erallerhälM 6 und lblW talzmitlel lobin das Wr. 166 Zweites Blatt. 155. Jahrgang Gießener Anzeiger General-Anzeiger, Amtr- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. lehren tHgkch mU vnSnahm« befi Sonntags. $te .vtetzen« KaviMendlStter- werden dem .Anzeige, otermol wSchenürch beigelegt Der ^tlUKbe taaöwtrt* erichetm monatlich einmal Dienstag 18. Juli 1905! Rotatümtorttd and Verlag da vrühllch« UntDcrßtätSbrudcrct 81 Lang». Redaktion, Expedition n. Druckerei: Schulstr.R, lti.0h.6L Itiegt^tora La-tiga Au den Kommenden hessischen LandtagswaKten. Der für den Herbst unS bevorstehende Wahlkampf wird wohl in den meisten Bezirken kein allzu großer werden, selbst da nicht, wo der Abgeordnete, den politischen Verhältnissen nach, der richtige Vertreter deS Bezirks nickt ist. DaS alte wurmstichige Wahlsystem hindert mit zäher Ausdauer weitere Kreise, sich für die Wahlen besonders zu interessieren; eS macht die Menge gleichgültig gegenüber den wichtigsten innerpolitischen Angelegenheiten, und hätten wir nicht eine ganz ungewöhnlich umsichtige und weitsichtige Negierung, dann liefe die hestische Staatskarre in ausgetretenen Geleisen unbeachtet dahin. An eine wesentliche parlamentarische Blutauffrischung ist nicht zu denken. Auf den Kreis Gießen-Land verspitzen sich diesmal mehr als je die Sozialdemokraten, und es wird große Mühe kosten, ihn Herrn Leun, dem langjährigen und überaus eifrigen und wohl bewährten Vertreter, zu erhalten. Größte Rührigkeit und Einigkeit der bürgerlichen Parteien und namentlich rechtzeitiges Einsetzen der Agitation ist da durchaus von Nöten. Auch in Vilbel (seitheriger Vertreter Abg. Ullmann) wird sich wohl eine starke Wahlbewegung geltend machen. Auch dort werden wahrscheinlich die Sozialdemokraten auftreten, doch haben die Nationalliberalen dort erheblich größere Aussichten auf Erfolg. In Starkenburg wird zunächst um den Wahlkreis Darmstadt—Zwingenberg—Gernsheim ein heftiger KOnps zwischen Nationalliberalen und Sozialdemokraten stattfinden (seitheriger Abg. Präsident Haas), in dem leider die Aussichten nichts weniger als glänzend sind. Es werden dort die allerstärksten Anstrengungen gemacht werden müssen zum möglichsten Niederhalten der Sozialdemokratie. In Beerfelden- Hirschhorn (Abg. Breun er) und Fürth—Reinheim (Ab- geordn. Ripp er) sind die Abgeordneten amtsmüde. Brenner wird wohl bei ernstlichen Vorstellungen sein Amt wieder übernehmen, Ripper aber wird wohl durch einen anderen Bauern- bündler ersetzt werden. In Lampertheim kann sich ebenfalls ein Wahlkampf zwischen Nationalliberalen und Sozialisten entwickeln, auch das Zentrum hat dort ein gewichtiges Wort mitzusprechen. In Darmstadt-Land wird wohl der Ab- geordn. Roack (wild), wenn er sich wieder aufstellen läßt, sicher gewählt. In Langen — Offenbach wollen die Sozialdemokraten für den zurücktretenden Abg. Kramer den Rechtsanwalt Fulda-Darmstadt aufstellen, der ober gegenüber dem von nationalliberaler Seite aufzustellenden Abg. Dr. Becker-Sprendlingen zweifellos einen überaus ^&n 235. gen bet (Vorsitzende bet nde Ausschutz y. siete aus zum matenseip! lünstige Gelegenheit ,eIekirSanos,PM- s mit Gewichlsau'M t. Betrieb in der ArS 120, 25, teils 40 bä si verkaui. da Fabrik »rchestrions emgeridW wird. Mr rasch faujt, Tadellos neue elelir )n 1000 M. netto bä inr Garantie. Größt! Wle.renomirteFirm gratis. Franksurtti fe Friedrich Sch, a. M., Kaisersttaße Ti t)ot Prachtvolle new o u. Crdfefterwerte ii imxmtw, Mmmea 91 \e 20 LprechapMte ite von 30 bis 5000 511 s «**• von Kurland, reiste sofort noch Petersburg, um energische Maß^ nahmen gegenüber der Untätigkeit der Administration durch-u- setzen. Unter den während der letzten Tage in Odessa aufge» hängtenAufrührern befanden sich14 Arbeiter, welche vorher vom ordentlichen Gerichtshof, da für ihre Beteiligung mr den Revolten keinerlei Beweise beigebracht werden konnten, frei- gesprochen worden waren. General Jgnotiew, der als Gouverneur, von Odessa über den Beborden steht und burch den vom Zaren üb"r Odessa verhängten Kriegszustand alle Machtbcsugnissc über Leben und Tod erhalten hat, verurteilte die Beschuldigten cru§, eigener Machtvollkommenheit zum Tode. . . ,. , Aus Feodosia wird gemeldet: Ueber em Regimmt hielt der Drigadckommandeur eine Revue ab; als nach deren Beendig- ung die Kompagnien entlassen wurden, blieben emige Gewehre am Platz. Di'stn Moment benutzte der Trommelschläger Mob- schidlower, lud ein Gewehr mit fünf Patronen und gab dann drei Schüsse auf den Regiments-Kommandeur Obersten Gericht ab, verfehlte ihn aber Dagegen wurde der Unteroffizier Tatarinow getötet sowie Leutnant Drofrn schwer verwundet. Der Uebeltäter wurde sofort von den Soldaten ergriffen: nur mit Mühe gelang es, ihn vor dem Ge- Aus Stadt und Aaud. Gießen, 18. Juli 1905. •• Altertumswissenschaft. Die Vertreter der, Altertumswissenschaft an der Landesunioersität, die Herren) *sonett d" läuet Deutsches AeicH. Berlin, 17. Juli. Der Kaiser hat seine Segeljacht „Meteor" für die englischen Wettfahrten angemeldet. , , . t — Eine Kaiser-Fernsprechverbindung zwischen Berlin und dem Jagdschloß Rominten soll gelegt werden Die bestehenden Fernsprechleitungen reichen zu Ge- sprächen von Rominten nach Berlin und darüber hinaus nicht aus. Da nun das Kaiscrp«ar den Wunsch ausgesprochen hat, gelegentlich seines Aufenthaltes in Rominten auch mit Berlin verständliche Ferngespräche zu führen, so ist die Anlage einer speziellen Kaiser-Fernsprechlertung beschlossen worden. , — Das Kronprinzenpaar macht z. Ztg. ebenso wie der Kaiser eine Seereise und ist soeben in der dänischen .Hafenstadt Aarhus eingetroffen, von wo au? es dem Prinzen und der Prinzessin Christian von Dänemark aus Schloß Marselisborg einen Besuch abstattete. Das dänische Blatt „Koebenhavn" schreibt: Ein Besuch, wie der des deutschen Kronprmzenpaares in Jütland, wird von Fürsten nur in einem Lande gemacht, wenn man gute Nachbarn zu finden hofft, mit denen man immer mehr und mehr Freundschaft zu schließen wünscht. Gerade in diesen für den Norden schwierigen Zeiten müssen alle Dänen die freundlichen Gefühle gegen unser Land und unser Volk zu schätzen wissen, von denen der zwanglose Aufenthalt des Kronprmzenpaares in unserem Lande Zeugnis ablegt. Wir müssen alle dadurch danken, daß wir dem jungen Paare unsere aufrichtige Sympathie zeigen. Kiel, 17. JUli. Die Exkaiserin Eugenie von Frankreich traf auf ihrer Dampfjacht „Thistle" Don England kommend durch den Kaiser-Wilhelmkanal hier sein. Sie unternahm eine Spazierfahrt durch Kiel und besuchte dann den Gottesdienst in einer katholischen Kirche. Heute ging die Jacht mit der Exkaiserin nach Stockholm in See. S o n d e r s h a u s e n, 17. Juli. Bei herrlichstem Wetter begann heute die Huldigungsfeier anläßlich des 25;ahr Regierungsjubiläums des Für st en Karl Günther, Mit welcher die Enthüllung eines vom Lande dargebrachten Brunnendenkmals verbunden war. Der Fürst erhielt vom Kaiser und anderen Fürstlichkeiten herzliche Glückwunschschreiben. Der Kaiser verlieh dem Staatsminister Petersen den Kronenorden 1. Kl. Der Fürst stiftete eine Jubiläumsausgabe und machte eine Stiftung von etwa 50 OOO Mark zum Besten von Vereinen, von Beamten und Veteranen. Alle bis zum Mutigen Tage wegen Uebertretungen verhängten Hast- und Geldstraien bis zu einem Monat bezw. 1OO Mk. wurden erlassen. Er