Erstes Blatt. Hcholstrab« ftbrefle für Depeschen: Anzeiger Gtetzeu. FerniprrchanfchlußNr 51. 155. Jahrgang Donnerstag 3. August 1900 _ QqigHwIlt kW monalUch 75 Di viertel- V jährlich ML. 8.20; durch Abhole- u. Zweigstellen , toTvärt 2»s iWw monatlich 65 Pf.- durch Nr. ISO evfftftst t«ers.-Buch-u. Stein» brurferrt. SL Laaga. ■ n l - MV« ■ ■ X MTB e ■ ffl V ■ diePostML.2.-viertel» Illi WM ■ I || <4k Ä< Hl ■ ausichl. Bestell«, vivilvllvl 4411 ssse M General-Anzeiger & 3®$£ den polit und xjjau, Amts- mö Anzeigeblatt sKr den Kreis Siegen M?Z zeigenteil: Han? Bech England in Deutschland und Deutschland in England» .Iw englischen Unter hause hatte der Nationalist O'Dowd die Anfrage angekündigt, ob angesichts der in Deutschland erhobenen Proteste die Manöver des engl. Geschwaders in der Ostsee nicht stattfinden sollten. Er hat aber diese Anfrage nicht gestellt. Er erklärte, er habe sie unterlassen, weil die ursprünglichen Vorbereitungen für die Manöver der englischen Flotte aufgehoben worden seien und daher keine Gefahr für internationale Verwickelungen vorläge. Das Reutersche Bureau bemerkt indes dazu, daß „O'Dowd vollkommen falsch unterrichtet sei, wenn er annehme, daß die Ma- növervorbereitungen aufgegeben seien und daß die 'Antwort, die der Parlamentssekretär der 'Admiralität hat abgeben wollen, lautete: Ein Grund zum Protestieren liegt nicht vor, es sind auch keine Proteste an uns gelangt. Das offiziöse engl. Telegr.-Bureau hält also die ganze Sache für durchaus nicht so harmlos. Dem Londoner „Daily Graphic" wird dagegen aus Berlin telegraphiert: Schon im Mai habe man in Berlin gewußt, daß ein Besuch der britischen Flotte in der Ostsee beabsichtigt sei. Der freundschaftliche Zweck des Besuches sei kürzlich durch eine freundschaftliche Mitteilung König Eduards an den Fürsten Bülow, die Gras Seckendorfs überbrachte, hervorgehoben worden. König Eduard erklärt hierin, es sei sein dringender Wunsch, daß zwischen Deutschland und England gute und freundschaftliche Beziehungen herrschen. Fürst Bülow sei über diese Mitteilung lebhaft befriedigt gewesen. Etwas verspätet versichern ferner gleichzeitig „Südd. Reichskorr." und die „Mitteilungen des deutschen Flottcn- vereins", daß das Erscheinen des englischen Kanalgeschwaders nichts auf sich habe. Die „Südd. Reichskorr." bringt folgende Berliner Zuschrift: Von der Ostseefahrt einer englischen Flotte hat man in leitenden deutschen Kreisen nicht erst durch die in ihrer Tragweite stark überschätzte Meldung des Bureau Reuter erfahren. Es war schon bekannt, daß mindestens seit dem Mai d. I. in der englischen Marine von geplairten baltischen Gcschwader-Uebungen gesprochen wurde. Ms dieser Plan die Gestalt bestimmter Anord- mingen der britischen Scebehörden angenommen hatte, erfolgte auch in korrekter Form die übliche amtliche Anzeige an Deutschland auf diplomatischem Wege In hochpolitische Zusammenhänge wird diese Flottenfahrt vor: keiner der beiden Regierungen eingeschoben. Soweit die englischen Geschwader^ deutsche Küstenpunkte berühren sollten, können sie auf die Gastfreundschaft rechnen, die der wiederholt deutschen Kriegsschiffen in britischen Häfen gewährten bereitwilligen Aufnahme entspricht. Für merkwürdig hält es das „Berl. Dagebl.", daß die Deutsche Regierung von dem Flottenbesuch bisher nichts verlauten ließ." Mindestens, möchten wir hinzufügen, konnte die Bekanntmachung von der „korrekten" amtlichen 'Anzeige des Geschwaderbesuchs erfolgen, als die lebhaften Erörterungen des Besuchs in der OeMntlichkeit begannen. Gar so selbstverständlich und bedeutungslos sind nach dem obigen eigenen, wenn auch etwas versteckten Zugeständnis Englands die englischen Ostseeübungen denn doch nicht, wenn man die gespannte internationale Situation in Betracht zieht. Eine Neuerung sind die Hebungen der Kanalflotte in der Ostsee jedenfalls, eine Neuerung, auffällig durch den Zeitpunkt der Einführung. Bemerkenswert bleibt auch die gestern von uns mitgeteilte Aeußerung des Premierministers B also ur bei der erneuten Besprechung des Ankaufs englischer Kohle n selber durch ein deutsches Syndikat, der doch neulich noch Heiterkeit im englischen Unterhause erregt hatte, daß die englische Regierung „im Notfall durch Gesetz Ausländer an dem Erwerb dessen verhindern werde, was für die Verteidigung Großbritanniens notwendig sei. „Verteidigung" ist gut, das Wort Rüstung wäre richtiger gewesen. Einen Angriff hat England c-m deutscher Seite doch nicht zu befürchten, diesen Way.. verbreiteten bisher nur unverantwortliche Personen. Wir wissen nicht, wieweit die Verhandlungen über jene Kohlenfclder gediehen sind. 'Aber an den deutschen Börsen erzählt man sich, daß große deutsche Banken in diesem (^schäft ihre Hand haben. Auch werden Summen bis zu 60 Millionen genannt. Also es handelt sich um keine Kleinigkeit, und für wertlose Erwerbungen nicht Millionen anzulegen, sind doch wohl deutsche Kaufleute verständig genug. Kaiser Wilhelms Abreise von Kopenhagen. Kopenhagen, 2. August. Der Kaiser und der König fuhren um 12 i/2 Uhr mittags von Bernstorfs nach dem Kopenhagener Zollamt, wo sie von dem Kronprinzen und der Kronprinzessin und den Prinzen empfangen wurden. Der Kaiser und die gesamte Königsfamilie begaben sich an Bord der „Hohenzollern", wo das Frühstück eingenommen wurde, wozu auch der deutsche Gesandte eingeladen war. Als der König an Bord der „Hohenzollern" erschien, paradierten die Mannschaften und die Kriegsschiffe feuerten Salut. Bei der Tafel dankte der König in überaus herzlicher Weise Kaiser Wilhelm für den freundlichen Besuch, worauf der Kaiser seinen wärmsten Dank für die herzliche Aufnahme aussprach und ebenso seine Freude, daß er in trautem Familienkreise habe weilen und sich dem König als dänischer Admiral habe vorstellcn dürfen. Um 3 x/2 Uhr verließen der König und die übrigen Mitglieder des königlichen HauseS unter dem Salut der Kriegsschiffe die „Hohenzollern". Die Mannschaften paradierten und die Musik spielte die dänische Rationalhymne. Kaiser Wilhelm verabschiedete sich in sehr herzlicher Weise vom König. Beide Monarchen umarmten und küßten sich verschiedene male. Auch die Verabschiedung von dem Kronprinzen und den übrigen Mitgliedern der königlichen Familie war äußerst freundschaftlich. Um 5 Uhr nahm der Kaiser in privatem Kreise beim Prinzen Karl den Tee ein. Nach einem privaten Diner heute abend beim deutschen Gesandten kehrte Kaiser Wilhelm um 10% tlfrr nn der „Hobenzollern" zurück. Doiiüsche Tagesschau. Noch immer in der Marokko-Krise. Unser R.