Erstes Matt. Dienstag 27. JunilSVS Gchttiftratz« 7. Vdrefle für Depeschen: Nuzeiger Gieße». Frrnsprechanschluß Nr. dl. LSö. Jahrgang Gietzener Anzeiger General-Anzeiger ” ** Amts- und Anzeigeblatt filr den Kreis Gießen Nr. 148 außer Gmmtag*. Dem Gietzener Nnzeiger werden im Wechsel mit dem SeMschen Landwirt die Gießener Kamilirn» KiMer viermal In der Woche beigelegt. Rotationsdruck u. Verlag der Vrühl'fchen UatV«ch-Bnch-n.Vtetn- fctudmL Ä. Sana«. monatlich7bM^viett^ iäbrlich Mk. 8JTO; durch Aohole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.: durch diePost Mk. 3.—viertel- jahrl. auSschl. Bestellg. ^nnaf|me van Anzeigen ir dre Tc rSv'Unnrer 'S oo-nnütaq« J1 tJit. Zc''enmteiS: tqtii"X2^w ai'swärtS ?j*j. B«rantwor.U'ch jüt den peilt und U'.ö.t Dell: P. Wtttko: für .Stadt und Canb* und »GerichtSiaal*: August Goetz: lüt den Anzeigenteil: HanS Beck- Aie dmttge Kummer vmfaßt 10 Seitm. Aer Krieg. Rußlands Truppenmacht. Der Londoner „Daily Telegraph* meldet aus Tokio, General Linewitsch habe, als er das Kommando der Mandschurei-Armee übernahm, 171000 Mann gehabt. Seitdem habe er 135 000 Mann Verstärkungen erhalten, sodaß er augenblicklich über 8 0 6 000 Mann und 900 Geschütze verfügt. „Echo de Paris" meldet aus Tokio: Den letzten Nachrichten zufolge belaufen sich die gesummten Streitkräfte der Armee vor Wladiwostok auf ca. drei Armeekorps. Täglich treffen etwa tausend Mann aus Rußland ein. England und Rußland. Singapore, 26. Juni. Nördlich von Hongkong wurde der einer englischen Gesellschaft gehörige Dampfer Dntone von einem russischen Hilfskreuzer in den Grund gebohrt. London, 26. Juni. (Unterhaus.) Mac .Arthur richtet eine Anfrage an die Regierung in der Angelegenheit der Beschlagnahme und des Versenkens englischer Schiffe durch russische Kreuzer. Gibson Bowles fragt gleichfalls, was im Falle des „Knight Commander" geschehen sei. Balfour erwidert, er hege keinen Zweifel, daß Genugtuung gegeben würde. Er sei froh, bezüglich der Frage Mac Arthurs im stände zu sein, dem Hause mitzu- teilen, daß England die besten Gründe habe, zu glauben, daß die russische Regierung das Vorgehen des Kreuzers mißbillige und daß sie an den Dniepr nach Dschibuti Befehle gesandt habe, welche die Wiederholung solcher Verletzungen des Völkerrechtes unmöglich machen. Die Friedenssrage. Washington, 26. Juni. (Reuter.) Rußland wie Japan haben dem Präsidenten Roosevelt mitgeteilt, daß ihre Bevollmächtigten im ersten Drittel des Monats August in den Vereinigten Staaten zusammentreffen werden. Rofchdjestwenski der Reuige. „Daily Telegraph" meldet aus Tokio: Admiral Roschd- (eswensky telegraphierte folgendes: Seitdem ich die Nachricht von der Uebergabe des „Orel", „Nikolaus I.", „Admiral Sjipagin" und des „Admiral Apraxin" erfahren habe, ist meine Ruhe vollständig dahin. Ich betrachte mich als allein verantwortlich. Die Offiziere der vier genannten Schiffe erklären sich bereit, in Japan zu bleiben. Ich erwarte vom Zaren neue Befehle. Die Feier für die Gefallenen in Tokio. Eine ergreifende Feier haben die Japaner in Tokio zur Erinnerung an ihre Gefallenen veranstaltet. Der Frühling tjr für die Hauptstadt des Mikado imtner eine Festzeit; aus allen Teilen des Landes strömen die Leute herbei, um ihre Herrlichkeiten zu bewundern. Diesmal aber gab es für den Strom der Pilger einen anderen Anlaß, in die Stadt zu kommen; Männer, Frauen und Kinder wallfahrteten zur Shokonsha-Kapelle, unt die Seelen derer zu verehren, die im Felde ihr Leben für das Vaterland gelassen haben. Die Gedenkfeier war vom KriegsMiNistermm angeordnet worden. Auch das Kaiserpaar wollte ihr beiwohnen, mußte aber absagen, da der Mikado sich unpäßlich fühlte. Als erster erschien jedoch im Tempel sein Vertreter, Vicomte Taveya; er wurde von Priestern begleitet und las das Gebet des Kaisers Viele kamen in „jinrikshas", die ganze Woche lang stunden Reihen von Wagen wartend unten am Kundanhügel; aber weitaus die meisten kamen zu Fuß zum Tempel, müde vvm langen Wandern, viele mit wunden und bloßen Füßen, da Die abgetragenen Stwhsandalen unterwegs abgefayen waren. Die Kirschblüte war saft zu Ende gegangen. Nur hier imb da noch flatterten ein paar zartrosa Blütenblätter auf die Menge hernieder, m deren Stimmung sich seltsam Trauer und Fröhlichst Mischte^ Im Tempelbezirk waren von Beginn der Fe^r an die MUgA Fpner angezündet und brannten Tag und Nacht die ganze Woche hindurch. seinem Innern hat der Shokonsha nichts von dem glitzernden Tand, den andere Tempel im Lande haben,; mir ein Spiegel, ein Teppich und einige Holzstuhle sind darin. Dafür aber "birgt der Tempel daS Kästchen, m dem die Namen der