Nr. 121 Orfgttat tleli» außer Sonntags. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Hessischen Landwirt die Giehener Familien. diSlter viermal in der Wochss beigelegt. Motattonsviucf u. Verlag der Brü h l'lchen Unrnerl.-Buch-u. Sleiw» druckerrt. 9t Lange, fteboftion, ErpedMo« und Trurferet: Schulstraße ?. Adresse für Depeschurr Anzeiger Vietze». Fernsprkchanlchluß Nr kl. Erstes Blatt. 155. Jahrgang Mittwoch 24. Mai 1905 Gießener Anzeiger General-Anzeiger w Amts- und Anzeigeblatt für den Arm Eichen Vezo gspreiOt monatl«ch7k otertel» jährlich Mk. 8.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 6d Pf.; durch diePost Mk.2.— viertel- jahrl. ausschl. Bestellg. Annahme van Anzelc» ir bte Tr DSr’iitniet ■5 ooanÜtiqÄ J ’ cfit, 3c',ennret9: m^roärtl >.U Veraniwor^L'ch iüt den poltt und cj! r. Delir P. Witiko: für .Stadt und Canb* und .GertchtSsaal^: August Goetz; für ben Anzeigenteil: tzanS Beck- 5>te ßeufifle Dummer umfaßt 10 Seiten. Volitische Tagesschan. Französische Aufmerksamkeiten. Die überraschenden französischen Aufmerksamkeiten zur Vermählung des Kronprinzen sind vielfach dahin gedeutet worden, daß die französische Regierung die Gelegenheit ergreife, um endlich einmal sich zu revanchieren für die mancherlei Artigkeiten von deutscher Seite. Nächstdem soll der Welt gezeigt werden, daß die „große Nation" Takt und Ritterlichkeit genug besitzt, über polinsche Verstimmungen, hervorgerufen durch die Marokko-Frage, die Pflichten internationaler Höflichkeit nicht zu vergessen. Wir haben, so schreibt man uns aus Berlin, bei einem Aufenthalt in Paris eine etwas andere Auffassung von den Gründen gewonnen. Nicht die Höflichkeit, sondern die Klugheit war in diesem Falle entscheidend. In Frankreich sind viele Leute — bis hinaus in sehr maßgebende Kreise — zu der Ueberzeugung gelangt, daß Deutschland mit dem unvermuteten Aufrollen der Marokko-Frage auf einen Krieg hisn arbeite. (!) Eine endgiltige kriegerische Auseinandersetzung zwischen Deutschland und Frankreich, so folgert man, werde in Berlin als unvermeidlich angesehen, weil die Franzosen doch nicht eher Ruhe geben würden um den erlittenen Verlust. Unter diesen Umständen sei es nicht zu verwundern, wenn Deutschland, entsprechend dem Rat Bismarcks, sich seinerseits den möglichst günstigsten Zeitpunkt aussuche, den Waffengang aus- zusechten. Und die Gunst der Verhältnisse komme ohne Zweifel Deutschland zu statten, einmal durch das Gebundensein des russischen Verbündeten in Ostasien, zweitens durch die entschiedene Abneigung Englands, sich auch nur in einen ernsten Konflikt verwickeln zu lassen, geschweige denn an einem Kriege teilzunehmen, vor dem nach den bösen südafrikanischen Erfahrungen ganz England zurück- K, drittens und vor allem durch die militärische und ische Ueberlegenheit Deutschlands. Att.f Las französische Offizierkorps werden sehr geringe Hoffnungen geatzt. Welche Rolle hier Strebertum, Spionage und Angeberei pielen, ist ja bekannt. Trotzdem würde das Vertrauen auf )ie Bravour der Mannschaften Zuversicht geben, wenn nicht ier Zweifel sich regte, ob Frankreich Taktiker ersten Ranges den deutschen Heerführenr entgegenzustellen vermöge. G:- nug, man sieht die weitaus größere Chance des Erfolges aus deutscher Seite, und das ist Grund genug, daß alle Welt nichts sehnlicher wünscht, als daß die verhängnisvolle Auseinandersetzung möglichst hinausgeschoben werde. Frankreich ist absolut nicht „in Bereitschaft". Daraus folgt, daß von deutscher Seite der Zeitpunkt gut gewählt ist, über Frankreich hinweg das Marokko-Programm durchzusetzen. Wir glauben denn doch, Lag man in maßgebenden und vernünftigen Kreisen Frankreichs anders denkt. Diese „vielen Leute", die unser Mitarbeiter erwähnt, scheinen hinter irgend einer verschrobenen Preßaußerung, die der Besucher in Paris vielleicht gelesen hat, zu stecken. Die näherliegende Erklärung für die ftanzösischen Aufmerksamkeiten scheint doch in der den Franzosen angeborenen Höflichkeit zu liegen. Daß dabei eine wachsende Neigung für Friedenspolitik mitspricht, wird man freilich annehmen müssen. Und das ist erfreuliche Verfrühte Beunruhigung. Man schreibt uns aus Berlin ,23. Mai: Gegenüber alarmierenden Meldungen über den Inhalt der Neichssteuerpläne — soeben wird nochmals das Erscheinen einer Tabakfabrikatsteuer als totsicher angekündigt — ist der Hinweis angezeigt, daß eine Entscheidung, welche Steuerprojekte dem Reichstag zugehen sollen, erst von der im Laufe des Sommers stattfindenden bundesstaatlichen Finanzministerkonferenz zu erwarten ist Wenn dieser Konferenz außer der Rerchserb- schaftssteuer und der Brausteuererhöhung auch noch ändere Entwürfe zur Erörterung unterbreitet werden, so steht damit noch keineswegs fest, daß die Pläne insgesamt Zustimmung finden und zu einem „Steuer-Bukett" vereinigt werden. Das Kaiserpaar in Wiesbaden. Wiesbaden, 23. Mai. Ter Kaiser sagte gestern abend den angekündigten Theaterbesuch kurz vor Beginn der Vorstellung ab, da bte Temperatur der Kaiserin eine leichte Erhöhung zeigte. Dr. Ntedner untersuchte die Kaiserin, worauf der Kaiser die bereits angeschirrten Pferde ausspannen ließ. Leibarzt Dr. »unter ist heute vormittag eingetroffen. Der Schloßplatz ist abgesperrt. Die Posten ziehen in aller Stille auf. Trotz dieser Maßnahmen, die vom Publikum als ein Zeichen der Verschlimmerung