ErfteS Blatt Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen v'/. ’hon 367, Die üeuttge Dummer umfaßt 10 Seiten. Valleifel is.Vaschmschüm 53 Aof KOI 155. Jahrgang ifisse, Paran neriatranbei rachmandeh und Orangen. Preise ■ moderne Gießener Theaterverein. Des Meeres «nd der Liebe Welle«. Trauerspiel von Franz Grillparzer. -MKL N0 NPi der Dra- rl^iißnG I, nicht tropfeni billigst gSgiMil eberleln billigsten Präsm. und Hausnum Schnlstraße 7. Rdbaflion 112 krbafl u.Exped.e^Köl It reffe für Depeschen: «nzeiger Gicßcu. irr, 294 »«'scheint täglich t.jfset Sonntag«. dir.. Gießener Anzeiger men im Wechsel mit tern hesflschen Londwitt LIeheuer Familien- Hit«er Dtetmal in der Woche beigelegt. »- tntionSbrud u. 93er- der V rü h l'schen ^ioers.-Biich-u. Stein- tnilerel. . fJL Lange. jährlich Mk. 2.20; durch 'Jlbbole- il ^ivciflftcacn monatlich Go Pf.; durch die Post Mk. 2.—viertel- jährt, auöschl. Bestellg. Annahme von Anzeige» für die Tagesnummer bi« vormittag« 10 lihr. Zeilenvreis: lokal 12Pf, auswärts 20 Psg. Verantwortlich für den pohL und allqem. Teil: P. Witt ko: für .Stadt und Raub' und .Gerichtssaal* -. Ern st peß-, für ben Anzeigenteil: Han« Beck. „Z-crjoreue ^tcöesmüH". Ein Pessimist schreibt un3 Henle: „Das Beispiel de« Bundes der Landwirte bat die übrigen Jnteressentengruppen im Reich zu einer etwas lebhafteren Vertretung ihrer Wünsche angefcuert; man hat den Versuch gemacht, unter der Parole .Schreien!* für sich zu wirken. Die großen Erfolge, die der Bund unter dieser Parole erzielt bat, wirkten crmitntcrnb, aber bis seht haben die Nachahmer recht wenig Erfolg mit der neuen Taktik gehabt. Nun hat (rote gestern mitqeteilt wurde) auf Anregung deS Bundes der Industriellen eine Versammln >tg von Delegierte n von Tabak-, Zigaretten- und D r a n - I n d u st r i e v e r b ä n d e n in Berlin den Beschluß gefaßt, im Januar eine große Versammlung in der Reichsbauptsiadt abzuhallen zur Stellungnahme zu der neuen Reichssteneroorlage. Tas heißt, e8 sollen die Interessen» verbände gegen die neuen Steuern mobil gemacht werden. Im Januar wird die fßerfammhmq ftnttfinben. Wir zwei'eln nicht daran, daß die Versammlung zustande kommt und sehr schön verläuft, aber wir zweifeln an einem wirklichen Erfolg dieser Versa>nmlung. Wir hatten vor kurzer Zeit in Berlin den S t a d t e t a g. Eine imvosante Versammlung, wie sich nicht leugnen läßt. Was war der Effekt dieses Städtetaqs? Einige Oberbürgermeister sind ja vom Reichskanzler empfangen worden, aber wir hoben nicht gehört, daß ein greifbarer E r f o l g in Bezug auf die Oeffnung der Grenzen erzielt worden wäre. Das gleiche Schicksal wird wohl auch ben Herten blühen, die gegen die neuen Steuern Reben halten und anhören wollen. Möglicherweise — wahrscheinlich ist es keineswegs!—werben einige vom Reich«- s cliahsekretär, ober auch vom Kanzler in liebenswürdiger Weise empfange u, aber bas wird bann glich alles seilt. Tie neuen Steuern sind nach der Ansicht bet verbündeten Regierungen eine „dira necessitns'-, wie Fürst Bülow feierlich erklärte — was soll da noch alleS Reben! Tie Regiertiug wird man nicht um» stimmen können und die Parteien haben ihre Marschrouten schon." Der Herr Einsender urteilt mit diesen resignierenden Worten zwar hart, aber treffend über die Reichsregiernng und ihre Städte- unb Jndnstriefeindlichkeit. Es sieht ja allerdings so au9, als sei alle Mühe, alles Klagen, alles .Schreien* umsonst. Aber endlich muß es doch gehört werden am rechten keine große Gebärde, vermeidet jeden, allgemeiiteS AnSsehen erregenden AnSdriick. Schamhaft holdes Errötetr pflegt ihn zu begleiten. Ein kurzer, inniger, glutvoller Blick statt eines vergeisterten Antlitzes starren Staunens wäre hier natürlicher gewesen. Den ersten Teil des Turmaktes gab sie dann aber mit seiner und tiefer Wirkung. Für daß träumerische Dämmern des Gemüts, m daß sich hier Heros bestimmtes, klares Wesen auflöst, fand Frl. B. die rechten zarten Ge- suhlStöne und gegen das Ende die der sanften Ermattung. DaS war der dichterischen Situation rein und unmittelbar, wenn auch nicht mit der ganzen, freilich schier unermeßlichen Fülle von Anmlit, mit der Grillparzer seine Hero un,kleidet hat, nachenipflinden. Und bann kam der Kampf deS Gefühls, daß Erwachen der holden Sinnenwelt in HeroS Busen und ihre plötzliche halb willenlose und doch unbewußte Hingabe an den Augenblick des GlückeS. Das war in der Darstellung des Frl. B. in den etwas strengen Dust einer sinnenfremden Unschuld getaucht. Und so kam es denn, daß der poetische Zauber dieser wundervollen Liebesszene nicht voll erblühte. Heros Charakterbild erfordert von der Darstellerin von vorn herein sozusagen latente Leidenschaft der