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Es ist verzweifelt tue in g Erfreuliches, was man in Den letzten Wochen ans Oesterreich und ans Ungarn zu IjorcTi bekam. Stürm rs he Arbeiterdemonstra- , -Ionen, wobei Arbeiter und Polizisten mit blutigen .Qüipfen heimgeschickt wurden, ein kleiner Straßenkampf in Vraa — alles wegen des hcißbegehrten allgemeinen nud gleichen Wahlrechts. Zusammenstöße zwischen Studenten an der Wiener Universität, die geschlossen werden nutzte; ein Meiches in Budapest, Ito sogar der Rektor, der frühere Handelsminister Lang, irsultiert wurde; Obstruktion der Eisenbahn- ar beit er, durch welche der Frachtenverkehr auf den Bahnen Böhmens unterbunden wurde, waS empfindliche Etörungen im industriellen Räderwerke zur Folge hatte, schlechte Aussichten für das Gelingen der. Mission Fejer- virvs in Ungarn; fortgesetzte passive Resistenz der Komitate und Berichte, daß große Besorgnisse wegen der Installierung d^s neuen Obergespans im Fünfkirchener Komitate herrschen, der eventuell unter Anrufung des Militärs sich den Eintritt ir das Kvmitatsgebäude erzwingen wollte. Wahrlich ein Register, groß und weit genug, um Unmut und Unbehagen $iL erzeugen und pessimistisch zu stimmen. Zum Glück haben sich seither die drohenden Wolken etwas gelöst und der bedrohte Volksfriede in der öster- rnchischen Reichshälfte scheint wi'der hergesteUt werden zu Mallen. Tie passive Resistenz der Eisenbahnarbci er hat ihr Elide gefunden, nachdem wenigstens ein Teil ihrer Förderin gen von der Regierung zugestanden wurde. Und in zwei, lötigslens drei Wochen wird aua) die große poli isck>e Frage dis Tages, welck)e eine so leidenschaftliche Aufwühlung der bieitesten Massen des Volkes herbeigeführt hat, die Wahlri chtsfrage, ihre Lösung finden ober wenigstens ihrer IHsung nahegerückt werden. Ministerpräsident Frhr. v. Gautsch teilte mi\ daß die Jirgterung — und zwar, wie er hinzufügte, „selbstverständlich mit Zustimmung der Krone" — mit den Arbeiten für bie Wahlreformvorlage beschäftigt sei, die auf modernen Grundlagen beruhen und den Ansprüchen der Zeit genügen wird. Ter Ministerpräsident sagte auch, daß er bi? Haltung brr Regierung in biefer Frage in der ersten Sitzung bes At'georbnetenhauses in einer Erklärung barlegen werde. Rach ben Intentionen bet Regierung soll ber Reichsrat noch in ber laufenben Wahlperiobe im Verein mit ber Di: gicrung bie Wahlreform zum Abschluß bringen, sodaß olsso das, sei es nun im Frühjahr, sei es nun im Sommer, ciAfzulösende Abgeordnetenhaus den Wählern als letzte legis- kuiUe Gabe das reformierte Wahlgesetz auf dem Präsentier- tclller entgegenbringen wird. Rach bisherigen Informa- ttL'nen wird manche wichttge Forderung der sozialdemo- lritischen Partei betreffs Reform des Wahlgesetzes in der Vorlage erfüllt werden, an welcher die Regierung gegen» Iccirtig mit aller Energie und Jntensität^arbeitet. Es dürfte keine allzu große Tauer der Seßhaftigkeit für das aktive Wahlrecht verlangt, aber selbstverständlich auch die Kardinal- sorderung der Kenntnis des Lesens und Schreibens aufge- ftrllt werden. Es sollen reine Verknüpfungen und teiine Vers chnörkelun gen in dem neuen Wahlgesetz plmtzgreiien, sondern es so., ein wirklich modernes Wahlgesetz sein, und es wird sich nun nur um die ^uagc orehen, wie es angesteUt werden soll, zu verhüten, b>rß bie Teutschen, bie nun einmal in dem österreichischen fiabcl an Zahl den anderen Rationalitäten gegenüber, zu- ri'ckstehen, in die Minorität gedrängt werden, d. h. einen Teil ihrer Mandate verlieren. Es handelt sich eben für Österreich mit feinem walomerat von Völkerschaften um i ......ui ■■■— die Schaffung eines ganz neuen ' -i. ' tss. stems; denn kein einziges der bestehenden Wal o