Nr. 11& Montag, 22. Mai 1905 155. Jahrg. *ffl» *tt e**e*e M e**ta* ®M „Stefrs* JoMIIM* W«i6en ber eSkqeiv eten» «Scho-Ütch d«t^le«^ ®t JHN i; <■* tt?' ett*1 *w««ßA ***-A Giehener Anzeiger ft. MchE, kdedakrisn. Äxr«E«r *L$K#dereto tMMBfcX ItL Ar. LL. N^S» Sdi-M General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Sieben. Parlamentarische Verhandlungen. Nachdruck ohne Vereinbarung nicht gestattet. Deutscher Reichstag. 187. Sitzung vom 20. Mai. 12 Uhr. Am Bundesratstisch: Dr. Nieberding u. a. Auf der Tagesordnung steht zunächst die Fortsetzung der Meilen Beratung des Gesetzentwurfs, betreffend Aenderun- gen der Zivilprozeßordnung (Entlastung des Reichsgerichts). Die Debatte setzt wieder ein beim § 646. Hier hat die Kommission die Revffionssumme auf 2600 Mark erhöht (bisher 1500 Mark). Abg. Dr. Nintelen (Zentr.) scheint sich dagegen zu verwahren, daß er gestern die Behauptung ausgestellt haben soll, alle Anwaltskammern hätten sich gegen die Erhöhung ausgesprochen. Er bleibt aber bei seiner überaus leisen Sprechweise vorwiegend unverständlich. Abg. Himbnrg ffons.) erwidert, man hätte allerdings allgemein gestern den Eindruck gehabt, als hätte Abg. Nintelen diese Behauptung aufgestellt. Das komme wohl von seiner leisen Sprechweise. Abg. Pohl (freis. Vpt.) beantragt, es ruhig bei dem bisherigen Zustand zu belassen und bie Revisionssumme von 1500 Mark beizubehalten. Man hätte gesagt: es führe kein anderer Weg. nach Küßnacht, i. e. die Entlastung des Reichsgerichts. Aber es ser doch sehr fraglich, einmal, ob dieser Weg überhaupt nach Küßnacht führe, sodann, ob er nicht sehr langsam nach Kußnacht führe, endlich, ob es wirklich der einzige Weg nach Küßnacht sei, und schließlich, ob es nicht viel bestere Wege nach Küßnacht gebe. Weshalb stelle man nicht einfach mehr Richter ein 2 Es sei ihm der Gedanke gekommen — Gott verzeih ihm die Sünde! —, daß da am Ende gar der Kostenpunkt eine Atolle spiele! (Staatssekretär Dr. Nieberding schlägt die Hände über dem Kopf zusammen.! Und das wäre doch einfach sündhaft, nachdem man soviel Geld für Flotte und Kolonien ausgebe l Das Vertrauen zu unserer Rechffprechung müsse aufs tieffte erschüttert werden, wenn durch die Erhöhung der Revisionssumme den unteren Klassen ihr Recht verkürzt würde. Darunter leide auch das monarchische Gefühl, denn das Vertrauen zur Rechtsprechung ist die festeste Grundlage des Vertrauens zum Herrscher! Redner kommt dann im Verlauf seiner längeren Aus- Mrungen auch auf die neuliche Aeuherung des Abg. Bruhn zu sprechen, der gesagt hatte: Jüdische Richter könnten nicht Recht sprechen; das könnten nur deutsche Männer. Er weist diese Anschauung zurück. Redner befürwortet nochmals die Vermehrung her Richterstellen beim Reichsgericht. Die Befürchtung, dadurch könnte die Rechtseinheit gefährdet werden, sei hinfällig. Ja, wenn die paar Richter beim Reichsgericht nicht einmal ihre Rechffprechung kontrollieren könnten, wie sollten denn all die Richter im weiten Deutschen Reich das können! Abg. Vnrlago (Ztr.): Leitender Gesichtspunkt muß sem: die Revision beim Reichsgericht soll nicht dazu dienen, das Rechtsinteresse des einzelnen wahrzunehmen, sondern die Einheit Oer Rechtsprechung zu gewährleisten. Die Vorlage ist doch nur, eine kleine Novelle zu einem großen Gesetz. Wenn man ^ejncDi1wn§» summe auf 1500 Mk. festgesetzt hat, so sehe ich wirklich nicht em, weshalb man nicht auch 2500 Mk. nehmen könnte. Soziale Ge- sichtspunfte kann man überhaupt nicht gegen die Erhöhung anführen. Eher könnte man sagen, daß es sozial ist, wenn man die Rechtsverfolgung verkürzt, da die kleinen Leute dann eher zu ihrem Rechte kommen. Das Reichsgericht muß entlastet werden. Der Reichstag muß dafür sorgen, daß der Sport erlich aushort, daß man unser gutes Reichsgericht mit dem seligen Rcich»:ammer- gericht vergleicht. Dbg. Bruhn (Antff.): Die Freisinnigen wollen nicht, daß die Konfessionen bei der Anstellung der Richter gleichberechtigt sind, nein, sie wollen für ihre lieben Juden ein Vorrecht haben, und hiergegen wenden wir uns. Meine ftühere Aeußerurm, daß die Oberlandesgerichte weniger sachlich urteilen, wenn die Sache rem- sibel ist, halte ich durchaus aufrecht. Es handelt sich hierbei nicht um Gespräche am Biertisch, sondern um feststehende Tatsacken. Abg. Pohl: Ich habe niemals ein Vorrecht für die Judmi verlangt. Die Antisemiten wollen überhaupt keine jüdischen Richter, wer die Juden nicht leiden mag, dem ist eben jeder Jude zu viel. Hiermit schließt die Diskussion. Die A b st i m m u n g über den Antrag der Kommission (Revisionssumme von 2500 Mk.) ist eine namentli ch e. F «r den Antrag stimmen 76, dagegen 71 Abgeordnete, bei 7 Etnnm- enthaltungen. „ Das Haus ist also bei Anwesenheit von nur 164 Abgeordneten nicht beschlußfähig. Die Sitzung muß abgebrochen werden. Präsident Graf Ballestrem setzt die nächste Sitzung fest auf heute, Sonnabend, den 20. Mai, 2V» Uhr, mit der Tagesordnung: Kleinere Vorlagen, Rechnungssachen und Totalisatorgesetz. Schluß 2 Uhr. 188. Sitzung vom 20. Mai, 2% Uhr. Das Haus ist äußerst schwach besetzt. Am Bundesrats!isch: Kommiffare. Auf der Tagesordnung steht zunächst die drifte Beratung des am 14. Mai 1904 zwischen dem Deutschen Reiche und dem Großherzogtum Luxemburg geschlossenen Abkommens.