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Redaktwn, GrvedUtoa und Druckerei: Gchulstratze 7. Adresse für Depescherr: Anzeiger Gieße«. Fernsprechanschluß Nr 51. GietzenerAnzeiger General-Anzeiger ** Amir- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen Ve»«g»yrei»r monatlich75 P1^ viertel» sührlich Mk. 8.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Ps.; durch diePost Mk.2.— viertel» jährl. ausscht Bestellg. Annahme van Anzeige« it die Tr itfrm-mttt s vornrUtagS ''snvrers: aufwärts 'Ä 15'3. c evantwortl'ch ptf den polit und U r. Teil V. Wtttko: für .Stadt und ßanb* unb „Gerichkss aal^: August Goetz, für ben Anzeigenteil: Hans Beck. 23 Ire Heutige Kummer umfaßt 10 Seiten Politische Wochenschau. In bent sich tagelang im Reichst age hinziehenden Rede- kmell zwischen Mugdcm imt> Zubeil über die Differenzen zwischen den Krankenkassen und Aerzten errang Mugdan den offensichtlichen Sieg. Durch Schimpfen und persönliche Ausfälle konnten die von ihm vorgehvachten Tatsachen nicht ans der Welt geschaffen werden. Unter anderem beschloß der Reichstag in der vergangenen Woche bei der Annahme des allgemeinen Penfions- fonds der Regierimg nahezulegen, in einem Nachtragsetat Mittel Mr Deckung für die Veteranenbeihilfe zur Verfügung zu stellen. Die Regierung sagte die Einbrinaung eines Nachtragsetats von 265 000 Mark zu diesem Zwecke ziu, der vom Bundesrat bereits genehmig worden ist. Bei der Beratung des Etats des ReichskanAers und der Reichskanzlei verließ der Reichstag das Gebiet der inneren Politik, um sich der Erörterung auswärtiger bezw. verfassungsrechtlicher Fragen zuzuwenden. Der Reichskanzler ging u. a. auf die vom Zentrum angeregte e l s a ß - lothringische! Verfaffimgsfrage ein. Die Angelegenheit sei noch nicht genügend geklärt, um die zum Teil recht schwierigen und hochpolitischen Fragen, die sie umschließt, bereits jetzt zu lösen. Die Regierung müsse sich Vorbehalten, den Zeitpunkt zu bestimmen, an dem ihr eine Äenderung der verfassungsrechtlichen Stellung Elsaß-Lothringens angebracht erscheine. — Das selbständige Eintreten Elsaß-Lothringens in den Bundesrat muß allerdings das alte historische Stimmenverhältnis ändern und je nachdem entweder das Gewicht der preußischen Stimmen gegenüber den Mittelstaaten oder umgekehrt das Gewicht der Mittelstaaten gegenüber Preußen vergrößern. Man ist auch noch nicht über die Frage im klaren, ob die jetzt bestehende Stimmenzahl der Mitglieder des Bundesrats durch die Erhebung Elsaß- Lothringens zum Bundesstaat eine Vermehrung erfahren soll oder nicht, ob vielleicht mehrere kleinstaattiche Stimmen zUsammen- gelegt werden sollen, um den drei neuen elsaß-lothringischen Stimmen Platz zu machen. ,Eine wichtige Folge der Souveränität wäre auch die völkerrechtliche Konsequenz, daß Elsaß-Lothringen, innerhalb gewisser vom Reiche festMsetzender Grenzen, Gesandte senden und internationale Verträge abschließen burfte. Man sieht, daß allerorts Probleme aus dem Boden sprießen, wohin man in der elsaß-lothringischen Frage auch den Fuß setzen mag. Daß der Abg. v. Vvllmar und nach ihm Bebel wieder den Russenkurs der Regierung zur Sprache bringen würden, konnte man Voraussagen. Auch wir sind für die Innehaltung einer strikten Neutralität; von Liebedienerei gegen das Zarenreich will das deutsche Volk nichts wissen; es ist scharf Obacht darauf zu geben, daß nichts geschieht, was wie eine Begünstigung Rußlands aussieht. Das deutsche Auslieferungswesen, die einzelstaatliche Fremdenpolizei und alles was damit zusammenhängt, wurde in ziemlich unorganischer Wcffe hin und her besprochen. Ein einheitlich deutsches Fremdenrecht ist nach den Erklärungen Pvsadowskys fürs erste nicht zu erwarten. Auch 'eine KünÄg- ung der Auslieferungsverttäge Bayerns imb Preußens mit Rußland konnte der Staatssekretär nicht in Aussicht stellen. Bezüglich der von den Sozialdemokraten geforderten praktisch-greifbaren Verantwortlichkeit des Reichskanzlers führte der Abg. Schrader von der freisinnigen Vereinigung Überzeugend aus, daß so lange eine Verantwortlichkeit des Reichskanzlers unmöglich sei, als das Reich keine parlamentarische Regierung habe. Der Reichskanzler und der Staatssekretär des Reiches sind nur die Beauftragten der verbündeten Regierungen, wie sie im Bundesrat verkörpert sind. Der Bundesrat ist aber eine Behörde, die ohne Verantwortung ihre verfassungsmäßigen Funktionen ausübt. So lange es _ein tatsächliches Reichsministerium oder eine tatsächliche aus selbständigen Ministern bestehende Reichsregierung nicht gibt, wird es nicht möglich sein, dem Reichskanzler Verantwortlichkeit beizulegen, da er doch nur die Aufträge des Bundesrats zu vollziehen hat. Gäbe es ehre Verantwortlichkeit unter den gegenwärtigen Umständen, so könnte es nur eine gegenüber ^em Bundesrat, nicht aber gegenüber dem Reichstage sein. Erst wenn die verfassungsmäßige Struktur des Reichskanzlerpostens vollständig geändert würde, könnte man dazu übergehen, dem Reichskanzler faktische Verantwortlichkeit zuzuweffen. Seit es den Anschein hat, daß dank der im Seniorenkonvent angenommenen Kontingentierung der Etatsdebatte der Reichstag den Reichshaushalt für 1905/06 bis zum 31. März verabschiedet haben wird, rechnet man, wie es heißt, in Abgeordnetenkreisen mit einem erheblich früheren Ofterferien- a n f a n g als dem ursprünglich in Aussicht genommenen 14. Apr. Die letzte Sitzung dürfte etwa am 4. Avril stattfinden. Auf endgiltige Verabschiedung noch in diesem Sommer hat wohl dqs neue Börsen ge setz die meiste Ausffcht, während das Schick- M der Militärpeniionsgesetze, deren Berattmg in der Kommission etwa drei Wochen in Anspruch nehmen sollte, hauptsächlich von der weiteren Stellungnahme des Zentrums abhängen dürfte, das bekanntlich an der Deckungsfrage Anstoß genommen hat. Es wird jedoch angenommen, daß bis zum Juni die Arbeit der Kommission an dem Pensionsgesetz soweit fortgeschritten sein wird, um, wie im Vorjahre durch das Börsengesetz, eine Vertagung des Reichstags, nicht den Schluß der Session zu recht- fertigen. Im preußischen Abgeordnetenhaus e wurde am Samstag die dritte Lesung des Etats beendet. Beim Etat der indirekten Steuern gab Finanzminister v. Rheinbaben die bemerkenswerte Erklärung ab, daß bei der Reichsfinanzreform an eine Reichseinkommensteuer nickt geduckt werden könne und daß Preußen auf die Einnahmen aus seiner seitherigen Erbschaftssteuer, bie 11 Millionen Mark einbringt, nicht verzichten werde. Es ist nicht ausgeschloffen, daß die Reichsfinanzreform gleichwohl auf die Erbschaftssteuer zurückgreift. Doch würde der Gestaltungs- und "Berechnirnasmodus immerhin technisch recht kompliziert ausfallen. Die Beratung des Etats der Ansiedlung s ko m m iss i o n für Westpreußen und Posen gab dem Älbg. Aronsohn von der freisinnigen Volkspartei Anlaß zur Einbringung eines Antrages, worin die Regierung ersucht wird, zwei kaufmännisch vorgebildete Hilfskräfte mitt dem Rang und den Bezügen von Regieruugsräten in Dienst zu stellen. Diese Herren sollen durch Einflußnahme auf die Kornhausgenossenschaften des Ostens dem jetzigen Zurückgehen des Deutschtums in den kleinen Städten der dortigen Landesbezirke vorbeugen. Abg. Friedberg führte ans, daß das Kvrnhausgenoffenschaftssystem zum Ruin des n em en Händler- ftanbeS in der Provinz Poffm führe. Der Antrag Aronsohn ging an die Budgctkommission. Das Haus beschloß die Erhöhung der Ministergehälter um je 14000 Mark und