16 insskohen iedrich. ins Haus 1 verbrennt. be als voll- **en anderen Ml? 5t.inhau®^, is Auswahl Neuheiten w tn und Dodernisieren tzschrtiar’ eltrfeiifl'6 ( «lütevnieP «ne»6*''m i«‘" md-ri«1 « *«» Sie be> ' (ernerbin d,die»-"- * u„b «'•' «8«*’ “'i beim®'14” <5*1 L--S— । «J y® Nr. 250 Erscheint täglich außer Sonntags. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Hessischen Landwirt die Siebener Zamilien- vlätter viermal in der Woche beigelegt. Rotationsdruck u. Verlag der Brühl'schen Univers.-Buch-u. Steindruckerei. R. Lange. Redaktion, Erpedition und Druckerei: Schul st ratze 7. Redaktion 112 Verlag u.Exped.b^öl Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen. >■/? r- ;v 1 -x< 155. Jahrgang Erstes Blatt Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen die Post Mt. 2.— oierrel- ,ährl. auSschl. Bestellg. Unnahme von Anzeigen •ür die Tagesnummer is vormittags 10 Uhr. ^.eilenPreiS: lokal 18 Ps^ ^uSwärts 20 Pfg. era twortltch für Oe;, polit und aQgem. Teil: P. Wittko: für „Stabt und öanb" und „Gerichtsfaal": Ernst Heß-, für bcn Anzeigenteil: Hans Beck. Dienstag 24. Oktober 1905 BezngSPretSr monatlich7bPf., viertel» ▼ jährlich Ml. 2.20; durch AA Abhole- XL Zweigstellen monatlich 65 Ps.; durch Pie Heutige Kummer umfaßt 8 Seiten. Eine Hessische Denkschrift zur Ateischteuerung. Wie bereits angekündigt, hat der hessische Land' wirtschaftsrat zu der Frage der Fleischteuerung eine besondere D e nkschrift anSarbeiten lassen. In der Einleitung beschäftigt sich die Denkschrift mit der Steigerung der Viehproduktion in Deutschland und sucht dann den „Einwurf, daß die gegenwärtige Fleischteuerung die Folge eines bei unS herrschenden Schlachtviehmangels fei*, zu widerlegen. In einer ziffernmäßigen Gegenüberstellung des Auftriebs auf dem (für das Großherzogtum als preisbestimmend in Betracht kommenden) Schlachtviehmarkte zu Frankfurt a. M. in den drei ersten Vierteln der Jahre 1904 und 1905 konstatiert die Denkschrift eine Steigerung ded Austriebes bei Großvieh um 3736, bei Kleinvieh (Kälber, Hämmel und Ziegen) um 3005 Stuck und ein Minderangebot von Schweinen um 4839 Stück. „Aus diesen Zahlen geht hervor, daß wohl ein Rückgang des Schweineaustriebes stattgefunden hat, daß diesem Minderaustrieb aber ein erheblicher Mehrauitrieb an Großvieh und Kleinvieh gegenüber steht. Von einem Schlachtviehmangel kann daher keinesfalls gesprochen werden, höchstens von einem Rückgang des Schweineaustriebes". So sagt die Denkschrift. Daß sich mit Zahlen viel beweisen läßt, ist eine alte Sache. Die Denkschrift geht dabei klugerweise an der Frage vorbei, ob das Plus im Auftrieb von Groß- und Kleinvieh in diesem Zeitraum genügte im Verhältnis zum gesteigerten Bedarf, den schon allein die Bevölkerungszunahme bewirkt. Und der reguläre Fleischkonsum in unseren Militärkasernen darf hier sicher auch nicht außer acht gelassen werden. Wie das Ziffernresultat sich sofort anders gestaltet, ergibt sich, wenn man die Summe des Auftriebs im letzten Quartal (Juli—September) 1905 vergleicht mit derjenigen im gleichen Zeiträume des Vorjahres. Es zeigt sich dann ein Minderangebot an Kleinvieh von ca. 700 und an Schweinen von 5350 Stück; diesem Minderangebot steht ein Mehr an Großvieh von etwa 1000 gegenüber. Man sieht also schon an diesem kleinen Beispiel, wie wenig Wert eine einfache Gegenüberstellung von Zahlen hat, wenn man nicht alle Momente inbetracht zieht, die einen annähernd einwandsfreien Schluß gestatten. Aber die Denkschrift geht noch weiter; nach ihr existiert keine Fleisch n ot. Die Denkschrift vergleicht die in der Zeit von Januar bis September der Jahre 1904 und 1905 vorhandenen Fleischmengen. Der Vergleich ergibt bei Groß- und Kleinvieh ein Plus von 840 600 und 105 175 Kilogramm, und ein Weniger an Schweinefleisch von 411 315 Kilogramm. Also — sagt die Denkschrift — immer noch ein Ueberschuß an Fleisch von 534 460 Kilogramm: ,von einer Fleischnot kann nicht gesprochen werden". „Wenn schon aus diesen Ergebnissen hervorgeht, daß für das durch den Frankfurter Markt beherrschte Gebiet eine Fleischnot nicht besteht, so wirb ferner noch für unsere Gegend aus den Kreisen der Landwirte bestätigt, baß eine Viehnot nicht vorhanden ist, inbem schlacht reifes Vieh auf bem Lande genügend vorhanden ist!fl Dieser Satz der Denkschrift steht mit der Erfahrung der Metzger in vielen Städten in unlösbarem Widerspruch. Auch mit der Tatsache, daß auf das bekannte Gesuch der Gießener Metzgerinnung um Lieferung von 100 Schweinen nicht ein einziges Stück angeboten wurde. So sagt denn auch die Denkschrift weiter: „In einem gewissen Widerspruch mit diesen Beobachtungen stehen nun allerdings die zur Zeit herrschenden hohen Vieh-, insbesondere aber die hohen Fleischpreise. Durch die im letzten Jahre besonders in Norddeutschland herrschende Futternot, durch die hohen Kartoffelpreise und die steigenden Futtermittelpreise, in erster Lime bedingt durch die Ausfuhrverbote der Nachbarländer auf Futtermittel, wovon Mais als wichtiges Futtermittel auf die.Schweinemast inbetracht kommt, und durch die allgemeine geringe Welt- Maisernte mußte eine Steigerung des Schweinepreises eintreten. Ueber Futternot und Kartoffelpreise haben wir gestern an dieser Stelle gesprochen. Die Denkschrift fügt eine Tabelle über die monatlichen Durchschnittspreise der verschiedenen Fleischsorten in Darmstadt, Mainz, Worms, Gießen und Offenbach pro 1904 und 1905 an und folgert daraus: „Ten höchsten Preis im Monat Januar zeigt Offeirbach, das während des ganzen Jahres 1904 schon einen monatlichen Durchschnittspreis von 1.80 Mark p. Kilo besitzt und dem sich mit gleicher Höhe des Preises im September Darmstadt anschlxetzt. Gießen zeigt von allen Städten stets den niedrigsten Preis, während die Preise in den anderen Städten sich zwischen denjenigen von Darmstadt, Offenbach und Gießen bewegen. Dieier durckffchnittlich niedrigere Preis in Gießen ist für uns von Interesse." Warum, das sagt die Denkschrift nach einer vergleichenden Gegenüberstellung der Schlachtungen in den Monaten Januar—September der Jahre 1904 und 1905: „Wie aus den vorstehenden Zahlen hervorgeht, ist im Jahre 1905 in Gießen in den Monaten Januar bis September nicht nur dieselbe Anzahl, sondern sogar eine noch größere Anzahl Stück Vieh geschlachtet worden, wogegen in den anderen Städten ein Rückgang der Schweineschlachtungen zu beobachten ist, dem aber ein nicht unerheblicher Mehrverbrauch an Großvieh und Kleinvieh gegenüber steht. Ohne Zweifel mußte die Steigerung des Schweinefleischpreises eine Einschränkung des Fleischkonsums und zwar in erster Linie von Schweinefleisch zur Folge haben. Ein Teil des weniger verbrauchten Schweinefleisches wurde durch Fleisch von Großvieh sowie von Kälbern, Hammeln und Schafen ersetzt. Die weitere Folge des stärkeren Verbrauches der anderen Fleischsorten und in erster Linie der steigenden Schweinefleischpreise war die Steigerung der Preise für Ochsen, Kühe, Rinder usw., ferner