Nr. 40 Atvcites Blott. 188. Jahrgang Donnerstag >0. A-rdruar 1808 «rsch-tn, a«n» tntt vurrrahm« btfComttagB. »*. - - , ^>1 J ,s Rotan-Msdruck und »erlog der 8*66114* «U <14 ........ . ■ B^S OWT W O OUnwersttatSdruckeret. R. Lange, Gtetzm, Die *Sletzever KmsMienblStter- werden dem ® Wv® Hf 14 D Är gi DV ä W M W W __.___ .Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der UW F N W N Z R L Z> | U U "X U UP U. JL Redaktion.Expedition a.Druckerei: Schulstr.«» «hesstichg taitirtrt“ erscheint monatlich einmal. ZU " M Tel. Nr. 61. Letegr.-Adr,i Anzeiger Gießen» General-Anzeiger, Amts- und Anzeigedlatt für den Kreis Gießen. . -------! '■ .■'I,'!.T.' ------- ■ . ----------------— KrlNscher Landtag. R. B. Darmsta dt, 15. Februar. Am MinisteOsch: Finanzminister G n a u t h, Ministerialrat Dr. Eisenhut, Geheimer Oberschulrat Nodnagel, Ministerialrat Weber. Die Sitzung wird um 9 1Jt Uhr eröffnet. Das Haus fetzt die Beratung bei Kap. 38, Gymnasien, Realschulen rc. fort Die Gießener Schulangelegeuheit. Geh. Oberschulrat Nodnagel fuhrt aus, er habe in tier Zwischenzeit das Aktenmaterial über die Gießener Angelegenheit noch einmal gründlich durchgesehen und er sinde eine merkwürdige Uebereinstimmung sowohl im Gedankengang, wie in den einzelnen Sätzen zwischen den Ausführungen Dr. Davids und den pseudoanonymen Ausführungen der Druckschrift. Dr. David habe dem Gießener Gymnasialdirektor Dienstunfähigkeit vorgeworfen, durch welche die Disziplin gelockert werde, daß er Ausbrüche des Jähzorns erhalte, Mangel an Objektivität Lehrern und Schülern gegenüber beweise rc., kurz, daß der Beamte nicht für seinen Posten geeignet sei. Alles das sei auch in der Druckschrift enthalten und so übereinstimmend, daß er annehmen müsse, Herr David habe lediglich seine Anklagen auf dieses Schriftstück aufgebaut. (Dr. David ruft: Nein!) Herr Dr. med. Klein ist auch durch reichsgerichtliches Urteil vom 29. November 1903 endgültig verurteilt worden, seine Anklagen gegen Direktor Schädel wurden als völlig unhaltbar zurück- gewiesen. Dann erschien im Januar 1904 das im Druck vervielfältigte Schreiben und bei der eingeleiteten Untersuchung stellte Dr. Klein mit voller Bestimmtheit in Abrede, irgend etwas mit dem Schreiben zu tun zu haben, ja er bezeichnete selbst das Schreiben als gemeinen Schwindel und grobe Mystifikation. Auch das gesamte Lehrerkollegium des Gymnasiums wies mit Entrüstung zurück, mit der Schmähschrift in irgend welcher Verbindung zu stehen. Da eine Ermittlung des Versaffers nicht gelang, mußte man sich damit begnügen, dasGanze als einnichtswürdigesBuben- stück zu bezeichnen und auf sich beruhen zu lassen. Gegenüber der Behauptung, daß in Gießen kein normales Verhältnis zwischen Direktor und Lehrerschaft bestehe, erinnert Redner an die früheren Zustände in dieser Anstalt. ES habe Leute gegeben, die da knirschten, um den Direktor Schiller dort wegzubringen und es sei ihnen doch nicht gelungen. Unter Dr. Schädel hätten sich die Zustände lediglich gebessert, eine „Diebesbande" sei unter seiner Leitung dort nicht gewesen. Dagegen habe Direktor Schädel eine S ch ü l e r- verbindung aufgedeckt, der auch angesehene Leute, ein Rechtsanwalt u. a. als alte Herrn angehörten, die den Humbug der Schüler mitmachten, und diese Verbindung bestand seit 1885, also zu einer Zeit, in der auch Herr Dr. David dem Lehrerkollegium angehörte. (Heiterkeit.) Er wiederhole, daß Dr. David in seiner Anklage keine Spuren von Beweisen vorgebracht, sondern einfach behauptet habe, „das pfeifen die Spatzen vom Dach" — er fürchte, das sind keine harmlosen Spatzen, sondern viel schlimmere Vögel, das sind ganz nichtswürdige Verleumder. Er erwarte mit Sicherheit, daß Dr. David seine völlig unhaltbaren Verunglimpfungen des Beamten wieder zurücknehmen wird, wenn er keine Beweise dafür einbringen kann. IIIPIH—lirMBnEMBM—MEMn Kunstverein. Gießen, 16. Februar 1905. Blumen und Teppiche, fremdartige Stühle und Vasen — in fo ungewohnten: Schmuck präsentiert sich gegenwärtig der Aus- stellimgssaal, zum Zeichen, daß etwas Besonderes und Modernes den Blicken geboten wird. Es ist eine reichhaltige und wertvolle Sonderausstellung des Berliner Malers F. D. L a n g e - D e d e - kam, der kein Fremder in Gießen zwar, aber doch bisher zu wenig und nicht durch eigentlich charakteristische Leistungen bekannt war. Als Landschaftsmaler und Porträtist tritt er uns hier entgegen, nt beiden Gebieten originell und zumeist recht glücklich in, der feinberechneten Wiedergabe zarter, versteckter und komplizierter Reize, die er auch unscheinbaren Gestaltungen der Wirklichkeit abzulauschen sucht und versteht. Sein Selbstporträt, in schlichtem grauen Grtmdton gehalten, das lebensgroße Kinderporträt „Lotte" mit seinen verschiedenen roten Tönen, das strenge Profil bild (41) und das in lebhafter Bewegung dem Beschauer sich zuwendende und durch diese Aktion zu gesteigerter Bedeutung gebrachte Bildnis (45), endlich die hübsche Kindergruppe verraten einen erfahrenen Porträtisten, der, ohne zu schmeicheln, seinen Gestalten die besten Seiten unb die glücklichsten Momente abzugewinnen versteht. Mehr noch tritt sein künstlerisches Gestaltungsvermögen in den Landschaften hervor. Sic sind keineswegs auf einen Ton gestimmt; wenn auch