Nr. 142 ©fieetet tSOlich au fett Sonntag». Dem Siebener Anzeiger werben im Wechsel mit bem vessifchen Landwirt die Siebener Samtlien* Hitler viermal in bet Woche beigelegt. Rotationsdruck tu Verlag bet B rü hl'lchen Un nx^.-vuch-n. Stein» bnuferei. N. Bange. Rtbafttim. trpebüto* imb Druckerei: OchntVeatze T. flbrefie für Depeicheu: Anzeiger (Äiefcen, Krrniprkchanlchiuß Nr 61. Dienstag Ä0. Juni 1905 155. Jahrgang Erstes Blatt JW G W G mnna,*»7?*'eo'.rtrf. GlchenerAnzeigerW w General-Anzeiger tSSgt v v den polit und iJ l Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen ZMZ zeigentetl: bnn« Beck Pie heurige Htummer umfahl 8 Seiten. -thü- L. Deutilh-Südwestatrika. Nach einem aus Windhuk einqeqanqenen Telegramm ist der englische Oberstleutnant Trench von der Royal- Artillerie in Gibraltar, welcher dem Hauptquartier deS Generals v. Trotha zugeteilt ist, am 8. Juni in der Lüderitzbucht ein» getroffen, und seit dem 10. Juni auf dem Marsche nach Keetmannshoop, wo er voraussichtlich am 17. Juni ein* getroffen sein wird. Trench war während der vorjährigen Manöver zum Kaiser kommandiert und ist mit den afrikanischen Verhältnissen vertraut. Eine Kapstadter Meldung drahtet, Oberst Neylan, Befehlshaber an der Damaralandgrenze, welcher in Kapstadt angekommen sei, habe die Meinung ausgedrückt, daß die Rebellen Mangel an Munition leiden. Die deutschen Soldaten seien jung und unerfahren, die deutschen Offiziere tapfer und unerschrocken. jedoch wahrscheinlich in Tokio unterzeichnet. Tie Umzingelung der russischen Mandfchnreiarmee. Petersburg, 19. Juni. (Pet. Telegr.-Ag.) General Linewitsch telegraphiert dem Kaiser unter dem 17. ds.: In der Nacht vom 16. zum 17. ds. waren unsere Truppen in der Nähe von Liaoyangrossin in einen Kampf verwickelt. Der Feind war mit Infanterie und zwei Batterien von Süden her bis auf 5 Kilometer an Liaoyangrossin herangekommen. Unsere Truppen besetzten ein Dorf südlich von Liaoyangrossin und hielten den Feind in seinem Vorrücken auf. Gegen 6 Uhr morgens zogen sich die Japaner zurück. Gegen 8 Uhr morgens bemerkten wir, daß der Feind mit einem Bataillon und drei Eskadrons eine UrngehungSbewegung auf unserem linken Flügel machte. Gleichzeitig wurde gemeldet, daß unser rechter Flügel von einem Infanterie-Regiment, 23 Eskadrons und Artillerie umgangen sei. Dies zwang den Befehlshaber unserer Truppen, Liaoyangrossin zu räumen, um seine Truppen auf dem rechten Flügel zu sammeln und einen Kavallerie-Angriff vorzubereiten. Die Japaner rückten in der Stärke von einer Division Infanterie, 30 Eskadrons und vier Batterien in Liaoyangrossin ein. Gegen 10 Uhr vormittags besetzten drei japanische Eskadrons Symiatschen, wurden aber von unseren Truppen wieder vertrieben. — Am 16. ds. früh ging eine japanische Kompanie östlich der Eisenbahn wieder zum Angriff vor, wurde aber gegen 6 Uhr von einer Abteilung freiwilliger Jäger zurückgeschlagen. — AuS Korea wird vom 15. dS. gemeldet, daß die Japaner auf Hongchen und Musau vorrücken. — Unter dem 18. ds. telegraphiert Linewitsch, daß nichts neues zu melden ist. Weiteres vom Kriegsschauplätze. London, 19. Juni. Einer Drahtmeldung aus Schanghai zufolge wurde der türkische Militär - Attachee Oberst Derter Bey von einer Kugel am.Bein verwundet, während er an den militärischen Operationen in der Mandschurei teilnahm. Tschifu, 19. Juni. Die Japaner haben die europäischen und amerikanischen Firmen ausgefordert, Port Arthur zu verlassen und ihre Waren zu entfernen__________________________ und Rußland zum Frieden zu führen, im Falle des Ge- ingens den Vereinigten Staaten einen maßgebenden politi- chen Einfluß verschaffen würde. In gewissem Sinne beendet sich Rußland jetzt in der Lage Spaniens zu der Zeit, als zwischen diesem und den Bereinigten Staaten die Friedensverhandlungen durch Frankreich in die Wege geleitet wurden. Auch Spanien hatte verlorene Schlachten und Verlust der Kriegsflotte aufzuweisen Frankreich war allerdings in höherem Masse Gläubiger Spaniens, als die Union es Japan gegenüber ist. Ties finanzielle Moment spricht gleichwohl auch im letzteren Falle mit. Andererseits ist der politische Einfluß Frankreichs dadurch, daß eß den Pariser Frieden vermittelte, nicht im mindesten gewachsen, und wenn man die anders geartete Konstellation der Paeisie-Politik selbst nach jeder möglichen Entwicklung hin berücksichtigt, so ist doch nicht zu ersehen, inwiefern die Union auf Grund eines Washingtoner Friedens zu maßgebendem politischen Einfluß gelangen sollte. Vom Raffenstandpunkt auS, der ja grade in der amerikanischen Politik seine besondere Bedeutung hat, möchte man eher meinen, daß der Siegeslauf der Rooseveltschen Staatskunst an Japan, der gelben Vormacht, ein Hemmnis finden wird, wenn es auch zurzeit scheint, als bestehe zwischen Washington und Tokio eitel Freundschaft und Verträglichkeit. Roosevelt will wohl nur einer allzu großen japanischen Macht vorbeugen und die Philippinen schützen. Aus einem Interview mit einem hohen ruff. Staatsbeamten geht hervor, daß Rußland anfänglich den Wunsch ausgesprochen hatte, die Friedensverhandlungen im Haag stattsinden zu laffen. Japan lehnte dies aber ab. Direkte Vorverhandlungen sollen auf dem Kriegsschauplätze selbst und zwar zwischen Kuropatkin und Nogi stattfinden, an die sich die Hauptverhandlungen in Washington anschließen sollen. Der eventuelle Friedensvertrag würde Bekanntmachung. Wegen Vornahme von Kanalisationsarbeiten wird die Löberstraße zwischen Bismarck- und Gartenstraße von heute an bis auf weiteres für den Fuhrverkehr gesperrt. Gießen, am 19. Juni 1905. Großh. Polizeiamt Gießen. Herberg. per Krieg. Ao? der frledevspolitischcn Perspektive. Der -kriedensvermittelungsversuch des Präsidenten Roosevelt wird in seiner Bedeutung für die nori» amerikanische Union hier und da wohl doch überschätzt. Man begegnet beispielsweise der Auffa,ung, die Staaten Europas, nicht zuletzt Deutschland, hatten sich diese Gelegenheit, -inen im weitesten Smne maßgebenden Einfluß zu erlangen, durch Präsident Roosevelt aus der Hand nehmen lassen. Davon kann, soweit Deutschland ,n D-trach kommt, nicht die Rede sein. Denn Deutschland ist entfernt davon, solchen Einfluß anzustreben, besonders in $?Wcn' wo für seine Politik das Heil allein m der Neutrlckitat und Beschränkung liegt. Das in Bremen gesprochene Wort des Kaisers von der öden Welt Politik ist wohl gerade auf derartige großpolitische Probleme zu beziehen Uebrigens darf bezweifelt werden ob die Absicht Roosevelts, Japan Kirche und Schule. Rom, 19. Juni. Heute ist eine Enzyklika deS Papstes an die italienischen Bischöfe veröffentlicht worden. Sie betrifft die Tätigkeit der christlich-dernokratisch en Katholiken und der Geistlichkeit. Der Papst ermuntert darin zur Begründung von Volksvereinigungen, um die sich alle anderen katholischen Verbände volkswirtschaftlichen Charakters scharen müßten, und fordert die Katholiken auf, sich an dem öffentlichen politischen Leben zu beteiligen und zwar in einer der christlichen Zivilisation und dem materiellen Wohl deS Volkes dienenden Weise. Der Papst fährt fort, die Kirche werde immer zeigen, daß sie die Fähigkeit habe, sich zeitentsprechenden Bedürfniffen der bürgerlichen Gesellschaft anzupaffen. Die Katholiken, welche wirtschaftlichen Vereinigungen angehörten und an öffentlichen Verwaltungen teilnähmen, müßten immer von der Oberhoheit bet Kirche abhängig sein, sie sollten hingegen, soweit rein weltliche Interessen in Frage kämen, die weiteste Freiheit genießen. Der Papst tadelt sodann diejenigen, welche diesen Grundsätzen nicht folgten, und ermahnt die Geistlichkeit, sich von Parteikämpfen fernzuhalten. Der XIV. Deutsche Evangelische Schul* kongreß tagte in diesem Jahre in Wernigerode. Realgymnasialdirektor Dr. Zange auS Erfurt referierte über die Bedeutung des konservativ-nationalliberalen Schul- kompromisses in Preußen. Die 1. Hauptversammlung am Mittwoch brachte nach der Eröffnung durch den Vorsitzenden Geh. Reg.