über die gegenseiftge Zulassung des zum menschlichen Genüsse bestimmten Fleisches zum freien Verkehr. Das Abkommen wird in seinen einzelnen Teilen und insgesamt ohne Debatte deftnitiv genehmigt. , Gleichfalls ohne Debatte erledigt das HauS in erster und zwefter Beratung den Gesetzentwurf über die Bildung^ e u t s ch er Kommunalverbände in den Konsulargerichtsbezncken. Es folgen Rechnungssachen. Der Bericht der Rechnungskommission über den Bericht der Reichsschuldenkommission 1. über die Verwaltung des Schuldenwesens des Nord«, deuffchen Bundes und des Deutschen Reiches; 2. über ihre Tätigkeit in Ansehung der ihr übertragenen Aus» sicht über die Verwaltung: a) des Reichsinvalidenfonds und „ b) des Fonos zur Errichtung des ReichstagsgevaudeS; 3. über den Reichskriegsschatz und 4. über die An- und Ausferftgung, Einziehung und Vermch» tung der von der Reichsbank auszugebenden Banknoten wird durcv Kenntnisnahme erledigt. _ Es folgt die zweite Beratung der Uebersichten der Mnu^men und Ausgaben der Schutzgebiete von Kamerun und Togo, Südwest^ aftika, Neu-Guinea, Kiauffchou und Ostafrika. Berichterstatter Abg. Schickert beantragt namens der Kom» Mission, die Etatsüberschreitungen für Kamerun zu genhmigen und die sonstigen Uebersichten für erledigt zu erklären. Abg. Dr. Bnrckhardt (Antts.) tadelt die EtotSüberschrsftmigen, Wie kommt es, daß man für Radiergummi in Kamerun 90 Mk. gebraucht habe? (Heiterkeit.) Ueberhaupt sind für Bureauutensilien 22 000 Mk. gebraucht werden, allein für Bureauleim 200 M. usw. Abg. Bachem (Ztr.) erklärt, wenn so etwas in Deutschland vorkäme, würde manchem Bureaubeamten der Hals gebrochen werden. Es müsse von Berlin aus eine schärfere Kontrolle geübt werden. ,, Der Antrag der Kommission wird angenommen. Hierauf nimmt das Haus noch debattelos in dritter Lefung den Gesetzentwurf an betr. die Wetten bei öffentlich Veranstaltern Pferderennen (T o t a l i s a t o r g e s e tz) gegen die Stimmen der fteisinnigen Parteien und der Sozialdemokraten. Die Tagesordnung ist erledigt. Nächste Sitzung Montag 1 Uhr: Rechnungssachen, dritte Be» ratung des Gesetzentwurfes betr. die Gründung von Kommunal- verbänden in deuffchen Konsularbezirken, Fortsetzung der zweiten Beratung der Z i v i l p r o z e tzn o v e l le -Antrag .Hagemann (Strafprozeßnovelle), Antrag Blell (Abande-^ng des 8 44 der Gewerbeordnung). Schluß 3% Uhr. » priu Deloasss Politische Wochenschau. Gießen, 22. Mai. und keineswegs der Deullchenhüsser sei, für den man ihn gehalten habe. _ r, __ „, . In Charlottenburg ist zwischen Rektor und Studentenschaft der Friede wieder her gestellt. Vielleicht hat man die Studenten bei der Jubiläumsfeier zum Spalierbilden ausersehen! Die Rettorenkonfcreuz int Kultusministerium, dte am Freitag ihr Ende erreichte, soll sich besonders mit der ö-rage der Studentenausschüsse beschäftigt haben. Heber bie Verhandlungen und Beschlüsse ist das dichteste Geheimnis verbreitet. Selbst ihren Senaten sollen die Rektoren keine Mitteilungen machen ^Rußland steht noch im Vordergrund des Interesses. Die Maifeier ist ruhig verlaufen. Kalajew, der den Tod des Groß- ürsten Sergius herbeisübrte, wurde am Mittwoch m Moskau durch Erhängen getötet. Attentate der letzten Tage waren die Ermordung des Vize-Admirals Nachimoff und des Gouverneurs von Ufa, Generals Szokolowski. Heute erhielten wir die erste Nachricht von den Arbeiten der Spezialkonferenz für die Ausarbeitung eines Statuts für die Volksvertretung. Etwas Positives kann man daraus fteilich noch nicht ersehen. Vom Kriegsschauplätze liegen neue Nachrichten nicht vor. Die Javaner landeten 30 000 Mann in Gen)an, die von dort nach Wladiwostok marschieren sollen. Die japanische Bahn nach Tieling ist in Betrieb genommen. Zwei lapanische Truppentransportschiffe sollen gesunken sein und ferner sollen, so lautete die neueste Meldung, die Japaner zwei russische Schiffe, die zum baltischen Geschwader gehören genommen haben. Es herrscht augenblicklich die Ruhe vor dem Sturm. Die Nachricht von einer Seeschlacht kann, wenn der japanische Lldmiral Togo Nicht eine andere Taktik verfolgt, jeden Tag eintreffen. Kie