üe, selbst nicht das ehr vernünftige belgische kann in Oesterreich angewendet werden, ohne daß dadurch bie eine ober andere Partei ver kürzt würde. Tie eine cisleithanische Sorge wäre der vielgeplagte Monarch nun los — dafür schleicht wieder die ungarische heran, die ja eigentlich niemals aufgehört hat. Ti? Situation in der anderen Reichs Hälfte ist ernster und chwieriger als jemals. Tie Koalition schließt si' immer mehr und mehr zu- ammen, sie erfährt eine immer größere Erweiterung, oi liberale und die kleine neue Reaierungspartci bilden nur ein kaum in die Wagscbrle fallendes Häuflein, und eS will nicht scheinen, daß das vielte i'. zu groß angelegte Programm, mit welchem der Miniu .Präsident bi* Majorität der Ration für sich und somit für geordnete Zustände zu gewinnen hoffte, bei den Neuwahlen eine kardinale Aenderung bewirken wird. Zwei Minister haben sich in den jüngsten Tagen um erledigte Reichsratsmandate beworben und in den bei diesem Anlaß gehaltenen Reden aufs neue versichert, daß es vom Jahre 1917 ab eine Gemeinschaft mit Oesterreich nicht geben werde, daß aber di? Lösung des Zoll- und Handelsbündnisses vorher nicht im Interesse Ungarns gelegen wäre, da ja bis dahin weder Handel noch Landwirtschaft genügend erstarkt sind. Run wiU auch der Kaiser dre militärische Abzeichen- sowie die Wappenfrage in einer dem ungarischen Rationalgefühl schmeichelnden Weise regeln. Man ist ersichtlich bestrebt, den Ungarn auf alle erdenkliche Weis? eutgegcnzukommcn, um die Ration aus der Sackgasse zu befreien, in welche sie geraten ist. Tie Koalition setzt jedoch all dem starre Negation entgegen und rette. fortgesetzt das Steckenpferd der ungarischen Kommandrsprache, Ter 19. Tezember, an welchem Tage der ungarif je Reichstag wieder zusaminen- treten wird, wird als ein kritischer Tag erster Ordnung in das politische Kalendarium ber Monarchie eingetragen werden müssen. Es wird an diesem Tage gewiß zu einer energischen Aussprache zwischen dem Kabinettsthes und den Führern der Koalition kommen, die, wie es sch.iit, jede Rücksicht beiseite geschoben haben, und mit brutaler Gewalt das zu erzwingen hoffen, was sie sich in den Kopf gesetzt und ihren Wählern versprochen haben. Während bie Neuwahlen in Ungarn, zu betten es ja zweifellos kommen wirb, nocti nach dem gegenwärtig bestehenden Wahlgesetz durebaeführt werden Dürften, da von einem Oktroi in der Wahlreformvorlage keine Rede fein kann und somit Ministerpräsident Frhr. v. Fejervary in die Wahlkampagne eintretm wird, dürfte in Oesterreich die Leitung der Wahlen leider kaum mehr dem gegenwärtigen Ministerpräsidenten Frhrn. v. Gautsch zufällen, der lebensgefährlich erkrankt war, dauernd des Gebrauches des einen Auges entsagen muß und sich wirklich loidend fühlt. Es heißt, daß Herr v. Gautsch bie Wahlreformvorlage vertreten und sich nach ihrer Besiegelung durch das Abgeordnetenhaus bezw. durch das Herrenhaus von der politischen Tätigkeit dauernd zurückziehen wird. Als sein präsumtiver Nachfolger gilt der Minister des Innern Graf Bhlandt-Rheidt. DermHcbfe®. * Kaiser Wilhelms Pscifc. Unter diesem Titel erzählt der „Gil Blas" 'von einer Pfeife Wilhelms II., die dadurch besonderen Wert erhält, daß der Ko i s er das Modell dazu selbst gezeichnet hat. Tie Pfeife ist von einem geschickten Trechsler in Berlin ausgeführt worden und zeigt einen stolzen Auerh'hn. durch beffm " Wirken trS kttserlick^n Tabaks herausßrömen Auf dem Rohr ist ein mächtige? W eingeschni'n. Dieser kostbare Gegenstand in der Sbhut eineS treuen Dieners anvertraut, dessen Arbeit darin besieht, die kaiserlich? Pfeife n reinigen, zu stopfen und zu bewahren. Tas ist immerhin ein Verirwensposten, denn bie Pfeife Kaiser Wilhelms bn einen unschätzbarm