1» Uettlnr d'ügelkutzM lantägclKtarn man binnvvff >. *<Ätot|twV 10,1 k’^ tz^nyang durch den Lade „,m>ritas“,BrtgJ!. ■jm.teas»”* ®bl“ÄiS- rÄFttiwAchm^ entlausen. J* r*** x> y9 ?oi> N*” Shnf11“' m«1' W’c" lirgi tu jticn ..# &•&>*<* 1U1ei ö OUch ‘JlnleitH«‘H^1, M •y«"§iS8 &SSä ^J^kerii ’frbe'^ iM -— idclieiÄÄ fei. «tofÄ Dchaulage 331 AA ■^S29enscll' 4 ge»* Familien-»®!. HardL i. viellung in nur jein, hau» schriftliche Meldungen uiitt IQn deii Giev. Anj, erb^ j Verkäuferin Kurz-, Weiß- u. Wollwar«! Wche juchl zum 1. Oktober c ' ttu u- gunst. Beding. Ltellui. hrchl. Lielduugen u. 06259 c i Gieß. Anz. erbeten, 2 Mädche» fuch.BefchäiliM ■ Nähen m und außer d. Hau 2431 Cchuhenstr. 1 IE MA SS? mSmädcheu in bcff. haujr Kra« kyarr, SelterSwq L Erstes Blatt. 155. Jahrgang Nr. 323 Freilag 22. September 1905 täglich außer Sonntags. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem «elfischen Landwirt die Siegener Kamillen- blätter viermal in der Woche beigelegt. -iotationödruck u. Verlag der Brüh l'schen Univers.-Buch-u. Steindruckerei. R. Lange. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schulstratze 7. Adresse für Depeschen: Anzeiger Gieße«. FernsprkchanschlußNr.51. _ Bezugspreis: C 5 Z tx monatlich75 Ps„viertel- GietzenerAnWgerW General-Anzeiger w ** .äzä v *7 den poltt und allgem. Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen MW I)ie Keutige Kummer umfaßt 8 Seiten. Iunken unter der Asche. Mit England soll alles wieder in Ordnung sein. Die Spannung der deutsch-englischen Beziehungen, so versichert man, habe erfreulich nachgelassen, die angenehme Aufnahme des englischen Kanalgeschwaders bei seinem vstseebesuch sei nicht ohne Eindruck auf die öffentliche Meinung geblieben, englische Offiziere in größerer Zahl hätten, herzlich ausgenommen, an den deutschen Kaisermanövern teilnehmen können, und endlich: die Londoner Presse zeige sich entschieden gemäßigter. Was will man mehr? so fragen diejenigen, die mit Zuversicht einen längeren Zeitraum allgemeinen Friedens erwarten, in dem die Völker sich von den Wunden des Krieges erholen, in dem die Pflege wirtschaftlicher und Kulturinteressen das schöne Ziel der Nationen ist. Das Natürliche, das Beste wäre gewiß ein olcher Zustand, aber ni dieser unvollkommenen Welt ge- chieht eben sehr oft nicht das Gute und Nützliche. Was ras Erholungsbedürfnis von Völkern betrifft, die einen Grieß geführt haben, so macht die Ermüdung überraschend chnell einer verdoppelter: Tatkraft Platz. Die Geschickte zählt Beispiele dafür in Fülle auf. Es kommt nur auf Die Gelegenheit an, um die ganze Energie eines Volkes mit einem Schlage zu erwecken. Von Japan wird man ohne weiteres anzunehmen haben, daß seine Unternehmungslust gestärkt statt vermindert ist. Wer auch der russische Koloß macht nicht den Eindruck, daß er ge- demütigt und für lange Zeit unschädlich am Boden liege. Wir müßten uns üb^r die in Petersburg herrschenden Stimmungen sehr täuschen, wenn wir glaubten, Rußland begnüge sich mit dem glimpftichen Friedensvertrag und ?iabe zu nichts anderem Neigung, als sich mit der Reorgani- ation der Zustände im Innern zu befassen. Die russische Politik ist stets von maßlosem Ehrgeiz erfüllt gewesen, sie hat stets das brennende Verlangen gehabt, ihren Einfluß nach außen hin so kräftig als möglich geltend zu machen. Rußland will um jeden Pre's wieder zu der Rolle der umworbenen Großmacht gelangen, die es vor dem Kriege im Besitz hatte. An diesem Punkt hat die englische Diplomatie den Hebel angesetzt, schon während der Friedensverhandlungen in Portsmouth. Die englische Diplomatie hat jedenfalls eine Meisterschaft darin, den r i ch t i g e n A u g e n- blick zu wählen. Rußland ist nie von England so lebhaft umworben worden wie in diesem 'Augenblick. Alle Bestrebungen der britischen Politik sind daraus gerichtet, mit Rußland zu einem Einvernehmen zu gelangen, und zwar zu einem doppelten Zweck. Einmal soll die Freundschaft zwischen Rußland und Deutschland — man muß sich hüten, die russischen Gesinnungen zu überschätzen — zerstört werden. Zum zweiten liegt England daran, völlige Beruhigung darüber zu erlangen, daß Rußland nicht etwa doch einmal, trotz der Erweiterung des englisch- japanischen Bündnisses, den begehrlichen Blick auf Indien richtet. Darum werden von London aus die verlockendsten Anerbietungen nach Petersburg gerichtet; spricht man doch davon, daß die englische Negierung den alten russischen Wunsch, die Dardanellen zu neutralisieren im Interesse einer freieren Bewegung der russischen Zukunftsflotte (die wiederum England bauen soll), wohlwollend UTTtc Mützen werde. Nun könnte man vielleicht einwenden: Deutschland hat doch Rußland, wie Herr v. Witte in Paris ausdrücklich anerkannte, während des Krieges manchen wertvollen Dienst geleistet. Allerdings', aber Die Dan kb arkeit hat in der Politikkeinen Platz, am wenigsten in der internationalen Politik. England Sann, schon durch seine enge Verbindung, wenn nicht ein Bündnis, mit Frankreich Rußland bei weitem mehr bieten, als Deutschland imstande ist. Und das gibt, die Verhältnisse ganz nüchtern betrachtet, den 'Ausschlag. Alles, was Herr v. Witte über das Festhalten att der Alliance mit Frankreich und über die deutsch-russische Annäherung gesagt hat, mag ehrlich sein. Wer das Auffällige ist, daß Herr v. Witte mit keinem Wort die russisch-englischen Beziehungen erwähnt. In dem, was er klug verschweigt, erkennt man den Meister der Diplomatie. Man darf nicht überrascht sein, wenn eines Tages die vollzogene Tatsache bekannt wird, daß zwischen Rußland und England alles in Ordnung ist, etwa durch einen Vertrag nach dem Muster des Marokko-Vertrages, der die hauptsächlichen Streitpunkte