des Befindens der Kaiserin gedeutet werden, versichcrtt die Äerzte, daß der Genesungsprozeß normal verläuft und daß keinerlei Anlaß zu Besorgnissen vorliege. Der Kaiser hörte heute vormittag die Vorträge des Chefs des Zivilkabinetts und des Chefs des Militär- kabinetts. - Bei seinem Morgenspazterritt sah.der Monarch einen Krüppel ohne Beine. Er bestellte thn tns Schloß und entließ ihn mit einem Geldgeschenk # Der Kaiser unternahm heute nachmittag un Automobil eine Spazierfahrt nach Jagdschloß Platte, wo er einen Spaziergang machte und dann mit dem Automobil nach Wiesbaden zurückkehrte. Rach der Abendtafel, zu welcher keine Einladungen ergangen waren, begab sich der Kaiser tn das Königl. Theater, um der Vorstellung von Aubers „Maurer und Schlosser" beizuwohnen. . Dem technischen Assistenten am Kgl. Theater Schleim ließ der Kaiser eine Brillant-Vusennadel überreichen. — Polizeiinspektor Gehr erhielt eine goldene Uhr mit dem kaiserlichen Wappen auf der Rückseite aum Geschenk. Dem berittenen Wachtmeister v. Massalowski, Wachtmeister Thönnesseu, Schutzmann Schmidt I., Kriminalschutzmann Neumann und Schutzmann Geppert wurde, das Allgemeine Ehrenzeichen verliehen. Tentsches Reich. Berlin, 23. Mai. Nach amtlicher Feststellung gibt es in Preußen zur Zeit 81 6 9 Innungen, und zwar 5805 Deutscher Aeichstag. Berlin, 23. Mai. Am Vundesratstischc befinden sicb die Staatssekretäre Graf Posadowsky, Frhr. v. Stengel und Nieberding und Reichsbank- präsident Dr. Koch. Das Hans ist gut besetzt. Auf der Tagesordnung steht die fortgesetzte Beratung der Vorlage betreffend die Aenderung der Zivilprozeßordnung. Das Haus nimmt zunächst nochmals die namentliche 9lb- stimmmra über die Erhöhung der Revisionssumme vor., Dafür stimmen 174, daaegen 74 Abgeordnete, während 10 Mitglieder sich der Stimme enthalten. Abg. Stadthagen (Soz. bekämpft den Zusatz § 649 der Zivilprozeßordnung, wonach in Rechtsstreitigkeiten über vermögensrechtliche Ansprüche eine Revision nicht darauf, gestützt werden kann, daß das Gericht seine wirkliche Zuständigkeit „zu Unrecht annahm. Er kommt nochmals auf den Fall Ring zurück, wo sich der preußische Justizminister abermals unbereckttig-ter- weise in bie Rechtspflege einmischte. Die Folge der Rüffelung sei gewesen, daß zwei andere Senate des Kammergerichts gegen die Kleinbauern und die Milchzentrale entschieden haben. Staatssekretär Nieberding führt aus: Gegenüber der Einseitigkeit und der Leidenschaftlichkeit des Vorredners steht mir der Verstand still. Ich bin der Ansicht, daß die preußische wie die deutsche Justiz unabhängig ist von allen Gin griffen, die etwa versucht werden sollten. Die Millbzentrale hat auch einen zweiten Prozeß verloren, der aus Grund des Tatbestandes _ des ersten angestrengt worden war, obwohl die angebliche Beeinflussung stattgefunden haben soll. Weitere Prozesse sind mir nicht bekannt geworden. Der Bescheid, den der JustiMinister Herrn Ring erteilte, lautete: „Soweit die Behandlung der Sackte- der Nachprüfung im Aufsichtswege unterliegt, ist von mir das Erforderliche veranlaßt. Zur Nachprüfung der sachlichen Entscheidung Ihrer Begründung bin ich gesetzlich nicht ermächtigt." Abg. Stadthagen (Soz.') führt aus, der preußische Justizminister habe im Abgeordnetenhaus selbst erllärt, er habe den Kammergerichtspräsidenten von seiner abweichenden Rechtsauffassung in Kenntnis gesetzt. ä „ Abg. Lenzmann (ft. Vp.) erklärt: Der Justizminister ist nicht zu entschuldigen. Jedenfalls wäre es seine Pflicht, sich hier zu verteidigen. Tut er das nicht, so trägt er bte allergrößte Schuld daran, wenn das deutsche Volk kein Vertrauen zu den deutschen Richtern und ihrer Rechtsprechung mehr hat. (Beifall links.) Staatssekretär Nieberding entgegnet: Der JustiMinister ist nicht in die materielle Prüfung des Urteils im Falle Ring eingetreten, sondern er hat nur die falsche Mwendung eines Gesetzes angefochten krast seines Aufsichtsrechtes. Abg. Blumenthal (dtsch. Vp.) hält die Handlungsweise des Justizministers für eine ungesetzliche Beeinflussung des Gerichts. Mg. Stadthagen (So;.) wiederholt seine früheren Darlegungen und führt aus, der JustiMinister habe im Mgeordneten- haus unter Herabsetzung der Richter gesprochen. Vizepräsident Gras Stolberg-Wernigerode erklärt diese Auslassung für unzulässig. Abg. Stadthagen (Soz.) fordert den Staatssekretär auf, den vorliegenden Entwurf zurückzuziehen und einen Entwurf einzubringen, der die Unabhängigkeit der Richter sichert. § 549 wird hierauf nack dem Kommissionsbeschluß angenommen. § 554, der die Frist für die künftige Begründung der Reviswn auf 1 Monat festsetzt, wird mi* zwei wesentlich redaktionellen Aenderungen der 2lbgg. Spahn und Burlage angenommen. Ohne wesentliche Erörterungen wird auch der Rest der Vorlage nach den Anträgen der Kommission angenommen. Hiermit ist die dritte Lesung beendet. Es folgt die dritte Beratung des Antrages des Abg. H a g e - mann Oil.) betr. Aenderung des Gerichtsverfassungsgesetzes. Ein Antrag des Abg. Albrecht (Soz.) will damit die Aenderungen der Strafprozeßordnung verbinden. Abg. Müller-Meiningen (fr. Vp.) tritt für Beibehaltung der Schwurgerichte ein und für Ausdehnung der Kompetenz derselben auf Preßsachen; er bittet die Fassung der zweiten Lesung in dieser Beziehung aufrechtzuerhalten. Ma. Herzfeld (Soz.') tritt ebenfalls für die