Nr. 91 Zweites Blatt. 155. Jahrgang Montag 17. April 1905 SrlchetrU S-Nch mü vuSnahm« de» Sonntags. Die »Gießener LamNienblStler- werden dem ^Anzeiger viermal roödjentlid) betgelegt. Der »Helstich, Laudwttt" erjchetnl monatlich einmal. Gietzener Anzeiger Notationsdruck and Verlag da «rühllche» UnwersitätSdruckerei. 8t Lang«, Gießen. Redaktion, Expedition ».Druckerei: Schulstr.K, Tel. Nr. 6L Leiegr.-Lldr. t 8ln-eige» Gießen» General-Anzeiger. Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Liehen. die Unterdrückung des Ausstandes zu haben. Friedrich Schiller für nur 4 Mark Bestellschein ans der Rückseite dieser Anzeige. l»e bvn :cinb> Mu welche Kupfergravüre nach dem Originalgemälde von A. Graff Kolttische Tnsies'lchau. Kroßherzog Ernst Ludwig ist kein Fürst nach dem Geschmack der preußischen Agrarier und deren Genoffen. Weil er nach dem gegen Exz. Gnauth gerichteten Denunziationsversuch des Frhrn. v. Heyl in der ersten Kammer durch die „Darmst. Ztg." sein volles Vertrauen dem Finanzminister zum Ausdruck gebracht hat (vgl. unsere Nr. 80), zittert jetzt das Berliner Bundesorgan der Landwirte, die ,Dtsch. Tagesztg.", aus Besorgnis wegen des .gefährlichen Spiels*, das in Darmstadt mit der Sozialdemokratie getrieben werde, und malt den Teufel an die Wand, indem eS als sozialdemokratisches Endziel nicht nur die Uniwandlung unserer Wirtschaftsordnung, sondern auch den Umsturz unserer Staatsordnung, den Ersatz der Monarchie durch die demokratische Republik hinstellt. Dieses Angstmeiertum und dieser Bemutterungsversuch eines der einsichtsvollsten deutschen Fürsten macht natürlich den Herren^ Sozialdemokraten einen Höllenspaß. Sie lachen sich alSi tertii gandenies geballte Fäustchen und verhöhnen dies preußische Großgrundbesitzerschaft nach Leibeskräften. Es hat etwas Tragikomisches an sich, daß die Herren Höchstbesteuerten in deutschen Landen sofort von der Erschütterung de§ monarchischen Gefühls reden, wenn ihnen einmal von oben herab ein bischen auf die werten Hühneraugen getreten wird. schwach muß es doch um ein solches monarchisches Ge- bestellt sein. Man erinnert sich da an die mittelalter-« Litanei der märkischen Junker: „Jochimke, Jochimte, Hüde di, Fange wi di, so hange rot di!" Arbeiter-TerroriSmuS in Italien und Frankreich. Die römischen Blätter bestätigen das Gerücht, daA nicht viel Bemerkenswertes zu erwähnen. In Italien bereitete sich ein vielleicht schon heute ausbrcchender neuer Eijs en ba hnerstreik vor, weil die Negierung den Eisenbahnarbeitern Vcamtenqualität verleihen will, so daß sie also des Streikrechts verlustig gehen würden. Tas Komitee der Eisenbahner wurde vom Arbeitsminister Ferraris empfangen, der jedoch keine Versprechungen machte, sondern die Vesiicher auf das der Kammer vorliegende Eisenbahngesetz verwies. Das Agitationskomitee der Eisenbahner erließ darauf einen Aufruf, in dem konstatiert wird, der Besuch beim Minister hätte bewiesen, daß „oon dieser Negierung nichts zu hoffen sei und bei deren Uebelwollen Verhandlungen unnütz" seien. Deshalb müsse sofort das Zentralkomitee der Eisenbahner mit der Leitung der sozialistischen Partei und den sozialistischen Abgeordneten zur weiteren Bcschlußfasiung zusammentreten. In Rom herrscht die Meinung, daß der Streik Fiasko machen roirb. — Die internationale Ägrarkommission in Non, beschloß, für die Zulassung von den Vertretern nicht bloß der Negierungen, sondern auch der landwirtschaftlichen Körper- chaften zu dem geplanten Kongreß einzutrcten. Das ungarische Abgeordnetenhaus erlebte wieder einmal Skandalszenen gegen Tisza. Dieser legte die auf die Pensionierung Perczels bezüglichen Akten vor, aus welchen hervorgeht, daß eine höhere Bemessung der Perczelschen Pension auf dessen eigenes Ansuchen erfolgte. Das Abgeordnetenhaus nahm sodann mit großer Majorität den Mißbilligungsantrag gegen Tisza und Perez el wegen ihrer Verfügungen zur Unterdrückung der letzten Obstruktion an. Das Haus sprach die Vertagung bis zum 3. Mai aus. Ter Kaiser trifft am 5. Mai in Budapest ein. Koffuth erklärt, er habe nur wenig Hoffnung, daß der Kaiser-König die Wünsche, welche die Majorität in einer Adreffe ausgedrückt hatte, erfüllen werde, wodurch die Frage zu einer Kraftprobe zwischen Nation und Krone werde. In Frankreich hat die bonapartistische Verschwörungsaffäre viel Staub aufgewirbelt und zu einer Reihe von Verhaftungen geführt. Von dem Gesetzentwurf über die Trennung der Kirche vom Staat wurden Artikel 1 und 2 angenommen. Ter Besuch des Prinzen Friedrich Leopold von Preußen bei der Kaiserin-Mutter von China zeigt, daß die Beziehungen zwischen Teutschland und dein Reiche der Mitte nichts zu wünschen übrig lassen. Wie der Korrespondent des Reuterschen Bureau bei der Armee General Okus meldete, wollte Prinz Anton von Hohenzollern am gestrigen Sonntag die Armee der Japaner verlassen, um nach Deutschland zurückzukehren. General Oku gab ihm zu Ehren Wie fühl liche