- und Prov.-Schulrat Dr. Leimbach.Hannover den Vortrag des Profeffors D. Kemme aus Heidelberg über die Frage: „Wer war Jesus?" Dieser Vortrag ge- ftaltete sich zu einer Abwehr aller Versuche, die Persönlich, feit Jesu ihres göttlichen Inhalts zu entleeren, und zu einem Bekenntnis zu dem eingeborenen Sohn Gottes. In der zweiten Hauptversammlung lehnte die Versammlung das in der Barth'schen „Nation" gezeichnete Schulideal des Lehrers Tews in Berlin ab und erklärte eS für unzulässig, es als Gchulideal der deutschen Lehrerschaft zu bezeichnen. Außerdem nahm die Versamm« lung eine Resolution zugunsten deS konservativnationalliberalen SchulkompromisseS an. An dem Volks- und Familienabend sprachen Pfarrer Potz-Rheydt, Schulrat Dr. Frohnmeyer-Nagold (Württemberg) und Hofprediger a. D. Stöcker-Berlin über die Familie als Grundlage des Volks- und Staatswohl, die den einzelnen Familienmitgliedern als solchen obliegenden Verpflichtungen, den Wert, der häuslichen Erziehung usw. Dem Referat deS Gymnasialdirektors ProfefforS Dr. Wendel-Herford Über das Themar „Warum ist in den BildungSwirren der Gegenwart eS durchaus notwendig, der Jugendbildung eine einheitliche Weltanschauung zugrunde legen und welche muß diese (ein?* folgte eine Diskussion. Ferner berichteten Katechet SynesiuS Fischer aus Außiq lBöhmen) über das evangelische Schulwesen in Oesterreich und Rektor Eberhard-Zarrentin (Mecklenburg), der sich jüngst längere Zeit in Palästina aufgehalten, über das Schulwesen in Jerusalem. Aufgabe zu unterstützen." , , M Die Delegierten, so schließt die offiziöse Petersburger Drahtung, haben von dem Empfange einen guten Eindruck gewonnen: auch der Kaiser war befriedigt. Wir wollen hoffen, daß sich nach diesen Kaiserworten die besten Wünsche der russischen Liberalen erfüllen. Vorläufig nimmt indes die Gärung im Reiche und namentlta) in Polen zu. In Warschau laufen sehr pessimistische Gerüchte seit einigen Tagen um, nach denen es heißt, daß revolutionäre Banden beabsichtigen, alle Häuser der Aristokraten zu plündern. Dieses Gerücht wird auch in Poltzei- treifen als begründet aufgefaht und die russischen Beamten werden deshalb ersucht, ihre Familien nach dem Innern Rußlands zu senden. In den aristokratischen Meisen herrscht große Aufregung. Die Besitzenden deponieren ihre Wertsachen bei Banken. Hohe Beamte erhielten eine vertrauliche Zirkularnote, in welcher die Frage an sie gestellt wird, nach welchem Ort sie abzureisen gedenken. Am Lamstag abend wurde in der Warschauer Vorstadt Praga em Schutzmann durch einen Revolverschuß schwer verwundet, und in Warschau selbst am Montag ein Ober- chutzm ann durch einen Revolverschuß ge tö tet. Große Unruhen fanden in der Fabrikstadt Borkow statt. An tausend Arbeiter veranstalteten Exzesse, wobei es zu einem Zusammenstoß mit den Kosaken kam. Auf beiden Seiten wurden mehrere Personen verwundet. Am Sonntag marschierten 2000 Personen, darunter auch den, mit Fahnen und Gesang von der Mrche des Nachbarortes Lagieweiki nach Lodz. An der Stadtgrenze wurde ihnen vom Militär der Weg versperrt. Die Kavallerie gab aus ihren Karabinern mehrere Salven ab. 3 8 P e r s o n e n sind tot und verwundet. Nachrichten aus dem Gouvernement Mohilew bestätigen Ausbruche von Bauernunruhen. Nach Prebestin wurden Dragoner, nach Kasiusan Kosaken' zur Unterdrückung der Bewegung geschickt.. Der Prozeß gegen Maxim Go r k r ist desrnttw n r e d e r- 0Cf|JraÖbem Palais Trepow wurde am Montag ein tunger Manu verhaftet, der dringend verdächtig ist, em Attentat geplant zu haben. — Der Kaiser verlieh bem Generaldirektor der Hamburg Amerika-Linie, D a l l i n , den Stern zum Kronenorden 2. Klasse, dem Vräs ident en der Akademie der Wissenschaften zu München, Professor v. He igel den Monenorden 2. Klasse mit Stern und h-rnt Vorsitzenden 'des Aufsichtsrats der Hambur^Amerika-Linie T i e t g e n s den Kronenorden 2. Classe. — Die Mitglieder der englischen Kommission zum Zwecke des Studiums der städt. Einrichtungen im Auslande, etwa 60 Herren, wurden heute abend im Rathause empfangen. Oberbürgermeister Kirschner, um den sich die fremden Gäste in teils malerischen Amtstrachten stmm'ttttn, führte etwa aus: „Unser" werten Gäste sind gekommen, um daS deutsche Städtnvesen kennen zu lernen Die Aufgaben sind Überall dieselben, daS geistiae und fi!fließe Wohl der Bevölkerung zu fördern, nur die Wege dahin sind verschiedene; daher ist es nur ratsam, wenn nmn Vergleiche anstellt. Bei dieser ihrer Ausgabe heißt der Bürgermeister die fremden Gaste herzlichst willkommen. Der Kaiser nimmt ebenso wie die Bevölkerung des Reiches und die Bürger Berlins lebhaftesten Anteil an dem Besuch der Kommission. Die deutsche und die englische Nation sind eng verbunden durch Verwandtschaft der Herrscher» Häuser, sowie durch die gegenseitige Verehrung und Anerkennung der Geistesh"lden." Eisenach, 19. Juni. In Sachen des he vin gischen Lotterie-Vertrages fand hier eine geheime Minister-Konferenz der hessisch-thüringischen und preußischen Minister und Dezernenten statt. Wie verlautet, sind die wichtigsten Nunkte festgesetzt wordm. Ale Audienz öeim Aaren und die Stimmung in Rußland. Arn Montag mittag empfing der ruff. Kais er tn Peterhof die Abordnung des Sernstwo-Kou- gresfes in Moskau und zwei Vertreter von Petersburg. Die 10 Abgeordneten des Moskauer Kongrefses stehen, wie heute die Petersb. Tel.