-Korrespvndent schreibt uns aus Berlin, 2. Aua.: Von einem Diplomaten, der vor kurzem eine Erholungsreise airtrat, hörten wir die Bemerkung: „In diesem Sommer gibt es keine Ferien st immun g. Es ist schon das beste, die Koffer gar nicht erst anszupacken". Das ahnungsvolle Wort scheint sich zu erfüllen. Denn eben jetzt entfalten die französischen und die englischen Diplomaten, unbekümmert um das Erholungsbedürfnis ihrer Kollegen, eine anßerordentlieb-e Rührigkeit. Die Sprache des Organs der fr an z ö si sch en R e g i eru n g , des Pariser „Temps", wird täglich um eine Nuance schärfer, um nicht zu sagen herausfordernder gegen Deutschland. Heute wünscht der „Temps" nichts Geringeres, als daß drc deutsche Regierung ihren Gesandten in Marokko zur Ordnung rufe! Und weshalb? Weil Graf v. Tattenbach sich angeblich um wirtschaftliche Pläne bemüht, wie die Erlangung von Hafenarbciten in Tanger für deutsche Unternehmer, Legung eines deutschen Kabels, und,, was das Schrecklichste ist, Ausgabe einer marokkanischen Anleihe. Herrn Dclcasstz ist seinerzeit von der „Nordd. Allg. Ztg." bedeutet worden: Deutschland könne nicht dulden, daß Frankreich auS Marokko ein Tunis mache. Nunmehr schreibt der „Temps": „Wir wollen nicht, daß Deutschland aus Marokko eine Türkei mache!" Es scheint fast, als ob der franz. Ministerpräsident Rouvier, nachdem er sich von feinem Kviegsschrecken erholt hat, die Aufzeichnungen Delcasses benützt. Ganz ebenso selbstbewußt und zugespitzt waren die Noten Delcasses im „Temps", als dieser Verehrer Englmrds und Deutschenhasser sich noch im Amte befand. Der „Temps" verlangt geradezu Aufschluß über die Haltung des Grafen v. Tattenbach. An unterrichteter Stelle bemerkte man uns: „Die Frage des „Temps" ist mehr wie naiv, ob Graf von Tattenbach nach Berlin über seine Schritte berichtet habe. Darüber kann der „Temps" beruhigt sein: tvir sind vollständig orientiert. Es ist eine nicht ernsthaft zu nehmende Zumutung, daß die deutsche Regierung Herrn v. Tattenbach verleugnen soll. Der Gesandte ist den französischen Politikern ein Darn im Auge, weil er der deutschen Interessen mit Tatkraft und Umsicht sich annimmt. Solche Eigenschaften beeinträchtigen doch nicht etwa den Wert einer diplomatischen Vertretung. Wenn die deutsche Industrie und der deutsche Handel Fuß fassen in Marokko und Aufträge bekommen für die eine und andere wirtschaftliche Unternehmung, so steht cs ja der französischen Industrie frei, durch günstigere Bedingungen oder bessere Arbeit den Wettbewerb aus dem Felde zu schlagen. Das ist die Gleichberechtigung, die man in Berlin stets im Auge gehabt hat. Nie und nirgends wurde mit der französischen Regierung vereinbart, daß etwa die deutsche Regierung deutschen Unternehmern in den Arm fallen soll, wenn sie sich um Aufträge in Marokko bemühen. Und der Sultan steht doch auch nicht etwa unter französischer Vormundschaft, er ist unumschränkter Herrscher und kann also Konzessionen nach Gutdünken erteilen. . . ." ♦ Soweit unser Berliner Gewährsmann. Die „Frkf. Ztg." berichtet nun heute folgendes: Paris, 2. Aug. Ministerpräsident Rouvier hat der deutschen Botschaft heute nachmittag die langcrwartete ausführliche Denkschrift über die in Marokko^durchzuführenden Reformen zugehen lassen. Man hofft hier nunmehr, daß beide Regierungen sich möglichst bald über dieses Reftirmprogramm einigen werden, damit der Sultan zur Einberufung bei: internationalen Konferenz bestimmt und zugleich die beiden Gesandten in Fez einbcrufen werden können. Denn das Nebencinanderwirken dieser beiden Gesandten war im Begriff, Anlaß zu ernsten Mißverständnissen zu geben. Ein späteres Telegramm, desselben Blattes besagt: Die Denkschrift erläutert diejenigen Reformen, die nach der französischen Anschauung in Marokko nötig und möglich sind. Sie bezeichnet als besonders dringend die Organisation der Polizei in den Gegenden des Sultanats, wo bereits Handel und Gewerbe bestehen, sowie die Reform des Finanzwesens. Für die Einleitung dieser Reformer: soll dem Sultan eine bestimmte für je Frist festgesetzt werden. Man hofft, daß Deutsch- ldnd dieses Programm im wesentlichen billigt und cs gemeinsam mit Frankreich dem Sultan empfehlen wird. Sobald dies durch die beiderseitigen Gesandten geschehe:: ist, können diese a:is Fez abberufen werden, entsprechend dem Abkommen vom 8. Juli. Darüber dürste jedoch Anfang September hcran- kommen. — Frankreich hat sich über das Verhalten Tatten- bachs in Fez nicht formell beschwert, sondern in einer persönlichen Aussprache eine beruhigende Aufklärung äus Berlin erhalten, sodaß auch in dieser Hinsicht heute wieder eine ziemlich optimistische Stimmung vorherrscht. __________ Ein neuer „Jrrlehrer". Die orthodoxen Preußen haben, seitdem nach der Entscheidung des preuß. Oberkirchenrats gegen den Pastor Fischer von St. Markus in Berlin nichts mehr zu unternehmen ist, ein neues Opfer auserkoren; das ist der Pfarrer Jatho in Köln. Auch dieser hat am starren Buchstabenglauben zu rütteln sich erkühnt. Pfarrer Jatho, einer der bekanntesten Geistlichen des Rheinlandes übt als Kanzelredner eine ganz ungewöhnliche Anziehungskraft auf die protestantische Bürgerschaft Kölns aus. Seine Predigten werden seit Jahren stenographiert und sind in zahlreichen Abdrucken verbreitet. „Mit vollem Bewußtsein", so zitiert die „Voss. Ztg." aus einem Referat, „lehnt Jatho die doppelte Buchführung der Orthodoxen ab und ruft zu einer versonl:chen Religwn mit den Hilfsmitteln des modernen Denke n s. „Rede keiner von einer allein seligmachenden Wahrheit, von einen: einzig möglichen Wege zu Jesus. Was Dir frommt, braucht nicht nur zu frommen, was einst galt, braucht darum nicht auch heute noch zu gelten. Jedes Zeitalter muß die in ihm auftauchenden Fragen s e l b st lösen, jeder Christ muß sich seine Stellung s e l b st erobern. Hier tritt kein anderer für ihn ein, hier gibt es nur persönliche Verantwortung und darum unbedingte, persönliche Freiheit des Kommens und Gehens, des Forschens und Bekennens/ Auf diesem Wege, gewinnt Jatho der Religion einen neuen Inhalt. „Wir lernen allmählich religiöses Leben, göttliches Leben in allen Dingen zu suchen und zu finden, die uns umgeben: uns ist auch die Wissenschaft eine Offenbarung Gottes; uns ist auch die K u n st eine laute Predigt der Religion, uns ist die s i 11 l i ch e S ch ö n h e: t des Menschen — daß er edel denke, daß er vernünftig sei, daß er gut ui erde — die reifste Frucht der Religion. In jeder Regung der Menschenliebe spüren wir Gottes mächtiges Walten, in jedem Sieg geistiger Bildung begrüßen wir einen Triumph des ewigen Geistes, der ein Geist des Lichtes und der Wahrheit ist..." In der nüchternen Beurteilung der geschichtlichen Hergänge ist ihm die Bedeutung Jesu die, daß er das R e ch t der G e g e n w a r t geltend gemacht hat gegenüber der Vergangenheit und das Recht der Persönlichkeit gegenüber dem Buchstaben und der Satzung. In dem Enthusiasmus seiner religiösen Empfänglichkeit aber steigert er dieses Urteil zu den Bekenntnissen eines persönlichsten Verhältnisses. Tie Kirche aber ist Jatho im großen und ganzen eine Einschränkung und Hemmung dieser persönlichen Beziehungen, und namentlich der Zank und Streit der Konfessionen ist ihn: em Greuel. „Daß wir doch endlich einmal aufhören möchten, den Menschen nach seiner Konfession, nach seiner Zugehörigkeit zu einer Kirche zu tarieren! Daß wir uns, durch den kindlichen Geist Jesu befreien ließen zu schöner Menschlichkeit, zu einer Religion des Lenzes und der Liebe, zu einem Leben in Gott weit über alle Kirchenschranken hinaus, zu einem Denken Gottes ohne Buchstaben und Formel, zu einem Erleben Gottes ohne Unterlaß in der eigenen Seele!