Eisenbahnangestellten den Aus stand heute (Montag) beginnen wollen. (Vgl. „Wochenschau".) Die> Preffe hebt hervor, daß die öffentliche Meinung diesen, Entschluß streng verurteile. Heute werden sämtliche! sozialistischen Deputierten zu Beratungen zusammentreten.? Auch aus den italienischen Provinzen wird übereinstimmende gemeldet, daß die Möglichkeit eines Ausstandes überall einen« sehr schlechten Eindruck hervorrust. Nach den bis-" herigen Berichten ist der Ausstand nur auf einen Teil der neapolitanischen Linien eingetreten. Die „Tribuna" berichtet» daß die Negierung alle Maßregeln getroffen habe, um den Verkehr auf allen Linien und die öffentliche Ordnung aufrecht zu erhalten. Die Bahnhöfe und Linien werden durch Sicherheitsorgane bewacht. Der Dienst wird durch daS nicht am Ausstande beteiligte Eisenbahnpersonal sind durch die Eisenbahnkompagnien der Genietruppen versehen werden. Tie Zeitungen empfehlen dem Publikum, ruhig zu bleiben und volles Vertrauen zu den Maßregeln der Negierung zur Blindheit die Russen geschlagen sind, geht aus der Meldung hervor, daß russische Vorvosten den Troß des in Mukden zurückgelassenen Sanitäts-Personals für feindliche Artillerie hielten. Sie beschossen die Sanitäts-Kolonne auf 1500 Schritt Entfernung. Ein Sanitätsoffizier ritt sahnenschwenkend auf die Artillerie- los, worauf das Mißverständnis aufgeklärt wurde. In detn gewaltigen Kampfe bei Mukden wurde das russische Regiment Jurjeff durch russisches Artillerieseuer völlig aufgerieben, weil man es für ein japanisches hielt. Nur zwei Offiziere und wenige Mannschaften seien übrig geblieben. Das Geschwader NoschdjestwenSkys ist im Laufe der letzten Woche im Chinesischen Meere erschienen. Eine Seeschlacht, welche die Entscheidung über die Seegewalt bringt, ist vor dem 18. wohl kaum zu erwarten. Roschd- jestwenskr) wird voraussichtlich versuchen, nach Wladiwostok zu fomtnen, oder er wird die Japaner zu überraschen sich bemühen, bevor sie ihre Konzentration vollzogen haben. Unwahrscheinlich ist, daß Roschdjestwensky eine Schlacht mit seinem ganzen Geschwader annehmen werde, da ihm verschiedene veraltete Schiffe angehören. Jndeffen ist die Ausrüstung des vierten baltischere Geschwaders bereits beendet. Es soll Ende dieses Monats Kronstadt verlassen. Der größte Teil der Offiziere und Mannschaften ist der Schwarzen Meer-Flotte entnommen. Das, Geschwader besteht aus den Panzerschiffen „Slawa" und, „Alexander II.", mehreren Panzerkreuzern und zahlreichen Begleitschiffen. In Port Said ist die Nachricht eingegangen, daß es unter dem Kommando des Vizeadmirals Weselago den Suezkanal im Juli oder August passieren werde. die Abonnenten unserer Zeitung: ein Diner. In Rußland ist eine Aenderunq der schwierigen inneren Lage nicht eingetretcn. Die Attentate nehmen weiter zu. So haben in der polnischen Fabrikstadt Lodz zwei junge Leute auf einen Schutzmann tr'cr Revolverschüsse abgegeben. Bon zwei Kugeln tätlich getroffen, brach der Schutzinann zusammen. Ein Droschkenkutscher wurde verletzt. Es gelang, einen der Attentäter, der zwei Revolver trug, zu verhaften, der andere entkam. In Petersburg dauern die geheimnisvollen Verhaftungen an. Fortgesetzt werden junge Damen der Aristokratie verhaftet. Gerüchtweise verlautet, Fräulein Trepow habe Selbstinordversuch begangen, weil sie zwei Revolverschüsse gegen ihren Oheim, den Gencralgouverneur, abgefeuert hatte. In der Mandschure, beteilen sich d! lichen Heere zu neuem Waffengange vor. gesetz-Kornrnission am Mittwoch mit der zweiten Lesung der Novelle zum Schutze der Bergarbeiter beschäftigt 1 und den absolut negierenden Standpunkt der ersten Lesung nur zum geringen Teil aufgegeben. Die Kommission nahm die obligatorischen Arbeiterausschüsse in einer verwässerten Form an und ersetzte den sanitären Maximalarbeitstag durch eine oberbergamtliche Befugnis zur Beschränkung der Arbeitszeit je nach dem Grade der Gesundheitsschädigung des Betriebes. Die Novelle in ihrer jetzigen Gestalt bedeutet eine Verschlechterung der Regierungsvorlage und drückt das Maß der für die Arbeiter vorgesehenen Freiheit herab. Insbesondere hat sich die Kommission für die politische Bevormundung der Arbeiterausschüsse ausgesprochen und die Kontroll- und Beaufsichtigungsbefugnis, zumal auch durch die Einführung der Bestimmung der öffentlichen Wahl anstatt der geheimen, weit ausgedehnt. Das Zentrum und die Freisinnigen haben sich bereits in der Kommission gegen den Kommissionsentwurf erklärt, und auch in nationalliberalen Kreisen scheint man Verständnis für die Bedenklichkeit der Beschlüsse zu haben. Die „Nationallib. Korresp." schreibt: Auch wir hoffen, in der Beratung des Plenums manches wiederhergestellt zu sehen, was die Kommission an den: Entwurf gestrichen hat. Aber darin dürften sich wohl alle Parteien des Landtags einig sein, daß eine Form gesunden werden muß, bie verhindern kann, die Arbeiter ausschüsse einen Charakter annehmen zu lassen, der