die weichten und zarten, die dämmrigen und duftigen überwiegen, Frühling und Herbst bevorzugt sind vor dem schärferen Licht, den grelleren Farben des Sommers, so spricht doch auch ans diesen kräftig leuchtenden Bildern dieselbe Freude an den Farbenwundern, die ein empfindliches Malerauge in der Natur allezeit und überall entdeckt. Und was dabei besonders auffällt und Lob verdient, ist die Anpassung der Technik an das Motiv. Jedem Gegenstand mit jeder beliebigen Technik und Darstellungsweise beizukommen ist Virtuosenart, die blendende Effekte erzielen mag, aber selten erwärmt; der edytc Künstler findet mit sicherem Instinkt den passendsten Aus- drilck für jeden künstlerischen Gedanken. Wie prächtig treten in der harten, grellen Tuschmanier die phantastischen Felsgruvpen der E i f e l l a n d s cha f t e n heraus, wie sckMeichelnd weich muten in bei: ruhigen, gleichsam körperlosen Tempera die Sicher Herb st bilder an. Ter Maler liebt weite Fernsichten, auch Blicke von hohen Bergen, die nicht nach jedermanns Geschmack sind (man sehe die Gl e i b e r g b l i ck e 4, 5 und besonders 36) und fast alle seine Landschaften verlangen großen Abstand, in dem sie überraschend an Wirkung gewinnen, wie z. B. der. Nachmittagsfriede (17) und das Mare in Abendstimmung (14); immer aber erscheint ein interessantes Stück Welt in reizvoll künstlerischer Gestaltung. Tas klar leuchtende, sonnige Waldbild des Spiegelsees am Heiligen Tamm, die Hondscheinstudien mit ihren unförmlichen, ungewiß schimmernden Baummassen bezeichnen viel- Abtz. Ulrich bemerkt, er sei verwundert über die Entrüstung der Herren am Recfierungstische, sie hätten sich doch wenigstens erkundigen müssen, welche Motive und Unterlagen 'Dr. David für seine Ausführungen hat. Er sei bereit, sein Material dem Scniorenkonvent des Hauses vorzulegen. David habe auch gegen die Person des Direktors Schädel nicht das geringste gesagt, sondern lediglich gegen dessen Dienstführung. Man müsse nach den in! Gießen vorgekommenen Fällen annehmen, daß der Direktor sehr nervös sei. Das könne ihm ja nicht zum Vorwurf gemacht werden, die Folgen müßten aber in Zukunft verhindert werden. Auch andere Leute litten, ja an überreizten Nerven, wie die gestrige Debatte bewiesen habe. Da habe Herr Dr. Eisenhut mit seiner Bärenstimme sich gegen Dr. David gewandt, dessen Flötentöne dagegen ganz verschwinden mußten. (Heiterkeit). Es sei aber nicht angebracht, daß der „Bä'c" sich noch über das Stimmchen des „kleinen Tieres" beschwere. Wenn der Bär sich überbrüllt (hier unterbricht der Präsident den Redner nnb bemerkt, es sei nicht zulässig, in dieser Weise von Regierungsvertretern zu sprechen). Ulrich führt dann aus, die Zustände in Gießen könnten jeoensalls nicht so bleiben. Es habe sogar schon ein Oberlehrer eine Nervenheilanstalt aufsuchen müssen. Redner wirst schließlich. Herrir v. Brentano vor, seine Ausführungen seien bestellte Arbeit gewesen. (Abg. v. Brentano ruft: Sie lügen ja!) Präsident Haas ersucht uin Unterlassung aller Zwischenrufe. Mg. v. Brentano ruft: Dann bitte ich doch, mich dagegen zu schützen. Präsident Haas: Wenn Sie die Zwischenrufe nicht unterlassen, rufe ich Sie zur Ordnung. Abg. v. Brentano: Das ist mir egal! Präsident: Herr v. Brentano, ich rufe Sie zur Ordnung! Abg. Ulrich ftagend: Wer lügt nun? Abg. v. Brentano ruft erregt: „Sie, Sie!" Der Präsident ruft darauf den Abgeordneten nochmals zur Ordnung, wogegen dieser und die «große Mehrheit des Hauses Widerspruchi erheben und den Präsidenten darauf Hinweisen, daß Ulriche der Provozierende gewesen sei. 'Der Präsident fordert darauf den Abg. Ulrich auf, jede persönliche Polemik zu unterlassen. Dieser führt dmm weiter, aus, schon gestern sei ihm vom Abg. v. Brentano gesagt worden: Ihr habt aber heut wieder eine schöne Ohrfeige gekriegt. (Heiterkeit.) Der Präsident ruft den Mg. Ulrich zur Sache. Redner führt dann weiter aus, Dr. Schädel sei kränklich und sollte eine Heilanstalt aufsuchen. Wenn gestern bedauert wurde, daß sich die Beamten mit Vorliebe hinter die Sozialdemokratie steckten, so könne er sich nur darüber freuen. Wenn die Regierung jetzt eine amtliche Untersuchung ablehne, so müsse er das Haus bitten, zu beschließen, daß es von der Regierung eine solche verlangt. Ministerialrat Dr. Eis en Hut erklärt, es sei ihm nicht eingefallen, dem Mg. Dr. David irgend welche Vorwürfe persönlicher Art machen zu wollen. Mer Herr Ulrich suchte die ganze Sache heut anders darzustellen, als es gestern Dr. David in Wirklichkeit tat. Er sei überzeugt, daß die Gießener Beamten zu ihrer Behörde volles Vertrauen hätten, denn sie wüßten, daß sie bei ihm jederzeit volle Gerechtigkeit fänden. Wenn 'David und Ulrich diensteidliche Vernehmunlg der Oberlehrer verlangten, so sei zunächst in einer Disziplinaruntersuchung eine diensteidliche Vernehmung nicht übfich und er habe auch zu unfern Oberlehrern das Vertrauen, daß sie auch ohne besondere eidliche Verpflichtung die volle Wahrheit sagen. Die schweren Angriffe Dr. Davids gegen die unbescholtenen Beamten habe er gerade nicht für Flötentöne halten können. Er, Redner^ sei über diese Beschuldigungen mit Recht entrüstet gewesen und glaube, daß dies auch bei ähnlichen ungeheuerlichen und ungerechtfertigten Anklagen der