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Dr. Heidenreich führt aus, es müsse gegenüber jcn Behauptungen, daß das ganze Volk das direkte Wahlrecht erlange, doch konstatiert werden, daß weite Kreise des Volkes erleichtert aufatmen werden über den jetzigen Ausgang der Sache. Vor allem sei damit die so viel umstrittene Wahlkreiseinteilung beseitigt. Die Frage der Einführung des irekten Wahlrechts sei nicht eine ausschließliche Angelegenheit dieses HauseS, sondern eine Sache des ganzen Landes und aller gesetzgebenden Faktoren desselben. Man dürfe doch solche Kundgebungen, wie die der 10 000 Wähler auS der Rheinprovinz gegen die Wahlkreiseinteilung, nicht einfach unbeachtet lasten. Der sozialdemokratische Antrag auf Abschaffung der ersten Kammer gehe auf einen Bruch der Ver- astung auS, waS ja bei der ganzen Haltung der Antragsteller auch nicht weiter zu verwundern sei. Er hege aber die Ueberzeugung, daß die durch die Verfastung gewährleistete Institution der ersten Kammer dem Lande auch in Zukunft erhalten bleiben werde. Redner erklärt dann, daß er und seine Parteifreunde^ gegen den sozialdemokratischen Zusatzantrag stimmen und auch auf das Lebhafteste bedauern würden, wenn die Regierung unter den gegenwärtigen Umständen sofort wieder die Wahlrechtsvorlage einbringen und damit unser Hestenland von neuem zum Versuchsfeld für WahlrechtSoorlagen machen würde. Abg. Dr. Gutfleisch führt aus, er begrüße eS mit Freude, daß mit wenigen Ausnahmen das Haus einmütig zusammenstehe für die Vorlage und gegen die Angriffe in der ersten Kammer. Bedauerlich sei, daß die Herren vom Bauernbund daS Zustandekommen des direkten Wahlrechts dadurch beeinträchtigten, daß sie den Städten nicht die ihnen nach ihrer Einwohnerzahl zukommende Anzahl von Abgeordneten zubilligen wollten. Die Vorlage habe den Zweck ver- folgt, das Wahlrecht für die zweite Kammer zu verbestern, es sei daher weder schön noch vornehm, daß sich die erste Kammer die Gelegenheit zu nutze mache und ihre eigenen Rechte erweitern wolle. Redner beklagt dann, daß über ihn und seine Haltung zur Wahlrechtsvorlage so viele unwahre Nachrichten in den Blättern erschienen seien, die einen teilweise demagogischen Charakter trugen; so wurde ihm nach- gcsagt, er hätte seine Zustimmung an bestimmte Kautelcn geknüpft, während er solche überhaupt nicht für notwendig erachtete und denselben nur zustimmte, um die Vorlage zu stände zu bringen. Er habe sich auf den Boden der Regierungsvorlage gestellt und würde auch die Wiedereinbringung derselben mit Freuden begrüßen. Redner polemisiert dann besonders gegen den Frhrn. v. Heyl und dessen Kritik der Wahlrechtsvorlage. In einer Versammlung in Worms habe derselbe die Schuld an dem Scheitern der Wahlrechts- Vorlage der zweiten Kammer aufgebürdet und der letzteren „Verbeugungspolitik" vor der Sozialdemokratie vorgeworfen, indem sie Herrn Ulrich zum Schriftführer wählte. Ferner wurde e§ so hingestellt, als hätten die Mitglieder der zweiten Kammer nicht den Mut, an richtiger Stelle ihre Schuldigkeit zu tun. DaS dürfe sich die Kammer nicht gefallen lassen, sie müsse entschieden dagegen protestieren und das Haus könne am besten beweisen, daß es die erste Kammer nicht fürchte, wenn es sich einmütig gegen den Initiativantrag wende. (Lebh. Beifall.) Redner führt bezüglich der Wahlkreiseinteilung noch aus, er habe sich nur für die Einteilung in Oberhesten bemüht. Aber seine damaligen Vorschläge, die noch lange nicht die schlechtesten waren, seien von der Kammer über den Haufen geworfen worden. Er hege zur Regierung das Vertrauen, daß diese am besten selber die erste Wahl- krciseinteilung vorgenommen haben würde. Es fei merkwürdig, daß man einerseits dem Volke die politische Reife für das direkte Wahlrecht abspreche, sich aber anderseits Vertrauensbeweise von ihm erteilen laste. Er hege das Vertrauen zu dem Volke, daß eS daS direkte Wahlrecht nicht mißbrauchen würde. Man dürfe keinesfalls zugeben, daß sich die erste Kammer auf Kosten des andern Hauses bereichere, man müsse vielmehr einmütig deren Pläne zu vereiteln suchen. (Lebh. Beifall.) Inzwischen ist der Antrag Ulrich eingegangen, die Regierung zu ersuchen, sofort die Vorlage auf Ersetzung des indirekten Wahlrechts durch das direkte wieder eiuznbringen und dabei unter keinen Umständen eine Abänderung der Art. 67 und 75 der Verfastung zu veranlasten. Abg. Windecker bekennt, daß er fest auf dem Boden des direkten Wahlrechts stehe und bedauert auf das leb- hafteste, daß trotz aller Anstrengungen eine Verständigung darüber noch nicht erzielt sei. Durch die Stellungnahme der ersten Kammer und bei anders durch Einbringung des Initiativantrags sei auch leider jede Aussicht auf Verständigung geschwunden, denn zu einem derartigen Anträge wurden die Volksvertreter niemals ihre Zustimmung geben. Bezüglich der Bestimmung des Art. 67 bemerke er, daß die Besprechung der Einzeletats durch die erste Kammer seit 80 Jahren zum Gewohnheitsrecht geworden sei und über eine gesetzliche Festlegung sich hätte reden lassen, aber man hätte uns nicht mit dem Initiativantrag die Pistole auf die Brust setzen dürfen. Dr. David habe gestern über das Maß hinausgeschossen. Die beiden Kammern seien verfassungsmäßig vorhanden, und es müsse deshalb auch ein pwdus. vivendi, ein