Nr. 153 General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Lietzen Die Japaner bis Lokutschian und von anke M ver J i Ier Krieg, Dom Kriegsfchanplahe. gzfAnni GzNch mt! vuSnohm, be» Sonntag». Mt, «•ItfttMt -a«ttitnbIStr-r" werben dem gUngetger vtermat »Schentllch betgelsgt. Der Zoniwkl* moaalUch einmal. und beabsichtige, sich persönlich nm die Ruhe und Ord nung im Innern des Landes zu Vernühen. Montag 3. Juli 1908 Dotattons^omck imb Verlag bet DrühNchsr UnwersträtSdruckrrei. ÖL Sange. Guch«. Redaktton, Expedition ». Druckerei r bchulftrI, Del. Nr. 6L Letegr^Ldr.» An-etger Lirtzen. Petersburg, 2. Juli. Ein Telegramm des Generals Linewitsch meldet: Am Morgen des29. Juni drängten die Japaner energisch gegen Beide vor. Unsere Vorposten zogen sich zurück. Nachdem Verstärkungen unsererseits eingetroffen waren, ging der Gegner noch im Laufe desselben Morgens zurück. Die Japaner rückten von Nantschantschensi bis Lokutschian und von Julantsi bis Wanhegou vor. Petersburg, 1. Juli. meldet aus der Mandschurei, daß sich gegenwärtig kaum Der „Nowoje Wremja ii tt 6 zu feiern beabsichtigt, muß darauf vorbereitet sein, daß auch eine richtige Julihihe den Tag krönt. Aber der BegrüßungS^ sonntag-Vormittag enttäuschte nicht. In großen Scharen! kamen die auswärtigen Gäste. Wenn auch die sengende Sonnenglut den eifrigen Radlern die Arbeit nicht ganz leicht werden ließ, so konnte doch bisher nur eine Stimme darüber herrschen, daß unsere Stadt Gießen im schönsten Festschmuck wieder alles ausgeboten hatte, um einer stattlichen Anzahl Fremder einen hübschen Aufenthalt, anheimelnde und gemütliche Eindrücke zu bieten. Daß gute Beispiel wirkte viel mit: der Gießener selbst war es in erster Linie, der. sich detz Tages freute und der allgemeinen Festesfreude die Wege bahnte. So hatten denn auch in einem guten Sinne die Redner. Recht, die am Samstag abend bei dem Festbankett in der Turnhalle die Gießener priesen, die es, allen anderen voran, „verständen, Feste zu feiern6. Dies Wort hat einen bitteren Beigeschmack, der aber diesmal nicht zum Bewußtsein gekommen war, denn cS galt dem gutem, munteren Geilt, nicht der abgestumpften, nie zu befriedigenden Genußsucht... Also am Samstag abend war der Begrüßungskommers. Die geräumige Turnhalle war voll besetzt. An der Tafel der Ehrengäste, die man unmittelbar unter öie musikalischen Eindrücke der wackeren Hanauer Ulanen gesetzt hatte, befanden sich u. a. Provinzialdirektor Geheimrrat Dr. Breidert, Kommerzienrat Hepligenstaedt, ibeig. Curschmann, die Stadtverordneten Huhn und K.'rch; auch aktive Radler: ber Vorsitzende des „festgcbenden Ver- 1 eins” sein übles Wortl) Fabrikant Löttgen, sowie der 1. Vorsitzende des Gaues IX des deutschen Nadfohrerbundes, Herr Stift an? Frankfurt. Herr Huhn, der langsährige frühere Vorsitzende des Vereins, führte den Vorsitz und hielt die Eröffnung?- und Begrüßungsansprache. Dann erhielte» wieder die Musiker des Thür. Ulanenregiments Nr. 6 a’3 Hanau das Wort, die hauptsächlich da? Verdienst haben, iasi der Abend von Vergnügen und Frohsinn belebt wurde. Die offiziellen Festreden waren zwar auch notwendig, und es (Mg aus ihnen hervor, daß die zahlreich anwesenden Vereine gs'cn der Einladung des Gießener RadfahrervereinS gefolgt roare^ und für die Kameradschaftlichkeit der Vereine untereinander beredtes Zeugnis ablegten. Doch zuvor sprach Provinzial- ' irektor Geheimrat Dr. Breidert, der gleichfalls der Einladung deS Vereins gefolgt war, freundliche und beglück» wünschende Worte, womit er an die Zeiten erinnerte, da daS Rad eine ähnliche Stelle wie heute das Automobil einnahm, nämlich als eine Teufelsmafchme verpönt und von den strengen Gesetzgebern deS Staates und der Verwaltung mit wenig rücksichtsvollen Maßregeln verfolgt wurde. Doch daS wurde gar bald anders; man erkannte, als