stiftete ferner seiner Residenzstadt 50 OOO Mk. für den Bau einer höheren Töchterschule. schweren Stand haben wird. In Rheinhessen wird eS voraussichtlich in vier Kreisen einen nennenswerten Wahlkampf geben. Zi)»iächst in Nierstein-Niederolm, wo der seitherige Abg. Molthan nur durch das Verhalten seines Vorgängers Wernher-Nierstein in der Weinsteuerfrage in den Landtag kam. In diesem Kreise sind Nationalliberale und Zentrum ziemlich gleich stark, erstere wohl etwas überlegen. Den Ausschlag gibt die Gemeinde Nierstein. Im Kreise Wöllstein wurde der nationalliberale Abg. Pitthan zum Teil von freisinnigen Wahlmännern gewählt (1899). Seit der ReichStagSwahl von 1903 ist das Verhältnis etwas gespannter. Auch tst dte Stimmung in der mit Wöllstein rivalisierenden Gemcmde Sprendlingen nicht sehr stark für Pitthan. Daher dürfte hier ein Wahlkampf stattfinden, dessen Ausgang sehr zweifelhaft erscheint. Am lebhaftesten dürfte es im Kreise Wörrstadt zugehen. Der seitherige Vertreter Wolf ist der einzige Abgeordnete, der keine Sitzung versäumt hat. Er gehört keiner politischen Partei an, obwohl er in bäuerlichen Dingen nut den Bauernbündlern Hand in Hand geht. In Rheinhessen ist er bei der Maste der Bevölkerung beliebt. Sem freisinniger jugendlicher Gegner bekämpft nicht nur ihn, sondern auch Nationalliberate und Zentrum, hat baruni nur sehr geringe Aussichten. Der Wahlkreis G a u a l g e s h e t m praien- tiert wieder den Abg. v. Brentano, der diesmal zum ersten Dcal eine Anzahl evangelischer Stimmen erhalten dürfte, ^n Mainz-Land ist die Wiederwahl von Dr. Schmitt sehr gefährdet, da die Sozialdemokraten dort wohl bebeutenben Stimmenzuwachs erhalten haben. Die anberen Kreise, die ber nationalliberalen Partei gehören, werben ihre Abgeorbneten ohne Kampf wieber nach Darmstabt entsenben. So wirb bie nächste Ergänzung ber Kammer keine großen Parteiverschiebungen bringen. iynchtwerden zu bewahren. . „ t _ Großfürst Nikolai Konstantinowitsch, der seit zwanzig Jahren wegen eines Brill a n t en di ebst a hl s bei einer Dernimondaine ai’5 Petersburg verbannt war, ist nun aus Bese^ des Zaren nach Stawropol im Kaukasus verschickt worden und dort unter Eskorte einer von einem Obersten kommandierten Gend-rmerü-.Abteilung cingetroffen. Der Großfiirst bewohnt em besonderes fiir ihn hergerickitetes Palais und wird Tag und Nacht von Gendarmen bewacht. Seine g"N',e Privatkorrespondenz geht durch bü kwnde d°s Gendarmerie-Obersten. Wie verlautet, darf Großfürst Nikolai Konstantinowitsch, so lange er lebt, sem Palais nicht verlassen. In Stawropol zirkuliert GerüiA das; der Großfürst infolge roher Behandlung der Gendarmen irrsinnig geworden sei. . er* Nm 16 d M. überfiel en in nckuscha iw KimkasuS am Hellen Tage im Zentrum der Stadt Verbrecher den Rentei- beamten Badris, der gerade bei der Post 43 000 Rubel abgehoben hatte, und den ihn begleitenden Gendarmen. Die Unbekannten schlugen auf beide so lange ein, bis sie bewußtlos zu Boden schien, raubten dann den Beutel mit den 43 000 llsiibeln und verschwanden in einer Seitengasse, wo sie schon.ein Wagen erwartete Der Renteibeamte mußte nach dem »ospital transportiere werden,' wo er alsbald verstarb. Die polizeiliche Untersuchimgj blieb erfoglos. ________________ demokratie durch das widernatürliche Bündnis mit dem Zentrum ihre ganze historische Entwickelung verleugnete, auch taktisch genommen ist sie unter allen Parteien, die auf dem Kampfplätze erschienen, am ärgsten hereingefallen. Numerisch hat sie nur einen Sitz gewonnen, dagegen moralisch alles verloren. Die Parole, mit der sie in den Wahlkampf zog — Erlangung des direkten Wahlrechts — wird aber vorerst wohl noch nur eine „Parole" bleiben, denn man kann jetzt schon ans Zentrumsblättern hören, daß aus dem direkten Wahlrecht solange nichts werden wird, als die Krone nicht gezwungen werden kann, die Kammer aufzulösen, wenn ie das direkte Wahlrecht beschließen sollte. Bekanntlich jat Bayern neben der Abgeordnetenkammer den Reichsrat: sollte nun dieser, was ja sehr möglich ist, den Beschluß der Zweidrittelmehrheit der Kammer nickt akzeptieren oder ähnliche Schwierigkeiten machen wie die hessische erste Kammer, so würde der Krone das gesetzliche Instrument einer Landtagsaufläsung fehlen und alles beim alten bleiben müssen, nur mit der einen großen Ausnahme, daß das Zentrum nunmehr, dank der Unterstützung der Thron und Altar „stürzenden" Sozialdemokratie, sozusagen Alleinherrscher ist. Hat denn der große Politiker am Walchensee, v. Vollmar, an diese Möglichkeit gar nicht gedacht, als er seine Kompromiß-Ordre gab? Die schwarzen Diplomaten haben diesmal die roten Diplomaten ganz elend ausgeschmiert! Wie die Verhältnisse jetzt liegen, wäre das Zentrum dumm, ein Wahlrecht zu verlangen, das ihm nicht die Aussicht bietet, wie das gegenwärtige. Und dumm ist das Zentrum nicht: das haben die Wahlresultate bewiesen, die es durch die großartige Uebertölpelung der sich sonst für so überschlau haltenden Sozialdemokraten erlangte. Gleicht der schwarz-rote Kompromiß einem widerlichen Faschingsscherz, so haben jetzt die roten Harlekins eine ganz gehörige Aschermittwochstimmung. Die bayerischen LandtagsrrraYLen haben gesternstattgefunden. Von 159 Wahlergebmsseu sind bisher 154 bekannt. Danach stellen sich dre Parteien im Landtage folgendermaßen: Z en t tu tu 102 sinehr 18) Sozialdemokraten 12 (mehr 1), " , (mehr 1), niederbayerifcher Bauernbund 3, ^nd der Landwirte in der Pfalz und Oberfranken 4, konservative Bundler 10, Liberale 21. Für die letztgenannten P^teien ist em ziffernmäßiger Vergleich zu den fritheren Veryaltniiien, bei benenb« Freie B°?eiAung. 19 unb bie Liberale Der- einigung 44 Mitglieder zahlte, nicht möglich, da, nochnicht feststebt, welcher Gruppe sich verschiedene Bundler anschließen. Die fünf noch fehlenden Mandate fallen w. bie Wahlkreise Neustadt a. d. H. (bisher 2 Liberale) und Bandstuhl (bisher 3 Liberale), wo mehrere Wahlgange notig sind. In M ü n ch e n I wurden gewählt die bisherigen Abgg. Müller Schmitt, Birk (Soz.), Schirmer und Giehrt (Zentr.), in München II der bisherige Mg. v. Vollmar, m München III, wie bisher, die 3Zen^umsabgeordneten; m Nurn- b er a 3 Liberale unb 1 Demokrat anstatt ber bisherigen 4 Sozialbemokraten. In Bayreuth würben die liberalen Mgeordneten Casselmann und Nenner wieder- tik^wäblt Brendel (Bund der Landw.) wurde neugewahlt. ß In' den sozialdemokratischen Reihen herrscht jetzt großer Ka tzenjammer. Nicht nur, daß die Sozial- Russtsche Neuigkeiten. Aus Petersburg wird telegraphiert: Der Z ar wird voraussichtlich eine Proklamation an sein Volk über die Emführung einer russischen Volksvertretung an dem Geburtstag des Thronfolgers erlassen. . - . , Das Organisationsbureau der nemstwo hielt in der Privatwohnung des Scmsttvo-Prasidenten Golowin in Moskau eine Sitzung ab, in der über den bevorstehenden Moskauer «emstwo- Kvngreß beraten wurde. Die Polizei erschien m der Wohnung und forderte die 24 Anwesenden auf, die L-itzung ab^ubrechen. Da diese sich weigerten, wurde ein Protokoll ausgenommen. Die Versammlung erledigte sodann vollständig ihr^Programm Das gleiche geschah mit der Sitzung des demokratychen Zentral- verbandes in Terjioki mit dem gleichen Ergebnis In °ob5 meuterten Mannschaften des Eskatermburg- schen Infanterie-Regiments gegen ihre Offiziere. Es kam zu