Erstes Blatt. Donnerstag 24. August LSVF s TT?K-T Die heutige Hiummer umfaßt 8 Seilen. wenn es notwendig der streitbare Justizrat Dr. Porsch, Die Schluß- LS5. Jahrgang *r folgerungen dieses Herrn in der Sache der katholischen Studentenverbindungen sind ganz eigenartig. Davon, daß diese Verbindungen „SBorfdjuIcn* des Zentrums seien, will er nichts wissen; er bezeichnet sogar einen Jeden, der darin anderer Meinung ist, als Lügner! Dann gibt er aber zu, daß in den Vereinigungen allerdings das religiöse Leben ge- würde", so entschlossen aufnehnien würde. Bereinigung im Gange, daß i Mer, Wiesen, ■ Tie neuen '"gezogen. Seit en die einzelnen Rathaus gleicht ib die zur Er« Flur'arten sind ib von den Ein- sw.ertsamkeit die !ie ost srMchen stretenden lassen der Bereinigung i einer auch hier htcn mußte. Igemcine Garten- en Witterung sehr ien durch die Ein- sse die Gewißheit, trchten ist, sobald Der Großherzoc Aom Katholikentag. Gießen, 24. August. Was heute über die dritte Versammlung der Katholiken Mitzuteilen ist, hat von allen seitherigen Kundgebungen der großen „Parade" wohl das meiste Interesse. Zumal was da über die akademischen Kämpfe und die Tätigkeit der Dozenten und Studierenden im Sinne der katholischen Weltanschauung verlautet ist. Die anderen Versammlungen waren eigentlich nur ein Vorspiel. Da hat der Neichstagsabg. Groeber, ein in katholischen Kreisen sehr beliebter Redner, die bemerkenswertesten Ausführungen gemacht. Den Höhepunkt seiner Ansprache bildete die Forderung voller Freiheit für die katholische Kirche. Sehr geschickt war die Berufung auf die Kaiserrede in Gnesen, auf die Worte: „Deutschland heißt Kultur, Freiheit für jeden, m Religion sowohl wie in Gesinnung und Betätigung." Das muß wahrgemacht werden, sagte Gröber, um alsbald das Verlangen nach voller Freiheit für die Jesuiten und die Damen vom heiligen Herzen Jesu anzuknüpfen. Klar genug gab der Redner zu verstehen, daß die Regierung das Zentrum bitter nötig braucht zur Lösung der „gewaltigen Aufgaben" in der inneren wie der äußeren Politik. Auch die Teilnahme Deutschlands an der Weltpolitik erkannte Gröber als berechtigt an. Das heißt doch wohl, daß das Zentrum mit sich reden lassen wird über die nächste Marinevorlage und die Deckung der hierfür erforderlichen Kosten. Am meisten interessieren uns nun die unten mitgeteilten Verhandlungen über die Bewegungen in den katholischen akademischen Kreisen. Es wurde da zunächst mit Genugtuung begrüßt, daß zahlreiche Hochschullehrer katholischen Bekenntnisses, nicht nur von der theol. Fakultät, in ihren Vorlesungen immer mehr den Standpunkt der katholischen Weltanschauung zur Geltung brächten. Wenn daS auf Tatsachen beruhte, so wäre das sehr bedauerlich. Es wird aber nicht ganz so schlimm sein. Dieser AuSruf bedeutet wohl viel mehr die Aufforderung, bei dem bekannten Standpunkt gegen die Voraussetzungslosigkeit der Wissenschaft zu beharren. Herr Pros. Spahn, der ja anwesend war, wird lebhaft bewegte Rückblicke getan haben. Bedeuten diese neuen, hartnäckigen Versuche, den seitherigen Brauch an den Universitäten zu brechen, etwa eine Wiederholung des Falles „Spahn" ? Wer und wo ist der neue Herr? Dann würde allerdings wieder ein kleiner „akademischer Kulturkampf" beginnen müssen, den - IssSA fti“ Also dürften wir statt von „Fahrwasser" sprechen, auf das jeder katholische Student gesetzt werden soll und auf welchem er ganz von selbst in den sicheren Hafen des allein seligmachenden Zentrums einfährt. Ob Herr Porsch uns darum als Lügner bezeichnen pflegt werde und daß es naturgemäß sei, daß die Verbindungsstudenten im reiferen Alter dem Zentrum beitreten würden, einer „Schule" lieber von einem '; 18,1& würde? Es wurde ferner gesagt, die katholischen Studentenvereinigungen feien mit den nationaüiberalen Jugendvereinen nicht zu vergleichen. Das ist wahr! Darum haben die einen volle Daseinsberechtigung, während die andern nur eine versteckte Existenz führen. Denn was ist es anders als ein Versteckspiel, wenn der genannte Dr. Porsch im Anfang äußert, die katholischen Studentenvereinigungen hielten sich von der politischen Betätigung fern, und nachher doch mit dem Professor Spahn im vollen Einvernehmen steht, welcher die Mitwirkung der Studenten an der Arbeiterfortbildung empfahl! Das müßten sonderbare Arbeiterfortbildungskurse werden! Wie können die Studenten in sozialer und wirtschaftlicher Weise als Lehrer auftreten wollen, wenn sie selbst aller politischen Betätigung ferngehalten werden sollen! Da liegt aber der Hase im Pfeffer, daß die jungen Leute in ihren Verbindungen nicht offen politisch hervortreten und lernen sollen, dagegen aber ihre Anschauungen schon auf die Arbeiterkreise übertragen dürfen. Sie brauchen also gar nicht erst in reiferem Alter Zentrumsmannen zu werden; — sie sind'S schon! Denn daß das Zentrum den Studenten die Aufgabe überließe, das vaterländische, religiöse Und das soziale Ideal m den Arbeitcrkreisen zu lehren, ohne daß es im Sinne des Zentrums geschieht, ist doch offenbar ausgeschlossen. Wir haben seither wenigstens immer geglaubt, daß vaterländische, rel'.g'che und soziale Bemühungen den Inhalt jeglicher Politik, also auch des Zentrumsprogramms, ausmochen. Und davei behauptet der Universitätsprofessor Spahn, der den betr. Antrag gestellt hat, im selben Atemzrig, es liege ihm fern die Studenten in den politischen Kampf hmelnzuzlehen. Eitel Spiegelfechterei! . j. Y Dieser Teil der Zentrumsberatungen wird sicherlich von den übrigen Parteien vollauf erkannt und nach Gebühr gewürdigt werden! z< H. ft. Straßburg i. E., 23. Aug. In der heutigen dritten Versammlung wurde beschlossen, die Generalversammlung der Katholiken Deutschlands im Jahre 1906 in Essen a. d. Ruhr abzuhaltcn. Nach kurzer Erörterung gelangte folgender Antrag zur Annahme: , „Die 52. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands pricht ihre Genugtuung darüber aus, daß zahlreiche an den >eutschen Hochschulen lehrende Dozenten katholi- chen Bekenntnisses, und zwar sowohl Theologen als Angehörige anderer ftakultäten, in steigendem Maße allgemeine Vildunaselemente vom Standpunkt der katholischen Weltanschauung aus in Vorlesungen für Studierende aller Fakultäten behandeln, und durch ihre Mitarbeit an dem nationalen Bildungswesen der Hochschulen bei den akademisch-gebildeten Ständen aller Bekenntnisse eine bessere Erkenntnis und Wertschätzung des Katholizismus fördern." _ Den folgenden Gegenstand bildeten die k a t h o l i s ch e n S t u- denten-Korporationen. Es lag hierzu der Antrag vor: „Die 52. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands hält es im Bewußtse'n, daß es das gute Neckst der katholischen studierenden ist, sich in Korporationen zusammenzuschließen, für eine ihr besonders am Herzen liegende Pflicht, den katholischen Studentenkorporationen zu ihren Prinzipien, wie zu ihrer ebenso gesinnungstreuen wie ruhigen Haltung ihre Zustimmung aus- msprechen. Sie ist mit ihnen auf ®nrnb 60 jähriger Erfahrungen überzeugt, daß das auch von ihrhochgeschätztcWesen aller deutschen studentischen Korporationen, die Pflege idealer Bestrebungen im Nahmen studentischer Geselligkeit, durch die Wahl der Religion zum ersten Prinzip keinen Schaden leidet, sondern beides sich vortrefflich miteinander verträgt. Mit ihnen ist sie der Meinung, daß sich die Mitglieder der katholischen Studentenkorporationen keineswegs vom Verkehr mit der übrigen Studentenschaft oder gegen ihre Lehrerschaft abschlicßen sollen oder wollen. Sie vertraut darauf, daß die Korporationen, wie sie es bisher gehalten haben, durch nichts sich in eine öffentliche Agitation und in den politischen Kampf werden hineinreißen lassen. Mögen sie fortfahren, in der Hingabe an die idealen und vaterländischen Bestrebungen des deutschen Studcntentums mit ihren Kommilitonen zu wetteifern !" Der Berichterstatter, Ehcf-Redakteur Dr. Eardauns (Köln' empfahl die Annahme des Antrages. Die jüngsten Vorgänge fordern zu einer solchen Kundgebung geradezu heraus. Abg. Iustizrat Dr. Porsch (Breslau) stimmte dem Vorredner zu. Gewisse Kreise scheine es nach einer Art akademischen Ku l - turkampfes zu gelüsten. Die Katholiken seien in der Lage, wenn notwendig, den Fehdehandschuh aufzunehmen. Auf welcherSeite der Sieg sein werde, sei ihm nicht zweifelhaft. Als Vorsitzender der Zentrumsfraktion könne er Mitteilen, daß bei den katholischen Studentenverbindungen satzungsgemäß jede Politik ausgeschlossen sei: Diese Bestimmung werde getreulich befolgt. Wer das Gegenteil behaupte, sage die Unwahrheit: ja man könne offen sagen, wer das Gegenteil behaupte, fei ein Lügner. (Stürmischer Beifall.) Es sei also eine Lüge, daß die katholischenStudenten - Korporationen die Vorschule des Zentrums seien. Allerdings sei das Zentrum die politische und parlamentarische Vertretung des katholischen Volkes in Deutschland. Der corpus catholici decke sich mit der corpuS centri. Da'in den katholischen Studentenvereinigungen das religiöse Leben gepflegt werde, so sei es naturgemäß, daß die katholischen Studenten im reiferen Alter sich zur Politik des Zentrums bekennen. Dies berechtige aber die Gegner in keiner Weise die katholischen Studentenvereinigungen als Kadetten- an st alten des Zentrums zu bezeichnen. Die katholischen Studentenvereinigungcn seien mit dem nationalliberalen Jugendverein nicht zu vergleichen. Zwei protestantische Juristen haben ihm zugestanden, daß die Maßnahmen gegen die katholischen Studentenverbindungen vollständig unberechtigt seien. Der Eine habe hinzugefügt: Ich war Burschenschafter. Die Burschenschaften treiben Politik, weshalb soll das den katholischen Studentenvereinigungen nicht erlaubt sein? Er (Porsch) könne dieser Ansicht nicht beivfticksten. Er sei der Ansicht, daß die katholischen S t u d e n t e n v e r e in i gu n g e n sich aller politischen Betätigung zu enthalten haben. Sollten aber die Angriffe gegen die katholischen Studentenverbindungen nicht aufhören, so seien die Katholiken in der Lage, zur Abwehr einen wirksamen Boykott ins Werk zu setzen. Der Antrag gelangte darauf einstimmig zur Annahme. Es folgte ein Antrag betreffend die Unter st ützung der theologischen Wissenschaft. „Die Generalversammlung spricht ihre lebhafte Genugtuung über die wachsende Anteilnahme der katholischen Theologen Deutschlands an den Aufgaben der theologisch-wissenschaftlichen Forschung aus und dankt den katholischen Verlegern, welche die tbeo- logisch-wissenschaftliche Literatur zum Teil mit namhaften Opfern pflegen Sie erachtet aber eine tatkräftigere Unterstützung der theologischen Wissenschaft für dringend notwendig und richtet daher die Bitte an den hochwürdigen Klerus und an die gebildeten Laien, diese Ehrenpflicht nach Kräften wahrnehmen zu wollen." Der Antrag wurde angenommen. Weitere Anträge betrafen die Vereine zur Unterstützung studierender deutscher Katholiken, die Vereinstätigkeit der katholischen Arbeiterinnen - Vereine und den Rheinisch - Nrkolaus- Schiffer-Verband. c Ohne weitere Besprechung wurde folgendem Anträge zugestimmt: . „„ .. „ „Die Generalversammlung tritt von neuem em ftir die Weiterführung der Gesetzgebung zugunsten des Handwerkerstandes und für eine energische Gew er be fö r d e r un g durch Staat und Gemeinde." Es wurde ferner beschlossen: „Die Generalversammlung begrüßt es lebhaft, daß die katholischen Kaufleute mit wachsendem Interesse der Durchführung der zum Schutze des mittleren und kleineren Kaufmannsstandes geschaffenen Gesetze und der. Anregung von Verbesserungen solcher Gesetze sich widmen wie auch zahlreich sich beteiligen an den Einrichtungen genossenschaftlicher Selbsthilfe (ge,verbliche Schutzvereine, Einkaufs - Genossensckwften, Kredit- Genossenschaften, Rabatt-Sparvereine uftoA' gftyq Herold bemerkte: Es werde der Versuch unternommen, die katholischen kausmännischen Vereinigungen ebenso wie die kttbAisclpm S t u d e n t e n - Korporationen zu verbärgen, sie als Vorschule des Zentrums zu bezeichnen. Um so notwendiger sei die Annahme des Antrages. lieber die Mitwirkung d e r s t u d e n t e n a n d^er A r - beiter - Fortbildung i-*fl von Professor Dr. Spahn (Straßburgs folgender Antt vor: Die Gcneralversanuu nkt die Aufmerksamkeit der ka- SfHhmg öadust ttrie am : aufhiell. Heute müuwz Am deutscher M Md Mreiche besonders bei dein i städtischen Saab yartelibcnlilckpektoi mstadt herzlich be- stn-Vcrlin für die rmsten Tank aus- und mehrere erste ch zur Berschöner- 10 Uhr begannen ung und Begrüß' cherregierungsrat mg die Bersanm- ' rr Bürgermeister )wohl namens der ellungsprasidmm tn besten W darauf berr W arlegungdie^ ! von starbengamn über die von ihm rr-ne M Ausdruck , des Herrn W Architekten W WZ 'i'°^böhkuud der ' udimgshoye kW- Zmittag ponntag durch ichwnge" v Ebenasts ’ 8?SS I ’S * M l ®Qölburq "/.begeben war si- ' W5umcn J weckt darauf Kurhaus,'wo Sen höheren ^zusammen. sämtlicher vormittag er. Enthüllung de? ' Waner Fritz ^°tem Marmor, N'lorm mit dein f Die Festrede ■im Abend dieses vinzialdiner, e>m, Regierung?. WQrr usw. teil. on de? Kurparks dienst im Kur- mt. Tie Abreise ’rfofgt am Sonn- tholischen Studenten auf die in mehreren Städten organi- i e r t e M i t w i r k u n g der Studentenschaft an der Fortbildung der arbeitenden Stände. Sie würde es begrüßen, wenn nach Prüfung der bisherigen Erfahrungen auch die katholische Studenten- chaft Arbeiter-Unterrichts kurse, sei es für die Fächer der allgemeinen Bildung oder ftir die AnfangSgründc s 0 z i a l e r und w i r t s ch a f t l i ch e r B i l d ii n g als Semester- oder Ferienkurse veranstalteten. Sie empsiehlt ihnen, Fühlung mit dem Diolksverein oder den Arbeiter-, Gesellen- und LehrlingS-Organisationen zu nehmen.", Professor Tr. S P a hn bemerkte: ES liege gewiß jedem Vater» landsfreunde, insbesondere den Universitätsprofessoren fern, die Studenten in den politischen Kampf hineinzuziehen. Wenn er (Redner) daS in seiner Eigenschaft als Professor versichere, dann werde man ihm hoffentlich Glauben schenken.. sei aber erforderlich, das vaterländisch^, das religiöse und d^S soziale Ideal in den Herzen der Studenten zu wecken. Deshrlb empfehle er aufs angelegentlichste die Annahme des Antrages. Nach sehr kurzer Erörterung gelangte der Antrag einstimmig zur A n n a h m e. Alsdann wurde dem folgenden Anträge ohne weitere Erörterung einstimmig zugestimmt: „Die Generalversammlung lenkt die Aufmerksamkeit der Katholiken auf die Bestrebungen des „Kölner Männervereins zur Bekämpfung der öffentlichen U n s i t t l i ch k e i t" und empfiehlt dringend die Gründung gleicher oder ähnlicher Vereine für alle, namentlich aber für alle größeren Städte." Auch gegen Alkoholismus wurde ein Antrag angenommen. In der morgigen letzten öffentlichen Versammlung werden sprechen Graf Oppersdorf (Ober-Glogau) über die soziale Frage, Universitätsprofessor Dr. MauSbach (Münster i. W.) über die Pflicht der Anteilnahme der Katholiken an Kunst und Wissenschaft.