Ausdehnung der Zuständigkeit der Schwurgerichte auf Preßsachen ein. Staatssekretär Dr. Nieberding erllärt, die verbündeten Negierungen seien nicht in der Lage, den Anträgen hinsichtlich der Schwurgerichte zuzuikimmen Die Regierungen wollten die Schwurgerichte durchaus nickst obschaffen, sondern ihnen nur eine andere Gestalt geben: es soll immer daran festgehalten werden, daß über schwere Strafsachen ein Gerichtshof entscheidet, der in der Mehrzahl aus Laienrichtern zusammengesetzt ist. Damit schließt die Generaldebatte. In der Spezialdcbatte wird ein Antrag Albrecht (Soz.) die Mitwirkung des Staatsanwalts bei überweisungsfährgen Sachen zu eliminieren, abgelehnt. Zu § 80 beantragt Mg. Himburg (Tottf.), die Kompetenz der Schwurgerichte nicht mst Preßsachen auszudehnen. Nach kurzer weiterer Debatte schließt die Diskussion. Dte Abstimmung ist auf Antrag des Mg. Singer (Soz.) eine namentliche. Für die Aufrechterhaltung der Beschlüsse der zweiten Lesung stimmen 56, dagegen 141 Abgeordnete, während 5 sich der Abstimmung enthalten. Damit ist der Antrag Himburg angenommen, und auch der Rest des Gesetzes wird unverändert ge- "^"Gegen die Stimmen der Sozialdemokraten wird darauf das Gesetz endgiltig in 3 Lesung angenommen. ES folgt die 2. Lesung des Gesetzentwurfs betr. die Ausgabe von ReickManknoten im Betrat von 20 und 50 Mark. Auf Antrag des Abg. v. Büsing (nl.) erfolgt schließlich die Verweisung der Vorlage an eine Kommission von 14 Mit- glicbern^ c^ncr lebhaften GeschäftSordnungSdcbatte vertagt sich das Haus um 6’A Uhr auf Mittwoch 1 Uhr. Tagesordnung: Kleinere Vorlagen und 3. Lesung der Novelle zur Zivilprozeßordnung. reie und 2364 Zwangsinnungen. Die Zahl der Innung 8- aus schösse (Organisationen von Innungen im Bezirk der- elben Aufsichtsbehörde) beträgt 172, die der Jnnungs- verbände (nur Innungen desselben Fachs umfassend) 35. Diesen Verbänden, denen in erster Linie die Pflege des Arbeitsnachweises und des UnterstützungSwesenS obliegt, haben ich bis jetzt 4333 Innungen mit insgesamt 197 519 Mitgliedern angeschlossen. Die größten Verbände dieser Art sind die der Bäcker (44 585 Mitglieder), der Fleischer (36 124), der Schneider (19 965), der Schuhmacher (11 089), der Barbiere (17 597), der Schmiede (10 331) und der Baugewerkmeister (9 628) und Tischler (9944). — Der Norddeutsche Lloyd schloß mit der russischen Negierung einen Trans p ort vertrag ab. Es handelt sich um die Beförderung der im Osten zu evakuierenden Offiziere und Mannschaften, soweit deren Rücktransport über Odessa erfolgen soll. — Die BudgetkomMission des Reichstages etzte die Beratung des Pensionsgesetzes fort und nahm § 7 an, der von der Pensionsgewährung an solche Offiziere handelt, die nach vollendeter zehnjähriger Dienstzeit aus- cheiden und denen bei Dürftigkeit eine Pension bis zu 20/60 des zuletzt bezogenen pensionsfähigen Diensteinkommens soll gewährt werden können. § 8, der Bestimmungen über das Steigen der Pension der wiederverwendeten Offiziere trifft, wurde gleichfalls angenommen. — Graf Oriola (natlib.) beantragt sodann mit Vertretern anderer Parteien folgende Resolution-: Den Reichskanzler zu ersuchen, im nächstjährigen Etat Mittel zu fordern, um die in den Stellen von Bezirkskommandeuren und Vezirksoffiziercn aus bei den Pferde- mustenmgskommissionen befindlichen Offiziere zu reaktivieren. Diese Resolution wird nach längerer Debatte gegen 9 Stimmen abgelehnt. — Die §§ 9 und 10 — pensionsfähiges Dienst- einkommen — werden debattelos angenommen» Zu § 11 — Verstümmelungszulage neben der Pension — beantragt Abg. Erzberger (Ztr.) folgende Fassung: ,Die Ver- stümmelungszulage beträgt jährlich je 900 Mk. bei dem Verluste einer Hand oder eine? Fußes; 1400 Mk. bei dem Verluste der Sprache oder bei gänzlicher Taubheit; 1800 Mk. bei Erblindung beider Augen oder bei dem Verlust der Sprache und bei gänzlicher Taubheit^. Diese Faffung wurde angenommen. — Die Kommission vertagt sich sodann auf Mittwoch, den 24. Mai. Köln, 23. Mai. In der heutigen Nachmittagssitzung des Kongresses der freien Gewerkschaften gaben die Heimarbeit und die Einrichtung von Kost und Logis bei den Arbeitgebern zu lebhaften Klagen Anlaß. Es wurde eine Reihe von Beschlüßen gefaßt, die auf die Beseitigung der angeführten Mißstände hinzielen. Es heißt darin unter anderem: Den in Betracht kommenden Arbeitszweigen ist zu empfehlen, bei Ausständen die Beseitigung von Kost- und Logiseinrichtungen beim Arbeitgeber als Mitforderung zu stellen. Die Agitation für die Beseitigung der Mißstände wurde der Generalkommiffion übertragen; diese soll geeignete Schritte bei den maßgebenden Behörden unternehmen und dahin wirken, daß die Invalidenversicherung aus die Heimarbeiter ausgedehnt wird, und nach Bedarf einen Heimarbeiterschutzkongreß einberufen. Der Zentralarbeitersekretär, Reichstagsabgeordneter Robert Schmidt-Berlin, setzte sodann in längerer Rede die Vorteile auseinander, den das Zentralarbeitersekretariat in Berlin und die einzelnen Arbeitersekretariate in den verschiedensten Orten des Reiches für die Arbeiter haben. Darauf wurden die Verhandlungen auf Mittwoch vertagt. U ' -F_LL ■ ■■ -----LA Ausland. Paris, 23. Mai. In dem heutigen Ministerrat wurde mitgeteilt, daß der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika Roosevelt auf Einladung der französischen Regierung eine