2C Juni 1905 155. Jahrgang Erstes Blatt. Schvrstratze 7« Ubrefft für Devefchen: Anzeiger Gtetzen. KernsprrchanIchlußNr 61. Der Krieg. Die Friedenskonferenz. Tokio, 20. Juni. (Reuter). Die Erörterungen über bis geplante Zusammenkunft japanischer und russischer Bevollmächtigter dauern fort. Alle Mitteilungen geschehen durch die Vermittlung Washingtons. Es sprechen Anzeichen dafür, daß die Regelung aller Einzelheiten dieser Zusammenkunft bald eine vollständige sein wird. Zwischen dem Rate der alten Staatsmänner und den Ministern fand eine Reihe von Besprechungen statt, die sich mit der Frage der KnsruVr im russischen Hsstzierkorps. Russische Gardeoffiziere, einige hundert an der Zahl, versammelten sich in Kraßnoje-Sselo, um gegen die ihnen zugemutete „Henkerrolle" zu protestieren. Von einem Dach wieder zu seinem vollen Recht gekommen ist, gegenüber den dem Süden nachgeäfften Plattformen auf den Gebäuden. Freuen wir uns doch, daß der Dachschwund eine überwundene Krankheit ist. Wer „Gefühl" für Baukunst hat, wird mir zustimmen. Wer jedoch den Dülferschen Entwurf mit einem Fabrikgebäude vergleicht, dürfte mit seinem Kunstverständnis sehr im Argen sein. Die Möglichkeit der Anwendung von Blendsteinen ist übrigens Dülfer gewiß nicht vorzuwerfen, sondern müßte eher im Sinne des Ausschreibens gelobt werden, denn es war so gewünscht. Dülfer würde aus freien Stücken Blendsteine sicher nicht verwenden. Das sogenannte „Magazingebäude" Dülfers mit seiner schönen Gesanüsorm und feinen Gliederungen dürfte halb versteckt hinter Bäumen dem eigentlichen Theaterbau nur zu guter Folie dienen. Wer die in einfachen Umrißlinien neben dem Schnitt durch den Zuschauerraum dargestellte Ansicht des Kulissenhauses gar nicht beachtet hat, kann sich freilich darüber kein Urteil bilden. Meine Verteidigung des besseren Kunstwerks ohne Rücksicht auf die Person des Künstlers „plump" nennen kann jeder, ohne damit etwas zu beweisen, aber die Platzgestaltung DülferS anzustreiten, das soll er versuchen; es wird ihm wohl schwer fallen. Wer die in München berühmten Dülferhäuser gesehen hat, wird an Ausstellungsbauten nicht mehr denken können. Einen solchen Vergleich aussprechen kann nur jemand, der ein so dargestelltes Projekt nicht in die Wirklichkeit zu übersetzen weiß. Das Kunstverständnis der Gießener Bürgerschaft dürfte sich ein besieres Denkmal setzen, indem es eine Stilrichtung des 20. Jahrhunderts anerkennt, als daß es der Spätrenaissance in überlebten Formen den Vorzug gäbe. Wer einem solchen stilgemäßen Projekt wie dem Dülferschen den Vorwurf des gesuchten, unwahren Haschens nach Formen macht, hat wohl noch nie selbst versucht, Neues zu schaffen. Ein Beweis für Fellner und Helmer ist es nicht, daß sie zum Umbau des Darmstädter Theaters herangezogen wurden. Dort handelt es sich ja nur darum, in den gegebenen Formen weiter zu arbeiten. Das angeführte Beilviel des Wiesbadener Theaters, bei dem Vorn und Hinten von dem Architekten verwechselt worden ist, da durch das Hauptportal der Faffade an den Anlagen nur die Pferde auf die Bühne gebracht werden können, während der Eingang hinten an den Kolonnaden sich, unglaublich aber wahr, befindet, ist für mich ebenfalls nicht maßgebend, zumal von Fachkreisen ein günstiges Urteil darüber meines Wissens nie ausgestellt worden ist. Dieses wie andere genannte Bauten sind in viel zu überladenen Formen gehalten. Wenn Dortmund sein Kunstwerk so wenig zu schätzen weiß, sollte Gießen sich daran kein Beispiel nehmen. Sollte die Anzahl der ausgesührten Bauten allein ein Können bedeuten, so müßten alle jüngeren, aufstrebenden Künstler vor den älteren zurückstehen; nicht die Quantität, sondern die Qualität gibt den Ausschlag. Was dasFreiburgerPreisgericht über DülferS Projekt sagte, ist doch eigentlich nur Lob. Daß das damalige Projekt nicht zur Ausführung geeignet erschien, kann doch hier nicht mitsprechen, da das Preisgericht selbst DülferS