Ä Das gilt ihm besonders für die protestantische Kirche." Solche Anschauungen einer freien Menschlichkeit genügen der preußischen Orthodoxie, um deren Mundtotrnachung zu verlangen. Wir in Hessen haben die Genugtuung, daß durch die Gießener theologische Fakultät ein anderer, neuer Geist in unseren Geistlichen großgezogen wird, der weltenfern ist allem Zelotismus. Die ungarische Krise. W. T. B. meldet heute aus Budapest: 23 liberale Abgeordnete beschlossen, die liberale Partei z:rm 17. August zu einer Beratung einzuberufen, um ihr eine Vorlage m unterbreiten, welche die Entwirrung auf der Grundlage des Ausgleichs von 1867 befürwortet und betont, es sei die Pflicht: eines jeden Abgeordneten, die von der Koalition angeftrebte: Lösung b er Krise zu unterstützen. Sollte die Konferenz den Vorschlag nicht annehmen, so wollen die Abgeordneten aus der liberalen Partei austreten. Die gegen die habsburgische Monarchie revoltierenden Männer von der ungarischen Unabhängigkeitspartei setzen sich ohne weiteres über die Tatsache hinweg, daß das magyarische Element kaum die Hälfte der Bevölkerung Ungarns au8- macht. Es leben dort noch andere Volksstämme, die nichts weniger als einverstanden sind mit den staatsfeindlichen Agitationen der magyarischen Heißsporne. Für nationale Differenzen ist Ungarn ein besonders günstiger Boden. In den Kroaten z. B. haben die Magyaren einen gefährlichen Feind im eigenen Hause. Dieser Umstand bietet eine gewisse ®e- währ für die Aussichtslosigkeit der magyarffchen Revolutionspolitik. Denn in dem Maße, in dem „das national-ungar. Leben gegenüber Oesterreich fortentwickelt roirb', werden die Kroaten darauf ausgehen, für sich eine besondere staatliche Gemeinschaft heranzubilden. Schwanken also die Pfeiler der habsburgischen Gesamtmonarchie, dann erst recht die des ungarischen Gebäudes. Jedenfalls sind die Bemühungen der genannten 23 Liberalen sehr löblich. Deutsch-Südwestafrika. Ein Telegramm aus Windhuk meldet: Bei dem lieber* fall auf Entasche! am 27. Juli verwundet: die Reiter Hubert Elsenbroich, Max Sommer, Rudolf Kob, Hugo ®reffet. — An Krankheiten gestorben: Sanitäts-Unteroffizier Alexander Dudenhöffer, Unteroffizier Erich Krull, Reiter Wilhelm Könker. Are Iriederisverhandlurrgerr. New-Pork, 2. Aug. Der Präsident des russischen Ministerkomitees Witte ist heute mit dem Lloyddampser „Kaiser Wilhelm der Große" hier eingetroffen. Witte bestritt n: einer Unterredung mit Entschiedenheit, daß er geäußert habe, er fürchte, Japans Friedensbedingungen würden unerträglich fein, oder, daß er gesagt hätte, die Friedenskonferenz würde innerhalb einer Woche ergebnislos beendet sein. — Das Empfang 8-Programm ist festgestellt. Die Frage, welcher Mission der Vortritt gebührt, wurde von der Bundesregierung zu Gunsten Rußlands entschieden. Beide Missionen treffen in Portsmouth am Montag um 10 Uhr morgens ein. Der Kommandant der dortigen Schiffswerft besucht zuerst die Russen, dann die Japaner. Darauf wird von beiden Seiten der Besuch erwiebert. Um 11 Uhr findet ein Frühstück beim Admiral und daraus eine Fahrt nach Portsmouth statt, wo der Gouverneur von New- hampdshire die Delegierten im Nathause begrüßt. Dann folgt die Fahrt nach dem Hotel. Die Bundesregierung wird während der Konferenz, natürlich ohne Teilnahme, durch den dritten Staatssekretär Peiree vertreten sein. 111 gJiLJ__'L__ - _ - '-T 1 '■ " Kuslilche Neuigkeiten. Der „Regierungsbote" sagte heute unter Verschweigung alles Wesentlichen in einem Bericht über die Kon se renz, welche am 1. August unter dem Vorsitz des Kaisers in Peter Hof stattsand: Nach Besprechung der Frage, ob der von dem Ministerrat revidierte Gesetzentwurf Bulygin mit dem in dem kaiserlichen Re-, Die heutige Kummer umfaßt 8 Seiten. roefenen Gäste zusiellen sein. ** Die reien zu leiben. _ rv. . , _ Neuerdings hat sich sogar eine, ttne es flßemt, mit umfang- reichen maschinellen Einrichtungen ausgerüstete Gefangnis-Tnucke- rei ungeschickt, bas Geschäft im Großen zu betreiben., ^tie ®irefa tion eines Gefängnisses in bet Rhein Provinz zeigte in gedruckten Rundschreiben, die sie an die Behörden vieler Preußiicker Prv- vinzen versendete, die Errichtung einer Druckerei und ^ouefc- imb alle Einwohner niederzumachen, wenn sich das Dors nicht als bulgarisch erklären sollte. Fünf angesehene Emwohner wurden fünf Tage später in dem Dorfe Startziovv ermordet. Am 8. Juli töteten Bulgaren zwei Brüder aus Rayovitza. Die'c Nachrichten riesen in argß.' Errea'lua bej^or______ AnsLand. Stockholm, 2. Aug. Das soeben n eu gebilbe t e Wl i - ä i ft e r i u m ist ein Koalilionsministerinm. Ministerpräsident I Lundeberg, per Vorsitzende des Speziallomitees des Reichs-1 tages für die'Unionsfrage, der Minister des Jniiern Widen, Land-I Wirtschaftsminister Petcrsfon, Kultusminister iöammerskoeld repräsentieren die konservativen Parteien der ersten und zweiten I > Kammer: Finanzminister Vicsert und der Führer der liberalen I Partei Minister ohne Portefeuille Staaff die liberale Partei:! Minister des Aeußeren Grai Wachtmeister, Justizministcr Berg! und Kriegsminister Tingsten sind Männer von gemäßigten Anschauungen : Marinem in ister Lindmann und Minister ohne Porte-1 feuille Vetorssmi sind ohne hervortretende politische Färbung. Brussel, 2. Aug. Ein sehr zahlreiches Publikum wohnte! gestern der von der Ärbeiterpartei einberufenen Volksversamm-! hing bei, in welcher über die Lallnng betreffs der Befestig- nngs- und Lasen bau ten Beschluß gefaßt werden sollte.! Lubin und Vandervelde erklärten, die Sozialdemokraten seien! bereit, die Kredite zum Ausbau des Losens zu bewilligen,! die Militär-Kredite aber würden sie verwerfen, besonders' solange die Regierung nicht die persönliche Wehrpflicht eingeführt habe. I Vandervelde richtete sich in scharfen Worten gegen die Haltung des Königs in dieser Frage ur-b warf ihm vor, seinen Einfluß zur Durchsetzung persönlicher Wünsche zu benutzen. , . Paris, 2. Ang. Der „Ganlois" erklärt, die deut sche Regierung habe sich auf diplomatischem Wege bei der französischen Regierung beschwert, daß einige französische Offiziere ollznhäusig ihre in Elsaß und Lothringen lebenden Familien besuchen. Der „Ganlois" sagt, daß män in Frankreich den deutschen Offizieren die größte Bewegungsfreiheit gestatte. | — Das „Echo" veröffentlicht folgende Mitteilung: In biblo-' Uiatischen Kreisen bespricht man eingehend die freundschaftliche Laltung, welche Deutschland gegenüber Dänemark und Belgien an den Tag legt. Man hält es für besonders bemerkenswert, daß die deutsche Flotte nacheinander in belgischen und dänischen Lösen vor Anker gegangen ist und daß die deutsche Presse eint sehr zuvorkommende Sprache führt. Die Taktik, die Denffchlimd dabei verfolgt, scheint darin zu bestehen, sich die Sympathien dieser beiden Nationen zu sichern für den Fall eines bewaffneten Konfliktes zu Lande und zu Wasser, bei welchem diese beiden Nationen Deutschland gegenüber eine aus- Ans MM und Land. Gießen, 3. August 1905. •• Hessisch-Thüringische Staatslotterie. Am heutigen zweiten Ziehungstage der 3. Klaffe der 6. Lotterie fiel die Prämie von 75 000 Mk. auf Nr. 86491 (nach Köthen in Anhalt), ein Gewinn von 25 000 Mk. auf Nr. 85908 (nach Mainz), ein Gewinn von 5000 Mk. auf Nr. 10766, Gewinne von je 1000 Mk. auf Nr. 74637 75503. (Ohne Gewähr.) " Beim Radrennen um das „Goldene Rad von Kirche unb Schule. — Der Verband deutscher evangelischer Pfarrervereine wird seine nächste Verbandstagung am 5., 6. und 7. September zu Neustadt a. Hardt halten. Wir nennen aus der reichen Tagesordnung nur die Gegenstände der Beratung: Militärpflicht der Geistlichen; in welcher Richtung ist das gegenwärtige geistliche Gerichtsverfahren einer Reform bedürftig und fähig? Gründung einer Preußengruppe. Vertretung erkrankter und beurlaubter Pfarrer. Welche Erfahrungen sind bisher mit den Sterbekassen der Pfarrervereine gemacht worden? Beitritt des Verbands zur Zentralstelle für das evangelische Deutschland. Gründung einer Feuer- und Haftpflichtversicherung. Vorgehen gegen den Simplicissimus. Verbot evangelischer Schriften für die | Kolportage usm.