für Kälber und Schafe. Als die Ursache des Rückganges des Schweinefleischverbrauches ist daher allein nur die hohe Preissteigerung für Fleisch verantwortlich zu machen. Obwohl, wie oben nachgewiesen, den Schlachtungen nach, in Gießen eine Fleischnot nicht vorhanden ist, sind die Metzger in Gießen doch der allgemeinen Preissteigerung gefolgt. Dis zu einem gewissen Grade mag das ja berechtigt sein, da die Viehpreise m die Höhe gegangen sind. . . . Dieser erhebliche Unterschied in den Fleischpreisen der einzelnen Städte muß vielmehr teilweise als die Folge einer willkürlichen Preistreiberei bezeichnet werden." ES wird dann ein Beispiel dafür angeführt, „daß cs ganz besonders die Metzger verstehen, sich die Steigerung der Viehpreise zunutze zu machen und dabei gleichyeitia mit in das große Horn zu stoßen, aus welchem der Fleischnotruf ertönt", indem der von den Metzgern erfolgte Preisaufsclüag mit der allgemeinen Viehpreissteigerung verglichen wird. Als ein Mehr wiä> hier konstatiert für Darmstadt und Worms 27,5 Prozent, für Gießen 9,4 Proz., „oder mit anderen Worten, die Metzger haben eine durch keine Ursache gerechtfertigte Steigerung der Schweinefleischpreise hervorgerufen." Die Denkschrift erörtert bann noch die Beeinflussung der Preise durch das städtische Oktroi, die Frage der Vieheinfuhr aus dem Auslands und kommt zu folgendem Schluffe: „Der gegenwärtige hohe Stand der Fleischpreise, der sich besonders in den größeren Städten fühlbar macht, und gewiß auch von den Landwirten im Interesse der Konsumenten bedauert wird, kann nicht als die Folge einer allgemeinen Fleischnot betrachtet werden. Insbesondere ist nachgewiesen, daß die deutsche Landwirtschaft auch in den letzten Jahren eine fortschrittliche Entwiillung gezeigt und so die Gewähr geboten hat für die Erzeugung der zur Ernährung des Volkes nötigen Fleischmengen. , Der Auftrieb der Schlachtviehmärkte und die Schlachtungen einzelner Städte weisen mit großer Deutlichkeit nach, daß ein Mangel an Fleisch nicht vorhanden ist. ~ Der Rückgang des Auftriebes der Schweine auf die^Schlacht- viehmärkte und der Rückgang der Schlachtungen an Schweinen in einzelnen Städten, ist allein als die Ursache einer Futter- lnappheit und Steigerung der Futternnttelpresie anzusehen. Dieser Rückgang ist nur als eine vorübergehende Erscheinung.zu betrachten, indem durch die in diesem Jahre bessere Kartoffelernte den Landwirten die Möglichkeit geboten wird, die Mästung von Schweinen in ausgedehntem Maße rentabel zu gestalten. Die Oeffnung der Grenzen zwecks Einfuhr von lebendem Vieh kann, da das Ausland gleichfalls hohe Preise für Schlachtvieh und auch einen Mangel an diesem aufzuweisen hat, keinen Erfolg haben auf die Herabsetzung der Fleischvreise. Der Landwirtschaftsrat richtet daher an Großh. Regierung die dringende Bitte, bei der Reichsregierung dahin wirken zu wollen, daß eine Aufhebung der zur Zeit vorhandenen Sverr- maßregeln gegen die Einschleppung von Seuchen nicht eintritt, da dies von unberechenbarem Schaden für die deutsche Landwirtschaft sein würde." Im Anschluffe daran sei eine Notiz des „Darmstädter Tagbl." wiedergegeben. Danach ist der Preis für Schweineflei sch in Darmstadt abermals höher geworden, und das Pfund kostet dort nun 96 Pfg. Der Preis für Schweineschmalz ist ebenfalls erhöht, und zwar von 80 auf 90 Pfg. * Berliner Blätter melden folgendes: Die Zentralstelle der preußischen Landwirtschaft s k a m m e r n wandte sich in einem Schreiben an 430 Schlachthausgemeinden in Preußen mit der Mitteilung, daß sie bereit sei, Maßnahmen gegen die hohen Fleischpreise zu treffen. Das Schreiben sagt, die Oeffnung der Grenzen in erhöhtem Maße würde die Landwirtschaft der größten Gefahr aussetzen und führt an, die Preisbildung für das Fleisch in den Städten fei von vielen anderen Bedingungen weit abhängiger als von der Gestaltung der Viehpreise, die dem Landwirt gezahlt werden. Zum Schluffe heißt es: „Wir sind bereit, Organisationen zu schaffen, durch welche wir in der Lage sind, lebendes Mastvieh oder ausgeschlachtetes Fleisch in Tierhälften an die städtischen Verwaltungen abzugeben. Wenn die städtischen Verwaltungen den Vertrieb von Fleisch ober von Vieh selbst, wie cs bereits in verschiedenen Orten geschehen ist, in die Hand nehmen wollen, nm die Fleischpreise zu verbilligen, und in den Städten ebenfalls Organisationen zum Vertriebe des Fleisches einzurichten, so könnte aus dem gemeinschaftlichen Zusammenarbeiten sicherlich dem Landwirt wenigstens der Produktionspreis gesichert werden, während die st ä d t i s ch e n Konsumenten ihrFleisch bestimmt sehr viel biliger erhalten werden/ Schließlich erklärt das Kuratorium der Zentralstelle, daß es ermächtigt ist, zur Schaffung solcher Organisationen* die Hand zu bieten. Man will also eine Neuorganisation ins Leben rufen, um eine alte Organisation zu verdrängen und zu vernichten, die sich im Verlaufe der Entwickelung des Fleischmarktes gebildet hat. Man will den Viehhandel und das Fleischereigewerbe, soweit e5 sich deS Handels mit Vieh bedient, ausschalten und den Stadtverwaltungen den Vieh - und Fleischvertrieb als kommunales Amt zuwälzen. Für da? komplizierte moderne Wirtschaftsleben, noch dazu bei einem sich auf den abgelegensten Weiler erstreckenden Apparat, wie e§ der Viehhandel ist, ist der Handel doch wohl ein heute kaum mehr entbehrlicher Faktor, was von den meisten Landwirten selber, wenn auch unter manchem Seufzen, anerkannt wird. Mit den wiederholten Versuchen, den Vieh- ober auch ben Kornhanbel auSzuschalten, ist bisher noch nicht sonberlich viel erreicht worden, wenn auch manche Kornhausgenossen- schaft, wie z. B. die in Friedberg, bei besonders tüchtiger Verwaltung gute Resultate zu erzielen scheint. Manche andere burch Gelb unb gelbwerte Leistungen fiskalisch begünstigte Kornhausgenossenschaft ist verkracht. Manche Fleischbänke, bie ben Fleischhanbel unb bie Fleischer auSschalien sollten, haben gleichfalls Fiasko gemacht, weil biefe Unternehmungen meist unkaufmännischer, teuerer unb schlechter gewirtschaftet haben, a(§ bie geschulte Organisation bes Handels unb bes Fleischergewerbes tut. Unb nun will man bie Fleischbeschaffung einer ZukunstSorganisation überlassen, von beten Ausgestaltung im einzelnen sich bisher wohl noch niemand ein Bild gemacht hat. Es ist ja möglich, daß sich auf der vorgeschlagenen Basis hier und da etwas Wertvolles erreichen läßt, wenn auch bie Stabtoerwaltungen u. E. mit viel- eitigftem Arbeitsmaterial heute schon überbürbet sind. Immerhin scheint un§ der Vorschlag von gutem Willen zu zeugen und darum schon ist er ernsthaft diskutabel. Eine gänzliche Ausschaltung des ViehhandelS wird sich wohl nicht bewerkstelligen lassen, aber wenn sich auf diesem Gebiete irgendwelche den Produzenten unb Konsumenten in gleicher Weise bienliche Aenberungen einführen ließen, bie nicht direkt die Vernichtung des reellen Zwischenhandels bedeuten, dann wäre viel und vielen geholfen. Mlitische