-Ag. meldet, unter der Führung des Grafen Heyden. Fürst Tru betzkoy richtete an den Kaiser eine längere Ansprache, in derer die schwierige Lage Rußlands darlegte, welche die Semstwos gezwungen hätte, sich an den Kaiser direkt zu wenden. Die Ausführungen des Fürsten Trubetzkoy, die eine halbe Stunde dauerten, machten einen tiefen Eindruck auf den Kaiser. Sodann sprach Fedorow als Vertreter Petersburgs. Der Kais er er widerte: „Ich bin erfreut, Sie gehört zu haben, ich zweifle nicht, baß Sie geleitet von einer glühenden Vaterlandsliebe waren, indem Sie sich direkt an mich wandten. Ich bin mit Ihnen und mit dem ganzen Volke aufs tiefste betrübt gewesen, ich bm es noch über das Unglück, welches der Krieg über Rufstand brachte und über die Drangsale, welche noch eintreten können, sowie über alle Wirrnisse im Innern. Zerstreuen Sie Ihre Bedenken, mein Wille ist ein souveräner Wille, ein unerschütterlicher; die Zulassung der Erwählten zu den Arbeiten des' Staates wird ordnungsgemäß durchgeführt werden. Jeden Tag wache ich über diesem Werke und widme mich ihm; Sie können dies allen, die Ihnen nahestehen, mitteilen, mögen sie auf dem Lande oder in den Städten wohnen. Ich bin fest überzeugt, daß Rußland aus den Prüfungen, die es überstanden hat, verjüngt hervorgehen wird, und daß sich wie dies früher der Fall war, eine Einigung zwischen dem Kaiser und ganz Rußland bilden wird, eine Uebereinstimmung zwischen mir und den Männern der rupi- schen Erde, eine Einigung und Uebereinstimmung, welche als Grundlage für die Ordnung der Dinge in einer den ursprünglichen Grundsätzen entsprechenden Weise dienen soll. Ich habe das Vertrauen zu Ihrem aufrichtigen Wunscge, mich m dieser Deutsches Reich-, Cuxhaven, 19. Juni. Der Kaiser ist gestern abend an Dovd der „Hohenzollern" hier eingetrossen. Die Fahrt nach Helgoland wurde wegen deS ungünstigen Wetters aufgegeben Heute mittag sind die „Atlantic^ und andere Jachten hier einaetroffen. Heute vormittag besuchte der Kaiser die Jachten Meteor Iduna, Hamburg und die Stationsjacht Alice Roosevelt. — Zur Frühstuckstafel waren geladen: Admiral v. Bendemann, Admiral von Eisendecher, Kapitän Karpff, sowie die Herren Huldschinsky, Guillaume und Leutnant v. Plessen. Der Kaiser empfing heute nachmittag an Bord der „Hohenzollern den Geheimrat Busley und, arbeitete später. Berlin, 19. Juni. Der Kr onpnn z nahm der „Pos^ zufolge dieser Tage Gelegenheit, sich . darüber au sz ul assen, wie sich fein und seiner Gemahlin künftiges Leben ge altcm^dürfte.^ der Thronfolger, „daß mir der liebe Gott meinen Vater noch recht, recht lange erhält. Meme Frau und ich, wir beide haben uns als Ziel gesteckt, uns auf bem weiten Gebiete der Volkswohltätigkeit, der Krankenpflege, derReligion und deS U u t e r r t cb t § und der schönen Wissenschaft und K u u st zu brtätig'M. Wir wollen lernen und unseren Wisseuskreis wetten, b.mut wir später einmal befähigt sind, zu urteilen und Anregungen zu geben. Wir sind jedem dankbar, ber un§ hilft, dav zu erreichen “ Ausland. London, 19. Ium. Die spanischenHeiratspläne sind hier gescheitert. Wie versichert wird, war das Projekt der Heirat des Königs AlsonS mit der Prinzessin von Connaught von dem spanischen Minister des Aeußern, Villaurutia, ausgegangen, der sich dabei zugleich mit der Hoffnung getragen haben soll, seinen Posten in dem arg gefährdeten spanischen Kabinett mit dem Botschafterposten in London zu vertauschen. Bei dem Entschluß der Prinzessin, den Antrag ab zu lehnen, spielte eine wesentliche Rolle der Umstand, daß sie ihre Konfession nicht wechseln wollte. Ein von der englischen öffentlichen Meinung höchst mißbilligter Brief, den König Alfons unter dem Einfluß seiner Minister an den Kardinal von Barcelona gerichtet hat, dürfte die Prinzessin in ihrem Widerstande gegen diese Partie bestärkt haben. Paris, 19. Juni. Unter dem Titel „Zwischen Tanger und Hamburg" erzählt ein hiesiges Morgenblatt über die verschiedenen Perioden der Unterhandlungen in der Ma- rokkofrage folgendes: „Am Mittwoch unterbreitete Fürst Radolin ein klares Ultimatum und deutete an, daß Frankreich zwischen England und Deutchland zu wählen habe. Rouvier verlangte 48 Stunden Bedenkzeit. Am folgenden Tage hatte Rouvier eine Unterredung mit dem englischen Botschafter. Dieser ersuchte, sich mit seiner Regierung verständigen zu können. Sonntag überbrachte er die Antwort. Lord Lansdowne lehnte den Vorschlag kategorisch ab und teilte der französischen Regierung mit, daß eine Zustimmung Frankreichs zur Marokkokonferenz von England als ein feindlicher Akt betrachtet werden würde. In diesem Falle würde die englische Regierung die Aktion in Marokko wieder aufnehmen. (Von London kommen dagegen heute sehr einlenkende Nachrichten. Doch verlautet, eine Unterredung zwischen Graf Metternich und Lansdowne habe beide Teile vollauf befriedigt und es sei in den gegenwärtigen Stellungen der beiden Länder in der Marokkofrage eine fast völlige Klärung zu stände gekommen. Madrid, 10. Juni. Don Carlos und Alphons oon Orleans unternahmen vorgestern einen Spazierritt in der Umgebung von Tardo. Prinz Alphons verlor sich auf einem Nebenwege im Gebirge und wurde nach zwei Stunden tot aufgefunden. Keer und Klotie. — Das in Mannheim und Heidelberg garnisonierende 2. bad. Grenadierregiment Nr .110 wird bei der Kaiserparade des 18. Armeekorps die am 8. September in der Nahe von Homburg v. d. H. stattfindet, von seinem Chef, dem Kaiser, persönlich vorgeführt und aus diesem Anlaß zum Garderegiment erhoben und mit Gardelitzen ausgezeichnet werden. — Der ehemalige Fähnrich zur See Hüs jener hat nunmehr seine Strafe in Weichselmünde a b g e b ü ß't. Er ist zum Besuch seiner Angehörigen in Neuwied eirrgetroffen. — Major v. Sydow im Braunschweigischen Infanterieregiment Nr. 92 ist der A b s ch i e d mit der gesetzlichen Pension bewilligt worden, v. Sydow wurde bekanntlich wegen Mißhandlung seines Töchterchens in einigen Fällen vom Kriegsgericht zu vier Monaten Gefängnis verurteilt. Diese Strafe wurde in der Berufungsinstanz vor dem Oberkriegsgericht in eine Geldstrafe von 300 Mk. verwandelt. Prozeß de Castres. R. B. Darmstadt, 19. Juni. Ein Monstreprozeß, wie in Darmstadt seit Jahren keiner da- aewesen ist, hat heute vor der hiesigen Strafkammer seinen Anfang genommen und wird voraussichtlich die ganze Woche in Anspruch nehmen. Es handelt sich um das Ehepaar de Castres, das im Mai v. I. aus der Schweiz hier herkam und in ganz kurzer Zeit eine große Reihe von Schwindeleien und Betrügereien verübte. Die Anklage lautet auf Betrug, Kurpfuscherei, Kautionsschwindel usw., und es ist eine große Anzahl von Zeugen, auch ausländischen, und Sachverständigen geladen. In einer Ecke des großen Schwurgerichtssaales, in welchem die Verhandlung stattfindet, sind zahlreiche Kisten mit Druckschriften, Flaschen mit medizinischen Aufschriften usw. aufgestellt. Der Angeklagte ist von kleiner schmächtiger Figur mit langem schwarzen Vollbart und ziemlich sicherem Auftreten: die Ehefrau ist völlig in Schwarz gekleidet und hat trotz ihrer erst 37 Jahre bereits stark ergrautes Haar. Das saubere Ehepaar befindet sich bereits seit August v. I. in Untersuchungshaft. Besonders erschwert wurde die Untersuchung dadurch, daß beide Angeklagte kein Deutsch zu verstehen behaupten und deshalb alle Verhandlungen mit Hilfe des Dolmetschers, Prof. Dr. Leitolf, geführt werden müssen. Auch erforderten die Nachforschungen über das Vorleben und die Straftaten der Angeklagten im Auslände viel Zeit und Geldaufwand, de Castres ist geborener Belgier aus Tornay und 43 Jahre alt, er ist in seiner Heimat bereits dreimal wegen Betrugs vorbestraft und hat auch in Straßburg wegen desselben Verbrechens bereits IV2 Jahre Gefängnis verbüßt. Im Jahre 1900 heiratete er die Tochter aus einer angesehenen Schweizer Familie in Luzern. Maria Elisabeth Meyer von Schauensee, Frau de Castres ist 37 Jahre alt und hat das schweizerisch Handelsschul- lehrerinnen-Examen bestanden. Zwei der Ehe entsprossene Kinder wurden nach der Inhaftnahme des Ehepaars nach Belgien in Pflege gegeben, ein drittes, in der Untersuchungshaft geborenes, starb bald