Schrrlstrake 7, Ubrefie für Depeschen: Ln-etger Gietzev. Kernsprechanschluß Nr. 81. Nr. 147 te«n* außer Sonntag». Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Vesfischen Landwirt die Gietzener Samtlien* Witter viermal in der Woche beigelegt. Rotationsdruck u. Verlag der Brühl'schen Erstes Blatt. 155. Jahrgang Montag 26. Juni 1 @05 Eichener Anzeiger Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis «Retzen WW !»! __________________________ zeigenteN: HanS Beck Rußland in Sturm und Drang. Neber die StratzeakSmPse in Lodz, der großen polnischen Industriestadt, am 23. d. M., werden jetzt erschreckende Einzelheiten bekannt: Am Freitag morgen wurde in vielen Fabriken zunächst noch die Arbeit ausgenommen. Um 10 Uhr begannen jedoch bereits Delegierte, als solche durch rote Krawatten kenntlich, die staatlichen Branntweinläden zu demolieren und anzu- zünden. Zu gleicher Zeit waren Tausende von Arbeitern damit beschäftigt, gewaltige Barrikaden, fast 30 an der Zahl, zu errichten, davon 10 in den Hauptstraßen. Um die Mittagszeit wurde in allen Fabriken die Arbeit eingestellt. In Massen strömten nun die Arbeiter auf die Straßen. In- fanterie, Dragoner und Kosaken rückten heran und räumten die Straßen. Die Arbeiter verbargen sich in den Häusern und schossen aus Fenstern und Türen auf das Militär. Dieses antwortete mit hunderten von Salven auf Häuser und Passanten. ,, . Die Aufständischen, etwa 60 000 an Zahl, warfen Straßenbahnwagen, Droschken und sonstige Fuhrwerke um und benutzten sie zum Barrikadenbau. Sic waren teilweise mit Gewehren, Revolvern, Messern, Dolchen und anderen Waffen versehen. Die Frauen kämpften mutig an den Seiten ihrer Männer. Das Militär schoß wiederholt auf di- Ausständigen, ohne daß diese ihre Positionen verließen. Zn einigen Teilen der Stadt machten die Aufständischen Gegenangriffe auf die Truppen. Es kam an einigen Stellen zu erbittertem Handgemenge, wobei die Soldaten wütende Bajonnetangriffe auf die Barrikadenkämpfer machten. Von den Dächern herab wurde auf die Truppen geschoßen, Frauen goss-n kochendes Wasser auf die S oldaten. Zn vielen solchen Fällen erzwangen dl- Soldaten die Eingänge in die Häuser, stürmten auf die Dächer und schaffen die Angreifer erbarmungslos nieder. Rach verschiedenen übereinstimmenden Angaben werden die Verluste auf beiden Der Krieg. Eine neue Ruffenschlappe. Aus fin wird amtlich gemeldet: Der Feind, der eine Anhöhe nvrdwcstlilb von Nanschanchmtzu besetzt hatte, wurde am Zsi-te aber hLckig-n Widerstand Di- Stellung wurde Mi ß- hörten di-Japaner nicht auf zu feu-m. D'^Russe N 88, !LÄ ÄT& Sä «• «•»»--» unbedeutend. Kleine Meldungen vom Kriegsschandlatze. $n Washington wird eS nach Reuter als unwahrscheinlich betrachtet, daß der Waffenstillstand zwischen Rußland und Japan abgeschlossen weiche, ehe die Bevollmächtigten Zusammentreffen. Dies ist nicht vor Mitte August zu erwarten. .Petersburg, 24. Juni. Großfürst Sergei Michailowitsch begibt sich nach Kowno und Kongreß-Polen, um die nach Ost- asien abgehende Feldartillerie zu inspizieren. London, 24. Juni. Aus Tokio wird gemeldet, daß die Zahl der Russen in der Pobjet-Bay und in Wladiwostok auf 80 000 Mann geschäht wird. Eine Depesche des „Daily Telegraph" aus Tokio meldet, daß 12000 Russen, darunter ein starkes Regiment Infanterie und 16 Geschütze, Nordkorea räumten. Zwischen Posjätbai und Wladiwostok sollen noch 30 000 Russen stehen. Der Kommandant von Port Arthur meldet, daß es den japanischen Ingenieuren gelungen ist, den Panzerkreuzer „Bajan" wieder flott zu machen. Kaperungen. Nach einer Privatmeldung der „Times" überreichte Graf Lambsdorff dem britischen Botschafter Weisungen der Admiralität an die Kavitäne der russischen Kreuzer mit dem Befehl, künftig keine neutralen Schiffe zu versenken. Die russische Regierung ließ auf die Nachricht, daß das russische Hvspitalschiff „Orel" von den Javanern genommen sei, unverzüglich durch Vermittelung des Vertreters Frankreichs in Tokio Einspruch dagegen erheben. Sachalin. Admiral Alexejew äußerte zu dem Gerücht von dem Ankauf der Insel Sachalin durch Amerika, daß 'diese Idee unmöglich verwirklicht werden könne. Sie wäre ein furchtbarer Mißgriff. ES hieße sich den Amerikanern oder Japanern vollständig in die Hände geben. Die Gefahr ist glrich groß, sowohl vom industriellen wie vom politischen Standpunkt. Mit Sachalin würde der letzte Zutritt zum offenen Meer und das ganze Ainurgebiet aufgegeben. Alle Gerüchte über den Verkauf von Sachalin sind freie Phantasie. Ueber den Friedensschluß erklärte Alexejew, Rußland tritt weder Territorium ab