Gefallenen aufbewahrt werden. Bis dahm kannte das Volk die ganze furchtbare Größe der Totenlifte noch nicht. Jetzt aber erfuhr es, daß die Namen von 28 999 Landsoldaten und 1887 Seeleuten in dieser Liste aufgezahlt waren. Der Höchste im Range war im Heere der Generalmajor Jamamoto, in der Marine Kapitän Saiti. Die Namen derer die wahrend des Krieges an Krankheiten gestorben sind, eMhalt diese Liste nicht. Dicht bei dem Tempel war eme russische Fahue ausgestellt, die bei Mulden erobert und dem Mikado vom Marschall Oyama übersandt worden war, daneben die Flagge des "Wariag , die Admiral Togo mit anderen Trophäen zusammen geschickt hatte. Nachdem das Volk den Shokonsha besucht und, den Seelen der Gefallenen gehuldigt hatte, fand es seine Vergnügungen in. einer Art Volksfest. Die verschiedensten Veranstaltungen, für die, dre GnreÄtt an der Front eine große Geldsumme beigesteuert hatten, wa^en für diesen Zweck getroffen. Man hatte Buden, zu Rrng- kämvien errichtet, Akrobaten und Taschenspieler führten ihre Künste vor man sah Panoramen von der Belagerung von Port Arthur und bunte Kriegsbilder in Guckkästen, und man ergötzte sich. an witttSrtGelautetTaten: „Wir haben unseren Lieben unsere Ehr- DKW * ^0^5 A-° batte «ten ten Gipfel dieses SW erreicht und wartete darauf, daß er den Tempel betreten durfte als der Junge fragte, wo der Vater wäre. „Dort mjame-n", sagte oer alte Mann. „Wie groß ist doch Vaters Haust Ich hxß aber hinein und ilm seherr", sagte der Knabe. Mer der Großvater hielt ihn fest. „Das HauS ist so groß, daß wir den Vater nicht finden können", sagte er, und dabei flössen ihm die Tränen über die runzligen Wangen. Wußkand in Sturm und Drang. In Lodz wurden bei den letzten Unruhen nach offiziöser Darstellung 34 3 Jutsien und 218 Christen getötet. Jins gesamt wurden 700 Personen verwundet. Die Arbeit in den Fabriken ist wieder ausgenommen worden. 15000 Personen sind ab gereist. Die Bauern bereiten sich vor, um mit Sensen in die Stadt einzudringen. Jtt der Poludniowastraße wurde saus Häusern und. von den Dächern auf die Militärpatrouillen heißer Teer gegossen. Biele Soldaten wurden dadurch getötet oder verwundet. In Ausführung eines kaiserlichen Ukas proklamierte Generalgouverneur Maximowitsch den Kriegszustand in Lodz. General Schutleworts ist zum Kommandanten von Lodz ernannt worden. Der Aufruhr in Warschau, der bisher nur vereinzelte Zusammenstöße gezeitigt hatte, beginnt sich,, nach neuesten Meldungen, za organisieren und bedeutende Dimensionen anzunehmen. Die revolutionäre Partei versieht die Arbeiter mit Waffen und Bomben aus geheimen Depots. Die Arbeiter sind in Warschau über 100 000 Mann stark und beabsichtigen, eine regierungsfeindliche Demonstration zu veranstalten. Der Schauplatz des bevorstehenden Blutbades wird wahrscheinlich die Karmelitkajastraße sein. Bereits werden in der' Karmelitkajastraße. und auch in den Arbeitervierteln Barrikaden errichtet. Die poln. Frauen wollen an der Bewegung gleichfalls teilnehmen und die Soldaten mit siedendem Pech und heißem Wasser begießen. Die Bewegung nimmt einen ernsten revolutionären Charakter an. Man befürchtet, daß mit dem Ausbruch der Unruhen in Warschau sich der Aufruhr über ganz Polen ausbreiten und eine Wiederholung der Erhebungen von 1839 und 1863 zur Folge haben wird. Die Devise heißt jetzt schon: Los von Rußland. Nach offiziöser Darstellung ist der Versuch des allgemeinen Ausstandes mißlungen, trotzdem die Stimmung erregt ist. In den Straßen Wronia und Krochmalna wurden ftmf Barrikaden durch Militär zerstört. Hierbei kamen zwei Personen um Der Betrieb in den Fabriken ist eingestellt, obwohl unter den Arbeitern Mißstimnumg über bcn' Ausstand h^Aus Czenstochau wird gemeldet, daß auf den Polizeimeister eine Bombe geworfen wurde. Hierbei wurde dieser und sieben Vorübergehende verwundet. In dem Artilleriepolygon bei Petersburg ereignete sich am Samstag eine furchtbare Explosion in der Füllabteilung, in der zwei Mann unter der Leitung eines Obersten ein dreizölliges Geschoß zu Schießversuchen mit einem neuerftmdenen Sprengstoffe stillten. Alle drei sind tot. Der Füllraum wurde zerstört. Nach neueren Nachrichten aus dem Kaukasus hat sich der Kampf zwischen den Armeniern und Tataren noch nicht abgeschwächt. Die Armenier greifen jetzt diejenigen tatarischen Dörfer an, welche sich durch ihre Graw samkeiten hervorgetan hatten. Viele Tataren ergreifen dre Flucht. Die revolutionären armenischen Komitees erließen eine Proklamation, in welchen den Tataren, die auf den Appell an die Solidarität und Brüderlichkeit durch ihre Gewalttaten und Plündereien geantwortet hatten, der Krieg