Iürstüchketteu in Wiesbaden. Wiesbaden, 21. Mai. Das Kaiserpaar und die Königin von Italien trafen gestern um IO1/* Uhr auf der Saalburg ein. Am Saal- burgresiaurant wurden die allerhöchsten Herrschaften vom Landrat Ritter v. Marx und dem Geh. Baurat Professor Jacobi empfangen. Die Herrschaften besichtigten zunächst das Mitraeum. Im Saalburgkastell hatten sich der zweite Bürgermeister von Homburg, Feiger, und KurdirektorFrhr. v. Maltzahn zur Begrüßung eingefunden. Sodann wurde der Neubau des Herreums und hierauf das Prätorium besichtigt, wo dem Kaiser der neugewählte Bürgermeister von Homburg, Maaß, vorgestellt wurde. Nach Einnahme eines Imbisses im Prätorium erfolgte um 11 Uhr 20 Min. die Rückfahrt über Oberursel und Hofheim nach Wiesbaden. Gegen 1 Uhr trafen die Majestäten wieder dort ein. Der Kaiser bestimmte, wie der „Taunusbote" meldet, daß der innerhalb des Mitrasheiligtums angelegte neue Weg, welcher vom Kaiser mit der Königin Margherita von Italien gestern zum ersten Male betreten wurde, zur Erinnerung daran den Namen „Königin Marghereten-Weg" erhalten soll. Der Kaiser machte der Königin Margherita auch die Nachbildung von zwei im Mitraeum gefundenen Altarleuchtern zum Geschenk. , ... Der Großherzog und die Großherzogin von Hessen trafen gestern um 1 Uhr 45 Min. nachmittags mittels Sonderzuges, von Mainz kommend, aus dem hiesigen Taunusbahnhof ein und begaben sich sogleich in der bereit- stehenden Hofequipage zum königlichen Schloß. In den Straßen, welche das Großherzogspaar passierte, wurde es von den Zuschauern, welche sich zahlreich angesammelt hatten, Idurch lebhafte Zurufe begrüßt. Die reizende Erfckieln- ung der ganz in Weiß gekleideten Großherzogin erregte allgemeine Bewunderung. Im Gefolge der Fürstlichkeiten befand sich unter anderen der Generaladjutant des Großherzogs, Generalmajor v. Wachter sowie die Ober- hosmeisterin Freiin v. Grancy. Nachmittags um 2 Uhr fand bei den Majestäten im königlichen Schloß Frühstückstafel statt, an der auch das Großherzogspaar von Hessen teilnahm. Bei der Tafel saß der Kaiser zwischen der Königin Margherita von Italien und der Großherzogin von Hessen, rechts von der Königin saß der Herzog von Urach, links von der Großherzogin der Geheime Kabinettsrat Dr. v. Lucanus. Dem Kaiser gegenüber saß die Kaiserin, rechts von der Kaiserin der Großherzog von Hessen und die Herzogin von Urach, links von der Kaiserin der italienische Botschafter Graf Lanza und der hessische Oberhofmeisterin Freiin v. Grancy. Das Großherzogspaar verabschiedete sich nach dem Frühstück herzlich von den kaiserlichen Majestäten und der Königin Margherita von Italien und begab sich gegen 3V2 Uhr nach dem Bahnhof, um von hier die Rückreise nach Darmstadt anzutreten. Den Nachmittag über blieben die übrigen hohen Herrschaften in ihren Gemächern. Nach dem Diner, welches wie gewöhnlich um 6ya Uhr stattfand, und an dem die Königin Margherita von Italien teilnahm, begaben sich die Majestäten sodann ins Theater zur Festvorstellung „Coppelia". , Heute morgen besuchten der Kaiser und bie serin die MarMrche. ' Königin Margherita von- Italien besuchte die katholische Kirche. Um; 9 Uhr begaben! sich der Kaiser und die Kaiserin nach der Villa Acker, Ver^ weilten dort bei der Königin längere Zeit und verab^ schied et en sich von ihr auf das herzlichste. Koni Margherita trat darauf im Automobil die ^ücksayrt- nach Frankfurt a. M. am Die Majestäten kehrten nach dem Schlosse zurück und unternahmen später eine Spazier^ fahrt. Zur Frühstückstafel bei Ihren Majestäten warenge-^ laden: Generalintendant v. Hülsen, Jnterft)ant Kamn^rherr v. Mutzenbecher, Frau v. Liebenau und Frau v. pW- Leider sind die Wiesbadener Tage für bie hohen $ errf001x211, nicht gamz ungetrübt verlaufen: jn letzter Stunde st dis Kaiserin einen leichten Unfall gchabt, der hogentlich ton. keinerlei schlimmen Folgen begleitet sein wird. Man meldet unL darüber aus Wiesbaden: - . Die Kaiserin ist heute nachmittag auf eiltet Treppe gestürzt und hat sich eine Wunde an der Stirn zugezogen, die genäht werden mußte; di^ Verletzung ist indessen unbedenklich. Der Kars er ist 'nfolgchesfen etwas verspätet nach dem water gefasten. Die schon zur Abreise nach der Bahn geschickten Gepäckstücke sind nach dem Schiosie zu r nck gebtacht worden. Die Abreise des Kaiferpaares, die auf heute abend festgesetzt; war,^ist aus geschoben worden. , Ein Zeichen, daß es fich um einen leichten Unfall Handels ist es jedenfalls, daß der Kaiser mit sämtlichen Herren des Ge^ folges abends das Theater besuchte. Es wurde, so wird gemeldet, eine Wiederholung des Balletts „Coppelia" gegeben, stwie der Roderich Bencdix'sche Einakter „Die Dienstboten" mtt Swrta