__ stadt ein Gesamtbild geben soll. Der Großherzog hatlMillion Einwohner fehlt. die Ausstellung gestern besichtigt. Von morgen ab wird sie D i e Taba kdv se. Eine Beleidigung ganz eigener Art, wobei dem allgemeinen Besuch zugänglich fein. es sich um Entscheidung der Frage: ,Ist ein Eisbahn- Frankfurt, 3 August.' ImStorch" hielten gestern rÄ abend eine Anzahl Metzger, die der Fleischer-Innung Punkt gen. Müller aus Pirna bestieg am 3. Dezember v. I. in nicht angehören, eine Versammlung ab, in der die Gründung „Edle Krone" den von Freiberg nach Dresden fahrenden Per- einer Biehversicherunq auf Gegenseitigkeit be= ioncn5ug Gr nafm in einem Sagen, bejfen Weile burdyemm schloss-" wurde. Die Nich.lnnungsmitglieder haLu in der ffZÄÄÄ" letzten Zeit einen schweren Stand. Die am frankfurter auf der Vorderseite eine nackte weibliche Person aufwies, und Biehmarkt tätigen Versicherungsgesellschaften erhöhten ihre nachdem er selbst eine Prise genommen, bot er auch feinen Nack- Prämien, die Händler verweigerten die Währschaft für ge- dam rur Reckten und zurLinkrn eine solche am Im Abteil be- tAkUjU« ft,«..* Tauben fick nun einige Domen, welchen der Reisende ebenfalls fetzliche Fehlet. Die Metzger hatten also, wollten ftc md)t ^akdose reichte Diese entsetzten sich über das die Dose die hohen Pfannen der Dersicherungsgesellfchaften zahlen, „schmückende" Fmuenporttät und beschwerten sich über den Fahr- ein hohes Risiko. Die Prämiensätze der zu errichtenden gast, dessen Personalien später auf dem Dauptbahnhof Dresden Versicherung sollen für Kühe fünf, für Bullen vier und für m)gestelltwuttxm Ter Reisende wurde nun wegen /Sittlich- r,cty)keitsvergehenr unter Anklage gestellt und sowohl vom-Lckwffen- Rmder drei Mark betragen. Mit der Versicherung, der sich Pirna als auch vvm Landgerickt Dresden verurteilt wegen I gleich 47 Metzger angefchloffen hatten, soll eine Vereinigung l öffentlicher Beleidigung. In seiner Reviswn machte der Anac, fkript vom 3. Mckrz enthaltenen Weisungen Übereinstimmr, ging die Konferenz zur Beratung der einzelnen Arttkel icker. Dem Präsidenten des Moskawer Landschaftsamtes Golowin wurde vom Minister Grasen SolskN bed^ltet, daß Reformen erst nach Beendigung d/s Krieges vorgenommen werden würden. 'Auf Golowins Klagen beim Generalgouverneur Trepow darüber, daß die Moskauer Polizei sich während des Sem st wo kon gre s s e s Uebergrisfe erlaubt habe, antwortete Trepow, der SumgreB sei ungesetzlich zusammen getreten, ebenso wie verschre- dene "Anträge des Kongresses das Bestehen des ^taats- systems gefährdeten. Golowin hat die Ueberzeuguna, daß gegen die Teilnehmer des Kongresses ein gerichtliches Verfahren ein geleitet werden wird. Galizischen Blättermeldungen zufolge wird in diesen Monaten in einer noch zu bestimmenden Stadt Rußlands eine Zusammenkunft sämtlicher in Rußland nicht anerkannten Nationalitäten stattfinden, um über die Frage beraten, wie diese Nationalitäten sich zum Verfassungs-Pro-1 gramm stellen und auf welche Weise eine nationale Autonomie erstrebt werden könne. _ Aus Sosnowice wird gemeldet: Das Zentralkomitee der sozialdemokatrischen Arbeiterpartei wird den allgemein e n 'Ausstand proklamieren, damit die achtstündige 'Arbeitszeit von den Verwaltungen anerkannt wird. Aus .der Rudolfgrube stellten nachts die Arbeiter die Arbeit em. Die 'Arbeiter der Waggonfabrik Phönix, der ?yabTir Etna und anderer Betriebe in Riga streiken seit drei Tagen. I ,00 Streikende zogen, revolutionäre Lieder singend und „Nieder mit dem Krieg, es lebe die Revolution" rufend durch die Straßen. Es wurden rote und schwarze Fahnen mit revolutionäreii 'Aufsckristcn entfaltet. Die Menge wuchs lawinenartig au, sodaß der Straßenbalmverkehr eingestellt werden mußte. In der Pernauer Straße kam es zu einem Zusammenstoß zwischen Demonstranten und Kosaken, wobei zahlreiche Personen verletzt wurden. Während der Beerdigung eines von Kosaken erschlagenen Fuhrmanns veranstaltete die revolutionäre Partei auf dem Friedhöfe in Li bau eine regierungsfeindliche Demonstration. Etwa 3000 Arbeiter waren versammelt. Es wurden revolutionäre Reden gehalten, in denen die 'An- wesenden aufgefordert wurden, die Sozialdemokratie in! ihrem Kampf gegen den Msolutismus zu unterstützen. Auf die einschreitenden Gendarmen wurden aus der Menge Re- volverschüsse abgefeuert, wodurch zwei Gendarmen getötet wurden. Viele Arbeiter wurden von den Gendarmen verhaftet. Schließlich schritt Militär ein und stellte die Ruhe wieder her. "Aus amtlicher Quelle wird gemeldet, daß es den meu- ^ernden Matrosen vom „Pot em kick", die in Rumänien verblieben, recht schlecht geht. Es gelingt ihnen schwer, Arbeit zu erhalten, da die rumänischen Arbeitgeber einen schlechten Einfluß auf die heimischen 'Arbeiter fürchten. Zum Herbst dürste sich die Lage der Matrosen noch verschlimmern. Bei Skalmierzvce in Oberschlesien wurde an der Grenze ein etwa IZsähriges Mädchen, Tochter eines Knechtes, die mit anderen Kindern auf dem Felde 'Mehren sammelte, von einem russischen Grenzsoldaten auf preußischem Gebiet erschossen. Zu einem Eingreifen der rflissischen Grenzwache lag nicht der geringste Anlaß vor, sodaß Man annimmt, daß der russische Soldat sich entweder in einem unbegreiflichen Irrtum befunden habe oder seiner Sinne nicht ganz mächtig gewesen sein muß. schlaggebende Rolle spielen würden. Sofia, 2. Aug. Amtlichen Nachrichten zufolge drangen aus der Umgebung der m a z c d v n i s ch e n Stadt Wodena über tausend I Bauern, nachdem sie die ErMearbeiten im Sticke gelassen hatten, mit .Kind und Kegel in die Stadt ein, weil sie von den türkischen Behörden und der griechischen Geistlichkeit gezwungen werden sollten, sich bei der jetzt vorgenommenen Volkszählung als Griechen zu bekennen. Wodena versorgte beim ersten Ansturm die Bauern mit Brot und Unterkunft. Sie nnrtben aber türkisckerseits '-se zwangen, von weiteren Lilfeleist- ungen abzusehen, bamit die Bauern zur Rückkclw veranlaßt mürben Da die Bauern indes die Rückkehr verweigern und voraussichtlich zum offenen Aufruhr schreiten werden, sind bluttae Ereignisse in icnem Gebiet zu gewärtigen. Belgrad, 2 Aug. In der Gegend von Ljuma in Alt-! serbien kam es zwischen zwei albanesischen Stämmen wegen Blutrache zu einem blutigen Zusammenstoß, in dem über dreißig Albanesen gefallen sind. Die türkischen Behörden mischen fick in solche Blutfehden der Manescn nickt ein. Sal oni k, 2. Aug. Eine bulaarn (bc Bande und Bauern griffen das türkisch Wackthaus bei Radovitschte östlich von Istip an, m a ch t e n 40 S v l d a t e n n i c d e r , verbrannten das Dorf Radomir und zerstörten den Telegraphen Athen, 2. Aug. (Agenec Haoas.l Nach einer Meldung aus SerreS suchten kleine bulgarische Banden griechische Dörfer heim, um die Einwohner zu zwingen, sich als Bulgaren in die VolkszählnngSliste einzutragen. Am 1. Juli Überriel eine bulgarische Bande das Dorf Ravondo, folterte fünf der anaeschenften Einwohner, drohte das Dorf in Brand zu stecken der Nichtinnungsmitglieder verbunden werden. (F. Z.) — Im Rangierbahnbos des Hauptbahnhofes entgleiste heute morgen um 5 Uhr beim Rangieren ein Personenwagen und sperrte die Ein- und Ausfahrtgleise nach Mainz und dem Ried, so daß der bereitstehende Kölner Schnellzug um 5V2 Uhr nicht abgelassen werden konnte. Statt dessen wurde ein neuer Zug zusammengestellt und mit einstündiger Verspätung abgelassen. Die wichttgsten Postsendungen wurden in eine Personenabteilung umgeladen; Pakete konnten keine Beförderung mit diesem Zuge finden. Die Züge von Mainz und Mannheim wurden auf den Limburger Bahnsteig eingestellt. Um sieben Uhr war daS Verkehrshindernis beseitigt. ♦* .HI eine Mitteilungen aus L e s se n und den N a ch b a r ft a a t e n. Aus der Gewerkschaft L e l d b it r g bei Langendiebach, Kreis Hanau, wurden zwei Bergarbeiter durch S p r e n g g a s e getötet. — In M ü n fter bei Lick ertränkte fick der 71 jährige Landwirt Schmink in dem Eschersbach. -L.as drückende Alter und Nahrungssorgen haben den alten Mann in den Tod getrieben. — Ter auf dem Schloßberg bei Ulrichstein in der Schloßruine im Bau begriffene