Weg zur Verständigung gefunden werden. Die Illusion auf Abschaffung der ersten Kammer sollte doch einfach begraben werden, ^gen den Vorwurf, daß das hessische Volk nicht reif sei, das direkte Wahlrecht zu besitzen, müsse er entschieden protestieren. In das Lob auf die Mahlkrciseinteilnng könne er aber nicht einstimmen; er müsse vielmehr konstatieren, dap nicht nur die sog. Wormser Ecke, sondern auch von anderer Seite der energischste Wider- spruch gegen die Wahlkreiseinteilung erhoben touTbc. Wenn Herr v. Brentano den Vorwurf der Einseitigkeit derselben als Lüge bezeichnete, so protestiere er dagegen. Auch Llbg. Pithan und Dr. Gutfleisch hätten über die WahlkrciS- geometrie Beschwerde geführt und Redner selber habe dasselbe in seinem Wahlkreis erfahren. Die Behauptung des Abg. Dr. David, als ob es sich bei dem früheren Antrag auf Beseitigung der ersten Kammer um einen alten natio- nalliberalen Antrag handelte, sei unzutreffend; der Antrag sei ein Lieblingswunsch des Abg. Metz gewesen, der ihn 1881 in der zweiten Kammer einbrachte, also nicht die nat.-lib. Partei, die in ihrer Mehrzahl auch gegen den Antrag stimmte. Die Partei als solche habe mit dem Antrag gar nichts zu tun gehabt. Derselbe sei auch längst überwunden, ebenso wie ja auch die Sozialdemokratie im Laufe der Jahre so manches überwunden habe, er erinnere nur an die Verelendungstheorie usw. Redner stellt zum Schluß den Antrag, den Antrag Ulrich dahin abzuändern, daß die Worte „sofort" und „unter keinen Umständen" gestrichen werden und anstatt „die" „eine Vorlage" gesetzt werde. Er hege die Erwartung, daß der Antrag auf Beseitigung der ersten Kammer sowohl bei den Bauerpbündlern, wie beim Zentrum und den Nationalliberalen einstimmige Ablehnung sinden werde. Abg. Pithan erklärt, daß er dem Ausschußantrag aus Verwerfung des Initiativantrags der ersten Kammer beistimme. Er müsse aber hier öffentlich entschieden dagegen protestieren, daß man die rheinhessischen Vorstellungen gegen die Mahlkrciseinteilnng mit Worten, wie „Unwahrheit", „Lüge" usw. bezeichne. Die Wcchlkreiscinteilung für die Rheinprovinz sei einseitig und unannehmarb. Redner wendet sich dann in lebhafter Weise gegen die Angriffe Dr. Davids auf die erste Kammer und den Antrag auf Beseitigung derselben, und nahm dann besonders Frhrn. v. Hehl gegen die aus der zweiten Kammer gegen chn gerichteten Angriffe in Schutz. Er hoffe auch, daß die erste Kammer doch noch zu einer Zustimmung zum direkten Wahlrecht gelangen werde. _____ Abg. Ulrich ist der Meinung, daß die in der zweiten Kammer veränderte Wahlrechtsvorlage zwar nicht das Ideal eines direkten Wahlrechts darstelle, aber sie habe den Vorzug, die jetzige Bevormundung des Wählers durch den Wahlmann zu beseitigen. Der Vorteil des direkten Wahlrechts sei so groß, daß darüber alle kleineren Bedenken schwinden müßten. Dr. Heidenreich gehöre nicht mehr in die nat.-lib. Partei, da sich diese einskmnnig für das direkte Wahlrecht enffchicden habe. Redner widmet sich dann der Polemik gegen die erste Kammer, deren Forderung auf Erweiterung ihres Vudgttrcchts eine Schmälerung der Rechte der zweiten Kammer bedeuten würde. Zum Beweis daffir, daß auch gut nationalliberale Blätter sich gegen die erste Kammer wendeten und deren Rechte eingeschränkt wissen wollten, verlas Redner einen Leitartikel des „Mainzer Tagebl." vom 21. Oktober, wofür die Mehrheit lebhaft Beifall spendete. Auch das, was Windecker Gewohnheitsrecht der ersten Kämmer nenne, müffe beseitigt werden, und er hoffe, daß die Regierung fest auf ihrem Standpunkt beharren und gemeinsam mit der zweiten Kammer trotz aller Machinationen die Einführung des direkten Wahlrechts baldmöglichst erreichen werde. Zum Schluß polemisierte auch dieser Redner noch gegen den Frhrn. ix Heyl. Staatsminister Dr. Rothe: Die Stellungnahme der Regierung zur Vorlage habe sich nicht geändert, sodaß ihr heute nur wenig zu sagen übrig bleibe. Ein Widerspruch oder ein Schwanken könne der Regierung in keiner Weise nachgewiesen werden. Er farme nur bedauern, daß es auch auf diesem Landtag nicht möglich gewesen sei, die Vorlage zur Verabschiedung zu bringen. Auf die Differenzen zwischen den beiden Kämmern könne er hier nicht näher eingehen, er müsse aber als Staatsrninister darüber wachen, daß die Verfassungsgrundsätze streng gewahrt würden. Die Rcgier- sei daher auch nicht in der 3agc, dem Initiativantrag der ersten Kammer zuzustimmen; er habe vor den Männern, welche die Verfassung schufen, zu hohe Achtung, als daß er damit einverstanden sein könnte, an den Grundlagen der Verfassung zu rütteln. (Beifall.) Der Staatsminister bezeichnet sich als entschiedenen Anhänger des Zweikammersystems, der weder die verfassungsmäßigen Rechte der ersten, noch der zweiten Kammer angetastet wissen wolle. Er müsse aber auch aufs nachdrücklichste die Rechte der Krone wahren, die bei dem Initiativantrag in Frage kommen. Die Regierung lasse sich bei ihrem Tim nur vor dem Gedanken leiten, was zum Wohlergehen des ganzen Landes dienen könne. Jv der Forderung der Sozialdemokraten, die erste Kammer zu beseitigen, erblicke er den Bruch mit einer grundlegenden Berfassungsbestimmung. Je mehr sich die zweite Kammer zu einer reinen Volkskammer entwickele, desto notwendiger müsse in der ersten Kammer