bis zum Aeußersten erklärt wird. Die durch ihre Verluste erschreckten Tataren im Bezirk Erivan, die rn rhreni verschlossenen Häusern bleiben, bitten um Versöhnung Dre Armenier fordern aber dafür sichere Garantteen. General Alikhanoff, ein Muselmann, und der Bizegouverneur Ta- ranowsky, Adjunkt des Fürsten Gaützin, ftno nach Nakhitt- chevan gesandt, um die Ordnung wieder herzustellen, sie ermutigen aber durch ihre Haltung die Dttaren, was als ein neuer Beweis der antiarmenischen StellurA des Orze- könias des Kaukasus ausgefaßt wird. Ueberall bewaffnen sich die Armenier, da sie Weder der russischen Regierung, noch den Versprechungen der Tataren vertrauen. Aus Stadt Md Kand. Gießen, 27. Juni 1905. .. Personalien. Se. Kgl. Hoh. der Großherzog haben dem Forstaffefsor Dr. Schenck aus Darmstadt, z. Zt. Chef der W. K. Vanderbiltlchen Forstverwaltung in Nordamerika und Direktor der Forstakademie zu Biltmore (North. Carolina), den Charakter als .Oberförster- verliehen. - In den Ruhestand verseht wurden die BahnwSrter in der Hess.- Preuß. Eisenbahngemeinschaft Petry zu Nieder-Saulhe.m und Ku ob loch zu Albig. - Der Mtuariatsassistent be, dem Amtsgericht Bad Nauheim, Habich, wurde zum Assistenten bei der Landes-Hypothekenbank ernannt. ** Tagesordnung für b t e Sitzung der Stabtverordneten-Versammlung Donners- taa den 29. Juni 1905, nachmittags 4 Uhr: 1 Auslosung von Schuldverschreibungen des 1890er An- le'hcns 2. Desgleichen d-S 1892er AnlehenS. 3. Bau- gesuch'des Balthaser Pitz für di- Ecke d-r Li-bigsttaße und Querstraße: hier: Dispens. 4. Desgleichen des Georg Hamnwl dahier für die Große Mühlgasse; h.er: Durch, sührung der Fluchtlinie. 5. Neubau von Karl N'eolaus an der Roonstraße; hier: Beschwerde von Wagner und Noll. 6 Baugesuch des «. Scheppelmann für die Roonstraße. 7 Berkaus von Gelände an der Roonstraße; hier: Enigabc von K. Weller. 8. Verwertung des neben der E. Roth, schen Hofreite an der Marburgerstraße herziehendcn städt. Grabens. 9. Erwerb von Straßenland Gr. Mühlgasse und Westanlage. 10. Gesuch des Ad. Schmidt hier um pachtweise Überlassung eines Grundstücks an der Marburger- sttaße zwecks Sandgewinnung. 11. Kanalisation; hier: Arbeitsvergebungen. 12. Verkauf von Sand aus der Kläranlage. 13. Hauvtvoranschlag des Gr. Realgymnasiums und der Realschule für 1906. 14. Vergütung für Reinigung der durch Unterbringung einer Vorschulklasse des Gynrna- siums im israel. Gemeindehause benutzten Räume. 15. Desgleichen für Heizung, Wasser rc. 16. Errichtung einer landwirtschaftlichen Winterschule. 17. Gesuch der Garnisonverwaltung dahier um oktroifreie Einfuhr von Steinkohlen. 18. Gesuch des Vorsitzenden des Westerwaldklubs um Beitritt der Stadt als Mitglied. * • Gin Betrüger. Am 24. d. Mts. abends erschien in einem hiesigen Geschäft ein gutgekleideter fremder junger Mann und kaufte verschiedene Kleinigkeiten, dabei ein 20 Mk.- Stück in Zahlung gebend. Er verstand es hierbei, neben dem von einem Lehrling erhaltenen Gelde auch das herausgelegte 20 Mk.-Stück wieder in seine Tasche verschwinden git lassen. Sollte der Betrüger auch noch in anderen Geschäften diesen Schwindel ausgefühtt haben, so empfiehlt es sich, der Polizei Anzeige zu machen, da der Betrüger bis jetzt leider nicht genügend signalisiert werden kann. * * Der Gesangverein „Harmonie*, der älteste Verein von hier, hatte am Sonntag ein Waldfest veranstaltet, welches infolge eines Gewitterregens abgebrochen wurde. Der Verein rückte mit Musik durch die Stadt nach der Turnhalle und hielt fein Fest dort ab. Unter der Leitung des Dirigenten, Lehrer Alb ach, wurden Lieder vorgetragen; auch andere Vereine waren als Gäste vertreten. Verschiedene Lieder wurden im Gesamtchor gesimgen; der Bauer'sche Gesangverein bot einige Lieder, die gleichfalls mit großem Beifall aufgenommen wurden. Die Kinder wurden mit Bretzeln bedacht. DaS Fest schloß mit einem Tanz. * * Kurtheater Bad-Nauheim. In der Annahme, daß es auch sirr Gießener Leser von Interesse ift,; wird uns mitgeteilt, daß in der am Mittwoch, dem 28. Juni, ■ am Kurtheater in Bad-Nauheim stattfindenden Aufführung von „Monna Van na" Fräulein Charlotte Boch vom Frankfurter Schauspielhaufe gastieren wird, was aus dem Wochenprogramm nicht ersichtlich war. a. Vom Dünsberg, 26. Juni. Die Fahrpost von Rodheim nach den entfernten Orten hinter dem Dünsberg wurde in der letzten Zeit wiederholt von Unfällen bettoffen. Vor etwa 14 Tagen geriet der fahrende Land- briefttäger W. Platt im Walde „Jsselscheid" unter den Postwagen und schwebte dabei in größter Lebensgefahr, während das Pferd allein bis nach Fellingshausen davon-^ rannte, wo es eingefangen