Pflege gewidmeten Hauses eine mächtige Förderung. Das Publix kurn wird sich daran gewöhnen, sie als selbständigen Dmstztverg einzuschöhen. man wird sie würdigen lernen und erkennen, hne sonderbar sie an den großen Bühnen behandelt wird. Hatte man sich bisher damit abgesunden, daß sehr häufig eine komHche Oper dann auf den Spielplan gesetzt wurde, toemt es dem Heldentenor oder der Primadonna beliebte, plötzlich abzusagen, so wird man jetzt sehen, daß die Spieloper nicht minder der sorgsamsten Vorbereitung bedarf wie ihre ernste Schwester und daß es garnicht so leicht ist, sie wirklich künstlerisch zu interpretieren. Sic verlangt von ihren Jüngern liebevolles Versenken in das Detail der künstlerischen Arbeit und vornehmlich neben der musikalischen Ausdeutung auch noch darstellerische Fähigkeiten, vor allem strengste Einhaltung des Stils. Dieses alles sind Aufgaben, die der ganzen Kraft der Künstler bedürfen, es ftna Vorwürfe, deren Lösung nicht minderen Künstverstand voraus- setzen, als die Wiedergabe großer Opern. Für die Vertiefung des Geschmackes unseres Opcrnpublikmns bringt die komische Over manche Anregung und Aufmunterung mit. Sie vermeidet in der Regel den äußeren Prunk. Sie schäret seinen Sinn für den wahren Kern des musikalycheu Kunstwerkes, für die Musik, indem sie das dekorative Beiwerk aus der Sphäre des „Genusses" ausschaltet. In dem erzieherischen Gedanken, den die Sbnmfcfe Oper alS Gattung birgt, liegt eine der wesentlichsten Begründungen für die Lebensbcrechtigung des Genres selbst. Unser Opernpublikum bedarf einer solchen Erziehung dringend. Die Kunst muß im allgemeinen wieder zur Einfachheit in den Ausdrucksformen zurückkehren. Schon hat das Uebcrgrvße in den Aeußerlichkeiten der Künstübung allzusehr die Oberband gewonnen. Alles, was unser Publikum zur Natur in der Kunst zurückführen kann, muß uns willkommen sein. Alles, was die eigentliche Kunst selbst in den Vordergrund rückt, darf als erfreuliche Erscheinung begrüßt werden. Von dem Mittelpunkt der musikalisck>en Bewegarng Deutschlands, von Berlin aus, tritt das Prinzip der Zweiteilung der musikalisch- dramatischen Kunst seinen Wca in der öffentlichen Kunstpflege an. Darum ist die Errichtung der ersten deutschen Komischen Oper eine nationale Angelegenheit von hohem allgemeinem Interesse. M. C. 1 W.öütee’ - •m«T* 86«®se3> b!i toio ö* »X» 7?!-h>»v°hn. —---[4369 wh •’ VHtt Opn 1LEHay?H.'UmJ2n" i’.'o ,q,R,'""6ur!us Kres yrancrü ge. 'en gesucht, nnt Preisangabe yMWraße^T^ Wn9 befindet sich tember ab z Nr. 3,2 Tr. >east«gemeiuschast? nißqemeinschaf!? Allskilnft maße Borbereilm; r EHeverträge c- n ButzbaeV belftra&t 11 m. rin. 4074 %xa%txx Wt tagtzüsch zu haben »oistrabe 201. trdflt Ost | Wirt Mt| «sucht. Näheres Zteinstraße 10, ll . t Position erhalten mäßigem Zinstub« 16,inerm81Kn5M ichriitl. Meld. n. 3M ner Anzeigererbeten. erteilt 1 |ent Erfolge e, ^tslreblSerrN'^ 2^---- Q(C V.'"" -enh^AM^' s» Nr. 200 Zweites Matt. 155. Jahrgang Samstag 26 August 1905 Erscheint »glich mit Ausnahme des Sonntags. Die „Siebener Zamilienblätter" werden dem „Anzeiger viernral wöchentlich beigelegt. Der „htsstjche Laudwirt" erscheint monatlich einmal. Gießener AMtzer Rotationsdruck und Verlag der Brühl'sche» Universitätsdruckerei. R. Lange, Gießen. Redaktion, Expedition ».Druckerei: Schulstr.7. Tel. Nr. 6L Telegr.-Adr.: Anzeiger Gießen. Eeneral-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Sichen. Die Warokko-Aonfercrr;. Der Ministerpräsident Rouvier war so freundlich, sich wieder einmal der Marokko-Konferenz zu erinnern und seinen Kollegen von der Regierung über den Stand der betreffenden Verhandlungen mit Deutschland Bericht zu erstatten. Viel Neues wird dabei nicht zur Sprache gekommen sein, denn im Grunde steht die Sache auf dem alten Fleck. Wenn sie sich in dem bisherigen Tempo fortentwickelt, dann dürfte die Frage, an welchem Ort die Konferenz abgehalten werden soll, kaum in absehbarer Zeit aktuell werden. Zunächst hat Frankreich die Angelegenheit eines verhafteten Algeriers mit den: Sultan ins Reine zu bringen, von der man den Eindruck gewinnt, daß sie beträchtlich aufgebauscht wird. Vielleicht kam der Zwischenfall Herrn Rouvier nicht gerade ungelegen, denn solange der Sultan zögert, Frankreich die gewünschte Genugtuung zu geben, wird dieses natürlich ablehnen, sich des weiteren mit dem Konferenzvorschlag zu befassen, der bekanntlich vom Sultan auSgegangen ist. Für die sonstige internationale Diplomatie scheint „Marokko* überhaupt nicht mehr zu existieren, obwohl die Kabinette, die die Einladung zur Konferenz angenommen haben, auf die offensichtliche Verschleppungstaktik Frankreichs allgemach aufmerksam werden müßten. Von England freilich ist ein Monitum nicht zu erwarten, da eS in der Marokkopolitik gemeinsame Sache mit Frankreich macht. Auch wohl kaum von den Vereinigten Staaten, deren Regierung mit der Friedensstiftung beschäftigt ist. Aber Oesterreich-Ungarn, deffen Kabinett als erstes die Einladung zur Konferenz angenommen hat und obendrein Deutschlands Standpunkt vollkommen teilt, könnte einmal die bescheidene Anfrage stellen, wann endlich die Einberufung der Konferenz zu gewärtigen sei. Wie die „Ncttionalztg.