die Verbesserungen des Verkehrsmittels auch dessen grimmigste Feinde und die Gewalt- und Machthaber zur Benützung deS Na'oeL verführten, daß es doch etwas ganz schöne« sei, so frisch^und forsch, allen mißtrauischen Gesichtern der GesetzeSwächter, GenSdarmen und Schutzleute zum Trotz durch die schöne Natur, von Stadt zu Stadt, von Land zu Land zu fahren. Und weil jetzt die Machthaber selbst für die Ausübung des neuen Sports die nötigen Erleichterungen und Bequemlichkeiten brauchten, hob man die unnachsichtigen und dräuenden GesetzeS- paragraphen auf. . . Als Geheimrat Dr. Breidert mitteilte, daß er selbst die Einführung loyaler Bestimmungen für den Nadfahrerverkehr, die Freigabe auch der Fußwege, durchgesetzt habe, wurde seiner Rede der lebhafteste Beifall gezollt. Dann sprach der jetzige Vorsitzende deS RadfahrervereinS von 1885. In einer kurzen Chronik bekundete er, daß der Verein seit der 20 Jahre fernes Bestehens 10 Vorsitzende gehabt habe, darunter, wie erwähnt, Hr. Stadtverordneter Huhn. Im GründungSjahr war auch Hr. Kirch in den Vorstand gewählt worden. Beigeordn, Curschmann sprach als Vertreter ber Stadt. Er, wie auch Rechtsanwalt Kaufmann, der für die Gießener Turnerschaft die Glückwünsche aussprach, führte aus, daß der Radfahrersport in jeder Weise förderlich wirke. Rach einer kurzen Ansprache des Vorsitzenden des Gaues IX sprachen die Vertreter von noch ca. 6 , bis 8 Vereinen. Da im allgemeinen immer wieder nur dasselbe zu sagen war, daß man gerne an der Feier teilgenommen habe, zogen es einige Vereine vor, sich nicht zum Wort zu melden, desto fröhlicher aber an dem gemütlichen Teil deS Abends, wozu ein Coupletsänger beitrug, sich zu beteiligen., Erwähnt sei noch, daß der Schützenverein einen Vannernagel/ ber Verein Frohsinn einen Becher überreichen ließ. _ Sehr erbaut waren die Anwesenden von einer poetischen und patriotischen Ansprache des Herrn Werkführers Schufst sowie einer vor den Folgen beS übermäßigen Atkoholgenusses warnenden Rede des Vertreters deS Gießener Fußballklubs ... Der Sonntag vormittag wickelte sich programmgemäß ab. Früh morgens riß ein Weckruf die Leute aus dem Schlummer, dem man um so lieber Folge leistete, als bie große Hitze nachher doch niemand mehr zum Schlaf kommen ließ. Von 8 Uhr an wurden die fremden Vereine und sonstigen Festgäste an der Bahn feierlich empfangen und durch die festlich geschmückten Straßen in die Stadt geleitet, wo ihnen um 11 Uhr ein Frühkonzert im Neuen Saalbau geboten wurde. Um 1 Uhr war darnach ein großes Festessen im Neuen Saalbau, woran sich auch die zahlreichen Mitglieder der Ausschüsse lebhaft beteiligten. Das Hauptinteresse des Gießener Publikums lenkte sich nachmittags auf den Preiskorso durch die Stadt, der mit einer prächtigen Auffahrt aus OZwaldSgarten endete, von wo die Fahrt nach dem Sportplatz a. d. H. nngetreten wurde Der lange Zug der verschieden gekleideten Nadfahrvereine mit ihren Fahnen und festlich geschmückten Nädern bot wirklich, zumal bei der geordneten Auffahrt, einen sehr schönen An°> , blick. Au eh Vertreterinnen deS weiblichen Geschlechtes Hutten : an dem Festzug teügenommen. 2 Abteilungen in Wagen ' Noll, Kreuz. Dj’/ Valhnfels/' "kalmtttelM. 'eisen rc. Sei, en, nur Streuen. ?»rr ernstere Vorgänge erwarten lassen. Mongolen behaupten, daß hie Japaner nicht vor Mitte August zum allgemeinen Angriff übergehen werden; jedenfalls scheint es, als wenn eine weite Umgehung des rechten russischen Flügels durch Rogi an topographischen Schwierigkeiten gescheitert ist und'daß er nunmehr seine Armee auf Tschantafu konzentriert. In Korea gewinnen die Japaner täglich mehr an Terrain. Eine neue japanische Anleihe. London, 2. Juli. Der japanische FinanzagentTaka- lashi, der sich zur Zeit in England befindet, erklärte einem Vertreter des Reuterschen Bureaus, es