________________________________ §ie KriedensunteiHandlungen scheinen nun bald glücklich beendet zu sein. Die schwierigsten Fragen wegen der Kriegsentschädigung und der Gebietsabtretung werden dank der Bemühungen Roosevelts wohl auch eine glückliche Lösung finden. Sein Vorschlag, den wir unten mitteilen, ist außerordentlich klug und entbehrt des humoristischen Beigeschmacks nicht ganz. In der Beurteilung innerpolitischer Vorgänge geht die Börse nicht selten fehl. In der großen, internationalen Politik aber zeigt sie sich durch ihre weitverzweigten Beziehungen meist vortrefflich unterrichtet. /Die Börse hat auch diesmal wieder mit ihrer von vornherein günstigen Auffassung der Friedensverhandlungen Recht behalten, indem sie sich sagte, daß zwei so geschaftsgewandte Männer wie Roosevelt und Witte die Sache schon in Ordnung bringen würden. Der Löwenanteil an dem Ergebnis gebührt allerdings dem Präsidenten der Ver. Staaten. Er hat immer wieder Häkeleien und Verstimmungen zwischen den Delegierten, Differenzen, die bis auf das Gebiet von Etikettestreitigkeiten sich verloren, mit Klugheit und Jovialität zu beseitigen gewußt. Und er hat, was noch bedeutend schwieriger war, die gefährliche Situation vermieden,, in die leicht ein Vermittler kommt: von beiden Seiten mit Mißtrauen betrachtet zu werden. Er schien ebenso der herzliche Freund der Russen wie der Japaner zu sein, den Japanern zur Milde ratend, den Russen zur Nachgiebigkeit. Diese Konferenz auf amerikanischem Boden wird den DankeeS eine goldene Ernte bringen. Die Kriegführenden haben gleichermaßen Anlaß, Roosevelt für die Schließung des Janustempels dankbar zu sem und bei Gelegenheit sich durch wirtschaftliche Zugeständnisse zu revanchieren. Portsmouth, 23. Aug. (Reuter.) In gut unter* richteten Kreisen hält man es für ausgeschlossen, daß die Konferenzverhandlungen heute end giltig abgebrochen werden. Man weiß, daß Roosevelts Vorschlag einerseits Japans Forderung nach Ersatz seiner Kriegsausgaben gerecht wird, andererseits aber auch Rußland instandsetzt, der Welt gegenüber zu erklären, daß es weder einen Fuß breit Landes abgetreten, noch eine Kopeke Kriegsentschädigung bezahlt hat, kurzum, daß der Vorschlag des Präsidenten in Anregung brachte, daß Rußland Sachalin ganz oder zum Teil' zurückkaufen solle, und zwar für eine Summe, deren Höhe, falls die beiden kriegführenden Mächte sich darüber nicht einigen können, durch eine später zu bestimmende Art Schiedsspruch festgesetzt werden soll. Der Kaufpreis und die Summen, die Japan von China für Abtretung der chine- jischen Ost bahn, von Rußland für den Unter- ha lt derrussischen Gefangenen erhalten soll, würden den gesamten Kriegs ko sten Japans gleich kommen. Dieser Vorschlag läuft in seiner Anwendung darauf hinaus, daß Japan bezüglich des Artikels 5, Rußland bezüglich des Artikeln 9 nachgibt. London, 23. Aug. Die „Morning Post" läßt sich auS Portsmouth (New Hampshire) vom 22. dS. telegraphieren: Der Friedensvertrag werde in Kürze unterzeichnet. Rußland werde eine nicht sehr bedeutende Summe für den Unterhalt der russischen Gefangenen und für die Pflege der Kranken und Verwundeten bezahlen; eS behalte die nördliche Hälfte Sachalins, während eS die südliche an Japan abtrete. Japan lasse seinen Anspruch auf die in neutralen Häfen internierten Kriegsschiffe und die Einschränkung der russischen Seestreitkräfte im fernen Osten fallen. Roosevelt gebühre die Anerkennung, die Fortsetzung der Konferenz im kritischen Augenblick gesichert zu haben. Portsmouth. 23. Aug. (Reuter.) Dem Vernehmen nach wird Baron Komura in der heutigen Sitzung der Friedenskonferenz dem Kompromißvorschlag des Präsidenten Roosevelt zu stimm en. Paris, 23. Aug. Der hiesigen Ausgabe deS „Rew» york Herold" zufolge ist für die heutige Sitzung der Friedenskonferenz in Portsmouth (New Hamvshire) ein von japanischer Seite ausgehender Vorschlag zu erwarten, nach Nr. 198 Erscheint täglich außer Sonntags. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Gießener Famllien- Hätter viermal in der Woche beigelegt. Rotationsdruck u. Verlag der Brüh l'schen Univers.-Buch-u.Slein- druckerei. R. Lange. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul ft raße 7. Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen. Fernsprcchanlckluß Nr. 51. Gießener Anzeiger ■ w General-Anzeiger ** ** Sa _ den polit. und allgern. Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen MW ____ zeigenteil: Hans Beck. ! -s Mler । £ ! welchem die ostchinesische Bahn unter die Kontrolle einer großen internationalen Gesellschaft gelangen soll. In der Leitung dieser Gesellschaft würden Japan, China, Deutschland, England, Frankreich, die Vereinigten Staaten von Amerika und auch Rußland vertreten sein, vorausgesetzt, daß es die von Japan verlangten Bedingungen annimmt. Newyork, 23. Aug. Die Morgenblätter melden, Roosevelt sei benachrichtigt worden, daß Japan seine Fordcrilngcn ermäßige. Portsmouth, 23. Aug. Die heutige Morgen- sihung wurde mit der Verlesung der Protokolle und dem Ausgleich der Differenzen der japanischen und russischen Fassung ausgefüllt. Die Fortsetzung der Vergleichung der Protokolle erfolgt nachmittags 2 Uhr. Witte bestritt, heute eine Botschaft Roosevelts erhalten zu haben. Portsmouth, 23. Aug. (Reuter.) Offiziell wird erklärt, in der heutigen Vormittagssitzung seien Meinungsverschiedenheiten inbezug aus den Wortlaut des Protokolls entstanden. Es wurde dann beschlossen, das Protokoll im ganzen zu verlesen und über die strittigen Punkte in der Konferenz zu entscheiden. Diese Arbeit war bis zur Mittagspause noch nicht vollendet. Die Nachmittagssitzung begann um 2Vs Uhr. Por t s m o u t h, 23. Aug. Die Friedenskonferenz tagte bis 12 Uhr 15 Min. mittags. Am Nachmittag wurden die Verhandlungen wieder ausgenommen. Sie dauerten IV2 Stunden. Der osfiziellc Bericht über die heutige Beratung der Friedenskonferenz besagt, die Protokolle wurden in gebührender Form unterzeichnet. Portsmouth, 23. Aug. (4 Uhr nachmittags.) Die Protokolle der bisherigen Sitzungen wurden soeben rechtsgiltig unterzeichnet und die Sitzung bis Samstag 3 Uhr vertagt, woraus der beiderseitige Wille zu einerVerständigung hervorgehen dürfte. Portsmouth, 23. Aug. Witte teilte mit, daß die Japaner Vorschläge in neuer Form machten. Da eine Einigung jedoch unmöglich war, wurde die Sitzung aufgeschoben. Vier Protokolle wurden unterzeichnet, drei noch nicht. London, 23. Aug. Der „Taily Telegr." veröffentlicht folgendes gestriges Telegramm aus Tokio: Tas auswärtige Amt gab heute den Wortlaut des aus 9 Artikeln bestehenden und am 13. ds. mit Korea abgeschlossenen Vertrages bekannt. Der Vertrag enthält u. a. die Bestimmung, daß die Schiffseigentümcr berechtigt sind, Land zu pachten und Werften und Landungsplätze zu erbauen. Ter Vertrag wird vom Tage der Ratifizierung an 15 Jahre in Kraft sein. Ile Reise des Kaisers. Sennelager, 23. Atig. Der Kaiser traf heute früh 6 8/j Uhr hier em und flieg mit seinem Gefolge am Bahn- hof Sennelager zu Pferde. Von 7 Uhr ab wohnte der Kaiser dem Exerzieren dec Kavallcriedivision B bei. Die Krieger- vereinc aus der Umgegend und andere Vereine bildeten Spalier und begrüßten den Kaiser begeistert. Die Stadt Paderborn und Umgegend trägt Flaggenschniuck. Der Kaiser trug die Uniform seines bayerischen lliancnrcgimcnts. Im Gefolge befanden sich tzosmarschall Graf v. ^edlitz-Trützschler, General der Infanterie v. Plessen, Geiicralleutnant v. Scholl, der Ches des Militärkabinelts, Generalleutnant Gras v. Hülscn- Häseler, Generalmajor Graf v Hohenau, Flügcladjutant Major v Neumann-Cosel, Leibarzt Dr. Niedner und Oberstallmeister Frhr. v. Reischach. Tie Kavalleriedivision B, bestehend aus der 25. und 28. Kavalleriebrigade und der 4. bayerischen» Kavallcriebrigadc, stand unter dem Kommando des Generalleutnants v. Natzmer. An die Exerzitien schloß sich eine Gefechtsübung unter Verwendung von