General-Anzeiger, Amts- und Anzeigrblatt für den Kreis Lietzen Redaktton, Expedition ».Druckerei: Schulstr.?. Tel. Nr. 61. Telegr^Adr. r Anzeiger Gießen» Jägerei sicherlich nicht erwünscht; sie ift allerdings klarer als seither, aber sie entspricht nur der seither geübten hessischen Gerichtspraxis, mit welcher sich der weidgerechte Jäger nie einverstanden erklären konnte. Wenn angeschossenes Wild über die Grenze flüchtet und dort niederfällt, so muß es unbedingt das Recht des Jägers sein, dieses Wild durch seinen Hund zurückapportieren zu lassen. Einesteils werden dadurch dem krank geschossenen Wild Qualen erspart und andernteils würde dadurch gewiß nicht das berechtigte Verbot der Wildfolge durchbrochen. Die Aufgabe des Hundes ist das Apportieren, und wenn der Hund dazu in der Lage ist, muß eS auch erlaubt sein. Warum soll Wild, welches aus der „falschen" Seite deZ Grenzsteines liegt, verludern? Die Benachrichtigung des Jagdnachbars ist in den meisten Fällen gar nicht möglich, da er weit von seinem Revier wohnt und er sich außerdem kaum eines Hasen wegen einer zeitraubenden Nachsuche unterziehen wird. Bei Reh- und Rotwild ilt es etwas anderes, denn hier muß der Jagdhund — abgesehen von einzelnen Ausnahmefällen bei Rehwild — als Apporteur versagen. Darum fordert man mit Recht: „Was mir mein Hund bringen kann, gehört mir." Der Art. 15 ist in seiner jetzigen Fasiung auch recht bedenklich. Wir haben darüber in Nr. 103 schon einige Bemerkungen gebracht, die vor allem darin gipfelten, daß auch die an verwandte Personen auszugebenden Ermächtigungsscheine sowohl nach Zahl als auch nach Zeitdauer beschränkt und einem erhöhten Stempel unterworfen werden müssen. Nur so kann die Bestimmung, daß für ein Pachtgebiet nicht mehr als drei Pächter zugelassen werden dürfen, nicht illusorisch werden, denn die Bestimmung hat doch nur den Zweck, zu verhindern, daß eine Jagd durch zu viel Jagdberechtigte zu sehr geschunden wird. Warum soll sich auch hier der Fiskus eine recht bequeme Einnahmequelle durch gehörige Verstempelung der Ermächtigungsscheine entgehen lassen? Solche Möglichkeiten gibt es noch mehr; dahin gehört auch die, daß man für Reichsausländer, die — oft mit Millionen im Hintergrund — die besten Jagden verpachten — eine erhöhte Paß gebühr verlangt, wie es auch in anderen Staaten geschieht. Eine Gebühr von 300 Mk. wäre da sehr am Platze. Dementsprechend müßte dann auch die Gebühr für an Ausländer und von Ausländern auszustellende Ermächtigungsscheine erhöht werden. Gleichzeitig würde mit solchen Beschränkungen auch dem Aufsichtspersonal die Kontrolle erleichtert. In diesem Sinne müßte auch Artikel 14 eine andere Fasiung bezüglich „be3 Mitnehmens aus die Jagd" erhalten. Wenn hier ausgedrückt wird, daß gleichzeitige Anwesenheit des JagdbeständerS und des Mitgenommenen im gleichen Revier gemeint ist, dann wäre damit jeder Zweifel, der seither zu den verschiedenartigsten Gerichtsentscheidungen geführt hat, beseitigt. Daß Art. 19 nun auch „Fallwild und Wildstangen" zum „Gegenstand der Jagd" erklärt, ist ein wahrer Segen. Eine solche Bestimmung hat man schon lange herbeigesehnt, denn die Wildstangen sind für den Jagdbeständer, der sich unter Aufwendung großer Kosten um die Heranzucht guter Geweihträger bemüht, ost von unschätzbarem Werte. Es ist ein Glück, daß gerade die Abwurfstangen nun aufhören „herrenloses Gut" zu sein. In wie weit die Negierung diesen bei den Kammerverhandlungen zu Tage tretenden Wünschen entgegenkommen wird, bleibt abzuwarten. Immerhin darf man sich der Hoffnung hingeben, daß sie auch den Jnteresien der hessischen Jägerei zu dienen gesonnen ist. Keine Amnestie. Die Meldung, daß ein Straferlaß anläßlich der Ver> mählung des Kronprinzen erscheinen werde, erklärt die „N. A. Ztg." soeben kurz und kühl für unbegründet. Dies Dementi enttäuscht bedauerlicherweise viele Hoffnungen. Daß gerade eine derartige Feier, an der weite Kreise der Bevölkerung Anteil nehmen, geeignet gewesen wäre zu Begnadigungen in Fällen, denen keine ehrlose Gesinnung des Täters zu Grunde liegt, daß ein derartiger Erlaß freudig willkommen geheißen worden wäre, darf wohl mit einigem Recht gesagt werden. Das neue hessische Jagdgesetz. (Original-Artikel des „Gießener Anzeigers") Seit Jahren hatte die hessische Jägerwelt auf das neue Gesetz gewartet und nun mit Freuden das Erscheinen des Entwurfes begrüßt, aber diese Freude mußte bald herabgestimmt werden, nachdem man sich mit dem Inhalte des Gesetzes vertraut gemacht hatte. Neben manchem Neuem und Gutem hätte der Entwurf noch vieles „Bessere" aufnehmen können, und fast gewinnt es den Anschein, als sollte mehr den Interessen der „Gemeindecinnehmer" als den Wünschen der Jäger Rechnung getragen werden. Vor allen Dingen wäre eine möglichste Anlehnung an die neuesten Nachbar- Jagdrechte erforderlich gewesen, besonders bezüglich einer möglichst einheitlich zu gestaltenden Heeg- und Abschußzeit, z. B. mit Preußen. Vielleicht beabsichtigt ja die Negierung den Entwurf eines besonderen Wildschongesetzes — wenigstens deutet der Art. 20 des Jagdgesetzes darauf hin — und in diesem Falle wäre möglichste Gleichzeit mit dem betreffenden preuß. Gesetz, das als mustergiltig bezeichnet werden kann, angebracht. Die ersten Bestimmungen des neuen hessischen Jagdgesetzes handeln vom Jagdrecht auf eigenem Grund und Boden. Für den Jäger haben diese Bestimmungen nicht allzu viel Interesse, aber doch wird er bei Art. 6 den Kopf schütteln