sei unmöglich, bad Ergebni s oder die Dauer der im Gange besiudlicheil Friedensnnterhandlungen voraus.uschen. Japan mbe mit seiner zukünftigen finanziellen Lage zu rechnen. Es habe jetzt 50 Millionen Dollars in New Aork und 800000 Pfund Sterling in London, die noch von der etztcn Anleihe übrig seien, außerdem habe es die letzten Natenzahlungen der Anleihe zu erwarten, die noch nicht ällig feien/ aber, selbst wenn der Friede zustande- omme, werde Japan noch mehr Geld gebrauchen zur Tilgung der inneren Anleihen, zur Zurück- Beförderung der Truppen und für die allgemeine in oixftrieile Entwickelung Japan schlage daher vor, alsbald eine neue Anleihe im Auslande zu machen, die 30 Millionen Pfund betragen und in London, Ncw- l)ork und auf dem europäischen Festlande emittiert werden olle. Die Anleihe solle durch die Einnahmen aus dem Tabakmonopol garantiert werden. Die FriedeM!-5»onferenz. Washington, 2. Juli. Präsident Roosevelt ist zu der Mitteilung ermächtigt worden, daß die russische und Die japanische Regierung ihn von der Ernennung von Bevollmächtigten in Kenntnis setzten, die möglichst bald nach dem 1. August zusammentreten sollen. „Die beiderseitigen Bevollmächtigten erhielten uneingeschränkte Vollmacht, über den Frieden zu verhandeln und ihn abzuschließen unter der Voraussetzung der Natifikation durch die beiderseitigen Negierungen. Petersburg, 1. Juli. Die Pet. Tel. Ag. erfahrt aus glaubwürdiger Quelle, daß zum Bevollmächtigten der russischen Negierung für die Unterhandlungen mit dem japanischen Bevollmächtigten in Washington der russische Botschafter in Nom, Murawiew ernannt werden soll und ber russische Botschafter in Washington, Baron Rosen, an den Verhandlungen teilnimmt. mr ——■M—i,ir , HF———KW, irr»»—< Zweites Matt. 133. Jahrgang A Eichener Anzeiger 6tadl((roi ßtfr* Ii< i""1 hMider, Mirts-U tätig- ■*L.» > bilnB ‘L- Die Anarchie in Rußland. Odessa. ES wird nicht so bald möglich sein, den ung-eheuren Schaden wieder gut zu machen, der bei den Unruhen rn Odessa verursacht wurde. Die Meldung von deren Beendigung (vgl. die heutige „Polit. Wochenschau") wird durch die heutigen Telegramme (vgl. unseren heutigen Depeschen- teW fraß widerrufen. Tie russischen Versichernngs- j Gesellschaften werden wahrscheinlich denen, die um ihr ; Hab und Gut gekommen nnb, keinen Pfennig auszahlen. } ES sind auch viele Ausländer zu Schaden gekom- . men.’ Die betreffenden Staaten werden für ihre Untertanen . Entschädigungsansprüche erh-ben. _ , 30 verbrannte und halbvfrbrannte Leichen, die Opfer • ter Feuersbrunst von Mittwoch Nacht, liegen noch im Hafen : in den Hafenschuppon. Die letzten Nächte verliefen ohne Ruhestörung. Einzelne Signalschüsse zwischm den Biwak- vlätzen in den verschiedenen Stadtteilen unterbrachen die : Stille. Die Flucht der Bürger aus Odessa dauert fort. Man ■ muß jetzt Fahrkarten 10 Tage im voraus bestellen. Der Matrose des „Potemkin", der am 27. Juni von . Xncnt Offizier erschossen wurde, hieß Stefan Omol- tschuk ober Omoltschenko; er war bekannt als rühriger ; sozialdemokratischer Agitator unter den Matrosen der Schwarzen Meerflotte. Gewöhnlich war er ihr Wortführer bei Beschwerden. Omoltschuk stand schon im November 1904 an der Spitze der Matrosen während der Unruhen in Sewastopol, wurde aber damals vom Kriegsgericht freigesprochen. Der Truppenkommandant von Odessa hat den Euiwoh- itetn untersagt, Gruppen von mehr als 20 Personen auf Plätzen und öffentlichen Straßen zu bilden. Alle größeren Ansammlungen werden gewaltsam auseinandergesprengt. Die Truppen haben Befehl, eventuell ohne weiteres von ihren Waffen Gebrauch zu machen. Die Hotel- und Hausbesitzer sind angewiesen, alle verdächtigen Leute, die sie beherbergen, ber Polizei anzugeben, widrigenfalls „ eine strenge Strafe gegen sie eingeleitet wird. .Die Eigentümer, tn