darauf. Die Angeklagten kamen fast vollständig mittellos nach Darmstadt, logierten in hiesigen Hotels und leiteten sofort die Errichtung einer Handelsschule und einer Heilanstalt ein, wofür sie die großartigste Reklame machten. Sie erließen große Annoncen in den Blättern und bestellten u. a. bei einer hiesigen Druckerei 110 000 Reklamebogen mit den verlockendsten Anpreisungen. Der Drucker hat durch Nichtbezahlung . einen Schaden von über 1900 Mark erlitten. Unter, den 17 weiteren Betrügereien befindet sich auch folgende: Die Angeklagten mieteten sich eine Wohnung für 1600 Mark und kauften gleich darnach in der Frankfurter Straße ein Haus für 140 600 Mark, auf welches sie 4000 Mark einzahlten, welche Summe sie sich durch falsche Vorspiegelungen verschafft batten. Weiter beschwindelten sie Herrn Georg Karl Fischer hier um 5000 Mark, Friseur Wiegands Ehefrau um 600 Mark, Georg Röder um 500 Mark, doch nahmen,sie auch mit kleineren Beträgen von 10—200 Mark vorlieb. Diese Betrügereien erfolgten in Darmstadt, Villingen, Augsburg und Göppingen. Die Hauptvergehen bestehen aber darin, daß . de Castro, der überhaupt kein Medizinisches Examen gemacht hat, sich unter Vorspiegelung falscher Tatsachen als Heilkundiger und Spezialist für alle chronischen Krankheiten ausgab, der bereits zahlreiche glänzende Heilerfolge aufzuweisen habe. Er sei Direktor des in Darmstadt bestehenden Heilinftituts „Sanator" und vermöge alle Krankheiten einschließlich der vorgeblich unheilbaren gänzlich zu heilen, und zwar ohne Operation, durch die eine oder die andere der neuen und einzig wissenschaftlichen Methoden usw. Ferner hat de Castres auch ohne polizeiliche Erlaubnis Arzneien, deren Handel nicht freigegeben war, feilgehalten und verkauft. Die Anklagebehörde vertritt Staatsanwalt Dr. Wolff, die Verteidigung führt Rechtsanwalt Dr. .Bopp. Nach der Verlesung des Anklagematerials, unter welchem die pomphaften Heilreklamen Aufsehen erregten, erfolgte die Vernehmung der beiden Angeklagten. Frau de Castres wurde vom Richter in deutscher Sprache befragt und beantwortete auch alle Anfragen in ziemlich fließendem Deutsch. Ihre Vernehmung bot im wesentlichen nichts neues. Sehr umfangreich gestaltete ich das Verhör des Hauptangeklagten. Er hat, wie durch Verlesung der Gerichtsakten festgestellt wird, auch bereits in Straßburg ganz ähnliche Schwindeleien verübt, wie die setzt unter Anklage gestellten und sich zur ungenierteren Ausübung seines Kurpfuschertums den medizinischen Doktor titel beigelegt: in Darmstadt führte er sich als „Professor" ein. Der Angeklagte gibt auf Befragen an, daß er in Brüssel und einigen anderen Orten Medizin studiert habe, dann Versicherungsinspektor war und auch in der Journalistik tätig gewesen sei. Er gibt die ihm zur Last gelegten Straftaten in der Hauptsache zu, bestreitet aber jede betrügerische Absicht dabei. Dasselbe hat auch die Ehefrau des Angeklagten behauptet. Sehr gründlich gefaltet sich die Vernehmung über die vom Angeklagten verübten Knrpfuschereien und die dafür angepriesenen Mittel, über welche er in so leisem Tone Auskunft gab, daß am Journalistentisch kein Wort davon verstanden wurde. Nur soviel ging daraus hervor, daß er seine Kürpfuschereien mit größtem Raffinement betrieb, auch „briefliche Behandlung" ausübte und vielfach hoffnungslos Erkrankte schamlos ausbeutete. Weiter mußte der Angeklagte zugeben, daß er in Belgien wegen Bankerotts, Betrugs, Unterschlagung, Zechprellereien vorbestraft ist. Ueber sein Vorleben befragt, erzählte er, daß ein Bruder in Belgien Artillerieoffizier sei unb er dies ebenfalls werden wollte, aber die Mittel hätten nicht ausgereicht. Da sei er dann in'S Kloster gegangen, habe sich aber bald wieder daraus entfernt und Medizin studiert. Er habe in Zürich ein großes Sanatorium errichten und ein Haus für 250 000 Fr. für diesen Zweck erwerben wollen, sei dann aber nach Deutschland ausgewandert. Die Vernehmung des Angeklagten und die Verlesung der Strafakten wurde nm V22 Uhr abgebrochen. Die Fortsetzung der Verhandlung erfolgt morgen früh 8 Uhr._____________________________ Aus Stadt und Land. Gießen, 20. Juni 1905. * * Personalien. S. K. H. der Großherzog haben den Oberlehrer am Herbstgymnasium zu Mainz, Professor Heinrich, zum Oberlehrer am Osiergumnasium zu Mainz, den Kreisamtsgehilfen bei dem Kreisamt Offenbach, Herling, zum Kreisamtsgehilfen bei dem Kreisamt Erbach, den Bureau- gchilfen Kirsch bäum zu Erbach zum Kreisamtsgehilfen bei dem Kreisamt Lauterbach ernannt. Dem Amtsrichter bei dem Anttsgericht Alzey, König, wurde der Charakter als Amts- gerichtsrat erteilt. Der Gerichtsassessor Dö lp aus Darmstadt wurde zum Amtsrichter bei dem Amtsgericht Ulrichstein, der Gerichtsassessor Dr. vonBecker aus Darmstadt zum Amtsrichter bei dem Amtsgericht Homberg ernannt. * * Auszeichnung. Dem Rangiermeister Albert Nau von hier wurde von Sr. Mas. dem Kaiser die Medaille nebst Diplom für 25jährige treue Dienste bei der Eisenbahn verliehen. * * Der Generalkonsul der Republik Uruguay Arturo Roberto Brown ist lt. „D. Ztg." zur Ausübung konsularischer Funktionen im Großherzogi um Hessen zugelassen worden. Ter Amtssitz des Generalkonsulats ist von seinem bisherigen Sitze in Hamburg nach Berlin verlegt worden. ** Von der Landes Universität. S. K. H. der Großherzog hat den außerordentlichen Professor der Physiologie Dr. med. Otto Frank zu München zum ordentlichen Professor in der medizinischen Fakultät der Landesuniversität, insbesondere für das Fach der Physiologie, mit Wirkung vom 16. Juni 1905 ernannt. ** Der Sängerkranz veranstaltet sein diesjähriges Waldfest am nächsten Sonntag am Ludwigsbrunnen. ** Ein Bienenschwarm hatte sich heute auf einem der Lindenbäumchen in der Schulstraße, vor unserem Geschäftshause, niedergelassen. Ein davon unterrichteter hiesiger Bienenzüchter fing den Schwarm ein. ** Ein Gottfried Schwab-Denkmal wird in Darmstadt am 20. d. Mts., gelegentlich des dort stattfindenden Delegiertentages des Verbandes deutscher Journalisten und Schriftsteller, in Gegenwart des Großherzogs und der Großherzogin enthüllt werden. Professor Ludwig Habich hat das Denkmal aus dem Motiv des antiken Adoranten, einer in Bronze gegossenen Jünglingsgestalt, die nach griechischer Sitte die Arme im Gebet zur Gottheit erhebt, hergeleitet. Der Landesfürst selbst hat aus freiem Antrieb Platz und gärtnerische Anlagen zur Verfügung gestellt und zwar am stimmungsvollen Alexandraweg, unmittelbar am Aufgang der Künstlerhausstraße der Mathildenhöhe. ** Der Jahresbericht der Handelskammer für den Kreis Wetzlar für 1904 ist uns im Druck zugegangen. Der Bericht erwähnt u. a., daß über die enogiltige Gestaltung des Entwurfs für di" Erweiterung des Bahnhofs Wetzlar bisher lt. Mitteil- nng der Esienbahudirektion eine Entscheidung noch nicht getroffen worden sei. Im vorigen Jahresbericht hat die Kammer schon darauf hingcwiesen, daß der Bahnhossbezirk auch dringend die Errichtung eines Postamtes am Bahnhof Wetzlar wünscht. Sie glaubt sicher annehmen zu dürfen, daß bei dem bevorstehenden BahnbofsAmbau in das Projekt auch Räume für ein Postamt ausgenommen werden. Von den Bewoynern, namentlicy von der