noch wird eine Kriegs-Entschädigung gezahlt. Das stehe fest. Herr Loomis unterwegs. Unangenehmes Aussehen erregt in Newyork die Entsendung deS gerüffelten amerikanischen Unterstaatssekretärs Loomis als Ehrengesandter nach Frankreich, um die Gebeine des Admirals Jones abzuholen, und seine beabsichtigte Beförderung zum a m e - rikanischen Botschafter in Tokio, falls Japan seine Gesandtschaft in Washington zur Botschaft erhöht. Loomis soll auch die O^eschäftsfühnlng der diplomatischen Veriretungen in Europa aus ihre Zweckmäßigkeit prüfen. Es verlautet, Roosevelt hätte Loomis beauftragt, eine geheime Mission für das Staatsdepartement durchzuführen. In Beantwortung- einer an ihn gerichteten Anfrage lehnte LoomiS eine Aeußerung darüber ab, ob seine Entsendung etwas mit dem Frieden zwischen Rußland und Japan zu tun habe. Neue Unterschleife. Die Zeitung „Wolschkij Listok" berichtet: Der Tabakfabrikant Gneist spendete 6000 Pfund Tabak für die Soldaten im fernen Osten. Der Tabak wurde von der Akzise befreit, seiner Bestimmung gemäß versanht. Inzwischen erhielt die Fabrik die Nachricht, daß der Tabak, anstatt unter die Soldaten verteilt zu werden, in den Läden von Chardin ohne Bandrolle verkauft wurde. Die Bemühungen der Fabrik, die Angelegenheit aufzuklären, hatten keinen Erfolg. Die Zeitung „Slowv" berichtet, daß der frühere Staatssekretär im Ministerium für auswärtige Angelegenheiten, Besobrasow, welcher als einer der Hauptansttfter zum Kriege angesehen wird, spurlos verschwunden sei, und zwar infolge Aufdeckung ungeheurer Unterschleife, welche er sich während seiner Tätigkeit als Vorsitzender der „Gesellschaft zur Exploitatton der Wälder in Korea" zu schulden hatte kommen lassen und derentwegen er seines Amtes imb Ranges enthoben und vors Glicht gestellt werden sollte. Besobrasow genoß das besondere Vertrauen des Zaren und der Großfürsten, welche sehr bedeutende Kapitalien in genannter: Unternehmen engagiert hatten. Die heutige Wummer umfaßt 12 Seite». Der deutsch-französische Zankapfel. Das offiziöse französische Telegr.-Bnrocm, die „Agence Havas", meldet: Nach einer auS Berlin hierher gelangten Mitteilung hat die Unterredung des deutschen Reichskanzlers Fürsten Bülow mit dem französischen Botschafter Bihourd sehr lange gedauert und trug in keiner Weise einen kühlen Charakter. Nichts berechtigt zu der Annahme, daß die diplomatische Besprechung nicht einen normalen Fortgang nehmen werde. ES ist möglich, daß Deutschland eine leichte Enttäuschung darüber verspürte, daß Frankreich sich nicht sofort und ohne Vorbehalt mit der internattonalen Konferenz einverstanden erftärte, aber Frankreich hat keine derartige Unpersöhnlichkeit zur Schau getragen, daß die Besprechungen nicht zum Ziele führen könnten. Namentlich betonte Frankreich oft genug die Absicht, die Souveränität des Sultans unangetastet zu lassen, alS daß darüber ein Zweifel obwalten könne. Die Verhandlungen werden also fortgeführt werden, von feiten Frankreichs mit dem lebhaften Wunsche, daß es zu einer Verständigung komme, welche in Kreisen der Diplomatie nach wie vor für wahrscheinlich gehalten wird. Der Pariser Korrespondent der „Frkf. Ztg." weiß eine ähnliche in der Tonart friedliche Mitteilung nach Rücksprache mit einem französischen Politiker zu machen. Dagegen behauptet der Berliner Berichterstatter des Londoner „Standard": Die genaue Durchsicht der französischen Note habe ergeben, daß sie für Deutschland unbefriedigender ist, als anfänglich geglaubt wurde. Es könne endgiltig gefaxt werden, das Berliner Kabinett sei nicht geneigt, die einzige Bedingung, welche die Konferenz annehmbar für Frankreich machen würde, nämlich die vorgängige Abgrenzung ihres Spielraumes, zuzugestehen. Weit entfernt, den Wünschen Frankreichs in diesem Punkte entgegenzukommen, beabsichtige die deutsche Regierung, die Gegenforderung zu stellen, daß die französische Regierung ihr marokkanisches Reformprogramm veröffentliche. S^hr bemerkenswert ist eine Rede des französischen Kriegsminrsters, um so bedeutsamer, als sie vom deutschen offiziösen Delegr.