Urrsstsche Neuigkeiten. Der Semstwo-Kongreß. Moskau, 22. Juli. In der gestrigen Sitzung bet Vertreter des Semstwokongresses wurde eine Resolution gefaßt, in der es heißt: „Im .Hinblick auf die häufigen Verletzungen der bestehenden Gesetze mässen alte mit friedlichen Mitteln für die Aufrechterhaltung der Menschenrechte eintreten. doch schließt dieses nicht aus, daß bei solchen Gesetzcsüberschreitungen nötigenfalls auch der Obrigkeit der Gehorsam verweigert werde." Tann wurde dcr Entwurf eines Aufrufes an das Volk verlesen, in dem der Gong der jüngsten Ereignisse klargelegt wird und das Volk aufgefordert wird, sich zur Beratung der Volksvertreterfrage in Gruppen zu vereinigen. Gegen diesen Aufruf wurde geltend gemocht, daß er der Kategorie der revolutionären Proklamationen zugczählt werden und auch das Eingreifen der Behörden gegen die Volksmassen Hervorrufen könne. Andere sahen int (Hegenteil in diesem Llufruf ein Gegengewicht gegen solche Proklamationen. Es wurde dann mit allen gegen fünf Stimmen beschlossen, den Aufruf zu erlassen. Die anwesenden Vertreter der Presse brachten einen Protest gegen die jüngsten administrativen Maßregelungen oer Presse ein. Moskau, 20. Juli. Der Semstwokongreß hielt in der letzten Rächt eine weitere Sitzung ab. In dieser wurde ein Antrag des Fürsten Dolgoruki angenommen, nach dem zu der nächsten Zusammenkunft die Vertreter der Grenzgebiete und Oertlichkeiten, bei denen die Lemstlvoeinrich- tungen noch nicht eingeführt sind, sowie die Vertreter der landwirtschaftlichen und Kreditgesellschaften eingeladen werden sollen. Zur Beschaffung der Mittel der Geschäftsführung wurde beschlossen, jeder Semstwo-Dele- gation 250 Rubel und jeder städtischen einen Beitrag auf- zuerlegen. Ein Vorschlag Kowalewskis, zur nächsten <Ätzung Bauern einzuladen, wurde angenommen. Dagegen fand ein Antrag Karpow auf Einladung von Vertretern von Arbeiterorganisationen keinen Beifall, andern wurde dem Bureau überwiesen. Bezüglich des Ge- etzesprojektes Bulygins wurde eine Resolution angenommen, laß es im höchsten Grade wichtig sei, gerade jetzt Aenßer- ungen der Gesellschaft über die Stellung zum Projekte Bulygins hervorzurufcn. Die Versammlung fand es für notwendig, im Laufe des Juli allerorts Volksversammlungen so zu organisieren, wie es unter den örtlichen Bedingungen möglich sei, und den Versammlungen! die durch den gegenwärtigen Kongreß über das Projekt Bulygins gefaßten Beschlüsse vorzulegen. Die Versammlung nahm den Antrag Rowossilzews an, die Regierung aufzufordern, sie möge im Hinblick auf die Rußland bedrohende Hungersnot die Gouvernementssemstwos mit Verpflegungsmitteln versehen, damit zur Befriedigung der Bedürfnisse der Bevölkerung Semstwoorganisationen gebildet würden. Die Versammlung schob die Erörterung der Frage über- die Gleich st ellung der Frauen in politischen Rechten bis zur Aenderung der Bedingungen des russischen Lebens auf. Die Sitzung wurde uM 3 Uhr morgens geschlossen. Moskau, 23. Jüli. Im Semstwokongreß führten einige Redner eine so scharfe und leidenschaftliche Sprache gegen das jetzige Regime, daß mehrere kaisertreue Mitglieder den Saal verließen. Ein Redner rief: „Wir stehen vor der Mernative: hie Kaiser, hie Semstwo — ich blribe bei meinem Kaiser." — Im Herbst soll ein zweiter Semstwv- kongreß stattfinden. Moskau, 23. Juli. Der Semstwokongreß ist geschlossen worden. Ausstände, Komplotts rc. Petersburg, 22. Juli. In der Mehrzahl der Zett- ungsdruckercien, Handwerksbetrieben usw. ist ein neuer Ausstand ausgebrochen. Die Gesamtzahl der feiernden Arbeiter beläuft sich auf etwa 150 000. Gewisse Kreise verbreiten/ daß Generalgouverneur Trepow heute in Moskau geweilt und dort ermordet worden sei. Man glaubt damit die Arbeiterschaft zu größeren Kundgebungen zu veranlassen.. General Trepow hat heute mittag regelmäßigen Empfang abgehalten. — In dem eine Stunde von Petersburg gelegenen Seekurort Sestrorezk versuchten am 22. gegen 500 Arbeiter eine Kundgebung zu veranstalten. Sie lieferten jedoch auf die erste Aufforderung der Landpolizei, eine rote und zwei schwarze Flaggen, die sie mit sich führten, aus und gingen, ohne Widerstand zu leisten, auseinander. In dem Theater desselben Ortes entstand eine große Panik, als jemand das Verlangen stellte, daß für die Opfer vom 22. Januar eine Seelenmesse gelesen werden solle und infolgedesien ein Polizeiaufgebot in den Saal drang. Das Publikum, unter ihm auch Kinder, floh in wilder Angst, die noch durch das Erscheinen von Infanterie gesteigert wurde, ins Freie, da das Gerücht ging, daß die Truppen Befehl hätten, sofort zu feuern. Odessa, 23. Juli. In Kartamischewka fand ein Zu- sarnmenstoß zwischen dem Militär und einer BauernvVr- sammlung statt, wobei zahlreiche Personen getötet und verwundet wurden. Hundert Verhaftungen wurden vorgenommen. Paris, 22. Juli. „Petit Parisien" meldet aus Odessa: Infolge Entdeckung eines nmfangreichen Komplotts! unter den Mannschaften der Schwarzen Meer flotte und Angestellten des Arsenals in Sewastopol sind die üblichen Flottenmanöver, welche demnächst stattfinden sollten, aufgegeben worden. Es heißt ferner, daß die Kriegsschiffe desarmiert würden. Kowno, 23. Juli. In einem hiesigen Regiment» das nach dem Kriegsschauplatz abkommandiert war, ist eine Meuterei ausgebrochen. Der Abmarsch nach der Mandschurei unterblieb. »ungeti JMrb. Hilfe sucht Stellung. rttlein ! x Familie, welches Mw""- M W leluchs ■ Mädchen Mi Bta ISS* WM t MMi Wiidchei, M^den geg. cntfpt. V gesucht von Frau MUinkiurterStri^ -Nirchenplah lij •'ßmäbdien |en und Hausarbeit hohen Lohnaes. Neueuweg 38. auffrau gesucht,^ fCltcrbtoegjijL icher >d Hausarbeit zum us5 Nr. 171 Zweites Blatt 155. Jahrgang Erscheint SßNch mü VuSnahrn« des Vcmntag» Die «Sietzener tfantnienbiatter* werden dem ,Anzetger viermal wöchentlich beigelegt. Der ^«llisch« Caiöettr erschetal monatlich einmal. Gießener Anzeiger Montag ÄS. Juli 1905 Rotationsdruck and Verlag der vrühlfchr» UnwerftlütSdruckeret. 