155. Jahrgang Dienstag 21. Februar 8 DOS Erstes Blatt. 2Z Die heutige Ynmmer umfaßt 8 Seit«! Palais mm Zareirplatz erst seit kurzer eZit; er hatte vorher seinen Sitz in dem außerhalb des Kremls auf dem Theater- Platz gelegenen Gouverneurpalais. Als es aber vor einigen Wochen auch in Moskau zu gähren begann, als die Arbeitseinstellungen anfingen, fühlte Großfürst Sergius sich äußerste ichen, und Chef des ihm verliehenen brandenburgischen, Kürassierregiments Nr. 6 sei der Zar geworden. Dergleichen Maßregelung, wenn sie auch eine notgedrungene Folge deS Zaren-Ukas war, wird kaum sobald verwunden. Außerdem, der Großfürst hatte seinen Aufenthalt größtenteils in Paris. Das trägt ebenfalls nicht zur Erweckung deutschfreundlicher Gesinnungen bei. Prinz Friedrich Le o- pold von Preußeü hat dem Kaiser und dem Grafen! Zülow über seine Reise nach Rußland Vortrag gehalten. E svcrlautct, der Prinz überbrachte ein Handschreiben des Zaren. Gleichwohl wird die Dankbarkeit und die Freundschaft des Zaren nicht: allzu hoch in die politische Rechnung gestellt werdens können, im Hinblick auf die starken Gegenströmungen. Großfürst Paul hat bereits am Sonntag abend auf bet Fahrt von aPris nach ePtersburg Berlin passiert. Großfürstin-Witwe Elisabeth. am 27. und 28. d. Mts. m dem genannten Terrain stattstndet. Gießen, den 20. Februar 1905. Großherzoglich'-' Kreisamt Gießen. Dr. B r e i d e r t. Bekanntmachung. Im Anschluß an unsere Bekanntmachung vom 16. d. Mts. *- Kreisblatt Nr. 41 — bringen wir hiermit zur öffentlichen Kenntnis, daß das Scharfschießen des 1. Bataillons Infanterie- Regiments Nr. 168 nicht in der Zeit vom 22. bis 24. d. Mts., sondern Die durch das Attentat im Kreml zur Witwe geworden^ Großfürstin Elisabeth (Jelisaweta Feodorowna), bekanntlich eine ältere Schwester der Zarin und unseres Großherzogs Ernst Ludwig, ist trotz ihrer 40 Jahre eine an- mutvolle Erscheinung, sie war wohl die schönste unter ihren chönen Schwestern. Schon in der Kindheit hatte sich zwischen ihr und dem Großfürsten Sergius eine Neigung entsporrnen^ Als Kind war der Großfürst mit seiner Mutter, der serin Maria Alexandrowna, die bekanntlich auch eine Prinzessin von Hessen war, häufig am Darmstädter Hof zu Besuchs und als halbwüchsiger Junge bewahrte! er die Vorliebe für seine spätere Gemahlin. ,,Der kleine! Sergius", so berichtet Großherzogin Alice ihrep Mutter, der Königin Viktoria, „will nur mit meiner Ellaj pielen." Nach dem Tode der Großherzogin Alice tourbe Prinzessin Elisabeth gemeinsam mit ihrer älteren Schwester am englisches! Hofe bei ihrer Großmutter erlogen; Mjährig olgte sie ihrem Gatten nach, Rußlands Die Prinzessin wollte, ivie ihre Schwägerin, die Großfürstin Wladimir, dem lutherischen Glauben treu bleiben; aber sie trat nach 9jähriger Ehe doch zur orthodoxen Kirche über aus Liebe zu ihrem Gatten. Der bevorsteheirde Konfessionswechsel der Großfürsttn wurde al s.ein strenges Geheimnis gehütet; natürlich wußte ihr Gemahl von jedem Schritts aber er spielte doch den aufs freudigste kleberraschten, als sie ihm von ihrem Entschlüsse Mitteilung machte. Als die vielen Heiratspläne für den damaligen Thronfolger Nikolaj Alexandrowitsch austauchten, setzte sich Großfürstin Elisaebth sehr energisch für ihre jüngste Schivester Alice ein, deren Vermählung irrit dem Zaren auch ihre eigene Position om Hofe sehr gehoben hat; ihre Annrut und Liebenswürdigkeit Umd ihre große Herzensgute und Intelligenz machten sie zu einer der sympathischsten Erscheinungen des russischen Kaiserhauses, und selbst oie heftigsten Gegneri ihres Gatten zollen ihr Ehrerbietung — gab doch auch der verhaftete Attentäter vor allem seiner Befriedigung darüber Ausdruck, daß die Großfürsttn nicht das Schicksal! ihres Mannes geteilt habe. Es verlautet bestimmt, das; in absehbarer Zeit blA Großfürstin Sergius nach Darmstadt übersiedeln wird. Es ist nichst ausgeschlossen, daß sie spätere hin dort das Palais Rojenhöhe bezieht, das äugens blicklich vom preußischen Gesandten bewohnt wird. Der Semski Sobor. Wie Petersburger Blätter mitteilen, macht der russisch- Publizist Ssuworin einige interessante Angaben, darüber^ wie sich möglicherweise der Semski Sobor, das. russische Nationalparlament gestalten wird. Er will darüber vow authentischer Seite folgendes gehört haben: J!m Sobori müssen Vertreter des Grundbesitzes, der Land-^ wirtschaft, des Handels, der Industrie und der! Wissenschaft sitzen. Die Stammbevölkerung,welche daS Russische Rei'ch gebildet hat, wird natürlich überwiegem Es wäre zudem gerecht, wenn einzelne Gebiete, Volksrapenj als ähnliche- Territorien betrachtet werden wie in den Vereinigten Staaten von Nordamerika. Wir befinden unZ in einer viel schwereren Lage, als England, Frankreich, Deutschland und Italien, in denen die Bevölkerung wert gleichartiger ist. Bei uns ist die Zahl der Volksstämme sehr groß. Es ist nicht ausgeschlossen, daß int Sobor «rußet den Parteien der Konservativen, Liberalen und ^oziaustett und ihren Unterparte^eu auch noch gewisse dt cht i o n al * gruppen, wie eine polnische, litauische, kleinrussische, armenische, tatarische, grusinische, jüdische, sibirische, battischc- lettische usw. hervortreten werden. Das ist eine schwere! uns anhaftende Eigenheit, die etwas an Oesterreich erinnert. In dieser Hinsicht liegen also sehr triftige Gründe zmnj Nachdenken vor. Zu einer Reichsvertretung muß auch gilt* land herangezogen werden. Man wird das Reich nicht nur in Wahlbezirke teilet sondern auch die gegenseitigen Beziehungen der Volksstämme in Betracht ziehen müssen, um dem russischen Clement ein| Uebergewicht zu sichern. Eine Grundbedingung muß die? Kenntttis der russischen Sprache sein. Der Wohlzensusi darf durch keinen Bildungsgrad beschränkt werden. Die Zahl der Volksvertreter dürste 1V2 Tausend (!) 1 betragen. Vor dieser Zahl braucht man kaum zurückzuschrecken, obgleich viele für nicht mehr als für höchstens 400 bis 600 Mann stimmen werden. Wenn wir die Höhe unserer gegenwärtigen Bevölkerungsziiffer auf 140 Mill.« annchmen und auf je 100 000 Bewohner ein Vertreter ent- । fällt, so ergibt das 1400 Vertreter. Rechnet man ferner, daß unser Bevölkerungszirwachs LO Millionen in einem! Jahrzehnt beträgt, so würde das einem Zuwachs von 200 Vertretern in einem Dezennium gleichkommen. Wenn man vont Semski Sobor spricht, so denkt, matt an die alte Zeit. Wir aber sind neue Menschen mit neuen) Begriffen und neuen Ansichten. Sogar die Bauern smdt [neue Menschen, namentlich in industriellen Gebieten, totft Wr. 44 •tftehH täglich außer Sonntag-. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Siebener Samilien- «Liter viermal in der Woche beigelegt. Rotationsdruck u. Verlag der Brühl'schen Unwers.-Buch-u.Stein- druckerei. 0t Lange. