Nr. 131 Zweites BlE 155. Jahrgang Mittwoch 34. Mai 1905 Gießener Anzeiger Vrlchctnt tHßNch mÜ Ausnahme befl Sonntag». General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Liehen Die "Vtetzenrr ZamilienblStter- werden dem „Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der «Hessisch» Ccmöolrt* erscheint monatlich einmal. Redaktion,Expedition ».Druckerei: Schulftr.I« Tel. 9k. 6L Telegr.-Adn r Anzeiger Elebea, Rotationsdruck und Verlag der Brühl'ich« UnwerfttätSdruckeret. R. Lange. Dietz«. Lärmszenen im englischen Unterhaus. Im englischen Unterhaus haben sich am 22. d. M. so stürmische Vorgänge abgespielt, wie sie die Geschichte oes englischen Parlaments kaum kennt. So ar es (lib.) stellte die Frage, ob die Regierung, wenn sie zurzeit der im Jahre 1906 abzuhaltenden Kolonialkouferenz noch im Amte sei, beabsichtige, die britischen Vertreter zu ermächtigen, die Frage der Vorzugszölle mit den Vertretern der Kolonien zu erörtern. Premierminister Balfour erwidert, diese Frage sei von der Regierung noch nicht in Erwägung gezogen worden, aber keine Regierung könne den Besprechungen der Konferenz Schranken setzen, besonders wenn die Regierung eine engere Handelsverbindung mit den Kolonien wünsche. In Erwiderung auf eine Reihe weiterer Fragen, die von Campbell-Bannermann und anderen Mitgliedern der Opposition gestellt werden, stellt der Premierminister es in Abrede, daß er die Politik, wie er sie in seiner am 3. Oktober 1904 in Edinburg gehaltenen Rede gekennzeichnet habe, aufgegeben habe und versichert, daß er nach wie vor Anhänger derselben sei. Weiter erklärt der Premierminister, die Kolonialkonfereuz solle frei sein, sie könne aber weder die Kolonien noch das Mutterland binden. Darauf beantragt Campbell-Bannermann unter lauten Beifallsrufen der Liberalen die Vertagung des Hauses, um Stellung zu nehmen zu der Erklärung Balfours, daß die Frage der Bevorzugung der Kolonien möglicherweise der Kolonial- konferenz unterbreitet werde, bevor das Land Gelegenheit habe, seine Meinung zu äußern. Er führte aus, die Erklärung Balfours bedeute einen Wechsel in der Politik der Regierung, und verlangt Aufklärung hierüber. Darauf erhebt sich K'olonialminister Lyttelton zur ^Antwort; die Liberalen jedoch, die eine sofortige Antwort von Balfour selbst wünschten, brachen in unausgesetzt wiederholten Ruf aus: Balfour! Balfour! Lyttelton versucht vergebens, sich Gehör zu verschaffen: doch ist in dem Lärm nicht ein Wort von seinen Ausführungen zu verstehen. Der Vizesprecher legt sich ebenfalls vergeblich ins Mittel, indem er erklärt, daß Balfour später das Wort ergreifen werde. Tie Opposition weigert sich, Lyttelton anzuhören; dieser spricht länger als zehn Minuten zum Hause, ohne daß seine Rede vernehmbar ist, und setzt sich schließlich nieder. Der Lärm dauert fort. Während aller dieser Vorgänge weilt Balfour in gewohnter Ruhe auf seinem Posten. Nachdem Lyttelton seinen Platz wieder eingenommen hatte, versucht Winston Churchill (lib.) zu reden, seine Stimme wird aber durch lärmende Rufe der Ministeriellen übertönt. Der Kolonialminister erhebt sich später abermals und versucht zu sprechen, er wird wiederum niedergeschrieen. Balfour erhebt sich und erklärt: Ich habe nie gehört, daß das Haus sich je geweigert hat, ein Mitglied der Regierung in die Negierung berührenden Fragen anzuhören. (Beifall und Unterbrechungen.) Ick habe nie gehört, daß es eine Opposition gegeben hat, die es für ihr Amt gehalten hat, die Reihenfolge der Redner vorzuschreiben. Wenn der heutige Auftritt eine Nachfolge finden sollte, so würde dies das Parlament zugrunde richten. Nach diesen Erklärungen des Premierministers machte Lyttelton einen neuen Versuch, zum Hause zu sprechen, aber aufs neue erhebt sich Lärm. Der Kolonialminister fährt ruhig in seiner Rede fort, sie geht aber im Tumult völlig verloren. Mac Neill (Ire) ruft dem Minister zu: „Schaffen Sie Ordnung im Kulilager", während andere Iren ihm spöttisch zurufen: „Rufen Sie die Polizei zur Hülfe" und dem Premierminister politische Feigheit vorwersen. Nachdem die Läsrmszenen eine Stunde gedauert hatten, erklärte der Sprecher auf Grund der Geschäftsordnung die Sitzung für vertagt. Als Premierminister Balfour bei Eröffnung der Sitzung am 23. d. M. den Sitzungssaal betritt, wird er mit lauten Zurufen von den Ministeriellen begrüßt. Camp- bell-Bannerma>nn richtet hierauf an den Premierminister die Frage, ob er angesichts der Verwirrung, die durch die letzten ministeriellen Erklärungen über die Fiskalpolitik hervorgerufen sei, Gelegenheit geben wolle zur Besprechung eines Tadelsvotums gegen die Negierung. Balfour erwidert, zwei Minister seien gestern abend bereit gewesen, jede Verwirrung über die Fiskalpolitik zu beseitigen, seien aber durch eine schimpfliche Szene, die sich gestern zugetragen habe, daran gehindert worden. Er habe nicht bemerkt, fährt Balfour fort, daß Campbell-Bann ermann irgend Schritte getan habe, um die Szene zu beendigen. Er habe keineBedenken, Gelegenheit zur Besprechung des Tadelsvotums zu geben unter der Voraussetzung, daß die Debatte unter den gewöhnlichen Bedingungen des Anstandes und der Billigkeit stattfindet. (Beifall bei den Ministeriellen.) Hierauf tritt das §au^ in die Beratung des Finanzgefetzentwurses ein. Der neue ReichsgerichtSpröfident. Die Ernennung