Donnerstag 2V. April 1908 Erstes Blatt. Die Heutige Mmmer umfaßt 12 Seiten. Dichtungen vieler unserer Neuesten einen Drang nicht nach Einsamkeit, sondern nach Gottversenkung, und er ist Sebnsuchtsruf unserer mich nach Frieden." dumpfen Grollen im aus und den nur echt und So 155. Jahrgang dem Vorsang des im Vorjahre verstorbenen Denkers Dichters Wilh. Jordan zu dessen „Andachten": Der scharte Blick der Forschung der Natur Bekennt sich blind für eine Gottesspur. Doch ob auch sie von Kräften nur und Stoffen Zu reden weiß, — ein Sehnen und ein Hoffen In unsrer Brust wird ewig mehr verlangen Und gibt sich nie au ihren Svruch gefangen. Wer bat nun Recht? Die strenge Richterin L)der in uns die Gottesrichterin? Erschlossen denn schon Wage und Retorte In Psyches Heiligtum die letzte Pforte? Auch dort noch, wo vor hoffnunglofer Schranke Sich schwindlig fühlt und umkehrt der Gedanke, Ruft laut der Wunsch des Herzens: Weiter 1 Weiter! Und zimmert sich im Traum die Himmelsleiter." Per italie iftfic K s nßa!)tmflm{L In Nom und Mailand wird der Eisenbahnverkehr auf den adriatuchen Linien beinahe wieder regelmäßig; er bewert sich auf den Mittelmeerlinien, auf welchen man im Laufe des Tages einige Zugverbindungen wieder- herstetlen zu können hofft. In Mailand ließ man einen Sonderzug für die Ingenieure und die deutschen Touristen abgehen. Auch mehrere Eilzuge fuhren von Turin nach Nom. Nach Mailand, Alessandria und Modena wurden verschiedene Güterzüge abgelassen, ebenso auf der Simplonbahn. In Venedig, in der Vrovinz und in Bo Volksvulkan? Aus dem Pessimismus moderner Denker? Aus den Liedern des Weltschmerzes von den Harfen vieler unserer Dichter? Aus unbefriedigtem Genußleben? Smgt doch voll stiller Beglückung Hans Bethge, ein junger Berliner Lyriker, (geb. 1876) in seinen inbrünstigen „Stillen Inseln": ,^Ich möchte sterben schön und ohne Fehle Und noch im Tode reich an Sehnsucht fern Und möchte fühlen, wie die freie Seele Mit Klingen zieht zu ihrem Himmel ein." Und Karl Busse (geb. 1872) ruft, harrend der Erlösung, Gottes Hilfe an: „?lch, meine Augen sind trübe von Staub und Streit, Mein Fuß ist schwach, ich irr’ im Guten und Bosen, Ich schreie nach dir, wie das Kmd nach der Mutter schreit — Allmächtiger, neige dich nieder, mich zu erlösen!" In der Zeit des teilweise recht platten, vielfach an den Nationalismus des 18. Jahrhunders erinnernden Aufklärungsgeistes, während der 50er und 70er Jahre des vorigen Jahrhunderts, waren solche Dichterstimmen überaus selten. Heute begegnen wir ihnen in zahlreichen neuesten Gedichtbänden. Leben wir nicht — wer wagt es zu leugnen — in einer Zeit der ch r i st l i ch e n N e n a i s s a n e e ? Jst'S modernen Wer hört Reiche vom Erlöferkleide O nur einen Zipfel mir!" nicht der laute oder leise Zeit? „Ach, wie sehn' ich es nicht heraus aus dem logna ist der Verkehr fast vollständig; auch der Güterverkehr Venedigs ist in Ordnung. Die Besserung im Verkehre von Florenz auf den Mittelmeerlinien hält an. In Ankona und Beri nimmt der Verkehr zu. In Foggia können alle Züge verkehren, in Palermo ebenfalls. In Caltani- setta verkehren fall alle Züge; außer dem Mindestdienst wird ein Ergänzungsdienft