der' Ministerpensionen. . t , Mit dem Fortschveiten der Arbeiten in der Toleranz- /ommission ging das Nachgeben des Zentrums beim Heeres- etat in der Budgetkommisfion Hand in Hand. Es! brachte selbst einen Anttag auf Wiederherstellung der Regierungs- .fordernng von 510 Eskadrons ein, und hielt nur noch Einwände 'finanzieller Natur aufrecht. Der Militäretat kommt also diesmal ohne große Kontroversen zustande, zumal der Finanzminister ankündigte, daß die zur Bestreitung der Mehrausgaben vorgesehene Zuschußanleihe von 22 Millionen Mark beseitigt und.diese Ausgaben auf die Matrikularbeittäge übernommen werden sollen. Im ganzen hat die Budgetkommisfion 2 258000 Mark Abstriche von den Regiernngsforderungen gemacht. In Südweftafri l'a hat wieder ein äußerst verlustreiches Gefecht stattgefimden. Die Annahme, daß Hendrik Witbvi auf englisches Gebiet geffüchtet sei, erweist sich als irrig. Er befindet sich vielmehr, toemt auch leicht verwundet, an der Spitze seiner Truppen. General v. Trotha, der seine Rückberufung beantragt haben soll, meldete in längeren Depeschen die Verteilung der deutschen Standquartiere. Es heißt, daß alle zwei Monate ein Truppennachschub nach Südwestafrika abgchen soll, um die dort stehenden Truppenteile in feldmäßiger Zahl zu erhalten. Das Ende des Krieges ist noch immer nicht -abzusehen. — Bei dem im Reichstag am Samstag erledigten Etat fürSüdweft- a f r i k a wurde eine Resolution bett. Einsetzung einer Kommission aus Mitgliedern des Reichstages und kolonialen Sachverständigen mit Prüfung der Rechte und Pflichten der bisherigen Tätigkeit her Land- und Bergwerks-Gesellschaften in Südwestafrika 'angenommen. Der Bundesrat verabschiedete am Samstag zwei Nachtrags-Etats für Südwestafrika, von denen der eine im Betrage von rund 27 Millionen noch in das Rechnungsjahr 1904, der andere im Bettage von 33 Millionen zum Rechnungsjahre 1905 gehört. Der deutsche Kaiser unternahm in vergangener Woche eine Fahrt nach Wilhelmshaven, wo er bei einer Nekrutenvereidig- ung auf die Japaner als kriegerisches Vorbild hinwies, eine Aeußerung, die in Japan viel Anklang fand. Auf seiner demnächst beginnenden Mittelmeerfahrt wird ihn u. a. der in letzter Zeit viel genannte Ministerialdirektor des Kultusministeriums, Geheimrat Althoff begleiten, wie die „Germania" erklärt, die ja bei dem jetzigen Kurs am besten Bescheid wissen muß. Der Besuch der Kaisers in Lissabon wird am 27. März erwartet. Er soll zwei Tage in Anspruch nehmen. , Der^König von England ließ sein Nichterscheinen durch dringliche Staatsgeschäfte entschuldigen. Der in Eisenach stattgehabte H o ch s ch u l t a g führte zu einem alle Nniversitäts-, Hochschul- und Bergakademie-Studentenschaffen umfassenden Verbände, der sich einmütig für die Abwehr des konfessionellen Absonderungs-Systems auf den Hochschulen aussprach. Auf dem Wartenberge am Fuße des Bismarck- oenkmals hielt der Jenenser Professor Thümmel eine zündende Rede. Aufsehen erregte die A n 1 w o i t des Kaisers auf das Huldigungstelegramm der Studierenden. Wir nehmen an, daß auch die Studenten, die sich in Eisenach versammelten, nichts anderes wünschen, als unter Achtung vor der Ueber- zeugung Andersgläubiger das deutsche Studententum! vor nattonaler Zersplitterung zu bewahren. Es würde gewiß zu weit gehen, wenn man ein Verbot konfessioneller Studentenverbindungen ansttebte. Die nicht klerikale deutsche Studentenschaft will mit eigener Jugendkraft zu einer inneren Neubelebung idealer Prinzipien schreiten und in sich das nun erfreulicherweise erwachte Bewußtsein einer hohen Aufgabe wach erhalten. In Ungarn soll nun endlich die Ernennung des Grafen Andrassy zum Ministerpräsidenten in den nächsten Tagen erfolgen. Dieser wird für das Programm der Krone eine entsprechende Majorität zu bilden haben. In militärischer Beziehung werden keinesfalls bezüglich der Kommandosprache Konzessionen gemacht werden. Heute, am Montag, wird der Kaiser die Grafen Tisza und Andrassy empfangen. Kvssuth propagiert passive Resistenz, falls in der Militärffage Wien unnachgiebig bleiben sollte. Bald nach der Eroberung von Mukden haben die Japaner auch Tieling, 69 Kilometer nordöstlich von Mukden. besetzt. Die Russen werden vermutlich versuchen, Charbin (350 Kilometer nordwestlich von Tieling) bezw. Kirin (275 Kilometer nordöstlich von Tieling) zu erreichen. Kirin liegt auf dem Wege nach Wladiwostok zu. Charbin ist der Knotenpunkt der sibirischen und der Mandschureibahn. Beide Orte, Charbin wie Kirin, sind stark befestigt. Marschall Oyama berichtet, daß japanische Truppen am 16. März nördlich von Tieling auf dem rechten Ufer des Liaoho gelegene Anhöhen besetzten. Kuropatkin hat gemäß dem kaiserlichen Befehle vom 15. ds. den Oberbefehl am 17. an Linewitsch übergeben. Ueber die Enthebung Kuropatkins äußern sich sämtliche russische Tagesblätter sehr zurückhaltend. Die meisten sagen, die Beurteilung Kuropatkins als Heerführer gehöre der Gesckichte an. Die deutsche „Petersb. Ztg." sagt, die Geduld, die Kuropatkin bei seinem Auszuge predigte, hat nicht vorgehalten. Die „Nowoje Wremja" schreibt, Kurovatkin war viel zu vorfichtig, die Verantwortlichkeit fällt nicht allein auf ihn, sondern auf das Marine-Reffort und die russische Diplomatie. Es scheint übrigens, als habe sich mit der Entlassung Kuropatkins aller Haß und alle Erbitterung in Mitleid verwandelt. Ein Petersburger Privat-Telegramm berichtet Einzelheiten über den letzten in Zarskoje Selo unter dem Vorsitz des Zaren stattgehabten Kriegsrat. Die Sitzung soll sehr erregt verlaufen sein Die zur Teilnahme am Kriegsrat berufenen Generale waren beauftrag, ausschließlich über Mittel und Wege,' die zur Fortsetzung dies Krieges nötig seien, zu beraten. Vor der eigentlichen Sitzung fanden zwei Vorbesprechungen statt, an denen der Zar nicht teilnahm und in denen das Programm für die Sitzung festgelegt wurde. In der Hauptsitzung ergriff der Zar zuerst das Wort und seine Stimme erzitterte, als er erklärte: „Meine Herren, Kuropatkin ist moralisch zerrüttet, aber augenblicklich gewinnt sein Ansehen doppelt, denn erst jetzt erkenne ick die g r o ß e n V e r d i e n st e, die er mir in diesem Kumpfe bisher geleistet hatt Er bietet mir seine Demission an. Vergessen Äe bei seinem Unglück nicht seine hohen Tugenden/' Mle Generale waren außerordentlich bewegt. Vielen standen die Thränen in den Augen. General Dragomirow ergriff als erster das Wort Er ttitisierte die letzten Operationen Kuropatkins und beaniragte schließlich, ihn Mrückzuberufen. Die Mehrzahl der Mitglieder des Kriegsrates schloß sich diesem Anttage an, worauf die Rückberufung mit allen gegen drei Stimmen beschlossen wurde. . _ . Die Times" meldet, daß General Lmewitsch em ausgesprochener" Gegner der Presse sei. Seine erste Tat als Ober- MebWBer fei ine Jnh'biernng aller Depeschen an bie Zeitungen gewesen. Bestimmtes weiß man darüber noch nicht Der Regierung aber würde das kaum mißfallen. Den bekannten Militärschriftsteller Kapitän Clado hat sie wegen Verössentsichung von Artikeln über die Kriegslage aller seiner Funktiou"u entheben und seine Bezüge aus em Viertel r-duziert. Für die Japaner bedeutet bcr fortgesetzte Rückzug der Russen eine wachsende Erschwerung der Operationen, weil sie sich immer weiter landeinwärts von ihrer Basis entfernen. Sollten die Russen sich ganz aus der Mandschurei entfernen wollen, so könnten die Javaner diese der Obhut ihrer rechtmäßigen Eigentümer, der Cb-'nesen, übergeben, und letztere veranlassen, bis auf weiteres ifyr Eigentum an der Grenze gegen Rußland unter bewaffneten Schutz zu stellen. Freilich kommt es Japan wesentlich darauf an, einen Ersatz für die schweren, tit diesem Existenzkämpfe gebrachten Opfer, zumal an Geld, einzu- bringen. ,Wie das aber geschehen soll, ist nicht abzusehen. Die innere Lage Rußlands verwickelt sich mehr und mehr. Zu der Bewegung, die der liberale Reformeifer, die soziale Gärung unter den Arbeitern hervorgerufen bat, kommen jetzt umfassende B a u e r n u n r u h e n, ja ein roher Bauernkrieg gegen den Besitz. Vielfach haben Bauern Großgüter angegriffen, dabei auch Kronaüter nickt aesckynt. , , ___!