und sich fragen, ob dieser Artikel wirklich ernst gemeint ist. Soll die Gemeinde nunmehr nach Inkrafttreten des neuen Gesetzes die Rückzahlung von Aufwendungen zur Jagdablösung verlangen können von demjenigen, der seit 50 Jahren die Eigen-Jagd ausübt, ohne daß er bisher eine Ablösung bezahlen mußte? Sollte hier nicht das Jnteresie des „Gemeindeeinnehmers" vorherrschend sein? Sollen sich ferner die Bestimmungen bezüglich Verpachtung von kleinen Jagdrevierstücken (weniger wie 75 Hekt.) respektive bezüglich des Anschlusses an Nachbarjagden auch wieder nur auf Gemeindejagden beziehen? Der Gesetzestext läßt diese Annahme gerechtfertigt erscheinen. Warum soll aber die getrennte Verpachtung solcher kleinen Reviere unangebracht und unweidmännisch sein, wenn es sich um Gemeindereviere handelt, und die Bejagrmg für zulässig gelten, wenn es sich nm ebenso große bezw. kleine fiskalische Jagden handelt? Es wäre doch die höchste Zeit, daß mit den bestehenden Mißständen nicht nur bei den Gemeindejagden aufgeräumt würde, sondern auch bei bett Domanialjagden. Von letzteren existieren Reviere, welche sich die Hofjagdverwaltung Vorbehalten hat, und zwar zu den vor ea. 50 Jahren taxierten Preisen. (!!) — Dabei wird aber im Gesetzentwurf ausdrücklich der „immer mehr steigende Wert" der Jagden betont. Es ist doch ganz klar, daß die vor einem halben Jahrhundert aufgestellten Taxationen überhaupt keinen Sinn mehr haben. Hier soll es offenbar bei den seitherigen Uebelständen bewenden. Daher wird es nach wie vor möglich, daß kleine Jagdreviere für vielleicht 10 Gulden an die Hofjagdverwaltung verpachtet sind, die gar mancher Jäger heute gern mit 500 Mk. bezahlen würde, Jagdreviere, die mitten zwischen teuren und gut gepflegten Gemeindejagden liegen und vom Forstpersonal beschossen werden (bei manchen dieser Reviere wird die Jagd niemals von anderen außer dem Personal ausgeübt) und zwar nach dessen neuester Methode, die von Jägerart und Weidmannsbrauch vielfach erheblich abweicht, sodaß eine derartige Jagd fast zur Raubjagd wird aum Schaden der sie umschließenden teuren Gemeinde^agden. Ob deshalb seinerzeit das Gesetz dem Hofjagdamte das Recht gewährt, sich manche Jagden vorzubehalten, erscheint zum mindesten sehr zweifelhaft. — Auch vermißt man in dem Gesetze eine Bestimmung über die Art der Versendung des Wildes, wie sie wohl hätte Platz finden können, so in dem Sinne, daß Reh- und Rotwild nur in ganzen Stücken und unverpackt versandt werden darf. Eine solche Bestimmung mußte ausdrücklich verordnen, daß auch bei dem Versandt noch die Geschlechtsteile erkenntlich sem müssen, sodaß „Bock" und Geis" ohne Schwierigkeiten zu unterscheiden sind. Leider ist die Zahl der Jäger (?), welche sich aus ihrem Jagd- pachtreviere zu bereichern suchen, noch sehr groß; sre knallen alles nieder, was ihnen vor das Rohr kommt, damit sie „Fleisch" verkaufen können. Die Geis, die vielleicht von den Kitzchen ohne Gnade weggeschossen wird, ist schnell zum Bock ,',frisiert". Die Genitalien werden heraus- aeschnitten, die Schädeldecke wird abgesägt und der Bock ist fertig Durch eine strenge Bestimmung könnte hier mancher Üebertretung der Jagdschongesetze im Interesse des Wildstandes vorgebeugt werden. Daß solche frevelhafte Jagdausübung möglich ist, daran ift vielfach die Art und Weise schuld, in der es bei Gemeindejagdverpachtungen oft zugeht. Man erlebt dabei geradezu haarsträubende Dinge. Nach einer „Qualifikation" der „Bieter" wird gar nicht gefragt. Darum wäre eine Bestimmung erforderlich, daß zum Bieten nur solche Personen zugelaffen werden die sich vorher über ihre Jagdpachtfähigkeit und über ihre Vermögensverhältnisse durch Vorlage der Steuerzettel re. außweisen, damit einesteils die Jagden überhaupt nicht in die Hände von „Raubrittern" kommen und andererseits nicht notorische Lumpen, die kaum jemals ein 20 Markstück ihr eigen genannt haben, aus reinem Vergnügen und Schabernack Jagden um Hunderte verteuern. Die Erhaltung des Wildstandes liegt auch im Interesse der Gemeinden. Die Pachtpreise steigen nur so lange, wie die Jagd gut ist, und sie sinken noch rapider, wenn der seitherige Jagdpächter alias Raubritter — aus Mangel an Wild sein Jnteresie an der Jagd verloren hat und diese nicht mehr haben will. Bei der Neuverpachtung werden dann derartig geringe Pachtpreise erzielt, daß es den Gemeinden zu spät klar wird, wie eine pflegliche Behandlung der Jagd dem Gemeindesäckel viel mehr d'ent als eine auf die Ausrottung alles Wildes gerichtete Jagdausübung. Die Fasiung des Art. 11 ist für die * Die „deutsche Gefahr". Ein französischer Kolonialpolitiker hat, so wirb uns geschrieben, einmal geäußert, Deutschland bleibe ein Binnenstaat, so lange es nicht auf eigenen Schienensträngen Güter nach einem eigenen Mittelmeerhafen befördere. Natürlich ist das eine Uebertreibnng, aber vom Standpunkt Frankreichs, das der atlantische Ozean weder wirtschaftlich noch diplomatisch besonders interessiert, solange die englische Flotte dort die Wogen beherrscht, erscheint die ^Anschauung begreiflich. Nun ist es eigentlich seit dem Jahre 1866 eine ständige Sorge der französischen Diplomatie, namentlich derjenigen, die in Rom, München und Wien ihres Amtes waltete, daß bei dem Tode Kaiser Franz Josefs und der erwarteten Zersetzung der Habsburgischen Monarchie Deutschland nach Triest gelangen könnte, dem Hamburg Oesterreichs. Unter diesem Gesichtswinkel hat die französische Politik auch immer mehr oder minder