Seele, die sich an einer Glut zum verheerenden Feuer entzündet. DaS zeigte auch Frl. B. Solange die Leidenschaft latent ist, deutete sie sie doch für den Zuschauer leise und fein an. Und int zweiten Teile der Dichtung leuchtete die plötzlich übermächtig auS- brechende Flamme der Lcidenschast hell auf. WaS man aber bei dieser Leidenschaft vermißte, daß war der, trotz aller hohen und vollkommenen Keuschheit, sinnliche Rausch. Zuerst war's leidenschaftliche Hingabe dem Neuen, Ungeahnten, schter Unmöglichen; bann das leidenschaftlich schmachtende Erwarten, die binacbcnbe Begeisterung für das fabelhaft Wagemutige deS tollkühnen JünglingS; endlich der leiben» 'chaftlich jammervolle Schmerz an bet Leiche Leanders. So kühl, so liebeleer, so wenig verinnerlicht die Begrüßung der Mutter im 1. Akte war, so wahr, so au5 tiefster Seele hervorgegangen schien diese Leidenschaft de§ Schmerzes. Hier entfaltete sich voll der Darstellerin seelische Kraft, hier erklomm sie die Höbe der tragischen Leidenschaft. So erschien denn ihre Hero, alles in allem genommen, vielleicht absichtlich, mehr boheitsvolle Tochter Altgriechenlands, als Grillparzer sie sich selber dachte, der ein schmerzlich-süß fühlendes Kmd der Romantik, ein durch Ltebesleidenschaft reizend verwirrtes Weib in griechisches Gewand gesteckt bat. — Das Publikum war erfreut, die geschätzte jugendliche Mannheimer Künstlerin wiederzufehen und begleitete ihre Darstellung mit lebhafter Erkenntlichkeit. Den Leander gab Herr Lüttjohann von Anbeginn .dumpf und unentwickelt*, wie der Dichter ihn sich gedacht hat. Trefflich gelang ihm bann der kühne Wagemut der erwachten Liebe, und die Szenen bc3 Liebcsglückes ließ er nicht ganz ohne auswallende Smulichlkeit. Im ganzen ein talentvoller und sorgsam charakterisierter, recht anziehender Leander. In Sprache und Geberde hat Herr L. in der Was er hier in geistvollen Worten sagte, traf den Nagel auf den Kopf und sei den maßgebenden Kreisen zur Beachtung empfohlen. Die Empfindung, der Paper hier Ausdruck lieh, teilen in der Tar sehr toeite Kreise deS Volkes. Tic Tcfrntte sank von ihrem Höhepunkt schnell herab, als der reformparteiliche Abg. Zimmermann zum Wort kam, der Typ des politischen Philisters. Seine kleine Fraktion glaubt sich bekanntlich zum besonderen Schutz des Mittelstandes berufen, und dieses Thema nahm denn auch einen breiten Raum in den Darlegungen des Redners ein. em Antrieb igkuafchiueil hemangel« empfiehlt Rosefitt , nia -recher^b. lemaschme r» »öwahl msch« stbaumgeläut. Donnerstag 14. Dezember 1905 VezugSpret»: monatlich 7bPf.. viertel- SSffi Ät Siebe Wellen". , heute in seinem 75. Sebensj-Hr- steht könnte nmn U* seines antiken Milieus mit erheblich Rechte h Tragödie des Nonnentums, als die „Bruder von U. kWchard" die Tragödie des Mönchtums nennen, die doch griech. Gewände ein so christlich-- flü™, cellk modernes Fühlen im Busen heae \ ta sich ausdrückte, so „verteufelt hu Wv 1 Tas Trauerspiel „Des Meeres nn i . n- freie, trir^erijcfyc Anschauung.," Porten So urteilte einer der Hat)rcn Kopfe und gewiegtes n ? I Ktinenfenner. Das klingt doch nicht nach."Stearm . Auf 1| ' 1:5 Antikisierende Ijat Grillparzer me _^n Hauptg^mcht i * «le-gt. Das allgemein giltige Menschen schicksal, die ewige ; üctrirempfindung des Menschenherzens las er aus den . sch ein dcs Mtertums heraus, und indem er ihren Ge- m kitten den schönen Faltenwurf eines idealen Koikums un ■ Wert Ä werte et in bet ^le seiner Hewmnen 1 :rb Helden Menschencmpftndungen, die durch alle Zeiten Rauben werden und die, wenn ^ historisch unbeglau. ligt; in ihren Grundtönen immer lebendig gewesen fem mfilen, weil der tiefere Sinn der Sage es so Rietet ii-tceas Verstoßung und Rachedurst, ^lpphos ungll.ckl^er kdnstraum, ^ros verbotener Liebesrausch smd nicht 'M stilisierte Gedankenschemen, sondern reale Mm-schen- istchsale von zeitlos allgemeinem Gehalt. Sw smd eb.nfo 1 tintig antik wie Goethes „Iphigenie", »ud dieser hat man ü immer zum höchsten Ruhm angerechnet, daß 1 reunter . griech. Gewände ein so christlich-germanisches, o Der- .. ” Uorto • Paß sie, tote Goethe Aus dem Aeichstag. R. Berlin, 12. Dez. Wie der südwe st afrikanische Wüstensand das Iprl'.ich vorhandene Wasser, so zieht dieses Schutzgebiet ip ner neue Millionen aus der Reichskasse in sich Hnt in. Es ist eine schmerzliche Weihnachtsüberraschung für Im Reichstag und das deutsche Volk, daß der Schatzsekretär kffhr. v Stengel heute eröffnete, es müssen angesichts kr ungünstigen Lage im Süden der Kolonie nicht weniger al- 30 Millionen in einem neuen Nachtrags etat - bereits der vierte — geopfert werden, und zwar schleunigst, wenn auch der Nachtragsetat selbst vom Hause richt mehr vor