einem blutigen Zusammenstoß, be.i dem /m Mann getöt et, und mehrere verwundet wurden. Du^ meuternderSoldatm wurden schließlich überwältigt und gesestelt nach der.ye'tung Iwangorod gebracht Auf der Station Peltsowina der Weickselbohn wurde em Gendarmerie-Unteroffizier von drei Unbekannt.m durch Revolverschüsse getötet- In Warschau wurdebei emem Renkontre zwischen einer lärmenden Menge und emer Militärpatrouille ein Unbeteiligter erschossen. Wie einer ostpreußiscl>en Zeitung von zuverlässiger Seite gemeldet wird, wurde in Sessau (Kurland) der Ki^)envorsteher B a r o n B i st r a m von Aufrührern erschossen. Baron Hahn- Platon wuvde durch den Ntüller Witone gerettet, der selbst emen Schuß in den Unterleib erhielt. Fürst Lieven, der Abelsmar,chaU Vom Unwetter. Das Gewitter, bas am Sonntag über unsere Gegend nieberging, hat teilweise großen Schaben angerichtet, obgleich auf ber anderen Seite der Regen ber Lanbwirtschast vor« großem Nutzen war. Mehrmals hat ber Blitz in Häuser unbj Scheunen eingeschlagen. Wir erhalten folgenbe Berichte: (?) GroßenLinben, 17. Juli. Bei bem am ©onntaft abend hier niebergeqangenen Gewitter schlug ber B l i tz in eine irn^ Bau befindliche Scheune, deren Wände vollständig ausemandev totXl-e- Reiskirchen, 17. Juli. Gestern fiel hier ein w o l k e n b r u ch a r t i g e r Regen, der Strafen und S t a l l e gehörig unter Wasser setzte, sodaß manche Bauersleute ihn Kleinvieh, wie Schweine, Ziegen, Schale und Stallhasen rc. mit in die höhergelegene W o h n st u b e flüchteten und hier „etn-i mütig" das Ende der Gewitter und den Ablauf der Gewasier ab-i warteten. Die Wassermasien haben an vielen Stellen die Kav^ toffeln aus der Erde gewaschen, sodaß der Schaden recht bedeutend ist. . p Wetzlar, 17. Juli. Gestern gingen m unserer Gegend eine Anzahl schwerer Gewitter nieder, teilweise^ verbunden mitz Öagelschlag. JnBrandoberndo rf ging ent zündend^ Strahl, auf dem Felde nieder. Auch an dem Schmidtborn'schen Hause Gleiberg richtete ein Walter" Schlag emige Beschädig- imgen nm 1? 3uH> ,^iec schlug der Blitz in den nördlichen Giebel des Hauses der Gebr. Heynemann em. Von der ge* schieferten Dachfirst sowie von dem Ziegelbache warf er Teile mL die Straße herunter. In der benachbarten Syftstraße verbreitete sich ein phosphorartiger Geruch. , r Eberstadt, 17. Juli. Am Sonntag abend ging hier ei« schweres Unwetter nieder. Ueber eine Viertelstunde ohne Aushore«; wütete ein Gewitter, verbunden mit Hagel und orkanartigem, Sturm. Fast alle Sekunde zuckte ein greller Blitz hernieder, gluck-s licherweise ohne zu zünden. Das Unwetter hat namentlich an de» Ob st bäumen großen Schaden angerichtet. a. Kinzenbach, 17. Juli. Gestern gegen 4 Uhr traf eht Blitz den höchsten der vier Schornsteine der Dampfs ziegelei. Er wurde arg beschädigt. Der Schaden duckte sich^ auf mindestens 15 000 Mk. belaufen. Dazu kommen die Störungen im Betriebe. . . ..... Dazu haben wir aus ber Umgegend folgenbe kleineres Nachrichten zu verzeichnen: Bei bem Kckegersest in Ettingshausen und beini Kirche weihfesl in R e i n h a r d s h a i n wurden bie Festhallen vom SNirmej u m g e w o r f e n. In S a a s e n schlug der Blitz ms neue Schulz baus In Harbach ging ein Wolkenbruch weder, das Waffey drang in Stalle, Keller und Scheunen; viele Obstbäume wurden, vom Sturme abgebrochen. Auf den Aeckern wurden die Kar-, toffeln, Dickwurz 'rc. herausgewühlt, das Getreide hat schwer ge* litten. In Geilshausen schlug der Blitz mehrmals kalt em. Auch von weiter her kommen Unwetternachrichten: Kassel, 17. Juli. Ein furchtbares Unwetter, verbunden mid wolkenbruchartigen Regengüßen und starkem Hagelschlag hat aestmr im Oberweserbezirk, namentlich im Kreise Hofgeismar un» deffeii Nachbargebieten, gehaust. Die Landwirtschaft erlitt grotze« Schaden, strichweise ist die Getreideernte vernichtet. j Ein schweres Unwetter suchte am Sonntag die Gegend vo« H a l l e a. d. S. heim. Innerhalb 14 Stunden ll.mgen mehre«, schwere Gewitter nieder. Ter Blitz schlug vielfach em. Em Blitze schlag in die Oelfabrik zündete und richtete einen Schaden vorr 30 000 Mk. an. — Am Montag nachmittag wütete im ganzen oberschlesischen I n d u st r i e b e z i r k ein heftiges Unwetter, das, mit Gewitter, Wolkenbruch und Hagelschlag verbunden, von einem orkanartigen Sturme begleitet war. In Glenwtz, Zabrze und deren Umgebung wurden viele Hauser ab- gedeckl. In L i p i n e riß der Sturm die Halle 7 der Zinkhütte /Silesia' ein, in der etwa 60 Arbeiter tätig waren. Eine große Anzahl von ihnen ivurde unter den Trümmern begraben. Nach amtlicher Meldung wurden zwei getötet, zwei schwer und mehrere leicht verletzt. Durch das Feuer der Oefen entstand eiw Brand. 'Professoren Strack, Sauer, Wünsch und Bet he unter» «nahmen am 15. und 16. d. M. mit ihren Studierenden eine Exkursion nach Mainz. Am Abend vorher versammelten sich die Teilnehmer im Neuen Saalbau, wo die ^Professoren Strack und Sauer einleitende Vorträge hielten über die Entwickelung der Römerherrschast in rheinisch Germanien und die Denkmäler aus dieser Zeit. — In Mainz angekommen, begab man sich sofort in das germanisch-romanische Zentralmuseum, wo sich unter Führung des Direktors Prof. Lindenschmitt an der Hand von Tausenden von Nachbildungen aus vorgeschichtlicher Zeit bis in die römische und fränkische Periode ein deutlicher Einblick in die Entwicklung der damaligen Kultur bot. Am Nachmittag hatten die Teilnehmer Gelegenheit, die in Mainz und Umgegend gefundenen Originale von Keramik, Waffen und Schmuckstücken aller Art zu sehen. Fein durchgebildet mufc die Glasindustrie dieser Tage gewesen sein, wie eine große Anzahl prächtiger Karaffen und Schalen zeigt. Sonntag stüh führte Prof. Körber auS Mainz die Teilnehmer in die sog. Stein- Halle des Museums und zeigte mit sehr anregender Interpretation die Steindenkmäler aus römischer Zeit, meist Grabdenkmäler, Sarkophage, Säulen und Altäre, die zwar nicht jene Würde, Hoheit und Proportion der Formen griechischer Skulpturen an sich tragen, aber mit ihrer oft naiven Darstellung einen einzig guten Einblick in die damalige Kulturperiode geben. Als Prachtstück ist zu erwähnen der Grabstein des Schiffers „Blussus", der sehr behäbig mit dem Geldbeutel in der Hand neben seiner reichgeschmückten Gattin sitzt, über deren Schultern der hoffnungsvolle Sohn blickt. Einzelne Reliefs zeigen noch sehr nette genrehafte Dmsiellung, wie Sklaven, die Fässer rollen, Getreide worfeln ,. a. m. Großes Interesse erregten auch anfangs dieses Jahres gefundene koloffale Monumente von besonders schöner Arbeit, die aus der Zeit Neros stammen. Leider sind diese, wie so oft, ganz zerstückelt und können nur unter sehr mühevoller Arbeit wieder zusammengesetzt werden. Einen sehr schönen Abschluß der Sehenswürdigkeiten des Museums bildete ein neuerdings gefundener fein gearbeiteter Bronzefuß mit reicher Vergoldung und" ein mächtiger Blitz, Stücke, die auf eine überlebensgroße Jupiterstatue schließen lassen. Sehr interessant ist die Widmung der Statue; sie stammt nämlich von den Besitzern der Kaufbuden (canabae), die das Lager umgaben. Dieses kostbare Weihgeschenk zeigt deutlich, welch gute Geschäfte die Budenbesitzer an den Soldaten jener Zeit gemacht haben. Zum Schluß führte Prof. Sauer, der schon am Tage vorher bei einem Gang durch die Stadt die hervorragendsten Profan- und