Schramm., Ein Brief des Königs von Spanien. Im Hinblick auf bie Eröffnung einer Protestantin sch en Kirche in Barcelona hat der dortige Kardinal- Erzbischof Salvador Easa na s y Vages eine dringliche Unser Kaiser hat Elsaß-Lothringen nach läng-'rcin Aufenthalt verlassen und weilte in den letzten Tagen in Wiesbaden. Die Festlichkeiten sind ziemlich programmäßig verlaufen; der Kaiser hatte unfern Landesfürsten in Mainz besuchen wollen, da der Großherzoig aber von der Stadt Mainz für dieselbe 3eit bie Einladung zu einer Rheinfahrt angenommen hatte, unterblieb ber Besuch, und die Fürstenbegegnung sand in Wiesbaden statt, wo der Kaiser nun Gelegenheit hatte, an der Seite des Großherzogs dessen Gemahlin Eleonore, deren sympathische Erscheinung auf der Reise allenthalben freundliche Bewunderung fand, kennen zu lernen. Dce Begegnung war nur kurz; ber Kaiser reift — hoffentlich ist die Fallverletzung ber Slaifertn, die eine kleine Verzögerung der Abreise herbeiführte, unbedeutend — nach Eisenach und Charlottenburg. Viel druckende Anstrengungen hat der Herrscher seither gehabt, und Die Mahnung, die bie „Voss. Ztg." in ihrer letzten Nummer brachte, die maßgebenden Hoftreise möchten ber Kaiser vor dem Uebermaß von Anforderungen warnen und schützen, ist im Grunde nicht unangebracht. Nach Tanger ist der Kaiser in Erfüllung einer politischen Aufgabe gereist. In Italien find von eifrigen Hofmarschallen und Zeremonienmeistern für den Monarchen so viel Begegnungen, Empfänge, Ausflüge, Festmähler vorbereitet worden, oatz von einer Erholung nicht die Rede sein konnte. Von Venedig ging es nach Karlsruhe, von Karlsriihe nach Sttaßburg, von Straßburg nach Metz; Begegnungen, Empfänge, Ausflüge, Befichtigungen, Tag für Tag. Dann bie Festspiele in Wiesbaden; fürstliche Gäste, Minister, Diplomaten, und immer muß der Kaiser, aber für die Oefsentlichkeit spricht, ob er vertraulich tfaubert, feine ganze geistige Energie einsetzen; denn jebrö' seiner Worte beansprucht bie Bedeutung, die ber hervorragenden Stellung des Sprechers zukommt. Kommt de. Kaiser von WiAbaden zurück, so ist schon wieder eine Reibe Festlichkeiten in Sicht, Denkmals-Enthüllung und Jubiläum in Charlotten--» bürg, bie Hochzeit des Kronprinzen, die Kieler Woche; allenthalben wird der Herrscher in Anspriich genomimn Abgesehen von den Ucberanflrengim'gen, die der Karftr in der ^at s;ch ans zuerleg en scheint, haben seine Reisen noch im Gefolge, daß im Volk t>ie Schaulust uitb die ungesunden Aufwendungen zu Aeukerlichkeiten und jenen Festen sich mehr und mehr breit niaiÄen gegen welche die neueste iltnmmer deÄ ,,nunuwart kjch in einem lesenÄoerten Aussatz wendet. Dagegen, das, unser hessischer Landesfürst mit mner Gemahlin die Reise nach Mainz und Wresbaden unter- nommen lmt, ist selbstverständlich kein. solches. Bedenken auszusprechen, denn es ist natürlich und aufs freudrgsk zu begruben, datz der Großherzog sein Voll mit feiner MNgen Fnrstm bekannt machen will. ° Prunkvollen und äußerlichen Festlichkeiten ist unser HX fremd. Wie freundlich und sympathnch berührte die Niche^ Nachricht, daß das Grvtzherzogspaar auf einer Rei e in den Odenwald mit seiner Begleitung at harmloser Fröhlichkeit 7uf Wstse ^m „FürsMilager- sich vergnügt habe! Die Reffe des Prinzen Eitel # r 1 e b r 1 ch nach England wurde rnit Verl 0 bungsabfichten in Verbindung gebracht. Die Blätter meldeten, baß bie Veröffentlichung ber ^rlobung gelegentlich ber Hochzeitsfeier bes Kronprinzen verkündet merben solle und sprachen von einer Tochter des Herzoge von Connaught als ber künftigen Braut des Prinzen Man wird^ftch'^duldeu müssen, ob bie Prophezeiungen eintreffen. Aua) bie stet» wiederholten Ankündigungen, baß der K ö n i g v 0 n S p a n 1 e n firf) nut einer der Töchter des Herzogs ?on Connaughc zu verloben ge- bpnüe werden iefet anläßlich seiner Pariser,und Londoner Reift wieder laut, und die Möglichkeit scheint .^ue^egs aus^schllos- sen. Großes Aussehen erregte bie Nachricht, bafe fw and) ^e französische. Republik offiziell bura) Abordnung an ber Hochzeitsfeier des deut sch c n 5t r 0 n- Prinzen zu beteiligen gedenke. Die Anregung dazu soll von Deloasf6 ausgegangen fein, der damit ^^^^en ^tten daß er von versöhnlicher Stimmung gegen das Deutsche u.