Nr. 48 Örfatiet tLgttch außer Sonntag». Dem Gießener Anzeiger werden mt Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Siebener Zamilien« Blätter viermal in der Woche beigelegt. Rotationsdruck u. Verlag der Brühl'scheu Univers.-Buch-u. Stein* druckerri. R. Lang«. Redaktion. LxveditUm und Druckerei: Gchulstratze 7. Ndreffe für Depesche»: Anzeiger Gieße». Fernsprechanschluß Nr. 51. Erstes Blatt. 155. Jahrgang Montag LV. Februar 1905 GiehenerAnzeiger General-Anzeiger " Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen «ez«a»vrel»r monatlich7b Ps^ viertel* iLbrlich Dll. LL0; durch Avhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch diePost Mk.2.— viertel- jährl. ausschl. Bestellg. Annahme von Anzeigen 'üt bte Tc rSwrmmer 's vo-mrittaqS Ze'^envreiS: arrswärtS 2® Wz. VerantwortL'.ch für den polit. und ujeiu. Teil: P. Wtttko; für „Stadt und Land" und „Gerichtssaal": August Goetz; für den Anzeigenteil: Hans Beck. Ale Heutige Kammer umfaßt 12 Seiten. Aum Tode des KroMrsteu Sergius (liegen heute noch eine Reihe von Mitteilungen vor. QM* i sä nttentatet. Mit der russischen RevolutionS-Partei in Fühlung stehende ^rcn^Ssische Blätter versichern, • daß btt Moskauer Attentäter der Bolievana-Organisation angehörte, welche seit PlehweS Lod den Plan verfolgt, in den Kreml einzudringen und dort die Kommune zu proklamieren. In den letzten Tagen hatten Snehrere Verhaftungen in der Nähe des Kreml ftattgeftmden, -veil verschiedene Personen an die Häuser rote Kreuze malten mit der Unterschrift: „Sühnendes Blut des Tyrannen .SergiuS*. ©ine der Polizei vorliegende 14 Namen umfassende Lifte von Opfern enthielt den Namen Sergius an erster Stelle. Bei dem Attentäter wurde ein Paß auf den Namen des Witebsker Kleinbürgers Gerassin ow gefunden. Ueber die entsetzliche Verstümmelung der Leiche des Großfürsten wird, Horoeft eS möglich ist, Stillschweigen beobachtet. Dor de» Tode. Aus Moskau wird gemeldet: Großfürst Sergius war ffa letzter Zeit von Todesahnungen erfüllt. Zwei Tage vor seinem Tode erhielt er ein vom revolutionären Komitee unterzeichnetes Schreiben, in dem ihm angekündigt ;rmxrbe, daß daß Maß seiner Sünden voll sei, und daß er wegen der Willkürakte, die er als Generalgouverneur von Moskau gegen Studenten und Arbeiter begangen habe, zum Aode verurteilt worden sei. Der Großfürst zeigte den Bries, den er auf seinem Schreibtische fand, seinem Adjutanten und äußerte 'sich schmerzlich bewegt, er fühle, daß er nicht mehr lange zu leben habe. Der Direktor des Pariser Anarchiftenblattes „Tribüne Stoffe" macht folgende Mitteilungen: Der Großfürst sei bereits im Dezember nach den blutigen Ereignissen zum Tode verurteilt worden. Er sei damals informiert ^worden, daß, wenn im Falle einer friedlichen Kundgebung deS Volkes dasselbe von Militär angegriffen würde, dies für ihn sein Todesurteil bedeute. Nachträglich sei der Partei bekannt geworden, daß der Befehl zum Schießen von -en Großfürsten Sergius und Wladimir gegeben worden sei. Hieraus habe das revolutionäre Komitee eine Sitzung abgehalten, in welcher die Ermordung des Großfürsten beschlossen wurde; dieser Beschluß sei am vergangenen Freitag ausgeführt worden. Auf die Frage, ob auch die Jahre des Zaren gezählt seien, antwortete der Direktor verneinend. Der Zar sei übrigens in- ormiert worden, daß er nichts zu befürchten habe. Irgend jemand müsse ja doch da sein, um event. eine Konstitution zu unterzeichnen. Die Leiche des Großfürsten Sergius befindet sich jetzt im Tschudokloster. Der Sarg ist durch eine goldene, von Hermelin umrahmte Decke zur Hälfte verhüllt. Die Orden des Großfürsten ruhen auf einem Kisten. Die Geistlichkeit hält zweimal am Tage Trauergottesdienst ab. So lange die Leiche im Kloster verbleibt, versehen Zivil- und Militärbeamte und Mitglieder des Hofstaats den Ehrendienst bei Tage, des Nachts bilden zwei Offiziere und vier Unteroffiziere die Ehrenwache. Vor dem Eingang zum Kloster stehen zwei Ehrenposten. Im Tschudowkloster fand am 18. d. Mts. ein Trauergottesdienst statt, an dem die Großfürstin Elisabeth teilnahm, ferner die Großfürstin Konstantin und Dimitri, die Großfürstin Maria Pawlowna, Vertreter der Stadt und des Semstwos, sowie die fremden Konsuln. Das feierliche Toten amt findet am 23. Februar in Moskau statt. Die Bestattung der Leiche, die vorläufig im Tschudowkloster verbleibt, soll im Mai in Petersburg erfolgen. Für die Leichenfeier wurden folgende Anordnungen getrosten: Nur Personen, welche sich mit einer speziellen Einladung ausweisen können, dürfen in das Kloster, in welchem die Einsegnung stattfindet. Die Adjutanten und Hofbeamten werden am Katasalk die Totenwache halten. Nach dem Gottesdienst werden Mitglieder der kaiserlichen Familie dem Toten die letzten Ehren erweisen. Die Adjutanten werden hierauf den Sarg zum Altar tragen von hier wird derselbe von Mitgliedern der kaiserlichen Familie und Generaladjutanten provisorisch in die Gruft des Klosters gebracht, wo er bis zum Tage der definitiven Beisetzung verbleibt. Die Moskauer Gemeindeverwaltung beschloß in außerordentlicher Sitzung, den Minister des Innern zu ersuchen, dem Kaiser das Beileid Moskaus auszusprechen und ihm zu sagen, daß Moskau zu Gott für die Seele des Großfürsten Sergius bete. Sie beschloß ferner, der Großfürstin Elisabeth tiefes Veileid auszusprechen mit dem Wunsche, daß Gott ihr Kraft gebe, den fürchterlichen Schlag zu ertragen, und sie ihrem wohltätigen Wirken erhalte. Die rufstfchen Blatter bringen ernste Betrachtungen über die Lage, indem sie darauf Hinweisen, daß keine Schutzmaßregeln, sondern nur Reformen Abhilfe schaffen können. Nowoje Wremia erklärt, die Frage nach der Persönlichkeit des Mörders sei weniger wichtig, als die, wie es möglich gewesen sei, daß das Verbrechen nicht verhindert wurde. Seit Jahrzehnten wirke die Revolrrtionspartei durch Terror, Ertaste, offene Proklamationen, sie veröffentliche Todesurteile und es wolle nicht gelingen, die Schreckenstaten zu verhindern. Das sei nur durch die zwischen der Staatsgewalt und der Gesellschaft eingetretene Entfremdüng erklärlich. Ebenso bezeichnet „Slowo" das Zusammengehen der Regierung mit der Gesellschaft als notwendig. „Ruß" hebt hervor, daß zur Zeit des Fortschritts-Ministers Swiato- polk Mirski die revolutionäre Schreckenspartei chre Tätigkeit eingestellt hatte. Kaiser Wilhelm, der am Freitag abend an einem Diner beim Präsidenten deS Herrenhauses teilnehmen wollte, sagte sein Erscheinen in letzter Stunde wegen des Trauerfalles in der russischen Kaiser-Familie ab. Er begab sich sofort in die rustische Botschaft und verweilte bei dem Grafen von der Osten- Sacken dreiviertel Stunden. Der preußische Hof legt Trauer aus 8 Tage an bis einschließlich den 24. ds. Mts. Dem „Armeeverordnungsblatt" zufolge bestimmte Kaiser Wilhelm, daß zur Ehrung des Andenkens des Großfürsten SergiuS die Offiziere des