_«—-■________±2.™» . ■ 11 — Der Hr-iea. Die Ernennung des Generals Lmewitsch zum GeneralissimuZ hat überrascht, da man vermutete, dutz Großfürst Nikolaus Nikolajewitsch mit diesem Posten betraut werden würde. Es heißt, dieser hatte früher das! Kommando gern übernommen, habe aber unter den jetzigen Umständen darauf verzichtet, weil er die Verantwortlichckeiti nach den letzten Mißerfolgen der russischen Armee nicht habe übernehmen wollen. Linewitsch ist ein Greis. Er steht im Mter von 67 Jahren. Im Jahre 1838 gileboren, trat er im Jahre 1855 in den Militärdienst und nahm zunäckist an den Feldzügen in den Jahren 1859, 1860—65 und 1877—78 teil. Als Kommandierender der Truwpen des Süd-Nssurigebietes reorganisierte General Linewitsch die sibirischen Schützenregimenter. 1900 zog er an der Spitze des Petschili-Detachements nach Peking zur Befreiung der belagerten Gesandtschaften. 1903 wurde er Kommandeur der Truppen des Amurgebietes. Als der Bruch zwischen Japan und Rußland erfolgte, hatte Linewitsch die Expedition zu organisieren, bie nach Nord- Korea entsandt wurde. Linewitsch ist wiederholü schwer verwundet worden. Im russisch-türkischen Krieg, während des Sturmes auf die Zichis-Dsiosker-Höhen wurde er an der linken Hand und am linken Fuß verwundet und» an der linken Brustseite kontusioniert. Man hatte schon die Amputation des Fußes beschlossen, doch wurde ihre Ausführung ausgesetzt, unb die Wunde heilte bald. Seitdem hinkt Linewitsch leicht und kann nicht ohne Stock gehen. Der General hat zahlreiche Auszeichnungen für Tapferkeit vor dem Feinde erhalten, u. a. auch das Groß- tteuz und einen gvldenen Ehrensäbel. Die Kampfe nördlich von Tieling dauern fort und die Japaner drängen bald auf dem rechtes bald auf dem linken Flügel die Russen zurück. Es verlautet, daß eine starke japanische Infanteriekolonne westlich von der Bahn nach Norden marschiert, um den Rückzug abzuschneiden. Ein Telegramm des Generals Linewitsch vom 18. März meldet: Jiaparnsche Batterien beschossen gestern rrrssische Truppenabteilungen in den TalerN bei Tavanpun und ^janpun. Der Feind wurde bei Kaotaitse bemerkt. Die Stadt Fakoumin wurde von japanischer Kavallerie besetzt. Die Armeen fahren fort, sich zu konzentrieren. Russische Vorbereitungen. Von 400 000 gegen Japan zu mobilisierenden Soldaten stehen 150 000 seit Jamrar ausgebildet zur Verfügung; die übrigen sollen in drei Abständen, MärA. Mai und JunL einberufen werden. Die Anhänger der Kriegspartei unterschätzen die bevorstehenden Schwierigkeiten. Die sozialisttsche Presse verbreitet Aufrufe, die zur Verhinderung der Mobilmachung mit allen Mitteln auffordern. Es werden ernste Unruhen vor Mitte April nicht erwartet. Ein kaiserlicher Erlaß ordnet an, daß wegen der wetteren Mobilisierung in 22 Kreisen der Gouvernements Moskau, Warschau und Odessa Pferdemusterungen stattKu-' finden haben. Der russische Eisenbahningenieur Kremihoff ist nach der Mandschurei abgereist, um Mittel und Wege zu finden, den Transport auf der sibirischen Bahn zu beschleunigen. Frankreich warnt. Der ofsiziöse „Temps" schreibt über die Absicht Ruß» lands, den Krieg fortzusetzen: „Wir haben bereits gesagt: und wir meinen rrach wie vor, daß eine andere Polittk, eine sofortige Liquidation, den Interessen Rußlands besser entsprochen hätte. Es ist klar, daß Rußland eine neue ^Anstrengung machen kann, es ist aber fraglich, ob unter den gegenwärtigen Verhältnissen diese Anstrengrmg opportun und nötig ist. Japans Anleihe in Deutschland. Tie seit längerer Zeit unter Führung der Deutsch- Asiatischen Bank und Beteiligung sämtlicher größeren Ber-. liner Finanzinstttute stattsindenden Verhandlungen über eine japanische Anleihe in Deutschland stehen unmittelbar vor dem Abschluß. Tie Anleihe wird eine fünf- prozentige sein. in Sturm und Drang. Der Kattätschenschnß gegen das Winterpalais. Die Ossizrere, die für den Kartätschenschuß gegen das Winterpalais des Zaren verantwortlich sind, durch den ein Schutzmann verletzt und beträchtlicher Materiasschaden angerichtet wurde, sind am Samstage vom Kriegsgericht abgeurteilt worden. Daß Fehlen einer bösen Absicht wurde dabei endgiltig festgestellt. (M DaS Urteil lautet gegen die Kommandeure der ersten Batterie der ersten Leibgarde-'?tttilleriebrigade, die Kapitäne Dawydow und Karzew und den Unterleutnant Roch II. wegen Unterlassung dienstlick-er Obliegenheiten auf Verlust aewissen Vorrechte, zur Dienstentlassung ohne Verlust des Rangess und auf sagende Festungsstr äsen: Dawydow Jahre, Karzew ein Jahr fünf Monate, Roth II. ein Fahr vier Monate. Außerdem wurden verurteilt Roth I. zu drei Monaten Arrest auf der Wache und Einschränkung gewisser Vorrechte, der Geschützführer Gondarew und der Kanonier Mpalkow zum Verlust gewisser Vorrechte und Einstellung in das Arrestanten!'ataillon auf zwei Fahre. Oberstleutnant Polowzcw und der Geschützführer Patrikejew sind jr ei gesprochen worden. Ein neues Komplott. Die Geheimpolizei entdeckte in Moskau ein umfassendes, unter der Aegide des Londoner revolutionären Komitees stehendes Komplott. 300 Personen wurden unter dem Verdachte, diesem Komplott anzugehören, verhaftet. Auch wurde ein geheimes Bombendepot, sowie Waffen jeder Art mit Beschlag belegt. Außerdem entdeckte die Polizei eine geheime Druckerei, in welcher zwei Pressen, Schreibmaschinen und Korrespondenzen aufgesunden wurden. Letztere gewährten wichtige Einblicke in die Tätigkeit des revolutionären Komitees und über die Vorbereitungen zur Ermordung des Großfürsten Sergius. Witte soll, als er den Zare n nach der Niederlage bei Mukden auf die Aussichtslosigkeit weiterer Unternehmungen aufmerksam machte und die eventuellen Friedensbedingungen entwickelte, von diesem eine s ch r o f f e Z u r e ch t w e i s u n g erfahren haben und gilt nunmehr als kaltgestcllt. Er soll nunmehr einen Entwurf ausgearbcitet haben, der die Sns- pendicrungdes Ministerkonlitees und die Ueber- gabe aller Angelegenheiten desselben an den Ministerrat zu,m Gegenstand hat. Dadurch wird ihm die Möglichkeit geboten, sich still zrrrückzuziehcn, da er als Staatssekretär nicht verabschiedet werden kann. Wie verlautet, werde der Landwirtschaftsminister Jermolow anstelle Wittes zum Präsidenten des Ministerkomitees ernannt werden. An8 dem Kaukasus. „Nowoje Wremja" meldet aus Baku unterm 18. März: £te jüngsten Unruhen sind zweifellos das Werk des armenischen Revolutionskomitees. Im statistischen Bureau des Stadtamts wurde die Bibliothek des örtlichen Komitees aufgefunden. Daselbst wurden auch zehn Personen verhaftet. Unter den Verhafteten befinden sich 39 Anarchisten. Zn Kasan wurde ein zugereister Mann verhaftet, welcher in Banken Wertpapiere zu verkaufen versuchte. Diese gehörten, wie festgestellt wurde, Leuten, die bei den blutigen Zusammenstößen in Baku umgekommen sind. Ter Mann gab, als er verhaftet wurde, Schüsse ab und machte einen Selbstmordversuch. Es wurden bei ihm über 200 000 Rubel Wertpapiere gefunden.