Artillerie und einer Maschincngewehrabteilung. Hieraus nahm der Kaiser Parade über die beteiligten Regimenter ab und setzte sich an die Spitze des bayerischen Ulanen- regimentS und ritt zum Lager, um im Ofsizierkasino an der Frühstü üstasel teiznnehmcn. Sodann begab sich der Kaiser zu Wagen nach dem Bahnhof. Die bayerischen Ulanen bildeten Spalier. Eine sehr zahlreiche Volksmenge brachte dem Kaiser stürmische Ovationen dar. Um 21/4 Uhr ging der Sonderzug nach Wilhelms ho he ab. Dort traf der Kaiser nachmittags gegen 5 Uhr auf dem Bahnhöfe ein. Die Kaiserin war mit Prinzessin Viktoria Luise und dem Prinzen August- Wilhelm int Automobil am Bahnhof erschienen; sic begaben sich zu kurzem Aufenthalt in den Salonwagen des Kaisers. Der Kaiser fubr kurz nach 5 Uhr nach Cron berg weiter, wo er abends 91/1 Uhr eingetrossen ist, um dem Prinzenpaar Friedrich Karl von S)q]cn und dem Kronprinzenpaar von Griechenland aus Schloß Friedrichs Hof einen Besuch abzustatten. Zum Empfange des Kaisers waren auf dem Bahnhofe anwesend: die beiden Schwestern und Schwäger des Kaisers, ferner der Landrat des Obertaunuskreises Dr. Ritter v. Marx und der Bürgermeister Pietsch. Der Kaiser nahm bei seiner Ankunft auf dem Bahnhose die Meldung des neuen Regierungspräsidenten von Wiesbaden Dr. v. M e i st e r entgegen. Nach herzlicher Begrüßung erfolgte mittels Automobils oie Fahrt nach Schloß Friedrichshos durch die festlich beleuchtete Stadt, in welcher die Vereine mit Fackeln Ausstellung genommen hatten. Eine kombinierte Kompagnie des 8U. Infanterieregiments unter Hauptmann v. Luttwitz hat die Schloßwacyc bezogen. Die Rückreise des Kaisers nach Schloß Wilhclmshöhc ist auf Freitag nachmittag 3 Uhr sestgesetzi. Deutsch-Ostafrika. Berlin, 23. Aug. Der Kommandant des Kreuzers .Bussard" meldet vom 22. ds.: Oberleutnant 5. 5ec Paasche schlug am 19. und 20. ds. erfolgreich einen Angriff der Kitschileute auf sein Lager zurück. Er meldet, daß alles wohl ist und er nordwestlich nach Kowoni weitervorgehk. Am 25. ds. trifft voiaussichllich eine Ab- teihing der Schutztruppe in Ryainbwtki em. Der A u f sl and breitete sich südlich von Kilwa bis zum Mben- kurufluß an der Grenze des Lindibezirks aus. Berlin, 23. Aug. Die „Rordd. Allg. Ztg." meldet: Ueber die Lage im Gebiete südlich von Manneranango berichtet Gouverneur Graf Götzen, daß dort Anzeichen von Unbotmäßigkeit heroorgetreten sind, die ihn veranlaßt haben, den Bezirksamlmann Bäder, den Hauptmann Jonck und 95 Mann dort zu belassen. Aus den Aia t um b > b erge n ist Major Johannes für seine Person nach Dar-es-Salam zu- rückgekehrt und hat gemeldet, daß die Ordnung aufrecht erhalten werden könne, wenn eine Kompame bis auf weiteres dort bleibe. Neues aus Rußland. Moskau, 23. August. Die städtische Duma faßte eine Resolution, in der sie die hohe Bedeutung der Einsetzung der Reichsduma als den ersten Schritt zur Heranziehung der Gesellschaft zur Teilnahme an der Gesetzgebung und der Staatsverwaltung anerkennt, zugleich aber die tiefe Ueber- zeugung ausdrückt, daß die Absichten des Kaisers nur durch die Gewährung der Freiheit des Wortes und der Presse, des Versammlungsrechtes und der Unantastbarkeit der Person verwirklicht werden tonnen. Tic im Manifest verheißene Ausgestaltung der Reichsduma, so spricht sich die Resolution aus, könne allein dem Lande Ruhe bringen, müsse aber auf dem allgemeinen Stimmrecht beruhen. Das Stadthaupt wurde beauftragt, die Resolution zur Kenntnis des Kaisers zu bringen. Kattowitz, 23. Aug. Als in Dlutow bei Lodz Kosaken eine Arbeiterversammlung von 2000 Personen auseinandertreiben wollten, gaben die Arbeiter Schüsse ab, worauf die Soldaten durch zwei Salven drei Personen töteten und mehrere verletzten. Ueber 400 Arbeiter wurden verhaftet. In Radom wurde gestern der Polizeimeister, auf den schon vor zwei Wochen ein Attentat verübt worden war, auf der Straße durch einen Schuß getötet, ebenso in den Dörfern Sokolowie und Mordy 2 Polizisten. Em japanischer Kommandant über die Schlacht bet Tsuschima. Kommodore Akiyama, der an der Seeschlacht von Tsuschima teilnahm, .hat eine ausführliche Betrachtung über die Gründe der russisä^n Niederlage veröffentlicht. Diese wurde seines Erachtens in erster Linie durch die japanischen Geschütze herbeigeführt und nicht durch die Zerstörer und Torpedoboote. Tie gute Leitung bes Geschützfeuers ist nach Ansicht , des Japaners Sache der Divisionsosfiziere, und die russischen Offiziere sollen in dieser Beziehung außerordentlich kläglich gewesen sein. Im ersten Teil der schlacht hatten die Russen durchschnittlich nur einen gegen drei japanische Treffer zu verzeichnen, und die Japaner brachten drei oder vier Geschütze in Tätigkeit gegen je ein Geschütz der Russen. Ties erklärt die großen Verluste der Russen. Akiyama verteidigt den Plan des russischen Admirals, die Straße von Tsuschima zu benutzen. Dies_ sei der einzig durchführbare Plan gewesen. Die Tsugara-Straße sei lang und eng und außerdem durch mechanische Mittel versperrt gewesen. Tie Benutzung von Soya (gemeint ist wohl die La Pärouse-Straße- habe sich wegen der großen Entjernung und wegen des Kohlenverbrauchs verboten. Fehlerhaft war dagegen nach Akiyamas Ansicht die r u s s i s ch e F 0 r m a t i 0 n in Doppel kolonnen- linie. Dadurch seien nur wenige russische Schiffe imstande gewesen, ihre Geschütze mit Erfolg zu gebrauchen, während die Japaner unter schwachem Sveucr deS Feindes ihr ganzes Feuer auf die führenden russischen Schiffe richten konnten. Der japanische Kommodore glaubt, daß es den russischen Kreuzern gelungen wäre, nach Wladiwostok durchzubrechen, wenn die russischen Linienschiffe die Durchführung des Kampfes auf sich genommen hätten, ohne die Uiiterstützung der Kreuzer zu beanspruchen. Die Tatsache, daß so viele Linienschiffe und gepanzerte Kreuzer durch Artilleriefeuer zum Sinken gebracht wurden, erklärt der Kommodore daraus, daß die russischen Schiffe infolge der großen Vorräte, die sie an Bord hatten, sehr tief im Wasser lagen, und daß infolgedessen viele Treffer in der Nähe der Wasserlinie verhängnisvoll wurden, während sie bei weniger stark beladenen Schiffen wahrscheinlich unbedeutenderen Erfolg gehabt hätten. Es sei falsch, zu behaupten, daß die Schlacht den Beweis für die U e b e r l e g e n h e i t der Geschütze über Den Panzer geliefert habe. Die neuesten Panzerplatten der russisä-en Schiffe und besonders die Panzerung des „Drei", wurden nicht durchschlagen. Die Verteilung des Panzers war dagegen, wie der Japaner meint, eine fehlerhafte und beweist, daß die russisclym ^chisssbauer geringe Kenntnisse besaßen. Die Kapitulation des Admirals Nebogatow wird entschuldigt. Die Schisse dieses Admirals seien von 27 japanischen Kriegsschiffen umzingelt gewesen und hätten zweifellos in 5 bis 10 Minuten in den Grund gebohrt werden können. 2000 Menschenleben würden ohne Zweck geopfert worden sein, wenn Nebogatow nicht die Flagge strich. Tie russischen Verluste werden von Akiyama bedeutend geringer eingeschätzt, als man unmittelbar nach der Schlacht annahm. Die Zahl der Geretteten und Gefangenen beläuft sich auf mehr als 7000 Köpfe. Wenn man zu diesen noch die Zahl derjenigen hinzurechnet, die sich ..ai bai ruhiicijen Schiffen belinden, die entkamen, so muß der Verlust an Menschenleben auf 2000 bis 2300 Köpfe berechnet werden.