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schulstratze 7. Adresse sür Depeschen: Anzeiger Gieße«. Kernsprechanschluß Nr. 51. . ... ........ L”"? Iie.Handelsverträge im Weichslag. R. Berlin, 20. Febr. Der Beginn der zweiten Lesung des Handelsvertragswerks ließ erkennen, daß das Intereste des Reichstags jetzt nicht so sehr der Sache selbst, als der geschäftlichen Behandlung gilt. Was über den Inhalt der Verttäge noch zu sagen war, ist in der Konrnriffion gesagt worden, und die von den Regierungsvertretern dort abgegebenen wichtigeren Erklärungen waren zumeist vertraulich, sodaß die breitere Oeffentlickkeit hier nicht auf ihre Rechnung kam. Was sonst von der Regierung eröffnet wurde, ist in einem Truck- heft niedergelegt, und Mg. Tr. Spahn (Ztt.) war w kollegial, der Vermutung Ausdruck zu geben, daß die nicht zur Kvmmissron gehörenden Tlbgeordneten dieses Truckheft mittlerweile gelesen haben. Auch sah sich Graf P 0 s a d 0 w s k h heute veranlaßt, zunächst zum Handelsvertrag mit Oesterreich-Ungarn einige feierliche lftklärungen abzugeben, um die Bedenken der Süddeutscyen gegen diesen Vertrag zu beschwichtigen. Das Abkommen mit der Habsburgischen Monarchie wurde als das grundlegende bezeichnet und an erster Stelle „durcbberaten". Eine auf den Grund gehende Erörterung gab c5 nach Lage der Sache nicht. Abg. G 0 t he i n (fr. Ver.) unternahm es zwar, von seinem gegnerischen Standpunkt aus Einzelfragen anzuschneiden, aber er fand keine Gegenliebe bei den Mehrheitspatteien. Man beachtete allenfalls die allgemein gehalteneii Darlegungen. So die des württembe^gi- schen Abg. Dr. W 0 l f f (Wirtsch. Ver.), der sich zum AnwalUder landwirtschaftlichen Interessen seiner Heimat machte, . und die des mit einer gewissen Resignation aus den „opserbringenden Ausfuhrhandel hinweisenden Abg. Dr. S e m l e r (nl.). Beredtes Schweigen antwottete dem Haniburger Rechtsanwalt, als er an die Agrarier das höftiä>e Ersuchen richtete, ihrer Bevorzugung sich bewußt zu sein und nunmehr auch den anderen Erwerbszweigen, insbesondere der Börse, Licht und Luft zu gönnen, damit lischt nach dem Ablauf der neuen Handelsverträge der Spieß wieder umgekehrt werde. Tie Landwirte wünschen nichts, ^als die Handelsvertragsernte baldmöglichst hereinzubekommen, und sind am wenigsten geneigt, ihre Befriedigung auf die Börsenkreise .abfärben zu lassen. Hierin hbben sie am Zentrum einen zuverlässigen Bundesgenossen. Bezeichnend war ja die außerordentliche Stärke, in der die Konservativen sich zur heutigen^ Sitzung eingefunden hatten. Im preußischen Abgeordneteiihause waren die Pforten früher als sonst geschlossen worden, damit der gesamte Heerbann der Rechten bei den Abstimmungen im Reichstag zur Stelle sein konnte. Die erste toar_ in der Tat schon kurz nach vier Uhr fällig. Sie galt dem ö str e ichisch-u n g a r i sch en Handelsvertrag, der mit 192 gegen 53 Stimmen a n g e- n 0 m m e n wurde. Es gab keine Demonstration für den mit froher Gelassenheit dreinblickenden Grafen Bülow : nur ein Beifallsgemurmel drang zu ihm herauf. Ohne weitere Umstände wurde auch die Vie hi e u ch e n ko n v en t i on erledigt, und dann der Handelsvertrag mit Rußland vorgenommen. Hatten vordem zwei hessische Abgeordnete, die Herren 'Dr. W a l - lau und Lukas (nl.) der geschädigten Möbel- und Edelmetallindustrie gedacht, 1'0 trat jetzt Mg. Eickhoff (fr. Vp.) für die Kleineiseninduftrie ein. Doch es gab nichts mehr zu ändern, lediglich der Form wegen standen einige Negierungskommissare Rede und Antwott, woran die betroffenen Industriellen sich genügen lassen müssen. Graf Bülow konferierte währenddessen mit einem Herrn, dessen Name in letzter Zeit viel genannt wurde, der aber zu den Handelsverträgen nicht die mindesten Beziehungen hat: mit dem Ministerialdirektor Alt ho ff aus dem preußischen Kultusministerium. ~ Herr Althoff war offenbar aus besonderem Anlaß zum Ministerpräsidenten nach dem Reichstag befohlen worden, und da er hier auch mit dem württembergischen Gesandten Frhrn. v. Varnbüler und dem württembergischen Abg. D-r. Hie- 6er (nl.) sprach, mag nickst allein die in Preußen für bedroht erachtete „akademische Freiheit" zur Diskussion gestanden haben. Das Intermezzo auf der Bundesestrade wurde mehr bemerkt, als die Debatte über den russischen Handelsvertrag. Die Entscheidung zu Gunsten dieses Vertrages fiel mit 198 gegen 61 Stimmen. Die Polen enthielten sich in beiden Fällen der Stimme. Beim H an de l sv e rtr a g mi t I ta l i e n gab es eine kleine Weinzolldebatte, in der die Pfalz und die Reichslande zum Wott kamen. Die weiteren handelspolitischen Vereinbarungen wurden in beschleunigtem Verfahren verabschiedet, ,b. h. genehmigt._________ ___________________ Zur e$age in Wuhsard. Der Schauplatz des Attentats in Moskau. Im Kremt, auf der den Russen geheiligten Stätte, zinf der sich alle Erinnerungen aus Moskaus Vergangenheit vereinigen, ist die totbringende Bombe auf den Großfürsten Sergius geschleudert luorben. Im Kreml erhält der Zar die priesterliche Weihe, vollmächtigen Glockenturnr, Iwan Welittj, verkünden dreiunddreißig Glocken den Russen, daß ein neuer Zar den Thron bestiegen jhat. Der Kreml, der älteste Teil Moskaus, liegt am Unten ckfer des Moskwaflusses auf dem, 4(3 Meter über diesem Flusse sich erhebenden BorowrMschen Hügel, der gmrzi Moskau beherrscht. Der Kreml, ein unregelmäßiges Dreieck, umfaßt einen ganzen Stadtteil, stellt eine Vereinigung von Palästen und Staatsgebäuden dar und ist eingeschlossen von einer 20 Meter hohen Mauer von zwei .Kilometern Umfang, die mit Zinnen gefrönt und mit 19 Türmen versehen ist. Fünf Tore, durch Baustil oder historische Erinnerungen merkwürdig, führen in den Kreml. Ist der Nähe des nördlichen Tores l)at den Großfürsten Sergius der Tod ererlt. E>roßsürst Sergjus wohnte in dem 11 ewen (Nikolar-) halb der Mauern des .Kremls nicht mehr sicher und siedelte in den festtrngsarttgen Kreml über. Das kleine Palais wurde unter Katharina II. für den Metropolitan Platon erbaut, 1817 für den Großfürsten Nikolaus, den riachmaligen Zaren, gekauft. Zar Mexcmder II. wurde in diesem Palais geboren. An das kleine Palais stößt links das Tschrrdow-Kloster, das Kloster der Wrmder. An diesem Kloster ftlhr Großfürst Sergius auf seiner verhängnisvollen Fahrt vorüber und gelangte nun auf den Senatsplatz, auf welchem das Attentat verübt wurde. Das ist ein großer Platz in der Form eines länglichen Dreiers, südlich v'ou der ^Kremlkaserne, westlich vom Arsenal, östlich vom Gerichtsgebäude begrenzt. An der Hauptfassade der statttichen Kremlkaserne stehen' 20 altertümliche Geschütze, an den Ecken der Kasewle zwei Riesengeschütze, das fogenannte Einhorn und die reich verzierte Zarenkanone, die 1586 gegossen und etwa 39 000 Kilogramm schwer