werden konnte. Am vorigen Samstag nun hat das Pferd auf der Dorfstraße zu Frankenbach bei einem ähnlichen Fall bedeutende Verletzungen davongetragen, sodaß es noch am selben Nachmittag geschlachtet werden mußte. Zum Glück wurde in beiden Fällen Die Post von Passagieren nicht benutzt. Es wäre aber wohl zu wünschen, daß die schon so lange geplante Fernsprechverbindung nach den Gemeinden am Dünsberg endlich zur Ausführung gebracht würde. g. Stockheim, 26. Juni. Ein scheußliches Ver^> brechen wurde gestern an einem zwölfjährigen Mädchen verübt. Der 41 Jahre alte Landwirt R. lockte das Kind in einen Stall und vergewaltigte es, nachdem er ihm einen Knebel in den Mund gesteckt hatte, um es am Schreien zu verhindern. Der Täter wurde noch am gleichen Tage verhaftet. -o- Ortenberg, 26. Juni. Heute früh gegen 4 Uhr brannte ein Nebengebäude der Villa Besthorn nieder^ Durch das rascheEmgreifen der Feuerwehr wurde ein weiteres Umsichgreifen des Feuers verhindert. sd. Darmstadt, 26. Juni. Der König von Sachsen empfing heute nachmittag eine Abordnung des hiesigen Sachsenvereins, beehrte die Herren mit huldvollen Ansprachen, erkundigte sich nach den Verhältnissen des Vereins und seiner Mitglieder und gab neue Anregungen. Nach dieser Audienz fuhr Se. Majestät mit Sr. Kgl. Hoh. dem Großherzog nach dem Jagdschloß Kranichstein, wo die Herrschaften den Tee einnahmen. L.L. Darmstadt, 26. Juni. Das 50jährige Di en st» jubiläum des Nestors der hessischen Lehrerschaft, Oberlehrer Karl Backes, gestaltete sich zu einer außerordentlichen, aber wohlverdienten Ehrung für den greisen Jubilar. Am Vormittag fand in der von ihm geleiteten Knabenschule in der Müllersttaße eine Schulfeier statt, zu welcher Lehrer und Schüler die besten Vorbereitungen getroffen hatten. Gesang der Kinder leitete die Feier ein, worauf einer der Schüler ein wohlgelungenes Gedicht vortrug, in welchem die versammelten Schulkameraden ihrem hochverehrten Lehrer ihre herzlichsten Glückwünsche darbringen. Dann hielt Lehrer Fölsing eine Festansprache, die mit einer sinnvollen Ovation für den Jubilar schloß. — Inzwischen versammelten sich auch im großen, prächtig dekorierten Saal des städtischen Saalbaues hunderte von Kollegen des Jubilars, sowie Vertreter der Behörden, der Oberbürgermeister, der Bürgermeister, die Beigeordneten, sowie eine große Anzahl Stadtverordnete zur Teilnahme ay der amtlichen Feier des Jubiläums. Gesang de- e ich Im Anschluß an die obigen persönlichen Ausführungen des Herrn Architekten Meyer halten wir es für angebracht, folgendes zu bemerken: Die nach der öffentlichen Ausstellung der Theaterpläne im Gieß. Anz. veröffentlichten Feuilleton-Artikel eines Fachmannes „Zur Gießener Theaterfrage^ sind hier und da angegriffen worden. Erst als sich eine öffentliche Diskussion an sie schloß, erfuhren wir, daß die Ausschlag gebende Stelle bereits zu dem Beschlüsse gekommen war, das D ü l f e r's ch e Projekt aus beftinnnten Gründen fallen zu laffen und mit Fellner u. Helmer in Verbindung zu treten mit der Aufgabe, neue Fassade nzeichnun gen zu liefern und im übrigen den angekauften Plauen zur Ausarbeitung eines neuen Jnnenprojektes das Veste zu entnehmen. Da uns diese Beschlüsse nicht bekannt gegeben wurden, so nahmen wir an, daß durch die Ausstellung der Pläne der Oeffentlichkeit Gelegenheit gegeben werden solle, ihre Meinung sich zu bilden. Die Presse hat ja wohl nach allgemeiner Auffassung die Ausgabe, alles die Oeffentlichkeit Angehende zu besprechen, und so baten wir denn einen Fachmann, in einem rein sachlichen Artikel die Pläne vom künstlerischen Standpunkte aus zu bewerten. Da jene Be- schlüffe jedoch bereits vor der öffentlichenAusstellrmq gefaßt zu sein scheinen, so hatte diese wohl nur einen rein informatorischen Charakter, was wir nicht wiffen konnten. Sonst würden wir diese Pläne nicht zum Gegenstände längerer Erörterung gemacht haben. Die Redaktion des Gieß. Anz. dem Fachkollegen mitteilen, daß nicht ich allein der unverständliche Kunstkenner des Dülfer'schcn Projektes bin, sondern einige sehr hochstehende Baukünstler, denen zufällig die beiden Arbeiten zur Kritik vorgelegen haben, im Großen und Ganzen meine Anschauungen billigten. Die moderne Richttmg ist doch nicht allein die „echte Kunst", wie der Derr Fachmann glaubt, Kunst ist nach meiner Auffassung j e d e r S t i l, wenn er nur verstanden und form gerecht so wieder gegeben wird, daß er ein einheitliches Ganze bildet. Ich verhalte mich keineswegs ablehnend gegen das Moderne und weiß auch sehr wobl die Vorzüge des künstlerisch Reuen zu schätzen und freue mich ebensosehr wie jeder Kunstliebhaber der Hebung