___________________________ Deutsches Retch. Berlin, 24.Aug. Eine „rccht gesalzeneTabaksteuer- ec Höhung" soll, nach der „Köln. Volksztg.", den Kern der iogenannten „Finanzreform" bilden, mit derder Reichstag in seiner nächsten Tagung sich zu beschäftigen haben wird. Wie das Zentrnmsblatt weiter schreibt, soll für die Reichsfinanz- reform die Erbschaftssteuer nicht in Betracht kommen; auch an den Branntweinliebesgaben soll nicht gerüttelt werden. Tie Zu- stimmung der konservativen und der nationalliberalen Partei zur neuen Tabaksleuervorlage, die auf einen Mehrertrag von 50 bis 60 Millionen Mark jährlich zugeschnitten wird, soll bereits gesichert sein! Tie „D. TageSztg." bemerkt zu dieser Behauptung: Was dem Reichstag als Kern der Finanzreform unterbreitet werden soll, steht überhaupt noch nicht fest, da der Bundesrat sich mit der Frage noch nicht befaßt hat. Sollte man, was wir zu bezweifeln allen Griind haben, aus eine Tabaksteuererhöhung kommen, so würde das Beiwort „recht gesalzen" schwerlich auf sie paffen. Was unsere eigene Stellung zur Frage anlangt, so haben wir mehrfach betont, daß wir eine Erhöhung der Tabaksteuer nicht nur für nicht erreichbar, sondern auch für sehr bedenklich halten würden. Köln, 23. Aug. Wie die „Kölnische Volkszeitung" meldet, ist der Landtagsabgeordnete für den Wahlbezirk Neuwied-Altenkirchen, Amtsgerichtsrat Knie (Ztr.), heute morgen hier an Blinddarmentzündung gestorben. Norderney, 23. Aug. Ter deutsche Botschafter in London, der sich zur Zeit auf Urlaub befindet, ist zum Besuch des Reichskanzlers hier eingetroffen. Unter den Besuchern, die in jüngster Zeit beim Fürsten v. Bülow weilten, befanden sich der Oberpräsident von Hannover und der Gc- fandte in Athen, Prinz Rattbor. Dresden, 22. Aug. Die Generaldirektion der Sächsischen Staatsbahnen wendet sich scharf gegen den Alko- h olism us unter den Eisenbahnern. Beamte, die im Dienste betrilnken angetroffen werden, sollen entweder strengstens bestraft oder entlassen werden. München, 23. Aug. Der „Tägl. Nun!:sch." wird aus München von einem merkwürdigen Erlaß des bayerischen V e r k e h r s m i 11 i st e r j l, n, s, der kürzlich m Kraft getreten sein soll, berichtet: Er verordnet, daß in Zukunft an die Beamten Der P 0 stverival 1 ung vom Staate feine Seife mehr aegeben wird, und zwar bezieht sich der Erlaß auf allo Kategorien, sogar auf die Beamten an den Postanweisung^ chaltern. Eine Ergänzung zu dem Erlaß verfügt, daß die verabreichten Handtücher vier Wochen benutzt werden müssen. — Die „Münchener Allgem. Zeitung" teilt auf Grund näherer Erkundigungen mit, daß an dem seit längerer Zeit umlaufenden Gerücht von der Verlobung des Prinzen Ferdinand Maria von Bayern mit der Infantin Maria Theresa von Spanien nichts Wahres ist. Mus land. Esbjerg, 23. Aug. Bei dem Einlaufen in den hie- igen Hafen erlitten drei englische Torpedojäger Havarie. Einer erhielt ein Leck an der Wasserlinie, sodaß er sofort ins Dock gehen mußte. Auch die anderen erlitten Beschädigungen am Steuer und am Bug. Esbjerg, 23. Aug. Die englische Flotte ist heute nachmittag von hier abgegangen. Paris, 23. Aug. Man nimmt hieran, daß die Antwort Deutschlands auf die französische Note, betreffend das Programm der Marokko-Konferenz Nouvier erst in zwei oder drei Tagen überreicht werden wird. Biidapest, 23. Aug. Die liberale Partei nahm in der heutigen Konferenz einen Antrag des Barons Daniels an, in welchem die Partei erklärt, auf der bisherigen Grundlage verharren zu wollen, indessen sei sie bereit, falls eine Konzentration sämtlicher Fraktionen der 1867er Ausgleichspartei stattfindet, an der Bildung dieser neuen Partei mit Preisgabe ihrer gesonderten Existenz als Partei mitzuwirken. Graf TiSza, dem lebhafte Ovationen bereitet wurden, und Graf Khuen-Hedervary befürworten den Antrag. Petersburg, 23. Aug. Der Kaiser empfing heute nachmittag den amerikanischen Botschafter Lengezke- M e t) e r.- Sal0nik, 23. Aug. Auf den griechischen Bischof von Strumovltzci wurde auf dem Rückweg von Gabrowo nach Strumovitza geschossen. Der Bischof blieb unverletzt, ein Priester wurde verwundet. Quetta (Belutschistan), 23. Aug. (Reuter.) Eine An» zahl Leute des Emirs von Afghanistan überschritt bei Gulistan die Grenze und griff die Hütten der Strecken- arbeiterstatlon zwischen dem Eisenbahnübergang bei B 0 st 0 n und (St)aman an. Die Afghanen verwundeten zwei oder drei Mann unb schleppten zwei Mann gefesselt mit sich- äUö tzlnöi uiiü ifluö. Gießen, 24. August 1905. ** Ein größerer Manöverunfall hat sich, wie man uns drahtlich aus Darmstadt meldet,, anfangs der Woche auf dem Truppenübungsplatz Senne bei Paderborn ereignet Ein badisches Ulanen-Reaiment ritt in sehr scharfer Attacke gegen die hessische Kavallerie-Brigade, so daß sowohl die Brigade wie der Regimentsstab und em großer Teil der 2. Schwadron des 23. Dragoner-Regiments zu Boden geritten wurden und zahlreiche Verletzungen vor- tämen. Ter Vrigabesührer Oberstleutnant v. Wallenfels vom 24. Dragoner-Regiment stürzte^ nachdem sein Pferd einen tiefen Lanzenstich in die Seite erhalten hatte. Er kam jedoch mit einigen Hautabschürfungen davon. Auch der Kommandeur des 23. Dragoner-Regiments stürzte und brach beim Sturz ein Bein. Der Stabstrornpcter würbe leicht verletzt, dem Unteroffizier Anders würbe die Unterlippe durchgeschlagen. Im ganzen wurden a ch t P f e r d c durch Lanzenstiche getötet, andere verletzt, während eine größere Anzahl dasWeite suchte. Gestern fand Truppenbesichtigung durch den Kaiser statt. Heute ist Ruhetag und dann begeben sich die Regimenter zur Teilnahme an den Kaiser- manövem nach Homburg. — Diese Hiobspost sollte man wahrlich für unglaublich halten. Krieg im Frieden, aber irn aller- s ch l e ch t e st e n Sinne! Hoffentlich erfolgt von amtlicher Seite eine klare Aufklärung, sodaß das Publikum ein Bild sich darüber machen kann, wie diese Attacke so unsinnig ausarten konnte. Der Schuldige, wahrscheinlich ein im allerhöchsten Maße Uebereiftiger, wirb dann hosfentlich zur Verantwortung gezogen werden. Daß unsere armen hessischen Dragoner das Pech haben mußten, um* geritten zu werden, ist sehr bedauerlich. ** Der Milchpreis. Am Montag fand, wie wir bet „Kl. Pr." entnehmen, in Frankfurt eine gemeinsame Sitzung von Vertretern der „Vereinigten Landwirte" und der Milch- händlervcreine von Frankfurt, Offenbach und Hanau im König von England statt. Die Verhandlungen nahmen „einen be- friedigenden Verlauf"; es bestehe Aussicht, daß sich beide Parteien auf friedlichem Weg einigen werden. Um dies zu erreichen, wurde die in Aussicht stehende Erhöhung des Milchpreises verschoben; sie soll aber spätestens am 1. November in Kraft treten. Demnächst soll wieder eine Sitzung der Kommission abgehalten werden, um die Grundlage für eine Einigung festzulegen. — Von anderer Seite wird berichtet, daß die „Emigungsgrundlage" in einer Erhöhung des Milchpreises um einen Pfennig für den Liter gesunden worden ist. Tie Großhändler, die zuerst heftig Opposition machten, haben also rasch klein beigegeben, der Konsument muß zahlen. — Städtische Milchhäuschen. Wir entnehmen der komimmalen Korrespondenz folgende bemerkenswerte Ausführungen: Wiederholt schon hat die Tagespresse ihr Befremden darüber ausgedrückl, daß die Stadtverwaltungen in vielfacher Beziehung ihre Tätigkeit zu eng begrenzen und zu wenig nut den Bedürfnissen des einfachen praktischen Lebens rechnen; daß sie sich z. B. willig ganze Bündel rein staatlicher Verwaltungsausgaben aufhalsen ließen, aber §11 wenig an die eigentliche Hauptaufgabe denken, der städtischen Einwohnerschaft das Leben in den engen Mauern auch in Kleinigkeiten so angenehm als nur möglich zu machen. Im allgemeinen hält man sich zu sehr an das, was engstens mit dem grünen Tisch zusammen- hängt und überläßt zahlreiche Kleinausgabcn, die alle auf Dein Gebsite des W 0 h lfa h rtsw e s cns liegen, und die