-Bureau verbreitet wird. Die Meldung lautet: Versailles, 25. Ium. Bei der heutigen Jahresfeier der Geburt deS Generals Hoche hielt Kriegsminister Berte aux eine Rede, in der er u. a. sagte: „Ich will nichts sagen, was eine Anspielung auf die gegenwärtige Stunde sein könnte; und doch, ist eS nicht etwas Verbrecherisches, Furcht , zu säen und Mißtrauen einzuflößen? Ich kann das Gegenteil sagen. Dank der seit 35 Jahren gemachten Anstrengungen ist unser Kriegsmaterial ersten Ranges, unser Proviant voll zur Stelle, und unsere Offiziere können einen Vergleich'mit denen der ganzen Welt aushalten. Frankreich handelt zum Zweck des Fortschritts und läßt sich leiten von dem Gefühl der allgemeinen Freiheit und Brüderlichkeit." „ , In einer sozialistischen Versammlung zu Lyon erklärte der Bebel Frankreichs, Jaurös, die marokkanische Frage sei ernst geworden, weil man sich auf ein Gebiet begeben habe, das mit Fallstricken besät sei. Die Sozialisten wünschten niemals ein Mißverständnis zwischen Deutschland und Frankreich. Das englisch-französische Abkommen sei keineswegs gegen Deutschland gerichtet, und wenn England dies glauben "taffe, müsse Frankreich darüber wachen, daß der Sinn des Abkommens nicht entstellt werde. Jaurös sprach schließlich die Ueberzeugung aus, die gegenwärtigen Schwierigkeiten würden gelöst werden, ohne daß der Stolz der Nation verletzt werde. Auch Herr Bebel selber hat sich hören lassen. Er antwortete auf eine Umfrage der Pariser ,Mie Sozialiste" über die Haltung der deutschen Soziald emokraten einem Kriege gegenüber: „Die Sozialisten müssen die Kriegsürsache streng öbiekttv prüfen. Ist ihre eigene Regierung der Angreifer, müssen sie ihr die Mittel zur Kriegführung verweigern und dem Kriege mit allen zulässigen Mitteln entgegenarbeiten. Ist aber unser Vaterland angegriffen, dürfen die Sozialisten der Regierung ihre M it w t r k- ii ng nicht versagen. Nimmt der Krieg den Charakter eme^ Eroberungskrieges an, wie es der deutsch-französische nach Sedan war, ist es Pflicht der Sozialisten, sich der Eroberung Bebel Chatte also im Kriege 1870/71, wenn er etwas zu sagen gehabt hätte, nach der Einnahme Sedans die Hande in den Schoß gelegt, und er würde auch in Zullmft, falls es zu einem Kriege kommen sollte, an ber Seite der Feinde Deutschlands fechten, sobald nach seiner Ansicht die Ursachen ihm nicht behagen. Vielleicht gibt Bebel auch noch Auskunft darüber, wie er sich diese ,Mü>ung Kriegs^ urfachen denkt. Vielleicht in der Form, daß die Regienurg jedem Soldaten in einer Denkschrift die Grunde des Krieges auseinanderfetzt, und es dem Wohlwollen eines jeden überläßt, ob er mitmachen will oder nicht? Seiten auf 2000 Tote und Verwundete geschätzt, da» runter viele Frauen. Von den Verletzten blieben die meisten stundenlang ohntz ärztliche Hilfe auf den Straßen liegen, so daß viele ihren Wunden bald erlagen. Die Schreckensszenen, die sich in den Haustoren und in den Höfen abspielten, sind unbeschreiblich. Alsbald wurde das Kriegsrecht proklamiert. Die Verteidigung der Arbeiter war geradezu verzweifelt. Mit Steinen, Trottoirplatten, Ziegelsteinen, Revolvern und Waffen aller Art, auch solchen, die den getöteten Soldaten abgenommen wurden, setzten sie sich zur Wehr. An mehreren Stellen wurden Bomben gegen die Soldaten geschleudert. Jeder Verkehr in der Stadt hat aufgehört. Alle Kaffeehäuser, Restaurants und Hotels wurden geschlossen. Da die Versorgung der Stadt mit frischen. Lebensmitteln unmöglich ist, rechnet man mit dem Ausbruch einer, Hungersnot. Die Lodzer Bahn stellte den Betrieb ein.! Telephon und Telegraph sind vielfach zerstört. Der Bevölkerung hat sich eine grenzenlose Erbitterung bemächtigt. Im Laufe der Nacht wurden neue Barrikaden errichtet, vom Militär jedoch gestürmt. Die Hospitäler sind von Kosaken bewacht, die den Angehörigen den Zutritt verweigern. Zahlreiche Bürger verlassen in wilder Flucht die Stadt, in der fortgesetzt Plünderungen und Brandstiftungen vorkommen. Das Militär, 6 Regimenter, reicht zur Aufrechterhaltung der Ordnung nicht aus. AuS Warschau wurden als militärische Hilfe zwei Divisionen abgesandt. Auch am 24. d. Mts. kam eS an verschiedenen Stellen zu blutigen Zusammenstößen. Durch eine gegen eine Truppenabteilung geschleuderte Bombe wurden 4 Kosaken getötet und 16 verwundet. Von der Einwohnerschaft kamen am Samstag achtPersonen um, 12 wurden verletzt. Unter anderen wurde der Chef der Gendarmerie, Oberst Andrejew, schwer verletzt. Das Feuergefecht in den Straßen dauert av; bei der Gasanstalt wurde eine Frau mit ihrer Tochter getötet. Die Kosaken durchsuchen die Taschen der Erschossenen und nehmen alle Wertgegenstände an sich. Es stehen alle Fabriken still. Mit Revolvern bewaffnete Arbeiter durchziehen die Straßen der Fabrikstadt und zwingen die Arbeiter zum Streik. Die Sttaßenbahnwagen werden mit Gewalt gezwungen, zu den Depots zurückzukehren. Unter den Opfern der Gemetzel befinden sich der Lodzer Fabrikant Neumann, ein Fräulein, Zilbarth und Vater, Frau und Tochter des Großindustriellen Ramisch. Weitere Unruhen. In Warschau passierte am Samstag abend die