deS Unterstaatssekretärs Frei Herrn o. Seckendorfs zum Präsidenten des Reichsgerichts ist vom Kaiser vollzogen und dem neuen Präsidenten gleichzeitig der Charakter als Wirklicher Geheimer Rat verliehen worden. Rudolf Frhr. v. Seckendorff ist am 22. November 1844 in Köln geboren, zur Zeit also 60 Jahre alt. Sein Vater war der langjährige Kölner Oberprokurator und spätere Oberreichsanwalt, Wirkt. Geh. Rat Dr. Eduard Frhr. v. Gecken- dorff, der 1884 in Leipzig gestorben ist. Im November 1865 trat Rudolf v. Seckendorff als Auskultator beim Kammergericht in den Justizdienst und wurde, nachdem er den Feldzug von 1870/71 als Reserveoffizier deS 12. Dragoner- Regiments'mitgemacht hatte, im Januar 1872 zum GerichtS- assessou ernannt. Er ging darauf in den Justizdienst der Reichslande über und wurde Staatsprokurator in Metz. 1879 als RcgierungSrat und ständiger Hilfsarbeiter in das Reichs- jusiizamt berufen, erhielt er 1882 den Charakter als Geheimer Regierungsrat und 1885 seine Ernennung zum vortragenden Rat und rückte 1890 zum Geheimen Oberregierungsrat auf. Nach fast zwanzigjähriger Tätigkeit beim Reichsjustizamt, neben der er in den letzten Jahren namentlich auch als ständiges Mitglied beim kaiserlichen Patentamt gewirkt hatte, wurde Frhr. v. Seckendorff im Januar 1899 rum Unter- staatssekretär im preußischen Staatsministerium ernannt und übernahm im selben Jahre auch noch das Nebenamt eines Mitglieds des kaiserlichen Disziplinarboss in Leipzig.________ NeMische Tritt es schau. Zur Flottenverein-Versammlnng. Auf der Han Pt Versammlung des Deutschen Flottenvereins in Stuttgart am Sonntag dürfte es lebhaft hergehen. Dem von der brandenburgischen Provinzialgrnppe vertretenen Standpunkt, daß der'Flottenverein in seiner Werbetätigkeit nickt über die Unterstützung der Marine- forderungen der Negierung hinausgehen solle, ist Widerspruch gewiß. Andererseits kann kaum ein Zweifel sein, daß diese Beschränkung von hoher Stelle gewünscht wird, son'st hätte trt der Delegiertenversammlung der brandenburgischen Provinzialgruppe deren Vorsitzender, Admiral Hoflmann, nickt die Beschränkung angeregt. Der Admiral zählt bekanntlich zu den Vertrauten des Kaisers. Zudem teilte die „Tägl. Rundsch." mit, daß die Krisis im Flottenverein, welche zu dem Rücktritt zweier hervorragender Vorstandsmitglieder führte, nicht durch Mißhelligkeiten zwischen der Geschäftsleitung des Vereins und dem Reichsmarineamt, sondern durch eine kaiserliche Zuschrift veranlaßt worden sei. Der Kaiser ist also offenbar der Meinung, daß der Flottenverein eine zu weitgehende Agitation entfaltet habe, die der Verständigung der Marineverwaltung mit dem Parlament nicht förderlich sei und speziell die Aussichten der für den Herbst zu erwartenden Flottenvorlage ungünstig gestalten könne. Der Flottenverein brachte sich durch diese Agitation tatsächlich in den Ruf, uferlose Pläne zu verfolgen, und er übertrumpfte die Marineverwaltung, indem er seine Forderungen als das Mindestmaß des Notwendigen bezeichnete. Dadurch toitrbe der Anschein erweckt, als seien die verantwortlichen Männer in der Regierung nicht in der L(age oder nicht entschlossen genug, das Maß des Notwendigen zu erkennen oder zu fordern. Der Staatssekretär v. Tirpitz sah sich indessen veranlaßt, bei der Beratung des letzten Marineetats den Scheidestrich zwischen sich und dem Flottenverein zu ziehen. Bei der Volksvertretung kam der Verein vollends schleust weg; mit besonderer Schärfe äußerten sich über ihn bekanntlich die Vertreter des Zentrums. Am Sonntag wird es von der Stuttgarter Haupt- versammlung Wohl entsprechend an den Reichstag zurückschallen. In der mit dem Flottenverein sympathisierenden Prefse ist bereits zu leien: die Beschränkung der Agitation verwandle den selbständigen Volksverein in eine behördliche Institution mit obrigkeitlich abgemessener Flottenbegeisterung. Das ist übertrieben. Zuviel Unterstiitzung der Regierung läßt Wohltat zur Plaae werden. Wenn von maßgebender Stelle gewünscht wirt», daß der Flottenverein in der Agitation zurückhaltender werde, so kst das nicht ein obrigkeitliches Zumessen der Flottenbegeisterung, sondern ein Hinweis auf die Grenzen, in denen sich die Werbetätigkeit halten muß, soll sie die erwartete Wirkung haben. Jedenfalls eine unerwünschte Wirkung ist, daß das Mißtrauen des Auslandes in die Friedensliebe Deutschlands genährt wird durch die übereifrig betriebene Preßkampagne. Wahrscheinlich nimmt Prinz Heinrich von Preußen im Auftrag seines kaiserlichen Bruders an der Stuttgarter Hauptversammlung des Flottenvereins teil, und er dürfte in vertraulichen Besprechungen die Wünsche des obersten Kriegsherrn mit Nachdruck vertreten. Aus Stadt und Land. Gießen, 24. Mai 1905. • • Bürgerverein. Um Mißverständnissen vorznbeugen, sei ausdrücklich betont, daß zu der morgen abend im Gießener Festsaal stattfindenden Bürgerversammlung (s. Inserat) auch Nichtmitglieder als Gäste willkommen sind. Der Gegenstand, der zur Besprechung gebracht werden soll — unsere Verkehrsverhältnisse innerhalb und außerhalb der Stadt — beansprucht das Interesse nicht nur Einzelner, sondern unserer ganzen Einwohnerschaft. Darum besuche jeder die Versammlung, dem die Zukunft unserer Stadt am Herzen liegt. Die Namen der Referenten, Professor Dr. Sommer und Handelskammersyndikus Dr. Knipp