Tliqesschau. Statistische Betrachtungen zn den badischen Wahlen. Wenn man die zur Verbsjentlichung gelangten Ziffern über bie anf die einzelnen Parteien bei bcn badischen Lcmbtagswahlen entfallenen Stimmen näher betrachtet, so ergeben sich manche interessante Momente. Die klerikale Presse war außer sich, als nach ber Reichstagsersatzwahl in Kattowitz ziffernmäßig nachgewiesen werben konnte, baß Tausenbe von Katholiken für ben liberalen Bewerber unb gegen bas Zentrum gestimmt hatten; bei ben Lcmbtagswahlen in Baden läßt sich derselbe Nachweis führen. Tie nichtkatholische Bevölkerung Badens macht 38 Proz. der Gesamtbevölkerung des Landes aus. .Hiervon Hal wohl ber größte Teil für bie liberalen Kan- bibateu gestimmt, ein erheblicher Teil ist aber auf für bie Sozialdemokraten einerseits uni bie Konservativen cmderer- seits gefallenen Stimmen zu machen. Tie Sozialdemokratie nämlich hat ihren Hauptstamm in ben übertoiegenb evangel. Gebieten Badens, nicht etwa weil bie evangelische Bevölkerung leichter ben soz. Lockungen anheimsiele, sondern weil hier große Städte und in Sonderheit die Hcruptsitze der Industrie liegen. So sind von ben mehr als 140 000 Einwohnern Mannheims nur 60 000 unb von ben 45 000 Einwohnern Pforzheims nur 8000 Katholiken; gerabe biefe Städte aber finb bie Hauptstützpunkte ber Sozialdemokratie. Man geht baher kaum in ber Annahme fehl, baß uon ben 17 Proz. aller abgegebenen Stimmen, bie auf die Sozialdemokratie gefallen finb, etwa Vs, also wohl 11 Proz., auf bie nichtkatholische Bevölkerung kommen. Tie 41/2 Proz., bie auf Konservative, Dimdler, Parteilose rc. gefallen finb, gehören ebenfalls mit minimalen Ausnahmen der nichtkatholischen Bevölkerung an. Mithin sind von den 38 Proz. der nicht katholischen Bevölkerung gut und gern 15 Proz. in Abzug zu bringen, sodaß also nur etwa 23 Proz. für die liberalen Kandidaten gestimmt haben. Da nun auf die Liberalen 36 Proz. aller abgegebenen Stimmen gefallen finb, so müssen 13 Proz. von ben Katholiken geliefert worben sein. Es ist somit ein gutes Drittel der liberalen Wählers chaft katholischen Glaubens. Also auch hier decken sich Katholizismus unb Angehörigkeit zum Zentrum trotz ber schärfsten Agitation ber katholischen Geistlichkeit für bas Zentrum noch lange nicht. Tas ist auch sehr lehrreich für uns in Hessen! Zum zweiten geht aus ber Wahlstatistik hervor, daß das Zentrum bei ocr Zahl ber im ersten Wahlgange erlangten Sitze ungerechtfertigt gut bavongekommen ist. Das Zentrum bat 42^2 Proz. ber Stimmen unb 28 Mandate int ersten Wahl gang erlangt; es entfällt somit auf IV2 ein im ersten Wahlgange erhaltener Sitz. Die Liberalen haben auf 36 Proz. nur 16 Manbate 'm ersten Ansturm erhalten, bet ihnen entfällt also erst auf 21/4 Proz. ein Manbat. Stände bas prozentuale Verhältnis beim Zentrum ebenso, so hätte bieses statt seiner 28 nur 19 Sitze im ersten Wahlgange erhalten bürfen. Noch schlechter als bie Liberalen finb bie Sozialbemokraten und bie Konservativen davon- gekommen. Tas bübische Zentrum also kann sich sicherlich nicht über eine ihm ungünstige Wahlgeometrie beklagen. Die neuen Reichssteuern. Mieber sind die Fin nzminister der Bundes- ftaaten tn Berlin eingetroffen, um bie Beratungen über bie Reichsfinanzreform fortzusetzen. Inzwischen ist, wie uns gestern 'g'edrahtet wurde, noch ein neues Steuerprojekt im Reichsschatzamt fertiagestellt worden, ein Plan , der sich ursprüngli h nicht auf dem Programm befand. Vermutlich ist die neu:, so geheimnisvoll behandelte Steuer die Wehr st euer. Tiese Steuer dürfte besonders dazu ausersehen sein, für die kommenden Mehrforder- un gen im Heer und in der Flotte bie Mittel aufzubringen. Bis^r rechnete man nur mit größeren Ausgabm für bie Marine; es scheinen aber auch solche für das f:er in Betracht zu kommen. Wenigstens hat ber Zentrumsabg. Tr. Spahn kürzlich in ber Kölner Zentrumsversammlung bar auf hin gebeutet, unb biefer Mittelsmann zwischen ber Regierung unb ber ausschlaggebenden Partei ist gut unterrichtet. Tie nahe Möglichkeit eines Krieges, wahrend der Marokko- und Telcasse-Krisis, wird der Regierung bei ber Begründung ber Wehrforderungen natürlich zu statten kommen. Trotz sog. „lohal gegebener" Erklärungen ber englischen Regierung ist bie Situation unser- änbe rt ernst, benn an emen entschiedenen Wandel ber Gesinnungen in England Teutscbland gegenüber wird fein Realpolitiker glauben. Gleichviel, ob eine konservative ober eine liberale Neoicrung: die Tatsache feindseliger Absichten muß im Auge behalten werden. Was die übrigen Steuerpläne betrifft, so scheint das Zentrum auch diesmal die Führung übernehmen zu wollen im Sinne des Zustand ebring-ms ber Vorlagen. Konservative und agrarische Kreise richten den Haupstmderstand nach wie vor gegen die Reichserb'waftssteuer. So schreibt die bündlerische „Tagesztg": „Wenn njnn hier und da meint, daß der Widerstand gegen die ReichserbschaflLstcuer in konservativen Kreisen abflaue, so gründet sich biete Anschauung nur auf vereinzelte Preßäußerungen. Wir glauben kaum, daß die konservative Partei in ihrer Mehrheit geneigt sein werde, ihren wohlerwogener! grundsätzlichen Standpunkt preiszugeben." Tie kons. Opposition wird die Reichserbschaftssteuer nicht zu ^dll bringen, dazu i'r sie im Reichstag bei weitem nicht mächtig genug. Es ist ron einem Gcsamtsteuerertrag von unciesähr 200 Millionen gesprochen worden. Wir halten die Schätzung für zu niedrig. Dreihundert Millionen werden wohl heraus kommen! * Roch ein Minister-Rücktritt in Preußen. Uns wurde gestern aus Berlin gedrahtet, daß der preuß. Jinanzminister Frhr. v. Rheinbaben als Ober- präsident nach Koblenz zu gehen gewillt sei. Verhält es sich in der Tat so, dann wird kaum anzunehmen sein, daß Herrn v. Rheinbaben die Ministerschaft deswegen verleidet ist, weil der Enttvuri der Finanzreform nicht seinen Wünschen entsprechend sich gestaltet, speziell bezüglich der Reichserbschaftssteuer, gegen die vom preuß. Finanzministerium bis zutept Bedenken geltend gemacht wurden. Es erscheint vielmehr die Vermutung gerechtfertigt, daß Frhr. v. Rheinbaben die Zeit nicht abzujehen vermeint, in der sich ihm Aussicht eröffnet aus Berufung in eine noch höhere Stelle, als die des Leiters der preuß. Finanzverwaltung. In postt. Kreisen Berlins galt Frhr. v. Rheinbaben dereinst allen Ernstes als k o m m en d e r Mann. Ter gewandte und kenntnisreiche Nachfolger Miguels hatte auch im Gegensatz zu diesem die Gepflogen- heit, häufig im Reichstage zu erscheinen und dort programmatische Reden zu hatten. Es sei nur an seine scharfen Auseinandersetzungen mit den Sozialdemokraten zurzeit der Zolltarifkämpfe erinnert. Doch Fürst Bülow hat allem Anschein nach seine Position als leitender Staatsmann je länger desto mehr befestigt. Die Möglichkeit eines Kanzlerwechsels dürfte für absehbare Zeit also nicht in Frage kommen. Andererseits ist Frhr. v. Rheinbaben ein verhältnismäßig innger Staatsmann. Er hat unlängst erst das 50. Lebensjahr