Fall sein werde. Mg. Adelung polemisiert in längeren Ausführungen gegen die gestrigen Aeußerungen des Mg. v. Brentano! und wird dabei 'so persönlich,, daß er vom Präsidenten! zur Sache gerufen werden muß. Mg. Dr. Schmitt wendet sich gegen die Ausführungen Ulrichs. Dieser hätte bemerkt, daß z. B. auch Mg. Köhler bei der Eberstädter Kindmordssache noch ganz anders gegen die Beamten losgezogen sei; Herr Köhler hatte aber den Mut, das öffentlich unter seiner Verantwortung zu tun. Dem Vorgehen Dr. Davids gegenüber müsse er an das uns von Herrn Ulrich eingeprägte Sprüchlein denken: Der schlechteste Mann im ganzen Land, das tfti und bleibt der Denunziant! Dr. Schädel gehört den bürgerlichen Parteien an, und damit sei ja das Vorgehen gegen denselben seitens der Sozialdemokraten gekennzeichnet. Man dürfe nicht verlangen, daß diese Herren die Rücksicht üben sollen, die sie von andern Parteien als selbst verständlich erwarten. Er stimme ganz dem bei, was in der Sache vom Regierungstisch gesagt wurde: Wenn man derartige schwere Vorwürfe gegen einen in geachteter Stellung befindlichen Beamten erhebe, müsse man auch! bie absoluten Beweise dafür in der Tasche haben und nicht hier auftreten und sagen: Ich erhebe hier diese Beschuldigungen, nun gehe Du hin und suche Dir die Beweise dafür (lebhafte Zustimmung). Nun will uns Herr Ulrichs heute beweisen, es sei ja garnichts werter vorgekommen, Dr. David habe ja garnichts gegen Dr. Schädel gesagt, der! Mohr sei ja ganz weiß. (Große Heiterkeit.) Das beweist doch die Empfindung eines Gemütsmenschen, daß ich sagen muß nach einem rheinhessischen Wort: Da steht mir mein bißchen Verstcmd vollständig stille! (Wg. Ulrich ruft: DaL glaube ich!) Ich kann nur wünschen, Herr Ulrich, möchten Sie doch noch recht ost solche „Erfolge" erringen, wie in der gestrigen und heutigen Debatte! Jin Interesse der bürgerlichen Parteien wünsche ich Ihnen von ganzem Herzen noch recht ost solche Lorbeeren! (Lebh. Beifall.) Mg. Molt Han polemisiert als Ausschußberichterstatter gegen Dr. David und betont, daß in der Gießener Angelegenheit sämtliche Parteien das Verbalten "Dr. Davids verurteilt haben. Er bespricht dann die Frage der Gleichberechtigurrg der höheren Schulen. Ängesichtsi der steigenden Frequenz der höheren Schulen sei es richtig, daß die größeren Städte auch größere Beiträge leisteten. Bezüglich der Gleichstellung der höheren Schulen müsse man dem Beispiel Preußens folgen, besonders im Jvteresse des Landes. Die Petition der Oberlehrer in Betreff dest Regelung ihrer Besoldungsdienstzeit halte der Ausschuß! auch jetzt noch für berechtigt, die Haltung der Regierung begreife er nicht und er hoffe, daß dieselbe sich jetzt noch dem einstinrmigen Votirm beider Kammern anschließerr werde. Finanzminister Gnauth bespricht die Neuregelung der Avers a der Städte für die höheren Schulen und widerspricht den gestrigen Ausführungen des Mg. Pennrich Die Stadt Bingen zahle jetzt nur 9000 Mark Zuschuß für ihre Anstalt, nach Umwandlung zur Vollschule würde sie 21000 Mark dafür zu zahlen haben. Bezügliche der Ntchtberück- sichtigung einer Anzahl Dienstjahre der Oberlehrer hätte die Regierung dem Wunsch der Kammern zugestimmt, sie konnte dies aber nicht ohne die Schaffung neuer großer Schwierigkeiten. Es hätten noch zahlreiche andere Beamte ganz ähnliche Wünsche, ein Teil derselben läge damit noch^ leicht am besten den Umfang der Skala, innerhalb deren die Dar- stellunasknnst des Malers sich betätigt. Als bescheidene Nebenwerke führt er uns auch Studien nach alten s i e n e s i s ch e n Meistenr und Entwürfe für farbige Drucke vor, die ihn dem Gießener Publikum zuerst bekannt gemacht haben. Wir freuen uns, in dieser harmonischen und anziehend arrangierten Ausstellung jetzt ein volleres Bild von dem Wirken des Künstlers bekommen zu haben und hoffen ihn künftig öfter hier zu begrüßen. B. S. Es dürfte von Interesse sein, neben vorstehender feinsinniger Besprechung aus berufener Feder nachfolgende ansprechende „Plauderei" über denselben Gegenstand zu lesen, die uns vor einigen Tagen aus Laienkreisen zuging: Ein Besuch in der Kunstausstellung. Wiederholt wurde im „Gieß. Anz." auf die Eröffnung der „Sonder-Ausstellung von F. D. Lange-De de kam" hingewiesen und eine nähere Besprechung in Aussicht gestellt. Ter Name Lauge sei in Gießen nicht fremd. 2lha, vielleicht ein Gießener Kind! Für den, der alle Familien im Städtchen rennt, recht interessant, aber mir sagte der Name Lange weiter nichts. Zwei Tage wartete ich auf „die Kritik", die bis heute nicht gekommen ist. bann wanderte ick ahnungslos und unbeeinflußt von anderer Leute Meinung nach dem Turmhaus am Brand, um auf meine Art mich am Schönen zu erfreuen. Tas Publikum im allgemeinen will auf das Neue und Gute, welches in großer Fülle in der Kunstwelt erscheint, aufmerksam gemacht werden und eine verständige Kritik ober wenigstes eine geeignete Besprechung dürfte dazu geeignet sein. Man pflegt zu sagen, die Menschen sind die besten, von welchen die öffentliche Meinung am wenigsten zu sagen weiß. Tie Mnstler treten jedoch vor die -Dcffcntlicbicit mit ihren Werken, um bekannt zu werden und — um sie zu verkaufen. Ob dies möglich ist. wenn sie in allen Ausstellungen halb- und ganz tot geschwiegen