er, bürgen dafür, daß der Gegenstand in gründlicher und sachlicher Weise behandelt werden wird. * • Botanischer Garten. Das Ueberwinterungshaus im botanischen Garten hat seit einigen Tagen seine Schätze hergeben müssen, um sie im Freien den Gartenbesuchern um so vorteihafter zeigen zu können. Außer dem Warmwasser- bassin ist im Garten noch ein weiteres Bassin errichtet worden, um darin exotische Wasserpflanzen zur Entfaltung zu bringen. Dem Pflanzen- und Blumenfreund kann gerade jetzt der Besuch des botanischen Gartens, in welchem die Kastanien und der Flieder blühen, auf das wärmste empfohlen werden. • • Elektrische Stempelmaschinen bei der Po st. In Darmstadt ist bei bcm Postamt 1 eine elektrische Stempel- maschine zum Abstempeln der eingelieferten Brief- sendungen in Gebrauch genommen worden. Durch die Stempelmaschine wird eine wesentliche Beschleunigung in der Abstempelung der Sendungen erzielt; gleichzeitig hat sie den Vorteil, daß sie unbedingt klare, deutliche und lesbare Stempelabdrücke liefert. Frankierte Briefsendungen können durch die Stempelniaschine jedoch nur dann abgestempelt werden, wenn die Freimarken in die obere rechte Hälfte der Aufschriftseite so aufgeklebt sind, daß der obere Rand der Marken nicht mehr als etwa 1 Zentimeter von dem oberen Rande des Briefes, der Postkarte, Drucksache usiv. entfernt bleibt. Werden mehrere Marken zur Frankierung verwendet, o werden sie zweckmäßig — von der rechten oberen Ecke beginnend — in gleicher Höhe nebeneinander, nicht übereinander geklebt. Tie Paßbehörde in Darmstadt ersucht das Publikum, bei der Einlieferung der Briefe und Karten auf da§ zweckmäßige Auflleben der Marken achten zu wollen. = Bersrod, 23. Mai. Auf d n gestrigen Abend Halle die von der Gememde Beuern gewählte Kommission für den Bahnbau Gießen-Beuern eine Versammlung unserer Ortsbürger einberufen, um diese ebenfalls für das Projekt zu interessieren. Herr Damm aus Beuern berichtete den zahlreich Versammelten, welche Schritte man bereits getan und welche Erfolge man bis jetzt davon habe, um dann von den Vorteilen zu sprechen, welche auch unsere Genieinde von diesem Bahnbau haben würde. Man wolle der Gemeinde Bersrod entgegenkommen, aber er gebe zu bedenken, daß zu weitgehende Wünsche nicht erfüllt werden könnten. Daraufhin entspannen sich sehr lebhafte Debatten mit dem Endergebnis, daß eine siebengliedrige Kommission aus der Mitte der Versanunlung gewählt wurde, welche sich nun mit Beuern ins Benehmen setzen soll. Alsfeld, 22. Mai. Die Stadtverordneten haben den Voranschlag der Finan^kommission über die Beschaffung von Mitteln für die Erbauung des Schlacht- Hofes genehmigt. Aus der Einrichtung der Herberge zu Alsfeld erwachsen der Stadt beträchtliche Kosten. Dasi ehemalige Jungblutsche Haus, in dem sich die Herberge befindet, wurde seinerzeit von der Stadt für 10000 Mr. erworben, der nolloendige Ausbau kostete ca. 8000 Mk., das Mobiliar 700 Mk. Die Stadt hat sich wegen einer finanziellen Beihilfe zu den Kosten der Herberge an die Provinz gewendet. Der Provinzialausschuß beschieo die Stadt dalstn, die gewünschte Beihilfe würde in dem Falle gewährt, wen« die Stadt die Herberge zur Verpfl^gun^sstation nach den Satzungen des Hessen-Nassauisck)en Verpflegungsverbandes umwandeln würde. Der Beitritt zu diesem Verband hat aber nicht unerhebliche finanzielle Verpflichtungen zur Folge. Der Gemeinderat war der Meinung, daß die Stadt nur in dem Falle dem genannten Verband beitreten solle, wenn die Provinz das für die Herberge aufgewendete Kapital der Stadt verzinse und die Hälfte der Verköstigungskosteni trage. Wenn die Provinz sich ablehnend verhalte, so wäre es für die Stadt vorteilhafter, an den gegenwärtigen Verhältnissen festzuhalten. Tie Angelegenheit wurde der Finanzkommission überwiesen. — Infolge von Verhandlungen, welche neuerdings zwischen Vertretern des Meises und der Stadt Alsfeld stattgefunden haben, erklärte der Gemeinderat sich bereit, das Gelände am Schwabenröderweg, bestehend aus dem Plochschen Garten (ca. 6474 Qm.), Herwigs Acker (ca. 3710 Qm.), Steuernagelschen Acker (ca. 3860 Qm.) und Plochschen Acker (ca. 3940 Qm.) für die Errichtung eines Kreiskrankenhauses zur Verfügung zu stellen und das Grundstück an das derzeitige Wasserleitungsnetz anzu^ schließen und zwar auf Grundlage des heute bestehendes städtischen Wasserstatuts. Irgendwelche weitere Verbindlich?- ketten geht b'ie Stadt nicht ein. Das Gelände, welches zur Straßenerweiterung nach Festlegung der Baulinie nötig wird, behält die Stadt für sich vorweg zurück. In der Verhandlung über diesen Punkt wird erwähnt, daß der Bauplatz den Wünschen des Kreisausschusses entsprechend gewählt sei. Die Stadt stellt dem Kreis statt der ursprünglich verlangten 4Vr bis 5 Morgen ein Gelände in der Größe von 7 Morgen zur Verfügung. (A. O. Ztg.) sj Fron haus en, 23. Mai. An dem steilen Abfuhr» wege des Steinbruchs bei Wolfshausen verunglückte heute* mittag der in den 40cr Jahren stehende Gast- und Landwirt Peter aus Bellnhausen mit seinem mit zwei Pferden bespannten schwer beladenen Steinwagen. Der Mann sowohl wie auch die Pferde blieben sofort tot. Peter stammte aus Maulbach im Kreise Alsfeld; er war ein allgemein geachteter und fleißiger Mann. § Babenhausen, 22. Mai. Schwer verunglückt ist heute früh der bei der hiesigen