Beginn der Weihnachtsferien werde erledigt vernen können. Wie schnell find die Hoffnungen zerflattert, .828 Telephi hlt wohl der Oesterreicher Ohorn zu schaffen gedachte. An dem Altar, an dem die jungfräuliche Priesterin, die ersten Pflichten ihres Amtes übend, ihre höchste Weihe empfängt, trifft sie der Strahl der Liebe. Zu spat! „Noch gestern war ich frei!" sagt Hero mit der vollen Naivität einer still in sich beruhen» den Seele, sobald Leander nur ein Wort von Neigung fallen läßt. Aber was hilft's, daß man die Priesterin „liebeleer" heische! Der Zug des Herzens ist m&d)tiger als das endlos trennende Meer. Die Liebenden finden sich, sie werden entdeckt, und der Liebesfrevler er'legt dem tödlichen Zufall der Wellen. Die Priesterin aber wirst an der tieidte des Geliebten frei und groß die Lüge ihres Nonnenschleiers von sich, bekennt sich zu der süßen Schuld und stirbt, da sie nicht leben kann. Was den Ausschlag zu diesem herzzerreißenden Endschicksal gibt, ist nur ein Zufall, der Zufall von Heros Traumseligkeit, die das Erlöschen der Lampe ermöglicht. Allein gleichviel! Auch Romeo und Julia starben zuletzt an dem Zufall einer verspäteten Botschaft, und dock) fühlen wir es klar und deutlich mit: für so gewaltige, sich selbst und die Welt vergessende und überall von Feinden umstellte Liebe gibt es auf Erden keinen Raum. Aus dem düsteren Tal der Verfolgung flieht sie hinauf zu den lichten Sternen, und die Nachwelt beneidet sie, indem sie sie beweint. Tas ist echte Liebestragik, und Meister William reicht dem Geistesgenossen vom Tonau- strande eine Rose aus seinem Tichterkranz. Tas Wesen der Hero, eine der eigentümlichsten Frauengestalten, die Grillparzer geschaffen hat, ist nicht in ein Wort, nicht in einen Rollenbegriff zu fassen. Für bie Beschreibung ihrer wenig glücklichen Familie hat der Dichter verschiedene Züge aus der eigenen genommen, der z. B. seinen Vater, wie er selber erzählt, „nie zärtlich geliebt" hat. Auck) mancher Charakterzug Heros deckt sich mit dem des geselliFeitsfeindlichen Triers. Darüber macht der Mailander Professor Sigismund Friedmann im 1. Bande fernes guten Buches über Tas deutsche Drama" (Deutsche Ausgabe Leidig 1900) einige flüchtige Andeutungen, die sich leicht weiter ausspinnen ließen. Hero ist loeber ganz naiv, noch ganz sentimental, und selbst wo ihre Seele die Flügel zu heroiichen Entscylüssen ausbreitet, ganz nur Weib. Wie sie in die Handlun' tritt, kennt Hero von der Welt nur wenig und von den Regungen des Herzens nichts. Tennoch steht sie von Anbeginn als ein in sich abgeschlossener, mit sich selbst einiger Charakter da, doch ohne Härte, mädchenhaft, hold und weich. „Mit einem durchgehenden Zuge von Heiterkeit, unbeiangcn, verständig, gefaßt", so erklärt sie der Dichter selbst. Sie hat von Anfang an etwas überlegen Würdevolles. Das fühlte Frl. Riza BLj or, die Medea deS nötigen Winters, die diesmal als Hero-Darstellerm aus Mannheim zu un? gekommen war. Es war ein stilles, ein heiliges Lächeln, das wie Sonnenschein am Festmorgen deS ersten Aktes über ihrem Wesen lag und den ernsten Grundzug ihrer Natur ein wenig überspielte. Aber manche Szene des ersten Aktes fordert von der Darstellerin nächst Svrödem, Herbem auch herzliche, nicht theatralische Kindlichkeit und Kindesliebe sowie mädchenhafte Lieblichkeit, bte Irl. B. schuldig blieb. Unb ein Augenblick erwachender Liebe kennt wohl kanten Ausdruck, nicht in der verwegenen Art des Abg. Erzberger, aber aerobe deshalb um so wirksamer. Fürst Bülow, der zu dieser Zeit den Saal betrat, wandte dem Redner sofort sein Interesse zu. Er bekam nod; mancherlei Kritisches zu hören, namentlich inbezug auf die Steuervorlagen. Tas Zentrum beharrt auf der Anschauung, daß diese Vorlagen mit dem Flottengesetz in Widerspruch stehen, sofern sie eine neue Belastung des Massenverbrauchs fordern. Ter preußisd)e Finanzminister hatte sid> in seiner Reichstagsrede mit einer eleganten Bemerkung über die betreffende Bestimmung des Flottengesetzes „bintoegbeför- dert", dock) Gröber stellte das „Hindernis" in aller Seelenruhe nricber auf. Für die richtige steuerliche Berteiluna der Kosten einer Flottenvermehrung ließ er an der Hand von Buchzitaten einen Mann sprechen, dem die Linke wiederholt und nachdrücklich beipflichtete. Ein schnallendes Gelächter aber entstand, als Gröber den Namen seines Gewährsmannes nannte. Es war — der heilige Ignatius von Loyola, der Stifter des Jesuitenordens! Noch einmal kam der Zentrumsmann dem Hause mit dem Rüstzeug der Religion, und zwar am Schluß seiner zweistündigen Rede, den er zu einem flammenden Appel zugunsten größerer religiöser Freiheit gestaltete. Gegen die das Wort meijtembc wuchtige Beredsamkeit