Utanen-Regiments 3, besten Chef der Großfürst war, acht Tage Trauer anzulegen haben. Ferner hat sich eine Abordnung des Regiments zu den Bei- setzungsfeierlichkeiten zu begeben. Unser hessisches Großherzogpaar wird sich zur Beisetzung des Großfürsten Sergius persönlich nach Moskau begeben. Aus Darmstadt wird uns drahtlich berichtet, daß die Abreise des Großherzoglichen Paares, die ursprünglich bereits für heute früh in Aussicht genommen war, von der es aber dann hieß, daß sie ganz aufgegeben sei, heute Abend mit dem V-Zug um 946 erfolgen soll. In Begleitung des hohen Paares werden sich die Oberhofmeisterin ^eiin von Senarclens-Grancy und Oberleutnant Frhr. v. Massenbach befinden. Gestern früh um 7 Uhr ist bereits Oberstallmeister Frhr. v. Riedesel nach Moskau abgereist, der am Abend in Berlin mit der Prinzessin Ludwig von Battenberg, der ältesten Schwester Sr. K. H. des Großherzogs, zusammengetroffen ist, um sie nach Moskau zu begleiten. An der Beisetzungsfeier wird sich auch eine Abordnung des Leib-Infanterieregiments Nr. 115 aus Darmstadt beteiligen, welchem Großfürst Sergius a la suite gestellt war. (Die Nachricht der heutigen „Franks. Ztg." von der Ausgabe des Reiseplanes ist also unrichtig.) In der Darmstädter russischen Kapelle fand am Sonntag nachmittag ein Trauergottesdienst statt, an dem sämtliche Mitglieder der ruffischen Kolonie, darunter auch der kaiserlich russische Gesandte und Ministerresident, Fürst Koudascheff, teilnahmen. Die Herzogin-Witwe Marie von Koburg, die Schwester des Großfürsten Sergius, ist von Nizza nach Rußland abgereist. Stimmen aus Frankreich. Sämtliche s o z i a l i st i s ch e n B l ä t t e r Frankreichs äußern sich in scharfer Weise direkt billigend zu dem Attentat. So schreibt die „Humanste": Es ist nicht nur ein Räuber, der verschwindet, sondern die revolutionäre Bombe zerschmetterte den Haupt-Grundpfeiler des Zarismus. Die Bombe fiel gut und recht. Die ,/Aurore" schreibt: Ein Mörder ist ermordet worden. Wenn solche Tat sich unter- amtlicher Zeremonie abspielt, so heißt es: Der Justiz sei Genüge geschehen, wenn sie sich aber vollzieht infolge einer Kollektivrache, so heißt es, es ist ein Verbrechen. Die Börse. An der Frankfurter Börse trat am Freitag Abend eine (iHgcmeinc Abwärtsbewegung ein und die Kurse der' meisten Werte gingen um eg. 1 pCt. zurück. Aut Samstag Abend sah man schon, daß die Börse auch mit dieser Tatsache sich abgefunden hatte, denn die russischen Staatsfonds hoben sich wieder um 1 pEt. und mehr, da man in dem Ermordeten das Haupt der Reaktionäre und den Führer der Kriegspartei sah. Zur Lage in Rußland. Die Reformberatungen des Ministeriums. In der letzten Beratung des Ministertonritees übet Punkt zwei des Reformukases vom 25. Dezember 1904^ betreffend die Verwaltung der örtlichen Wofiltätigkeitsanft alten wurde nach offiziöser Mitteilung! beschlossen, erstens, eine Ausarbeitung eines Entwurfes zu diesem Punkte unter Teilnahme der ländlichen und« städtischen Verwaltungen vorzunehmen, zweitens^ mit der Ausführung und Aufgabe der Ausarbeitung der: Gesetzentwürfe für neue städtische und ländliche Verwaltungen werden zwei Komitees beauftragt, die zu diesem besonderen Zwecke in Petersburg unter dem Vorsitz einer vom Kaiser bestimmten Persönlichkeit zu bilden sind. Den Komitees sollen als Mitglieder Persönlichkeiten angehören, welche von den obersten Leitern ber^ betreffenden Behörden dazu bestimmt werden, ferner solche^ welche aus dm ländlichen und städtischen Verwaltungen? erwählt sind. Hinsichtlich der Wahlen der Kvmiteemitglieder auS> den städtischen und ländlichen Verwaltungen werden Sonden-- bestimmun gen festgesetzt. Nach Feststellung des Gesetzent-! Wurfs über die ländlichen Verwaltungen soll in die Bv- ratung der Frage eingetreten werden, ob und in welchMl Grenzen dieses Gesetz auf die neuen Gouvernements des nördlichen und südwestlichen Gebiets angewendet werden) kann. Die Ansichten des Ministerkomitees hierüber sollen dem Reichsrat zur Begutachtung unterbreitet werden. Diese Beschlüsse des Ministerkomitees hat der Kaiser gen e hmigt. Nach einer Privatmeldung soll in einer Plenarsitzung des Ministerkomitees am 16. Februar in Zarskoje- Selo die Frage der Einberufung einer Volksvertret-* ung im Prinzip entschieden worden sein. Die Sitzung- dauerte viereinhalb Stunden, und mancherlei starke Meinungsverschiedenheiten traten zu tage. Der Zar selbst sprach sich für die Einberufung aus. Beschlossen wurde, ein Manifest über die Einberufung einesSemstiSobost zu veröffentlichen und die Ausarbeitung der näheren Be- stimmungen dem Ministerkomitee zu übertragen. Freilich aber steigt die ernste ^Befürchtung auf, daß das^ Moskauer Attentat nicht ohne Rückwirkung auf diesen wichtigen Entschluß bleiben und seinem Ausführung verzögern wird. Am 18. d. M. waren Bulygin und Trepo w in ZerK--, koje-Selo, wobei letzterer folgende vorläufige Repressiv-^ maßregeln in Vorschlag gebracht haben soll: Sofortige^ Ausweisung und Mtransport von 4500 der unruhigsten Arbeiter nach ihrer Heimat, Ausweisung zahlreicher Studenten und Verbot aller liberalem Blätter. Dieser Vorschlag fand indes keine Billig-" ung beim Minister des Innern, denn zurzeit würderr der-' artige Maßnahmen den verkehrtesten Weg darstellen urchj unabwendbar zu einer neuen Katastrophe führen. Die Fabrikbesitzer in Petersburg reichten Herr Finanzminister einen Bericht ein, in welchem fte daraus Hinweisen, daß ihre Beratnng über die Arbeiterfrage resultatlos verlaufen sei. Tie Arbeiterfiage könne nicht getrennt von der allgemeinen Frage behandelt werden. Sogar bei der völligen Bewilligrmg aller Forderungen der Arbeiter würde eine Berrihigung nickt erzielt werden. Die Bewegung sei nickt znrückzuführen auf die Ueberzeugung der Arbeiter, daß es sick bei ihnen um eine wirtschaftliche Notlage handele, sondern auf die allgemein herrschende (fi:regung. Tie russische Industrie sei nicht in der Lage, ohne sich selbst zu schaden, größere Forderungen zu bewilligen. Bei der allgerneinen Notlage sei der Rückgang der I n d u skr i e festgestellt worden. Die Industrie könne nicht mit Verlust arbeiten sich nicht von wohltätigen Motiven leiten lassen. Ihre Lage sei schwierig. Sie gebe den Arbeitern, was sie könne. Die Beruhigung der Arbeiter könne jedoch nicht durch Konzessionen/ sondern nur durch Reformen allgemein staatliches Charakters erreicht werden. e Die Bauern des Gouvernements Kostroma drücken dem Kaiserin eine$ Adresse durch den Minister des Innern ihre Ergeben-^ heit aus. Sie verurteilten darin den Versuche die Grundpfeiler Rußlands erschüttern und das: Volk verwirren zu wollen. Es heißit in der Adresse weiter^ daß sie sich bereit erklären, Gut und Blut für ben'j selb st herrlichen Kais er ein zu fetzen. Der Kais e'rfi dankte für den Ausdruck dieser herzlichen Gefühle. Ausstände. Aus fast allen Teilen des Reiches laufen Nachrichten von neuen Unruhen ein. Am schlimmsten scheint eäß im Kaukasus herzugehen. In Ssuchum-Kale (Gouvernement Kutais) bewarf eine aus etwa 500 Llandlungsgehilfen und Arbeitern be-- steheirde Menge die Wohimng eines Mannes, den sie hnj Verdacht der politischen ^Angeberei hatte, mit Steinen. 