ist. Das Ltrsenal ist ein kolossales Gebäude, vor dessen Front die 1812 erbeuteten Geschützrohre, 875 an Zahl, liegen. Dem! Arsenal gegenüber befindet sich das Gerichtsoebäude, vor welchem das Attentat verüb't wurde. Das Gebäude wurde unter Katharina II. erbaut, seine mächtige weiße Fassade macht einen majestätischen Eindruck. Der Bau läuft oben in eine flache Kuppel aus, auf der sich ein viereckiger Pfeiler mit einer Krone erhebt. Etwa 200 Meter vom Zentrum des großen Senatsplatzes entfernt befindet sich das Nikolskija-Tor, das nach dem Noten Platze führt; das Tor hat seinen Namen nach dem über dem Durchgang befindlichen Mosaikbild des heiligen Nikolaus von-Moshaisk, des Patrons der Betrübten. Auf dem Roten Watz erhebt sich etwa 50 Schritte von der Kremlmauer entfernt, das Historische Museum, ein großes Gebäude im russischen Stil des sechzehnten Jahrhunderts, in welches sich der Großfiirst Sergius begeben wollte. Sergius-Denkmal. • Moskau, 20. Febr. An dem Tatorte der Ermordung des Großfürsten Sergius w-ird ein großes, in Eisen geschmiedetes Kreuz mi t einem Heiligenbild errichtet werden. Sergius und Deutschland. Der Kaiser hat dem w.'ssischen Botschafter in Berlin einen Besuch abgestattet, Hoftrauer ist angesetzt, Regiments^- trauer befohlen, Ballfestlichkeiten, darunter auch ein für1 heute (Dienstag) beim preußischen Kultusminister beabsichtigter Ball, sind verschoben,' kurz, die ganze offizielle Welt bekundet ihr Beileid. Das sind Bezeugungen, die wohl in erster Linie dem Zare^l und der deutschen Verwandtschaft des Toten gelten. Doch man wußte um die bis zum Fanatismus getriebene D euts chfein d lich keit des Ermordeten. Er soll bei jeder Gelegenheit dieser 'Abneigung gegen alles, was deutsch heißt, in der deutlichsten Werse Ausdruck gegeben haben. Man versichert, daß Sergius, der einen außerordentlichen Einfluß auf den Zaren ausübte, unablässig bemüht gewesen sei, Nikolaus mit Mißtrauen gegen bie deutsche Politik zu erfüllen und gegen die Aufrichtigkeit der deutschen Freundschaft. Wir finden in einem Petersburger Brief der „Nationalztg." folgende bestätigende Mitteilung: „Er (Sergius) hatte es sich jedesmal nach einer Begegnung zwischen dem Zaren und dem deutschen Kaiser angelegen sein lassen, den bestrickenden Eindruck der starken Persönlichkeit des letzteren im Herzell seines Neffen auszulöschen. GroMrst Paul. J'etzt scheint der Bruder von Sergius, Großfürst Paul, der eine Zeit lang wegen seiner nicht starrdesgemäßen Heirat in Ungnade gefallen war, eine Vertrauensstellung! beim Zaren einnehmerl zu sollen. Großfürst Paul, zum Generalleutnant und Generaladjutanten wieder ernannt, wird schwerlich auf Deutschland gut zu sprechen sein. Das Militärwochenblatt hatte seinerzeit, nachdem ein Ukas des Zaren diesem Mitglied des Hauses afte militärischen Würden aberkannt, mit dürren Worten gemeldet: Großfürst Paul sei aus der preußischen Armee go- jwuwiHBr «e-ugspret-r monatllch75P^ vierte GletzenerAnMgerA w General-Anzeiger v den oolit und Amts- Md Anzeigeblatt für den Kreis Gichen zeigentcil: Hans Beck. Nikolaus-Thor S niyviTf'Ci 5SP Meter es Nllcper imb Teilungen gibt. Wenn 'man neck den Briefen der Bauern ur-tcilt, welche vorn Kriegsschauplatz kommen, so ist eine große Zahl unrklich verständig und gut geschrieben. Bei uns herrscht leider noch die Ansicht vor, daß der Bauer der geringen Anz-cM von Schulen wegen noch derselbe geblieben ist. In Wirklichkeit hat die Selbstbildung auch unter den Bauern tiefe Wurzeln geschlagen und ist verrebiteter als man annimurt. In den Berichten der öffentlichen Bibliothek findet man schon seit einigen Jahren Bauern unter den Lesern. Mit diesern Element werden bic gebildeten Vertreter sehr ernst zu rechnen haben. Es kann keinem Zweifel unterliegen, daß der Bauer manchen neuen Gedanken im Sobor anregen wird. Die Moskauer „Wjedomosti" meint, jetzt dürfe an den Semski Sobor, der ins Verderben führen würde, nicht mehr gedacht werden. Akademikerwnnsche. Petersburg, 20. gebt. Heute war in der Pcters- Furger Universität eine Studentenversammlung, welcher Mttige Professoren, Privatdozenten und andere Personen beiwohnten. Zuerst sprachen einige Professoren, die meinten, die Universität solle dienen als Crt, an dem sich die Studenten versammeln und gesellschaftliche Ereignisse besprechen könnten. Sie wären jedoch im allgemeinen für Schließung der Universität. Nach vielen heftigen Reden wurde folgende Resolution angenommen: Der abgelebte r u ff i f cb e Absolutismus gebt täg- ckch und Mndlich dem unvermeidlichen Untergang entgegen. Er ist machtlos, mit dem auferweckten Volke fertig zu werden. Er liegt im Sterben und ersinnt eine Maßnahme, die immer unsinniger ist als die andere, um den Untergang aufzuscklieben. Er unternahm das verbrecherische Abenteuer nach dem fernen Osten, welches dem Volke Z?hntausende von Menschenleben und Millionen mühevoll erworbenen Geldes kostet. Längst führt die zielbewußte Intelligenz der Studenten einen hartnäckigen Kampf um die elementarsten Menschenrechte, öfters ohnmächtig vor der rohen Gewalt einer zügellosen Regierung niedersinkend, bis endlich auf der historischen Arena auch das Proletariat aufgetreten ist, das gleichzeitig mit der Entwickelung des Selbstbewußtseins dem Zarismus heftige.Schläge erteilt hat. Tie letzten blutigen Ereignisse zeigen augenscheinlich. wessen bet Absolutismus fähig ist in der Verteidigung seiner jämmerlichen, schandbaren Existenz. Tas zielbewußte, brüderlich solidarisebe Auftreten des Proletariats in den Januartagen hat. das Todesurteil des 2ll>- solutismus unetrschrieben und die zweifellos baldigst bevorstehende politische Befreiung Rußlands sichergestellt. Als ein. Teil der Zielbewußten Intelligenz begrüßen wir die Solidarität der Arbeiterklassen und stellen folgende Forderungen auf: 1. Einberufung einer gesetzgebenden Versammlung auf der Grundlage einer allgemeinen, gleichen und geheimen Wahl durch die Bürger und Bürgerinnen des Staates. Redefreiheit, Preßfreiheit, Freiheit, Verbände zu gründen, Ausstände zu unternehmen usw. 2. Amnestie für alle Personen, welche wegen ihrer politischen oder religiösen Ueberzeugung in Strafe genommen sind. 3. Tie Zugehörigkeit zu einer beliebigen Nationalität darf vie politischen Rechte nickt beeinflussen. Außerdem ist als. Garantie gegen lieber griffe der russischen Regierung bei der freien Durchführung dieser Forderungen: zu allererst eine allgemeine V o l k s m i l i z zu schaffen, in deren Reihen alle zielbewußten Bürger die Verwirklichung unserer Forderungen erkämpfen können. Indem wir die Bedeutung dieses historischen Augenblicks erkennen, in dem Rußland aus der Periode der Gärung in die offene Revolution tritt und alle nur ein Ziel vor Augen haben, können wir die Stuien