Sir.m Freitag, 2«. Mai 1905 155. Jahrg. ®**W*’w SO W0w«uQMP W t>ii JMrttittS *«*ei ber rBiyeVv. *Är^cndtxt Dr «AdH > M *w.l Gießener Anzeiger ******** ** Nt ttnimufthlrffitiNtN R. BMM SRtbafttx*. ^pjWrt® ql totfMl i K fo. M. tM^^Ux.4 BxNtrtg* *tm General-Anzeiger. Amts- und Anzelgeblatt für den Kreis Elchen. Parlamentarische Verhandlungen. Nachdruck ohne Vereinbarung nicht gestattet. Deutscher Deichstag. 182. Sitzung vom 26. Mai, 1 Uhr. Das Haus ist schwa ch besetzt. Am Bundesratstische: Dr. Stübel u. a. Auf der Tagesordnung steht zunächst die zweite Beratung 4eS Gesetzes betreffend Uebernahme einer Garantie des Reiches in Bezug auf eine Eisenbahn von D u a l a nach den Manenguba- bergen. Der Berichterstatter Prinz Arenberg (Ztr.) berichtet kurz über jie Verbandlungen der Kommission. Die Beratung beginnt bei dem grundlegenden § 1. Er hat folgende von der Kommission unverändert gelassene Fassung: Zum Bau und zum Betrieb einer Eisenbahn von Duala nach den Mancntzubabergen durch die auf Grund der beigedruckten Bau- und Vetriebskonzession zu bildende Kamerun-Eiseubahn- gesellschaft wird den Inhabern der Anteile Reihe B der genannten Gesellschaft nach Maßgabe der vorerwähnten Konzession eine Garantie deS Reichs bewilligt, und zwar a) für die Verzinsung des mif die Anteile Reihe B entfallenden Teiles des.Gesellschaflskc-.pitals in Hohe von tl Millionen Mark mit 3 Prozent vom Tage der Einzahlung an, b) für die Zahlung deS um 20 Prozent erhöhten Nennbetrags der jeweilig gelosten und als solche abzustempelnden Anteilscheine Reihe B. Hinsichtlich des auf die Anteile Reihe A entfallenden Teiles des Gesellschaftskapitals in Höhe von 6 Millionen Mark wird seitens des Reichs eine Garantie weder für die Verzinsung noch für eine Rückzahlung übernommen. Abg. Schwarze (Ztr.) erklärt die Zustimmung seiner Partei zu der Vorlage. Die Bahn sei für Truvventransporte besonders wichtig. Die Einzelheiten der Rede bleiben unverständlich. Abg. Lcdeliour lSoz.s: Daß Eiseubabnen im allgemeinen sehr nützlich sind und mich in Kamerun Vorteile haben können, geben auch wir zu. Wenn wir gleichwohl gegen die Vorlage stimmen, so geschieht eS, weil sie gewissen kapitalistischen Kreisen ganz unberechtigte Vorteile zuwendet und weil die Landeszuteilungeu an die Komerun-Esienbahn-Gesellschajt sehr bedenkliche Folgen für die Entwicklung des Landes haben werden. Wir halten es für durchaus verfehlt, Spckulationßgesetlsck)aften Vollmachten ziw Ausbeutung der Eingeborenen, zu geben. Eine solche Ausbeutung zieht stets Aufstände nach sich. Die Erfahrungen in Eüdwestafrika sollten uns doch ein Warnungszeichen sein. Wir würden aber selbst dann die jetzige Vorlage ablehnen, wenn wir auf dem kolonialpolitikchen Standpunkt des Abg. Schwarze ständen; in diesem Falle würden wir den Bau der Dahn durch das Reich verlangen und nicht, wie es seht geschehen soll alle Vorteile brn Kapitalisten zuwenden. Wir müsien mit den Landkonzessionen um so vorsichtiger sein, als die Kamerun-Eisenbahngesellschaft in engster Verbindung steht mit der Nordwest-Kamernngesellschaft, die in vielen Fällen schon große Erregung unter den Eingeborenen hervorgerufen hat, weil sic diese von ibrem Eigentum verdrängte. Die Gesellschaft lebt nämlich auf dem sonderbaren Standpunkt, daß d^n Negern nur gerade die Landflächen gehören, mif denen sie ihre Wohnungen haben, oder die sic etwa bebauen. In der Behandlung der Eingeborenen müssen wir überhaupt ganz andere Wege einschlagen. Die allergrößten Bedenken mich der neueste Erlaß des Generals von Trotha erregen,, denn dieser Erlaß zeiigt von einer geradezu unglaublichen Brutalität und steht in Direktem Widerspruch zu den Erklärungen, die die Kolonialregierung hier im Hause abgegeben hat. Trotba beabsichtigt nämlich nichts anderes, als die Eingeborenen überhaupt auszurotten; ja, noch mehr, er setzt einen Preis von mehreren Tausend Mark auf den Kopf der Führer aus. Hier werden also geradezu von den Reichsbehordcn Meuchelmörder gedungen, um unbegikeme, Personen zu beseitigen. Kolonialdircktor Dr. Stübel: Es ist behauptet worden, daß die Einwohnerzahl in Kamerun zurückgegangen ist. Das ist nicht der Fall. Die genaue Einwohnerzahl läßt sich freilich vorläufig noch nicht feststelleu. In einem kolonialen Jahrbuch wird sie auf 7 Millionen angegeben. Doch kann die Zahl der Einaeborenen nur schätzungsweise angegeben werden. Eine Gcsamtzählung hat noch nicht stattaefunden, sondern nur eine in weniaen Distrikten an der Küste, hauptsächlich dort, wo jetzt der Versuch gemacht wird, eine Einkommensteuer einzuführen. Es ist weiter von dem Abg. Schwarze bemängelt worden, daß die seitherigen Zuweisungen von Land an die Eingeborenen ungenügend gewesen seien. Ich glaube, daß das Material, welches vom Kolonialamt der Budgetkommission vorgelegt ist, genügend darüber Aufschluß gibt, daß die Kolonialverwaltung bestrebt gewesen ist, in dieser Beziehung vorhandene Uebelstände abzustellcn. Auch im Kameruner Plantageudistrikt hat man sich nickst darauf beschränkt. 2 Hektar pro Hütte den Eingeborenen zu lassen, sondern im Durchschnitt kommen auf die Hütte B—4 Hektar. Auf Anregung des Kolonialamts ist nun sogar angeordnet worden, daß. abgesehen von dem bebauten unb bewohnten Lande, für die Eingeborenen 6 Hektar zur Verfügung gestellt werden sollen Es ist weiter auf die Notwendigkeit bingewiescn worden, daß das den Eingeborenen zubewiesene Land als unverkäuflich betrachtet werden soll, damit nicht dadurch, daß den Eingeborenen gestattet wird, ihr Land zu verkaufen, schließlich wieder der besitzlose Zustand eintritt. Die Kolonialverwaltung betrachtet es als eine Notwendigkeit, daß ohne (§)enehmigung de? Gouverneurs fein Land von Eingeborenen verkauft werden darf. ES ist dann darauf hingewicsen worden, ob es sich nicht empfohlen haben würde, der Nordwest-.Kamerungesellschaft nahe zu legen, ihrer Verpflichtung betr. den dortigen Eisenbahnbau auch bei dieser Bahnlinie nachzu- rommen. Demgegenüber bemerke ich, daß eine Verpflichtung für die Gesellschaft nicht besteht, diese Bahn zu bauen, sondern nur eine Bestimmung, wonach sie ihre Konzession 311m Bahnbau auch auf diese Linie erstrecken lassen kann. Mit .yilfe dieser Bestimmung ist es also nickst möglich, irgend welchen Zwang auf die Gesellschaft auszuüben. Ich habe aber schon ausgeführt, daß, wenn es sich Harum handeln würde, die Eisenbahn durch das Gebiet der Gesellschaft hindurch zu führen, der Zeitpunkt gekommen sein wird, mit Der Gesellschaft über die Fragen in Verbindung zu treten. Daß die Kolonialverwaltung bestrebt ist, die Missionsverhältnisse in den Kolonien nach allen Richtungen durch Bildung von Missionsstationen -lsw. zu bessern, habe ich von dieser Stelle schon wiederholt ausgesprochen. Das wird auch der Grundsatz bleiben, den die Politik der Verwaltung haben wird. ES versteht sich auch von selbst, daß wir für unsere Kolonien alles tun, was wir können. Sobald aus Ka« aft mehr Gewinn auS der Eisenbahn zieht, da sich dadurch da? Risiko deS Reichs verringert. Was die Beschuldigungen betrifft, die der Abg. Led^bour gegen den Herrn v. Puttkamer erhoben bat, so bemerke ich, daß Herr v. Puttkamer nur die An- tverdung der bestehenden Gesetze im Ange gehabt hat. Denn 'hm nach Ansickst der Verwaltung dabei Fehler und Irrtümer imterh.itfrn sind, so hat die Kolonialverwaltung sich bemüht, diese tvieder aus- zugleichen. lieber die Proklamation des Generals von Trotha bat die Regierung d^n General aufgefordert, hierüber einen Bericht einzusenden. Dieser Bericht liegt natürlich noch nickst vor. Bisher besitzen wir nur Zeitungsmeldungen über diese Proklamation. Zum Eckluß möchte ich noch bemerken, daß das Stammrsland den Ein- i geborenen unter keinen Umständen genommen wird. Es geht dies i schon klar hervor aus der allerhöchsten Verordnung vom 15. Juni 1806, nach welcher nur da? Land als .Kronland zu betracksten ist, auf welche? nickst Häuptlinge oder Gemeinschaften ein Anrecht haben. Abg. Lattmann (Antis.