lEllöcn * in M62 W/U HMW > aller'Hielt beftaiiqen, ba/jee | 6itlltn,Stiftrbfi^ali‘U.ärü^ kn, verschlkimnng (Katarrh), ni, mh,w chhoflkv kein bergleid). sblüit )l, welches sich aud) nur ar jcmb mit den icqensteitk >eiiichasien des Rheiuy^ aubeii-Ärust.tzonrg» e- chen könnte. Vorrang t. ) 111/, u. 3 Mark bei G.i iuheuu,Delic.-u.Lolüinck ijiffitn, Bahndoislr. 59. , W M lenstadt liiMM*\ rcs -ft». * ^bst-Kelter», äbenlchuerver, 3««^ pumpen «. [481$ Ä« »om.g. Hf-1 ILiienwarenhandlung.__ § Mn °s W* > sitwni« jriiu ovflt. S«u3eS*l )1 _ or^sedk- isen / '"fsorle- erde ;oclien8eräle/-: ,5ebi-«e _ Zöpfe •eher, Haarumerlagen etc. erden gut und billig angefenigl lermann Plank Witwe pezial Lamen-FrisiergelG Kaplausgasie 2. M Ja- geladene 6Wnnig. 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Witiko: für «L!»'r»'Mjz, M Anzeigeblatt für den Kress Gießen ZZM Die öeuttqe Kummer umfaßt 10 Seiten. politische Wochenschau. Gießen, 23. Dft Det hessische Landtag ist in Tarrnftobt zu Beratungen versammelt. Die erste Tat der ersten Kammer, der Kammer des Umsturzes, war die Verwerfung der -Gemcindesteuervorlage. Und ebenso vernichtet hat sie das große Wahlrechtsreformwerk. Das Volk kann warten! Ten Herren des hohen Hauses beliebt es zur Zeit noch n icht den Wünsck>en des Volkes und seiner einsickftSvollen Negierung zu entsprechen. Was die Negierung zur Durchführung einer mögtidjft gerechten Besteuerung aller VolksUasscn nach mühsamer Arbeit und reiflichsten Erwägungen den Parlamenten auflischte, das wurde von diesen nach flüchtigster Einsicht durch-- gepeilsäst. Doch während die eine Kammer die guten Msichten der Regierung begriffen hatte und dieses Gesetz ohne Bedenken -genehmigte, warf die andere es mit großer Eaberdc in den Papierkorb. Tie Kräfte, die die Last der Arbeit tragen, unterlagen denen, die große Reden halten. So stehen denn die Steuer- und Wahlrcformfreunde am Ende ihres Lateins. Jetzt herrscht allenthalben vollendete Unsicherheit und Unklarheit über das, was werden wird. Ter Finanzminister erklärte, daß eine Umarbeitung des Steuerreformwerkes ihm unmöglich sei. So ohne weiteres werden sich ja Regierung und Volk die Vergewaltigung durch ein kleines Häuflein unberechtigt Mächtigster nicht gefallen lassen. Tie umstürzlerische Berschleppungsvolitik der ersten Kannner, der selbst ein so vernünftiger Vorschlag wie die Einführiing einer W er t z u w a ch s- steuer nicht paßt, wird aber gegeiiüber jedem vernünftigen und volksfreundlicl»en Reformwerk immer wieder aufs neue einsehen. Ganz mit Recht jubelt man in Worms, wo man draus und dran ist, das Ansehen d e s h e s s. Nationalliberalismus im Volke ebenso zu zertrümmern, wie die beiden großen Gesctzcswerke, sodaß es wahrlich endlich die dringende Ausgabe aller wahrlwft Liberalen innerhalb der nationallibcralen Partei Hessens wird, alle ihr sich aufdrängenden Reaktionäre ein für allemal gründlich von sich abzuschütteln. Dort posaunt man triumvhierend in Telegrammen den großen Erfolg gegenüber der Regierung imh der zweiten Kammer aus. Was aber Worms erreichte, das ist allgemeiner Volksunwille und neuer Kampf. Schon wurde in der zweiten Kammer von sozialdemokratischer Seite der Antrag eingebracht auf abermalige Vorlage des Wahlgesetzentwurfes; Dr. Davids Hoffnung darauf, daß der Erfolg dann ein anderer sem wird ist nicht gering. Wir sind weniger hoffnungsfroh. Es bleibt nach wie vor der schlimme Umstand bestehen, daß eine Einigung aller gesetzgeberischer Aktoren, der Regierung, der zweiten und her ersten Kummer, nickst zu erzielen ist, daß die winzige Minderheit von Reaktionären im Lande die Mackst besitzt, entgegen dem klar bekundeten Willen des Großherzogs, der Regierung, der Mehrheit dec zweiten Kummer eine Modernisierung der gegenwärtigen vorsintflutlichen Verfassung und eine möglichst gleicknnäßige, möglichst volkstümliche Umgestaltung be§ Eemeindesteuerwesens unmöglich zu machen. Tas direkte Wahlrecht wäre schließlich zu erreichen, aber unter welchen Bedingungen? Nur unter wesentlicher Verstärkung der jetzt schon überstarken Kräfte der Standesherren. Tas, so sagte sich die zweite Kammer, und man wird das verstehen, wäre denn doch zu teuer erkauft! , Die neuen Kämpfe also werden nicht lange auf sich warten kaffen, sie werden fortgesetzt werden bis zum endlichen Siege des VolkSwillens. Hessen wird sein modernes Gemeindesteuergesetz erhalten und die notwendige Verfassungsneuemng diirchführen. Was in Vaden möglich war, wird Hessen nicht versagt bleiben, dem Lande, dessen Regierung die sozial am wertesten fortgeschrittene aller deutschen Bundesstaaten ist. Schauen wir uns doch das Ergebnis der badischen Land- tagswahl an! Der liberale „Bloch' hat außerordentlich gilt abgeschnitten. Und wie gering ist der Erfolg der bad. Sozialdemokratie, die es trotz des direkten, allgemeinen Wahlrechts bloß auf em halbes Dutzend Mandate brackste! Welches endgiltige Ergebnis die Stichwahl herbeiführen wird, ist gegenwärtig um so zweifelhafter, als in ihr die relative Mehrheit entscheidet und alle Parteien, die wenigstens 15 Prozent der abgegebenen Stimmen auf ftck vereinigten, an der Stick/wahl teilnehmen dürfen. Hat Kardinal Fischers Rede über die Notwendigkeit des kon fessio- n e l l e n F r i e d e n S auf die badischen Zentrilmsfuhrer Eindruck gemacht, dann müssen sie jeden Schritt vermeiden, der Mittelbar ober unmittelbar der Sozialdemokratie zugute kommt! Warten wir ab, waS in dieser Hinsicht geschieht. _ Im Gegensatz zu dem Wechsel i m h e s s. I u st r r m r n r st e- rium, der ohne politische Bedeutung für unser Großherzvgtum ist, hat das jähe Ende des preuß. H a n d e l S m i n r st e r 5 Möller in unserm großen Nackcharstaate Auffehen erregt. Herr Möller, der sich nach seiner Rückkehr von der Ferienreise so gesund und kräftig ft'ihlte, ist über Nacht in der Versenkung ver- schwi'nden. Er darf fortan seinem Familiennamen ein „von" vormfttzen. Ebenso wenig wie Herr Dr. Tittmar wirb Herr v. Möller seine Kraft nun traeder der naticmalliberalen Parte, zirwenden. Beide Exzellenzen werden sich wohl gänzlich inS Privatleben zurückziehen. Wahrscheinlich ist, daß die Ersetzung des Herrn v. Möller durch den Oberprästdenten Delbrück mit em er Einzelfraqe. der Hibernia-Angelegenhcit, zusammenhängt In d-r Ausführung eines anscheinend gut unterrichteten Wiener Blattes hieß es, Möller sei von seinen geheimen Gegnern aus das Glatteis dieser neuen BerstaatlichungSaktion gelockt tvorben um eine Handhabe gegen den Minister gewinnen zu können ES ist kein f'iibercr Streich, der da, wenn sich diese Darstellung bestätigen sollte, dem Minister gespielt worden ist. Wie oft ein übles Jntrigenwescn die gesunde Zusammen arbeit an den entscheidenden Stellen vereitelt, wissen wir in Hessen ja leider auch nur zu gut. Ein dritter Ministerwechsel soll der beß preuß. Justiz- Ministers sein. Tie amtliche Bestätigung ist indes nock' nicht erschienen. Falsch war dagegen die Meldung, daß der preuß Landwirtsckwf'sminister v. Podbielski seine Demission zu nehmen beabsichtige. Wie fest Herr v. Podbielski dastehl, beweis das Antwortschreiben des Reichskanzlers an die vorbereitende Deputation des Deutschen S t ä d t e t a g e s , in der diese um eine Audienz in Sachen der Fleischteuerung nachsuchte Fürst Bülow wollte sich diese Audienz fern haften, damit er nur ja nicht amtlich in einen Widerspruch zu der Politik Podbielskis gebracht werden könne. Tie oberbürg.rmeisterlickie Deputation unter dem Vorsitz des Berliner Oberbürgermeisters Stirfcfrner hat indes folgendes beschlossen: 1 der Beschluß, beim Reichskanzler eine Audienz von sieben Mitgliedern des Vorstandes nachzusuchen, wird a u frucht erhalten. 