Abteilung des Artillerie- Regiments Nr. 61 dienende Kanonier Ludwig Schimmel aus Klein-Linden. Ein Pferd versetzte ihm einen gefährlichen Schlag auf den Kopf. Die Angehörigen wurden telegraphisch an das Krankenlager gerufen. Wetzlar, 22. Mai. In der Frühe des gestrigen Maisonntags hat der Tod einen Mann dahinaerafft, welcher als der nach Lebens- und Dienstzeit älteste Verwaltungsbeamte des.Meises Wetzlar lange Jähre an hervorragender Stells gewirkt hat. Drei Jahrzehnte lang ist es dem Bürgermeister und Hauptmann o. Ldw. o. D. August Hardt be- schieden gewesen, an der Spitze t>er Bürgermeisterei Rechtenbach zu stehen. Es war am 6. September 1871, als ihm, der damals die Bürgermeisterei Greifenstein kurze Zeit verwaltet hatte, der Auftrag zuteil wurde, die Verwaltung der Bürgermeisterei Rechtenbach, deren 'Amtssitz damals noch in Niederlleen war, zunächst kommissarisch zrr übernehmen. Am 4. Februar 1874 wurde ihm dann die Verwaltung der früher getrennten, inzwischen aber vereinigten Bürgermeistereien Rechtenbach und Lützellinden endgiltig übertragen. Kurze Zeit darauf erfolgte auch die Verlegung seines Amtssitzes nach Großrechtenbach, wo er sich heute uoch befindet. Beinahe 34 Jahre lang hat der Verstorbene sonach dem ihm anvertrauten 'Anrte vorgestanden. Neben seiner amtlichen Tätigkeit hat der Verstorbene dem Vaterlande auch noch in anderer Eigenschaft treue Dienste geleistet, zunächst als OffiLier, deflen Brust mit den Erinnerungszeichen von 1866 und 1870/71 geschmückt war. Dahin gehört auch seine Tätigkeit als unermüdlicher Förderer des Kriegervereins- wesens. Nach dem Mcktritt des Bürgermeisters und Majors a. D. Zechlln trat er an die Spitze des Kreiskr^eger- Verbandes, und wenn dieser Verband heute die stattliche Zahl von 60 Vereinen mit mehr als 3000 Mitgliedern umschließt, so hat Haiiptmann Hardt hieran ein erhebliches Verdienst. Im Regt. Kaiser Wilhelm Nr. 116 in Gießen hat der Verstorbene militärische Uebungen als Hauptmann der Landwehr gemacht. Vor zwei Jahren starb sein einziger Sohn, der bei den Mainzer Pionieren als Leutnant diente, infolge eines Unglücksfalles. p. Katzenfnrt, 23. Mai. Heute ereignete sich hiev ein entsetzlicher Unglücksfall. Die vierzehnjährige Tochter des Handelsmannes Sternberg war am Küchenherd beschäftigt. Plötzlich stand das Mädchen in hellen Flammen. In der Verzweiflung lief es zum Brunne"; doch die Pumpe versagte, worauf eS sich in ein nahe4 fließendes Waffer warf. (Sine Qualmsäule stieg auf. Die ganze Bekleidung war total verbrannt; selbst die Schuhe paten verlohn. x»ie erhaltenen souanörounöen flnö entsetzlich. Obgleich Ärztliche Hilfe schnell zur Stelle war, wird das bedauernswerte Kind doch den Verletzungen erliegen. Frankfurt, 23. Mai. Der Oberstaatsanwalt in Frankfurt weist in einer Verfügung an die Staatsanwälte seines Bezirks, wie der „Gen.-Anz." mitteilt, daraufhin, daß sehr oft gegen Volksschullehrer Anzeigen wegen Mißhandlung von Schulkindern erstattet werden, bei deren Untersuchung sich überhaupt keine Ueberschreit- ung de§ Züchtigungsrechtes finden lasse. Statt der Orts- behörden sollen nun, um das Ansehen der Lehrer zu schützen, die zuständigen Kreis- und Stadtschulinspektoren von der Staatsanwaltschaft mit der Untersuchung und Vernehmung der Kinder betraut werden. Die Regierung in Wiesbaden hat ihre Kreisschulinspektoren angewiesen, einem solchen Ansinnen der Staatsanwälte bereitwilligst nachzukommen. (Kl. Pr.) * Kleine Mitteilungen auS Hessen und den Nachbarstaaten. In Braunfels hat sich im großes Weiher der Bureougiehilfe H. Buchholz ertrankt. — In der Nähe der Station Stockhausen lieü 'sich mit Absicht der Ortsdiener Zipp zu Niedershausen von einem Schnellzug überfahren. — In Groß-Hausen wurde am Freitag der Landwirt Johannes Hedderich auf dem Felde vom Blitz erschlagen; ebenso das eine der beiden Pferde, während das andere unverletzt blieb. — Auch in Dietesheim wurden am Samstag zwei Frauen durch einen Blitz schwer betäubt; sie kamen aber wieder zur Besinnung. — In Stamm heim erhängte sich der verwitwete Spezereihändler David Kassel. vermochte«. Brandenburg a. H., 22. Mai. Der Bankier Theodor Börner und dessen Frau erschossen sich heute nacht, nachdem sie zuvor ihr vierjähriges Kind erschossen hatten. Die Ursache der Tat ist dem „Brandend. Anz." zufolge in dem Zusammenbruche des von Börner geführten Bankhauses zu suchen. * Köln, 22. Mai. Man erhält Mitteilung von einem Gebers all der Abends unweit der Station Brühl auf einen in einem Coups allein fahrenden Mann ausgeführt wurde. Letzterer erhielt von einem plötzlich das Coupä betretenden Burschen schwere Hiebe über den Kopf und wurde, nachdem er ausgeraubt war, ausdemfahrendenZuggeworfeu. Man fand den tödlich Verletzten bewußtlos auf dem Bahndamm liegen und transportierte ihn alsbald ins Hospital. Der Tater verließ auf der Station Brübl den Zug. Bisher konnte man seiner nicht habhaft werden. Er raubte Mk. 187, Schmucksachen, sowie Uhr und Kette. • Chicago, 22. Mai. Ein Schenkkellner eines Wirtshauses erschoß gestern nacht einen schwarzen Lastfuhrkutscher, der der Union nicht angehörte. Er selbst wurde darauf durch einen Regerpolizisten tödlich verwundet. Eine etwa tausend Köpfe zählende Volksmenge zerstörte daraufhin die Einrichtung des Lokales, in welches der Schutzmann sich geflüchtet hatte. *New-Pork, 22. Mai. In der dritten Avenue ereignete sich ein Zusammen st oß zwischen zwei Zügen der Hochbahn. Infolge Kurzschlusses geriet das Hochbahngerüst in Brand. Die Reisenden, welche von panischem Schrecken ergriffen wurden, suchten sich dadurch zu retten, daß sie aus den Fenstern kletterten. Eine Anzahl kletterte die Pfeiler, hinunter, durch die die Hochbahn gestützt wird. Bei dem Zusammenstoß wurden 20 Personen verletzt. * Ein Schneider und Poet dazu. In Berlin war dieser Tage das dramatische Erstlingswerk eines wackeren Schneidermeisters über die Bretter gegangen. Die Kritik hatte jedoch dem armen Autor fast einstimmig geraten, die Feder doch lieber wieder mit der Nadel zu vertauschen. Nun hat der Gekränkte an die Redaktion des „B. B.