offen mit der italienischen Jrredenta geliebäugelt. Deshalb wurde die italienisch-französische Freundschaft geknüpft, deshalb' hielt das französische Finanzministerium alle spanischen Kabinette bei der Gewährung der Mittel für die Valuta- regulierung so knapp, daß keines zu einer wirklich nützlichen Leistung und damit zu einer innerpolitischen Machtentfaltung gelangen konnte. Deshalb hat Frankreich in jeder Weise^ Deutschlands Reorganisationswerk in der griechischen Finanzverwaltung zu stören versucht, und deshalb hat es der bulgarischen Regierung auf ein fragwürdiges Tabakmonopol unter der Bedingung französischer Finanzverwaltung eine militärische 'Anleche bewilligt. Deshalb endlich;' der latente Gegensatz zwischen dem deutschen und dem französischen Botschafter bei der hohen Pforte. Denn bei einem starken deutschen Einfluß int Mittelmeer fürchtet Frankreich schließlich der schätzenswerte Freund Italiens und Englands am längsten gewesen zu fein. Die Franzosen tragen fidj indessen hier mit Sorgen um eine Zukunft, mit der unsere Generation nichts mehr tzu tun hat. Sie würden besser tun, die Erhaltung guter Beziehungen zu Deutschland sich angelegen sein zu lassen. Schon die Befürchtung wegen des deutschen Protektorats über die Katholiken im Orient, mit der man in Frankreich sich gegenwärtig so lebhaft beschäftigt, ist gegenstandslos, wie das Bernner Auswärtige Amt soeben durch, die „Köln. Ztg." feststes^ (Es wird in dieser Feststellung nämlich darauf hingewiesen- daß Deutschland ein Protektoratsrecht Frankreichs über alle Christen im Orient nie anerkannt hat. D. Red.) Einleitung der Verständigung. Aber es bot sich nur der Anblick des elegischen Handelsministers Möller oben am Ministertische. Herr Möller, dieser „Pflichtverteidiger" des Bergarbeiterschutzgesetzes, war Zeuge, wie eine Anzahl neuer Lücken in das doch so schwer zutage geförderte Werkk der Geheimräte gerissen wurde. Wie alles Mißgeschick vollzog sich auch dies sehr schnell. In wenig Minuten fiel die Entscheidung über zahlreiche Paragraphen und Anträge. Bald sah man Zentrumsmänner, bald Herren der Linken zugunsten der Regierungsvorlage oder eines Verbesserungs- Vorschlags sich erheben. Die Konservativen blieben in den meisten Fällen sitzen mit dem Resultat, daß beides der Ablehnung zum Opfer fiel und die rückwärts revidierende Kommissionsfassung triumphierte. „Die ganze Richtung paßt uns nicht", brachten die entschlossenen Mienen der Agrarier zum Ausdruck. Scheitert das ganze Gesetz, das nur den Umsturz stärkt, dem Arbeitgeber die Autorität entwindet, umso besser! — Graf Bülow ist manches Kunststück gelungen; doch wie er hier bis zur dritten Lesung die erlösende Formel, die berühmte mittlere Linie finden will, das ist ein spannendes Rätsel. Graf Bülow könnte der Rechten über den Leib fahren mit der knappen Erklärung: Scheitert das Gesetz, dann gehe ich an den Reichstag! Aber das wird nach unseren Erkundigungen an unterrichteter Stelle nicht geschehen. Fällt die Bergarbeiternovelle, so — findet sich das weitere. Aber dies weitere wird kaum so schlimm fein, daß es dem 'Abgeordnetenhaus ans Leben geht. In den Wandelgängen war heute davon die Rede, daß ein Kompromiß vielleicht auf der Grundlage gefunden werden würde, daß die Negierung ihrerseits die geheime Wahl zu den Arbeitsausschüssen preisgibt, während die Mehrheit das! Verbot einer agitatorisch-politischen Betätigung der Mitglieder der 'Arbeiterausschüsse preiszugeben hätte. Am Freitag muß sich zeigen, ob dieser Weg zur Verständigung genügend Unterstüüung findet. Den Beifall der Bergarbeiter hat er sicherlich nicht. Yatiorialliöeraler Parteitag. ii. S u. H. Dresden, 21'. Mai. Die heutige zweite und letzte Delegiertenversammlung beS1. nat.-lib. Parteitages wurde kurz nach 11 Uhr von dem Bize- präsidenten des preußischen Abgeordnetenhauses JustiArat Dr.< Krause eröffnet Aus der Tagesordnung steht als einziger Punkt das Referat des Abg. Basser mann über die politische Lage im Reich. _ Der Saal und die Galerien waren überfüllt. Mit stürmischem Beifall bei seinem Erscheinen begrüßt, führte da- neue Oberhaupt der nationalliberalen Partei aus: Wir haLen gestern ein neues Organisaticmsstatut durchveraten und ich glaube, daß wir mit dem erzielten Resultat zuftieden sein können. Ich freue mich, daß wir nunmehr einen ständigen Vertretertag haben werden, denn ich bin der Ansicht, daß er stets sehr befruchtet aus das Parteileben wirken wird. Es g'tbt ja immer Leute im Reich, die mit einer gewissen Besorgnis unseren Vertretertagen entgegensetzen, weil immer einige Gegensätze in den Kreisen der Parteigenossen vorhanden sind, DaÄ ist nun Uolktische Tagesschau. Bis zum Oberstleutnant. Bei der fortgesetzten Beschlußunfähigkeit des Reichstags ist, so schreibt man uns aus Berlin, an die Verabschiedung des Militärpensionsgesetzes in der laufenden Session wohl nicht mehr zu denken. Die Negierung kann sich also Zeit lasien zur Erwägung der Frage, wieweit sie dem Neichstag Konzessionen machen will. Bei der ersten Lesung hat sich herausgestellt, daß der Reichstag am wenigsten geneigt ist zur Erhöhung der Pensionen für die höherenChargen. Es könnte also zutreffen, wenn neuerdings von der Bereitwilligkeit der Regierung verlautet, die Wohltaten des Gesetzes nur den Chargen bis zum Oberstleutnant einschließlich zuzubilligen. Umfragen in parlamentarischen Kreisen lassen es indessen als zweifelhaft erscheinen, ob die Einbeziehung der Oberstleutnants dem