aus der Welt schafft. Die englische Politik geht behutsam und geräuschlos zu Werk. Daß jetzt scheinbar eine ruhige Stimmung in England Deutschland gegenüber herrscht, daß man nichts von herausfordernden Reden und Zeitungsartikeln überhitzter Admirale hört und liest, gibt keinen Grund, die Situation als geklärt zu betrachten. Die englische Politik arbeitet um so sicherer und erfolgreicher, je weniger dre öffentliche Aufmerksamkeit ihr zugewendet ist. Nicht r m geringsten sind die deutsch-englischen Beziehungen besser geworden, nicht die kleinste W- weichung hat der gegen Deutschland gerichtete Kurs erfahren. Nur, daß unter der WÄe die Funken glimmen. Nolitische Tagesschau. Die Antwort der Kolonialverwaltung. Daß die „Köln. Volksztg." mit ihren Anschuldigungen gegen das Kolonialamt gründlich Fiasko gemacht hat (vgl. unsere gestrige Nummer), ist das Urteil, das selbst oppo- fitioneUe Berliner Blätter fällen. W. T.-B. verbreitet nun heute „von zuständiger Seite" folgende Erklärung: Erstens, entgegen der Angabe des Kolonialdirektors, daß Las Bncb von Karl Ren6 über die Tschadsee-Eisenbahn crne reine Privatarbeit sei, behauptet die „Köln. Volksztg.", zur Drucklegung des Mches seien reichliche Gelder gegeben worden. Für das Renösch« Buch ist kein Pfennig aus Reichsmitteln, weder direkt noch inbireft, verausgabt worden. Ferner bestreitet die „Köln. Volksztg." die Angabe der Ko- lonialverwaltting, daß auch mit dem ersten Kamerun-Eise n- bahnsyndikat über die Verleihung von Bergrechten verhandelt worden sei. Dem gegenüber steht fest, daß im Laufe der Bestrebungen zur Fnnanzierung der Bahn verschiedentlich Mitglieder des Syndikats an die Kvlonialverwaltung wegen einer Erweiterung der Konzession, insbesondere auch wegen der Verleihung von Bergrechten, herangetreten sind, und daß die Kvlo- nialverwaltung sich stets zur Erwägung eines jeden Vorschlages bereit gefunden hat, der die Finanzierung der Dahn ohne Rcichs- garantic ermöglichen würde. Tie „Köln. Volksztg." bestreitet schließlich die Rm-tigkei! der Mitteilung der Kvlonialverwaltung. daß das erste Syndikat schon vor Dezember 1904 sich ohne Reichsgarantie als außer Stande zur Finanzierung der Bahn erklärt habe. Dem gegenüber sei konstatiert, daß am 6. Dezember 1904 in einer nGung des Syndikats, der zwei Vertreter der Kolomalverwaltnng beiwohnten, eine Verständigung darüber stattfand, daß die Finanzierung der Bahn ohne Reichsgarantie ftir mindestens den größeren Teil des Gesellsck>aftskapitals unmöglich sei. Das Syndikat be zeichnete noch in derselben Sitzung Vertreter, die auf der Grundlage einer partiellen Reichsgarantie mit der Negierung verhandeln sollten. Aus diesen Verhandlungen ist der dem Ncmis- tage als Anlage zum Gesetzentwurf über die Kamerunbahn mit- geteilte Konzcssionsentwurf hervorgegangen. Ter ganze Angriff der „Köln. Volks'tg." gegen die Vertreter der Kvlonialreaierung basiert mithin auf leerem Gerede. In der „Nordd. Allg Ztg.", die eine längere Darstellung der Angriffe und des wirklichen Sachverhalts enthalt, wird der Gewährsmann des rheinischen Zcntrumsblattes lückenhafter und unrichtiger Informationen geziehen. Mit so dürftigen Belegen „in den Händen" gegen die Kolonialverwaltung den schweren Vorwurf der Budgetkommission gemachter „unrichtiger Angaben" zu schleudern, das läßt denn doch keine Entschuldigung zu. Jetzt schreibt die „Köln. Volksztg." einlenkend: „Wir wollen einen Irrtum der betr. Beamten annehmen", rmd beteuert ihr Vertrauen zu der Integrität der deutschen Beamtenwelt. Wer waren Angriffe solcher 'Art nicht geeignet, das Beamtentum zu kom- fromittieren? Ein ernsthaftes politisches Organ mußte bedenken, welchen Eindruck derartige angebliche Enthüllungen auch im Auslande Hervorrufen konnten. Im Parlament werden die Zentrumsführer kaum noch in der Lage sein, über die „Skandalsucht der sozialdemokratischen Presse" sich zu entrüsten. Einem sozialdemokratischen oder einem liberalen Organ wäre aus gleichem Pinlaß ganz anders der Prozeß gemacht worden. Sa^. mächtige Zenttum darf sich eher etwas erlauben. Unseren Unglückspropheteu in8 Stammbuch. Uns wird geschrieben: Wir leben augenblicklich in der Zeit der Kongresse. Fast in jeder großen Stadt tagt irgend ein Verein, der sich zum Ziele setzt, helfend und bessernd auf unser Volksleben einzuwirken. Die Bestrebungen dieser 'Art, die gegen herrschende Uebelstände ankämpfen, sind recht mannigfaltig und meist auch wahlberechtigt, haben aber durchweg ein Charakteristikum: man schildert nämlich die Zustände, die man bessern will, mit den düstersten Farben, man malt grau in grau, man sucht für das, das man betreibt, Propaganda zu machen, indem man schreit, wie wenn nachts irgendwo Feuer ausgebrochen ist. Hört man die Redner auf den Kongressen zur Bekämpfung von Geschlechtskrankheiten, so erfährt man, daß unser Volk namentlich in den großen Städten vollständig verseucht sei. Die Sittlichkeitsapostel haben iift vorigen Jahre in Köln zu beweisen aesücht, daß in vielen Gegenden Deutschlands die Unsittlichkeit heimisch sei, und die Anti- alkoholisten schildern iit allzu grellen Farben, daß unser Volk leiblich und geistig durch den 'Alkohol zerrüttet sei. Namentlich die Geschäftsführer und Sekretäre derartiger Vereine, die auf den Kongressen die nötigen Unterlagen beibringen, können sich int Schwarzmalen nicht genug tun. Man zieht dabei die Statistik zur Hilfe heran. Die ist das Mädchen für alles; sie beweist alles und beweist nichts; sie beweist alles, was sie beweisen soll namentlich da, wo es schwer oder ganz unmöglich ist, die Tabellen zu kontrollieren. Wenn z. B. Generalarzt a. D. Dr. Meisner auf dem Kongreß für Volks- und Jugendspiele in Frankfurt