* nütteilt, ist die Antwort Deutschlands auf die französische Note jetzt in Paris überreicht worden. Auch auf diese Note wird eine Rückäußerung der französischen Negierung erwartet. Während zwischen der französischen und der deutschen Regierung keine Meinungsverschiedenheiten infolge der bekannten Norschußanleihe von 10 Millionen Mk. bekannt geworden sind, hetzt ein Teil der englischen Preffe, namentlich die .Times' eifrig weiter. Die.Times* verlangt, wie aus London gemeldet wird, zu wiffen, welche Oertlichkeiten Marokko für seine Anleihe an Deutschland verpfände habe. Vielleicht hätten auch a n d e r e M ä ch t e dort Jntereffen. Die Notwendigkeit der Anleihe und die Mitwirkung der deutschen Regierung an deren Zustandekommen sei ebenfalls ofsiziell noch nicht genügend aufgeklärt worden. Ohne Frankreichs lobenswerte Ruhe hätte die Anleihe vielleicht bereits ernste Folgen gehabt. Sie sei eine Verletzung der Abmachungen und man muffe abwarten, wie sich Deutschland aus seiner zweifelhaften Stellung herausziehen werde. Paris, 25. Aug. Die französische Regierung erwartet die Antwort des Sultans von Marokko betreffend die Freilassung deS Algeriers Bu Mzian nicht vor fün oder sechs Tagen. Der französische Gesandte hatte den Auftrag, das Verlangen der französischen Regierung um Freilassung deS Algeriers dem Maghzen am Mittwoch mitzuteilen. Man wird erst Ende deS Monats erfahren, wie sich der Sultan den französischen Forderungen gegenüber verhält. Paris, 25. Aug. Nach einer Meldung aus Oran haben zwei Kompanien Infanterie, eine Sektion Artillerie mit zwei Kanonen und eine Eskadron Kavallerie den Befehl erhalten, sich marschbereit zu halten, um eventuell den marokkanischen Grenzort Saida zu besetzen. Also weitere Verschleppung! Uolitische Tagesschau. Beamtenkandidaturen in Württemberg. Durch die in Mergentheim bevorstehende Nachwahl zum württembergischen Landtage, wobei der bisherige, erst neuerdings zum Negierungsrat beförderte Oberamtmann deS Bezirkes als Bewerber auftritt, ist die Frage der Beamten- kandidaturen wieder zur Debatte gestellt worden. Man muß sich zwar, so schreibt man uns aus Württemberg, über die Naivität derer wundern, welche sich sonst geberden, als ob sie die Hut der verfaffungsmäßigen Rechte gepachtet hätten und in diesem Falle einer ganzen Kategorie von Staats- bürgern (und das sind doch -wohl die Beamten) ein solches, nämlich das passive Wahlrecht, aberkennen wollen. Und gewiß gibt es auch zahlreiche Beispiele, in denen Beamte höchst schätzenswerte Mitarbeiter von Parlamenten geworden sind und ihre Unabhängigkeit der Regierung gegenüber bis auf den letzten Rest gewahrt haben. Aber im allgemeinen ist eS doch für Verwaltungsbeamte — die richterlichen sind in einer wesentlich günstigeren Lage — eine schwierige Aufgabe, sich, zumal in den von ihren Vorgesetzten vertretenen Angelegenheiten ihres eigenen Departements, ganz unbefangen zu verhalten. Der Eigennutz wird da auf eine harte Probe gestellt, die nur bei entschiedener Charakterfestigkeit bestanden wird. Im deutschen Süden, wo der Beamte nach oben eine unabhängigere Stellung einnimmt als in Preußen, mögen solche Gefahren sich verringern. Jndeffen ist auch hier unleugbar bis in sonst nichts weniger als regierungsfeindliche Kreise hinein die Abneigung gegen Beamtenkandidaturen soweit verbreitet, daß die Ordnungsparteien davon in nicht völlig sicheren Wahlkreisen aus Opportunitätsgründen absehen sollten. Welche Partei kann sich jedoch außer dem Zentrum und, in immer beschränkter werdendem Maße, den preußischen Konservativen heute noch zuverlässiger Mandate rühmen? Die Deutsche Partei in Württemberg gewiß nicht! Von Sozialdemokratie, Zentrum und Bund der Landwirte bedrängt, hat sie Mühe genug, ihren kargen Besitzstand zu verteidigen oder vollends zu vermehren. Unter diesem Gesichtspunkt muß man ihr Vorgehen in Mergentheim als einen taktischen Fehler bezeichnen, der sich nur aus der obwaltenden Kandidatennot erklären läßt. Die Gegner der Partei haben so von vornherein eine bequeme Angriffsfläche und können wieder einmal ihren Liberalismus, wenn auch nur mit zweifelhaftem Grund, verdächtigen. Ob ihr unter solchen Umständen das Mandat zufallen wird, ist sehr fraglich. Aus Stadl und KauS. Gießen, 26. August. •* Se. Majestät der Kaiser passierte gestern nachmittag 4.52 Uhr auf seiner Rückreise von Kronberg nach Wilhelmshöhe den hiesigen Bahnhof. , Stadttheater. ES interessiert gewiß Such daS hiesige Theaterpublikum, daß Frau Elfriede Bayr- hammer, die Gattin deS Frankfurter CharakterspielerS, die für die kommende Winterspielzeit als erste Salondame an unser Stadttheater verpflichtet ist, am SamStag in Bad -N anheim als „Claire* im „Hüttenbesitzer* auftritt. Das Gastspiel der interessanten und schönen Künstlerin begegnet, so schreibt man uns, in Bad- Nauheim lebhafter Teilnahme. *• Kirchwei he findet am morgigen Sonntag statt in Klein-Linden, Allendorf a. d. Lahn, G roßen - Buseck, Lollar, Nonnenroth und Ockstadt. -Der Bund der Landwirte hat am morgigen Sonntag seine Landesversammlung in Mainz, wobei Lucke- Patershausen über das