gerade das Gegenteil von der beabsichtigten Einrichtung, den Frieden zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber aufrecht zu erhalten, oder im Streitfälle eine Vermittlung zu bezwecken, und — nach den sehr llaren Andeutungen der sozialdemokratischen Presse — erreichen will. Das.Zustandekommen der Berggesetznovelle im Landtag ist notwendig. Denn wenn der Entwurf hier scheitert, entstehen schwer absehbare Folgen. Im Reichstag drängen dann Zentrum und Sozialdemokraten viel weiter in einer Richtung, der gegenüber Stand zu halten den anderen Parteien schwer möglich sein würde. Aus einer Bemerkung der „Kreuzztg." geht hervor, daß das preuß. Staatsministerium sich am Freitag mit der Bergarbeiterfrage beschäftigt hat, und sie bestätigt, daß die Regierung mehrere Beschlüsse der Kommission für unannehmbar hält. Wir vermuten übrigens, daß auch das Großherzogin m Hessen bald ein Reform seiner Berggesetz- g e b u n g vornehmen wird. Von den übrigen Ereigniffen der vergangenen Woche ist KoÜtische Wochenschau. Die Marokko-Frage beherrschte auch in der vergangenen Woche das öffentliche Interesse. Del- c aff6 mußte sich von der französischen Presse zahlreiche Vorwürfe gefallen lassen. Ja der „Jntransigeant" glaubte sogar mitteilen zu können, daß im letzten Ministerrat Del- ca'ssö von seinen Kollegen ersucht wurde, sich zurückzuziehen. Delcasss teilte dies dem Präsidenten Loub^ mit, welcher ihm den Rat gab, dieser Aufforderung keine Folge zu leisten. Die englischen Zeitungen spielten die Begleitung zu dem musikalischen Intermezzo und riefen des öfteren mit ihren harlekinartigen Paukenschlägen und komödiantenhaften Fagottentaleisungen unangenehme Dissonanzen hervor. Der Sieg steht unanfechtbar im deutschen Lager und wird es voraussichtlich auch bleiben. Verblüffung erregen sollte eine von amtlicher französischer Seite in1 die Welt lanzierte Nachricht, wonach Delcassö in einer Zirkulardepesche an die französischen Vertreter jm Auslande diesen Kenntnis davon gegeben habe, daß die Mitteilung des französisch-englischen Marokko-Vertrages. tatsächlich offiziell an die deutsche Negierung erfolgt sei und zwar in Berlin vor und in Paris n a ch der Unterzeichnung des Vertrages. Das war nur Spiegelfechterei. Offiziell ist eine Mitteilung, die den diplomatischen Gepflogenheiten entspricht, keineswegs erfolgt. Inzwischen hntte der französische Minister des Auswärtigen Dclcassä bei einem 'Diner auf der deutschen Botschaft in Paris mit dem Fürsten Radolin ein kurzes Gespräch über die Marokkofrage. Beide bewahren Stillschweigen, jedoch soll der Minister Delcasse die Initiative zu dieser Aussprache ergriffen haben. Als feststehend kann ferner angesehen werden, daß der französische Staatsmann seinem Bedauern überdieuner glückliche Preßkampagne wegen der Differenzen Ausdruck gegeben hat. D-elcasss sprach des weiteren von seiner Absicht, eine Verständigung über die bestehenden Mißverständnisse anzubahnen. Kurz darauf brachte der „Petit Parisien" einen die persönliche Auffassung Delcassös wiedergebenden Artikel, welcher den Verlauf der deutsch-französischen Polemik resümiert und zu folgendem Schluß kam: „Zwischen Dentfchland und Frankreich besteht keinerlei ernste Jnteressenverschiedenheit und» im Grunde ist nur die Schwierigkeit zu lösen, welchem von beiden Ländern die Initiative zukvmmt, die zum Einverständnis notwendige und heilsame Unterhandlung einzuleiten. Die hohe Auffassung, welche Delcasso immer von seinen Pffichten gehabt Hatz gibt uns die Versicherung, daß eine eitle Formfrage unmöglich ein Hindernis bilden kann für eine schleunige und endgtltige Losung des Kvnffiktes." . . - x Ter Artikel schloß mit der Mahnung, iede Parlamentsdebatte zu unterlassen, welche eine loyale und höfliche Aussprache zwischen den beiden Regierungen nur stören könnte. Das ist für Delcasss das Fatale an der Geschichte, daß die deutsche Politik in Marokko täglich an Einfluß zunimmt, und daß der Vereinbarung über die Zulassung der deutschen Schiffe zur marokkanischen Kusten- schiffahrt die Absendung der deutschen Gesandtschaft unter dem Grasen Tattenbach nach Fez zu Ende der ersten Maiwoche folgt, ein Zeichen, daß die deutsche Regierung konsequent alle Schritte unternimmt, um ihre Stellung am Hofe zu Fez selbst zu festigen. Nach einem Artikel ^des Pariser „Matin" Hut der fr anzö sisch e Gesandte Taillandier in Fez noch nicht das mindeste erreicht. 