'Die; Ruhestörer tvidersetzten sich der Polizei, die gegen sie ein- schritt, urit Revolvern und anderen Waffen. Ein Polizist wurde getötet, zwei schwer verletzt; «auch ein L6rbeiter) wurde getötet rind zivei verwundet. In N o w y r o k i c z (Polen) fand eine Straßerrdemon^ stration statt, wobei das! Militär einige Salven ab gab. Esj wurden 18 Streikende sofort getütet. Die Zahl bed Verwundeten ist noch rncht bekannt. Infolge des in Lublin ausgebrochenen Arbeiterstrciks) wurde die Garnison durch, ein aus Kalmücken bestehendes- Reiter-Regiment verstärkt. Das Letztere Verübte großc Grausamkeiten. Viele Arbeiter y>urdepj auf der Straße erschlagen. Der neue Entwurf der Hess. Städteordnung. Für die endgiltige Ausgestaltung des Entwurfes war die sachkundige Mitwirkung der Bürgermeister derjenigen Gemeinden, auf welche die Städteordnung Anwendung findet, von großen: Wert. Ihre, mündlich in gemeinschaftlichen Sitzungen mit der Negierung vorgebrachten Anträge und Wünsche konnten in weitgehendster Weise Berücksichtigung finden. Was im einzelnen Aenderungen anbctrisst, Ein Bombenattentat in Paris. Konsulat zu Paris Vor dem mexikanischer: Hause von Fresnes. Schienen, Puffer, Räder und Achsen, Sand und Steinen. Samstagnacht der Güterzug entgleiste, bildete am ganzen Samstag und besonders am gestrigen Sonntag das Ziel zahl« Ein gewaltiges Stück Arbeit steht aber noch bevor, bis die letzten Spuren des Unfalles beseitigt sind. Auf beiden Seiten des Bahnkörpers liegen noch die zertrümmerten Güterwagen wüst durcheinander in Gesellschaft zerbrochener und verbogener sei spanischer Untertan, heiße Garcia, sei 35 Jahre alt, habe Grund zur Klage gegen die mexikanischen Behörden und bezweckte, die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. In seinen Taschen wurde:: ein geladener Revolver und. ent Dolch gefunden. Der Verhaftete versichert, er fei nicht An ar ch ist. Bei der Haussuchung ii: der Wohnung Garcias wurden außer Büchern und Schriftskiicken in spanischer Sprache drei in Papier gewickelte Bomben gefunden. Die Bomben enthalten einhundertdreißig Granin: feinkörniges Schwarza- Pulver. Sie sind, wie v,o!m städtischen Laboratorium angenommen wird, als gefährlich anzusehen. Ferner wurden Reservezünder gefunden. Garcia war früher im Krankew- Heranziehung zahlreicher tzilfsinannschasten so gefordert, daß der Verkehr am Sonntag wieder ausgenommen werden konnte. 93 e r g a r Ii c 11 c r ft re i k s im Ruhrgebiet hmucktsich der gütlichen Beilegung von Streiks und Aussperrungen folgender Be- Politische Wochenschau. Der Reichstag widmete ferne ganze Arbeitskraft in der fetzten Woche dem Handelsvertragswerk Posa- dowskys. Er überwies die Verträge an eine Kvmmifnon, die unter dem Vorsitze des Zentrumsführers Dr. ^pahn sämtliche Verträge annahm. Sobald lick nach Verabschiedung der Handelsverträge durch den Reichstag mit Sicherheit übersetzen laßt, wann die 5^and-^svertrüge in Kraft treten werden, wird auf gründ des § 12 de? Zolltarifgesetzes vom Dezember 1903 durch kaiserliche Verordnung mit Zustimmung des Bundesrats der Zeitpunkt bestimmt werden, iam welchem der neue deutsche Zolltarif tu Kraft tritt. Selbstverftändtzck wird der Zolltarif gleichzeitig mit den neuen Verträgen in Kraft treten. Man nimmt nach dem bisherigen Verlauf der Reickstagsverbaudluugen vorläufig an, daß dieser Zeitpunkt der 1. März 1906 sein wird. Die Arbeiten der Budget ko mmission wandten fick der Beratung des Marineetats zu. Dabei wurde offenkundig, daß die Agitation des deutschen Flottenvereins von der Regierung als lästig empfunden wird. Ter oberhessische Graf Oriola, der Sprecher der Nationalliberalen, ferner .Gröber vom Zntcum und der fteikonservative Arendt hielten mit ihrem Tadel gegenüber maßloser Flottenagitation nickt zurück. Einer der Herren meinte, der Flottenverein sei ebenso gemeingefährlich wie der Bund der Aus Stadt und Land. Gießen, 20. Februar 1905. •* Huddes Geständnis ist von Frankfurter Blättern der Darlegung von Einzelheiten berichtet worden, die, wir aus sicherer Quelle erfahren, zum großen Teil völlig der Luft gegriffen sind. Die Einzelheiten werden einst- dev Kohlenarb eiterstreik für b e e n d et erklärt, -^re Arbeiter nahmen dort die Arbeit bedingungslos Mieder auf. Nur der Generalstreik in B e l g 1 e u dauert nocki an. Gegen 7o 000 Arbeiter streiken dort noch Im allgemeinen nimmt die belgiM Ausstandsbewegung, wenn auch nur sehr langsam, an Kraft ab. In gleichem Maße nehmen die Belästigungen Arbeitswilliger zu An verschiedenen Orten wurden Bomben gelegt. Es ist so gut wie lieber, daß die Arbeiter seit der ablehnenden Haltung der belgischen Regierung mit dem Streik keine xhre r Forderungen durchsetzen werden. Die nn a ar i sehe MiNi'terknus ist noch Nicht beendet. In den leisten Tagen wurden Kossuth, die Grafen Audrassv und Apponhi, Baron Banffv, die früheren Minister Lang und -^-a- raitni und der Mg. Hodossv zum Kaifer Franz Joseph nach Wien beschieden. Tie Dinge sind offenbar noch nicht einmal un Ve- ginn der Entwickelung; niemand sieht und kam: wissen, wie sie enden Nicht' geringe Aufmerksamkeit rief eine Kundgebung des ft önig? von Italien hervor, die sich auf die Erriciftung eines internationalen l andwirtschaftl i cken Aus- gl e i ch s i n st i t u t s bezieht. Die Verwirklichung des Planes würde in allen Landen außerordentlich ftcubig begrüßt werden. Eine internationale Konferenz wird nach einer römucken Meldung zum Mai einberufen, ^ie Veröffentlichung des Programms '^Ter^oneueste französische Kolonialskandal zeigt, zu welchen Grausamkeiten im 20. Iahrhundert d:e --'Genicken trotz aller Kultur und Zivilisation fähig sind. Tie Paruer Blatter veröffentlichen entsetzliche Einzelheiten über die von dem verhafteten Kolonialbeamten George Toauet und dm.eu Genoffen begangenen Grausamkeiten in Franzi'sisck-Kongo. ^:efe Beamten sollen nickt nur einen, sondern drei Eingeborene nut D vn amitpatronen getötet haben. Ein Administrator namens Marsant hat eine Eingeborene, die ihm nickt zu Willen war, bei lebendigem Leibe v e r b re n n e n lassen. _xer Verwalter der französischen konzessionierten Gesellschaft in Lnn- poko lNbanghih Dubois, der zur Zeit in Frankreich weift, erzählt, Toguets Stellvertreter Gand, ein ehemaliger Apotheker, ict der eigentliche Erfinder aller Greueltaten gewestn. Sein tägliches Vergnügen war, den Schwarzen den Ausguß a u s s e i n e m Laboratorium als Suppe zu verabreichen. Auch em europäischer Soldat wurde ge jirungen, dieses abfcheu- liche Gemengsel z u t r i n f c n. Die wegen Vergehen eingesperrten Neger