neue Gerne in de st euer-Gesetz referieren wird. •• Die Hessische Missionskonferenz wird ihre heurige Jahresversammlung DonnerStvg, den 7. September, in Friedberg abhalten. Auf dem Programm stehen Vorträge, die sowohl um ihres Gegenstandes, wie um der Referenten willen das allgemeinste Jntereffe beanspruchen; so über „Die Mission und der Hereroausstand* von Missionsinspektor Hausleiter-Barmen, und über „Die Stellung der deutschen Kolonialregierung zu den Missionsschulen", von Missionsinspektor Schreiber-Bremen. Eine allgemeine Misfionsve» sammlung abends 8 Uhr im Saalbau mit Ansprachen der Missionsinspektoren Schreiber und HauSleiter und Vorführung von Lichtbildern aus der Rheinischen Mission wird den Schluß machen. ** Beamten- und Konsumvereine. Der Einkaufsverein der Mainzer Kolonialware uh än bl er fyat an die zweite Kammer der hessischen Landstände eine Eingabe gerichtet, in welcher man sich gegen die Beteiligung von Beamten an Konsumvereinen ausspricht. In der Ein-, gäbe heißt es u. a.: „. . . so gut nämlich die Regierung ihren Beamten verwehrt, außerhalb des Dienstes politische- Arbeit im Interesse der Sozialdemokratie zu verrichten-, muß hohe Regierung auch anerkennen, daß ihre Beamten den Steuerzahlern gegenüber andere Pflichten haben alS die Nichtbeamten, trotzdem ihre Beamtenvereine im sozialdemokratischen Fahrwasser segeln (!!), indem sie mithelfen an der Vernichtung des Handels- und Gewerbestandes.^ Und weiter: „Was wollen denn die Beamten? Wollen! sie durch wirtschaftliche Isolierung einen Staat im Staate bilden oder gründen und nach sozialdemokratischem Vtuster durch eine Expropriation des mittleren und kleinen Gewerbestandes diese Kreise der Sozialdemokratie in die Armtz treiben ? Die hessische Beamte nzeitung wendet sich! in schärfster Weise gegen die Eingabe. Sie sagt: „Di« Mainzer Kolonialwarenhändler beftuden sich in der leiben oft anzutreffenden verkehrten Auffassung, die Stellung des! Beamten zur Allgemeinheit gehe soweit, daß er in jeder Beziehung jedem anderen Staatsbürger nach Wunsch leben müsse, auch in seinen privatesten Verhältnissen, und mit dem Inhalte seines Kochtopfes von jedem sich müsse Vorschriften machen lassen, und überseben dabei, daß der Beamte auch Steuern zahlen muß uno also entsprechend den gleichen Pflichten die gleichen Rechte wie andere Staatsbürger hat; insbesondere also auch in der Regelung seiner wirtschaftlichen Verhältnisse ebenso unabhängig und felb- ständig ist, wie ein Mainzer Kolonialwarenhändler." DiÄ Mitgliedschaft von Beamten zu Vereinen sei eine reute! Privatangelegenheit der Beamten, in die eine Regierung niemals das Recht habe, einzugreifen. Die Beauttenzeitung weist dabei auf eine Verfügung des preußischen Staats-- Ministeriums hin, in welcher nach einer Enquete über bic Beteiligung von Beamten an der Verwaltung von Konsums, bereuten ausgesprochen ist, daß zu einem generellen ©et*, bote der Beteiligung von Beamten usw. an Konsumvereinen kein Anlaß vorliege, daß es im Gegenteil in vielen sogar erwünscht sein könne, wenn sich Beamte usw. an ba5 Verwaltung von Konsumvereinen beteiligten. ** Volkskultur. Man schreibt uns: Mtt der theo, rettschen und praktischen Weiterentwicklung der Vvlkskulttw- arbeit im Rhein-Main-Ekbiet befaßte sich der Vorstand befl Verbandes für Volks Vorlesungen und verwandtr Bestrebungen in seiner letzten Sitzung. Die Schillerspende, deren Ertrag durch die Mainzer Hauptversammlung den allgemeinen Aufgaben der Volksbildung in unserem weiteren Heimatgebiete zur Verfügung gestellt wurde, soll zunä^t der Förderung der praktischen Arbeit dienen, indem mju ihrer Hilfe eine Rhein-mainische Volks akadentie ins Leben gerufen werden soll, um organisationswilligi und bildungsfteudige Leute aus den verschiedensten sozialen und Bildungsschichten in die Gedanken und Praxis der VolE- kulturarbeit nach den Grundsätzen des Verba..des einzui- führen. Dabei sollen mehrere in innerem! Zusammenhang stehende Vortragsreihen aus verschiedensten Wissensgebieten und damtt verbundene landcs- und volkskundliche Führungen stattftnden, sowie musikalische und deklamatorisch« Abende, eine 'Ausstellung von Kunstreproduktionen, Er^ läuterung und Handhabung von Veranschaulichungsmitteüv, (Lichtbilderapvaraten usw.), die Ausstellung einer Musters Dorfbibliothek mit heimatlichem Gepräge, gelegentlich«! Hebungen der Teilnehmer in der freien Rede usw. ftatt-i finden. So soll ein umfassendes Bild des Bolksbilbungs>i betriebet in seinen verschiedensten Verzweigung^ und unter- möglichster Berücksichtigung der Volksbilotmgstechnik ge-, geben werben. Die Teilnehmer sollen eine Hausgemein-, schäft bilden, und es soll nicht allein die geistige Arbeit von Anfang bis zu Ende gemeinsame Sache fein, sondern Z>ie komische Hper. (Nachdruck verboten.) Im Herbst dieses Jahres wird sich in Berlin ein für die musikalische Kultur Deutschlands bedeutsames Ereignis voll lehm Die erste ständige Komische O P e r öffnet m Berlin ihre Pforten, der Spieloper ersteht das erste ihren speziellen Zielen und Aufgaben gewidmete Theater Du kurze Episode der Komi sehen Oper zu Wien, die im Jahre 1882 dura) den B^d d^ Ringtheaters ein so trauriges und erschütterndes Ellde erfuhr, zählt nicht mit in der Entwicklung der Frage, die sich zu.em er musikalisch so wichtigen Angelegenheit un Lause der «eit gestellt ir>t Es ist eigentlich 'wunderbar, daß man bei Mis.iN Deutsch land so lange gezögert hat, einer Kunstgattung em eigenes Heim zu gewähren, die so lange schon. 