vollendet. Wenn er wirklich geneigt sein sollte, das undankbare Amt des preuß. Finanzministers mit dem angenehmeren eines Oberpräsidenten zu vertauschen, so braucht er darum noch nicht aller .Hoffnungen auf staatsmännischen Aufstieg sich zu cnt- schlagen. Charakteristisch für die Aera Bülow aber bleibt es, daß die Mitglieder des Ministeriums in ihren A e m t e r n nicht recht heimisch zu werden scheinen. Es ist das die interessante Kehrseite der Medaille, die Fürst Bülow bei seinem Amtsantritt der Oeffentlichkeit präsentierte und auf der geschrieben stand: „Einheitlichkeit des Ministeriums". Präsident Loubet kam am Montag mittag um 12 Uhr im berühmten span. Schlosse Eskorial an, besuchte dort das Schloß, das Kloster, legte Kränze am Grabmal Alphons äII. nieder und besuchte die Prinzessin von Asturien. Tann reiste er nach Madrid ab. An allen Orten, die der Zug durchfuhr, wurde er mit .Hochrufen begrüßt. Um 3 lUyr traf der Präsident in Madrid ein. Tic Stadt ist reich geschmückt. Ter König holte den Präsidenten vom Bahnhof ein. Ter Einzug verlief ohne Zwischenfall. Tas Wetter war tagsüber kühl und regnerisch und die Stimmung während des Einzugs Loubets eher still. Tie Marseillaise wurde durch Händeklatschen begrüßt. Eine größere Begeisterung war erst zu bemerken, als der Präsident die spanifckw Fahne grüßte. Loubet und Ministerpräsident Rouvier statteten dann der Königin- Mutter und anderen Mitgliedern der kgl. Familie Besuche ab. Tie Königin-Mutter gedachte bei ihrer Unterredung mit Loubet der Zwischenfälle während des Aufenthalts des Königs Alphons in Paris und dankte dem Präsidenten für alle dem Könige erwiesenen Aufmerksamkeiten. Loubet verlieh dem 20jährigen Prinzen Ferdinand Maria von Bayern (besten Mutter und Großmutter svanisehe Infantinnen sind. T. R.) das Groß kreuz der Ehrenlegion. Der Prinz hat sich am 20. Ost. zu Madrid mit der I n f a n t i n M a r i a T h e r e s i a v e r l o b t. Da der kgl. spanische Hof zurzeit aus ganz wenigen Mitgliedern besteht, würde cs dem König und der Königin-Mutter von Spanien zu schwer gefallen sein, die einzige Schwester und einzige Tochter ins Ausland gehen zu scheu. Der König hat daher durch einen Spezialgesandten, Merry del Bal, dem bahr. Prinzregenten den Wunsch übermitteln lassen, den Ucbertritt des Bräutigams in die spanische Armee genehmigen zu wollen. Ter Prinzregent hat diesem Wimsche stattgcgeben. Jeutfch-Südwestafrrka. Wie die „Nat.-Ztg." hört, wird dem Reichstage kurz nach seinem» Zusammentritt eine Denkschrift über die Kriegs^ ereignisse der letzten Zeit in Südwestasrika zugehen. Außerdem sollen Forderungen eingebracht werden, die sich auf den wirt- schaftliehcn Wiederaufbau der Kolonie beziehen, u. a. Forderungen betr. Entschädigung der Farmer, um ihnen die Wiederaufnahme des Farmbetricbes zu ermöglichen und betr. den Dau der Eisenbahn Lüderitzbucht-Kubul-Ketmannshop. Die Möglichkeit diese? Eisenbahnbaues ist durch Ingenieure der Eisenbahntruppe festgestellt worden. Der „Reichsanz." veröffentlicht einen kaiserlichen Erlaß betr. die Anrechnung des Jahres 1905 als Kriegsjahr für die 1905 ort der Niederwerfung des noch andauernden .Hereroaufstandes in Südwestafrika beteiligten Deutschen. Ausstiche Meuigkeilen. Der Streik der Eiienbahnbeamten und Arbeiter hat enorme Dimensionen angenommen. Bon den 13 in Moskau mündenden Bahnen sind jetzt 11 still gelegt. Passagiere schildern die Verhältnisse in ben grellsten Farben. Die Bahnhöfe sind überfüllt, die Reisenden harren schon seit vier Tagen ihrer Weiterbeförderung und sind unterdessen gezwungen, in den Wartesälen wie in den Nebenräumen Tag und Nacht zu kampieren. Die Passagiere der angehaltenen Züge sind in Verzweiflung: manche von ihnen erhalten Unterstützungen, um sich ernähren zu können. Auf einigen Bahnhöfen ist mich die elektrische Beleuchtung zerstört und nur dürftige Kerzen brennen. Tie Geschäftswelt erleidet durch diese Verkehrsstockung bedeutende Verluste. Die Preise der Lebens mittel in Moskau steigen fortgesetzt, da keine Zufuhr erfolgt. Auch die Briefträger haben sich jetzt dem Streik angeschlosscn. Tie Eiscnbahw- bcamtcn verlangen den 8 Stundentag, ferner Straflosigkeit der Stteikenden, Aufhebung des Belagerungszustandes, Amnestie, politische Freiheit, Wschaffung der Todesstrafe, allgemeines Wahlrecht usw. Der Wegbauminister Fürst Chilkow versuchte am Sonntag zwei Stunden lang die Moskauer Maschinisten zur Arbeitsaufnahme zu bewegen. Nur einer ließ sich überreden und fuhr mit dem Minister auf der Maschine eines nach Rjasan abgehenden Zuges. Nach zuverlässigen Privatmeldungen ist ein Schnellzug trt der Nähe von Petersburg, der mit etwa 840 Reisenden besetzt war, von Räubern zum Stehen gebracht worden, worauf die Reisenden zur Hergabe ihrer Barschaft gezwungen wurden. Uuch in Kirsanow, Charkow, Balaschow und Saratow ist der allgemein? Eisenbahncr'Ausstand ausgebrochen, dem sich vielfach die Industriearbeiter an schlie ßen. Am Montag wurde der Ausstand in sämtlichen Mühlen und Werkstätten und in der staatlichen Branntweinniederlage erklärt. Die Voruntersuchung gegen die Veranstalter und Verüber der Greueltaten in Baku ist abgeschlossen worden. Das Unter- suchungsmaterial erstteckt sich aut über 400 Brandstiftung en. Ter Prozeß gegen die Unruhestifter, mehrere hundert an der Zahl, wird Mitte November seinen Anfang nehmen. Tie Aerzte vom deutschen Roten Kreuz, die Doktoren Col- mcrs (früher in Gießen) und Schütze, wurden am Montag nach ihrer Rückkehr au? dem fernen Osten vom Zaren in Audienz cmvs^ng?','. ________________ Deutscher Reich. Berlin, 22. Okt. Harden hält in der „Zukunft die Behauptung, daß der Kaiser das Wort von der „vollen Kompottschüssel" mit Rücksicht auf die sozialpolitische Fürsorge für die Arbeiter gesprochen habe, auftecht. Er schreibt, er wisse, warum, zu wem, in welchem Zusammenhänge es gesprochen sei, und bitte die „Tementier-Knappschaft" um die Gelegenheit zu dem gerichtlichen Beweise, daß es just so gelautet habe, wie er es wiedergab. Bekanntlich hat Fürst Bülow dementiert, daß der Kaiser das Wort zu ihm gesprochen habe. — Der Kaiser hat an Minister v. Möller folgendes Handschreiben gerichtet: ,,Mcin lieber Staatsminister Möller! 