____________________________________ AeutlÄ-Sudwestafrika. Ein Telegramm aus Windhuk meldet: Reiter Alfons Nittershofer ist am 12. März auf der Jagd durch Unvorsichtigkeit erschossen morden. Der seit dem 15. Februar vermißte Reiter Emil Bergemann, geboren in Damm, früher 3. Garde-Regt., ist nördlich von Hatakobis wieder aufgefunden morden und befindet sich gesund bei der Truppe. Im Gefecht bei Gei hau es ist am 11. März gefallen: Leutnant Eduard Führinger, geboren in Emden, früher Jägerbataillon Nr. 9. Schmer verwundet: Feldwebel Gustav Mesech (Brustschutz), Unter- ossizier Peter Jenden (Schutz in rechten Oberschenkel), Unter» offizier Andreas Schminn (Schutz durch die Brust); Reiter Friedrich Niedecker (Brustschutz); Reiter Johann Gehnen (Schuß in beide Oberschenkel); Kriegsfreiwilliger Franz Kopf. Leicht verwundet: Leutnant August Funk, Leutnant Herbert Papel, Leutnant Kurt Wolff, Unteroffizier Wilhelm Bartelt, Unterofftzier Edwin Eckardt, Reiter Friedrich Geboer. Nach einer Meldung General v. Trothas vom 18. März steht Oberst Deimling mit den vereinigten Abteilungen Kamptz und Koppy bei Nurudas und säubert zunächst das Gebirge. Eine Kompanie mit zwei Geschützen wurde zur Abteilung Kirchner nach Kosis entsandt. Major v. Lenge rke, der mit Deimling durch eine Offizierspatrouille die Verbindung hergestellt hat, steht bei Kochanas. Er hatte bis zum 12. März morgens keine Berührung mit dem Gegner. Teutsckes Reich. Berlin, 19. März. Der Kaiser besichtigte gestern in der Bildergalerie des Königl. Schloßes 52 Linien- und 76 Landwehrfahnen. Heute wurde der Bezirkspräsident von Lothringen, Graf Zeppelin-Aschhausen, vom Kaiser zur Frühstückstafel befohlen. — Der gestrigen Soiree beim Reichskanzler wohnten der Kronprinz, Prinz Joachim Albrecht, Vertreter der Diplomatie und zahlreiche Künstler und Gelehrte bei. — Wie eine hiesige Korrespondenz von gut unterrichteter Seite erfährt, wird der Chef des Zivilkabinetts, Wirkt. Geh. Rat Dr. v. Lucanus, in nicht allzu ferner Zeit in den Ruhestand treten. Lucanus, der sich schon feit längerer Zeit mit der Absicht trug, seinen verantwortungsvollen Posten zu verlosten, tritt in diesem Frühjahr in sein 75. Lebensjahr und dürfte diesen Zeitpunkt zur Erneuerung seines Abschiedsgesuches wahrnehmen. — Frau Minna Gau er und Frl. Dr. Anita Augs- purg hatten eine Eingabe an den Reichstag gerichtet, in der sie baten, das Tragen von Maulwurfspelzwerk unter Strafe zu stellen, da der Maulwurf ein der Landwirtschaft nützliches Tier sei. Der Landwirtschaft drohe durch die gedankenlose Modetorheit deutscher Frauen ein unabsehbarer Schaden. Tie Petitionskommission konnte sich nicht darüber einigen, ob der Maulwurf der Landwirtschaft mehr schade oder nütze, und verwarf die Petition. — Anläßlich der Feier des 18. März erschien gestern nur eine kleine Zahl Neugieriger auf dem Kirchhof am Friedrichshain, um die Gräber der gefallenen Freiheitskämpfer zu schmücken. Im Gegensatz zu früheren Jahren hat die Zahl der Kränze bedeutend abgenommen, und etwa ein halbes Dutzend verfiel der polizeilichen Konfiskation. — Der Bundesrat stimmte gestern Nachträgen zum Reichshaushalt für 1904 und Ergänzungen für 1905 zu. Genehmigt wurden die Bestimmungen für die am 1. Dezember 1 905 stattfindende Volkszählung. — Dem Reichstage wird voraussichtlich in der nächsten Tagung eine Denkschrift über die bisher getroffenen Einrichtungen zur Versicherung gegen Arbeitslosigkeit und über die damit erzielten Ergebnisse vorgelegt werden. __ Der antisemitische Neichstagsabgeordnete und Pastor «. D. Krösell Hai sich mit einem großen Teil seiner früheren Anhänger überworfen. In dem Kyritzer landwirtschaftlichen Ein- und Verkaufsverein, in dessen Vorstand Krösell nach seiner Wahl gewählt worden ist, und dessen finanzieller Zusammenbruch nur dadurch verhütet worden ist, daß von einzelnen interessierten Großgrundbesitzern dem Verein ganz erhebliche Beträge (über 100000 Mk.) zur Weiterführung der Geschäfte zur Verfügung gestellt worden sind, ist es jetzt zu einem großen Krach gekommen. Inder Generalversammlung gab Regierungsrat Schlange die Erklärung ab, daß er aus dem Vorstände aiisicheide, weil er ein gedeihliches Zusammenarbeiten mit Krösell für ausgeschlossen halte. Jetzt ersteht man aus einer Einladung zu einer für den 25. März einberufenen autzerordentliehen Generalversammlung, daß Krösell von dem Aufsichtsrat und dem Vorstand aus dem Verein ausgeschlossen worden ist. Düsseldorf, 19. März. Die Ausschüsse des Vereins zur Wahrung der gemeinsamen wirtschaftlichen Interessen in Rheinland und Westfalen und, der nordwestlichen Gruppe des Vereins deutscher Eisen- und Stahlindustrieller beschlossen, den Landtag um Ablehnung der Berggesetznovelle zu bitten. In einer weiteren Resolution nahm der Vorstand und der Ausschuß des Vereins zur Wahrung der gemeinsamen wirtschaftlichen Interessen in Rheinland und Westfalen zu den Handelsverträgen Stellung und gab dem Wunsche Ausdruck, daß bei den noch fernerhin abzuschließen- den Verträgen die Interessen der Industrie mehr gewahrt würden. Preußisches Abgeordneterihaus. Berlin, 18. März. Die dritte Beratung des Etats wird fortgesetzt beim Etat der Justizverwaltung. Abg. Cassel lfr. Vp.'» bespricht die iingleiche Behandlung der R i ch t e r j ü d i s ch e n Bekenntnisses gegenüber den Vertretern anderer Religionen bei der Beförderung in höhere Stellen. Der Juslizminister habe es abgelehnt, auf diese Fragen einzugehen, weil die Ernennung der Richter zu den Prärogativen der des Königs gehöre. Zweifellos gehöre die Ernennung der Richter zu den Prärogativen der Krone. Dieses Recht darf aber nur nach Maßgabe der Verfassung und der Gesetze unter der Verantwortlichkeit d-r Minister ausgeübt werden. Nach dem Gesetze vom 5. Juli 1869 soll die Verleihung von Aemtern unabhängig vom Religionsbekenntnis erfolgen. Redner weist darauf hin, daß die Haltung der Staatsregierung keine einheitliche ist, denn als kürzlich diu Zentr'umsabgeordneter sich darüber beschwerte, daß bei der Besetzung höherer Verwaltungsämter die katholischen Bewerber zurückgesetzt würden, da hat der Minister des Innern sich nicht mit den Märogativen der Krone gedeckt, sondern eine sehr eingehende Auskunft an der Hand einer umfangreichen Statistik erteilt. s?(uf Anregung des Abg. v. B r o ck h a u s e n (k.) erwidert Minister Schönstedt, daß eine Vereinfachung des Wechselrechts angestrebt werde. Der Etat wird bewilligt. Es folgt der Kultusetat. Hierzu liegt ein Antrag der Nbgg. Dr. Arendt lsk.) und Genossen vor, für die öffentlichen schulen eine den Verhältnissen von Stadt und Land Rechnung tragende F e r i e n o r d n u n g herbeizuführen. Ministerialdirektor Dr. Schwarzkopf bittet, den Antrag Arendt abzulehnen. Für die Bemessung der Ferien der höheren Lehranstalten müßten andere Gesichtspunkte maßgebend sein, als für die Volksschulen. Abg. Frhr. v. Zedlitz (ff.) wendet sich nochmals, wie bei der zweiten Lesung gegen die Auffassung der Freisinnigen, daß es möglich sei, ein Volksschulunterhaltungsgesetz zustande zu bringen. Redner geht dann auf den Fall R o 11 e n b u r g ein, der Bonner Uuiv.