Geschäftswelt dieses Stadtteils wird die große Entfernung vom Postamt als sehr lästig empfunden. Durch ein Postamt am Bahnhof wurde auch zugleich eine Vereinfachung und Beschleunigung des Depeschenverkehrs für den Stadtteil Wetzlar-Niedergirmes erzielt, und die Klagen würden in Fortfall kommen, daß Geschäftsdepeschen vom Babutele- graphenamt nicht angenommen werden. — Im übrigen erwähnt der Bericht u.' a. noch, daß der R 0 h e 1 f e n a b s a tz an Fremde immer mehr zurückgehe. Diese unerfreuliche Erscheinung habe ihren Grund in dem Um stände, daß andere Bezirke, die in der Fracht günstiger gestellt sind, die Erzeugung von Gießereiroheisen von Jahr zu Jahr verstärken und dadurch das Msatzgebiet der Werke des Wetzlarer Bezirks beeinträchtigen. (!) Kinzenbach, 19. Juni. Die erste allgemeine Kreis-Ausstellung des Kaninchenzucht-Vereins Kinzenbach, die am 3. Pfingsttag stattgehabt hat, ist gut ausgefallen. Am 2. Pfingsttag war von morgens 10 Uhr ab Konzert, ausgeführt von einem Teil der Musikkapelle des Hess. Füsilier-Rgts. Nr. 80 aus Homburg v. d. H. Um 2 Uhr fand die Wander-Versammlung der Delegierten des mitteldeutschen Kaninchenzüchter-Verbandes statt. Der erste Verbandsvorsitzende, Wilh. Göbel aus Herbornseelbach, hielt im dichtbesetzten Saale einen sehr lehrreichen Vortrag über rationelle und nutzbringende Gestaltung der Kaninchenzucht. Um 6 Uhr erfolgte die Preisverteilung. Ein viele Hunderte zählendes Publikum aus Nah und Fern war herzugeströmt, Die Prämiierung hatte schon Samstags durch den Preisrichter Jul. Pfitzner aus Frankfurt a. M. stattgesunden. Es erhielten Ehrenpreise: H. Pfeiff-Wieseck, K. Pfaff, Gg. Konr. Schmidt und Th. Viehmann-Kinzenbach, Ferd. Pfeiffer- Launsbach, Lehrer Fischer-Garbcnheim und Bäckermeister Deuker-Rodheim: 1. Preise: Lud. Ufer-Garbenheim, H. Gabriel- Gießen und Th. Viehmann-Kinzenbach; 2. Preise: Th. Viehmann und Gg. Konr. Schmidt-Kinzenbach (3 mal), Otto Schwieker-Atzbach und Lehrer Fischer, Christ. Deuner und L. User-Garbenheim; 3. Preise: Konr. Stroh, Gg. Konr. Schmidt, Th. Viehmann, Philipp Hedrich, 2. Viehmann- Kinzenbach, L. Ufer, Wilhelm Bamberger und Lehrer Fischer- Garbenheim, H. Gabriel-Gießen und H. Pfeiff-Wieseck. DaS Verbandsdiplom für die beste Gesamtleistung erhielt Th. Vieh- mann-Kinzenbach mit 39 Punkten. Das Verbandsdiplom für den Verein Garbenheim erhielt L. Ufer mit 21 Punkten. (!) Hohensolms, 19. Juni. Unser Flecken, der ca. 800 Einwohner zählt, hat gegenwärtig viel hohen Besuch. Am Freitag trafen Fürst Karl vanSolms-Lich nebst Gemahlin und ft intern und Prinzessin Dorothea, die Schwester der Großherzogin, im Schlosse ein, und am Sonntag kamen, wie schon gemeldet wurde, der Großherzog und die Großherzogin von Hessen hier an. Gestern kam Fürst Reinhardt, der Bruder der Großherzogin, mit Familie an. Gegenwärtig findet das Kirchweihfest, verbunden nüt bem sog. „Wollmarkt", hier statt. Gestern besuchten auch die hohen Herrschaften das Volksfest auf dem „Hals", einem Hügel mit schattigen Anlagen. Das Großherzogliche Paar sah sichtlich erfreut dem fröhlichen Treiben der Jugend zu und ließ schließlich die Schuljugend auf dem .Karussell mehrmals fahren. Zu der sich um das hohe Paar drängenden fröhlichen Kinderschar sagte der Großherzog': „Ihr werdet mich schon noch öfters hier sehen." Heute um 4 Uhr unternahmen die hohen Herrschaften (das Groß-' Herzogspaar, Prinzessin Dorothea, Fürst Karl und Fürst Reinhardt nebst ihren Gemahlinnen) einen Ausflug nach Braunfels zum Besuch des Fürsten von Solms-Braunfels. Die Fahrt ging über Blasbach, Hermannstein, Wetzlar und Burg-Solms: der Großherzog lenkte selbst das Automobil. Abends 8 Uhr kamen die hoben Gäste wieder hier an. Morgen sollen gelegentlich be5' Wollmarktes an die Schulkinder im Schloßhof Brezeln verteilt werden. Das Großherzogspaar wird in den nächsten Tagen wieder abreisen, während die Fürsten Karl und Reinhardt 14 Tage hier bleiben. 1. Geiß-Nidda, 19. Juni. Heute hat unsere Wasier- leituug ihre erste Feuerprobe bestanden und unser Dorf vielleicht vor einem großen Unglück bewahrt. Früh um 8 Uhr entstand im Hause des Karl 2 0 b f in cf Feuer. Die meisten Leute des Torfes waren mit Feldarbeiten beschäftigt und auch Lohfinck war mit seiner Familie im Feld. Nur zwei Kinder von nnb 4 Jahren waren im Zimmer zurückgeblieben und hier entstand der Brand. Schon hatte er Möbel und Fenster ergriffen, als er bemerkt wurde. Zwei beherzte Männer drangen in das brennende Zimmer und retteten die Kinder, das Kleine aus der brennenden Wiege. Das Kindchen hatte schon so schwere Brandwunden an Gesicht und Händen erlitten, daß an seinem Aufkommen gezweifelt wird. Die wenigen anwesenden Leute setzten den nächsten Hydrant in Betrieb und in einer halben Stunde war das Feuer gelöscht. Als die bedauernswerte Familie aus dem Feld geeilt kam, war alle weitere Gefahr vorüber. Ter Schmerz der Eltern, als sie ihr jüngstes' Kind vor Schmerzen wimmern hörten, war unbeschreiblich. ? Burkhards, 18. Juni. Heute sand das Bezirksfest des Bezirkskriegerverband es Schotten, verbunden mit der 25jährigen Jubelfeier des hiesigen Kriegervereins nebst Ueberreichung der vom Kaiser gestifteten Fahnenschleife statt. Das Dorf war herrlich geschmückt. Trotz des schlechten Wetters hatte sich ein zahlreicher Besuch eingestellt; 22 Kriegervereine waren erschienen. Um 2 Uhr setzte sich der Festzug nach dem Festplatz in Bewegung. Dort angekommen, begrüßte Lehrer Ludwig in einer markigen Ansprache die Erschienenen, worauf der stellvertretende Kreisamtmann, Reg.-Assessor Dr. Heß, mit schönen Worten die verliehene Fahnenschleise überreichte. Die von patriotischem Geiste getragene Festrede hielt Pfarrer Land mann. Marburg, 17. Juni. Die Eisenbahndirektion in Kassel macht bekannt, daß sie in Soest eine Selter- und Fruchtwasserfabrik in eigenem Betrieb einrichten wird. Aus dieser Fabrik soll den Eisenbahnangestellten der Bezirke Paderborn I und II, Arnsberg und Marburg Selter- und Fruchtwasser in Vs Literflaschen zum Preise von 3 und 4 Pfennig abgegeben werden. sj Marburg, 19. Juni. Am Wehrdaer Weg stürzte heute abend ein 18jähriger Kahnbursche aus Schwabendors kopfüber in die Lahn und ertrank. Homburg v. d. H., 19. Juni. Wie der „Taunusbote" meldet, hat nach telegraphischer Meldung des Oberhofmeisters Frhru. v. Mirbach an den hiesigen evangelischen 5kircheuvorstand der Kaiser für den Bau der Erlös er- kirch e zu Homburg ein weiteres Geschenk von 40000 Mk. bestimmt. Frankfurt, 19. Juni. Gestern abend entfernte sich die vierjährige Anna Breitenbach aus der elterlichen Wohnung, um zu spielen. Das Kind, das vergeblich am Abend von seinen Eltern gejucht wurde, fand man heute morgen kurz nach 6 Uhr t 01in einem Kellergewölbe in der Schl'oßstraße, in das es wahrscheinlich hinein gestürzt ist. — In seiner Zelle im Polizeigefängnis wurde gestern morgen der 50 Jähre alte ehemalige Dienstmann Hucke tot aufgefunden. Hucke soll sich in einem Anfalle den Schädel an die Wand gerannt haben. — Am Samstag! vormittag machte sich in der Friedberger Landstraße während der Mwesen'heit der Mutter ein zweijähriges Kind am Herde zu schaffen. Das Kind zog einen großen Topf