Kr. 197 Zweites Blatt. 155. Jahrgang Mittwoch 23 August 1905 Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags. Die „Siebener ZainlllenblStter" werden dem „Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der ^hefstsche Landwirt' erscheint monatlich einmal. . AA Ä -ler. Amtliche Nachrichten über Viehseuchen. Die Rotlauffeuche in Willershausen (Kreis Marburg) ist erloschen; die Gehöstsperre ist aufgehoben. Kolonialpoft. Kolouialarmee in Sicht? Im Generalstab wird, der „TäAl. Rundsch." zufolge, ein Gesetzentwurf über die Bildung eines besonderen Kalonial- heeres ausgearbeitet, der dem Reichstag möglichst noch- in dieser Tagung zugehen soll. Soweit ist es also mit den Kolonien gekommen, von denen Fiirst Bismarck sagte: „Mein Ziel dort ist der regierende Kaufmann!" Noch auf Jahre hinaus wird die Verwaltung der Schutzgebiete nach ganz anderen kaufmännischen ^Gesichtspunkten geleitet werden müssen. Die Sorgfalt, mit der jener Gesetzentwurf im Generalstabe vorbereitet wird, läßt darauf schließen, daß es stich bei der Bildung der Kolonialarmee nicht uml eine vorübergehende, sondern um eine dauernde Einrichtung handelt. Eine nicht gerade erfreuliche Errungenschaft nach zwei Jahrzehnten kolonialer Politik. Auch die „Köln. Ztg." meint, in unserem kleinen Kolonialgebiete herrschten ver- bältnismäßig mehr Aufstände, als in den weit größeren Englands und Frankreichs. Die Schuld liege also nicht nur bet den Eingeborenen, sondern auch in der deutschen Organisation. Jetzt will man anscheinend künftigen Unruhen vorbeugen durch Aufstellung emes Kolonialheeres. 52. Keneralv^rsammlung der Katholiken Deutschlands. IL H. ft. Straßb urg i. E., 21. Aug. Trotz cifrikanischer Hitze sind die weiten Räume der ftesthalle lange vor Beginn der Versammlung Kopf an Kopf gefüllt. Kurz nach 5 Uhr nachmittags erschienen Bischof Dr. Fritzen und Weihbischof Dr. Freiherr Zorn v. Bulach (Straßburg), Bischof Dr. B e n z l e r (Metz) unö Bischof Stang (Fall River, Amerika), von der Versammlung mit Hochrufen begrüßt. Alsdann eröffnete der Präsident, Erbprinz Alois zu Löwenstein, die Versammlung mit dem katholischen Gruß „Gelobt sei Jesus Christus". Der Präsident dankte danach den Bischöfen für ihr Erscheinen und führte aus: Das Tagen der Generalversammlung in der Hauptstadt Elsaß-Lothringens hat bereits den Erfolg gehabt, daß diese Generalversammlung zweifellos nicht die letzte in den Reichslairden sein wird. Ob die Gknt» ralversammlung für die Katholiken Elsaß-Lothringens politische bezw. parlamentarische Folgen haben wird, wollen wir nicht untersuchen. Wir sind als Fremde nicht befugt, den Elsaß- Lothringern einen Rat zu erteilen. Wir freuen uns, daß es uns geglückt ist, die Generalversammlung in dem schönen Straß- knirg avzuhalten und hoffen, daß unsere Verhandlungen zur Ehre Gottes und zum Wohl und Glück unseres teuren deutschen Vaterlandes dienen werden. Es tut uns nur leid, daß wir nicht früher eine Generalversammlung in Straßburg abgehalten haben. Es ist der Beschluß gefaßt, daß der neugewählte Präsident keine lange Rede halten solle, damit der Generalversammlung keine Zeit verloren geht. Ich muß mich diesem Beschluß fügen, obwohl ich noch so manches zu sagen hätte. Allem trotz alledem kann ich mich nicht entölten, auf die gefährdete aka- demischeFreihei t hinzuweisen. (Stürmischer Beifall.) Sett neuerer Zeit verwehrt man den akademisck>cn Bürgern den freien Zusammenschluß aus Grund ihrer religiösen Anschauungen. .Was jedem Bürger, jedem Bauer, jedem Hausknecht ohne werteres erlaubt ist, ist den freien akademischen Bürgern verwehrt. Den Vorwand, daß man dadurch die akademische Freiheit schützen wolle, werden Sie als Heuchelei, wenn nicht als bodenlose Dummheit bezeichnen: i-b enthalte mich darüber jeden Urteils. (Stürmisckx Heiterkeit und Beifall.) Diese Hetze ist eine Art Kulturkampf, er wird daher ebenso wie jeder andere Kulturkampf d. h. wie jeder Kampf gegen Gottes Kulltur, zum Schaden dn Hetzer aussallen. Die Hetze wird zu einer neuen Belebung und Kräftigung unserer kat^rlischen Kirche führen. Wir könnten uns daher nur über diese Hetze freuen, wenn nicht die Wissenschaft dadurch eine Schädigung erleiden würde. Deshalb müssen wir gegen diesen neuen Kulturkarnpf, gegen diese Beschränkung der akademischen Freiheit entschiedenen Protest einlegen. Den Studenten, die die Beschränkung der akademischen Freiheit fordern, nehmen wir das nicht übel, wir haben als Studenten alle einmal eine Dummheit begangen. Empörend ist es aber, wenn Hochschullehrer diese Hetze schüren und anstatt