deren Wohnungen Bomben ober sonstige Explosivstoffe angefertigt werden, sollen in entfernte Provinzen verbannt werden. Ist ihre Beteiligung an der Herstellung von Explosivstoffen bewiesen, so sollen sie vor ein Kriegsgericht gestellt werden. In den letzten Tagen verurteilte bc/3 Odessaer Kriegsgericht über 100 Personen, welche sich den Anordnungen des Militärs nicht fügten, und bei Plünderungen und Brandstiftungen betroffen wurden, Tode. 50 Verurteilte wurden sofort erschossen. Auch viele So Iba tetr wurden zum Tode verurteilt. Diese Ereignisse "haben auf den internationalen und, wie /chon angedeutet wurde, für oen deutschen Getreide- Han d e l ein erhebliches Interesse. Nach den Bestimmungen des deutsch-nieoerländischen Getreibekontrakts wird jeder Vertrag auf Getreide Verladung, salls die Verladung durch Ausfuhrverbot, Blokade oder Feindseligkeiten verhindert ist, aufgehoben. Aehnlich Tauten die Bestimmungen in dem englischen Kontrakt. Es sind zweifellos noch manche Juli- Kontrakte in Odessa zu erfüllen, während gegenwärtig, falls sich die in den Zeitungen geschilderte Lage der Verhältnisse in Odessa bestätigt, zunächst wohl kaum auf Llbladung zu rechnen ist. Haben die Ablader kein Interesse, die Beschießung des Hafens als Grund dafür auszunutzen, sich ihren Verbindlichkeiten *u entziehen, so wird doch mindestens eine Verzögerung in der Ausführung mancher Kontrakte entstehen. Eitte weitere Unannehmlichkeit bedroht den Getreidehandel in dem Falle, falls c ne bereits gemachte Mladnng ,nt Schwarzen Meere durch die Beschießung der meuternden Schisse oder durch die anderweitige russische Flotte in Verlust gerät. Da in den Versicherungs kontrakten, die gegen» prärtrg für Fladungen vom Schwarzen Meer laufen, Kriegsgefahr nicht vorgesehen ist, so würde für solchen FaLl die Ware durch Vers cherung nicht gedeckt sein und ein Anspruch auf Schadenersatz sich nur an die russische Regierung sichten können. In Berlin ssnd Odessaer Telegramme eingetroffen, laut welchen das dortige Getreidegeschäft vollkommen auf gehört hat. Weitere Greueln. In Brzezieny (Polen) haben die Truppen einen ozialistischen Straßenumzug angehalten. Die Sozzialisten "rügen eine rote Fahne und leisteten den Truppen Wider- |tanb. Die Truppen machten Gebrauch von der Waffe. 30 Arbeiter touroen getötet und ebenso viele verwundet. Nach anderen Meldungen aus Brzeziny arrangierten 4000 jüdische Arbeiter eine Manifestation mit roten Fahnen. Kosaken gaben ohne Warrnmg mehrere Salven. 12 Demonstranten wurden getötet, 13 verwundet. Das Kriegsgericht in Lodz verurteilte drei Arbeiter wegen Beteiligung an dem jüngsten.Aufstande zum Tode. IN den Sprtälern von Lodz sind inzwischen 69 verwundete Opfer der letzten Unruhen ihren Ver* letzungen erlegen. Durch Agenten ber Geheimpolizei wurde bei dem pensionierten Beamten Andruschkewitsch und dem Studenten Ander im Dorfe Wyra, Bezirk Zarskoje Sfelo, eine Bombenfabri k mit acht geladenen und zweiundzwanzig nicht gelaßenen Bomben und etwa 100 Blechkisten mit flüssiger Sprengmasse und Sprengkapseln und weiterem Material zur Bombenfabrikation gefunden. Ein offiziöses Dementi. Berlin, 1. Juli. Die kaiserlich russische Botschaft ist ermächtigt, die Nachricht, datiert aus Petersburg, 19. Juni, über eine angebliche Ver sammlung v on r ussischen Offizieren in dem Lager von KraSiroje Sselo in entschiedenster Weise zu w i d e r l e a e n. Eine derartige Versammlung fand Überhaupt gar nicht statt, und die ganze Nachricht beruhe auf Erfindung. sWir bemerken dazu, daß jene Nachricht von den offiziösen Telegraphenbureatts in.Petersburg und Berlin verbreitet wurde!! D. Red.) Der Zar. Angesichts der immer bedrohlicher werdenden Lage im INnern hat die Kriegs Partei in ber Umgebung bes Zaren jeben Einfluß verloren. Der Zar soll einer Sm Persönlichkeit gegenüber