Entwurf als ausführbar bezeichnete. Mag die Wahl nur ruhig der Kommission und der Stadtvertretung überlassen bleiben; ich wünsche mir, der Stadt Gießen bliebe eine lange nachwirkende Mißbilligung von feiten aller Kunstverständigen nah und fern erspart. Adjutanten des Großfürsten Wladimir wurden sie aufgefordert, auseinanderzugehen, kamen indeß dieser Auffor- rung nicht nach. Sie bilden heute allenthalben das Tagesgespräch. Ueber diesen Grad von Auflehnung ist man natürlich in unseren militärischen Kreisen verblüfft. So viel erstaunliche Meldungen aus Rußland gekommen sind, diese ist doch die seltsamste, und sie hätte ohne die, sicherlich sorg- ältig abgeschwächte, Wiedergabe durch den offiziösen Telegraphen kaum Glauben gefunden. Turgenjew läßt in einem seiner Romane ein junges Mädchen jemand fragen: „Sind Sie nicht Beamter?" „Allerdings, aber was schließen Sie daraus?" lautet die Antwort. .Dann muffen Sie eS doch mit der Regierung halten!" Run folgt die bitter satirische Bemerkung, daß der Befragte im Stillen die Naivität des jungen Mädchens bewundert. Sollte er bald ebenso naiv sein, von Treue und Disziplin im russischen Offizierkorps zu sprechen? Das Urteil, das der deutsche Kaiser in Straßburg über das russische Offizierkorps gefällt hat, erfährt eine unerwartet wuchtige Bestätigung. Dabei wurden zweifellos mit Vorbedacht die verläßlichsten Offiziere im Lande behalten zum Schutz gegen den inneren Feind, und die Brauseköpfe hinaus auf den Kriegsschauplatz geschickt. Li ne witsch hat unter diesen letzteren bereits fürchterliche Musterung gehalten. Hundert Offiziere ui d mehr sollen auf seinen unerbittlichen Befehl wegen Ungehorsams erschossen worden sein. Ed wird kaum etwas anderes übrig bleiben, wenn der offene Aufruhr sich weiterverbreitet, als daß auch an Offizieren in Rußland solche Exekutionen vollzogen werden. Die russische Geschichte hat auch hier wieder warnende Erinnerungen auf blutbefleckten Blättern. Die Garde, der hohe Adel stand wiederholt an der Spitze von Verschwörungen. Am Militäraufstand am 14. Dezember 1825 waren nur Adelige beteiligt. Jetzt sitzt die Revolution mitten im Herzen des russischen Riesen. Der Zar mag sich begeben, wohin er will, er mag von den festesten Mauern beschützt sein, er wird dennoch auf der Hut sein müssen vor Denen, die die Aufgabe haben, sein Leben zu schützen. Erst die von,Umsturz-Ideen eingenommenen Pagen, wobei man aus den Ausweg kam, die jungen Leute für geistesgestört zu erklären, nun diese neue, viel schlimmere Entdeckung. Nein, nicht einmal eine Entdeckung. Die „einige hundert" Offiziere versammeln sich mit einer Offenheit, als ob es sich um die selbstverständlichste Sache von der Welt handelt, Protest gegen die Anordnungen von Vorgesetzten zu erheben. Und was der Höhepunkt des Unbegreiflichen ist: der General Reh bin der, der während der „Beratung" erscheint, geht keineswegs sofort mit den energischsten Mitteln gegen die Unzufriedenen vor, sondern begnügt sich damit, die Auflösung der „ungesetzmäßigen" Zusammenkunft zu fordern, und verspricht, als dem Befehl zunächst keine Folge geleistet wird, in naher Zukunft eine „gesetzmäßige" Versammlung einzuberusen! Eines der allersonderbarsten, allenfalls in Serbien, kaum noch in Bulgarien möglichen Schauspiele: ein General schließt einen förmlichen Kompromiß mit revoltierenden Offizieren . . . Was wird noch kommen? Vermutlich der Empfang einer Offiziers-Abordnung beim Zaren, der dann seinerseits, „fest und unerschütterlich", den Herren Abhilfe ihrer Beschwerden verspricht . . . Die Offiziere beklagen sich besonders darüber, daß sie eine „Art Henkerrolle" zu übernehmen hätten. Aus dieser Bezeichnung laffen sich Schlüsse ziehen, daß in letzter Zeit zu dem Mittel der geheimen Exekution gegriffen worden ist, um die „Ruhe eines Kirchhofs" herzustellen. Von dem Empfange der Deputation des Semstwo- Kongreffes und der Bürgermeister in Peterhof hört man