wissenschaftlich« Vorlesungen zu halten, Proteste abfaffen, die nicht einmal in gutem Deutsch stilisiert sind. Empörend ist es, wenn Hochschullehrer Studenten gegen Studenten hetzen. Hochschullehrer, die die Aufgabe haben, die Studenten zu charaktervollen Männern zu erziehen. Der Redner bemerkte im Weiteren daß Donifazius und Leo XIII. die Generalversammlung am Throne Gottes vertteten und für sie beten mögen. Dor Präsident schloß mit der Bitte an beit Bischof Dr. Fritzen, der Versammlung seinen Segen zu erteilen. Bischof Dr. Fritzen gab seiner Freude Ausdruck über die glänzende Versammlung, die in der Hauptstadt des Reichslandes tage und erteilte darauf, während die Anwesenden niederknieten, dieser in lateinischer Sprache seinen bischöflichen Segen. Abgeordneter LandgerichtSrat Gröber (Heilbronn) sprach danach über die Quellen und Segnungen deS religiösen Lebens: er erklärte dabei: Wir verlangen volle Freiheit für unsere religiöse Betättgung. Wir erklären die Beichte als eine göttliche Einrichtung. Wir verlangen aber auch volle Freiheit für unsere Orden und Kongregationen. Deshalb verlangen wir, daß die Jesuiten wieder nach Deutschland hineingelassen und die Damen vom Herzen Jesu in Deutschland wieder tätig sein dürfen. Prälat Professor Dr. Ehr Hard (Straßburg) sprach hierauf über die Bedeutung des Papsttums für Kultur und Religion. „ c , Der Präsident teilte mit, daß Begrüßungsdrahtungen em- gegangen seien von dem Reichstagspräsidenten Grafen Ballestrem, den Katholiken von Christiania und mehreren Arbeiter- Vereinen. Danach schloß der Präsident die erste öffentliche Versammlung. H. F. Straßburg i. E., 22 Aug. Heute wurde zunächst aus Anlaß der Generalversammlung der Katholiken Deutschlands die Generalversammlung des Volks- Vereins für das katholische Deutschland in deck Festhalle abgehalten. Der Vorsitzende, Fabrikbesitzer Fritz Brandts (M.-Gladbach) eröffnete die Versammlung. _ Reick>stagsabg. Rechtsanwalt Dr. Von bersche er («ötrav bürg) teilte mit, daß der Volksverein für das katholische Deutschland tiefe Wurzeln geschlagen habe, er zähle im Elsaß über 7000 Mitglieder. Generaldirektor Dr. Pieper (M.-Gladbach) erstattete alsdann den Jahresbericht. Der Volksverein zählte Ende Juni 1904 insgesamt 400 000, Ende Juni 1905 rund 470 000 Mitglieder. Insgesamt wurden 71/2 Millionen Druckschriften versandt. Der Volks-» verein ist die größte katholische soziale Vereinigung. Die Arbeiter können eine Verbesserung ihrer wirtschaftlichen Lage nur durch gewerkschaftlich «Organisation herbei- ftihren. Eine solche Organisation sei schon erforderlich, um ein Gegengewicht gegen die So-i n schaffen. Die katholischen Arbeiter seien befähigt, den sozialen Känipf siegreich durchzuführen, da sie getragen seien von dem Geiste des Christentums und die ©dritte des Kulturkampfes nicht vergeblich durchi gemacht hätten. , „ , t Inzwischen waren die Vorstandsmitglieder der Generalversammlung der Katholiken Deutschlands, an der Spitze der Präsident Erbprinz Alo is zu Löwenstein, erschienen. Der Vorsitzende, Fabrikbesitzer Brandts, begrüßte, die Vorstandsmitglieder und ersuchte den Abgeordneten, Justizrat Dr. Trimborn (Köln) den Vorsitz zu übernehmen. Abg. Landgerichtsrat Gröber (Heilbronn) führte aus: Der Zechenbesitzer, der seine Zeche still legen lasse und sage: MH kann mit meinem Besitztum machen, was ich will, hat vielleicht nicht die Pflicht hier auf Erden Jemandem Rechenschaft abzulegen, er wird aber dereinst vor dem höchsten Richter sich zu vercntt- worten haben. Indem wir für eine Besserung der Wirtschafts- ortmung kämpfen, kämpfen wir gleichzeitig für unser Christentum. Pflicht jedes katholischen Christen ist es, die Bestechungen des Volksvereins mit vollen Kräften zu unterstützen. Nicht nur durch Beiträge, sondern durch praktische Mitarbeit. Jeder mutz an seinem Teile dazu beitragen, daß der sozialpolitische Geist das ganze deutsche Volk durchdringt ylbt Tilly (Metz): Die wirtschaftspolitischen Verhältnisse haben sich derartig zugespitzt, daß der G e i ft l i che g e n ö t i g t sei, aus der Sa kr ist ei hinaus zugehen und ins öffentliche Leben zu treten. (Stürmischer Beifall.) Wir föwrom Alles vergessen, nur eins müssen wir festhalten, das ist die katholische Fahne. __ Der Vorsitzende, Abg. Justtzrat Dr. Trimborn, dankte darauf den Rednern und bemerkte: Die Generalversammlungen gestalten sich immer glänzender, dies ist der beste Beweis, daß im katholischen Volke noch der Geist der Zusammengehörigkeit und der wahren Religiösität lebt. Wir können mit Stolz aUsrufen: „O, welches