'Au erster Stelle der verlangten Reformen steht die Erhöhung der Sicherheit in den marokkanischen Häfen, von der, wie „Matin" hervorhebt, alle Nationen Vorteil haben würden. Diese Bemerkung soll offenbar eine Mt Zugeständnis an Deutschlan') fein. Andererseits aber wurde der „Köln Ztg." aus Tanger gemeldet, daß der Vertreter des Credit Agricole d'Algerie demnächst mit mehreren französischen Kapitalisten nach Fez reist. Es soll sich um wichtige Konzessionen, insbesondere xm Eisenbahnwesen, handeln. Interessant istauch die Mitteilung, daß in der spanischen Stadt Malaga Zollbeamte die Brigg „Joven Teresa" abfaßten, die angeblich nut nner Backsteinladung nach Tanger bestimmt war: unter den Backsteinen fand man 5 0 0 Kilogramm Schießpulver, 200 Kisten Patronen, 20 Remington- und 5 Mausergewehre. Ter deutsch eKaifer besuchte im Laufe seiner Mittel- meersahrt am Dienstag Korfu, wo ihm der König von Griechenland einen herzlichen Empfang bereitete. Der Aufenthalt in Korfu bedeutete die völlige Beendigung der griechisch-deutschen Differenzen, die noch aus der Zeit, des letzten griechisch-türkischen Krieges datieren. .. Die weitere Reise führte den Kaiser nach Sizilien zurück Dort soll bei seinem Eintreffen ein französisches Geschwader, aus vier Kriegsschiffen bestehend, in der Bai von Messina erschienen fein und nach Ausführung einiger Manöver sich wieder zurückgezogen haben Eine Depesche der Tailv Mail" aus Messina behauptete Mm, König Eduard und Kaiser Wilhelm würden am 20. April xm Mittelmeer zusammentreffen. Das scheint.indes durchaus un- glaubwürdig. Tas e n g li> ch e K° n r g s pa ar, von dem Pa fnefi es werde ebenfalls nach Tanger geben ist am Sonntag in Algier emge- troffen Es wird, wie es beißt, nach Beendigung feiner Kreuzfahrten in Cannes französischen Boden betreten und n Paris einige Zeit Aufenthalt nehmen, um rech deut- lich an der D e m o n st r a t i o n g e ig e n bt e e utsche Neichsvolitik mitzu wirken. Das ist fürs nächste der Schlußstein zu dem Bau der DeleassSschen Intrigen, die nun seit Jahren systematisch geg-n das Deutsche Reich auf allen Gebieten ins Werk gesetzt worden sind. Ueber die ferneren Re11 epla u e d es de utsche n Kaisers nach der Rückkehr von der Mittelmeersahrt verlautet folgendes: Der Monarch beabs^Yge nach Beendigung seiner Mittelmeersahrt auf der Ruckreise von 3'^lreu dem badischen Hofe in Karlsruhe einen htr^n Besuch ab- zustatten. Für Ausgang Mai wird der Besuch des Kaisers in Kadinen erwartet im Anschluß an semen alljährlich wiederkehrenden Jagdaufenthalt in f Schlobitten. Auch die Kaiserin durste in diesem Jahre mit den jüngsten kaiserlichen Kindern während der Nord- Ian drei se des Kaisers einen mehrwöchigen Sommer- aukenthalt in Kadinen nehmen. In der Ostersecienpause hat sich die preuß. Berg- In der französischen Stadt Limoges streiken seit niedreren Tagen die Porzellanarbeiter. Am Samstag abend kam es zu Kundgebungen der Ausständischen. Unter Vorantragilng einer roten Fahne und revolutionäre Lieder singend, begaben sich die Streikenden vor die Fabrik des Amerikaners Avellane, zertrümmerten die Türen, drangen in die Fabrikrämne und zerstörten sämtliche in den Magazinen aufgespeicherten Porzellansachen. Der sozialistische Abgeordnete und Bürgermeister von LimogeS versuchte vergebens, beruhigend auf die Ausständigen einzuwirken. Der Präsekt sandte eine Schwadron Jäger gegen die Ausständigen, nachdem diese ihren Unfitfl fortgesetzt und die Läden zweier Waffenhändler zertrümmert hatten. Die Demonstranten befanden sich auf dem Wefle nach der Fabrik von Touze, als sie hinter sich die ihnen nacheilenden Truppen bemerkten; sie errichteten sofort Line Barrikade und schleuderten von hier aus allerlei Geschosse geflen die Soldaten. Eine abermalige Aufforderung des Bürgermeisters zur Ruhe blieb unbeachtet. Gegen 7 Uhr abends gelang es dem Fabrikbesitzer Touze, mit seinem Schwager die Barrikade vor der Fabrik zu überschreiten; als die Ausständigen sie erkannten, umzingelten sie dieselben und schlugen sie blutig. Eine Stunde später zogen sich die Kundgeber zurück und begaben sich vor die Arbeitsbörse, wo sie sich zerstreuten, nachdem noch ein weiterer Waffenladen, wo sie 30 Gewehre und gegen 4 0 0 Re- oolver erbeuteten, geplündert worden war. Man befürchtet weitere Zusammenstöße. Kurz vor Mitternacht gelang es einer Anzahl Streikender, noch ein viertes Waffengeschäft zu plündern, wo ihnen gleichfalls zahlreiche Gewehre usw. in die Hände fielen. „Ter Hausknecht der Partei" war ein Ausdruck, den jüngst der bekannte Zentrumsabg Prof. Dr. Frhr. o. Hertling in München gebraucht hat. Dadurch hat sich ein Kollege von der gleichen Fakultät, der Abg. Dr. Heim getroffen gefühlt und ist dem Freiherrn v. Hertling eine kräftige Antwort nicht schuldig geblieben. Es heißt darin: „Die Wahrheit ist ein Lausknecht, die Phrase ein Lakai.... Herr v. Hertling hat den Franzosen gesagt, wovor sie sich hüten muffen; dem möchte ich noch einiges beisügen. Vor allem müssen sich die Franzosen hüten, in einer neuen Partei das Strebertum aiükommen zu lassen. Führer, die aus den Wink gehorsam der Regierung zur Beringung stehen und als Borreiter der Karrosse der Machthaber und als sreiwillige Lakaien sich glücklich suhlen, sind nicht geeignet zu diesem Amte." Noch deutlicher wird Dr. Heims Antwort zum Schluß, wo er schreibt: „Auch muffen sich die Franzosen vor einer anderen sranzösi-- fchen Krankheit hüten — vor dem Doktrinarismus. . . . Ta muffen praktische Männer die Leitung in die Hand nehmen ilnd solche doktrinäre Sophisten nicht zu Wort kommen lassen. Sie mögen es hier mit Napoleon halten, der in der Schlacht bei den Pyramiden gesagt hat: „Les savants et les demi ----- savants (andere Lesart: Les anes!) an milien!