Kirchenbauten gezeigt hatte, die Teilnehmer in den mächtigen Dom, d^r mit seinen mancherlei Schick- isalsfällen, er wurde mehrere male durch Brand zerstört, die Stileigentümlichkeiten mehrerer Jahrhunderte an sich trägt. Die Entwickelung der Skulptur von dem romanischen Stil bis zum Barock zeigten auch sehr schön die Grabdenkmäler der geistlichen Würdenträger. — Wie wertvoll eine solche Exkursion für die Ausbil- bildung der Studierenden ist, hat wohl jeder der Teilnehmer aufs lebhafteste empfunden, und es wäre sehr zu wünschen, wenn im folgenden Jahre eine ähnliche Exkursion nach anderen Museen stattfinden würde. Eine pekuniäre Erleichterung fanden die Teilnehmer in dem durch die Vorträge der Professoren im vorigen Winter gebildeten Reisefonds. Wie verlautet, werden auch in diesem Winter mehrere Vorträge aus der Altertumswissenschaft zu demselben Zweck stattfinden, die sich hoffentlich desselben Zuspruchs der Einwohnerschaft erfreuen werden wie im Vorjahre. ** Das Feuerwehrfest hat gestern erfreulicherweise befferes Wetter gehabt. Der Andrang des Publikums war darum, besonders in den Abendstunden, ungeheuer. In den Festhallen war kein Plätzchen wehr frei. Als die ongc« kündigten Spiele der Gießener Turnerschaft stattfanden, waren auch die Gänge von geduldig harrenden Menschen besetzt, sodaß man weder vor- noch rückwärts konnte. Die Neugier ging so weit, daß Viele sich auf Tische und Bänke stellten, um besser sehen zu können. Es wurde schon Beifall geschrieen, als die turnerischen Darbietungen noch nicht begonnen hatten und Spaßvögel die Veranlassung gegeben hatten. Die Turner leisteten hervorragendes; namentlich die Stabübungen gefielen allgemein. Die Fener- wehrkapelle konzertierte in der Festhalle unter allgemeiner Anerkennung ihrer guten, exakten Darbietungen. Auf dem Platz draußen unterhielt ein Teil der hiesigen Regimentsmusik die auf- und abwogenden Menschen, die auch draußen in den anderen Zelten bei Weitem nicht unterkommen konnten. Oswaldsgarten erwies sich als zu klein für das festliche Gedränge. Abends gegen 7,11 Uhr wurde ein großes Feuerwerk abgebrannt, wobei die Feuerfigur eines Feuerwehrmannes mit besonderem Interesse wahrgenommen wurde. Auch der Juxplatz wurde höchst eifrig und zahlreich besucht. Wie uns mitgeteilt wird, hat gestern mittag im Weinhaus des Gail'schen Gartens nochmals ein Festmahl stattgefunden, wobei wiederum Reden gehalten wurden. Unserem gestrigen Bericht haben wir noch'nachzutragen, daß auch der Stadtverordnete Fr. Helm, der für das Zustandekommen des Festes sich ja so eifrig bemüht hat, zum Ehrenmitglied der Gießener freiwilligen Feuerwehr ernannt worden ist. ** dein Hitzschlag traf gestern nachmittag einen Feuerwehrmann unserer Feuerwehr auf dem Festplätze. Er wurde von der Sanitätswache in seine Wohnung gebracht. Ernste Folgen für die Gesundheit des Mannes scheinen sich glücklicherweise nicht ergeben zu haben. •• Besitzwechsel. Die bekannte Schott'sche Wein- handlung und Weinstube in der Bahnhofstraße wurde an den Inhaber des Neuen Saalbaues, Hermann Sch rödel, für 100 000 Mk. verkauft. Die Uebernahme erfolgt am 1. September. Herr Schrödel beabsichtigt, die Weinstube in der seitherigen Weise fortzuführen und eine Speisewirtschaft darin einzurichten. Daneben wird er auch Weinhandel betreiben. Herr Schott treibt, wie wir hören, seinen Weingroßhandel fort. " Ertrunken. Beim Baden in der Lahn im sogen. Freibad ertrank gestern abend der 49 Jahre alte Arbeiter- Adam Schaumburg aus Roth. Er war ein guter Schwimmer, und es liegt die Vermutung nahe, daß er rväbrend des Schwimmens einen Schlaganfall erlitt. Diebstähle. In der vorigen Woche wurde auf dem Schliefplatze am Mittelweg das Häuschen erbrochen, jedoch troutbe nichts vermißt. Die Täter wurden in zwei 14jährigen, bereits vorbestraften Burschen ermittelt, welche sich tagelang im Freien aufhielten und nach eigenem Geständnis in das Häuschen eingebrochen waren, um Lebensmittel und einen Revolver zu stehlen. /• Heuchelheim, 18. Juli. Die Kruse'sche Wirtschaft zur Ludwigsburg ging in den Besitz des Konrad Stumpf aus Garbenteich über. Die Wirtschaft wird am 1. August vom neuen Besitzer übernommen werden. (!) Großen-Linden, 17. Juli. Heute nachmittag ertrank das ca. 3jährige Mädchen des Landwirts Wilh. Velten in einer in der Nahe de§ Orts befindlichen Lehmgrube. Diese, sonst der Spielplatz der Kinder, war durch den starken Regen mit Wasser gefüllt. tt Lich, 17. Juli. Gestern feierte der Krieger- vereinsbezirk Lich in Ettingshausen sein Bezirksfest. Mit Musik wurden die Vereine in das Dorf eingeholt, von dem Präsidenten des Kriegervereins Ettingshausen begrüßt und zum Festplatz geführt. Hier stellte sich dann später der imposante Festzug auf, in dem außer den Vereinen des Bezirkes auch Vereine anderer Bezirke und der Gesangverein Ettingshausen, mit zusammen über zwanzig Fahnen vertreten waren. Auf dem Festplatz begrüßte Bürgermeister Keil die Erschienenen im Namen der Gemeinde Ettingshausen, der Präsident des Kriegervereins, Johs. Keil XVI., im Namen des Kriegervereins Ettingshausen. Dann sang der Gesangverein unter der Leitung des Lehrers Dörrn er ein Lied. Darauf legte der Vorsteher des Bezirks, Lehrer Alt-Lich allen Kameraden ans Herz, im Sinne des Hassiaverbandes zu wirken und für die Organe und Einrichtungen eifrigst zu werben. Die Ansprache schloß mit einem begeistert aufgenommenen dreimaligen Hurrah auf Kaiser und Großherzog, worauf die Versammlung „Heil Dir im Siegerkranz" sang. Dann wurde mit sinniger Ansprache dem Kriegerverein von einer Festjungftau ein von den Frauen und Jungfrauen Ettingshausens gestiftetes Fahnenband überreicht. Pfarrer Nies-Ettingshausen hielt die Festrede auf das deutsche Vaterland. Kaum hatte man sich danach im Schutze der geräumigen Zelte niedergelassen, als ein Gewitter mit Hagelschauer herniederging, wie man es lange nicht erlebt hat. Kaum ließ aber der Regen nach, so trieben die Tanzlust und die verlockenden Weisen der Kapelle die frohen Festteilnehmer auf die nun vollständig staubfreien Tanzböden. Leider störte dann und wann ein neuer Guß von oben das schöne Vergnügen; später setzte man sich bei Becherklang und Lustgesang über die schlechten Launen des Welters hinweg. m. Friedberg, 18. Juli. (Eigener Drahtbericht.) Gestern abend ertrank hier beim Baden in der Wetter der Schüler der hiesigen Gewerbeakademie, Kern. Man nimmt an, daß ein Herzschlag die Ursache ist. Friedberg, 17. Juli. Der jüngst vorstorbeue Dr. Wilh. Curtman, der einzige Sohn des früheren Hofgerichtsadvokaten Curtrnan und Enkel des berühmten Pädagogen Seminardirektors Curtman, hat testamentarisch der Stadt Friedberg 45000 Mk. vermacht als Grundstock eines Baufonds für den Ausbau der beiden Türme unserer Stadtkirche. Mainz, 17. Juli. Eine Cchreckensfahrt machten gestern abend Passagiere auf der Rückfahrt von Bingen nach hier mit dem Boote „Elberfeld". Nach 7 Uhr, gerade als Geisenheim passiert war, erhob sich ein furchtbares Unwetter. Der Sturm fegte fast alles vom Deck weg, was nicht festgehalten wurde. Die Hüte flogen nur so in den Rhein hinein. Das alles konnte jedoch den Humor der Passagrere zunächst nicht stören. Plötzlich erfolgte aber ein heftiger Ruck. Man glaubte anfänglich, das Schiff sei aufgefahren. Beim Nahen an den Landungsbock in Freiweinheim wurde es wider diesen geworfen