unseres schönen Kunstberufes, aber ich suche nur das wirklich Schöne hiervon und mißbillige gesuchte Ausartungen. Oder glauben Sie, Herr Fachkollege, allein das Kunstgewissen der Zukunft spielen zu sollen? Sie haben ganz recht, wenn Sie sich mir anschließen und die Wahl nur ruhig der Kommission und der Stadlvertretung überlassen, dann wird Ihnen sicher eine lang nachwirkende Mißbilligung von feiten aller Kunstverständigen erspart bleiben. Mit Herrn Bauinspektor Becker mich an dieser Stelle auseinander zu seken, halte ich nicht für nötig, da er ja auch nicht der Artikelschreiber ist' ob er der Verfasser des Artikels in der Deutschen Bauzeitung ist oder nicht, ist für mich ebenfalls gteichgilttg. Roch sei den verehrten Herren zur Beruhigung mitgeteilt, daß ich jederzeit gewohnt bin, meine Anschauung offen zu vertreten: wenn dies unterblieben ist, so war dies die natürliche Folge der von dem Artikelschrciber beliebten anonymen Form. Auf weitere Zeitungsschreibereien werde ich mich nicht mehr cinlassen. Gießen, den 26. Juni 1905. Hansl Meyer, Architekt. Kerichlssaal. — Das Landgericht Oldenburg wies die Klage des Grafen Welsburg (vgl. den Auffatz „Die Leiden eines deutschen Fürsten" in den „Gieß. Fam.-Bl." vom letzten Freitag. D. Red.) gegen den Großherzog von Oldenburg kostenpflichtig ab. Das Gericht hat den Antrag des Grafen auf Zugehörigkeitserklärung zum gvoßherzoglichen Haus und seinen Apanageansvruch abgelehnt. Es war der Ansicht, daß das oldenburgische Hausgesetz im Falle des Grafen WelsvUrg! giltig sei. Der Graf ist bekanntlich ein Kind aus einer nicht ebenbürtigen! Ehe. Gegen das Urteil ist sofort Berufung eingelegt. Die Angelegenheit wird dem Oberlandesgericht in Oldenburg überwiesen worden. Später soll die Entscheidung des Reichsgerichts angerufen werden. Stuttgart, 26. Juni. In dem „Simplicissimus"- Vrozeß wegen Beleidigung der an dem Kölner Sittlich- keitskongreß beteiligten preußischen Geistlichen wurde heute das Urteil gefällt. Der Schriftsteller Dr. Ludwig Thoma wurde zu 6WochenGesängnis und der Redakteur Julius Linwe- kogel zu 200 Mark Geldstrafe verurteilt. ung vom 20. Juni erhalten und konnte deshalb nicht eher auf die persönlichen Ausfälle gegen mich antworten. Ich möchte mir auch große, breitspurige Auseinandersetzungen darüber, vb dres oder jenes Projekt besser ist, oder mehr oder weniger künstlerischen Wert und Reiz besitzt, ersparen, denn dies smd doch nur Anschauungen und persönliche Empfindungen, über die sich nicht streiten laßt. Wenn ich auf die Dülfer'schen Anpreisungsartikel antwortete, so hielt ich es für meine Pflicht, die Arbeit der Herren Fellner und Helmer in Schutz zu nehmen, einerlei ob diese allein die Verfasser oder ich Mitarbeiter an derselben bin. Meine Erwiderung sollte nur der einseitigen Hervorhebung der Dülfer'schen Planvorzüge gelten und nicht ein persönliches Interesse an dieser oder jener Arbeit sein. Ick habe in derselben Weise, wie der Herr Fachmann die Vorzüge des Dülfer'schen Projektes herausstrich, nur die Vorteile unseres Projektes aufgeftihrt, nicht etwa um Stimmung für dasselbe zu machen, sondern weil man es mit Absicht unterlassen hat, der Fellner und Helmer'schen Arbeit auch nur im Geringsten eine gute Seite zuzusprechen, ja sogar es nicht scheute, entgegen dem Urteil des Preisgerichtes, diese als minderwertiger hinzustcllen. Und weil ich mir getraute anderer Ansicht zu sein, spricht man mir ein weniger gutes Kunst- ver-ständnis zu. Hätte ich mich den Anschauungen des unbekannten Fachmannes angeschlossen, so würde mein beii künstlerisches Verständnis sicher in den Augen dieses Herrn sehr hoch angeschlagen worden sein. Wie sehr der Herr Fachmann bemüht ist objektiv zu urteilen, beweisen mir seine neuen Ausführungen, wonach er die Fellner und Helmer'sche Fassade als schwere Prunkfassade, welche für Gießen viel zu großsprecherisch und zu großstadtmäßig erscheint, bezeichnet und dagegen bei dem Dülfer'schen Magazingebäude (Kulissenhaus) von einer schönen, Gesamtform und feinen Gliederungen spricht. Auch die böswillige Kritik desselben über das Wiesbadener Theater, wonach die Architekten „Vorn und Hinten" verwechselt hätten, läßt zu deutlich erkennen, wie der Herr Fachmann bemüht ist, ein ungünstiges Urteil selbst über etwas zu fällen, das er nicht kennt. Die Verhältnisse dort haben eine andere Lösung nicht zugelassen und es war bedingt, daß die Hauptfront an die Rückseite verlegt werden sollte. Die geschickte künstlerische Lösung hatte den Erbauern im Wettbewerb mit anderen hervorragenden Architekten die Ausführung gesichert und nun will der nicht orientierte Fachmann diesen