5L Laag«, Dietzen. Redaktion, Expedition n.Druckerei: kchutstr.7. Tel. Rr. 6L Tel eg Adr. i Anzeiger Dietz«. General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Eichen. Bekanntmachung. Unter dem Schweinebestand des Fr. Bi er au zu Lollar ist ein Fall von Rotlaufseuche festgestellt worden. Gehöftsperre ist verhängt. Gießen, den 21. Juli 1905. Großherzogliches Kreisamt Gießen. I. V.: Hechler. ? ----- ... ■■■!■- .... __________'!■»■■■ Deutsche Geschwader in nördlichen Gewässern. Kopenhagen, 22. Juli. Um 3H» Uhr nachm. begab sich der K ö n i g in Begleitung des Kronprinzen und der Prinzen Karl und Harald an Bord der Jacht „Danebrog", um dem deutschen Geschwader einen Besuch abzustatten. Der König trug Admiralsuniform mit dem Bande des Schwarzen Adlerordens. Ms der „Dane- brog" anlegte, feuerten die deutschen und die dänischen Kriegsschiffe Salut. Auf den deutschen Schissen „Aegir" und „Fritlyof" paradierten die Mannschaften und brachten beim Vorbeifahren der königlichen Jacht drei Hurras aus. Mle Schiffe haben über die Toppen geflaggt. Um 4 Uhr begaben sich der König, der Kronprinz, die Prinzen und der Marineminister in der königl. Schaluppe zum deutschen Admiralsschiff „Kaiser Wilhelm II." An der Fallreeptreppe wurde der König von dem Großadmiral v. Köster und dem Vizeadmiral Baudissin empfangen. Gleichzeitig hißte das Ad- miralsschiff die dänische Königsflagge. An Bord des Admiralsschiffes^ befanden sich sämtliche Kommandanten der deutschen Schiffe, die dem Könige vorgestellt wurden. Der König besichtigte darauf das Schiff und sprach seine Freude darüber aus, daß das deutsche Geschwader Kopenhagen besucht habe, und daß er schöne Schiffe gesehen habe. Sodann verließ der König mit seiner Begleitung das Schiff und kehrte, in den Hafen zurück. Die im Hafen liegenden deuffchen und dänischen Kriegsschiffe waren abends glänzend beleuchtet. Es fanden sich viele tausend Einwohner Kopenhagens ein, um das prächtige Bild zu bewundern. Besonders schön waren das beutfd)e 'Admirals- und Vizeadmiralsschiff beleuchtet, die in zahllosen Glühlichtern den gekrönten Namenszug des Königs Christian zeigten. Der dänische Seeoffiziersverein veranstaltete auf Marienly ein Festessen für die deutschen Offiziere. Kontreadmiral Scheller brachte einen Drinkspruch auf Kaiser Wilhelm und König Christian aus. Der deuffche Korvettenkapitän Wedding trank auf die dänische Marine und dankte für den kameradschaftlichen Empfang. Er gab der Hoffnung der deuffchen Offiziere Ausdruck, die dänische Marine bald als Gästin deutschen Häfen begrüßen zu können. Gestern abend fand auf Schloß Amalienborg Galatafel statt, an der der König, der Kronprinz, die Kronprinzeffin, Prinz und Prinzeffin Waldemare, Prinz und Prinzessin Karl, Prinzessin Luise von Schaumburg-Lippe und Prinz Harald teilnahmen. Ferner waren geladen: Großadmiral von Köster,^ Vizeadmiral Baudissin, Ministerpräsident Christensen, der Minister der auswärtigen Angelegenheiten GrafRaden- Levetzau, der deutsche Gesandte v. Schön, wie die deutschen und dänischen Schiffskommandanten und Stabschefs usw. Der König brachte einen Drinkspruch auf den deutschen Kaiser und die deutsche Marine aus. Die Musik spielte: „Heil Dir im Siegerkranz" Großadmiral v. Köster dankte für brit Empfang, der dem deuffchen Geschwader sowohl vom Könige, wie von den dänischen Behörden und der dänischen Bevölkerung zuteil geworden sei und schloß mit einem Hoch auf den König. Die Musik spielte die dänische Nationalhymne. Die deuffchen Offiziere waren in königlichen Equipagen nach dem Schlosse gebracht worden. Der König verlieh an die deutschen Seeoffiziere zahlreiche Ordensanszeichnungen. An Bord des Flaggschiffes „Kaiser Wilhelm II." hat heute nachmittag eine Festlichkeit stattgefunden, zu der auch Prinz Waldemar erschienen war. Göteborg, 23. Juli. Die Stadt gab gestern abend anläßlich des Besuches des deuffchen Geschwaders ein venetianisches" Fest, an dem Prinz Wilhelm von Schweden teilnahm. Landeshauptmann Lagerbring brachte einen Drin kspruch auf den deutschen Kaiser und die deutsche Marine aus. Der deuffche Vizeadmiral Fi scheltoa st ete aufKönig Oskar, Bürgermeister Sunstedt auf die deuffche Nation. Die im Fjord liegenden deuffchen und schwedischen Kriegsschiffe waren festlich beleuchtet. Madame Ea France und der russische Bär. Paris, 23. Juli. Jtt einer Note des „Temps" über die Unterredung Rittes mit Rouvier heißt Die russische Regierung ist der Ansicht, daß eine Allianz Ait Frankreich ihr die Verpflichtung a ufert ege, das französische Käbinett über ihre Anschauungen inbetreff der bevorstehenden Fviedensverhandln na en zu unterrichten. Mich die finanziellen Seiten dieser Frage sowohl für die nähere wie für die