^ Wir halten es für grundfalsch, daß eine solche Bahn von einer Gesellschaft astmut wird. Nach all den Erfahrungen, die wir gemacht hab-'N sollten wir uns davor hüten, großen Gesellschaften neue Konzessionen zu gewähren. Die Verwaltung hat uns fein Wort darüber gesagt, welche Erfahrungen man in den anderen Kolonien mit dem Konzessionswesen gemacht hat. Der Kaufmann Vietor aus Bremen, der die K-stonien genau kennt, hat mir geschrieben, daß England und Frankreich langst mit dem Konzessionswesen gebrochen haben. Die Dahomep-Esienbahn ist sogar von der französischen Regierung mit schwerem Gelde zurückgekauft Inorden. Wir sollten daher auch endlich mit dem Kon- zessionswesen brechen. Die Bremer Handelskammer hat eine Eingabe gegen die Vorlage einaereickst, die leider viel zu wenig bekannt geworden ist. Die Gründe, die die Bremer Handelskammer gegen den Vertrag erhebt, sind sehr schwerwiegender Natur. Die Nordwest-Kameriln-Gesellfchaft beutet schon jetzt ihr Handelsmonopol in der rücksichtslosesten Weise auS, um so mehr müßten wir uns vor neuen Konzessionen hüten. Außerdem habe ich an der ganzen Sache anszuietzen, daß uns die finanzielle Unterlage fehlt. Was uns hier an Zahlen gegeben ist, ist doch höchst zweifelhaft. Ich habe ganz andere Berechnungen gehört. Wir haben einen .Kostenanschlag in der Kommission verlangt, und der ist uns schlankweg abgelelnst worden. Ja, da muß man doch bedenklich werden. Ein mir bekannter Missionar, Schuler, hat mir mitgeteilt: die letzte projektierte Strecke sei besonders schwierig, sie führe durch sumpfige Gegenden und solche, die von uns seinblichen Stämmen bcdlert seien. Ein schweres Bedenken geaen die Vorlage, das uns an ihrer Annahme hindert, liegt in dem Svstem der Konzessionierungen. Die Eiscnbahngesellfchaft ist in Wahrheit in erster Linie eine Handels- gesillschaft und erstrebt das Monopol für ihren Handel. Die zweite Schwierigkeit liegt für uns in der Eingeborenenfrage. Der Vorwurf, den ich dem Gouverneur von Puttkamer in der Kommission gemacht habe, ist in der Presse ganz falsch wiedergegeben worden. Ich habe nickst gesagt und nicht sagen wollen, daß er abhängig sei von der Kamerun-Gesellschaft. Ich habe ihm nur falsches Vorgehen gegen die Eingeborenen vorgeworfen. Die Verantwortung für einen eventuellen Aufstand schieben wir der Regierung zu. Unsere Pflicht ist es, unsere warnende Stimme zu erheben. Die Annahme der Vorlage ist uns zur Zeit noch nickst möglich. Die Situation muß sich erst klären. Am besten wäre es, man verjchiebt die Vorlage bis zum Herbst. Geh. Legationsrat Dr., Seitz bemerkt, zur Festlegung der Trace der Bahn hat in Kamerun eine besondere Landesausnahme durch den Ingenieur Neumann stattgefunden. Er hat nicht bloß Höhenmessungen vorgenommen, sondern auch Terrarnuntersuchungen und besonders wasserreiche Gegenden ausgewählt; das geht schon daraus hervor, daß über sechzig Brücken über Flußläufe vorgesehen find. Abg. Kopsch (freif. Vp.j: Unsere Bedenken gegen die Reichsgarantie für den größten Teil des Baukapitals und die Art Der Ausgabe der Anteilscheine sind in der Kommission nur noch verschärft worden. Angesichts der ungünstigen Finanzlage deS Reichs haben wir die größten Bedenken dagegen, zumal zu befürchten ist, daß dieser Bahnbau nur als der Anfang einer großen Linie bis zum Tsadsee gedacht ist. Vor allen Dingen halten aber auch wir die großen Landkonzesfionen für höchst gefährlich. Sie können der Entwicklung der Kolonie nicht dienlich sein, weil sie die Eingeborenen entrechten. Der Erlaß der Regierung von 1896, der die Behandlung der Eingeborenen in Bezug auf Landbesitz usw. regelt, ist einfach von dem Gouverneur von Putkamer Jahre hindurch unbeachtet gelaßen worden. Man scheint wirklich in Kamerun fast noch vut- kamcrunec zu sein als seiner Zeit in Hinterpommern. Es ist wirklich bedauerlich, daß hier eine solche Vorlage übers .Kuie gebrochen wird, während man mit der Einführung eines wirklichen Schutzes der Bergarbeiter absolut nicht zu stände kommen kann. Abg. Dr. Paa^che lnl.j verteidigt den Gouverneur v. Puttkamer gegen den Vorwurf des Abg. Lattmann, daß er von den Plantagengesellschaften finanziell abhängig gewesen fei. Ebenso seien auch die Bedenken gegen die Landkonzessionen unbegründet. Es wird immer gesagt, der Nordwest-Kamerun-Gesellschaft werde eine Fläche so groß wie Württemberg zur Ausbeutung preisgegeben. Alle Vorarbeiten sind doch von den Gesellschaften selbst geleistet worden. Die Gesellschaft Nordtoest-Kamerun hat bis jetzt noch nickst einen einzigen Hektar, den sie wirklich ihr eigen nennen kann. Die Vorarbeiten bestehen darin, daß die Gesellschaft eine aroße Reihe von Erpeditionen ausgerüstet hat, sie hat Stationen dutzendweise eingerichtet und Wege und Brücken gebaut. Dagegen, daß die Bahn, die un Interesse der Entwicklung der Kolonie absolut notwendig ist, in die Hände einer Privatgesellschaft kommt, ist auch kein Bedenken. Im Gegenteil, die Angestellten einer Privatgesellschaft wissen die Farmer dafür zu interessieren, wie sie die Dahn Dnrd} Aufgabe von Transporten sich nutzbar machen können. Mir ist eine solche Privatbahn viel lieber als eine bureaukratisch verwaltete Reichsbahn, die überdies auch viel größere VerwaltungS- kostcn erfordern würde. Die Landkonzessionen schrecken mich gar- nicht. Ich halte es auch nicht für ein Unglück, wenn man einmal im kulturellen Interesse Neger nach anderen Orten fortschiebt und ihren Besitz dadurch verlegt. Der Neger hängt niöht fo an der Scholle wie bei uns der Bauer. Da hat man noch fein Recht, von einer inhumanen Behandlung der Neger zu sprechen. Der Bahnbau ist auch notwendig, um die Trägerfolonnen zu entlasten. Jetzt werden ganze Gegenden von Kamerun durch die starke Entnahme von Negern als Träger geradezu entvölkert. Wenn alle biefe Leute sich dem Plantagenbau widmen können, geschieht das in Wahrheit im Dienste der Humanität. Ich kann Sie nur dringend bitten, dafür zu sorgen, daß dieses Eifenbahnprojekt möglichst bald zur Verwirk- lichuna gelangt. Abg. Frhr. v. Richthofen (fonf.): Wir können uns hier im Plenum ganz kurz fassen, denn in der Kommission ist die Vorlage ngch allen Seiten hin sehr gründlich geprüft worden. Tic Notwendigkeit der Bahn ist auch von feiner Seite bestritten worden, allen Wünschen der Komnnfsion hat die Regierung Rechnung getragen. Ich möckste aber den Kolonialdireftor fragen, ob die Vorlage zustande kommt, wenn die von der Kommission beschloßenen Aendcrungen angenommen werden. Kolonialdirektor Dr. Stübel: Ich kann nur erwidern, daß bn von der Kommission beschlossenen Aendernngen keinem Widerspruch bei dem Konsortium begegnen werden. Der zu der „Bau- und Bcstriebskonzesfion" gestellte Antrag Lattmann, der ausreichende Reservate für die Eingeborenen fordert, enthält nur etwas ganz Selbstverständliches, dem die Banken auch