ein ausgleichendes Moment gegeben sein. Beide Kammern müßten sich ergänzen und er könne daher nicht sagen, daß die erste Kammer für die Entwicklung der Landesinteressen ein Hindernis wäre. In die beiderseitigen Differenzen mische er sich nicht, aber er beklage sie. Man dürfe nicht vergessen, daß in der ersten Kammer urteilsfähige Vertreter von Industrie und Wissenschaft säßen und viele der Standes- herren schon Jahrhunderte hindurch mit der Geschichte des Landes verbunden seien. Er bitte die Kammer, den Bogen nicht zu straff zu spannen und die Differenzen nicht noch größer werden zu lassen. Er hoffe, daß sich das Reformwerk durch Verständigung zwischen beiden Kammern doch noch zum Segen und Wohle des Landes durchführen lassen werde. (Lebh. Beifall.) Abg. Dr. Schmitt wendet sich in sehr erregter Weise gegen die Angriffe auf die Wahlkreiseinteilung. Daß dieselbe dem 3entrinn zu gute komme, sei eine Verleumdung Die Wahlkreiseinteilung sei m der Kammer mit einer Dreiviertelmehrheit angenommen worden. Das Vorgehen gegen die zweite Kammer könne nur der Sozialdemokratie zum Vorteil dienen. Staatsminister Rothe betont, daß er in der ersten Kammer die zweite Kammer gegen wic Angriffe in Schutz genommen habe. Geh. Staatsrat Krug v. Nidda macht nähere Ausführungen über die Bestimmung der Att. 61 und 75, welch letzterer event. auch gegen die zweite Kammer zur Anwendung gebracht werden könnte. Abg. Dr. David stimmt Abg. Dr. Schmitt bei, daß das Vorgehen gegen die zweite Kammer nur der Sozial- demokratie zu Gute komme und so stehe Frhr. v. Heyl da als die Kraft, die stets da? Böse will und doch daS Gute schafft. Die Aeußerungen des StaatSministerS klangen, als ob eS sich nur um einen Konflikt zwischen den beiden Kammern handele, während doch die Regierung durch die Ablehnung der beiden Vorlagen ebenfalls mit getroffen fei. Er habe vom StaatSminister kein Wort der Kritik oder Abwehr gegen die erste Kammer gehört, während derselbe doch von dieser zwei Schläge ins Gesicht erhalten habe. Die Regierung solle der ersten Kammer gegenüber mehr Rückgrat zeigen. Er bitte auch den Staatsminister, ihm noch in dieser Stunde zu sagen, ob denn die Regierung gewillt sei, die Wahlrechtsvorlage wieder einzubringen; bis jetzt habe er sich noch mit keinem Wort darüber geäußert. Nach einem Schlußwort des Berichtserstatters Dr. Brentano wird die Diskussion geschloffen und der Ausschußantrag „den Initiativantrag der ersten Kammer abzulehnen und damit den Versuch einer Verständigung als gescheitert zu betrachten* einstimmig angenommen. Es entspinnt sich nun noch eine umständliche Geschäftsordnungsdebatte über den Vorrang zwischen den beiden Anträgen Ulrich und Windecker. Der Präsident entscheidet, daß der Antrag Ulrich der weitergehende sei und deshalb zuerst zur Abstimmung kommen müsse. Derselbe wird darauf in namentlicher Abstimmung mit allen gegen die drei Stimmen der Abgg. Braun, Dr. Heidenreich und Möllinger angenommen, wodurch der Antrag Windecker erledigt ist. Darauf schließt die Sitzung nach Uhr. Nächste Sitzung: Dienstag früh 9 Uhr. Volitische Tagesschau. Vom Antisemitismus in Hessen. Nach Meldungen auswärtiger Blätter sind schon seit langem Verhandlungen über die Aufstellung geeigneter Kandidaten in den bei den letzten ReichStagSwahlen von der Ne- formpartei verlorenen Hess. Wahlkreisen im Gange, anscheinend jedoch ohne Erfolg, da die Reformpartei den andern antisemitischen Richtungen keine Konzessionen machen will. Ein Situationsbericht auS Hessen in der „Deutschen Reform", dem neugegründeten Wochenorgan des antisemitischen Reichs- tagsabg. Zimmermann, stimmt eine bewegliche Klage darüber an, daß die spezifisch agrarische Bewegung den parteipolitischen Antisemitismus vollständig in den Hintergrund gedrängt habe. Die politisch- antisemitische Bewegung sei fast erstorben. Die Antisemiten in Gießen, die im „Deutschen Verein" organisiert sind, wollen von der Reformpartei nichts mehr wissen und haben sich jetzt — nach dem Beispiel mehrerer sächsischer Reformvereine — den Liebermann von Sonnen- bergschen Deutschsozialen angeschlossen. Maßgebend für diesen Beschluß war — nach dem „Deutschen Blatt" — die Erwägung, daß weder von dem Berliner, noch von dem Dresdener Flügel der Neformpartei die notwendige tatkräftige Hilfe zur Wiedereroberung des verlorenen Stammgebietes in Hessen zu erwarten sei. Die deutsch-soziale Partei habe dagegen durch die Errichtung einer Geschäftsstelle in Frankfurt am Main zu erkennen gegeben, daß sie in Hessen politisch arbeiten wolle. Zudem sei die deutsch-soziale Partei „die Elitetruppe des Antisemitismus". Mit anderen Worten: die Partei der Herren Bruhn und Zimmermann, der Ahlwardt und Graf Pückler anhängen, ist den Gießener Antisemiten zuwider. Ein Hesse deutscher Botschafter in Petersburg. Wolffs Telegr.