besondere militärische Deputation zu den großen Herbstmanövern in Frankreich entsenden wird. — Der Ministerrat beauftragte den Kriegsminister mit der Ausarbeitung eines Gesetzentwurfes zur Schaffung eines mobilen Gendarmeriekorps. Diese Maßregel ist offenbar auf die letzten Unruhen im Gefolge von Arbeiterausständen zurückzuführen. Der Ministerrat beschäftigte sich weiterhin mit der in den nächsten Tagen in der Kammer zur Verhandlung gelangenden Tariffrage. Die Schutz- Zöllner verlangen als Repressalien gegen die im neuen deutschen Zolltarif enthaltene Erschwerung der Ausfuhr von Lyoner Seidengewebe eine entsprechende Erhöhung der französischen Einfuhrzölle auf andere dem sonders im Ausland hergestellten Gewebe. Der Handelsminister wird im Auftrage der Negierung jedoch verlangen, daß die Kammer ihre Entscheidung bis nach dem 1. Januar 1906 vertagt, weil an diesem Tage der französischschweizerische Handelsvertrag erneuert werden soll. Die Negierung wird ferner die Vertagung der Interpellationen über die Abschaffung der zollfreien Grenzzone am Genfersee verlangen. — Der lutherische Kirchenrat in Frankreich hat sich gegen die Trennung von Kirche und Staat ausgesprochen und fordert Beibehaltung des Gesetzes vom Jahre 1869. — (Kammer.) Baron Boissien (rechtsliberal) richtet an den Marineminister eine Anfrage bezüglich des Motor- bootrennenS Algier-Toulon und tadelt die Negierung, daß sie der von einer Zeitung veranstalteten Wettfahrt ihre Mitwirkuug geliehen habe. Der Marine- tninister rechtfertigt die Teilnahme von Schiffen der Kriegsflotte damit, daß die Versuchsfahrt für die Kriegsschiffahrt von Interesse gewesen sei und daß dieselbe für die Teilnehnienden Gefahr dargeboten habe, in der sie sich bewähren konnten. Der Gegenstand wird daraus verlassen. Das Haus nimmt die Besprechung des Gesetzentwurfes betr. die Trennung von Kirche und Staat wieder auf. — Jnbezug auf die zwischen Frankreich, England unb Italien schwebenden Verhandlungen über Skbessynicn versichert der „Tenrps", daß es sich lediglich um die Regelung der äthiopischen Eisenbahn handle. Die Verhandlungen seien einem Einvernehmen nahe, das jedermanns Rechte berücksichtige, indem es für die Hauptbahn den Charakter eines französischen Unternehmens bewahre, allerdings unter Reorganisation der unternehmenden Gesellschaft und ihres Verwaltungsrats. Die Frage der Z u f a h r t s - bahnen, die den englischen und italienischen Interessen entsprechen, würde reserviert werden. — In der Kammer vereinigte sich eine aus Deputierten und Senatoren bestehende Gruppe von Kolonialinteressenten, die beschloß, eine Deputation zu Rouvier und Delcasse zu schicken, um folgende drei Punkte zu empfehlen: daß die Eisenbahn wenigstens Lis zur Hauptstadt Abessyniens französisch bleibe, daß Frankreich sich die Gleichheit mit anderen Nationen sichere und daß es für die Erhaltung der Unabhängigkeit Äbessyniens '«in trete. Mad rid, 23. Mai. AuS Melilla wird gemeldet, daß General Segura, der Kommandant des Ortes, von den zwölf wichtigsten Kabylenstämm.en des Rif die Zustimmung dazu erhalten habe, einen stärkt für die dortige Gegend zu eröffnen. Dieser Markt würde von großem Nutzen für den Absatz der spanischen Fabrikate sein. Die Negierung unterstützt dieses Projekt, das wahrscheinlich in kürzester Zeit verwirklicht wird. Madrid, 23. Mai. Abends kursierte das Gerücht von /iner schweren Erkrankung Silvelas. Sein Zustand ist nicht bedenklich. Lissabon, 28. Mai. Der Herzog von Oporto ist nach Berlin abgereist, um der Hochzeit des Kronprinzen beizuwohnen. Rom, 23. Mai. Der Präsident des Ministerrats Fortis ernannte zu Vertretern Italiens bei der bevorstehenden Konferenz des Internationalen Ackerbauinstituts den Minister des Aeußeren, Tittoni, Schatzmeister Carcano, Ackerbauminister Rava, die Senatoren Eugenio Fama und Mal- vano, die Deputierten Luzzatti, Chimirri, Cappclli, Ottavi, Pen Generaldirektor des Ackerbaues Siemoni, den Direktor pes Arbeitsbureaus Montemattini und Professor Pantaleoni. Die Konferenz wird am 28. Mai in Gegenwart des Königs sim Saal der Horatier rund Kuriatier auf dem Kapitol eröffnet werden. Die Sitzungen beginnen am 29. Mai und werden im Palais Corsini. dem Sitze der Accademia Lincei, abgehalten. Bern, 23. Mai. Der Bundesrat fordert von der Bundesversammlung für Beschaffung von Kriegsmaterial 'im Jahre 1906 die Summe von 3 690 079 Franken. Wien, 23. Mai. Wie verlautet, haben die Berliner Signatarmächte sich dahin geeinigt, die Athener Regierung wegendes griechischen Bandenunwesens in Südmacedonien und Vorschubleistung seitens griechischer Regierungskreise entschieden zu verwarnen. Belgrad, 23. Mai. Der König hat die Demission beS Kabinetts noch nicht angenommen. Er behielt sich Bedenkzeit vor, um mit hervorragenden Führern aller Parteien die Lage zu besprechen. Aer Krieg. Admiral Birilew. Admiral Birilew ist zum Kommandierenden der Flotte im Stillen Ozean mit den Rechten des Kommandierenden einer selbständigen Armee ernannt worden. An seine bisherige Stelle tritt Vizeadmiral Nikonow. Die Nachricht von der Krankheit Roschdjestwenskis muß also fyxfy TMtyc sein. In bet Mandschurei. Linewitsch telegraphiert vom 21. Mai, daß am 19. Mai eine der russischen Abteilungen das Dorf Sch aho t s e besetzte und daß am nächsten Tage der Vormarsch nach Süden fortgesetzt wurde. Am 19. Mai