nicht widersprechen werden. , Abg. Slorz (Siidd. Bp.) führt au?, daß die Kamerunbahn zweifellos eine Zunkunst habe, schon im Interesse unserer Baum- wollen-Jndustrie. Wir müßten dafür sorgen, daß wir inbezug auf die Baumwolle von Amerika unabhängig würden. Er gebe zu, daß die Herausgabe von so kleinen Anteilen ihre Bedenken habe, aber das könnte ihn doch nicht veranlaßen, der so wichtigen Vorlage seine Zustimmung zu versagen. Abg. Erzbergcr (Ztr.): Ich kann nur lebhaft bedauern, daß gestern die Parteien, die an der Vorlage lebhaft interessiert sind, künstlich die Besck'lußunfälstgkeit deS Hauses herbeigeführt haben. Denn heute ist das Haus augenscheinlich nicht beschlußfähig und eS ist ein Antrag auf namentliche Abstimmung aestellt worden, sodaß wir leider die Vorlage wohl nicht zu Ende fiihren können. Wenn gestern die Beschlußunfähigkeit nickst künstlich herbeigeführt wäre, würden wir heute beschlußfähig sein und könnten die Vorlage morgen endgültig verabschieden. Zurückweisen muß ich den Vorwurf, daß die Kommission nicht gründlich geprüft hat. Die Kommission hat der Vorlage sieben Sitzungen gewidmet und alle Ge- sickstsvunkte berücksichtigt. Auch der Vorwurf ist unberechtigt, daß das Zentrum es durcligesetzt habe, daß eine Privatgefellsckmst und nickst das Reich die Bahn baue. So mächtig ist das Zentrum nicht. Wollen Sie, daß das Reich die Bahn baut, so bringen Sie doch einen Antrag ein, Sie sind dann immer noch 300 gegen unsere 100 Stimmen. Da? Reich würde unzweifelhaft weit teurer bauen, als eine Privatgesellschaft,' deshalb schon sind wir für die Vorlage. Nun verweist man auf die Eingabe der Bremer Ratsherren, aber deren Gründe sind billig wie Brombeeren. Wenn die Bremer die Bahn auf eigene Kosten, ohne Konzessionen, ohne Landzuteilung, ohne Bergwerksgerechte bauen wollten, gut, bann würde ich den Hut vor ihnen ziehen: aber das wollen sie nicht, sie können nur kritisieren. View Bedenkcm sind durch die Kommissionsberatung beseitigt worden, von einer Vorlage zur Bereicherung der großen Gesellschaften kann man absolut nicht reden, außerdem ist das Reich ja an dem Gewinn beteiligt. Herr Vebehour hat hier den General angegriffen, nun, der General wird sich wohl selbst verteidigen. Ich muß mich aber sehr wundern, daß Herr Ledebour so gesprochen, nachdem der „Vorwärts" neulich einen Meuchelmörder, den Mörder bed Großfürsten SergiuS, so verherrlicht hat. Jedenfalls ist eS doch nicht gerechtfertigt, einen verdienten General und unsere verdienten Truppen, die unter so großen Strapazen Wunder der Tapferkeit verrichtet haben, hier anzugreifen. (Beifall.) Im übrigen bitte ich Sie, die Vorlage nach den Kommissionsbeichlüßen anzunehmen. Abg. Dr. Sender (natl.): Ich kann mich den letzten Ausführungen des Vorredners nur anfckuicßen. Es wäre zu wünschen, daß gerade mit Rücksicht auf das in Afrika angerichtete Blutbad die Herren Kritiker sich entschließen möchten, zu erkennen, daß eS sich beim Bahnbau nicht nur um eine wirtschaftliche, sondern um eine eminent nationale Notwendigkeit handelt. So lange wir die Schutzherrschaft über Kamerun haben und zur Geltung bringen wollen, müßen wir dafür sorgen, daß wir die Bahn haben. Der vorgeschlagene Weg, sie zu verwirklichen, ist mich gangbar. Vielleicht wäre es richtiger gewesen, wenn das Reich die Bahn selber aus eigenen Mitteln gebaut hätte, aber ein solcher Antrag lag nicht vor, und jetzt ist das Bessere der Feind des Guten. Die viel angegriffenen Landkonzessionen waren notwendig, einfach um daS deutsche Kapital zu veranlaßen, sich diesem Unternehmen zuzuwenden. Vis jetzt haben die deutschen Kapitalisten, die sich entschloßen, ihr Geld in den Kolonien anzulegen, nur immer schlechte Geschäfte gemacht, ja direkt Opfer gebracht. Solch ein Zustand ist aber auf die Dauer unerwünscht. Die zwei Schwierigkeiten für bad Zustandekommen der Vorlage lagen bei der Hafenanlage. Wir haben sie beseitigt, indem wir dafür sorgten, daß ihr der Monopol- charakter genommen wurde. Der Hafen soll dem ganzen öffentlichen Verkehr preisgegeben werden. Das ist uns zugestanden worden. Die Vorwürfe des Abg. Lattmann gegen die bisherigen Konzessionen richten sich garnicht gegen das Spstem, sondern nur gegen die mangelnde Einsicht der damaligen Verwaltung, welche nicht wußte, welche Rechte sie aus der Hand gab. Was endlich die Besorgnis betrifft, ob auch die Summe von 17 Millionen Mark zum Bahnbau ausreicht, so brauckien wir uns garnicht darum zu kümmern; denn es ist uns die bestimmte Erklärung abgegeben worden: Ob die Kostenanschläge richtig sind oder nicht, die Bahn wird gebaut. Ich bitte Sie also, die Bahn möglichst bald zur Annahme zu bringen. Abg. Werner (Antis j hält es für besser, die Abstimmung noch zu vertagen. Abg. Dr. Arendt (Reichsp.): Rechter Hand, linker Hand, alles vertauickst! Herr Lattmann sprach gegen und Herr Storz für die Vorlage. Ueber den letzteren habe ich mich sehr qefreut. Ich nehme es ja den Sozialdemokraten nicht übel, wenn sie gegen die Vorlage stimmen, aber .ie sollten doch nicht durch namentliche Abstimmungsanträge die Verabschiedung verzögern. Den Vorwurf des Abg. Erzberger gegen die Rechte muß ich entschieden zurück- weisen. Wenn heute auch das Haus beschlußfähig wäre und man hätte die Bergarbeitergesctze vorgenommen, fo wäre dieses Gesetz sSnlichkett. Einen Wilhelm den Redseligen gab e- früher nicht. (Unruhe rechts.) Abg. Erzberger (Ztr.): Mag Großfürst Sergius gewesen fein, teer immer: die Herero waren sicher nicht besser, eher wohl schlimmer. Ob es sich mit der Würde des Reichstags vertragt, hier einen Meuchelmörder in Schutz zu nehmen, darüber kann man verschiedener Meinung sein. Hiermit schließt die Diskussion. , Abg. Singer (Soz.) hat zu dem grundlegenden § 1 einen Antrag auf namentliche Abstimmung eingebracht. ?lbg. Dr. Bachem (Ztr.): Ich bitte den Herrn Präsidenten, die Namen, die unter dem Antrag stehen, zu verlesen, wenn es ja auch nicht sehr bequem für den Präsidenten sein mag. (Heiterkeit.) Am besten wäre es wohl, wenn diese Anträge ebenso wie alle anderen behandelt und mit den Namen gedruckt verteilt würden. Präsident Graf Ballestrem: Wenn bis letzt der Wunsch nicht an mich gerichtet wurde, die Namen zu verlesen, so wohl aus dem Grunde, "weil die Herren das Vertrauen zu dem Präsidenten hatten, daß die Sache in Ordnung sei. Ich gestehe zu, daß sie aber ein Recht haben, die Verlesung der Namen zu verlangen. Ich bitte daher einen Herrn Schriftführer, diesmal die Namen zu verlesen. lHeiterkeit.) Schriftführer Himburg verliest nunmehr die Namen von 53 sozialdemokratischen Abgeordneten. . Für den § 1 stimmen 127, dagegen 61 Abgeordnete, bei 11 Stimmenthaltungen. § 1 ist also angenommen. Die Tatsache, daß gerade die zur Beschlußfähigkeit nötige Miudestzahl von 199 Abgeordneten anwesend ist, erregt große Heiterkeit. doch ganz gewiß nicht an die Reihe gekommen. Und außerdem kann Herr Erzberger doch nicht den Sozialdemokraten zutrauen, daß ste für unsere gestrige Haltung sich heute durch einen Antrag aus namentliche Abstimmung revanchieren. (Heiterkeit.) Abg. Ledebour (Soz.): Ein deutscher Offizier darf unter leinen Umständen von einer humanen Praxis gegen Eingeborene abgehen. Das mag sich Herr Erzberger gesagt sein laßen, der den General von Trotha noch gar in Schutz nahm. Herr Erzberger hat freilich nun gar noch den General, der Meuchelmörder züchtet, mit Kala- iew, dem Vollstrecker