oder umgestoßen, sodaß die Landungsbrücke vollständig in die Hühe gehoben und schwer beschädigt wurde. Auch die „Elberfeld" erlitt Beschädigungen. Eine halbe Stunde mußte manövriert werden, bis das Boot wieder von dem Bocke flott gemacht werden konnte. Inzwischen wurde der Sturm immer ärger. Auf dem Zwischendeck im Salon versuchten die Leute mit ihren Kindern die Kajüte zu erreichen, allein sie war bis zum Treppeiraufgang Kopf an Kopf gefüllt. Plötzlich stürzte das große Zeltdach mit seinen eisernen Stangen auf bem Salonptatz ein, das elektrische Licht er löschte und eine wahre Panik entstand. Alles flüchtete auf das Vorderdeck. Ein Frankfurter Herr wurde von einer eisernen Stange am Kopf getroffen und erheblich verletzt. Endlich kam das Schiff nach Eltville. Dort verließen eine Anzahl Wiesbadener, Mainzer und Frankfurter das Schiff, die es vorzogen, mit der Eisenbahn weiter zu fahren. Hochheim, 17. Juli. Als verdächtig, den Naub- mordversuch bei Wicker am 8. zum 9. Juli ausgeführt und dabei den Arbeiter Schedlich verletzt und beraubt zu haben, wird der Hilfsarbeiter Josef Mayer, ged. 9. Februar 1882 zu Fulnek (Bez.-Hauptmannschaft Neutischein in Mähren), 'teckbrieflich verfolgt. Mayer wohnte bis zum 3. Juni in Bockenheim. Güterverladestelten. Herr Abg. Leun hat uns noch einmal ein großes Schreiben geschickt, in dem er auf die Eisenbahnverhältnisse von Großen-Linden zurückkommt, „um", wie er sagt, „zu beweisen, daß die Bahnverwaltung zu kurzsichtig nxrr". Unsere Bemerkung, daß die Verhältnisse von der Erbauung der Main- Weserbahn bis zur Errichtung der dortigen Personenhaltestelle sich wesentlich geändert hätten, erklärt er für „nicht zutreffend". Wir müssen gestehen, daß wir bisher die Verwaltungskunst des Herrn Bürgermeisters von Großen-Linden erheblich höher eingeschätzt haben, als er es selber mit dieser Bemerkung tut. Oder sollte wirklich Großen-Linden im Laufe von 40 Jahren so wenig Fortschritte gemacht haben, daß damals genau das gleiche Bedürfnis nach Errichtung einer Güterverladestelle vorhanden war wie in unseren Tagen? Herr Leun beklagt im weiteren nochmals die „stiefmütterliche" Behandlung der Orte Watzenborn und Steinberg und meint zum Schluß, „daß es in Oberhessen keinen Ort von der Größe Watzenborn-Steinbergs mehr gibt, der wohl Personenverkehr, aber keine Güterverladestelle besitzt." Darauf sei ihm. folgendes erwidert: Das Bedürfnis nach einer Güterverladestelle ergibt sich aus der Ausdehnung der bereits vorhandenen und des zu erwartenden Güterverkehrs, nicht aus der Bewohnerzahl eines Ortes. Wenn auch die sehr gewerbfleißigen Orte Watzenborn und Steinberg mehrere Zigarrenfabriken haben, und wenn ihnen auch zu ihrer weiteren erfteulichen Entwicklung alles dazu Notwendige herzlich zu wünschen ist, so müssen doch die Behörden einige Garantie dafür besitzen, daß die Errichtung einer Güterverladestelle durch genügenden und dauernden Verkehr auch Gewinn bringt und nicht nur dem Staate Kosten macht. Wenn eine erhebliche Erzeugung von geringwertigen Massen- artikeln stattfände, die einen weiten Transport bis zur nächsten Güterverladestelle nicht vertragen, würde sich die Einrichtung einer Gtüerverladestelle in Schiffenberg, auch ohne staatliches Gewinn zu Gunsten der gewerbefleißigen Bevölkerung, rechtfertigen. Diese Voraussetzung wäre u. a. gegeben, wenn neben den Watzenborn-Steinberger Fabriken und neben den Bedürfnissen der dortigen Landwirte, ihre Produkte bequemer als bisher von Großen- Linden aus zur Bahn bringen zu können, obendrein in der Nahe der Haltestelle ein abbauwürdiges Basaltlager von großer Mächtigkeit sich finden wurde. Daß in jener Gegend ein Basaltsteinbruch sich befindet, ist uns bekannt. Also u. E. kommt es im wesentlichen darauf an, daß der Besitzer dieses Steinbruches die Wünsche der dortigen Bewohnerschaft kräftig zu unterstützen vermag. Hätte err Leun von vornherein sich dessen Hilfe gesichert, dann hätte sein Antrag bei der Regierung vielleicht eine bessere Aufnahme gefunden. Besitzer ist, so viel wir wissen, die Stadt Gießen. Zur Zeit besitzt allerdings eine ganze Anzahl Orte Güterverladung, aber von so geringer Ausdehnung, daß er kaum lohnen dürfte, z. B. Geilshausen, Odenhausen u. a., die jährlich vielleicht noch keine 1500 Tonnen Güterverkehr aufweisen. Andererseits liegen aber manche Orte so weit von einer Bahnstation mit Personenverkehr ohne gleichzeitige Güterverladestelle entfernt, daß für sie die Einrichtung des Güterverkehrs doch wohl dringender wäre, als für andere schon mit Güterverkehr aus- gestattete Stationen. Beispielsweise hat Kirch-Göns nur Per- fonenverkehr, obwohl eine ganze Anzahl Orte voraussichtlich von dort ab ihre Güter versenden könnte, wenn dort eine Güterverladestelle wäre. Es sind dies Kirch- und Pohl-Göns selbst, sowie einige preußische Orte. Auch die Station O st h e i m bei Butzbach hat keine Güterverladestelle, obwohl in ihrer Nahe große Orte liegen, und andere Orte es dorthin bedeutend näher haben würden, als jetzt nach Butzbach. Tie Bewohnerzahl dieses Verkehrsbezirks ist sehr erheblich größer, als diejenige von Schiffenberg. Soviel uns bekannt, besitzt Garbenteich nur Stückgutverkehr, uUb die dortige Bewohnerschaft hält es gewiß für nötiger, daß ihre Station erst einmal vollen Güterverkehr bekommt, bevor neue Stationen mit Güterverkehr eingerichtet werden.. Auch Rödgen hat keinen Güterverkehr, obwohl hier die drei Orte Rödgen, Trohe und Alten-Buseck liegen. Angersbach bei Lauterbach ist selbst Station, hat aber u. W. keinen Güterverkehr, obwohl der Ort über 1200 Einwohner zählt. Derartige Beispiele lassen sich noch mehrere anführen, wenn man genügend Zeit hat, um den Verkehrsbezirk der einzelnen Stationen , zu berechnen. Wir wiederholen, daß es uns freuen würde, wenn der Anwohnerschaft der Station Schiffenberg eine Güterverladestelle in absehbarer Zeit beschieden würde. Die obigen Ausführungen aber, die hvir gelegentlich durch weitere zu ergänzen gedenken, haben aber doch wohl bargetan, daß sich die vorläufig abschlägig Be- schiedenen vorerst damit trösten müssen, daß es anderen Stationen von ähnlicher Größe und Bedeutung nicht besser geht. * Ein Raubmord am Brocken? Dieser Tage lagerte eine Gesellschaft von Touristen auf dem Brockenwege unweit des Schneelochs. Plötzlich hörten sie einen Schuß fallen, und als sie dem Schall nachgingen, kam ihnen ein Herr entgegen, der sagte, es liege dort ein Toter. Dies war auch der Fall; nach den Vorgefundenen Papieren war es der Oberpostpraktikant Hehde aus Magdeburg. Die Leiche hatte einen Schuß im Rücken, die an der 'Hinterseite der Hose befindliche Tasche war herausgezogen. Ein Teil der Touristen blieb bei der Leiche, der 'andere ging mit dem fremden Herrn nach Ilsenburg zurück, wo Anzeige erstattet wurde. Der betr. Herr wurde unter Polizeiaufsicht gestellt. Nach der „Magdeb. Ztg." war Hehde, dessen Portemonnaie fehlt, ein lebenslustiger unverheirateter Mann im 32. Lebensjahre. Der „Brschw. Ldsztg." berichtet ein Augenzeuge noch: Die Leiche zeigte im Genick eine Wunde, aus der viel Blut geflossen war. Eine Tasche vom Beinkleide des Toten war herausgezogen und erweckte den Anschein, daß ein Raubmord vorläge. Doch sand sich in der Weste noch die Uhr vor. Alles Suchen nach einem Mordinstrument war vergeblich. Unterwegs begegneten wir einem älteren Mann, der