ihrer innersten Natur nach in die Rathäuser gehören, der Pflege von Privatpersonen und Privatvereinigungen. Man begründet dies oft damit, daß man den Gewerbetreibenden keine Konkurrenz machen soll und übersieht, daß es sich meistens um Dinge handelt, die von den Gewerbetreibenden links liegen gelassen wurden, weil sie einen angemessenen Verdienst nicht abwerfen. WohlsahrtSeinrichtungeii lassen sich mit großem Unternehmergewinn tbcn schlecht vereinigen. Zu Diesen Emrichlungen gehören die öffentlichen Erfrischungshäuschen, in denen alkoholarme oder alkoholfreie Getränke zu mäßigsten Preisen abgegeben werden. In allerneuesler Zeit sucht die Milch — und zwar alle Sorten? Vollmilch, saure und Buttermilch — alS "l-'chberechtigl unter die öffentlich verschänkten Getränke ausgenommen zu werden. Warum auch nicht! Ist sie doch eins der besten Erfrischungsgetränke, die die Nahrungsmittelbranche kennt, nicht nur ein Getränk für Kinder und Fronen, sondern hervorragend auch für die Männerwelt geeignet. Dieser letzte Umstand wiegt am schwersten, denn er schlägt handgreiflich in das Gebiet der Alkoholbekämpfung, das den städtischen Verwaltungen besonders nahe gehen soll. In Rheinland und Westfalen, wo die ersten systematischen Versuche mit besonderen Milchhäuschen gemacht worden sind, war man vollkommen überrascht von der Tatsache, daß zu den Hauptkunden der Milchschanlitellen die männliche Arbeiterschaft gehörte. Soll man angesichts dieser Erscheinung in den Rathäusern noch zögern, die Sache des öffentlichen Milchausschants zu einer städtischen Angelegenheit zu machen? In den fortgeschritteneren Stadtverwaltungen hat man auch nicht gezögert. Man hat entweder die Bestrebungen der „Gemeinnützigen Gesellschaft für Milch- ausschank' durch freie Hergabe der Plätze unterstützt oder den Betrieb durch sorgfältige Ortsbestimmungen so unter Kontrolle gestellt, daß bas Publikum hinreicheno vor Ueber- vorteilnng geschützt ist. Es ist ja ausgeschlossen, daß die Gemeinde als solche den Milchausschant selbst betreibt. Sie wird feinen besseren Weg wählen können als den, den Köln, Dresden und Königsberg betreten haben, lvo man mit Privatunternehmern entsprechende Verträge abgeschlossen hat. ** Ein unvorsichtiger und nachlässiger Radfahrer. Gestern abend gegen y2ll Uhr ereignete sich kurz vor Gießen in der F r a n t f u r t e r st r a ß e ein Unglücksfall. Ein aus der Richtung von Klein-Linden mit großer Geschwindigkeit ohne Laterne kommender Radfahrer rannte einen in entgegengesetzter Richtung gehenden jungen Mann vom hiesigen Hochbauamt so an, daß dieser zu Boden geschleudert wurde und Verletzungen am Kopfe davontrug. Einige Herren, die glüetlicher- weise zugegen waren, nahmen sich des stark blutenden Menschen an und schassten ihn in die Klinik, wo er verbunden wuroe. Zu bemerken ist noch, daß der Radfahrer, der nur einige Hautabschürfungen davon trug, ohne sich weiter um den Verwundeten zu kümmern, die Flucht ergriff. Seine Nummer war aber gesehen worden, und heute früh ist er, wie wir von der Polizei hören, ermittelt worden. G a n a l g e s h e i m, 23. Aug. Ter Landwirt Joseph Luckas wollte gestern au einer sehr abschüssigen Stelle der Straße nach Appenheiui den mit zwei lpserden bespannten Dreschwagen, der infolge Versagens der Bremsvorrichtung ins Rollen gekommen war, aufljalten, indem er den Pferden in die Zügel fiel. Hierbei wurde er über fahren und blieb auf der Stelle t o t. Wiesbaden, 23. Aug. Die Kurverwaltung verunstaltet im Kurhause und Kurparke am Samstag, den 26. Aug. ein um 8 Uhr beginnendes Sommerfest mit Doppelkonzert, großem Balle, großer Illumination usw. Der große Ball findet auch bei ungültiger Witterung statt. Der Eintritt ist im Promenadeanzug gestattet. Bei den günstigen abendlichen Bahnverbindungen mit den Nachbarstädten dürfte das Fest jedenfalls auch von, außerhalb sehr besucht werden. Zur Fleifchvcrteueruug. München, 23. Aug. Eine von der Mittelstandspartei abgehallene V o l k s v e r s a in in l u n g beschloß eine Resolution an den Bniidesrat, worin dein preußischen L a n d w irisch a f t s in l n l st e r das größte 2)! i ß t r a u e n ausgesprochen, gegen das Fleischbeschaugesetz, Grenzsperre für Lebensmutes und gegen die Bestrebungen des Junker- und Agragierlums protestiert, die Einführung von lebenden Schweinen aiis Oesterreich und Italien unter den vorgeschriebenen Vorsichtsinaßregeln und, solange die gegenwärtige Vieh- und Fleischkrisis andauert, die Aushebung der Zolle auf lebendes Schlachtvieh verlangt wird. Die bayrische Regierung, die in der Korrespondenz Hofmann eine ganz im Stile des preußischen Landwirtschafts- inlnisters gehaltene ofsiziöse Kundgebung als Antwort auf die Fleischnoltlagen veranlaßt hat, hat von den liberalen Kreisen berechtigte Vorwürfe zu hören bekommen. Namentlich die Münchcner bleuesten Nachrichten tun m der schärfsten Tonart die amtlichen Beschwichtigungsversuche ad und verweisen mit Recht darauf, daß die Landivlrtschaft gegen vorübergehende Gefahren Schutz und amtliche Unterstützung erfahre (z. B. bei Hagel, Unwetter re.), während die unter der Fleischnot leibenden Voikskreise auf das Vorübergehende der Erscheinung vertröstet werde. sJ)ht Redensarten, wie daß die Landwirtschaft „im allgemeinen" und „an sich" imstande sei, den Vieh- bedarf in Deutschland zu decken, sei gar nichts getan. Auch die statistischen Darstellungen bedeuteten Spiegelfechterei. Wir brauchen keine Schweine „an sich", sondern Schweine, die gegessen werden können, die die bedürftige Bevölkerung vor Unterernährung bewahren. Alles wenn auch derbe, so doch sehr berechtigte Vorwürfe! vermttzctzrr». * Braunschweig, 23. Aug. Ein Berliner Automobilfahrer überfuhr hier heute einen siebenjährigen Knaben, der bald darauf starb. ♦ Langendreer, 23. Ang. Heute nachmittag brannte bas Stallgebäude t^s Einwohners Timmerbeil nieder. Zwei Kinder, ein Mädchen von 10 Jahren und ein Knabe von 8 Jahren, sind verbrannt. Wie man vermutet, hallen die Kinder mit Feuer gespielt. , . * Posen, 23. Äug. Unter Ve rgNtungserschein- ungen erkauften hier, wie das „Posener Tagcbl." meldet, etwa zehn Teilnehmer einer Hochze its f eier, seriter acht Personen, die von den Speisen der Hochzeitstafel nachträglich gegessen hatten. Es handelt sich vermutlich um eine Vergiftung dura) den Genuß von F i s ch e n oder um G r ü n s p a n v e r g i s t - ung. Während bei der Mehrzahl der. Erkrankten eine leichte Vergiftung vorzuliegen scheint, sind einige von ihnen schiver erkrankt. . * Driburg, 23. Aug. Bei den Arbeiten am A l t e n b e k e - ner Tunnel entstand heute nacht zwischen 12 und 1 Uhr wahrsweinlich infolge eines Kurzschlußes der elektrischen Beleuchtungsanlage ein Brand, der den größten Teil des Baugerüstes einäscherte. Während des Brandes st ü r z t e der zum /teil to i e - der herge st eilte Tunnel ein und riß gewaltige ^chutt- massen mit sich. Während des Brandes explodierte auch das im Tunnel lagernde Sprengpulver. Die Arbeiten sind eingestellt. * Tas größte Dock der Welt. Ende 1907 wird Hamburg das größte Dock der Welt aufzuweisen haben. Die Werft von Blohm u. Voß läßt deinnächit nut dem Bau eines Rlesendocks beginnen, das eine Hebekraft von 35 500 Tons erhalten wird. Tas jetzige größle Dock der Werft batte 17 500 Tons Hebekraft. Die größten Schiffe der Handelsmarine können in dem neuen Dock, das 170 Fuß lang werden soll, gedockt werden. Bei dem Bau des Docks wird Rücksicht darauf genommen, daß es eventuell nach der Untcrelbc bei Brunshausen geschafft werden kann, was z. B. im Falle eines Seekrieges nötig werden würde. * Die "Ausrottung der Wale. Die Ausrottung der Wale fchreitet im noroiichen Atlantischen Ozean unaufhaltsam vorwärts. Nach bau neuesten Berichten der Walfischer in Neufundland jüu im vorigen Jayre im ganzen 1270 Wall ^.sangen morbai gegen 8o*J im Jayre lb03. Diese Tatsaeye jeyeint oer Behauptung, daß u.