Glück, katholischer Christ zu sein." Mit dem Katholizismus allein aber dürfen wir uns nicht begnügen. Wenn wir den sozialen Frieden erhalten wollen, dann müssen wir mit allen Kräften für Ausbreitung des Volksvereins wirken. Bei den R e i ch s t a g s w a h l e n im Juni 1903 haben drei Millionen Wähler ihr Wahlrecht nicht ausgeübt. Unter diesen waren zweifellos viele Katholiken. Eine solche Lässigkeit darf nicht wieder vorkommen. Wir Katholiken dürfen uns von den Sozialdemokraten nicht beschämen lassen. Während wir für unseren Staat arbeiten, arbeiten wir gleichzeitig für die Gesellschaft und unsere Kirche und umgekehrt. Staat, Gesellschaft und Kirche gehören zusammen. DeÄ>alb genügt es nicht, daß ein Katholik in die Kirche geht, er muß sich auch an der politischen und sozialen Bewegung beteiligen, er arbeitet damit gleichzeitig für seine Kirche. Mqemeine KarLenbau-Ausstcllung Darmstadt 1905. (Original-Artikel des Gießener Anzeigers.) Ausstellungen wie die obige haben im allgemeinen Len Zweck, durch Vorführung möglichst vieler und schöner Exemplare von Blumen, Nutzpflanzen und Obstsorten die Gärtner anzuregen zur Züchtung von neuen Sorten entweder in Bezug auf Farbe, Form oder Ertragsfähigkeit und Geschmack, beim Publikum hingegen die Kauflust zu erhöhen. Bei der großen Hamburger Ausstellung, die sich über Len ganzen Sommer erstreckte, stand ein so großes Anlagengebiet zur Verfügung, daß sich die einzelnen Ausstellungsgruppen im Freien zwanglos in den Anlagen verteilten. In der großen Ausstellungshalle war auch auf eine möglichst harmonische Gesamtwirkung bedacht genommen, z. B. im Frühling die Azaleenausstellung in der Farbe sehr fein zusammengestellt, geradezu berauschend in der Wirkung. In Darmstadt ist das künstlerische Moment ganz besonders betont wie noch nie vorher bei solchen Veranstaltungen. Die ursprüngliche Strenge, das Monumentale des Orangeriegartens sollten durch die Ausstellung nicht wesentlich einbüßen, die einzelnen Gruppen mußten deshalb in die verschiedenen rechtwinkeligen Abteilungen des Parkes so hineinkonstruiert werden, daß die Gesamtwirkung desselben erhalten blieb. Die Lösung dieser durch Hecken und Alleen begünstigten, sonst aber schwierigen Aufgabe ist Profeffor Olbrich durchaus gelungen. Durch das Parktor betritt man eine prächtige Lindenallee, die in ihrer ganzen Länge durch blau blühende Hortensien festlich geschmückt ist. Gradcaus blickt man ungehindert über die erste Terrasse hinweg auf die abschließende Reihe schöner Kastanienbäume der zweiten Terrasse. Beim Weiterschreiten sieht man zwischen den Lindenstämmen rechts etwas vertieft zwei kleine Ziergärten, links Laub- und Nadelhölzer. Am Ende der Allee befindet sich zur rechten das Orangeriehaus, jetzt Hauptausstellnngshalle, und gegenüber ein Laubengang, durch den man zu den Gärten von Henkel gelangt. Hinter diesen Komplexen überblicken wir im Fort- schttiten zunächst einen großen freien, quadratischen Platz, der beiderseits von großen Kastanienbäumen, gradeaus von einer kunstvoll gehaltenen Hecke eingesäumt ist. Ueber der Hecke erhebt sich ganz wenig die schöne Rasenfläche der ersten Terraffe, die seitlich und hinten wieder von alten, den Blick begrenzenden Bäumen eingerahmt wird. Aus den Ecken der Baumreihen leuchten einige Gartenhäuschen hervor. Daß der große, freie Platz zur Anlage von Teppichbeeten benutzt wurde, ergibt sich eigentlich von selbst. Längs des Hauses erstreckt sich ein ca. 30 Meter langer, recht- winkeliger Wasserpflanzenbehälter von Heinr. Henkel; ein gleich großer, von der Hofgärtnerei Rosenhöhe angelegter auf der anderen Seite liegt nicht frei, sondern in einem Glasgehäuse. Die Wirtschaftsbetriebe mit Mufiktempeln, sowie industrieller und gewerblicher Teil, Dahlienausstellung, Bindereien und andere Ausstellungshallen sind durch die Baumalleen vollständig verdeckt, so daß tatsächlich der Besucher die strenge symmetrische Anlage des Gartens ungestört auf sich wirken lassen kann. Die Musik wird aus den Laub- hallen, angenehm gedämpft, zu uns herübergetragen, wir sehen aber nicht die Kraftanstrengungen der Musiker und deS taktschlagenden Dirigenten. Wir tauchen in den einzelnen Ausstellungsabteilungen unter, wenn aber das Auge nach einiger Zeit vom Anschauen der vielen Ausstellungsobjekte in unmittelbarer Nähe ermüdet ist, wenden wir uns den Terraffen zu oder wandeln in den Alleen auf und ab, das Auge ruht wieder aus und erfreut sich bald an dieser, bald an jener schönen Anlage. Professor Olbrich hat sich mcht nur die allgemeine Anordnung angelegen sein lassen, er