weitere Zukunft wurden erörtert. Im übrigen wurde dre Uebereinstimmung derbeiden Regierunge n betreffs der unversehrten Aufrechterhaltung des Bündnisses festgestellt. Dasselbe wurde als ebenso wünschenswert wie ie anerkannt, da es den Einklang der russische:: und französischen Politik auf veffchiedenen Gebieten sichern solle, wo sich die beiden Staaten gegenseitig diplomatischen Bei st and leisten köimen. Deutsches Reich. Berlin, 22. Juli. ' Auf Anordnung des Kaisers werden demnächst an den Wandflächen der Cadiner Gutskapelle die TrauungSsprüche des Kaiserpaares und des Kronprinzenpaares, sowie die Konfirmations- sprüche der kaiserlichen Kinder angebracht werden. Die Kaiserin ließ sich dieser Tage von dem Elbinger Maler Brandt einige Muster für die Spruchbänder vorlegen und traf dann selbst eine Auswahl aus den Vorlagen, die sie dem Kaiser zur Ansicht zusandte. Freienwalde a. d. D., 22. Juli. Bei der gestern erfolgten Reichstags-Stichwahl wurde Prof. Pauli- t Eberswalde (Re i cb s p.) mit ü?48 Stimmen gegen den Stadtverordneten BrunS-Berlin (Soz.), der 7590 Stimmen erhielt, gewählt. (Da bei der Hauptwahl die auf die Kandidaten entfallene Stimmenzahl runb 6300 und 6200 betragen hatte, haben sich die 3500 freisinnigen Stimmen geteilt, dem Reichs- parteiler ist aber der größere Teil zugefallen.) Bocholt, 23. Juli. Gegen die Kritik der Presse sind hier die Stadtväter recht empstndlich. Stadt. Kommerzienrat Schwartz ersuchte in der letzten Sitzung den Bürgermeister Geller, Anordnungen zu treffen, daß in den Berichten kritische Anzapfungen unterblieben; persönliche Anzapfungen und parteiische Bemerkungen zu machen, sei nicht gestattet. Diesen Ausführungen schloß sich Stadtv. Wiethold an. Der Bürgermeister sagte, irgend einen Druck könne und wolle er nicht ausüben, da man sonst der Meinung sein könne, er wolle eine Kritik unterdrücken. Die Stadtverwaltung sei im allgemeinen so gestellt, daß sie eine Kritik gut aiishalten könne. Wenn die Berichte einmal falsch seien, so läge das daran, daß es schwer sei, sich plötzlich in die Dinge, die im Kollegium zur Sprache kämen, hineinzudenken. Stadtv. Marx erwähnte, ein hiesiger Redakteur habe ihm geklagt, daß es bei der unparlamentarischen Führung der Verhandlungen oft nicht möglich sei, den Verhandlungen zu folgen, wenn alle Redner zusammen sprächen. Er bat deshalb, die Verhandlungen streng parlamentarisch zu führen. Elbing, 23. Juli. Zur Einweihung des Denkmals Kaiser Wilhelms I. trafen die Kaiserin, die Prinzen Eitel Friedrich, Adalbert und Oskar heute hier ein. Zur Feier waren u. a. noch erschienen Kultusminister Dr. Studt und Füfft zu Dohna-Schlobitten. Prinz Eitel Friedrich legte einen Kranz am Denkmal nieder. Um 121/3 Uhr erfolgte die Abfahrt der Kaiserin nach (Sabinen. Die Prinzen Eitel Friebrich unb Abalbert nahmen an bem Festmahl teil, bei dem Prinz Eitel Friebrich eine Ansprache hielt, bie in einem Hurra auf den Kaiser auSklang. Oberbürgermeister Elbitt, ber zum Geh. RegierungSrat ernannt würbe, brachte ein Hoch auf bie beiben Prinzen aus. Im Namen ber Gäste bankte Minister Stubt in einer Rebe, in ber er bie Erwartung aussprach, daß ber Elbinger Stabt- unb LanbkreiS ber Regierung in ben Ostmarken treu zur Seite stehen werbe. Stuttgart, 22. Juli. Die Kammer der Stanbes- herren hat in ihrer heutigen Sitzung bie Forberung von 50 000 Mk. für bie Vorarbeiten zur Necka rka nalif at i on zugestimmt. Ebenso ist ber Kammer ber Resolution ber Abgeordnetenkammer gegen bie Erhebung von Schisfahrts - abgaben auf bem Rhein einstimmig beigetreten. Koburg, 23. Juli. Unter bem Geläute sämtlicher Kirchenglocken unb bem Kanonenbonner der Feste Koburg hielt vormittags halb 10 Uhr Herzog Karl Ebuard seinen Einzug in bie Stabt. Von Schloß Callenberg fuhr der Herzog durch bie reichgeschmückten Straßen, in benen bie Schulen, Vereine unb Korporationen Spalier bildeten und eine nach Tausenden zählende Volksmenge ben Landesherm jubelnb begrüßte. Vor bem Schlosse Ehrenburg schritt ber Herzog bie Front ber Ehrenkompagnie ab unb begab sich in das Schloß, wo er von ben anwesenben Fürstlichkeiten empfangen würbe. Um 10.15 Uhr wurde ein FestgotteSdienst abgehalten. Keer und Motte. Straßburg i. E., 23. Juli. Dem Vernehmen nach werden im kämmenden Frühjahr das JnfanterieregimeM Nr. 126 von Straßburg nach Zabern, das Infanterieregiment Nr. 99 von Zabern nadj Dudenhofen und ein dortiges nach Straßburg ver- legt. andere leichtere Speerwunden erhalten. Die Papuas wurden verjagt, fünf von ihnen getötet. Paris, 23. Juli. Bezüglich der Frage der Entsendung eines französischen Geschwaders nach den Vereinigten Staaten haben Rouvier und Thomson nunmehr cudgiltig Beschluß gefaßt. Das Geschwader wird Ende Oktober abgehen. Ausland. Christiattia, 22. Juli. In geheimer Sitzung nahm das Storthing frigenbe Zusatzbestimmungen zum Tabakzoll an: Auf Rohtabak soll, sobald die Stiele entfernt sind, der Zoll für Blätter und Karotten mit 10 Prozent Zuschlag belegt werden. Die Tara für Verpackung wird von 10 Proz. auf 4 Proz. herabgesetzt, was dem wirklichen Gewicht entspricht. Diese Beschlüsse sind sofort von der Regierung bestätigt. Zürich, 23. Juli. Gestern wurden hier und in Basel etwa 20 Anarchisten auf Anordnung der Bundesanwaltschaft in Bern fest genommen. Den Grund bildet eine Anzahl blutrünstiger Artikel in dem hiesigen