“ („Tie Gelehrten und die Halbgelehrten — andere Lesart: Die Esel — in die Mitte!"). Und mit solchen Liebenswürdigkeiten regalieren sich Parteifreunde! Aus Stadt und Land. Gießen, 17. April 1905. ** Zur Pflege der Leibesübungen. Man schreibt uns: Das Osterfest steht vor der Tür, und damit ist der Zeitpunkt gekommen, wo viele Schüler aus der Schule entlassen werden und in ein neues Leben eintreten. Mer während die Schule es sich angelegen sein läßt, nicht nur die geistige, sondern auch die körperliche Ausbildung durch geregelte Turnübungen zu pflegen, gemäß dem Grundsätze: „Nur in einem gesunden Körper kann ein gesunder Geist wohnen", wird der Körper nach der Schulentlassung meist vollständig vernachlässigt. Darum richten wir an alle Eltern, Lehrherren und Freunde der Jugend die herzliche Bitte: „Tragen Sie Sorge dafür, daß Ihre Söhne und Töchter, Ihre Lehrlinge und Gehilfen den Turnvereinen der deutschen Turnerschast beitreten, die ihren Mitgliedern in turnerischer und gesellschaftlicher Beziehung so vieles bieten, die die jungen Leute anhcrlten zur Zucht und Ordnung, zum Gehorsam und zur strengen Pflichterfüllung." t Klein-Linden, 15. April. Ein gewissenloser Radfahrer überfuhr gestern abend bei Klein-Linden ein fünfjähriges Mädchen und stürmte mit dem Rad aus das Kind, welches eine schwere Kopfwunde davontrug. Ohne sich weiter um das Kind zu kümmern, fuhr der rohe Mensch schleunigst davon. ? Gr o ß en-Lin d en, 15. April. Unser fast tausendjähriges Go ttes h aus wird, wie schon bekannt ist, im! Lause dieses Jahres von Grund aus renoviert. Die Pläne sind von Kirchenbaumeister Hofmann hergestellt. Die Kosten belaufen sich aus 28 000 Mk., wozu die Regierung 8000 Mk. bewilligt hat. Die Kirche, welche im Ansang des 10. Jahrhunderts von schottischen Mönchen erbaut wurde, ist ein Kunstdenkmal aus der ersten christlichen Zeit im Hessenland. Es ist im Basiliken- oder Kreuzstil erbaut, dem ältesten Baustil christlicher Kirchen. Gegenwärtig ist das Gotteshaus im Innern vollständig umgeändert; nur der Teil des Längsschiffs bis zwm Turingewölbe ist in Benutzung, während das Kreuzschiff und die eigentliche Sakristei leer stehen. In dem nördlichen .Kreuzteil befindet sich zur Stütze des Turmes eine Strebemauer. Die Nordwestseite, die am meisten den Witterungsverhältnissen ausgesetzt ist, zeigt in ihrer Umfassuugsmauer bedeutende Hier abschneiden. ---------------— Unterzeichneter bestellt bei der Geschäftsstelle des Gießener Anzeigers, Gießen, Schulstraße 7, . . . Kupfer- gravüre „Friedrich Schiller" nach dem Originalgemälde von A. Graff, K4 Mk. gegen bar. Ort o & Name.............. | Straße Nr. .... " Beruf Bitte Ort und Namen recht deutlich zu schreiben, diesen Bestellzettel abzutrennen, in Umschlag mit 3 Psg.-Marke zu stecken und an die Geschäftsstelle des Gießener Anzeigers zu adressieren. Risse. Die Kirche birgt wertvolle Mterrtümer, die zumteil von hoher kunsthistorischer Bedeutung sind. Das Haupt- portal weist in seinem doppelten Rundbogen Bildhauerarbeiten auf, die auf die vorchristliche Zeit Hinweisen und ihr auch jedenfalls entstammen, soll doch auf derselben Anhöhe, auf der die Kirche steht, ehedem eine heidnische Opferstätte gestanden haben. Drachenähnliche Tiersiguren sind hier neben christlichen Figuren und Symbolen eingehauen. Eine andere Bildhauerarbeit, anscheinend so alt wie das Gotteshaus, befindet sich am südlichen Kreuzteil. Ter Stein stellt entweder einen der ersten christlichen Sendboten oder den Heiland selber dar, in der einen Hand Kreuz und Fahne, in der anderen einen Spaten. Im Innern der Kirche ist eine teilweise verdeckte Votivtafel zu sehen; sie zeigt zwei Wappen; das eine trägt einen Helm mit Wolfsrachen, das andere einen Vogel mit dreiteiligem Kreuz. Ter marmorne Altar träat die Jahreszahl 1741 und zeigt das Wappen Großen-Lindens, gehalten von zwei Löwen. Ein ebenfalls in schwarzem Marmor kunstvoll . ausgeführte Taufstein weist die Jahreszahl 1764 und die Muf- schrift I. L. v. Fabrice auf'. Interessant ist ferner ein Grabstein an der Südseite der Kirche; er trägt die Aufschrift: „Hier ruhet in seinem Erlöser Johannes Justus Valentini Tepositor und Universitäts-Bedienter zu Gi e ß e n nebst zwei Kindern". Leider weist der anscheinend recht alte Stein keine Jahreszahl auf. Vor dem Hauptportal steht ferner ein sehr altes, mächtiges Taufbecken, verziert mit Rundbogen. Tie Umfassungsmauern, Türme und Portale stehen noch wie sie gegründet wurden, und der viereckige, mächtige Turm zeigt auch noch die ursprünglichen Fenster im Basilikenstil. In dem Schiff selbst sind die Fenster der Zweckmäßigkeit wegen geändert worden. Die