heute Näheres, was über Fürst und Volk und Heer einigen Aufschluß gibt. Der Zar war, so heißt eS in Privatmeldungen, sehr erregt und machte den Eindruck seelischer Beklemmtheit. Fürst Trubetzkoi, Proseffor an der Moskauer Universität, hielt eine lebhafte Ansprache an den Kaiser, in der er darauf hmwies, daß daS Land eine ernste innere Krise durchlebe und daß die Bevölkerung äußerst unzufrieden mit derRegierung sei. „Wissen Eure Majestät, daß das Volk Ihre Generale als Verräter betrachtet?" Bei diesen Worten zeigte der Zar sich ungern ein bewegt. Darauf fuhrTrubetzkoi fort: „Die Gesetzlosigkeit wächst. Die Kriegsgerichte verhängen fortwährend Todesstrafen, wodurch sie der allgemeinen Unzufriedenheit nur immer neue Nahrung geben. Nur die Einberufung einer Volksvertretung kann das Land aus diesem furchtbar bedrückten Verhältnis erlösen." Die Deputation wurde nach dem Empfange zum Früh^ stück geladen, bei dem jedoch der Zar nicht anwesend war. Der Zar hörte die Ansprache deS Fürsten Trubetzkoi stehend an und gab besonders an den Stellen, die sich auf den engeren Zusammenschluß zwischen Krone und Volk bezogen, seinen Beisall zu erkennen. Seine von uns bereits gestern wortgetreu wiedergegebene Rede war offenbar extemporiert. In Libau wurde der Pastor Goldmann durch einen Revolverschuß schwer verletzt, weil er gegen den Terrorismus der Revolutionäre gesprochen hatte. 600 Warschauer Profefforen haben beschloffen, ihre Vorträge im September nicht wieder aufzunehmen, falls eS ihnen nicht gestattet würde, in polnischer Sprache Vorlesungen zu halten. * Im Anschluß hieran sei folgendes „Eingesandt zum AbdruL gebracht, das uns von Herrn Bauinspektor Becker zugegongen ist: „Vor einiger Zeit erschien in der „Deutschen Bauztg." ein, auch vom „Gieß. Anz." im wesentlichen übernommener Artikel, der die Gießener Theaterfrage eingehend behandelte und zum Schluß die Übertragung des Baues an Prof. Dülftr vorschlug. Den gleichen Vorschlag macht ein Fachmann in einem Artikel in Nr. 137 des G. A. Da ich der Täterschaft beider Artikel verschiedenerseftS „verdächtigt" wurde, mir aber aus bestimmten Gründen daran liegt, von diesem „Verdachte" gereinigt zu werden, erkläre ich hiermit für etwaige Interessenten, daß ich mich seit meinem Austritt aus dem weiland Komitee „zur Errichtung eines Theater- und Saalbaues" weder direkt noch indirekt mehr an ' i ffftntlichn aen über die Sache be- Sur Gießener Wealerfrage. Von dem Verfasser de§ Artikels in unserer Nr. 137, 2. Bl., geht uns heute der nachstehende Aufsatz -m, dem wir wiederum im wesentlichen zuftimmen. In der gestrigen Erwiderung auf meine Ausführungen zur Theaterfrage heißt es, ich mache Propaganda für da§ Dülfersche Projekt, sei voreingenommen und suche der Kommiffion etwas aufzuschwätzen und sie ind Schlepptau zu nehmen. Davor muß ich mich doch in aller Ruhe, aber energisch verwahren. Ich stehe der ganzen Angelegenheit persönlich vollständig fern, sah nur die ausgestellten Zcich- nungen, hörte von der Absicht der Kouunission und fühlte mich veranlaßt, öffentlich zu fragen, warlim der künstlerisch höherstehende Entwurf dem nächstbesten gleichgeachtet wurde, was doch entschieden eine Herabsetzung deS ersteren bedeutet. Der mir erwidernde „Vertraute" wird hier wohl besser Bescheid wissen. ...... . . Das Fellner-Helmersche Projekt i|f, wie es in jener Erwiderung richtig heißt, allerdings den „Gießener Verhältnissen" angepaßt, die aus jenen Zeilen deutlich erkennbar sind und die, wenn sie sich hier in einflußreichen Kreisen erhalten sollten, eine Förderung der echten Kunst ausschließen müßten. Das Loblied, welches der „Vertraute" auf den monu- mentalen Charakter des genannten Entwurfs singt, läßt mich daran zwciscln, ob derselbe eine gute Anpassung eines KitnR. werk« in di- Umgebung richtig zu beurteilen versteht. Nach meiner Auffassung würde zu den schlichten und einfachen, aber immerhin ruhig vornehm wirkenden Hausern