erklärt haben, baß er um £n VroKL mit L^av an Fx.ie b e n schließen werbe Die Wsrokko-Krage. P a v i s, 2. Juli Der deutsche Botschafter Fürst Radolin begab sich gestern nach dem Ministerium des Auswärtigen, um mit bent Ministerpräsidenten Ron Vier zu konferieren. Nouvier , übergab dem Botschafter ein Schriftstück, bas mehr eine Notizenaufstellnng als eine diplomatische Note ist und die Punkte zusammenfaßt, zu denen man im Verlaufe der bisherigen Unterredungen gelangte. Mcnr nimmt an, aast Wiese Besprechung den vorbereitenden W-schNiN ber Unlerhanblunsten beendigte und daß ut der ersten Unterredung, die der Ministerpräsident in der begonnenen Woche mit dem Botschafter hat, die Verständigung über bas Prm- zip ber Konfcrem uirb bie Bebingungen, unter denen Frankreich ihr zustimmt, offizielle Gestalt annehmen wird. Der „Figaro" meint, in den biplomatischen Unterredungen und in ber Presse Beiher Läuber kam oft zum Ausdruck, baß Paris und Berlin in jeglicher Weise eine fr eundschaft- liche Lösung wünschen. Deutschland hat mit der Konferenz ein sehr großes Zugeständnis verlangt. Frankreich hat Uug daran getan, zu zeigen, daß es die Konferenz nicht zurückweist, falls Deutschland diesbezüglich einen unveränderlichen Standpunkt emnähme. Es wird vieNeicht in beiden Ländern Unzufriedene geben, aber bas waren nur diejenigen, welche kein Verständnis für ehrliche Transaktionen haben. „ ... „ , Der Berliner Spezialkorresvondent des „Matm" will ermächtigt sein, folgende ihm schriftlich zugeganaene Erklärung des Reichskanzlers Fürsten Bülvw zu veröftentichen: „Ich will niemand, wer immer es sei, Auskünfte oder Andeutungen betreffend den gegenwärtigen Stand ber Berhanb- lungen liefern, über welche ausschließlich bie Vertreter ber beiden Negierungen unterrichtet sein dürsten. Immerhin kann ich Ihnen sagen, und ich ermächtige Sie, dies zu wiederholen, daß man in Frankreich einen Irrtum fregmge, wenn man annähme, daß wir irgendwelche Hintergedanken hegen, derentwegen sich Jlw Land beunruhigen konnte. Die deulsche Diplomatie ist loyal und aufrichtig unb hat kein anderes Ziel, als durch gerechte Mtlel zu emer friedlichen Lösung der gegenwärtigen Streitfrage, die schon zu lange ge- dauert hat, zu gelangen. Ich beharre Bei ber Disicht, daß die Bereiniwma in einer Konferenz der s i che r st e W e g Ware, um aus einer Lage herauszukommen, bie in mehr als einem Betracht gespannt und gefahrvoll war, sowie um alle berechtigten Interessen zu Versöhnern" DiSZeier dcs LvsäSriflcn A-ft-kens des OieSencr KaSfahrew rni-s 1885. Gießen, 3. Juli. Ter erste Hauptfesttag am gestrigen Sonntag war von dem besten Wetter begleitet; wer in den Julitagen ein Fest Wanzenm.Urnt. Ävuienaufhellev rten Möbeln rc. 5 Mir Mg von Ratten Lchon 80 Ratten : 'n Lokalität ye- ich fiir Menschen W haben: Droa. lug. Noll, Drog. lanksurterStraße, «u/, erVadeslilz st 04325 \M, Krerizplatz 9. t e t c c 5 t c ir e t r sah,-nde - Musik, einige Herren be8 ELrenäüSschuffeS, sowie Schiedsrichter- und Preisrichterkollegiums, gleichfalls m Wagen, waren in die Zuge der irolj der Hitze leicht und schneidig fahrenden Rabsahrervcreine eingeordnet. Diese im ri-azelnen aufzusiihren, ist nicht möglich; es mochten nahezu 20 gewesen sein. Der Radfahrer-Verein Wetzlar in feiner '.schmucken blauen Sammettracht erregte besonderes Aufsehen. Bei dem Korso durch die Stadt wurde folgende Preis- eoerteiluna vorgenommen: _ I. Kl.: Pa’mftäbh 93(loc;neb-RIub mit 11,74 PuukUm 1. Preis: TT Kl.' R -D. Wan eri ebe-Frcmkiurl a. M. mit 11,80 P. 1. Preis; R.°V. Marburg mit 10,71 P. 2. Preis. .iTI.Kl.: R.-V. Gerrnania-Frankiurt a. M. mit 11.32 P. 1. Preis: R.-V. Kermania-Bornheim mir 11,0 P. 2. Preis; R.°V. Blitz'Lirchhain mit 10,93 P. 3. Preis. IV. Kl.: R.°V. Herborn mit 10,70 P. 1. Preis: ( Radi.-Quartett Frankfurt mit 10,56 P. 2. Preis; R.