werden? Tas Wüten und Können eines Malers läßt sich lür den Laien leichtcr erkennen und verstehen, lüenn er eine größere Anzahl verschieden, r Werke eines Meisters sieht, Ivie die Sonder-Ausstellung es bietet. Tie Art und Weise spricht direkt zum Beschauer, es' ist etwas Intimes, sozusagen ein Verkehr im engsten Kreise. Hat man das Glück, einen genialen kunstsinnigen Menschen in seinen eigenen vier Pfählen kennen zu lernen, so fühlt man in den von ihm bewohnten Räumen den bestimmten Eindruck seiner Persönlichkeit und dies erleichtert das Verstehen und Nähertreteu. Lauge hat dies sicher gewußt und mit der Anordnung von ein paar Aeußerlichkeiten, wie Blumen und Blaltpftauzeu in modernen Baten und Kübeln, TevvickM und beauemen S-sseln. dem Ausstellungsraum ein individuelles Gepräge gegeben. Damit hat er erreicht, daß der Besucher in Stimmung kommt. Stets von selbst die richtige Stimmung mitzrckringeu, zur Besichtigung von Kunstwerken, ist nicht jedermann möglich. Darum soll man es nicht „Mache" nennen, ioenu der Künstler einem mit unbedeutenden „Aeußerlichkeiten" dazu verhilft. Ter geborene KunWuner mag so etwas ja nicht nötig haben, der soll das Beiwerk ruhig übersehen. So viel ist sicher, jebet Laie wird gleich mir große Freude an den Bildern, Zeichnungen und Entwürfen Langes haben. Hauptsächlich sind es Landschaften nach Motiven aus der Eifel, bei Sieb, Gießen, Biebertal, Gleiberg, T'ünsberg usw. Ernst mtb heiter, farbenprächtig leuchtend und düster und trübe. „ , a . Einige Porträts zeigen die Vielseitigkeit des Malers und seine Beobachtungsgabe. Mein erster Blick fiel aus das Bild der „Sott e". Eine liebliche Mädchenblüte, geschmückt zur Aufführung lebender Bilder, im roten Sammetgewaui^ mit dem Königinnenkrönchen int Haar. Tie beiden Lorbeerbäume davor erhöhen den pomphaften Ernst im Scherz. So recht als Gegensatz erscheint das „Kinderbtldnrs . Ein einfaches, im grausamen Leben früh ernst gewordenes Schwesterchen, welches den kleinen Bruder treu behütet. Soeben hat sie die Erzählung von der verzauberten Prinzeß im Purpur- kleide und der goldenen Krone erzählt, deren Eroberung . beit tapferen Ritter in den Besitz von unendlichen Herrltchketten bringt. Nun schaut das Kind mit feinen traurigen Augen sehnend und wünscherch inö Märcksenland, ohne zu ahnen, daß über ihrem Haupte schon die schönste Krone des Weibes ichwebt,. die Mütterlichkeit. — Auf leisen Sohlen möchte man weiter schrecken, um den Zauber nicht zu brechen, der von dem „Küiderbtldnis aus geht. Q^eren Bildnisse, auch das vom Künstler felbft, sind nicht nur Bilder, nein, es sind Darstellungen von Menschen mit Fleisch und Blut, voll Charakter und Gemüt. Tiefes Gemüt,und ein großes Talent muß 'der 5Lünstler haben.1 daß er die Menschen und die schöne Gotteswelt so belauschen und wiedergeben kann. Es ist nicht meine Mischt, alle Bilder zu beschreiben, ftc etwa gar auf ihren künstlerischen Wert zu prüfen, das überlasse ich anderen, die dies verstehen. Wer nicht glaubt, ivad ich schrieb, gebe doch hin und schaue! Meinen Genuß habe ick gehabt und verschaffe mir ihn noch einige Male, und dem Künstler wie dem Kunstverein danke ich dafür. Hoffentlich bringt die Saison dann auch weitere schöne Darbietungen. Berta Olbricht. — T ie Sektion der Leiche Menzels hat ätvec be* merkenswerte Tatsachen ergeben: erstens daß Meuzell ebenso wie Helmboltz, einen ausgebildeten hvdroeephalus,^ineu „Wa sser- kopf" besaß, und zweitens, daß sich deutliche untren einer vor Jahrzehnten ausgeheilten Tuberkulose fanden, xarauö sieht auf der Lauer. Die Negierung konnte deshalb nicht von ihren bisherigen Grundsätzen abtveichen. Wenn demgegenüber gestern von der Gefahr einer Erschütterung des Vei> trauens zur Regierung gesprochen ivurde, so erkläre er, daß er nie auf seine pflichtmäßige Ueberzeugung Verzicht leisten werde, um nur an seinem Amte Heben zu bleiben. Abg. Pennrich legt seinen Standpunkt bezüglich Schulbaues und der Schulumwandlung in Bingen dar. Abg. v. Brentano polemisiert in scharfer Weise gegen Dr. David und dessen selbstbewußtes Auftreten. Er habe von seinen schweren Anklagen nichts bewiesen. Wenn derselbe neben der gekennzeichneten Berleumdungs- schrist nur noch einen Brief eines Nichtlehrers habe, so könne er nur sagen, Dr. David habe aus einer sehr ttüben und unsauberen Quelle geschöpft; das sei ihm ja auch schon schlecht genug bekommen! (Heiterkeit) Er hätte nur einmal den Sturm der Entrüstung sehen wollen, wenn seitens der Bürgerlichen Parteien einer der Genossen' in ähnlicher Weise angegriffen worden wäre. Dr. Davids Vorgehen zeuge von einem Niedergang des Parlamentarismus auch in Hessen. Abg. Dr. David wendet sich gegen die Ausführungen des Vorredners und versucht nochmals, sein Verfahren gegen Herrn Direktor Dr. Schädel zu rechtfertigen, wobei er abermals große Vorwürfe gegen die Vertreter der Schulbehörde erhebt. Geh. Oberschulral Nodnagel: Die Unterlage Dr. Davids fei nichts anderes als das gefälschte Schriftstück. Derselbe habe bisher das Gegenteil nicht bewiesen. Er appelliere an das ganze Haus, daß Dr. David in seinen ganzen langen Ausführungen nichts weiter vorgebracht habe, als was in jenem Schriftstück stand. Und diese Dinge seien sämtlich Gegenstand der Untersuchung