mit kochender Brühe herunter und schüttete den ganzen Inhalt über sich. Die Rettungswache aus der Burgstraße legte dem Kinde, das im Gesicht und am glanzen Körper mit schweren Brandwunden bedeckt war, die erforderlichen Verbände an und gab das Kind auf dringendes Verlangen der Mutter wieder mit. Am Sonntag morgen ist es bereits an den schweren Verletzungen gestorben. ** Kleine Mitteilungen aus Hessen und den N a ch b a r st a a t e n. In der Nähe der Zahnradbahn am Niederwald bei Rüdesheim wurde in einem Steinbruch die L e i ch e e i n e s M a 1111 c § mit gespaltenem Schädel gefunden. In der Nähe der Leiche lag eine Axt. Per Darmstädter Journalisten- und Schrislstellertag. i. Darmstadt, 19. Juni. Heute nachmittag fand hier die Hauptversammlung der Pensionsanstalt deutscher Journalisten und Schriftsteller unter dem Vorsitze von Direktor O. Wenzel- Berlin statt. Vertreten waren 26 Ortsvereine mit 31 Stimmen. Herr W. Prager-München erstattete den Jahresbericht, wonach die Geschäftslage der Pensionskasse während des verstossenen Jahres eine durchaus befriedigende war. Als Zuschuf; zu den Pensionen wurden für 1906 wie im Vorjahre 80 Mk. pro Kopf festgesetzt. Bei der Neuwahl des Vorstandes wurden die ausscheidenden Mitglieder wiedergewählt; an Stelle des Herrn Samosch-Berlin, der eine Wiederwahl nbgelehnt hat, wurde Frau Ida Boy-Ed ncugewählt. * Der Vorstand des Darmstädter Journalisten- und Schriftstellervereins veröffentlicht in ein paar Darmstädter Blättern eine gleichlautende Erklärung, in der er sich mit einer Fülle von häßlichen Worten wegen seines von uns als „unwürdig" bezeichneten Anklopfens an die Türen der Begüt-rten (vgl. unsere Nr. 136, 2. Bl.) zu rechtfertigen sucht. Er gibt dabei zwar gleichzeitig seine „bedauerliche Ungeschicklichkeit" selber zu, womit seine Entschuldigungsversuche von vornherein ins Wasser fallen. Trotzdem aber scheut er sich nicht, eine versteckte Verdächtigung iu sein neues Skriptum cinfließen zu lassen, die, allerdings in erster Linie an die Adresse zweier Berliner Blätter gerichtet, uns unverständlich geblieben ist und die taktlose Ungeschicklichkeit der Darmstädter Herren aufs neue bekundet. Daß es uns durchaus ferngelegen hat, durch unsere kurzen Bemerkungen zu der wörtlichen Wiedergabe jenes Nund- schreibens „den glatten Verlauf des Delegiertentages Deutscher Journalisten- und Schriftstellervereine im besonderen und den guten Ruf der Stadt Darmstadt im allgemeinen zu schädigen", brauchen wir nicht erst zu betonen. Taktlosigkeiten der Arrangeure haben nichts mit dem Ernste und der Wichtigkeit des Delegiertentages zu tun. Den „guten Ruf der Stadt Darmstadt" aber, der jedem Bewohner Hessens am Herzen liegt, schädigten allein die Verfasser jenes Zirkulars, nicht aber die auswärtigen Tadler jener eingestandenen „bedauerlichen Ungeschicklichkeit". Nicht nur wir und das von den Darmstädter Herren noch angeführte „Mainzer Tagebl." sowie das „Berl. Tagebl." nebst der „Berl. Volksztg.", sondern auch die „Staatsb.-Ztg." m Berlin und noch ' zwei andere hessische Blätter — weitere sind uns nicht zu Gesicht gekommen — obendrein aber mehrere Journalisten-Vereine deutscher Großstädte haben die Art der Darmstädter Festvorbereitungen miß- billigt. Der Mainzer Journalisten- und Schriftsteller-Verein z. B. hat, wie wir im „Mainzer Jouryäk" lesen, beschlossen: „daß seine Delegierten zwar an den Verhandlungen de? Verbandes deutscher Journalisten- und Schriktstellervereme in Tarm- Nadt teilnehmen, den übrigen dortigen Veranstaltungen daaegeli iern bleiben sollen, wenn da? m 11 Recht gerügte V o r- gehendes Darmstädter Vereins, öffentlich nm Beiträge auszufordern, nicht eine befriedigende Aufklärung findet. Bei den Verbandlungen des Delegiertentages selbst, ans dem wichtige und dringliche Berüfsintereffen zur Beratung stehen, wegen einer von dem geschästsführenden Ausschuß in Darmstadt begangenen Ungeschicklichkeit zu „streiken", wäre umso weniger angebracht, als die Delegierten nicht etwa freigehalten werden, sondern zum Lösen einer Teilnehmerkarte von je 15 Mk. verpflichtet sind." Daß der Frankfurter Journalisten- und Schriftsteller-Verein weniger wegen des von uns zum Gegenstände einer kurzen kritischen Erörterung gemachten offiziellen Aufrufes, als vielmehr wegen noch anderer unüberlegter Mißgriffe, von jeder Beteiligung an der Darmstädter Tagung Abstand zu nehmen beschlossen hat, erfuhren wir aus zuverlässiger Oueöe. Die Darmstädter Herren hätten wahrlich klüger getan, auf die vielseitigen abfälligen Aeußerungen über Ungeschicklichkeiten mannigfacher Art zu schweigen. Die Kritik noch mehr als bisher herauszufordern, war die größte aller Ungeschicklichkeiten. Kandel und Werkeln. Aolkswirtschaft. DieBank für Handel undJ n duft rie hat in Alsfeld eine Agentur errichtet unter dem Namen Alsfelder Agentur der Bank für Handel und Industrie. Amerikanischer Tabaktruft. Aus Newhork wird gemeldet: Die Verhandlungen gegen den amerikanischen^ Tabaktruft unter Leitung von Sherman auf Grund des Antitrustgesetzes führten zu der Bekanntgabe eines sensationellen Vortrages, der in das Verhältnis zwischen dem britischen und dem amerikanischen Tabaktrust Licht bringt und in dem die Absatzgebiete für beide Trusts festgelegt werden. Da der Sekretär des amerikanischen Trustes M'Callister die Aussage verweigerte, wurde er wegen Mißachtung des Gerichtes bestraft. Eguitable Lebensversicherungs-Gesellschaft, N e w y o r k. In dieser Angelegenheit fehlt immer noch eine erschöpfende Darlegung über die eigentliche Ursache der Wirren und speziell über den gegenwärtigen finanziellen Status der Gesellschaft. Bis jetzt ist weder der Bericht des staatlichen Versicherungs- Departements, noch der des sog. Frickschen Untersuchungs-Komitees veröffentlicht worden. Aus letzterem liegt einstweilen lediglich ein unvollständiger Auszug vor, dessen Inhalt nicht gerade geeignet erscheint, die Beunruhigung der Versicherten zu verscheuchen. Es ist eine Wiederholung dex Beschuldigungen, die ursprünglich gegen . den Vizepräsidenten Hhde erhoben wurden, nur mit dem Unterschied, daß sie sich auf den ganzen Beamtenstab ausdehnen Die Transaktionen des „Hpde und Konsorten Syndikate" werden schonungslos verurteilt; von Allen, die dabei beteiligt waren, müsse Ersatz verlangt werden. Die Entfernung des Präsidenten Alexander sowohl, wie die der Vizepräsidenten Hyde und Tarbell wird empfohlen. Auch die anderen Beamten der Gesellschaft haben sich, wie der Bericht weiter ausfuhrt, Nachlässigkeit in der Führung der Geschäfte zu Schulden kommen lassen. Der Bericht spricht sich in Bezug auf bie allgemeine Verwaltung in den schärfsten Ausdrücken aus, aber, wie bemerkt, enthält der Auszug keinerlei tatsächliche Angaben, weder über die Beschuldigungen, wie namentlich über deren materielle Tragweite. Die Versicherten interessiert doch m erster Lime zu erfahren, ob und in welchem Umfange die angebliche Mißverwaltung den finanziellen Statiis der Gesellschaft geschädigt hat und ferner wie dieser gegenwärtig beschaffen ist. Bemerkenswert ist nid), dich Clevklond (®j)mifibent der Vereinigten Staaten) Mitglied des Treier-Komitees, in seinem