Aussichtsturm tehrettet so rüstig voiivärts, daß seine Vollendung wohl in 4 5 Wochen ru erwarten ächt. ---------— Gefängnis-Konkurrenz. In den Kreisen der Gewerbetreibenden ist ^berechtigterweise, schon viel über den Wettbewerb, der ihnen durch die Beschäftigung der Gefangenen mit gewerblichen Arbeiten bereitet wird, geklagt worden. Die Schritte, welche gegen eine solche Sckwdigimg der freien Gewerbe von verschiedenen zur Wahrnehmung gewerblicher Interessen berufenen Körperschaften getan nrorben und, haben leider bisher noch nicht vermocht, eine durchgreifende Abhilfe herbeizuführen. Auch das Buckchrnckgewerbe hat nach Berichten, welche der Deutsa> Buchdrucker-Verein aus Preutzen, Lessen, Sachsen, aus dem hamburgischen Staatsgebiet usw erhalten hat, empfindlich unter der K'vn kurr enz der in Gefangenen-A nstalten eingerichteten Drucke- Gießen" startet, so schreibt man uns, der Meisterfahrer von Europa, Georg Drescher-Mainz. Der Start deS sieggewohnten Mainzers dürfte den Kampf um das goldene Rad zu einem äußerst tntereffanten gestalten, da Drescher als unermüdlicher Draufgänger bekannt ist. Jedem Besucher des Nennens ist Gelegenheit geboten, einen Ehrenpreis nach folgendem Modus zu gewinnen: Die Programme sind num-!vinzen versendete, die Errichtung einer Druckerei und -Such- meriert von 1—1000; die gleiche Anzahl Nummern kommen ^lndeve^ Aeffen die feder fachrnämri- in eine Urne, die drei Teilnehmer vom goldenen Rad von ^)CR Berechnung Lohn sprechen, so daß eS sür Privatdruckereien Gießen ziehen daraus je eine Nummer. Derjenige Programm- nan5 ausgeschlossen ist, mit diesen Preisen konkurrieren zu können, besitzer, deffen Nummer mit der gezogenen Nummer des In den Offerten der Gefängnis-Direktivnwurde ausdruafich er- Siegers übereinstimmt, erhält den ersten Preis u s w. Die Z ** Ehrenpreise sind in dem Schaufenster der Schreibmaterialien-1 $^fert werden, da nur ein Tagelohn von 30—40 Mg. für Handlung Noll ausgestellt. «Abnutzung der Maschineii pro Mann und Arbeitstag berechnet ** Zu „Ilbent ritsch/' und „Bruchpötsche" in unb bad verwendete Material zum ^elbstldstenpreis in Ansatz ge- Nr 175, Blatt 2, schreibt ims „ein langfähriger Abonnent" von bracht werbe, außerdeni aber die Zmendung, der bestellttn ^chen. auswärts: „Von einem Vogel Bruchpötsck>e habe ich,nie etwas in Postpaketen unter DLriUtzung de. M^sun^^ gehört. Doch dürfte vielleickt damit ein Vogel zu verstehen sem, In emer Eingabe hat der^Deutsche^Ubruck^Verein,dem der irt der „Bruck-Pötsche" herumwatet ober sonst zeitwepe Mimstenum Kunern eingehenb dargelegt, solcher ungeheure btrrin treibt Es wäre dabei wohl eher an die an solchen stellen 'schaben burch emen ,olchen Wettbewerb auf Staatt-kol.mi bent wohnende und nach Nahrung suchende Sumpfweihe als an ben Buchdruck- und Buchbindergeiverbe ‘wrben mufe, imb I roten Milan, die Gabelweihe, zu denken. — Vor längeren Jahren die dringliche Bitte ausgesprochen, den Betrieb dieser E^werve l hörte ich von zwei Herren (der eine war Bergsträßer, der andere in dem bett Gefängnis entweder aanzzu uu t ersagen obgf» Rheinhessen über den Jlbentritsch reden unb zwar in bem einne I einrichten unb beschranken zu lasten, daß bie empfindliche ^cha wie Erecelins in seinem obmhessischen Wörterbuch. Sollte der bigung der steuerzahlendenewerbetreibenden merkwürdige Name nickt von „Elbe", Wasser, und „tretschen", Das Vorgehen des Teufichen Buchdrucker-Verems hat errrra ,,ttoat)d>en" gleich häufig hin unb her (aus und ein) gehen licherweift einen Erfolg gehabt, von loelchem weitere Streike (taufen), gebitbet sein? „Jlbentritsch^' ließe sich dann beuten gern Kenntnis nehmen werben. Das Geiuch nwrde als der am Wasser sich häufig hin unb her Bewegenbe. öo Mimsterium des Innern an den Präsidenten der Kvinglictnn wäre zwischen den beiden Namen, die nach der in Nr. 173 des Regierung, zu deren Bezirk das bett. Gefängnis. 9cW zur Anzeicnrs erwähnten Zuschrift aus Weitersham dasselbe be- Prüfung abgegeben. Hierbei hat fick ergeben, baß die ^lanNn-^ zeicknen sollen, ein Zusammenhang gefunden. Freilich würbe Verwaltung sich nickt auf die Ausfiihning ber ihr zugewiefenM damit gesagt, daß Jlbentritsch ein ivirkliches Wesen sei und Aufträge (Briefumschläge und bergt, kleinere Druckarbeiten) bc* nicht ein fabelhafter Vogel, wofür er doch beim Volke wohl all- schränkte, sondern zur Ausnutzung der Maschinen (.) und der gemein gehalten wird Oder hängt daS sonderbare Wort mit vorhandenen Arbeikskräste sich tatsächlich auch noch nm ^iftrage Elbe" (Elfe) und „Timde", „Drmde" (Unholdin) zusammen?" - auf andere Drucksachen bemüht hat Die Klagen über den für Vi-'lleickt ergreift nun auch einmal ein Fachmann das Wort daS Buchdruckgewerbe fchadigenden Wettbewerb waren also völlig zu dieser Frage, bamit der alte 'Jlbentritsch samt feiner Base, begründet. Die Verwaltung des Gefängnisses ist denn auch der Bruckvötscke ziir verdienten Ruhe kommen kann. angewiesen worden, bis auf weiteres bei Lieferung von i)rua» •• Aum Rüdesheimer Raubmord, Dem Polizei-! arbeiten die ihr gezogenen Grenzen emzuhalten und von der iwnoAnt?» Krnun in Oestrick soll cs nach einer Meldung ferneren Versendung gedruckter Anerlnetungen «and zu nehmen, seiqcanten Braun in ^eftricy fou cs nacy einer ^ceiounJ Eindämmung, die in diesem Falle gegen von dort gelungen sein, die Personalien des Ermorde- Gewerbebetrieb einer GefängNis-Verwaltuiig „bis auf ivei- ten fcstzustellen. Zwei oder drei Tage vor Auffindung der teres" verfügt nwrden ist, noch'keine end- und allgemein gilttge Oei^c übernachteten in der Wirtschaft »Zur guten Quelle" in Anordnung zu erblicken ist. so erfüllt es doch mit Befriedigung, Lostrrch vier durchreisende Handw-rkSburschen die sich unter d°ß dEit^r [UTÄSÄSVS t folgenden Namen m das Fremdenbuch emtrugen: 1. Zo- maßgebender Seite eine grimdsätzlichc Billigung erfahren hat. bannes Haingärtner, Spengler aus Neuffen (Württem- Wenn auch alle anderen Gewerbe, die unter der Gefängnis- bero) 2 Ernst H auch, Bäcker aus Unter-Türkheim am Konkurrenz leiden, nicht versäumen, gegen den offenkundigen Mnr, 3. Pont F.c d-'-r. Graveur ans Berlm, 4. Gustav Schilling, Graveur aus Pnebus (Schlesien). Haingartner Drucke dieses Wettbewerbes befreit zu werden, doch endlich im zahlte dort zweien seiner Reisekollegen Zeche und Schlafgeld. | gewünschten Umfange 6kb3r und Berücksichtigung finden! In ihm nun vermutet man den Ermordeten, denn die Statur ' und sämtliche Kleidungsstücke, Hemd, Rock, Hosenzeug und Sandalen wollen die an dem Abend in der Wirtschaft ge- • Wann wird „Groß- B erlin^ drei Millionen wesenen Gäste wieder erkennen. Inwieweit die anderen drei Einwohner haben? Im Januar d. I. konnte die Stadt Schlafkollegen zu der Mordtat in Beziehung stehen, wird, Berlin ihre vollendete zweite Million feiern; nun wird es sobald sich die erste Vermutung bestätigen sollte, sicherlich fest- nicht lange mehr dauern, bis „Groß-Berlin" drei Millionen Einwohner zählen wird. Die Blätter rechnen so: Im Anfang neuer baute Bahnlinie Worms — I deS Jahres zählte Groß-Berlin (d. h. die Stadt Berlin mit Viernheim —Weinheim a. d. B., die am 31. Juli er- den im Adreßbuch aufgeführten Vororten) rund 2885000 öffnet worden ist, verbindet die Stadt Worms auf direkte Einwohner; nach Ablauf des ersten Halbjahres hat sich diese Weise mit dem Weschnitztale des Odenwaldes. Auch für Zahl um 55 000 vermehrt, sodaß Groß-Berlin jetzt etwa die Besucher des Odenwaldes bringt die neue Strecke 2 940000 Einwohner hat. Bis zur dritten Million fehlen manche Reiseerleichterung, weil das öftere lästige Umfteigen ihm also nur noch 60 000 