Renovierung, welche in Kürze begonnen wird, soll die Kirche nach Möglichkeit wieder im ursprünglichen Stil herstellen. Es sollen ein Umbau des Schiffes und des Chors, sowie Reparaturen an den Umfassungsmauern vorgcnommen werden. In den Kreisen der Kunst- und Altertumsfreunde wird die stilgerechte Wiederherstellung dieses Kleinods unter den hessischen Kirchen mit Freuden begrüßt. Der Umbau wird voraussichtlich bis Spätherbst vollendet sein. Bis dahin soll der Gottesdienst in der Turnhalle abgehalten werden. § Alsfeld, 16. April. Se. Königs. Hoheit der Großherzog hat dem Vorstandsmitglied des Hassiabezirkes Alsfeld, Lehrer Rudolph, die zur Erinnerung an die Großh. Vermählung gestiftete, am Bande zu tragende Medaille verliehen. T a r m st a d t, 15. April. Im Landtagswahl- kreise Isenburg-Land ist von sozialdemokr. Seite zur Ersatzwahl für Cramer der Rechtsanwalt Fulda- Tarmstadt aufgestellt worden. Voraussichtlich wird nach einer Meldung der „Deutschen Volksmacht" für die Nationalliberalen der Neichstagsabg. Dr. Becker- Sprendlingen kandidieren. Ter Obmann des Bauernbundes stellte dieser Kandidatur bereits die Unterstützung durch seine Wählerschaft in Aussicht. 16. Hauptversammlung des Deutschen Vereins für (Nachdr. Derb.) Schulreform. S. u. H. Berlin, 16. April. Im Sitzungssaale des Vereinshauscs der deutschen Ingenieure trat heute die sehr zahlreich besuchte 16. ordentliche Hauptversammlung des Deutschen Vereins für Schulreform zusammen. Zunächst erstattete Profeffor Dr. Lentz-Danzig, der Redakteur der „Zeitschrift für die Reform der höheren Schulen", den Geschäftsbericht. In der Debatte trat Neichstagsabg. Eickhoff dem ettoas pessimistischen Ton des Geschäftsberichts entgegen. Er erörterte weiter die Frage des Ersatzunterrichts. An 59 Gymnasien sei ein solcher Ersatzunterricht eingerichtet und werde von den Schülern in Anspruch genommen. Ober-Reg.-Rat Mathias habe kürzlich befürwortet, die Frage der Wahlfreiheit der Fächer in den oberen Klassen der Initiative der Lehrer und Direktoren zu überlassen. Davor warne er, denn dann bliebe alles beim alten. Wenn an einem Realgymnasium ein ausgezeichneter Mathematiker ist, warum soll er sich mit Latein plagen? Und wenn ein Schüler die neuen Sprachen gut beherrscht, warum soll er sich mit Mathematik plagen? Die Zeit kann er doch zu nützlicherem verwenden. (Zustimmung.) Natürlich 'müsse dann auch die Prüfungsordnung abgeändert werden, und in der Ferne leuchte das Ziel der Abschaffung des Abiturientenexamens, was er für das einzig Nichtige halte. — Sehr gelitten habe unser neusprachlicher Unterricht, weil unsere Lehrer die Konversationssprache nicht kennen. Deshalb müsse dahin gestrebt werden, daß schon die S ch ü l e r in den Ferien möglichst ins Ausland gehen. Zu begrüßen sei auch eine Neuerung, die dahin geht, daß ein Lehreraustausch stattfindet. Baurat Peters unterbreitete daraus der Versammlung folgende Resolution: „Die 16. Gen eralv ersammlung des Vereins für Schulreform spricht ihre lebhafte Freude und dankbare Anerkennung dafür aus, daß der Göttinger Senat in so mannhafter und vornehmer Weise für die Selbständigkeit unserer Hochschulen eingetreten ist." — Diese Resolution wurde unter lebhaftem Beifall einstimmig angenommen. Es folgte ein Referat des Dr. Hans Schmidtkunz-Berlin über „Die Notwendigkeit pädagogischer Lehr- st ü h l e". Die Versammlung nahm mit allen gegen zwei Stimmen eine Resolution an, in welcher die Schaffung selbständiger päda- gogischer Lehrstühle an Wn Unitursi täten vcrlanat wird. * Kleine Tageschronik. Der Mühlenbesitzer Fesing in Gaundersheim bei Göttingen wurde durch das Mühlengetriebe zermalmt. Zwei reisende Müllergesellen, denen Fesing ein Almosen verweigert hatte, sind verdächtig, den Verunglückten in das Getriebe geworfen zu haben. Die Staatsanwaltschaft hat die Untersuchung eingeleitet. — In Daber (Pommern) wurde der 21jährige Apotheker Tra- bowski tot im Bette gefunden. Es wird Vergiftung vermutet. — In Paris erlitt bei der Tvdesringfahrt im Automobil die Artistin Randal eine Gehirnerschütterung. — Die „Times" berichtet aus Petersburg: Gerüchtweise verlautet, in K r o n st a d t sei ein Fall von Cholera festgestellt worden. —. Aus Berlin ist seit mehreren Tagen der Kaufmann Emil Siegel verschwunden, der unter der Firma E. Siegel u. Co. ein Bankgeschäft betrieb. Siegel vermittelte die Beleihung von Erbschaften und hat sich zum Nachteil einer Hamburger Familie eine Unterschlagung von 12 500 Mark zu schulden kommen lassen, nach deren Entdeckung er und seine Frau verschwanden. — In München wurde der 44 jährige Tagelöhner Widmann aus Jn- dersdorsf verhaftet unter dem dringenden Verdacht, einen Naub- m o r d an dem Bauern Zotz in Dachau verübt zu haben. Bei seiner Verhaftung warf Widmann ein blutbeflecktes Beil von sich. In seinem Besitz fand man blutbefleckte Kleidungsstücke. — Als in Langendreer der Bergmann Hacke von zwei Handwerksburschen, die