anarchistischen „Weckruf". Eine Anzahl dürfte ausgewiesen, andere, weil Schweizer Bürger, hier vor Gericht gestellt werden. Belgrad, 23. Juli. Um 6 Uhr nachmittags wären tue Wahlen im ganzen Lande abgeschlchfen. Die Jungradikalen siegten. In Ktagujewatz vereitelten Sozialisten gewalttätig die Wahlen. In Prokuplje wurde ein Lehrer und in einem Dorfe nächst Leskowatz ber Dorfsvorstand erschlagen. Salvnichi, 23. Juli. Eine starke bulgarische Bande überfiel die Ortschaften Waltino imb Grebeschnitza im Bilajet Mo- nastir und erschlug den größten Teil der Bevölkerung. Die Behörden leiteten eine energische Verfolgung ein. Konstantinopel, 21. Juli. Das hinterlassene Bar- vermogen des Großscherifs von Mekka wird auf 30 Mill. Franks geschätzt, die er hauptsächlich durch systematische Plünderung derPilaerzüge zusammengebracht hat. Sein hier lebender Bruder Willah Pascha lehMe die ihm vom Sultan^ angetragene Nachfolgeschaft ab und voraussichtlich wird der Sohn oder Neffe des berüchtigten früheren Großscherifs Llbdullai Mu- talib, der nach den Christenmetzeleien in Djeddah 1859 abgesetzt wurde, zum Großscherif von Mekka ernannt werden. Tientsin, 22. Juli. Ein Korrespondent hörte bei Besprechungen mit öerfefriebenen Vertretern Deutschlands, so mit dem Generalwnsnl in Shmghai, dem Gouverneur von Tsingtau und den Konsuln in Tientsin übereinstimmend die Meinung ausdrücken, daß für den deutschen Handel vorläufig von Japan und China nichts zu befürchten, jedoch politisch viel Widerstand zu erwarten fei. Sidney, 22. Juli. Mit Bezug auf die Marschallin s e l n behauptet der frühere australische Premierminister Deakin, er habe beunruhigende Nachrichten erhalten. Es sei keine Aktion der deutschen Regierung ersichtlich, auch kein Versprechen baldiger vertragsmäßiger Herstellung des offenen Handels vorhanden. Der letzte K'abinettsrat hat wettere Vorstellungen beschlossen. — Der Dampfer „Willehad" meldet, daß die PapuaS nördlich von der Junospitze (Deutsch Neu-Guinea) die zur Beschützung der Eingeborenen vor einem Jnlandsstamm unter Stuckarts Führung abgeschickte Expedition nachts überfallen haben. Der Kapitän Möller habe mehffache, drei Warschau, 23. Juli. Durch die gegenwärtigen Zustände ist daS große vom Staat erhaltene Theater dem Bankerott nahe gekommen. Seit zwei Monaten haben die Künstler keine Gage erhalten. Ein Gedenktag. Petersburg, 22. Juli. Heute, am sechsmonatlichen Gedenktage der Januar Unruhen feiern die Arbeiter aller Fabriken, Druckereien, des Bauhandwerks und anderer Berufe. Tausende von Arbeitern aus Kolpino sowie von den Obuchowwerken und aus dem Schlüsselburger Bezirk versammeln sich auf dem Preobraschenski-Kirchhof außerhalb der Stadt. Sehr starke Kosaken- und Infanterie-Abteilungen wurden zum Zwecke der Aufrechterhaltung der Ordnung dahin entsandt. Der Generalgouverneur hatte bereits gestern abend weitgehende Schutzmaßnahmen getroffen. So sind von auswärts zur Verstärkung der Garnison weitere Kosaken und Jnfanterietruppen im Laufe der Nacht herangezogen worden. Die Fabrikviertel, besonders die Stadtteile auf Wassillj Ostrom, auf der Narwaer, Moskauer, Petersburger und Wyborger Seite sind durch starke Truppenkordons abgesperrt. Bis zum Nachmittag liegen keine Nachrichten von ruhe- stärenden Kundgebungen oder Zusammenstößen vor. Der Minister des Innern ordnete wegen der in der letzten Zeit vorgekommenen Mißverständnisse an, daß von den Regierungsbehörden oder amtlichen Personen herrührende Mitteilungen im „Regierungsboten" nur mit Angabe der Quelle, aus der sie stammen, veröffentlicht werden, und daß, wenn die Angabe fortbleiben solle, die Genehmigung des Ministers des Innern eingeholt werden müsse. Kirche und Schute. — Eine beherzigenswerte Mahnung bat die Schuldeputation zu Höchst o. M. an die Eltern der Schulkinder gerichtet. Sie lautet: Die Lehrerschaft unserer Schulen bat vielfach die betrübende Wahrnehmung machen müssen, daß die Zahl der Schulversäumnisse am Montag verhältnis- mäßig groß ist, und daß manche Schuler sich an diesem Tage weniger leistungsfähig zeigen als an den übrigen Schultagen. Sie snü> abgespannt, schläfrig und unlustig zur Arbeit. Dieser Tiefstand der geistigen und körperlichen Leistungsfähigkeit erklärt sich nur daraus, daß der Sonntag für viele Kinder nicht ein Tag wirklicher Erholung, sondern ein Tag anstrengender und geradezu gesundheitsschädlicher Vergnügungen ist. Wir haben feststellen können, daß manche Schüler am Sonntag nicht rechtzeitig ins Bett "kommen, oder daß ihnen gar alkoholische Getränke verabreicht werden, wenn sie an den Vergnügungen der Erwachsenen teilnehmen. Die von uns beobachteten und in Erfahrung gebrachten Vorgänge verpflichten uns dazu, an die Eltern unserer Schüler die herzliche Bitte zu richten, bei den <Änrntagsvergnügungen alles zu vermeiden, was geeignet ist, die Erschlaffung der Kinder am Montag oder überhaupt eine ung ihrer körperlichen und geistigen Entwickelung herbeizuflihren. Versuchsfeld des landwirtschaftlichen Instituts der Landesuniverfität Gießen. (Original-Bericht des „Gießener Anzeigers".) Am Freitag den 14. d. M. empfing das Versuchsfeld des landwirtschaftlichen Instituts Zum ersten Male den Besuch eines landwirtschaftlichen Vereins, des Klubs oberhessischer Landwirte. Leiterwagen mit Fahnen in hessischen und deutschen Farben und mit GuirlandeN reich geschmückt