hatte eine andere Kolonne ein Artilleriegefecht in der Nähe der Bahnstation Tchantufu zu bestehen. Sie zwang die Japaner, die Station zu räumen und am 20. Mai sich nach Süden zu- ruckzuziehen. Auch diese Kolonne setzte den Vormarsch nach Süden fort. Die Kolonne, die sich am 20. Mai Nanchentse genähert hatte, verbrannte den Ort. Am 20. Mai fand in der Nähe des Dorfes' Armagan, vier Werst westlich von Kinchouantse, das von einer starken japanischen 'Abteilung besetzt war, ein Infanteriegefecht statt. Nach japanischer amtlicher Bekanntgabe sind die russischen Kavallerietruppen, die vom rechten Ufer des Liauho auf Umwegen gegen Fakumen vorrückten, von der japanischen Nachhut in zahlreichen Scharmützeln geschlagen worden. Sie lagerten sich, nachdem sie auch in der Umgebung von Tusangschen einen Mißerfolg erlitten hatten, am 20. Mai mit der Hauptmacht bei Siautatzu, 26 Meilen von Fakumen. Am 21. Mai zogen sie sich auf das rechte Ufer des Malienho zurück. Mehrere Kompagnien, die auf dem linken Ufer des Flusses geblieben waren, wurden seitdem von japanischen Truppen besiegt und zogen sich in Unordnung nach Norden zurück. Auf anderen Teilen des Kriegsschauplatzes sind keine Veränderungen eingetreten. Die Japaner in Port Arthur. Wie aus Tschisu gemeldet wird, versuchten die Beamten der russisch-chinesischen Bank in Port Arthur seit der Kapitulation vergeblich, von den Jia- ranern die Freigabe der Bücher und der Ko.rre- p o n d e n z der Bank zu erlangen. Nachdem die Postanstalt in Port Arthur durch das Bombardement zerstört worden war, wurden die zur Versendung bereiteten Poststücke in das Dicherheitsgewölbe der Bank gebracht, bis sich die nächste Gelegenheit zur Beförderung bieten würde. Da die Japaner die Geschäftsbücher zurückbehalten, ist die Bank nicht imstande, die schwebenden Geschäfte zu Ende zu führen, wobei es sich um Verschiffungen nach Port Arthur von Amerika, Deutschland, England und Frankreich handelt. Die Korrespondenz enthält Rimessen, zurückgesandte Rechnungen und Dokumente für Waren, oie beschlagnahmt wurden oder sonst- wie in Verlust geraten sind. Rußland in Sturm und Prang. Die Meldung von der Hin r icb.tung Ko l aj ew s war verfrüht. Wie die Petersb. Telegr.-Ag. meldet, ist der Mörder des Großfürsten Sergius am 23. d. M. früh um 3 Uhr gehängt worden. Man sagt, er habe einen Geistlichen empfangen, jedoch darauf bestanden, daß in das Protokoll eingetragen werde, daß er ihn als Privatperson und nicht als Geistlichen empfängt. Vor der Hinrichtung erklärte er es als eine Lüge, daß er um Begnadigung gebeten habe. Er sterbe mit Freuden. Seine Verteidiger waren zu dem 'M der Hinrichtung nicht zugelassen worden. Warschau, 23. Mai. Ein Student aus Schito- ntir brachte hierher eine hektogravhierte Proklamation, in der zur Ermordung der Juden und der christ - lichen Intelligenz von Schitonnr aufgefordert wird, und in der Geldpreise für die Ermordung der Jüden, Arbeiter und Intelligenten versprochen werden. Aus StM mw Kau-. Gießen, 24. Mai 1905. ** Zum Ausstand der Schneider. Wie wir hören, haben die im Aus st and befindlichen Schneider das hiesige Gewerbegericht als Einigungsamt angern f e n. Die Schneidermeister haben jedoch eine Verhandlung vor dem Einigungsamt abgelehnt, da sie sich dem Allgemeinen Deutschen Arbeitgeberverband für das Schneidergewerbe gegenüber verpflichtet hätten, nicht selbständig mit den Streikenden zu verhandeln. ** Der Zirkus Altho ff ist, wie ein heutiges Jü- serat bekannt macht, hier auf Oswaldsgarten eingetroffen. Donnerstag abend ist Eröffnungsvorstellung. Auswärtige Zeitungen loben den Zirkus, der ein reichhaltiges imb abwechslungsvolles Programm haben soll. Edles Pferdemate- rial, graziöse Reiterinnen und Reiter stehen im Vordergründe des Interesses der Besucher. Daneben gibt es Trapezkünstlerinnen, eine Drahtseilkünstlerin, einen musikalischen Clown u. a. "Obdachlose. In der vergangenen Nacht mußten mehrere Obdachlose in Polizeigewahrsam genommen werden. " Ei n betrunkener Fuhrmann. Gestern abend 10 Uhr sand man den Fuhrknecht eines hiesigen Bauunternehmers in total betrunkenem Zustand vor den Nädern seines mit Steinen schwer beladenen Wagens in der Senkenbergstraße liegend vor. Die Pferde waren glücklicherweise beim Herunterfallen des Knechts vom Wagen stehen geblieben; andernfalls wäre er überfahren worden. Der Knecht wurde im Haftlokal untergebracht, während die Pferde durch Schutzleute dem Eigentümer zugeführt wurden. " Ein Diebstahl? Am 30. März l.Js. wurde, wie man uns mitteilt, in der Gemarkung Großen-Linden in einem Kanal ein Packet mit etwa 5 Pfund Strickwolle von weißer, brauner und grauer Farbe gefunden. Die Wolle trug die Marke: Merkel u. Kienlin, Eßlingen; Qualität Nr. 16 J. Es besteht Verdacht, daß die Wolle gestohlen worden ist. Zweckdienliche Mitteilungen über deren Herkunft nimmt der Großh. Amtsanwalt in Gießen entgegen. "Ein neues Verzeichnis der Fernsprechstellen in Gießen ist im Verlag von Ernst Balser hier erschienen. Da zahlreiche neue Verbindungen hinzugekommen waren, mußte man zu einer neuen Ausgabe des Verzeichnisses schreiten. "Neue Schulbauten im Kreise Gießen. In diesem Jahre werden in folgenden Orten des Kreises die ini vergangenen Jahre begonnenen neuen Schulbauten fertig- gestellt werden: Weiiershain, Odenhausen, Birklar, Annerod und Hausen. In diesem