wurden unerhörten dNartern ausgesetzt. Einem kündigte Gaud an: „Tu bist frei!"; er hatte kaum zehn Schritte gemacht, als ihii Gands Revolverkugel niederstreckte. General Tumergue hat mitgeteift, es sei kein Zweisel darüber, daß die Tatsachen sich so zugetragen haben, wie sie berichtet wurden. Tie Bewege seien durch persönliche Briefe zur Genüge erbracht. Tie öffentliche Meinung werde für diese Ungeheuerlichkeiten ihre Genugtuung fordern, aber ldie Verbrechen seien eher den Aerzten als den Richtern zu übergeben. „ In Rußland hat sick die Sage im Innern wie nn Aeußern um nickts verbessert. Tas fnrcktbare Attentat gegen den Großfürsten Sergius deckt die inneren Krankheiten des ruf fischen Reiches auf und zeigt, wie sehr dieses Land leidet. Tie Mission des preußischen Prinzen F r i e d r i ch L e 0 p 0 l d , Reften sonstiger bockgestellter Persönlichkeiten, außergewöhnliche englifcke Kabinettsratssitzungen usw. lassen auf eine rege Tätigkeit in der diplomatischen Welt schließen. Offiziell heißt es indes, daß an Frieden nicht zu denken ist. Landwirte. Bei der Etatsdebatte in der hessischen 2. ftajnm_er ritt kn der vergangenen Wocke der sozialdemokratische 9lbg. Tr. D a v^i d sein Steckenpferd, die Sckulfrage, mit der Grazie des edlen ^on Quixote von la Mancha. Als die Schulen auf der -ragesordnilng standen, eilte er eigens aus Berlin nach Darmstadt, um seine Rosi- nante in freiefftr Freiheit zu tummeln. Wäre er in Berlm geblieben, dann wär? der Herr Tr. Phil, pbilosophifcker erfchienen. Da er bei den höheren Lehranstalten nickts Anständiges vorzubringen hafte, begab er sich auf ein auch für ihn neues Gebiet. Er griff den Gpmnasialdirektor Geheimrat Tr. Sckädel in Gieren aufs schwerste persönlich an, indem er lediglich alten Klasch auf- wärmte, der längst gerichtlich als solcher festgenagelt ist. Eine Beweiserbringung hielt er für unnötig und erklärte nur, dan fern Gewährsmann zuverlässig sei. Nicht allein die Regierung nahm sich des schwer in seiner Ehre gekränkten tüchtigen Schulmannes an, sondern auch die Vertreter aller bürgerlichen Parteien wandten. --- ---- ~ x . ■ . ff ftd> getoloffen gegen diese Art und W-ise der Ausübung cmes wurde am Samstag aocnd ein starker Knall vernommen Abgeordnetenmandats Herr Dr David hätte wabrl'.ck fctTtpr । Tip hprnnrrpfnn -** ’r(■ nnd> Götellc cuicit Durcti! Pflickt als Abgeordneter genügt, wenn er das ihm „zugeflogene" 1;--------------- o._ „y , ---- Anklagematerial der obersten Schulbehörde zur Prüfung vorgelegt nach dem Krankenhause .gebracht wunde, und deren Antwort abgewartet hätte. Dann Märe pent Lande 1 — ^«4^« nx «r und ihm der überaus peinlicke Ausgang der ^ffäre, Er spart geblieben, und man hielte ihn heute nock für einen sachlichen Gegner und taktvollen Menschen. Trotz aller seiner und fernes Freundes Ulrick kranrpfhaften Bemühungen blieb nun der allgemeine Eindruck der, daß sich die hessischen Genofseii hier wieder einmal gründlich blamiert haben und daß die beiden Schadel- Tage für sie nichts weniger Äs ein Ruhmesblatt bedeuten, -.rem Lande aber kostet wie ein Baueriibündler ihnen vorhielt, dieie s cb l 11 fi) .nMid Qi|f Me Leiter der Zechen erfolg Mlehiiuug von Verhandlmiaen mit den Bergarbeitern über die von diesen mifgestellten Forderungen und gegenüber dem -6er- fagen des Berg-Gewerbegerickts als Einigungsamt 6_, ff. und insbesviidere S 65 des Gewerbegerickts-Gesetzesi^ erscheint dringend erforoerlich, im Wege der R e i ch s g e f e tz g e b u n g Mittel iind Wege zu schaffen, um die Parteien vor und wahrend eines Streiks oder einer Aussperrung zu dem Versuch fried- lickeii Ausgleichs im Wege der Verhandlung zu nötigen. 2) Ter Ausbruch und der Verlauf des Bergarbeiterstreiks bestätigt, daß nur eine kraftv 0 lle uud nmfa f s e n d e Organisation der Arbeiter B ü r g scha f t b i e t e t gegen übereilte Ausstände und deren Begrün ohne Einhaltung der ftündigunasfrist sowie für den Abschluß und das Einhalten von Tarif-Verträgen, die als wirksamste Mittel zur Vermeidung von Ausständen und Aussperrungen anzusemn sind. Es erscheint deshalb dringend erforderlich, durch Die Gesetzgebung des Reichs die Hindernisse z u b e s e i - Ligen, welcke der Ausbildung und der Wirksamkeit der Ar- beiter-Verufsgenossenschafteii im Wege stehen, und Mittel zu schäften, welche die Ar b e i t g eb er n 01 i g en , die Verufsgenossenschaft als V e r t r e t c r i n derinihr organisierte n Arbeiter anzuerkennen. Einen solchen Weg zu finden, wird besonders für solche Betriebe unerläßlich, welche sich mit der Gewinnung oder ^Herstellung und mit dem Traiisport von Gebrauchsmitteln beschäftigen, welche für den täglichen Konsum der Bevölkerung u.nentbehrlich sind." Ferner wurde beschlossen, den Zusammenschluß der in Hes - s c n besteh'nden Ortsgruppen der Gesellschaft für Soziale Reform zu einem Verband anzuregen. Um zu der reichsgesetzlichien Reaelung der Zwangsversick^rilng der Handlungsgehilfen und sonstigen Privatangestellten, deren Gehalt 2000 Mk. im Jabr übersteigt, Stellung zu nehmen, wurde der Schriftführer der Sektion, Sekretär Scherf dahier, beauftragt, hierüber demnächst Bericht zii erstatten. Voii einer Beschlußfassung über die Errichtung von Arbeitsnachweisen in der Provinz Oberhessen wurde mit Rücksicht auf die von einer anderen Seite ausgehende Anregung zunächst Llbstand genommen. ** Reform !des B au arb eit erschuft e s in 5)esscn. Die GLcchh. Regierung plant, wie wir der „Soz.^ Praxis" entnehmen, eine «gründliche Durchführung des B a u a r b e i t e r s ch u tz e s. Sie wird in kurzer Frist den! Kammern der L'andstände den Entwurf eines Gesetzes vorlegen, dessen wesentlicher Inhalt darin besteht, daß die Regierung die Ueberwachung der Beschäftigung der Arbeiter an Bauten selbst in die Hand nimmt und sie nicht mehr den Gemeinden allein überläßt. 2lls Träger der Ueberwachung sind die Gewerbeinspektoren ausersehen, denen zu diesem Zwecke Beamte beigegeben werden, die ausj Bauarbeitertreisen gewählt werden sollen. Dieser gänzlich neue sozialpolitische SckMtt der Regierung dürste den Wünschen der Arbeiter in weitestem Maße entgegenkommen undf der Zustimmung aller ernsten Sozialpolitiker sicher fern, umsomehr, als es sich nicht nur nm den Schutz gegen Unfallgefahren handeln wird, sondern weil auch namentlich die! Ueberwachung der gesundheitlichen Gefahren in Betracht, gezogen lverden soll. ** Aus dem Bureau des Stadttheaters. Als 14. Dienstags-Abonnementvorstellung gelangen morgen drei Einakter zur Aufführung. Als Einleitung des Abends findet eine Wiederholung von Oskar Blumenthals jtimm- nngsvollem Einakter ,,Wann wir altern" statt, dm bei der Premiere so großen Beifall gefunden hatte. Daran schließt sich Marx Möllers poetische und ergreifende „Aschermittwochdichtung" Totentanz, in der Frl. Frieda Ehristophersen vom Neuen Tlfeater in Berlin als Königin und Herr Sandorst