der Sud- anlaqe der Dülfersche Bau, wenn erit m ent!prechend°m Material ausgeführt, weit besser passen als die schwere Prunkfassade des anderen Projekts, d,e für d,e kleineren Verhältnisse iinseres Theaters viel zu großsprecherisch und für Gießen zu qroßstadtmäßig erscheint. Die Seitenansicht konnte ich leider aus der Perspektive nicht ersehen, weil sie nicht öffentlich ausgestellt war. Was die Ansicht über die „verdeckten Dächer betrifft, sollte man doch meinen, daß der Betreffende beobachtet haben müßte, wie schon seit Jahren unser altes gutes deutsches Nr. 142 MUeiei teeti# mittet BoimtoflK Dem Gießener Anzetget werben im Wechsel mit dem VeMsche« Landwirt die 6i«6cnei Kamillen. LMt« viermal in bet Woche beigelegt. Rotationsdruck tt Der- Vrü h l scheu wer^Buch-u. 6leü> fcrudetti. 8L Sange, Are Heutige Hlurumer umfaßt 12 Seiten. Ser Hinzug des Kronprinzenpaares in Potsdam. Potsdam, 20. Juni. Aus Anlaß des heute nachmittag erfolgten Einzugs des Dwnprinzenpaares waren sämtliche Straßen prächtig geschmückt. Guirlanden von Tannenreis, umflochten von Rosen, hingen von Fenster zu Fenster. Auch hier sand eine lebhafte Spekulation in Fensterplätzen statt; es wurden recht hohe Preise für solche gefordert, ob auch bezahlt — wer weiß es? Ein recht hübsches Bild bot die Havel, an deren Ufern Potsdam liegt. Zahllose Boote, mit bunten Wimpeln geschmückt, belebten die silberglänzenden Fluten und schossen eilfertig hin und her. Ganz Potsdam war auf den Beinen und nahm schon mehrere Stunden vor der festgesetzten Zeit des Eintreffens des Kronprinzenpaares Aufstellung hinter den Spalier bildenden Truppen, Krieger- Vereinen, Innungen und Gewerken. Um 5 Uhr 46 Min. traf der Sonderzug mit dem Kronprinzenpaar von Hubertusstock auf dem Bahnhöfe ein. Kurz vor Eintreffen des Zuges meldete sich Prinz Eitel Friedrich bei dem kommandierenden General zur Stelle. Als erste entstieg dem Zuge die Kronprinzessin, gefolgt pom Kronprin zen. Cie bestieg einen offenen sechsspännigen Landauer. Vor dem Wagen ritten die Schlächter Potsdams, hinter ihm eine Eskorte Garde du Corps, sodann die Hofdamen und das übrige Gefolge. Um den Bahnhof herum waren die Schulkinder aufgestellt. Unt 6 Uhr traf der Galawagen mit dem Kronprinzenpaare vor dem Rathause ein. Die Kronprinzessin trug eine rosa Chiffontoilette mit gleichfarbigem Hut und Federn, der Kronprinz die Uniform des 1. Garderegiments z. F. mit dem Bande des Schwarzen Adlerordens. Oberbürgermeister Jähne trat an den Wagen heran und hielt eine warme Begrüßungsansprache in der er unter anderem sagte: „Freude und Dank erfülle alle Herzen, daß das hohe Paar gerade in Potsdam seine erste dauernde Heimstädte ihres ehelichen Glückes suchen wolle, in der Stadt, welche seit den Zeiten des Großen Kurfürsten mit dem Hohenzollernhause aufs engste verknüpft sei. Der heißeste Wunsch der Bürgerschaft sei es, daß die Kronprinzessin in der neuen Heimat Befriedigung ihres Herzens finden möge. Zum Kronprinzen gewandt, führte der Oberbürgermeister aus, Potsdam sei stolz daraus, Vaterstadt des Kronprinzen zu sein und daß er hier seine militärische Erziehung genossen. Das hohe Paar möge der Stadt seine Huld bewahren und Gottes Gnade möge mit ihm sein." Alsdann traten die Ehrenjungfrauen, welche Rosen- guirlanden in den Händen trugen, vor und verbeugten sich vor dem Kronprinzenpaar, während die Tochter des Stadtverordnetenvorstehers Bolle mit einem kurzen Gedicht einen Blumenstrauß überreichte. Hierauf brachte Büraer- meister Jähne ein dreifaches Hoch auf das kronprinzliche Paar aus. Das hohe Paar dankte dem Bürgermeister sowie der jungen Dame, welche den Blumenstrauß überreichte, mit herzlichen Worten. Der Festzug bewegte sich durch die Schloßstraße, das Nauener Tor bts zum Marmorpalats, wo das Kronprinrenpaar Wohnung nehmen wird. © wumaiftlSb oüi* GletzenerAnzeigerW General-Anzeiger ** den pellt unb Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Gießen