hat auch durch Schaffung von drei kleinen, auf der ersten Terraffe vertieft angelegten Gärten die Gebilde seiner reichen Phantasie in die Wirklichkeit übertragen können. Die Gärten liegen in einer Reihe neben einander; sie müssen vertieft liegen, weil sonst die Ruhe in der Gesamtwirkung deS Parkes gestört worden wäre und, — weil in der Abgeschlossenheit der einzelnen Gärtchen der Hauptreiz lieat, ja der ausgesprochene Charakter derselben die Abgeschiedenheit bedingt. Geht man vom Vorgarten aus über die Freitreppe auf die Terrasse, so sieht man vor sich die Rasenfläche wallartig ansteigen. Man zerbricht sich den Kopf darüber, was dahinter stecken könnte, umgeht die Um» wallung bis hinter den Springbrunnen und sieht abwechselnd sein gelbes, rotes und blaues Wunder. Die Oeffnungen im den Mauern, die die achteckigen Gürten umgeben, sind so angebracht, daß man von dem erwähnten Platze aus in aöe drei hineinsehen kann. Treten wir an den westlichen Garten iind betrachten uns das zierliche grünlich braun bronzierte Gitter und Eingangstor, in welches seitlich zwei Laternen mit buntem Glase eingelassen sind und daS von viereckigen Pfosten mit großen Kugeln aus rotem Sandstein flankiert ist. Uns gegenüber lehnt sich an die Mauer ein Gartenhäuschen mit gelbem Strohdach. Die runden Säulen zwischen Tür und Gitterfenstern, ebenso der Tragebalken über denselben sind vergoldet, alle übrigen Holzteile bräunlich gelb. Die Mauern sind mit Kletterpflanzen überzogen, aus denen hier und da ein getöntes Relief hervorlugt, die Wege mit bräunlich gelbem Kies bestreut und die Beete über und über mit goldgelben Blumen besetzt. Nur gleich am Eingang tragen zwei rote Sandsteinwasen auf ebensolchen Postamenten blaublühende Hortensien. Das Gärtchen ist wunderbar auf Gelb abgestimmt und wirkt mit der grünen Wand von Kastanienbäumen dahinter überaus reizvoll. Wir schwelgen in diesem Farbenakkord und verträumen uns ganz. Endlich reißen wir unS los, werfen noch schnell durch das Oval des seitlich angebrachten Laubbogens einen letzten Blick hinein und wenden uns bann dem mittleren Bärenzwinger zu. Beinahe so wirkt die Anlage bei oberflächlicher Betrachtung von weitem, beim Nähertreten fesselt uns aber auch hier die zierliche, bronzierte Pforte, über deren Mitte eine entzückende Ampel an bogenförmig geschwungener Stange hangt und die zur Feier der Eröffnung sogar ihr Licht leuchten ließ. Ein ganz anderer Effekt, denn von solchem kann mau hier sprechen. Inmitten der Anlage ein langgestrecktes, rechteckiges Wasserbecken, weiß gefaßt, umgeben von Wegen, die mit weißem Kies bestreut sind. Das Becken ist innen blau gestrichen, so daß die Wasserfläche intensiv blau erscheint. Die beiderseits sich halbkreisförmig anschließenden Beete sind ganz bedeckt mit blauroten Monatsrosen. Die überragenden Hochstämme blühen leider noch nicht oder nicht mehr, jeden- Win wollen deshalb unsere Beratungen schließen, indem hnt auf die beiden Autoritäten, die vollständig zusammengehören, wie Seil» und Seele, ein Hoch ausbringcn. Wir wollen unserem Dank Ausdruck verleihen, indem wir in den Ruf einstimmen: Se. Heiligkeit Da pst Pius X. und Se. Maiestät, unser allergnädigster Kaiser, König und Herr, Wilhelm II. leben hoch! Die Versammelten stimmten in dieses .Hoch ein. Danach schloß Justizrat Dr. Trimborn die Generalversammlung des Lolksvereins. Zu gleicher Zeit tagte im „Sängerhause eine g e- schlossene Versammlung d e r K a t h o l i k en De u t s m- lands. Es wurden Beschlüsse gefaßt: Der Bonifaviusverein und alle ähnlichen Vereine, die die Beseitigung der Simultan- Kirchen nsw. bezwecken, durch Gebet und Almosen zu unterstützen, die Missionsvereinigung katholischer Frauen- und Jungfrauenvereine tatkräftigst zu fördern, die Missionshäuser der in Deutschland zugelassencn Missions-Gesellschasten zu unterstützen. Ferner wurde die bereits auf der vorjährigen Generalversammlung in Regensburg ausgesprochene Empfehlung der Sodalität vom hl. Petrus Claver für die afrikanischen Missionen erneuert. Weiter wurde beschlossen: I. „Die 52. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands sicht in den sich mehrenden Kämpfen zwischen gewerblichen Arbeitern und Arbeitgebern eine sowohl für die Nächstbeteiligten und das gesamte Wirtschaftsleben schädliche, als auch den sozialen Frieden fortwährend gefährdende Entwicklung. Es ist daher eine wichtige Aufgabe der Sozialpolitik, Mittel und Wege zu suchen, welche unter Wahrung des freien Koalitionsrechtes und der Gleichberechtigung von Arbeiter und Arbeitgeber geeignet sind, dem Ausbruch solcher Differenzen vorzubcugen und das Arbeitsverhältnis im Geiste der sozialen Gerechtigkeit und Versöhnung zu regeln. Zu diesem Zwecke sind zu erstreben: 1. Errichtung von paritätischen A r b c i t s k a m m e r n, die als Einigungsämter und Schiedsgerichte fungieren und vor der Proklamierung von Streiks und Aussperrungen von den streitenden Parteien anzurufen sind. 2. Der Abschluß von kollektiven A r b e i t s v e r t r ä g e n (Tarifverträgen), in denen die Lohn- und Arbeitsbedingungen durch Vereinbarungen zwischen den Organisationen der Arbeiter und Arbeitgeber aus längere Tauer möglichst einheitlich geregelt werden. Die stetig wachsende Zahl von Tarifverträgen beweist, daß dieselben int wohlverstandenen Interesse von Arbeitern und Arbeitgebern liegen." II. „Die 52. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands begrüßt die erfreuliche Ausbreitung der katholischen Arbeitervereine in der neuzeitlichen Form möglichst reiner Standesvereine und ihren regen Eifer in der Förderung der religiösen und wirtschaftlichen Interessen ihrer Mitglieder. Sie ermuntert sie, in ihrer agitatorischen Arbeit fortzuschreiten; ersucht alle, denen die Möglichkeit dazu geboten ist, diese Ausbreitung der katholischen Arbeitervereine nach Kräften zu fördern, und ermahnt die katholische Arbeiterschaft dringend, sich diesen Arbeitervereinen anzuschließen. Mit dem äußeren Wachsen muß indes der innere Ausbau der einzelnen Vereine sowie der Arbeitervereinsverbände gleichzeitig voranschreiten. Besonderes Augenmerk ist auf die g e i st i g e Aufklärung und Durchbildung der Arbeiter so- ivohl in' religiös-apologetischer wie sozialer Hinsicht durch Vorträge, Verbreitung der Verbandsorgane, Errichtung und zweckeiitsprechende Ausgestaltung von Bibliotheken und Unterrichtskursen zu richten, damit dieselben mehr und mehr befähigt werden, in den Arbeitervereinen sowohl wie in der christlichen Arbeiter- und sozialen Resormbewegung überhaupt selbständig agitatorisch und ausbauend mitzuarbeiten." Weitere Anträge empfehlen die Arbeiterinnen-Fürsorge, die Unterstützung des Canisius-Vereins und die Unterstützung der Missionen im Orient. Auf Antrag des Abgeordneten Herold wurde noch folgender Beschluß gefaßt: „In Berücksichtigung der hohen Bedeutung, welche die landwirtschaftliche Bevölkerung für die Erhaltung unserer Volkskrast, für die Bewahrung christlicher Sitte und die Befestigung der gesamten gesellschaftlichen und staatlichen Ordnung hat, muß angesichts der stets wachsenden städtischen und industriellen Bevölkerung das Streben dahin gehen, zur Aufrechterhaltung eines angemessenen Verhältnisses zwischen den beiden großen Wirtschaftsgruppen den landwirtschaftlichen Berufsstand nach Möglichkeit zu verstärken. Es gehört daher zu den wichtigsten volkswirtschaftlichen Anf- gaben,' den landwirtschaftlichen Betrieb intensiver zu gestalten, nm einer größeren Anzahl von Personen Beschäftigung und Unterhalt aus dem Lande zu gewähren, und ferner durch angemessene Wohlfahrtspflege auf den verschiedensten Gebieten das Landleben angenehm zu machen. Zur Erreichung dieser Zwecke haben Selbsthilfe in Einzeltätigkeil und in gemeinsamen Bestrebungen durch Vereine und Genossenschaften, sowie umsangreiche staatliche und kommunale Fürsorge tatkräftig zu wirken. Als ein nicht zu unterschätzendes Mittel wird im besonderen ein verstärkter Ausbau des Eisenbahnnetzes gerade in ländlichen Bezirken behufs Anschluß an den großen Verkehr empfohlen." Endlich wurde noch für die Abwanderer vom Lande eine systematische Fürsorge empfohlen. In der heutigen Nachmittagsvcrsammlung werden sprechen: Pater Nachtwey über die katholischen Missionen im 19. Jahrhundert, Abg. de Witt über die Toleranzsrage und Kapuziuerpater Auracher über die Frauensrage. Straßburg, 22. Ang. Dem Präsidenten des deutschen falls wird ihr Not etwas heller sein, so daß es sich von dem Dunkelrot der Monatsrosen abhebt. Die Mauern sind auch mit Gerank übersponnen und an denselben ziehen sich blaurote Fuchsien hin untermischt mit hellroten Blumen, mir etwas zu grell in der Wirkung. Der dritte Garten korrespondiert mit dem ersten. In der Mitte steht ein Springbrunnen aus rotem Sandstein, in einer Mauernische, dem Eingänge gegenüber, eine grau getonte Venus von Medici, grau ist auch der KieS in den Steigen, Blumen füllen den Garten die ganze blaue Farbcnskala hindurch vom hellen Grünblau der Hortensien durch das Blau, Hell- und Dunkelviolett der Astern und Heliotrop. Die Komposition wirkt prächtig, außerdem strömt dem Betrachter ein wunderbarer Duft