führten die Besucher zunächst nach dem Sortenzuchtgarten auf dem Triebviertel, darauf nach den Sortenanbauversuchen nach Mchlers Hardt im Lahntal und nach Hardthof. Mit lebhaftem Interesse -nahmen die oberhessischen Landwirte von den Versuchen Kenntnis, bei denen die Sorten von Winterweizen, Spelz, Wintexroggen, Sommerweizen, Gerste, Bohnen, Hafer, Zuckerrüben, Dickwurz, Futtermöhren und Wrucken, sowie verschiedener Gräser einer Prüfung unterzogen wurden. Noch "größeres Interesse erregten die Versuche zur Züchtung hessischer Weizen- und Roggensorten. Zum Schluß wurden die beiden zu dem Bichler'schen Grundstücke gehörigen Höfe in Hardthof und Bichlers Hardt mit ihren interessanten Einrichtungen und reichen Viehbeständen besichtigt. Bei dem dann folgenden Imbiß auf der Terasse in Mchlers Hardt wurde Herr Bichler als der tatkräftige Förderer der Versuche des landwirtfchastlichen Instituts gefeiert; ebenso Gutsbesitzer Kftauer-Altenhasslau, der Vorsitzende des Klubs oberhessischer Landwirte, als des ersten Vereins, der die Versuche des landwirtschaftlichen Instituts Gießen eines Besuches für wert erachtet habe. Auch Professor Gisevius wurde der Dank dafür ausgesprochen, daß er nach seiner Berufung nach Gießen mit der hessischen praktischen Landwirtschaft in enge Fühlung getreten sei, und somit in dem Institut einen kräftigen Hebel zur tatkräftigen Förderung der hessischen praktischen Landwirtschaft geschaffen habe. Nach fröhlichem Zusammensein fuhren die oberhessischen Landwirte zur Bahn und drückten in den Abschiedsworten an Herrn Bichler wie an Professor Gisevius wiederholt ihre Beftiedigung über das Gesehene und Gehörte aus. Sie schieden mit dem Wunsche, im nächsten und in den folgenden Jahren die Versuche in erweitertem Maßstabe besichtigen, und die mit dem landwirtschaftlichen Institute gewonnene Fühlung immer enger knüpfen zu können. Aus Stadt und Land. Gießen, 24. Juli 1905. ** Personalien. S. K. H. der Großherzog haben em 8. Juli dem Regierungsasseffor Gustav Böß aus Gießen der Charakter als Regierungsrat verliehen. — Ernannt wurden zu Regicrungsbaumeistern die Negierungsbauführer Viktor Bla eß aus Viernheiin, Georg Häusel ait§ Michelstadt und Georg Witzel aus Kassel. ** Goldenes D oktorjubiläum. Dem seit 1900 von seinen amtlichen Verpflichtungen entbundenen und seit jenem Jahre hier in Gießen, seiner Vaterstadt, wohnenden o. Profeffor der Universität Königsberg in Pr., Geh. Regierungsrat Dr. Karl Umpfenbach ist aus Anlaß seines 50jährigen Doktorjubiläums (21. Juli) vom Kaiser der Kronenorden II. Klasse mit der Zahl 50 verliehen worden. Geh. Rat Umpfenbach steht im 74. Lebensjahre. Zuerst war er bei der Obersteuerdirektion in Darmstadt, dann auch im Kataster- und Zolldicnste tätig. 1856 erhielt er hier die venia legendi für Staatswissenschaften. 1864 wurde er ordentlicher Professor in Würzburg. Von 1873 bis 1900 lehrte er in Königsberg i. Pr. Im Studienjahre 1878/79 war er Rektor der Albertus-Universität. 1900 ernannte ihn die Universität Würzburg zum Dr. in disciplinis oeconomico- politicis hon. causa. Sein zweibändiges „Lehrbuch der Finanzwissenschaft" erschien in mehreren Auflagen. Die philosophische Doktorwürde erwarb er hier in Gießen. ** Jubiläum. Kommerzienrat Heichelheim wird Ende Oktober sein 25jähriges Jubiläum als Vorsteher der hiesigen israelitischen Gemeinde begehen. Aus diesem Anlaß sind von der Gemeinde verschiedene Ehrungen geplant. ^Meisterprüfungen. Als Schlußtermin für die Anmeldung zu den diesjährigen Meisterprüfungen ist der 31. Juli d. Js. festgesetzt worden, worauf wir nochmals aufmerksam macken wollen. •* Die Gießener Wohnungsunterfuchung macht gute Fortschritte. DaS bewies die am Freitag abend im „Postkeller" abgehaltene zweite Helferoersammlung. Es stehen jetzt rund 100 Herren in der Arbeit. Von vielen Seiten wurde das verständnisvolle Entgegenkommen der Bewohnerschaft anerkennend hervorgehoben. Es steht zu hoffen, daß Anfang August die Erhebungen in der Hauptsache beendigt sein werden. ** Sachbeschädigung. In der Nacht vom Samstag auf Sonntag wurden von der Schutzmannspatrouille in der Südanlage zwei hiesige Leute abgefaßt, als sie an dem Spalier am Gymnasium und an einem Privateigentum die Verzierungen abrissen, wodurch ein Schaden von ca. 60 Mk. entstand. Sie werden die Folgen zu tragen haben. ** Ein Zusammenstoß. Als gestern nachmittag um 4 Uhr ein von Frankfurt kommendes Automobil in der Frankfurterstraße das Uebernachtungslokal passierte, sprang ein Junge von etwa 3 Jahren aus einem Hofe an das Fahrzeug heran und wurde im selben Augenblick von einem von Gießen kommenden Radfahrer angerannt. Radfahrer und Knabe stürzten, dieser bis an die Räder des Automobils. Signale waren von den Fahrern gegeben worden. Glücklicherweise kamen die beiden Gestürzten mit kleinen Hautabschürfungen davon. *' Die Bismarcksäule, zu der am 29. d. M. auf der Hardthöhe der Grundstein gelegt wird, ist als ca. 12 Meter hoher, quadratischer, verjüngter Turni projektiert, auf dessen Aussichts-Plattform eine Fcuerschale für das bei der jährlichen Bismarckfeier anzuzündende Feuer aufgebracht wird. Die Skizze dazu ist von Bauinspektor Becker entworfen worden. *• Besitzwechsel. Die Bauunternehmer Ab ermann u. Kling kauften vor einiger Zeit an der Keplerstraße von Frau Dr. Klewitz 2200 Quadratmeter Baugelände für 47 000Mk. Bauunternehmer Pfaff kaufte von Kommerzienrat Gail in der Stephansmark für ca. 85 000 Mk. Baugelände. ** Der „Schw älmer Bau crntanz", das vortreffliche Gemälde von Prof. Bantzer, das ganz Leben und Bewegung, ganz Sonntagsrausch in wirbelnder Stick- und Staubluft ist, war seither im Kunstsaal des Turmhauses am Brandt zu sehen. Heute ist es im Schaufenster des Herrn C. L. Leib, Kirchstr. 