Künstlern die Schuld für eine Sache beimessen, wofür diese nie verantwortlich gemacht werden können. Auf weitere Ausführungen in dieser G e s ch m a ck s a ch möchte ich mich nicht einlassen, aber noch als Trost möchte ic Sport. (a.) Gießen, 26. Juni. Am letzten Sonntag! fand in Friedberg zwischen dem Fußballklub des Ghumasiums zu Friedberg und dem Fußballklub des Realgymnasiums zu Gießen ein Wettsviel statt, aus fcffn dieser mit 6:2 als Sieger bervorgiug. Handel und Kerkehr. VMsunrlschast. Schutzverband gegen die Equituble. Der Deutsche Feuerversicherungsverband hat uns den letzten Anlässen bei der Equitable sich entschlossen, eine Versammlung der Versicherten nach Berlin zu berufen zur Beratung über den Schutz der deutschen Interessen. Unter den Anwesenden waren auch vertreten: Vertreter der Deutschen Bank und der Preußischen Hypotheken-Aktienbank. Eingesandt. Mr Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Zur Gießener Theatersrage. Durch eine dienstliche Reise abwesend, habe ich erst heute Kenntnis von den verschiedenen Eingesandt aus meine ErwiderDarmstädter Lchrersängerchors eröffnete die Feier. Dann nahm als Vertreter der obersten Schulbehörde, Oberschulrat Dr. Scheuermann da§ Wort, um in längerer Rede das tatenreiche Leben des Jubilars und seine unvergänglichen Verdienste um das hessische Schulwesen im Allgemeinen und die Lehrerschaft im Besonderen zu feiern. Er schloß mit der Mitteilung, daß die großh. Regierung dem Jubilar den Rektor-Titel verliehen habe. Oberbürgermeister Morneweg gedachte besonders der hohen Verdienste des Jubilars um das Darmstädter Schulwesen, dem er seit bald 25 Jahren ununterbrochen angchört. Auch als Mitglied der 2. Kammer habe er der Förderung der Jugenderziehung und Volksbildung stets seine volle Tätigkeit, gewidmet. Als Zeichen der Dankbarkeit der Stadt überreichte der Oberbürgermeister eine prächtige goldene Uhr. Ober- konsistorialrat D. Flöring dankte dem Jubilar für seine Tätigkeit im Interesse der evang. Kirche, besonders für dessen Verdienste um den Katechismus. Weiter sprach Gymnasialdirektor Dr. Mangold tut Auftrag aller höheren Schulen die herzlichsten Glückwünsche aus, während Pfarrer Veite namens des evangelischen Kirchenvorstandes dankte. Bürgermeister Fritzel aus Ober-Eschbach,, wo Herr Backes 20 Jahre als Lehrer fungierte, gratulierte im Auftrag seiner Gemeinde, Gymnasiallehrer Lösch verlas ein Dankschreiben der Gemeinde Rödgen, der ersten Wirksamkeit des Gefeierten. Weitere Glückwünsche überbrachten noch die Herren Hebermahl namens des Frankfurter Lehrervereins, Oberlehrer Stamm-Mainz, namens des hessischen Landeslehrervereins, der auch zwei Salonbilder in prachtvollen Rahmen überreichte, während die Darmstädter Lehrerschaft und der Lehrerverein einen Mahagonischreibtisch und Stuhl zum Geschenk machten. Gymnasiallehrer Lerch gratulierte noch namens des Vereins für Volksbildung und der Gesellschaft für Volksbildung in Berlin, Oberlehrer Kaslick namens der Ludwig- und Alicestiftung, die 500 Mk. für dieBackes- stistung spendete, Lehrer Röder für die Lehrer-Witwenkasse 2C. Der Gefeierte fand für jede der zahlreichen Ansprachen herzliche Dankesworte und versprach, auch den Rest seines Lebens und die letzten Kräfte der Schule und Lehrerschaft widmen zu wollen. Ein Festmahl beschloß die schöne Feier. Offenbach, 26. Juni. Ein übles Abenteuer hat nach der O. Ztg. ein aus guter hiesiger Familie stammender Portefeuiller in den letzten beiden Tagen erlebt. Am Samstag morgen waren zwei Burschen bei den Wald- erholungsstätten in die Abteilung für Frauen und Mädchen eingedrungen und hatten, während jene sich zum Frühstück begeben hatten, eine Anzahl von den auf den Ruheplätzen zurückgelassenen Täschchen, Tüchern üsw. an sich genommen und dann schleunigst das Weite gesucht. Etwa eine Stunde später, um 10 Uhr, passierte der Portefeuiller bei einem Waldspaziergange an der Erholungsstätte vorbei, und da ihm das aufgeregte Schreien der Mädchen auffiel, trat er näher, um zu sehen, was passiert sei. Im gleichen Augenblick rief eins der Mädchen: „Das ist er!": die anderen liefen herbei und auch einige Männer liefen hinzu, die ihn als vermeintlichen Dieb fest hielte in. Einer von ihnen legitimierte sich als Geheimschutzmann; dieser telephonierte nach Oberrad, von wo bald darauf ein Polizist eintraf, der den jungen Mann trotz aller Beteuerungen, daß er ganz unschuldig sei, auf die Wache nach Oberrad brachte. Während des kurzen Verhörs, dem er hier unterzogen wurde, bat er wiederholt, man möge doch der Polizei in Offenbach telephonieren und sich nach ihm erkundigen, dann werde sich das