MW " zeigenteil: HanS Dech ii tat 2 W tnal 1 ä s netto 8*2 m ' M , 8.25 ed pork winefltifä) ‘ümd 65 Pjg7| °n 10 W. 5.60, inhäuser, väue 17. parieren leren oeer AuÄhrw durch D1 Rudolph Ug. n Repwtur- s, Selten*«« 9L itfenburger WM tneb, Bahnhofsplii 90. Lieferen! von w, FBrsUeh il len, mehrfiö pti« erVerkaofuPrhM nhandel re Fabrik- ko, Teilzahlung, c Btrahhme b&ch* trat Lieferung, bereit, 10 Jtbn r. Katalog »fort i Kogoak I , garantier!, IW ffber S belle« "ÜfJä ;‘Ä“‘ sK r Hitt 11920 FriedenSbedlngungen und mll der Auswahl der Vevoll- mächtigten beschäftigten. Man glaubt, daß e8 möglich sein wirb, alles so zeitig zu regeln, daß die Bevollmächtigten mit dem zur Erfüllung ihrer Aufgabe notwendigen Stabe von Hilfsbeamten, im ganzen etwa 12 Personen, am 30. d8. mit dem Dampfer ,Ernpreß of Jndia* ihre Abreise nach Washington antreten können. Inzwischen nimmt die militärische Tätigkeit lebhaften Fortgang. Wichtige Vorgänge werden auf allen Teilen de8 Kriegsschauplatzes in Kürze erwartet, so lautet ein Tokioer Reuter-Telegramm. Dem unzuverlässigen „Daily Telegraph" wird in einer Drahtmeldung von einem Neber fall in der Mandschurei berichtet, den eine Abteilung Kosaken gegen ein japanisches Feldlazarett unternahm. Die Abteilung, die ganz unvermutet aufgetaucht war, feuerte zunächst aus einer kurzen (Entfernung mehrere Salven auf ein Lazareth ab und ging dann mit gezogenem Säbel zum Angriff vor, obwohl die Aerzte und das Lazarettpersonal, im ganzen etwa 300 Mann, durch ihre Abzeichen leicht als Angehörige des Roten Kreuzes kenntlich waren und sich als solche kenntlich zu machen suchten. Die Kosaken steckten die Tragbahren, Ambulanzen und Vorratswagen, die Instrumente und sonstige Gegenstände in Brand und plünderten schließlich noch sämtliche Schlafräume beim Rückzug, bei dem sie noch Feuer an die Hütten der chinesischen Bevölkerung legten. 20 Aerzte schleppten sie als Gefangene mit._______________________ Zur skandinavischen Frage. Christiania, 20. Ium. Das Storthing beschloß eine Adresse anKönigOskar und den schwedischen Reichstag, welche besagt: „Was in Norwegen geschehen sei. fei ein notwendiges Resultat der unionspolitischen Begebenheiten und nicht rück - gängigzu machen. Sicherlich wünscht keines der beiden Völker die früheren llnionsverhältnisse zurückzuführen. Das Storthing erkenne die schwierige Lage des Königs an imb habe nie daran gezweifelt, daß des Königs Entscheidungen gemäß den Rechten und Pflichten des Königs getroffen wurden, es appelliert aber an Schwedens König, Reichstag und Volk, an der friedlichen Beendigung mitwwirken. Das Storthing habe erfahren, daß der Beschluß, die Union aufzuheben, in Form imb Durchführung als kränkend für Schweden aufgcfaßt wurde; dies sei niemals die Absicht des Stortbings gewesen und nur ein notwendiges Verfechten der verfassungsmäßigen Rechte des Königs. Von dem Swrthing sei bereits ausgesprochen worden, daß das norwegische Volk keinerlei Bitterkeit und Unwillen gegen den schwedischen König und das schwedische Volk fühle. Ein 90 Jahre langes Zusammenarbeiten auf materiellen und geistigen Gebieten habe bei dem norwegischen Volke tzsefühle aufrichtiger Freundschaft für das schwedische Volk geschaffen. Diese Gefühle werden jetzt, da Norwegen nicht länger in einer für seine nationale Selbständigkeit kränkenden Stellung steht, von neuem rege werden und das gegenseitige Verständnis zwischen den Völkern befestigen und erhöhen. Im Vertrauen darauf, daß auch das schwedische Volk diese Auffassung teilt, stellt das Storthing der Regierung Schwedens anheim, unter Anerkennung der neuen Stellung Norwegens und seines Rechts als eines souveränen Reiches, auf die Verhandlungen einzugehen, die zur endgiltigen Regelung des jetzt gelösten Unionsverhältnisses notwendig sind. Das Storthing ist bereit, Jedem billigen und berechtigten Wunsche nachzukommen der nt dieser Veranlassung zur Sicherung der Selbständigkeit