'M Musikleben des Volkes eine so ganz ausgesprochene wichtige Rolle spE Ww haben ein deutsches Singspiel und eme deutsche Komische Oper fast so lange schon wie die seriöse Oper, und trotzdem ließen wir das heitere Genre immer mir tu den großen Opernhäusern hosin- tieren, als Gast, als Dreizehnter am ii ^ unb tn den meisten Fällen als Lückenbüßer oder als zweite Garnitur des Spiel- ist wohl nicht nötig, des näheren auseinanderziisetzen daß musikalisch-dramatische Werke, bei denen die intime Wirkung Eiwzweck ist, deren Aufbau also m kleinerenDmwnsE ist als das Gefüge der großen Oper, m den Riesenraumen der großen Operntheater niemals so ihre Eigenart und ihre mneren Feinheiten äußern können als in Raumen, die von Haus aus auf die zartere Beschaffenheit dieser Kunsttverke Bedacht nehmen, allerliebste Nesidenztyeater in München, dieses entzückende Rokokohaus hat in der Zeit der Amtsführung des Intendanten von Possart dadurch eine europäische Berühmtheit erlangt, daß dieser erfahrene Theatermann auf den guten Einfall km, aus dieser Bühne Mozartopern aufzufuhren, ne vornehmlich durch die diskrete Vesebung des Orchesters aus dem Rahmen der großen Prunkoper zu lösen An diesem Beispiel kann man ersehen, daß jede besondere Kunstgattung des beitimm.ten Hmtergrundes der bestimmten Vorbedingungen bedarf, um letzte Wirkung zu äußern. In Frankreich hat man dies erheblich früher erkannt als bei uns. Die Opöra Comique in Paris ist der Ausdruck dieser zutteffenden Beobachtung vom Wesen des Kunstwerkes, sie ist das Vorbild des Prinzipes, daß zwischen der sogenannten „großen" und der Komischen Oper eine reinliche Scheidung schon hinsichtlich des äußeren Schauplatzes dringend geboten ist. Allerdings hat man in Paris den Begriff der Komischen Oper etwas weiter mib breiter gezogen als die musikalische Bewertung dn beiden Kunstgattungen dies gestatten würde. Aber immer noch ist auch bei diesem Kunstinstitute der Unterschied wahrnehmbar, der die verschiedenen Gebiete des musikalisch-dramatischen Kunstwerkes kennzeichnet. Es kommt auch gancicht darauf an, die Grenzlinie in ollen Fällen fcM zu ziehen und einzuhalten. Hauptsache ist, daß der Spieloper der Raum gewahrt werde, der ihr im Musikleben zukommt. Eine „große" Oper kann auch m einem auf intime Wirkung zugesckmittenem Rahmen immer noch bei würdiger Interpretierung künstlerisch sich geltend machen. Anders aber die komische Oper. In den weiten edlen der großen Opernhäuser mit dem Massenorchester dieser Institute schwimmt sie auf uferlosen Gewässern, büßt sie an ihrem Wesen ein schon aus dem Grunde, weil die akustischen Verhältnisse der großen Bühnen zu den astl-etischen Grundbedingungen der komischen Oper im umgekehrten Verhältnisse stehen. Ms vor ungefähr zehn Jahren die Wiener Hofoper ,^Die Fledermaus" von Johann Strauß aufführte, wurde diese Tatsache als ein musikalisch-birarres Experiment betrachtet und danach beurteilt. Gewiß, die sttengen Verwehter des Grundsatzes, daß die ernste Opernbühne nur für die Oper selbst da ist, hatten allen Grund, über diese revolutionäre Neuheit die Hande über den Kvpf zusammenzuscblagem Aber daß man überhaupt das Bedürfnis empfand, dieses Werk einmal von NnrNichen Gesangskünstlern darstellen zu lassen, zeigt zweiwllos, daß das Bedürfnis vorhanden ist, auch dem leichteren Genre m der Musik die Unterstützung der künstlerischen Wiedergabe zu ge- wabren Im erweiterten Sinne und um vieles gerechtfertigter ist demnach das Verlangen begründet die ausgesprochene ^)piel- oper ihrem musck Iffchen.Geiste nach darzustellen ihr auch das letzte zu geben, dessen sie bedarf, — die Herrschaft über den Raum und dadurch die MUichkeit, ihre intimen Feinheiten.voll- ends zu enthüllen. Dem Wesin, dem Kunstzweck der Komischen Oper erwächst da durch die Errichtung emes ausschließlich ihrer Ilmch die Mahlzeiten, die auf eigene Rechnung hergesteM werden, und die Erholung sollen ebenfalls geteilt werden, sodaß die Möglichkeit eines fortgesetzten Gedankenaustausches und möglichst inniger geistiger Berührung gegeben ist. Auch die Gelehrten, die als Dozenten tätig sind, werden sich der .Hausgemeinschaft ein ordnen und nicht allein als geistig Gebende erscheinen, sondern auch als Empfangende, und zwar nicht nur dadurch, daß sie in der Regel auch cm denjenigen Darbietungen teilnehmen, die ihrem' eigenen Fachwissen ferner liegen, sondern mehr noch dadurch, daß sie im Verkehr mit einfacheren Leuten Einblick in deren Bildungsstand, geistige Bedürfnisse und Aufnahmefähigkeit gewinnen, die für die Auswahl der Lehrstoffe und die Methode der Darbietung von größtem Werte sind. Die erste, auf die Dauer von zwei Wochen berechnete Veranstaltung dieser Art soll, unter Ausnützung besonders günstiger Verhältnisse, in Rüsselsheim stattfindcn, wo sich die Teilnehmer am Abend