Mißverständnis Herausstellen, zumal er auch sein Mbi beweisen könne. Immer wurde ihm geantwortet, die Offenbacher Polizei habe nichts mit der Sache zu tun, die Tat sei auf Frankfurter Gebiet geschehen usw. Die gleiche Antwort wurde ihm auf dem Polizeiamt in Frankfurt zuteil, wohin er nachmittags, die Hände auf den Rücken gefesselt, transportiert worden war. Seinen Bitten, ihn sofort zu vernehmen und dadurch die Sache aufzuklären, wurde kein Gehör geschenkt, ebensowenig wie nach Offenbach telephoniert wurde. Auch am Abend, als er endlich verhört wurde, geschah dies nicht, und so mußte er denn die Rächt in der Zelle zubringen. Am Sonntag mittag V2I Uhr wurde er wieder vorgeführt und nach kurzer Vernehmung endlich entlassen, sodaß er zu den Seinigen nach Offenbach zurückkehren konnte. Er hat sofort gegen die ihm zuteil gewordene Behandlung Beschwerde geführt. Mainz, 26. Juni. Heute morgen fünf Uhr fuhr ein mit vier Personen besetztes Automobil in rasendem Tempo über die Straßenbrücke. Am hiesigen Brückenkopf angekommen, wollte der Lenker des Fahrzeuges seitwärts die Rampe herabfahren. Das Auto stieß dabei mit solcher Gewalt gegen das eiserne Geländer der Brücke, daß alle Insassen herausgeschleudert wurden und das Auto in Trümmer ging. Eine der bis jetzt noch unbekannten Personen, hat sich schwer verletzt. — Bei den Schießübungen des Fuß-Artillerie-Regiments Nr. 3 auf der Wahnerheide stürzten Major Hirsch und ein Reserveoffizier des Regiments mit ihren Pferden und erlitten schwere Verletzungen. ** Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. In Lauterbach beging die dortige Feuerwehr ihr 50 jähriges Jubiläum, verbunden mit dem Kreis- seuerwehrtag. Aus allen Teilen Oberhessens, namentlich aus dem Kreise Lauterbach, nahmen Feuerwehren an dem Feste teil. — Der seitherige Bürgermeister Landtagsabg. Stövler in Lauterbach wurde mit großer Majorität auf weitere neun Jahre zum Stadtoberhaupt gewählt. — In Eberftadt starb im Alter von 60 Jahren der Gemeinderechner G. Bsnder. * Kleine Tageschronik. In Bromberg ist wegen Verdachts der Unterschlagung im Amte der Seminar» direktor Schmidt vom konigl. katholischen Schullehrerseminar in Untersuchungshaft genommen worden. — Die wegen schwerer „nichtmilitärischer Verfehlungen" verhafteten Leutnants ^tr See Euken-Addenhausen und S e y d e l vom Linienschiff „Mecklenburg" sind zur Beobachtung ihres Geisteszustandes der K i e l e r - psychiatrischen Universitätsklinik überwiesen worden. — Der Bergarbeiter Max Koblih ist in R u h l a n d (Schles.) unter dem Verdacht der Ermordung des 16 jährigen Arbettsburschen Scadok und des 13 jährigen Schulknaben Zielinski und Lehmann, verhaftet worden. Erz-Kn xi». Fernie. Angebot 3300, Nachfrage 8225. Ausbeuten uTh) Zn« dLßen, 1903: 225: 1904: 300. -------- ------- -........"" \ Gießener landwirtschaftlicher Wetterdienst. BorarrSfichtttche Witterung in Hessen für Mittwoch, den 28. Juni 1905: Zeitweise aufheiternd, besonders im Süden Hessens. Nur im Norden noch vereinzelte Regenschauer. Nach kühlerer Nacht Tagestemperatur nicht verändert. Näheres durch die Gießener Wetterkarte. _________ Kriginat-pral-tmerdungen. Berlin, 27. Juni. Der Schuhmacher Busse wurden wegen Totschlags und Sittlichkeitsoerbrechens, begangen an der 12jährigen Margarethe Coschoreck, zu 61/« Jahren Zuchthaus verurteilt. — Der Drechsler Medersky in Nixdorf, der am 16. Januar seine drei Kinder getötet hatte, erhielt 10 Jahre Zuchthaus. Kiel, 26. Juni. Bei dem heutigen Festmahl im kaiserlichen Nachtklub saß der Kaiser zwischen dem Großherzog van Sachsen und dem Prinzen Adalbert rechts, und dem Prinzen Eitel-Friedrich und dem Herzog von Sachsen-Koburg und Gotha links. Gegenüber dem Kaiser saß Prinz Heinrich von Preußen zwischen dem Earl of Crawford und dem amerikanischen Botschafter Charlemagne Tower. Im Verlause des Mahles brachte Prinz Heinrich einen Trinkspruch auf den Kaiser aus. Der Kaiser erwiderte mit folgendem Trink-, spruch: Ich heiße Namens des Nachtklubs unsere Gäste'i von nah und fern von Herzen willkommen, vor allen Dingen' die schneidigen Nachtbesitzer, die zum ersten male in einem gemeinsamen Nennen den Ozean durchquert haben. Ich hoffe, daß alle sich überzeugt haben, daß Sie hier mit Freuden gesehen und mit offenen Armen ausgenommen sind, und je mehr derFremden sich bet uns einfind en, desto besser, desto besserer Sport. Mein^ Glas gilt den einheimischen Mitseglern und den fremden Gästen aller Nationen. Hnrrah! Hurrah! Hurrah! Halle a. S., 27. Juni. Der Abg. Kunert ist wegen Beleidigung der deutschen Chinakämpfer, be gangen durch eine Wahlrede, zu drei Monaten Gefängnis verurteilt