Neichstag sympathisch sein würde. Gerade dieser Charge hat inan erst vor kurzem die Gehaltsbezüge erhöht, und schon verlautet, daß im nächsten Etat eine Forderung erscheinen wird zur entsprechenden Gehaltserhöhung auch für die neuernannten, nicht in Regimentskommandeurstellen befindlichen Oberstleutnants der Kavallerie. Diese Aufbefferung mag ein Gebot der Gerechtigkeit sein, aber es gibt viele gerechte Forderungen, denen in Anbetracht der Finanzlage nicht entsprochen werden kann. Die Oberstleutnants mögen also immerhin mit der Eventualität rechnen, daß auch sie der Wohltaten des Pensions- gesetzes verlustig gehen. Graf Bulow soll helfen. Man schreibt uns aus Berlin, am 22. Miri: Das Erscheinen des Grafen Bülow im preußischen Ab- geordnetenhaus ist erst zur dritten Lesung der Bergarbeiternovelle mrgekündigt worden. Nachdem aber die Vorlage eine so grausame Behandlung erfahren hatte durch Beseitigung des ganzen hauptsächlichen Abschnittes über die Arbeiterausschüsse, rechnete heute ein Teil der Tribünenbesucber auf eine warnende Rede des Ministerpräsidenten an Die widerspenstigen Konservativen. Zugleich auf eine Rede zur Nr. 120 Zweites Blatt. 155. Jahrgang Dienstag 23 Mai 1905 •tlefcetnt »zllch mU NuSnahm« der Sonntags. V . V RolattonSdruck und Berlag der Brühl'Ich«» --------- ß ‘O/x Ijy UnwersttätLdruckeret. R. Lange, Gieße». t)te „Lietzener ZamilienblStter" werden dem ga H @ J £. ft y t'j .Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der vOf M I M W '<8^, j|L H «Hessische Landwirt" erscheint monatlich einmal. MF v bM® W * w v v v v wurden die Preisiurner von dem auf einer vor dem Rat- D C* 2 O 03 als XI Hafern Koioni befiel (3 2 2 3 2 c t § 9* ♦ Ein Sie Stast yochreilstze heiler ' Dem X* von einet Kronprinz von '«*. * Pr Lohn des nach Snffli dem ihm ( von Kob gäbe gerichtet, worin sie bitten: 1. im Einverständnis mit der Großh. Negierung die vor dem 1. April 1897 pensionierten Staatsbeamten den später pensionierten im Nuhegehalte gleich- stellen, und 2. der Negierung die Mittel zur Verfügung stellen, welche hierzu erforderlich sind. — Die betreffenden Beamten Oberhessens haben eine besondere Vorstellung in derselben Richtung an die Kammer geschickt. Sie haben vor sieben Jahren scbon denselben Weg betreten. ** Tagesordnung für d i e Sitzung bet Stadtverordneten-Versammlung Donners- ta g den 2 5. Mai 19 0 5, nachm. 4T/2 Uhr pünktlich. 1. Erbauung eines Stadttheaters. 2. Baugesuch des Balthaser Schomber für die Wallthorstratze; hier: Dispens. 3. Baugesuch der Firma Heyligenstaedt & Ko. für die Liebigsiraße; hier: Dispens. 4. Kanal in der Durchfahrt zwischen Kirch- straße und Burggraben. 5. Kanalanschluß der Hofreiten Walltorstraße 53, 59 und 63. 6. Vergebung der Lieferung von Zement. 7. Anschluß der Klärbeckenanlage an das Elektrizitätswerk. 8. Ersatz des Ventilbrunnens am Oswalds- garten. 9. Neubau der höheren Mädchenschule; hier: Vergebung von Arbeiten. 10. Genehmigung von Rechnungen. 11. Beschaffung eines Reservesarges für den Friedhof am Rodtberg. 12. Beschaffung von zwei Hundekäsigen. 13. Verbreiterung der Marburgersiraße; hier: Kaufvertrag mit Julius Wellhöfer. 14. Gesuch des Karl Jughard II. um Vacht- nachlaß wegen teilweiser Entziehung des Grundstücks am Hohleichweg. 15. Gesuch der städtischen Forstwarte um Gewährung einer Vergütung für Beiwohnung bei den Holzversteigerungen. 16. Erlaß einer Polizeiverordnung, die Ein- und Durchfuhr von frischem Fleisch betreffend. 17. Erlaß einer Polizeiverordnung über Trichinenschau. 18. Gesuch des Ludwig Feidel um Erlaubnis znm Wirtschaftsbetrieb im Hause Sonnensiraße 3. 19. Gesuch des Hermann Weller um Erlaubnis zum Wirtschaftßbetrieb im Hause Krofdorserstr. 13. 20. Gesuch des Gustav Käpper um Erlaubnis zum Wirtschaftsbetrieb im Hause Watltorsiraße 46. -0- Hirzenhain, 20. Mai. In der Villa des Geh. Konnuerzienrats Buderus hier wurde kürzlich eine Kassette mit Schnnlckgegensiänden im Werte von 18—2 0 000 Mk. gestohlen. Man ist dem Täter auf der Spur. Reichelsheim i. d. W.. 22. Mai. Am 21. dS. fand die Gau turn fahrt des Gaues Wetterau nach ReichelS- heiin statt. Am Morgen des 21. Mai versammelten sich die zum Preisturnen angemeldeten Turner in dem s/4 Stunden oort Reichelsheim gelegenen Beienheim, um in geschloffenem Zuge den Marsch nach Reichelsheim zurückzulegen. Dort Aus Stadt uud Land. Gießen, 23. Mai 1905. ** Ruhegehaltsverhältnisse der Staatsbeamten. Die vor dem 1. April 1 897 in R.uhe- stand getretenen Staatsbeainten haben wegen ihrer Ruhcgehaltsverhältnisse an die Zweite Kammer eine Ein- hause aufgcschlagenen Tribüne stehenden Festkomitee begrüßt, dessen Redner, Herr Adolf Coburger, der Vorsitzende des hiesigen Turnvereins, den Zweck der Turnfahrt in kurzen Worten erläuterte und mit einem dreifachen „Gut Heil" aus den Gau Wetterau schloß. Um 10 Uhr begann das Preisturnen, bestehend in volkstümlichem Turnen: Steinstoßen, Stabhochsprung, Freihoch- und Freiweitsprung, Stemmen. Nach dessen Beendigung trat eine Pause ein. Gegen 2 Uhr tonte sich der Festzug auf; er bewegte sich unter Teilnahme von 35 Vereinen durch die Hauptstraßen nach dem Festplatze, wo der Vorsitzende des hiesigen Turnvereins die Teilnehmer des Zuges bewillkommnete und mit einem dreifachen „Gut Heil" auf Se. Maj. den Kaiser schloß. Darauf hielt der Gauturnwart, Herr Dosch aus Wölfersheim, eine Ansprache. Am darauffolgenden Tage wurden von der Schuljugend Spiele ausgeführt. Q Groß-Karben, 22. Mai. Die Erweiterung