Grzy- bowskasttaße eine manifestierende Menge, in der jüngere Personen rote Fahnen trugen. An der Ecke der Wroniagasse^ kam eine Patrouille berittener Gendarmen dem Zuge entgegen. Plötzlich trat ein Unbekannter auS der Menge heraus und schleuderte eine große Bombe in die Patrouille. Mit furchtbarem Knall explodierte die Bombe, ein Pferd wurde getötet, drei Gendarmen sind schwer verletzt. Der Täter entkam in der Verwirrung. In der Wroniagasse wurde ein Geheimagent durch die Arbeitermenge erschossen. Infanterie feuerte in die Menge, wodurch mehre Personen schwere Verletzungen erlitten. Die Arbeiter der Bahndepots und der Werkstätten der Praga-Weichselbahnen wurden durch Fabrikarbeiter gezwungen, die Arbeit einzustellen. Die Arbeiter in allen Bahnwerkstätten der Wienerstation traten in den Streik. Die Bahnen Warschau—Berlin, Warschau—Wien und die Weichselbahnen sind mit Betriebseinstellung bedroht. Militärwachen sollen die Bahnlinien entlang aufgestellt werden. In der Spinnerei von Schön in Srodula (Polen) brach der Streik aus. Man erachtet den Stteik im Sosnowicer Dombrawaer Jndustriereoier als bevorstehend. Wie der „Schles. Ztg/ vom 25. aus Czen st och au gemeldet wird, kam es 1/2 Kilometer von der Stadt entfernt abermals zu einem blutigen Zusammenstoß zwischen Arbeitern und zwei Kompagnien Infanterie und einer Schwadron Dragoner. Die Demonstranten flüchteten 'in Kornfelder, von wo auS Revolverschüsse auf die Soldaten abgegeben wurden. Die Soldaten eröffneten nunmehr ein regelrechtes Schnellfeuer, das bis 17g Minuten währte. Die Zahl der Opfer ist noch nicht genau bestimmt; bis jetzt sind 18 Leichen und 42 schwer Verwundete ermittelt. In Petersburg schossen Soldaten auf den Ministergehilfen des Grafen Lambsdorff, Baron Fredericks, den sie irrtümlich für den Minister Bulygin hielten. Fredericks blieb unverletzt. Tie Revision der Judengesetze. Am 21. ds. erfolgte die kaiserliche Bestätigung des vom Ministerkomitee erstatteten Gutachtens betr. die Revision der Judengesetze. Das Ministerkomitee hat der Meinung Ausdruck gegeben, von dem Standpunkte der Regierung aus bestände die richtige Lösung der Judenfrage in der rechtlichen Gleichstellung der Juden mit der übrigen Bevölkerung Rußland«. Jedoch erforderten die sozialen und Rasseeigentümlichkeiten der Juden eine andere Lösung der Frage, weil die rechtliche Gleichstellung der Juden die Interessen der übrigen Bevölkerung verletzen würde und unliebsame Ausbrüche des Volksunwillens Hervorrufen könnte. Das Komitee hat deshalb beschlossen, die Neubearbeitung derIudengesetze einer DeputiertenVersammlung zu überlassen, für die Vorarbeiten aber eine besondere außerbehördliche Konferenz einzusetzen, deren Mitglieder zum Teile vom Kaiser ernannt werden, zum anderen Teile au5 Vertretern von Behörden bestehen sollen. DolMsche TaqesschM. Die Auflösung der Lotterievereinigung. Das Großherzogtu-m Hessen mit Oldenburgs und den thüringischen Staaten macht den kleinen und kleinsten Staaten viel Kopfzerbrechen. Jin Landtage des Fürstentums Sch warzbürg-Sondertz hausen teilte der Staatsminister Petersen mit, der A u s'fall durch den Vertrag werde 13 000 Mark betragen, die das Ländchen vorläufig nicht auszubringen weiß. Iü Oldenburg war vertragsmäßig die hessisch-thüringische Lotterie als einzige Ctaatslotterie zugelassen und Oldenburg bezog dafür ursprünglich eine f ä l; r li ch e Ab fi n d un g v v n 1 0 0 0 0 0 Mark. Da der Absatz von Lotterielofen in Oldenburg den Erwartungen nicht entsprach, ward die Summe später auf 70 000 Mk. herabgesetzt. Nun haben, wie die „Köln. Ztg." mitteilt, die hessisch-thüringischen Lotteriestaaten nach M- schluß des Vertrages mit Preußen, der im Jahre 1906 zur Aufhebung ihrer Lotterie führen soll, Oldenburg gegenüber von ihrem Rechte Gebrauch gemacht, von dem Vertrage mit Oldenburg ohne Abfindung zurückzutreten, wenn die hessisch-thüringische Lotterie als solche aufgegeben wird. Wie die Oldenburger diese Summe aufbringen sollen, wissen sie auch noch nicht. Deutsches Resch. Kiel, 25. Jnni. Der Kaiser hat zu heute sämtliche in höheren Stellen befindlichen und kürzlich beförderten Marineoffiziere an Bord der „Hohenz ollem" befohlen. Er besichtigte gestern in einer zweistündigen Fahrt die aktive Schlachtflotte. Um 11 Uhr empfing er den Generaldirektor Ballin und den Direktor und Baurat Zimmermann von der Werft Vulkan. Heute vormittag hielt der Kaiser Gottesdienst an Bord der „Hohenzollern" ab. Unter anderen nahm daran der amerikanische Botschafter Charlemagne Tower teil. — Der im Oktober zusammentretende Landtag des Königreichs Sachsen