Grobers stach die Befangenheit auffallend ab, mit der namens der Kolonialverwaltung der Erbprinz zu Hohenlohe die kürze Erklärung abgab, daß der Gouverneur Kameruns, v Puttkamer, nach Deutschland kommen werde, um sich wegen der gegen ihn erhobenen Beschwerden zu rechtfertigen. Ein anderer redegewalliger Württemberger, Abg. Payer (südd. Vp.), hatte bei der im Parkett sich geltend machenden Ermüdung geraume Zeit zu kämpfen, ehe er sich die allgemeine Aufmerksamkeit erzwang. Es war für ihn nach der fünftägigen Debatte auch kein Leichtes, neues zur F-inanzreform und den Steuervorlagen beizubringen. Aber er lieferte als gewandter Kritiker und schlagfertiger Dc- batter trotz alledem eine ft'.jche, packende Rede, die ihm den lebhaften Beifall der Linken eintrug und am Bundesratstisch besonders den Staatssekretär der Reichslande, von Köller, zu interessieren schien. Payer meinte, der Reichstag hätte die Diäten schon in der Tasche, wenn er entschlossen erHart hätte, die Beratung der großen Vorlagen abzulehnen, solange tipn die Tagegelber vor enthalten würden. Tie Kolonialpolitik kommt dem volksparteilichen Führer wie mit einem Fluch behaftet vor, an dem der Reichstag fteilich nicht ohne Schuld fei Tas Beste an Ironie gab Payer in seiner Kritik der aus wärtigen Politik. -maschine« mit l'ü MÄe, N*; Gießener Anzeiger General-Anzeiger ** ib, auch mit 8,:. bjt inoch jüngst an die Unterwerfung einiger Hottentotten- i 'Dlnrt 1.20 an." stiln er geknöpft wurden! Nach Lage der Dinge muß man ib leicht anbrinoh- Iforr annehmen, duß die mit den neuen Steuern bezweckte 9 Auffüllung der Neichsfinanzen zum guten Teil verbraucht toftoen toirb durch die endlosen Kolonialfeldzüge, denn oiid der Aufstand in Ostafrika wird sich wohl als dauer ha ft erweisen, trotzdem Erfolge und immer wieder Erft'lge der deutsck)en Waffen gemeldet werden. Teutsch- lanli muß wahrlich ein hohes Lehrgeld in den Ko- Io t i e ii bezahlen! lieber die Sache selbst wird man sich [im Reichstag nach Neujahr unterhalten, und es ist zu erlitten, daß die Regierung dann den General v. Trotha ju veu Verhandlungen entsenden wird. | Heute wurde die Etatsdebatte fortgesetzt, nachdem die Ihon'delspolitischen Vereinbarungen mit E n g^ lat b und Bulgarien kurzer Hand in zweiter Lesung i verc dschiedet waren, und zivar bei ziemlich gutbesetztem i Mfctt, was nicht unerwähnt bleiben soll, weil auch von ' bfTT. schlechten Besuch der lebten Sitzungen Notiz genommen Milde Erster Redner war heute Abg. Gröber, der würt- ttmj'crgifd)e Zentrumsmann Er beschäftigte sich zunächst ~ ' "" 'adowsky, indem er NG SIEROUSV* j^GESCI* S'1 Berthold Auerbach, der berühmte Schöpfer Fci-warzwälder Dorsgcschiü en", erklärt in fernen . iMscheu Eindrücken", daß ihm Grillparzers „tmhhnerenbe Itantien wie nachgemachte 'Xnt le fn Stearin, in einem bMligen, aus dem Sud erkalteten Material" vorgekommen inem Eine bemitleidenswert verstandeskalte und phantasie- mr.e Grillparzerkritik. Auch Scherer erklärte aufnd)tig: FnNparzer war mir nie .ympachisch". Aber es scheint in t Iste, und ein zustimmendes Cclw kommt ihm bereitnutttg ent- 1 Miet (Jr stellt in seinem österr. Wezen dicht neben dem ! l ^tischen'Wesen des jungen Goethe, 1 V IKeti roar Wie differ, begehrt er für die dichterische Schöpfung mit der gestrigen Rede des Grasen Posadowsky, indem er als '."nwalt des Reichstags dem Bundesrat den Spieaxl I fvöiiclt. Das darin sich präsentierende Bild könnte die . i eierenben immerhin veranlassen, in sich! zu gehen und ■mtbi ben Reichstag als den alleinigen oder hauptsächlichen > hu ldigen hinzustellen, seine Redelust zu bemängeln usw. _ . . . 0ra^ Posadolvsky hat sich gestern in mehrfacher Hinsicht LGukUCnf gtirnrt, wie Gröber aktenmäßig nachwies. Heber die Finanz- V tefom hörte man nicht viel neues. Dagegen gab Abg. Ihr öfter der kolonialen Verstimmung des Zentrums mar- Orle, und hat c3 bcn Agrariern lange geholfen, muB cS l ,uch den Städtern endlich glücken, ?u einem Ziele 311 kommen. Es ist bedauerlich genug, das; lautestes Schreien heutenottvendig ist, wenn man etwas erreichen will. ________ Ausland. London, 13. Dez. Ter neue Minister Burns, welcher von Prosession Mechaniker ist, hat anläßlich 1-' ^Trnt* *’ntritteS beschlossen, 120 000 L st r l., w .eiwohnte, brüdlc ebenfalls sein Interen.e für Die Arbeitslosen ans und versicherte, das; alles, was bej den beschränkten Kräften der lokalen Verwaltung 'gi ,tun möglich ,ei, auch in entgegenkommendster und schnellster W^i'c gcsc.'chm werbe- Paris,'13. Tes. Das „Echo de Paris" bringt folgende (sich als unverantwortlich tendenziöse Erfindung kennzeichnende- Nachricht aus Tanger: Nach Meldungen aus tfcj ist der Sutlan seit der Astreise