des 17. September zum erstenmale zusammenfinden werden. Geeignete, besonders auch mit den heimatlichen Verhältnissen vertraute Gelehrte sind bereits für die Sache gewonnen: auch einige Anmeldungen aus Arbeiter- und Lehrerkrcisen sind bereits cinaegangen. Weitere Meldungen werden erbeten. Solchen Teilnehmern, die sich der praktischen Volkskulturarbeit an ihrem Wohnorte anuehmen wollen, soll auf Verlangen kostenfreier Aufenthalt gewährt werden, während für Interessenten und Leute, die' ihrer persönlichen Bildung wegen kommen, ein Aufcnthaltsgeld von etwa 2 Mk. für den Tag berechnet werden soll. Die Geschäftsstelle des Rhein-mainischen Verbandes für Volksvorlesungen und verwandte Bestrebungen (Frankfurt a. M., An der Schm'dtstube 7) nimmt Meldungen entgegen und gibt alle gewünschten Auskünfte. — Nach Schluß der ersten Volksakademie beabsichtigt der Verband die Einberufung eines allgemeinen deutschen Volkskulturtages zu veranlassen, zu dem Vertreter aller verwandten deutschen Körperschaften behufs Verständigung in theoretischen, organisatorischen und praktischen Arbeits- sragen eingeladen werden sollen. •• Sterbekasse de§ Bundes deutscher Ga st - wirte. Man bittet unS um Aufnahme folgender Zeilen: Eine der edelsten Früchte, welche der Kulturfortschritt der Menschheit zeitigte, ist unstreitig daS zunehmende Pflichtgefühl, dafür Sorge zu tragen, daß nach dem Ableben dcS Ernährers materielle Sorgen den Angehörigen möglichst ferne gehalten werden. Die Wege hierzu zu ebnen und die Erreichung dieses hohen Zieles leicht zu machen, haben sich neben den Versicherungsgesellschaften eine Anzahl Vereinigungen große Verdienste erworben. Eine der ersten gewerblichen Vereinigungen, welche durch Errichtung einer eigenen Sterbekasse diesen schönen Gedanken verwirklichte, war der Bund Deutscher Gastwirte. Durch kaum fühlbare Beiträge ermöglicht diese Kasse den Hinterbliebenen sofort nach dem Tode des Ernährers eine ansehnliche Summe zur Verfügung zu stellen. Können damit auch die Schrecken des Todes nicht verbannt werden, so mildert der Gedanke an die fürsorgliche Liebe des Toten doch den herben Schmerz und bietet Witwen und Waisen den besten Trost in gar oft schwieriger Lage. Die Vorteile, welche die Sterbekasse des Bundes Deutscher Gastwirte (Sitz in Darmstadt) den Angehörigen des Gastwirtegewerbes bietet, sind auch in unserer Gegend rechtzeitig erkannt worden; es gehören ihr eine große Anzahl einsichtiger Gastwirte als Mitglieder an. So wurden erst in jüngster Zeit an die Hinterbliebenen des verstorbenen Mitgliedes H. Schneider in Gießen durch den Bezirksortsrechner dieser Kaste Herrn M. Jaskowsky in Gießen 1000 Mark pünktlich ausbezahlt. Allen Gastwirtefamilien kann die Angehörigkeit zu diesem so segensreichen und wohltuend wirkenden Familien-Fürsorge-Jnstitut nur bestens empfohlen werden. -J- Hausen bei Schiffenberg, 25. Aug. DaS stattliche neue Volksschulgebäude geht jetzt seiner Vollendung entgegen und wird demnächst feierlich eingeweiht. DaS Gebäude, welches im Sommer 1904 begonnen wurde, ist in altdeutschem Stil erbaut und bietet von der Gelnhäuser Bahn aus einen schönen Anblick. Es enthält zwei Schulsäle und zwei Lehrerwohnungen. «n Großen-Linden, 25. August. Im Laufe des heutigen Tages haben 31 Hausbesitzer ihren Anschluß an eine etwaige Wasserleitung angemeldet. v. Bad-Nauheim, 25. Aug. Bis zum 24. Aug. 1905 sind 23 316 Kurgäste angekommen, wovon am genannten Tage noch 4871 anwesend waren. 305 488 Bäder wurden bis zum 24. Aug. abgegeben. Mainz, 24. Aug. Wie die ,F. Z/ erfahrt, verhandelt die Süddeutsche Eisenbahn-Gesellschaft wegen Verkaufs ihrer mit der Stadt Mainz verbundenen Nebenbahnen nach Gonsenheim-Finthen und Bretzenheim-Hecht sheim an die Stadt. Der Grund hierfür ist darin zu suchen, daß die bis jetzt rentabelste Nebenbahn Mainz-Gonsenheim nach der Erbauung der projektierten elektrischen städtischen Nebenbahn nach Gonsenheim starke Konkurrenz erhalten würde, zumal der Dampfbetrieb dieser Nebenbahnen mit dem elektrischen Betrieb der städtischen Nebenbahnen nicht in Wettbewerb treten könnte. Außerdem ist von der Stadt die Erbauung einer weiteren elektrischen Konkurrenzbahn nach Bretzenheim in Aussicht genommen. Zu einem greifbaren Ergebnis haben die mit der Stadt geführten Verhandlungen jedoch noch nicht geführt. Hanau, 25. Äug. Die Leiche des an Wurstvergiftung verstorbenen Kaufmannslehrlings Krafft von hier wird heute auf Anordnung der Staatsanwaltschaft seziert. Bis jetzt ist noch nicht ermittelt, wo der junge Mann die giftige Wurst gekauft hat. Auch ein Anverwandter des Verstorbenen hat sich gestern vergebens bemüht, den betreffenden Frankfurter Metzgerladen ausfindig zu machen, aus dem die Wurst stammt. p. Wetzlar, 25. Aug. Auf Veranlassung von Geistlichen haben sich in unserem Kreise mehrere Zweigvereine der „Frau enhilfe deS Evangelischen kirchlichen Hilfsv ereinS" gebildet. DieLeitung liegt in den Händen der betreffenden Pfarrer. Bekanntlich arbeitet die „Frauenhilfe" unter dem Protektorate Ihrer Majestät der Kaiserin Augusta Viktoria. Durch die Anstellung von Diakonisten und anderen geeigneten Persönlichkeiten, welch« sich