-id) t. ult Klage an AlfonS XIII» gerichtet und die Antwort des Königs in dem „Bolotin Oficiah Ecclesiastico* vom 12. d. MtS. veröffentlicht. Die Anwort lautet: Sehr verehrungswürdiger Herr Kardinal! Ich habe den Briet Eurer Eminenz vom 22. des vorigen Monats mit grobem Interesse und tiefgehender Teilnahme zur Kenntnis genommen. Sein Inhalt bestätigt mir vorher empfangene Mitteilungen, wonach in der katholischen Stadt Barcelona eine neue protestantische Kapelle errichtet werden soll. Wie sehr mir daran liegt, diese Angelegenheit gemäß der unzweifelhaft im Wortlaut der Derfaffung gegebenen Grundlage und ihrer späteren Handhabung zu schlichten, geht auS der Tatsache hervor, daß ich den Vorfall vor Tagen im Rate meiner Minister zur Sprache brachte, um mit ihnen über die zweckmäßigsten Mittel zu beraten, wodurch ein mit den in Kraft stehenden Gesehen und mit der allgemeinen Empfindung des Volkes in Widerspruch stehender M i ß b r a u ch abgestcllt werden könne. AlS katholischer König und als ergebener und gläubiger Sohn deralleinselig machen den Kirche bin ich tie bekümmert durch diesen neuen Anschlag gegen den Glauben unserer Väter und die Religion des Staates, dessen Geschicke die göttliche Vorsehung mir zu vertrauen für gut hielt: ich zögere nicht, Herr Kardinal, zu versichern, wie sehr ich als konstitutioneller Monarch darauf bedacht bin, daß unter meiner Regierung die Pläne zunichte werden, die Eure Eminenz mir mitteilen, deren Segen ich erbitte, indem ich meine respektvolle Hochschätzung und mein gnädiges Wohlwollen ausspreche. Alfonso. Die Veröffentlichung dieses Briefes ist vielleicht eine Indiskretion des Kardinals, bezeichnend und interessant ist der Brief aber, umsomehr, da der König sich anschickt, ins Ausland zu reisen und eine Braut zu suchen. Kcer und Klottk. — Vom deutschen Flotten verein. Die Mit- ylieder des geschäfts führend en ^Ausschusses, Generalmajor J. D. Menges und Keim begründen ihren Mstritt aus dem Vorstande des Vereins folgendermaßen: „Innerhalb des Präsidiums des Deutschen Flottcn- vereins waren vor einigen Wochen Meinungsverschiedenheiten entstanden über das Maß von Rücksicht, das auf die Reichsregierung und die politischen Parteien hinsichtlich der Agitation zu nehmen ser. Infolgedessen hatten die beiden Unterz-eickmeten ihren Austritt aus dem Präsidium angezeigt,diese Austrittserklänmg aber im Interesse unserer Sache wieder zurückgezogen, nachdem dem Eingreifen des Präsidenten die Wiederherstellung des kollegialen Einverständnisses gelungen war. Nunmehr sind mit jenen Vorfällen in innerem Zusammenhänge stehende Ereignisse eingetrcten, die uns eine weitere Tätigkeit in der Präsidialgeschäftsstelle unmöglich erscheinen lassen. Wir treten zurück, weil wir es dem Verein wie uns selbst schuldig sind, uns mit der eigenen Ueberzeugung nicht in Widerspruch zu setzen. Fünf bezw. vier Jahre haben wir dem Präsidium angehört und während dieser Zeit ehrenamtlich nach bestem Wissen und Können der großen nationalen Sache gedient, als welche wir die Bestrebungen des Deutschen Flottenvereins ansehen. Während unserer Zugehörigkeit zum.Präsidium haben wir das Glück gehabt, viele tüchtige patriotische Männer kennen 311 lernen, denen wir für treue Mitarbeit und wertvollen Beistand zu herzlichem Dank verpflichtet bleiben." — Neue unverbürgte Kaiser Worte werden durch Berliner Blätter verbreitet. Eine Aeußerung des Kaisers soll im Ofsizierkasino des Königs-Jnfanterieregi- ment Nr. 145 in Metz gefallen sein. Dort soll der Kaiser gesagt haben: „Meine Herren! Der Parademarsch meines Regiments war nicht gerade berühmt; aber ich habe beide Augen zuaedrückt, weil man mit dem ParademarschnichtdenFeindschlagt. Das haben die Japaner gezeigt, die keine gute Parade machen, aber gut marschieren und kämpfen." Wie weit diese Mitteilung über diese Aeußerung des Kaisers der Wahrheit entspricht, läßt sich hier so wenig konstatieren, wie bei den Auszügen, die über die Wilbelmshavener und die Straßburger Kaiserreden in der Presse auftauchten. Uebrigens ist das Maje st ätsbeleidigungs versah reu, das vor einigen Tagen gegen den Urheber der unrichtigen Mitteilungen über die Wilhelmshavener Rekrutenrede des Kaisers eingeleitet wurde, nach der „Magdeb. Ztg." bereits wieder eingestellt worden. Ans Stadt mrd Land. Gießen, 22. Mai 1905. •* Die Herstellung von Büchsengemüsen und Konserven. Das Herannahen der Erntezeit für Gemüse und Früchte, welche zur Herstellung von Konserven benutzt werden, legt, wie wir auf Wunsch wiederholen, im Hinblick auf die in Darmstadt im Januar vor. Js. durch den Genuß von Bohnensalat verursachte Vergiftung mehrerer Menschen nahe, in Erinnerung zu bringen, daß die Erzeugung des Giftes nach den alsbald veranlaßten wissenschaftlichen Untersuchungen weder mit dem Material, aus welchem die Konservenbüchsen hergestellt waren, noch mit ungenügendem Luftabschluß in Zusammenhang gebracht werden konnte. Es hat sich vielmehr ergeben, daß auch bei untadel- haftem Luftabschluß in Gemüsekonserven Spaltpilze zur Entwicklung und Vermehrung gelangen können, welche in ihrer Stoffwechselproduktion heftig wirkende, dem Fleisch- und