der Gesandten sehr iinschllcstig. Wie es heißt, hat Graf Tattenbach die lebten Tage am Höre des Sultans dazu benutzt, dem Sultan n>e i t g e h en d e 5^.o ff- nun g en in Bezug auf das Ergebnis der M ar0 kko -K'o n - ferenz zu macken. Unter anderem habe er dem Sultan versichert, daß, wenn augenblicklich auch Deutschland Hand in janb mit Frankreich gehe, dies nur v 0 r - läufig geschehe. In "llaeeiras aber werde Deutschland die Interessen Marokkos vertreten. — Ter Präsident der Republik unterzeichnete einen Erlas: des Kvloniolminisrers, durch welchen dem gegenwärtig 111 den französischen Besitzungen von Westafril'a, sowie in ^wan- rösifch-Eongo von den Eingeborenen betriebenen Sklaventaufch und Sklavenhandel ein Ende gemacht werden soll. Bisher waren von dem Verbote des Sklaveulmudels nur die, Fran- .’.ofen betroffen. Nunmehr sollen alle biejenirrey, welche Sklavenhandel treiben, ohne Anselmen der Nationalität oder Rasse mit Gefängnis und Geldbuße bestraft werden. Wien, 13. Dcz. Abgeordnetenhaus. In der Be- rntwortung einer In!eichellation wegen der beabsichtigten Wiedereinführung der SchiffahrtSabgaben auf der Elbe ew klärte der Leiter des Handelsministeriums Graf Anersperg, das; seiteiis der deutschen Regierung keine derartige Anregung erfolgt sei. Di sich die Regierung der Bedeutung, der verlragsmagigen Abgabensreil-eit für die heimischen Interessen wohl bewußt ^ sei, so sei sie eben aus diesem Grunde gewillt, an den Grundsätzen des geltenden Vertragsrechtes festzuhallen. Budapest, 13. Tej. Die anti.maghare Bewegung unter den Rumänen in Siebenbürgen schreitet fort. Im Gebirge von Tvpanfalva wohnend' Rumänen bringen bewasinet vor und stecken ungarische Dörfer in Brand. K 0 n st a n t i n 0 p e l, 13. Dez. In der von den Botschaftern der Pforte überreichten Kollektivnote lehnen die Botschafter eine weitere Modifikation der Bedingungen ab, haben aber gegen die Einstellung der Militärausgaben in das mazedonische Budget nichts einzuwenden, falls ein eventuelles Defizit entsprechend dem Artikel 12 des Abkommens zwischen der Ottome.nba.A und der Pforte ans der Dmiane-Einnahme gedeckt wird. — Tie Zurückziehung brr internationalen Flotte ist noch nicht verfügt. _ ... .. Washington, 13. Tez. Ttni Staatsdepartement ift btc Mitteilung zugegaugen, daß das Bestreben, den Zeitpunkt des W i e d e r z u s a m m e n t r i t t s d e r H a a g e r K 0 n f e r e n z zu verabreden, für jetzt a u fg e s ch 0 b e n worden sei, weil die Einzelheiten des Programmes nickst vereinbart werden könnten, bis in b.-r Angelegenheit ein direktes Bor gehen seitens der Schvociz erfolge. — Der K eifer von Korea hat eine S'x-zialmnfwn hierher gesandt, um bei der Union Regierung Einspruch zu erbeben wogen des BI ißbrauchcs der kaiserlichen Unterschrift anläßlich der Unte^ich Aiung des iapanisch-korea- nischen Vertrages, welcher unter Drohungen vermittels Bajonetten dem Kaiser anfgezwinigen sei. Der Kaiser läßt durch die Gesandtschaft erklären, daß er sich mit der Unterzeichnung des Vcrtrw völlig in der Gewalt derIapaner befunden habe und daher >0 i d e r s e i n c n SB i H e n handeln mußte.. Die Spezia' st'n-s.mdt ' .ft hat diese Tatsache Dem Staatssekretär des Aeusnrn d-rgelegt, welcher mit dem Präsi- brirten Roosevelt eine Rücksprache hatte. Bisher hat die amerika- nische Regierung eine Intervention ab gelehnt, weil sie die Unterschrift des Kriß»rs von Korea als bindend erachtet. Aus Htndl und Land. Gies?en, 14. Dezember 1905. * In ?ludienz empfangen wurden am Msttivocb von S. K. H. dem Großherzog u. a. Dekan Münch von Scholten, Beigcordn. und Feuerwehrkommandant Eellarius von Schotten, Be-irkSvorsteyer in der Kriegerkameradschaft „Hassia" Biehl von Nainrod und Landivirt Reis von Steinfurt. • • RuhestandSversetzung. S. K. H. der Groß- herzog haben den eoanq» Pfarrer Theodor Heuß zu ArmSheim auf sein Nachsuchen unter Sliicrfennung seiner treu geleisteten Dienste, mit Wirkung vom 1. April 1906, in den Ruhestand versetzt. * • Ordensverleihung. S. K. H. der G r 0 ß h e r z 0 g haben dem Forstwart der Forstwartei Seeheim, Förster Matthäus Pfänder zu Jugenheim aus Anlaß seiner Versetzung in den Ruhestand da? Silberne Kreuz des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen. * * Erledigte Stellen. Erledigt find: die Forst - wartei Seeheim (Oberförsterei Jugenheim); die mit einem evang. Lehrer zu besetzende 1. Lehrerstelle an der Ge- meindeschnle zu Offenthal, Kreis Offenbach. • * D i e ZN ein k i n der bem a hr an st alt hält die kirchliche Feier ihrer C h r i stb e f ch e rn n g nächsten Sonntag, 3. Advent, nachmittags 3 Uhr, in der J ohannes- Lirche ab. Sau gl in gs he im. Von ärztlicher Seite angeregt beabsichtigt