a. M. auf Grund statistischer Erhebungen behauptet hat, daß von den zum einjährig-freiwilligen Militärdienst Berechtigten 50 — 70 Proz. militäruntauglich seien, so halten wir diese Behauptung einfach für irrig. Offenbar bat dieser Herr, in dessen Wahrheitsliebe wir nicht den geringsten Zweifel setzen, mit unzureichendem Material gearbeitet. Unser Volk ist in seinen gebildeten Ständen körperlich nicht so degeneriert, wie uns diese Angaben einreden wollen. Wollten wir allen diesen Unglückspropheten und Schwarzsehern glauben, so müßten wir annehmen, unser deutsches Volk sei in der (Gegenwart total versumpft und moralisch verdorben, wie Ninive, ehe der Prophet Iona kam und predigte: „Es sind noch vierzig Tage ,so wird Ninive untergehen", allen Lastern ergeben und sittlich so am Wgrunde, wie Rom, ehe die blondhaarigen Goten und Vandalen einer Sturmflut gleich sich über die sieben Hügel ergossen. Dabei leistet unser Volk in Ackerbau, Industrie, Handel, Wissenschaft, nicht zum letzten auch in der Vorbereitung für die Vaterlandsverteidigung in unseren Tagen das Höchste. Es ist ein Zeichen von Unwahrhastigkeit, wenn man herrschende Uebelstände beschönigt, noch verwerflicher aber ist es, wenn man vorhandene Schäden, aufbauschend und übertreibend, vor aller Welt bloylegt und das eigene Volkstum durch dergleichen Jeremiaden herabsetzt. Wehrsteuer und arbeitende Klaffen. Nachdem die „Dtsche. Tagesztg." eine Wehrsteuer angekündigt hat — ob die Meldrutg zutrifft oder nicht — ist die sozialistische Presse außer sich geraten. Das Organ des Herrn v. Vollmar erklärt zornig, man sollte doch soviel Scham besitzen, nicht zu einer neuen, die Bolks- masseu treffenden Steuer zu greifen. Das Blatt sollte mit seinem Zornesergusse doch lieber warten, bis die Steuervorlage herauskommt. 'Auch wir haben $egen die Wehrsteuev mancherlei Bedenken, aber soviel scheint uns sicher, daß sie die arbeitenden Klassen nicht treffen wird, schon darum nicht, weil der Arbeiter, der wegen körperlicher Mängel nicht Soldat wird, in den meisten Fällen den kräftigen und gesunden und deshalb wehrpflichtigen Kameraden gegenüber stark im Nachteile ist. Der Arbeiter ist ja viel mehr als der Kaufmann oder der Gelehrte oder der Be^ amte auf die volle Leistungsfähigkeit seines Körpers angewiesen. Demgemäß treffen ihn vom Militärdienste befreiende Gebresten, z. D. Kurzsichtigkeit oder allgemein« Körperschwäche oder Lahmheit relativ am schwerstem Es kann also dem Gesetzgeber gar nicht einfallen, wenn überhaupt eine Wehrsteuer geplant ist, die arbeitenden Klassen einzubeziehen. Wenn aber die Söhne van Bankiers oder Professoren von der Steuer betroffen werden, so wird das Organ des Herrn v. Vollmar sich wohl darüber schließlich noch zu trösten wissen. Kolonialpost. — lieber eine neue Mordtat der Eingeborene« auf den Salomo nsinseln kommen nähere Berichte. Danach begab sich kürzlich der Händler W. Finlanfon mit dem Hattet .Savo" von Gizo aus eine Nlindwhrl durch die Inselgruppe. Die Besatzung des Fahrzeuges bestand ausschließlich aus Kanälen, denen Fiulayson unbedingtes Vertrauen schenkte. Als nun das Schiff in die Nähe der Insel Vella Lavella, der Heimat der Eingeborenen, kam, erwachte in diesen plötzlich die Sehnsucht, dahin zurückzukehren. slinlanson wurde im Schlaie überfallen, geknebelt nnb buchstäblich in Stücke zerhackt; der Kutter lag unweit der Küste vor Anker. Den Meuterern gelang es aber nicht, das Land zu erreichen, da sie die ftübrunq des Fahrzuges nicht verstanden; der schwedische Händler I- Ohlsen kam mit seinem Schiff in die> Nähe, bemerkte den vor dem Winde treibenden Kutter und hielt daraiü zu. Als er ihn bewaffnet mit mehreren Begleitern betrat, gewahrte er die Spuren der begangenen Greueltat, nahm die Besatzung ge'ängen und brachte sie nach der Insel Gizo, wo sie ihrer Strafe harrt. Aas Stadt mtd KanS. Gießen, 22. September. "Personalien. S. K. H. der Großherzog haben dem Vorstande des Polizeiamts Darmstadt Regierungsrat Dr. Kratz unter Belastung in seiner dermaligen Dienststelle den laufenden Rang eines Kreisrats erteilt. ** Sitzungen des Schwurgerichts in Gieße» für das 3. Quartal 1905: 1. Montag den 25. September, vormittags 9t/2 Uhr, Verhandlung gegen Georg Winter aus Merkenfritz wegen Sittlichkeitsverbrechens. Die Anklage vertritt Staatsanwalt Reuß, die Verteidigung führt Rechtsanwalt En gisch. 2. Dienstag den 26. September, vormittags 9 Uhr, Verhandlung gegen Marie Ortwein aus Frischborn wegep Meineides. Die Anklage vertritt Gerichtsastestor Dr. Hetzel, die Verteidigung führt Rechtsanwalt Arnold. 3. Mittwoch den 27. September, vormittags 9 Uhr, Verhandlung gegen Peter Grün aus Rieder-Ohmen wegen Notzucht. Die Anklage vertritt Staatsanwalt Reuß, die Verteidigung führt Rechtsanwalt Justizrat Weidig. 4. Donnerstag den 28. September, vormittags 9 Uhr, Verhandlung gegen Adam Heidinger aus Brückenau wegen Notzuchtversuchs. Die Anklage vertritt Gerichtsastestor Dr. Hetzel, die Verteidigung führt Rechtsanwalt Kaufmann. 5. Freitag den 29. September, vormittags 9 Uhr, Verhandlung gegen Josef Kraft aus Frankfurt a. M. wegen Brandstiftung. Die Anklage vertritt Gerichtsast. Dr. Hetzel, die Verteidigung führt Rechtsanwalt Grünewald. 6. Samstag den 30. September, vormittag? 