Einwohner. Wenn der Zuzug im wegfällt und die Zugverbindung eine bessere ist als seither, zweiten Halbjahre der gleiche wie im ersten bleibt — der Für Ausflügler hat der Odenwaldklub bereits Sonntags- Monatsdurchschnitt betrug für Groß-Berlin 9000 — so kann karten nach Weinheim, Fürth i. O., Wald-Michelbach und die dritte Million, zumal der Oktoberumzug den Durchschnitt Mahlen erwirkt. noch erhöht, Ende dieses Jahres oder Anfang des nächsten sä. Darmstadt, 3. Aug. (Eigener Draht bericht.) JahreS erreicht werden. Dann wird Groß-Berlin also den Prof. Olbrich von der Künstlerkolonie hat im Ernst-Lud- 20. Teil der Einwohner deS ganzen Deutschen Reichs in wigs-HauS eine Ausstellung arrangiert, welche über sein feinen Mauern beherbergen. Die Volkszählung am 1. Dez. bisheriges Wirken während {feiner Tätigkeit in Darm- d. I. wir zeigen, wieviel oder wie wenig noch an der dritten e Neue 4Vrprvz. Japanische Anleihe. Der Prospekt ist 'nun mit kleinen Acnderungen für die deutschen Börsen genehmigt worden. Bei dcr vorgestrigen Abnahme sind zweifellos Vollzahlungen in beträchtlicher Menge erfolgt. Auf ^ls Gro s der bedeutenderen Posten scheinen jedoch, namentlich soweit Dankierzahlungen in Betracht kommen, nur Teilzahlungen erfolgt zu sein, .weil die Zinsvergütung bis Dezember von 21/2 Prvz. selbst bei dem heutigen Geld schon wenig Reiz bot. Der Erschein- ungstag der neuen Japaner dürfte auf Mitte nächster Woche festgesetzt werden. Erz-Kuxe. F e r n i e. Angebot 4050, Nachfrage 3950. Ausbeuten und Zu« büßen 1903: 225; 1904: 300. Märkte. (Hießen, 3. Aug. Marktbericht. Auf heutigem Wockenmark kosteten: Butter vr. Pfd. 1.15—1.25 Mk., Hühnereier 1 St. 7—8 Psg. 2 Stck. 00—00 Psg., Gänseeier 15—OO Pfg., Enteneier 6—7 Pfg., Käse vr. Stck. 6—8 Ps., Kasematte 2 Stck. 5—6 Pfg. Erbsen pr.Liter 21 Pfg., Linien pr. Liter 32 Psg., Tauben vr.PaarO,80- 0,90 Mk., Hühner pr.St. 1,00—1,60 Mk., Hähne pr. Stück 0,80—1,80 Mk., Enten pr. Stück 1,80—2,20 Mk., Gänse vr. Pid. 55—65 Psg., Ochsenfleisch pr. Pfund 72—82 Psg., Kuh- und Rindfleisch pr. Pfund 72—74 Pfg., Schweinefleisch pr. Pfund 70—80 Pfg., Schweinefleisch, gesalzen, pr. Pfund 84 Psg., Kalbfleisch pr. Psd. 70—74 Psg., Hammelfleisch pr. Pfund 50—76 Psg. Kartosseln pr. 100 Kg. 7,50—8,00 Mk., Zwiebelnpr. Ztr. fi,00—10,00 Mk., Aiilch per Liter 20 Pfg., Aepfel per Zentner 0 bis 0 Mk., in Körben 00—00 Psg., Kirschen pr. Pfd. 00—00 Pfg. Knietschen per Zentner 0.00-0.00 Mk. Birnen per Zentner 0 bis 0.00 Mk. Weißkraut 0.10—0.15. Marktzeit 7—1 Uhr. Frankfurt a. M., 2. Ailg. Am frühen Vormittag war das Geschäft auf dem Arbeitspferde markt nicht so lebhaft, wie man es von den Frankfurter Märkten seit Jahren gewohnt ist. Der Grund hierfür liegt wohl zum Teil in der schlechten Futter- ernte unb dann in dem Umstande, daß die Händler an den geforderten Preisen festhielten. Erst gegen Mittag wurde das Geschäft besser und eine größere Anzahl Verkäme abgeschlossen. Mehrere auswärtige Firmen setzten auch eine Anzahl der zugetriebenen „Schlacht"pserde ab. Pierde mittleren Schlages gälte»: 700 bis 900 Mk., schwere Arbcitspserde 1200 bis 1500 Mk. Der Besuch des Marktes war heute vormittag gut. Auf dem Platze konzertirte die Feuerwehrkapelle. — Der Herb st-Pferdemarkt, mit dem wie alljährlich eine Verlosung verbunden ist, wird vom 17. bis 20. September abgehalten. Limburg a. d. L., 2. Aug. Fruchtmarkt. Durchs schnittspreise pro Malter. Roter Weizen 00.00 Mk., weißer Weizen 00.00 Mk., Korn, Mk. 11.30, Gerste 00.00 Mk., Hafer 8.15 Mk^ Saathaser 0.00 Mk., Erbsen 0.00 Mk., Kartoffeln 0.00 Mk. Kerichtslaat. R. B. Darmstadt, 4. Aug. Die Ferienstr afkamnter hielt heute ihre erl'te Sitzung im neuen Juftizgebaude av, das erst am 1. Oktober definitiv seiner Bestimmung übergeben werden soll. Die heuttge Hauptverhandlung drehte sich bemerkens- werterweise um eine Offenbacher Straftat, deren d:e hiesige Strafkammer so unverhältnis-mäßib vftle abzuurteilen hat. Der Gastwirt Louis Geier u.ch beneu Jliä&riflc Marg. Kröll, waren der Kuppelei und des Der-1Kln-streiix FamMen-Uachrichten. Verlobte. Alice Kehrmann (Biebrich a. Rh.), vr. med. Ferdinand Wagschal (Mainz). Angina t-Draljtmetdungen. Berlin, 3. Aug. Die Frau des Gasarbeiters Bockhold ist unter dem Verdachte, ihr dreijähriges Kind zu Tode geprügelt zu haben, verhaftet worden. Die Leiche des Kindes wurde polizeilich beschlagnahmt. Aachen, 3. Aug. Aus Anlaß der Kündigung einiger Arbeiter des Aachener Hüttenaktienvereins „Rote Erde" macht ich unter den 3600 Arbeitern große Beunruhigung bemerkbar. Die Hirsch-Dunckerschen Gewerkschaften drängen auf den partiellen Streik, dem sich der christliche Verband widersetzt. Paris, 3. Aug. Einer Privatmeldung aus Fez zu« olge gab der Sultan dem Maghzcn seinen Wunsch kund, die Finanzverwaltung Marokkos nach dem Muster des Kongostaates von belgischen Fachmännern regeln zu lasten und als Erzieher für die Armee Schweizer Offiziere und Unteroffiziere zu gewinnen. Der Maghzen wird diesen Wunsch zur Kenntnis der Konferenz bringen. Wien, 3. Aug. Die „R. Fr. Pr." erfährt angeblich aus gut informierter Quelle, die Zusammenkunft Kaiser Wilhelms und des Zaren habe der Großherzog von Hessen vermittelt. Tanger, 2. Aug. Um sich Geldmittel zur Fortführung seines Feldzuges gegen den Sultan zu verschaffen, hat der Thronwerber Buhamara Unterhandlungen mit einigen französischen Unternehmern angeknüpft, denen er zur Gründung von Faktoreien Landkonzessionen beim Kap Agua und bei Marschica an der Rifküste zu erteilen gewillt ist. Newyork, 3. August. Die Friedenskonferenz wurde wie ein Kampf homerischer Helden eingeleitet. Morgens ließ sich Sato, der Sprecher Komuras, zu einem erstaunlichen Ausfall gegen Rußland hinreißen. Nachdem er hervorgehoben, daß selbst Roosevelt die japanischen Forderungen nur in Umrissen kenne, nannte er Wittes bei seiner Abfahrt gemachten Aeußerungen einen Bluff. Die japanischen Forderungen entsprächen den verfassungsgemäß zu berücksichtigenden Wünschen des japanischen Volkes, während die russischen Vertreter Delegierte ihrer Regierung seien, die ihr Volk über die Vorgänge auf dem Kriegsschauplätze im Dunkeln ließen und die Ansichten dieses Volkes mißachtete::. — Witte seinerseits versicherte den Prestevertretern, daß die Japaner sich auf Grund ihrer Siege Rußland noch lange nicht als QuantilS negligeable vorstellen dürsten. Diese Siege ließen den Rusten die Japaner noch durchaus nicht als die furchtbaren Feinde erscheinen. Ueberhaupt unterschätze die Welt Rußlands latente Macht. Die Presse schlägt jetzt auch bezüglich der Friedenskonferenz pessimistische Töne an. Der Herald meldet aus Oysterbay, Roosevelt sei durch Komura über die japanischen Forderungen unterrichtet und halte sie für zu hoch, als daß ihre Annahme durch Rußland wahrscheinlich rväre. baten zurückkehren zu dürfen. Trepow unterbreitete das Gesuch dem Höchstkommandierenden, General Linewitsch, der den Wunsch des Blessierten erfüllte. * Schauspielerreklame und Gerichtsentscheid. Ein treffliches Strcifticht auf zwei Dinge, die sonst nicht zu- sammenliegen, die selbstherrliche Reklamesucht der Schauspieler und die Rechtsanschauungen deutscher Gerichtshöfe wirft ein Fall in Erfurt. Der Kunstwort berichtet darüber: In Erfurt wird ein Schauspiel zum ersten Mal aufgefiihrt. Ein Mime, der eine Hauptrolle in dem Stücke dargestellt hat, setzt sich des- selbigen Abends noch hin und berichtet ans Berliner Tageblatt von einem Bombenerfolg. Und wie er das Stück lobt, so lobt er einige Mimen, unter ihnen auch sich selbst. Dann setzt er ftöhlich den Namen eines Erfurter Redakteurs darunter und