-C/ folgenden klassischen Brief gerichtet: „Geehrte Redaktion! Für Ihre Zeilen in Ihrem werten Blatte sage ich Ihnen meinen herzlichen Dank. Da Sie aber mehr Freude an meinem Anzuge als an meiner Schriftstellerei gefunden haben, -lade ich Sie ergebenst ein, sich bei mir einen Anzug machen zu laffen. Meine Werkstatt ist klein, aber reell, die Preise mäßig, aber fest und verstehen sich in bar. Nun bitte ich sehr um einen Versuch, vielleicht kommen Sie dann nebenbei doch zu der Ueberzeugung, daß ein Schneider auch mal einen eigenen Gedanken haben kann. Nun ohne Scherz, nochmals vielen Dank, es war mir schon eine Ehre, daß auch Sie von dieser Erstlingsarbeit Notiz genommen haben. Ob ich aber die Feder ganz aus der Hand lege, fann ich Ihnen heute noch nicht versprechen, dariiber sprechen wir, wenn Sie sich den Anzug bestellen. Es empfiehll sich Ihnen ergebenst Bruno Stephan." * Von Fliegen belagert. Aus London wird berichtet: Line merkwürdige Plage hat die Stadt Cardiff befallen. Millionen von Fliegen belagern ihr Docks. Nach fortgesetzten Angriffen haben sie die meisten Hauptstraßen besetzt, so daß mau den Verkehr nach Nebenstraßen ablenken mußte. Am Dienstag wiederstanden die Schließer am Pier und die Dockpolizisten stundenlang tapfer den Angreifern. Aber schließlich siegten die Fliegen durch ihre Ueberzahl, die Leute flohen und schlossen sich in die Wachthäuser ein. Die Insekten sind größer als die britischen Fliegen, kriechen sehr langsam und stechen sehr. Man glaubt, daß ein Fischerboot sie eingeführt hat, während die Sanitätsbehörden meinen, daß ein südlicher Wind sie herangeführt habe. Kerichtssaal. (n.) Gießen, 23. Mai. Die Strafka mmerverurteilte Heute den Dienstknecht Käsvar K. von Queckboru wegen Betrugs und Betrugsversuch zu vier Jahre Zuchthaus und 450 Mark Geldstrafe und zu 5 Jahre Ehrverlust. K. ist ein wiederholt rückfälliger Dieb und Betrüger, der sobald er aus dem Zuchthaus entlassen ist, sich wieder auf die Bahn des Verbrechens begibt. Seine Spezialität ist, sich als DiensÜnecht einstellen zu lassen, und mit dem empfangenen Mietgield das Weite zu suchen, ohne den Dienst anzutreten. Dies gelang ihm auch bei dem Bürgermeister von Lang-Göns, wo er 3 Mk. erhielt. Auf Hof-Güll machte er einen ähnlichen Versuch, der aber erfolglos blieb, da man. ihm nicht traute. Bei einem Spezereihändler entnahm er Zigarren und Bier ohne zu zahlen. Das Gericht sah sich veranlaßt, den gemeingefährlichen Schwindler auf längere Zeit unschädlich zu machen. Der gesetzlichen Vorschrift entsprechend, wurde auch auf Geldstrafe erkannt.— Wegen Sittlichkeits- verbrechen an einem zehnjährigen Kinde im Jahre 1896 wurde der Gastwirt Georg H. von Romrod zu 1 Jkchr 9 Monate Zuchthaus, und 3 Jahre Ehrverlust verurteilt. Er wurde vor einiger Zeit unter dem Verdacht sich an einer geisteskranken Person unsittlich vergangen zu haben, in Haft genommen. Im Laufe der Untersuchung stellten sich die obengenannten Verbrechen heraus. Die Verhandlung fand unter Ausschluß der Oefseutlich- keit statt; doch konnte aus den öffentlich verkündeten Urteils- gründen entnommen werden, daß der Angellagte zu derartigen Ausschweifungen neigt, da ihm in der Verhandlung, außer den unter Anllage gestellten Vorfällen, noch mehrere Angriffe auf Kinder nachgewiesen wurden. — Der hier wohnhafte Taglöhner Heinrich I. Lützellinden, dessen Strafliste 16 Strafen ausweist, wurde wegen Urkundenfälschung und Betrugs- Versuchs zu 1 Jahr Zuchthaus und 150 Mark Geldstrafe verurteilt. Er halte versucht, auf Grund eines von ihm gefälschten Schriftstücks von einem Landwirt zu Mendorf a. d. Lahn einen Geldbetrag von 5 Mart zu erschwindeln, was ihm aber nicht gelang. — Ein Urteil des Schöffengerichts Friedberg sand seine Bestätigung. Der Gastwirt Georg F. in Frankfurt a. M. hatte den zur Zeit in Jugenheim wohnhaften Gastwirt Jakob, «US Fchedverg wegen Beleidigung verklagt, weil er ibn öffentlich einen ,,Meinewsbruder'' genannt hatte. Das Schöffengericht verurteilte W. zu 1' Woche Gefängnis'., Er focht das Urteil an und glaubte beim Berufungsgericht mit einer Geldstrafe durchzukommen. Die Ausführungen, des Schöffengerichts wurden aber auch von diesem Gericht gebilligt, sodaß hie Berufung erfolglos blieb. — Der Schuhmacher Maier Sch. und der Handelsmann Hermann G. von Grebenau hatten sich gegenseitig wegen Beleidigung verflecht. G. hatte sich abfällig über die Vermögensverhältnisse des Sch. geäußert, sodaß ihm eine Bürgschaft gekündigt wurde, und Sch. hatte sich ausgedrückt, ,,er wolle G. die Haut abziehen bis auf die Knochen". Das Schöffengericht Msfcld erkannte beide der Beleidigung für schuldig und verurteilte jeden zu 20 Mark Geldstrafe. Sch. wollte freigesprochen sein, weshalb er Berufung erhob. Es trat aber in der Berufungsinstanz mir eine Aendenmg bezüglich der Kosten ein, das Urteil wurde im übrigen bestätigt. 