-V. Tentonia-Frankiurt mit 10,47 P. 3. Preis; R.-V. Weidenau-Siegen mit 10 07 P. 4. Preis; R.-V. lieber Perg nnh Tal-Siegen mil 9,72 P. 5. Preis. <9 Vereine hatten in Klasse IV konkurriert.) Auf dem Sportplatz auf der Hardt begannen im ^Beisein ungezählter Zuschauer etwas verspätet die Kunst- ureigen- und Gruppensohren, die lebhaftes Interesse wach 'riefen. Das Preisresultat war folgendes: ©djufretgcnfabrcr: Delocived-Klub Darmstadt mit 5.32 Punkten 1. Preis; R.-V. Herborn Ehrenpreis. Hauptfahren: Kronenberger-Gießen, 1. Preis, Ceber- Fransturt 2, Preis. Motorrennen' a. über 21/« Pferdekröi Karr er - Frankfurt 4. Preis, Ho es-Gießen (schwächerer Motor) 2. Preis, b. unter 21/, PfkrbettäfU: Hoes'Gießen 1. Preis, Vogel-Gießen 2. Preis. Mannschaftsfahren. R.-V. Germania-Frankfurt 1. Preis. Nach den Darbietungen auf dem Sportplatz, bei denen /Radler, deren Räder aneinander gerieten, in vollerFahrt stürzten, ohne indessen Schaden zu nehmen, wurde oben, auf BichlerS Hardt, die Verteilung der Preise vorgenoinmen. Es hatte mittlerweile auch Hunger und Durst gegeben, und so ent wickelte sich auf der Terrasse ein lebhaftes Treiben, das sich nach der Befriedigung be§ Notwendigsten in einen Tanz um« setzt?, wobei die Hanauer Ulanen unter Assistenz einiger bewährter Gießener aufspielten. Im Tanzsaal fehlte es auch nicht an sonstiger Unterhaltung. Zwei Wetzlarer Mechaniker, Aug. Schirmers und Fritz Lang, dieser ein geborener (Siebener, boten auf einem Rad zu Zweien die schwierigsten Kunststücke dar. Der Abend verlief sehr unterhaltend, und ... e Erwartungen auf die Ergebnisse des heutigen Montags 'nb aufs höchste gespannt. Heute kommen u. a. auch der st ei? des Fürsten von Lich (ein Service im Preis von 1.0t Mk.) und der Gaupreis (ein Pokal im Preis von 100 Mk.) Zur Verteilung. Aus Stadt Md KauS. Gießen, 3. Juli 1905. Ihre König!. Hoh. die Großherzogin ist gestern abend V28 Uhr, mit dem Pcrsonenzug von Lich kommend, von hier aus wieder nach Schloß Wolfsgarten zurückgekchrt. Auch S. K. H. der Großherzog ist nach feiner Mainzer Reise, wie uns aus Darmstadt gemeldet wird, gestern abend wieder auf Schloß Wolfsgarten eingetroffen. ** Feuerwehrfest. Die Nähe des Festes bedingt, so schreibt man uns, bei allen für die Jubelfeier tätigen Ausschüssen ein besonders fleißiges Arbeiten. So auch für unsere Sänger, welche durch verschiedene auswärtige Gesangswettstreite in ihren Vorproben gestört waren. Um so zahlreicher müssen jetzt die Proben aufeinander folgen; um so pünktlicher von den Sängern besucht werden. Dienstag und Mittwoch sind Einzelproben (s. Inserat!), Donnerstag und Freitag Gesamtproben. "Verdächtiger Besitz. Man fand bei einer verdächtigen Person mehrere Wecksäckchen. Diejenigen, denen solche in letzter Zeit entwendet morben sind, werden ersucht, der Kriminalpolizei Mitteilung zu machen. ** D i e F o l geN e i N e r B a l ger c i 9(m tibriqen Samstag f’. ml- it sich ;:i ber Sonnenstraße zwei 12 jährige Buben. Hierbei warf der cim Den anderen so unglücklich zu Boden, daß er einen Beinbruch erlitt. •• Ertrunken. Gestern früh begaben sich von der Herberge aus fünf Arbeiter in das Neustädterfeld an die Lahn, um sich dort ihre Hemden zu waschen. Während sie die Hemden an der Sonne trockneten, trieben sie allerlei Zeitvertreib, insbesondere renomierte der Spengler ©umhin aus Neuwedel, daß er ein gewandter Schwimmer sei und vom Militär aus noch eine Schwirmnkarte besitze. Er zog sich dann vollends aus, sprang in die Lahn und schwamm dis in die Mitte des Flusses. Seine Begleiter, welche merkten, daß seine Schwimmkunst nich weit her war, mahnten ihn ;ur Umkehr, was er auch befolgte. Er war noch etwa drei D?cier vom Ufer entfernt, als ihn die Kräfte verließen und rr plötzlich unterging, ohne wieder um Vorschein zu kommen. Die Leute am