-Bur. erfährt: Der Kaiser bewilligte dem Botschafter Grasen v. Alvensleben in Petersburg die aus Gesundheitsrücksichten von ihm nachgesuchte Pensionierung unter Verleihung des Schwarzen Adlerordens und ernannte zu seinem Nachfolger den bisherigen Gesandten in Kopenhagen v. S ch o e n. Dazu wird uns auS Berlin geschrieben: Herr v. Schoen befindet sich augenblicklich auf Urlaub in Deutschland. Er hat sich eines geringfügigen Leidens wegen in Halle a.d. S. einer kleinen Operation unterziehen müssen, die auf das beste verlaufen ist. Wllhelm v. Schoen ist ein Hesse. Er wurde 1851 in Worms als Sohn des Fabrikbesitzers Johann August Schoen, Teilhabers der Firma Cornelius Heyl und der Maria Barbara Heyl, aus der Familie der Freiherren Heyl zu Herrnsheim, geboren. Er erhielt seine erste Erziehung in der Anstalt Schnepfenthal, sowie auf den Gymnasien in Mannheim und Darmstadt. Bei AuSbruch des Krieges 1870 trat er als Freiwilliger beim 2. hessischen Reiterregiment (jetzt Leid- Dragoner-Regiment Nr. 24) ein, avancierte zum Offizier und blieb als solcher bis 1877 im aktiven Dienst. Er ging bann zur diplomatischen Laufbahn überund war Attache in Madrid, Sekretär bezw. Geschäftsträger in Athen, Bern und im Haag und von 1887—1995 zweiter, bann erster Sekretär unb Botschaftsrat in Paris, wo er bie rechte Hand beS bamaligen Botschafters Fürsten Münster, ja, der eigentliche birigierende Geist der deutschen Botschaft gewese sein soll. Von 1896 bis 1899 war er Oberhoffmarschall des Herzogs Alfred von 25. a) b) c) d) e) den begütertsten Divlomaten bo5 Hosgut Friesen beim bei SchoenhäuSl in Berchtes- der kaiserlichen Familie bei Bei Periode Nack seinem eigenen Geständnis wollte er die Ermordete berauben, «.nrb* 1- iebocf- b-'rr^ Prrrg h^rnn verbindet. —' Die Marktpreise für Vieh und Frucht und die Gießener Fleisch- und Brotpreise am 23. Oktober 1905. Bei der Eisenbahndirektion Frankfurt a. M. hat die Handelskammer das A «hakten des Zuges 538 Fulda —Gieße« (Gießen an 7.43 nachmittags) in Rod gen in Vorschlag gebracht. Dem Anträge konnte aber für den Winterfahrplan nicht mehr statt- gegeben werden. 7. Sitzung der Großh. Handelskammer Gießen, für die Kreise Gießen, Alsfeld und Lauterbach. Protokoll-Aus zug. Gießen, den 18. Oktober 1905. Anwesend die Herren: Kommerzienrat K'och, Vorsitzen- oer, Türbcck, Friedberger, Ihring, Klingspor. Now-ack, Rinn, Rohr, Kommerzienrat Schirmer, Schwall, Steinecke, Zur- buch, sowie der Syndikus Dr. Knippcr. 1. Aus dem Geschäftsbericht ist folgendes mit- zuteilen: Kontingents geführt. Er zählt zu Deutschlands und besitzt u. a. Ludwigshafen, sowie die Villa gaben, wo er öfters Mitglieber sich sah. Häufung der Meincidsverbrechcn. der Eröffnung der gegenwärtigen Schwurgerichts- in Braunschweig hat der dortige Erste Staats- Sachsen-Koburg. Nach besten Tode würbe er am 1. Januar 1900 zum Gcsanbten in Kopenhagen ernannt. In biesem Frühjahre begleitete er ben Kaiser als Vertreter des Auswärtigen Amtes auf der Mittelmeerreise, und man darf annehmen, baß seine jetzige Ernennung schon bamals entschieden wurde. Herr v. Schoen erhielt den hessischen Adel am 18. April 1885, kurz ehe er sich in Brüste! mit der Freiin Bertha Stephanie v. Groote verheiratete, die einer alten niederländischen, seit 1613 auch in Bayern angesessenen Familie entstammt und eine Tochter des verstorbenen belgischen ©e» sandten in Japan, sowie eine Schwester des derzeitigen belgischen Gesandten in Athen Baron Paul de Groote ist. — Herr v. Schoen wird noch als Major L la suite des Hess. Spidplas brr vereinigten Frankfurter Stadttheater. Opernhaus. Dienstag den 24. Oktober"): ,Frühlingslust." Mittwoch der. Oktober: „Earmen." Donnerstag den 26. Oktober, abend" Vermochte». • Runde Häuser sind nach dem „Jllustrated Scientifie News" die neueste Mode in der englischen Architektur. WaS die Billigkeit, Wärme und die allgemeine Nützlichkeit anbelangt, so soll ein „rundes HauS" dem rechteckigen Bau sehr vorzuziehen sein. Das erste Haus dieser Art ist für Mr. Barber Starker in Knock Ehannok, Schottland, gebaut worden. Es sieht angeblich gar nicht häßlich aus, ist durch Erkerfenster und bedeckte Hallen verschönert und bietet ein sehr angenehmes Wohnen. Tas Haus ist zweistöckig; um die Mittelhalle läuft eine Gallerie, von der man in die Schlafräume gelangt. Das kegelförmige Dach wird von einem durchbrochenen Türmchen gekrönt, das die Halle erleuchtet. * Kleine Tageschronik. Ein Automobil, das von Mannheim zur Reparatur abgeholt werden sollte, stieß bei Neustadt a. d. H. auf der steilen Hambacher Straße auf einen Daum und wurde zertrümmert. Zwei Personen wurden schwer, drei leicht verletzt. Die Sclmld an dem Unfall soll den Ehauffeur treffen. — In Madrid wurden große Diebstähle in der Bibliothek des k ö n i g l i ch e n S ch lo s s e s entdeckt. Wertvolle Manuskripte und Bucker sind entwendet worden. Zwei Palastbeamte und c'in Mitschuldiger außerhalb des Schlosses sind verhaftet. — Ter Schooner Johanna Luise mit einer Rogaenladung von Lübecr nach Ehristianssund unterwegs ist verschollen. Man vermutet, daß er im letzten Sturme unter- gegangen ist. — Der HerinaSfänger Gambetta aus Havre der am 15. September zum dritten HeringSfang in die Nordsee gegangen ist, wird vermißt. Er ist am 2. Oktober zum letzten Male gesehen worden und seitdem verschollen. Wie nun von der holländischen Küste gemeldet wird, kann kein Zweifel mehr bestehen, daß der Gambetta mit seiner 24 Mann starken Besatzung untergeganaen ist. — Die Leiche des am Freitag in Wien 'verstorbenen Spaniers Don Ios6 Zenil war dort im Salon de» spaw Gcsandtschafts-Palais im offenen Sarge aus- gebahri. Durch Kurmcklug der elektrischen Pritung gerieten plötzlich die schwarzen Stoffe, mit dem« die Wände und bic t'd’c bc5 Saale? verkleidet waren, in Brand. Der gan^e Salon war bald, von flammen erfüllt. Die Leiche wurde von der -iicnmcW t«fc$ «u5 dem Sarge gehoben und in dm Hof getragen und babirrd) vvr Derbrennimg gesetzt. — In Mün- rf,e n- ' & e t der HauSbesiperm Ratlinger, der 26 •» •Ite Laustursche Irlbacher, in seiner Wohnun, verhvftet wvrdem halb 7 Uhr: Der Ring des Nibelungen. 