unterhalten. Der Betrieb auf den Linien nach Frankreich über Ventimiglia ist vollständig« normal. Ter Luxuszug Paris-Rom mit zahlreichen Passagieren blieb gellem in Pisa liegen. Die Hotels hort sind so überfüllt, daß viele es vorzogen, sich in den Eisenbahnwagen einzuquartieren. Nur in Neapel und anderen Städten Suditaliens hält die Gährung an. Auch das Neapeler Straßenbau-Personal erklärte sich bereit, auf den ersten Wink hin in den Streik mit einzutreten. Tie römischen Blätter stellen fest, daß der Ausstand vollständig mißglückt ist, und heben hervor, daß dies die Folge der entschlossenen Haltung der Negierung, der Besonnenheit der Kammer und der allgemeinen Mißbilligung des Ausstandes durch die Bevölkerung sei. Die Eisenbahngesellschaften haben auf allen Bahnhöfen einen Anschlag anbringen lassen, in denen die Ausständigen aufgefordert werden, ihren Dienst wieder aufzunehmen und in denen ihnen für den Fall der Weigerung die in der Dienstordnung vorgesehenen Strafen angedroht werden. Die Eisenbahngesellschaften stellten den Industriellen die zum Betriebe ihrer Fabriken notwendigen Kohlen zur Verfügung. Eine öffentliche Sammlung für die Austeilung von Belohnungen an das seinen Timst versehende Eisenbahnpersonal hatte vollen Erfolg. 9-n W Nacl'mittagssi^ung her italienischen Kammer b-eant- wor e gestern bei Ministerpräsident Anfragen wegen des Bor- s all es in Foggia, wobei er erklärte, der Gebrauch der Waffe seitens d'»s Militärs sei durchaus unvermeidlich gewesen, da es herausgefordert worden sei und sich im Zustande gesetzlicher Ver- teidiaung befunden habe. Der Gebrauch der Waffe fei. nicht anbesohlen, sondern durch'Patrouillen erfolgt, die mit Knüppeln und Schüssen angegriffen wurden. Tabes sei ein Soldat tödlich verwundet, drei Manifestanten seien getötet und 12 verwundet wurden. Es sei im Einvernehmen mit den richterlichen und den Militärbehörden eine Untersuchung an- o^ordn"t worden. Hierauf wurde die Beratung der Vorlage betr. Verstaatlichung der Eisenbahnen wieder ausgenommen. Art. 17 gelangt mit großer Mehrheit z-ur Annahme. Darin heißt es, alle Angestellten der Eisenbahnen Staatsbeamte sind und daß in dem Falle einer Einstellung der Arbeit und der Störung des regelmäßigen Dienstes angenommen wird, daß sie ihre Entlassung eingereicht haben. Bei Art. 19 der Vorlaae betr. Gehaltserhöhungen für ältere Beamte erklärt der Min'ßerpräsident auf eine Anfrage: Die Regierung werde bei der Anwendung dieses Artikels mit der größten Billigkeit Vorgehen. Sie werde namentlich die verdientesten alten Beamten berücksichtigen, welche auch, wie er hoffe, durch ihre Autorität bei ihren Kameraden dem jetzigen beklagenswerten Zustand ein Ende machen werden. (Beifall.) Hierauf werden sämtliche Artikel!