nicht iordtsetzen. Wir stellen dieselben bis zum 13. September ein. Bis dahin werden die Ereignisse neues Material zur Lösung der Frage geben. Tie Resolution wurde mit 3000 gegen 50 Stimmen angenommen. Die O!pposition wollte eine Gegenversammlung abhalten, die aber nicht zu stände kam. Vor dem Schluß der Versammlung wurde ein Bildnis der Kaisers, das in dem Saal hing, heruntergeholt und zerrissen und dann eine rote Fahne entfaltet. Tie Versammlung ging abends um 7 Uhr ohne Zwischenfall auseinander. Unruhen. Baku, 20 Febr. (W. B.) Ter wegen Mordes angeklagte Arrestant B a l a l i versuchte auf dem Wege zum Gefängnis zu entfliehen. Er wurde dabei von der Begleitmannschaft tödlich verletzt. Ties rief Gerüchte von einer vorbedachten Ermordung des Arrestanten hervor. Ter Bruder Balalis reichte beim Gouverneur Klage ein und die Untersuchung wurde eingeleitet. Anläßlich des Todesfalls Balalis kam es zu Unruh ew, bei denen viele Personen getötet und v er wun det wurden. Es wurden Maßnahmen' zur Wiederherstellung der Ordnung getroffen. Warschau, 20. Febr. Bei allen hiesigen Gymnasien wurden Polizeimannschaften aufgestellt, bei einigen auch Militär. Tie Polizei verhaftete Schüler der oberen Klassen, welche Schüler der unteren Klassen am Schulbesuch zu hindern versuchten. Datum, 20. Febr. Ter Ausstand der Setzer verschärft sich. Alle Druckereien haben Drohbriefe bekommen mit der Aufforderung, keine Zeitungen zu drucken. In einer Werkstatt wurden mit militärischer Hilfe Verhaftungen einiger Arbeiter vorgenommen. .Charkow, 20. Febr. Tie Arbeiter der Tabakfa- vriken sind in den Aus st and getreten. Dasselbe erwartet man von den Arbeitern der Straßenbahn. Kiew, 20. Febr. (W. B.) Bei der Verwaltung der Südwest-Eisenbahn begann der Ausstand. Drohbriefe. Petersburg, 20. Febr. Wie Großfürst Sergius sollen auch noch andere Mitglieder des Zarenhauses in den letzten Tagen zahlreiche Drohbriefe erhalten haben. Eine unbeschreibliche Unruhe hat sich der ganzen Bevölkerung bemächtigt. Wer halbwegs in der Lage ist, kehrt jetzt Rußland den Rücken, um im Aus lande die weitere Entwicklung der Dinge abzuwarten. Der Handel stockt vollständig. ♦ Koburg, 20. Febr. Die Meldung, daß auch die geschiedene Großherzogin Vietoria Melitta sich nach Rußland beaebe, berußt auf Erfindung._________________ Ier Krieg. Vom Kriegsschauplätze. Tokio, 20. Fcbr. T:e Russen haben eine Feldbahn gebaut, die Fushun Penling mit dem anderen Fushun am oberen Schaho verbindet. Dies und andere Anzeichen der Tätigkeit sowie das Zusammenziehen der Streitkräfte weisen auf die Absicht hin, Kurokis rechte Flanke zu umgehen. Kuropatkin fährt fort, Verteidigimgswerke seine ganze Stellung entlang zu errichten und zu verstärken. Tokio. 20. Febr. 9ln§ dem Hauptquartier in der Mandschurei wird gemeldet: Tie Russen rücken vor. Eine Division gegenüber beni japanischen Zentrum nahm am 19. Februar nach dem linken Flügel Stellung. Ebenso ginaen sie von Tashan aus vor. Einige Abteilungen marschierten 15 Meilen in westlicher Richtung und machten bei Hangtchiataitzu, 1V4 Meile nordwestlich von Wanchiaku- ans zu Halt. Die Russen fahren fort, Teile der japanischen Linie zu bombardieren. Am Samstag enthielten sich die Japaner häufig der Erwiderung des Bombardements, welches oft vollkommen wirkungslos war und nur eine Verschwendung der Munition darstellte. Petersburg, 20. Febr. Generaladjutant Kuropat- fin meldet dem Kaiser unterm 18. Februar: Feindliche Artillerie beschoß am 16. Februar vom Dorfe Vandziavopu aus, welches eine halbe Werft südöstlich von Chantachenan am Hunho gegenüber Sandepu liegt, unsere Laufgräben bei Chantachenan, wurde jedoch durch Jnfanteriefeuer unsererseits zum Schweigen gebracht. Zwei russische Offiziere wurden verwundet. — Untern: 19. Februar meldet Kuropatkin: Gegen eine Abteilung, welche am Passe fünfzehn Werst südöstlich von Tsinkhechen steht, eröffneten die Japaner ein Artillerieseuer aus vier Geschützen. Weitere Meldungen sind nicht eingelanfen. London, 20. Febr. Russische Streitkräfte find aus chinesisches Gebiet übergetreten. Diese Streitkräste bestehen aus 15 000 Mann Infanterie, 500 Kosaken und 64 Geschützen. Der Uebertritt erfolgte in der Nähe von Sinminting. Die chinesischen Behörden verlangten die Zurückziehung der russischen Truppen. Doch wurde diese Aufforderung von den Russen vollständig ignoriert. Beschlagnahme englischer Dampfer durch Japan. Tokio, 20. Febr. Der britische Dampfer „Pvwberham", mit einer Kohlenladung nach Wladiwostok unterwegs, wurde am letzten Sonntag von den Japanern weggenommen. Tokio, 20. Febr. Der englische Dampfer „Silviana", mit Kohlen nach Wladiwostok, wurde beschlagnahmt. General Gripenberg stellt die Meldungen über ein Interview eines Moskauer Berichterstatters der „Rowoje Wremja" mit ihm dahin richtig, daß der Vormarsch der zweiten Mandschureiarmee auf den Befehl Kuropatkins nicht zum Zwecke einer verstärkten Rekognoszierung erfolgte. Der Rü ckzu g sei ebenfalls auf den Befehl des Oberkonimandierenden angetreten worden. Gerüchte, die Hauptverluste seien gerade auf dein Rückzüge erlitten worden, seien ebenfalls'unbegründet. Die Verluste der Japaner bei ihren erfolglosen Versuchen, die russischen Stellungen zu nehmen, seien so groß gewesen, daß sie an eine Verfolgung nicht dachten. Das dritte russische Geschwader paffierte am Montag nachmittag die dänische Insel Somsö in nördlicher Richtung, Ein russisches Panzerschiffs von einem russischen Bugsierdampfer begleitet, passierte ebenfalls nordwärts fahrend die Nordspitze Langelands. Zriedmskl'änge. Die Wiener „N. Fr. Pr." veröffentlicht ein Interview mit dem auf Urlaub m Wien weilenden österreichischungarischen Botschafter in Washington, Hengelmüller von Hengevor, in dem u. a. die Frage erörtert wird, ob Amerika etwas zu Gunsten eines baldigen Friedensschlusses in Ostasien tun würde. Roosevelt, so erklärte der Botschafter, gebe hinlänglich zu erkennen, wie gern er zur Wiederherstellung des Friedens in Ostasien etwas beitragen würde. Die amerikanische Regierung sei sich ober bewußt, daß jede Intervention aussichtslos sei, die nicht von vornherein den Beifall der beiden kriegführenden Mächte habe. Die Hnll-Kommifs'on hat in der vergangenen Woche mehrere geheime Sitzungen abgehalten. Wie die Agenee Havas meldet, glaubt mein, die Kommission werde dahin erkennen, R os h e stwenski habe sich in Gefahr glauben können. Sein Verhalten könne deshalb nicht als tadelnswert erkannt werden. Von der von Rußland übernommenen Verpflichtung tetr, die Zahlung von Entschädigungen werde die Kommission Akt nehmen. Freiherr v. Spann werde die Schlußfolgerungen ausarbeiten und diese Ende dieser Woche der Kommission unterbreiten. Die Schlußfolgerungen würden der englischen und