9 Uhr. Verhandlung gegen Gottlieb Bauer aus Worms wegen Totschlags. Die Anklage vertritt Staatsanwalt Reuß, der Verteidiger ist noch nicht bestimmt. ’• Die neue katholische Kirche ist soweit vollendet, daß nächsten Sonntag, den 24. September, die Benediction llattfinden kann. Man unterscheide Benediction und Consecration. Die Consecration ist eine der feierlichsten Weihen, dauert ca. drei Stunden und wird nur vom Bischof oorgenommen. Die Benediction ist eine kürzere Weihe, die mit bischöflicher Erlaubnis von jedem Priester vorgenommen werden darf; sie ist notwendig, damit in einem Raume da8 hl. Meßopfer gefeiert werden kann. Benediziert werden die nur vorübergehend zum Gottesdienst eingerichteten Räume und Privat-Oratorien, aber auch neugebaute Kirchen, wenn es rötlich erscheint, einstweilen von der Consecretion abzusehen. Das Letzte geschieht bei der neugebauten Kirche hier; das Gotteshaus ist zunächst nur teilweise erbaut, nämlich Chor, Querschiff und ein Joch des Langschiffs. Die drei übrigen Langschiffjoche und die Türme werden später an- gebaut. Da nach der Vollendung der ganzen Kirche die feierliche Consecration stattfinden muß, wird vorläufig nur die Benediction vorgenommen. Deshalb wird auch von der Veranstaltung einer bei Einweihung von Kirchen üblichen weltlichen Feier abgesehen. Zur kirchlichen Feier findet nach der Benediction um 9 V2 Uhr Hochamt mit Predigt und Ministration, darauf Uebertragung des Allerheiligsten und abends um 6 Uhr Predigt und Segensandacht statt. Sie Kirche steht einstweilen ungemalt im Rohbau da. und es fehlt bezüglich der Innenausstattung, abgesehen von dem übrigens noch nicht vollendeten Hochaltar, noch alles; man muß sich mit provisorischer Einrichtung (Notvcrglasung, Notkanzcl) behelfen oder die Einrichtung der alten Kirche (Orgel, Bänke, Beichtstühle ?c.) mit beri'ibcrnehmen, da zur stilgerechten Innenausstattung alle Mittel fehlen. ** Bahnprojekt 2 ich - Grünbcrg. Das vor zwei Jahren entstandene Projekt beschäftigte dieser Tage wieder eine Versammlung der Vertreter der beteiligten Gemeinden bei Gastwirt Diehl in Ettingshausen. Der Vorsitzende des Komitees, Moll-Grünberg, wies darauf hin, das; die Gemeinden das Projekt einstimmig angenommen und das erforderliche Obligationskapital in Höhe von ca. 490 000 Mk. bereitwillig gezeichnet haben. Die Regierung hat auch bereits die Baugenehniigung erteilt und einen bedeutenden Staatszuschuß in Aussicht gestellt. Die Verhandlungen mit der Firma Lenz tt. Co.-Berlin haben sich in letzter Zeit dadurch verzögert, daß die Strecke Butzbach-Lich, deren Fortsetzung die obige Strecke werden soll, nicht genügend rentiert. Die Versammlung sprach jedoch die Aussicht aus, daß die Rentabilität der Gesamtsirecke gerade durch die Fortführung bis Grünbcrg erst gesichert sei, da die neue Teilstrecke eine Gegend erschließe, die reich ist an Basalt, Eisensteinen, Braunkohlen und großen Waldungen. Die Vertreter sprachen den dringenden Wunsch aus, daß die Bahn baldigst gebaut werden möge. Nach den Plänen soll sie 1402 000 Mark kosten. Sie folgt von Lich über Nieder- und Ober-Bessingen dem Wcttertal, von Münster über Ettingshausen und Queck- born dem Eschersbach, überschreitet dann einen Höhenzug und mündet westlich Grünberg in die Bahn Gießen- Fulda ein. Der Landkalender für da§ Großherzogtum Hessen für das Jahr 1906 ist soeben im Verlag der Großherzogl. Jnvalidenanstalt Darmstadt erschienen und dürfte auch diesmal von vielen mit Freude begrüßt werden. Der äußeren Ausstattung ist diesmal besondere Aufmerksamkeit gewidmet. Das vorzügliche Bildnis I. Kgl. Hoh. des Groß Herzogs und der Groß Herzog in schmückt diesmal als erstes Bild den Kalender. Karl Schäfer erfreut uns durch ein Gedicht „Mein Hesienland" und durch eine Odenwaldgeschichte „Im Hirtenhause". Beifall wird auch die Geschichte eines kleinen Diebes „Fritzchen" von Otto Stockhausen in Marburg finden. Auch Schiller und der Schillerfeier ist ein illustr. Artikel gewidmet. AuS dem übrigen Inhalt heben wir noch Verschiedenes für die Hausfrau, Scherzartikelchen, wertvolle Winke für die Landwirte und einen gedrängten Ueberblick über Weltbegebenheiten hervor. Der Landkalender für 1906 dürfte bei dem Preise von 20 Pfg. bald Abnehmer finden. RB. Darmstadt, 21. September. Der im vorigen Jahr in Berlin gegründete Reichsverband gegen die Sozialdemokratie hat gestern abend in einer zahlreich besuchten Versannnlung im Fürstensaal auch hier eine besondere Ortsgruppe geschaffen, der sich sofort über 60 Mitglieder anschlossen. In der Versannnlung, an welcher nationalgesinnte Männer aus den verschiedenen Parteirichtungen, die Vorstände der bürgerlichen Vereine, der Kriegervereine 2C. teilnahmen, hielt nach kurzer Begrüßung durch den Vorsitzenden Dr. Zimmer der Geschäftsführer des Verbandes Dr. Borenschen aus Berlin einen längeren Vortrag, in welchem er die Zwecke und Ziele des Verbandes darlegte. Dieser solle keine neue Partei zu den vielen schon vorhandenen hinzufügen, sondern als ein Kind der politischen und nationalen Not unseres Volkes alle national gesinnten Männer zu gemeinsamem Kampf gegen die Sozialdemokratie vereinigen. Das rapide Anwachsen der sozialdemokratischen Stimmen bei den Wahlen gestalte sich immer mehr zu einer nationalen Gefahr. Man wolle deshalb auch besonders bei Stichwahlen alle patriotisch gesinnten Wähler zu vereinigen streben; die Neichstagswahl in Offenbach habe gezeigt, daß es nur des guten Willens und des festen Zusammenschlusses der bürgerlichen Gesellschaft bedürfe, um die Sozialdemokratie siegreich aus dem Felde zu schlagen. Der Verband verfolge lediglich nationalpolitische, keine wirtschaftlichen oder religiösen Ziele. Nachdem in der Debatte Justizrat Dr. Grünewald, ReichStagsabg. Dr. Becker-Sprendlingen und Hauptmann a. D. Wal deck er die Anregungen des Vorredners unterstützt hatten, wurde einstimmig die Bildung einer Ortsgruppe Darmstadt beschlossen, die auch sofort einen provisorischen Vorstand wählte. Lampertheim, 19. Sept. Verhängnisvoll war der Ausflug, den der allgemein geachtete Fabrikarbeiter Mich. Zehn bau er I. unternommen hatte. Er besuchte seine Verwandten im unweit gelegenen Waldhof, wo er von der hohen Treppe in der Dunkelheit gestern abend herabgehen wollte, aber ausglitt und her ab stürzte. Die Verletzungen waren so stark, daß der Tod nach kurzer Zeit eintrat. Er war 75 Jahre alt und 50 Jahre lang in der chemischen Fabrik Neuschloß tätig gewesen, die ihn vor 3 Jahren pensioniert hatte. (D. Z.) Herborn. 