« der Vorlage angenommen, darunter auch Artikel 24,, welcher festsetzt, daß die Bestimmungen des Artikels 17 sich auch, auf die Berriebe von Privatunternehmungen unterstehend^ Bahnen erstrecken. Schließlich wird das ganze Gesetz mit 289' gegen 45 Stimmen angenommen Von volkswirtschaftlicher Seite wird der Verlust burt^ den Bahnstreik auf bisher 2 5 bis 30 Millionen veranschlagt. Eine Anzahl Kaufleute und Industrieller veröffentlichen eine Sympathieadresse an Fortis, dem sie ihr volles Vertrauen aussprechen. Tie bayerische Südbahn verweigert die Annahme von Frachten und Eilgütern in Wagenladungen nach und über die adriatische Bahn wegen des Streiks. nicht nur das Spiel überreizter Gemüter. gibt es ein Lied voller Sehnsucht von Ibsen: „Ach, wie sehn' ich mich nach Frieden, Jesus, o ich rief nach dir, Doch du faßtest nicht die Hand, Glittest immer von der Seite Wie ein Wort, das ich nicht fand; Dieses Reaktionsgefühl stärkt sich in den gegenwärtig stark andauernden Veränderungen der gesellschaftlichen Psyche mehr und mehr und tritt in immer bestimmtere, allem Religiösen und Sittlichen günstige Richtungen. Wir finden in Nr. 94 ©fielet lügNch außer EonnlagL. Gießener Anzeiger toAben im Wechsel mit dem Hessischen Landwirt die Siebener Zamiiien- Hättet viermal in der Woche beigelegt. AlotationSdruck u. Verlag der Brüh l'schen Univers.-Buch-u. Stein» druckerei. 8L Lange. XteMftton, (?TP*httum unb Druckerei: Gchatsteatze 7. Ildresse für Depeschen: -lnzetger Gießen. Fkrnivrkchonichluß'ltr 61 sehnsuchtsvolle Frage, wenn nicht gar Forderung des Plus ultra* erheben und zitiert im Anschluß an diesen Satz Quell 5 entsprungen, der in der dürren, selbstischen Welt ein neues Leben der Liebe hat ergrünen lassen. Tie Weisheit der alten Welt endete mit der stolzen Mestre: „Der wahre Weise steht über Not und Weh; wenn die Wogen sein Haus erzittern machen, suhlt er sich erst recht in seiner Größe, und auch untergebend spricht er ru dem Sturm, der ihn begräbt: ich bin doch großer als bn!" Eine stolze Weisheit — aber hat sie srch im Leben bewährt? Wenn die Not ans Menschenherz brandet, was ist seine Antwort? Bei wie vielen Verzweiflung und Verbitterung, Mutlosigkeit und Verzagtheit — selbst ein Napoleon erlag auf dem Felseneril von Helena — oder stumpfe Resignation? —'Aber Christi Kreuz hat die Men scheu, Leidensüberwindung gelehrt, hat ihnen die Gewißheit ins Herz geschrieben: „Sein Tun ist lauter Segen, sein Gang ist lauter Licht", und ihnen den Jubelruf auf die Lippen gelegt: „Wir rühmen uns auch der Trübsale". Unb endlich: es ist mit Recht gesagt worden: jeder Glaube, iede Lebensauffassung, jebn W"ltcurichauimg hat nur so viel Wert, als sie sich im Tode bewährt. Was in der Sterbeflunve ntG)t Probe halt, was uns da nicht Halt, Kraft, Trost gibt, ist, so glänzend und groß es sei, dennoch minderwertig, vergänglich; aber was den Tod bezwingt, das ist echt, groß, göttlich. Der Stachel des Todes ist die Sünde, der Stachel der Sünde ist das Gericht. Man mag diese Wahrheit leuanen, wegleugnen läßt sie sich nicht, sie steht in unserem Gewissen. „Trösten Sie" — fjat ein Arzt gejagt — „einen Saal voll Sterbender mit Spmvhonien von Beethoven oder Gesängen von Goetbe! Sie versagen gegenüber der Majestät 'des Todes!" Aber wer will sie zählen, die vielen, denen das Kreuz auf Golgatha die Kraft zum Sterben gegeben, die es erfahren haben: der Glaube an Christus hat dem Tode die Mackit genommen. Es geht ein Suchen, Sehnen, Tasten nach etwas Höherem, Bleibendem durch unsere Tage. Gegenüber einer rem mechanischen Lebens- und Weltanschauung hat man längst Langeweile, gelegentlich