'Ihrem Ansuchen um Entlassung aus dem Amte als Minister für Handel und Gewerbe habe ich entsprochen. Ich Tann es mir aber nicht versagen. Ihnen für die treuen Dienste, welche Sie mir und dem Vaterlande geleistet haben, meinen wärmsten Tank auszusprechcn. Als Zeichen meines Wohlwollens verleihe ich Ihnen hiermit den erblichen Adel. Tas betreffende Diplom wird Ihnen demnächst zugchen. Ich verbleibe Ihr wohlgeneigter König Wilhelm." — Tie Hochzeit des Prinzen Eitel Friedrich mit der Prinzessin Sophie Charlotte von Oldenburg wird am 27. Febr. des, nächsten Jahres ftattfmden. An demselben Tage feiert das Kaiserpaar silb. Hochzeit. — Der ,verw. Frau Staatsminister Freifrau v. Hamme r ft e i n in Berlin, Frau Staatsminister Freifrau von Rheinbaben in Berlin und der Rentnerin Frau Witwe Louis Haniel in Düsseldorf wurde die zweite Klasse der zweiten Abteilung des LuiscnordenS mit der Jahreszahl 1865 verliehen. — Der „Staatsanz." veröffentlicht ferner eine große Reihe ans Anlaß des Geburtstages der Kaiserin erfolgten Verleihungen der Roten Kreuzmedaille zweiter bezw. dritter Klasse. -7- Dem ,.B. T." wird von mehreren Seiten berichtet, daß sich in den Büchern der Firma von Tippelskirch u. Co. zwei my st eriöseTeil Haber -Konten finden, cm Konto V., dessen Inhaber Herr von Podbielski und ein Konto St., dessen Inhaber der Kolonialdirektor Tr. Stübel fei. —- Der hessische Finanzminister und Bevollmächtigte zum Bundesrat G u a u t h ist aus Darmstadt in Berlin eingetroffen und hat im Hotel Kaiserhof Wohnung acnmnmen. Hier tagten .Vertreter verschiedener Beamtenverbände, die sich in Form eines Kartells zu einem größeren Ganzen zusammenschlicßeii wollen. Es handelt sich um die gemeinsam anzustrebende geistige, wirtschaftliche und gesellschaftliche Hebung und Sicherung des mittleren Beamtentums, soweit e5 aus dem Zivilanwärtcrftande hervorgegangen ist und über eine höhere Schulbildung verfügt. Unberechtigte Angri^e ans dgs Beamtentum im allgemeinen und die in der neuen Vereinigung im besonderen vertretene Bcamtenkatcgorie sollen in angemessener Form abgewehrt und an die Stelle der jetzt erscheinenden Fachtzeitungcn ein einziges Organ gesetzt werden. Wie wir hören, umfassen die Kartell- Verbände zusammen annähernd 10 000 Mitglieder. Magdeburg, 23. Oktober. Im Hinblick auf die bereits für 1906 zu erwartende gesetzliche Schließung aller freien Hilfskassen erfolgte hier nach zweitägiger Verhandlung die Begründung eines Verbandes kaufmännischer Krankenkassen Deutschlands. Vertreten waren 25 Berufsverbände. Zum Vorsitzenden wurde Ernst Vespcr-Barmen. gewählt. Anstand. Newy0rk, 23. Okt. Korea steht anscheinend am Vorabend einer Revolution. Die Verschwörer wollen die Dynastie entthronen und Unabhängigkeit von Japan erringen. Mehrere Verhaftungen sind in Söul erfolgt: die Verhafteten verweigern aber jede Aussage. Man erwartet, daß die Japaner einsck'reiten werden. P a r i s, 23. Okt. I a u res erklärt heute in der „Humanitv", er sei nie für eine Allianz mit T e u t s chl a n d eiw netreten. Tie Freundschaft Deutschlands • mit dem Sultan und die deutsche Politik in Ostasien genügten, um eine solche Allianz unmöglich zu machen. Ebensowenig wie er eine deutsche Allianz wolle, erkenne er der deutschen Presse das Recht zu, zu verlangen, Frankreich solle sagen, was es im Falle eines deutschen g l i s cha n Krieges tun würde. Kein Volk habe das Recht, von anderen Verpflichtungen angesichts einer so fernen Hvpothesc zu fordern. Nein, Frankreich müsse seine völlige Handlungsfreiheit bewahren, dürfe aber diese Freiheit nickst für die Politik militärischer Revanche, sondern für eine Politik des Friedens benutzen. Auch dann fei die Kriegsgefahr nicht völlig geschwunden. Deutschland habe, selbst wenn es sich nur gegen einen Angriff zu schützen glaube, eine brutale und p l u m v c M a - ui er, die in den Herzen Verstimmung und Erbitterung zun'icklasse, und auch England verfolge egoistische Plane. Aber Frankreicks moralisch? Autorität gegenüber einer solchen egoistischen Politik werde größer sein, wenn es sich resolut für immer 'gegen jede An g r if ss pol iti k aussprcchen würde. Ter ehemalige Marineminister Lancssan, der natio- naliftische Deputierte Oberleutnant Rousset und der aus dem Drcp- sushandel bekannte Oberst Pieguart veröffentlichen Artikel, welche die Befestigung von Nancy und die Errichtung neuer strategischerBahnverbindungen an der Oft grenze die Beschaffung schwerer Feldartillerie und die 'ständige Erhaltung der G r e n z t r u p p e n auf Kriegsstärke für unabweisbar liinzustellen. Die Kosten hierfür werden auf etwa 600 Millionen geschätzt. Ter Regierung ist diese Einmütigkeit in der Vorbereitung der öffentlichen Meinung auf neue Opfer durchaus willkommen (?) Rom, 23. Okt. Außer mit dem Fürsten Bülow (?) wird xittoni im nächsten Monat auch eine Begegnung mit Rouvier haben. — Der P a p st las heute gegen den Rat seines Leibarztes m Gegenwart seiner Schwestern und anderer Verwandter die Messe und empfing 200 Pilger. Er erschien etwas abge- magert und angegriffen. Er ist leichten Derzaffektionen unterworfen. - T a n g er. 23. Okt. Tie hiesige englische Zeitung „Al Moghreb" befürwortet eine deut, ch-englische Verständigung. Sie weift nach, bah zwischen beiden Ländern keine G e g e n s ä tz e außer künstlich geschaffenen beständen. Die Engländer in Marokko müßten anerkennen, daß Deutschland durch sein Eintreten für seine Interessen den englischen gleich- falls einen großen Dienst erwiesen habe. Diese Schuld könne dadurch abgetragen werden, daß man die Beziehungen zwischen England und Deutschland bessern h-lse Es bedürfe dazu keiner ülbkommen, in denen über schwächere Mäckte verfüat werde Die Hälfte der Mühe, welche die Herstellung der jetzt angenehmen englisch-französischen B-ziehungen gekostet, würde zur Schaffung e 1 n e s v ö l l i - e n Einvernehmens zwischen Englsnd und Deutschland genügen. Diese Auffassung l’nt oller hiesigen Engländer und Deutschen und an ber Westküste, hegt man d fallt-'e Gesinnungen. — ” a 11 e n te gab, nacktem eine einstundige Unterredung pOrsu»,egangen war, die gefangenen englischen Offiziere gegen die Freilassung von fünf durch die marokkanische Regierung gefangen gehaltenen Personen heraus. Er stellte auch die Bedingung, daß noch zehn andere Gefangene frcigelassen weichen. Ter Vertreter des Sultans machte sich anheischig, daß das Verlangen gewährt werde. — Tie englische Gesandtschaft wird ungefähr ant 6. November von Fez abreifen. Ter Gesandte Lowther hat amtlich das Verlangen gestellt, daß der Räuber Valiente bestraft werde. Valiente hat. als die Auswechselung seines Briiders gegen die englischen Offiziere erfolgte, 10 Gewehre und 10 000 Patronen verlangt, die ihm auch sofort gegeben wurden. Tokio, 23. Okt. Heute f'itb Parade über die kombinierte japanische Flotte und die erbeuteten und wieder flottgemackten russischen Kriegsschiffe vor Tokio statt. Ter Kaiser und Admiral Togo waren anwesend. Der Kaiser empfing nach der Parade englische und amerikanische Offiziere an Bord des Paw zerkreiners „Asama". Alib und Land. Gießen, 24. Oktober 1905. •* Ordensverleihung. S. K. H. der Großherzog hat dem Kreisrat des Kreises Bingen, Geh. RegierungSrat Adolf Spam er, anläßlich seines 50jährigen Dienstfubilaums Komturkreuz 2. Klaffe des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen. *’ Pensionierungen. S. K. H. der Groß Herzog haben den Pala'sinfpektor Georg Doch na hl zu Mainz und den Hausverwalter Franz Witt zu Seeheim auf ihr Nachsuchen unter Bezeugung der Allerhöchsten Zufriedenheit für langjährige treu geleistete Dienste, mit Wirkung vom 1. Januar 1906, in den Ruhestand versetzt. •• Militär-Personalien. Veränderungen im Beil rl a u b te n fta n de: Befördert die Vizefeldwebel bezw. Vizewachtmeister zu Lts. der Res.: Walter (Mühlhausen i. Th.), Wüst (I Darmstadt) des 1. Gr. Hess. Jnf.