des Urteils an dem Großfürsten. «ergmS, verglichen. Einen unglückseligeren Vergleich hätte er garnickt ziehen können. (Sehr richtig! links.) Kalajew ist ein Mann, her fein Leben zum Opfer gebracht hat, um eine Persönlichkeit hinzurichten, von dem er nicht nur, sondern alle Freiheitsfreunde in der ganzen Welt wußten, daß er einer der schlimmsten Verbrecher in ganz Rußland war. Präsident Graf Ballestrem: Ich kann nicht dulden, daß auf der Tribüne deö deutschen Reichstages ein Meuchelmörder so qualifiziert wird, wie Sie es tun, und daß fein erhabenes Opfer so heruntergezogen wird. (Oho-Rufe und Gelächter bei den Soz.) Abg. Ledebour (Soz.): Wenn Herr Erzberger jemand mit Kala- feto vergleichen will, so greife er in die deutsche Literatur, so zitiere er Wilhelm Tell. Das war ein Mann, der mit ihm zu vergleichen wäre, wenngleich Kalajew noch höher steht als Tell. (Zustimmung bei den Soz.) General von Trotha hat, wenn der Erlaß richtig ist, Meuchelmörder geworben. Wenn Sie eine Parallele in der Geschickte haben wollen, so können Sie nur die Leute nehmen, die den Balthasar Gerard gedungen haben, um Wilhelm den Schweigsamen zu ermorden. (Unruhe und Zwischenruse rechts.) Sie kennen Wilhelm den Schweigsamen nichts Das war doch eine historische Per- Der Rest deS Gesche? wird ohne Erörterung angenommen, ebenso von der Bau- und Betriebskonzession für die Ka- meruneisenbahngesellsckiaft die ersten 10 Paragraphen (Betrieb der Bahn, Vorzugsrechte usw.). Zu § 11, der von Landgerechtsamen handelt, hat Abg. Lail- mann einen Antrag gestellt, wonach die Gesellschaft das ihr längs der Bahn zugewiesene Land erst dann in Besitz nehmen darf, wenn sie den Eingeborenen nach Verhandlungen mit ihnen Reservate zugewiesen hat. Der Antrag wird angenommen. Die Abstimmung über den so gestalteten Paragraphen ist auch eine namentliche. Nachdem die Abstimmung erfolgt ist, teilt Präsident Graf Ballcstrem mit: Ich habe dem Hause eine betrübende Mitteilung zu machen. Die vorherige Abstimmung überden § 1 ist ungültig, denn ein Abgeoroneter hat aus Versehen zwei Stimmzettel abgegeben. Wir waren also schon da beschlußunfähig. Auch bei dieser Abstimmung über den § 11 sind von zwei Herren zwei Zettel abgegeben worden, das kann ja sehr leicht passieren. Wenn es Sie interessieren sollte, so teile ich noch das Resultm der letzten Abstimmung mit. Es haben sich daran beteiligt 195 Abgeordnete ; davon haben gestimmt mit Ja 123, mit Nein 60, und der Stimme enthalten haben sich 12. Wir müssen die Sitzung abbrechen. Nächste Sitzung: Dienstag, 30. Mai, 1 Uhr: Petitionen. Rechnungssachen, Wahlprüfungen, Kamerunbahn, Börfengesetz. Schluß gegen 6V Uhr. Kietztncr WcrkchrsvclhäUlüsse im ZZürgewerein. Gießen, 26. Mai. Der Vurgerverein Gießen veranstaltete gestern, DonnerZ- /kg abend, im Leib'schen Saale eine öffentliche Bürgerver- Vq mm hing, in der die Verlehrsverhältnisje der Provinzial- sladt Gießen zur Besprechung kamen. Tie Versammlung war zahlreich besucht; unter den Anwesenden befanden sich auch mehrere Stadtverordnete (sämtliche Angehörigen der slädt. Verkehrskommission). Um 9'/z Uhr eröffnete der Vorsitzende, Lehrer <6. Müller, die Versammlung und betonte, daß man bezüglich der Verkehrsverhältnisse auch an die Zukunft denken müsse. Der Verkehr des Vogelsbergs habe sich in den letzten Jahren mehr von Gießen ab nach Friedberg und Butzbach gewandt; die Stadt Gießen müsse sich regen, damit sie nicht ins Hintertreffen komme. Prof. Dr. Sommer referierte über den Verkehr zunächst innerhalb der Stadt. Gießen bildet bezüglich feiner Ausdehnung ein Unikum der Städte; es ist ein gesundes Verhältnis, daß aus den großen Flächenraum eine so verhältnismäßig geringe Einwohnerzahl kommt. Die Gärten zwischen den Häusern sind eine große Annehmlichkeit. Es ist aber auch darum dringendes Bedürfnis, daß wir bessere Verkehrsmittel bekommen. Die Fremden sprechen abfällig über diesen Mißstand innerhalb der Stadt. Die bedeutendsten Mittel sind elektrische Bahn und Droschkenverhältnisse; letztere sind sehr verbesserungsbedürftig. Es zeigte sich auch ^gelegentlich des letzten internationalen Aerztekongresses. Dian schaffe einen telephonisch erreichbaren Droschken Halteplatz. Auch erweist sich bei der großen Ausdehnung von Norden nach Süden die Anlage einer elektrischen Bahn als notwendig. Durch den Bahnbau hat man Gießen von der Lahn abgetrennt; dadurch hat sich die Stadt seit 30 bis 40 Jahren nur nach einer Seite ausgedehnt. Tas Vorhandensein des langen Eiscnbahndammes hindert die Ausdehnung nach Westen und bedingt die Erbauung einer elektrischen Bahn. Folgende Linien sind zu errichten: 1. nach dem Biebertal, 2. nach der Aula, damit die Studenten von den ftlinifen zur Aula können, 3. von Wieseck nach Klein- Linden. Es handelt sich dann um die Frage: Wie steht die Verbindung zu der Umgebung mit der Stadt? Wir denken zuerst an das große Wieseck, dem jede Bahnverbindung fehlt. Es gibt eine Verbindung nach Fulda; diese müßte der natürlichen Lage folgen und über Wieseck-Gießen-Nord einlaufen. Dann erhalten wir auch die schon lange gewünschte Haltestelle Gießen-Nord. Der Redner spricht dann über das Projekt Gießen-Wieseck-Beuern. Dies sei aber nichts Ganzes; es entstehe nur eine Sackbahn. Eine Verlegung der Main-Weser-Bahn über Wieseck hält Prof. Dr. Sommer für ausgeschlossen mit Rücksicht auf den herzustellenden tiefen Einschnitt auf der Höhe der Wellersburg. Die Biebertalbahn ist ein merkwürdiges Flickwerk, da es vom Hauptbahnhof nicht zu erreichen ist, die Herstellung eines Tunnels oder eine Ueberführung sei sehr nötig. Der Redner hofft jedoch auf eine gute Entwicklung dieser Bahn und ihre Fortsetzung über Königsberg, Erda, Gladenbach nach dem Artal und Herborn. Die Verbindung mit Heuchelheim vom Seltersweg aus kann sehr leicht durch eine Brücke über die Lahn im Anschluß an die Klmilstraße hergestellt werden. Ter Süden Gießens kann dadurch sich gedeihlich weiter entwickeln. Das liege allerdings noch in weiter Ferne. Tie Kle eb a ch- bahn sei schon nach der Karte sehr einleuchtend, da die natürlichen Wege nach Gießen weisen. Prof. Sommer warnt jedoch vor einer Sackbahn; die Bahn müsse durchgebaut werden bis Ufingen, damit das Taunusgedlet mit Gießen verbunden wird. Die Lage Gießens mit seinem bedeutenden Verkehr ist eine sehr günstige. Doch sind bessere Verbindungen mit Schlesien und Bayern zu erstreben. Preußen hat die anderen kleineren Staaten beim Eisenbahnbau umgangen, und die kleinen Staaten bauten ihre eigenen Netze. Dadurch wurden die natürlichen Verkehrswege in ihrer Entwicklung gehindert. Gießen und Oberhessen müßte wieder nach beiden Seiten in die Verkehrslinie gerückt werden. Nach Bayern muß eine direkte Linie über Gelnhausen—Partenkirchen—Lohr und Würzburg ins Maintal erstrebt werden. Ter Uniweg über Frankfurt fällt dann weg. Von Gießen nach Osten muß die Strecke bei Alsfeld über Hersfeld, Thüringen bis Ostdeutschland geführt werden. Die Strecke Gießen—Gelnhausen hätte früher über das Bergwerk gelegt werden müssen, dann hätte die Stadt einen schönen Wald in nächster Nähe gerettet. Der größte Fehler in der Städteentwicklung liegt darin, daß man nur an die nächsten 5 bis 10 Jahre denkt. Die Ausführungen des Referenten fanden lebhaft- Bei» fall. Der Vorsitzende dankt ihm und übergibt dem zweiten Referenten, Handelskammersyndikus Dr. Knipp er, das Wort. Dieser erläutert das Kleebachtal-Projekt. Man