-Curator v. Rotteuburg habe einseitig für die streikenden Bergarbeiter Partei ergriffen. Abg. S t v - chel (Pole) bringt mehrere Erlasse zur Sprache, durch die die Polen sich beeinträchtigt fühlen, und wirft der Unterrichts-Verwaltung vor; daß in ihr eine Willkür Herrschaft bestehe, wie in Rußland. Die polnischen Le harr und Beamten wurden gezwungen, bei den Wahlen für den deutschen Kandidaten zu stimmen, dadurch würden sie zu geist- und willenlosen Werkzeugen herabgedrückt. Minister Studt erwidert, er habe keinen Anlaß, auf die Beschwerden des Vorredners einzugehen. Der Antrag Rewaldt wird abgelehnt. Der Kultusetat wird genehmigt, ebenso das Etatsgesetz. Damit ist die E t a t s beratungbeendet. Es folgt die zweite Beratung des Gesetzentwurfs über die A ende rung der Landesgrenze gegen Br e- me_n. Ein Komvromistantrag auf Rückverweisung an die Kom- mjssion wird einstimmig ana-nommen.________________________ Kirche und pcknte. — Kein Theaterverbot. Die Meldung, daß im Fürstentum Neuß j. L. den Geistlichen der Theaterbesuch untersagt fei, ist, wie jetzt aus Gera mitgeteilt wird, absolut unrichtig. Auch die Meldung, daß der Erbprinz Heinrich XXVI. durch den Geh. Oberkirchenrat Lotze habe in Erinnerung bringen lassen, daß es nicht gern gesehen werbe, wenn die Geistlichen das Theater besuchen, ist falsch. Wahr ist, daß der Erbprinz den Wunsch ausgesprochen hat, die Geistlichen möchten, um nicht Anstoß zu erregen, in der Auswahl der Stücke beim Theaterbesuch recht vorsichtig fein. (Der Erbprinz-Regent von Reuß j. u. ä, L. ist selbst ein kunstverständiger Theaterfreund, der auch der neuesten Dramatik im Geraer fürstl. Theater die Tore geöffnet hat. Darum mußte die Meldung vom Theaterverbot überraschen. Da sich unter der reußischen Geistlichkeit auch ein ate Blihnenschriftsteller tätiger Herr befindet, der der neuesten Kunstrichtung nicht abhold ist, so mag das hier oder da Anstoß erregt und zu diesem Wunsche des Erbprinzen die Anregung gegeben haben. D. Red, d. Gieß. Anz.) A usSand. Rom, 19. März. „Agenzia Stefans" meldet aus Aden unterm 19. März: Der Vertreter der italienischen Negierung, Pestalozza, ist an der S o m ,a li k ü st c eingetroffen. Pestalozza hat in J'llig mit dem Mu llah ein Uebereinkommen nach bestimmten, von der italienischen Regierung vorgeschlagenen Bedingungen, auch im Interesse der englischen Regierung abgeschlossen. Das Ucbereinkommen vereinbart den allgemeinen Frieden. Der Mullah geht diese Verpflichtung sowohl gegenüber Italien als auch gegenüber England ein. Dadurch werden die Stämme in dem italienischen und dem englischen Schutzgebiet von den beständigen Raubzügen und "Verheerungen ihrer Ländereien befreit. Ter Mullah nimmt Aufenthalt m einem Gebiet, das bereits zum italrenischen Schutzgebiet gehört und dem Mullah durch das Uebereinkommen zu- gewiesen wird. Seinen ständigen Wohnsitz errichtet der Mullah an einem zwischen Ras Garad und Ras Gabbe gelegenen Punkte der Küste. Er unterstellt sich der italienischen Cchutzherrschaft und erkennt auch der italienischen Regierung die Befugnis zu, wenn sie will, einen Residenten bei ihm zu ernennen. In dem dem Mullah zugewiesenen Gebiet soll freier Handel gestattet, aber jeder Waffen- und Sklavenhandel verboten sein. Tas neue Uebereinkommen macht in Aden einen ausgezeichneten Eindruck, denn durch dasselbe wird nicht nur den schwierigen und kostspieligen militärischen Operationen Englands ein Ende gesetzt, sondern auch der unsicheren Lage, die feit mehreren Jahren das ganze Somaliland schädigte. — Aus London wird der „Ag. Stefani" gemeldet: Ter Gouverneur von Britisch-Somali- land spricht in seiner Depesche, in welcher er den Abschluß des Abkommens zwischen dem italienischen Vertreter Pestalozza und dem Mullah hierher meldet, seine lebhufte Befriedigung über das Zustandekommen aus und zollt dem italienischen' Unterhändler hohes Lob. Derselbe habe, indöm er die Anweisungen seiner Regierung ausführte, durch« persönliches Geschick zur Ueberwindung aller Schwierigkeiten beigetragen. Wien, 18. März. Der Gemeinderat beschloß, von der Regierung strenge Anwendung der gesetzlichen Bestimmungen gegen die Einwanderung von Arbeitslosen aus Rußland zu verlangen. In der Debatte hierüber tadelte der Sozialist Reumann scharf, daß die Regierung ausgefordert werde, Rußland Bütteldienste zu (e ist e n. Uebrigens sei die Regierung nicht in der Lage, russische Militärflüchtige aus Oesterreich auszuweisen. Die Zahl der russischen Deserteure in Oesterreicb wird auf mehr als 10 000 geschätzt. Aus Stadl und LanÄ. Gießen, 20. März 1905. * * Hudde in Heldenbergen. Der „F. ©/ berichtet über die (natürlich vollständig erlogenen) Aussagen des Raubmörders, die er am Tatorte gemacht haben soll, folgendes: Am Abortfenster des Pfarrhauses habe fein Genosse Willy die Schuhe ausgezogen und fei mit dem Kopfe voran durch da§ Fenster gestiegen. Er selbst habe seine Schuhe anbehalten unb sei gleichfalls mit dem Kopfe voran dem Gefährten auf demselben Wege gefolgt. „Nachdem mir eingestiegen waren, find wir bis zur Haustüre gegangen, hier habe ich die Schuhe ausgezogen und die Ture aufgeriegelt, dann traten wir ins Wohnzimmer und wie wir dort nichts fanden, gingen wir ms Eßzimmer und von dort in die Küche. Hier sagte Willy, ich will ein Messer mitnehmen, da können wir, wenn der Pfarrer aufwacht, ihm Llngst damit machen. Ich hatte schon vorher, als wir den Gang entlang gingen, dem Willy mitgeteilt, hier in diesem Zimmer schläft der Pfarrer. Nun gingen wir ins Schlafzimmer. Während ich mir am Schreibtische zu schaffen machte, hörte ich einen kurzen Wehruf, ich dachte, der Pfarrer wäre munter geworden und drehte mich um, um zu helfen, den Pfarrer niederzudrücken, damit er sieht, daß wir zwei sind und Angst bekommt. Da sah ich, daß der Pfarrer schon tot war. Jetzt forderte ich den Willy auf, lieber schnell fortzugehen. Da hat er gesagt: Die Sache ist ja geschehen, jetzt wollen wir auch das Geld mitnehmen, ivelches da ist. Nachdem wir alles durchgesucht hatten", so fuhr Hudde fort, „ging ich früher aus dem Zimmer heraus als Willy. Wir nahmen uns eine Flasche Wein mit, Willy breitete auf dem Platze vor dem Abortfenster ein großes Tuch aus und setzte sich darauf. Ich habe daneben gestanden, dann haben wir zusammen den Wem ausgetrunken und etwas gegessen. Ich bin dann denselben Weg durch den Garten zurückgegangen, während Willy über die Mauer stieg und wir trafen uns an dem Kreuzweg, wo die Straße sich teilt und die Wege nach Windecken, Büdesheim und Großkarben abgehen. Von hier aus begaben wir iins auf verschiedenen Wegen nach Frankfurt zurück. Ich reifte nach Koblenz ab, wo Willy sich jetzt befindet, sage ich nicht." Das ganze Aliftreten Hiiddes ist selbstbewußt unherausfordernd, fast frech; nur als man ihm die Photographie des ermorbeten Pfarrers vor Augen führte, zuckte er einen Augenblick zusammen, gewann jedoch sofort seine frühere Sicherheit wieder. Das Gericht schenkt den Angaben des Mörders, soweit sie sich auf den unbekannten Freund, Genossen Willy und Hiiddes Nichtbeteiligung an der Mordtat erstrecken, diirchaus keinen Glauben. ^*DerSängerkranz>Gießen veranstaltete geftenr tm Neuen Saalbau ein vorzügliches Konzert, dessen geschmackvolles Programm den Beifall des voll besetzten SaalcS fand. Da war zunächst das Quartett für Violine, Viola, Eello und Klavier von Beethoven, das, von den Herren Franz Bauer, Musikdirektor Krautze, Ernst Krautze und Julius Hahn vorgetragen, eine überaus» weihevolle Stimmung hervorbrachte. Tie