-(Leib- garde-)Rgts. Rr. 115; Hübner (Marburg), des Jnf.-Rgts. Kaiser Wilhelm (2. Gr. Hess.) Nr. 116; Meisel (I Darmstadt), de? 2. Gr. Hess. Feldart.-Rgts. Nr. 61: Ufener (I Darmstadt), zum Lt. der Landw.-Pioniere 1. Aufgebots. — Der Abschied bewilligt: Kolb, Lt. des 2. Aufgebots des 3. Garbe-Landw.-RgtS. (I Darmstadt); Müller, Oberlt. der Res. des Jnf.-Leib-Rgts. Großherzogin (3. Gr. Hess.) Nr. 117 (Worms); Welcher (II Darmstadt), Ziegler (Worms), Obersts, der Landw.-Jnf. 2. Aufgebots; Weber, Lt. der Landw -Inf. 2. Aufgebots (Friedberg ; Jaeger, Oberlt. der Landw. 1. Aufgebots der Tclegraphentruppen (Friedberg) mit der Erlaubnis zum Tragen seiner bisherigen Uniform. ** Die Gesellschaft für Erd- und Völkerkunde hielt am 21. Oktober im Hotel „Grobherzog" ihre diesjährige Hauptversammlung ab. Der Vorsitzende, Proseffor Tr. SieverS, berichtete über die Ein- und Ausgaben deS verffoffenen Vereinsjahres, die mit 1200 Mark annähernd bilanzieren. Im vorigen Jahre wurden für die Herausgabe der „Mitteilungen" etwa 450 Mark verausgabt. Ein neuer Band dieser Veröffentlichung wird im Lauf des Winters erscheinen können, nachdem weitere Mk. 150 in den Etat eingestellt wurden. Die Hauptaufgabe deS Vereins: Die Veranstaltung geographischer- und völkerkundiger Vorträge bedeutender Fachgelehrter soll auch für die Zukunft in erster Linie gepflegt werden. Für daS begonnene Wintersemester sind folgende Vorträge vorgesehen: Profeffvr Dr. Theobald Fifcher-Äkarburg, über „Marokko", HofratDr. Fritz Noctling-Tübingen über „Birma", Dr. Theobald Koch über „das Gebiet des Amazonensiromes", Generalkonsul von Heffe-Wartegg über „den nordamerikanischen Westen", Prof. Dr. Heim über „Neuseeland". Alle Redner sind Autoritäten auf ihren Gebieten und sprechen auf Grund eigener Reisen und Studien. Da die Aussicht besteht, daß im,Jahre 1909 der Geographische Kongreß in unfern Mauern abgehalten wird, erweist eS sich schon jetzt als wünschenswert, von dem Rechte der Zuwahl zu dem wiedergewählten Vorstand Gebrauch zu machen. An Stelle deS ausgeschiedenen Majors von Schlemmer wurde Hauptmann Giese in den Vorstand gewählt und die Herren Prof. Kaiser, Oberlehrer Bernbcck und KrauSmüller, sowie Herr Lehrer Schwöbel in den Vorstand ausgenommen. Der wiederg"wählte engere Vorstand besteht wie früher auS den Herren Prof. Dr. Sievers, 1. Vorsitzender, Prof. Dr. Biermann 2. Vorsitzender, Druckereibesitzer Kindt 1. Schriftführer, Verlagsbuchhändler Töpelmann 2. Schriftführer, Kommerzienrat Heichelheim Rechner. Anmeldungen zu der Gesellschaft, deren Vorträge am 2 5. Oktober ihren Anfang nehmen, können bei dem vorerwähnten 1. Schriftführer geschehen. Der Mitgliederbeitrag, auch für nicht selbständige Familienmitglieder zur Teilnahme an den Vorträgen berechtigend, beträgt 4 Mark. Es steht zu erwarten, daß die Gesellschaft auch in diesem Jahr die Aufgabe, ihren so überaus interessanten Gebieten neue Freunde zuzusühren, vollauf erfüllen wird. •* Die Gesellschaft für Erd- und Völkerkunde beginnt ihre dieswinterliche Vortragsreihe morgen, Mittwoch abend 8 Uhr in der großen Aula der Universität. Geb. Regierungsrat Profeffor Dr. Fischer von Marburg wird über das zeitgemäße Thema „Marokko" auf Grund eigener Reisen und Studien sprechen und den Vortrag durch Lichtbilder veranschaulichen. ** Zur Landtagswahlbewegung. Im Wahlkreis Darmstadt-Land wurde von den bürgerlichen Parteien der seitherige wildliberale Abg. Regierungsrat Naack wieder als Kandidat aufgestellt. Gegenkandidat ist Ortskrankenkasse- Rechner Friedrich -Dannstadt. — DaS Zentrum stellte im Bezirk Heppen heim—Viernheim an Stelle Schlengers nunmehr den Vermalter Nebel von Dieburg auf. — Eine am letzten Sonntag in Offenbach tagende Konferenz der sozialdemokratischen Kreisvorsitzenden und Vertrauensmänner hat einstimmig beschloffen: Die Konferenz empfiehlt den Genoffen des Landes, überall, wo e§ möglich ist, eigene Landtagskandidaten und Wahlmänner aufzustellen; da, wo dies nicht möglich ist, sollten sie nur solche Wahlmänner bezw. LandtagS- kandidateu, die sich verpflichten, für daS allgemeine und kantelenfreie direkte gehetmeWahlrecht einzutreten, unterstützen, im übrigen jedoch Wahlenthaltung üben. "Für die Sitzung der Stadtverordneten- Versamm lli ng am Donnerstag ist folgende Tagesordnung ausgestellt: 1. Preis der elektrischen Energie für photographische Zwecke. 2. Kredit für elektrische Kabel. 3. An« schluß oen TextorS Hardt an die Wasserleitung. 4. Aer- 1 „ ßm Wahlkreis $or*v sen bürg d roiebt f*! LKs-i Stz'ÄÄ i>o, b L &** näi"1® Saline«" r d-s0 *ftiiiji|l,(lm S%>y in fot«f,'bc--für < )cn E tfflirf. fjhp "Ä'- 1 5?eratibeninqen im R ,* ,®r‘ H Jns.-lLch, JT-.3lt 61: Uf,n„ >• Aufgebots. 5°^ y- d-s 2. a* l- Moßherzoqm (3. 0t w $* - 2- dlufgcbotS; Vebei, Vnedben,'.; Jc>W der -cll-qwphentrlippn Tragen seiner bislimgei Erd- und Völker- Hotel .Großherzo^ ifa S ab. Ter Vorsitzende, r die Ein- unb Aichabee. lit 1200 Mark annähernd urden für die heransgab- :f verausgabt. Ein neuer im Lauf des Winters er- tf. 150 in den Slot ei». de§ Benins: £)ie Bep unb -^erkundig« r lod auch für die Zu. Für das begonnene ! vorgesehen: Profe^ „Marokko", Hofralt iÄ, Dr. Sfoeobalb Jl; res', Generalkonsul r. amschen Westen', ^rr. Redner sind Autor'M-r jf Grund eigener Um ?hl, daß im .Jahre M em.Mauern abgehalk wünschenswert, vonh gewählten Vorstand V t ausgeschicdenen Map Iiese in den Vorslar: >r, Oberlehrer Pernhei ■ Schwöbel in den $o:- «ahlte engere VorM! ros. Dr. Sievers, 1.M' Vorsitzender, Druckerei- isbuchhändlerTöpeliM- 'ichclheiin Rechner. An- dm» Soriräge «• tönnen bei btm w ©et Mitgliederbeitm ■mitglieb-t« Ötag auch in diesem Jahr ernten Gebieten ne. cf i >ch iofS 1° Geiv- uni Weber slou^'"ih 19r’5- ™. ®c() $®r°56,ti«i Skn?th3N lc,,|toti,ms DWpps7s -chn-ihs ?S?»Ä5ft 1 ± unb Mite- ^/Vßreibe morgen, Pachtung eines städtischen Gartens. 5. Polizeiverordnung, betr. die Ein- und Durchfuhr frischen Fleische«. 6. Fütterung deS im Schlachthofe eingestellten VieheS. 7. Bestimmungen, betr. die Bildung eines Arbeiterausschusses bei ben städtischen Betrieben. 