hat, wie verlautet, von der Regierung eine Wahlrechtsvorlage noch nicht zu erwarten. Die Regierung hat fich mit Prüfung der weit von einander abweichenden Vorschläge befaßt. Sie ist dem Vernehmen nach vorläufig zu dem Schluffe gekommen, keines der vorgeschlagenen Systeme sei als Grundlage eines neuen sächsischen Landtagswahlrechts geeignet. Die nationalliberale Partei im Königreich Sachsen hat in ihrem Wahlaufruf ihre Stellung aufs neue unzweideutig kundgegeben. Danach wird sie sich mit einer Verschleppung der für die Gesundung des politischen Lebens als unentbehrlich geltenden Reform nicht zufrieden geben. Neustadt a. H., 25. Juni. Der heute hier tagende Verbandstag der kaufmännischen Vereine Badens und der Pfalz nahm einstimmig eine Resolution für die reichsgesetzliche Einführung des Acht-Uhr-Laden- schlusses an. Freinsheim (Pfalz), 25. Juni. In der heutigen Versammlung des Bundes der Landwirte gab der stellvertretende Vorsitzende, Reichstagsabg. Stauffer, die Erklärung ab, der Bund werde nur Landtagskandidat'en aufftellen, die für den Regierungsentwurf der Wahlgesetzreform eintreten. Kirche und Schule. Am 22. dieses Monats trat die Eis en acher Kirch en - konferenz zu einer außerordentlichen Tagung zusammen. Als Mitglieder waren für Hessen erschienen Oberkonsistorial-Präsi- dent D. Buchner und Oberklmsiswrialrat D. Dr. Flöring. Die Besprechung über die ausnahmsweise Zulassung des Einzelkelchs führte dazu, daß die Kirchenkonferenz den Kirchen- regienmgen empfiehlt: Die Gemeinsitte des Gesamtkelchs beim Mendmahl in ihrem Gebiete aufrechtzuerhalten und jeher willkürlichen Einführung des Einzelkelchs mit Entschiedenheit entgegenzutreten, falls aber das Verlangen nach Gestattung desselben auf kirchenordnungsmäßigem Wege bei ihm voraebracht werde, etwaige Ausnahmen nur dann zuzulassen, wenn der gestellte Antrag den Sinn und die Würde des Sakraments unzweifelhaft wahrt und zum Ausdruck bringt. Was kostet einSchüler? Im Jabre 1902 ewfielen der „Allg. Deutschen Lehrerztg." zufolge zur Schulunterhaltung bei den öffentlichen Volksschulen auf einen Schüler an Gesamtkosten: in Bremen 77 Mark, Hamburg 74 Mark, Lübeck 65 Mk., Königreich Sachsen 50 Mk., Anhalt 50 Mk., Preußen 48 Mk., Hessen 48 Mk., Bayern 46 Mk., S.-Meiningen 45 Mk., S.-Kv- burg-Gotha 45 M?., Oldenburg 44 Mk., Braunschweig 44 Mk., S.-Weimar 43 Mk., Württemberg 42 Mk., Schwarzburg-Sondershausen 42 Mk., Baden 40 Mk., S.-Altenburg 40 Mk., Elsaß- Lothringen 39 Mk., Reuß j. L. 38 Mk, Waldeck 35 Mk. Schwarz- burg-Rudolstadt 33 Mk, Mecklenburg-Strelitz 32 Mk, Reuß ä. L. 30 Mk, Schaumburg-Lippe 28 Mk, Lippe 25 Mk Der Durchschnitt der Ausgaben für einen Volksschüler beträgt sonach im Deutschen Reiche 47 Mk Keer und Motte. — 9 2 4 Kaiser-Salutschüsse. Gelegentlich der Einfahrt der Jacht „Hohenzollern" mit dem Kaiser an Bord in den Kieler Hafen wurden nicht weniger als 28 Kriegsschiffe passiert. Da nun bestimmungsgemäß jedes Kriegsschiff beim Passieren des Landesherrn mit 33 Schuß zu salutieren hat, so wurde der Monarch mit insgesamt 924 Salutschüssen begrüßt. — Weils ihm zu heiß war! Ein Beispiel oberbayerischer Gemütlichkeit geht durch die bayerische Presse. In den letzten Tagen fand in Rosenheim die Generalmusterung der stellungspflichtigen Rekruten statt. Alle angehenden Vaterlandsverteidiger waren erschienen, nur einer fehlte. Statt seiner kam ein Brief, folgenden Inhalts: „Lieber Herr General! Ich kann leider zur Generalmusterung nicht kommen. Mir ists zu heiß. Achtungsvoll! Xaver Schmied." Der General hat den Brief nicht beantwortet, aber doch dafür gesorgt, daß der Xaverl eine Abkühlung bekommt. Sechs, Regimentskommandeure in 3Vi Jahren . . . damit hat das 6. Westpr. Infanterieregiment Nr. 149 in Schneidemühl wohl den Rekord der Geschwindigkeit im militärischen Stellenwechsel erreicht, v. Heugel, Schultze-Aosterfelde, Eberhard, Pflugradt, Frhr. v. Zedlitz-Neukirch und v. d. Lippe sind die Namen der sechs Kommandeure. Der erste, v. Heugel, ist 1902 Generalmajor in Trier geworden, sein Nachfolger Schultze- . i i'rWrfeH>e nach kaum Jahresfrist nach Mörchingen versetzt worden. Eberhard und Pflugradt hatten das,Geschick, als Bezirkskommandeure sortgesandt zu werden, und jetzt ist der frühere Gießener Oberstleutnant V. Zedlitz-Neukirch, der erst am 27. Januar 1905 zum Obersten ernannt worden war, zur Disposition gestellt worden! Im Durchschnitt fällt auf jeden der vier versetzten bezw. verabschiedeten Kommandeure noch nicht ein Jahr. In dem vorliegenden Fall ist besonders auffällig, einmal, daß "berst Schultze-ätlofterfeld^ im Jahre 1903 in derselben Eigen- zu einem anderen Regiinent versetzt worden ist, um später tum BeLirkskonnnandeur in Beuthen ernannt zu werden und daß bessert Nachfolger, Eberhard und Pflugradt beide Bezirkskomman- deure geworden sind. Da es in der ganzen Armee nur 13 Bezirks komm andos gibt, die mit gewesenen Regimentskommandeuren besetzt werden, so muß es wundernehmen, daß ein einzelnes Regiment dreimal nacheinander Kommandeure erhalten hat, die sich gerade für das Amt eines Bezirkskommandeurs qualifizierten. Interessant wäre eine Zusammenstellung der U m z u gs ko st en, die die sechs Kömmandeure des Regiments 149 in den Jahren 1902 bis 1905 erhalten haben. 