man in unserer Stadt die Gründung eines Säuglingsheims verbunden mit einer Einrichtung zur Herstellung sterilisierter Milch. In dem Heim sollen weniger bemittelte Mütter ihre Kinder unter 1 Jahr gegen mäßige Entschädigung, eventuell auch unentgeltlich, in Pflege geben können. Derartige Säuglingsheime bestehen bereits in den Universitätsstädten Marburg und Heidelberg und haben sich dort als segensreich bewährt. In den sich dafür interessierenden Kreisen hofft man auf eine Förderung seitens der städtischen Behörden in der Weise, daß die Stadt gegen eine mäßige Pacht auf längere Jahre das Gelände für die Anstalt zur Verfügung stellt. " Eine humorvolle Zählkarte erhielt ein Zähler gelegentlich der VolSzählung von einem älteren alleinstehenden Dorfbewohner. Unter Verwandtschaft zum Hanshaltnngs- vorstand stand das Wort „nein", bei Punkt 3 Familienstand war unterstrichen „ledig" und „verwitwet", seinen Hauptberuf bezeichnete er — da er glaubte, er solle zu der ©teuer herangezogen werden — als „immer krank", seine Religion war „deutsch" und unter Staatsangehörigkeit prangten die bedeutungsvollen Worte „bezahle keine Stenern." Obwohl er nicht Soldat gewesen, hatte er unter Punkt 11 Dienstzeit" die Zeit angegeben, in der er früher q;i: Mühle als Knecht gedient hatte. -h- Garbenteich, 13. Dez. Schon seit längerer wird die Wahrnehmung gemacht, daß die hiesigen 3 c jungen mit den Steinbacher Jungen „Krieg" Am letzten Sonntag wurde abermals ein derartiger ausgefochten, wobei die Chauffeesteine eine Hauptrolle stj Ein neunjähriger Junge, der Sohn bc§ Jakob Walll^ erhielt hierbei einen Wurf in? Gesicht und erlitt nid' 1 erhebliche Verletzungen. Anzeige ist erhoben. § Queclb 0 rn, 13. Dezember. Ein interessa Gänsegeschäft machten die Verkäufer in unsererGe Da die Qualität der Gänse weit bekannt ist, stellen fuT diese Zeit viele Käufer ein. Die ersten nahmen die ( gegen die Zusicherung, den höchsten Preis zu bezahlen. Gänfchändler, der von dieser Abmachung hörte, fmm. die kleine Zahl unverkaufter Gänse auf und befahl!? - Pfund mit — 75 Pfg Notgedrungen müssen mm die Händler den gleichen Preis bezahlen. Bensheim, 13. Dez. Bei den gestrigen Sia.", verordneten mahlen siegte die ZentrumsIT Gewählt wurden: A. Feigel mit 809, C. Haan mit ? W Euler mit 765, C. Grün 746, L. Hoehlinq 582, ?- Wiegand 480, G. Jost 434 Stimmen. Abgestimmt V- 3 946 Wahlberechtigte. Eingesandt. (Für bcn Inhalt bet । Rubrik ficbnibcn übernimmt die Redatt ' ' - -likiun geg-nfb r s Verantwortung.) Gießen, 12. Tez. Mit Reckst ist das Stehenbleiben mehrerer Personen nu< Bürgersteige volizeilich untersagt. Sehr erstaunt war ich nun -4 ich heute vor 12 Uhr, also um die Zeit des stärksten BalmvEg ivo viele nach der Balin müssen, die B ü r g e r st ei q e > oberen B a h n h 0 s sl r a ß e «vorn Postamt bis Hotel flubnf 3 Händlern besetzt fand, sodaß die Paffanten die ftafitTj benutzen mußten. Ist den Händlern gestattet, die Bi'irgerfteixe^ oberen Babnbofstratze mittags vor 12 Uhr besetzt zu halten? Foraelitifchc Neligiortsgcmcindc. ^otlesdien ' in der 5y"agog, (SüDflnfag#). Samstag den 16. Dezember 1905. Vorabend 4.30 Uhr. Morgens 9.00 Uhr. Nachmittags 3 30 Uhr. Sabbathausgang 5.15 Uhr. Israelitische Religionsgesellschast. (AottfsbUnft. Sabbathsoier am 16. Dezember 1905: Freitag abend 4.00 Uhr. Samstag vormittag 8.30 Uhr. Nachmittags: 3.30 Uhr» Sabbathausgang 5.15 Uhr. Mochenaottesdienst: morgens 7.00, abends 4.00 Uhr „Henneberg-Seide“ v. Mk. 1.10 ab ! — zollfrei! Muster an Jedermann! Dl,/l0 Nur direkt v. Seidenfabrkt. Henneberg. Zlro Passende Wechnnchtsgescheck findet jedermann in großer Aiismahl und in allen Preis!? in dem Juwelen, Uhren, Gold und Silberwarengefchäit" D. Kaminka, Marktplatz 11, am Kriegerdenkmal. Reparaturen, Gravirungen, Garantie. Streng reelle unk' merksame Bedienung. • letzten Zeit sich immer mehr vervollkommnet nnd ist deni rechten Ebenmaße nahegekommen. Vielleicht entfacht er in sich auch noch die Gluten mitreißender Leidenschaftlichkelt. Den Gegensatz, in den der Dichter seinen frischen Nankleros zu der viel tiefer und auch feiner gestimmten Natur des Leander gesetzt wissen ivollte, hatte Herr Goll vollkommen verstanden und brachte ihn zit richtigem Ausdruck, nur gab sich der Humor de? zuversichtlichen Lebenspraktikers mehr modern-bürgerlich, nicht — sagen wir mal: antik genug. Herr Witt mann brachte ein tiefes Verständnis für den Gedankeninhalt seiner großen — nur zu greisenhaft gestalteten — Sprechrolle entgegen nnd verwechselte keineswegs, wie mancher andere Darsteller dieser Rolle, priesterliche Würde mit kanzelrednerischer Salbung. Er gab der schönen Melodie seiner iveisheitSvollen Reden die rechten