des Bahnhofes an der Main-Weser-Bahn soll demnächst begonnen werden. Nach längeren Verhandlungen ist jetzt das erforderliche Gelände erworben, bis auf eine Fläche, auf der eine Kalkbrennerei steht. Hier wurde keine Einigung erzielt, o daß die Enteignung beantragt ist. Für eine Obstbaumanlage wurden 6 Mk., für das übrige Gelände je nach der Lage 1—3 Mk. pro Quadratmeter bezahlt. Darmstadt, 22. Mai. In dem festlich reichgeschmückten Reinheim tagte gestern unter zahlreichster Beteiligung die 23. Hauptversammlung des Gesamt Vereins des Odenwaldklubs unter dem Vorsitze des Geheimerats Braun- Darmstadt. Es waren 41 Sektionen mit 426 Mitgliedern vertreten. Der Voranschlag für 1905, der u. a. an Zuwendungen an die Sektionen 3914 Mk. (darunter 400 Mk„ aus dem Turmbaufonds) vorsieht, wurde genehmigt; für die' Farbmarkierung sind ebenda 1200 Mk. und für die Neu- Auflage der Markierungskarte 2000 Mk. ausgeworfen. In der Angelegenheit der Wiederherstellung des Heidelberger Schlosses wurde folgende Resolution gefaßt: „Der Odenwaldklub bezeichnet es von seinem Standpunkt aus für dringend wünschenswert, daß die Ruine des Heidelberger Schlosses'in Rücksicht ans ihre romantischen Reize und ihre land- schastliche Bedeutung in ihrem derzeitigen Zustande erhalten bleibe, und erklärt, daß von deren Veränderung durch einen Ausbau oder Ausbau nicht die Rede sein sollte, so lange — wie dies von hervorragenden Sachverständigen bereits geschehen ist — noch Mittel angegeben werden tonnen, um den derzeitigen Zustand zu erhalten." sd. Darm st a dt, 20. Mai. Als vor einiger Zeit die Vergebung der Stuckarbeiten im Hostheater bei den hiesigen und hessischen Beteiligten einen Sturm der Entrüstung hervorrief, wurden von der Regierung in der Kanuner die hochgehenden Wogen durch besänftigende Worte geglättet und Besserung versprochen. Nun sind in der letzten Zeit die Maler- und Anstreicher-Arbeiten nebst der Vergoldung im Auditorium des Hoftheaters zur Vergebung nach Wien gelangt. Mag vielleicht auch der zurzeit hier herrschende Ausstand der Weißbinder :c. Befürchtungen der Bauleitung wegen der Fertigstellung der Arbeiten hervorgerufen haben, so ist doch festzustellen, daß der ausschlaggebende Moment hierbei die Geldfrage war. Es war den Bewerbern mitgeteilt worden, mehr wie 4500 Mark dürfe die Sache nicht kosten. Für die Ehre allein wollten die Darmstädter Geschäftsleute nicht arbeiten, setzten indessen einen anständigen Preis an, bei dem keine Reichtümer zu holen waren, indessen umsonst! Frankfurt, 22. Mai. Die Einweihung der Matthäuskirche fand gestern unter Teilnahme der Prinzessin Friedrich Karl von Hessen und den Spitzen dee städtischen, staatlichen und Militärbehörden statt. Der kirchlichen Feier war die Schlüsselübergabe vorausgegangen. Mittags vereinte ein Frühstück einige 70 Herren zu einer Nachfeier im nördlichen Konferenzsaal des Hauptbahnhofs. Alis Anlaß der Einweihung erhielten den roten Adlerorden 4. Kl. Profl Die auswärtige Lage bringt uns auch mit Notwendigkeit auf die inneren Fragen. Es ist ein alter Sah, daß zum Krieg führen Geld gehört. Wir wollen keinen führen, müssen einen bewaffneten Frieden aber aufrecht erhallen. Und dazu brauchen wir Geld. Wir haben ferner eine Reihe kultureller Aufgaben, beisvielsweise auf dem Gebiet der sozialen Gesetzgebung zu erfüllen. Der Zustand unserer Reichsfinanzen ist ein betrübender. Tie notwendigen Aenderungen liegen klar zutage. Die Finanzreform muß in aller erster Linie Geld für das Reick schaffen. Es darf nicht länger Kostgänger der Einzelstaaten lein. Vor allem muß der Unfug aufhören, daß die laufenden Ausgaben auf Anleihen übernommen werden. Die Schwierigkeit liegt in der Schaffung neuer Einnahmeauellen. Ich fühle mich nicht berufen, Vorschläge zu machen (Heiterkeit), das ist überhaupt nicht Sache der Parteien, sondern des Reichsschatzsekretärs.' Gegen die vorgeschlagene Tabaksteuer ist einzuwenden, daß sie schon einmal im Reichstage zu Grabe getragen worden ist. Dagegen ist die Einführung einer W e v . hrsteuer und ber Reichserbschaftssteuer angebracht. (Lebh. BeifattO Wir alle hoffen, daß die großen Aufgaben der kommenden Herbstsaison eine befriedigende Lösung finden. In schweren Zeiten sind die Grundlagen zu unseren neuen handelst)-ertrügen geschaffen worden, der Zolltarif hat eine volle Befriedigung nicht gebracht, aber auch nicht bringen können. Wir haben übrigens im Reichstage von der angeblichen Erregung über die neuen Handelsverträge nicht viel gemerkt, denn es hat eme große Teilnahmslosigkeit bei den Beratungen geherrscht. Und es hatte den Eindruck, daß man sich sagte, noch immer besser Verträge unter ungünstigen Bedingungen als eine vertragslofe Zeit. (Beifall und Widerspruck.) Jetzt steMn uns die neuen Verträge bevor. Wir hoffen, daß es der Regierung gelingt, mit ollen Staaten zum Abfchluß zu kommen und daß die Verträge den deutschen Handel und Industrie bessere gewährleisten als bisher. , t v., , , , c , In diesem Sinne kann es uns nur förderlich sein, daß unser Ginflufi im Orient durch die Bemühunzen Kaiser Wilhelms stetig gestiegen ist und dadurch Handel und Industrie neue Absatzgebiete erzielen. Die Hauptsache wird sein,, dte Neuregelung unserer Handelsbeziehungen zu Amerika. Wir haben gelernt, vor allem durch das Buch unseres Freundes Goldberger, die amerikanische Gefahr auf das richtige Maß zurückzuführen. . Das führt mich auf die Frage der Behandlung der Meistbegünstigung in den neuen Verträgen. Es