1902 kam v. Heugel von Schneidemühl nach Trier und Schultze-K'losterfelde von Oppeln nach Schneidemühl, 1903 derselbe von Schneidemühl nach Mörchingen (Lothringen), Eberhard von Glatze nach Schneidemühl und von da nach Stettin, Pflugradt 1903 von Gnesen nach Schneidemühl, anfangs 1905 nach Stettin, gleichzeitig Freiherr v. Zedlitz- Neukirch von Gießen nach Schneidemühl und jetzt v. d. Lippe von Stargard in Pommern ebendahin. Inzwischen ist Schultze-Klosterfelde von Mörchingen nach Beuthen in Schlesien versetzt worden. Das' ist nur ein Regiment. Die deutsche Infanterie zählt deren 179 abgesehen von Bayern; dazu kommen noch die Kavallerie und Artillerie sowie die Spezialwaffen. Und ähnlich wie beim 149. Regiment geht es bei vielen Regimentern, wenn auch vielleicht nicht >ganz so apg. Wir inGießeNhaben seit 1900 den vierten Regimentskommandeur (Ma- bai, Dewitz, Graevenitz, Lindenau). Ein großer Teil der deutschen Offiziere übt seinen Beruf im Umherziehen aus. Wenn im Reichstage über diese Zustände Klage geführt wird, so entgegnet der Kriegsminister: ,.Dafür bin ich nicht verantwortlich; die Personalangelegenheiten gehören in das Bereich des ^ i H ^ tärkabinetts." Das aber ist dem Lande nickst verantwortlich. Kolonialpost. Die Nachricht eines englischen Blattes aus T o k i o , D e u t s ch- land beabsichtige seine Besatzungstruppen von China, ausgenommen die Garnison in Kiautschou zurückzuziehen, ist, wie die „Köln. Ztg." aus Berlin erfährt, völlig unzutreffend. Die Regierung hatte in letzter Zeit keine Veranlassung, der Frage nahezutteteu, wie lange die deutsche Besatzungsbrigade in China bleibt. Selbstverständlich ist nur ein zeitweiliger Aufenthalt in Aussicht genommen. Da aber die Angelegenheit der Besatzungstruppen von den Mächten in gemeinsamer Mmachung geregelt wurde, könnte die Zurückziehung ebenfalls nur nach gemeinsamer Uebereinkunst stattfinden. Thongefäße und einen Schöpfer, der in einem größeren Topj stand. Die Bronze-Beigaben, zwei sogen. Zinnenringe, zeigen eine gute Technik und sind seltene Stücke. Mehrere aiifgehccfte Flächgräber enthielten eine große Anzahl von Tongefäßen, die leider zerdrüekt waren. Sämtliche Funde gehören der Hallstatt- zeit an, also etwa 800 vor Ehr. ** Die Handelskammerwahl findet morgen, Diens< tag, nachmittags von 2—6 Uhr im Kaufmännischen Vereinshaus statt. ** Der Bezirkslehrerturnverein Gießen hatte am Samstag nachmittag im Cafö Ebel eine Versammlung, bei welcher auch die Nachbarbezirke Lich und Grünberg stark vertreten waren. Lehrer Bach- Großen-Lindew begrüßte die Erschienenen, besonders Turninspektor .Schmuck und Kreisschulinspektor Kleinschmidt, welcher nach Schluß der amtlichen Bezirkskonferenz- in liebenswürdiger Weise als Gast den Verhandlungen mit regem Interesse beiwohnte. Der einzige Gegenstand der Tagesordnung war die Feststellung des Programms für die am Samstag den 23. September l. I. in Gießen stattfindende 2. Hauptversammlung des Hessischen Lehrerturnvereins. Da der Gießener Turnverein in zuvorkommender Weise seine geräumige Halle zur Verfügung gestellt hat, sollen dort vormittags turnerische Vorführungen stattfinden. Dem Turnen wird sich anschließen ein Vortrag von Lehrer Zöller- Watzenborn über Guts-Muths und ein Referat von Wolf- Bersrod über die Versammlung deutscher Turnlehrer in Quedlinburg. Nach einem gemeinschaftlichen Essen der Teilnehmer im Cafe Ebel wird ein kleiner Ausflug die zweite Hauptversammlung beschließen. ** Feuerwehrfest. Heute abend 9 Uhr findet im Cafö Leib die erste Gesamtprobe der vereinigten Gesangvereine statt. ** Der Detaillisten verein beschloß, wie er uns schreibt, in seiner am 22. dss. Mts. stattgehabten Generalversammlung einstimmig, zur Ergänzungswahl der Handels- Kircherrgesangfcst des Evangelischen Kirchengesang- vereins für das Grotzherzogtunr Hessen. s. Friedberg, 25. Juni 1905. Nach 25 Jahren ist der Hessisck>e Kirchengesangverein wieder