der Pflege der Kranken und Armen in der Gemeinde unter Mitwirkung der „Frauenhilse" widmen, und durch Begründung v»n Gemeindehäusern und anderen, den Bedürfnissen der Gemeinde entsprechenden Licbeswerken strebt die „Frauenhilfe" dem edlen Ziele zu: Die Licbestätigkeit der evangelischen Frauen und Jungfrauen an den Gliedern der Gemeinde zu wecken und zu organisieren." Vor 15 Jahren trat der segenbringende Verein ins Leben und jetzt zählt er annähernd 800 Zweigvereine. Die JahreSeinnahme übersteigt bereits 250 000 Mk., die in der angegebenen Weise verwendet werden. Frankenberg, 24. Äug. Ein trauriger Unglücks- fall ereignete sich heute nachmittag hier bei dem Neubau deS Hotels zur Sommerfrische. Eine Kasteler Firma führte die nötigen Asphaltarbeiten auS. Um daS Feuer unter dem ASphaltkestel anzufachen, goß ein Arbeiter unvorsichtigerweise aus einer Kanne Benzol in das offene Feuer. Die Folge davon war, daß die Kanne unter donnerähnlichem Getöse explodierte und eine mächtige Feuersäule emporschlug, wodurch einige Arbeiter schwere Brandwunden erlitten. Am schwersten wurde ein taubstummer Arbeiter dabei betroffen, der im Nu in Flammen stand und am ganzen Körper mit schweren Brandwunden bedeckt war. Der Bedauernswerte wurde mit dem nächsten Zug nach Marburg in die Klinik geschafft. (Hess. Landesztg.) Aas Zahressest des evanqe'ischen Mundes. c. Alsfeld,.25. Aug. Das Fest, von dessen Beginn wir bereits berichteten, nahm einen überaus schönen Verlauf. Gestern nachmittag fanden mehrere Vorversammlungen des Vorstandes des .Hauptvereins, der Delegierten der Zweigvereine und des Festausschusses statt. Abends 8 Uhr wurde dann die allen Evangelischen zugängliche Hauptversammlung in den beiden Sälen des „Deutschen Kaisers" abgehalten. Beide Säle waren bis auf den letzten Platz dicht besetzt, nicht nur aus Alsfeld, sondern auch aus der gesamten Umgegend hatten sich viele Landleute eingefundcn. Unter den Gästen befanden sich auch Kreisrat Dr. Melior und Bürgermeister Ar nold. Realschuldirektor Dr. Pitz und der Vorsitzende des Zweigvereins Alsfeld eröffneten die Versammlung. Namens der Stadt sprachen Bürgermeister Arnold und Beigeordneter Kurtz. Der Präsident des Oberkonsistoriums D. Buchner überbrachte dessen Grüße, D. H erm en s- Magdeburg die Grüße des deutschen Gesamtvereins. Oberlehrer Lic. Herrmann-Darmstadt hielt dann einen fesselnden Vortrag aus Alsfelds Vergangenheit zurzeit der Reformation; das Thema lautete: „D. Tilemann Schnabel, der Freund Luthers und Reformator der Stadt Alsfeld". Er schildert Luthers 'Aufenthalt in Alsfeld nach der Rückkehr vom Reichstag zu Worms, den Uebertritt Schnabels zur Reformation, seine Entlassung und spätere Rückberufiing durch Philipp den Großmütigen und seine Tätigkeit als Superintendent von Oberhessen bis zu seinem 1559 erfolgten Tode. Er wurde in der Walpurgiskirche beigesetzt. Nrcht minder interessant war der Vortrag des Pfarrers Loos von Butzbach, der in seinem Referat „Das Prote st an tische in Schille r", unseren Dichterfürsten als Christ und Bekenner des evang. Glaubens schildert. Es erfolgte darauf der Gesang des Liedes: „Eine feste SBurg". Besonders feierlich gestattete sich die Versammlung durch die Gesangsvorträge des Vereins „Liederkranz", die teils religiösen, teils vaterländischen Inhalts waren. Heute, Freitag, stimmten schon ftüh um 7 Uhr die Glocken der beiden Gotteshäuser das Festgeläute an, und die Stadtkapelle ließ feierlich vom Turm der Walpurgiskirche Choräle erklingen. Um 8 Uhr hielt der „Hessische Hilfsausschuß zur Förderung der evangel. Kirche in Oesterreich" unter dem Vorsitz des Kapitänleutnants a. D. Grill- Bensheim eine Versammlung ab, in der über den Fortgang der evangelischen Bewegung in Oesterreich berichtet und beschlossen wurde, diese auch fernerhin tatkräftig zu unterstiitzen. Um 9Vs Uhr fand in der Walpurgiskirche Festgottesdienst statt; Pfarrer Berck-Waldmichclbach hielt die Festpredigt. Die Kirche war überfüllt, selbst in den Gängen standen noch die Zuhörer Kopf an Kopf. Der gemischte Kirchenchor trug Gustav Adolfs Schlachtlied „Verzage nicht, du Häuflein klein" vor. Am Schlüsse des Gottesdienstes wurde für die Bundeskasse und die evangel. Bewegung in Oesterreich eine Kollekte erhoben, die 148 Mk. ergab. Vormittags 10s/4 Uhr begann im Saale des „Deutschen Kaisers" eine weitere Versaimnlung. Der Vorsitzende Pft. Lic. Waitz-Darmstadt, verlas den Jahresbericht über die Tätigkeit und Entwicklung des Bundes für Hessen. Darnach hat der Bund im letzten Jahre an Mitgliederzahl außerordentlich zugenommen, und zwar um ca. 4500 Mitglieder, sie stieg auf etwa 12 200, davon entfallen auf Rheinhessen 4118, Öberhessen 3280, Starkenburg 5520 Mitglieder. Die Zahl der Zweigvereine nahm um 40 zu und stieg auf 97, in Ober Hessen war die Zunahme am st ä r kst e n, es entstanden hier 22 neue Zweigvereine. Der Zweigverein Darmstadt zählt ca. 1700, Worms 902, Friedberg 476, Offenbach 420, Gießen nur 175, Alsfeld 480 Mitglieder. Einschließlich der angeschlossenen Vereine und Mitglieder beträgt die Gesamtzahl fiir Hessen rund 16 600. Pfarrer B e r ck-Waldmichelbach referierte über den „Hessischen