ist kein Zweifel, daß die Melst- begünstigung in der jetzigen Form nicht mehr zu gewähren rst, auch nicht Argentinien. (Lebb Beifall.) Im weiteren bespricht der Redner die Novelle zum Börsengesetz, um die Abo Paasche große Verdienste habe und deren Zustandekommen er in dem Sinne erhoffe, daß das Börsenregister in keiner Weise tangiert werde. Im Zusammenhänge damit steht die Eisenbahn-Tarifreform. WLr wünschen Herrn Budde recht gute Gesundheit, damit es ihm gelinge, die von ihm geplanten großen Reformen in Sachen der Betriebsmittelgemeinschaft und des Tarifwesens zu einem guten Ende zu führen. (Lebh. Beifall.) Dabei dürfte er selbstverständlich nicht an kleinen Fragen hängen bleiben. Ueber die vierte Klasse schimpfe mancher, der nie darin gefahren sei. (Große Heiterkeit.) Leider fehle auf dem Gebiete derJustiz-Reform ein großer Zug, obwohl die Verdienste des Staatssekretärs Nie- berdina um die Einführung des D. G. hoch anzuerkennen seien. Vor allem hapere cö auf dem Gebiete der Recht- svreebuna Besonders verstimme das lange Warten auf die Terminsansetzung. Ferner sollte man endlich mit der Beseitig- nicht zu leugnen. Wir lmben z. B bei den Zolltariftämpfen sehr heftige Meinungsverschiedenheiten ausznfechten gehabt. Auch auf dem großer! weiten Gebiet der Sozialreform sind Mei.rungs- verschiedenbi'iten zutage getreten und zu ihnen treten neuerdings die Meinunosverschiedenheiten auf dem Gebiete der Sckul- fra-ge. Es wäre, töricht sie zu leugnen, und cd ist nicht so, daß sie erst auf dem Parteitage prrblik werden. Ich meine vielmehr, daß eine offene Aussprache unserer Delegierten in dieser Beziehung nur nützlich wirken kann, daß eine allgemeine Verständig- ung dadurch erleichtert wird. (Beifall.'! Und vor allem eins: Aus unseren Tagungen treten über die Misere der kleinen Tagesfragen die großen idealen Ziele unserer Partei in den Vorder- grund und das kann in einer Zeit, wo man sich vielfach in new en Fragen verliert, nur nützlich sein. , . Die letzten Reich stagswahlen haben bte Sozialdemokraten zur 3 Millionen Partei gemacht. Mer auch die Nationalliberalen haben keinen Anlaß zur Unzufriedenheit gehabt. Sie haben nicht nur ihren bisherigen Fraktionsbestand gewahrt, sondern einen Stimmenzuwachs von über 300 000 erzielt. Betrachten wir nun die heutige Lage, so bedarf es keines Beweises, daß wir die Hände nicht müßig in den Schoß legen dürfen, sondern wir haben unausgesetzt weiter im „nationalliberalen Sinne zu agitieren angesichts der Tatsache, daß sowohl in der inneren wie der äußeren Politik s.chWarze Wolken — schwarz in des Wortes verwegenster Bedeutung — (Heiterkeit) heraufgezogen sind. (Beifall.) Der Krieg im Osten, von dem wir nicht wissen, welche Machtverschiebimgen er im Gefolge haben wird, harrt noch seiner Erledigung. Wir wissen nur, daß große deutsche Interessen lebhaft interessiert sind. Die andere Fwage ist die Marokko-Angelegenheit. Hier handelt es sich darum: .Sollten wir es dulden, daß Frankreich in zielbewußtcr Arbeit allmählich auS Marokko eine französische Provinz macht? Und in dieser Beziehung begrüßen wir das Eingreifen des Reichskanzlers, den kaiserlichen Besuch in Tanger, die Reise des Gesandten v. Tatten- bach und die ganze bisherige weitere Cmtwicklung dieser Frage. Ich will hier nickt untersuchen ob es nicht mögllieh war, dre Sacke schon früher anzugreifen, weil es uns an einer intimeren Kenntnis der Dinge fehlt. Wir wollen zufrieden sein, daß es jetzt endlich so weit gekommen ist. Im Anschluß an die Marokkofrage kennzeichnet der Redner das Spiel Englands, die anderen Nationen zu verhetzen. H>and in Hand mit Herrn Bebel. und dem ,,Vorwärts" verdächtigt die englische Presse fortgesetzt die deutsche Nationalität. Daß angesichts dieser Tatsache die Svmpathi'en fiir England, so weit sie hier und da in Deutschland noch vorhanden waren, nach und nach vollständ.g schwinden, kann keinem Zweifel unterllegen. Der letzte Grund dieses englischen Neides sind dre Erfolge, die der deutsche Kaufmann und die deutsche Industrie in den letzten Jahren im Wettbewerb mit England erzielt haben. Noch eine andere auswärtige Frage ist das Schicksal Oesterreichs. Nicht wir haberr sie aufgeworfen, sondern enallsche und französische Blätter, da angesichts der bevorstehenden Schwierigkeiten lebhaft die Frage ventilieri. wird, ob es nicht möglich sei, eine englisch-französisehe Allian» herbeizusiihrcn mit der Spitze gegen Deutschland. Man braucht^alle diese auswärtigen Fragen nur anzudeuten, um zu dem Resultat zu kommen, daß wir in der nächsterl Zeit mit der Möglichkeit schwerer Krisen im internationalen Leben zu rechnen habeir und weil das nickt zu leugnen ist, so müssen wir gerüstet sein auf dem Lande sowohl wie auf dem Wasser. Das Heer ist in letzter Zeit wiederholt der Gegenstand heftiger Angriffe gewesen. Demgegenüber betonen wir, daß^ wir auch heute volles Vertrauen zu unseren Offizieren, Unteroffizieren und Mannschasteir haben. (Lebhafter Beifall.) Und dieses Vertrauen kommt, wenn wir auf das Verhalten unserer Soldaten in den schwierigen südafrikanischen Kämpfen blicken. Dre Strapazen dort übersteigen bei weitem das, was in unseren Gegenden verlangt würde, und wir bedauern deshalb, daß eine überwallende Kritik, vor allem seitens der Sozialdemokratie, eingesetzt hat, • um unser Heer zu verunglimpfen. Wir bedauern auch, daß die Militär pensionsgesetze nicht so wohlwollend behandelt worden sind, wie wir es wünschten. Wir sind ja leider