auf Befragen angab, den Toten ebenfalls liegen gesehen zu haben, jetzt aber nach feinem Sohne suche, den er am Ilsenburger Bahnhofe zu treffen hoffe. Nachdem wir ihn veranlaßt hatten, mit uns nach Ilsenburg zu gehen, traf er dort mit einem ungefähr 20jährigen jungen Manne zusammen. Seine verworrenen Angaben veranlaßten die Behörde, ein eingehendes Verhör anzustellen. Es ist allerdings unwahrscheinlich, daß ein Wegelagerer den Angriff am hellen Tage und an einer so belebten Touristenstraße gewagt hätte, zumal er hören mußte, daß nur wenige Minuten vom Tatorte entfernt eine größere Gesellschaft lagerte. * Ein furchtbarer Sturm in Südamerika. Ein Gießener, der Verwandte in Argentinien hat, stellte uns eine ihm zugegangene Nummer der in Buenos Aires erscheinenden „Deutschen .La Plata-Ztg." zur Verfügung, in der folgendermaßen über ein entsetzliches Unwetter berichtet wird: „Um die durch die Ueberschwemmung des Parana schon so sehr geschädigten beiden Eolastines noch mehr zu strafen, entfesselte sich über sie am 13. v. 9)L ein solcher Sturm, der den Namen Huracan rechtmäßiger Weise verdient. Es wollte und wollte an jenem Morgen nicht Tag iverden, derart war der Himmel von Wolken bedeckt, die schier endlose Regengüsse entsandten, bis schließlich gegen 8* */„ Uhr ein Sturm eintrat, der alles vor sich niederfegte. Colastine Sud büßte wohl sämtliche noch existierenden Ranchos ein und die großen Schuppen der Eisenbahn und von Privaten wurden schwer beschädigt; doch trotzdem war dies noch wenig im Vergleich mit Colastine Norte, das fürchterlich heim- gesucht wurde. Die Wellen gingen dort 4—6 m über den First des Eisenbahnschuppens, rasierten zwei italienische Pfahlbauten, Restaurants, die schon 10 Jahre existierten, einfach weg, hoben das Haus unseres Landsmannes Kirchner wie ein Spielball hoch in die Höhe und ließen es dann zurücksallen, so daß es, zusammengeklappt wie ciu Kartenhaus, mit seinem Inhalte gänzlich zerstört wurde. Die Polizei büßte den massiv gebauten calabozo ein, ein Teil des Almacens von Vyo Hns. stürzte ein, einer der Brüder galt als ertrunken, doch war er nur von dem Wasser verschlagen worden; ca. 8 gute Holzhäuser wurden zerstört, ganz abgesehen von der Unzahl Ranchos. Das Schlinnnste jedoch war, daß die Laguna Guadalupe sich mit dem Rio Colastine vereinigte und auf diese Weise die Eisenbahnstrecke dermaßen unterwtsich, daß wohl 90 Waggons einfach untkippten und so nicht mehr als Wohnungen zu gebrauchen sind. In den stehen gebliebenen logieren bis zu je drei Familien. Sehr viele Familien gehen freiwillig mit den Rettungs- dampsern weg, doch die meisten wollen ausharren, um auf diese Weise von ihrer früheren Habe noch zu retten was möglich ist, da sie sonst wohl nichts mehr finden würden. Um 9 Uhr morgens hatten wir schon wieder Sonnenschein und nur das kolossal aufgeregte Wasser gab Zeugnis von dem Geschehenen. Jetzt fällt ja der Fluß ein wenig, doch um die drei Meter, die er über den Hasengeleisen steht, wieder zurückzugehen, wird er langeZeit brauchen. In Santa Fe ist, wie Sie wißen, die elektrische Befeuchtung in den Häusern eingestellt und besorgen den Straßendienst zwei Maschinen der alten Anlage. Um dies jedoch bewerkstelligen zu können, nnlß eine Dampfpuinpe das in die mangelhaft ansgeführten Fundamenlkeller der neuen Maschinen eindringende Wasser aus- pumpen, damit die Hauptkabel trocken bleiben. Eine andere muß en? Dieser Tagt ans dem Brockenhörten sie einen gingen, kam ihnen rt ein Toter. Dies nen Papieren war e aus Magde- m Rücken, die an asche war heraus- bei der Leiche, der 4 Ilsenburg zurück, Herr wurde unter ».M/warHehde, o. Äszig." berichn te im Genick eine , Eine Tasche von, , und erweckte den Doch fand sich in buchen nach einem >cg§ begegneten wir angab, den Toten aber nach seinem ihnhofe zu treffen n, mit uns nach einem ungefähr Leine verworrenen ^gebendes Verhör peinlich, daß ein ,e und an einer so al er hören mußte, tsernt eine größere üdamerika. Ein m hat, sieM unS Buenos Ains e> uir Verfügung, m Unwetter beratet MZ der" Simmels? edierenden ltlbCr ■Scrlid) be'w' n§ bild'* be§ m über l«epflU* lvca, boben ball bocb . t ffie "'a"'L"2e Tie * ff& ;o ein, ein er- vertagen ° yn, -geseben JfJ o^itn« te«® S niet«®? Il< ’1( #l" ii"M 5'® '• >eaen- über W er, d^^jtbra"d>^ ette^Hw® l“ i bl= isSi: s,K obendrei» ■ W«" ® k kfaet Aj L erschüft Nein, herein Kg in Sätet, n .y tun n ejn«. ml- Än» ^°erladeü?i^ion eberkebr« ? ent- '=0ona °us- WJä nur Per- ZL^K •J'MI di« BäS e«. Anch Wt btt drei orte Niersbach • «• «men *55 Sn'. man der einzelnen Eta. S- dem btt K. v' M^lle in Ausführungen aber gedenken, lieben io.usig abichlägig M es anderen Sta. E besser geht. das Wasser aus dem Rauchkanal und eine dritte auS den Schwrmg» radgruben entfernen. Unser vorerwähnter Landsmann Kirschner hat sein gesamtes Hab und Gut verloren, und geht bereits unter den Deutschen Santa Fe's eine Kollekte für denselben herum. • Kleine Tageschronik. Wegen Verdachts des G a t - /enmordes wurde der Arzt Dr. Karl RothinThalmaassing hi Bayern verhaftet. — In Kiel hat der Fähnrich jur See Suckau aus übertriebenem Ehrgefühl Selb st mord begangen. — Der württembergische Tourist Fran, Rau ist in den Emieberger Dolomiten abgestürzt und hat mehrfache Verletzungen davon getragen. — Beim Abstieg von denJumeaux-Svitzen zwischen dem Valpelline und dem Daltournanche wurden Turiner Alpinisten von einer S t e i n l a w i n e überrascht. Ter Führer Ludwig Maquignaz ist tot, drei Touristen sind verletzt. — In Bley berg an der belgisch-deutschen Grenze stieß infolge eines Wortwechsels ein 13 jähriger Knabe einem 1b jährigen ein Messer in die Brust, wodurch dieser getötet wurde. Der Mörder wurde verhaktet. — In Birminäham sind 45 Kinder unter Vergiftungserscheinungen erkrankt. Die Vergiftung stammt von dem Genüsse von E i s e r ö in e, das von italienischen Straßen Verkäufern verkauft wurde. Die Volksmenge versuchte zwei italienische Straßenverkäufer zu lynchen. — In B e r l i n versuchte sich amGrabe ihresBräutigams das 24jährige Fräulein Hildegard Gebauer zu vergiften. Sie wurde besinnungslos auf dem Friedbofe aufqefunden; neben ihr lag ein Fläschchen mit Lysol. — In H e r n e i. Westf. ist gegen die Gattin eines höheren Beamten ein Strafverfahren eingeleitet worden. Sie steht im Verdacht, die Verfasserin zahlreicher anonymer Briefe zu sein, durch die Der besten Gesellschaft angehörenden Personen in letzter Zeit fortgesetzt beleidigt wurden. — 2)er, Turm der alten Nikoleikirche in Kopenhagen ist baufällig. In der vergangenen Nacht sielen schwere Gesimsteile in die Tiefe, wodurch die Anwohner in Schrecken gesetzt wurden. Die Umgebung der,Kirche ist für den Verkehr vollständig abgesperrt worden. Kunst uno ZStsterftchaN — Das neue deutsche Theater in Philadelphia. In diesen Tagen erfolgte in Philadelphia die Grundsteinlegung zum Bau des. neuen deutschen Theaters. Der erste Spatenstich wurde am Schillertage getan, und nun sind die Borarbeiten soweit gediehen, daß die Ecksteinlegung vorgenommen werden konnte. Die Feier gewann ein ganz besonderes Interesse dadurch, daß die deutschen Turner, die als Gäste der Philadelphia-Turngemeinde in Philadelphia weilten, ihr beiwohnen konnten. Für den Bau des Theaters ist 1 Million Mark vorgesehen. Von dieser Summe sind 600 000 Mark durch Aktiensubskription zu 40 Mark per Anteilschein fast ausschließlich unter den Deutschen Philadelphias und die restierenden 400 000 Mark durch eine Hypothek aufgebracht worden. Der Bau wird nach den Planen und unter der Leitung des ldseutschen Architekten Karl Berger ausgeführt und soll bis Februar 1906 vollendet sein. Newyork, 16. Juli. Peary hat heute die Reise zur Erreichung des Nordvols angetreten. Oertchtslaal. Wismar, 17. Juli. Am 25. Mai d. I. hatte Ober- /eutnant Levde vom zweiten Bataillon des'Füs.