worden. Münster i. Wests., 26. Juni. Der evang. Divisions« Pfarrer Bachstein wurde heute vom Oberkriegsgericht von der Anklage, in einem am 19. Januar im Osnabrücker Zweigverein des evangelischen Bundes gehaltenen Vortrage Einrichtungen der katholischen Kirche beschimpft zu haben, freigesprochen, weil der Tatbestand der Oeffentlichkeit des Vortrages nicht gegeben sei. Stuttgart, 26. Juni. Der Redakteur des „Simpli zis simus", Julius Linnekogel, wurde heute wegen Beleidigung des Dresdener Schöffengerichts zu 200 Mark Geld strafe verurteilt. London, 26. Juni. (Unterhaus.) Im Namen der Opposition beantragt Robert Reid, der Regierung wegen der Betrügereien bei den Lieferungen für die Armee in Südafrika einen Tadel auszusprechen. Die Betrügereien wären nicht vorgekommen, wenn die Minister ihre Pflicht getan hätten. Staatssekretär Brodrick bestreitet entschieden, daß er sich eine Nachlässigkeit habe zu Schulden kommen lasten. Paris, 27. Juni. Die Antwort auf die französische Note ist hier eingetroffen. In der Note erklärt Deutschland neuerdings, daß es mehr als jemals in einer internationalen Konferenz das einfachste Mittel sehe, die marokkanische Frage zu lösen. Wir glauben mitteilen zu können, daß die französische Negierung die Konferenz annehmen wird. L 0 n d 0 n, 26. Jüni. Der Ton der hiesigen Presse ist wieder sehr deutschfeindlich. Aus verschiedenen Artikeln der Blätter geht hervor, daß nach englischer Auf- sassung die deutsche Regierung seit dem deutsch-französischen Kriege fortwährend gegen England gearbeitet habe, Deutschland leide an Größenwahn und versuche mit allen Mitteln England zu überbieten, besonders in wirtschaftlicher Hinsicht. Auch der Bau einer mächtigen Kriegsflotte sei speziell gegen England gerichtet. Aus diesem Grunde müßte England mit allen Kräften an der Festigung des englisch-französischen Einvernehmens arbeiten. Verschiedene Blätter befürworten eine Allianz zwischen England, Frankreich, den Bereinigten Staaten und Japan gegen eine eventuelle russisch-deutsche Allianz, welche unausbleiblich scheine. Petersburg, 26. Juni. Ein Telegramm des Generals Line witsch vom 24. Jüni lautet folgendermaßen: Am 22. d. M. versuchten die Japaner an der östlichen Ersenbahn unsere Vorhut im Tale des Kaokhe zu ver- trerben, fie wurden aber in der Gegend von Kailungtschen zurückgetrieben. Unsere Abteilung vertrieb auf dem Wege nach^ N auch auch en tsy die japanischen Vorposten und „E^^^ollch von Ranchanchentsy auf dem Wege nach Ufanglu vor. Unsere Abteilung wich zurück, da sie beträchtliche Streitkräfte des Feindes bemerkte. Die Japaner verfolgten die Mteilung und besetzten attptfi. Am 21. d. M. nahmen die Japaner die Of,ensrve auf, wurden aber von Schtzmaotse und Douangu zurückgeschlagen. — In Koera besetzten dre Japaner am 21. d. M. Suscheng. —. Etn zweites Telegramm von Linewitsch unter dem 25. d. M'. lautet: Am 22. d. M. ergriff der Feind in der Gegend Ft0 ® 51 n t 1 lt n g t f dj e n die Offensive gegen die in Unschre auf dem Wege nach Schimyaotse befindliche Trup- Penabterlung. Der Angriff war mit einer Umgehungs- d ew e gung auf dem rechten Flügel verbunden und sehr energisch geführt. Die japanische Artillerie oejchoß unsere Stellungen und eine rasche Bewegung der Kolonneum unsere rechte Flanke bedrohte e n ü cf 5 u g. Hierauf sandte der Kommandeur eine Abteilung Kavallerie gegen die japanische Kolonne und befahl der Abteilung, sich zurückzuziehen. Eine Verfolgung von feiten des Feindes fand nicht statt. Lod z, 27. Jkni. In den von Arbeitern besetzten Hausern, in die das Militär eindrang, wurden sämtliche C1 n w 0 h n er ohne Gnade massakriert. Von den S 01 - d a t e n sind 11 erschossen worden, ebensoviele wurden jchwer verwundet. Die Offiziere des Muromschen Dragvner- regrmentes erllärten dem Truppen komm an danten, sie würden nrcht mehr auf wehrlose Leute schießen. Der Generalgouverneur von Warschau befahl die sofortige Rückkehr dreses Regimentes in den Garnisonort. Ein Geheimerlaß beftehlt, alle Soldaten polnischer Nationalität oder Mdtschen Glaubens von den in Lodz tätigen Militürteilen herauszuziehen, weil sie npr in die Lust, nicht in die Volks.-> menge schössen. Heute nachmittag 4 Uhr verschied sanft an einer Herzlähmung Herr Dr. phi urtman Tief bewegt teile ich dies im Namen der Hinterbliebenen mit Frau Sophie Trautwein geb. Curtman, Giessen, Frankfurter Strasse 57, den 26. Juni 1905. Die Beerdigung findet in Friedberg, Donnerstag nachmittag statt D«/t im Alter von IV, Jahren. 04272 3429 D30/{ Wirte ss26/e auf zum 3426 Heuchelheim, den 25. Juni 1905. 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