heute in allen inneren und äußeren Fragen auf das Zentrum angewiesen und wenn es auch nicht M Icugneit ist, daß es hier und da gelernt hat, so ist dies jedenfalls bisher nicht geschehen auf dem Gebiete der äußeren Fragen. Dort fehlt ihm die klare Erkenntnis dafür, was dem Reiche unbckringt itottut. Die falsch angebrachte Sparsamkeit hat siey vor allem in Südafrika bitter gerächt. Wie hat man die dort notwendigen Dahnbauten verschleppt, wie hat man die Initiative des Kolonialamts gelähmt und geradezu korrumpierend, gewirkt auf die Gouverneure, dre alle dahin erzogen sind. *fltt * fiel-' , S-r^Ü MbrE p. " unlerer nodjm'M seinem o Löll, d°r folge eme mit H A. s‘e; Lebensges 9Jia schied in nierzienra tiker ha" Mnnhe"^ heim-Erbt Zeit der ' letzten Ja Scipio en He" srchtigt, t 'A. G. ö bahn He irische Z" Vorlage >1 gegangen, die Erbanr Mark. durch Ausn ung des Zeugniszwanges der Presse vorgehen. In die Sozialpolitik ist ldie Fürsorge für den ganzen Mittelstand einzubeziehen. Eine große Partei sagt in ihrem Programm darüber: Wir vertreten den Grundsatz der Fördenmg aller Volksinteressen, besonders der mittleren und unteren, die Interessen der oberen wahrzunehmen, haben wir keinen Anlaß. Dieses Programm könnte ganz gut das imsrige sein. Wir hätten ihm nichts hinzuzufiigen. (Heiterkeit.) Wir haben auch stets die mittlere Linie zwischen zünftlerischen Bestrebungen und dem unbeschränkten Freiheitsdrang der Gewerbe gezogen. Die nationattibe- Je Partei sei speziell für den Schutz des Meistertitels, die Rechim des Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb und auch für die Interessen der Privatangestellten eingetreten. Im übrigen besteht der alte Satz zu recht, daß wir die Pflicht haben, die^ Zeichen der Zeit zu beachten und den liberalen Gedanken nack allen Seiten bin zu pflegen. Wir unterstützen darum auch heute alle Ve- strebimgen, die auf die geistige und wirtschaftllche Besserstellung der Massen hinzielen und weisen alle Vorwürfe, daß wir dies nicht mehr täten, mit Entsehiedenheit zu.rllck. (Beifall.) Bei der nun folgenden Besprechung der Verufsvereine und Arbeitskammern begrüßt der Redner vornehmlich die Tarifverträge und betont, daß die Forderung nach A r b e i t e r a n s s ch ü s se n schon von Oechelhäuser als eine Einrichtung zur friedlichen Verständigung enrpfohlen worden sei. Wir wünschen und hoffen, so fährt der Redner fort, daß wir uns darüber auch bei der Be- ratrmg des Berggesetzes im Reichstage verständigen, nachdem es im preußischen Landtage in ein kritisches Stadium getreten ist. Vor allem sollte man dann die Idee der öffentlichen Wahl fallen lassen, die nur das Resultat zeitigen kann, daß^ein System der Augendienerei großgezogen und die Arbeiterschaft mit Mißtrauen dagegen eusüllt wird. (Sehr richtig.) Der Redner kommt damit zum letzten Bergarbeiter streik, einem der größten wie ihn die Welt bisher gesehen habe. Bedauerlich sei, daß er mit einem Kvntraktbruch begonnen habe. Trotzdem ist nicht zu verkennen, daß er in weiten Kreisen der Nationen Sympathien für die Bergarbeiter ausgelöst hat. Nicht allein Herr Rottenburg war es, der diese Sympathien öffentlich aussprach, auch eine ganze Reihe deutscher Gemeindevertretungen hat Veranlassung genommen, den Streikenden Beihilfen zu gewähren. (Zischen, Beifall. Mg. Paasch e, der neben dem Redner sitzt, sagt lächelnd zu ihm: Da sind wir nicht ganz einig!) Mg. Bassermann fortfahrend: Ich weiß sehr wohl, daß in diesen Dingen verschiedene Anschauungen in der Partei im Schwange sind, aber Sie werden mir wobl ge- tatten müssen, offen und ungeschminkt, wie dies meines Amtes ist, hier auszusprechen, was ich denke. Wir sind uns doch darüber einig, daß es sich bei dem Streik nicht um eine sozialdemokratische Bewegung handelte. (Lebh. Oho-Rufe. Hört! hört! Schwacher Beifall?) Esewiß, es ist eine sozialdemokratische Richtung vorhanden gewesen, aber andererseits ist doch nicht zu verkennen, daß doch auch eine große Anzahl christlicher und Hirsch-Dunckerscher Verbändler an dem Streik teilgenommen haben. (Zurufe und Unruhe.) Die christlichen Gewerkvereine m-t ihren ?73 000 Mitgliedern sind nun einmal nickt zu ignorieren und die Frage ist auch nicht als eine privatrecktliche Streitigkeit hinzustellen, vielmehr hat der Staat die Interessen aller Staatsbürger gleichmäßig wahrzunehmen. Er hat auch den Teil der Bevölkerung zu schützen, der an dem Streik nicht direkt beteiligt ist, der aber trotzdem unter diesen Kämpfen leidet, die ein nationales Ungilück sind. (Sehr richtig?) Wir haben seinerzeit für die Einführung des Verhandlungszwanges bei den Gewerbegerichten plaidiert und^so kann ich es von diesem Standpunkt nur begrüßen, daß der Staat bemüht tn-rr, Frieden zu stiften. (Beifall, Widerspruch.). e Ein großer Teil der nat.