0 Marburg, 23. Mai Der schon vielfach vorbestrafte Handlungsgehilfe Lorenz C h r z a w s k v aus I a r a t s ch h a u- land in Posen zog im Laufe dieses Jahres in den Kreisen Marburg. Biedenkopf Wittgenstein und Frankenberg umher und nahm Bestellungen auf fromme Sprüche und Bilder auf, indem er sich als Reisender der Anstalt „Bethel" bei Bielefeld augaab. So lagen bis beute ungefähr 200 Fälle vor, in denen er das Vertrairen der Leute mißbraucht und sich Mschlagszahl- ungen in Höhe von 50 Pfg. bis 3 Mk. auf die Sprüche und Bilder, die gar nicht geliefert wurden, geben ließ. Die Strafkammer erkannte heute auf IV2 Jahre Zuchthaus, 180 Mk. Geldstrafe und drei Jahre Ehrverlust. Leipzig, 23. Mai. Das Reichsgericht verwarf die Revision des Grasen Pückler-Kl ein Tschirn e, der am 12, Januar vom Landgericht 1 Berlin, wegen Aufreizung verschiedener Bevölkerungsklassen zu Gewalttätigkeiten gegen einander zu 6 Monaten Gefängnis verurteilt wurde. M ü n st e r, 23. Mai. Der evangelische T i v i s i 0 n s p s a r r e r Bachstein in Minden wurde heute von der Anklage, in einem am 19. Januar in dem Osnabrücker Zweigverein des evangelischen Bundes gehaltenen Vortrage die Einrichtungen der k a t h 0 l i s ch e n Kirche beschimpft zu haben, von dem Kriegsgericht der 13. Division f r e i g e s p r 0 ch e n. Ein sauberer Bäckermeister, ein Muster der Reinlichkeit, wurde am Montag von der Strafkammer in Hana u der Oeffentlichkeit vorgestellt. Wir drucken einen ausführlichen Bericht troü der ekelerregenden Sache ab, weil der saubere Herr weiteren Kreisen bekannt zu werden verdient und Bäckern und Metzgern als abschreckendes und warnendes Beispiel dienen soll. Es ist der Bäckermeister Karl Kaltenschnee von Hanau, Hirschstraße 22. Die in der Verhandlung zutage geförderten Tatsachen sind mebr wie ekelerregend, der reiche Bäckermeister hat in seinem Geschäft nicht die aller- notwendigsten Forderungen der Reinlichkeit erfüllt. Sein Mehlboden war nicht verschalt, sodaß das Mehl direkt unter den Ziegeln lag und fortgesetzt durch eindringenden Staub und herabfallende Spinngewebe verunreinigt wurde. Eine Tür hatte der Mehlboden auch nicht, Katzen und H ü hner liefen ungehindert ein und aus und täglich fanden die Bäckergehilfen die Exkremente dieser Tiere im Mehle vor, das aber trotzdem verbacken werden mußte, nachdem es einmal durchsiebt war. Dazu kam ferner, daß die Mehl kam mer direkt über den Schwei- ne ft allen und den Aborten lag, deren Dünste in den Mehlraum einströmten. Wenn Kaltenschnee seinen Schweinen das Futter bereitet und gebracht hatte, dann wusch er in der Regel seine dabei beschmutzten Hände in der Backstube in dem lauwarmen Wasser, das zum Anmachen des Teiges verwendet wurde, und goß diefe kchmutzigeBrüheindenTeig. Die Vacktücher, auf die die frischgeformten Backwaren gelegt wurden, sollen nur sehr selten gewaschen worden fein, infolgedessen waren sie mit einer dicken Scbmutzkruste bedeckt gewesen, ebenso die Dackbretter. Das Brot, das eben aus dem Backofen gehoben worden war, wurde gewöhnlich zum Erkalten aus die ungescheuertcu Fnstbodenplatten des Hofes gestellt: dabei kam es nicht selten vor, daß die int Hofe umherlaufenden Schweine die Brote befchnuvperten und benagten. Die also verunreinigten Brote wurden aber nicht etwa beseitigt, sondern gleich den anderen zum Verkauf gebracht. In der Verhandlung wurden 27 Zeugen, meistens frühere Gehilfen Kaltenschnees, und vier Sachverständige vernommen. Medizinalrat Dr. Eichenberg bekundete in seinem Gutachten, daß Kaltenschnee nicht nur gegen § 10 des Nahrungsmittelgesetzes, der den Verkauf ekelerregender und verdorbener Nahrungsmittel unter Strafe stellt, verstoßen habe, sondern auch gegen $ 12 dieses Gesetzes, seine Backwaren seien direkt gesundheitsschädlich gewesen. Das Gericht trat jedoch der letzteren Ansicht nicht bei, sondern verurteilte den Angeklagten nur auf Grund deis! § 10 des genannten Gesetzes zu 300 Mk. Geldstrafe. Der Staatsanwalt hatte drei Monate Gefängnis beantragt. Bemerkt fei noch daß dieser Bäckermeister seit Jahren in das Spital geliefert hat. — Die Strafe erscheint durchaus zu niedrig, Die beantragten drei Monate wären dem Herrn dienlicher gewesen. Nun, wenn er auch noch weiter Brot backt, — abkaufen wirds ihm hoffentlich niemand mehr. Bom deutschen Landwirtschastsrat. Stuttgart, 23. Mai. Der ständige Ausschuß des deutschen Landwirtschasts- rates setzte heute seine Beratungen fort. Wie der „Schwab. Merkur" berichtet, wurde über die reichsgesetzliche Regelung des Privatversicherungswesens, ferner über die Erhebungen des Landwirtschaftsrates über die einheimische Fleischproduktion, über die Entwicklung der Preisberichtsstelle des Landwirtschaftsrates, über die Verwendung der vom Reichsamte des Innern bewilligten Summe von 20000 Mk. zur Ausführung von Fütterungsversuchen, über den Beschluß der diesjährigen Plenarversammlung über die Verwendung von Kart off elsyrup bei Herstellung von Nahrungs- und Genußmitteln, sowie über die Errichtung