beabsichtigt, Wetzlar mit Butzbach zu verbinden, also Gießen zu umgehen. Wegen der Schwierigkeit dieser Bahn hat die Direktion Frankfurt sie abgelehnt. Die Solmsbach-Bahn, das andere Projekt, soll nun direkt von Wetzlar nach Ufingen geführt werden. Tas sind Pläne der Stadt Wetzlar. Seit vorigem Jahre hat sich auch die Handelskammer mit dem Kleebach-Projekt beschäftigt und ein Komitee gewählt. Es and auch eine Versammlung statt und die Gemeinden bewilligten die Mittel. Doch die Regierung in Koblenz und Wiesbaden stand auf einmal feindlich gegenüber. Wetzlar ist ein großer Feind des Projektes und hintertreibt es. Im April ist das Ersuchen, eine Staatsbahn durch das Kleebachtal zu errichten, von der Bahnbehörde abgelehnt worden. Jetzt besteht die Gefahr, daß die Bahn Wetzlar—Butzbach erbaut und der Stadt Gießen das wichtige Hinterland abgeschnitten wird. Man sollte, da eine Staatsbahn abgelehnt ist, die Erbauung einer Gesellschaftsbahn erstreben. Wetzlar erstrebt ferner eine Bahn über Hohensolms nach Gladenbach. Gießen verliert dann auch dieses Hinterland. Es ist vom preußischen Staat nicht zu erwarten, daß er die Bahn baut Die Biebertalbahn rentirt ganz gut, sie hatte im letzten Jahre einen Ueberschuß von 41000 Wik., das Jahr vorher 39 000 Mk. Der Redner spricht dann über das Projekt Mücke— Ulrichstein. Viele Eisenlager und Basaltlager sind zu er- chließen und die spätere Fortführung nach Rixfeld bis Fulda zu erstreben. Von Fulda ist eine Bahn nach Mitteldeutschland in nächster Zeit geplant Von Alsfeld ist eine Bahn Alsfeld— Ulrichstein—Schotten projektiert Die Terrainschwierigkeiten ind sehr groß. Diese Strecke würde uns den Vogelsberg abschneiden. Man hofft, daß Mücke—Ulrichstein als Staatsbahn gebaut wird. Der zweigeleisige Ausbau der Ober- hessischen Bahn und ihre Fortführung ist eines der wichtigsten Ziele Gießens. Stadtv. Kirch erklärt, er habe beide Referate mit Jn- eresse vernommen. Prof. Sommer hab'' sich schon vor sieben Jahren sehr für die Verkehrsverhältnissi interessiert. Hr. Kirch glaubt aber noch nicht an die Vollendung dieser Wünsche. Die städtischen Verkehrsverhältnisse sind teilweise mit Recht gegeißelt worden. Bereits vor Jahren wurde beschlossen, Halteplätze für die Droschken zu errichten. Man setzte sich auch mit den Firmen in Verbindung, um die Droschken telephonisch bestellen zu können. Auch ein Troschkentarif wurde aufgestellt. Tie Sache hat sich aber nicht rentiert; die Droschken wurden nicht verlangt, deshalb mißglückte das Beginnen. Gießen ist hierzu noch zu klein. Die Verhältnisse Gießens lassen die Erbauung einer elektrischen Bahn noch nicht zu, da die Kanalisation noch nicht fertig ist. Doch nach dieser kommt mit der Pflasterung auch die Gleisanlage und die Errichtung der elektrischen Bahn. Eine Verbindung zwischen Klein-Linden und Wieseck muß in erster Linie in Betracht gezogen werden. Dann auch eine Linie nach der Kaserne, dem Siechenhaus, Friedhof, Irrenanstalt. Bezüglich der Biebertalbahn nimmt der Redner die Stadtverordneten in Schutz. Sie und an der Spitze der Oberbürgermeister ständen bezüglich der Verkehrs-Interessen der Stadt wohl auf der Wacht. Es wurde eine Verkehrskommission gebildet, um Mißständen entgegen zu treten. Aber zu den genannten bedeutenden Plänen gehört Geld und nochmals Geld, und der Steuersatz ist schon sehr hoch. Zur Weitersührung der Biebertalbahn nach Erda hatte die Stadt 60 000 Mk. bewilligt, doch die Orte bieten nichts. Bezüglich der Kleebachbahn ist die Stadt bereit, einen Beitrag zu den Kosten zu leisten. Es geschieht überhaupt, was geschehen kann. Viele Wünsche müssen an der praktischen Ausführbarkeit scheitern. Hr. Kirch ist fest überzeugt, daß nach den Kammer-Verhandlungen die Strecke Mücke-Ulrich- ftein gebaut wird. Zum Schlüsse dankt Stadtv. Kirch dem Bürgerverein, daß er das Interesse seiner Mitglieder für das Wohlergehen der Stadt zu wecken sucht. Stadtv. Gabriel betont, daß er sich in den letzten Jahren sehr eingehend mit den Fragen beschäftigt habe. Er hält eine Uebersühruj g über die Bahn nach dem Güterschuppen für dringend nötig. Der Verkehr zwischen Güterschuppen und Bahnhof ilt sehr groß, deshalb könnten leicht llnglücksfälle vorlommen. Auch sei dort die Viehverladestelle, sodaß die Händler stets unter diesem Verkehrshindernis zu leiden hätten. Tas s i für die Folge unhaltbar. Die Bieber- ialbahn hätte norm - purig gebaut werden müssen. Der Personen- und Güter' erlehr hat sich sehr gesteigert. Die Weiter Urning erschein dagegen nicht rentabel; daher hat die Stadt die bewilligten 60 000 Mk. zurückgezogen. Tie Gruben :c. garantieren feine Rentabilität. Die Brücke über die Lahn an der Klinikstraße wird bei der Lahnkanalisation erbaut werden. Jenseits der Lahn wird ein Fabrikviertel und eine Hafenanlage entstehen. Dorthin wird sich Gießen zweifellos ausdehnen. An der katholischen Kirche soll, so meint Herr Gabriel, eine neue Straße über die oberhessische Bahn gebaut werden im Interesse der zu errichtenden elektrischen Bahn. Die elektrische Bahn kann auch über die Staatsbahn gehen, wie es z. Ä. in Westfalen zu sehen ist. Die Bahn braucht nicht durch die Ludwigstraße zu gehen. Die Verlegung der Strecke Fulda über Wieseck wünscht der Redner entsprechend dem Projekt des Prof. Sommer. Dann seien die 200 000 Mk. und 70 000 Mk. von der Stadt und der Bahn am Schisfen- bergerroeg nicht nötig. Ich möchte den Vorschlag machen, die Bahn anzugehen, das Gelände von Werkstatt bis Großen- Buseck der Stadt zu überlassen. Dafür möge die Stadt die Bahn auf dem von der Gemeinde zu stellenden Gelände erbauen. Das Wichtigste dabei wäre, daß sich der Stadtteil nach Süden und Osten besser ausdehnen könnte. Die Errichtung von Droschkenhalteplätzen hält er bei der Größe Gießens für unausführbar. Bezüglich der elektrischen Bahn schließr Herr Gabriel sich den Ausführungen des Stadtv. Kirch an. Die Erbauung der Elektrischen bis Klein-Linden und Wieseck hänge allein von dem Entgegenkommen dieser Orte ab. Bauunternehmer Winn ist gewiß, daß die Ueberführung an dem Güterschuppen kommen muß. Er i|t der Ansicht, daß die Verlegung der Bahn über Wieseck das Wichtigste ist und im Bereiche der Möglichkeit liegt. Der Bürgerverein oder eine Kommission sollte dieses Projekt energisch betreiben. Stadtv. Kirch hält die Verlegung der Fuldaer Bahn aus praktischen Gründen für unausführbar. Der Bahnhofsumbau schließe die Verlegung aus. Schließlich kommt ein Brief aus der Gemeinde Altenbuseck zur Verlesung, welche sich um Unterstützung des Projekts nach Beuren an den Bürgerverein wendet. In ziemlich vorgerückter Stunde schließt der Vorsitzende mit kurzen Worten des Dankes die Versammlung. Sitzung der Stadtverordneten. Gießen, 26. Mai. Tie Sitzung wurde gestern nachmittag um 4Vs llhr eröffnet. An Hand der Grundrisse der beiden gleich prämiierten Entwürfe zu einem Theater für Gießen, von Fellner u. Helmer- Wien und Archirekc Hans Meyer- Gießen sowie von Pros. Dü l f er -München, erläuterte der Oberbürgermeister die einzelnen Vorteile und Nachteile, welche die Grundrisse sowie überhaupt die Raumdispositionen der Entwürfe, gegeneinander abgewogen, enthalten, und erklärte, daß sich die Theaterkommission darüber einig gewesen sei, daß deswegen keines der Projekte, so wie es vorliege, zur Ausführung gelangen könne. Eine überaus peinliche Sichtung und Abwägung der Grundrißdispositionen der beiden preisgekrönten