Bundesboten", das Organ des Vereins. Dieser hat zurzeit eine Auftage von 15 000 Exemplaren erreicht. Da der Vertrag mit Württemberg dem hessischen Bund Opfer auferlegt, so wird auf Antrag des Referenten beschlossen, vom 1. Jan. 1906 ab den Vertrag zu lösen. Auf Antrag des Vorsitzenden wurde ferner beschlossen, daß das Bundesfest 1906 in Lampertheim stattfinden soll. Hierauf hielt Landgerichtsrat Schmeckenbecher- Gießen einen Vortrag: „Der sogenannte Toleranzantrag des Zentrums und die moderne Staatside e". Um 1 Uhr fand ein Festessen statt, bei welchem auf den Großherzog, dcssen Namenstag heute ist, den Kaiser, den evangel. Bund und die Stadt Alsfeld Toaste ausgebracht wurden. Den Schluß der Festlichkeiten bildete eine öffentliche Festversammlung auf dem Lindenplatz, nach dem sich um 3 Uhr ein großer Menschenstrom bewegte, den der geräumige Platz kaum fassen konnte. Der Vorsitzende des Hauptvereins, Pfarrer Lic. Waitz, eröffnete und leitete die Versammlung. Generalsekretär Lic. Bräun!ich-Halle a. S. hielt einen Vortrag über „Die gegenwärtige Lage des Prote st antismus in Oesterreich und Deutschland". Liedervorträge des Kirchengesangvereins wechselten mit Musikvorträgien der Stadtkapelle. Mit den Abendzügen verließen die Festgäste unsere Stadt. Das Jahresfest des Bundes blickt auf ein gutes Gelingen und einen jchöncn Verlauf zurück. Krrichtsraat. (n.) Gießen, 25. Aug. Die Strafkammer verkündete heute daS Urteil in der am le et en Freitag verhandelten Sache gegen Heinrich St., Richard Paul K. und Frau Marie H. von Rödgen bei Bad-Nauheim. Das Schöffengerichtsurteil wurde aufgehoben und die zu Geldstrafen verurteilten St. und K. fteigesprochen. Die vom Schöffengericht sreigesprochene Frau H. wurde der, B cl e id igu n g für schuldig befunden und zu einem Monat Gefängnis verurteilt. — Unter Ausschluß der Oesfentlich- feit wurde gegen den 21 jährigen Maurer Philipp Johann Sch. von Reiskirchen verhandelt. Wie aus dem öffentlich verkündeten Urteil zu entnehmen war, hatte er sich an einem 13 jäIrrigen Mädchen, das sich in der Wohnung einer Freundin befand, in unsittlicher Weise vergangen. Mit Rücksicht auf seinen guten Ruf hielt das Gericht die mäßige Strafe von 6 Monaten Gefängnis am Platze, auf die 14 Tage der erlittenen Untersuchungshaft in Anrechnung zu kommen haben. — Eine 35 jährige Prostituierte Katharine M. aus Burghausen wurde am 18. Juli d. I. nach Verbüßung einer dreijährigen Zuchthausstrafe aus dem Landeszuckthause Marienschloß entlassen. Sie trieb sich einige Tage obdachslos umher und wurde am 25. Juli früh morgens in Dad-Nauheim von einem Schutzmann mit einem verdächtigen Bündel angetroffen, was ihre Festnahme zur Folge hatte. Es stellte sich heraus, daß sie einem Hotelbesitzer einige Tischdecken und 15 Servietten von der Bleiche entwendet hatte, wovon sie einem übelbeleumundeten Individuum, das sich mit ihr im Polizeigewahrsam befand, zwei Tischdecken durch ein in der Zelle befindliches Loch zugesteckt hatte. Da sie eine unverbesserliche Person, insbesondere eine vielfach bestrafte Diebin ist, hielt das Gericht trotz des unerheblichen Wertes eine hohe Strafe für angezeigt und diktierte ihr 2 Jahre und 6 Monate Zuchthaus zu. Polizeiaufsicht und 5 jährigen Ehrverlust wurde ebenfalls für angezeigt erachtet. — In langer Verhandlung und bei geschlossenen Türen hatte sich der 17 jährige Schreinergeselle Karl K. von Ober- Ohmen,, wegen eines Notzuchtsversuchs zu verantworten. Das mit Begründung öffentlich publizierte Urteil lautete auf 1 Jahr und 3 Monate Gefängnis. — Wegen Körperverletzung wurde der Maurer Wilhelm R. von Msfeld zu 10 Monat cm Gefängnis verurteilt und seine sofortige Verhaftung, wegen der Strafhöhe, angeordnet. Er befand sich mit einigen Kameraden im Stadtpark zu Alsfeld, wo ihm sein Stock beschädigt wurde. Darüber aufgeregt, kam er mit dem Sattler Speckt in Wortwechsel, in dessen Verlauf er einen sogenannten „Knicker" aus der Tasche zog und seinem Gegner mehrere Stiche versetzte, die leicht ernste Folgen hätten haben können. Einen Stich erhielt Speckt in die Wange, der das rechte Ohr verletzte, sodaß es mir noch an einem Fetzen hing und auch'die Muschel verletzte; ein anderer kam auf die Brust, der aber nur die Kravatte durchschnitt, und ein weiterer traf die Hüfte, welcher die Kleider durcktrennte. Trotz der geringen nachteiligen Folgen wurde mit Rücksicht auf die Gefährlichkeit der Handhabung des Messers eine erhebliche Strafe für angezeigt erachtet. — Der Maurer Georg W. hier wurde wegen unbefugten Betretens einer Wiese mit einem Strafbefehl von 1 Mark bedacht. Trotz der geringen Strafe erhob er Widerspruch und das Schöffengericht kam zur Verwerfung. Er focht das Erkenntnis an, blieb aber der Bemifungsverhandlung fern, weshalb es bei der Bestrafung sein Bewenden behalten mußte. — Wegen Betretens fremder Felder und Entwendung von Gemüsen, Obst und Holz in 16 Fällen erhielt der Taglöhner Johannes G. hier Strafbefehle in Gesamthöhe von etwa 60 Mark. Das Feldgericht verwarf den von ihm erhobenen Widerspruch; nur in einem Falle ließ es wegen Beweismangels Freisprechung eintreten. Er focht das Urteil an und