2. Ein d e u t s ch e r S t ä d t e t a g soff im N o v e m - ber mit folgender Tagesordnung stattfinden: a) Konstituierung des deutschen Städtetages auf Gnind des vom Vorstand vor- gelegten Entwurfes der Fassungen, bs F l e i s ch v e r s o r g u n g der deutschen Städte und Schädigung iljrer Bevölkerung durch die andauernde Fleisckfteuerung. Fürst Bülow wird mm wieder eine sehr wohlgesetzte schöne Rede halten und die Herren Oberbürgermeister mit einer Fülle schöner Redensarten abspeisen, wie es des Landes so der Brauch ist Ein anderes Ergebnis wird ja die Audienz md)t haben, wenn er auch die Meinung der deuisckwu Städte unverblümt zu froren bekommen wird. Don der von Herrn v. Podbielski in die Wege geleiteten Untersuchung der Gründe der Fleischteuerung ist die Antwort der sächsischen Landwirtschaftskammer bekannt geworden. Sie lautet, ganz wie die heute an anderer stelle wiedergegebene Erflärung des hessischen L a n d w i r t - schaftsrates, dahin, daß die L a n b w i r t e an der T e ue r- ung unschuldig und die Händler und F l e i s ch e r d a - ran schuld sind. Im übrigen verwirft auch die sachs- Land- wirtsck^ftskammer jede Erleichterung ber Dieheinftchr. In dieser Hnen Antwort ist auch der Tenor aller übrigen Antworten ent- hftten. Sie sollen jetzt affe ber Regierung vorliegen, die, wie es heißt, jetzt die ylbfftsnng einer D e n k s ch r , f t f u r den Reichstag plant. Mit solckwm Schreibwerk vertrödelt die Reickisregierung ihre Zeit und die Fl e i s ck'1 e u e r n n g nimmt unterdes ihren unheilvollen Fortgang. Ter Vennehrung der sozialdemokratisck^en Stimmen bei der Essener Re-.chstagswahl und dem enormen AnsckMeffen der Stimmenzahl der Polen für den polnisckien Arheiterckandidaten in lxr Wahl von Kattowitz aber sckienkt man in Berlin keine Veackftung! L,as ist Podbiels- fikfre Politik, die Politik der jetzigen Mehrheitspartelen im preuß. Abgeordnetenhaus und Reickistag. K^nn unter solchen Umständen das deutsche Volk noch Achtung vor seinen Parlamenten ^Äe katholische Kirche sucht geschickt auf jede Weise Fühlung mit der den Ischen Dr 1 hodoxie zu gewinnen bezw. zu behalten, und dieser die Auffassung beizubringen, daß es für sie nickfts Wtck;tigeres gebe, als den Kampf gegen den Materialismus und gegen die angeblich zu ihm ftährende freiere Richtung der protestantischen Theologie. Wie erfolgreich diese Bestrebungen .sind,, zeigt die Intimität der Stöckerschen Propaganda mit derjenigen des Zentrums, zeigt ferner ber Ton, der augenblicklich von orthodoxen Körperschaften auch bei uns in Hessen gegen die moderne Theologie angeschlagen wird. Diese Erscheinungen in Derbindimg mit allen den Bestrebungen, welche auf Erweiterung der Macht der K-.Me und mehr noch der Geistlickckeit, auf Auslieferung der Volksschule an die Kirche und Konsessionalisierung des Hochschulwesens gehen, zeigen, wohin der Kürs gelft. Es müssen alle Kreife des Liberalismus auf dem Posten sein, daß eme Erschütterung beS Besitzstandes ber geaenwärtigen Kultur in keiner Weise zu besorgen sei. Aus der fr e ss i sche n T a g e s -P r e s s e ist der hessische Tbevlogenstreit nicht etwa nur in die Fachpresse, sondern nach Berlin in den „Reichsboten" verpflanzt worden. Möge er darin sein Ende sinden! Ein interessantes Dokument zu den gegenwärtigen sozialpolitischen Bestrebungen war ein offener Brief Schmollers an Naumann, worin Schmoller seinen gegen Naumann auf der Mannheimer Tagung des Vereins für Sozialpolitik eingenommenen Standpunkt zu rechtfertigen sucht. Nennt sich Schmollers Verein einen Verein für „Politik" (und der Begriff „Sozialpolitik" schließt doch den Begriff Politik in sich ein) so läßt sich die Maßregelung, die Prof. Sckpnoller dem früheren Pfarrer Naumann angedeihen ließ, in feiner Weise rechtfertigen. Hieße Schmollers Gesellschaft Verein für Sozial„forschung", so wäre der Schmollersche Vorwurf vielleicht begründet. Tenn das ist der Angelpunkt des Streites, daß der Forscher gegen den Politiker auf tritt, der Archimcdes, der seine Kreise nicht gestört sehen will, gegen den, der die Zukunft gestalten wiff, nach einer impulsiv ihn treibenden Idee. Tie Krisis wächst daher über die persönliche Bedeutung hinaus zu einer prinzipiellen Gegenüberstellung, die auch für die Kreise der Wissenschaft aktuelle Bedeutung gewinnen muß. In einem andern Zweige der Wissenschaft begegnet man einem ähnlichen Gegensatz in der Gegenüberstellung Dirchow-Häckel. Ter eine stellt nicht die große Endftage und beschränkt sich auf die Feststellung von Tatsachen und ihren naheliegenden Ergebnissen. Der andere stellt die Endftage unb gruppiert die Tatsachen so, daß sich auS ihnen eine deutliche Schluß-ntwort, eine Zielbestimmtheit ergibt. Die ältere, vorsichtigere Schule steht ablehnend gegenüber der jüngeren, der kühneren. Dir glauben nicht, daß SemrollerS in Samt gehüllter Lockruf an Naumann zur Umkehr für diesen irgendwelck>m Reiz haben wird. Ist er eine Apvstelnatur — und Schmoller behauptet eS — so wird er nur die Botschaft verkünden, deren Träger er selb-r ist, nicht aber diejenige, die nicht seiner Individualität di 11 । In dem sübwestsfrikanischen Aufstandsgebiet hat General v. Trotlw weitere Kämpfe durchgefochten, und fast jeder Tag bringt neue Meldungen von Mensck»enverluiten bei der Verfolgung von Vikhräubern, auf Patrouille und nicht zum wenig- sten an Krankheiten, wie 3>PkmS, Lungen- oder Bauchfellentzündung, Hertschwäche usw. Witboi und Morenga sind nock> unbesiegt. Wie wenig Erfolg die Trotlwsche Kriegführung diesen beiden Häuptlingen gegenüber aufzuweisen bat, darüber ist man durch die letzten Mitteilungen vorn Kriegsschauplatz vollständig orientiert. Morenga. bat einen Proviantzug von 15 Wagen erfreutet. Witboi konnte in der Nähe von K'eetmanshop, ohne em Gliche Verfolgung zu gewärtigen, alles mögliche Vieh weq- treiben. Auch in Deutsch-Ostafrika ist die Lage sehr ernst. Neuerdings hatte dort Oberleutnant Sommerfeldt vom „Seeadler" ein blutiges SäjarmuM mit den Ausständischen. Tie Nachwirkungen der Enthüttungen Telcass^s, ber jetzt drauf und dran ist, Frankreich mit Spanien out5 mgste zu liieren, svuken nocb immer in der Presse der Welt. Während die ft-nzös. Blätter meist sehr leidenschaftlich die Frage erörtmt, ob Rouvier noch viel deutlicher, als e5 geschehen, die imtrrfdKihenben Merkmale der neuen französischen ouAvärtigen Politik öffmtftch keunzeickmen solle, geben einflußreiche Staats männer, wie der Vi--präs'^ent bet Kammer, Lockroy, sowie -inige mit Rcniv'ers Mächten ebenso (jenau vertraute Senatoren ber Meinung Ausdruck, es sei das rickftigste, die öffentliche Meinung Frankreichs vorläufig sich selbst zu überlancn und auch dem Auslände gegenüber kein er! er neue bindende Verpflichtungen emzugefren. Tresc Poft.trk das Zuwartens empfehle sich besonders darum, weil man aufregenbe Kammerch-batten vermeiden und Loubet während der letzten Wochen seines Regimes nicht in die Lage bringen will, sich mit neuen Ministern zu umgeben. Ein Nates Programm Frankreichs sei von dem neuen Staatschef und evtl von neuen Mmrstem nrcht vor Mär; 1906 zu erwarten. Hoffentlich macht