Wert da schon Tabakrcste und Zigw- rettcns'ummel, die d?r Kaiser fortwirst, teuer bezahlt werden. * T i e K u h in d e r g u t e n S t u b e. Ein drolliger Vorfall wird, wi' die Thüringer Blätter erzählen, in Forstwolfersdorf (Sachsen-Weimar vielfach belacht In einem Bauernhause war die Fr"u beim Backen und verließ das Haus auf kurze Zeit. Währwd ihrer Abwesenheit aber machte sich im Stalle eine Kuh la« vUb a riet in d'e Stube. Hier fraß zunächst der eigenartige Besuch, der sich allein int Zimmer als Beherrscher fühlte, eine' aus dem Tische stehende Pfanne mit Teig aus, bohrte mit der teigiaen Schnauze im Melchvarrat des Backtroaes herum und blies den Jnh'lt durch seine Rüstern zum größten -Leit im Zimmer u mher, so daß cs eussah, als sei Schnee gefallen. Ter Kuh gel ng es aber nielä, sich wieder von dem Tcigvorrat "nd dem Mehlstaub zu reinigen, wie die weiteren Spuren am Klavier und Sofa zeigten. Schließlich schaute das Tier in aller Seelenruhe znm Fenster hinaus, wvrauf einige beherzte ^ckml- iungen, in Erkennung des falschen Besticktes, da die Haustür verschlossen war, von lstntcn in das Haus cindrangen, die Kuh aus der Stube holten und im Stalle wieder festmachten. . * Eigentümliche H o ch z e i t s b rä n che, die in lebern Falle str.ng beachtet werden und sich von Geschlecht zu Geschlecht vererben, herrschen noch in manchen Ortschaften des Barte n c r L a n d c s , einem ostpr. Bezirke. Begründet ist die Mehrz-hl dieser sonderbaren Bräuche in der Ansicht, daß durch ein Ab weich n von den althergebrachten Sitten das Glück des jungen Paares nrrlämmcrt werden könnte. Tic Mutter der Brant studiert eifrig den K lend r für das Jahr, in d'm die Hocb-zeit staltfinden soll, und wird sich durch keinen Einwand davon abbringen lassen, einen solckwn Tag zu bestimmen, der im „zunehmenden Lichte", nifo in d r Zeit zwischen Reu- und Vollmond liegt. Tas Unglück des künftigen Ehepaares geradezu berausbeschwören hieße cs auch, trollte m'n die Hochzeit an einem Tage feiern, an dem die Sonne im Zeickwn des Skorpions oder gar des Krebses stände. In den meisten Familien erhäscht es nidcm die Tradition, als Termin für die Hochzeit keinen „Fleischtag" zu wählen, also keinen Sonnt g. Tienstag und Tonnerstag. Tiefe Tage, an denen — besonders auf dem Lande — als Hauptmahlzeit stets irgend ein Fleischgericht auf der Tafel steht, sind seit alter Zeit als> Hockn.'itst^ge streng verpönt. Deoibt sich die Hochzeitsgesellschaft am Festtage zur Kirch-, so wird streng darauf gehalten, daß stets der Weg benutzt wird, der seit Jahrzehnten als „Kirchenweg" diente. Neuangelegte Wege, die meist in kürzerer Zeit zum Ziele führen, werden am Hochzeitstage gemieden. Ist die Kirche, in der die Trauung vollzogen werden soll, im Besitze einer Turmuhr, so erfordert es die Rücksichtnahme auf das „Glück" des jungen Paares, daß die Hochzeitsgesellschaft sich nicht zu einer Zeit in der Kirche aufhält, in der die Schläge der Uhr den Beginn einer neuen Stunde verkünden. Daß ber jungen Iwan bei der Rückkehr von der Trauung Salz und Brot dirgercicht werden, ist ein Brauch, der wohl auch in anderen Gegenden der Provinz üblich ist. Nur echt Marke auf der Sohle, Z1860\ t.p.a.p.m: Kauft nur Der unbestrittene Ruf des „Rupferberg Gold" gründet sich: 1. auf eine mehr als 50 jährige Erfahrung in der Gestellung dieses Erzeugnisses. 2. auf die Zusammenstellung nur tadelloser Weine, welche die Güte der Marke „Rupferberg Gold" ausmachen. 3. auf die Beschaffenheit der Rupfer berg'schen Rellereien, welche durch ihre ganz eigenartige, gesunde und luftige Anlage auf den Gescbmack und die son ftigen Eigenschaften des Sectes außerordentlich günstig wirken. 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