Jahre wird auch in Wieseck und Weickartshain an weiteren Schulhäusern zu bauen angefangen. " Die Verbandssitzung des hessischen Bücker- Jnnungsverbandes begann, wie uns berichtet wird, gestern mittag 1 Uhr in Michelstadt i. O. bei einer Beteiligung von ca. 300 Personen aus dem ganzen Großherzogtum. Den Vorsitz führte Jckrath-Mainz. Der Verband umfaßt 16 Innungen mit ca. 350 Mitgliedern. Als Vertreter der Regierung waren anwesend der Großh. Kreisamtmann Dr. Merck aus Mainz und Großh. Kreisamtsassessor Dr. Reuß-Erbach. Ueber das Kinderschutz-Gesetz und seine nachteiligen Folgen für das Bäckergewerbe sprach der Vorsitzende Jckrath-Mainz. Es wurde ein Antrag der Innung Mainz angenommen, bei der Regierung vorstellig zu werden, daß Kinder in Ausnahme- und Notfällen eine Stunde vor dem Vormittagsunterricht mit Austragen von Backwaren beschäftigt werden dürfen. Winkler-Mainz referierte über die Bestrebungen der organisierten Gehilfenschaft und die verschiedenen Lohnbewegungen im Bäckergewerbe. Ein Antrag der Innung Eberstadt, der Verband möge sich der deutschen Mittelstandsbewegung anschließen, wird angenommen. Die Verhandlungen werden am Mittwoch fortgesetzt. Mit dem Verbandstag ist eine sehr reichhaltige Fachausstellung verbunden. Mittags 4 Uhr fand ein gemeinsames Festessen, abends 8 Uhr Konzert unter Mitwirkung des Gesangvereins Liederkranz statt. Das Städtchen ist festlich geschmückt. Hungen, 22. Mai. In den letzten Tagen ist die schwierigste und interessanteste Arbeit an der hiesigen Wasserleitung, die Legung der zwei Rohrleitungen durch die Horloff, nach Angabe und unter Mitwirkung des Bergingenieurs Schiffmann durch die Firma Bopp u. Reuther ausgeführt worden. Am Mittwoch wurde ein Damm quer durch die Tränke gebaut, ein zweiter im Bogen kurz oberhalb der Brücke. Ueber beide Damme wurde ein breiter Ueber- lauf von Bohlen gelegt, der das ganze Horloffwasser überführte. Donnerstag wurde das Wasser ausgepumpt, die Gräben ausgehoben, und abends waren schon die Rohre verlegt. Freitag mürbe der Durchstich zwischen Tränke unb Mühlgraben bis östlich von letzterem fertig, in der folgenden Nacht wurde die Villinger Chaussee mit einem tiefen Einschnitt unb Tunnel durchstochen, und Samstag mittng war die ganze schwierige Arbeit glücklich vollendet. — Allgemein wird anerkannt, daß die Arbeiten an der Wasserleitung sehr rasch voranschreiten. Bis auf die Eisenbahn-Unterführung sind sämtliche Straßenrohre mit dem 10. April verlegt worden und viele Hausanschlüsse sind auch schon fertig. An der Pumpstation wird jetzt das zweite Stockwerk mifgemmtert und auch der Hochbehälter ist seit einigen Tagen mi Bau begriffen. Man kann deshalb wohl mit Sicherheit erwarten, daß Öte ganze Wasserleitung bis zum 1. Juli d. IS. fertige gestellt sein wird. (L.-P.) sd. Darmstadt, 24. Mai. (Eigener Draht- bericht.) Der gestrige tzofball war von ca. 300 Personen besucht. Neben dem Großherzogspaar nahmen die Prinzessin Dorothea von Solms-Äch, Prinz und Prinzessin Franz Josef von Battenberg, der Erbprinz von Erbach-Schönberg', Prinzessin Edda von Erbach-Schönberg, die Gesandtschaften, Hofchargen und Spitzen' der Behörden teil. Die Großherzogin trug ein hell-lila Spitzenkleid, sehr reich mit gleichfarbigen Fayetten bestickt. Um Vs2 Uhr war der Ball beendet. ** Kleine Mitteilungen aus Hessen, und den Nachbar st aaten. Der Gesangverein „Eintracht" in Wieseck feiert in den Tagen vom 1—3. Juli sein lOjährigeS Stiftungsfest. Die Vorarbeiten werden schon jetzt, so schreibt man uns, mit außerordentlichem Eifer betrieben. vermischte». * Berlin, im Mar. Eduard Bernstein ist von den Berliner Sozialdemokraten mit der Abfassung einer „Geschichte der sozialistischen Bewegung Berlins feit 1848"' betraut worden. * Kiel, 23. Mai. Ein schwerer Nord ost sturm überraschte bei Langeland im Großen Belt den von Kiel ausgelaufenen, mit Holz beladenen D r e i m a st s.ch o n e r „Gungner". Das Schiff, dem die AUkerketten rissen, wurde auf den S t r a n d g e s ch l e u- dert und sitzt fest. Es ist total verloren. Kapitän Johansen hat die Notflagge gehißt, die Besatzung befindet sich an Bord. * Paris, 23. Mai. Die Polizisten von Lyon haben im Vertrauen auf die Nachsicht der Regierung beschlossen, morgen vormittag ihren Dienst wiederanzutreten. * Madrid, 23. Mai. Die Polizei verhaftete eine S ch w i nd- lerbande, die unter der Vorspiegelung, zur Hebung angeblich verborgener Schätze verhelfen >zu können, deutsche und französische Handeltreibende ausgebeutet hat. Aus dem beschlagnahmten Briefwechsel ist zu ersehen, daß die Betrüger mit allen Ländern Eurovas und Amerikas Beziehungen haben. Kunst und Wissenschaft. Berlin, 23. Mai. Der bisherige Leiter des Neuen Theaters und des Kleinen Theaters, Max Reinhardt, übernimmt vom 1. Juli ab die Leitung des Deutschen Theaters. Paris, 23. Mai. Der Direktor der Ecole des Beaax Arte, Bildhauer Paul Dubois, ist heute q e st o r b e n. Kerichtssaal. (f.) Gieß en, 23. Mw. Vorm Schöffengericht kam folgender Fall zur Verhandlung. Ein hiesiger Großkausmanst war nach der G e w i ch t s r e v i s i o n in Strafe genommen worden, da verschiedene Gewichte die gesetzliche Fehlergrenze um ein Geringes überstiegen. Er hatte hiergegen gerichtliche Entscheidung beantragt. Er bestritt, daß die gesetzlichen Bestimmungen btefer Art auf seinen Geschäftsbetrieb