bte bemnadM stattfindende Marokko-Konferenz den allgemeinen Verständigung endlich frei uTib gibt der Weltlage eine friedlichere Gestaltung. Mlerdings ist tne Wahl von Algeciras für die Konferenz noch nicht ganz bestimmt. Und zu denken gibt es ferner, daß so einflußreiche fr an zös. Blätter, wie das „Journal des Debats" sprecht deut s chfe in dl,i Ä zeigen und daß die L i b e t a 1 e n ,r n E n g l a n d auf dem Gebiete ber auswärtigen Beziehungen mit bet bisherigen höchst Stott- heutigen Politik ber Konservativen durchaus einverstanden sind, unb baß Lord Rosebem mit seiner Abneigung gegen Frankreich in der liberalen Partei isoliert dasteht. . In Ungarn hat ff-ejervarh das neue Ministerium wieder übernommen Kristofsps vom Kaiser bereits genehmigtes Wahlreform-Projekt ist nicht, wie bisher angenommen wurde, ent Pluralftstern, sondern die Basis de? Reform bildet das allgemeine und gleiche Wahlrecht. In allen übrignr Plänen will das Kabinett den Grundsatz eines Stunden Staats- Sozialismus und der Demokratie unter besonderer Btrücksichttg- ung der nationalen Aspirationen Ungarns verfolgen. Die schwedisch-norwegische Union 8 t re n n u n g wurde auch von Schweden genehmigt. Wahrscheinlich wird die normeg Dvpvsition ihren Vorschlag zur Gründung einet Re publik ausgeben, indem sie alle Anstrengungen darauf konzentriert, eine Volksabstimmung vor der Königswahl durch- zupressen, was der I-raktion jedenfalls eine erschütternde lieber- tage bereiten bürste. Tas Land will den inneren Frieden, was mir mit der bestehenden Verfassung und einer liberalenl M onarchie möglich ist. Die Regierung ftihrt bereits tn dem Staatsbudget die Ziviffiste mit 750000 Kronen auf Mit dem Großfürsten CYti 11, der sich hntt der früheren Oftoßfrerzogin Melitta vermählte, ist der Zar völlig zerfaffen. Er ließ ifrn aus der russischen Armee streichen und seine A^nage sperren. Auch Großfilrst Alexis, der inkognito m Paris ein- getroffen ist, gedenkt vorläufig nicht mehr nach Rußland zuruck- zukehren iVgl. die beutiaen „Ruff Neuigkeiten .1 Belilische Tagesschau. Die Lehren der badischen LavdtagSwahlen für Hessen. Ter hauptsächlichste Einwand der hessischen Auchlib^ ralen gegen die direkte Wahl die Behauptung, daß mit ihr die Volksvertretung von der Sozialdemo^ kratie überflutet und durch deren und anderer Kreise Klassenpolitik die Sorge siir das allgemeine Wohl zurückgedrängt wird. Wie wenig stichhaltig diese Behaus tunZ ist, lehrt uns ein Bffa auf den Ausfall der habt* scheu Landtagswahlen. Auch dort war die gleiche Befürchtung laut geworden und wie bei uns, suchte die badische erste Kammer gegen das Gespenst der sozialdemo^ kratischen Klassenherrschaft durch eine Erweiterung des Bud- getrechtes der ersten Kammer einen Schutzdamm zu errichten. Dank der Festigkeit der liberalen Parteien wurde daraus nichts und das direkte Wahlrecht wurde ohne das Kautel der Beschränkung der Volksrechte ein- gesührt. Die erste direkte Landtagswahl hat nunmehr jenen Schwarzsehern Unrecht gegeben. Bei einer außerordentlich lebhaften Wahlbeteiligung, wie sie unter dem indirekten Wahlsystem nie eingetreten war, gelang es den Sozialdemokraten, nur 17 Proz. aller abgegebenen Stimmen zu erreichen, obwohl sie in allen Wahlkreisen Kandidaten aufgestefft hatten. Zwar blieben alte Parteien gegen ihre Stimmenzahl bei den letzten Reichstagswahlen zurück, aber bei den Sozialdemokraten ist dieser Rückgang am beträchtlichsten. Tenn das Zentrum erzielte 126 000 Landtags- geyen 134 000 Reichstagswahlstimmcn, und die liberalen Parteien 106 000 Landtagswahl- gegen 112000 Reichstagswahlstimmen, die Sozialdemokraten erhielten dagegen bei den Landtagswahlen nur 50 000 Stimmen gegen 71900 bei den letzten Reichstagswahlen. Noch lehrreicher ist ein Blick auf das Wahlresultat iit den großen, den Jnduftrte-undHandelsstädten. Während beiden indirekten Wahlen Mannheim seit Jahren eine fast unbestrittene Domäne der Sozialdemokraten war und auch Karlsruhe schon einmal eine sozialdemokratische Vertretung hatte, siegten beim direkten Wahlsystem in Mannheim die liberalen Parteien in zwei Bezirken sofort und gelangen in einem weiteren Bezirk in eine nicht ungünstige Stichwahl, während es den. Sozialdemokraten nur in zwei Bezirken gelang, die Mehrheit zu erringen. In KarlS- ru he endlich wurde ein Liberaler sofort gewählt und die drei übrigen Bezirke werden nach den Ziffern der ersten Mahl in der Stick^nahl jedenfalls ebenfaffs liberal wählen. Also ist es gerade unter dem direkten Wahlrecht gelungen, den industriellen und Handelsinteressen der g r o ß e n S t ä d t e in der Volkskammer eine Vertretung! zu sichern, die sie beim indirekten Wahlrecht ent« b e h r e n mußten. Tie Nutzanwendung für die hessischen Städte, insbesondere Mainz und Offenbach, ist naheliegend. Auch bei uns würde in den Städten, die jetzt eine alleinige sozialdemokratische Vertretung haben, bei der direkten Wahl die bürgerlichen Kreise sicher einen Teilder Mandate zurückgewinnen, zumal das bei uns in Aussicht genommene Stichwahlsystem, das nur zwei Kandidaten in Stichwahl gelangen läßt, g ü n st i g e r fif r sie ist, a l s d a s b a d i s ch e. Auch in den Landbezirken würde die Sozialdemokratie durch die direkte Wahl keineswegs gewinnen. Bei dem jetzigen indirekten Wahlsystem sind in den großen Orten mit sozialdemokratischer Arbeiterbevölkerung die bürgerlichen Wähler einfach mundtot gemacht, während fr bei der direkten Wahl unbedingt zur Geltung kommen und sehr oft in der Lage wären, mit den kleineren, meist gefthlossen antisozialistisch wählenden Orten die Mehrl)eit bilden zu können. (Vgl. auch unsere „Polit. Wochenschau".) kam c§ zu Vennäblung d L t h c a t e r s. trizitätsarbeiter ohne Licht. Der Ausstand macht in Moskau Fleischmangel fühlbar. Auch unter den Studenten von Petersburg, Kiew und Jekaterinoslow macht sich eine neue Bewegung bemerkbar. In der Fabrikkolonie Wlochy bei Warschau töteten Arbeiter der Eisenwalzwerkc den Meister Kwapischewski durch 12 Revoloerschüsse und verletzten einen Arbeiter schwer. Kejstjchcr Kalsiotikentag. sd. Mainz, 22. Oktober. Der achte hessische Katholikentag wurde heute hier abgehalten. Ter Besuch war zahlreich, insondcrs stark schien die Landbevölkerung vertreten. Den Vorsitz führte Land- tagsabg. Dr. Schmitt. Als erster Redner ging dcrNeichs- tagsabg. Schädler auS Bamberg bei seinem Vortrag zurück bis auf die Reick,sgründung, wobei besonders das Zentrum den Föoerativgedanken hochgehalten habe, schilderte sodann den Kulturkampf, aus dem die Katholiken als Sieger hcrvor- gegangcn seien. Die VersicherungSgcsetze verdanke daS deutsche Volk lediglich der Initiative des Zentrums, während gerade dabei die Sozialdemokratie völlig versagt hätte. Tic weiteren 9(u§- führungen des Redners boten wenig bemerkenswertes. Sine gute Idee war es von den Veranstaltern des Hess. Katholiken- ags, als Redner den vor einigen Wochen in Essen gewählten ReichStagsabgeordneten Arbeitersekretär GicsbertS aus M.