Männerchöre, teils sehr interessante fremdländische oder geschichtliche Lieder, waren gleichfalls boit tiefer Wirkung. Tie Solisten, Frl. Sack (Sopran) und Frl. Bauer (Alt), Herr Lotz (Bari-- ton) und die oben bereits genannten Künstler haben durch ihre gediegenen Vorträge die künstlerischen Darbietungen der Veranstaltung gehoben und verschönt. * * Aus bem Bureau des Stadttheaters. Es fei nochmals auf die morgige Aufführung von „Alt- Heidelberg" hinqewiesen, die als Benefiz für das beliebte Mitglied unserer Bühne, Frl. Marga Ruf, in Szene geht. Mit der Aufführung dieses Stückes sowie mit dem Frl. Ruf bewilligten Benefiz dürste den Wünschen vieler Theaterfreunde entsprochen sein. * * Stadttheater. Herr de Giorgi hatte sich M seinem Benefiz einen Schwank erwählt, den stets zugkräftigen „Hans Huckebein", der denn auch gestern^ am Sonntag, ein voll besetztes Haus erzielte, lieber den' guten Menschen Hnckcbein irgend etwas reden zu wollen, wäre vergebliches Bemühen; er erschöpft seine Lebensgeister' lediglich in Au's und Oh's über den komischen Schicksals-^ wetterhaael, der auf ihn niederprasselt. Wie mit einem stählernen Helm fängt er die schwankhaften Schwertstreichs der Helden Blumenthal und Kadelburg auf, indessen das Publikum darüber lacht und über die anderen Personen des Stückes, die unter dem Gußregen aus dem bewölkten Dichtergeist der beiden Autoren unter einigen Kniebeng- irngen ihre Schirme aufspannen. Doch es soll nicht bestritten werden, daß das Kreuzfeuer der Witze, das sich die Schwankdichter über den verhängnisvollen Schabernack des Kinematographen geleistet haben, mitunter sehr belustigend ist. 5)err Andreas war, abgesehen von-einigen Flüchtigkeiten in der Rede, ganz in''seinem Element, und unser« übrigen bewährten Lustspielkräfte, namentlich Herr Eon-« radi und Frau Jenny brachten gleichfalls viel Heiterkeit hervor. Frl. Gartner als tiefgekränkte Gattin konnte an eine besser für sie passende Aufgabe gar nicht gestellt: werden, während Frl. Rus die Bewegungen einer Mädchenerzieherin nicht gans glücklich zuwege brachte, lvenn sie auch im übrigen ihre gewohnte Munterkeit entwickelte. Herr de Giorgi, als „Festveranstalter", hatte sich in die dunklen Locken des russischen Boris Mensky gesteckt, der seinem Freunde Huckebern als Freund und Mitmacher an die Seite gestellt wird. Herr de Giorgi machte seine Sache gut; er pflückte feinen Lorbeer nicht nur, nein, eri wurde ihm gebracht, in Gestalt mehrerer Blllmenspendeu mit Beila-gen. Die 6-esangseinlage „Lob der Frauen" loac Erreich °;-.'Ü'„K berat W von bet er(oqenen) 9{UPt ' &e* xt'S* ne^Ne anbebnifp *?*?*wJ5 h’e „Äsen ””«» w fae ich die tzchch L ® kotm wie i« gmgm m ?c* Hier sagte Will» En wir, wenn be; in*n- R hatte scht »M°, dem Willy mit. lQ,t .der Pfarrer. Nu« •nb ich mir am Schreib. 'nen kurzen Wehruf, idj worben und drehte mich lkberzudrücken, damit w bekommt. Da sah ij, torbecte ich den Will, bat er gesagt: Die §ch ch bas Geld mitnehm^ burchgesucht hatten', p ms bem Zimmer herast ine Flasche Wein n vor bem Abortfen: ich darauf. Ich k ir zusammen den l Zch bin dann benp: jen, während ffiiüo an dem KreuzwezM nach Wmdecken, Tübi:- t)ier au§ begaben mit jronffurt junitfIch fetzt bcfinbet, sage tcf ist selditdem^ v \M. CIir ch \M seine fik' entt den Angaben $ mMdnnfm Sreunb fr iligung an d-r ®* ; e n oeirnjtalteteW- >es Konzert, d-P S^ Falt des voll fc# i Quartett für $* i-th-ven, das,»» .(tot Krar-be^i •getragen, eine «1» ?it -MämerMm- eiäiAtlto* tiffSÄ Si.Mii»"; ;*»■** nwähv' de« i gtti, d er erzreite- « ?, lomn^«»einem JafieU S^ertffteW ,- am1 KnieM unter c«!Ä, nW K Wi>MS •• Len^Är««' - V ilich - Sfln« vxel • •. £ ■ ,/gar .."•^ ,'jch i? Lt " ^ea«i nicht nach dem Geschmack aller Theaterbesucher; Herrn be Giorgrs Kunst sollte denn doch mit solchen Coupletvorträgen, 'die man auch in Wirtshäusern zu hören Gelegenheit hat, nichts zu tun haben. Gr kann, wie er schon bewiesen bat, etwas Besseres. Tie Vorstellung hätte noch mehr gefallen, wenn der Souffleur sich weniger angestrengt hätte. , Ä. G. •* Eine Diebin. Vor einiger Zeit war einer hiesigen Metzgersfrau aus bem Laden eine wertvolle Wurst verschwunden, und sie hegte Verdacht gegen eine Arbeiterfrau, die ab und zu etwas einkaufte. Sie faßte sich die Person ins Auge und ertappte sie dann auch richtig am vorigen Samstag dabei, als sie zwei Stücke Fleisch und ein Stück Wurst in ihrem Korb verschwinden ließ. Das Fleisch wurde ihr wieder abgenommen, und es stellte sich heraus, daß sie das weitere noch im Korb befindliche Fleisch aus einem anderen Metzgerladen gestohlen hatte. Von der Polizei wurde die Frau als Gewohnheitsdiebin gleich erkannt und zur Anzeige gebracht. § Friedberg, 19. März. Unter dem Protektorat S. K. H. des Großherzogs findet gegenwärtig hier die 5. Verbands-Geflügel- und Vogel-Ausstellung des Verbands oberhessischer Geflügelzüchtervereine statt. Nachdem am Freitag nachmittag die erste Besichtigung der Ausstellung mit Anschließung der Prämiierung durch die Preisrichter und die Ausstellungsleitung vorgenommen worden war, wurde gestern vormittag die Ausstellung durch Kreisrat Fey durch eine Ansprache eröffnet. Der Eröffnung wohnten bei: Landes-Oekonomierat Müller-Darmstadt, Kreisamt- mann Hechler-Gießen als Vertreter der Provinzialdirektion, Oekonomierat S ch l e n ke -Friedberg, die Bürgermeister Stahl- Friedberg, Dr^ Kayser-Bad-Nauheim, Mühlschwein- Vilbel. Die Ausstellung ist von allen Nassen Zier- und Nutzgeflügel, in- und ausländischen Vögeln, Maschinen, Geräten 2C. sehr reich beschickt. Der Katalog umfaßt nahezu 400 Nummern. Von besonderem Interesse ist ein zahmer Storch, der in der Ausst"llung umher spaziert, sowie eine prachtvolle Gruppe ausgestopfter einheimischer Vögel, wofür der Besitzer, Dauhstummenlehrer Landau, einen Ehrenpreis erhielt. Die Prämiierung fand bereits Donnerstag nachmittag statt. Den 1. Ehrenpreis des Groß Herzogs (silberner Becher) für die beste Gesamtleistung in allen Ab- teilungen erhielt Lehrer Kn a up -Klein-Karben, den 2. Ehrenpreis des Grafen Solms-Nödelheim für die beste Leistung in Wassergeflügel Lehrer Presser-Hofheim, den 3. Ehrenpreis des Grasen Oriola für die beste Leistung in Hühnern Forst- wart Simon-Ehringshausen, den 4. Ehrenpreis des Frei- herrn von Leonhardi-Groß-Karben für die beste Leistung in Nutzhühnern PH. Södler-Nieder-Gemünden, den Ehrenpreis der Stadt Friedberg für die beste Leistung in Tauben H. Keller-Ossenheim. Außerdem wurden noch verteilt: 33 Ehrenpreise, 30 erste, 46 zweite, 58 dritte Preise und 74 lobende Anerkennungen. In Abteilung la Nutzhühner erhielten Ehrenpreise: Knaup-Kl.-Karbeu, Rbon-Ruppertenrod, Södler-Nieder-Gemünden, Thießen-Nieder-Gemünden, Schäfer-Gießen, 1. Preise Högy-Klein- Eichen, Müller-Henriettenhof, Simon-EhringShausen, Ohmeis-Ober- Erlenbach, 2. Preise Irieß-Nockenberg, Södler, Maus-Nupperten- rod, Nadetzki-Lich, Kliem-Kloppenheim, Stopler-Lauterbach, Engel-Birklar. 3. Preise Mayer-Gießen. In Abteilung Ib. Lege h ü Huer Ehrenpreise: Knauv, Simon, Presser-Hosheim, Dr. Pinko-Kirlorf. Preise: Simon, Fr. Becker-Gießen, Södler, Genzel-Bad-Naubeim. 2. Preise: Heller-Lich, F Jockel- Grünberg. 3. Preise: L. Han au-Gießen, Hoffmanu-Hosgütl, Stein-Grünberg, Hecker-Gießen. Abteilung le. Mast- hühner Ehrenpreise: Knaup, Stahl-Vilbel, Dörr-Lehnbeim, Simon. 1. Preise : Seip-Beltershain. 2. Preise: Nickel-Rodheim. 