gewesen und ihre völlige Haltlosigkeit habe sich ergeben. Was solle da jetzt noch weiter untersucht werden? Ministerialrat Eisenhut weist energisch den Vorwurf Dr. Davids zurück, daß Redner gegen ihn eine sozialdemo- ttatische Hetze inszeniert habe; ein solcher Vorwurf könne ihn nicht treffen. Weiter weist der Redner noch verschiedene andere Beschuldigungen des Abgeordneten zurück. Abg. Dr. Gut fleisch legt dar, daß er als Vertreter der Stadt Gießen von den hier vorgebrachten Beschuldigungen nicht unterrichtet sei. Es habe sich deswegen niemand an ihn gewandt; er könne also nichts darüber sagen. Redner geht dann auf die Petition der Oberlehrer näher ein und führt aus, daß es sehr wohl möglich gewesen wäre, deren Wünsche zu berücksichtigen. Ueberdies könne die Zeit nicht mehr zu ferne sein, in der eine gewisse Aenderung der Besoldungsordnung vorgenommen werden müsse. Auch wenn man sehr viel Unbilliges und ungerechte Wünsche in Abzug bringe, bleibe doch noch vieles übrig, was Be- rücksichttgung finden müsse. (Zustimmung.) Finanzminister Gnauth entgegnet kurz und bemertt, es werde noch eine genauere Darlegung der Stellung der Regierung zu dieser Frage erfolgen. Abg. Dr. W i n d e ck e r: Es sei eigentümlich : Abg. Dr. Gutfleisch und auch der Vertreter des Landkreises Gießen, Abg. Leun, wissen von den ganzen Vorgängen nichts und Abg. David habe doch behauptet, das pfiffen die Spatzen von den Dächern! Das Lehrerkollegium habe doch auch dem so schmählich Angegriffenen sein Vertrauen ausgesprochen! Jedenfalls sei jetzt klar: Die Sozialdemokraten haben sich gründlich reinlegen lassen. (Zustimmung.) und ein Ruhmesblatt für die Herren sei die gestrige und die heutige Debatte absolut nicht. (Lebh. Beifall.) Ten Vorwurf der „bestellten Arbeit" weise auch Redner namens seiner Partei entschieden zurück. Er hoffe, daß solche Vorkommnisse auch in Zukunft Anlaß zu einem einnrüttgen Zusammengehen der bürgerlichen Parteien bilden werdem Nach weiteren Bemerkungen derAbgg. Heidenreich, v. Brentano, Dr. Schmitt und Wvlf, welcher bemerkt, die Sozialdemokraten hätten mit ihrem unverant»- wortlichen Vorgehen nichts als Aufregung im Hause erreicht und das Land um einige Hundert Mark Diäten gebracht, schließt die Debatte. Kap. 38 wird darauf genehmigt. Präsident Haas verliest alsdann die inzwischen festgestellte Adresse an Se. Kgl. Hoheit den GroßherzvA, die einmütige Zustimmung findet. /non, daß ein Wasserkopf ein Genie sein, und daß man mit einer Anlage zur Tuberkulose neunzig Jahre alt werden kann. — Der Russe Konstantin Somoff muß neben dem «erstorbenen Engländer Aubrey Beardsley und dem Deutschen Th. Th. Heine als der bedeutendste Vertreter der sogenannten „romantischen Ironie in der Malerei gelten. Seine Kunst mengt, wie die jener anderen, aus den exquisitesten Erzeugnissen raffi- nietter Kulturen das Einfache und das Kostbare, Naives und Bewußtes, Zufälliges und Absichtliches mit sicherem Instinkt für die Bedürfnisse zartnerviger Kunstgenießender. Hans Rosenhagen widmet dieser interessanten Persönlichkeit eine reich mit Abbildungen versehene Monvgraphie im Februarheft der „Kunst", Monatshefte für freie und angewandte Kunst. lVerlagsanstalt F. Brucknmnn, A.-G., München: vierteljährlich 6 Mk.). Das Heft bringt außerdem den Schluß des Heilmeyerschen Aufsatzes über Münchener Plastik, ferner die Vorführungen aus dem Gebiete angewandter Kunst, worunter die allerliebsten Buchschmuckarbeiten in ihrer farbigen Wiedergabe besonders angenehm auffallen. — Aus Dresden wird geschrieben: Im kgl. Schauspielhause wurde dieser Tage „Der Privatdozent", ein Stück aus dem akademischen Leben in vier Aufzügen von Ferdinand Witten- hauer zum überhaupt erstenmale gegeben. Der Verfasser ist Steiermärker und seit 1891 Professor der Mechanik an der Hochschule zu Graz. Bisher hat er sich nur durch lyrische und epische Gedichte romantischer Art bekannt gemacht. Sein Schauspiel „Der Privatdozent" ist eine Art Tendenzstück, es schildert die unwürdige Stellung „ des Privatdozenten an einer staatlichen Anstalt, der er seine Kräfte ohne Gegenleistung opfert und ohne die Garantie einer Staatsanstellung, und dessen Anstellung als außerordentlicher oder ordentlicher Professor oft nur das Ergebnis gesponnener Jntriguen ist, bei denen nur zu oft die Professorenfrauen und -Töchter die Hand im Spiele haben. Diese Idee liegt der Hcmd- lung zugrunde.. Wittenbauer hat sicher aus eigener Anschauung geschöpft, auf jeden Fall gut und scharf beobachtet und typische Gestalten aus bem Leben geschaffen. Allerdings haftet manchen Vorgängen das Wesen der Unwahrscheinlichkeit an, manche Motive werden angeschlagen und dann fallen gelassen: aber der prächtig gefühtte, voll Geist.und Humor erfüllte Dialog und die Offenbarung von akademischen Lebens- und Berufswahrheüen in satirischem Gewände geben dem Stück seinen Wett. Der Verfasser wurde nach den Artschlüssen lebhaft gerufen, nur nach dem matten 4. Akt flaute die Stimmung, mettlich ab. — Paul Heyhat ein neues modernes Drama geschrieben unter dem Titel ,.,Der Kanadier", welches im Frankfurter Schauspielhauie, gelegentlich des 7 5. Geburtstages des Dichters im März feine Originalausführung erleben wird. Da dieses Stück den Abend nicht ganz ausfüllt, wird es durch die erste Aufführung eines Einakters von Paul HeYse, „Die Tochter des Semiramis", ergänzt sein. — Das neue Lübecker Theater, dessen Pläne von Sehring verrühren, soll 'einen Kostenaufwand von 2i/2 Millionen Mark erfordern. Der Staat will aber nur den Bau ausführen lassen wenn mindestens eine halbe Million von privater Seite gezeichnet wird. Hierzu hat sich bereits ein Komitee gebildet. Schluß der Sitzung kurz: vor 2 Uhr. Nächste Sitzung: Donnerstag früh 9 Uhr.