im Graben saßen und ihr Mittagsmahl verzehrten, ein Stück Brot erbat und seinem Wunsche nickt entsprochen wurde, schlitzte er mit einem Messer^dem einen Handwerksburschen den Bausch auf. Der schwerverletzte, an dessen Aufkommen gezweifelt wird, wurde nach dem Wittener Krankenhause gebracht. Der Täter ist verhaftet. — Der Tourist Viktor Egger aus Köln stürzte bei einer Partie am Karersee in Südtirol ab und verletzte sich erheblich — Ein aus Berlin gebürtiger Handwerksbursche namens Johann Gleimsbach wurde bei Bozen von einer Lawine ver- schüttet und sckwer verletzt. Nniversttäts-Yachrichten. — Der kürzlich noch hintan gehaltene Konflikt an der technischen Hochschule in Charlottcnburg ift mut doch ausgebrvchen. Rektor und Senat hat den Charlottenburger Stu- denten-Ausschuß aufgelöst, weil der Ausschuß beschlossen hatte, in Zukunft die konfessionellen Verbindungen nicht mehr zu vertreten. — Dem Prof. Dr. Friedrich Keutgen in I e n a wurde die Professur für Geschickte an der John HopkinS-Universität in Baltimore anaeboten. Kunst und Wissenschaft. Für das dreitägige Beethovensest, das Ende April unter Leitung von Felix Weingartner in Mainz stattfindet, wurde Willy Burmester als Solist gewonnen. — DerDom vonWetzlar. Das „Zentralblatt der Bauverwaltung" schreibt: „Die baulichen Arbeiten am Wetzlarer Tom werden nunmehr, nachdem int Vorjahre die Reste der romanischen Westanlage gesichert und instand gesetzt und nachdem inzwischen größere Mittel durch Bewilligung einer Lotterie Beiträge , des Staates, der Provinz, des Kreises und der Gemeinden flüssig geworden, im größeren Umfange, und zwar zunächst am Chorschluß in Angriff genommen. Da hier bie Strebepfeiler und ferft die gesamte Werksteinverklcidung zu ersetzen sind, so mußte eine besonders sorgfältige Sicherung der schweren Gewölbe und der verbleibenden Mauerteile den weitgehenden Eingriffen in den Bestand des Bauwerkes vorhcrgehen. Diese Sicherung ist in zweifacher Weise, durch ^lbstützung der Gewölbelast mittels abgebundcnen Gerüstes im Chor-Jnncrn und, durch Anbringung eines eisernen Ringankers in Höhe der Drucklinie an der Außenseite der Umfassungsmauern erfolgt. Nach dem Wiederaufbau der Strebepfeiler wird der Ringanker entfernt, um später ebenso wie das Gerüst an anderen Teilen des Tomes ähnliche Verwendung zu finden. Einer der Strebepfeiler ist bereits bis auf das Funda- ment niedergelegt, ohne daß sich am Bauwerke Veränderungen gezeigt haben." Wiesbaden, 16. April. Ter Kongreß für innere Medizin lehnte einstimmig den Antrag ab, nur jedes zweite Fahr zu tagen, und wählte für 1906 München als Versammlungsort. — Das neue Düsseldorfer Schauspielbaus ist nunmehr im Rohbau fast vollendet, und schon kann man sich ein ungefähres Bild von dem machen, was sein wird, wenn in diesem Herbst sich die Pforten des neuen Hauses öffnen, das der Nheinftadt und seiner Umgebung ein neues stolzes Theater und eine Mustcrbuhne zugleich bescheren soll. Tas nach Plänen des Baumeisters Schring errichtete^ Gebäude erinnert, von seiner vornehmen Front.aus betrachtet, stark an das Berliner Westentheater Sehrings, mir daß hier der Stil einheitlicher ift: der Stil Ludwigs XII. ist nach außen hin streng gewahrt und auch die Jnnenräume werden nach ihrer^ Fertigstellung genau diesen Charakter tragen. Tas Dlabasterweiß wird im Saale vorherrschen, mit silbergrauen Tönen dazwischen und Goldvcrzierungen. . Am originellsten wird wohl die Fassade des Bühnenhauses wirken, das den Seitenflügel an der Kasernen strafte bildet. Dieses Bübnenhaus ist im Stile einer mittelalterlichen Nitterburg gehalten. Es ist überdies mit seinen Nebenräumen so groß, daß es nahezu die Hälfte der gesamten Baufläche einnimmt. Der Saal des neuen Hauses, das über seinen Eingangspforten nur das Wort „Schauspielhaus" trägt, faßt mit seinem Parkett und den zwei Rängen etwa 1000 Sitzplätze. Die Bühne ist natürlich nach den Erfahrungen der neuesten Technik ausgefuhrt, tote überhaupt das Ganze auch 'den letzten Anforderungen entspricht, die man heute an ein neues, nrodernes Bühnenhaus stellt. Heilbronn, 16. April. Der w ür t t e mb e r g i s ehe Journalisten- und Schrift st eller-Verein hielt hier heute seine zweite Hauptversammlung ab, bei welcher das Justizministerium ditrch Ministerialrat Zindel, des Mrnisterium des des Innern durch Ministerialrat von Scheurlen und die Stadt durch Oberbürgermeister Göbel vertreten toctreit. Den Hauptgegenstand der 23erahingen bildete der Vortrag des Vereinssyndikus Reis über die Reformbedürftigkeit des preßgesetzlichen Berichtigungsverfahrens. Zum Vorstand wurde Redakteur Heller („Schwäbischer Merkur") und zum Stellvertretenden Dr. Liebreich („Neues Tageblatt") wiedergewählt. Paris, 15. April. Die Negierung hat aus Llntrag.des Staatssekretärs des Aeußeren der berühmten Sängerin Adelina P a t t i das Kreuz der Ehrenlegion verliehen. Landwirtschaft. — Die Viehzählung im Großherzogtum Hessen am 1. Dezember 1904 hat nach der jetzt veröffentlichten Statistik ergeben, drei Schurn 1,1,5 '»«breit; 'Nen, 2°s i, I H. hDlu s '"'"‘ibunj Steinstratze 65 (Sieben. Steinstrabe 65. in i. 2. Oberurseler 3. bT4/4 Weibel. K von 4—200 Pferdekräften. 