sogar Ekel zu empfinden begonnen. Der vortreffliche Leipziger Geschichtsprofessor Lamprecht erinnert in dem ersten, im wesentlichen den Künsten der jüngsten deutschen Vergangenheit gewidmeten Erganzungsbande seiner großen und großartigen „Deutschen Geschichte" daran, daß „selbst Angehörige dieser Anschauung, die tiefer fühlen, die Triumphe. Geht durch die Ruinen von Rom, man zeigt euch die Reste blutgetränkter Menen, die Trümmer stol^r Triumphbogen, die Grundmauern düsterer Kerker aber nie wird bet Cicerone stille stehen und sagen: Hrer stand ent ft ein Krankenhaus, ober hier em Siechcnhaus; die alte Welt kannte das nicht, sie war „eme Welt ahne Liebe . Und wenn wir heute unsere Stadt ®te g en oben vom Ende her Lickerstraste bis zu den lebten .Hausern der Franksnrter- straße durchwanderns - aus welchem Geiste heraus ent- standen das Provinzial-Siechenhuus, die Herberge zur Heimat, die Kliniken usw.? Wer,bat die Menschen gelehrt, den Mitmenschen zu dienen, sich ihnen in selb ^verzehrender widmen? Unter dem Kreuz auf Golgatha ist der monatlich 75 IM«» oterttU jährlich gjlt 8.20; durch Atchole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch diePost Mk. 2.—viertel» jährl. ausschl. Bestellg. 71 «mahnte von flnjel't« rr tue Tr rsnm-mrer -'s Domüit iqÄ J ’chx, Zc 'envrerS: pkorlLPf, abwärts -'*4 3*3. Berantwortt'ch sink den Dottt und C t. Teck P. Wittlo: für .Stadt und Land" und -^nchtssaal": August Goetz, für den An» zetgenteil: Hans Beck Gietzener Anzeiger General-Anzeiger Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen Karfreitag. Vor etwa 1900 Jahren wurde in einer kleinen, weltvergessenen Residenz ein schlichter Mann aus dem Volke, ein Handwerker aus Naz-areth, wegen Gotteslästerung zum Tode verurteilt und in der Frühe des Karfreitags am Kreuze, dem Galgen der alten Welt, schmachvoll hingerichtet — und heute — nach fast zwei Jahrtausenden ist der Name dieses Gekreuzigten der bekannteste und gefeiertste auf dem Weltenrund — wer zählt sie, die vor Jesu von Naz-areth ehrfurchtsvoll, glaubensvoll das Haupt entblößen? — Heute ist das Kreuz, dieser einstige Schandpfahl, das glorreichste Ehrenzeichen der Menschheit, ziert die jugendliche Konfirmandin, schmückt die narbenvolle Brust des Kriegers, krönt die Diademe der Fürsten, ragt himmelan auf Kirchen und Kapellen, weiht, in Erz gegossen oder in Stein gehauen, die Ruhestätten unserer Entschlafenen — und es geht beim Läuten der Karfreitagsglocken eine geheimnisvolle Bewegung durch die Welt; wie von unsichtbarer Hand gezogen, strömen Hunderte den Gotteshäusern, den Abendmahlstischen zu, und beim Klange des „O Haupt voll Blut und Wunden" wird manches Herz weich und warm. Wer erklärt uns das alles? Es bleibt unerklärt, wenn dieser Kreuzestod nichts anderes wäre, als der Knotenpunkt jenes tragischen Konfliktes, in welchem der Vertreter einer neuen, freieren, innerlicheren Religion den Vorkämpfern der starren, knechtenden Gesetzlichkeit unterließt. Es bleibt unerklärt, wenn dieser Mann am Kreuze nicht mehr bedeutet, als den großen Märtvrer, den todesmutigen Hclden, d-?r s?ine Uebeneugung besiegelt mit seinem letzten Blutstropfen. Aber daß die