-Regt. Nr. 90 gegen 6 Uhr nackmnttags ein Mädchen, angeblich durch einen unglücklichen Zufall bei im Scherz erfolgter Handhabung der Waffe, erschossen, mit dem er seit längerer Zeit ein Verhältnis hatte. Am 6. Juni hatte er sich wegen dieses Vorfalles unter der Anklage der fahrlässigen Tötung vor dem Kriegsgericht in Wismar zu verantworten. Das Urteil lautete auf Dienstentlassung und 21/« Jahre Gefängnis. Gestern verhandelte das Oberkriegsgericht in Altona die Revision gegen dieses Urteil. Das Oberkriegsgericht hob die Dienst-Entlassung auf und verwandelte die Gefängnisstrafe in $e ft = N'ngsbaft von gleicher Dauer. Landwirtschaft. (sd.) Darmstadt, 17. Juli. Heute vormittag fand hier auf dem Pferdemarktplatze die öffentliche Versteigerung von Äenn Znchtfohlen statt, welche im Auftrage des LandeS- pferdezuchtvereins durch den Gutsbesitzer K'. Fritsch in Dilshofen unter der Beihilfe des Stabsveterinärarztes Höhnte von Darmstadt direkt uz Belgien angekauft wurden. Es wurden bezahlt für die jüngeren Fohlen 520 bis 760 Mark, für die alteren 14 bis 1700 Mark. Käufer waren die Herren E d l e r - Trebur, D am a nn-Biebesheim, Bill-Niederweisel, Brückmann- Nonnenau, Bender-Griedel, Rühl-Worms imb Fritsch- Dilshofen. Der belgische Schlag hat sich bekanntlich seit etwa 10 Jahren! sehr eingebürgert, da die Pferde ruhiger arbeiten nick auch zur Zucht sehr gut geeignet sind. Kandel nrd K erste lr. Volkswirtschaft. Berliner Börse vom 17. Juli 1905. (Mitgeteilt von der Bank für Handel und Industrie, Gießen.) Prival-Diskont 2»/, Prozent. Anfangs- u. Schlußkurse. Oest. Kredit .... 207.10 207.30 Deutsche Bank . . . 238.60 238.90 Darmstädter Bank 143.60 144.20 Bochumer Guß . . . 248.75 248.50 Harpener Bergbau . . 219.75 218.70 Tendenz: Ziemlich fest. München, 15. Juli. Bezüglich der an der Berliner Börse neuerdings kursierenden Gerüchte über den Erwerb der Harpener Kohlenbergbaugesellschaft durch Bayern können die „M. N. N." feststellen, daß die Gerüchte ebenso jedes Grundes entbehren, wie die früher aufgetauchten. Das Verkehrsmimsterium habe bisher keine einzige der ihr gemachten Offerten für annehmbar befunden und sei auch mit keiner Gesellschaft in Verkaufsverhandlungen getreten. Erz-Kuxe. F e r n i e. Angebot 3500, Nachfrage 3450. Ausbeuten und Zubußen 1903 : 225- 1904 : 300. Gießener landwirtschaftlicher Wetterdienst. Voraussichtliche Witterung in Hessen für Mittwoch, den 19. Juli 1905: Zunächst Trübung und stellenweise, besonders in Oberhessen Gewitterregen und Abkühlung. Später wieder etwas ausheitemd. Näheres durch die Gießener Wetterkarte. Briefkasten der Redaktion. (Anonyme Anfragen bleiben unberücksichtigt.) W. Gr. Derartige Anfragen gehören eigentlich in den Inseratenteil. Wenden Sie sich doch an Herrn Buchbinder Kühn, der Ihnen gewiß gern bereitwilligst Auskunft erteilen würde. Wir werden Ihre Frage vielleicht demnächst in einem längeren Artikel beantworten. Griginal-Draljlmeldunjien. rmk. Darmstadt, 18. Juli. Am Donnerstag wird mit dem Schnellzuge um 9.40 Uhr das Großherzogs- paar von Schloß Hemmelmark wieder auf Schloß Wolfs- g art en eintreffen. Prinzessin Heinrich wird sich gleichzeitig mit ihren Söhnen nach dem Süden begeben. Prinz Heinrich wird den Uebungen seines Geschwaders beiwohnen. Berlin, 18. Juli. Geh. Kommerzienrat Adolf Frentz, Präsident des deutschen Handelstages und Mitglied des Herrenhauses ist gestorben. Berlin, 18. Juli. Die gestern abgebaltene P ü ck l e r - Versammlung, in welcher Graf Pückler gegen die Groß- Bazare sprach, nahm einen stürmischen Verlauf, als ein Christlich-Sozialer erklärte, Gras Pückler hätte besser getan, wenn er in Mein-Tschirn e geblieben wäre. Es wurde versucht, den Redner von der Tribüne zu reißen. Bei dem furchtbaren Lärm schloß der Versammlungsleiter die Versammlung. Polizei wies dann die Teilnehmer aus dem Saal. Berlin, 18. Juli. Der Schriftsteller Dr. Shirt Grotten witz, bekannt durch seine naturwissenschaftlichen Arbeiten, ist im Alter von 40 Jahren im Langensce bei Grünau beim Baden ertrunken. Duisburg, 17. Juli. Der frühere Fabrikbesitzer Gerhai^ Terlinden, der im Herbst 1903 wegen eines Kvnkurs-Ver- brechrns zu 3 Jahren Zuchthaus verurteilt worden war, wurde von der Strafanstalt in Münster, wo er die Strafe verbüßt, nacht einer Irrenanstalt überführt, da Zweifel über seine geistige Gesundheit entstanden sind. Greifswald, 18. Juli. Bei einem Säbelduell verletzte ein Ungar im Falschkampf den Studenten Faber tätlich, indem er ihm einen Lungenstich beibrachte. Kattowitz, 18. Juli. Unweit der russischen Grenze auf deutschem Gebiete wurde die Leiche eines russischen Flüchtlings gefunden, der durch einen Grenzposten erschossen wurde. Die Untersuchung ist eingeleitet. Gotha, 18. Juli. Dem „Goth. Tagebl." zufolge reichte Prinz Philipp von Sachsen-Coburg-Gotha soeben die Ehescheidungsklage gegen die Prinzessin Luise bei dem Landgericht ein. Loudon, 17. Juli. (Unterhaus.'« Bei der Beratung der Fremdenbill bringt die Regierung einen Antrag ein, nach welchem der Mangel an Mitteln zum Lebensunterhalt kein Grund sein soll, den Fremden auszuschließen, der nach England zuwandern will, um zu vermeiden, daß er ans religiösen oder politischen Gründen oder wegen politischer Angriffe verfolgt und bestraft wird, oder nur der Verfolgung wegen religiöser Ueberzeugung zu entgehen. Der 'Antrag wird angenommen. Reichenberg in Böhmen, 18. Juli. In den KellcrräumeN der Gürtlerci Hübner in Gablonz ereignete sich eine Benzinexplosion, bei welcher Frau Hübner und ein Dienstmädchen schwer verletzt wurden. Während der Löscharbeiten der Feuerwehr erfolgte eine zweite Explosion, durch welche 28 Feuerwehrleute furchtbare zum Teil tödliche Brandwunden erlitten. Petersburg, 18. Juli. Vor mehreren Tagen reiste von hier eine besondere Sektion des Marinegerichtes nach Manila ab, um dort gegen den Admiral Enquift Anklage wegen seiner Flucht während der Schlacht von Tsuschima zu erheben und ihn vor das Marinegericht zu stellen. Warschau, 18. Juli. Ein Racheakt wurde an der Panskagasse verübt. Ein Unbekannter feuerte drei Reoolver- schüsse auf den Oberschutzmann Golembiowski ab, der sofort getötet wurde. — 450 Vertreter der polnischen Intelligenz unterzeichneten eine Protestadresse gegen den Beschluß des Minister-Komitees bezüglich der polnischen Sprache. Tokio, 17. Juli. Einem hiesigen Blatte zufolge hat Japan nicht die 'Absicht, in der Mandschurei zu verbleiben. Es habe auch bereits die 'Absicht ausgedrückt, seine Truppen aus der Provinz zurückzuziehen, sobald die Lage es gestatte.____________________________________________ a ist als Kranken- 13 kost unübertroffen wegen, ■ JR ■ L j L J H h seiner leichten Verdaulichkeit, K&aofiip M & Ja appetitanregenden Wirkung, seines hohen Wertes an Nähr- und Ausbaustossen und seiner blut- bildenden Eigenschaften. Es schmeckt angenehm und ist fertig zum Gebrauch in Apotheken, Drogerien usw. das 1/i Kilo Mr. 8.