Wurstgift ähnliche Gifte zu erzeugen und die menschliche Gesundheit schwer zu schädigen vermögen. Von dem damaligen Direktor des hygienischen Instituts unserer Landesuniversität, Geh. Medizinalrats Prof. Dr. Gafsky, ist bereits in einem Berichte an die Großh. Staatsanwaltschaft Darmstadt vom 11. Juli v. I. die Vermutung ausgesprochen worden, daß die giftbildenden Keime mit Düngerflüssigkeiten an die Bohnen und damit in den Büchsen zur Vermehrung gelangt seien, und diese Vermutung konnte bis jetzt nicht entkräftet werden. Gegenüber der Benutzung von Jaucheflüssigkeiten zur Düngung von Gemüsepflanzen ist deshalb aus die Gefahren aufmerksam zu machen, welche der menschlichen Gesundheit durch ein solches Düngungsverfahren dann erwachsen können, wenn die Jauche mit den Gemüsepflanzen selbst in Berührung kommt und die darin etwa enthaltenen chädlichen Keime auf den Teilen der Pflanze/ welche dem menschlichen Genuß dienen, eintrocknen. Es ist deshalb strenge darauf zu achten, daß die Pflanze selbst, sowie ihre Früchte mit der zum Düngen benutzten Jauche nicht beschmutzt werden, zumal es bekannt ist, daß auch andere durch Spaltpilze veranlaßte Infektionskrankheiten, wie Typhus und Ruhr, auf diesem Wege entstehen können. Als selbstverständlich muß es gelten, daß bei der Bereitung von Konserven peinlichste Reinlichkeit beobachtet werde und daß alle Konserven, die beim Oesfnen der Büchse einen üblen Geruch erzeugen, vom Genuß unbedingt ausgeschlossen werden. Eine gehörige Erhitzung der Gemüse beim Einkochen und eine nochmalige Erhitzung vor dem Genuß muß dringend an-geraten werden. ** Der Kunstverein für das Großherzogtum Hessen hielt, so wird uns aus Darmstad't berichtet, seine diesjährige Hauptversammlung unter dem Vorsitz des Provinnaldirektors Frhrn. v. Graney ab. Nach dem vom Geschäftsführer, Rentner Schwab, erstatteten Jahresbericht wurden im abgelaufenen Jahr in der Kunsthalle 808 Oelgemälde, 79 Aquarelle und Pastelle, 133 Zeichnungen, 67 Radierungen und 26 plastische Werke ausgestellt. In Gießen waren 516 Oelgemälde, 95 Zeichnungen und Lithographien, 17 Temperagemälde und 3 plastische Werke ausgestellt. Unter den ausgestellten Bildern waren Kollektivausstellungen von Wolf und Karl Beyer- Darmstadt, Karl Groll und Hermann Schlegel-Darmstadt, Georg v. Hößlin und Walter Gerken-München, Wilhelm und Henriette Steinhausen-Frmrkfurt a. M., Rud. Schramm- Zittau, F. T. Lange-Dedekam-Berlin, Thorolf Hohnbon- Ehristiania und anderen ausgestellt. Zum Kunstblatt für die Vereinsmitglieder für 1904 wurde die Radierung von Prof. Philipp Frank „Schwerer Dienst" gewählt. Nach dem von Negienmgsrat Lang erstatteten Rechenschaftsbericht stellen sich die Einnahmen und Ausgaben des Vereins auf 21179 Mk. Der Voranschlag für 1905 weist 17 700 Mk. an Ausgaben auf. Bei der Wahl des VerwaltungSrats wurden die bisherigen Mitglieder wiedergewählt; nur für Herrn Bennighof erfolgte die Neuwahl des Oberlehrers H ö l g e r. Später entspann sich noch eine lebhafte Diskussion über verschiedene, aus der Versammlung gestellte AUträge (Kraft und Genossen! Die wichtigsten gehen dahin, daß 1) bei Neuwahlen der Vorstand zu einem Drittel aus bildenden Künstlern und zu zwe: Dritteln aus Kunstfreunden bestehen solle, 2) daß den Mitgliedern ermöglicht werden soll, ihre ausgelosten Kunstwerke auf Grund von Berechtigungsscheinen selbst auszuwäblen, 3) ein Vereinslokal zu gründen, in welchem sich Künstler und Kunstfreunde zum gegenseitigen Gedankenaustausch zusammenfinden, 4) Schaffung von Mitteln für Kunstbestrebungen, die öffentlichen Zwecken dienen sollen usw. Sämtliche 'Anträge wurden nach langer Debatte einem Ausschuß zur Vorberatung überwiesen. * * Hist0rische Kommission für Hessen und Waldeck. Im Senatssaale der Universität in Marburg fand am fand am 20. Mai, wie uns berichtet wird, die achte Jahresversammlung der Historischen Kommission für Hessen und Waldeck statt. Ihr ging eine Sitzung des Vorstands am gleichen Tage vorauf. Neben den in Marburg wohnenden Patronen und Stiftern waren von auswärts eingetroffen u. a. Geh. Hofrat Prof. Dr. Behaghel, Geh. Hof- rat Prof. Dr. Haupt, Prof. Dr. Köhler und Kreisamtmann Dr. Kranzbühler aus Gießen. Der Vorsitzende, Prof. Frhr. v.d.Ropp teilte mit,daß der Oberh. Geschichtsverein in Gießen an Stelle von weiland Prof. Hvhlbaum Geh. Hofrat Prof. Dr. O. Behaghel in den Vorstand delegiert habe. Zn Mitgliedern der Kommission wählte die Versammlung Prof. D. Bauer, Marburg, Oberlehrer Helmke, Friedberg, Prof. Dr. Heymann, Marburg, Oberlehrer M. G. Schmidt, Marburg, Prof. Dr. Röschen, Gießen. Die Rechnung des Schatzmeisters, Geh. Archivrat Dr. Kö n n e ck e, dem die Versammlung die Entlastung für seine