schnelllebige Welt diesen Mann von Golgatha nicht vergessen konnte noch kann, daß die zweisilsüchtige Menschheit immer wieder zu ihm zurückkehren muß, es hat seinen ausreichenden Grund in dem tiefen Geheimnis dieses Kreuzestodes: es ist der große, überweltliche Gedanke von der Versöhnung für menschliche Sünden. Freilich, wer nur die Fragen des praktisch-sinnlichen Lebens kennt, die Fragen nach Genuß unb Gewinn, Gesundheit und langem Leben — wer nur auf die Fragen des grübelnden Verstandes nach der Lösung der Welträtsel Antwort sucht, dem hat das Kreuz Christi wenig zu sagen; wer aber die Bedürfnisse des Gewissens, die dunklen Rätsel des Herzens kennt, wer Antwort sucht auf die Fragen: Was gibt innere Ruhe mitten in der Unruhe des Lebens, Gleichgewicht der Seele in Ebbe und Flut der Welt, innerste Harmonie zwischen Wissen und Tun, Sollen und Können? — dem enthüllt sich der Tod Jesu als wundervolle, göttliche Weisheit. Wir ahnen schon übermenschliches, überirdisches Wirken, wenn wir unter den gestirnten Nachthimmel treten unb die unendlichen Welten ihre stillen Bahnen ziehen sehen; wir bewundern dieses unerforschliche Wirken, wenn wir hinauswandern in den knospenden Frühling, der aus der erstarrten Erde sich losringt; wir staunen darüber, wenn wir die Blatter der Weltgeschichte aufschlagen und bemerken, wie sich aus verwirrten Fäden kunstvolles Gewebe wirkt — aber größte Erhabenheit zeigt uns doch die Tat von Golgatha, die in der Hinschlachtung des Besten die Sünde der Welt zu ihrer furchtbarsten Konsequenz ausreisen, läßt und in ihrer grausigen Nacktheit ans Tageslicht zwingt! Welch eine grausige Weisheit, die in dem Opfertode des Weisesten ihre sittliche Weltordnung, das harte Nacheinander von Schuld und Strafe, den Glanz ihrer Helligkeit vors Gewissen stellt! Welch eine Weisheit, die in der Hingabe des Edelsten in dem Kreuze Christi das weithin sichtbare Denkmal der Allerbarmung mit der Inschrift „Es ist vollbracht" aufrichtet und die Welt glauben macht an eine ewige Liebe! , Und wie das Kreuz Christi die höchste sittliche Idee ist, so beweist es sich auch als die größte Kraft: — O unsere stolze, titanenhafte Zeit! Mit ihrer Wissenschaft enträtselt sie die Geheimnisse ungeahnter Welten, verwitterten Urgesteins, zerbrochener Tonziegel; mit ihrem Handel überbrückt sie die Meere; mit ihren Erfindungen spannt sie die Naturmächte vor ihren Siegeswagen. Welch eine kühne, kraftvolle Weltbeherrschung! Und doch — vor drei Groß- machten muß sie ihre stolzen Massen strecken: vor der Sünde, der Selbstsucht des menschlichen Herzens, vor der Trübsal des Lebens und vor der Macht des j.obeä Kern- Kunst, keine Wissenschaft, teine Industrie, letne Technik bestech diese drei dunklen Despoten, Mer wo deren Kräfte versagen, feiert die Kraft des Kreuzgedankens ihre größten Marokko. In der französischen Deputiertenkammei kam es am Mittwoch bet der Budgetdebatte zu einer Diskussion über die Marokko-Angelegenheit. Mehrere Nationalisten kritisierten die Maroklopolitik der Regierung. I a n r ö s hielt eine längere Rede, in welcher er bte Taktik des Ministers Deleassö in der Marokkoaffäre als falsch bezeichnete. Der Minister hätte die