der russischen Regierung amtlich mitgeteilt werden. In der nächsten Woche werde dann die Kommission zu einer öffentlichen Sitzung zu- sammentreten, in der die Verlesung der Schlußfolgerungen vorgenommen werden solle. VMMe Tagesschau. Zu der Ankündigung der neuen Flottenvorlage schreibt die „Köln. Volksztg.", das rheinische Zentrumsblatt:» „Um die Kosten haben sim die Flotte nagitatoren niemals den Kopf zerbrochen. Wenn der Reichstag vor fünf Jahren sich auf die Flottenvorlage nicht cinlassen wollte, so lange nicht für die Deckung der Mehrkosten gesorgt sei, so.wird er es diesmal schwerlich anders halten, vorausgesetzt, daß er überhaupt auf die Vorlage einginge. Einstweilen hat man aber auch genug mit b er Beschaffung her Kosten zu tun, die die neue Militärvorlage verursachen wird. T.:s Zentrum hat bekanntlich erklärt, sich ohne Lösung b?r Teckungsfrage aus nichts einlasfen zu kömien. Ter Reicksschatzsekretär aber sagte vor ein paar Tagen noch in der Budgctkommission, über Stenerpläne könne er nock garnichts mitteilen, da man erst' die Wirkung der Handelsverträge abwarten müsse. Tas wird schon der Militärvorlage Sckwicrigkeiten bereiten, geschweige denn der kommenden Flottenvorlage." deutsches Reich. Berlin, 20. Febr. An der gestrigen Farnitien-Früh- stückstafel beim Kaiserpaare nahm Prinz Friedrich Leopold, der aus St. Petersburg zurückkehrte, teil. Am nachmittag empfing der Kaiser auf Bahnhof Friedrichstraße die Prinzessin Viktoria von Battenberg und verweilte mit der Prinzessin und den Für stlich -Erba ch'schen Herrschaften bis zu deren Abfahrt um 7 Uhr 12 Min. im Fürstenzimmer. Später besuchte Se. Majestät den Reichskanzler. Zur Abendtafel war der Kronprinz geladen, der ans Italien zurückgekehrt ist. Heute sprach der Kaiser beim Reichskanzler vor, empfing die ständigen Sekretäre der Akademie der Wissenschaften, Professoren Dr. Walbeyer, Dr. Auwers, Dr. Diels und Dr. Vabten, und hörte dann den Vortrag des Chefs des Zivilkabinetts Dr. v. Lucanus. — Der F ü rst von Bulgarien nahm gestern an einem kleineren Diner bei dem R eichskauzlerpa ar teil und reifte heute nach Mentone. — Gestern abend verstarb Generalmajor z. D. v. Charus, in Cbarlottenburg wohnhaft, zuletzt Kommandeur des Truppenübungsplatzes Eljenborn. — Nachdem vom Polizeipräsidenten von Berlin dem Grafen Puckler allgemein das Reden in Versammlungen verboten worden ist, hat, so meldet die „Fr. dtsch. Pr.", die sogenannte P ü ckl er - Ve r ei n i g u n g beschlossen, in Zukunft die vorher a u s g ea r b e i t e t e n P ü ck l e r- Reden von stimmbegabten Leuten zum Vortrag bringen zu lassen. Eine Lokalkorrespondenz berichtet, „verschiedene Pückter-Jünglinge, denen es auf ein paar Monate Gefängnis nicht ankommt, haben sich erboten, die blutrünstigsten Brandreden nach dem Manuskripte des Grafen Pückler zu halten." — Nach der vom Dresdener Bibliothekar Peter Schmid: zufammengestellten „Deutschen Ehrentafel" sind für Ar- beiterwohlfahrt im Jahre 1904 wieder 72 803 021 Mk. gespendet worden. Seit 1898 sind auf diese Weise 435 434 369 Mk. zusammengeflossen. Im verflossenen Jahre war Preußen mit 453'4, Bayern mit 5, Sachfen mit 71 /2, Württemberg mit 2’/2, Baden mit 11/9, Hessen mit 1 % und Berlin mit 10 Millionen Mark vertreten. Das Gesamtergebnis der letzten vier Jahre beträgt 308 332 664 Mk., daS sind durchschnittlich im Jahre 77 Millionen Mark. Es sind seit 1900 täglich 211 000 Mk. zum Wohle der deutschen Arbeiter gespendet worden. Dresden, 20. Febr. Zur Beratung der M o n t i g n o) o» Affäre fand heute mittag eine Sitzung des Gesamtmini st eriu m s unter dem Vorsitz des Königs statt. Es verlautet, daß über die Verhandlungen eine offizielle Erklärung erfolgen wird. Gotha, 20. Febr. Der Präsident des Landtages, Liebetreu, veröffentlicht eine Erwiderung auf die Erklärung des Staatsministers z. D. v. Strenge. Er führt aus, daß Strenge als Staatsdiener gegen die Grundsätze des Rechtes und der Beamtendisziplin verstieß, indem er gegen den Witten des Regenten dem Herzog Karl Eduard seinen Rat in der Domänenangelegenheit erteilte. Liebetreu deutet an, daß Strenge den Interessen auswärtiger Agenten diene. ^artamentarischcs. Berlin, 20. Febr. InNeichstag brachte Dr. Müller'- Al e i n i n q e n zwei Resolutionen ein. Tie erste ersucht den Reichskanzler, eine eingehende Untersuchung zu oeranftalten über das Bestehen uub den Umfang der Mißstände, welche durch Bestechung von Angestellten durch Lieferanten Unguuslen der Arbeitgeber im gewerblichen Leben herbeigeführt iverben. Lei dieser Untersuchung solleii in erster Linie die Ange- stellten selbst und ihre Vertretungen guiachtlich vernommen werden. Tie zweite Resolution ersucht die Verbülideten Regierungen baldigst für eine einheitliche Regelung des Verkehrs m i t Automobilen auf öffentlichen Straßen, Plätzen und Wegen m Deutschland zu sorgen. Kcer und K alle. — Major von Rathenow, persönlicher dl o j u t a n t de^ Prinzen Friedrich Leopold, ist zur Begleitung des mit Zustimmung des Kaisers oder Reußen behufs Beiwohnung an dem russisch-japanischen Kriege zur russischen Armee entsandten Generals der Kavallerie, Prinzen Friedrich Leopold, k o m a n d i e r t. Washington, 20. Febr. Das Revrüsentantenhaus beschloß, die Ansätze für zwei n e u e S ch l a ch t s ch i s f e im Marinebudgel zu genehmigen. — De r Zweikampf n n b bas O f f i z i e r ko r v s. .Im neuesten Beiheft bes Militänvochenblattes teilt ein östrcich'ischer Offizier, Graf Gustav Wrangel, Militärische Rciseeinbrücke aus Sckweben mit. Hier lesen wir (S. 85) folgcnbe bemerkenswerte Sätze: Der sckon hervorgehobene, so anßerorbentlich nette und kamerabschaftlicke Ton, ber innerhalb des schwedischen Offizierkorps herrscht, widerlegt im gewissen Sinne die Anschauung, baß ein Ab schassen de s Duells eineVerrohnngder Umgangs formen naca sich ziehen müßte. Das Verbot gegen den Zweikampf ist nämlick in Schweden so streng, daß cm Offizier, der cs übertritt, unbedingt entlassen würde. Als ich im Laufe einer Debatte mit einigen schwedischen Offizieren über dieses Thema äußerte, es seien doch aber Fälle möglich, in denen der Ofsiziersstand das Duell nickt entbehren könne, antwortete einer der Herren: solche Vorkomnrnisse sind bei uns undenkbar. Kolonialpost. Rach der „lliordd. Allg. Ztg." haben, wie das Kommando bet Schutztruppe in Südwestaf'rika mitteilt, die meisten ber zur Ver- wendüng als Kriegshunbe zur Verfügung gestellten Hunbe leider nicht den erhofften, Nutzen gezeitigt, sodaß nunmehr bis auf weiteres von ber Heraussenbung von Hunden Abstand genommen wird. Brüssel, 20. Febr. Der Agent Simyns wurde wegen grausamer Behandlung von Eingeborenen z u m To d e v er ur t c i l t. Vier Agenten der Abirgesetlschaft wurden aus demselben Anlässe schwer