Anwendung fänden, da er keine öffentliche: Verkaufsstelle besitze. Das Gericht erachtete jedoch, da festgestellt wurde, daß er trotzdem Rohstoffe und fertige Fabrikate an gewisse Personen verkaufte, den Begriff der Oeffent- lichkeit für gegeben und auch diese Geschäftsvertriebe den bezüglichen gesetzlichen Bestimmungen ftir unterworfen, da die Oeffent- lichkeit des Verkaufs nicht durch einen offenen Laden bedingt fei, fonbeim auch in solchen Betrieben gegeben fei, die in ihrem Lager oder auf ihren Kontoren kleinere Mengen, wenn auch nur an gewisse Personen, abgeben. Das Gericht fetzte allerdings wegen der begleitenden Umstände die Strafe auf ein geringeres Maß herab. Arbeiterbewegung. Mannheim, 23. Mai. Die zwischen den Brauereien imb der Brauer eivrg-anisation geführten Tarisverhand- lnngen haben zu einer Einigung geführt. Heute mittag tourbe vor dem Gewerbegenchr der Lohntarif unterschrieben. Stuttgart, 23. Mai. Die von dem^ hiesigen Arbeitgeberverbande feit einiger Zeit ins Auge gefaßte Aussperrung der S chneider gesell en, etwa 500, ist heute Tatsache gern orben. Der erste Teil der Betriebe wurde heute nachmittag geschlossen, der andere Teil folgt morgen nach. Gießener lanbwirtschaftlicher Wetterdienst. VorauHsichttiche Witterung in Hessen für Donnerstag, den 25. Mai 1905: Meist trüb, nach etwas milderer Nacht am Tage fortdauerub kühl, stellenweise (in Oberhessen) geringer Regen. Näheres durch die Gießener Wetterkarte. Märkte. ke. Frankfurt a. M., 23. Mai. Heu- und Strohs markt. Heu kostete heute Mk. 3.10-3.50, Stroh Mk. 2.60 bis Mk. 0.00. Alles per 50 Kilo. Tendenz: in Heu flau, in Stroh fest. te. Fr cr n kfurt a. M., 23. Mai. (Orig.-Telegr. des „Gieß. Anz.") B i e h m a r k t. Zum Verkauf standen 203 Kühe. Fersen, Stiere, Rinder u. Kälber, 876 Schweine. Kälber 1. Qual. 87—90Pf,. Lebendgewicht 52—54 Pfg., 2. Qual. 78—80 Psg., Lebendgewicht 46—48 Psg., Schlachtgewicht 62—66 Psg. Schafe 1. Qualität Schlachtgewicht 72—74 Psg., 2. Qualität 64—66 Pfg. Schweine 1. Qualität 67—68 Pfg., Lebendgewicht 53.50 Pfg., 2. Qual. 66-00 Pfg., Lebendgewicht 52-00 Pfg., 3. Qualität 60—62 Pfg., Lebendgewicht 00—00 Pfg. Geschäft bei Kälber lebhaft, Ueoerstand unbedeutend, bei Schweinen gut, kein Ueberstand. Arisiinak-Draytmeldungen. Berlin, 23. Mai. Dem heutigen parlamentarischen Abend bei 'beut Staatssekretär Grafen v. Posadowskh, zu toelchem Vertreter aller bürgerlichen Parteien erschienen waren, wohnten bei die Minister Schönstedt, v. Einem, Frhr. v. Rhein- baben, v. Bethmann-Hollweg' und Hausminister v. Wedel, die Staatssekretäre v. Tirpitz, Nieberding, Frhr. v. Stengel und Krätke, Reichsbankpräsident Dr. Koch, Oberbürgermeister Kirschner, sowie Vertreter von Künst und Wissenschaft. Stuttgart, 24. Mai. Zum Gedächtnis' an die Schillerfeier haben Frauen und Jungfrauen von Speyer bem' Mar- bacher Schillermuseum einen vergoldeten Lorbeerkranz aus massivem Silber gestiftet. London, 24. Mai. Die „Morningi Pos^ meldet aus Shanghai, es verlaute dort aus glaubwürdiger Quelle, daß sich die F l v 11 e T o g o s noch auf der Höhe bei M a s a m p h p befinde. London, 24. Mai. „Daily Telegraph meldet aus Tokios Die EisenbahnverbindungmitWladiwostok ist.un- terbrochen. Die Festung ist infolgedessen jetzid abges chnitten. P a r i s, 24. Mai. Die AkademiefürMediziü wählte, den Frankfurter Bakteriologen Prof. Dr. Ehrlich zum auswärtigen Mit gl iede. Paris, 24. Mai. Nach einer Privätmeldund aus Saigon sind am letzten Sonntag morgen auf der Höhe der Insel Jkushima mehrere japanische Kriegsschiffe mit dem Kurs nach dem Süden gesichtet worden. Paris, 23. Mai. Die Kammer nimmt in der weiteren Beratung Artikel 5 des Gesetzentwurfs betr. die Trennung von Staat und Kirche an, wonach die kirchlichen Güter, auf denen mildtätige oder nicht zum Kültus gehörige Stiftungen ruhen, den verschiedenen staatlichen VerwaltungAzweigeN Mgewiesen werden. Lyon, 23. Mai. Der AuZstand der Poli^eibeamten ist be»v endet. Madrid, 24. Mai. „Eorreo Espagstol" meldet, daß Oberstallmeister Marguis de la Mina, begleitet von einigen anbern Persönlichkeiten, sich nach Berlin begibt, um den König bei der Hochzeit des Kronprinzen zu vertreten. New York, 23. Mai. (Reuter.) Die Bureaus' der Marchant Trust-Company sind auf Anordnung des Bankvorstehers geschlossen worden. Die Bank, deren Kapital etwa eine halbe Million Dollar beträgt, schuldet ihreu DeposUoreu etwa zwei Millionen. . - - Bad wi: in nai feit mii "n Alter ^ger, 9( betw Bei schmerz! Mutter, fr 8 Todes-Anzeige Herr Ernst von Lindenen ■ Im Namen der Hinterbliebenen Gießen, Liebigstr. 46, den 23. Mai 1905. -ei Gießen. Großhcr I. V.: Cursch mann. Todes-Anzeige B28/, GterbeL Die ticstmerickn Sintcrbliebeuen Für den Aufsichtsrat: Schleunbecker. 2818 Gießen (Seltersweg 30), Frankfurt a. M., den 24. Mai 1905. 0 0 Gießen, den 22. Mai 1905. B”/ Herrmann. Kreisstraßenmeister. Schreinerarbeiten, veranschlagt // Herrmann, Kreisstraßenmeister. B24/e versteigert werden. meisterei erbeten. 