02522 JekoralioMmler- und Weijjbiilhtrgeslhijst Oaist- Mlllkrmeijtll ÄuMhkiiiiß aller ins W ckMgciideil Arbeiteil. Prompte Bedienung. Gediegene Ausführung. Civile Preise. ! 1333] Auf Wunsch Original-Skizzen und Kostenanschläge. Ein zweistöckiges Wohnhaus mit fomiortabel neu ein- gerichteten Wirtschastsräumllchkeiten, Saal, Tarnen-, Speise- ünd Loglerzunmern sowie Reiben, in rvelchem bisher Herren- und Damen-Konfektions-Geschäft betrieben wurde, nebst Wirtschaftsgarten und Remise, belegen m der Markt- und Alaibachstraße, Ein dreistöckiger Anbau, auch in gutem Zustande, nebst Halle rmd Hoiraum, belegen in der Maibachilraße; Scheune nebst Stallung, Garten und Dungstätte, ebenfalls in der Maibachstrasze, ■?'#* ■ Für erwiesenen Der ursprünglich auf den 15. April d. I., norm. 10 Uhr, an- beraumt gewesene Termin zur Vergebung der Erd- und Ataurer- örbeüen und der hierfür erforderlichen Materiallieferung wird hiermit auf Samstag den 29. April d. I., vorm. 10 Uhr, verlegt. Die genannten Arbeiten werden euentl. auch einschließlich der Materiallieferung vergeben und ftnb Angebote hierauf am Vordruck, der bei uns erhältlich, bis zu dem genannten Zeitpunkt an uns einzureichen. Zeichnungen, Arbeitsbeichreibung und Bedingungen liegen bet tins wahrend der Amtsstunden zur Einsicht offen. Zuschlagsfrist 3 Wochen. Gießen, den 13. April 1905. Städtisches Hochbauamt. Immobilien-Kersieigerung Tie zur Konkursmasse der Ehefrau Karoline SchuPPeuer von hier gehörigen Immobilien und zwar: Grosser Eäummigs - Ausverkauf 1 Wegen Vermietung meines Labetis verkaufe ich von heute an aus meinem Lager im Hinterhaus den noch vorhandenen Waren- beftanb in 2075 Iorz.llan-, Klas-, Steingut-, Töpferwaren ufw zu sehr billigen Preisen, worauf ich ergebenft aufmerksam mache. Smineultra&e 5 ©. Ranft. Am Kanzlcrberg die uns anläßlich unserer silberne» Hochzeit Aufmerksamkeiten sagen wir herzlichen Dank. Lujiwirt Erorg Euler nnb bau geb. Weißmüller. Todesanzeige. Gott dem Allmächtigen hat es gefallen, heute mittag unsere liebe Mutter, Schwester, Schwägerin und Tante Km Katharine Grabe geb. Rupp nach kurzein, schwerem Leiden zu sich zu rufen, was wir Verwandten, Freunden und Bekannten mit der Bitte um stille Teilnahme anzeigen. Die trauernden Hinterbliebenen. Gießen, Asterweg 22, den 15. 2tpi.il ivoo. Die Beerdigung findet Tienstag, den 18. April, nachmittags 3% Uhr von der Kapelle des neuen Friedhofs aus statt. " 2142 Anwendung. Gießen, den 15. April 1905. GrvlZt>rzrgiiu,c .urgermeifterei Gießen. Mecum. 1 tiKiUS-Spradel * fes. Mineralwasser «. Kohlensäure-Industrie Hönningen a. Rh. Hervorragendes Ersnschungsgeträn?. Sieben goldene Medaillen u. Ehrenpreise» Wehrte Mrreicbnung „Grand Pri^ _____ Internationale Hygiene-Ausstellung Parts 1904. 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Betr.: Das Einhalten der Tauben während oer Saatzeit. Tie Besitzer von Tauben werben unter Hinweis auf Artikel 39 Ziff. 2 des Jeldstrafgesetzes vom 13. Juli 1904 anfgeiordert, ihre Tauben wegen der Saalzeit bis Ende b. Alts, einznhatten. Tiefe Bekanntmachung finbet auf bie Milltärbrieftauben feine Arbeitsvergebung. 6etr.: Die zur Erbauung einer höheren Mädchenschule von Keller- fußboden auswärts erforderlichen Erd- und Maurerarbeiten. Lcriiittij m Wäkrleitiijttrieilti. Tie bet Herstellung der Wasserversorguugsaulage für die Gemeinde Nicder-Ofleideu, Kreis Alsfeld, Oberhessen, vor- kommenden Arbeiten imb Lie'erungen und zwar: o , T I Titel I. Quellfassungsarbeiten, Los I. { lit Hochbehälter (70 cbm), q - TT | Titel IIL 9iöhrengräben, Los II. j iv. RohrUeterung und Verlegungsarbeiten, /ollen durch schnstl. Angebot vergeben werden. M , Pläne und Bedingungen sind bet der unterzeichneten Behörde, letztere auch beiderGroßh. Bürgermet jterei Stieber-Otleiöen einzusehen; Bedingiiugen und Angebotsvorbrucke gegen ganz ireie Einsendung von 1 Mk. m bar für jedes Los nur von uns beziehbar. Angebote sind unter Benutzung der Vordrucke verschlossen xtb mit entspr. Aufschrift versehen, ^ts welcher auch die -os-Rr. iu ersehen ist, bis Donnerstag, den 4. Mai 190«), vorm. 12 Uhr auf unserem Bureau: Frankfurtersir. 29, einzuretchen. Eröffnung 'n Gegemvart der Anbieter. Freie Auswahl bleibt vorbehalten, zuschlagsfrist 2 Wochen. Gießen, den 15. Aprrl 1905. .. . B /* Grotzh. Kutturinspektio» Greßeu > Wißmann. Alle Ban- -».<> Kanalbau-Artikel liefert zu billigsten Preisen Emil Horst, Gießen, Liebigstratze 51, Riegelpfad 1055 Offeriere: Domänen-Wem erteiltG.E.Seug,Bah>chosstr.49,II Jie Telephon 365. Frankfurter Strasse 11. 2034 Puppenwagen Kindersporiwagen 1892 Puppensportwagen Sonnenllra e 25 an mein Ergebenes vom 11. 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