Initiative ergreifen und eine Aufforderung nicht ab warten sollen. Der Verlust des Elsaß verkümmere nicht Frankreichs Größe. Die Regierung müsse mit Deutschland unterhandeln, wie sie mit England unterhandelt hat. Das sei keine Politik der D«emütigung, sondern eine Politik des Friedens. In seiner Erwiderung führte Delcassö aus, er habe- dem deutschen Botschafter erklärt und auch durch den französischen Botschafter in Berlin erklären lassen, daß, wenn noch ein Mißverständnis in der Marokkofrage bestehe, er bereit wäre, es zu zerstören. T e s ch a n e l erinnert an die Reise des deutschen Kaisers und rät, sich mit Deutschland zu verständigen; Frankreich müsse in guten .Beziehungen zu Deutschland und England stehen unb nicht die eme Macht der anderen opfern. Redner betont die geschickte Politik Englands, die darin bestand, Frankreich die Verantwortlichkeit für das Eindringen in Marokko zu überlassen, und schließt mit der Bitte, daß die. Regierung klug und fest handle. Ministerpräsident Ro u v i e r erinnert daran, daß das Parlament die auswärtige Pol'tik Frankreichs gutgeheißen habe, unb fährt fort: Man wirft uns vor, Deutschland über das französisch-englische Abkommen nicht unterrichtet zu haben, aber bann hätten wir sämtliche Mächte benachrichtigen müssen. (Wäre das gar so schlimm gewesen? Uebrigens hätte es sich nicht um alle Mächte, sondern nur um bte Großmächte gehandelt. D. Red.) Wir haben mit Deutschland eine Aussprache begonnen unb es handelt sich heute darum, zu wissen, ob die Kammer einen Wechsel der Personen beabsichtigt reentemunq auf der Linken und im Zentrum). Deutschland verlangt, daß wir seine Interessen respektieren, wir der- langen nichts besseres. Wünscht man anderes von uns, so möge man es sagen, wir werden dann die Frage erörtern. Was die Neutralität anbelangt, so tun wir alles Erforderliche, um sie zu sichern. (Beifall.) Die Unterbandlilngen mit Deutschland und die Verhandlungen dauern fort (Bels.) Presseurs (Sov) kritisiert gleichfalls in schärfster Weise das Verhalten Deleassss gegenüber Deutschland und ifaqt, Delcasss habe offenbar geglaubt, daß ganz England an seiner Seite stehe. Der Minister habe sich 'da einer Selbsttäuschung bingegeben. Er habe nur dieenglischenJingoistensürsich gehabt. Ucbrigens habe Delcassö den Vereinigten Staaten gegenüber denselben Fehler wie gegenüber Deutschland begangen. Frankreich lebe im Frieden mit Deutschland und müsse sich mit ihm auseinandersetzen, aber nicht widerwillig und mürrisch. Delcasss habe den In t e r e s s’e n jvta n f* reich? schlecht gedient. Die Neise Kaiser Wilhelms habe zweifellos den Maahzen ermutigt, und infolgedessen rst das durch die Politik Delcassss angestiftete Nebel nicht wieder gut zu machen. Die Erklärungen Del- cassss seien wieder unzureichend gewesen. Glücklicherweise waren die Erklärungen Rouviers beruhigend Ter Nationalist Tournadetadeltdie marokkanische Politik Telcassss. Frankreich habe bereits ein hinreichliches Kolonialreich. Marokko sei ein gefährliches Abenteuer, welches noch große Opfer erfordern werde. Der Radikale Hubert sagt, man müsse anerkennen, daß Deutschland unzweifelhaft große Interessen in Marokko dabe Tie deutsche