und Integrität der Reiche geäußert werden sollte. In staatsrechtlicher Beziehung werden die Völker von jetzt an getrennt fein, aber das Storthing hegt die sichere Ueberzeugung, daß sich ein gutes und vertrauensvolles Verhältnis zumSchutz gemeinsamer Interessen entwickeln wird. Kwnn die bevorstehende Regelung ohne Vorurteile und ohne Bitterkeit stattfinden, so ist das Storthing davon überzeugt, daß das, was geschehen ist, zum dauernden Glück für die Völker des Nordens sein wird. Im Interesse des Nordens richtet er diesen Appell an das Volk, das sich durch Hochsinn und Ritterlichkeit einen so hervorragenden Platz in der Reihe der Nationen enverben hat und mit dem das norwegische Volk von ganzem Herzen ein gutes Verhältnis aufrechtzuerhalten wünscht." Stockholm, 19. Juni. Der Reichstag ist beute zusammen- jetreten. In der zweiten Kammer hielt der Präsident eine kurze Ansprache,, in welcher er feststellte, daß die H o f fn u n g S ch webens^,, die Union aufrecht zu erhalten, geschwunden sei, daß die Unionsverneinung von feiten Norwegens in einer Form erfolgt sei, die alle Versuche, die Verhandlungen wieder aufzunehmen, erschwere. Die Mitglieder der Kammer fühlten voll ihre Verantwortung gegenüber der Nation und ihrer teiligt, seit dem Beschluß, daß nur ein Theater gebaut werden soll, aber überhaupt nicht mehr weiter um die Sache gekümmert habe, als' daß ich mir neulich die Wett- bewerbsplänc angesehen habe. Immerhin hätte ich wohl auf eine „Rechtfertigung" verzichtet — denn ich bin mit dem Inhalt jener beiden Artikel in den wesentlichen Punkten völlig einverstanden —, wenn nicht die Erwiderung im gestrigen G. A. auf den letzten Artikel mir — außerhalb der Theaterfrage — zu einer kurzen prinzipiellen Erwiderung Anlaß gäbe. Also eö ist nicht einmal mehr erlaubt, daß sich ein, schein bar ganz außerhalb des früheren „Streites" stehender Architekt ein sachliches, ruhiges Urteil über eine baukünstlerische Frage erlaubt! Er muß sich gefallen lassen, von Laienseite*) eines oesseren belehrt zu werden, sich Schwätzer und vor- eingeuommener, einseitiger Schwärmer schimpfen zu lassen und zuzusehen, wie von jener Seite die Arbeit eines in der Architektenschaft längst anerkannten Künstlers mit polternden Redensarten kurzweg zu einem total verfehlten Machwerk gestempelt wird. Als Milderungsgrund für die gereizte Tonart des Artikels ist vielleicht anzuführen, daß sein Verfasser wohl einen anderen Fachmann hinter den Ausführungen in Nr. 137 des G. A. gewittert hat'. Sonderbar, daß es noch andere solche „einseitige Schwärmer" gibt: höchst sonderbar, daß selbst das führende Organ der deutschen Architektenschaft, die „Deutsche Bauztg.", der Stadt Gießen dringend raten konnte, sich von einem Manne, wie Dülfer, ein Theater bauen zu lassen! Denn der dama lige Artikel stammt, wie ich inzwischen erfahren habe, von der Schriftleitung der Bauzeituna selbst (auf Grund welchen Materials, ist mir unbekannt). Verehrter Herr Kollege in Nr. 137 des G. A., die spießbürgerlichen Zeiten sind vorüber, da man einem Fachmann noch ein Urteil über Dinge auf seinem eigenen Gebiete einräumte, oder ihn gar zur Beratung nötig hatte. Ueberlassen Sie es Anderen, Kunstverständigeren auf der Wacht zu stehen auch für die heilige Kunst! Becker. *) Hier hat der Herr Einsender freilich Unrecht; der Verfasser des gestrigen „(Eingefanbt" ist auch Architekt. D. Red. SuThWf TTf VoW'tT' fedoch, daß NaU'WMckS bVr V'eryaNdlckngM dieses Reichstages die redlichen Absichten Schwedens zum Ausdruck bringen werde. Paris, 20. Juni. Wie der Kopenhagener Korrespondent deS „(Mair" (wenig glaubwürdig) berichtet, wurde von norwegischer Seite beim deutschen Kaiser angefragt, ob er gestatten würde, daß ein Prinz von Hohen- zollern zum Könige von Norwegen ernannt werde. Der Kaiser habe dies' angeblich unter Hinweis darauf abgelehnt, daß er nicht wünsche, mit dem Hause Bernadotte in Konflikt zu geraten und