____________ UMische Tagesschau. Heber den Zweck der Reise des Fürsten von Bulgarien nach Berlin hat sich der bulgarische diplomatische Agent am Berliner Hose, General Nikyphorow, folgendermaßen ausgesprochen: Fürst Ferdinand bat die Reise nach Berlin unternommen, um den Kaiser bei seiner bekannten Friedensliebe zu ver- an lassen, seinen Einfluß beim Sultan zu verwenden, um das Mißtrauen d e r P f o r t e g e g e n B u l g a r i e n z u A e r st reue n und den Sultan zu überzeugen, daß Bulgarien keine kriegerischen Absichten hegt. Solange dieses Mißtrauen besteht, ist die Gefahr kriegerischer Verwickelungen vorhanden. Die bisherigen Bemühungen der Mächte haben die Pforte nicht umzustimmen vermocht und daher hat Fürst Ferdinand sich direkt an den Kaiser gewandt, der den größten Einfluß aut den Sultan besitzt. Ein weiterer Zweck der Reise war, dem Kaiser zu danken wegen Zulassung eines diplomatischen Vertreters Bulgariens in Berlin. Daß Bulgarien keine kriegerischen Absichten hege, m von bulgarischer Seite schon oft und in allen möglichen Rundschreiben an die Mächte versichert worden. In diesen Zirkularen wurde der Pforte feierlichst die Schuld zugeschoben, wenn die Unruhen in Mazedonien zu einer allgemeinen Erhebung im Balkan führen sollten. Ebenso feierlich, mit Zugabe sehr beweiskräftigen Materials, schob die Pforte die Verantwortung auf Bulgarien zurück. Die Pforte lenkte immer wieder die Aufmerksamkeit der Mächte darauf hin, daß von Bulgarien aus die mazedonische Bewegung genährt werde, und daß die bulgarische Regierung sich entweder ganz passiv verhalte oder nur eine höchst lässige Aufsichts- und Abwehrtätigkeit ausübe. In der „Rordd. Allg. 3tg.' ist die „zuverlässige Friedensliebe" des Fürsten Ferdinand gerühmt worden, ja die offiziöse Stimme widmete dem Fürsten das Kompliment „staatsmännischer Besonnenheit". Soviel ist schon richtig, daß Fürst Ferdinand persönlich von einem Krieg nichts wissen will. Ob er auch so sehr Diplomat wie Friedensfürst ist, steht dahin. Die Welt hat noch keine besonderen Beweise staatsmännischer Befähigung von ihm gesehen, sie muß einstweilen das Attest der „Norddeutschen" ebenso auf Treu und Glauben hinnehmen, wie einen enthusiastischen Aufsatz eines außer merkwürdigerweise bei der Bett n?r Regierung eigentlich nur bei einer ganz urteilsunfähigen und sensationslüsternen Menge beliebten Berliner färb- und gesinnungslosen Blattes, das den Fürsten Ferdinand als ein Universaltalent, auf sämtlichen Gebieten heimisch, feiert. Es kommt darauf an, ob der Herrscher Bulgariens seine Leute in der Gewalt hat. Ein paar mal, als die mazedonischen Wirren einen recht bedenklichen Charakter angenommen hatten, sah es mit dem Einfluß des Fürsten auf Volk und Regierung nicht zum besten aus. Damals konnte man jeden Augenblick die Kriegserklärung an die Pfotte erwarten. Im kommenden Frühjahr ist die Neubelebung der mazedonischen Bewegung umsomehr wahrscheinlich, weil Rußland mit dem ostasiatischen Krieg, und der andere „Balkanwächter" Oesterreich-Ungarn mit innerpolitischen Sorgen übergenug zu tun hat. Fürst Ferdinand wird dann Gelegenheit erhalten, staatsmännische Besonnenheit dadurch zu zeigen, daß er sich nicht in den populären Krieg gegen die Pfotte hineindrängen läßt, der längst auf dem Programm der Führer der mazedonischen Bewegung steht. Fürst Ferdinand ist übrigens von seinem Mecklenburger Ausflug am Mittwoch wieder in Berlin eingetroffen. * Prinz Friedrich Leopold von Preußen trat seine Reise nach Ostasien von Genua mit dem am 15. d. M. von Bremerhaven abgegangenen Lloyddampfer „Prinz Eitel Friedrich" an. Wie uns aus Berlin geschrieben wird, ging her, Gedanke, ich auf das Kriegstheater zu begeben, vom Prinzen selbst aus, der den Wunsch hegt, nam seinem eigenen Ausdrucke „einmal wirklich Kugeln pfeifen zu hören". Dem Kaiser rourbe, der Wunsch des Pttnzeu unterbreitet, als er sich auf der Nordlandfahrt befand, und er gab sofott seine Zustimmung dazu. Auch Z a r N i k o l a u s willigte erfreut ein, da die Anwesenheit eines preußischen Prinzen und so nahen Verwandten des deutschen Kaisers im russischen Hauptquartier für Rußland von politischer Bedeutung sein mußte. Prinz Leopold wird sich eine Reihe von Tagen in Petersburg aufhalten und dem Zaren ein umfangreiches Handschreiben des Kaisers Wilhelm überbringen. Die Kommission des Reichstages für die Handelsverträge begann am Mittwoch die Beratungen bei dem Vertrag mit O e st e y reich-Ungarn. Im Laufe der Debatte bemerkte Staatssekretär v. Richt Hof en, es sei kein Anlaß, irgendwie zu zweifeln, daß der Vertrag den Parlamenten von Oesterreich-Ungarn zur Beschlußfassung vorgelegt werde. Wie sich sein Schicksal dort gestalte, lasse sich absolut sicher natürlich nicht sagen. Auf eine Anfrage, ob auch im