entgegen. Diese auf der Terrasse zur Verwirklichung ge örachten Olbrich'schen Ideen werden in dieser Art wohl nirgends zur Anwendung kommen, aber außerordentlich anregend und befruchtend können und sollen sie wirken, wie auch die übrigen dort oben und am Eingänge angelegten Sondergärten. Irgend etwas kann uns überall Anregung geben, sei es nun die Farbenzusammenstellung, oder die Einteilung, oder die Einzäumung, das Gartenhaus, die mannigfaltige Sitzgelegenheit. Neue Ideen, neue Wünsche werden in uns aufsteigcn zur Umgestaltung, Verschönerung oder zweckmäßigeren Ausnutzung, verbunden mit würdiger Gestaltung und werden sich in Jahr und Tag vielleicht zur Tat verdichten. Besonders zur Anlegung kleiner Stadt- gärten werden diese symmetrisch und streng gehaltenen Sondergärten und die vielen Teppichbeete manchem er, wünschten Anhalt geben. Das Abgezirkelte und Rechteckige bis ins Kleinste kann natürlich auch leicht ins Kleinliche, in Spielerei übergehen, wie cs bei dem Gcwinn'schen Garten, der über dem Eingang die stolze Inschrift „Unser Garten" trägt, leider der Fall ist. chluß folgt.) Katholikentages Erbprinzen zu Löwenstein ist folgendes Telegramm zugegangen: „Durch die Worte warmer Vater- landsliebe und treuer Anhänglichkeit, mit denen die Generalversammlung des katholischen Deutchsiands Se. Majestät den Kaiser und König in dem heutigen Telegramme begrüßt hat, sind Mlerhöchstdieselben hocherfreut worden. Se. Majestät lassen Guter Durchlaucht bitten, allen Teilnehmern der Versammlung Allerhöchst ihren herzlichen Dank aussprechen. Im Allerhöchsten Auftrage v. Lucanus." — Ter Statthalter von Elsaß--Loth-> ringen sprach telegraphisch seine Freude darüber aus, daß die Versammlung zur Eintracht unter den Konfessionen des Vaterlandes beitragen solle, ohne die Deutschland nicht gedeihen könne.___________________________________________________ Ans Htaöl und Llv'S. Gießen, 23. August 1905. " Der Gesangverein „Heiterkeit" unternahm, wie wir bereits mitgeteilt haben, am vergangenen Sonntag eine Reise nach der Wartburg. Die „Eisenacher Tagespost" berichtet: . Auf der Wartburg sowie im Hotel zum Landgrafen (dem Absteigequartier des Vereins) überraschte dec Verein das Publikum mit ganz vorzüglichen Gesangsvorträgen, sodaß der Wunsch laut wurde, die Sänger möchten einmal eine Konzertreise mit sämtlichen Mitgliedern nach Eisenach unternehmen, um ihr Können auch weiteren Kreisen zugänglich zu machen." •• Konsum - Verein Gießen und Umgegend. Wie aus dem Inseratenteil ersichtlich, ist der Bericht über das vierte Geschäftsjahr dieses Vereins erschienen. Daraus ist zu entnehmen, daß der Verein sich im verflossenen Jahre weiter kräftig entwickelt hat. Die Mitgliederzahl stieg von 272 auf 365; der Umsatz erhöhte sich im eigen-n Geschäft um 50 Proz. und im Lieferantengeschäft um 100 Proz.; der Durchschnittsumsatz von 160 Mk. auf 208 Mk. pro Mitglied .Wurden in den ersten drei Jahren insgesamt 2091 Mk. Rückvergütung ausgezahlt, gelangen diesmal auf Vorschlag des Vorstandes und Aufsichtsrates 3298 Mk. zur Auszahlung. Dem Reservefonds, dem in den verflossenen drei Geschäftsjahren insgesamt 705.65 Mk. zugeführt wurden, sollen 725 Mk. zugeschrieben und außerdem einem im vorigen Jahre gebildeten Spezial-Reservefonds ein weiterer Betrag zugeführt werden. Bei der stets aufwärts strebenden Preisbewegung der Lebensmittel steht dem Vorstand dieses Vereins noch 'bin weites Feld für seine Tätigkeit offen. ** Zu der hessischen Hinrichtungs-Statistik in Nr. 195 wird uns von einem alten Gießener Folgendes milgeteilt: „Ludwig III. machte von seinem Begnadigungs- Recht regelmäßig Gebrauch, so daß unter seiner Negierung keine Hinrichtung stattfand." Dies mag für die „letzten 25 Jahre" richtig sein, ist aber mißverständlich, wenn man das „unter seiner Regierung" auf deren ganze Dauer be- zieht. Im Hof des Gefängnisses zu Darmstadt wurden während der Dauer dieser Negierung Mutter und Sohn mittels Fallbeils enthauptet, weil sie Gatten und Vater gemeinsam ermordet hatten. Der letzte Wunsch der Verbrecherin war, daß sie zusehen dürfe, wenn ihr Sohn geköpft würde. In der darauffolgenden Nacht erschien sie dem Großherzog im Traum, und von da an „machte er von seinem Begnadigungsrecht regelmäßig Gebrauch." Bei dieser Gelegenheit mag erwähnt werden, daß der Erste, dessen Haupt unter dem Fallbeil in Gießen siel, namens Vahlberg, ein Braunschweiger war, und sein scheußliches, damals unerhörtes, in neuer und neuester Zeit in den Zeitungen öfter genanntes Verbrechen, an einem kleinen Mädchen in der Nähe von Nidda