8. Vergrößerung des Exerzierplatzes. • • Der erste Spatenstich zum Aula-Erw e iter- ungSbau erfolgte heute. • • IahrhundertauSstellung im Kunstverein. Vom 1. Januar bis 1. Mai wird in der Nationalgalerie zu Berlin eine Ausstellung stattfinden, welche die Entwickelung der deutschen Kunst, speziell der deutschen Malerei von 1775 bis co. 1875 darstellen soll. Man verspricht sich von diesem Unternehmen wichtige neue Aufschlüsse und die Entdeckung und Würdigung mancher unbekannter Kunstwerke. Um das im Großherzogtum Hesien hierfür zu Gebote stehende Material zu sammeln und zu sichten, veranstaltet der Darmstädter Lokalausschuß im November d. I. eine Lokalausstellung, zu der gewiß auch Gießen und Umgebung manches wertvolle Stück beitragen kann und wird. Solche Werke zunächst zu einer Ausstellung im hiesigen Kunstvereinssaale zu vereinigen, ist ein lebhafter Wunsch aller Gießener Kunstfreunde. ES ergeht deshalb an alle Besitzer solcher Kunstschätze, gleichviel, ob sie Mitglieder deS KunstvereinS sind oder nicht, die dringende Bitte, diese Lokalausstellung zu ermöglichen, indem sie bis zum 2 5. Oktober geeignete Stücke an die Geschäftsstelle des KunstvereinS Gießen, Rrandplatz, einsenden, wo auch der Prospekt der „Deutschen Jahrhundert- ausstettung in der Königlichen Nationalgalerie Berlin 1906" eingesehen werden kann. • • Heber den Verkehr im hiesigen Güterbahnhof und andere wichtige Verkehrsfragen wird auf Veranlassung des BürgeroereinS heute abend 81/» Uhr im Gasthaus zum Löwen eine Besprechung stattfinden, worauf Interessenten aufmerksam gemacht seien. ""Die neue KreiS-HauShaltungsschule, die im Frühjahr vom Kreistag beschlossen wurde, wird ihren ersten Kursus im November in Großen-Linden abhalten. Es haben sich bereits über 20 Frauen und Mädchen nrmelbet. "Der Gesangverein „Harmonie" beging am Samstag abend die Feier seines 5 9. Stiftungsfestes durch einen stark besuchten Herrenabend verbunden mit Festessen im Vereinslokal bei Wiegandt. Der Vortrag einiger Lieder gestaltete das fröhliche Zusammensein derart, daß man sich erst in früher Morgenstunde trennte. Am Sonntag abend dann im Saale des Hotel Einhorn ein Familien- abend mit Tanz statt, zu dem viele eingeladene Gäste erschienen waren. Der Dirigent des Vereins Lehrer Albach, verstand es, durch Vortrag einiger schöner Lieder sowie Couplets die Anwesenden in richtige Feststimmung zu versetzen, und wurde durch reichen Beifall gelohnt. Möge diese Sympathie dem Verein erhalten bleiben, dann kann er mit Stolz nächstes Jahr sein 60jährigeS Jubiläum feiern. " Der Turnverein Gießen hielt gestern abend unter dem Vorsitz von L. Althoff im Cafö Ebel seine ordentliche Generalversammlung ab. Der vom Vorsitzenden erstattete Nechenschastsbericht über daS abgelaufene Vereinsjahr verzeichnet zunächst ein fleißiges Arbeiten des Vorstandes. Die Mitgliederzahl ist wie im Vorjahre 684, darunter 604 Turner, 55 Zöglinge und 25 Damen. Der Verein ist nach der Größe im Kreis der achte und im Gau Hessen der erste. Zu Ehren der sieben verstorbenen Mitglieder erhob sich die Versammlung von den Sitzen. Der Bericht gedachte ferner der verschiedenen Arbeiten zur Er- höhung der Fenersicherheit der Turnhalle, wobei insbesondere das Entgegenkommen des Provinzialdirektors Geheimrat Dr. Breidert erwähnt rourbe. AuS der sonstigen Vereinstätigkeit sand insbesondere die Mitwirkling des Vereins beim Feuerwehrjubiläum und der bevorstehenden Weibe des Schiller- Gedenksteins durch die Gießener Turnerschaft Erwähnung Von den turnerischen Veranstaltungen in Gau und Kreis tuiirbc außer bert Festen der Gauturntag besucht, währenb von ber Beschickung beS KreiSturntages unb deS KreiS- VorturnerturnenS wegen ber weiten Entfernung ber betreffenben Tagungsorte Abstand genommen würbe. Turnwart Piper berichtete über den Turnbetrieb, daß an 90 Abenden Riegen- turnen mit durchschnittlich 35 Teilnehmern und an 26 Abenden Kürturnen mit durchschnittlich 26 Teilnehmern stattfand. Die Tamenabteilung turnte an 49 Abenden mit durchschnittlich 14 Teilnehmerinnen. Schön entwickelt hat sich das Turnen ber Männerriege. Der Verein beteiligte sich turnerisch an ber Gautnrnsahrt nach Nieber-Wöllstabt, am Gautnrnfest in Alsfeld, Feldberg-, Dünsberg-, Rhön- unb Jnselsbergfest, und eS gelang überall, Preise zu erringen. Turngänge fanden drei statt. Bezüglich der Kassenführung 1903—04 wurde dem Rechner Erle Entlastung erteilt. Die Rechnungsablage für 1904 — 1905 ergab in Einnahme 6043.74 Mk. und in Ausgabe 5787.28 Mk., von welcher Summe 200 Mk. an Darlehen zurückbezahlt lind 400 Mk. verzinslich angelegt würben. Das Venilögen beträgt nach Abzug der Schulden 53 135.18 Mk. Die Vorstandswahl brachte im allgemeinen Wiederwahl der seitherigen Mitglieder, neugewählt wurden als Schriftwarte die Turner Lenz und Dreuke, als 1. Tnrn- wart K. Müller, als Turnältester Will und als Beisitzer Piper. Ein Antrag auf Erhöhung des Mitgliederbeitrages von 4 nur 6 Mk. jährlich vom 1. April 1906 ab fand einstimmige Annahme. Der Beschlliß unterliegt noch der Genehmigung einer demnächstigen außerordentlichen Generalversammlung. DaS Eintrittsgeld wird auf 2 Mk. erhöht, dagegen soll der Zöglingsbeitrag in seitheriger Höhe erhoben werden. Die Besprechung über das im nächsten Jahre zu feiernde 60jährige Stiftungsfest wurde zurückgestellt bis zur außerordentlichen Generalversammlung: als Zeit wurde der 14 Tag nach dem mittelrheinischen KreiSturnsest liegende Sonntag, spätestens aber Mitte August, in Aussicht genommen. *• In der Strafsache gegen den Jmm o bili en- makler A. Jacob von hier, dessen Verurteilung wegen Betrugs zu 6 Monate Gefängnis und 3jährigem Ehrverlust wir kürzlich meldeten, wird von den Verteidigern die Revision beim Reichsgericht betrieben. Jacob, der, trotzdem er 10 000 Mk. Kaution gestellt hat, die allerdings für den Fall der Freigabe von dritter Seite mit Arrest belegt wurde, nach seiner Verurteilung von der Strafkammer in Haft genommen wurde, ist auf seine Beschwerde gegen diese Maßnahme, auf Verfügung des ObcrlandeSgerichtS, wieder auf 'reien Fuß gesetzt worden. " Reife Himbeeren und Himbeer- und Veilchenblüten, die man in diesen kalten Tagen in Hausen im Garten des Heinrich Fink II. sand, wurden unS gestern auf daS Redaktionsbureau gebracht. Daß diese zweite Himbeerernte dieses JahreS reichhaltig und wohlschmeckend auSfalle, ist unser frommer Wunsch. D. Wieseck, 24. Oft. Der hiesige Kriegerverein hielt am vergangenen Sonntag eine Generalversammlung ab, die in bester Weise verlief. Bei der Vorstandswahl wurden sowohl der verdiente Präsident Kaufmann Friedrich Keßler, wie auch die übrigen Vorstandsmitglieder wiedergewählt. Der Mitgliederbestand deS Vereins ist gut, doch wurde es als wünschenswert bezeichnet, daß ihm noch mehr jüngere Leute beitreten möchten. Lich, 23. Oft. Wie der Lanbz. mitgeteilt wird, erfolgt in den ersten Tagen die Auszahlung der Kaus- g e l d e r für daS zum Bahnbau Butzbach- Lich ange- laufte Gelände und zwar durch den Rechner W. Weick- hard von Butzbach, nachdem die Eigentumsurfunden durch baS Amtsgericht Lich nach vielen Anstäuben ausgestellt worben finb. Friedberg, 22. Oft. Von einem hiesigen Bürger sind zur Errichtung eines Volksbades 50000 Mk. zur Verfügung gestellt worden mit der Bedingung, daß weitere 50 000 Mark seitens der Bürgerschaft oder auswärts wohnender Friedberger für diesen Zweck aufgebracht werden. Damit ist die Errichtung eines Volfsbades gesichert. — Das 17. Maintalsängerfest wird vom 30. Juni bis 2. Juli 1906 in unserer Stadt abgehalten werden. (B. N. A.) — Birklar, 23. Oft. Aus Anlaß seiner ununterbrochenen 40jährigen Dienstzeit auf dem Hofgut Birklar überreichte Kreisamtmann Hechler in