einer internationalen Agrarkommission (in Rom) verhandelt. Damit war die Tagesordnung erledigt. Heute nachmittag fuhren die Teilnehmer nach dem Burgholzhof, wohin sie der Minister des Innern Dr. v. Pischek zum Abendessen geladen hat. Landwirtschaft. (p.) Aus dem Kreife Wetzlar, 24. Mai. Die Zeit, in der das Jungvieh herausgetrieben wird, ist wieder ha. Allerdings geschieht dies nur noch in ben wenigsten Orten unseres Kreises. Es fehlt eben an den nötigen Weideflächen. Die , Forstbehörde dürfte daher b~n Wunsch so vieler Landwirte in Erwägung ziehen, im Möglichkeitsfalle einen kleinen Walddtstrikt an die Gemeinden zur Anlage von Viehweiden abzutreten. Garbenheim und Hof Altenberg haben bereits Gemeinde-Weideplätze. Die Schafzucht ist in den letzten Jahren im Greife Wetzlar zurück gegangen; denn auch da fehlt es an 23ti5c» gnägen. __________________ AvsM ««s den Atmdes«mtsre«lstero der $fnM Eießro. Aufgebote. Mai 13. Wilhelm Micbel, Polsterer und Tapezierer in Ober- lahnstein, mit Marie Elisabeths Reh dahier. — 9tudolf Frenzel, Sattler dahier, mit Amalie Schweitzer hierselbst. — David Strauß, Kaufmann dahier, mit Gutta Feuchtwanger in Fürth. — 14. Dr. med. Ludwig Krieg in Stockheim, mit Emmy v. Ml'mchow dahier. — 15. Karl Hermann Paul, Bäcker dahier, mit Johanna Christine Alwine Noerenberg in Butzbach. — Hermann Weller, Musiklehrer dahier, mit Marie Stiehl hierselbst. — Heinrich Löwenstein TL, Postbote in Wiefeck, mit Katharine Geißel dahier,— 18. Adosi Römheld, Kaufmann in Mainz, mit Emma Siegeletz dahier. — Emil Braun, Bautechniker dahier, mit Margarete Keßler hierselbst. — Karl Grüner, Diener dahier, mit Wilhelmine Otter- bein hierselbst. — 19. Bernhard Maymann, Tlener dahier, mit Ulatia Hammerl hierselbst. Eheschließungen. Mai 18. Karl Berg, Geschastsiührer dahier, mit Marie Will hierselbst. — Karl Krämer, Taglöbner dahier, mit Elisabeth Wisker hierselbst. — August Lehrnnmd, Erdarbeiter dahier, mit Anna Marie Spill hierselbst. Geborene. Mai 6. Dem Schlossermeister Heinrich Schön eine Tochter Wilhelmine Frieda. — 7. Dem Laternenwärter Josef Schumann eine Tochter. — 9. Dem Weißbindermeister Konrad Dürr ein Sohn Adam. — Dem Buchbinder Hugo Sann eine Tochter — 10.Dem Bureauvorsteher Karl Kreß ein Sohn Arthur Willy. — Dem Bierbrauer Christoph Rudolf Loos eine Tochter Marie. — 11. Dem Bäcker Karl Schnell ein Sobn Karl. — Dem Schuhmachermeister Theodor Eißseller ein Sohn Friedrich Theodor Wilhelm. — l 2. Dem Kaufmann Arnold Schönau eine Tochter Helene. — Dem Former Wilhelm Köhlinger eine Tochter. — Dem Kaufmann Heinrich Junker ein Sohn Erich Alfred Reinhold Karl. — 13. Dem Bahnwärter August Klös eine Tochter Erna Katharine. — Dem Friseur Georg Wahl ein Sohn Georg. — 14. Dem Taglöhner Heinrich Peter Schmidt eine.Tochter Lina Elisabethe. — Dem Lokomotivheizer Ludwig Klein eine Tochter. — Dem Gastwirt Johann Richard Urmersbach ein Sohn Peter Richard.— 15. Dem Metzger Heinrich Huhn ein Sohn. — 16. Dem Veterinärmediziner Gerhard Wilhelm Meese eine Tochter Melitta Friederike Luise Gertrud. — 18. Dem Lokomotivführer Karl Gerlach eine Tochter. Gestorbene. Mai 15. Heinrich Ludwig Klös, 24 Jahre alt, Kanzleigehilfe dahier. — 16. Elisabethe Steinmüller, geb. Zimmermann, 31 Jahre alt, Ehefrau des Straßenkehrers Heinrich Steinmüller dahier. — Andreas Wilhelm König, 81 Jahre alt, Rentner dahier. —- 17. Wilhelm Lippold, 55 Jahre alt, Wirt dahier. — Helene Fenßer, geb. Schneider, 54 Jahre alt, Witwe des Weißbinders Heinrich Feußer dahier. Kandet «i'd VerKcl-r. Poskswirlschaft. Berliner Börse vom 23. Mai 1905. (Mitgeteilt von der Bank für Handel und Industrie, Gießen.) Privat-Diskont 2*/4 Prozent. Anfangs- u. Schlußkurse. Oest. Kredit .... 210.25 210.37 Deutsche Bank . . . 237.20 237.12 Darmstädter Bank . . 140.50 140.75 Bochumer Guß . . . 240.60 241.00 Harpener Bergbau . . 212.00 212.26 Tendenz: Ziemlich fester. Erz-Kuxe. F e r n i e. Angebot 3450, Nachfrage 3400. Ausbeuten und Zubußen, 1903: 225; 1904: 300. Essen, 22. Mai. Tie „Rhein.-Westkäl. Ztg/ berichtet aus Bochum: Die Aprilstatistik des Zementsyndikats, an dem 38 Werke beteiligt sind, weist nach, daß der 7 687 500 Faß betragenden Jahresbeteiligung im Avril 302 005 Faß innerhalb der vertraglichen Abladungen zur Ablieferung kamen, was einen Prozentsatz von 3,93 auf die Jahresbeteiligung entspricht. Da innerhalb der ersten drei Monate des Jahres 1905 6,70 pCt. der Jahresbeteiligung untergebracht wurden, erhöht sich damit die vom Januar bis einschließlich April 1905 erzielte Versandmenge auf 10,93 pCt. der Jahresbeteiligung, gleich 817 396 Faß. Kleine Finanzchronik. Das Ergebnis der Drachenberger Zuckersiederei wird etwas besser geschätzt als das vorjährige, in dem 7 Prozent verteilt wurde. — Beim Bergischen Gruben- und Hüttenverein in Hochdahls hat sich die Unterbuanz verringert. Eine Dividende kann aber nicht verteilt werden. Im vorigen Jahr wurden 3 Proz. aus Refervemitteln gezahlt. — Der Bochumer Verein für Gußstahlfabrikation wird den zu Beginn des Bergarbeiterstreiks ausgeblasenen Hochofen anfangs Juni wieder anblasen. — Die Manusakturwarenfirma M. Schneider in Stuttgart bietet ihren Gläubigern 40 Prozent. Die.Passiva betragen 190 000 Mark. — Von beteiligter Seite wird mttaeteut, daß die bisherigen Anmeldungen für die Rumänier-Konverfum in dem erwarteten großen Umfang erfolgt find. — Am 27. d. M. findet in Midesheim die Generalversammlung des Verbandes deutscher Farbenfabriken statt, der seit acht Jahren besteht. Dre Mitgliederzahl ist in diesem Jahre auf 55 gestiegen; nup noch wenige Farbenfabriken stehen aus'. — Der. Äufsichtsrat der Deutschen Gold- und Silberscheideanstalt Frankfurt a. M. wird die Dividende mit 18 Prozent tn Vorschlag bringen gegen! 