3. Preise: Naumaim-Laubach. A b t e i l u n g s ü r Z i e r h ü b n e r, Truten, Pfauen, Fasane: Ehrenpreis Kalbhenn-Vilbel. 1. Preis: Schwab-Bad-Nauheim. 2. Preis: Iöckel-Grüuberg. Lobende Anerkennung : Ebrist und Ritter-Grünberg. A b t e i lit n cj Wassergeflügel: Ehrenpreise Runk-Okarben, Beck-Klein- Karben. 1. Preise: Bürgermeister Heller-Lich, Presser-Hosheim. 2. Preise: Södler, Pitz-Laubach. 3. Preise: Stoll-Hungen, Möll- Laubach. Abteilung Tauben: Ehrenpreise Albacb-Lieh, Pfeil-Wisselsbeim, Keller-Ossenheim, Gerbard-Obermörlen, Franz- Queckborn, Weil-Leidhecken und Knaup. 1. Preise: Knaup, Keller- Ossenheim, Walther-Bauernheim, Scheurich-Kloppenbeim, Beck- Vilbel. 2. und 3. Preise: Schwieder-Gießen, Pitz-Laubach, Bürgermeister Heller-Lich. Abteilung Eier: 1. Preis Luh- Leihaestern. Abteilung Vögel: Ehrenpreis Stahl-Vilbel. 1. und 2. Preise: F e l s i n g - G i e ß e n, Fourier-Friedberg, Severt- Ober-Mörlen. Abteilung Kaninchen: 1. Preis Schmidt- Friedberg. Bei der Generalversammlung des Verbandes oberhessischer Geflügelzüchtervereine unter dem Vorsitze des Lehrers Knaup-Klein-Karben, an der die Vertreter der 9 Verbandsvereine teilnahmen, beschloß der Verband die Beteiligung an der landw. Landes- und Jubiläums-Ausstellung zu Mainz. Es sollen alle Arten Geflügel ausgestellt werden. — Der Geflügelzuchtverein Gießen 1903 hatte sich zur Aufnahme in den Ver» band angemeldet. Er wurde bedeutet, sich an einen anderen Verbandsverein anzuschließen, da schon der Verein Gießen 1897 dem Verband angehört. Ferner fand eine Beratung über die Verteilung der Mittel statt, die der landwirtschaftliche Provinzialverein zur Hebung der Geflügelzucht in Oberhessen bewilligt hat. Zum Schluffe sprach der Vorsitzende der kürzlich hier gegründeten oberhessischen Geflügel- Ma st - undVerwertungs-Genossenscha't,Oekonomierat Sch lenke. Der Verband steht der Genossenschaft sehr sympathisch gegenüber, und die Vorsitzenden der Verbandsvereine werden ersticht, für die Genossenschaft Mitglieder zu werben. — Der Besuch der Ausstellung war besonders am Sonntag trotz des ungünstigen Wetters sehr gut. Mit der Ausstellung ist eine Verlostmg verbunden. * Kleine Tages chrouik. In Santiago de Chile stürzte das Tecrtro Liriho ein. Zahlreiche Personen wurden getötet oder verletzt. — In Solingen zerfleischte in der Wieserscben Menagerie ein Bär seinem Bändiger durch einen C.blag mit der Tatze die Wange vollständig und bist einem Mes'erscbleüer, der ihm Brot reichte, ein Stück Finaer ab. Frnnst und Riffenfffiaft. Straßburg i. E., 19. März. Tic Wanderausstellung des Verbandes der Kun st freunde in den Ländern am Rhein wurde heute durch den Statthalter Fürsten zu Hobfnlohe-Langenburg in Gegenwart seiner Schwiegersöhne, des Erbprinzen von Reust j. L. und des Fürsten zu Leininaen und Gemahlinnen, ferner des Staatssekretärs v. Köller und Gemahlin, d"s Unterstaatssekr"'ärs Dr. b. Schrank. usw. eröffnet. Der Statthalter wies in seiner Ansprache darauf hin. dast z-um ersten Male in Iungd^ntschland alldeuls^e «md einheimische Künstler in künstlerischem W-ttbewerb ausgestellt und so eine Brücke hergestellt hätten zwischen der deutschen und der Pariser Kunst, von der bisher die K"nst des R^chslandes ihre Anregungen bezogen habe. Bürgermeister Lauer-Köln erwiderte, das Bestreben des Verbandes sei, die Kunst Westdeutschlands, einschließlich Elsa^'-Lathringens zu gemcstiiamem Wirken zummmen- zusassen. Die Ausstellung ist gut beschickt von den namhaftesten Künstlern von Stuttgart, Karlsruhe Darmstadt, Frankfurt und Düsseldorf, aber auch von elsässischen und lothringischen Künstlern. Nnive — Aiü eine 25-iährige Lehrtätigkeit als ordentlicher Univer- sitätsprofeffor kann heute Montag der Ervrorektor der Heidelberger Universität, Hoirat Prozessor Dr. Wilhelm Braune, zurückblicken. Der Jubilar, der am 20. v. M. 55 Iah re alt geworden ist, hat die höchste Stufe der akademischen Laufbahn schon an der Universität Gießen erreicht, wohin er 18*0 aus Leipzig übersiedelte. 9fn der Ruperto Carola wirkt er feit 1888, als Nach- feiner Karl Bartfchs im Fache der Germanistik. öjerttflteiaaU Gießen, 20. März. In außergewöhnlicher Sitzung verurteilte die Strafkammer den Kaufmann W. S. von Vilbel menen Urkundenfälschung und Betrugs zu 2 Jahren Gefäug- niß. S. betrieb in Vilbel ein Glaswarengeschäft, das unter feiner Führung immer mehr zurückging. Er trat alsdann wieder als Handlungsgehülfe bezw. Kommissionär in sein früheres Lehrgeschäft ein. Schon hier erhielt er eine Strafe wegen Unterschlagung, da er einen größeren Geldbetrag, der ihm anvertraut worden war, in leichtfertiger Weife vergeudete, trotzdem seine Familie zu darben hatte. Im verflossenen Jahre übernahm er das frühere Geschäft wieder; er geriet alsbald in Zahlungsschwierigkeiten und suchte sich durch falsche Wechsel über Wasser zu halten. Im Laufe eines Jahres fälfchte er nicht weniger als 25 Wechsel in der Gesamt- Höhe von 6000 Mk. Da trotz der vielen Fälschungen eine ver- hältnißmäßig geringe Vermögensfchädigung eingetreten ist, wurden ihm mildernde Umstände zugebilligt, um ihn vor dem Zuchthaus zu bewahren; jedoch hielt das Gericht eine erhebliche Gefängniß- strafe für am Plaste. Evangelische Gemeinde. Montag den 20. März, abends 8 Uhr, B i b e l st tl n d e im Konsirmandeusaal der L u f a § g e m e i n b e, Liebigstraße 56. Text: Epbes. 2, 1 ff. Pfarrer E u I e r. Kardel unb Derkeür. Do^swirjschaft. GewerkschaftGießenerBraun st einberq werke v o r m. F e r n i e. Veranlaßt durch den s ch l e ch t e tt G e s ch ä f t s- gan g und den dadurch herbei geführten schwachen Versandt von Erzen wird die Gewerkschaft am 1. April eine Ausbeute an die Kuxeninhaber nicht zur Verteilung bringen. fc. Frankfurt a. M., 20. März. (Orig.-Telegr. des „Gießen. Anz.") AmtlicheNotierungeit der heutigen Fruchtmarktvreise. Weizen Mk. 18.50—00.00, Kurhessischer Mk. 18.50—00.00, La Plata Mk. 18.25—19.25, Kansas Mk. 18.25—19.25, Roggen (Hiesiger) Mark 14.25—14.50, Gerste (Wetterauer) Mk. 17.75—18.00, Franken- felderMk.00,00-00,00,HaferMk.l5.00—15.25, MaisMk. 12.00—12.25, Weizenmehl 0 Mk. 26.75—27.25, 2. Qualität Mk. 24.75 bis Mk. 25.25, 3. Qualität Mk. 22.75—23.25, Roggenmehl 0 Mk. 22.00—23.25,1. Qualität Mk. 19.50—20.75, Weizenkleie Mk. 10.00 bis Mk. 10.25, Roggenkleie Mk. 11.00—11.25, Maiskeime Mk. 11.50 bis Mk. 11.75, Franken, Pfälzer, Ried Mk. 00.00—00.00. Alles per 100 Kg. ab hier. fc. Frankfurt a. M., 20. März. (Telegr. Orig.-Bericht des „Gieß. Anz."). Amtliche Notierungen der heutigen Viehmarktpreise. Zunr Verkaufe standen: 495 Ochsen, 107 au§ Oestreich, 60 Bullen, 14 aus Oestreich, 766 Kühe, Fersen, Stiere und Rinder, 1 aus Oestreich, 228 Kälber, 218 Schafe und Hammel, 1584 Schweine, 0 Ziegen, o Ziegen-, 0 Schaflämmer. Bezahlt wurde für 100Pfund Schlachtgewicht • Ochsen 1. Qualität 70—72 Mk., 2. Qual. 65—67 Mk., 3. Qual. 60—63Mk.; Bullen l.Qual. 69 bis 71 Mk., 2. Qual. 55—57 Mk.: Kühe 1. Qual. 64—66 Mk., 2. Qual. 58—60 Mk., 3. Qual. 47—49 All, 4. Qual. 37—39 Mk., 5. Qual. 00—00 Mk. Kälber: 1. Qual. 80—82Psq., Lebendgewicht 48—50 Pf., 2. Qual. 73—77 Pfg., Lebendgewicht 44—46 Pfg., 3. Qual. 100—00 Pfg., Schlachtgewicht 58—60Pfg., Schafe: l.Qual. 72—74, 2. Qual. 64—66 Pfg., 3. Qual. 00—00 Pfg.; Schweine 1. Qual. 65—66 Pfg., Lebendgew. 