Presse habe nicht erst den jüngsten Zwischenfall abgewartet, um diese Interessen zu erkennen, ändern dies sofort nach dem Vckanntwerden des fran- Löfisch-englischen Abkommens getan. Man könne deshalb auch nicht behaupten, daß sich die deutsche Politik in dieser Frage geändert habe. Nirgends ist das Interesse für die auswärtige und die Kolonialpolitik, so lebhaft wie im deutschen Volke. Man müsse deshalb in der marokkanischen Angelegenheit zu einer Verständigung mit Deutschland gelangen. Er hoffe, daß es gelingen werde, die Mißverständnisse zu beseitigen. . Der Konservative delaFosse meint, Marokko sei nur ein Vorwand, die eigentliche Ursache der geänderten Politik Deutschlands seien die Besorgnise, welche einerseits das franz.-englische Abkommen, andererseits die Schwächung desDreibilndes in Deutschland hervorgerufen haben. Frankreich dürfe weder eine antienglische, noch eine antideutsche Politik machen. Er wäre gefährlich, zu glauben, daß das englisch-französische Abkommen gegen Deutschland gerichtet sei. * Tiefen Kammerverhandlungen war am Dienstag ein von der französ. Negierung ausgegangener amtlicher Gedankenaustausch mit der deutschen Regierung vorausgegangen. Der französ. Botschafter in Berlin, Bihourd , sprach beim Auswärtigen Amte vor. Es wird mit Bestimmtheit gemeldet, daß nur sehr geringe, wenn überhaupt irgendwelche Fortschritte in der Richtung einer Verständigung zwischen Frankreich und Deutschland gemacht wurden. Es wird angenommen, daß die Erledigung der Angelegenheit sich in die Länge ziehen wird. Der Botschafter soll bei seiner Unterredung mit dem Unterstaats- sckretär des Auswärtigen v. Mühlberg neue Argumente oder Vorschläge nicht zur Diskussion gestellt haben. Ter Unterstaatssekretär hat sich dementsprechend darauf beschränkt, die Eröffnungen des Botschafters zur Kenntnis zu nebmen, um sie dem Reichskanzler zu übermitteln. Aus der Zurückhaltung des Unterstaatssekretärs konnte der Botschafter die Ueberzeugung gewinnen, daß diese Erflär- ung zu allgemein gehalten war, um als Basis für erfolgreiche Verhandlungen dienen zu können. Auch die neuesten ministeriellen Aeußerungen in der Kammer verpflichten die französische Regierung zu nlchls^ Tie deutsche Regierung verlangt bindende Garantieen. Nachgerade könnte man das in Paris begriffen haben. Man stellt sich vermutlich nur so, als wenn die Notwendigkeit eines solchen Übereinkommens nicht einleuchte. Anscheinend offiziös schreibt der ,,Lokalanz.": „Nach deutscher Auffassung bedürfen wichtige Punkte einer genauen Präzisierung, damit die Folgeerscheinungen, wie sie sich in der französischen Besitzergreifung von Tunis für die anderen Mächte gezeigt haben, in Marokko verhütet werden." Die Tatsache, daß ein englischer Gedankenaustausch mit der französischen Negierung begonnen hat, wird ebensowenig wie die scharfe Verurteilung der franz. Re. gierung in der Kammer zu Paris irgend welchen Einfluß auf die Politik Deutschlands in der marokkanischen Ange, legenheit ausüben. Die deutsche Regierung wird fortfahren, sich direkt mit der marokkanischen Negierung zu verständigen und es keineswegs unterlassen, die Maßregeln, welche für den Schutz deutscher Interessen notwendig erscheinen, zu ergreifen. Die M i s si o n n a ch Fe z wird nicht unterbleiben und auch der Gedanke einer internationalen Konferenz über Marokko nicht aufgegeben. Graf Tattenbach wird auf seiner Reise nach Fez von Oberst Schenck, Major Senden und Hauptmann Kleist begleitet werden. 