Ufer konnten nicht schwimmen; es war auch keine Stange ober dergleichen zur Hand, und so mußten sie zusehen, wie ihr Kollege ertrank, ohne etwas zu seiner Rettung unternehmen zu können. Die Leiche wurde heute gelänbet. . ** Gesangs wett st Veit in Vilbel. Bei dem gestern /ont Gesangverein„Lieder!ranz"-Vilöel ans Anlaß seines 50 jähr. Jubiläums veranstalteten GesaNfls Wettstreit errang, wie man uns mittellt, bet ,,P an er'scke G e s a u g v c r e i n"-Gießen mit 233 Punkten, der höchsten non sämtlichen 32 lonfitrrierenben Vereinen erreichten Punktzahl, in Klasse 2 b ben ersten Preis, tin vom Fahrrad-Seip-Frankfurt n. M gestiftetes silbervergoldetes Trinkhorn: der Gießener „Maschinenbauer-Gesang-, Verein" erwarb mit 223 Punkt' u den 2 Preis, einen von der Bittreler Feuerwehr gestifteten silbernen Pokal. Beim Ehren- ^reidiinr-m errang der „.Bamr'sck' Gei .ngverein^ mit 305 Punkten den 2. Ehrenpreis, eine von der Stadt Vilbel gestiftete silberne Bowle. Preise nebst Diplome Eden demnächst im Laden von Gehr'. Im Heuser hier ausgestellt. •' Die Zeit der sauren Gurke ist heute außer für den Gemüsehändler nur noch für einen kleinen Teil der Menschheit von Bedeutung. Die Presse im 20. Jahrhundert stimmt an ihr keinen Anteil mehr angesichts der sich überstürzenden Weltercignisse. Nicht mehr in den Zeitungen, sondern im Publikum aber treten immer noch alljährlich zu dieser Zeit Erzeugnisse einer wilden Phantasie als Gerüchte auf, die sich mit einer lächerlichen Zähigkeit aufrechterhalten und nach dem berühmten Muster von Schnaken und Kaninchen ins thifontroUirbürc fortpflanzen. Seit 36 Stunden werden wir unausgesetzt telephonisch, brieflich und selbst in persona ange- ob sich das Gerücht bewahrheite, daß der deutsche Botschafter in Paris, Fürst Radolin, ermordet morden fei. Am Samstag mittag fragten wir telephonisch bei dem offiziösen deutschen Telegra>)henbureau deswegen an und erhielten die Versicherung, daß davon nichts, bekannt ist, und bis zu dieser Stunde liegt von keiner Seite eine Meldung vor, die zu diesem tollen Gerüchte hätte Anlaß geben können. Wir erfahren, daß aus Limburg kommende Reisende an einem Hoteltische hier die Schauermär erzählt haben, die, wie gesagt, eine üble Ente ist. Im Weitererzählen wurde dieses Gerücht sogar umg^dreht und behauptet, der französische Botschafter in Berlin sei ermordet worden. So gebiert erie Ente die andere. -s-Heuchelheim, 2. Juli, llttsir Stiftungsfest des Gesangvereins „Teutonia" i. erlief recht schön. _ 29 Ver- r.ite waren erschienen, und alle nrtt’ nen an dem Festzug teil, bcc durch einen Wagen mit einer B-mg er gruppe und mit der Göttin des Gesangs geschmückt war. Auf dem Festplatz, herrschte reges Leben. R. B. Darmstadt, 3. Juli. (Eigener Drahtbericht.) Der Landesausschuß der national- liberalen Partei Hessens trat gestern nachmittag im städtischen Saalbau hier zu einer Beratung über die Stellungnahme der Partei zu den nächsten Landtagswahlen zusammen. Die Verhandlungen waren streng vertraulich. Besonders die Vertreter der 25 Wahlkreise, in denen im Herbst Nemvahlen stattzufinden haben, waren anwesend. — Die von der Köln. Volksztg. verbreitete Nachricht, Justizminister Dittmar werde wegen geschwächter Gesundheit baldigst in den Ruhestand treten, bc [tätigt s ich nicht. /Tb.) Darmstadt, °. Juli. mie 50 '"ihrige Jubelfeier des Gesangvereins ,.L ie de r z w e i g", der unter dem Protektorate der Großherzogin Eleonore steht, wurde gestern abend durch ein großes Festkonzert eingeleitel, welchem der Groß Herzog und seine Gemahlin nebst (befolge sowie eine starke Zn Hörerzahl beiwohnten. Ter Grostherzog überreichte mit huldvoller Ansprache frem Präsidenten Schneider die dem Verein gewidmete silberne Medaille für Kunst und Wissenschaft. ld.) Mainz, 3. Juli. Das Kr e i s - S ch lv i m m f e st des deutschen Schwimmverbandes Kr.