als Domino die 5?auptrollen inne haben. Ten Schluß des -Mends bildet die Pariser einaktige Komödie „Der Dieb" von Octave Mirbeau, ein feiner graziöser! Scherz, in dem Herr Andreas und Herr Giorgi als Darsteller in: Vordergrund stehen. ** Po'lizeibericht. Wegen Verleitung seiner! eigenen Mutter zum Meineid wurde gestern dm fyier wohnhafter Arbeiter verhaftet. — An einem Hause in der Walltorstraße wurde in der verflossenen Nacht eine Fensterscheibe ein ge s ch 1 a gen. Der Täter ist festgestellt und Anzeige erhoben worden. ** Ein ö fterreichisches Damen-Orchesie r wird hier morgen, Donnerstag, im Neuen Saalban einen Opern- 1 und Operettenabend veranstalten. (Vgl. Anzeige.) In einer auswärtigen Zeitungsnotiz werden die Leistungen der Wiener Damen ausgezeichnet und „die Weichheit und Fein. Aktion über 800 Mk. . Die Volksschnllehrer haben mit ihrer seinerzeit auf oem deutschen Lehrertag in Königsberg zum Beschluß erhobenen Forderung der Berechtigung zum Univ er sitats- studium auck im hessischen Landtage wenig Gluck gehabt, obwohl der hessische Landeslehrerverein jenen Beschluß aus- orücklick gebilligt hatte. Dr. David schnitt nach seiner Schadel- Mrfuhr diese Frage an und behauptete, daß Gegner eines auf Hebung des Bildungsniveaus der Volkssckmllehrer hinzielenden Antrages nur diejenigen Leute sein könnten, die unter der Zentrumsflagge segeln. Er mußte sich aber bald belehren lafien, daß auch die Nationalliberalen einem solchen Antmge keinen Geschmack abgewinnen tannen. Und die. Regierung erklärte durch den Mund des Ministerialrats Eisenhut kurz und 1 bündig, daß sie die Forderung des Universitätsstiidiums für die! Volksfchullehrer als pr a k t i s Ä u n d u r ch f ü h rbar anfehe und wie sich durch Massendemonstrationen nicht zu etwas werde drangen laus „ , lassen, was sie für unrichtig hafte. Hessen sei überdies neben | weilen noch streng geheim gehalten; mir so viel ist verlautet, Sacksen auf diesem Gebiete am weitesten gegangen, .indem es den twr Raubmörder auch bei feinem Geständnis sich noch w" flttDii,"Cn ^«sck-^krmgen den UnwcrsMtsbesuchl ätzten Strohhalm klammert und den Mord nicht flC Ter frühere vreuß. UnterstEelrttär und jetzige Kurator allein begangen Haden will, sondern mit einem ihm un- per Universität Bonn v. Rottenburg soll gemaßregelt werden, bekannten Gefährten. Also nach bekanntem Muster der „große Dadurch erwirkt sich das Ministerium Studt neue Mißlübtgkeft Unbekannte"! Diese haltlose Angabe wird der Verbrecher &SÄS?.Äs,#-»*15*%*,* mT* ft-1? nicht nehmen lassen — Notleidenden zu helfen. Herr v. Rotten- wir hören, m der letzten Zelt doch m ängstlicherer Gcniiits- &urg aber hat weiter nichts getan, als seinen Namen unter einen Verfassung al§ anfangs. Die Vernehmungen bauen: fort. Aufruf zu Gunsten darbender Bergleute gesetzt! ** Eisenbahn-U.nfall. Die Stelle, an der in der An Kundgebungen zur akademischen Fr eiheit ftnd un । - - Laufe der Woche eine ganze Reihe ergangen. Tas wichtigste Ereignis war die Antwortdepescke des Kaisers auf die Begrüßungs- jobreffe der Hannoverschen Akademiker'oersammlung. Die akademische Freiheit ist danach ernstlich nicht gefährdet. Der Kaiser telegraphierte, man braucke sich ihretwegen keiner Sorge hinzu- geben. Damit ist das lösende Wort gesprochen. Im Ruhrrevier ist der Frieden wieder eingekehrt. Sckien A Misänglich, als sollten die Arbeiter Maßregelungen ausgesetzt werden so haben sich die Zeckenbesitzer aftmäblich anders besonnen und tragen nun durch Spenden und Vorschüsse selbst zur Beseitigung der Notlage der Arbeiter bei. Es sck'int aber, daß nun die Stimmung in konservativen Kreisen, dem preußischen Berg- —, . g e i e 0 beizuPflichten, daS am 18. d. M. dem Abgeordnetenhaus Wie bei allen derartigen Ereignissen, treten neben den Hilfs- Nin"Schl?iim «rteTarfrM die Cameras 'm Tätigkeit; mehr oder weniger gut auch ü? Mannh eim und Ludwigshafen wurde am 17. ds. | gelungene Ausnahmen der Trummerftatte wurden gemacht In Sosnowice sind noch nachträglich 14 Arbeiter gestorben, sodaß die G e s a m t 5 a h l d e r O p f e r vor der Katharinenhütte 6 0 beträgt. Nach Meldung staftzischer Blätter beträgt die Zalft der während der Unruhen m Russisch-Polen bisher getöteten Personen IL00, o:c Zahl der Vertmmdetcn über 6000. Gorki. Aus Petersburg wird gemeldet, daß Gorki an Ttfphus schwer erkrankt fist. Er soll auf Grund dessefben Hochverratsparagraphcn wie der Mörder Plehwes, Safsonift, angeklagt werden. Ein Theaterskandal. Petersburg, 18. Febr. Während einer Thraker-Vor st ellun g erhob sich der bekannte R e ch » anwalt Bychowsky von seinem ^:tz, forderte das Publikum zur Ruhe auf und hielt in heftrgem ^rone e:ne Rede gegen die Regierung, d:e 11: den orten igipfelte: „N i e d e r mit der S e l b st h e r r s ch a f t, leb e die Freiheit" Die Anwe, enden gäbe:: durch -laute Bravorufe ihr Einverständnis zu erkennen, xaz Vorstellung mußte unterbrochen werden und> d:e-Zu sch au er, deren eine große Anzahl verhaftet wurden, verließen eiligst das Haus. Bvchowsky :ft :n d:e Kasematten der P e t e r - P a u l - F e ft u n g abgefuhrt worden. Prinz Friedrich Leopold von Preußen verweilte bekanntlich am 17. k M. aut Zarenhof. gerade an dem Tage der Ermordung des Großfürsten Sergms. Er überbrachte, wie wir schon meldeten, dem Zaren e:n Handschreiben Kaiser Wilhelms, dem von Personen, die dem Hofe nahestchen,^ aroße Bedeutung be:- gelegt wird, wie es auch auffällt, daß der Z a r p e r f ö n l: cv den Prinzen am Babnhof empfangen und der Bruder des Zaren, Großfürst Michael, abends dein Gaste das Geleit bis Gatschina gab, von wo ein Sonderzug dtesen wieder nach Berlin brachte. heit des Tones, die Grazie und den Schwung des Vortrages" besonders gerühmt. 7 Friedberg, 19. Febr. In der Stille des heutigen Sonntags ertönten plötzlich Feuersignale. Es brannte in der L a ck f a b r i k von Friedrich R 0 ß b a ch , wo ein Lackbehälter in Brand geraten war. Nach dreiviertel Stunden war der Lack abgebrannt, worauf die Feuerwehr wieder abrücken konnte. Nachbargebäude waren nicht gefährdet. Mainz, 19. Febr. Zu einer er heben den Trau er« kundgebung gestaltete sich die Beerdigung des Kommerzienrat Mettenheimer (eines geborenen Gießeners). Pfarrer Vogt hielt eine durchdachte Trauerpredigt. Namens der Stadt sprach Oberbürgcrrneister Tr. Gaßner unterMeder- legung eines Kranzes den: Verstorbenen ein letztes Lebewohl und pries seine Verdienste, die er sich um die Stadt erworben hat. Die Mainzer Handelskammer rief ihrem langjährigen, 'Unermüdlichen und tatkräftigen Ni'itglied durch! Dr. Gastell den Scheidegruß zu und für die Mainzer Volks- bank würdigte Direktor Reins all das Gute, dasftommerzien- rat Mettenheimer als Mitglied und Vorsitzender des Ver- waltungsrats geschaffen hat. (Nach dem „M. Tgbl.) Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. In Gundheim (Rheinhessen) verweigerte der katholische Pfarrer Wieland dein Johann Leidemer die Absolution, „weil er die (demokratische) Wormser Volkszeitung austrage". — Eine Vorlage des Siadtbauamts Mainz über den Umbau des dortigen Stadttheaters zur Erhöhung seiner Feuersicherheit gelangte an die Stadtverordneten. Die Gesamtkosten belaufen sich auf Mk. 377 000. Die Sitzplätze im Theater sollen dadurch um 200 vermehrt werden. TeBegaBionisches* Kursbericht. F «Mkfnrt a. n., 20. Februar. 37a°/ü Reicheanleihe 3% do- • * SV.fl/o Konsole . • • 3°/n ' ........ 3V2% Hessen . . • 3»/,% Oberhpssen . . 4% Oesterr. Goldrento . 4,/s% Oostorr. Silberrento 4% Ungar. Goldronto . 4o/., Italien. Rente , . 4‘/a% Portugieser . . 30/ Portugiesen. . . . 1 % C. Türken . . . Türkenlosa ..... . 102.30 \ 30/0 Mexikaner . . . 91.40 41/2')/o Chinesen . . . 102.30 Electric. 8 oh ackert . . 91.40 . 100.60 . 99.70 . 102.20 Nordd. Lloyd . . Kreditaktien . . . Diskonto-Konmandit. Darmstädter Bank . 101.00 . 100.35 . 105.60 . 68.50 . 67.90 ' 103*20 Dresdener Bank . . Berliner Handelsges. Oestorr. Staatsbahn . Lombarden . . • Gotthardbahn . . . Laurahütte . . . . Bochum..... 4°,0 Griech. Monopol.-Anl. 52.60 Hnrponer 4l/a äussere j^rgontiner —.— Staatsschatzscheine . l’endenz: fest. . 35.10 . 95.00 . 145 00 . 111.90 . 213 86 . 194.36 . 144.68 . 161.00 . 165 50 . 139.90 . 17.10 . 191.50 . 258.25 . 248.25 . 213.80 überzeugen Sie sich, daß bei Ihrem Stück Leute ebenso sanft Dumas schnelle Antwort, „das ist ja noch unser Freund von Das Mädchen war sofort tot. zu bemerken daß Eile not tut und daß sofort mit der Arbeit be^ gönnen werden müßte. gestern; der ist noch gar nicht aufgewacht". • Der Harem des Sultans von Sansibar. Der Bestimmungen zur Geltung gebracht. Der 6. Titel handelt von der Verwaltung des städtischen Vermögens und bietet außer der schon früher erwähnten Äenderung, daß der" Gehalt der Stadtrechner nunmehr nur in einer festen Besoldung bestehen darf, nichts bemerkenswertes. Der 7. Titel, welcher hie Bestimmungen über die städtischen Umlagen, besonderen Ausstellungen, Abgaben nndGebühr en enthält, mußte eine Umgestaltung erfahren infolge des Entwurfes eines Gesetzes, die Gemeindeumlagen betr. Bezüglich der Abgaben und Gebühren, welche durch Ortsstatut ihre Regelung erfahren sollen, sind nur allgemeine Direktiven^ gegeben, aber es ist damit eine zurzeit fehlende einheitliche Grundlage geschaffen, die auch insofern bemerkbar ist, als nun alle Abgaben und Strafgelder in die Stadtkasse fließen sollen. Der 8. Titel behandelt die staatliche O b er au f jich t über die städtische V e r w alltuhr g. Auch hier sind nur wenige Aenderungen vorgenommen worden, meistens veranlaßt durch die gleichzeitig mit diesem Entwürfe revidierten Gesetzesmaterien; nur Art. 120 enthält die schon erwähnte Neuerung, daß der Kreisrat in manchen Fällen bei Weigerung der Stadtverordnetenversammlung an deren Stelle das Erforderliche anordnen und den Bürgermeister mit Vollzug der getroffenen Anordnung beauftragen kann. Neueste Meldungen. Orrgiiraldrahtmeldungerr des Gießener Anzeigers. Kiel, 20. Febr. Hier verlautet, die Großfürstin! Sergius werde, sobald das Trauer-Zeremoniell dies gestatte, einen längeren Aufenthalt auf dem, prinzlichen Schloß,' Hemmelmark nehmen. B r e m e n, 20. Februar. In der Braunschweiger Straße, wurde die Witw e Jahn gestern mit durchschnittener! Kehle aufgesunden. Wahrscheinlich liegt ein Raubmord, vor. Der Täter ist unbekannt. London, 20. Febr. „Daily Telegraph" meldet aus Tokio: Gestern fand eine erhebende Trauerfeier für den General Matsuma, dem Helden der Kämpfe um den 203- Meter-Hügel, statt, an welcher mehrere Mitglieder des diplomatischen Korps und fremde Militäratachees teilnahmen. P a r i s, 20. Febr. Na L Petersburger Meldungen der Aurore zirkulieren die verschiedensten Gerüchte über die vom Zaren angeblich! gefaßten Beschlüsse. Soviel steht fest, daß bei dem Großfürsten Wladimir eine Konferenz stattgefrmden hat, an welcher fünf Großfürsten teilgenommen haben. Es wurde beschlossen, die Gattin des Großfürsten Alexander zu beauftragen, vom Zaren Maßregeln zum Schutze der Großfürsten zu erbitten. Die Teilnehmer an der Konferenz sprachen sich sämtlich gegen irgend welche Konzessionen aus, und überlassen dem Zaren die Verantwortung für Katastrophen, welche sich infolge von Zugeständnissen ereignen würden. Paris, 20. Febr. In der Umgebung von Autem (Departement Saonne et Loire) wurde Radium entdeckt. Es werden eifrige Nachforschungen nach diesem kostbaren Ihr Stück ausübt/ Den nächsten abend wurde zufällig ein Stück von Dumas gegeben und wiederum wurde ein Herr während der Aufführung vom Schlaf überwältigt. Soumet ah nun den Augenblick der Revanche gekommen; er klopfte Dumas auf die Schulter und sagte: „Bitte, lieber Dumas, Kirchliche Nachrichten. Evangelische Gemeinde. Montag den 20. Februar, abends 8 Uhr, B i b e l st u u d e im Konfirmandeusaal der Lukasge m eind e, Liebigstraße 56. Text: Ephes. 1, 8 ff. dürrer ^uler. chlafen können, wie bei dem meinen." „Richt doch", war VeriMchtes. • Ein gediegener Schlaf. Alexander Duinas der Jüngere hat nicht nur in seinen Stücken einen schlagfertigen und'geistreichen Witz entfaltet, sondern wußte auch in seinem Leben rasch und fein jedem Witzspiet zu begegnen. Ein hübsches Beispiel erzählt Arthur F. Davidson m einer unlängst erschienenen Biographie des Dichters. Eines Tages litzt er mit dem Dichter und Dramatiker Alexander Soumet 'm Theatre Franyais. Ein Stück von Soumet wird aufge- iührt. Da sieht Dumas einen Zuschauer, der fest schläft. ^Setzen Sie", sagt er zu Soumet, „das i|t die Wirkung, die Gießener landwirtschaftlicher Wetterdienst. Voraussichtliche Witterung in Hessen für Dienstag, den 21. Februar 1905: Zeitweise heiter, etwas kalter, nur stellenweye geringer Schnee, windig? . . y Näheres durch die Gumcncr Wetterkarte. spruch gegen sie ergangen wäre. Petersburg, 20. Febr. Der Hof Minister benach? richtigte den Grafen Lambisdorff, daß der rusfische.Hof die Entsendung von Vertretern au st än d rf cher Höfe zur Beisetzung nicht: wünsche. Außerdem! verlautet, daß ein geheimes Zirkular an die Gouverneure vorbereitet wird, die l i b e r a l e P r 0 v i n z i a l p r e s s eaust eigener Machtvollkommenheit zu unterdrücken. Man spricht von starken Differenzen im Ministerkomitee und zweifelt an dem Erfolg des Reformwerkes. Man erzählt sich, daß Witte über den Verlauf der Arbeiten stark verstimmt ist. Unter solchen Umständen kann die Lage schwerer und aussichtsloser denn je angesehen werden. Moskau, 20. Febr. Der Mörder des Großfürsten Sergius hat bisher seinen Namen nicht ge- nannt, versprach aber später alles aufzuklären. Bei ferner. Festnahme schrie er laut: „Es lebe die Freiheit, allen werde Freiheit." Der bei ihm gefundene Paß, ausgestellt auf den Namen eines Witebsker Kleinbürgers, erwres ftd). als Fälschung. An dem Orte