2, übergesiedelt, wo es bis Mittwoch zur Schau gestellt wird. ** Vereinigung von Gießenern in Frankfurt. Dieser Tage fanden sich in Frankfurt a. M. im Faust- Restaurant ca. 35 echte Gießener zusammen, um ihrem Patriotismus durch engen Zusammenschluß Ausdruck zu geben und durch die Gründung einer Vereinigung ihre Anhänglichkeit an die Heimat zu zeigen. In ursideler Stimmung — so heißt cs in dem Schreiben an uns weiter — bei brillantem Konzert unterstützt vom edlen Gerstensaft unseres Kneipwirtes Römer aus Wieseck gelobten wir treu und fest zu unserem schönen Gießen zu halten. ** Herr Justizrat Weidig schreibt uns namens der „F. S. F.": Der Aufsatz des Herrn Elle zum Feuerwehr-Jubiläum in Nr. 164 d. Bl. macht kurze Richtigstellung nötig, für die ich um gefl. Aufnahme bitte. 1) Herr Elle begabt mich mit dem Ehrenzeichen ftir 25 jährige Dienstzeit. Ich besitze aber diese Auszeichnung nicht und das zwar aus dem einfachen Grunde, weil ich längst keine 25 Jahre gedient habe — es müßte denn sein, daß Befehlsjahre doppelt zählten, da ich bei I6V2 Jahren Dienstzeit 151/? Jahre 1. Hauptmann war. 2) Daß die Stadt aus dem durchs Ehr. R. versuchten Putsche Veranlassung genommen habe, das Löschwesen neu zu regeln, ist eine irre Sage. Die Wehr war damals allerdings im Verfall, aber nicht die Stadt war es, die den neuen belebenden Zug, den frischen Geist und tüchtige Schulung in das Korps brachte, die dieses hoben und hernach hoch auszeichneten. Die Stadt tat gar nichts. 3) Es ist ferner eine wundersame Angabe, daß das Feuerlöschwesen der Stadt seit 1872 unter Leitung des Stadtbaumeisters Stief gestanden habe. Davon hätte doch die Freiw. Feuerwehr auch etwas erfahren müssen. Die aber war schlechthin selbständig und wer sich ihr gegenüber etwa hätte als Chef irgend aufspielen wollen, dem würbe die lächerliche Rolle rasch gelegt worden sein. Wie hätte daran auch nur gedacht werden können, in vielseitigen Fachstudien und langjährigen Hebungen und Betätigungen gefestigten Männern für ihre opferwilligen Dienste irgend einen städtischen Bediensteten vorzusetzen! Unsere Wehr blieb selbständig, bis sie sich aus eigener Entschließung im Jahre 1882 auflöste. Hierzu bemerkt Herr Elle: Zu 1) Die Liste der mit den Ehrenzeichen für 25 jährige Dienste ausgezeichneten Mitglieder der Gieß. Freiw. Feuerwehr wurde mir von einem Vorstandsmitgliede mitgeteilt; darin war der Name O. Weidig mit enthalten. Zu 2) Cs steht fest, daß der Stadtvorstand mit den Vorständen beider Feuerwehren über die Neuordnung beS' Feuerlöschwesens verhandelte und damit wohl veranlaßte, daß ein neubelebender Zug in das Korps kam; daß das letztere dabei sein mußte und sein Uebriges tat, ist nicht bestritten worden. Zu 3) Stcchtbaumeister Stief hat alle das Feuerlöschwesen bett. Angelegenheiten so gut und sachlich behandelt, wie es" ihm unter den damaligen Verhältnissen möglich war, davon konnte ich mich insofern persönlich überzeugen, als ich seit 1879 in meiner Eigenschaft als Berichterstatter des „Gieß. Anz." den Verhandlungen der Stadtverordneten-Versammlung beiwohnte. Sich als „Eheste der Freiw. Feuerwehren gegenüber aufspielen zu wollen, wäre ihm allerdings nicht in den Sinn gekommen. Daß die Feuerwehr sein Verdienst um das Löschwesen doch nicht so gering anschlug, bewies sie bei der Beerdigung Stiess am 19. Nov. 1891. (?) ßau6ad), 23. Jult. Ein von Hunderten stark besuchtes Wald fest hielt heute der hiesige Zweigverein des „evangelischen Bundes" auf dem Ramsberg ab. Pfarrer Volp sprach Begrüßungsworte, worauf Oberlehrer Prof. Dr. Stamm aus Gießen eine längere Rede hielt über „Kaiser Wilhelm I. als evangelischer Christ". Daraus sprach Pfarrer Bräß au§ Darmstadt, von dem Worte ausgehend „Wer die Schule hat, hat die Zukunft", über Wesen und Aufgaben der Jünglings- und Jungfrauenvereine und forderte zur Gründung solcher Vereine auf. Unterstützt wurde die Veranstaltung durch Vorträge des evangelischen Kirchengesangvereins und eines Schülerchors, beide geleitet von Lehrer Gerhard. (.) Friedberg, 22. Juli. Das Groß Herzog s- paar wird anfangs September im hiesigen Schlosse Wohnung nehmen und von hier aus den diesjährigen Kaisermanövern in der südlichen Wetterau beiwohnen. Zurzeit werden im Schlosse Vorbereitungen §um Empfang getroffen. — Die HessischeVe r einigen gfürVolks- kunde hat am 4. August hier ihre diesjährige Generakver- sammlung. N. Unter-Schmitten, 22. Juli. Gestern ertrank das Kind des Uhl II. in der Küche in einem Zuber voll Waffer. Die Mutter hatte das Kind, ehe sie die Küche ver? ließ, um auf der Straße von einem Krämer etwas zu faufen,1 aus dem Kinderwagen genommen und auf die Erde gesetzt, damit es nicht aus dem Wagen falle. Es hatte sich an den Zuber gemacht und war hineingefallen; es war Jahre alt. R. B. Darmstadt, 24. Juli. (Eigener Draht- bericht.) Der außerord. Professor an der Universität Halle^ Dr. Arn. Berger wurde zum ordentl. Professor der Site-' ratur und