20. Sept. Ein trauriger Unglücksfall, durch oen eine Familie im benachbarten Herborn seelbach ihren Ernährer verloren hat, ereignete sich dem „Herb. T." zufolge in der Nacht vom Montag zum Dienstag in der an der Roter Chaussee gelegenen Gerhardt'schen Ziegelei. Gestern früh um 83/4 Uhr fand man den Arbeiter Deusing, auf einem Ziegelofen liegend, tot auf. Wahrscheinlich hat der Verunglückte dort genächtigt und ist an den dem Ofen entströmenden Kohlengasen zu Grunde gegangen. Der Verstorbene war ein fleißiger und solider Arbeiter. Außer der Frau betrauern 6 Kinder im Alter von 3—18 Jahren den Verlust des treusorgenden Vaters. 25. Kongreß des Deutschen Vereins für Armenpflege und Wohltätigkeit. (Original-Bericht des^Gießener Anzeigers.) Mannheim, 21. Sept. Nach Mannheim, bed so rasch aufgeblähten, nun 160 000 — mit Ludwigshafen 240 000 — Seelen zählenden Handels- und Industriestadt, hatte in diesem seinem Jubiläumsjahre der Deutsche Verein für Armenpflege und Wohltätigkeit seinen 25. Kvngreß einberufen. Einen besseren Boden und einen prachtvollere Rahmen hätte der Verein für sein Jubiläum nickst finden können. Reiche Mittel und weitblickendes sozialpolitisches Verständnis ihrer Leiter haben der Stadt Mannheim auf dem Gebiet der Armenpflege und Wohltätigkeit rasch eure ganz hervorragende Stellung durch vorbildliche Einrichtungen und Vcran- Laltungen aefichmck. Dazu kommen die wundervollen architektonischen Schöpfungen, die die Stadt zieren. Noch nie hat der Kvngreß in einem so großartigen Lokal getagt, wie im Mannheimer „Rosengarten", einer großartigen Schöpfung des Architekten Bruno S chm i tz, mit seinen gewaltigen Sälen, von denen der größte, der Nibelnngensaal, 7000 Personen faßt, wahrend der kleinere Musensaal, in dem die Verhandlungen stattfinden, gegenüber sonstigen Vereinssälen schon ein Riese ist. Nachdem die Teilnehmer des Kongresses sich gestern abend cur schönen F-ricdrichSpark §ur Aegrüßungsversammlung zusam- mengefunden hatten, wiirden die Beratiingen heute morgen um 0 llhr durch den Vorsitzenden des Vereins, Stadtrat Ludwig Wolf aus Leipzig, eröffnet. Im Namen der Großherzogin Luise von Baden, die zu ihrem lebhaften Bedauern verhindert war, ihre Absicht,- den Kongreß zu besuchen, ans^u führen, begrüßte deren Geh. Kabinettsrat von Chelius, den Kongreß. Mit sehr verständnisvollen Worten hieß im Namen der badischen Regierung Oberregierungsrat Weingärtner den Kvngreß int badischen Lande willkommen. Dasselbe tat Oberbürgermeister Beck im Namen der Stadt Mannheim; im Namen aller badischen Frauenvereine Geh. Rat Sacks aus Karlsruhe. Auf Vorschlag von Pfarrer D. Schlosser wurde das Bureau des Kongresses folgendermaßen gebildet: 1. Vorsitzender Stadtrat Ludwig-Wolf, 2. Beigeordneter Abers aus Elberfeld, 3. Bürgemrcister von Hollander aus Mannheim. 1. Schrift- ßihrer Stadtrat Dr. Münster berg-Berlin, 2. Rechtsanwalt Dr. M ö ck e l - Mannheim, 3. Oberlehrer Fr öhn er-Mannheim. Dem Dank an die Großherzogin wurde in einem Telegramm Ausdruck gegeben. Der Vorsitzende gedenkt alsdann der verstorbenen Mitglieder des Vereins, vor allem des langjährigen zweiten Vorsitzenden Karl S t ä hl e aus Stuttgart. Dr. Münsterberg gibt nun eine kurze Uebersicht über den von ihm in Druck vorgelegten Generalbericht über die verflossenen 25 Jahre des Vereins. Es komme ihm eine größere Bedeutung, zu, alS mir eine Geschichte des Vereins zu sein. Er gebe einen Ueberblick über die Entwicklung des Armenwesens in Deutschland. Die Anfänge des Vereins setzten ein zu der Zeit, als nach zehnjähriger Wirksamkeit der neuen wirtschafi- ltcheü Gesetzgebung des Reiches durch den Rückschlag infolge der wirtschaftlichen Krisen die Diskussion über die Richtigkeit der eingeschlagenen Bahnen, der Freizügigkeit und der Gewerbefreiheit, und der damit zusammenhängenden staatlichen Regelung des Armenwesens auf der Grundlage des Untcrstützungswohn- sitzes alle Gemütev bewegte. Damals traten die Gründer des Vereins, Vertreter vor allem größerer städtischer Gemeinwesen, zusammen, um die schwebenden Fragen wissenschaftlich und praktisch zu prüfen, und die zerstreuten Reformbestrebungen auf dein Gebiete der Armenpflege und Wohltätigkeit zu sammeln. Damit traten diese wichtigen Dinge aus dem Stadium der Schlagworte, der Stimmungen in das Helle Licht klarer Einsichten, es bildeten sich gemeinsame Ueberzeugunaen, Grundsätze und Methoden. Davon geben bie^ Schriften des Vereins, die immer aus sehr sorgfältig aus erster Quelle geschöpftem Material erwachsen sind, die sich bemühen, die Forderungen der Wissenschaft mit den Bedingungen des praktischen Lebens in Einllang zu bringen, und die Verhandlungen der Versammlungen, bei denen die ersten Sachverständigen zum Worte kamen, ein lebendiges Blld. Immer deutlicher wurde die Erkenntnis, daß die Annenjfflege von großen Gesichtspunkten getrieben werden müsse, immer mehr, zumal seit dem Erlaß der sozialpolitischen Gesetze, traten soziale Gesichts- vunkte in den Vordergrund und förderten die Einsicht, daß die Armenpflege wohl einzelne Fälle der Armut heilen könne, daß aber die Verstopfung der Quellen der Armut eine sozialpolitische Aufgabe sei. Themata, die diesem Gebiet angehören, werden in der zweiten Periode des Vereins, neben den eigentlichen technischen Fragen der Armenpflege, immer