1. Tag: „Die Walküre? Freitag den 27. Oktober geichlossen. Samstag den 28. Oktober; abends halb 7 Uhr: Der Ring des Nibelungen. 2. Tag: »Sieg- trieb/ Sonntag den 29. Oktober, nacknn'ttags halb 4 Uhr: „Der Trompeter von Sn'kkiugeu." Abends 7 Uhr: „Der Troubadour/ Montag ben 30. Oktober: „Frühlingslust/ Dienstag den 31. Cft., abends 6 Uhr: Ter Ring des Nibelungen. 3. Tag: „Götterdämmerung/ Schauspielhaus. Dienstag den 24. Oktober*): „Tie Frau Dom Meere/ Mittwoch den 25. Oktober: „Stein unter Steinen/ Donnerstag den 26. Oktober: „Tie Journalisten/ Freitag den 27. Oktober: „Romeo und Julia." Samstag den 28. Oktober: „Stein unter Steinen." Sonntag den 29. Oktober, naelnn. halb 4 Uhr: „Ter Veilcheniresser/ Abends 7 Uhr: „Stein unter Steinen." Moistag den 23. Oktober: „Ter Schwur der Treue/ •) Anfang, wenn nicht anders bemcrft, abends um 7 Uhr. Thcater-Aufaug. Von alters her ist es bei uns in Gießen Sitte daß das Theater um 8 Uhr beginnt, so daß der Schluß mitunter erft in der mitternächtlichen Stunde erfolgt. Man scheint dabei allgemein von der Ansicht auszugehen, daß das Theater heutzutage nur Leute besuchen, die auf eine gesunde NacktruL' nichts geben, oder denen es nicht btrrauf ankommt, am andern Morgen ein Stündchen länger zu schlafen. Ich erlaube xnvt zu bemerken, baß dies eine recht einseitige Anschauung ist. An all die Beamten, Lehrerinnen, selbständiger: Kaufleute usw., dic sich solchen Luxus nicht erlauben können, denkt man nicht, während doch die Erwägung nahe liegt, daß, wenn solche Leute es sich gestatten können, am Morgen ein Stündchen zu sckioänzen, sie auch in ber Sage sind, sich am Mend ein halbesStünd- chen früher freizumachen und zur normalen Zeit im Theater zu sein. Im weiten Kreise meiner Bekannten herrscht die Gepflogenheit, nach dem Theater noch ein Stündch.'N gemütlich in einer Restauration beieinander zu sitzen. Tas aber führt bei dem späten Beginn der Theateraufsithrnngen dazu, daß man die Nacht zum Tage macht. Besser wäre m. E. ein systematisch festgelegter Anfang der Vorstellung. Aufführungen von durch- scknittsmäßiger, von normaler Länge beginnen um halb acht Uhr. kurze um acht Uhr Bei ganz besonders ausgedehnten Aufführungen möge man es getrost so rnacl en, wie in den Großstädte« : Anfang um 7 Uhr. Der Grundsatz müßte festgehalten werden, daß der spateste Schluß einer Theatervorstellung 11 Uhr ist, der normale aber zwischen 10 und 10’ '■ Uhr stattfindet. Tie Leute, die da befürworten, daß es ein allgemeines Bedürfnis ist, zu möglichst später dlbendstunde ins Theater und in möglichst früher Morgenstunde nach Hause zu kommen, geben nur die Wünsche eines ganz bestimmten Kreises wieder. Ich kenne Leute, die sehr gern einmal eine klassische Aufführung besuchen würden, aber davon absehen, weil ihnen die Nachtruhe dock noch lieber und für ihre Lebens- und Gesundheitsverhältnisse un- bedingt notwendig ist. Und darum behaupte ich: Die Tauer der Theateraufführungen bis gegen Mitternacht auszudehnen, entspricht nicht den allgemeinen Wünschen und trägt durchaus nicht zur Erhöhung des Theaterbesuches bei! Anm. d. Red. Wir glauben allerdings auch, daß in btefen Bemerkungen Beherzigenswertes steckt und eine Regelung des Theateranfangs nach dem hier vorgeschlagenen Prinzip dem allgemeinen Interesse am meisten entspräck>e. Man muß bei Erwägung dieser Frage immer bedenken, daß — wann die Wochentagsvorstellungen auch beginnen und schließen — einem großen Teil des Publikums trotzdem nur der Sonntag für den Theaterbesuch bleibt. Und ist dies im Grunde nicht gut so? Eingesandt. (Für Form und Inhalt aller un.. i r >iubrif stellenden Artikel übernimmt die Redaktz^" >"' (V-"r,(i?nm gegenüber keinerlei Verantwortung) In den, kommunalen Wahlkampf der z. Zt. in der Gemeinde Krofdorf-Gleiberg geführt wird, spielt u. a. der Gehalt des Küsters eine wichtige Nolle. Es dürfte deshalb im Interesse der Gemeindemitglieder liegen, von der Angelegenheit, welche vielfach falsch dargestellt wird, ein richtiges Bild -u bekommen und die Rechtslage kennen zu lernen Bis zum Jahre 1K93 hatte der erste Lehrer in Krofdorf bezw. Gleiberg die Küsterdienste zu versehen. Hierfür bezog der Lehrer in Krofdorf von jedem Hausbesitzer ohne II n t c r t d) i e b der Eonfesston daS sogen. Glockenkorn, der Lehrer in Gleiberg von jedem Haus ein ogen. Hausgeld. Diese seit Jahrhunderten bestehende Leistung der (S i ü i I gern c i n b e Kroidors-Gleiberg erfuhr nun in dem genannten Jahre dadurch eine Umwandlu n g , daß auf Veranlassung der Königlichen Regierung zu Koblenz die Küsterdienste von den Lehrerstellen abgetrennt wurden. Es wurde nämlich für die beiden Gemeinden Kio'dorf und Gleiberg em gemeinschaftlicher Küster und für Gleiberg ein besonderer Lauter angestellt, für welche der Gemeinde- rat in seiner Sitzung am 16. Dez. lc93 einen dem Wert der bisherigen Leistungen entsprechenden Gehalt zu zahlen beschloß. Dieser