16 Proz. i. V. — Die Dividende der Suezkanalgesellschafi für 1904 beträgt auf die Aktie 141 Fr. netto (i. V. 130 Fr.) und auf die Gründeranteile 70 926 Frs. (64 565 Fr.) gleich '66 570 Fr. netto (60 506). Deuts chlands Außenhandel Januap—April 1905. Die Ziffern für die ersten vier Monate des laufenden Jahres zeigen gegenüber den beiden Vorjahren eine erhebliche Steigerung der Einfuhr. Sie betrug 160 715 816 Doppelzentner und überstieg die des Jahres 1904 um 18 734 060 Dz. und die des Jahres 1903 um 26 303 955 Dz. Die Gesamtausfuhr blieb in den ersten vier Monaten mit 119 197 498 Dz. um 5 584140 Dz. gegen 1904 und um 1 392 243 Dz. gegen 1903 zurück. Kleine Banknoten. Die Micht der FinaNzverwaltuntf, flehte Banknoten in größerer Zahl als seither in! Umlauf zu brtngen, hat bei den Gewerbe- und Handeltreibenden, vielen Beifall gefunden. In einigen Zeitungen hingegen wird opponiert und zwar in einer Weise, als stünde die ganze Goldwährung ttt Gefahr. Diese tat sich jedoch so fest eingeMrtiert, d-ck sie keinesfalls durch die Ausgabe neuer Banknoten irgendwie. irritiert werden kann. Ohne Papierwertzeichen sagt das' Berliner Finanzblatt „Plutus^ mit Recht, kann das moderne Geschäfisleben nickst existieren; es ist währungspolitisch absolut gleichgiltig, ob die Bevölkerung das bare Geld selbst oder eine Anweisung auf bares Geld in der Hand hat. Märkte. () Kirchhain, 23. Mai. Auf dem heutigen Rindvieh» ntarkt waren etwa 550 Kühe und Rinder auf getrieben, die zu hohen Preifen verkauft wurden. Auf dem Schweinemarkt kosteten Ferkel 34—44 Mk., Säufer 50—70 Mk. und Schlachtschweine 80—120 Mk. pro Paar je nach Qualität. Die Zufuhr belief sich auf 600 Stück. Telephonischei* Kursbericht. 23. Mai. Offizielle Schlusskurse. Frankfurt a. M. 4% Ungar. Goldrente 4o/a Italien. Rente 4% Portugieser I . Tendenz: ruhig. 106.40 67.00 67.20 88.40 185.20 53.40 00.00 30/ 1% 3Ve% 80/0 3V,°/o 3 % Portugiesen. HE Unif. Türken . 101.50 . 90.33 . 101.55 . 90.25 . 100.15 . 99.- . 101.95 80/ Mexikaner 4V2o/o Chinesen . Electric. Sohuckert Nordd. Lloyd . . Kreditaktien . . Diskonto-Kommandii Darmstadter Bank Dresdener Bank . Berliner Handelsges Oesterr. Staatsbahn Lombarden . . Gotthardbahn . » LaurahÜtte . . Bochum . . . Harpener . . . Staatschatzscheine Türkenlose ...... 4% Griech. Monopol.-Anl. 41/a% äussere Argentiner 8*/a% Hessen . . 31/, % Oberhessen . 4% Oesterr. Goldrente . 66.69 . 96.30 . 135 90 . 124.10 . 210 50 . 186.40 . 140.70 . 153.90 . 169 30 . 143.90 . 15.70 . 00.00 . 265.00 . 239.70 . 211 50 . 100.45 Reichsanleihe do. Konsole « do. . . 4l/s % Oesterr. Silberrente . 101.50 • ” ~ . 99.75 Für die Gesamt-Redaktion verantwortlich: i. V. August Goetz. Achtung! Vorsicht! v beim Einkauf Von Wtraer8r«tr’=Cah-5err8jat, denn Viele Nachahmungen Werden untergeschoben. M W Lleblgstrasse 51, Riegelpfad. n,,Askania Therme“ mit selbsttätiger (automatischer) Zündvorrichtung Der derzeitig zweckmässigste 1 Gas-Badeofen und Schnell-Wassererhitzer für Wandbefestlgunq und auf Zimmerheizofen, mit höchster, unübertroffener Leistung bei sparsamstem Gasverbrauch. 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Heß. Arbeitsvergebung Bei dem Faselstall zu Leihgestern soll ein Brunnen auf dem Wege der Submission zur Ausführung kommen. Der Voranschlag liegt zur Einsicht auf der unterzeichneten Bürgermeisterei offen, und sind Angebote mit entsprechender Aufschrift bis zum 27. d. M., nachmittags 6 Uhr, daselbst K. 87/04. B 75 Mwu-denLl.AmIWZ, nachmittags 3 Uhr, wird auf hiesigem Ortsgericht die vor dem Namen des Heinr. Debus stehende Parzelle der Gemarkung Gießen 1/405 — 52 qm Hofraite auf dem Lindenplatz öffentlich meistbietend versteigert. Gießen, den 9. Mai 1905. Großh. Ortsgericbt Gießen. Gros. 500000 = 375000 250000 150000 100000 = 100000 Wetzmng Donnerstag bc:i 25. Mail. I., nachmittags 3 Ubr, sollen im städtischen Pfandlokal Seltersweg 11 dahier die wegen rückständigem Mädchen- und Realschulgeld 4. Quartal 04, elektr. Stromgeld pro Januar und Februar 05, Miete pro Februar 05 und isr. Gem.- Steuer 4. Quart, gepfändeten Gegenstände (Möbel aller Art), 3 Wagen und 1 Faß Farbe, sowie 4 Lorbeerbäume versteigert JM-100 000 SÄ =200000 ÄT =250000 u. s. w. Am 2. Juni 1905, vormittags 10 Uhr, wird im diesseitigen Geschäftszimmer Kaserne I der Bedarf an Fleisch- und Wurstwaren für die Garnison Gießen mit die Zeit vom 1. Juli bis 31. Dezember 1905 verdungen. Die Lieferungs - Bedingungen liegen im Geschäftszimmer aus; dieselben können auch gegen Zahlung der Selbstkosten bezogen werden. Schriftliche und versiegelte Angebote sind im Geschäftszimmer vor Beginn des Termins mit der Aufschrift: „Angebot auf Lieferung von Fleisch- und Wurstwaren" versehen abzugeben. lD18/6 G a rnisonverwaltung. 41800 Ä und 6 Prämien von zus. über kommen in der 2762 O.Hess.-Thüring. Staatslotterie zur Ausspielung. 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