geistigen Accente. In den letzten Szenen vermißte man freilich namentlich mimisch die tiefe innere Erschütterung. Die schwierige Kunst des Ziihörens mimisch zu beherrschen, ist wenigen gegeben. Die Art, wie man zuhört, wie da? Gehörte wirkt, neue Gedankenwendungen oder einen Entschluß bei dem Hörenden nnfpinnf, ist von den meisten unserer Darsteller noch eifrig zu üben. Herr W. führte im übrigen die Regie mit Verständnis. Daß er sich aber die schönen Verse von der „Sammlung" im 3. Akte gestrichen hatte! Und warum hörte mau im 4. Akte nichts vom Sturm, der doch Leander das Leben raubt ? Frl. D onecker gab die Janthe recht gefällig, auch mit her nötigen Kraft in der Rede. Die Herren Mendel und Lippert (in der ganz znsammengestrichenen Rolle des Vaters der Hcro) nnd Frau M i l a r wirkten zweckentsprechend mit. P. W. * — Ein dem Großherzogtum Hessen gewidmetes Prachtwert von außerordentlicher Schönheit legte der Kunstverlag von Karl Muland in Frankfurt am Main auf den deutschen Weihnachtsbüchertisch. Tas unserem verehrten Großherzogspaarc zngecignete Werk betitelt sich: „Hessen. 45 Ansichten nach der Natur aufgenommen. Begleitende Worte von Wilhelm Holzamer". Zunächst der Einband. Er wurde entlvorfen von Prof. I. M. OUnstch in Tar-mstadt und zeigt in feiner, aparter Stilisierung das goldgewirkte ©tanrmivappcn des hessischen Fürstengesmlechts aus gra.ugrünlichent 65rimbe. Tas erste Kunstblatt bringt die Porträts von Großhcrzog und Großherzogin in meisterlicher veliogravüre. Dann folgt der zert. ein Aufsatz Holzo.rncrs, des talcntreichen und feinfühligen rheinhessischen Poeten, der seine unfruchtbare Pariser Periode überwunden hat und zurzeit in Berlin einer neuen, hoffentlich erfolgreicheren Schaffensperiode der Rückkehr zu sich selbst entgegengcht. Er hat ihn „Zur Geschichte des Landes" überschrieben. In seiner zartglicdern- den, verinnerlichten, einbildungsreicheit, dem Romantischen holden Art läßt er die Fülle, der Geschicke Hessens von Hcüher Zeit bis auf die Ocgcriixirt an uns vorüberziehen. Ev charakterisiert so kurz als treffend und eindringlich Sitte und Wesen des hessischen Volkes und seiner hetworragenderen Fürsten, rühmt Ludwig X. und tadelt die Minister du Thil und Talwig'c, um schließlich Ernst Ludwig, dem gegenüber ich H. ja nicht sonderlich bau 16ar errviesen hat, als einen „bcn Bedürfnissen der Neuzeit in besonderem Maße ent- gegenrommenden" Fürsten uo • „wahrhaft modernem Sinne", „lebhaften und beweglichen Interessen für die Brunst", von „Unvoreingenommenheit und Borurteilslosigkeitz", sowie des Hessenvolkes „Treue und Lrebe zu sich selbst, die Festigkeit in seinem Wesen und CharaU.er" zu preisen. Ten zweiten Teil des schönen Werkes bildet eine zugleich anschauliche und anmutige Schilderung her einzelnen Provinzen des Landes, die unterbrochen wird von 45 prächtigen Ansichten >cr bemerkenswertesten Balten und lieblichsten Landschaften des Großherzogtums. Diese ausaezeichneten 45 Kunstblätter sind Heliogravüren uno Lichtdrucke aus der Kunstanstalt von I. B. Oberneiter in München und legen, wie das Buch in seiner Gesannerschcinung, rühmlichstes Zeugnis ab von der Höhe deutscher Duchtechnik. Es sei cm dieser Stelle nur gesagt, was uns das einzigartige Prachttverk aus Oberhessen zeigt: Da sehen wir Friedberg und Nauheim, diese freilich, ganz ausnahmsweise, in nicht besonders günstigen Auftlahmen; die Ruine Münzenberg und Kloster Arnsburg in außerordentlich scharfen und zugleich höchst pittoreslen Auftrabmen; dann vier sehr schöne Gießener Bilder, eine Gesamtstadtansicht von der Höhe der Grünberger Straße aus, die neue Bibliothek mit ihren seltsamen Ecktürmen, die Universität und Gleiberg; weiter das gartenumrahmte Alsfeld und schließlich eine reizende Partie aus dem Schloßpark von Lich. In seinen Ausführungen über unsere Provinz Oberhessen macht Holzamer zutreffende Demerkunaen von ihrer Bewohner „zäher Ausdauer und hartem Flecß", ihrem rigenerstarrten Wesen, das der Zugänglichkeit keine Pforten ließ" usw. Ter Dichter zeigt auch' in der Schilderung der oberhessischen Landschaft und ihrer Bevölkerung sein scharfes Auge und seinen scharfen Verstand, seine lyrische Empfindsamkeit und novellistische Tarstellungsninst. Einzelne kleine tatsächliche Ungenauigkciten stören nicht. -- Tas Hessen-Werk kostet, in Goldschnitt gebunden, 20 Mk. und ist wohl die schönste Zierde des diesjährigen buchhändlerischen Weihnachtsmarktes für Hessen. —o. — Artur Schnitzlers neue dreiaktige Komödie „Zwischenspiel" (Verlag von S. Fischer in Berlin) hat bisher bei seinen Aufführungen in Wien, Berlin, Nürnberg u. a. O. freundlichen, immn auch nicht ganz ungeteilten Beifall gefunden. Man begriff die fein