Entwürfe habe dazu geführt, auf Grund' derselben einen neuen Entwurf herzustellen, welcher alle Vorteile unter «Vermeidung des Unpraktischen der Kon- turrenzentwürse enthält, wobei man sogar drei Varianten angenommen hat. Die Kommission schlägt vor, eine dieser drei Losungen im Prinzip zur Mssührung anzunehmen und demgemäß zu beschließen. Selbstverständlich müsse dann noch die Fassade danach eingerichtet werden. Heber die weitere Behandlung dieser Frage schlägt der Oberbürgermeister vor, in nichtössentlicher Sitzung zu beraten. Was nun die Kosten des Baues anbetrifft, so war den an der Konkurrenz beteiligten Architekten bekanntlich als Bedingung gestellt, daß die Ausführung ihrer Entwürfe den Betrag von 400 000 Mk. nicht übersteigen dürfe. Würde man den Kubikmeter überbaute Fläche mit 18 Mk. annehmen, so ergebe das Felln er-Helmer-Meyersche Projekt eine Bausumme von 420 000 Mr., das des Prof. Dülfer von 459 000 Mk., das neu überarbeitete Projekt würde mit 432 000 M k. auszuführen sein. Stadtv. Petri wünscht, daß, ehe in der Theaterbaufrage entschieden wird, erst durch Untersuchungen des Baugrundes festgestellt wird, was eventuell die Fundamente des Baues losten werden. Er befürchtet, daß in Schülers Garten schlechter Baugrund vorhanden sein wird und daß daher die Fundamente des Theaters erheblich mehr kosten als man annimmt. ... Ter Oberbürgermeister entgegnet, daß derartige Untersuchungen im augenblicklichen Stadium der Sache gar feinen Zweck hätten. Er habe doch gewiß die Versammlung nicht im Zweisel gelassen, daß der Baugrund für das Theater voraussichtlich schleckt sei. Es sei ja in dem Aus- schreibeu für den Wettbewerb betr. den Theaterueubau die Bausumme ausschließlich der Fundamente auf 400 000 Mark bemessen worden. Für die Fundamentierung und innere Einrichtung könne man mit 70—80 000 Mk. rechnen. I bie Überführung i[t bei: Mnfity, is Wichtigste ist tt Mtznvmm inM bdwbtn. ulbatt W aus c Bahnhossumbau Gemeinde Alten- Unlechütznng des n wendet. 4t der VoWndt MlllNg. ^gezogen. Tie $ie drücke über «‘Wanalifation Fabrikviertel und ließen Zweifel. Lnt Herr Gabriel, )n gebaut werden chen Bahn. Die -bahn gehen, wie W btandji nicht -gung der Strecke entsprechend dem die 200000 Mk. Sahn am Schissen. Vorschlag machen, istatt bis Großen- öge die Stadt du nden Gelände tt< sich der SIM könnte. Die Lr. r bei der Stöße elektrischen Bahn igen des Ctadtv. bis Klein-Linden ’gentommen dieser Ä- i: )Ul M tei- ’ann daz •<4 ds^"° b°. 2=5 w,as Ä'SURiL ' Seu> M, um M jjaue» .eilte de» M > 116 ldnckil. , JmÄ*T •ftSer«. °er-«en °7 iet cberbmS ' icht-il-, H.ÄE «neinlic&e Siu>- ous RTbeibeit '’rbrt ®f S-uÄ» E Än alle i-lle"! " der »>"' -v« $ari«n» eine dieser iS1 'Jainejwe« *<Ä ntii| e ÄK at der Kas 3 f Tw ®bcr so Wf JJefrW' stste , «ein. ^'Uonen. Kamerun, Zutritt. internationale Verein zur Rein- Reuninger, bie nach der Mühlstraße zu wohnte, und hn westlichen Teil dem Schneidermeister Konrad Fisch mit seiner Frau und einem etwa 20 jährigen Pflegesohn. Dieser hatte sich, als die Flammen die Wohnung bereits ergriffen hatten, durch einen Sprung aus dem Fenster auf das niedriger gelegene Dach gerettet und kam mit einigen leichteren Verletzungen davon. Fisch, der einen Stelzfuß trägt, batte sich nach dem Hof zu rittlings auf dreFcnsterbrüstung geschwungen und hielt auch seine Frau fest, bis ein Feuerwehrmann ihm einen Balken zuschieben konnte, an dem er sich her- unterließ. Frau Fisch hatte aber bereits die Kraft verloren, sich zu retten: sie sank buwusttlos ins Zimmer z u r ü ck, das bald darauf in allen Teilen brannte. Fisch, der erheblich verbrannt war, wurde ins städtische Krankenbaus gebracht. Unterdessen drangen aus der Nenningersch-en Wohnung die markerschütternden Hilferufe der Frau Renninger und ihrer drei Kinder, zweier Mädchen im Mter von 8 und 7 und eines Knaben von 2 Jahren, denen durch die brennende Treppe der Weg abgesperrt war. Ein junger Mann bemühte sich vergebens, von einem Nebendach die Frau zu retten, und auch Renninger selbst, der eben nach Hause kam, drang mit einer Leiter bis zum Fenster der Wohnung vor, konnte aber zu seiner Verzweiflung von Frau und Kindern bereits nichts mehr bemerken und mußte sich, da ihm selbst die Flamme:, bereits die Haare versengten, zurück z i c h e n. Die fünf Leichen liegen mm unter den Trümmern des Gebäudes, dessen Zusammensturz- bald erfolgte. Das angrenzende Haus war bei der Ankunft der Feuerwehr ebenfalls bereits von dm Flammen ergriffen. Hier schwebte im oberen Stock eine Wöchnerin, Frau Barnbard die erst in der Nacht zuvor niedergekommen war. mit ihrem Kind in höchster Lebensgefahr, doch gelang es der Feuerwehr, beide noch rechtzeitig zu retten. Sie wurden ins Krankenhaus gebracht. Bei den Nettun-gsarbeiten verstauchte sich ein Feuerwehrmann beit Fuß. Ein anderer, namens Zindel, wurde bei den Löscharbeiten durch eine einstürzende Wand schwer verletzt. Verschiedene andere Feuerwehrleute zogen sich außerdem leichtere Wunden zu, die a n SDrt und Stelle verbunden wurden. Die Firma Hufnagel Nachfolger war mit 42 OOO Mt. bei der preußischen Feuerver- sicherung in Stettin versichert Trotzdem ist der Schaden natürlich groß: zumal Frau Witwe Hufnagel, der viele Wertpapiere verbrannt sind, ist schwer getroffen. Von dem großen Fuhrpark konnten nur wenige Wagen in Sicherheit gebracht werden : die meisten sind den Flammen zum Opfer gefallen. — Heute vormittag wurde die Uuglücksstette, aus deren Trümmern noch immer starke Rauchwolken emporstoßen, durch 'Oberstaatsanwalt v. H e s s e r t-Darmstadt und das hiesige Amtsgericht besichtigt. lieber die Entstehung des Brandes hat man noch keine Aufklärung. Es erscheint nickst ausgeschlossen, daß ein Obdachloser, wie dies manchmal vorkommt, in dem Heu genächtigt und es aus Unvorsichtigkeit entzündet hat: — es würde dann noch ein sechstes Opfer unter dem Schutt liegen. (Off. Ztg.) -Empfänge. S. K. H. dec Großherzog empfingen am 24. Mai u. a. den Hauptmann Schroeder und den Leutnant Ebel vom Infanterie-Regiment Kaiser Wilhelm (2. Großh. Hess.) Nr. 116 und den Pfarrer Hartmann von Ulrichstein. ** Hundesperre. Bei einem am 1. Mai d. I. wegen des Verdachts der Tollwuterkrankung getöteten Hunde eines hiesigen Rechtsanwalts wurde im Institut für Infektionskrankheiten^ in Berlin Tollwut festge stellt. Die deswegen getroffenen Maßnahmen (Hunde- und Katzensperre) mußten infolgedessen wiederum ausgedehnt werden, und es ist unverminderte Vorsicht beim Verkehr mit Hunden und Katzen geboten. Wir verweisen außerdem auf die amtliche Bekanntmachung des Polizeiamtes. •• Gesellschaft für soziale Reform. Wie wir erfahren, findet die Versammlung der Mitglieder der Sektion Oberhessen der Gesellschaft für soziale Reform, an welcher Se. Exz. Staatsminister Frhr. v. Berlepsch teilnehmen wird, Sonntag den 28. l. Mts., nachmittags 3 V2 Uhr, im Hotel Großherzog von Hessen statt. Zu der Versammlung haben auch Nichtmitglicder der Gesellschaft für soziale Reform Kin Drandnnglück in Hffenöach. Offenbach, 25. Mai. Ein furchtbares Unglück, dem fünf Menschenleben zum Opfer gefallen sind, hat sich, wie wir gestern schon kurz meldeten, in unserer Stadt zugetragen. Im ältesten Teile der Stadt, in der Nähe des Isenburger Schlosses und des Mainstromes, liegt inmitten eines Komplexes alter Häuser, meist Fachwerkbaut n aus früheren Jahrhunderten, das aroße Fuhrweri'sgeschäft Robert H u f- nagel