einmal in Friedberg einget'ehrt. Schon Bei jenem ersten Feste war unser Gießener Kirchengesangverein beteiligt. Außer ihm wirkten diesmal die Vereine von Friedberg, Münzen- berg, Ober-Mockstadt, Orten berg und Vilbel mit. Es war ein schönes buntes Bild als sich diese Chöre unter der Leitung des Kirchenmusikmeisters, Professor Arnold Mendelssohn aus Darmstadt, in dem geräumigen Chor der so schön restaurierten Stadtkirche zur Probe zusammentraten. Und bewundernswert war es, wie rasch sich dieser sehr „gemischte" Chor unter dieser sicheren Leitung auch im Gesang zu einer wohl tuenden Einheit zusammenfand. Aus der an die Probe sich anschließenden Generalversammlung ist zu erwähnen, daß der Landesverein auch im vorigen Jabre gewachsen ist. Er zählt nun 113 angeschlossene Vereine nebst 9 Chorschulen. Davon entfallen auf Starkenburg 51 Vereine, auf Rheinhessen 35, auf Oberhessen nur 27, von denen zudem noch einige schlafen. Lebhaft angeregt wurde der Zusammenschluß der benachbarten Vereine eines Dekanates und Abhaltung von Dekanatskirchengesangfesten nach dem Vorgang des Dekanates Groß-Gerau. Die Vertreter der Oberhessischen Vereine versprechen, sich um Ausbreitung der Vereinssache in Ober- Hessen von neuem zu bemühen. Ein wichtiger Schritt zur Fortbildung der Organisation wurde dadurch getan, daß der Vorstand auf seinen Vorschlag ermächtigt wurde, vorläufig neun weitere Mitglieder aus ben verschiedenen Teilen des Landes zu kooptieren. Um ^3 Uhr riefen die Glocken der Stadtkirche zum Festgottesdienst. Die weiten Hallen des Gotteshauses füllten sich mit einer andächtigen Gemeinde von fern und nah. Und nun durchbransten die Gesänge des mächtigen Chores, der, für die Gemeinde unsichtbar, im Chorraume hinter dem alten Letluer ausgestellt war, im Wechsel mit Gesängen der Gemeinde und den vom Altar durch Professor D. Eger verlesenen Vibelworten die Räume der Kirche und fanden einen Wiederhall in den Herzen «der Hörer. Alle Eindrücke faßte der Prediger des Tages, Professor D. Smend aus Straßburg, vielen noch von seiner früheren Tätigkeit in Friedberg in guter Erinnerung, in einer knappen, aber tiefgründigen und geistvollen Predigt über das' Wort Jesu: „Es ging ein Sämann aus zu säen seinen Samen", zusammen. Mes in allem: es war ein schöner, erhebender Gottesdienst. In der sich daran anschließenden Versammlung im Saalbau wurde dann noch manch treffliches Wort geredet, und die versammelten Chöre wetteiferten, die Festgäste mit ihren Liedern zu erfreuen. Man durfte den Eindruck haben, daß die Kirchengesang- vereinssache nach 28 Jahren in fröhlichem Gedeihen steht. Möchte sie nun auch in unserem Oberhessen noch weitere Fortschritte machen. Aus Stadt und Land. Gießen, 26. Juni 1905. ** Auszeichnungen. Se. Kgl. Hoh. der Großherzo'g haben dem Oberleutnant im Königl. Württ. Grenadier-Regiment König Karl (5. Württembergischen) Nr. 123, Loeffler, seither im 4. Großh. Infanterie-Regiment (Prinz Karl) Nr. 118, das Ritterkreuz 2. Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen. — Von Sr. Maj. dem Kaiser wurde demBahnschloffer August Feisel in Klein-Linden die silberne Ehrenmedaille für 25jährige treue Dienste verliehen. — Dem bisherigen Ersten Sekretär des Kaiserl. Archäologischen Instituts in Rom, Professor Dr. Eugen Petersen, ist vom Großherzog von Hessen das Komturkreuz 2..Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen worden. ** Personalien. Se. Kgl. Hoh. der Großherzog haben den evangelischen Pfarrer Reeg zu Worms auf sein Nachsuchen bis zur Wiederherstellung seiner Gesundheit in den Ruhestand versetzt. ** Die Hundesperre würde am l.Juli d. I. wieder aufgehoben werden, wenn nicht der neuerdings an das Institut für Jnfektionskrankhetten nach Berlin geschickte Kopf eines tollwutoerdächtigen Hundes nach der Untersuchung den Verdacht der Krankheit bestätigt. Wenn wiederum Tollwut festgestellt ist, muß die Sperre bis Oktober verlängert werden. ** Oberhessischer Geschichtsverein. Größere Ausgrabungen wurden dieser Tage wieder unter der Leitung des Konservators Kramer in der Nähe von Klein-Lind en vorgenommen, und zwar im Walde östlich der Main-Weser- Bahn in der Gemarkung Großen-Linden. Hier hat man schon seit der Erbauung der Main-Weser-Bahn eine reiche Fundstätte aus der Hallstattzeit entdeckt. Die Ausgrabungen im Distrikt Fuchsbau vor zirka drei Jahren hatten ein sehr günstiges Resultat: man sand mehrere reichhaltige Gräber. Bei der letzten Ausgrabung im Distrikt Hain wurden dieser Tage vier Gräber, darunter auch ein Skelettgrab, aufgesunden. Die Hügelgräber zeigen Steinsetzung. In dem