt Schanzenstrasse Haus-Entwässerungen Uebernahme der Gesamtanlagen einschliesslich sämtlicher zugehörigen Erd- und Maurerarbeiten Anfertigung der Konzessionspläne und Einholung der behördlichen Genehmigung Projekte und Kostenanschläge sowie Ingenieurbesuche zu Diensten v ;v" v. s 1 ■ Du verkaufen Pfuhlfässer neuester Konstrnttion, sehr trocken, Lärchenholz, stehen zu verk. 01630 Jakob Kröck, Klifcr Heuchelheim, Bachstraße 23. Zwei Mtt mit LäSeii in vorzüglicher Geschäftslage sind preiswert rmd unter günstigen Bedingungen zu verkaufen. Offerten unter Nr. 01634 an die Exped. d§. Bl.______________ Lchöner Papagei mit Wg zu verkaufen. Zu erfragen unt 1530 in der Exped. d. 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