Ww. Nachfolger, dessen jetzige Inhaber die Herren Otto Höres und Erich Grossenbach sind. Das aus mehreren Gebäuden bestehende Geschäft stößt mit der Nordseite an die Mühlgasse, wo auch die Ausfahrt liegt, mst der Ostseite an den Großen Bier- grunb. Der Brand muß kurz nach 1/4II Uhr ausgebrochen sein. Ein Laternenanzünder Mühlum bemerkte zuerst im Mittelstock des Ouergebäudes, der als Heu- und Strohlager benutzt wurde, eine Flamme und schlug Lärm. Als Herr Höres in den Hof kam, standen die umstehenden Gebäude bereits in hellen Flammen, die in wenigen Minuten, durch den Wind begünstigt, auch auf das an der Müblstraße gelegene dreistöckige Wohngebäude übersprangen. Die dort wohnende Rentnerin Frau Witwe Hufnagel und die übrigen Bewohner konnten nur mit Mühe das nackte Leben retten; mir der Parterrestock blieb von den Flammen verschio-nt. Herrn Höres gelang es, von den 19 in ben Ställen stehenden Pferden 17 zu retten: er verletzte sich dabei schwer an Gesicht und Händen. Eins der Pferde verbrannte: d^r Kadaver liegt now auf dem Hofe, den man wegen der Einsturzaefahr zurzeit noch nickt betreten kann. Ein anderes hatte so schwere Brandwunden erhalten, dast es erschossen werden mußte. — Leider war in der Kopflosigkeit und Bestürzung verabsäumt worden, die Feuerwehr rechtzeitig zu alarmieren. Als sie an die Rettungsarbeit ging, war leider das Schlimmße schon geschehen: fünf Menschen lagen unrettbar in d en F l a m m e n des über und über brennenden Ouergebäudes. Der untere Teil dieses Hauses, durch den ein Verbindungsweg nach 'dem Hof an der Mühlstraße führte, war Stall und Remise, in der Mitte war ein Heu- und Strohlager und der obere Stock diente — unverantwortlicher Weise! — zwei Familien tcks W-chuung. nänttick bmewgm des Steinmetzen Fr. Die schädliche Wirkung des Alko- hol’s, Kaffee’s, Tee’s auf das Herz und die Nerven! Kein Mensch wird behaupten wollen, daß der mäßige Genuß von Alkohol, Tee oder Kaste nachteilig iür die Gesundheit sei. Schon Professor Voit sagte treffend: Ein gesunder Darm verträgt alles, erst bei Kranken und Schwachen wird sich ein Unterschied Herausstellen usw. , ... Trotzdem hören wir täglich: „Ich fühle mich seit eimaer Zeit nicht wohl, es fehlt mir dies und fehlt mir das, ich bin abgespannt, bin matt, müde, unlustig, habe keinen Appetit; Kopfschmerzen, Atemnot, Flimmern, Herzklopfen und andere Erscheinungen plagen mich und doch bin ich nicht krank". Das trifft zu, aber dennoch ist irgendwo eine Störung vorhanden, die sich im Ernährung?- und Nervenleben äußert, und dann ist auch der mäßige Genuß von Alkohol, Tee und Kaffee usw. schädlich. Der beste Beweis hierfür ist, daß, sobald man diese Getränke wegläßt, eine Besserung eintritt. Wer daher seinem Nerven- und Ernährungsleben eine Regenerierung und (Lririschung zu Teil werden lasten will, die von wohltuendsten Einfluß für den Organismus und das allgemeine Wohlbefinden ist, der trinke einige Wochen morgens das von ersten Autoritäten erprobte und bestens empfohlene, wohlschmeckende, blutbildende Nähr- und Kräftigungsmittel „Bioson", erhältlich in Apotheken, Trogenhandlungen usw. das halbe Kilo drei Mark und lese, um sich von dem Wert des Präparats zu überzeugen, die Berichte der medizinischen Zeitungen, Professoren, Aerzte, Heilanstalten usw. bT/< Aus Stadt m:d Land. Gießen, 26. Mai 1905. ** Personalien. S. K. H. der Großherzog haben «en LehramtSassessor Dr. Dandt ,u Mainz zum Oberlehrer nm Realgymnasium und der Oberrealschule zu Mamz, den Lehramtsassessor Michel zu Friedberg zum Oberlehrer an der Auauslinerschule (Gymnasium und Realschule) zu Fried- berg, und den Lehramtsassessor Hirsch zu Oppenheim zum Oberlehrer an der Realschule zu Oppenheim ernannt. — Der Kreisaeometer des Kreisvermesiungsamts Beerfelden, Groh, wurde auf [ein Nachsuchen in den Ruhestand versetzt. Kirrätiräe (fitträten« Evangelische Gemeinde. Gottesdienst. Sonntag Rogate, den 2 8. Mai. In der Stadtkirche. Vormittags 8 Uhr: Pfarrer Schwabe. Zugle'.ch Christenlehre für die Neukonfirmierten der Markus- gemeinde. Vormittags 9’/2 Uhr: Pfarrer v. Schlosser. Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Matthäusgemeinde. Pfarrer D. Schlosser. In der JoharrneSkirche. Vormittags 91/, Uhr : Pfurrassisterü Sattler. Vormittags 11 Uhr: Kindergottesdienst für die Iohannesgemeinde. Pfarrassistent Sattler. — Nächstfolgenden Sonntag, den 4. Juni, nach allen Gottesdiensten Kollekte für die kirchliche Versorgung der evangelischen Glaubensgenossen int Auslande. An demselben Tage findet vormittags 8 Uhr Früh- gottesdienst, verbunden mit Christenlehre für die Neukonsirmierten aus der Johannesgemcinde statt. Sonntag, Abends 8 Uhr: Versammlung und Bibelbesprechung im Konfirmandensaal der Jo- hanneskirche. Pfarrer Braeß aus Darmstadt wird über »Evangelische Jünglings- unb Männer-Vereine" reden. Himmelfahrttag, den 1. Juni: Ju der Stadtkirche. Vorm. 9V, Uhr: Pfarrer Schwabe. In der Johanneskirche. Vormittags 9Vz Uhr: Pfarr- as sistent Schulz. In der FriedhofSkaPelle. Nachmittags 2 Uhr: Pfarrer D. Schlosser. Katholische Gemeinde. Samstag, den 27. M a i 1905: Nachmittags um 5 Uh, unb abends um 8 Uhr: Gelegenheit zur hl. Beicht. Sonntag, den 28. Mai 1905, 5. Sonntag nach Ottern: Vormittags von 6 1ja Uhr an: Gelegenheit zur heil. Beichte. Vormitags um 7 Uhr: Die erste heil. Messe, vor und in derselben Austeilung der heil. Kommunion. Vormittags um 8 Uhr: Tie zweite heilige Messe. Vormittags um 9 7, Uhr: Hochamt mit Predigt. Nachmittags um 21/, Uhr: Christenlehre; darauf Andacht. Dienstag abend um 67, Uhr ist Mai-Andacht. Israelitische Religionsgemeinde. Hottesdienh in der Hynagoge (Südantage). Samstag den 27. M a i 1 9 0 5: Vorabend: 7.15 Uhr. Morgens 8.30 Uhr. Nachmittags 4.00 Uhr. Schristerklärnng. Sabbathausgang 915 Uhr. Haltung der Flüsse, des Bodens und der Luft wird am 17. Juni d. Is., nachmittags 4 Uhr, in Frankfurt eine 27. Generalversammlung veranstalten. Folgendes Programm ist vorgesehen: 1. Referat von Medizinalrat Dr. Mittermaier über „Verschiedene Methoden der Städtereinigung mit besonderer Beziehung auf das Abfuhrsysiem in Heidelberg." 2. Bericht des Vorsitzenden über den Erfolg unserer diesjährigen Eingabe an den Reichstag. 3. Die wachsende Teilnahme an den Bestrebungen unseres Vereins in Fischereikreisen. Referent: Dr. Bonne. 4. Bericht von Ingenieur Elassen über das Liernur-System in Holland und die Mißstände im Nheingebiet. 