Beschluß »and bie Genehmigung der beteiligten königlichen Behörden. Infolge der geringen Beteiligung an der letzten Gemeinderatswahl seitens der kirchlich gesinnten Gemeindemitglieder kamen vor 3 Jahren einige Sozialdemokraten in den Gemeinderat, weiche es durchsetzten,. daß der Gemeinderat vor etwa einem halben Jahn den Beschluß faßte, vom 1. April 1906 ab den seit 11 Jahren gezahlten Gehalt des Küsters und Glöckners nicht mehr zu zahlen, mit andern Worten : eine s e i t I a h r h n n d e r t e u bestehende Leistung der Eivilgememde auf die Kirchengemeinde abzuwälzen. DaS Merkwürdige an diesem Beschluß ist, daß z. T. dieselben Leute, welche im Jahre 1893 „ja" sagten, jetzt „nein" sagen. Selbstverständlich wird die Kirchengemeinde, sobald die Eivilgemeinde die Zahlung einstellt, den Prozeß anftrengeu, den sie mit derselben Sicherheit gewinnen wird wie den früher mit der Eivilgemeinde geführten. Für die Kosten mögen sich dann die Krosdorser bei dem vcrehrlichen Gemeinderat bedanken! Ferner Hut die Kammer beantragt, in den Zügen 515 Hungen —Gießen (Gießen an 5.24, bezw. 7.40 morgend und 516 Gießen —Hungen (ließen ab 6.25 nachmittags) je einen Wagen, der einige Abteile 2. Klasse mitführt, einzustellen. Ministerium der Finanzen zu Darmstadt hat die Handelskammer die Bitte gerichtet, für bic schleunige Beseitigung der differentielle« Behand- limg des Lahn- und Tillgebietes einerseits urtb des Siegerlandes andererseits im Au s n a hme t ar i f ko ui 15. Januar 19 05 für die Beförderung von Steinkohlen uttd Koks für Hüttenwerke usw. einzutreten, da die Werke an der Lahn imb Dill jetzt gegen» über öenen an der Sieg benachteiligt und in ihrer Konkurrenzfähigkeit geschädigt werden ^er Eisenbahndirektion Fraulfurt a. M. wurde ein Gericht über die üagc des Erzbergbaues im Kammerbezirk im 3. Vierteljahr 1905 erstattet. Zu den bevorstehenden Kartellverhandlungen im Reichsamt des r i wurde dem Großh Ministerium des Innern ein Gutachten über die Wirksamkeit der Kartelle in der Tapetenindustrie und im Tape tett Han del, sowie über die Tätigkeit der Spiritus zentrale erstattet. Während die Vereinigungen in der Tapetenbranche für den hiesigen Dundel überwiegend günstigere Verhältnisse gebracht haben, sind durch die Tätigkeit der Zentrale für Spiritusverwertung d • weiterverarbeitenden Industrien des Kammerbezirks (Branntwein- und Likörfabrikation, Essigindustrie), wie auch der Konsum schwer beschädigt worden. .. 2- Gr-tcilung von Einfuhrscheinen nach dem Inkrafttreten der neuen Handelsverträge. gilt, Spalt — werd ich mich plag n! kauf' im Monat 12 Schachteln Fan's Sodener ' nieral-Pastillen und wer von meinem Personal er- kallet. ist, kriegt eine Schachtel. Das kostet mich 'ne Kleinigkeit, aber dafür hab' ich immer gesunde Leute * s'Uo mir fehlt nie jemand wegen Krankheit, das mach ,c,t Jahren so und ich bleib dabei: gegen alle Er- Innungen nur „Sodener"! Preis 85 Psg. m allen ^voflcn' und Mineralwasserhaudlungen jju anwalt von der „Änhäufting der Meineidsverbrechen" gesprochen. Nach seiner Auffassung hat nicht der Mangel an Respekt vor der Justiz die Meineide „so häufig werden lassen", sondern die geminderte Religiosität. Es mag sein, das; gerade bei einer Schwurgerichtsperiode die Zahl der abzuurteilenden Meineide besonders groß ist, aber der vorliegende Fall beweist wie bedenklich es ist, einen vereinzelten Fall zur Verallgemeinerung zu benutzen. Tatsächlich hat die Zahl der Meineide eher abgenommen, als Zugenommen — d. h., um uns vorsichtig auszudrücken, die Zahl der Verurteilungen hat eher abgenommen, denn leider ist ja die Zahl der Meineide, die tatsächlich geleistet werden, unendlich viel größer als die Zahl der Anklagen wegen Meineids. Tas letzte Vierteljahrsheft der Statistik des Deutschen Reiches für 1901 gibt nun eine Vergleichung der Bestrafung"« weg?« Meineids für den Zeitraum von 1898 bis 1903. Danach sind in dieser Zeit bestraft worden wegen Meineids 783 bezw. 680 bezw. 615 bezw. 725 bezw. 631 bezw. 628 Personen. Im Jahre 1903 sind also 155 Personen weniger wegen Meineids bestraft worden, als fünf Jahre vorher. Hingegen sind in dem Jahre 1903 wegen Vergehung gegen Reichsgesetze überhaupt ■505 000 Personen bestraft worden gegen 477 800 im Jahre 1898. Während also die Gesamtzahl der strafbaren .Handlungen in einem, wenn auch nicht erheblichen, Maße zu- .genommen hat. haben die Bestrafungen wegen Meineids abgenommen, sodaß also diese Abnahme nicht nur eine absolute, sondern auch eine relative ist. Daß die Leistung eines Meineids mit wahrer Religiosität völlig unvereinbar ist, geben wir natürlich ohne "weiteres zu, daß aber die bloße Kirchlichkeit kein sicherer Schutz gegen denMeineid ist, geht wohl schon daraus hervor, daß gerade in dem frommen Oberbahern recht leichtfertige Auffassungen über den Eid herrschen. Sehr amüsant erzählt der frühere Münchener Rechtsanwalt Dr. jur. Ludwig Thoma, jetziger Simplizissimus-Redakteur, in feiner köstlichen Humoreske „Ter heilige Hies" von dem in Ober» boyern üblichen sog. „kalten Eid". Der Schwörende legt die den Schwursingern der Rechten entsprechenden Finger der linken Hand an die Hosennaht, und so geht nach oberbatzer. Volksglauben der mit der rechten Hand geschworene Eid durch die Linke hinab zum Teufel in die Hölle; der