der Tat wurden nachträglich der Diamantring und die Zigarrentasche des Großfurstw gefunden. Der Griff vom Wagenschlag wurde -00 Mever lueit geschleudert. Die Explosion war so stark, daß zwei Kutscher auf der NikolSkistraße vom Bock geschleudert wurden Infolge der gegen die Studenten nach dem Attentat begangenen Maßregelungen baten die Studenten den Stadthauptmann um Schutz gegen deratige Ausschrertungeuj der Bevölkerung. . Sultan von Sansibar, der sich gegenwärtig auf der Fahrt nach England befindet, hat als einzige legitime Gattin eine Halbschwester zur Frau, deren ältester Sohn allein thronberechtigt ist. Sie ist die Vorsteherin des Harems und gleich den übrigen Frauen des Sultans raucht auch sie leidenschaftlich Zigaretten. Die meisten der Weiber gehen barfuß und tragen goldene und silberne Spangen über den Knöcheln. Ihre Zahl schwankt zwischen hundert und zweihundert und sie werden aus den besten Familien des Landes ausgewählt. Jahr um Jahr wird eine neue Auswahl vorgenommen, und zwar werden dabei den Frauen, die bis zum 25. Jahre kinderlos geblieben sind, untergeordnete Posten zugewiesen. Meist müssen sie bei den neuen Ankömmlingen die Dienste einer Hofdame verrichten. Auch aus China und Indien hat sich der Sultan Haremsfrauen kommen lassen, und er soll sich einbilden, auch aus Europa welche mitbringen zu können. * Kl e in e Tag e s chron i k. In dem russischen OrteRY ka stcrrben bei einer Hockzeitsfeier nach dem Genuß von Branntwein 10 Personen unter Vergiftungserscheinungen. 16 ringen noch mit dem Tode. — Bei GrandLanaye (Belgien'» wurde die schrecklich verstümmelte Leiche eines jungen Mädchens aus der Meuse gezogen. Tie Arme bis zum Ellenbogen waren abgeHnit- ten. — Ein geheimnisvoller Todesfall beschäftigt die Krumnal- behörden von Paris. Eine alte Dame wurde im Schlafzimmer ihrer aus zehn Piecen bestehenden sehr luxuriös eingerichteten Wohnung durch Kohlenorydgas erstickt aufgefunden.. Infolge einer Denunziation hat die Polizei diese Angelegenheit aufgegrisien, da es sich um eine 15 Millionen-Erbschaft handelt. — Larieu, Wachtmeister einer in Vernon (Frankreich). garnisonierenden Trainkompagnie, gestattete feiner 'Frau, bei einem Offiziersfeste einen Klaviervortrag zu halten. Bei diesem Anläße entstand zwischen dem Leutnant Freund, und Frau Larieu eine 'Sian011. Als Leutnant Freund am 16. d. M. in der Wohnung Larieus erschien, wollte ihm dieser ein Säbelduell aufnötigcn; Freund sprang aus dem Fenster, Larieu sprang ihm nach, , versetzte ihm in Gegenwart mehrerer Zeugen Säbelhiebe und ließ sich dann ruhig entwaffnen und in Gewahrsam bringen. — ^n Baku erfolgte auf dem Schiffsanlegeplatz bei Bibieibas a uf einer Naphthabarke eine Explosion. Fünf benachbarte Barken gerieten in Brand, ebenso der Anlegeplatz. Gegen 20 Menschen sollen umgekommen sein. — Ter Stiefsohn des Bauern Gruß in Velscov bei Vorsfelde (Braunschweig) war mit dem Reinigen eines Jagdgewehrs beschäftigt, als plötzlich sich dasselbe entlud und die Ladung der 18 jährigen Stiefschwester in den Kopf drang. so haben wir der Äenderung des Jnstanz^nzuges und des s Wegfalls der Bestinrmungen über den Magistrat bereits ( ^Erwähnung getan; eine Reihe anderer Blenderungen sind , wesentlich redaktioneller Art, vielfach sind auch in oew geltenden Gesetze enthaltene sprachliche Verschiedenheiten beseitigt worden. So witd seither unter „Gemeindevorstand" bald der Bürgermeister allein, bald mit der Stadtverordnetenversammlung zusammen vorhanden, jetzt aber wird in einer dem allgemeinen Sprachgebrauchs gerecht werdenden Weise Stadtvorstand und Stadtver- > tretung unterschieden. Der erstere, der Bürgermeister, ist die Obrigkeit der Stadt, er ist verantwortliche und ausführende Gemeindebehörde, während die Stadtvertretung beschließend und kontrollierend tätig ist. Ganz neu sind die dem 2. Titel den Bestimmungen der Stadtverfassung beigefügten Normen über die Trennung von Gemeinden. Bisher fehlten solche Nechts- sätze; man war seinerzeit davon ausgegangen, daß dieser Fall kaum jemals praktisch werden würde. Aber die Zeit hat das Gegenteil gelehrt durch den Trennungsantrag Gustavsburgs von Ginsheim. Wenn auch ein solches Vorkommen höchst selten ist, so muß das Gesetz doch immerhin Vorsorge dafür treffen. Die Trennung ist analog den Bestimmungen über die Vereinigung mehrerer Gemeinden geregelt. Es ist ein Antrag seitens Beteiligter, Zustimmung der Stadtvertretung und nach Anhörung des Kreistages Genehmigung des Landesherrn erforderlich. — Auch die Möglichkeit der Abtrennung einzelner Gemarkungsteile und der Vereinigung derselben mit einer Nachbargemarkung hat eine bemerkenswerte Neuregelung gefunden, so, daß eine Trennung auch gegen^ den Willen der Betelligten im Verwaltungsstreitverfahren möglich ist, sofern ein öffentliches beW. öfsentlichrechtliches Interesse vorliegt. Seither war dies nun in beschränktem Maße infolge einiger Sonderbestimmungen, z. B. im Feldbereinigungsgesetz, möglich, jetzt aber ist durch den Entwurf eine erfreuliche Weiterung geschaffen. Der 3. Titel behandelt die Ortsstatuten und der L Titel enthält die Vorschriften über die Angehörigen der Stadtgemein de, ihre Rechte und Pflichten. Diese letztere Einteilung entspricht genau der Disposition der Kreis- und Provinzialordnung, wo diese Bestimmungen auch in besonderen Abschnitten vereinigt sind. Die Bestimmungen über die Stadtverwaltung und ihre Organe sind im 2. Titel zusammengefaßt; besondere Abschnitte über die Ausschüsse, Deputationen und Kommissionen, sowie über die städtischen Beamten sind neu eingefügt. Entgegen dem bestehenden Rechte soll die Stadtgemeinde, wenn ortsstatutarische Bestimmungen über Einteilung in einzelne Wahlbezirke fehlen, als Wahlbezirk gelten, eine Umgestaltung, die zumeist den jetzigen tatsächlichen Verhältnissen entspreche^ wird. Um diese Bestimmungen zu vervollständigen, ist im Art. 70 hie Herausgabe einer W a h l a n l e i t u n g durch das Ministerium des Innern vorgesehen. In dem 2. Abschnitt dieses Titels, welcher die Besoldung, die Wahl und das Ausscheiden des Bürgermeisters und der Beigeordneten aus dem Amt zum Gegenstand hat, sind neu die Bestimmungen über die Regelung der Ruhegehalts- ansprüche. Damit hat die Regierung einem einstimmig geäußerten Wunsche der Stadtbürgermeister entsprochen. Die Bestimmungen greifen Platz, wenn andere Vereinbarungen nicht getroffen worden sind. Vorbildlich für die Regelung waren die für die Staatsbeamten geltenden gleichartigen Vorschriften. Jü Zukunft soll auch eine etwaige Vordienst- zeit als pensionssähig aügercchnöt werden. Als solche gilt diejenige Zeit, während welcher der Betreffende seit Vollendung des 29. Jahres im Reichs-, Staats- oder Kommunaldienst angestellt oder als Rechtsanwalt oder Notar tätig war. Bei der Tätigkeit der Stadtverordnetenversammlung ist für Bürgschaftsübernahmen seitens der