Falle einer Zolltrennung zwischen Oesterreich und Ungarn die Annahme des Vertrages gesichert sei, erwiderte Staatssekretär Frhr. v. Richthofen: Die Gesamtmonarchie sei das mit uns kontrahierende Rechtsobjekt. Rußland, das kein Parlament besitze, habe sich bereits mit dem Tage der Unterzeichnung gebunden, während bei uns erst eine parlamentarische Verhandlung erfolgen müsse. Sollte wider Erwarten einer der sieben Verträge die Genehmigung des Reichstages nicht erhalten, so müßten für diesen Fall die verbündeten Regierungen ihn ihren Entschließungen völlig Vorbehalten. Staatssekretär Graf Posadowsky erklärte auf die Frage, ob auch die Viehseuchenkonvention ein Gegenstand schiedsgerichtlicher Behandlung würde werden können, daß dies unter keinen Umständen der Fall fein werde. Ueberhaupt werde man mit der Ausdehnung des schiedsgerichtlichen Verfahrens über den Kreis zolltechnischer Fragen sehr vorsichtig sein und sich dabei nur von deutschen Interessen leiten lassen. Aus die Frage wegen des Inkrafttretens der Verträge erwidert Staatssekretär Frhr. v. Richt Hofen, er habe vorläufig den 1. März 1906 dafür in Aussicht genommen. * Eine notleidende Kommission. R. Berlin, 15. Febr. Nach einer der „Voss. Ztg." aus kolonialen Kreisen Angehenden Mitteilung sind die der Unterstützung am meisten bedürftigen De u tschen in Südwe st afrika die Mitglieder der Kommission, welche mit der Feststellung des durch den Aufstand verursachten Schadens betraut ist. Tie Herren können den übernommenen Verpflichtungen nicht mehr nachkommen, weil ihnen die Subsistenzmittel fehlen. Auf Ersuchen des Vorsitzenden, der keinen anderen Ausweg aus der Bedrängnis sah, hat das kolonialwirtschaftliche Komitee 800 Mark überwiesen. ' i einer Notlage vorzubeugen. Tas ganze Ereignis mutet an, voj? ein Schildbürgerstteich. Man streitet mit dem Reichstag herum, um eine reichlichere Entschädigung der Farmer durchzusetzen, und vergißt, daß die den Gesamtschaden ermittelnden, im Ehrenamt tätigen Herren vor allem auf eine Unterstützung von Reichs wegen Anspruch haben, da sie für den Verlust der sonst auf die Berufsarbeit verwendeten Z ' entschädigt werden müssen. Zu der Notwendigkeit, die priuiuc Hilfe anzurufen, hätte es nicht kommen dürfen. Ter Vorgang ist ohne Beispiel, aber wohl nur durch den Kriegszustand zu erklären, der auf_ den Verkehr der Verwaltung in Windhuk mit der Zentralstelle in Berlin störend einwirkt. Tie nächste Kolonialdebatte im Reichstag wird Wohl hierüber Aufklärung bringen. Ihre Stellung zur akademischen Freiheit präzisierte die preußische Regierung in der letzten Sitzung der Budgetkommission des Abgeordnetenhauses iBeratung des Kultusetats) dahin, daß sie die konfessionellen Verbindungen nicht billige, aber kein R e eh t habe,eiN- z u g r e i f e n. Es bildeten diese ein Moment der akademi s ch e n Freiheit, die man durchaus schätze. Tie studentischen Ausschüsse hätten ihre Befugnisse Übertritten, doch habe man sich in Hannover leicht geeinigt; dort herrsche jetzt voller Frieden. In Marburg sei die Sache noch nicht erledigt. Dort habe man einen offenen Brief an den Kultusminister gerichtet und veröffentlicht, auch weiter Resolutionen gefaßt. Tie Unter* * richtsverwaltung werde in dem Bestreben fortfahren, auch hier zur Vett'öhnnna zu gelangen. Alis und Llwd. Gießen, den 16. Februar 1906» §§ Dem Großherzog. Aehnlich wie die Kriegerverelne der „Hassia", beabsichtigen die hessischen Postbeamten, Ober- wie Unterbeamten, in ihrer Gesamtheit eine Spende bitrd) freiwillige Gaben Sr. Königs. Hoheit bein Groß- Her z o g als M orgengabe zu seiner jüngst erfolgten Vermählung zu überreichen. Die Sammlung findet ungeteilte sympathische Aufnahme; die Listen werden am 20. ds. Mts. geschlossen. Uebec die Verwendung der Stiftung verlautet z. Zt. noch nichts. *' Sitzung des Provinzial-Ausschusses. Am 22. d. Mts., vormittags l/?9 Uhr, findet eine Sitzung des Provinzial-Ausschusses der Provinz Oberhessen mit folgender Tagesordnung statt: 1. Die Hilfsbedürftigkeit des Taglöhners Michael Höfler von Michelbach, hier Anspruch der Ortskrankenkasse Nieder-Wöllstadt und Umgegend gegen die Ortskrankenkasse Vilbel wegen irrtümlich geleisteter Unterstützung. 2. Anspruch des Armenverbandes Immichenhain gegen die Gemeindekrankenkasse Eudorf wegen Ersatz von Transportkosten für den Johannes Kuhn von Immichenhain. Darauf folgt eine nichtöffentliche Sitzung. •* Kaufmännischer Verein. Nächsten Freitag abend Bt(4 Uhr beginnt, so wird un§ geschrieben, im Kaufmännischen Vereinshause der vom Kaufmännischen Verein wiederholt angekündigte Kursus für doppelte und amerikanische Buchführung. Vei der am Montag abend abgehaltenen Vorbesprechung war bereits eine hinreichende Anzahl von Teilnehmern erschienen, so daß das Unternehmen als gesichett angesehen werden kann. Leider aber mußte festgestellt werden, daß gerade aus den Kreisen der praktischen Kaufleute (wenigstens bis jetzt) die Beteiligung äußerst gering ist. Es ist das um so weniger verständlich, als der Kursus in eine gerade für die Kaufleute vorzüglich passende Zeit fällt, und er ferner einen Teil der Kontorpcaxis zum Gegenstand hat, ohne den heutzutage ein zeitgemäß geleiteter kaufmännischer Betrieb nicht mehr denkbar ist. Der Kursus wird von