Geschichte, insbesondere für Kulturgeschichte, an der technischen Hochschule zu Darmstadt ernannt. — Kreisschulinspektor Schulrat Dr. Friedolin Wagner hier ist vorgestern nach längerem Leiden gestorben. R. B. Darmstadt, 22. Juli. Der Großherzog kam heute vormittag vom Jagdschloß Wolfsgarten nach Darmstadt und begab sich zunächst nach dem Orangeriegarten, wo er die im flotten Gange befindlichen Vorarbeiten für die vom 19. August ab stattfindende Gartenbau-Ausstellung einer eingehenden Besichtigung unterzog. Später fanden im Residenzschlosse die üblichen Audienzen statt, und dann empfing der Großherzog den Staatsminister Rothe zum Vortrag, dessen Mittelpunkt die Frage der Landtagsverabschiedung bildete. Der Landesherr stimmte, wie wir zuverlässig erfahren, dem Vorschlag der Großh. Regierung zu, den Landtag gegen Ende September nochmals zu einer kürzeren Tagung zu veranlaffen, um den Versuch zu machen, wenigstens noch einige der wichtigsten, noch nicht erledigten Gesetzentwürfe, wie Gemeindeumlagereform und Landwirtschaftskammer-Vorlage, definitiv fertig zu stellen. Der Schluß des Landtags wird mitte Oktober erfolgen. (!) Ober-Eschbach (bei Vilbel), 23. Juli. Das zum Andenken an die ruhmreichen Kämpfer des Feldzugs 1870/71 errichtete Kriegerdenkmal wurde hente im Beisein zahlreicher Kriegervereine der hessischen und preußischen Umgegend eingeweiht. Die Weiherede hielt Pfarrer Böll. Ans Anlaß seines 25jährigen Bestehens wnrde dem Kriegerverein gleichzeitig die Kaiserschleife übergeben. Griesheim a. M., 24. Juli. In der Nacht auf Sonntag brach nach 12 Uhr in der Wachstuchfabrik und Weberei G. m. b. H. in Griesheim a. M. auf bis jetzt unaufgeklärte Weise Feuer aus. Die Weberei, in der der Brand entstand, ist bis auf den Boden niedergebrannt. Sämtliche Maschinen und die zahlreichen in dem Raume gelagerten Rohstoffe sind zerstört. Die Druckerei ist nur wenig beschädigt. Der Schaden ist trotzdem groß, da gerade die Saison mit bedeutenden Aufträgen begann. Der vollständige Fabrikbetrieb wird vorerst nicht aufrecht erhalten werden können, doch ist sofort mit der Wiederinstandsetzung! der Räume begonnen worden. An den Löscharbeiten, die bis morgens 6 Uhr dauerten, beteiligten sich außer der Griesheimer Freiwilligen Feuerwehr die Feuerwehr der Chemischen Fabrik und die Wehren aus Nied und Schwanheim. R. B. Wiesbaden, 23. Juli. Der Deutsche Schrift st ellerver band hielt gestern und heute seinen diesjährigen ordentlichen Werbandstag im Hotel zum Kaiserbad ab. Es waren zahlreiche Vertreter aus Berlin, Leipzig, Frankfurt, Darmstadt, Karlsbad, Wien u. a. O. erschienen. Aus dem Jahresbericht ist hcrvorzuheben, daß der Verband zurzeit 382 Mitglieder, darunter 64 Wiener, zählt und der Voranschlag in Ausgabe und Einnahine mit 3020 Mark balanziert. Eine lebhafte Debatte entspann sich über die Zukunft des Erholungsheims Demminshort hier. Der Verband erklärte sich schließllch einmütig dafür, daß die bare Stiftung dauernd und ungeteilt erhalten bleiben soll und wählte einen Ausschuß von 9 Mitgliedern, der über die nutzbringende Verwendung des Erholungsheims entsprechende Vorschläge machen soll. Zum 1. Vorsitzenden wurde anstelle des zurückgetretenen Herrn Otto v. Leixner Bürgermeister Dr. R e i ck e - Berlin, zum 2. Vorsitzenden Dr. Li emann-Berlin und zum <Ächatzmeister P f annen- st i e h l - Berlin gewählt, ferner noch 9 Beisitzer. Zmst nächstjährigen Versammlungsort wurde Jena bestimmt. □ Kirchhain, 23. Juli. Die Einwohnerschaft unseres nahen KreiZortes R.-Holz hau sen ist durch das plötzliche Vorkommen eines TollwutfalleS unter den Hunden in große Aufregung versetzt. Am Donnerstag wurde der Handelsmann Manuel Bachenheimer von seinem eigenen Hunde gebissen. Alsbald stellten sich bei ihm Krankheits- zcichen ein und der Arzt konstatierte Tollwut. Bachen- heirner ist bereits nach Berlin abgereist, und gestern sind in Holzhausen auf behördliche Anordnung hin sämtliche Hunde getötet worden. ** Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. Der Gemeinderechner Heinrich Bausch VIII. in Langsdorf zog sich durch einen Sturz vom Wagen eine Gehirnerschütterung und schwere innere Verletzungen zu, denen er nunmehr erlegen ist. —In Holzheim feürrte der dortige Kriegerverein am 23. d. M. ein Kriegersest Mehrere Vereine waren dazu erschienen. — In Erbenheim bei Wiesbaden wurde gestern abend der 13jährige Knabe des Gastwirts Merten von erneut Automobil überfahren und ge-, tötet. Das Automobil fuhr in raschem Tempo davon. Vermißtes* * Ein Eisenbahnunglück. '2tm 23. Juli entgleiste bei 'Altenberken (unweit Dortmund) nach einer amtlichen Meldung der Personenzug 346 im Tunnel infolge eines ab- gestürzten Gewölbestückes. 17 Personen wurden verletz" ins Aankenhaus überführt. Der Materialschaden i deutend, die Strecke ist gesperrt, die Schnellzüge h umgeleitet. Die 17 verletzten Reis enden kc sämtlich mit Zustimmung' der Aerzte die Heimreise an........ Außerdem wurden verletzt ein Bahnbeamter schwer und drei leicht. Im östlichen Teil des Tunnels" ist im Gewölbe ein größeres Loch, durch das' Gebirgsnrassen herabgestürzt sind und beide Gleise auf etwa 20 Meter Länge verschüttet haben. Wahrscheinlich ist der Einsturz erfolgt durch starken Wasserandrang, hervvrgerufen durch das wiederholte heftige Unwetter und die Regengüsse in letzter Zeit. Kandek und Verkehr. Kolksrvirtschaft. Gewerkschaft Gießester Braunsteinwerke vormals Fernie, Gießen. Entgegen ihren ursprünglichen Erwartungen und infolge der schädigenden Einwirkungen durch den Bergarbeiterausstand wird, wie wir in auswärtigen Blattern lesen, die 'Gewerkschaft sicherem Vernehmen nach eine Ausbeute für das erste Vierteljahr nicht zur Ausschüttung bringen. Wie weiter verlautet, wird die Gewerkschaft für das zweite Vierteljahr eine Ausbeute von 50 Mk. (gegen 75 Mk. im letzten Vierteljahr 1904) verteilen. Russische Textilindustrie. In Rußland, speziell in Lodz hat sich in dieser Branche eine Besserung bemerkbar gemacht, die darin ihren Ausdruck findet, daß eine große Anzahl Lodzer Textilfabriken ihre Arbeitszeit um eine Stunde verlängern, um die Erledigung der zahlreich einlaufenden Auftrage zu ermöglichen. Das ganze Reich soll bedeutende Aufträge in die Textll- 03 ^uli entgM ch 'einer würben verleg -riaWden ' Meltzuge £ ffenben ft LWr Stegs -MstL KZA- «A-ut-Z tuitg A"'Sie^ iÄ ’Ä^* ,1 .S M? hHb. 2 Mtte rtx M Wöt\ V g-ne?>^ ?n'DeWÄ ***? Ä XfM ,et feift Kk^! s?R "i'N flott, „ ftas K.: t*"15 iu eine r ?lla> zu machen 5 'E crlLen ' 1!nb Landwirt. Ucn* Ter Schluß Tas zun Abzugs 1810/71 im Beisein ,A preußischen ltfcer Böll mbte dem Jüciegjj, cgeben. 3 n der Nacht mit .uchfabrikunb f, bis jetzt im. 'berei, in der bei -dergebrannt n in dem RaMx Druckerei ist nm 01 groß, da gerade 'egann, Ter voll. Mftecht erhalten lederinstandsetzung -öscharbeitcn, die e» sich Mßer bei c Feuerwehr bei Nied und Schwan- Ter Deutsche i und heute seinen i Hotel Mäaisei- ms Berlin, Leipzig, L a. O. erschienen, i, daß der Verben! wer, zählt unb dn le mit 3020 M MN sich über b: vtt hier. Der Ve 'flfür, öaß die ft halten Wtbto/.otzyerzogliche Bürgermeisterei Alsfeld. Vergebung m Bmrbeiten. Die für die Erbauung einer Kleinkinderschule in Klein-Linden erforderlichen Arbeiten und Lieferungen sollen im Wege öffentlichen Angebots vergeben werden. Die Angebotsunterlagen liegen auf dem Bureau des Unterzeichneten, Zimmer Nr. 18, während der Dienststunden zur lNnsicht der Interessenten offen. Angebote, mit entsprechender Aufschrift versehen, sind verschlossen und portofrei bis spätestens Donnerstag den 3. August l. I., nachmittags 3 Nhr, auf Großh. Bürgermeisterei Klein-Linden einzureichen, woselbst die Eröffnung in Gegenwart etwa erschienener Bewerber erfolgt. Die Arbeiten und Lieferungen sind wie folgt veranschlagt: Erd- und Maurerarbeiten zu 3156.35 Mk. Steinmetzarbeiten „ 293.85 „ Zimmerarbeiten „ 1025.79 „ Dachdeckerarbeiten , 344.27 „ Spenglerarbeiten D 181.81 „ Schlofferarbeiten „ 308.80 „ Schreinerarbeiten „ 1853.75 „ Glaserarbeiten u 509.72 „ Weißbinderarbeiten u 1032.46 „ Eisenlieferung , 684.91 „ Tapezierarbeiten „ 65.50 , Gießen, am 24. Juli 1905. B“/, Der Großh. Kreisbauinspektor des Kreises Gießen. Die hm, Gr. Baurat. SCueistsereim. Die Gemälde- Ausstellung im Turmhaus am Brand bleibt von heute ab bis gegen Ende Septem- ber geschlossen.________________Der Borstand. Verein Contcntia. Samstag den 29. d. Mts., abends 9 Uhr, findet im Restaurant zum Felsenkeller (Inh. W. Fischer) unsere diesjährige - Striommtog statt. Tagesordnung: Punkt 1: Halbjahrs-Abrechnung. , 2: Ergänzungswahl des Vorstandes. „ 3: Verschiedenes. Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen wird gebeten. Der Borstand. Vergebung von Bauarbeiten. Neubau der Irrenanstalt zu Gießen. Die zum Neubau des Psörtrrerhauses nötigen Rob- bau-Arbeiten und Lieferungen, nämlich: Los I Erd- und Maurerarbeiten, darunter 28 cbm Erd» aushub, 122 cbm Bruchsteinmauerwerk, 64 cbm Backsteinmauerwerk, 69 qm Betondecken, „ II Steinhauerarbeit, in Lungstein ca. 6,00 cbm. „ III Zimmerarbeiten, ca. 23 cbm Tannenholz zu liefern rc. „ IV Eisenlieferung 1700 kg I Träger, „ V Grobschlosserarbeiten, „ VI Dachdeckerarbeiten, 268 qm Schieferfläche re. „ VII Spenglerarbeiten, ca. 27 Ifdm. Hängerinne rc. „ VIII Blitzableiteranlage werden hierdurch unter Hinweis auf den Ministerialerlaß vom, 16. Juni 93 zur Verdingung ausgeschrieben. Die Ausführungsbedingungen und Arbeitsbeschreibungen, liegen in unserem Amtslokal zur Einsicht offen und können» daselbst zum Selbstkostenpreis erhoben werden. Die Angebote muffen bis zum Eröffnungstermin am 12. August 1905, vormittags 10 Nhr, mit entsprechender! Aufschrift versehen, portofrei an uns gelangen. Zuschlagsfrist 14 Tage. Gießen, den 22. Juli 1905. Großherzogliches Hochbauamt. Becker. B*/T Früh morgens, eh' die Hähne kräh'n Mußt' seither immer auf ich steh'n, Weil acht so manches Stiefelpaar An jedem Tag zu wichsen war. Seit Gcutncr'ö Wichs' ich nehme nun, Kann ich ein Stündchen länger ruh'n, Denn damit glänzen flink und schnell Jetzt meine Stiefel spiegelhell! Zu habrll ill den Mkjstkll Ekschäste«. wtaü Sari Mutt Göppingen. hvm/i Schutz Verlangen Sie Katalog über Wer-WBer und Pneumatiks. Je Häusler, Franklart a.B., ^üurrnvlatz 14. 13411 Eimcb-Zuchr 10 Piund 2.40 L. Steinhäuser Neuen Bäue 17. 3544 .'M Um mit ta üesteestind®n meiner Sommer-Ware gänzlich zu räumen bewillige ich diese Woche a®i die früher 19 Mk. Kostüm-Röcke fussfrei Wasch in Piquti und Leinen . . 12.— früher Mk. früher Mk. 14 u. 15 Mk. 18 — 25 früher ■ Meter 110 cm Breite, reinwollene Voile Kleibers Csffe einfarbige Wollstoffe, in doppelbreit, 10 Farben . . . 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