-Kladbach zu gewinnen. Er sprach sich für die Einsetzung von Arbeiterausschüssen aus und betonte, der zehnstündige Arbeitstag müsse überall durchgeführt werden. Tie Ein- ührung von Arbeitskammern sei wünschenswert. Religion und Sittlichkeit müßten dem Volke erhalten bleiben. Wenn die Arbeiter berufsfreudig bleiben sollten, müsie man sie teilnehmen lassen an den Segnungen der Kultur. Auch aus die Rede Kirdorfs auf der Mannheimer Tagung des Vereins für Sozialpolitik ging der Redner ein. Männern wie Kirdorf ei mehr Verantwortlichkeitsgefühl ihren Arbeitern gegenüber zu wünschen. Die Arbeiterorganisationen, speziell die christlichen Gewerkschaften, besprach GiesbertS sehr eingehend. Jeder Arbeiter gehöre in die Gewerkschaft. Daß gerade sierbei die Sozialdemokratie nianchen Hieb bekam, ist selbstverständlich. Landtagsabg. Dr. Schmitt sprach über die hessische Politik. Dabei tadelte er lebhaft das Verhalten der ersten Kammer beim Gemeindesteuergesetz und beim Wahlgesetz. DaS direkte Wahlrecht müsie und werde in Hessen kommen. Redner ging auf die kommenden Landtagswahlcn kurz ein. Für daS Zentrum kämen 5 Mandate in Betracht, 2 davon seien so gut wie sicher. Unter großem Beifall nahm chließlich Bischof Dr. Kirsi ein das Wort. Er verlangte freie Konkurrenz für alle Glaubensbekenntnisse und erteilte den Anwesenden seinen Segen. Damit schloß die Versammlung nach dreistündiger Dauer. Alis nni> Land. Gießen, 23. Oktober 1905. •• Die städtischen Werke haben, wie wir in unserem letzten Stadtverordnetenbericht kurz mitteilten, im Jahre 1904/05 gegen die Voranschläge überaus günstig abgeschlssicn. Wormser national- Neue Verluste in Teutfch-Südwestafrika. Telegramme aus Windhuk melden: Unterofsizier Gerhard Weitzel bei der Verfolgung von Viehräubern zwischen Haribes und Anchas schwer verwundet, Unterofsizier Jobs. Luenemann wird auf einer Patrouille vermißt. An Krankheiten gestorben: Unteroffizier AlpbonS v. Wi n ckler an Herzschwäche, Gefreiter Heinrich Braun an Lungenentzündung, Reiter Anton Langner an Typhus und Gefreiter Franz Krafezyl an Bauchfellentzündung. Gefallen sind: am 6. Oktober im Gefecht bei Jerusalem: Leutnant Johannes Surmann, geb. zu Schleswig, früher WürttembergischeS Feldartillerie-Rcg. Rr. 13; beim Ueberfall der Station OaS: Reiter Maximilian Ecker, Gefreiter Karl Kelch an Herzschwäche nach Lungenentzündung gestorben. Das GaSwerk erzielte nach Abzug von 20 604.61 Mk. für Verzinsung sowie unter Abzug von 18 630.79 Mk. für Schuldentilgung einen reinen Betricbsüberschuß von 84 826 81 Mark gegen 74 200.00 Mk., wie der Voranschlag angenommen hatte. Ter Gaskonsum hat sich trotz des Bestehens des Elektrizitätswerkes um 7 V8 Prozent geaen das Vorjahr ge- steigert, wobei besonders ein Mehrverbrauch für Koch- und Heitzzwecke zu konstatieren ist. Das Wasserwerk hat nach Abzug von 46 152.40 Mk. für die Verzinsung sowie 13 663.64 Mark' für Schuldentilgung einen reinen BetriebSüberschuß von 31 929.49 Alk. gegen 18 200.00 Mk., wie der Voranschlag annahm, aufzuweisen. Tas jüngste Unternehmen der Stadt, daS Elektrizitätswerk, brachte außer der Verzinsung von 36 990.33 Mk. den Betrag von 40 170.53 Mk., der ausschließlich zur Schuldentilgung verwendet wurde. Im Voranschlag waren für diesen Zweck nur 12 545.00 Mk. vor- gesehen, so daß das Ergebnis als überaus günstig zu be- Yusstsche Neuigkeiten. Wegen der Verheiratung des Großfürsten Cyrill mit der geschiedenen Großherzogin Viktoria Melitta kam cs zu großen Differenzen zwischen dem Großfürsten Wladimir und dem Zaren. Dieser gab kund, falls die Vermählung zustande käme, werde der Großfürst nicht allein auS den Listen der russischen Armee und Flotte gestrichen werden, sondern auch seiner Rente verlustig gehen. Als Cyrill in Petersburg eintraf, erbat er eine Audienz beim Zaren, jedoch vergeblich. Großfürst Wladimir sandte dem Zaren nun einen Brief, in dem er mittcilte, falls der Zar obigen Befehl ausfuhren lasse, würde er erbitten, fofort sämtlicher Aemter enthoben zu werden. Hofminister Baron Fredericks versuchte, einen Ausgleich in dem scharf ziiqesvitzten Verhältnis zwischen dem Zaren und seinem Onkel Wladumr zu schaffen. Man spricht jetzt davon, daß Wladmnr demnächst ein allerhöchstes Reskript erhalten wird, das ihm größere militärische Vollmachten bewilligt. Ein großer Eisenbahnerausstand veranlaßte vollständige Betriebsruhe von nicht weniger als sieben großen Eisenbahnlinien. Der Bahnhof der Moskau-Kasan-Bahn ist infolge des Ausstandes der Elek- Kirche und Schute. — Gießen, 21. Okt. Am 14. und 15. November wird der Oberhessische Verein für innere Mission in gewohnter Weise sein 27. I a h r c s f c st dahier begehen. Am Vormittag des 14. tagt im oberen Gemeindesaal, Kirchstr. 9, der Verband der Ober hessischen Eriiehungsvcreinc, wofür u. a. die Herren Oberstaatsanwalt T h c ob a l d und Pro- fessor Dr. Mittermaier Referate zugcsagt haben, jener über Fürsorge für entlassene Gefangene, dieser über die Anforderungen, welche die strafrechtliche Theorie an die Praxis der Erziehungsvereine stellt. Am Nachmittag um 31/» Uhr Wird ebenda in der Mitgliederversammlung über die Fürsorge für die konfirmierte Fugend in Ober.hessen beraten werden, w»;u die Herren Pfarrer B r ä ß aus Darmstadt und Tö r r aus Ossenheim d-ie Einleitung geben werden. Um G’/i Uhr findet der FestaotteS- dienst in der Stadtkirche statt, bei dem der Kirchengesangverein Mitwirken und Herr Pfarrer Palmer aus Offenbach predigen wird. Den Schluß des Tages wird die gewohnte freie Abend- Versammlung im neuen Saalbau machen., Daftir sind neben Olesängen des Kirchengesangvercins ganz besonders interessante Vorträge vorgesehen, die auf das lebhafteste Interesse, aller Kreise ree-men dürfen. Herr Dr. Klumcker, Vorsteher der Zentrale für private Fürsorge in Frankfurt a. M. wird über moderne Wohltätigkeit, Derr Dr. Ernst Kahn vom Sozialen Museum in Frankfurt a. M. über die sittliche Bedeutung der Wohnungsfrage reden. 9frn 15. November vormittags 10 Uhr findet dann die eigentliche Jahresversammlung im Konfirmandens'al der JohanneZkirchc statt, wobei nach einer Morgen cm dacht, die Herr Pfarrer E. A. Müller aus Lauterbach halten wird, über die Erneuerung der christlichen Sitte in der Gegenwart verhandelt werden wird. Den einleitenden Vortroa l^it Herr Pfarrer Mühlhäuser, Theol.-Lehrer »w in Basel, übernommen. zeichnen ist. ** Aus dem Suren v. des Nusland. London, 21. Okt. Nacy einem hicr «Angegangenen Telegramm ist der japanische T r a n s p o r t d a m p s e r „Sa'nchi Marn" auf der Fahrt von Nintschwang nach Talny auf eine schwimmende Mine gestoßen und ge- funken. Ter Dampfer hatte die Bestimmung, die Kriegsvorräte der mandschurischen .Häfen fortzuschaffen. Von der 5 4 Mann zählenden Besa'u.'