differenzierten Menschen Schnitzlers nicht, die abseits vorn breiten Pfade der Alltagsmensckien wandeln und verlangte Turch-schnittsrienschen. Es ist eine fast banale Wahrheit, die Schnitzlet uns beweisen will: das ewige Gesetz, das die tiefe Unsick-crheit des Vcrhälvnsses zwffckien Mann und Frau begründet. Er sagt uns wenigitens zum Teil nichts Neues, wenn er durch seinen Dickster Albertus Rhon die Behauptung onfffcHcn läßt: ,,F-renndsck^ft zwisckxm zwei Menschen verschiedenen Gcschlecksts ift immer eine gefährliche Sache — sogar zwischen El>elcutcu. Wenn die Seelen sich allzngut verstehen, so reißen sie allmählich auch das mit, was man gern bewahren möchte, und wenn die Sinne inrinanber fließen, so gleitet mehr vrm der Seele rrach, als wir ihnen gerade nachsenden wollen." Ob Schnitzler recht hat? Wohl nur halb. Freundschaft zwischen Mann und Frau ist eine Seltro^lt^ Geschichte kennt nur wenige Beispiele solcher reine» 'driften. Daß aber auch die Freundschaft zwisck>en w*® gefährlich wird, das ist eine Ausnahme. Tie glücklich bauen sich meist auf Liebe und Kvinevadschaft auf. dem Grundsatz Rhvns handelt: „Kennst du mich, so litf '• mich ; kenn ich btdn, dann hab ich dich" ist Egoist u»- Grunde genommen schlecht geeignet für ein Gemeinsckcwl-^ Etwas weltfremd muten die Schnitzlerscheu Menschen Kapellmeister, Amadeus Adams und feine Gattin, ine fffr; Opernsängerin Cäcilie Adams-Ortenburg. Immerhin lour' Menschen mit einem wickln unendlich fein differenziertcn * leben denken. Ein gefährlich Ding aber ist es, die '.ann bilde dieses Innenlebens, die feinsten Regungen der v’ lichen Seele ins grelle Lampenlicht zu ziehen, mag die- ’ noch so diskret geschehen. Cäcilie hat geiviß r-xht, sagt, daß manche Dinge anders werden, wenn man ftc aurT- Und w.rs wird daraus erst, wenn mxm sie in Handlung I Schiritzlcr ist ein feiner 'Seelenan atom, unb jtuCTin einet v- den heutigen deutschen Bühnendichtern, so ist er .instarx. Psychologie des Liebes- und Ehelebens in ihren ftinffsr ästelungen bloßzulegen. Er würde den Gedmckenfaden fcw f, spinnen in einer Novelle. Tas Drcrma aber verlangt cpr Gelvebe, und für ein solches eignet sich das seines Stückes nicht. Daher bringt es die Kvmödie auch zu einer wirklich vackenden dramatischen Wirkung, we7 Hörer auch seine Freitde hat an dem fchillerndeit Cflct dem Geist und dem Witz des fein pointierten Tialoa-:- viel Stimmungsgehalt in der Scbnitzlerfchen Kvinädle: weise geht die Stimnningsmalerei fast zu sehr in dn . wie z. B. in der Schlußszene. Ironischer Humor, Sclbstverivottung sich aiifschwingt, paart sich mit H; mentalität, und aus der luftigen Kvmödie tont !ci 1 • der verborgenen Trauer — em Capriccio doloroso. 1 • sei nxxft, daß die Zensur in Wien eine nntzige Bemcrw^ । dm Deutschen Kaiser für eine dortige Aufführung gesinmc | * . — Vom »Hessischen Musenalmanach", emen • 1 1 buche für hessische Kunst und Art, herauSgegeben von 'tar. - rat 6, Verlag von August FreeS in Gießen, ut ll"prf^|l| die zweite Lieferung zugegonaen. Gleich der ersten, ui 100. Todestag erschienenen Lieferung bietet auch die lc liegende eine interessante Auswahl von poetischen töoben ; Dichter, die in ihrer Vielseitigkeit wiederum den (ieiert, daß das Uhland'jche „Singe, wem Gesang .1^ für Hesien zutrifft. Die gehotenen Gaben, bei denen die wiegt, sind nicht ganz gleichwertig, immerhin 'ft yin dem Heft vertreten, den wir um de? Eindnickes des Ganzer miffen möchten. Wilhelm Holzamer steuerte brci wa Vkuse bei, die von dichterischer Schönheit sind nnd vi> namentlich „Ter Tänzer" BeachUmg finden wird. pfarrer und Dichter Karl Enist Knodt ist mit vier N' vollen lyrischen Gedichten vertreten, nnd außerdem baoeii jjjL; kürzlich verstorbene Gottfried Schwab. Daniel w .Tc i)ll'red Börkel, Otto Kindt, Karl S ch ä i e r, ,Mtz y j|| (ab, Iosel Wenz und Gustav W a l d t Beiträge gclie'r^ hesstfche dichtende Franenwelt ist durch Irene .Vji« einem stimmungsvollen Gedicht „Wohin" Vertretern <01 ß,,- geber Karl Neurath finden wir Gedichte, eine ^k>z;e 1 fälle", die freilich beffer nur Einsälle geblieben roarcib ist eine Farbcnlithographie von Hans Thoma. ’<•'VSsrttWB mitteilt, hat der Großberzog dem Verleger für mc l'c «jg Lieferungen des Almanachs, die er mit großem ^)Nter 11 * habe, seinen besten Tank aussprechen laffen. M» patent Wrii Xäi Käset in großer Fr. vahnhofflraße Seifersweg N Bllelnlc ’ S. Köni( ^eldiflftsbc Brief Zq haben Ho)z^ “an sie । üder Mete ' Joh »ndere M A mmst Kilbinger 6223 Seltersweg: 19 zu räumen, Bitte meine Schaufenster zu beachten. 6335 20 Pfg. o Telephon 401 Volhnhofstratzc 30 gewohnter Güte V o kcwürzanis Telephon 399. 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