Rechnungsführung erteilte, ergab eine Einnahme von 25140 Mk. gegenüber einer Ausgabe von 19 078 Mk. Erschienen sind im Lause des Jahres der erste Band des Urlunden- buches der Stadt Friedberg, bearbeitet von Dr. Foltz und Dr. Der sch, die vierte (Schluß-) Lieferung des Hessischen Trachtenbuches von Geh. Rat Prof. Dr. Justi und die Festschrift der Kommission zum 400. Geburtstage des Landgrafen Philipp „Die Bildnisse Philipp des Großmütigen", bearbeitet von Geh. Archivrat Dr. Könnecke und Pros. Dr. von Drach. — Der Versammlung wurden ferner vorgelegt die Tafeln und andere Textbogen des von Dr. Buchenau in Weimar bearbeiteten Werkes über den „Münzfund von Seega", welches in einigen Wochen wird ausgegeben werden, sowie eine größere Anzahl von Bogen des ersten Bandes der hessischen Chroniken, welche Professor Diemar bearbeitet. • • Die Generalaussperrung im Schneidergewerbe ist nunmehr in 63 deutschen Städten in Kraft getreten. Der Arbeitgeber-Verband hat an seine Mitglieder für den schwebenden Arbeitskonflikt folgende Anweisungen auS- gegeben: Es darf kein Arbeiter beschäftigt werden, der den vom Zentralausschuß ausgegebenen Nevers nicht unterzeichnet wt. Die Namen der Arbeitswilligen sind innerhalb zwölf Stunden nach Vorlegung des Reverses an die Arbeiter dem Lokalverbandsvorsitzenden bekannt zu geben. Ebenso ist ein namentliches Verzeichnis der Nicht-ArbeitSwilllgen und demzufolge Entlassenen oder Streikenden an gleicher Stelle ein- zureichen. In Fällen dringender Aufträge, z. B. bei Trauer- allen, wird ein Komitee für Fertigstellung solcher Arbeit nach Möglichkeit sorgen. Heimarbeiter müssen zur Unterzeichnung des Reverses alsbald in daß Geschäft gerufen werden. Unterhandlungen mit der Arbeiterschaft nach Ausbruch des Streiks sind unter allen Umständen unstatthaft und für den Allgemeinen Deutschen Arbeitgeber-Verband für das Schneidergewerbe unverbindlich. * * Eine schlaue Odenwälderi n. Folgendes Ge- chichtchen erzählt man sich zur Zeit im vorderen Odenwald. Der Landwirt Hannes in einem kleinen Orte unserer Gegend pricht gern dem Alkohol zu, aber es fehlt ihm leider (?) immer an Geld und die Wirte borgen einmal nicht gern. Sein Weibchen hat die Hosen an und Hannes hat seine Schwierigkeiten, wie er zu Geld kommt. Hannes wollte nun kürzlich wieder seinen Kleesamen in klingende Münze, hinter dem Rücken seiner Frau, umsetzen und versteckte ihn in einem Sacke im Gerstenhaufen auf dem Speicher, um ihn eines Abends wegbringen zu können. Seine schlaue Ehehälfle merkte dies aber, leerte den Kleesamen aus und tat ihrem Hannes eine ganz neue Sorte in den Sack. Eines Abends packte nun Hannes, als er sich sicher fühlte, den Sack auf, trug ihn in einen eine halbe Stunde entfernten Ort zu einem anderen Landwirt. Bevor dieser aber zahlte, besichtigte er die Ware und siehe da — c5 war ein Sack voll Sand. Beide waren stutzig und Hannes verging aller Durst. y. Bad --Nauheim, 22. Mai. Nach der amtlichen Statistik hat die diesjährige Kur einen sehr glänzenden Anfang genommen, indem die Zahl der anwesenden Kurgäste diejenige des Vorjahres bereits 11 in 840 ü b e r- sch ritten hat. — Auf die telegraphischen Begrüßungen des Kaisers uno des Großherzogs aus Anlaß d Sp»udel- feier stns von beiden Herrschern Danktelegramme ein«! llelaufen. — Folgende Unterhaltungen finden in diese- Woche statt: Dienstag nachmittags und abends auf der Terrasse Konzert der Kurkapelle. Abends im Saale Zauber- Vorstellung des Hofzauberkünstlers Bellachini aus Marburg.' Mittwoch nachmittag und abends auf der Terrasse Konzert der Kurkapelle. Abends Theatervorstellung: „Die große Leidenschaft." Donnerstag nGdjmittog§ und abends aus der Terrasse Konzert der Kurkapelle mit Einlagen des Posaunen- Virtuosen Hofmusiker Serafini Alschausky aus Darmstadt. Bei gutem Wetter abends 9 Uhr bengalische Beleuchtung des Parkes vor der Terrasse. Abends'im Saale Tanz. Freitag nachmittags und abends auf der Terrasse Konzert der Kurkapelle. Abends Theater-Vorstellung: Gastspiel Mlle. Viola Villany: Varfußtanz, Tanzidyllen aus der Mythologie und Neuzeit, dazu: „Wenn wir altern." Samstag nachmittags und abends auf der Terrasse Konzert der Kurkapelle. Abends Theatervorstellung: „Niobe." Sonntag den 28. Mai: Konzert der Kapelle des 2. Großh. Hess. Infanterie-Regiments Kaiser Wilhelm Nr. 116 aus Gießen. Abends von 8 bis 91/2 Uhr im Saale Symphonie-Konzert der Kurkapelle. (") Ranstadt, 20. Mai. Heute nachmittag gegen V» 3 Uhr zog ein schweres Gewitter über unseren Ort. Ein Blitzstrahl fuhr in die Scheune des Bürgermeisters Birk en stock und zündete. Durch die rasch berbeigeeilte Feuerwehr wurde das Feuer erstickt, sodaß der Schaden gering ist. Alsfeld, 19. Mai. In den Tagen vom 1.