behauptete, daß die meisten Anzeigen von einem mit ihm verfeindeten Individuum herrühren, der ihn aus Rache in Strafe bringen wolle. Es wurde auch tatsächlich festgestellt, daß beide früher gemeinsam geftevelt haben und daß sie jetzt verfeindet sind. Da der Hauptbelastungszeuge wegen Beteiligung an verschiedenen Straftaten nicht beeidigt werden konnte, hielt es das Gericht für bedenklich, Verurteilung eintreten zu lassen insoweit sich das Feldschutzpersonal nicht von der Richtigkeit der Straftaten hatte überzeugen können, und es mußte deswegen Freisprechung eintreten. Im übrigen wurde das Urteil bestätigt. Kandek und AerKeKr. Volkswirtschaft. Disko nterhöhung. Die Möglichkeit einer Diskonterhöhung steht, so schreibt man un5, ziemlich nabe bevor, da aller Voraussicht nach, die Reichsbank seitens des Reiches bald wieder in Anspruch genommen werden dürste. Auch erfährt man, auS informierten Kreisen, daß eine Periode steigender Geldsätze in Sicht ist und für den Herbsttermin die Ansprüche an die Reichsbank erheblicher werden, wie in der gleichen Periode des Vorjahres. Es steht deshalb eine Erhöhung des Disconts voraussichtlich schon in der ersten Halste des September, wenn nicht früher zu erwarten, da im vorigen Jahr bei einem günstigeren Status um dieselbe Zeit ein Diskont von 4 % in Kraft war und der gegenwärtig nur 3 6/0 beträgt. Wird er aber erhöht, so sind jedenfalls 4 % zu erwarten. Hamburger Brauereien. Für das mit Ende September schließende Geschäftsjahr der Actienbrauereien Hamburgs erwartet man ein günstigeres Ergebnis als i. V. In 1904 hatten die Brauereien mit dem 41/. Monate dauernden Arbeiterausstand zu kämpsen. Die dabei in Betracht kommenden 16 Brauereien verteilen zusammen 20 °/0 Dividende weniger als in 1903. Der in diesem Jahr durchgehend glatt abgeroicfelte Betrieb wie die günstige Witterung dieses Sommers, die eine bedeutende Mehrproduktion bei allen Geschäften zuließen, läßt hoffen, daß bie Nachteile des Jahres 1904 vollständig ausgeglichen sind, umsomehr, da die Hopsenpreise sehr niedrig waren. Auch gegen die Wiederholungen von Störungen im Geschäftsbetrieb haben sich die Brauereien durch den iin März d. I. geschaffenen Boykott-Schutzverband Deutscher Brauereien Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit gesichert. Märkte. Gießen, 26. Aug. Marktbericht. Auf heutigem Wocbenmarkt kosteten: Butter pr. Pfd. 1.15—1.20 Mk., Hühnereier 1 St. 7—8 Vfg. 2 Stck. 00—00 Vfg., Gänseeier 15—00 Pfg., Enteneier 6—7 Pfg., Käse pr. Stck. 6—8 Pf., Kasematte 2 Stck. 5—6 Pfg. Erbsen pr. Liter 21 Pfg., Linsen pr. Liter 32 Psg., Tauben pr. Paar0,80—0,90 Mk., Hühner pr.St. 1,00—1,60 Mk., Hähne pr. Stück 0,80—1,80 Mk., Enten pr. Stück 1,80—2,20 Mk., Gänse vr. Pfd. 55—65 Pfg., Ochsenfleisch pr. Pfd. 72—82 Pfg., Kuh- und Rindfleisch pr. Pfund 70—72 Psg., Schweinefleisch pr. Pfund 76—86 Pfg., Schweinefleisch, gesalzen, pr. Pfund 90 Pfg., Kalbfleisch pr. Pfd. 70—80 Pfg., Hammelfleisch pr. Pfund 50—76 Pfg. Welsche per Pfund —.— Kartoffeln pr. 100 Kg. 7,00—8,00 Mk., Zwiebeln pr. Ztr. 8,00—10,00 Mk., Milch per Liter 20 Psg., Aepfel per Zentner 0 bis 0 Mk., in Körben 00 Pfg., Kirschen pr. Pfd. 00—00 Pfg., Zwetschen per Zentner 0.00 Alk. Birnen per Zentner 0 bis 0.00 2)lf. Weißkraut 0.10—0.15 Mk, Marktzeit 7—1 Uhr. fc. Frankfurt' a. M., 26. Aug. Heu- und Strohmarkt. Man notierte: Heu Mk. 3.50 bis Mk. 3.70, Stroh Mk. 2.00 bis Mk. 2 25. Alles per 50 Kilo. Tendenz: fest. 6 Sommerkur für schlossen). Behaglich eingerichtete MÄß! ava* kleine Anstalt (bis SO Patienten). Kuja Hu E*» HFn ITw Kotier schattiger Park. Vorzügliche ■■ Rorgsame Verpflegung bei H w M M M W MM 31 ■ engstem Familienanschluss. (D^pen- ■ ™ “ ■ ■ dance für Minderbemittelte ) Prospekte franko. Dr. M. Schnlee-Hfihley.ss. Nervenarzt. Sanatorium Hofheim im Taunus. Mama läßt iierftich gratulieren und schickt dir, liebe Tante, sechs Schachteln Fays acht6 Sodener Mineral-Pastillen. Sie sollen dir gut tun, weil du ab und zu an Erkältungen leidest und weil sie dir ganz ge» wiß schnell darüber forthelfen. 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B. und wird dieserhalb in eine Geldstrafe von 30 Mk., Dreißig Mark, die im Falle der Uneinbringlichkeit mit 6 Tagen Gefängnis zu verbüßen ist und in die Kosten des Verfahrens einschließlich der dem Privatkläger erwachsenen notwendigen Auslagen, verurteilt. Außerdem wird dem Privatkläger die Befugnis zuerkannt, den entscheidenden Teil des Urteils binnen 1 Woche nach der Zustellung der rechtskräftigen Entscheidung einmal durch Einrücken in den Gießener Anzeiger auf Kosten des An- geklagten öffentlich bekanntmachen zu lassen. Die Richtig feit der Abschrift der Urteilsformel wird beglaubigt und die Vollstreckbarkeit des Urteils bescheinigt. 4439 Gießen, den 7. Aug. 1905. (gez.) Sartorius, Akt.-Assist. (I-.8.) Gerichtsschreiber des Gr. Amtsgerichts. Für die Abschrift: Nömheld, Rechtsanwalt. G'Ä Red StarTine k 1 Rothe L) Stern iJßinte gp jjojldampfer von "Antwerpen nach Auskunft ertheilenj Ned Star Linie in Antwerpen, Carl Reiter in Gießen, D“/, Eich weg 7,11, Ecke Gr. Steinweg, H. 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