bestraft. Ebenso wurden die Offiziere Alassart und Renger aus Veranlassung der Untersuchungskonnsion unter Anklage gestellt. Paris, 20. Febr. Petit Parisienne bringt folgende Schild derungen zu den G r a u s a m f e i t c n t m St o n g o g e b i e t: Fälle von Erblindung in nassen Gefängnißqruben führen zur Köpfung der dadurch Betroffenen, da sie nicht zur Last fallen sollen. Das barbarische Polizeiverfahren, einem des Diebstahls verdächtigten Jndividium glühendes Eifeii vors Gesicht zu halten unb dabei seine Mienen zu studieren, führte wiederholt zu B l e n b u n g c u infolge hastiger Bewegungen ber Jnkul- vftten. Den zum Tode Verurteilten wird eine weiße Jacke angelegt, deren Kragen rot angestrichen ist und auf den Hals abfärbt. Der Delinguent kann im Spiegel die kritische Linie sehen. Eine Hauptursache der Aufstande ist die Verpachtung der Steuererhebung an berüchtigt grausame Personen, welche keine Quittungen geben, sodaß dieStener drei und viermal eingetriebei: wird. Ausland. Christia nia, 20. Febr. Die hiesigen Arbeitslosem veranstalteten heute vormittag einen llmziig,, dessen Teilnehmer schließlich aus 3000 anwuchsen. Der Kronprinz empfing eine Abordnung der Arbeitslosen und versicherte sie des Königs nnd seiner wärnisien Anteilnahme an ihrer Lage. Er werde mit der Regierting erwägen, was seitens des Staates im Interesse der Arbeitslosen geschehen könne. Paris, 20. Febr. (Kammer.) Bei der Beratung des Marinebudgets fragt Chanzet (Rad. Republ) den Marineminifier, welche Maßregeln er zur Verstärkung der französischen Marine zu ergreifen gedenkt. Die Ausführung des Programms von 1900 sei zwei Jahre rückständig, sie werde int Jahre 1908 beendet sein. Trotz der Anstrengungen Deutschlands und Italiens werde Amerika im Jahre 1908 noch die zweite Seemacht sein. Alan müsse auch daran denken, daß wirtschaftliche Schwierigkeiten Japan nach Jndochina drängen könnten und daß Jndochina in den Stand gesetzt werden müsse, sich verteidigen zu können. Telephonischer Kursberichti 90/0 Mexikaner Tendenz: fest. Fig®. Dreimal täglich x|4 Ltr Ochsen Kälber Schweine . 102.30 . 91.60 . 102.45 . 91.60 . 100.65 . 99.70 . 102.20 101.10 . 100.40 . 105.50 . 67.95 . 68.00 132.00 52.40 4 aus andere Weise nicht genügt werden kann. Liegen diese Voraus-, setzungen nicht vor, so ist kein Beamter berechtigt, Reisende in eine, böHere Wagenllasse zu plazieren.' Ans Stadt und Kand. Gießen, den 21. Februar 1905. ** Personalien. Durch Entschließung des Ministe- trumS des Innern wurde der Gerichtsakzessist Dr. Ernst Schmitt in Groß-Gerau zum Regierungsassessor ernannt. Lü. Dem Assistenten am chemischen Laboratorium der Landesuniversität Dr. phil. Karl Th omae aus Wiesbaden wurde die venia legendi für das Fach der Chemie erteilt. •’ Besitzwechsel. Da§ weit und breit bekannte Gasthaus „Zum'Jagdschlößchen" in Dutenhofen ist durch Kauf an Herrn Michael Weber von Ehrenbreitstein, einen alten Bekannten des verstorbenen Besitzers, übergegangen. Der neue Besitzer gedenkt die Wirtschaft in der seitherigen Weise fortzuführen. •• Die Theater- und Saalbaufrage soll in der /tm nächsten Donnerstag vom Bürgerverein einberufenen öffentlichen Versammlung besprochen werden. Der Bürgerverein will als solcher mit diesem Abend in keiner Richtung Partei ergreifen oder Stellung nehmen, sondern nur der Bürgerschaft Gelegenheit geben zur Aussprache über eine städtische Angelegenheit, die ihrer Natur nach vor die Oeffentlichkeit gehört. Denn selbst abgesehen von ihrer .großen Bedeutung haben doch zum mindesten die bisherigen und zukünftigen Zeichner von Beiträgen ein Recht auf tieferen Einblick in die Bedingungen des geplanten Unternehmens in den verschiedenen denkbaren Formen seiner Ausführung. Der Abend soll eingelcitet werden durch ein oder zwei kurze Referate, die sachlich und unparteisch über Entwickelung und gegenwärtigen Stand der Frage unterrichten. Im Anschlüsse daran soll ja ein ausgesprochener Freund des Saalbaues und des Theaters um Darlegung seiner Auffassung gebeten werden. Den Schluß würde die freie Aussprache bilden. Wenn der Bürgerverein selbst in dieser seiner ersten Veranstaltung unparteiisch „programmlos* bleibt, so will er doch dadurch seiner Aufgabe dienen, daß er bei der Erörterung dieser städtischen Angelegenheit unter Hintenansetzung privater Wünsche den Blick der Bürgerschaft zuoberst auf das Wohl der Stadt zu richten sucht, kommunalpolitische Dinge unter kommunalpolitischem Gesichtspunkt zu betrachten anleitet. In dieser sozialerzieherischen Aufgabe erblickt er ein ausreichendes Reichsanleihe do. Konsole do . . Hessen Oberhessen heiße Milch mit 5—6 Pastillen, sogen. Fay's echte eobener Mineralpastillen, dann ausgelöst in kleinen schlucken genommen, mirfeii äußerst günstig auf einen qualvollen pulten, und Heiserkeit. Die Schleimabsonderung ryirb ungemein gefördert und dadurch freieres Atmen und Allgemembesmden begünstigt. Aus Magen und Darm üben die Pastillen einen wohltuenden Einfluß aus. Bei Jnfluen-a-Epwennen von vorzüglicher Wirkung. Für 85 Pfg. überall zu haben, hv1/. dacmmg zum Lcyutz des PuvlMrm's gegen nas nercnrmnntttöe» Regen- und Tau wasser anbringen möge. Es ist aber nichts ge»; sckehen. Der Passant muß sich nach wie vor gefallen lassen,, seine Kleider oder den Schirm durch das mit Staub, häufig. aber, auch mit Oelteilchen vermengte Tropfwasser verunreinigt zu sehen.' Warum wird dem berechtigten Wunsche der Bürgerschaft. nichts Rechnung getragen? Bei dem Mein-Lindener Viadukt ist eine' Schuvverdachung angebracht, und man sollte meinen, was auf! einer Chaussee außerhalb der Stadt für notwendig erachtet wurde, das müsse in erheblicherem Maße in der Stadt selbst am Platze' sein. Hoffentlich genügen diese Zeiten, um endlich eine Be-^ seitigung des Mißstandes herbeizuführen. Einer, der beim Passieren des Viadukts schon öfter aus dem Regen in die Traufe aekonimen ist Gin gesandt. fftür heu Inhalt der unter dreier Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung., Bei der Höherlegung der Träger der Eisen bah n ü b e r- fübrung in der Lu dwigstr.atze war der Wmpch auSgc sprachen worden, daß man bei Meier Gelegenheit auch eine Ver- Litterarisches. ** Ein Prospekt für den „Tag" liegt der heutigen NrnNmer des „Gieß. Anz." bei. Er zeigt, welche Leistungen der ^Tan" im Jllustuationsdruck auf der Rotationsmaschine erzielt. Solche Leistungen werden kaum von den großen illustrierten Zeitschriften erreicht. Zur Bestellung eines halbmonatlichen Probeabonnements dient die dem Prospekt beigefügte Bestellkarte. Vom Kriege. , Kon hon, 21. Febr. Die „Moming Post" meldet .aus Schanghai: Tie Japaner erwarten in Niutschwang erneu) Angriff der Russen und errichten rasch Verteidigungswerke. Paris, 21. Febr. Nach einer Meldung her