<. Wale abu men. zuwiderzulaufen, aber im vorigen Jahre waren 11 Dampfer beim Walfang tätig, 1903 nur 4 Dampfer, sodaß im ersteren Falle auf jeden Dampfer 116, int zweiten 215 Wale entfielen. Es ist auch gar nicht anders zu erwarten, als daß die Wale schnell abnchmen und vielleicht sogar aussterben müssen. Ihre Fortpjlanzung ist nicht stark genug, um einen entsprechenden Nachwuchs an Stelle der durch die forcierte Jagd getöteten Tiere schaffen zu können. Es könnten allerdings auch andere Gründe im Spiele sein, indem sich die Wale aus den Gegenden, wo sie am meisten verfolgt werden, zurückgezogen haben. Jmmerhtn ist ein Fang von fast loüu Walen in dem beschruumell Meeresgebier nm sJieU|Uiiblanu eine ganz ungeheuerliche Leistung, die bei weiterer gleichartiger Fortsetzung zur raschen Vernichtung dieser großen Meeressaugetiere führen muß. Die Fischer selbst geben be- greiflicherweise niemals zu, daß der Grad ihres Betriebes irgend einen Eindruck aus die Verminderung oer von ihnen gejagten Tiere ausube. Es iuiru einfach oeyaup.et, dap Die Wale, Seehunde unö Fische iyre Schlup,wintel zu finden wissen, wo sie sich vor der Ausrottung schützen. Außeroem hat die Verminderung der Wate wahrscheinlich eine Wirkung auch aus die übrige Fischerei, und in Norwegen haben die Fischer es durchgesetzt, daß der Walsang in gewissen Meercs- teilen überhaupt vervoten worden ist. Die Wale leben hauptsächlich von Heilten Krebsiieren, die zur Familie der Asseln gehören und ihrerseits wieber Feinoe oer Fischbrut jinb. Lius diesem Grunde tunnte ihre Ueverhandnahme durch Ber- nichtung der Wale zu einer ernsten Schädigung der See- sischerct führen. Völlig tlargestellt ist, wie die „Denische Rundschau für Geographie uno Statistik" der Wochcnschrist „Science" entnimmt, dieser Zusammenhang allerdings noch nicht. * Davon fahren oder stehen bleiben? Zu der von der „Allg. Aulomobll-Zlg." unter die Juristen des Automobil-Klubs geschleuderten und in der letzten Zeil viel erörterten Frage: Was soll em Auiomobitlst tun, der einen Menschen niedergefahren Hal; joll er bei dem Verletzten bleiben unb sich eveniuell vom Piibllknin lynchen lassen, oder soll er davoniahren, den Verletzten liegen laßen und auf der nächsten Polizeistation sich melden? Zu diejer Frage hat in launlg-satiiijcher Weife nun and) die „Jugend" Stellung genommen. Sie jchreibt: „Jedenfalls soll er natürlich davonfahren ! Ader aui der nächsten Polizeistation sich inetden, wäre Wahnsinn! Tenn wer bürgt dafür, daß dort Beanue sitzen, die kutuoieri genug sind, die höheren Rechte, die der ^lutomobUifi auf unsere Straßen unb bas Leben seiner Mitmenschen hat, bedingungslos anzuerlennen ? So lange man Menschen und Pferde überhaiipt auf bet Straße bulbet, ist ber Autler in einer fo meberträchiigen Weise benachteiligt, baß ihm nur bie ausgiebigste Selbsthilfe jem ungestörtes Vergnügen sicherr. Wir ruunbetn uns, baß noch nieinanb an bas 'J)la|cl)uien- gewehr gebachi hat, bas einfachste 2Jhtiel, bie Straße mittels einer Gefchoßgarbe frelzuhatle>i. Es läßt sich nett unb praktisch vornen am Wagen anbringen. Zur Sicherung nach rüclwarts gegen eiivaige Verfolger, bie wegen ein paar lolgesahreiier Kälber Spek- lakel machen, ‘ genügt em guter Revolver. Auch Hanbgranateli ließen sich mit Erfolg anroeiiben, nainemlich in Ortschaften, wo der Genileinan im Auto trotz seines b0-Kllomeier-Tempos immer' noch gewissen Roheiten ausgesetzt ist. Uebrigens liegt bereits ein Projekt vor, den Fußgänger-, Radler- und Wagenverkehr in Tunnels unter bte Landstraßen zu verlegen. Tie Diuicl zu dieser etwas kostspieligen Einrichlnng müßten eben durch enljprecheube Besteuerung ber 2lid)tautomobili|ten ausgebracht werben!" * Ueber ben gegenwärtigen Staiib bes Protestantismus auf ber Erbe gibt einen Uederblick bei Göttinger Togmenhistoriker F. Kattenbufch m bem eben erschienenen 16. Bande ber Realenzyklopäbie für proteslanlljd)e Theologie unb Kirche (3. An st.) Tie meisten Anhäiiger zählt ber Protestantismus m beu vereinigten Staaten von Rorbainerika, iuo bei einer Gc- samtbevölkerung von 79 'JJhllioiien seine Belenner auf 65—66 iDüll. aii schätzen fiub. Tann kommen Großbritanien mit etiua 37 'JJliU. Protestanten (insgejaml 42'/, Dtillioueil Emmohner) unb bas Ternsche Reid) mit stark 35 Millionen Protefianien, bie sid) auf nicht wemger als 37 „Lanbeskirchen" verteilen (Gejamibevölkermig rcid)lid) 56 Mill.) Tazn Sd)iveben unb Viorwegen 71/, 'Dlill. Protestanten. Täiieniark 21/, Mill., Nußlanb (besonbers Ostsee^ provmzen unb Fmnlanb) 6 Dlill., Ungarn gegen 4 Mill., Hollaiib 3 Schweiz 2 'DiiU., Frankieid) */, All 11., Oeslerreld) u/4 iliill. (?); sowie außerhalb Europas: bie englischen Kolonien (bejoubers Kanaba, Aufirallen, Jnbien, Sübasrita) runb 10 Mill, unb bie Missionskiichen mit etiua 4 sJ)li(honeu Protestanten. Tie Gesamtzahl ber letzteren auf ber ganzen Erbe ist banad) runb 180 Dlill. Rad; beu Häuptrichlungen innerhalb bes Protestanttsinus verteilt sid) biese Summe solgeliberniaßen: 1. Lutheraner insgesamt 56 Millionen, wovon 32 Millionen auf Teuljd)lanb fasten (bie „liniierten" wesentlich ben Lnlheranern zugerechnet), 2. angtlkamjd)e Kirche etwa 29 Dlill., 3. Reiornnerle, b. h. bie nut bem Ealvmis- mus in Berbinbung zu bringenben Kird)en unb Sekten, in Europa 32—33 Millionen, m Amerika etwa 57 Dlillionen, anberswo etwa 10 Dlillionen, insgesamt runb 100 Dlillionen. Diesen Protestanten — stehen nad) ben neuesten Statistiken — aus ber ganzen Erbe 250—260 Dlillionen römische Katholiken unb 100—110 Dlillionen Anhänger ber orientalischen („orthoboxen") Kirche gegenüber. • Wozu? Swift wollte ausreuen imb verlangte seine Stiesel. Ter Bebiente brad)te sie. „Warum finb sie nicht reiiigemacht?" fragte ber Techant. „Ta Sie kie Stiesel bod) luiebet jchniutzig machen, so bachle ich, es verlohnte sid) nicht ber Mühe, sie zn piitzen." Swift sd)wieg. Als er zurüdkehrle, forberte ber Bebieme bie Schlüssel zum Eßschrank. „Wozu?" fragte sein Herr. „Um zu frühstücken." „Ah," erwtberte Sivtst, „es ist nicht ber, Dlühe wert, zli esjen. 2!ad) zwei Slunben Inst du bad) wieder htlngrig." Zinwersitäts-Muchrlchten. hc. Marburg, 23. Aug. Der bis 1896 an ber Universität Marburg tätig gewesene seitherige Direktor bes stänbischen Lanb- lrankenyauses zu Hanau, L>r. med. Otto von Büngner ist in St. Blasien im Sd;warzwalb gestorben. hc. Berlin, 23. s2lug. Amtlich ivirb bie Wahl bes o. Professors ber klassischen Philologie, Geh. Regierungsrals Tr. Hermann Diels zinn R e t r o r ber B e r 11 u e r Univerjiläl lür das Stliblenjahr 1905/06 beftähgl. Diels ist Mitglied und bestänbiger Sekretär der preußischen Akademie der Wissenjchaiten. ^erichtsjaal. sd. Darmstabt, 23. Aug. Der Dekan Keil in Neunkirchen un Obenwalb hat im April bs. Js. einem wohlhabenben Bewohner von Langenbrombach, ber in nervösem Zustanbe Hanb an sid) legte, bie Grabrebe verweigert. Tie Angelegenheit Hal seiner Zeit großes Ansehen erregt, zu emer umiang- relchen Zeillmgspoleinlk geführt unb ist auch in ben Beryanblnngen bet Desiychen Lanbesjynooe besprochen worben. Zwei Angehörige bes Verstorbenen richteten einen Brief an ben Telan, ber in scharfen Ausbrucken gehatten war. Der Tekan haue gegen bie Verfasser bes Briefes Strafantrag wegen Beleidigung gestellt. Tie Tarmfiäbler Strafkammer beschäsiigie sid) heule nut der Angelegenheit. Ter