andererseits auch England nicht gestatten würde, daß ein Hohenzvller den nortnegischen Thron besteige. Mlitisch? Tagesschau. Ein Zehnmillioneufonds. R. Berlin, 20. JNni. Wie wir erfahren, hat der vom Reichsbankpräsidenten Dr. Ko.ch Und dem Fürsten von Henckel-Donnersmarck angeregte Plan, durch die Hochfinanz einen Zehnmillionenfonds für preußische Offiziersfamilien schaffen zu lassen, gerade in den Kreisen des Adels, denen die vermeintliche Wohltat zugewendet werden sollte, unliebsames Aufsehen erregt. Es erscheint nicht ausgeschlossen, daß die Abneigung gegen die Idee, durch Geschenke von Großbanken oder deren Leitern preußischen Offiziersfamilien Unterstützungen zu gewähren, im Parlament zum Ausdruck kommt. Die „Nordd. Allg. Ztg." hat sich bis heute zu dieser wenig glücklichen Uebertragung des „Systems Mirbach" auf eine neue Sammlung großen Stils nicht geäußert, dem neuerhmg§ aber leider ganz unzweifelhaft offiziösen „Lokalem - in unserem gestrigen Artikel „Londoner Presse" muß d \ erste Satz, der redaktionellen Einschaltung natürlich lauten ■ Bei uns in Deutschland stehen wir vor !der großen Gefahr, daß Herr Scherl durch den Ankauf immer neuer Blätter einen ähnlichen unheilvollen Einfluß im gesamten öffentlichen Leben erringt. D. Red.) wurde es überlassen, di" „Bedenken" gegen das Projekt zu herzeichnen. Hoffentlich ist mit dem verunglückten Verlauf der ersten Versammlung der Gedanke end- giltig abgetan. * Oldenburg und die Marokkopolitik. Nach einer Rede, die der G r o ß h e r z o g von Oldenburg bei Eröffnung einer Landesausstellung des Großherzogtums gehalten hat, ist nicht daran zu zweifeln, daß es auch Rücksichten auf die Interessen der oldenburgischen Seeschiffahrt waren, welche den Kaiser veranlaßten, durch sein persönliches Erscheinen in Tanger der deutschen Forderung: „Offene Tür in Marokko!" Nachdruck zu geben. Ein besonders wichtiger Erwerbszweig eines deutschen Bundesstaats ist von Reichswegen wirksam geschützt worden. Ein Erweis der inneren Geschlossenheit Deutschlands, der den Marokko-Verhandlungen mit Frankreich einen bedeutsamen Hintergrund schafft. Oldenburgs Seeinteressen reichen ja nicht entfernt heran an die der Hansastädte, aber gerade weil dem so ist, muß eine Beeinträchtigung dieser Interessen im Verhältnis das Großherzogtum "mpfindlicher treffen. Das Eintreten d' Reiches für Oldeichurg ist auch unter dem GesichtspUt-ü erfreulich, als dadurch bekundet wird, daß die Anteilnahme der Regier nig nickst nur den Großreedereien in Hamburg und Bremen gilt. Änige Blätter wissen sogar von einer hohen p o l i t'i s ch e u T a t des Großherzogs von Oldenburg zu. melden. Er soll, wie glaubhaft versichert wird, derjenige gewesen sein, der zu dem Borge henderdeutschen Reich sregier- unginMarokko und zu der R e i s e u n s e r e s K a i fe r s dorthin die Anregung gegeben habe, zu einem Zeitcunkt, als man die marokkanische Gefahr noch nicht überall kannte, hauptsächlich im Interesse der schwer bedrohten olden- burgisch-portugiesischen Dampferlinie. * Mutterschaftsverficherung. Eine Eingabe des Verbandes fortschrittlicher Frauenvereine an das Reichsamt des Innern wegen Schaffung einer staatlichen Mutterschaftsversicherung wird von amtlicher Stelle gewiß sorgfältiger Beachtung gewürdigt werden. Der Vorschlag ist an sich gut und billigenswert, insbesondere soweit der Zweck verfolgt wird, den durch die Geburt entstehenden Lohnausfall zu decken. Aber es ist kaum anzunehmen, daß der Vorschlag in naher Zeit zu einem Gesetzentwurf sich gestaltet. Die Einführung der staatlichen Witwen- und Waisenversicherung, die nächste Aufgabe der Sozialpolitik, sowie die Vereinheitlichung der Arbeiterversicherung nehmen alle Kräfte in Anspruch. Sehr schwierig ist außerdem die Frage der Geldbeschaffung für die bedeutenden Kosten der neuen Versicherung. Man wird doch nicht etwa daran denken, die kühne Idee der Junggesellen st euer ausleben zu lassen? ♦ Eine