Agence fonnation aus Petersburg verlautet dort gerüchtweise, daß Generap Grodekow zum Ober kommandierenden der manch chur sichen Ar-, mee an stelle Kuropatkins ernannt werden wll. Roftychest-- wenski soll zum Oberstkommandierenden her rupischen .Jcaiuuy streitkräfte in Ostasien ernannt sein. veV^niichtes. * Denkmalschändungen in Weimar und K öIn. Ein unerhörtes Bubenstück wird aus Weimar gemeldet, ^.as un vorigen Jahr in Weimar enthüllte Shakespeare-Denkmal ist nächtlicherweile durch eine schwarze, ätzende Saure ruiniert worden. Auf Ergreifung des.Täters wurde eine Belohnung von 200 Mark ausgesetzt. Eine zweite derartige Freveltat wird aus Köln gemeldet. Am Südportale des Kölner Doms wurden von den Sockeln her Statuen mehrere Ornamente von ftevelhafter Hand abgeschlagen. * (Sin fürchterliches Grubenunglück. Aus Birmingham (Alabama) kommt folgende Meldung: In den Vir- ginia-Gniben, (Eigentum der Alabama-Steel and Wire Company, fand eine Expl 0 sio n statt, durch die 107 Personen ihr Leben eingebüßt haben sollen; viele andere sollen noch verschüttet sein. m , * Ein Mord wird gemeldet: In dem Paris benachbarten Orte Asnierös wurde ein gräßlicher Mord entdeckt. Tie 80 Mrrge, seit langem schon int Orte ansässige Rentnerswitwe Lebe! wurde von ihrer Wartefrau in ihrem Blute schwimmend tot auf- gefunden. Der Kopf wies zahlreiche Messerstiche auf, der ganze Körper war mit Wunden bedeckt, und der Unterleib durchs zwei Schnitte, die mit großer Gewalt geführt sein müßen, vollständig geöffnet. Da die Wartefrau ihre Herrin erst gegen 2 Uhr verlassen hatte, kann der Mord nur kurze Zeit vor 1 einer Entdeckung begangen worden sein. Tie im Zimmer befindliche Kommode ist zwar durchwühlt, die 600 Fr. in barem Gelde, die ]ie enthielt, sind jedoch nicht entwendet worden. Jii Polizeckrepen ist man deshalb der Ansicht, daß die Tat von einem Jrrftmugen beagngen wurde. Nähere Anhaltspunkte fehlen noch. K l e i n e T a ge s ch r 0 n i k. In S a r 0 nn 0 in der Lombardei erschoß sich aus gekränktem Ehrgeiz der Buchhalter der Firnta Tarley 11. Eie., Heinrich Oechsle aus Neu-Ulm. — In dem französischen Ort Burbures bei Bethune (Pas de Calais) explodierte in der letzten Nacht vor einer Wem- wirtschast eine Spreugkartusche. Es wurden einige. Fenster zertrümmert. Tier Urheber des Anschlages, ein Minenarbeiter, wurde verhaftet. Er gibt an. er habe die Tat aus Racke verübt. Der 5kamps' Sport. Concours hippique in Franksurt a. M. Auch in diesem Jahr veranstaltete der Frankfurter Renn-Klub ein zweitägiges Preisreiten und Preisspringen in der „landwirtschaftlichen Halle im Osten der Stadt. Prinz und Prinzeffin Friedrich Karl von Hessen, die in den Jahren vorher zu den ständigen Besuchern der Preisreiten gehörten, blieben wegen der plötzlich durchs den Tod des Großfürsten Sergius eingetretenen Trauer der Veranstaltung fern "Am ersten Tage stand im Mittelpunkt des Interesses die Kais-erpreis - Jagd - S pr in g-Kon kurr enz für die her Kaiser zum ersten Male einen Ehrenpreis gestiftet hatte, und die nur für Pferde offen war, die sich im Besitze von aktiven Offizieren befanden 1111h 1904 zweimal unter dem Besitzer xm Zagdfeld gegangen waren. Gegen 33 Konkurrenten errang Oblt. ftrfer v Bellersheim aut „Verlegenheit" den ersten Preis. Ter ’ zweite Tag wies einen sehr guten Besuch auf. Dre Starre her Beteiligung an den einzelnen Konkurrenzen litt am zweiten Taa darunter, daß in den Stallungeii der landwirtschaftlichen Halle 23 P f e r d e aii I n f l u e n z a erkrankten. Teii Ehrenpreis des Großherzogs von Hessen in der Reftkon- kurrenz errang illme r < ^Programm" im besseren Sinne. ** Evangelischer Bund. Am Sonntag feierte der hiesige Zweigverein des evangelischen Bundes seinen zweiten! FamiliLnabend im Neuen Saalbau. Der Vorsitzende konstituierte zunächst eine Generalversammlung iunb gab Rechenschaft über Mitglied erzähl und finanzielle Lage, die beide günstiger geworden sind. 'Die Darbietungen des Mends wurden, so schreibt man nUs, eingel'eitet durch, zwei Ehöre des Maschinenbauer-Gesangvereins unter der Leitung seines Dirigenten Gernhardt, die vortrefflich die Stimmung für den folgenden Vortrag zu wecken wußten. Pfarrer Strobel-Frankfurt a. M.-Bockenheim sprach daun über „Paul Gerhardt, die Frühlingslerche auf dem Saatfelde der Reformation." War Luther die Wittenberger Nachtigall, so könne man Paul Gerhardt die Frühlingslerche auf dem Saatfelde der Reformation nennen, lieber all war her Same der Reformation aus- gestreut worden, aber die junge Saat mußte die Unbill des 30jährigen Krieges ertragen. Das evangelische Kirchenlied hat diese Stürme überdauert, und das war besonders das Verdienst von Paul Gerhardt. 1607 in Gräfenhainichen in Sachsen geboren, besuchte er später die Schule in Grimma, dann die Universität Wittenberg. In den unruhigen Kriegszeiten wird er mit 36 Jahren Hauslehrer in Berlin. Hier verlobt er jich miit der Tochter des Hauses, doch muß er noch 9 Jahre warten, bis er sie heim führen kann. Endlich, 1652, wird er Pfarrer in Mittenwalde, bis ihn ein ehrenvoller Ruf an die Nikolai-Kirche in Berlin erreichte. Doch zwang ihn schon 1667 ein Konflikt mit dem reformierten großen Kurfürsten, sein Amt niederzulegen, um als guter Lutheraner sein Gewissen nicht zu vergewaltigen. Froh und fröhlich ergriff er den Wanderstab, kommt 1669 nach Lübben, wo er 70jährig tun 7. Juni 1676 stirbt, nachdem ihm schon seine treue Frau und alle Kinder bis auf eines in den Tod vorangegangen waren. Unzählig fast sind die Lieder, die wir dem Gottesmann verdanken; mit ihm beginnt der Subjektivismus auch im Kirchenlied, d. h. der Ausdruck des persönlichen Empfindens gegenüber den .Heilstaten Gottes. Der Redner führte die Versammlung hindurch durch all die reichen, kostbaren Schätze, die wir in Gerhardts Liedern besitzen; von Advent an („Wie soll ich Dich empfangen") begleiten wir ihn über Weihnachten („Ich steh an Deiner Krippe I)ier") bis nach Golgatha („O Welt, sieh hier dein Leben" und „O Haupt voll Blut und Wunden"). Die Beziehungen gerade dieses letzten Liedes zur Nwtthäuspajsion von Joh. Seb. Bach sind ja bekannt. Zu diesen Liedern gesellen sich noch Oster- und Psingstlieder, aber weniger geläufig. Und wie herrlich sind die Lieder, die Familie u.nd Haus und die Natur betreffen: das Morgenlied : „Wach auf. mein Herz und singe", das Abendlied: „Nun ruhen alle Wälder" (Schillers Lieblingslied). All- aemein bekannt sind weiter der Preis der Ehre: „Wie schön ist's doch, Herr Jesus Ehrist^, oder die Lieder: „Geh aus mein Herz und suche Freud", und „Die güldne Sonne voll Freud U.nd Wonne" usw. In Zeiten der^ allergrößten persönlichen Not aber sang P. G. sein wundersames „Befiehl Du Deine Wege". — Reicher Beifall lohnte den Redner. Darauf erfreute