einem erfahrenen Fachmann geleitet und wird in Vorträgen und praktischen Hebungen — natürlich nicht in peinlicher Schulform, um auch älteren Herren die Teilnahme zu ermöglichen — bestehen. Er wird, abgesehen vom ersten Abend, Mittwochs von 8V< Uhr abends abgehalten. Anmeldungen können noch am Eräffnnngsabcnd erfolgen. — Am verfloßenen SamStag feierte der Kaufmännische Verein im Caf^ Leib (Festsaal) unter zahlreicher Beteiligung sein diesjähriges Winterfest. Die vorzüglichen Darbietungen des Humoristenpaares Hermann Färtsch und Anna Förtsch-Dieffenbacher aus Stuttgart sanden den ungeteilten Beifall sämtlicher Besucher und trugen sehr zur Erheiterung und Belebung des Abends bei. Infolge der Reichhaltigkeit ihres Programmes sand der erste Teil der Festlichkeit erst gegen Mitternacht seinen Abschluß; dadurch kam die Jugend freilich im Tanzen zu kurz, doch holte sie das Versäumte später zahlreich nach. Eine äußerst stattliche Anzahl Paare beteiligten sich an der Polonaise. Getanzt wurde bis zum dämmernden Sonntagmorgen. Nachmittags von 4 Uhr ab sand noch eine Nachfeier im Vereinshause (Nordanlage 15) statt, die gleichfalls einen angenehmen und fröhlichen Verlauf nahm. •* Der h essische Verband der Spengler m e: st er und In sta la teure teilt uns mit, daß am kommenden Sonntag, den 19. d. Mts., in Darmstadt, Restaurant Sitte, Karlsstraße, präzis vormittags 11 Uhr, eine Ausschuß-Sitzung stattfindet, die besonders den Zweck hat, über den in diesem Jahre stattfindenden Verbandstag in Gießen eingehende Beratungen zu führen. Ferner sollten die organisatorischen Verhältnisse des Verbandes 311 eingehenden Darlegungen in dieser Sitzung Veranlassung geben. Die Tagesordnung überhaupt ist sehr reichhaltig und von großer Wichtigkeit, unb wir möchten im Jntereffe des Spengler- unb Installateur- Handwerks auf diese Tagung, wozu auch sämtliche Ausschußmitglieder der Bezirksvereinigungen des Verbandes eingeladen sind, aufmerksam machen. ? Ein Blitzschlag im Winter gehört zu den seltenen Naturerscheinungen. Bei dem jüngsten Schneefall tobte jm Vogelsberge ein sehr heftiger Sturm. Ein greller Blitz leuchtete auf, dem ein starker Donnerschlag auf dem Fuß folgte. Der Blitz hatte den hohen Turm der Kirche zu Crainfeld getroffen, ohne zu zünden. -s- Aus d e r S ch u l e. Bei der Behandlung des Freilig- rathschen Gedichtes, der „Löwenritt", fragte der Lehrer die Schüler: „Was ist Madagaskar?" Ein kleiner Junge, dem er die Beantwortimg der Frage nicht zutraute, streckte mit anderen Schulern den Finger. Diesen Kleinen fragte nun der Lehrer. Er erhielt zur Antwort: „Der — der Matte- kaspar, bas ist ber Mann, ber bie Matte (Schmierkäse) kauft." Rheinisches Technikum Bingen für Maschinenbau und Elektrotechnik.^1/, WondA werben zart unb weich nur durch 6>e« muilLIHD JLlaliUv) brauch be3 an Feinheit unerreichten n‘*‘MPi^hMich-n" Myrrholiuglyceriu.j W bi9re>- '7. Sericht^ n .Unter- ' « hier ^r-tz ?y»b ^Tb N)oU lar 190j. n^eröerelhc Beamten, e,ne Spende ''n Groß, folgten Ver- l ungeteilte 0. b§. Ut§. l9 uerlautet Ant öitlimg be§ "t folgender ; Taglöhners der Orts- 'n die Orts- niechützung. J^egen die Transport- in. Daraus >lm Freitag 'n, im Kaus. scheu Verein pelte und am Montag t§ eine hin« ]*o daß da/ ‘ann. LeÄe den te ie Beteilirng : verslärl'ich, ite vlUZvM Kontomcays jeitgeinöß ge* baiiit. Der geleitet und — natürlich Herren bie , abgesehen abendtz ab« ^nnngSabend i bet flauf. >r zahlreicher > vorzüglichen Förtsch den den -' sehr zur [ge der Äri'' 1 der Festig durch kam die । fic bo§ der* iiiliche M mit n>urd- b^ iqj oon 4 M (lorbantogt15> jtötjtii® igletmt'H“ m kommend'« »nnront 6Ä Mchuß.§»"' benin* Itn ''"9*2 arlegunge'' »orbiumgu^' zikbtigteit. 11 b 3nitaßar^ fclitnti zu ruf im Älih '.fbim B " milch' 9 °acMt W ;'r W' lt,n‘ itr«ftt r01". ' ft nn" tn J W, ce as> QSt ÖS CO Itf, es (N >J3 O CT- 'P O CD 1O 15 CD CO P P CT :O CT. C 5 S'_- G :C ct .o g 'CTb p .s ®* .5: TlO «sr- a=- sx ct 2 »SD «r Ä. *R> 3^' «d 1- CO CD C '—’ e_ S = r- a ss -e X 5 5 le 2" »o :,-j >CT p N Ä5 * > ast o £ «V — :C 5« (9 » S 5 C7 P 03 O CT» v X) A ÄUg ■M 5 P2 . CT-eo '*■< CD J-t X 4ns* - —* -CT 77 ^0'5 ■ *>cts- -- «OX .2>o SH j g-§»Z o c^s> VO P -S C? (7?5$ä) ’S ast L o ex sj o . 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CT CT (9 CTb^ CT frost CT <^u 2- > ’x, ' vQ C ,- ö?-S CT r— CT CT (9 *0* CT CT p CT CTb o CTb CT -CT. CTb.5: ^ *& s* CT o CTb «St » P «CT. CT C CT o X'A'Z HAI 2 S Je ast CT CTb P >0 e>^2sa^ <^gS®ü* ^5* CbCtCT CT <> C P s ’S K -? x Cb Cb jQ ^v C :-> -O >b x CT-^ CT c? asT . P 00 o es N- _ ast C Cb — C _Cb ast _CT ä N BÄ cs c: c (9 Evangelischer Bund. Achtung für Brautleute Sonntag den 19. Kebruar 1905, abeudS 81/* Uhr: * tfY9 99 if A A I vlw VW vl TA) Billige Möbel! Lanolinhufsalbe Alles sehr billig 658 wegen Aufgabe der Jiliale Settersweg 83. Schellfische in Eis 249 empfiehlt 509 Mischobst, seine Mischung, p. Pfd. 48 ¥♦ xv V £.5tdohäB$cr, 'in Würfeln. Telephon No. 50. Südanlage No. 20. Flllß- und Seefische 796) 2—4 Uhr nachmittags. . Pfund 9 bestehend aus einer Prämie v. Pfg. Jeinste Murcia-ZZtutorangen . LIO Rheinisches Kaufhaus für Lebensmittel a’6/, Nahnßofstraße 26. Baßnyofstraße 26. | M- 39 20 49 Mk. 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