schickt die Depesche ab. Nur um das Lob der Mimen verkürzt, erscheint sie am andern Tag. Soweit der erste Akt. Der ahnungslose Redakteur erfährt Vvn dem Streiche und alarmiert die Polizei. Der Täter wird entdeckt, und der Träger des mißbrauchten Namens stellt Strafantrag gegen jenen wegen Urkundenfälschung. Woraus nach sechs Wochen der erste Staatsanwalt zu Erfurt '«scheidet: „ „Auf Ihre Anzeige gegen den Schauspieler Max Meyer, genannt Günther, wegen Urkundenfälschung, teile ich Ihnen mit, daß ich das Verfahren eingestellt habe. Günther hat zwar das Telegramm mit der Unterschrift (folgt der betreffende Name) aufgegeben. Um den Tatbestand des § 267 des Strafgesetzbuches zu erfüllen, mangelt cs jedoch dem Telegramm an der Erfordernd, daß es zum Beweise von Rechten und Rechtsverhältnissen von Erheblichkeit ist, es handelt sich um eine Rellame für das aufgeführte Stück und die Darsteller, die irgend einen Einftuß auf das Rechtsleben auszuüben nicht imstande ist." „ Der Künstwart nimmt gegen diesen Bescheid energisch Stellung. Er bemerkt: „Diese juristische Gerechtigkeit dürfte wohl selbst die verblüffen, die das unbedingte Vertrauen zu unserer RechDPflegc verloren haben. In jedem Fall aber fragen wir: Soll es bei dieser Entscheidung bleiben? Bliebe es wirklich dabei, so würden wir, statt zu fragen, rund heraussagcn müssen: wir verstehen nicht mehr, nach welchen rechtlichen und sittlichen Begriffen denn ein solcher Bescheid zustande kommt. Er fordert ja geradezu heraus, daß es nun auf diesem zweideutigen Gebiet noch unverfrorener gemacht werde, als es bislang gemacht wird." * „Neigungstzeirat". In, der jüngsten Nummer der „Deutschen Bühnengenossenschaft" finden wir folgendes schöne Inserat: !! Neigungsheirat!! wünscht fein gebildete Dame — on dit elegante Erscheinung — vermögend, Besitzerin eines künstlerisch geleiteten Ateliers in Hannover, mit erstklassigem, wenn auch unbemitteltem Künstler, Dramaturg oder Literat von interessantem, brünettem Aeußern und vornehmem, idealem Charakter in den 30 er Jahren. Witwer Mit einem Kind nicht ausgeschlossen. Offerten, am liebsten mit Bild, welches sofort zurückgesandt wird, usw. usw. * Ländliche Devotion. Fremder: „Wie lange bleibst denn immer auf der Weide mit Deinen Kühen?" Kuhhirt: „Bis s' g'nug hab'n!" , . Fremder: „Ja wann haben sie denn nach Deiner Meinung .genug ?" Hirt: „Wenn ’m Bürgermaster feine Nix mehr mag! — * Kleine Tageschrvnik. In Berlin überpel an Heft Ecke der Spandauer und Heiligegeiststraße ein ettva 18 20 jähriger Bursche ein junges Mädchen und entriß die,em Uhr und Kette. Don Passanten und Schutzleuten verfolgt, gelang es, den Straßenräuber zu verhaften. Die geraubten Gegenstände wurden bei ihm nicht mehr vorgefunden; er hatte sic wcchrend der Flucht unbemerkt fortgeworfen. — In Merlenbach im Elsaß verletzte eine explodierende Dynamitpatrone eine Anzahl Bergmannkinder, die mit der Pakrone gespielt hatten. Einige mußten schwer verletzt nach dem Krankenhause gebracht werden. Im städtischen Elektrizitätswerk zu Plauen i V. wurde der 37 jährige Arbeiter Fugmann durch den elektrischen -ström getötet. Er arbeitete im HochspaNnraum und ist jedenfalls den elektrischen Leitunaen zu nahe gekommen. brechens der Verleitung zum Meineid an geklagt. Sis hatten in der Wirffchaft Unsittlichkeiten geduldet imd dairn in einer Prozeßsache mehftre der Beteiligten zu falschen Aussagen verleitet. Der Gerichtshof — Vorsitzender Landgerichtsrat Dr. Buff — verurteilte den Geier zu 1V< Jahren Zuchthaus und die Kröll zu 1 Jahr, ersteren auch zu drei Jahren Ehrverlust. Die Verhandlung sand unter Ausschluß der Oeffentlichkeit statt. d. Mainz, 2. Aug. Vor der Ferien st raskammer hatte sich heute der vorbestrafte 33jährige Tüncher Philipp Koch von hier wegen schwerer Mißhandlung seiner Frau zu verantworten. Am ersten Pfingstfeiertag kam der Angeklagte vom „Frühschoppen" erst am Nachmittag um 4 U h r nach Hause. Kaum hatte er sich am Tische zum Mittagessen niedergesetzt, als er sein Taschenmesser ergriff und auf seine Frau, die vom Tische sich erhoben hatte, losstürzte und ihr einen wuchtigen Stich in den Unterleib versetzte. Schwerverletzt mußte' die bedauernswerte Frau ins RochuShoSpital verbracht werden, während der rohe Patron ins Gefängnis marschierte. Ter Angeklagte gibt die Tat zu, er will aber durch den Genuß von 10 bis 14 halben Schoppen Wein sinnlos b etrunkci^ gewesen sein. Er will dann seine Tat sehr bereut haben. Die Frau, die erst kürzlich aus dem Hospital entlassen wurde, erzählte den Vorgang, wie er sich zugetragen hat. Ihr Mann habe sic schon öfters mißhandelt. Sehr häufig sei er betrunken-, wenn er angetrunken sei, sei er geiährlich. Kreisarzt Medizinalrat Dr. B a l s c r schilderte den Angeklagten als einen Gewohnheitstrinker, der schon einmal vor Jahren wegen Deliriums Ausnahme im Rochushospital gesunden hat. Der ganze Akt charakterisiere sich als die brutale Tat eines Gewohnheitstrinkers. Nach der Tat habe Der Rheinisch Westfälische Effektenmarkt. M ü l h e i m a. d. Ruhr, 2. August 1905. Auch heute war das Geschäft am Kohlenkux enm ar kt' außerordentlich geringfügig. Die Kürse haben kaum Verandcr- ungen aufzuweisen. Es bestand nur Nachfrage für Freie Vogel und Unverhofft, Borussia und von schweren Werten für Dorstfeld. — Das Geschäft auf dem Kalikuxen markte war beute etwas ruhiger, ohne daß die Kurse wesentlich nachgeben Von schweren Werten besteht Interesse für Glückauf bei-sondnshausen dagegen sind Hercyma, Hedwigsburg Bürbach, Reustaßmrt und Wilhelmshall zum Teil etwas ntebrtger erhältlich. Mittlere Werte kaum verändert, u. a. Gunthershall, Heldrungen, Immenrode, Deuffchland-Justenberg cttvas befestigt und mehrfach umgesetzt. Von leichten Werten Emilienhall wesentlich niedriger. Umgesetzt wurden noch Adolssglück, Benthe-Aktien, Hansa -Silber- berg, abg-st. Hansa, Verden Oel, Hattorf und Prinz Adalbert, letztere tarnten ihren Preis wesentlich aufbessern — DasGe- schäst in Erzkiiren ist ruhig. ?ycrme und Kuhlenbergerzug abgeschwächt, die übrigen Werte find unverändert Hlmversitäts-Aachrichten. — Die 50jährige Doktorjubelfeier begeht am 6. August der Leiter des chemischen Instituts und Vertreter der allg. Chemie an der Universität Halle a. S., Geh. Regierungs- rat Professor Dr. Jacob Bolyard (der Vater des Pros. V0l- Hard in Gießen). Geboren 1834 in Darmstadt als Sohu des Rechtsanwalts Justizrats K. Volhard, absolvierte ^acob Vol- hard mit 17 Jahren das humanistische Gymnasium ferner Vaterstadt. Die Chemie war damals durch Liebig's rasch erwachsenen Weltruf bei uns in Hessen bekanntlich die populärste Wissenschaft geworden: es lag daher nahe, daß der nut Siems eng befreundete Vater den Sohn der Chemie zuzuwenden wünschte. Er veranlaßte ihn daher, noch ein Semester in Darmstccht dw höhere Gewerbeschule zu besuchen. 1852 bezog Volhard die Universität Gießen, wo er noch von Liebig in dre Aiifangsgrunoe der Chemie eingeführt wurde. Er setzte dann das Ltudnrm der 1855 in Gießen promoviert, studierte er noch ein ecme ter rn Chemie hauptsächlich unter Wils Leitung fort. Shu 6. Aumist Heidelberg bei Bunsen. Inzwischen hatte Altmeister Liebig lewer seinen Wirkungskreis von Gießen nach München verlegt Volhard folgte ihm und wirkte von Ostern 1856 bis Herbst 1858 als dessen Assistent. 1860/61 war er bei A. W. Hofmann im Royal College of Chemistry mit einer Arbeit über mehratomige Harnstoffe beschäftigt. 