begangen, dahier auf dem Trieb mit dem Tod durch den Scharfrichter büßte. Damals wurde es, wenigstens unter den Studenten, üblich statt „guillotinieren" — „Vahlberg en" zu sagen. — Wer im vierten Jahrzehnt des vorigen Jahrhunderts in Gießen wohnen mußte, erlebte da die öffentliche Hinrichtung zweier Mörder aus Freiensteinau. Obwohl es Winter, am Hinrichtungstage Tauwctter war, strömten doch die Menschen zu Tausenden in die Stadt, um die Missetäter in ihren eigens für sie angefertigten blauen Kitteln mit dicken, blauen, wollenen Fausthandschuhen angetan, aus dem Gefängnis am Seltersberg, dem heutigen Hauptsteueramt, unter dem Geleit einer größeren Abteilung von Dragonern aus Butzbach, welche damals in ihrer wirklich schmucken Neiterausrüstung herrlich aussahen, durch den Scltersweg nach dem Marktplatz führen zu sehen, wo ihnen vor dem Rathaus der Stab gebrochen wurde. Von da aus wurde der Zug nach dem Trieb geleitet, wo eine schaulustige Menge seiner wartete. Die ekelhaften Vorkommnisse unter dem Publikum während der Hinrichtung wirkten schon äußerst abstoßend, aber das Gebaren der Menge in der Stadt nach derselben war eben so übel. Dort wurde gegessen, getrunken, gesungen 2C„ so daß eigentlich nur noch die Musik und Tanz fehlte, um die Kirmes vollständig zu machen. Ein starker Widerwille erfüllte damals alle fühlenden Menschen, wenn vielleicht auch nicht gegen die Hinrichtung an sich, so doch gegen deren Oeffentlichkeit. Im selben Jahrzehnt hatten wir noch einmal Gelegenheit, die schmucken Butzbacher Dragoner zu sehen. Aber während sie am Seltersberg ein rückten, zogen die Studenten durch das Walltor hinaus auf den Staufenberg. Doch davon vielleicht ein andermal. — Bezüglich der Guillotine, mit der Hudde hiugerichtet wurde, wird uns mitgeteilt, daß die Maschine aus der Zeit der französischen Revolution stamme, zuerst in Mainz in Anwendung kam, und dann nach Greßen gebracht wurde, wo sie im Bedarfsfall im Hofe des heutigen Zollamts, Ecke Bahnhofstraße und Liebigstraße Aufstellung fand. Das Gebäude diente bis zur Vollendung des jetzigen Justiz- gebäudes als Provinzialarresthaus. Die sog. Armesünderglocke war am Giebel der gegenüberliegenden Anatomie angebracht; sie ist erst vor einigen Jahren entfernt worden. •• Das offizielle Festprogramm für die Homburger Kaisertage ist nunmehr festgesetzt. Der kaiserliche Sonderzug trifft am Donnerstag, den 7. September, vormittags in Homburg ein. Außer dem Kaiser kommen die Kaiserin, der Kronprinz und die Kronprinzessin mit dem Sonderzug an. Geladen sind zu den Kaisertagen in Homburg der Erbgroßherzog von Baden, der Großherzog von Hessen, der Prinzregent von Braunschweig. Ausländische Könige kommen nicht. König Edward schickt den Prinzen von Wales, der König von Spanien, der wegen der Eortestagung nicht da sein kann, entsendet einen Vertreter, der Kronprinz von Griechenland und Prinz Harald von Dänemark werden anwesend sein. Reichskanzler v. Bülow wird ebenfalls erscheinen. Die Majestäten begeben sich nach der Ankunft ins Schloß, wo einige Räume völlig neu und zweckentsprechender hergerichtet wurden. Dort wird im Schloßhof zunächst die Ehrenkompagnie, die das Füsilier-Regiment Nr. 80 stellt, vorgeführt. Dann finden Empfänge statt und nachmittags besuchen die Majestäten die Sa al bürg. Sie benutzen dabei zum erstenmale die bis dahin vollendete Brücke über einen Teil der Homburger Altstadt, die eine direkte Verbindung nach den prächtigen Taunuswaldungen bezw. der Saalburg schafft. Am Freitag vormittag um X/Ä9 Uhr begeben sich die Herrschaften zu Automobil nach dem Paradefeld, das in etwa sechs Minuten erreicht wird. Dort findet, wie bekannt, die Kaiserparade statt. 1883 und 1897 war sie an derselben Stelle. Eine Inschrift an drei Pappelbäumen im Felde, die in diesem Jahre ergänzt werden wird, weist darauf hin. Am Freitag abend ist Paradediner im Kurhaus, wo sich hauptsächlich die bei der Parade beteiligten höheren Offiziere und die militärischen Gäste des Kaisers zusammcn- sinden. Um 9 Uhr ist großer Zapfenstreich sämtlicher Musikkorps des 18. Armeekorps unter Leitung des Prof. Roßberg aus Berlin im Kurgarten. Arn Samstag vormittag erfolgt in Gegenwart des Kaiserpaares die Enthüllung des Denkmals' Kaiser Wilhelms L, das von Bildhauer Fritz Gert h errichtet worden ist. Ter Sockel ist aus rotem Marmor, da? Standbild des Kaisers, der Generalsuniform mit dem Krönungsmantel darüber trägt, aus Bronze. Die Festrede hält Stadtverordnetenvorsteher Rüdiger. Am Abend dieses Tages ist im Kurhaus das sogenannte Provinzialdiner, an dem u. a. der