2820 M n n 1) 2) 8) 4) Glaserarbeiten, Weißbinderarbeiten, Tapezierarbeiten, nach langem, schweren, mit Geduld getragenem Leiden zu sich in die Ewigkeit abzurufen, was wir Verwandten, Freunden und Bekannten tiefbetrübt mitteilen. ZU n Mk. w rr der Königliche Hauptmann und Kompagnie-Chef im Kadettenhause zu Naumburg, Ritter mehrerer Orden Der Voranschlag liegt auf Großherzoql. Bürgermeisterei Oppenrod offen und sind Angebote bis Freitag den 2. Funi d. F., nachmittags 1 Uhr, dortselbst einzureichen. Die Oeffnung der Offerten erfolgt in Gegenwart etwa erschienener Submittenten. Gießen, den 23. Mai 1905. Voranschlag und Bedingungen liegen auf dem Amtszimmer des Herrn Pfarrer Freitag in Holzheim offen, und sind Angebote bis Mittwoch, den 31. d. Mts., nachmittags 3 Uhr dortselbst einzureichen. Die Eröffnung der Offerten erfolgt an genanntem Tage in Gegenwart etwa erschienener Submittenten. Sekanntmachmg Die Gemeinde Lollar beabsichtigt einen jungen, sprungfähigen Bullen Simmenthaler Rasse zu kaufen. Gefl. Angebote werden an die Großherzogliche Bürger- Rach Gottes unerforschlichem Ratschluß verschied am 22. Mai, mittags, in Bad-Rauheim nach kurzer, aber sehr schwerer Krankheit an Herzlähmung mein lieber Bruder, unser guter Schwager und Onkel Die Beerdigung findet Freitag den 26. ds. MtS., nachmittags 5 Uhr vom Portale des neuen Friedhofs aus statt. M-Bttßchemg. Auf dem Baugelände für die Universitäts-Neubauten in der Klinikstraße soll Freitag den 26. Mai, vormitt. 8 Uhr, die erste Schur Gras in verschiedenen Losen meistbietend 50.— 82.17 139.35 57.— Gießen, 23. Mai 1905. Großh. Baubehöade für die Universitäts-Neubauten. Becker. Kurt von Lindenau Oberst und Kommandeur des Infanterie-Regiments Kaiser Wilhelm (2. Großherzoglich Hessisches) Nr. 116. ■. Vergebung von Abbrucharbeiten Der Abbruch eines offenen 52 m langen und 11 m breiten hölzernen Schuppens mit Ziegelbcdachung bei der Margarethenhütte soll Samstag den 27. Mai d. I., vorm. 11 Uhr, bei Hebet- lassung des Materials an den Höchstbietenden vergeben werden. Die Bedingungen liegen bei uns in der Schreibstube während der Amtsstun'''en zur Einsicht offen. Angebote auf Vordruck sind bis zum vorgenannten Termin ebendaselbst einzureichen. Gießen, 23. Mai 1905 Städtisches Hochbauamt. Die Beerdigung erfolgt in Altenburg S. A. am Freitag, den 26. Mat. ___________________ , rs“/6_______________ B2»,5 Arbeitsvergebung. Zur Herstellung des alten Schulhauses in Oppenrod sollen nachoerzeichnete Arbeiten auf dem Submissionsweg vergeben werden: Arbeitsvergebung. Zur Herstellung der Kirche in Holzheim sollen nachverzeichnete Arbeiten auf dem Submissionsweg vergeben werden: 1. Schreinerarbeiten veranschlagt zu 150.00 Mk. Versteigerung. Donnerstag den 25. d.MtS., nachmittags 4 Uhr, sollen in dem Hofe der alten Zenghanskaserne am Landgraf Philipp-Platz die durch den Abbruch des alten Küchengebäude- gewonnenen Baumaterialien, wie Türen, Fenster mit Gestellen von Stein, Eisen, Bau- u. Brennholz, Stickstccken von Elchen, Zinkkandelu und Werksteine loSweise gegen gleich bare Zahlung versteigert werden. Gießen, den 19. Mai 19(>5. Großherzogl. Hochbauamt. Bu/S Neuling. 0 S ArbeiterkSeider raormalwäach® Krawatten Handschuhe Weisswaren. Abraham, B“fstr- g Todes-Anzeige. Hiermit die schmerzliche Mitteilung, daß es Gott dem Allmächtigen gefallen hat, meinen innigstgeliebten, treuen Gatten, unseren lieben, guten Vater, Großvater, Bruder, Schwiegervater, Schwager und Onkel Herrn Philipp Dern BL Gemeinde-Rechner nach langem, schweren, mit großer Geduld ertragenem Leiden im 65. Lebensjahre zu sich zu rufen. Die tiestrauernden Hinterbliebenen: Ph. Dern II. Witwe und Familie. Hausen, den 24. Mai 1905. Die Beerdigung findet Donnerstag den 25. Mai, nachmittags 31/» Uhr, in Hausen statt. 2832 Bekanntmachung, die Holzabfuhr aus den Waldungen der Stadt Gießen betr. Die Steigerer von Brennholz aus den Waldungen der Stadt Gießen werden hiermit cmfgefordert, insoweit sie mit der Abfuhr ihres ersteigerten Holzes im Rückstände sind, für die Abfuhr des Holzes spätestens bis 10. Juni Sorge zu tragen, andernfalls sie Bestrafung nach Artikel 37 des Forststrafgesehes zu erwarten haben. Gießen, den 22. Mai 1905. B38/0 Todes-Anzeige. Verwandten, Freunden und Bekannten hierdurch die schmerzliche Mitteilung, daß unsere gute, unvergeßliche Mutter, Großmutter und Schwiegermutter Ka Fsßi« llnerzigt $mt. geb. Schmidt nn Alter von 69 Jahren, nach kurzem, schwerem Krankenlager, gestern abenb sanft verschieden ist. Die trauernden Hinterbliebenen. Familie Gerhard Botz, Familie LouiS Unverzagt, Offenbach, Familie Josef Welnert. Gießen und Offenbach a. M., den 24. Mai 1905. Die Beerdigung findet Freitag nachmittag 3 Uhr von der Kapelle des neuen Friedhofs aus statt. 2822 Erne Taschenuhr geschenkt bekommt jeder, welcher 400 leere Schachteln der beliebten Gioth's gem. Kernseife an den Fabrikanten I. Gioth, Hanau, einsendet. Hauptagentur bei: L. Kalkhof Nacht., Westanlage, Gebr. Michel, Wall- torftr., E. Roth II. Nachf., ^alltorftr., Earl Seibel, Franknirterstr., Hch. Trechsler, Weserstr., Ludwig Steinhäuser. hv8 f nssboden - Anstriehlarben aller Art Bohnerwachs. Llnoleumwiohse Stahlspäne, Pinsel Staubbindendes Fussbodenol wohlriechenden Ofenlack empfiehlt 1696 August Noll Bahnhofstrasse 51. Bekanntmachung. Der Credit-Verein Heuchelheim E. G. m. u. H. hält nächsten Samstag, den 27. Mai, abends 9 Uhr, bei Wirt Heinrich Volkmann I. dahier eine Generalversammlung mit folgender Tagesordnung ab: 1. Rechnunqsablage. 2. Beschlußfassung über Verwendung des Ueberschuffes. Heuchelheim, den 22. Mai 1905. tzirclimüerei Heinrich Sack jr. 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