Frau Pros. Rahn die Versammlung durch den vollendeten Gesang einiger Lieder und erwarb sich durch ihre Kunst den herzlichen Tank aller Anwesenden. Nachdem auch der Maschinenbauer-Gesangverein durch den Vortrag einiger Volkslieder und besonders einer reizenden Komposition seines Dirigenten: „Im Buseckerta'l" betitelt, noch einmal schöne Proben seines Könnens abgelegt hatte, konnte der Vorsitzende den woblgelungeneu Abend mit einigen Worten des Dankes schließen. r Mainz, 20. Febr. Im hiesigen Hafen sind in her verflossenen Nacht zwei Matrosen, die gemeinsam ihre Schiffe aufsuchten, ins Wasser gestürzt; beide sind ertrunken. Obwohl man ihren Sturz in das Wasser wahrnahm und alsbald Rettungsversuche machte, war eine Bergung nicht mehr möglich. Heute morgen wurden die Leichen geländet. — Zu der am 9. Mai stattfindenden Schillerfeier ist jetzt das Pro» grannn zusamniengestellt. An der Ovation vor dem Schlller- denkmal werden sich 20 Gesangvereine beteiligen, die sich auch am Vorabend dem Fackelzuge anschließen. Bei der akademischen Feier in her „Stadthalle" wird der Stadtverordnete Juftizrat Dr. Horch die Festrede halten. Die Leitung des umsikalischen Teiles bei der Feier hat Hofrat Steinbach übernommen, der bereits jetzt Proben abhält. Brotpreise in Gießen Weißbrot 2 Sxg. 52 Plg. ecbivarzbrot 2 Kg. 48Pßi. Neueste Meldungen. R. B. Darmstadt, 21. Febr. Die zweite Kammer begamt1) heute unter dem Vorsitz des Vizepräsidenten Tr. Schmitt die,' Beratung des I u st i z e t a t s. Eine längere Debatte entspann sich nur bei Kapitel „Oberlandesgerichtsrät e", bei welcheml der Ausschuß die von der Regierung g forderten zwei neuen?' Oberlandesgerick-Lsratsstellen wieder zu streichen beantragt Ter Justizminister trat m längeren Ausführungen für die Bewilligung > dieser Forderungen ein, während Abg. Dr. Gutfleif ch die» Zwecklosigkeit dieser Forderung darlegte. Nachdem Abg. Tr. B u ff! für die Bewilligung der Regierungsforderung eingetreten warZ. vertagte sich das Haus um Vs2 Uhr auf morgen früh 9 Uhr. 1 Berlin, 21. Febr. Ueber die Ausnahme der Nachricht' von dem Bomben-Attentat auf den Großfürsten Sergius durch den Zaren erzählte Prinz Friedrich Leopold, daß! er sofort nach Bekanntwerden des Attentats dem Zaren durchs einen Adjutanten fein Beileid aussprechen ließ und von dev>, an ihn ergangenen Einladung zur Familientafel Abstand nehmen wollte. Der Zar ließ dem Prinzen daraufhin sagen, er bitte ihn, trotz des Trauerfalles zu erscheinen. An der Tafel nahmen der Zar und die Zarin-Mutter teiL’ während die Zarin nicht anwesend war. Gegenüber.^ der Bestürzung, die sich der Offiziere des Hofes bemäch-j tigt hatte, war der Zar auffallend ruhig. , Er! war sehr ernst und machte aus feinem Schmerz keinen j Hehl, unterrichtet sich aber wie sonst eingehend über! jede der zahlreichen Tagessragen. Die Tafel rourhej nicht eine Minute früher als vorgesehen, das heißt zu, der für die Abreise des Prinzen bestimmten Zeit mifgehoben.> Paris, 21. Febr. Aus Petersburg wird gemeldet: Ein Mgesandter des Generals Smirnow sei in Petersburgs eingetroffen. ^Derselbe überbrachte dem Zaren einen ^Brief des Generals, welcher heftige An kl aaen ge gen Stö sseL, erhebt. General Smirnow versichert darin, Port Ar t b.urS hätte ganz- gut sich noch einen Monat, vielleicht! gar noch 6 Wochen halten und den Japanern .noch(> große Verluste verursachen können, ferner, daß der Kriegs-" rat einstimmig beschlossen hätte, den Widerstand fortzw-! setzen, daß aber Stössel durch den Told des Generals Kow-> dratenko einen altzn ernsten Verlust erlitten hatte unty infolgedessen hei Uebergabe der Festung verfügte. Petersburg, 21. Febr. Die Zarin ist nicht, wie im Auslande behauptet wird, erkrankt, doch hat die surcht-i bare Katastrophe in Moskau sie sehr ergriffen. Da sie selbst den kleinen Thronfolger stillt, trat infolge der Aufregung der letzten Tage eine leichte Störung in der Gesundheit des Säuglings ein. Professor Korwin wurde nach Zarskoje Selo berufen, doch ist der Fall durchaus nicht ernst. Von den weiblichen Mitglieder des Zarenhauses ist noch niemand nach Moskau gereist. Petersburg, 21. Febr. Die Nachricht, daß der Zar nach Kopenhagen zu gehen gedenke, dürfte nicht richtig sein, denn es ist bekannt, daß er den Sommer^ über in Zarskoje Selo verbleiben und nicht nach Peterhof übersiedeln wird. Fleischpreise in Gießen Frankfurt a. M., 20. Febr. zwischen Metzgern und Viehhändlern hat nunmehr die der Innung nicht angehörigen Metzger bewogen, zu einer sie empfindlich berührenden Frage Stellung zu nehmen. In einer Versammlung, welche von diesen abgehalten wurde, besprach man die von den Händlern aufgehobene Währschaft für Tuberkulose. Rechtsanwalt Dr. Wurzmann erklärte, daß ein gesetzwidriges Verhalten des Viehhändlervereins in der Aufhebung der Währschaft nicht liege. Da aber die Befürchtung naheliege, daß durch die Aufhebung der Währschaft ungesundes Bieh auf den Markt komme, so könne der Magistrat immerhin einschreiten. Schließlich wurde beschloffen, den städtischen Behörden eine Resolution zu unterbreiten, in der ausgesprochen wird, die Versammlung der Frankfurter Metzgermeister sei der Lieber» zeugung, daß durch den Ausschluß der gesetzlichen Währschaft dem Bestreben, krankes Vieh auf den hiesigen Markt zu bringen, Vorschub geleistet werde. Sie beauftragt ihren Vorstand, den Magistrat als Eigentümer des Schlacht-und Viehhofs, sowie die Stadtverordneten-Versammlung zu ersuchen, den Mitgliedern des Viehhändlervereins den Eintrieb von Vieh zum Verkauf an die hiesigen Metzger nur bann zu gestatten, wenn jener Beschluß aufgehoben wird. 4 Zimmer 956 3 Zimmer /Line reinliche Lauffrau gesucht. 010001_______Steinstr. 10II. Earl Wigandt. 954 verpachtet. Sonntags. 804 Feinster 771 faden etc. Erednerstraße 14p. 963 straße 54, parterre. 148 871 bei Emil Fischbach. 770 Für WkstMte & Bahnhofstraße 34. Off llcWdjicbcucs i;1 'oh!'» Mich etmLev MietKfüchk dem Sürgermeiftereibureou offen. Lollar, den 21. Februar 1905. Großherzogliche Bürgermeisterei Lollar. 5-ammerwotang (zweite Etage) per 1. April zu vermieten. Zu erfragen Göthe- zu vermieten. —- Nah. Fr. Krüger, Kl.-Linden, littraN öen 2t Fckm, nachmittags 2 Uhr, «ersteigere ich im Bieker'fchen Saale: 1 Sofa, 1 Stegtijch, 1 Vertikow, 1 Chaiselongue, 1 eich. Kommode, 1 nußb. Glasschrank, 1 Kleibers chrank, 1 Schreibtisch, 2 Plüschfeffel, 1 ov. Tisch, 1 ov. Spiegel, 1 Flaschenbierwageii, 4 Saulenwaagen, 10 Mille Zigarren, 1 Theke mit Marmor- platte, 18 Paar kalbl. Herrenschnürstiefel, 1 gefchllff. Granat- eollier, 1 gold. Colliers, 5 Arm- bmrder u. a. m.; Naturreiner Bienenhonig ,u vermuten durch abzugeben. 0972 Marktplatz 21. Forstwart Lotz, Wieseck. I ----- H. 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