1624’ Grosse Auswahl in KOYbfirmatioTlSf/eSCh CTlketl vom billigsten bis zum fernsten Genre empfiehlt Juwelier Brück Kreuzplatz 8 Lehrfabrik , , । »Thüringisches———— m ■ e । ■' Elektro- una Maschinen- Technikum J manau Werkmeister. Prosoekt’ Plocksirasse 4 Plockstrasse 4 1179/ -Eier, es11 RI Versandt nach auswärts prompt v'7. Puppenwagen Kindersporlwagen 1892 _ **’*;*■:*"tc la. Wetterauer SCnellllSCne Bücklinge Export-Apfelwein per Stück 6 Pg., zu haben bei 2181 2186 zu haben bei Schellfische Gg. Adami, Frankfurter Str. 9. hlutfrische Nordseeware, Knd in SiSpackung einqetroffen bei per Stück 10—20 Pfg. ind inSiSpackuna emqerrossen oe. p„ Stück 10-20 Pg., Georg Wallenfels Kieler Sprotten DMSb.M-lM Jr? 9i 98 XL VUunb 25 Pia per St. 6 P^g., empfiehlt 1023601 Eüb!?"- E»a-l-Av°th°k°. 2194 L Steinhäoser. W. Ullrich, Sdjloftoaffe 7. 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SlUe Nummern, neben welchen nihtr bemerkt ist, (faß mit 200 Mark gezoge» tOhm Gewahr.) 22 73 185 304 407 57 525 670 [4001 711 [400] 811 1068 138 86) 466 [40)) 72 110001 522 54 714 57 2016 [ 1000) 56 88 [1000] 251 63 |400j 420 |2000| 99 592 633 34 706 839 90 [1000] 971 8218 [400 473 83 54] 50 82 615 57 11000 ] 73 709 821 976 91 4023 54 [400 ] 400 22 561 73 91( 5004 [1000 । 181 91 1000] 833 89 404 37 524 48 602 46 759 8021400] 918 6002 131 63 [400 554 613 [400] 732 808 983 1400] 89 7181 596 78( 876 83 954 8050 97 [400] 135 230 41850 5361400] 624 33 96 85711000] 76,10001 923 80 50 63 9006 157 289 311 45 83 472 661 97 702 98(1000/ 98 844 99.3 10027 125 66 [400 ' 304 469 666 92 717 29 [1000] 860 955 76 11081. [400] 79 279 377 1 2145 432 527 642 [400] 63 740 1 3354 458 758 836 995 110001 14037 [400 111 50 85 [400] 332 [400] 65 416 80 62 560 (400] 71 73 603 37 78 809 [400] 929 31 151 »3 402 [1000] 47 [40)] 563 639 57 86 731 57 839 906 16014 242 369 [400] 569 754 873 1 7095197 275 96 408 505849 120001 916[4J0J 55 1 8048 199 215 91 302 68 435 622 Ä7 [10001 46 93 98 784 950 [400) 83 19073 400 ] 92 263 87 98 368 423 763 71 808 49 64 [4001 9d 901 20116 306 36 585 93 712 21141 [1000] 64 227 72 88 317 81 400 48 624 69 85 729 93 893 948 95 22085 [400] 165 [400] 268 352 413 69 594 23065 73 [10 001 77 142 93 205 51 340 46 99 552 620 [400] 754 926 83 89 97 24-064 460 849 77 25008 13 11000] 132 85 202 [400] 418 28 603 21 93 728 812 40 26083 150 241 468 674 84 718 821 27196 567 90 646 74 729 35 853 28151, 205 63 [400 81 427 40 522 54 71 634 [4001 828 (10J)) 47 1400] 64 998 29091 [1000] 258 828 458 [1000] 599 [400] 650 70 769 [400] 80 [1000] 807 981 30182 280 [400] 387 506 12 609 45 834 944 59 [400] 81043 71 411 [400] 99 644 84 725 932 49 85 3 2057 141 54 224 320 616 872 976 83017 75 196 314 97 554 639 794 833 945 84114 222 50 76 [400 [ 77 329 892 35069 238 39 443 [400] 5-3 36 73 [4001 781 2000 858 988 86033. 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