.na kamen drer Personen um, während die übrigen gerettet wurden. — Heute wird der hundertste Jahrestag der Seeschlacht bei Trafalgar im ganzen englischen Reich gefeiert. Tie Nelsondcnsmäler werden überall mit Kränzen geschmückt. Der I-lotlcnverein hat die -eitung der meisten öffentlichen Festlichkeiten. Bei einem Nelson-Gedächtnisbankett in der hiesigen Fishmon^-HaU traf folgendes Telegramm von Admiral Togo ein: , „Bei dem Anlaß Ihres Tiners zur 100iahrrgen Gedächtnisfeier möchte ich unsere stets wachsende Bewunderung und Verehrung des großen ubrntral-» ausdrücken. Tiefes Gefühl wird noch verstärkt, wenn wir bedenken, daß unsere F-lottenach demMusterder englischen Flotte gebaut wurde." Paris, 22. Okt. Präsident Loubct ist in Begleitung des Ministerpräsidenten heute nach Spanien abgcrcist. — Loub et hat dem deutschen Kaiser anläßlich der Verlobung des Prinzen-Eitel Friedrich seine und der französischen Regierung Glückwünsche durch den französischen Geschäftsträger auSdrückcn lassen. Tokio, 22. Okt. Admiral Togo hielt heute feierlichen Einzug. Er wurde empfangen von den Ministern, den Generalen, Admiralen und Mitgliedern des diplomatischen Korps. Togo, in dessen Begleitung sich die Admirale Kataoka, Dewa und Kamimura befanden, fuhr mit diesen in einem kaiserlichen Wagen zum kaiserlichen Pal-aft, wo der Kaiser Togos Meldung ent gegennahm und in warmen Worten die Dienste pries, welche die Admirale, Offiziere und Mannschaften geleistet haben. Tie ganze Bevölkerung Tokios erfüllte die Straßen, Salutschüsse wurden abgegeben, Musitbanden zogen umher. liberalen Vereins hat. luic die „Worms. Ztg." an der Spitze ihre? Blattes mitteilt, an Freiherr» Hcyl znHerrn 8« heim au§ Anlaß der gestrigen Abstimmung in der ersten Kammer folgendes Telegramm gesandt: „Dem lauteren Kämpfer für das LcmdeSwobl aufrichtiger. Dank und herzlichen Glückwunsch zum großartigen parlamentarischen Erfolge 1" Vcrgl. unsere „Politische Wochenschau". •• Die Arbeiterfrau Lotz auS Offenbach, die am 3. Oktober vom Darmstädter Schwurgericht wcgcn des ^Raubmordes an der elfjährigen Rosa Lückert zum Tode verurteilt worden war, wurde, wie die „F. Z." meldet, vom Groß Herzog zu lebenslänglichem Zuchthaus be« g n a d i g t. ** Sein 25jährtges Amtsjubiläum aB Vorsteher der hiesigen iSrael. Religions-Gemeinde beging gestern Kommerzienrat Heichelheim. Eingeleitct wurde die F-eier durch einen Festgottcsdiensl am Vormittag in der festlich geschmückten und erleuchteten Synagoge. Nach Beendigung des Gottesdienstes begaben sich der Vorstand und die Beamten der Gemeinde, welche sich zu einem Komitee vercnck.gt hatten, in die Wohnung des Jubilars, wo Dr. Sander al? Vorsitzender bc3 Komitees, unter herzlicher Ansprache als bleibende Gr« innerung an diesen Tag eine äußerst kunstvoll ausgcstattcte Adresse überreichte. Provinzialdircktor B r e i d c r t, Handelskammerpräsident Koch und viele Andere gratulierten persönlich in überaus herzlicher Weise. Eine größere öffentliche Feier fand abends in Steins Saalbau "statt. Dieselbe wurde eingeleitet durch Musikvorträge der hiesigen Mili^ tärkapelle. Kurz nach Deg'nn des gemeinschaftlich eingenommenen Mahle? brachte Dr. Sander in einer nacß Form und Inhalt vollendeten längeren Ansprache da? Hoch auf den Jubilar aus Er rühmte dessen hervorragenden Eigenschaften und Verdienste um die hiesige Gemeinde. Tie Feier sei ein Ereignis, welche sich seit Bestehen der Gc« meinde noch nicht begeben und biete uns in ihrer Seltenheit die willkommene Gelegenheit, so ungefähr führte Redner aus, mit der freudigsten und herzlichsten Begrüßung eine gerechte Würdigung der bleibenden Verdienste de§ Jubilars vornehmen zu dürfen. Herr Dr. Sander hob seinen seltenen Die morgige dritte DienStag-AbonnementSvorstellung bringt eine Wiederholung dcS Volksstückes „Tic Herren 5 oh ne", das bei seiner ersten Aufführung sich allgcmciucu Beifalls zu erfreuen hatte. — In Vorbereitung find „Tic Brüder oon St. Bernhard", „Niobc" und „Maria Stuart". ** Der Schillcrabend, den der Evangelische Arbeiterverein gestern abend in der Turnhalle veranstaltete, war sehr gut besucht. Im Mittelpunkt dieser nachträglichen Schillcrseier sland die Festansprache des Profcffors Tr. Strack. Er zeichnete nach einem kurzen Umriy von Schillers äußerem Lcbcnsgang dessen Dichtungen als den Ausdruck eines zweiten höheren Lebens, das Schiller trotz aller mißlichen Lebcnsverhältnisse geführt habe. Tic sittlichen Ideale, die Schiller in seinen Dramen aufstellte, Glauben, Hoffnung und Liebe, seien nicht neu, sic seien nichts anderes als der Inhalt des Evangeliums, das ein noch größerer als Schiller der Menschheit gegeben habe. Aber dennoch sei Schiller dem deutschen Volke ein Befreier geworden, denn er habe ihm die Möglichkeit gezeigt, das königliche Dasein eines freien Menschen zu führen. Mit der Mahnung, als Frucht des heutigen Abends das Gelöbnis mit nach Hause Ui nehmen, Schillers Geist treu zu fein, schloß der Redner. Im übrigen war für den Abend ein recht reichhaltiges Programm ausgestellt, das außer den Mustkvorträgen nur Darbietungen aus Schillers Werken brachte. Frau Professor Rahn sang in recht eindrucksvoller Weise „Dithyrambe" und „Des Mädchens Klage" in der Schubcrtschcn Vertonung, ivährend Herr Lehrer Ziep recht einige von Schillers Gedichten und Balladen mit vielem Gefühl vortrug. Ein stattlicher Kindcrchor sang „Mit dem Pfeil, dem Bogen" und daS „Rcitcrlied" und fand für den frischen Vortrag verdienten Beifall. Auch die Gesänge des gemischten Chores verdienen alle Anerkennung, namentlich der Schlußgesau.g, „das Lied an die Freude", erzielte in der einfachen schönen Volksweise eine tiefgehende Wirkung. Der instrumentale Teil des Programms wurde durch die Herren Gern Hard (der sich auch als Dirigent der Chöre verdient machte) und Kasten durch geschickt ausgewählte Musikstücke auf Klavier und Harmonium, bezw. Klavier und Geige bestens auSgesüllt. Der festliche Eindruck der Feier wurde durch die gcfchmackoM Ausschmückung der Bühne, auf der Schillers Büste, umgl^n von grünem Pstanzenschmuck, ihren Platz gefunden hatte, sehr erhöht. " Unfall. Am Donnerstag löste sich im Braun« steinbergwerk eine größere Grö menge los und aegrub den 16jährigen Arbeiter Karl Wallbotl aus Steinberg. Er erlitt einen Beinbruch. *• Oswalds Garten war gestern das Zul zahlreicher Spaziergänger, die sich teils an den, elektrischen Riescnkarussell, teils an Fernandos Riesenkinc- matograph erfreuten. Namentlich letzterer wurde sehr zahlreich besucht und die in bunter Abwechslung gezeigten Bilder ernster und heiterer Art erregten viel Jirteresse und Freude. Wie rasch die lebende Photographie den Zertcreig- nisien folgt, kann man daraus ersehen, daß bereits die diesjährigen Koblenzer Kaisertage in getreuer Nachbildung zu sehen sind. Der Kincinatograph bleibt noch bis 26. Oktober Deutsches Reich. Berlin, 22. Okt. Ter Kaiser empfing gestern den chinesischen Gesandten Mntchang in Audienz. Zur Frühstückstafel war Staatsminister a. T. von Möller geladen. — Zur Teilnahme am Geburtstage b er Kaiserin sind der Großherzog und die Großherzogin von Oldenburg, sowie Herzogin Sophie Charlotte und Prinz und Prinzessin Heinrich in Potsdam ein getroffen. — Wie oie neue nnl.-polit. Storr, aus Bundesratskrcifen erfährt, ist die Einberufung des Reichstages end- giltig für das letzte Trittei des November vorgesehen. Der Reichstag dürfte'am 24. November durch den Kaiser mit einer Thronrede eröffnet werden und am nächsten Tage die Präsidentenwahl stattfinden. Die erste Lesung des Etats soU am 28. November ihren Anfang nehmen. — Der 8 Uhr-Ladenschluß ist bisher in dreißig Städten für alle Geschäftszweige «Angeführt worden. Erne Ausnahme davon wird nur an den Samstagen und den Tagen vor den hohen Festen gemacht. In weiteren dreißig Städten, darunter in Kassel, gilt der 8 Uhr-Ladenschluß für alle Läden mit Ausnahme der Kolonialwaren-, Backwaren-, Fleisch- und Zigarrcngeschäfte. In 50 Städten, herunter in Berlin, Frankfurt a. M., Marburg, Heidelberg ist der 8 Uhr-Ladenschluß für einzelne Branchen, insbesondere die Lcderbranche, den Nähmasrbinenhcmdel nsw. eingeführt. Endlich ist in 80 Städten eine 8 Uhr-Ladcnschlußbewcgung im Gange, in einigen Orten ist sie bereits soweit gediehen, daß Abstimmungen .