Dekan erklärte, das; er bem langjährigen Gebrauch unb ber Stimmung bet Bevölkerung emsprechenb gebabbelt habe. Der Vorsitzenbe ivies barauihm, baß man selbst in geisltichen Kreisen über bie Jrage, ob Setbstinörbern ein kirchliches Begräbnis; zn gewähren sei, verschiebene Ansichten habe. And) in beit Synobawerhanbluugen sei bies seiner Zeit zum Ausbruck gekommen. Schlleßlid) erklärten bie Angektaglen, fie hätten ben Bries in ber (megung geschrieben unb sie feien bereit, bie Kosten zu ubeluehmeu. . er Pfarrer z o g hieraus seinen Strafantrag z u r ü ck. Im Lehrer-Seminar in Ufingen herrschte anfangs März unter den Schülern, mehr aber nod) unter den Präparanden, eine hou-grudige Erregung. Em Schüler der ersten Präpacauden- klasse war ivegen der Teilnahme an einer Kneiperei entlassen worden, i.nb dem Entlassenen folgten um so mehr die allgemeinen Sympal, n, als er feine Kvulneipaiiten nicht verraten Halle. Die Anzeige hatte ein Lehrer erstattet, ver Jtaj> att sich schon keiner besonderen Beliebtheit erfreute. Man beschloß deshalb, ihm einen ganz besonderen Streich zu spielen uns betraute zwei Präparaiidenschüler mit der Ausführung des Plar«S. Am 9. März spät abends schritt man zur Ausführung. tBorptl Halle man sich aus Pulver unb einer Kakavbüchse ein „Bombe' hergestellt. Diese versah man am Boden mit verschiedenen Lochern, steckte einen brennenden Zünder hinein.und warf das Dmg dann durch eine vorher zerlriimmerte oensterschcibe in das Handes Lehrers. Die Explosion trat auch alsbald ein unb veranlasste einen Brand, den ber Lehrer unb sein Hausherr glücklicherweise halb löschen konnten. Die beiden Attentäter sind gleich nachher von der Anstalt entlassen worden. In Wiesbaden lianben sie, der Sachbeschädigung und salnlässigen Jnbrandfetz- ung cmcs von M en säst n bewohnten Hauses angeklagt, vor der S t r a s k a m ni e r unb wurden auf Grund ihres Geständnisses jeder zu 60 Mark Geldstrafe verurteilt. Artz itmeivißung. Flensburg, 23. Aug. Von den un Mai 1905 in den Aus st and getretenen AiM um der >Lchifssbaugesellfcyast haben 1300 die Arbeit aus ber Werst heute toieber aufgenommen. ui 0 Airkeyr. ^oi4iöwin|u)att. Rheins chiffahrtsbetrieb. Gestern würbe bie Nachricht verbreitet, bie Firma DiatthiaS Stinues habe bie Aktien- Gcselljchait für Hanbct unb Schiffahrt H. 21. Disch m Dlainz auf- gekaufi. Ties stunml nicht. Es iuivb vietmehr eine Jnteressen- gememjchaft angebahnt unb es befiehl gute Aussichk, baß sie zu- jianbe kommt. Diöghd), ja wahrscheinlich ist, baß biese Jnleresscil- geniemsd;afl weiter ansgebehnl unb noch anbere Firmen ein- beziehen wirb. Gießener landwirtschaftlicher Wetterdienst. Boiaussichtlichc Witterung i» Hessen für Freitag, ben 25. August 1905: Vonviegenb heiler, uad)t§ kühl, lags übet wärmer. Näheres durch bie Gießener Wellerkarte. lUöiijnHUjliflitniM irr CMsjrm rüüerrtadl Bietzen 20. Woche. Vom 14.-20. Mal 1905. Einwohlierzahl: angenommen zu 28 000 (inTL 1600 Mann Militär. Lterbllchkeilszisjer: 22,28 nach Abzug von 5 Lrlsiremben: 13,0 Voo. Kinder Es starben an: Zusammen: Erwachsene: im VE Tuberkulose ber Lungen 4 1. Lebensfahr: 2.- 4 — -15. Jahr Tuberiulose be§ Gehirns 1(1) —■ KD Krebs Id) 1(1) — ■w Schlagfluß 2 2 — —— Eiterung Lebensfchwäche 1(1) KD — — 1 —- 1 — Tarmverjd)tuß 1 (1) 1(1) — — Berungtüdung 1 (1) 1(1) — — Sununa: 12 (5) 10 (4) 1 1(1) An in.: Die m Klaminerii gesetzien Ziffern geben an, wie viel ber Tobesfaste in ber belreffenben Krankheit aui von auswärts nach Gießen gebrachte Kraule kommeii. §djif)5Hud)ruijl£ii. 9t e b Star Lime. Der Postbanipser „Zeetanb" ber 91 cb Star Linie in Antwerpen, ist laut Telegraimn am 21. August wohlbehalten in New- york angekoniinen. C-riguiat-Irupunetoungen. Halle a. S., 24. Aug. Der hiesige Bankbeamts Schenk stahl in einem größeren Bankhause für 19000 Mark Bcrgmerkskuxe. Er verkaufte dieselben in Hannover und flüchtete ins Ausland. H a m b u r g, 24. Aug. Die Schlächtermeister des Bezirks Hamburg, Altona-Wanosveck-Harburg-Euxhaven beschlossen, eine Audienz bei dem Kaiser in Sachen der F l e i f ährt o t nachzusuchen. Eisenacy, 24. Aug. Der russische Landrat und Kreischef Baron v. Maydell, dessen Güter in Livland durch' Baueru niedergebranut sind uno der aus Rußland geflohen ist, weil ihn das anarchistische Komitee zum Tooe verurteilt hatte, erschoß sich infolge erneuter Droh-unaen in der 9iähe eines Sanatoriums bei Eisenach, das er feit Juni bewohnte. Köthen, 24. Aug. Die anhaltinische Staatsregierung plant die Umwandlung des hiesigen Technischen Instituts in eine Technische Hochschule. Warschau, 23. Aug. Auf gemeinsamen Beschluß der agitierenden Parteien wurde der Aus st and heute mittag aufgehoben. Die Abendblätter erschienen. Morgen beginnt wteder die Fabrikarbeit. Dagegen beschloß eine ©tu- dentenversarnmlung einstimmig, auch weiterhin keine Vorlesungen zu belegen. Bem, 23. Aug. Von dem im Bau begriffenen Kulissen* und Detvrationsmagazin des Stadttheaters stürzte zwischen 6 uni) 7 Uhr der mittlere Teil ein, als sich noch, wie angenommen wird, etwa acht Arbeit er dann aushielten. Es fini) bereit) dreiLeichcn unb mehrere Schwerverwundete geborgen worden. Die genaue Anzahl der Opfer ist noch unbekannt. Portsmouth, 23. Aug. (Reuter.) Tie Unterschrift der Protokolle wurde nicht erledigt. Vier Artikel wurden unterzeichnet. 9tummcr sieben wurde vermutlich ücrfdjoben, unb drei Punkte werden nod) in Betracht gezogen. Japan machte einen Vorschlag, den Wille als eine alle Bedingung in anderen Formen bezeichnete, und bat um Zeit, um schriftlich antworten zu können. Japan hat in diesem Vorschläge, der bis Samstag zu entscheiden ist, eine Million Pfund Sterling verlangt unb ferner vorgeschlagen, Rußlanb solle die Hälfte von Sachalin für 1200 Millionen Mark zurückkaufen. Japan wird auch Artikel 10 und 11 aufgeben. Tokio, 24. Aug. Die Kurse an der hiesigen Börse gingen sprungweise in die Höhe. 101.00 । 3u/e Mexikaner und Moutauwerte sehr anziehend. Jlxw läua.sche Kenten abgeschwächt. 4% Oesterr, Ooldrente . 4',,-z Oesterr. bilberrente 101.80 101.45 97.60 . 267.00 . 254.30 . 223.30 . 100 45 89.90 101.20 89.80 100.70 68.76 . 96.70 . 140 00 . 137.00 . 210.30 . 194.20 . 147.80 . 165 70 . 172.00 . 144.30 . 19.40 68.90 68.60 89.60 134.20 55.— Ungar, (ioldrente Italien. Rente , Portugieser I i ortugiesen. UI Unit. Türken 4% 4°/l 3»/ 1% Reichsanleihe do. Konsole . do . . Hessen Überliessen 37a"/u 3‘/j 3 VA >u/o 3‘/i% 3'/,?6 4l/2 /. Chinesen . . Electric, sol uckert . Nordd. Lioyu . . Kredite kt>en . . . Diskonto-Kommandii. Darmstädter Bank . Dresdener Bank . . Berliner Handeiige» Oesterr. btautsbahu , Lombarden , , , Uottbaruhahn , , . Laurahütte , , . l.ocbum , , , , arponer . . . , Sta atschatzsebeine . Telephonischer Kursbericht. JtrauKiurt tu Ai., 24. August 1905. l'ürkenioBu..... 4Xo unech. Monopol.-Aul. 4U 0 äussere A rguntine< Börse sehr fest. Banken Verantwvrtlid) f.. g-.|auue bicuuttion; August Goetz. Todes-Anzeige Fräulein Elisabeth Seth Giessen (Riegelpfad 32), den 24. August 1905. Die Beerdigung findet statt: Samstag, den 26. August, nachmittags 3 Uhr vom Portale des neuen Friedhofes. 4394 MVA im vollendeten 74. Lebensjahre. vtii '. :-. \ - - 4390 Wieseck, den 24. August 1905. ächachtineister Weg 16, neben Steins töortcn. Mollkeslr. 24. Nicolaus. Ein Logis zu vermieten. 2 Zimmer Verse hiedene Lüden etc. »ws Mc 4='iHiiiiitr=üiioyiiiin(i ^Näheres Bismarckslraße 26. > zu verm. L3884] Seltersweg «2 WiUMiM <0fl'cnr >~lclh ii -M Bit uevnür verschiedenes 3394| Schone 5-Zimmerwoh- nung Bismarckstrabe 28 zu oer- 9täh. 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