häufiger behandelt. In mancher Beziehung haben die Verhandlungen tatsächlich dazu geholfen, neuen Einsichten und Bedürfnissen die Wege in die Praxis zu bereiten. Unter anderem gilt das von der Mitwirkung der Frauen in der Armenpflege, für die der Verein sehr entschieden eingetreten ist. Auch der Förderung der tatsächlichen inneren Einheit des Vaterlandes hat der Verein gedient. Der Redner gedenkt noch der Heimgegangenen Leiter des Vereins, des ersten Vorsitzenden, des Stadtverordnetenvorstehers Dr. Straßmann in Perlin, un,b vor allen. Dingen - des den Geist und die Bestrebungen des Vereins in feiner Person geradezu vorbildlich verkörpernden Ludwig Friedrick Seyffardt aus K'refeld, der an seinem 70. Geburtstag als „das Gewissen der uationalliberalen Partei" bezeichnet worden war, und der jeder Bestrebung, an der er beteiligt war, mit seiner Warmherzigkeit, seiner Lauterkeit, seinem begeisterten Idealismus, verbunden mit seinem klaren Verstand und seinem praktischen Sinn als Gewissen diente. Ganz besonders förderlich sei dem Verein gewesen, daß er sich jederzeit von politischen und konfessionellen Sonderbestrebungen ferne gehalten habe. Der feste Grund aber, in dem der Verein wurzele, sei der Boden der bürgerlichen Selbstverwaltung. Der Verein sei sich aber bewußt, daß sein schönstes Ziel sein müsse, sich selbst überflüssig zu machen, indem an Stelle der Armenpflege die durch die sozialpolitischen Maßnahmen unterstützte Selbsthilfe trete. Sodann wurde in die Verhandlung über: Bekämpfung der Säuglingssterblichkeit eingetreten. Da der Gießener Allgemeine Verein für Armen- und Krankenpflege gerade fetzt beschlossen hat, diese Aufgabe in Angriff zu nehmen, so dürfen diese Verhandlungen dort auf einen besondere Teilnahme rechnen. Der, Hauptberichterstatter, Beigeordneter Dr. Brügger aus Köln wies vor allem die Haltlosigkeit der Meinung nach, als ob die große Säuglingssterblichkeit eine unerbittliche Naturnotwendigkeit sei, und zur Abwendung der Ucbcrvölkerung unentbehrlich, zur Herbeiführung einer Auslese der lebenskräftigeren Elemente dienlich sei. Die Kindersterblichkeit sei in Deutschland sehr groß. Von zwei Millionen neugeborenen Kindern, sterben im ersten Jahre 415 000, also 20,7 Prozent. Nur Rußland, Oestreich und Rumänien haben noch höhere Zahlen. Schuld daran sind zum Teil allgemeine sanitäre Verhältnisse, mangetfjafte Wasserversorgung n. v. w., vor allem aber schlechte wirtschaftliche Verhältnisse. Die Zahlen, die Referent anführt, zeigen einen geradezu erschütternden Unterschied der Säuglingssterblichkeit zwischen den verschiedenen Ständen. Bei Müttern, die selbst dem Erwerb nachgehen müssen, sind die Kinder schon während der Schwangerschaft gefährdet. Bei unehelichen Kindern kommt die vielfach schlechte Verpflegung nach der Geburt hinzu. Vor allem die Entziehung der Muttermilch bedrohe das Leben der Kinder. Vielfach "trete die private Liebestätigkeit ein mit ihren Versorgungsanstalten, Wöchnerinuenasplen, Hauspflegen. Leipzig sei die einzige Stadt, in der von der Stadt selbst Fürsorge getroffen werde. Neuerdings werde eine Mutterschaftsversicherung empfohlen. Sehr bewährt haben sich die seit neuerer Zeit aufgekommenen Säuglingsheime für schwächliche und kranke Kinder, sowie die schon älteren Krippen, die bei richtiger Einrichtung viel Gutes 'wirken. Ganz abzulehnen sei das System der Findelhäuser, das selbst in den romanischen Ländern im Absterben sei. Unsere Gemeinden werden sich der Errichtung von Säuglingsheimen und Säuglingshospi- tälem, auf die Dauer nicht entziehen können. Die Hauptsache sei aber die Beschaffung von geeigneter Kindemalwung. Dazu gehöre vor allem die Förderung des Selbststillens der Mutter. Darin müssen die wohlhabenden Stände mit gutem Beispiel vorangehen. Aerztliche Beratungsstellen für Mütter sind einznrichten. Müttern, die dem (H:wcrb nachgehen nrüffen, sollten besondere Einrichtungen das Stillen ihrer Kinder ermöglichen. Für Kinder, die künstliche Nahrung erhalten müssen, sollen in Milchküchen gesundheitlich einwandfreie Nahrung her- gestellt, in triukfertigen Portionen zu mäßigem Preis geliefert werden. Frankreich ist darin mit gutem Beispiel vorangegangen. In Deutschland werden mehr und mehr von Vereinen und auch von Städten Milckküchen eingerichtet. Es muß aber betont werden, daß alle diese Maßnahmen nicht den Charakter der Armenpflege tragen dürfen. Zur Beaufsichtigung der Haltekinder sind in höherem Maße die Aerzte heranzuziehen. *KleineTageschronit. Der schwedischeSchoonerSam- l'oii ist in den Alandsckfen Schären gesunken. Der 16jährige Koch rettete sich auf einer Planke nach einer unbewohnten Klippe, wo ef zwei Tage ohne Nahrung zubrachte, bis er gerettet wurde. — Auf der Strecke Schweidnitz-Zobten-Breskan entgleiste der Personenzug Nr. 210 hinter Zobten infolge SchienenbruchA. Die Maschine, der Pack- und Postwagen stürzten vom Bahndamm hinab. Personen sind nicht verletzt. Tie Verkehrsstörung dauerte nur kurze Zeit. Ter Materialschaden ist noch "nicht festgestellt, dürfte aber erheblich sein. — Aus der Chaussee nach Neuiammer unweit Nauen (Mark) verunglückte ein von Berlin kommendes mit 6 Personen besetztes Automobil. Zwei Insassen wurden schwer verletzt: das Automobil wurde zertrümmert. — Aus Regensburg wird vom 21. Sept, gemeldet: Bei dem Zug Nr. 42 entgleisten aus unbekannter Ursache zwischen Mitterfels und Miespoint die Lokomotive und zwei Personenwagen. Drei Reisende wurden anscheinend leicht verletzt. Der Verkehr wurde durch Umvarkieren auftecht erhalten. — In Qu el t- ftcin bei Herrenberg (Württemberg) sind infolge Wurstver- giftung etwa 50 Personen teilweise schwer erkrankt; bei einigen sind Lähmungserscheinungen eingetreten. — Durch leichtsinniges Umgehen mit einem Revolver wurde in einem pom- merschen Dorfe ein Schüler von einem Kameraden erschos- fen. — Bei Mailand stieß ein Automobil, in dem sich die bekannte ftanzös. Schauspielerin Madame Rejane befand, gegen einen Baum, wodurch das Automobil vollständig zertrümmert mürbe. Tie Künstlerin würbe nur unerheblich verletzt und konnte ihre Reise mit ber Bahn fortsetzen.