1862 entdeckte er in Marburg im Laboratorium Kolbes eine der ersten Synthesen tierischer Substanzen, die des Sarkosins. Ostern 1863 habilitierte er sich in München. Zwei Jahre später wurde er zum Adjunkten am pflanzenphysiologischen Institut der Akademie der Wissenschaften in München ernannt, dazu übernahm er die Leitung der von dem Verein zur Gründung landwirtschaftlicher Versuchsstationen in München errichteten Versuchsstation. 1869 wurde Volhard Extta- ordinarius für organische Chemie in München, ftihrtc nach Liebigs Tode interimistisch die Leitung des dortigen chemischen Jn- stittlts und von 1872 bis 1879 die der anorgnn. Abteilung dieses Instituts. 1879 folgte er einem Rufe nach Erlangen als Ordinarius für Chemie. 1881 erfolgte seine Ernennung zum 0. Professor und Direktor des chemischen Laboratoriums m Halle. 1897 war er Rektor der Halleschen Hochschule. Neben seiner Tätigkeit als Lehrer haben Volhards 2(rbeiten große Anerkennung in den Kreisen der chemischen Wissenschaft gefunden.^ Seme „Neue Methode der maassanalytischen Bestimmung des Silbers wird jetzt in vielen staatlichen Münzstätten und ganz allgemein in den privaten Silberwerken zur Bestimmung des F-emgehaltes von Silberlegierungen benützt. Seit 1871 ist Volhard Redakteur und Herausgeber der I. Liebigs Annalen der Chemie und Phar- maeie, in Gemeinschaft mit Liebig, Wöhler, Kopp, Erlenmeyer, Hofmann, Kekulö, Fittig, v. Baeyer und Wallach. Der Gelehrte ist seit 1894 Präsident der Natursor)chenden Gesellschaft zu Halle an der Saale. ,, , . „ , . r — Der Weimarer Kartellverband Neuphilologischer Vereine hat auf Grund der Eisenacher und Weimarer Beschlüße folgende Resolution gefaßt: Der Weimarer Kartcllverband Neuphilologischer Verein Deutscher Hochschulen spricht den k 0 n s e s s i 0 n e l l e nK 0 rp 0 r a t i 0 n e n die Existenzberechtigung ab, da sie eine schwere Gefahr für die Einigkeit des Vaterlandes bilden. Der Verband, der auf ivissenschaftlicher Grundlage gegründet ist, hält es für feine Pflicht, mit allen ihm zu Gebote stehenden Mitteln gegen Korporationen zu kämpfen, tu denen freie, wissenschaftliche Forschung gefährdet ist. Aröetterbewkgung. Vom rhernisch-lvestfälischen Bauarbeiter- ttusstand. Nach einer Nachricht aus Bochum beschlossen am 2. d. M. die Bauarbeiterdelegierten nach fünfstündiger geheimer Sitzung gemeinsam mit der Sechserkommission, erst dann in erneute Unterhandlungen mit den 'Uroeitgebern einzutreten, wenn der ^Arbeitgeberverband sich zur sofortigen Regelung der Lohnfrage bereitsindet. Ist den Kreisen Dortmund, Hörde, Bochum, Essen, Gelsenkirchen, Ruhrort und Recklinghausen ist die Zehnstundenschicht bei 55 Pfg. Stundenlohn für Maurer und Zimmerer sowie von 45P,g. für Hilfsarbeiter zu erkämpfen. — Der Einigungs- Vorschlag der Arbeitnehmer des Baugewerbes, welcher der Bundesversammlung der Arbeitgeber in Witten zur Be- schlußfaffung vorgelegt würde, lautet folgendermaßen: „In venr ganzen rheinisch-westfälischen Jüdustriebez/irk, soweit sich der Arbeitgeberbund erstreckt, sollen unter Außerkraftsetzung der jetzt bestehenden Lohnsätze, nach Wiederaufnahme der 'Arbeit am 1. September er. die Löhne der Maurer, Zimmerer und Bauhilfsarbeiter um 2 Psg. und ab 1. Januar 1906 um einen weiteren Pfennig per Stunde ,erhöht werden, unter Festlegung dieser erhöhten Löhne bis zum 1. Mai 1907. Da die Bundesversammlung der Arbeitgeber beschlossen hat, bis zum 1. April 1906 keine Lohnerhöhung eintreten zu lassen, die Vertreter der Arbeitnehmerorgani-' sation aber bei den ganzen Verhandlungen das Zugeständnis einer Lohnerhöhung noch in diesem Jahve als erste Voraussetzung bezeichneten, so versprechen die weiteren Verhandlungen vor der Hand keinen Erfolg." — In Dellwig drangen ungefähr 200 Maurer in den Bahnhofswärte- saal ein, um eben angekommene Arbeitswillige zur Wiederabreise zu veranlassen. Es tarn' zu schweren Tu- mu lten. Die Polizei schritt mit blanker Waffe ein. Mehrere Personen wurden v e r w u n d e t, die Mführer verhaftet. Hagle geltend, daß et nicht beabsichtigt habe, den Damen das Bild feiner Tabakdosc zu zeigen, zudem fei cm Eif-nbahnwagen kein öffentlicher Ort und Ne Beeidigung daher keine öffentliche. Das ^'berlandesgericht verwarf aber die Revision und führte aus, daß das Bild der ominösen Dose unzüchttger Natur sei. Der Eisenbahnwagen sei als öffentlicher Ort gttzu- sehen, denn die einzelnen, durch niedrige Wände von einander getrennten Abteile seien duvK einen langen Gang von einander getrennt, so daß die Fahrgaste von einem Abteil zum andern gelangen können. „ ,£ _ , * Ein jüdischer Held. Dem nn Hospital von Jrkust befindlichen jüdischen Gefreiten der 31. ruft. Artilleriebrigade, Lasar Lichtmacher, der für seine Tapferkeit mit dem Georgskreuz dekoriert wurde, mußte unlängst eine Hand amputiert werden. Trotz dieser Verstümmelung wandte sich der Geftcite an General Trepow mit der Bitte um die Erlaubnis, in die Reihen der in Osiasien kämpfenden Sol- Israelitische Religionsgemeinde. Hottesdien» in der Synagoge (Südanlage). Samstag den 5. August 1905: Vorabend: 7.30 Uhr. Morgens 8.30 Uhr. Nachmittags 4.00 Uhr. Schi rfterklärung. Sabbathausgang 8.50 Uhr. Israelitische Rcligionsgesellschaft. Gottesdienst. Sabbathfeier am 5. August 1905. Freitag abend 7.40 Uhr. Samstag vormittag 8.00 Uhr. Predigt. Nachmittags 4.00 Uhr. Sabbathausgang 8.55 Uhr. Wochengottesdienst: morgens 6.00, abends 7.30 Uhr. Gießener landwirtschaftlicher Wetterdienst. Voraussichtliche Witterung in Hessen für Freitag den 4. August 1905: Meist trüb und windig, vielfach Negenfalle, kühler. Näheres durch die vlleßener Wetterkarte. Handel und Verkehr. Dolksmittschast. Chemische Werke Albert in Biebrick)-Amöne- bürg Auf die fortgesetzte Kurssteigerung der Aktien bei* Gesellschaft bin hat sich die Leitung veranlaßt gesehen betaut^ wrrriVn daß diese Hausse Über das normate. Maß hinaus ge gangen ist. Eine Meldung, daß die Gesellsckwft größere Abschlüsse auf Superphosphat besonders günfhgen fßreifeii abgeschwssen habe, wird als den Taffachen nicht ent- »MK ä ift reiebcr 6ic su ,aMnbc »r Kuvvetci und des Der-i Kurstreiberei das em-ige Mvttv. sich der Angeklagte sehr vernünftig und nüchtern benommen. Die verletzte Frau habe anfänglich in Lebensgefahr geschwebt. Der Staatsanwalt beantragte 3 Jahre Gefängnis; das Gericht erkannte auf l‘/2 Jahre Gefängnis. fc. Frankfurt a. M., 2. Aug. Leutnant Alexander Cramer von der hiesigen Abteilung des 63. Feldarlilleri'eregiments hatte einen polizeilichen Strafzettel über 15 Mk. erhalten, weil am Abend des 16. Juni, als er mit seinem A u t 0 m 0 b i l über den Hohenzollernplatz fuhr, die Nummer an seinem Fahrzeuge nicht beleuchtet war. Gegen diesen Strafbefehl hatte der Leutnant Einspruch erhoben, der einen negativen Erfolg hatte. Das Kriegsgericht erkannte nämlich mit Rücksicht darauf, daß er wegen derselben Uebertretung in drei Fällen vorbestraft ist, auf 30 Mk. Geldstrafe. Sein Einwand, daß die Laterne ohne sein Wißen wieder ausgegangen sei und ihn der Schutzmaiin hätte darauf aufmerksam machen müssen, wurde zurückgewiesen, da er doch nicht verlangen könne, daß ihm der Schutzmann nachlaufe. Dresden, 1. August. Das Kriegsgericht der 3. Division verurteilte den Hauptrnannvon Hoden berg vom Regiment Nr. 108 wegen Beleidigung und vorschriftswidriger Behandlung Untergebener zu 3 Wochen und 3 Tagen Sttlbenarrest_________ 049991 Frankfurterstraße 72 zwei lL(li33vUi5vyi flUÜK 4-Zimmerwohniingen zu vermiet. 14050 Lohn gesucht. Ein JtliUUJlU Grünberger Slr. 32. [4026 Versetzungshalber ■ Seltersmeg 35. mieten. KsWascfThfi Ä Ed. Klinket. 05124 Ei Ostanlage 9. 3617 L&den etc. 4055 kaufen. Auskunft parterre. 3953 3995 vermieten. Nähcrcs Walltorstr. 75, 1. Sl. Seltersweg 14. mieten. 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