über den früheren Ladenschluß aller oder einzelner Geschäftszweige stattfinden. — Im „Vorwärts" veröffentlichen die Redakteure dieser Zcitrmg (Büttner, Eisner, Gradnauer, Kaliski, Schröder und Wctzker) eine Erklärung, wonach sie in Beantwwrtung eines Entscheides des Partcivorstandes ihre Kündigung eingereicht haben. Sie scheiden am 1. April 1906 aus der Redaktion des „Vorwärts" aus. Diese Kündigung ist die vorausgesehene Konseguenz aus den Verhandlungen des letzten Parteitages. Potsdam (Neues Palais), 22. Okt. Heute morgen nahmen am Gottesdienst in den Eommuns die ganze kaiserl. Familie, die Prinz Heinrichschcn Herrschaften und die Großh. Oldcnburglschen Herrschaften teil. Um 11 Uhr nahm die Kaiscrin^die Gratulationen zum Geburtstage entgegen. Au der Fanrillentafcl nahmen die hohen Gaste teil. Am Abend' sand im Theatersaale des Neuen Palais die Ausführung von Wilhelm Jordans Lustspiel „Durchs Ohr" statt, woran sich ein Souper in der Jaspisgalerie ansmloß. Zu den Gästen gehörte Staatssekretär Frhr. v. Richthofen. München, 21. Okt. (Abgeordneten-Kammer.) Der Verkehrsminister v. Frauendorfer gab einen Ucberblick über die bisherigen Bestrebungen zu der Reform der Personen tarife, wobei über verschiedene Punkte eine Einigung erzielt wurde. Bayern werde jedoch der Einführung der 4. Waaenklasse nicht zu stimmen, da sie das Pu- blihim nicht wolle und die N.ucinführung dieser Wagen- Uasse auch äußerst unökonomisch wäre. Mit dieser Stellungnahme Bayerns sei das Einignngswerl im Reiche nicht gestört. Bei der Einigung brauche doch nicht alles uniformiert zu sein. Der Minister gab eine Uebersicht über die Verhandlungen bezüglich bct Betricbsmittclgcmeinschaft. Er hob hervor, der bayerische Vorschlag, welck>er im wcsent- lidjeii auf die Gemeinschaft der Güterwagen hinauSlaufe, entspreche mehr dem föderativen Chara^cr deS Reiches. Tie Vcrkchrsumleitungen würden auch bei dem württem- bergischen Vorschläge bestehen geblieben sein und könnten nur durch eine besondere Vereinbarung ausgeschaltet werben Nachbrücklicb betonte her Minister, baß die bayerische Regierung niemals einen Druck auf die Entschließungen der süddeutschen Staaten in dieser Frage ausüben wollte und ausgeübt habe. Der Vorwurf, baß Bayern Verrat an her einheitlichen Sache übt, sei absolut haltlos. Wir haben uns von einem echt deutschen und nationalen Gefühl leiten lassen und unsere bayerischen Interessen habet nicht vergessen. hier. ** Der 23 o r ft a 11 b II cm recht reichhaltig M ••• iunji)uuujrv PW Muslkvorträgen nur $atj brachte. Fran ProfeW er Weise „DithPambc" ur ' Cchnbcrtschen Vertonnnz einige von Schillers @5 Te'tvhl üortruij. Ein sied 'm Wit, dem Sogen" ;ir.) 'n irischen Soümg uei biente nemischten LhorrS ck ilich der Tchluhgesang, ,da bev einfachen schönmVM Der instrumentale Teil >: rren Gernhard (der |i erbient machte) und Kaste tsisicke auf Klavier und M rge bestens ansgeiüM T- c durch die gejchnackv' er Schillers Büste, umg- cn Platz ge’tunben W Y $ ’"'b »Tie Brnd U"d-Maria Ctu^ in ®oai|!lclini w.t „o4. sSS;Ä nllawl .'.5 »«' J’. n Dichtungen als bn '-ns, das Schiller Im fn,hrt ‘^be. Tie (iltl2 am;n nuflleliie, ®lnuben ''-eien nichts ander« ^as em »och größerer al; habe. Aber dennoch st. 2e'reier geworden, denn v. ba§ königliche Dasein ein« Mit der Mahnung, ah : Tklöbnis mit nach hach « sein, schloß der Dicbnc ’5«4?'79 $-u 8211 ' »05 । bc* te Mk, ,v-7'"^rschu.. y. ' n>ie der 9), ««6er ih>: 0170.53®*'"'St» vendet wurde' n' ai1-' Ulf in ► . Flll $q. 1, 12 ^5.00 Mk ? überaus niinü,? ' ÜC11 dl lölk fid) w* ®YClli: rbmenoc ins unb 'ne;. 3a((bcti au§ Strich. r gestern ba§ 3’>e( $ j il§ an dem elektrii^ „andos Ni cs en ki' lich letzterer würbe; [er Abwechslung o^'-v erregte« viel »**- ectogrnptlie Ln, i>ab bemlS ta ’ „tauet M*» iteibt noch * 26' L “ Botmi« di« M** Utftimimmg ™ bt fanbt: lid,ii; LS-k-rtn|dbtl, »ns gliche« ^""'1 HÄM HüHe KsOk „(L stA WW WW 6dflvtt i) Fleiß, seine auf Erfahrung beruhende Lebensauffassung, seine Ncberzeugungstrene. Sachlichkeit und Schlichtheit her- iwr. Einen von sSerrn Jul. Baer verfaßten Festgruß trug Frl. Hedwig Rothschild innig und zu Herzen gehend vor. Lehrer Marr feierte in schwungvoller Weise die Gattin des Jubilars als treuen Kmnerad und Genossin seiner Arbeiten und Erfolge. Sie sei das getreue Abbild jenes hochsinniaen Weibes, das der Spruchdichter besungen, an dem er nicht so sehr die zarten wie die energischen Seiten des Franencharaktcrs bervorhebt In ihrer 35jähr. Ehe habe sie ihn stets in der harmonischsten Weise ergänzt durch ihren heileren Sinn, durch ihren praktischen Blick und durch ihre Energie, die stets zur Tat aufsordert. An manchem Werke von dauerndem Werte, das dem Gatten gelungen, habe sie einen größeren Anteil, als man gemeinhin vermute. Herr N. Stamm toastete auf den Jubilar als Kollegen im Vorstand. Herr Kommerzienrat Heichelheim dankte tief gerührt für alle Ehrungen. Seine Verdienste um die Gemeinde wollte er bescheiden auf ein Minimum reduziert wissen. Wenn er Erfolge zu verzeichnen habe, so sei das nur möglich gewesen durch die Unterstützung der übrigen Vorstandsmitglieder, durch bte überaus große Pflichttreue der Beamten und durch btc Einigkeit in der Gemeinde. Es folgten noch eine ganze Anzahl zündender Ansprachen, teils launigen, teils ernsten Inhalts, und konnte man bei dieser Gelegenheit so recht merken, welch' außerordentlicher Beliebtheit sich der Gefeierte erfreut. Möge Herr Kommerzienrat Heichelheim noch bis ins höchste Greisenalter segensreich an der Cpi*-" der Gemeinde wirken! Rennerod, 22. Oft. Selbstmord verübte der 37- jährige Landmann Franz G. von Zebnhausen, ein dem Trünke ergebener Mensch. Er wollte am Sonntag nachmittag nach Emmerichenhain zumArzt gehen, ging aber anstatt zum Arzt in? Wirtshaus und kam stark angetrunken nach Hause. Eine gefüllte Schnapsflasche hatte er noch in der Tasche; diese nahm ihm seine Frau weg. Als G. am Montag früh gegen 6 Uhr erwachte und nach seiner Schnapsflasche greifen wollte, war diese weg. Dies scheint ihm zu Herzen gegangen zu sein; denn gegen 1/2 8 Uhr verließ er das Haus mit dem Bemerken, er werde sieh erschießen. Kaum hatte er das Dorf verlassen, so krachte schon ein Schuß in dem Wald zwischen Zehnhausen und Salzburg. Als der sofort verständigte Bürgermeister an die Stelle kam, war G. bereits tot; er hatte sich eine Dynamitpatrone auf die Brust gelegt und mittelst Zündschnur angezündet. (A. f. d. Dillk.) X Nidda, 21. Oft. Der Vater des Metzgers und Wirts L. Kullmann verunglückte auf einer Fahrt mit dem Wagen seines Sohnes auf der Straße Nidda—Dauern- heim; er erlitt einen schweren Schädelbruch und liegt schwer franf darnieder. )( Ettingshausen bei Lich, 22. Oft. Anläßlich deS Kirchweihfestes wurde dem Krieg er verein, der im Mai sein 30jährigeS Bestehen feiern formte, die vom Kaiser verliehene Fahnenschleise überreicht. Um 2 Uhr wurde der Festzug ausgestellt, an dem sich der Gesangverein, der Ortsvorstand und die Kriegervereine aus Harbach, Münster und Ober-Bessingen beteiligten. Vor dem neuen Schulhaus fand die Feier statt. Bürgermeister Keil begrüßte den Vertreter der Regierung und die auswärtigen Kameraden. RegierungS- rnt Dr. Wagner- Gießen überreichte die vom Kaiser verliehene Fahnenschleife. Der Präsident des Vereins sprach hierauf Danf aus, gelobte namenS des Vereins Treue zu Kaiser und Reich und brachte ein Hoch auf den obersten Kriegsherrn aus. Pfarrer NieS wies auf den 18. Oftober als hohen patriotischen Gedenftag hin und toastete auf das Vaterland. Kamerad I. Alt überbrachte die Glückwünsche deS Präsidiums der Hassia und des Bezirfs Lich und überreichte den Mitgliedern und Veteranen, die seit 30 Jahren dem Verein angehören, eine Medaille, und zwar I. Münch, K. Sommer, H. Vogler, H. Opper, H. Brock, Ph. Keil, H. Keil II., H. Heil XI., H. Pfeiffer und H. Stein. Mit dem Gesang der Wacht am 'Rhein nahm die Feier ihr Ende. p. Lü tzeln, 22. Oft. Ein 1 Ojähriger Junge von hier, dem das Hüten einer Kuh anvertraut war, band das Leitseil um seinen Leib. Plötzlich scheute das Tier und schleifte den Knaben eine große Strecke hinter sich her. Furchtbar zugerichtet und lebensgefährlich verletzt wurde der bedauernswerte Knabe in die Gießener Klinik verbracht. lll Wetzlar, 22. Oft. In verflossener Nacht wurde von Unbekannten in einem hiesigen Kaufmannsgeschäft ein gebrochen und Kleidungsstücke aller Art, wie Pelzwaren und Schirme im Werte von ea. 600 Mk. gestohlen. Die Diebe scheinen sich nach Frankfurt a. M. gewandt zu haben, denn ihre Spur konnte bis zum Bahnhofe Gießen festgestellt werden. Sie trugen ihren Raub in zwei großen Pappkartons. f) Marburg, 22. Oft. Zu einem Weihnacht?