Gegenwart deS Gemeinde- rats dem 64 Jahre alten Kutscher Konrad Wirth hier ein vom Großherzog gespendetes Geldgeschenk. Mainz, 22. Oft. Die Stadt hat abermals ein ganz bedeutendes Gelände, größtenteils in ber Gemarfung Mombach, für 350 000 Mk. erworben. — Bürgermeister Dr. Göttelmann hält bie Bestellung eines juristisch gebilbeten, nationat-öfonomisch und sozialpolitisch erfahrenen besoldeten Beigeordneten für die städtische Verwaltung für unentbehrlich. Schon in den nächsten Tagen wird der Senioren-Konvent ber Stadtverorbnetenversammlung zusammentreten, um sich mit bieser Frage zu befaßen. (F. Z.) * Alpine 91? i f f e i f it n ” r n ous Hessen unb den Nachbarstaaten. In einem Runberlaß des preuß. Ministeriums für Landwirtschaft wirb rnitgeteilt, baß die Herstellung des I in p f- ft o f f e § zur Immunisierung der Rinder gegen bie Tuberknlaie nach Koch Schütz den Farbwerken uorm. Meister, Lucius und Brüning in H ö ch st a. M. übertragen worden ist. Die Abaabe des Impfstoffe? erfolgt vom 1. November ds. Js. ab und zwar ausfcklieblick an Tierärzte. Derinifcbte»« * Tie Stellvertreterin beim Hochzeitsmahl. In Geislingen a. S. sollte vor dem Standesamt eine Trauung ftattfiiiben; ite mußte aber verschoben werden, weil sich eine Familienvermebrung eingestellt hatte. Anders War es mit dem F-estmahl. das b-'raerichtet war: das konnte nicht verschoben werden Tie Gäste fand"n sich auch bald ein und in dankenswerter Werse, zog die Schwester der Braut das Brautkleid an und spielte die Nolle der Neuvermählten am Arme ihres Schwagers. Erst Tags darauf erfuhren die verblüfften Hochzeitsgäste, daß eine Pseudobraut auf der Hochzeit gewesen war. * Kleine Tages ckronik. Auf dem Wege von ber Sommerfrische Gohrisch nach dem Bahnhof Königstein gr. Sachsenl würbe die Witwe Opitz ermordet aufgefunden. Kleider und Neisetasche fehlten. Die Frau besaß in Gohrisch eine Villa. Vermutlich handelt es sich um einen Lustmord. — Zwischen Basel und Riehen wurden die Insassen eines in rasender Geschwindigkeit fahrenden Automobils heraus- geschlendert. Ein Herr aus Lörrach in Baden namens Zimmermann wurde getötet Mniversttäts-Nachrichten. — Wie uns aus Halle a. S. telegraphiert wird, ist dort der Kultusminister Studt in Begleitung W Geheimrats Dr. Elster eingetroffen, um -L-. Exz. Geheimrat Professor Dr. Kühn aus Anlaß seines 80. Geburtstages persönlich zu beglückwünschen. Minister Studt überreichte dem Jubilar den Stern zum K'ronen- orden zweiter Klasse. () Marburg, 23. Oft. Nach dem akademischen Adreßkalender zählt der akademische Lehrkörper rund 118 Mitglieder ferner werden 33 studentische Vereine und Korporationen aufgeführt. — Ter außerordentliche Professor Tr. Erich Lerer zu Berlin ist zum ordentlichen Professor in der Medizinischen Fakultät der Universität zu Königsberg ernannt worden. — Aus Anlaß des Geburtstages ber Kaiserin würbe verliehen' bie Rote Kreuz-Medaille 3. Klasse: bem Stabsarzt Tr. Hans Rampoldt in Darmstadt, dem Med.-Rat Tr. Emil Voat in B"«-b^ch, dem Med.-Rat Prof. Tr. Isidor Gröde! in B"d-No"st-irn Sport. Leipzig, 23. Okt. Bei dem gestrigen P r ä m i en fa hr en des RadfahrervereinS Habicht auf dem hiesigen. Sport- Platze stürzte der Fahrer Alwin Donner infolge eines Reifen- defektes — bet Pneumatik löste sich aus der Felge — und zog sich eine Gch'merschütter'ing und einen Schödelbruch zu. Donner ist ssin"" proz. Pri"r'tätsoblia^tion-n b^r SNtzdeutschen Eisenbahngesellschaft, von 1904 zur Frankfurter Börse. Japanische Anleihe. Tie Einzahlung auf bie letzte iapanische Anleihe bleibt nun doch fürs erste in Berlin. Tie Gelder fließen in die Reichsbank, in die Seehandlung und an v-rschiedene Banken Erstere gibt Schatzscheine von etwa 10 Mill. Mark. Tie übrigen Gelder sind teils täglich, teils auf etwa längere Zeit untergebracht, jedoch sind keine festen Termine bestimmt. , ~ . Zur russischen Anlerbe. Deruglzch beS gegenwärtigen Stander ber in Petersburg geführten Anleiheverhandlungen erfährt ber Pariser Korrespondent bet „F. Z", daß von deutscher Seite wenig Entgegenkommen gezeigt wird und daher bn* Kombination einer internationalen Anleihe momentan aussichtslos scheint. — Es ist aber dem Pariser Korrespondenten der „F.-Z." nicht «cht zu traue». Märkte. Gießen, 2^. Okt. Marktbericht. A»lf heutigem Wochenmarkt kosteten: Butter pr. Pfd. 1.10—1.15 Mk., Hühnereier 1 Gt. 8—9 Big. 2 Stck. 00—00 Big., Gänseeier 15—00 Psg., Enteneier 6—7 Pfg., Käse vr. Stck. 6—8 Pf., Kasematte 2Stck. 5—6 Psg. Erbfen pr.Liter 21 Pfg., Linien pr. Li ter 32 Pfg., Tauben vr. Paar 0.80—0,90 Mk., Hühner pr.St. 1,00—1,00 Mk., Halme pr. Stück 0,8u ' 80 Mk., Enten pr. Stück 1,80—2,20 Mk., Gänse vn Md. 0.0-7 -., Ockfen st eisest pr. Md. 72—82 Pfg., Kust-und Rindfleisch vr. na 70—72 Pfg., Schwei'w- steiscst pr. Mund 76—86 Psg., Sckivei: sisch, gesalzen, pr. Pfund 90 Pfg., Kalbfleisch pr. Pfd. 70—80 Psg., Hammelfleisch pr. Pfund B0—76 Pfg. Welfcke per Pfund —.— Kartoffeln vr. 100 Kg. 5,00—5,50 Mk., Zwiebeln pr. Ztr. 5,CO—6,00 31L, Milch per Liter 20 Psg., 9krfel per Pfund 10 bis 25 Pfg., in Körben 00 Pfg., Nüsse 100 Stück 30—40 Pfg., Birnen per Zentner 8 bis 10 Mk. Weißkraut 0.07—0.10 Mk. Marktzeit 8—2 11 hr. n.) Ulfa, 23. Okt. Seit Wiedereröffnung ber S chwei n e- märkte in unserem Orte fand heute der zweite Markt statt. Es waren über 200 Stück Ferkel und Einleger aufgetricBcn, die größtenteils Msatz fanden, da bei den billigen Kartoffeln und teuren Preise der fetten Schweine, deren Zucht sehr stark im Schwünge ist. Entsvreckend den Preisen für schlachtreife Schweine sind auch die für Ferkel und Einleger sehr stoch. Erstere kosteten das Paar, 5—6 Wock^n alt, 40—50 Mark, während letztere mit 100—150 Mark bezahlt wurden. Trotz des winterlichen Schneegestöbers war das Treiben auf dem Markte recht lebhaft. £ t r tfl l i rä e a elbuerhcl|t Hypothekenkapital in jeder Höhe zu 38/4°/0 Beleihung bis 60°/o. Während der Bauzeit Abschlagszahlrmg. Ferner 65000 Mark Privatgelder, geteilt, mt 1. 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Sind. phil. erteilt Privat- und Nachhilfestunden in Latein., Griech.,Französ., Engl.,Deutsch ev. Ueberwachung aller Schul-Aufgaben. Näheres in der ®efchfift§- stelle des Gieß. Anz. [07238 Fabrikbesitzertochter, 24 I., blond, V. 150 000 JC, w. sich m. charakterv. ges. Herrn bald zu verehel. Verm. Nebens. Briefe an „Zides" Kerliu 18. __________sV%__________. Wer n>., erh.sof.gr.Ausw reiche yllUU 0. Damen m. 3 bis 220000 M. Denn. Send. Sie nur Adr.a.,.Verita8",8erlin ki.39. sl*7i. "BrÜlantohning am Sonntag verloren. Wieder« bringet gute Belolmnng. 07217______Gartenftratze 28. Cnhirm vertauscht im Mvliil Lil Philosophenwald Sonntag, den 22. Oktober. [07190 Umtausch Neustadt 17, H. Dienstag und Donnerstag Geimtl. Abclld im Seemaunsheim. ’v&aaKHW II w— Sliit-Ttatfr Gtaei Direktion Hermann Steingoetter Dienstag, den 24. Oktober 3. Dienstag-Äbonn.-Vorstellnng Die Herren Ahse. Volksstück in 3 Akten von Oskar Walter u. Leo Stein.