Brandgrab' sand man neben mehreren schalensörmigen Töpfen auch eine birnförmige Urne mit Knochenteilen und Asche, ferner mehrere kammer den Kaufmann A. Noll als Kandidaten anstelle des verstorbenen Handelskammermitgliedes Ernst Balser aufzustellen. Bezüglich des zu wählenden Ersatzmitgliedes für deR verstorbenen Herrn A. Katz wurde ebenfalls einstimmig beschlossen, Herrn Max Friedberger als Vertreter der Getreidebranche als Kandidaten zu empfehlen. ** Besitzwechsel. Das Hotel-Restaurant zum Neuen Saalbau ist in andern Besitz übergegangen. Hotelier Bues aus Nordhausen, der dort 8 Jahre lang eine Wirt- chaft unterhielt, kaufte das Anwesen vom seitherigen Beiher, Herrn Schrödel für 249000 Mk. Wahrscheinlich tehen, so hören wir, bauliche Veränderungen bevor; der Restaurant-Betrieb wird weitergeführt. Herr Schrödel gedenkt einstweilen mit seiner Familie hier zu bleiben und demnächst ein anderes Restaurant zu übernehmen. "Leichenfledderer. In der Nacht vom Samstag auf Sonntag wurden einem jungen Manne, der sich in der Anlage auf eine Bank gesetzt hatte und eingeschlafen war, die Taschenuhr, 10 Mk. und der Hut gestohlen. ** Betrüger. Vor einiger Zeit mietete sich qm angeblicher Bahnassistent bei einer hiesigen Familie zur Kost und Wohnung ein, verschwand aber, nachdem er 4 Tage gewohnt hatte, ohne zu zahlen. Die Nachforschungen ergaben, daß es sich um einen stellenlosen fremden Kellner handelt, der sich unter falschem Namen einlogiert und sich den Tttel beigelegt hatte. Dieser Fall zeigt wieder, wie dringend erforderlich die alsbaldige Anmeldung der zuziehenden Fremden ist. Hätte die Vermieterin sofort den Fremden gemeldet, so wäre sie vor Schaden bewahrt geblieben. pn. Heuchelheim, 24. Juni. Ein bedauerlicher Unglücksfall ereignete sich gestern morgen. Der hiesige Landwirt Phil. Gorr wollte mit einer Kuh in das Unterdorf; er führte sie an einer Kette. Als er aber auf dem schmalen Steg beim Pfarrhaus kam, scheute die Kuh und sprang die 2 Meter hohe Brücke hinab ins Wasser und zog Gorr mit. Dieser wurde durch den Fall auf die Steine schwer verletzt. pn. Grüningen, 24. Juni. Heinrich Hubler, der Besitzer einer Sandgrube im „Sandberg", arbeitete am.Vormittag unvorschristsmäßig, indem er unten den Sand heraus- wühlte und die oberen Schichten sitzen ließ. Infolgedessen kam der Sand ins Rutschen und er begrub Hudler vollständig. Als man den Vermißten auffand, war er [tot. Der Schädel war vollständig eingeschlagen, außerdem wurden verschiedene Rippenbrüche konstatiert. f Oppenrod bei Gießen, 25. Juni. Das Bezirks- kriegerfest für den Hassia-Bezirk Gießen fand heute in unserem kleinen Orte statt. Fast sämtliche 35 Vereine des Bezirks Gießen waren anwesend, sowie einige Vereine des angrenzenden Bezirks Lich. Leider brach kurz nach dem Eintreffen der Vereine ein schweres Gewitter los, sodaß das Festprogramm sehr gestört wurde. Erst nach dem Unwetter konnte der Festakt vorgenommen werden, wobei Kreis- amtmann Dr. Hechler dem festgebenden Verein die vom Kaiser gestiftete Fahnenschleife nebst Fahnennagel überreichte. Namens des Hassia-Präsidiums übergab Postsekretär Mayer- Gießen ein Ehrendiplom. Bad ° Nauheim, 26. Juni. Folgende Unter- Haltungen werden in dieser Woche stattsindcn: Dienstag den 27. Juni, nachmittag und abends aus der Terrasse Kon- zert der Kurkapelle. Abend? Wiener Komponisten-Konzert. Mittwoch nachmittags und abends auf der Terrasse Konzert der Kurkapelle. Abends 8 Uhr Theatervorstellung: ,Monna ®ann"; Donnerstag nachmittag und abends auf der Terrasse Konzert der Kurkapelle mit Einlageii des Kafleler Künstler ° Waldhorn - Quartetts. Abends im Saale Tanz Freitag nachmittags und abends auf der Terrasse Konzert der Kurkapelle. Abends Theater-Vorstellung unter Mit- Willi'.? ^"Kurkapelle: „Don Cesar." Gastspiel des Herrn ^lllialn v. Haxthausen vom Theater de? Westens in Berlin, w 1 f nachmittag und abends auf der Terrasse Konzert ^I”n?UC«apiSe’ SI6enb§ Theater - Vorstellung: „Pension Qchollcr. Dazu Balleteinlagc von Frl. Dathc und Frl. L.ertz vom Erfurter Stadtthcatcr. Sonntag den 2. Juli: Kurkapelle mit Einlagen des Cornet-Virtuoscn nnn « Ncwyork. Montag den 8. Juli, abends r« -9 Tm Saale Konzert der Königl. Sachs, unb' Vess. Kammersängerin Frau Erika Wedekind. D a r in st ®inc Abordnung der “b|e l.&a«b e IS f a in me v wurde in Berlin 6 Enenbahnmimster p. Budde cnipfaugen. Die Herren ^mhlTPTirryplfPM (V;Ttv4rF,+-..«/>rt^ ~..r V7 ~ ?}.n8/ 25. J'u.ni. Hier tagte das Landeskomitee des Hessischen Zentrums und wurde dabei die Anstellung eines besonderen Parteisekretärs für He ssen beschlossen. -