- geschenf für die in Sü dw esta frif a kämpfenden Soldaten wurden hier außer eine Menge Naturalien über 1500 Mk. gesammelt. — Ein fremder anscheinend geistesgestörter Mann verfolgte gestern nachmittag am Haupt- bahvbof den Wagen des zur Firmung hier cingetroffenen und von den Katholiken großartig empfangenen Bischofs Adalbert von Fulda. Als der Fremde drohende Worte ausstieß und sich auf den Wagen stürzen wollte, nahm ihn tue Polizei fest. * Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. In Miehlen wurde der in den 40er Jahren stehende O^emeindebullenhalter Gastwirt E r e c e l i u s von dem wütend gewordenen Dullen so schwer verletzt, daß er noch an demselben Tage gestorben ist. — Tie preußisch-hessische Enenbalmgemeinschaft hat nach dem „Bergstr. Anzeigeblatt" berichtet, daß Bau undBetriebderLindenfelserVahn unter noch näher zu vereinbarenden Bedingungen von ihr übernommen werden soll. * Die Voruntersuchung wegen des Sprem- berger Eisenbahnunglücks ist abgeschloffen. In An- lagezustand versetzt werden der Stationsasststent Stullqu? und die Weichensteller Schmidt und Wiedemann. Der Straf- vrozeß kommt vor dem Landgericht in Kottbus zur Verhandlung. • Budapest, 22. Oft. Heute abend sand zwischen den Abgg. Franz Herczeg und Josef Madaras? jr. ein Säbelduell statt. Beim zweiten Gang erhielt Herezeg eine 8 Zentimeter lange leichte Wunde am Kopfe, sowie eine Schramme an der Nase. Madarasz blieb unverletzt. * Kleine Tageschronik. In München wurde am Sonntag die Hausbesitzerin Hedwig Radlinger im Keller ihres Hauses von einem jungen Burschen durch einen Stich in die Lunge ermordet. Ter Täter entkam. — In dem Mvendorf Grub in gen drangen in das Haus des Dauern und Straßenivärters Straub drei vermummte Gestalten ein, die den 68 Jahre alten Mann mit einem Hammer zu Boden schlugen. Al? er nach kurzer Zeit wieder zu sich kam und den Tieben in die Wohnstube folgte, versetzten ihm diese fünf Stiche, durch die Straub schwer verletzt wurde. Ein Stich traf einAuge, sodaß es auslief. In einem der Täter erkannte Straub seinen eigenen Enkel. Ten Tieben fielen nur 12 Mark in die Hände. — Tie ersten Opfer hat bereits die winterliche Kälet gefordert. In B e r l i n wurde eine Arbeiterin, im L u r cm- burgi schen ein Ackerer erfroren aufgefimden. — In Ma- ria-Theresiopel wurde der ungar. Reick'staqsabg. Miloszavljevits von dem Pferdehändler Ulrich aus offener Straße mit einem eisernen S t o ck e erschlagen Ulrich ach bei seiner Verhaftung an, er habe die Tat vollführt, weil M. ihn bei einem Zivilvrozeß übervorteilt habe. — Schneefall und Kälte, wie bei uns in Hessen, werden au? zahlreichen Gegenden Deutschlands, Frankreichs und der Schweiz gemeldet. — In Vervier griff eine Wöchnerin, die in der Dunkelheit Zitronenlimonade trinken wollte, eine Flasche mit Phonolsäure. Unter furchtbaren Schmerzen ist die Fr"u neftnrfx'n — Kunst und Wissenschaft. Hebet die Jubiläumsvorstellung im Frankfurter Opernhause wurde uns geschrieben: In Frankfiirt wurde am Freitag das 25 jährige Jubiläum der Eröffnung des Opernhauses festlich begangen. Jene Er- äffnungs Vorstellung, in Anwesenheit des damals 83jährigen Kaiser Wilhelm und des damaligen Kronprinzen vor 25 Jahren wurde eingeleitet durch einen von WilhelmlJordan verfaßten szenischen Prolog. Tie Damen, die darin mitwirkten, erfreuen sich fern von der Bühne voller Gesundheit. Frau E o l l o t al? Gattin Robert Tavidsohns in Florenz, Fräulein Weiße als Frau Stadtrat Magnus in Berlin. An der Spitze des Aufsichtsrates steht heute wie damals der greife Geh. Justizrat Dr. Hamburger. Seine Kollegen aus jener Zeit sind auch zumeist gestorben, lieber die Wahl der zur Festvorstellung auserkorenen Over „D i e M e i st e r s i n g e r v o n N ü r n b e r g" wurden manche ^fällige Aeußernnaen laut. Unsere Zeit steht freilich im Zeichen Wagners und gerade dieses Meisterwerk übt einen nie versagenden Reiz aus. Aber es wäre, doch pietätvoller gewesen, die Erösfitungs- ovcr wieder zu bringen. Daß der Kapellmeister Rotten berg einfach ausgeschaltet wurde, und die Leitung der Opern- auffühnmg dem erst seit ganz kurzer Zeit engagierten ^Kapellmeister Reichenberger übertragen ist, hat vielfach Befremden erregt, zumal Rottenberg mit den Geschicken der Pensionsanstalt, zu deren Gunsten die Aufführung stattfand, seit Jahren eng,verwachsen ist. Das Haus war bis auf den letzten Platz von entern glänzenden animierten Publikum besucht. Die Vorstellung der Meistersinger nahm einen glänzenden Verlauf, besonders war bpr Choral Wach auf. unter Mitwirkung sämtlicher Solisten der Over von mä-ßtiger Wirkung. Die Darsteller boten sämtlich hervorragende Leistungen. Voraus ging ein von unserem in Berlin lebniden P^TiSarnnriu R " a f f w 7- k» 3 f> I> r verfaßter Vrolog. Hlnivrsttäis-'Nackfrichil'n. N. Berlin, 22. Oktbr. Prof Kehrbach, Herausgeber der ..Monnmenta Gennnniae pnedas’og-ica“, ist gester a e st 0 r b e 11. In Bonn ist der Geb. Regierunasrat, Professor der klasstfchen Philologie Dr. phil. et theol. Herrn. U Jener am 21. ds. im Alter von 71 Jahren einem Herzschlag erlegen. Er stammte aus Weilburg an der Lohn. 9)}ärftc fc. Frankfurt a. M., 23. Oft. (Orig.-Telegr. des „Gießen. Anz.") Amtliche Notierungen der heutigen Fruchtmark tvreife. Weizen Mk. 17.50—00.00, Kurhessischer Mk. 17.50—00.00, La Vlata Mk. 18.50—19.25, Kan'as Mk. 18.50—19.25, Noaaen ihiesigerl Mark 15.75—00.00, Gerste (Wetterauerl Mk. 17.25—17.75, Frankenfelder Mk. 17,50—18,00, HaferMk. 14.75—15.75, Mat? Mk. 13.50—13.75 Weizenmehl 0 Mk. 26.75—27.75, 2. Qualität Mk. 24.75 bis Mk. 25.25, 3. Qualität Mk. 22.50—23.00, Roggenmehl 0 Mk.23.50—24.25, 1. Qualität Mk. 20.00—21.75, Weizenkleie Mk. 10.50 bi? Mk. 10.50, Roggenkleie Mk. 11.50—12.00, Maisreime Mk. 10.75 bis Mk. 11.00, Franken, Pfälzer, Ried Mk. .17.50—18.00. Alles per 100 Kg. ab hier. fc. Frankfurt a. M., 23. Okt. (Telegr. Orig.-Bericht des „Gieß. Anz/l. Amtliche Notierungen der beuttgen Viehmarkt- vreise. Zum Verkattfe standen: 399 Ochsen, 154 aus Oestreich, 58 Bullen, 3 aus Oestreich, 787 Kühe, Fersen, Stiere und Rinder 0 aus Oestreich, 284 Kälber, 585 Schafe und Hämmel, 1476 Schweine, 0 Zieoen, o Ziegen-, 0 Schallämmer. Bezahlt wurde für 100Pfund Schlachtgewicht- Ochsen 1. Qualität 81—85 Mk., 2. Qual 74—76 Mk., 3. Qual. 68—72Mk.: Bullen l.Qual. 67 bis 69 Mk., 2. Qual. 64—66 Mk.: Kühe 1. Qual. 72—74 Mk., 2.Qual. 68—70 Mk., 3. Qual. 53—55 Mk, 4. Qual. 51—52 Mik., 5. Qual. 00—00Mk. Kälber: 1. Qual. 86—90Ma., Lebendgewicht 52—54 Pf., 2. Dual. 83—86 Bfg., Lebendgewicht 49—52 Pfg., 3. Qual. 00—00 Pfg., Schlachtgewicht 63—66 Pfg., Schale: l.Qual. 70—72, 2. Qttal. 