— erhältlich. Man lese die Berichte der Professoren, Aerzte und medizin. Zeitungen. bT/< Todes-Anzeige. Gestern nachmittag 4 Uhr entschlief sanft nach kurzem, schwerem Leiden unser lieber, guter Vater, Schwiegervater, Großvater, Bruder, Schwager und Onkel Hm Heinrich Hofmann V. Kirchenvorstand und Ortsgerichtsmann im 63. Lebensjahre. Die trauernden Hrnterbttebenen. Heuchelheim, den 18. Juli 1905. 04747 Die Beerdigung findet Mittwoch, den 19. Juli, nachmittags 6 Uhr vom Sterbehause, Bachstraße 34, aus statt. Vttlseßmß non BimMen. Die zur Herstellung einer Stützmauer an der Kreisstraße von Odenhausen nach Rüddingshausen erforderlich werdenden Arbeiten und Lieferungen und zwar: Erd- und Maurerarbeiten veranschlagt zu 222,50 Mk. und Schlofferarbeiten „ „ 232,— „ sollen im Wege schriftlichen Angebots vergeben werden. Angebote sind bis zum 25. Juli l. Js., vormittags 10 Uhr im Amtszimmer des Unterzeichneten (Regierungsgebäude Zimmer Nr. 20) abzugeben, wo auch Voranschlag, Pläne und Bedingungen eingesehen werden können. Gießen, den 17. Juli 1905. Der Großh. Kreisbauinspektor de§ Kreises Gießen. _______________Diehm. ___________B“/7 Hiermit mache ich meiner geschätzten Kundschaft die ergebene Mitteilung, daß ich am 1. August d. I. mein Geschäft von Kaplansgasse 10 nach 04716 Kircbenplatz U Eingang Schloßgasse verlege. Ich werde nach wie vor jede Reparatur prompt und billig ausführen und bitte um recht zahlreiche Aufträge. Bis zum 1. August werde ich, um für den Umzug mein bedeutendes Lager zu verringern, einen Ausverkauf meiner garantiert Solinger Stahlwaren zu bedeutend ermässigten Preisen abhalten und bitte um geneigten Zuspruch. A. lasse, Messerschmied. Freitag den 21. Juli d. I., nachmittags 3 Uhr, sollen auf Antrag der Erben des verstorbenen Dr. Wilhelm Curtman doh Gießen die zu dessen Nachlaß gehörigen Immobilien Flur 5 No. 304, 1063 qm Hof- reite Flur 5 No. 3046/10, 468 qm Grabgarten auf der Rodthohl auf hiesigem Ortsgericht öffentlich und meistbietend versteigert werden. Gießen, 15. Juli 1905. B18/t Großh. Ortsaerickt Gießen. I. V.: Keller. a Photographische Apparate GIESSEN Bedarfsartikel. Aufruf zur Erweiterung der EpileptischemAnstalt in Nieder-Ramstadt. Unsere im Herbst 1900 eröffnete Heil- und Pflegeanstalt in Nieder-Ramstadt mußte schon zwei Jahre nach ihrer Eröffnung durch den Bau eines zweiten Flügels erweitert werden. Und jetzt schon, nachdem die Zahl unserer Pfleglinge auf über 90 gestiegen, stehen wir vor der Notwendigkeit einer abermaligen Erweiterung. Diese Notwendigkeit wird am besten beleuchtet durch den Hinweis, daß unsere Anstalt in der kurzen Zeit ihres Bestehens 118 Kranke ausgenommen hat und daß 225 Aufnahme-Gesuche bei der Anstalts-Leitung eingelaufen sind. Die Erweiterung ist in der Weise geplant, daß ein besonderer Ban errichtet werden soll, bestimmt zur Unterbringung dec älteren männlichen Pfleglinge, während im Hauptbau die jüngeren männlichen und die sämtlichen weiblichen Kranken Aufnahme finden sollen. So nötig dieser Neubau aber auch ist, es kann mit Rücksicht auf die große Schuldenlast, die auf der Anstalt ruht und zu deren Verzinsung jährlich beinahe 8 000 Mk. aufzubringen sind, nur dann zur Ausführung desselben geschritten werden, wenn das hessische Volk, wie bei der Gründung der Anstalt, seine tatkräftige Hilfe uns zuwendet. Wie ohne Unterschied der Konfession Epileptische in Nieder- Ramstadt Aufnahme finden, so richten wir unsere Bitte um solche Hilfe an alle Bewohner unseres Landes, an Hoch und Niedrig, an Arm und Reich. Die erbetene Hilfe kann gewahrt werden durch freie, einmalige Spenden, wobei wir auch für die kleinste Gabe dankbar sind, sowie durch kleinere oder größere niederverzinsliche Darlehen. Die große, vielseitige Teilnahme, die unferm Liebeswerk an denen, die zu den Aermften unter den Armen gehören, seit seinem Bestehen zugewendet worden ist, läßt uns hoffen, daß diese unsere Bitte um besondere Unterstützung eine opferwillige Antwort finden wird, und das, ohne daß die regelmäßig uns zufließenden Gaben sich vermindern. Zentralstelle für Gaben bei Pfarrer Widmann, Darmstadt. In Gießen nehmen die Herren Regierungsrat Dr. Wagner uud Pfarrer D. Schlosser, sowie die Geschäftsstelle des Gießener Anzeigers Gaben entgegen. Empfangs-Bescheinigung erfolgt in dec „Darmstädter Zeitung." Darmstadt, Juni 1905. Der Landesausschuß des Vereins „Anstalt für epileptische Kinder und Jugendliche im Großherzogtum Hessen": Pfarrer Widmann, Darmstadt, Vorsitzender. Oberamtsrichter Dr. Lahr, Darmstadt, stellvertretender Vorsitzender. Fabrikant Theodor Böhm, Offenbach. Dr. Collatz, Darmstadt. Geh. Medizinalrat Dr. Draudt, Darmstadt. Dr. Ganß, Nieder-Ramstadt, Anstaltsarzt. Bürgermeister Dr. Göttelmann, Mainz. Prooinzialdirektor Freiherr von Grancy, Darmstadt. Geh. Oberbanrat Klingelhöffer, Darmstadl. Oberbürgermeister Köhler, Worms. Medizinalrat Dr. Lehr, Darmstadt. Oberbürgermeister Morneweg, Darmstadt. Geh. Obermedizinalrat Dr. Neidhardt, Darmstadt. Pfarrer D. Schlosser, Gießen. Pfarrer Steiner Schwanbeim. Regierungsrat Dr. Wagner, Gießen. Pfarrer Waldeck, Beerfelden. Pfarrer Weimar, Nieder- Ramstadt, Anstalts-Inspektor. 3790 Zwiebelkuchen. Montag, Mittwoch «. Freitag 3576 von 9 Uhr ab. Hofbäcker Noll. 3618 Mtr 993|4°|o Zuckergehalt zum Einmachen uud zur Weinbereituug wie bekannt billigst bei teHitr Mu. Flechten nSss. und trockene Schuppenflechte skroph. Ekzema, Hautausschläge, offeneFüsse Beinschädeu, Beingeschwüre, Aderbeine, b8se Finger, alte Wunde» sind oft hartnäckig; wer bisher vergeblich hoffte geheilt tu werden, mache noch einen Versuch mit der bestens bewährte» RINO-SALBE frei von Gift u. Säure, Dose Mk. 1.—. Dankschreiben gehen täglichebu Wedu, KepbUlia J« 15. WalrU I» Benzoeritt. Venet. Terp, Kaopferpnaele^ Perubilsim Je 5, Eigelb SO, Cbryurobin OA. Zu haben in den Apotheken. Hirsch-Apotheke und Universitäten ______Apotheke in Glessen. Radikale, schmerz- und gefahrlose Beseitigung von Hühneraugen n in einigen Minuten^ ohne Messer- und ohne Aetzung, ttt und außer, dem Hause, auch auswärts. Postkarte genügt. [1685 WÜh. BalSCr, Lindenplatz 12. 1SHT in verschiedenen Längen stets» vorrätig empfiehlt billigst B^,iR©sentiial Lrebigstraße 13. 3766- Bekanntmachung. In unser Handelsregister A44 wurde heute eingetragen, bie Firma »Richard Hahn, Apotheker* zu Hungen. Inhaber istr Richard Hahn, Apotheker daselbst. Hungen, den 15. Juli 1905. B,8/7 Großber^oaliches Amtsgericht. ch An die Mitglieder sämtl. Festausschüsse MU Morgen, Mittwoch, vormittags IIV2 Uhr belieben Sie auf Oswqldsgarten zur -zu erscheinen. Der Geschäftsführende Ausschuß t,8/r Helm. Per Juxplatz an der £ahn bleibt Dienstag und Mittwoch mit meinen Fahrgeschäften Karussell and Schaukel nochmals geöffnet Zu recht zahlreichem Besuch ladet ein 04750 J. Waldorf. "■ Pensionat Glücksburg “ — Ostseebad Glücksburg, Schleswig-Holstein, — staatlich konzessioniert, gegründet 1684, unter Leitung zweier staatlich geprüfter Vorsteherinnen, denen ein Stab tüchtiger Lehrer und deutscher, englischer und französischer examinierter Lehrerinnen zur Seite steht, sowie eine Dame, welche die jungen Mädchen in bte praktischen Beschäftigungen des Haushalts, der Gartenpflege rc. einfuhrt. 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