—InNer onde (Frankreich) stürzten gestern zwei Wohnhäuser ein, wobei ein Mann und brei junge Mädchen verschüttet wurden. Zwei der Mädchen wurden tot aus den Trümmern hervorgezogen. Karide5 und Derkel-r. Kolüswirischafr. Die Gießener Braunsteinbergwerke vorm.Fernie in Gießen haben ihre gesamte Erzeugung von zum Hochofenprozeß verwertbaren Erzen für die Jahre 1906 und und 1907 den Firmen Metallgesetlschast in Frankfurt a. M. und Ramack u. Grünfeld in Beuthen O»S. übertragen. 90 Prozent gestiegen! Die Aktien der Deutsch-Luxem» burgischen Bergwerksgesellschaft sind seit Anfang Juli bis an- ncihernd an 100 Prozent gestiegen resp. hat sich der Kurs bis 284 erhöht. Einesteils beruht die Kurssteigerung auf einer guten Grundlage, nämlich auf der gebesserten Beurteilung der inneren Verhältnisse des Unternehmens, das durch die in den letzten Jahren vorgenommenen Neuanlagen zu einem erstklassigen Werk ausgebaut worden ist. Die Leistungsfähigkeit der Gesellschaft in Bezug auf die Eisenproduktion ist stark gestiegen, die Neueinrichtungen zielen auf eine weitere Verbilligung der Selbstkosten hin. Seitdem die Herren Thyssen u. Stinnes der Gesellschaft nähergetreten sind, ist aber den Projekten, die immer wieder auftauchen, kein Ziel zu setzen. Besonders wird die Angliederung des Steinkohlenbergwerks Nordstern nur als eine Frage der allernächsten Zeit betrachtet, obwohl die Deutsch-Luxemburger Gesellschaft in ihren Zechen Dannenbaum und Friedlicher Nachbar eine ausgedehnte Beteiligung am Steinkohlenbergbau besitzt, die weit über den eigenen Kohlen- bedar' der Gesellschaft hinausgeht. Aber der Phantasie der Börse schweben immer meitere Ausdehnungen vor und es wird angenommen, daß die Deutsch-Luxemburger Gesellschaft bei der Erwerbung von Nordstern nicht stehen bleiben, sondern, falls auf diese Weise ihre Kohlenproduktion neuerdings stark gesteigert sein wird, an die Fusion mit weiteren Eisenwerken denke, uni ihre Eigenschaft als Hüttenzeche nach Möglichkeit auszunützen. Dies wäre aber nur möglich, wenn das Urteil in Sachen Friedlicher Nachbar, das bekanntlich in erster Instanz zu Gunsten der Hüttenzechen aus- iele, auch in zweiter Instanz unb bann seitens des Reichsgerichts in gleichem Sinne bestätigt werden sollte. Aber daran ist schwerlich zu denken unb die Börse wird deshalb gut daran tun, den Enthusiasmus, mit dem sie den Aktienkurs immer weiter steigert, einstweilen noch zu dämpfen. Vom Hamburger Petroleummarkt. Der Hamburger Petroleummarkt war zu Anfang dieser Woche sehr erregt. Nachdem galizisches und russisches Petroleum eingelangt war, setzt man die amerikanischen Provenienzen um weitere 25 Prozent in die Höhe. Im Anschluß hieran zogen sämtliche anderen Provenienzen auch um 25 Prozent an. Serichtssaal. Hamburg, 21. Sept. Ein wegen Ermordung ihres Kindes angeklagtes 14jähriges Mädchen wurde vom Landgericht f r e i g e s p r o ch e n. Ihr Versührer wurde vor einiger Zeit zu drei Jahren Ziichthaus veriirteilt. Literatur und Kunst. — „M ichael Hely". In Bezug auf den Feuilleton-Artikel „ein hessischer Roman" in unserer No. 221, 2. Bl., wirb uns mit- geteilt, daß der Verfasser des „Michael Hely", Dr. Karrillou, tatsächlich hier studiert und vom Jahre 1874 ab der Burschenschaft Alemannia angehört hat. Er ist nicht in Wald-Michelbach, andern in Weinheim i. B. als praktischer Arzt tätig. Kirchliche Nachrichten. Evangelische Gemeinde. Aml4.Sonntag nach Trinitatis, den 24. September» Hottesdleng. In der Stadtkirche. Vormittags 9’/? Uhr: Pfarrassistent Schulz. Vormittags 11 Uhr: Militärgottesdienst. Pfarrer Euler. Nächstkünftigen Sonntag, beu 1. Oktober, findet im Haupt» gottesdienst Beichte und heiliges Abeiidmahl für Matthäus- unb Markusgemeinde gemeinsam statt. Aiimeldung vorher bei dem Pfarrer jeder Gemeinde erbeten. In der Johauueskirche. Vormittags 9’/, Uhr: Repetent Waas. Vormittags 11 Uhr: Kindergottesdienst für die Johannes« gemeinde. Vfarrassistent Sattler. Nächstkünftigen Sonntag, beu 1. Oktober, Beichte und heiliges Abendmahl für die Lukas- und die Johannesgemeinde. Anmeld- ungen vorher bei dem Pfarrer jeder Gemeinde erbeten. Katholische Gemeinde. Samstag, den 23. September 1905. Nachmittags um 5 Uhr und abends um 8 Uhr: Gelegenheit zuk hl. Beicht. Sonntag, den 24. September 1905. 15. Sonntag nach Pfingsten. Benediction der neuen Kirche. Vormittags von 6'/, Uhr an: Gelegenheit zur heil. Beicht. „ um 61/. Uhr: Die erste fieil. Meße, vor und in derselben Austeilung der heil. Kommunion. Um 7, 7V, und 8 Uhr sind heil. Messen. Um 9V2 Uhr: Benediction der neuen Kirche; sodann Hochamt mit Predigt und Ministration. Nach dem Hochamt Uebertragung des Allerheiligsten aus der alten in die neue Kirche. Daraus akramentalischer Segen. Abends um 6 Uhr: Predigt; darauf Andacht mit Segen unb theophorischer Prozession in der Kirche. Alle Gottesdienste vor der Benediction finden noch in der altert Kirche statt: nach der Benediction werden alle Gottesdienste in der neuen Kirche gehalten. Israelitische Religionsgemeinde. Hottesdlenkl in der Synagoge (Südantage). Samstag den 2 3. September 1905: Vorabend: 6.00 Uhr. Morgens 8.30 Uhr. Nachmittags 4.00 Uhr. Sabbathausgang 7.10 Uhr. Kammka = Uhren, Gold- und Silberrvaren Marktplatz 11 am Kriegerdenkmal Telephon 407. 