Annahme-Brief geäußert hat, er sei der Ansicht, „das was letzt bei der .Eguitable' vor- gekommen sei, könne sich bei anderen Versicherungsgesellschaften und ähnlichen Korporationen ereignen, so lange Oie lockeren Gepflogenheiten in Bezug auf Atzrautwortlichkett und Vertrauen von unserem Volke geduldet werden." .Das ist zwar auch eint allgemein gehaltene Bemerkung, die aber offenbar als zutreffend anzuerkennen ist. (Frkf. Ztg.) Unsere handelspolitischen Beziehungen zu Schweden undNorwegen. In maßgebenden Handelskreisen ist man der Meinung, daß jetzt die beste Gelegenheit wäre, auf den Abschluß eines Handelsvertrages zwischen Deutschland und Schweden, sowie Norwegen hinzuwirken. Die kommerziellen und handelspolitischen Beziehungen zwischen Schweden und Norwegen selbst sind durch die geänderten Verhältnisse oder wie man Wohl mit Recht sagen darf, durch die Revolution von norwegischer Seite kaum tangiert. Schweden und Norwegen waren schon bislang getrennte Zollgebiete, die sich im Verkehr gegenseitig vollkommen als Ausland behandelten. Auch dem Ausland gegenüber regelte jeder der beiden Staaten seine Handelsbeftehungen für sich. Handelsverträge zwischen dem Deutschen Reich und Schweden-Norwegen gab es bis jetzt nicht, aber es ist, wie schon erwähnt, anzunehmen, daß sich vielleicht die vom Handelsvertragsverein anhängig gemachten Bestrebungen, Handelsverträge mit Schweden und Norwegen abzuschließen, zur Durchführung bringen lassen. Zwischen dem Deutschen Reich und Schweden sind Vorbesprechungen handelsvertraglicher Natur schon im Gange. Das Deutsche Reich hat keinen eigenen Meistbegünstigungsverlrag mit den beiden Ländern, sondern es hat stillschweigend diejenigen übernommen, die eine Reihe seiner Bundesstaaten vor seiner Gründung mit ihnen eingegangen sind. Am dringlichsten wird eine vertragsmäßige Regelung unseres Verhältnisses mit Schweden notwendig. Hier kommen nicht nur in der Höhe der Tarifpositionen, sondern auch in mancherlei anderem Erschwerungen des fremden Handels zum Ausdruck. So wird, wie bekannt, von ausländischen Geschäftsreisenden eine Sondersteuer von 100 Kronen monatlich erhoben, und allerlei Formalitäten machen ihnen überdies noch das Leben recht sauer. Sonst gr es auch noch eine Menge von Gepflogenheiten, deren Befeitigr.ni dem deutschen Handel nur nützlich wäre. Bei einigem guten Willen auf beiden Seiten könnte ein Handelsvertrag zwischen Deutschland und den feindlichen Staaten Schweden und Norwegen ganz gut zustande kommen. The A n g l o - G e r m a n E o p v e r Company L t d. Die Konstituierung dieser Gesellschaft die die Ausbeutung der in Deutsch-Südwestafrika gelegenen Kupfermine „Go- r o b" zum Gegenstand hat, hat stattgefunden. Dem Aussichtsrat gehören sowohl deutsche wie englische Kommerzielle und Bergwerksachverständige , auch Mitglieder des Kolonialamts an. Das Kapital soll in Deutschland und England aufgebracht werden. Dabei möchten wir nur die Hoffnung aussprechen, daß nicht die Deutschen Pas Geld zahlen müssen und den Engländern die meisten Vorteile zusallen. Es liegt die Absicht vor, die Aufträge für den nötigen Eisenbahnbau und die erforderlichen maschinellen Einrichtungen der deutschen Industrie zuzuführen. Mineningenieur I. B. Steiger, der „Goroo" kennt, prophezeit der Mine eine gute Zukunft. Auch die nach der Mine entfanbten Beamten des kaiserl. deutschen Gouvernements sprechen sich, wie wir schon vor einigen Wochen mitteilten, günstig über das Terrain aus. Ein Hauptvorteil für uns Deutsche ist, daß die Entfernung nach Swakopmund nur etwa 150 Kilometer beträgt, das Gelände wenig Schwierigkeiten bittet und im Quissifluß Wasser und Holz reich- Hcb vorhanden ist. Atßeiferßewenun^. Butzbach, 19. Juni. Der Ausstand der hiesigen Maurer dauert, lt. „Butzb. Ztg.", kort. Da sich die Meister bis jetzt zu Unterhandlungen mit den Vertretern der 9(rbeiter nicht bereit erklärten, haben m der abgelanfenen Woche bereits 22 Mann auswärts Beschäftigung gefunden, und im Lanke dieser Woche werden weitere 15 bi§ 20 Mann abreisen. Die Ursache de? Ausstandes sind Lohndifferenzen; die Folgerungen lauten: bi? Ablauk dieses Jahre? pro Stunde 36 Psg., das nächste Jahr 38 Pfg. und das übernächste Jahr 40 Pkg. Der seitherige Stundenlohn betrug 32 Pfg. — Eine Anzahl hiesiger B a ckst e i n rn a ch e r ist in den A n? st and getreten. Aniverfttäts-Kachrichten. — Der Wingolfbun d , dessen Tagung in Eisenach von etwa 450 Studenten aus den meisten deutschen Universitäten beschickt war, faßte folgenden Beschluß: „Der Wingolf steht nicht im Dienste einer bestimmten kirchlichen Richtung, Konfession oder Kirche, sondern ist eine Studentenverbindung, die auf den Glauben an Christus ihre religiöse Weltanschauung und sittliche Lebensführung gründet. Selbst auf dem Boden der akademischen Freiheit erwachsen, tritt der Wingolf für diese altbewährte Grundlage des afab. Lebens, die Lehrend Lernfreiheit, die Vermssungs- und Versammlungsfteiheit, ein. Er verwirft daher die Versuche, geistige Bewegungen innerhalb der Studentenschaft mit äußerer Gewalt zu unterdrücken, und sieht seine Aufgabe darin, seine Mitglieder für die nationalen, sozialen und religiösen Arbeiten und Kämpfe des Lebens zu rüsten. Nach Maßgabe dieser Erklärung begrüßt und unterstützt er einstimmig die auf Wahrung der akademischen Freiheit und den Zusammenschluß der national gesinnten deutschen Studentenschaft gerichteten Bestrebungen des Verbandes deutscher Hochschulen." Wien, 19. Juni. Der hervorragende Professor der Kunstgeschichte Dr. Alois Ryegl ist im 38. Lebensjahre heute hier g e st o r b e n. Kunst und Wissenschaft * — Oskar Blumenthals Drama er tote Löw e", dessen Aufsi'hrung für Preußen Wanntfici) verboten war, ist vom Oberverwaltunasaericht frei gegeben worden. Kherichlsiaal. Frankfurt a. M., 19. JUni. (Oberkri egsge - richt.) Der Arbeitssoldat Josef Klein von der Mainzer Arbeiterabteilung dient jetzt vier Jahre. Zur Arbeiterabteilung haben ihn seine Strafen wegen unerlaubter Entfernung geführt, für die er nachher nie einen Grund anzugeben wußte. Er ist wegen des genannten Delikts allein gerichtlich mit 19 Monaten Gefängnis, die beiden letzten Male mit je sechs Monaten, vorbestraft. Am 23. Februar dieses Jahres nun leistete er dem wiederholten Befehl eines Sergeanten, die von ihm gereinigten Gewehre in einen anderen Saal zu tragen, keine Folge, stierte vielmehr an die Wand und schlug um sich, als ihn einige andere Arbeitssoldaten auf Befehl des Sergeanten aufmuntern wollten. Tann ließ er sich willig abftlhren. Er wurde zu sech s Monaten Gefängnis verurteilt. Gegen dieses Urteil hatte er Berufung eingelegt. In einer früheren Verhandlung hatte nun das Oberkriegsgericht beschlossen, Klein in der Irrenanstalt Eichberg auf seinen Geisteszustand untersuchen zu lassen. Das Gutachten des Oberarztes Dr. Marke ging dahin, daß Klein für seine Handlungen nicht verantwortlich zu machen sei und zwar sei er schon seit Jahren geistesgestört. Er leide an geistiger Schwäche auf epileptischer Basis und gehöre nicht in die Armee. Demgemäß lautete das Urteil auf Freisprechun g. W * (Stuttgart, 20. Juni. Der Prozeß gegen die Redakteure Dr. Ludwig