aber schützt den Meineidigen vor allen Strafen des Himmels und der Erde! Tie Erhöhung der Getreidezvlle in den neuen Handelsverträgen wird zu einer großen Voreinfuhr von (^treibe bor dem 1. März 1906, dem Zeitpunkt bc5 Inkrafttretens ber neuen Handelsverträge führen, sie durch das System der EtnfuhrungSscheine «och eine wesentliche Vermehrung erfahre:' wird. Es ist zu befürchten, daß ohne den Erlaß von Ucbergangsbestimmunaen vor dem Inkrafttreten der neuen Vertrage im Inland eine große Ueberfülkung mit Getreide und Mühlenfabrikaten eintreten wird, auf die nach dem 1. März eine starke Ausffilr und plötzliche Preissteigerung folgen wird. Da hierdurch sowohl der Reichsfiskus, wie auch ein Teil des Mühlengewerbes, der Handel und der Konsum geschädigt werden, so beschloß die Handelskammer, den Erlaß von UebergangsbestimTMtngen zu beantragen, wonach innerhalb einer 4—5monatrieften Frist nach dem 1. März 1906 bei der Ausfuhr von Roggen, Weizen, Spelz, .Hafer, Buchweizen und Speiscbohuen und den daraus her- gestellten Mühlenfabrikaten Einfuhrfcheine auf Grund der alten Zollsätze und nach Maßgabe des § 11 des neuen Zolltarifgesetzes erteilt werden sollen. Einfuhrscheine auf Grund der neuen Zollsätze solle« für die genannten Ware« innerhalb der UebergangSzeit nur dann erteilt werden, wenn nachgewiesen wird, daß sie zu den neuen Zollsätzen verzollt worden sind. Desgleichen sollen für Miihlenfabrikate und insoweit Einfuhrscheine auf den erhöhten Zollwert ausgestellt werden, als die Verwendung höherverzollten Getreides nachgewiesen werden kann, wobei jedoch den Mühlen die tunlichste Erleichterung des Identitätsnachweises zuzugestehen ist. 3. Vereidigung von Bücherrevisoren. Bei der Handelskammer ist beantragt worden, einen Bücherrevisor öffentlich anzustellen und zu vereidigen. Die Handelskammer erkannte dzs Bedürfnis für die öffentliche Anstellung und Vereidigung eines Bücherrevisors für ihren Bezirk an und beschloß zunächst, daS Großh. Ministerium des Innern um die Genehmigung der im Entwurf fest- gestellten Vorschriften für die Tätigkeit von öffentlich an- gestellten Bücherrevisoren zu bitten. 4. Vereinfack>tes Abfertigungsverfahren im Güter- und Tierverkehr. Tie Handelskammer zu Le'p'.ia statte in einem an den Deutschen Handelstag gerichteten Schreiben berichtet, daß von Firmen ihres Bezirkes über das neue vereinfachte Abfertigungsverfahren im Güter- und Tier Verkehr wiederholt Klagen geführt worden seien. Tie Hauptbeschwerden gipfeln darin, daß sich seit Einführung dieses abgekürzten Abfertigungsverfahrens die wüterverschleppunge« in außerordentlichem Maße vermehrt hätten und daß Reklamationen von Gütern teils mit großen Umständlichkeiten und Verzögerungen verknüpft, teils nahezu unmöglich gemacht seien. Eine Umfrage hat ergeben, daß im hiesigen Bezirke Mißstände der gerügten Art im allgemeinen nicht wahrgenommen worden sind. Nur in vereinzelten Fällen wurde über Güterverschleppungen nid Erschwerung der Reklamation berichtet. Tie Handelslammer sah deshalb davon ab, Die Wiederaufhebung des vereinfachten Mfertigu.ngsver- fahrens in Vorschlag zu bringen, beschloß jedoch, die Eintragung des Empfängers in : io Versandliste zu befürworten. 5. Vertretung von Industrie und Handel in den Kommunalverbänden. Ter Deutsche Handelstag teilte mit. daß von preußischen Handelskammern Befchweteen i’b?r die mangc hafte Vertretung von Industrie Und Handel in den Kommunalverbänden, insbesondere in de« Kreistagen, erhoben worden seien und ersuchte um eine Aus kamst, ob auch in anderen Bundesstaaten ähnliche Verhältnisse vorliegen. Die Handelskammer beschloß, dem Handelstage mitzuteilen, daß sie in_ben Bestimmungen des hessischen Gesetzes vom 12. Juni 1874, befr. die innere Verwaltung und die Vertretung der Kreise und Provinzen, sowie in dem neuen Entwurf, betr. Kreis- und Provinzialordnung, eine Zurücksetzung von Industrie und Handel hinsichtlich ihrer Vertretung in den Kommunalverbänden nicht erblicken könne. 6. EintragungeinerJirmaindasHandels- r e g i ff e r. Aus die Anfrage eines Amtsgerichts über die Eintrag- ungsvflicht einer Firma bofhloß die Kammer zu erwidern, daß der Umfang des betreffenden Unternehmens nicht über denjenigen eines Kleingewerbes hinausgehe und daß somit von der Eintragung abzujehen sei. 7. Eingänge. Von zuverlässiger Seite sind der Handelskammer Mitteilungen 31tgegangen über rumänische Eisenbahnen, die Gründung einer Aktiengesellschaft zur Ausbeutung der gruben in Bulak und Schirbut (Rußland). Aussichten auf Absatz von Stahl und Stahlwareir nach Baku, Warenabsatz- und Kreditverhältnisse in Südafrika, insbesondere in Bloemfontein, Port Elizabeth, Grahamstow«, East London und Laurenzo-Marquez, ferner über zweifelhafte Firmen in Utrecht, Vaals (Limburg) London, Bukarest und Eraiooa (Rumänien). Die Eingänge können während der üblichen Geschäftszeit im Bureau der Handelskammer eingesehen werden. Höchste Schlachtviehpreise in Frankfurt a. M. Fleischpreise in Gießen Ochsen Kälber Schweine 50^Kg.^Schlachtgewicht 'Kg. Schlachtgew. 