460? Ml bo. bo.». bo. bo. ri do. bo. bo. bo. -- 1 I ft ;• wKStuW- ft ■ $,$.* « t bo. 0 do. f i 6L* ft. ’ »*' IS“ L , »'■ «‘9= . hn. . n 91, d°- bo. t>. ; ßä-M- R-Nl° 37. ' v. 19C JE ' «.« b. AuSli L Euro 4'/.SMikNU.Hrrcegoi! 4 bo. do 5 Vulgär. Tab. uni. l‘L Srikch. E.'B. v. l do. Monopol-A 4 'Italienische Rente «/,, do. bo. Oest. Silber-Rente W bo. Papier-Rente j bo. Gold-Rente. I do. einbeitl. Rent« I do. Staats-Rente i Oest. E.-B. St. Oest. Nordwest . do. B . Naab-Odcnb. . . 157.90 201.15 128.50 93.30 303.30 174.- Rumäu. do. do. Frankfurter §örse Aschaff.Masch.Pap Neue Boden A. G. Brauerei Binding „ Henninger . „ do. Pr.Akt. „ Kempff . . „ Mainzer Akt. „ Rcttenmeycr „ Stern(Oberr.) „ Wcrger . . Zementf. Karlstadt Chem. Bad. Anilin „ Blei u.Silb.Br. „ GricLh. Elcktr. „ Albert . . . Elektr. Böse . . „ Allgem. Berlin „ Lahmcyer . . „ Schlickert . . „ Siem. & Halske „ Untern. Zürich KuustfcideFft.a.M. Masch. Kleyer. . „ Vritzner . . „ Fab.LSchleich. Hamb.-Am.-Pcklft. Nordd. Lloyd . . abgest. 1878 u. 83 . . . abgest. Lit. J v. 1884 . . v. 1886 u. 88..... abgest. Lit. M v. 1891 . . v. 1894 G. G. G. G. S. 3 4 37, 3 4 4 37, 3'7 3 3 37, 37, 3'7 3 6'/« Ocst. E.-B. St. Sch.-Bersch, (conv Franz-Josef) i. Silb. steuerfr. 3 Oesterr. Lokalb. (verstaatl.) . . v. 1892 .... v. 1902 unk. b. 1912 106.70 159.- 126.25 144.— 205.— 164.— 189.— 202.- 37, do. 2°lllchait m ihren rE remeausgebehnteBeteiL Su?ec dm eigenen Hohlen! •Iber der Phantasie ber Böch qen uPr u"b es wirb anqe- rg«: Gesell!chast bei ber Er. bleiben, ionbew, falls au! biest j seigert sein wirb, do. v. 1894 Homburg v. d. H do. v. 1899 unt b. 190i Karlsruhe v. 1900 unt b. 1905 . . do. v. 1903 unt b. 1908 . . do. v. 1897 37, do. 47, Mecklb. Hyp. u. Wbk. Ser. I vcrl. L125 Landw. Kreditbank Lit. D-J be. Lit. N-P . . . . 37, do. v. 1899 ...... 4 Wiesbaden v. 1900 unt b. 1905 4 3'/i 98.50 100.20 99.10 99.10 99— 99.10 99 — lOO’öO 98.40 dachte v HWD niet 11‘Att' $a; Auz MM K-ZZ MD Ah verletzt 22“» :rten denke, um ihre Eigen- eit ^auszunuhen. Ties wäre m Sachen Friedlicher Nachbag ©uniten ber fiuttenzechen au- ?ann seitens des Reichsgerichi; sollte. Aber baren ist schwer, rb deshalb gut daran tun, ben tienfurt immer weiter steigert, Bayr. E.-B.-Anl. unt b. 1906 do. E.-B. u. Allg. Anl. . . do. LandcSkultur-Rente . . do E.-B.-Anl Bremer St.-Aul. v. 1888 . . Septembet 19051 neuen fcCi(. Beicht- Steilung der 9 Meßen. , . sodann W .I MS« irche- , a(11 nochn werden f» 37 37! Metz v. 1903 4 München v. 1900/01 unt b. 1910/11 37 do. v. 1903 untilgb. b. 1908 . 37! Nauheim v. 1902 unt b. 1912 . . 37, Neustadt a. d. H. v. 1889 . . . ßiy’ do. v. 1903 unt b. 1903 4 3 4 8 7, 3 4 4 4 4 do do. do. do. Pfdbr. Bk. E. 18 unt b. 1908. do. do. E. 19 unt b. 1909 . do. do. E. 22 unf. b. 1912 . do. do. E. 23 unf. b. 1912 . do. do. E. 17 unt. b. 1905 . do. do. E. 18 unf. b. 1908. do. do. E. 24 unf. b. 1912 . Todes-Anzeige Herrn Karl Euler IV Emilie Euler* 9 geb. Eckhardt. Giessen (Schützenstr. 15), Nidda den 22. September 1905. Die Beerdigung* findet Sonntag, den 24. September, nachmittags 4 Uhr vom Portale des neuen Friedhofs aus statt. 4924 FamsHae Familie Kari Euter- Wilhelm Eckhardt. im Alter von 35 Jahren nach kurzem, aber schwerem Leiden in ein besseres Jenseits abzurufen. Um stille Teilnahme bitten im Namen der tief trauern den Hinterbliebenen Verwandten, Freunden und Bekannten machen wir die tiefschmerzliche Mitteilung, dass es Gott dem Allmächtigen gefallen hat, meinen innigstgeliebten, unvergesslichen Gatten, unseren treuen Sohn, Bruder, Schwager, Schwiegersohn, Onkel und Nefien hyV, feinste Tafelbirmeu zu verk. 06273) Frankfurt. Slr. 43, p. Aff. 4920 Schöner schottischer Schäferhund zu verk. Haminstr. 14. 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Septbr. a. er., nachmittags 4 Uhr von der Kapelle des neuen Friedhofs aus statt und bitten um zahlreiche Beteiligung. Gießen, den 22. September 1905. 4922 Der Vorstand. | 4 Zimmer | Kanzleiberg $> Vierzimmer-Wohnung zu verm. 4832] Näheres Schulstraße 7. empfiehlt die [4919 Restauration Wilhelm Rinn BUem-Leudlen. Bringe morgen, Samstag, in der Schulstr. die beliebten, schönen WeWe gitWrniüen sowie Einmach-Pfirfiche und zum Verkauf. 06280] Auto» Schneider. G.H0V8EN SOHN CfiRL^AAQ-lENA fastaHen Plätzen E Aepselverßeigemg Montag, d. 25. Leptbr., vormittags von 10 Uhr an sollen die Gemeinde-Aepfel an Ort und Stelle versteigert iver- dm. Der Anfang ist an der Kreisstr. Lauter — Wetterfeld. Lauter, 20. Sept. 1905. Großh. Bürgermeisterei Lauter. Hygien. ’M' Preisliste gratis. ss6/£ Ad. Arras, Mannheim 13. KßhhUßmdkr UMbkWgst Hauptgewinne: l|Nächste 2ieb.: 600000 u. 75 0001| and kostet nichts vorher. 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DM/, bit !£ LÄ » Der sozialdemokr chatte über den Beri int. DerZentralsekretc Berlin, verbreitete si jmnft und betonte, i innzipiell zu bekamp] viheim, ob die Matfi ti, die die Arbeitsru Äert. Er und sein ischer über die Mar frage gehöre aber Partei. Er halte di Demonstration, wem Möglichkeit gegeben In der Nachm Resolution mit: K Dem Parteitac Der Parteitag n tags-, Landtag?-, Kompromisse m Mandaten in btn obt Mlossen werden dür tfla ^omptomifie die der Der Studer tag herangemacht, man gestern eine! mit bliüigrotei kannegießernd trän !ich' daß ihnen merksamkeit geschen Der FSln. Z Mer Kapstadt durch "Hl, daß in Keetma 1000 Stück Vieh ur )fr Begleitmannschc nommen worden se "ch i'egt über das am A/einerlei Nachri,] te Handlung t "ntWindhuk verbunt * übet Smofop, ‘"»'S ■ ®«gtn, der ch» Mt in bos$ "V »derhnnpt ein '"sich iebenfaa. 7°» Trnnsperi Sun9 nicht wert fian" ÄS0®itboi j’il "" 001 vor s 3 u' Maenze, •0« 2o^'nem Telegr ?°30r«-Sefa»C!ltn : Hom e™