Thoma und Julius Linnekogel vom S i m - plieissimus hat hier begonnen. Bekanntlich handelt es sich um Beleidigung durch Verse, die anläßlich des Sittlichkeits- Kongresses i n K o l n im Sirnplieissimus erschienen. Es wurde 5 Stunden verhandelt. Sachverständige sind Dr. Max Bernstein und Ludwig Ganghofer aus München. Die Urteilsverkündigung ist auf nächsten Diontag festgesetzt. Landwirtschaft. Budapest, 19. Juni. Nach dem Bericht des Ackerbauministeriums vom 15. Juni werden die Erträgnisse folgendermaßen geschätzt: Weizen 42,2 Millionen, Roggen und Halbfrucht 13 7 Millionen, Gerste ca. 13 Millionen, Hafer ca. 14 Millionen Meterzentner. Der Mais verspricht ein reiches Erträgnis. Die Kartoffel gedeiht gut. Hülsenfrüchte, Krautarten, Hirse, Buchweizen, ^Hanh Flachs und Tabak stehen sehr gut. Zucker- und Futterrübe sind im allgemeinen befriedigend, zum Teil viel- versprech-md. Die Weiden, Wiesen und der Wein versprechen ein gutes Erträgnis. Das Cb ft ist teilweise gut, teilweise schwach. Wien, 17. Juni. Die Wintersaaten stehen günstig und lassen eine befriedigende Ernte erhoffen, die Sommersaaten haben durch Trockenheit gelitten. Sie haben zwar teilweise durch die letzten Regelfälle sich erholt, doch eine befriedigende Ernte ist kaum noch zu erwarten. Zuckerrüben sind im Rückstands, der aber bei günstiger Witterung noch ausgeglichen werden kann. Ihr ?tand ist vielfach unzünftig. ßtseffbahn-Zeilung. — Di e preußisch-hessische Staatsbahnver- waliung läßt seit einiger Zeit Versuche machen, um das lästige Qualmen der Lokomotiven zu beseitigen oder doch auf ein Minimum herabzudrücken. Sie läßt zu diesem Zwecke eine Menge Lokomotiven mit der Markotti- schen Rauchverbrennungseinrichtung versehen, die sich bei sachgemäßer Behandlung durchaus bewährt hat. Die betr. Lokomotiven tragen am Schornstein einen roten Streifen, sodaß jederzeit erkannt werden kann, ob vorüberfahrende oder stillstehende Lokomotiven mit der Vorrichtung ausgerüstet sind und ob das Führerpersonal sie sachgemäß behandelt. Eine Ersparnis von Feuerung wird durch die Markottische Einrichtung nicht bewirkt. * kleine Tageschronik. In E fb e r k e l d haben sich zwei Töcbter des Kaufmann? Cladenberg im Alter von 11 und 12 Jahren beim Spielen mit fup fernem Geschirr, das Grünspan zeigte so sehr vergütet, daß sie nach kurzer Zeit st a r b c n. — In Budave ft versuchte die entlassene Maschinenschreiberin Koranyi den Großindustriellen Alorander Deutsch de Hatvan zu e r s ch i e st e n , wurde aber hieran gehindert uub verhaktet. Gießener landwirtschaftlicher Wetterdienst. Voraussichtliche Witterung in Hessen für Mittwoch, den 21. Juni 1905: Heiter, später zunehmende Bewölkung, wärmer. _____________Näheres ^urch die Giestener Wetterkarte. Temperatur der Lahn und der Lust am 20. Juni 1905. Nach Reamnur gemessen mittag? zwischen 12 und 1 Uhr. Wnffer 18V,0, Lust 20 ° R. M ülle r'sche Bgde- und Schwimmanstalt. Griainal-DraötMi'söunqen. Berlin, 20. Juni. Die „Berl. Polit. Nachr.^ kün» digen eine Bundesratsverordnung über den Automobil-, Fahrrad- und Wagenverkehr an. Die Verordnung gebe den Einzelstaaten allgemeine Direktiven und lasse ihnen in weniger wesentlichen Punkten Bewegungsfreiheit. Bezüglich der Frage der Haftung der Automobilbesitzer für durch ihre Fahrzeuge angerichtete Schäden stehe die Regelung durch einen Gesetzentwurf noch in weitem Felde. Hauptsächlich wurde erwogen, eine Hastpflichtgenossenschaft der Automobilbesitzer zwangsweise zu errichten. Kiel, 20. Juni. Bei der Sektion der Leiche eines 15jährigen Mädchens stellte es sich heraus, daß es von der Sucht befallen war, Nägel zu verschlucken. Die Sektion förderte 58 Nägel zu Tage. Breslau, 20. Juni. Der Registrator Brenner, der als Angestellter der Filiale der Gasmotorenfabrik Deutz zwei Kasseten mit 15000 Mark Geld und Wechseln gestohlen hatte, wurde verhaftet. Man hat nur noch wenig Geld bei ihm vorgefunden. London, 20 Juni. Die Abendblätter veröffentlichen ein Telegramm aus Washington, nach dem Präsident Roosevelt nach der Ernennung von drei russischen und drei j ap a n i sch en Fried e n §b e v ollm ä chtigten den Kriegführenden einen Waffenstillstand vorschlagen werde. Es verlautet, Japan werde dem Vorschläge bei« pflichten unter der Bedingung, daß das Abkommen über den Waffenstillstand von den Oberbefehlshabern beider Armeen unterzeichnet werde. Loudon, 20. Juni. „Daily Mail" meldet aus Kopenhagen: Die Mehrheit der F-riedeus-Parlamentarier hielt eine Versammlung ab, worin sie die Erlläruug. abgaben, sie seien ein- verftaudeu, daß V r i n z Karl, der dritte Sohn des Königs Oskar, zum norwegischen Könige ernannt werde unter der Bedirigung, daß Norwegen seine Grenzbefestigungen leite und einen Schicdsvertrag abschließe. Simbach a. Inn, 20. Juni. In Priesting bei Tann in Niederbayern hat in der Nacht vom Sonntag zum Montag ein Gütler einen Bauernburschen, der zum Kammerfenster seiner Tochter wollte, erschossen. Der Bursche hatte sich auf wiederholten Anruf nicht entfernt. Daraufhin gab der Gütler den totbringenden Schuß ab. Bozen, 20. Juni. Gestern nacht erfolgte ein Attentat auf die Mora-Riva-Bahn durch Uebedegen eines eisernen Balkens. Der Maschinist bremste rechtzeitig. Niemand wurde verletzt. Washington, 19. Juni. Der japanische Gesandte Taka- hira setzte Präsidcnt Roosevelt davon in Kenntnis, daß es den japanischen Bevollmächtigten möglich^sei, in Washington bis zum 1. Augnft einsutreffen: falls es für Rußland annehmbar sei, könne die Konferenz um diese Zeit zusam- mentreten. Der russische Botschafter Graf Eassiui sprach im Weißen Hause vor und äußerte später, die Verhandlungen nähmen einen unaeftö"' 'u ^-ni-^aun. Kursbericht. Frankfurt a. M.. 19. Juni Offizielle ßchlusskursc. 31/an/o Reichsanleihe . . 101.35 3% do. ... 90.35 3V,% Konsola .... 101.35 R0/0 do......90.35 fl'/sVo Heesen .... 100.55 3'/, 56 OberheflRon . . . 99.00 456 Oeflterr. Goidrente . . 102 00 4Vz 56 Oeaferr. Silberrente . 101.00 456 Ungar. Goldrente . . 99.45 4°/n Italien. Rente . . . —.— 4 56 Portu<*ieaor I . . . 66.85 3°/ Portugiesen. III . . 67.15 156 Unif. Türken . . , 88.45 Türkenlose......135.90 456 Griech. Monopol.-Anl. 54.50 41/,°/0 iiuBsere Argentiner 45.60 Tendenz : 3°/0 Mexikaner . . 67.55 4 Vj’/ Chinesen .... 96.70 Electric. Sohuckert . . . 138 00 Nordd. Lloyd . . . . 122.50 Kreditnktien . . , . 20810 Diskonto-Kommandit, . 189.90 Darmstädter Bank . . . 140.90 Dresdener Bank .... 15620 Berliner Handelsges . . 170 00 Oeatevr. Staatabahn . . . 142 80 Lombarden.....18 50 Gotthardbahn.....—.— Laurahütte..... 266.00 Bochum ......251.80 f’arpener . . ... 213 40 Stnatschatzscheine . . . 100.45 schwach. Sm Semmei* darf ein SCind nicht entwöhnt werden denn Brechdurchfall und andere Verdauune:skrankhe:ten raffen im Sommer Hnnderttausende von mit der Flasche genährten Säuglingen hinweg. Wenn eine Mutter nicht genügend Miich hat, dann nehme sie das bewährte Lactagol Broschüre über ..Natürliche Säug- lingsernährang“ gratis von Vasogenfabrik Pearson & Co., Ham- urg 106. hv6/e Zum neuen Saalbau - ■■■ (früher Steina Garten). ■■ Donnerstag, den 22. Juni: I. 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