—3. Jull d. I. wird das Gauturnfest des Gaues Hessen abgehalten, und der Festort rüstet sich hierzu mit außerordentlichem Eifer. Der Verlauf des Turnfestes wird wohl sehr glanzvoll werden, zählt doch der Gau Hessen im ganzen 68 Vereine mit weit über 6000 Mitglieder, beinahe das Doppelte als im Jahre 1886, als da§ gleiche Fest in Alsfelds Mauern gefeiert wurde. U. B. Darmstadt, 21. Mai. Der Großherzo g und die Großherzogin sind gestern abend kurz vor halb 6 Uhr von den Mainzer Festlichkeiten und dem Besuch beim Kaiser in Wiesbaden wieder hierher zurückgekehrt. B. B. Groß-Gerau, 21. Mai. Gegen den vor einigen Tagen plötzlich vom Amte suspendierten Kreis- amtmann Dr. Kehrein in Groß-Gerau ist gestern von der Staatsanwaltschaft die Untersuchung wegen Sittlichkeitsvergehens, begangen an schulpflichtiges Kindern, eingeleitet worden. Die Beschuldigungen gegen Dr. Kehrein, einem noch jungen und strebsamen Beamten, sind jedoeh weniger schwerer Art, als die gegen den Geh. Oberbergrat CheliuS. Dr. Kehrein wurde daher auch nicht in Untersuchungshaft genommen. Offenbach, 20. Mai. In der letzten Sitzung der Stadtverordneten-Versammlung wurde ein VertragS-Entwurj mit der Stadt Frankfurt wegen Uebernahme und Betrieb der jetzigen Offenbach-Frankfurter elektrischen Straßenbahn beraten und genehmigt; ebenso wurde einem Vertrags- Entwurf zugestimmt, der den Neubau und den Betrieb der neuen Bahn regelt. Nach dem letzteren bestand die Absicht, sowohl den Neuball als allch den Betrieb von der Stadt Frankfurt besorgen zu lassen. Der Betrieb sollte auf mindestens 6 Jahre in der Hand Frankfurts bleiben. Neuere Erwäglmgen und Prüfungen haben aber ergeben, daß es sich, da ein Elektrizitätswerk ohnehin dringend erforderlich ist, empfiehlt, den Bau und den Betrieb von der Stadt selbst zu übernehmen und zwar im Hinblick aus die Fortführung der Bahn nach Bürgel und Numpenheim. Eine vorläufige Prüfling der einschlägigen Fragen durch Sachverständige ist zu gunften des selbständigen Vorgehens der Stadt in Gemeinschaft mit Frankfurt ausgefallen, sodaß man wohl von einer Verpachtung der Bahn an Frankfurt absehen wird, was schon im Interesse von Bürgel und Numpenheim zustimmend zu begrüßen ist, da Frankfurt keine Neigung zeigte, diese Strecke zu bauen und zu betreiben. (O. Ä.) Mainz, 20. Mai. Heute vormittag hatte der Bischof Dr. Kirstein eine Audienz bei Ihren Königl. Hoheiten dem Großherzog und der Großherzogin. Die Beigeordneten Bürgermeister Dr. Göttelmann und Baurat Kuhn haben die Krone zum Nitterkreuz 1. Klaffe des Philippsordens erhalten. — Gestern nachmittag wurde ein hochelegant gekleideter Herr verhaftet, der auf dem Pfandhaus 8 5 Rubinst eine versetzt hatte. Derselbe Mann, der in einem vornehmen Wiesbadener Hotel wohnt, war schon einmal vor einiger Zeit hier, um Goldsachen zu versetzen. Er gab sich bei der Polizei als Kaufmann auS, mußte .ober später zu- geben, daß er Friseur ist. Bei seiner Festnahme war er sehr bestürzt. Er hielt sich in einem Wirtshaus in der Nähe des Pfandhauses auf und war dort dem Wirt aufgefallen, der die Polizei benachrichtigte. Der Mann wurde natürlich in Haft behalten und sofort Ermittelungen darüber angestellt, auf welche Weise er in den Besitz der Steine gelangt ist. Seinen Angaben, daß er sie gekauft hätte, schenkte man keinen Glauben. .!■' . ... ■■!■■■ ■!---..... ■■■■ . Vermiete». * Von der Kaiserin. Ein eigenartiger, entzückender Anblick bot sich dieser Tage den zahlreichen Beslichern Potsdams dar. Die Kaiserin kam nachmittags 4 Uhr über die Glienicker Brücke gefahren und kutschierte selbst. Hinter ihr in einem zweiten kleinen Wagen kam die Prinzessin Viktoria Luise, ganz in Weiß; das aufgelöste blonde Haar hob sich von dem schneeigen Weiß ab. Auch die Prinzessin kutschierte selbst ihren mit zwei Apfelschimmeln bespannten Wagen. Da die Wagen über die Glienicker Brücke nur sehr langsam fuhren, so konnte das Publikum dieses schöne, anmutige Bild voll genießen. Die Kaiserin hat in den letzten Tagen in Potsdam zahlreiche Besprechungen mit der Oberhofmeisterin der Kronprinzessin gehabt. Das Hochzeitsgeschenk der Kaiserin für ihre Schwiegertochter ist ein entzückendes Brillantenkollier. * DrekünftigenResidenzen des dentschenKron- prin^enpaareS. Bald nachdem die Verlobung des Kronprinzen mit der Herzogin Cecitie bekannt geworden war, verbreitete sich das Gerücht, der deutsche Thronfolger werde nach seiner Vermählung in der Hauptstadt einer der Preußischen Provinzen für einige Jahre seine Residenz ausschlagcn. Vielleicht war hier der Wunsch der Vater des Gedankens. Es scheint indesien, daß der Kaiser die weitere militärische Laufbahn seines Sohnes ausschließlich in Berlin