86-90 Pi. '/* » 79-00 „ V, Kg. 72-82 Psg. V, , 70—80 „ V, „ 76 86 „ Getreidepreise in Mannheim Brotpreise in Gießen Weizen 100 ..iq. 18.60 Mk. Roggen 100 Kg. 16.40 Mk. Weißbrot 2 Kg. 52 Pig. Schwarzbrot 2 Kg. 48 Pig. FRANKFURT Rühmlichst bekannte 1:4. H ; <-■ W- 1 M- U K K i i„®ieS" JUUIJ. I in Gießen Sitte daß k ; der Schluß mitunter er tunde erfolgt. Man fair. uHugehen, daß das rhear-r tnif eine gesunde Mtr arauf ankommt, am ar schlafen. Ich erlaube i einseitige AnschaM/.E • ftänbigen MWt »flv., k fpnnen, btnft man nie -gl, M mm solche Sein Stündchen zu schwäM. md ein halbes ©tnt' normalen Zeit im Mn ^kannten herrscht die/' ein Stündchen genm ikcn. Tas aber führ' hrungen dazu, ime r äre m. E. etn ivstenict Aufführungen von der- beginnen um halb i besonders ausgedeM macl en, wie in dm rundsatz mußte ftltgch - Theatervorstellung U tr ) IOV2 Uhr stattflndet ein allgemeines, MA s Theater und m moM L kommen, geben nut. es wieder. Jlb keim ! X5S& Ä. s*Ä «FC S®J d färben®*.I < Sonntag 1™ u0 pu ***** 1905. =^^==5Tlit®ie6er ^rö‘Pre,Ic Wu> iisnl^A»- er hach/4 jnlInev -«ei- n^c"i I KW-- s»HsS •*. a: ■'* mgs O^gmuber keinnlkj tiidhiLberh®«™«ini. -t'te deshalb lnaelkgenhen m$lleic*ie h Bild m b kam^b »iel'oql °LLZA»r «LLrZ 93 einen dem Atcri der h< Jtt » zahlen beschloß. $ieij icuigten königlichen Äehörd^ nn .öev letzten Gemeinderaii-l emeindemitglieder kamen J öen Gemeinderat, welche rl ör etwa einem halben Ich! "den seit li Zahrcu ei lners nicht mehr zu zahle lhrhunderten bestehen: mrchengemeinde abnnväl-n- i sm. daß z.T. dieselben Lent! letzt „nein" sagen. Selbste labald die lsivilgemeinde b engen, dm sie mit derselbe? luiher mit der Givilgemein! ) dann die Krosdorser bei der ts e» CO Q x> er- >0 <<= ost —• cs CO CO Ss (3) S j- CT CM 04 = L Q N >b (i) S5 CQ "’S an S> 6- t2) 3 ab *S «a >b E5 S '2 ab Sr o ai> <7» c* CT ?? <=> ►S- CT> O GM es L s b Q jQ £ o an >5-2 2-e an N- co Q R § 8" tiDLo St a C Q <0 « M «n c E c » o an' s »b -2 'S co O := *ti L 6^ — S O «b —— CM o co - §" 5 *8" — S ~ - CTC g g S cu O Weiter Bed. Himi klarer Hin Bed, Hmu azaorjqmW CM CM GM bunj ipnqmfft Ä Ii9jbp(pnd5, OCDO? aniioptß uazvinpnsZ CM_ t> r-<_ ainjoiq)S )4”o -idQ .xiiiiudduia^ •y* OD CM co'o o" rasl^nqsr CO e» oO znv 47 50 50 .rsiouw.rvA 1 7 , 7 1 5 lO CM CS C- og Q CO -l1 CM CM CM Wir empfehlen als anerkannt vorzügliches und billigstes Brennmaterial unsere D7« Vramlohlen-Pretzsteim, sog. PrcßNötze von der Großh. Hessischen Grube Ludwigshoffnung am Bahnhofe in Wölfersheim. Bei -en meisten Kohlenhandlungen zum Preise von 95 Pfg. per Zentner erhältlich. Friedberg i. H., 1. August 1905. Grotzh. Hessische BeegwerksdireMon Grnbe LudUrmshosinnna. Todes-Anzeige Verwandten, Freunden und Bekannten machen wir hiermit die schmerzliche Mitteilung, dass unser treubesorgter, unvergesslicher, lieber Vater, Schwiegervater, Grossvater, Urgrossvater und Schwager Giessen (Frankfurter Strasse 3), Frankfurt a. M. (Gärtnerweg 31, p.), Aachen, Berlin, Kassel, den 22. Oktober 1905. Im Namen der tieftrauernden Hinterbliebenen: S. Falk imti Frau Emma, geb. Mayer. Die Beerdigung findet statt: Mittwoch, 25. Oktober, morgens 10 Uhr, vom Portale des israel. Friedhofes in Frankfurt a. M. 5503 Herr Alexander üaye im Alter von 87 Jahren sanft verschieden ist. V Marktplatz 18 Giessen Marktplatz 18 Bedeutendstes Werk dieser Branche in Mitteldeutschland. 6814/1 Ch em.Wa scha nsta It Geb r. RÖve r. Fä rberei Centrale für Spiritus-Verwertung G. m. b. H., Berlin W. 8 Prasrassigng W Pf. pro Liter. Fmsnfoigui | 10 Pf. 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Oktober 1905. B24/10 Städtisches Tiesbauamt. Braud ach. Bekanntmachung. Der Voranschlag der Gemeinde Lmdenstruth für das Dersteigerung. Mittwoch, den 25. Oktob. I. I., nachmittags 3 Uhr 15451 sollen int städtischen Psandlokal (Settersweg 11 dahier) die wegen rückständig. Miete, Geb. Abschätz., Geb.Beerdigungsg.,elektr.Stromg. und Pachtgelder der Triebviertet gepfändeten Gegenstände, "Möbel aller Arten, 1 Faß Farbe, 1 Breack unb-1 Wagen versteigert werden. c m in c d c r, Fiunbnictiier. Dienstag den 31. Oktober d. I., vormittags 11 Uhr, wird in der Bingel'schen Gastwirtschaft zu Sichertshausen die fiskalische Fischerei in der Lahn bei Sichertshausen — zwischen Marburg und Gießen — für die Jahre 1906/17 öffentlich meistbietend verpachtet werden. Näheres durch die Königl. Oberförsterei Roßberg, Post Dreihausen. d**/10 □OOOOOOOOC2 Spanische Weine wegen Geschäftsaufgabe billigst. L Fronhäuser Schnlstraße 9. [07208 □oooooooooo Haufpähne und klein gemachtes [5261 Abfailholz. J. Wellhöfer, Marburger Straße. ■Chocolade.« ’Moser-Rofh; bv V8 I Rechnungsjahr 1906/07 liegt vom 26. Oktober an acht Tage aus dem Bureau des Bürgermeisters zur Einsicht offen. Lind enstruth, am 23. Oktober 1905. Der Großherzogliche Bürgermeister: Scheid. 5497 Mittwoch, den 25. Oktober l. I., nachmittags 4 Uhr wird auf hies. Bürgermeisterei ein abgängiger schwerer Eber, der Gemeinde gehörig, versteigert. Allendorf an der Lumda, 23. Oktober 1905. Großherzogliche Bürgermeisterei Allendorf a. d. Lumda. Rein. 5486 PhotOEgB'aphäsche Apparate und Bedarfsartikel, Platten, Films. Dunkelkammer Photograph. Arbeiten zur Verfügung. Preisliste gratis und franko. 5432 Adolf Bielei«, Marktstr. 5. V ictoria-Drogerie. Vom 1. Januar 1906 ab verzinsen wir die uns geliehenen Kapitalien mit 38/6%, was wir hiermit den Interessenten zur Kenntnis bringen. 5493 Licher Spar- unö KM-Mtien-UeWft in Lich. 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