Oberpräsident v. Windheim, Regierungspräsident Dr. v. Meister, Landrat Dr. v. Marr usw. teilnehmen. Danach findet große Illumination des Kurparks statt. Am Sonntag vormittag ist Feldgottesdienst im Kurpark, an dem auch das Kaiserpaar teilnimmt. Die Abreise des Kaiserpaares zur Parade nach Koblenz erfolgt am Sonntag nachmittag 6 Uhr. f Langsdorf, 22. Aug. Die Feldbereinigung in der hiesigen Gemarkung ist nun soweit im Gange, daß nach beendigter Ernte die neu ein geteilten Aecker, Wiesen, Baumstücke usw. übergeben werden können. Die neuen Ge- wannweae sind bereits mit dem Pflug vorgezogen. Seit etwa acht Tagen liegen die Bücher, in denen die einzelnen Grundstücke eingetragen sind, offen. Das Rathaus gleicht einem Taubenschlage, und die Bücher und die zur Erläuterung an den Wänden aufgehängten Flurkarten sind vom frühen Morgen bis zum späten Abend von den Einwohnern belagert, die mit gespannter Aufmerksamkeit die Lage ihrer neuen Grundstücke verfolgen. Die oft fröhlichen Gesichter der aus dem Nathans Heraustretenden lassen schließen, daß man mit dem Ausgang der Bereinigung im allgemeinen recht zufrieden ist, wenn einer auch hier und da auf einen kleinen Wunsch verzichten mußte. N.B. Darmstadt, 22. Aug. Die allgemeine Gartenbau-Ausstellung läßt sich dank der günstigen Witterung sehr gut an. Schon die ersten drei Tage brachten durch die_Einnahme von 10—12 000 Besuchern der Kasse die Gewißheit, daß ein Defizit auf keinen Fall zu befürchten ist, sobald das Wetter nur einigermaßen standhält. Der Großherzog hat sein besonderes Interesse an der Ausstellung dadurch bewiesen, daß er sowohl am Vormittag wie am Abend dort erschien und längere Zeit sich dortselbst aufhielt. Heute vormittag begann auch die 18. Hauptversammlung des über ganz Deutschland verbreiteten Vereins deutscher Gartenkünstler, der auch Oesterreicher und zahlreiche Holländer beiwohnen. Das merkte ntan besonders bei dem gemütlichen Begrüßungsabend gestern im städtischen Saal- haurestaurant, bei welchem der städtische Gartenbauinspektor Stapel die auswärtigen Gäste in Darmstadt herzlich begrüßte, und der Vorsitzende, A. Brodensen-Berlin für die überaus freundliche Ausnahme seinen wärmsten Dank aussprach. Das weitbekannte Schubertquartett und mehrere erste Künstler Darmstadts trugen außerordentlich zur Verschönerung des Abends bei. — Heute vormittag 10 Uhr Begannen die Beratungen des Vereins. Nach Eröffnung und Begrüßung durch den Vorsitzenden hieß Herr Oberregierungsrat Hvlzinger namens der Großh. Regierung die Versammlung herzlich willkommen, worauf Herr Bürgermeister Dr. Gl äs sing in längerer Ansprache sowohl namens der Stadt, wie aks Vorsitzender des Ausstellungspräsidiums fleudigst begrüßte und den Beratungen besten Erfolg wünschte. Den ersten Vortrag hielt darauf Herr Prof. Olbrich, der in längerer, fesselnder Darlegung die künstlerischen Beweggründe für die Errichtung von Farbengärten näher besprach und feine Empfindungen über die von ihm geschaffenen Sondergärten in lebhafter Weise zum Ausdruck brachte. Dem von dein lebhaftesten Beifall begleiteten Vortrag folgte eine Schilderung der Ideen des Herrn Maler Leipheimer über sein auf der Ausstellung veranschaulichtes Bürgergärtchen und des Herrn Architekten Fuchs über das Thema „Bürgerlicher Garten und städtischer Ziergarten", und dann noch ein sehr umfangreicher Vortrag des Herrn Zentralftiedhossdirektors W. Cordes in Ohlsdorf-Hamburg über „Das Nützliche und Schöne in der Gartenbaukunst". Nach einer kurzen Frühstückspause sprach noch Herr Gartenbaudirektor He icke -Fran kfnrt über „Die rückständige Gartenbaukunst" und dann fanden noch lebhafte Debatten über die für ntoraen bevorstehenden und für die Zukunft des Vereins maßgebenden Beratungen und Anträge über die anderweitige Organisation statt. Der spätere Nachmittag brachte Besuche der Ludwigshöhe und der bekannten Kunstgärtnerei Henkel Hierselbst. p. Aßlar (Dill), 23. Aug. Sonntag nachmittag radelte in ziemlich flottem Tempo ein Motorfahrer durch unser Dorf. Ungeahnt sauste er plötzlich gegen einen Haufen Wellen und zog sich dabei Verletzungen im Gesicht zu. Das Nad wurde zertrümmert.________________ Meteorologische Beobachtungen der Station Gießen. August 1905. Barometer auf 0° reduziert Temperatur der Luft Absolute Feuchtigkeit Relative Feuchtigkeit 6iuq(p)iquigjj 22. 226 746,6 +24,5 13,1 57 W 22. 9" 746,2 + 17,0 12,2 85 23. 7»6 744,0 4-16,4 11,8 85 w Höch le Temperatu r am 22. A nguft Niedrigste • ■ 22. • -o -o - s Wetter 2 still Sonnenschein KlarerHimmel Bew. Himmel — + 24,50 C. = + 12,10 C.