60—62 Pfg., 3. Qual. 00—00 Pfa.: Schweine 1. SD.ua! . 78—79 Pfg., Lebendgew. 61.50 Pfa., 2. Qu.77-78Pfg., Lebendaew. 60—61 Pfg., 3. Qual. 72—74 Vfg., Lebendgewicht <"0—00 Pfg. Geschäft bei Hornvieh aut. bei Kleinvieh aut: kein Neberstand. Kirlsi licke ^l ackrickten. Evangelische Gemeinde. Montag, den 23. Oktober, abends 8 Uhr: Bibel stunde im Konfirmandensaal der Johanneskircke. Briefe Pauli an die Thessalonicher. Pfarrassistent Sattler. (?)rtnins zufällige Eintreten seines Dieners d 'ran verhindert wvrden. (Notiz des W. D.: Dies Gerücht hat bisher keinerlei Bestätigung erfahren.) Petersburg, 23. Okt. Graf Wittes Ernennung zum Premierminister gilt als zweifellos. Doch wird er diesen Posten nur annehmen, wenn er mit außerordentlichen Vollmachten ausgestattet würde. Wie versichert wird, will Witte als Premierminister dahin wirken, daß die Eröffnung der Neichs- dnma noch mindestens zwei Monate über den jetzt in Aussicht genommenen Termin h i n a n s g e s ch o b e n wird, damit unterdessen das ganze unzweckmäßige B n l v g in'sckw W a hl pr o j e kt einer gründlichen Aenderung unterzogen und den Bedürf nissen nn d Wünschen des Volkes mehr angepaßt' werden könne. Newpork, 22. Oft. Aus Newark wird gemeldet: Von 304 eingesandten Gedichten für ein Preislied bei dem im nächsten Jahre stattfindenden Wettsingen um den 1900 gestifteten Kaiserpreis wurde das Gedicht des Lehrers Robert S ch m i d t-Großlichterfelde bei Berlin preisgefrönt. Tanger, 22. Oktober. Heute abend traf der Kreuzer „Phathfinder" mit den von El Valiente auf Betreiben des Scherifs von Uezan freigegebenen beiden englischen Offizieren hier ein. Telefonisch® des Giessener Anzeigers, mitcrc und Indnsti Frankfurter Kör 3J4°/o Reichsanleihe . . 100.75 3% do. . . 89.15 3^70 Konsols .... 100.80 3% do 88 90 3%°/0 Hessen 100.00 3%0ln Oberhessen . . . —.— 4"ä Oesterr. Goldrente. . 101.15 41/6 9.1 Oesterr. Silberrente 100.90 4 °6 Un£rar. Goldrente . . 96.80 4% Italien. Reute . . . —.— 4 Portugiesen Serie I . 68.40 3% Portugiesen „ III 68.00 4%0/n russ.Staatsanl. 1905 97.30 4 « japan. Staatsanleihe 94.20 1 % Conv. Türken von 1903 90 70 Türkenlose 137.50 4% Griech. Monopol-Anl. . 53.30 äussere Argentinier . 90.20 3% Mexikaner .... 68 20 4%°/0 Chinesen . . . 97.70 Aktien: Bochum Guss 257.75 Buderus E. W.’ .... 143.70 Tendenz: ruhig. Berliner Börse, ! Canada E. B 175.20 Darmstädter Bank ., . . 152.60 Deutsche Bank .... 243.10 Dortmunder "Union C. . . 105.50 Dresdner Bank .... 168.10 Tendenz: still. Kursberichte teilt von der Bank für Handel ie, Giessen. ■»e. 23. Okt., 1.15 Ehr. Elektriz. Lahmeyer . . . 145.00 Elektriz. Schuckert . . . 138.25 Eschweiler Bergwerk . . 281.30 Gelsenkirchen Bergwerk . 256.25 Hamburg - Amerik. Paketf. 170.00 FTarpener Bergwerk. . . 223.00 Lanrabntte 270.50 Nordd. Lloyd 132.90 Oberschics. Eisen-Industrie 141.00 Berliner Handelsires. . . 177.25 Darmstädter Bank . . . 152.30 Deutsche Bank . . . 242 90 Deutsch-Asiat. Bank . . 185.00 Diskonto-Kommandit. . . 193.30 Dresdner Bank .... 168.00 Kreditaktien 212.50 Baltimore- und Ohio- Eisenbahn 115.35 Gotthardbahn —.— Lombard Eisenbahn . . 25.25 Oesterr. Staatsbahn . . . 145.30 Prince-Henri-Eisenbahn . 129.20 3. Okt., Anfangskurse. Harpener Bergwerk . . 223.20 Lanrabütte 271.00 Lombarden E. B ... 25.50 Nordd Lloyd . . . . 132 70 Türkenlose ..... 137.90 bewährtest© Nahrung für gesunde u. mager.- darmkranke k 5 n d c r» SS8/. SS18/, Eercnlesa-Bßleine-Corsets. Grand Prize St. Louis 1904. Jedes Corset muss den Stempel „Herculesa-Baleine“ tragen. Tic Ansicht, daß die Lchädlichkeit deS Tabakranches au?- skhlichlich feinem Gcbalt an Nikotin zugeschrieben werden müßte, ist viel verbreitet. Ein Beispiel für die Unrichtigkeit dieser Meinung findet mancher Raucher in einer Erinnerung aus der Jugendzeit. Der erste Rauchversuch mit einer wirklichen Zigarre au? Tabak ist einigermaßen glimpflich abgetönten, aber eine bei Gelegenheit, in Ermangelung von Tabak, mit Papier. Pflanzenlaub ?c.. also nikotinfreien Stoffen, unternommene Wwderbolitng ist in ihren Folgen oft derartig, daß fich schon dem Knaben der Tabak als das kleinere Hebel darstellt. DaS diese primitive Be- obachtnng lebrt, bestätigt in vollem Maste die chemische Untersuchung. Der Tabakrauch bestebt im wesentlichen an5: Nikotin und dessen Gvaltungsprodiikten lPpridinbafenL ferner auS Ammoniak, Methylaminen, Pyrrolen, Schwefelwafferstoff, Blausäure, Buttersäure, Kohlensäure, Koblen- oryd, Wasserdampf und emphreumatifch-teerigen Produkten, unter letzteren kleine Mengen von Phenolen beobachtet werden. Gefur. schädlich sind besonders die basischen Körper: Nikotin, Pyridinvu Ammoniak, ferner Schwefelwafferstoff, Blausäure und Kohlenoxyd, wenn in größerer Menge dem Organismus zugeführt. DaS Alkaloid Nikotin findet sich bereit? vorgebildet im Tabak, während die übrigen Bestandteile des Tabakrauches erst infolge des Rauchens entstehen; sie sind die Produkte einer trockenen Destillation. ES ist hiernach klar, daß auch der Rauch von nikotinfreiem Tabak gesundheitsschädliche Bestandteile enthält. Es seien hier genannt Kohlenoxyd. Ammoniak, Methylamine, Schwefelwafferstoff, Blausäure. Diese Stoffe liefert nun aber verbrennender Tabak keinesfalls in größeren Mengen als sic die Perbrennung deS LaubeS anderer Pflanzen ergibt ES schneidet vielmehr noch den zahlreichen Versuchen deS Verfassers der Tabak verhältnismäßig recht günstig ab. Don Zigarettenpapieren zeigten sich, in derselben Weise wie Tabak verraucht, einine Sorten giftiger al; alle anderen untersuchten Stoffe. Do:-, 'yaleni-' ■ Standvunkte auS können allein solche Tabak- fnbrifate cir erden, bei deren Verrat' n nicht nur die Nikotin- Wirkung au*g..;uVcn roirV sondern auch t Produkte der trockenen Destillation unschädlich gemocht werden. Beides wird ohne Beeinträchtigung des Wohlgeschmacks der Fabrikate erreicht durch das Verfahren deS Geheimrats Prof. Dr med. Gerold und deS Universitätsprofessors Dr. Thomß -Berlin. Verschiedentlich wurde von autoritativer Seite auf die Methode dieser bekannten Gelehrten hingewiesen. So berichtete auf der 73. Versammlung Deutscher Naturforscher und Aerzte zu Hamburg SanitätSrat Dr. Forst in der hvaienis.tzeu Abteilung über Versuche, welche mit nach Vorschrift dieser Gelehrten hergestellten Fabrikaten int physiologischen Laboratorium des Instituts für medizinische Diagnostik zu Berlin vorgenommen wurden. Der Vortragende wieS nach, daß schädliche Beeinflussung des Herzens und der Blutgefäße, sowie des Nervensystems beim Rauchen dieser Zigarren nicht beobachtet werden kann. Hergeflellt werden diese Fabrikate von W e n d t's Zigarrenfabriken A.-G., Bremen, und als Wendt's Zigarren u. -Zigaretten tu den Handel gebracht. Dr.Lbg, hv“/10 Lastl-Liencchnig hochsei« von vorzüglichem y)e- lchmack m 2, 1 u. »/,Pjd.-Gläjerii empfiehlt [5407 AdBer-Drogerie SeUerowrg SS VUo Schaaf sautt entschlaien ist. Ende gegen 11 Uhr. 07187 Anfang 8 Uhr pünktlich. Heuchelheim, den 21. Oktober 1905. nicht statt. 10 Spiegel u. a. m. 15483 Johann, (#r. 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