-lib. Presse hat nun mit großer Hartnäckigkeit und zum Teil mit bitterer Kritik den bisherigen Verlauf der Sacke getadelt, dagegen steht der andere mit uns auf dem Standpunkt, daß der Staat unter der Leitung eines Bülow und unseres wüheren Parkeigenossen Möller, von dem der erstere^ ja nunmehr zur dritten Lesung in Berlin eintrifft (Heiterkeit), in dieser dritten Lesung die Vorlage zu retten suchen werde. Gelingt her Regierung dies nicht, so wird zweifellos das Vertrauen zu ihr einen schweren Stoß erleiden. Das Vertrauen, das die Arbeiter ihren Versickerungen bei Wiederaufnahme der Arbeit entgegen- brachten. Man wird auch nicht vermeiden können, daß, der Reichstag sich von Jahr zu Jahr mit größerer Energie dieser Frage zu bemächtigen sucht und die Sozialdemokratie sich neue 1 Raffen schmiedet, wenn nicht rechtzeitig eine Verständigung er* 'olgi. (Sehr richtig, Beifall und Widerspruch.) Im übrigen wollen wir keinen Bummelzug, aber auch keinen Expreßzug in der Sozialpolitik. Und nun noch einen Blick auf die Parteien. Der Liberalismus ist heute in einer wenig beneidenswerten Lage. Es ist ein gewisser Schwächezustand vorhanden und daraus .resultieren die verschiedenen Versuche, den Liberalisinus zu stärken. Die Ursachen beruhen in dem Ansturm der Sozialdemokratie auf die Städte und in der Tatsache, daß sie ihnen diese überlasien mußten. Zum zweiten ist die Macht des Zentrums stetig gewachsen, speziell in Baden und Bayern und zum britten sind es die wirtschaftlichen Beschwerden, die die Kreise des Liberalismus gestört hoben. Daß angesichts dieser Erscheinungen sich Kon- zentrationsaeiüste im Liberalismus geltend machen, ist erllärlich. Wir bleiben auf dem nüchternen Vvden ber Tatsachen, wir denken nicht daran, eine große liberale Partei ins Leben zu rufen. Wir Sollen die Erhaltung des Nationalliberalismus und in vorkommenden Fällen eine sreunb- liche Verständigung mit den anderen liberalen Gruppeii. . Der Riämer wandte sick dann sehr scharf gegen bic Sozialdemokratie, erörterte noch eingehend die Schulfrage und schloß mit einem lebhaften Awell auch an die Jugendvereine zu weiterer freudiger Arbeit im Dienste der Partei und des Vaterlandes. Es folgte eine vierstündige Diskussion. Dte Debatte wandte ich zunächst der Sch ul frage zu. Fast durchgängig sprach man ich für die Simultanschule auS, mit ber Modifikation, daß die Entscheidung ber Frage, ob konfessionelle oder Simultanschule, den Gemeinden überlassen werden solle. Die Haltung der nationalliberalen Fraktion des preußisck;en Mgeordnetenhauses in dieser Frage, ihr Kompromiß mit den Konservativen wurde vielfach heftig angegriffen. Schließlich gelangte aber folgender Antrag zur Annahme: . „Der Vertretertag billigt den vom Zentralvorstand in 1 einem Beschlüsse vom 12. Juni 1904 betreffend den Schulkompromißantrag eingenommenen Standpunkt. Er erwartete auch seinerseits, daß die nationattlberale Fraktion des Abgeordnetenhauses einem Volksschulunterhaltungsgesetze zuftimmen wird, wenn es diesem Standpunkt entspricht. Der ^ertretertag erwartet ferner, daß die Fraktion nach wie tior nachdrücklich für die fachmännische Schulaufsicht eintreten wird." Die weiteren Erörterungen galten namentlich den Hand els- verträgen und dem Ber garbeit er str ei k.^erichledent- lich wurde bezüglich des letzteren, u. a. auch von Arbeitern aus dem Ruhrgebiete, darauf hingewiesen, daß die Beziehungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern dort wesentlich andere seien, als die Sozialdemokratie glauben Machen wolle. Mehrfach zeigte sich auch hier wieder, daß bezüglich des Streiks die Meinungen der Versammelten wesentlich auseinandergingen. Zum Schlüsse gelangte ohne Debatte folgender Antrag unter einmütiger Zustimmung zur Annahme: „Der Vertretertag der nationattiberalen Partei spricht der deutschen Studentenschaft in ihrem Kampfe um die akademische Freiheit und für eine unabhängige Entwicklung des deutschen Geisteslebens ferne lebhafte Sympathie aus/' u t £ 8 Vj TM KP 8*3 •w* es l i8q l,t«nbni5 u,.. ^etfZ'hleidj. ^fieÄMen, ■ fünf östreichische Erzherzoginnen. Es bleiben somit nur fünfzehn wenn man es so nennen darf, zur engeren Konkurrenz. Dies sind die Prinzessinnen Antoinette von Anhalt, O^ga von Cumberland, Viktoria von Connaught, Alexandra und Helena von Schleswig-Holstein, Viktoria, Sophie, Regina, Barbara, Brigitta Reuß j. L., Hermine Reuß ä. L., Sophia von Weimar, Olga Elisabeth und Marie von Altenburg und Beatrice von Koburg. Aber auch noch unter diesen käme wohl die eine oder die andere kaum in Frage und so ließe sich der Zirkel noch verengern. Bemerkenswert ist übrigens, daß das an Sprossen so reiche russische Herrscherhaus zur Zeit keine einzige het- ratsreife Prinzeisin aufzuweisen hat. Die ältesten weiblichen unverheirateten Mitglieder der Zarendynastie sind gegenwärtig bie fünfzehnjährige Großfürstin Maria Paulowna, Tochter des Großfürsten Paul, und die gleichfalls 15 jährige älteste Tochter des Großfürsten Konstantin, die, da sie nicht mehr (Metin, sondern nur Urenkelin eines Zaren ist, nur Prinzessin, nicht Großfürstin von Rußland sich nennen darf. Kpielpla«: der «rmigteH Frankfurter Ztadttyeater Opernhaus. Dienstag den 23. Mai*): „Hans Helling.* Mittwoch den 24. Mai: „Das Rheingold." Donnerstag den 25. 3)1 at: „Die lustigen Weiber von Windsor." Freitag den 26. Mai, abends halb 7 Uhr: „Dte Walküre." Samstag den 27. Mai. „Das Nachtlager in Granada." Hierauf: Ballet. Sonntag den 28. Mai: ,,TaS Glück." Hierauf: „Hänsel und Gretel." Montag.den 29. Mai, abends halb 7 Uhr: „Siegfrieds" Vie Ueberlegenheit Knorrs Hafermehl als Zld^rmittel die führende Stellung einnimmt, welche ihm gebührt! Besonders geht dies aus dem Umstand hervor, daß der verbrauch von Knorrs Hafermehl von Jahr zu Jahr ganz erhebliche Steigerungen' aufweist. Knorrs Hafermehl, sowie sämtliche weiteren Knorrs Präparate sind in allen Rolonialwarengeschästen, Drogenhandlungen ic. erhältlich. Die Firma « o Ux ° 8>" CD D 2 3 O c n* 2. *—61 Co ö • = S ä-ffä CD O —- 2 S » CD O) IST i» U r- O ES » Pa? 3 % Ä i-3 c Cd ar -j; ~ s «5 r*Sä « 2 r» V r** H er 2. 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