52.50 Pfg., 2. Qual. 64 Pfg., Lebendgewicht Bekanntmachung. Die Ratten in den städt. Kanälen und Wasserläufen sollen in den nächsten 8 Tagen vergiftet werden. Um eine durchgreifende Wirkring zu erzielen, ist es erforderlich, daß alle Besitzer der im Stadtgebiet liegenden Hausqrundstücke für gleichzeitige Vertilgung der Ratten in ihren Kanälen, Sinkkasten und Höfeir u. s. w. sorgen. Die Besitzer von Harrstieren, Geflügel u. s. w. werden hiervon unter der Aufforderung in Kenntnis gesetzt, solche Tiere von den gefährdeten Stellen fern zu halten, da seitens der Stadt etwa „e Schadenersatzansprüche abgelehnt werden. Gießen, den 18. März 1905. . B2% Großherzogin, c ’^mneifteret Meßen. Mecum. Kleesamen garantiert seidefrei, 'owie sänrtliche Sorten Gemüse-, Feld-, Gras- und Blnmensamen ernpsiehlt a'8/s Christian Wallenfels Mevhon 262. 17 Marktplatz 17. Gegründet 1826, Wen-AmcholMrKeiMq. Montag, den 27. März, von bom. 10 Uhr an in der Södle r'schen Wirtschaft zu Nieder-Gcmündeu: 2 Stämme I. Kl. (60 u. mehr Ctm. m. Dnrchm.) — 4,78 Fsnn. (ohne Rinde) 30 Stämme II. Kl. (50—59 Elm. mittL Dnrehnr.) = 41,40 Fstm. 117 „ HI. Kl. 4'0—49 „ „ „ — 123,75 „ 233 „ IV. Kl. (30—39 „ „ „ = 179,35 „ 173 „ V. Kl. (25-30 = 83,13 „ 130 „ Schwellenholz verschiedener Klassen — 59.30 Das Holz lagert in den Distrikten Wndholz, Kleiner Eichberg :c. (Forstwnrt Heyer und Forstwartasoirant Lang zu Homberg), verschiedenen Distrikten der Forstwartei Büßfeld (Forstwart Schaaf zu Büßfeld), Brühl:c. (Forstwart Döring zu Schadenbach), Großer Katzenberg 2C. (Forstwart Trupp zu Deckenbach), Gehr. Wald. Teichs- kopf 2C. (Forstwart Bayerer zu Gontetshaufen). Nähere Auskunft durch die hetr. Forstwarte und die unterzeichnete Stelle, die auch bei rechtzeitiger Bestellung Stammholzauszüge an voraussichtliche Abnehmer größerer Holzmengen kostenlos abgibt. Homberg, den 6. März 190;>. Großherzogliche Oberförsterei Homberg. ’B ä r. Di0/, In der netiangelegten Sandgrube links an der Mar- burgerstraße nächst der Straße nach dem neuen Friedhof kann' la. Sand zu den bitt. Tagespreisen abgegeben werden. Näh. in der Grube selbst und dttrch Ad. Schmidt, Landgrafenstraße 5. 01514 51—00 Pfg., 3. Qual. 58—60 Pfg., Lebendgewicht 00—00 Psg' — Geschäft bei Hornvieh gedrückt. Ueberstand bedeutend, bet Kleinvieh Kälber aefucht, Schafe und Schweine aut.kein Ueberstaud. ■ßriefknßen der Nedalstmu. Accessift K. iu B. Der Artikel war uns sehr willkommen. Gebts nicht früher ? Beste Grüße! Krigmas-Draülmetdungen. Vom Kriege. Loudon, 20. Marz. „Daily Tel." meldet au8 Tokios Die Russen, die sich durch gebirgiges Gelände auf dem Gebiete von Hsinking zuruckgezogen haben, sind in er» barmenswerter Lage. Sie haben keine Vorräte und schlachten daher Pferde; sie sind von den Japanern völlig ein geschlossen. London, 20. März. Der beim Stabe des Generals. Kuroki befindliche Berichterstatter des Renterschen Bureaus telegraphiert am 16. d. M.: Die Besetzung von Tie-j ling, der von Nattir starken Position längs der ganzen^ Eisenbahn, ist fast ohne Kampf erfolgt und erfüllt die, Japaner mit großem Selbstgefühl. Die Japaner, erholten sich rasch von den Verlusten, die die Schlacht bei Mukden für sie gehabt hat, wägend ber russische Rückzug von Tag zu Tag demoralisieren» der erscheint. Kuroki befindet sich immer noch an der Spitze der verfolgenden japanischen Truppen. Die Verfolgung nach der lOtägigen ununterbrochenen Schlacht von Mukden dauert fetzt 9 Tage' und erstreckt sich über ein Gebiet von 80 Meilen Länge, wobei es häusig zu Gefechten kommt. Tokio, 19. März-. (Reuter.) Ein Teil der japant» scheu Truppen verfolgte die Russen bei fort* gesetztem Vormarsche bis Katzen, das die Russen am Samstag räumten, nachdem sie die Eisenbahnstation in Brand gesetzt batten. London, 20. März. „Daily Telegr." meldet aus Bokobama vom 19. März: Während eines Sturmes verloren d i e I a v a n e r an der Küste von Jndochina einen Torvedobootszerstörer. Petersburg, 20. März. General Kuropatkin batte den Antrag gestellt, als Delegierter des von Dragomirow präsidierten Petersburger engeren Generalstabskomitees auf dem Kriegssch auplätze zu bleiben. Das Ansuchen ist aber rundweg abae'lebnt worden. — Man befürchtet in Petersburg, daß General Nogi westlich von der Babnlinie mit Zustimmung Chinas über die Mongolei Umgehungsbewegungen unternimmt. Fliegende Kolonnen Noqis sollen gegen Tsitsikar, nordwestlich! von Churbin, unternommen sein. Paris, 20. März. Der Krieaskorresvondent des „Ma- tin" depeschiert aus Chgrbin, das russische Haup».t» guartier sei nach Szonzingki, einige Kilometer südlich von Kuangtschunaie, 250 Km. nördlich von Tieling, verlegt worden. Alle Militärattgchees befinden süch in Charbin. — Aus Petersburg liegt die Meldung vor, China beabsichtige auf diplomatischem Wege Rußland und Iap-an gleichzeitig um Einstellung der Feindseligkeiten anzugehen, da China duAch den Krieg schon genug wirtschaftlich geschädigt sei. Diese Meldung scheint dem Wunsche der. russischen Friedenspartei zu entsprechen, welche einen Aus-^ weg sucht, um Rußland das veinliche erste Friedenswort zu ersparen. Großfürst Nikolaus wird sich zunächst als besonderer Berichterstatter des Zaren nach dem fernen Osten begeben, um nach Zarskoie Selo über die Fehler der bisherigen und die Aussichten der künftiaen Kriegführung zu berichten. Man spricht von einer Begegnung des Großfürsten mit Kuropatkin in Irkutsk. Nom, 20. März. Hier beging Graf Bracci, der Schwager des früheren Unterrichtsministers Baecelli, m i t seiner Verlobten Selbstmord. Der Graf war ruiniert. Er hatte fast 200 000 Francs Schulden. Der Graf und seine Braut töteten sich in deren Schlafzimmer durch Kohlen- Gas. Venedig, 20. März. Von einem jungen elegant, gekleideten Deutschen ist eine Dame der Halbwelt^ ermordet worden. Es soll sich um einen Lustmord han--^ deln. Die Polizei ist dem Mörder auf der Spur. TeBegshonischea* Kursbericht •V/gO/o Reiohaanleihe . . 101.90 SVD do. . . . 90.70 3«/,o/0 Konsols . . . . 101.80 3°/n do. 90.50 ß‘/o°/n Hessen .... 100.80 3%% Oberhessen . . . 99.00 4% Oesterr. Goldrente . . 102 30 41 '8 % Oesterr. Silberrente 101.50 4% Ungar. Goldrente . . 100.10 4% Italien. Rente , . . 105.40 4i/2% Portugieser . . . 67.60 80/ Portugiesen 67.70 1 % C. Türken .... —.— Türkenlose ..... 136.00 4% Griech. MonopoL-Anl. 52.05 41/. % äussere Arcrentinor 45.20 3% Mexikaner ...» 36.90’ 4V?o/n Chinesen .... 95.301 Electric. Sch ackert . . . 139 90 Nordd. Lloyd . . . . 118.20 Kreditektien . . . , . 213 00 Diskonto-Komrnandit. . .19140 Darmstädter Bank . , . 142.90 Dresdener Bank .... 157.90 Berliner Handelsges. . . 163 20 Oesterr. Staatßbahn . . . 141.00 Lombarden 17 20 Gotthardbahn .... 191.30 Laurabütte 263.50 Bochnm ..... 245.00 Harpen er . .... 209.70 Staatschatzscheine . . • —.— Gebote auf die zu envartende diesjährige Lohernte der Gemeinden Dornholzhansen — 69, Ebersgöns — 99, Groß-« Rechtenbach — 120, Hochelheim — 30, Niederkleen ----- 120, Oberkleen ---- 420, Reiskirchen ----- 30, Vollnkirchen = 90, Volpertshausen — 120 und Weidenhausen = 30 Ztr. sind verschloßen und mit entsprechender Aufschrift versehen, bis zum 29. d. Mts., vormittags 10 Uhr, zu welcher Zeit Eröffnung erfolgt, hierher einzureichen. B20/3| Verkaufsbedingungen, Karte über Lage pp. der Schlägc^ können hier eingesehen werden. Groß-Rechtenbach (Kreis Wetzlar) den 18. März 1905« Das Bürgermeister-Amt. Die Ausstellung der SchüterinnenarbeiLeu findet Samstag den 25. unb Sonntag den 26. März, vormittags von 10—1 und nachmittags von 2—5 Uhr statt und ladet zu recht zahlreichem Besuche ein Der Borstand. 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