Stadtgemeinde, wie sie vielfach^ von Sparkassen gefordert werden, insofern eine Erleichterung geschaffen, uls nur bei Verbürgung für Forderungen über 500 Mk. die Genehmigung des Kreisamtes erforderlich ist. Die bei den Sitzungen der Stadtverordnetenversammlung aufzunehmenden Protokolle sollen nun auch nicht mehr von allen Stadtverordneten, sondern nur von dem Bürgermeister und zwei aus der Versammlung gewählten Urknndspersonen unterschrieben werden, auch eine Folge der Wünsche der Städtebürgermeister. Was die Stellung der Beigeordneten -zum Bürgermeister betrifft, so ist man hierbei der badischen Stadtordnung gefolgt und bezeichnet nun die Beigeordneten als „die Amtsgehilfen des Bürgermeisters", wodurch der Bürgermeister gegenüber den Beigeordneten die Stellung eines Vorgesetzten erhält. Tas dem Bürgermeister, zustehende Recht der Verhängung von Geldstrafen ist erweitert worden. In Disziplinarsachen wurden für die städtischen Beamten im übrigen die für die Kreisbeamten vorgesehenen Metall angestellt. Paris, 20. Febr. Wie aus Petersburg berichtet wird, haben sich die Alinister für Friedensschluß ausgesprochen, doch herrschen starke Differenzen über die zu befolgende diplomatische Taktik. Ein Minister sagte, er fürchte, es könne zu spät werden, wenn nicht rasch einem ehrenvollen Frieden zugestrebt werde. Aus Griepenbergs Berichten machte aus den Zaren der Nachweis besonderen Eindruck, daß Kuropatkin absolut falsche Generalstabskarten besitzt. Ein Hügel, dessen Besitznahme Griepenberg mehrere tausend Mann gekostet hatte, war gar nicht eingezeichnet. Die gegenwärtig zwischen Mukden und Tienling sich vorbereitenden Ereignisse erfüllen auch aus diesem Grmnde die leitenden Kreise mit Besorgnis. Paris, 20. Febr. Das „Echo de Paris" berichtet aus Petersburg: Der Empfang Griepenbergs in Zarskoje Selo war äußerst kühl. Nach Anhörung der Erklärungen Griepenbergs äußerte der Zar, daß er die Ansicht Kuro- patkans teile. In militärischen Kreisen scheint man Griepenberg mehr entgegenkommend zu sein. Paris, 20. Febr. Wie aus Petersburg gemeldet wird, erzählte Frau Gorki, daß sie allein ohne ihre Kinder ermächtigtwurde, am Freitag ihren Mann zu sehen. Niemals waren vorher die Symptome der Tuberkulose so erschreckend deutlich zu sehen wie an diesem Tage. Von einem Typhus-Anfall wußte Frau Gorki nichts. Konstantinopel, 19. Febr. Der Dampfer „Sk. Nikolaus" mit dem General Stössel an Bord ist hier eingetroffen. Der russische Marineagent Fregattenkapitän Schwank begab sich an Bord, um im Auftrage seiner Regierung an die an Bord befindlichen Offiziere das russische Amtsblatt zu verteilen, in dem die ihnen vom Kaiser verliehenen Auszeichnungen veröffentlicht sind. General Stössel stattete heute mittag dem _ russichen Botschafter Sinowjew und den Mitgliedern der russischen Botschaft Besuche ab. Später erschien der Oberzeremonienmeister Ibrahim Pascha auf der russischen Botschaft, um den General im Namen des Sultans zu begrüßen. Stössel reiste heute abend auf dem Dampfer „St. Nieolaus" nach Rußland weiter. Petersburg, 20. Febr. Amtliche Berichte bestätigen die Massenhinrichtungen in Warschau auf Anordnung des Gouverneurs Tschertkow. 15 0 Arbeiterführer seien an eine Mauer gestellt und durch mehrere Salven einer Militär- Abteilung getötet worden, ohne daß vorher ein Rechts- Märkte. fc. Frankfurt a. M., 20. Febr. (Telegr. Orig.-Bericht des „Gieß. Anz."). Amtliche Notierungen der heutigen Viebmarkt- preise. Zum Verkaufe standen: 493 Ochsen, 191 aus Oestreich, 55 Bullen, 10 aus Oestreich, 759 Kühe, Fersen, Stiere und Rinder, 2 aus Oestreich, 287 Kälber, 158 Schafe und Hammel, 1888 Schwei,le, 0 Ziegen, 0 Ziegen-, 0 Schaflämmer. Bezahlt wurde für 100Pfund Schlachtgewicht: Ochsen 1. Qualität 70—73 Mk., 2. Qual. 64—66 Mk., 3. Quäl. 56—60Mk.; Bullen l.Qual. 62 bis 64 Mk., 2. Qual. 58—59 Mk.; Kühe 1. Qual. 64—66 Mk., 2.Qual. 59—61 Mk., 3. Qual. 48—50 Mk, 4. Qual. 38—40 Mk., 5. Qual. 00—00Mk. Kälber: l.Qual. 81—83Psg., Lebendgewicht 72—76Pf., 2. Qual. 76—80 Pfg., Lebendgewicht 60—62 Pfq., 3. Qual. OO—00 Pfg., Schlachtgewicht 00—00Pfg., Schafe: l.Qual. 70-72, 2. Qual. 64—66 Pfg., 3. Qual. 00—00 Pfg.: Schweme 1. Qual. 62—64 Pfg., Lebendgew. 50 Pfg., 2. Qual. 62-00 Pfg., Lebendgewicht 49—00 Pfg., 3. Qual. 55—57 Pfg., Lebendgewicht 00—00 Pfg. — Geschäft bei Hornvieh gedrückt, Ueberstand bedeutend, bei Kleinvieh gut, kein Ueberstand'. ic. Frankfurt a. M., 20. Febr. (Ong.-Telegr. des „Gießen. Am"! * Amtliche Notierungen der heutigen Fruchtmarktpreise. Weiten Ntk. 18.50—00.00, Kurbessischer Mk. 18.50—00.00, La Plata Mk. 18.50—19.50, Kansas Mk. 18.50—19.50, Roggen (hiesiger) Mark 14.50—14.75, Gerste (Wetterauer) Mk. 18.00—18.50, Franken- felderMk 18 25—18,50, Hafer Mk. 14.50—15.50, MaisMk. 12.50—00.00, Weizenmehl' 0 Mk. ' 26.75—27.25, 2. Qualität Atk. 24.75 bis Mk. 25.25, 3. Qualität Mk. 22.75—23.25, Roggenmebl 0 Mk 29 00—23.25,1. Qualität Mk. 19.50—20.75, Weizenkleie Mk. 10.00 bis'Mk. 10.25, Roggenkleie Mk. 11.50-00.00, Maiskeime Mk. 10.00 bis Mk. 10.50, Franken, Pfälzer, Ried Mk. 00.00—00.00. Alles per 100 Kg. ab hier. ————. GingesanÄt. (Für den Fnhalt der unter Dieter Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion d>'".'. Publikum gegetiüber keinerle: Verantwortung.) Schnakenplage. Mit arober Freude hat der Einsender vernommen, daß endlich einmal ein ernster Versuch zur Bekämpfung der Echnakenplage aemacbt '»erben foß- Um aber zu einem wischen Resultat zu aelärn eu rnuk der Periuch rationell durchaeiübrt werden. Das kann man nicht dem Einzelnen überlaßen, sondern cs «mm durch eine Behörde geschehen. Jedenfalls wäre die städtische Behörde ani berufensten dazu, dlnch geeignete Scittc den Versuch zu unter- nehmen Tie Kosten müssen, da es das Wohl der Allgemeinheit betrifft voii der Stadt getragen werden. Schließlich wäre noch Ilniversttäts-Vachrichten. — Die „Köln. Ztg." meldet aus Newyork: T-ie Geneigtheit Kaiser Wilhelms, den Titel eines Ehrendoktors der Reckte von der Universität Pennsylvaniens fritr dreier der Wiederkehr von Washingtons Geburtstag am 22. d. anzunehmen, wird hier als weiterer Beweis seiner frenndlichen Gesinnung gegenüber den Vereinigten Staaten ausgefaßt. Der Kaiser ist der erste Monarck, der in dieser Weise durck eine amerikanische Universität geehrt lvird. Der deutsche Botschafter Speck von Sternburg wurde vom Kaiser angewiesen, das Doktordiploni für ihn in Empfang zn nehmen. Präsident Roosevelt erhält zu gleicher Zeit denselben Grad. Hannover, 18. Febr. Das DisziPlinargericht der Technischen Hochschule^ erkannte gegen die früheren Mitglieder des Studentenausschusses, Studiosus Heile auf Relegation, Studiosus Zim m ermann auf Androhung der R e l e g a t io n. In der Studentenschaft herrscht große Erregung. Den Gemaßregelten wurden stürmische Ovationen gebracht. . 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