5. Die Verkennung der Volkswirtschaft und Hygiene des Landes von Seiten schwemm- üchtiger Stadtverwaltungen. Referent: Dr. Bonne. (f.) Schwalheim, 25. Mai. Hier erschoß sich heute früh 7 Uhr ber Wirt Müller „Zum Germaniabrunnen", nachdem er gestern um dieselbe Zeit bereits versucht batte, den Tod in der Wetter zu sucken, wobei er aber, wie wir bet trifteten, noch lebend her^usczogen tor'-b-m war. G^gen Müller war eine Unterfudning meqin e^"s ^'^ttick^i^verbreck^ns im Gcmg. (b) Bübingen, 25. Mai. Gestern wurde a"f d"r Straße zwischen Büches unb Bleichenbach ein Radfahrer, der Aufseher Schenk, von einem Fuhrwerk überfahren. Er trug außer einem Beinbruch noch sonstige schwere Verletzungen davon. Der Verletzte wurde in eine Wirtschaft nach Büches verbracht. Er soll heute in d-tt K'limk nach Gießen verbracht werden. Den Fuhimiann soll fr ine Schuld treffen. Rö. Darmstadt, 25. Mai. Der G r 0 ß h e r z 0 g und die Großherzogin begaben sich gestern nachmittag im Automobil nach Frankfurt. Dort fand nachmittags von 3 Uhr ab im Englischen Hof die I a h r e s z u s a m m e n k u n f t des Vereitts der deutschen Standesherren statt, welcher der Großherzog, vermutlich einer Einladung seines Schwagers Fürsten Lich- Solms folgend, beiwohnte. Es ist wohl das erste mal, daß ein regierender Fürst an einer Versammlung der Standesherren sich beteiligt. Wie jetzt fest steht, wird das Großherzogliche Paar an den V e r m ä h l u n g s s e st l i ch k e i t e n des detUschen Kronprinzen teilnehmen und sich dazu Ende nächster Woche nach Berlin begeben. — Der Gesetzgebungsausschuß der zweiten Kammer sührte vorgestern und gestern die Beratung über bett Gesetzentwurf, betreffend die A tt s Übung d e r I a g d weiter ttnb beendete die erste Lestlug. Zu eingehenden Errötertmgen gaben besonders die Ein- leilnng der Jagdbezirke und deren Größe, für welche die Mindestfläche 300 Morgen betragen soll, das Ausübmtgsrecht im Jagdbezirk, das Verhältniß zwischen Haitpt- unb Mietpächter etc. Veranlassung. Zu ber am nächsten Dienstag stattsindenden zweiten Lesung sollen auch bie Regierungsvertreter eingelnben werden. — Ter Gesetzgebungsausschuß der ersten Kammer kommt heute den 25. Mai, ebenfalls auch derart zur Berattmg zusantmen. Die beiden Kammern werden neueren Entschlusses zufolge erst nach d e m P f i n g st f e ft mit ihrett Plenarberatungen beginnen. Da wird's wohl in ber heißen Sommerszeit auch wieder heiße Kammerdebatten geben! fc. Mainz, 25. Mai. D">" Stadtverordneten nahmen einstimmig b ach Tann auch nicht recht verstehen, welchen Zweck es haben soll, wenn man den Antrag Petri ausführen wollte. Die Versammlung habe doch Schülers Garten als Bauplatz für daZ Theater bestimmt: wenn nun die Fundamentierung des Hauses sich in den Kosten etwas höher stellt, als bei gutem Baugrund, so muß man das ganz selbstverständlich hinnehmen. Der Oberbürgermeister bemerkt noch, daß zurzeit eine Untersuchung des Baugrundes ganz und gar untunlich sei. Schülers Garten sei vermietet, und man könne den Mietern doch nicht zumuten, daß sie während der Mietszeit den schönen Park freigeben, um Bohrversuche darin vorzunehmen. Stadtv. Schaff st ädt erklärt, daß doch, solange man nicht wisse, welwe Stellung der Bau erhalten soll, die Untersuchung des Baugrundes ohne Zweck sei. Jedenfalls koste eine Untersuchung unnötiges Geld; deshalb sei er dagegen. Stadtv. Krumm ist der Ansicht,daß dieBodenuntersuch- ztng überflüssig sei. Es habe sich ergeben, daß man in Gießen ein Theater haben Wilk.. Der Bürgersinn für ein solches Unternehmen habe sich in einer Weise betätigt, die hoch anzuerkennen sei. Er sei aber der Ansicht, daß die heute genannte Summe zur Ausführung des Projekts zu gering ei, doch schade dies nicht; denn wenn auch die Stadt als plche etwas darauflegen müsse, so würde er bereit sein, )ie Mittel hierfür zu bewilligen. Doch sollten sich die Leute, die in erster Linie das Theater haben wollen, nachher nicht beklagen, wenn sie einige Prozente Kommunalsteuer mehr bezahlen müßten. JU der Frage des Theaterbaues sei un- beoingt Eile nötig, und es müsse alles vermieden werden, was das Vorankommen des Unternehmens hinausschieben könnte. Oberbgm. Mecum erklärt, daß er fest davon überzeugt fei, daß mit einem Betrage von 18 Mk. pro Kubikmeter überbaute Fläche unser Tbeaterbau herzustellen sei. — Auch Stadtv. Haubach sprrcht sich dafür aus; er verweist auf den Theaterneubau in Thoni hin, wo man ebenfalls bei schlechten Bodenverhältnissen ein dem Umfang nach gleiches Theater, wie das bei uns geplante, mit 400 000 Mk. erbaut habe. Stadtv. Petri bemerkt, daß er mit seinem Anträge keineswegs den ^Anfang des Zcheaterbaues habe hinausziehen wollen. Es sei aber früher mit Recht darüber geklagt worden, daß städtische Bauten, wenn sie fertiggestellt waren, 10—20 Prozent über dem Voranschlag kosteten. Er habe geglaubt, jetzt schon aus die eventuellen erheblichen Kosten einer Fundamentierung des Theaters Hinweisen zu sollen, wenn sich herausstellt, daß der Baugrund schlecht sei. Der Antrag der Kommission wegen der Grundrißdispositionen wird hierauf von der Versammlung angenommen. Stadtv. Haubach bemerkt noch, daß man ja augenblicklich über die Kosten des Baues auf Heller und Pfennig sich noch nicht äußern forme; er glaubt aber nicht, daß dafür mehr als die in Aussicht genommene Summe erforderlich sein wird. Jedenfalls sei der Opfermut unserer Bürgerschaft für die Ausführung eines Theaterbaues anzuerkennen und auch nicht erschöpft. Die Sammlungen seien noch nicht abgeschlossen. Er könne mitteilen, daß vor ca. 14 Tagen die gezeichneten Summen die Höhe von 350 000 erreicht hätten, und daß seitdem weitere 12 000 Mk. dazu- igekommen seien, darunter ein Betrag von 5000 Mk., den ein geborener Gießener jenseits des Ozeans, in Baltimore, gezeichnet habe. Es seien noch eine ganze Anzahl Bürger in Gießen, deren Verhältnisse es zuließen, für den Bau etwas zu zeichnen, und es sei doch gewiß anzunehmen, daß diese hinter denen, die für den edlen Zweck eine offene Hand gezeigt haben, nicht zurückstehen würden, sodaß die verfügbaren Mittel noch erheblich sich steigern würden. Damit ist die Theaterbausrage in der öffentlichen Sitzung erschöpft. , r r m Nachstehende zwei Dr s pen s gesu ch e von den Bestimmungen der Bauordnung werden von der Versammlung befürwortet: B. Scho mb er, Walltorstraße, will einen Backofenbau auf seinem Grundstück ausführen; er muß hierzu einen Teil des verfügbaren Hofraumes benutzen. Heyligenstaedt u. Co. wollen eine Ausdehnung ihrer Fabrikräume vornehmen, also außerhalb des Ortsbauplanes ein Gebäude errichten. Der Anschluß an die Kanalisation der Grundstticke entlang des Mar ktplatz es läßt srch am besten ausführen, indem dahinter von der Kirchstraße bis zum Burggraben ein besonderes Siel angelegt wird, zu welchem dann dre einzelnen Hauseinschlüsse einmünden. Das Siel würde aus dem Gelände der Harisbesitzer hinziehen (auch die Stadt ist mit dem alten Rathause dabei beteiligt). Die Kosten dieser Mage sind auf 1400 Mk. veranschlagt, welche von der Versammlung bewilligt werden, unter der Bedingung, daß die Anlieger zu ihrem Teil den Betrag zurückverguten. In der gleichen Weise sollen die Grundstücke an der Walltorstraße 53, 59, 63 entwässert werden, zu welchem Zwecke die Stadtverordneten 1000 Mk. bewilligen, die ebenfalls von den Interessenten zu decken sind. Die Versammlung ist damit einverstanden, daß der seitherige Lieferant unter den seitherigen Bedingungen Zement für den städtischen Bedarf, und zwar bis zu 50 Waggons, liefern soll. ..... Zur Legung eines Kabels vom Elektrizitätswerk nach ;en Klärbecken, dessen maschinelle Anlagen mit elektrischer Energie betrieben werden sollen, werden 27 000 Mk. verlangt und bewilligt. (Schluß folgt.) ie Y- Strohhüte ZU sehr billigen Lose Elegante Kleidung ®rat=SS?«?.'E für wenig Geld erzielt man durch VVIU Rassen; Geflugelhäu sc und Objektive der ersten Fabriken zu Originalpreisen von den billigsten bis zu den feinsten Marken. __ Chemikalien in grösster Reinheit, Carton* in grosser Auswahl, Platten, Films, Film-Packs, alle photographisch Bedarfsartikel. _ , , . , r004 Dunkelkammer Photographische Arbeiten Preisliste gratis und franko. Adolf Bieler, Viktoria-Drogerie, Marktstrasse 5. avparate höchstpräm.; - ' - ' - - ' rall. Gebrauch der so beliebten ßlank’s Schnitte. 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