ü? 5 (Süddcntschlcmd) fand gestern bei zahlreicher Beteiligung im städtischen wllhasen statt. Der Gr oßh erzog, der einen Ehrenpreis gestiftet batte, traf einige Minriten vor 3 IIbr mittels Automobils auf dem Festvlatz ein, lebhaft vom Publikum begrüßt. Um 5 Uhr verließ der hohe foerr das Fest wieder. Vevir-Ldchtes. * Berlin, 1. Juli. Die große Hitze, die gestern .hren Höhepunkt erreicht zu haben schien, ist heute noch im Steigen begriffen. Um ll1/, Uhr vormittags wurden 30,4 Grad beobachtet, zwei Stunden später in der Sonne 46 Grad Celsius als höchste Temperatur abgelesen. * K o b l e n z, 2. Juli. De r Rüdesheimer Na ubmör- der wurde verflossene Nacht im Walde bei Brodenbach verhas- t e t und im Arntsgcrichtsgesängniß Boppard interniert. * Ein schreck lichesDr am a wird aus .Hettstedt (Prov. Sachsen) gemeldet: Der dort beim Amtsgericht beschäftigte Referendar Engelmann aus Halle wurde in seinem Bett erschossen aufgefunden Reben ihm lag die Leiche einer jungen Dame, O'ren Personalien nicht festgestettt werden konnten. Sie trug eine Eisen'oahnfahrkarle aus .Holle bei sich. — In Berlin i'er giftete aus Eifersucht eine 26 jährige Handwerkersfrau sich und ihr ^Deiiäf’rigev Kind mittels Lysol. In hoffnungslosem Zustande wurden beide ins Krankenhaus gebracht. — Ein Privat- i'"' wamm des Brüsseler „Soir" berichtet, daß in einer Kohlen- g v u b e von Makhnowka eine Explosion schlagender Wetter staltgefundeu hat, wobei 460 Arbeiter umgekommen sind. — In Sülz iRhld.) fand man die Leiche der fünfjährigen Katharina Engels mit zertrümmertem Schädel auf einer Wiese. Dem armen Gesckstipf war die Cchädeldecke mit einem harten Gegenstand eingeschlagen worden Der Kriminalpolizei ist es gelungen, den Mörder des Kindes in Kirdorf festzunehmen. Er geriet mit seinen Brudern in Streik. Aus Wut darüber riß er aus einer Schar spielender Kinder eins heraus und schlug ibm, wie er int Verhör gestand, mit einem schweren Stein den Schädel ein. Alsdann warf er die Leiste in den W^ssertümpel. ßt ä ts-Äsch ri rfften" — Jniolge Protestes aus akademischen Kreisen versagte der Senat der Universität F r e i b n r g i. Breisgau ber neu gegründeten katholischen Verbindung Hohenstaufia die ®e- nehm igun g. — In München ist der Laryngologe Prof. S ch e ch gestorben. Berlin, 1. Juli. Vor der 1. Strafkammer des Landgerichts 2 wird am 15. d. M. ein neuer Prozeß gegen den Grafen P ü ck l e r beginnen, der einen erheblich größeren Umfang annehmen wird als die bisherigen. Graf Pückler ist angeklagt wegen Auf- re i $ u n ii zum Klassenbaß , verübt in verschiedenen Reden. Die Anklage stützt sich hauptsächlich auf eine Rede, die er in Bernau gehalten hat, als ihm in Berlin das Reden verboten war, doch werden auch Reden in Potsdam u. s. w. herangezogen. Die meisten Aiitglioder der Pückler-Vereinigung sind als Zeugen geladen. Inzwiseben werden wieder Flugblätter verteilt, in benen zum Besuch einer Versammlung am nächsten Dieristag aufgekordert wird. Düsseldorf, 1. Juli. Wegen Herausforderung zum Zweikampf mit Pistolen und gegenseitiger Mißhandlung verurteilte die hiesige Strafkammer den Ingenieur Hugo Jakobi w einer Woche Festung unb 200 Mk. Geldstrafe, den Professor Emil Bablsen zu 10 Mk Geldstrafe. Sport. Paris, 2. Juli. In dem W e t t f a h r e n um den großen Preis der Union Velocipediqne Fransaise wurde der Deutsche Mayer erster vor dem Franzosen Poulein unb dem Amerikaner Kramer. Märkte. Gießen, 3. Juli. V i e h m a r k t. Bei dem am 27. und 28. Juni d. Is. avgehaltenen Markte waren atlsgetrieben 1416 Stück Rindvieh, 441 Schweine. — Der nächste Markt findet am 18. und 19. Juli statt, am letzteren Tage ailch Krämermarkt. fc. Frankfurt a. M., 3. Juli. (Orig.-Telegr. des „Gießen. Anz.") Amtliche Notierungen her heutigen Fruchtmarkt preise. We>z