neue Verlobung am Gmuudener Hofe. Bon einer Seite, die als eine wohlunterrichtete bezeichnet werden darf, wird uns berichtet, daß eine Heirat geplant sei zwischen der Tochter des Herzogs von Cumberland, der Prinzessin Olga, mit dem Erbgroßherzoge von Mcckl enburg-Strelitz. Die Prinzessin Olga von Groß? britannien und Irland, Herzogin zu Braunschweig und Lüneburg — so lautet ihr offizieller Titel — ist die jüngste Schwester der Prinzessin Max von Baden sowie der Großherzogin von Mecklenburg-Schwerin und vollendet, am 11. Juli 1884 in Gmunden geboren, in Kürze ihr 21. Lebensjahr. Sie steht ihren älteren Schwestern an Anmut der äußeren Erscheimmg nicht nach. — Der strelitz'sche Thronfolger, Erbgroßherzog Adolf Friedrich, der soeben, am 17. Juni, in das 24. Lebensjahr getreten ist, verrichtet zur Seit als Leutnant im 1. Garde-Ulanen-Regiment in Potsdam Dienst, in das er vor anderthalb Jahren eintrnt, nachdem er die Universität München besucht hatte. — Dieser Verbindung, deren Zustandekommen in manchen Hofkreisen bereits als gewiß angesehen wird, würde iedenfalls in den mecklenburgischen, Ländern sehr freudig begrüßt werden, da durch sie die Herrscherhäuser von Schwerin und Sttelitz in eine neue nahe Verbindung träten. Bemerkt sei noch, daß der Großherzog Adolf Friedrich und die Prinzessin Olga selbst insofern ziemlich eng mit einander verwandt sind, als Beider Großväter, König Georg V. von Hannover und Großherzog Friedrich 'Wilhelm von Mecklenburg>-Strelitz, im Verhältnisse von Geschwisterkindern zu einander standen. Deut?che^ Reich. Cuxhaven, 20. Juni. Die Segelmettfahrt deZ „Norddeutschen Regattavereins* aus der Unterelbe begann heute bei prächtigem Wetter. E§ herrscht eine Südwestbrise. Am Start waren 24 Pachten erschienen. Der Kaiser war um 11 Uhr an Bord der Pacht „Meteor" gegangen. Berlin, 20. Juni. Prinz und Prinzessin Heinrich von Preußen sind mit ihren Kindern und dem Hofstaat von Kiel nach ihrem bei Eckernförde gelegenen Gute Hemmel- inark übergesiedelt und haben in dem neuerbauten Landhause Sommerausenthalt genommen. Wie verlautet, wird dort demnächst auch die verwitwete Großfürstin Sergiu- von Rußland, Schwester der Prinzessin Heinrich, zv längerem Besuche eintreffen. — Die Berggesetzkommission des Herren. Hauses nahm gestern die vier ersten Absätze von § 1 des Berggesetzes an und setzte heute die Verhandlungen mit der Beratung über die Arbeiterausschüsse fort. Nach weiterer Debatte wurden die Beschlüsse des Abgeordnetenhauses befr. bte Arbeiterausschüsse in allen Teilen unverändert genehmigt. Die Abänderungsanträge wurden mit einer Mehrheit von 11 bezw. 12 Stimmen abgelehnt. Damit ist der Artikel 1 erledigt. Bei der Beratung des Artikels 2, der Bestimmungen über die Arbeitszeit und Einlegung von Heber* und Nebenschichten bei hohen Temperaturen enthält, lagen Anträge vor, den § 93d zu streichen, der das Verfahren von lieber- und Nebenschichten bei einer Temperatur von mehr als 28 Grad untersagt und eine mindestens achtstündige Ruhezeit vor Beginn jeder Schicht vorschreibt. Diesen Anträgen trat der Minister entgegen. — Der Gang ber Diskussion läßt es als wahrscheinlich erkennen, daß die Abstimmung die Annahme der Beschlüsse des Abgeordnetenhauses ergeben wird, vielleicht mit einigen Abänderungsanträgen von Tiele-Winckler, Dr. Wächter und Dr. Niehus, die dahin gehen, verschiedene noch in der vorliegenden Fassung zweifelhafte Fragen sicher festzulegen. Karlsruhe, 20. Juni. Obwohl die badischen Land- a g Sw ah len voraussichtlich erst in der zweiten Hälfte deS Oktober stattfinden, ist die Kandidatenfrage schon heute in einem großen Teile der 73 Wahlkreise definitiv gelöst. Am eiligsten hatten eS natürlich die Sozialdemokraten, ie haben bis jetzt in 46 Kreisen Kandidaturen aufgestellt, das Zentrum in 34, die Nationalen in 25, die Demokraten in 6, die Konservativen in 2, die Antisemiten und National- ozialen in je 1. Rückständig sind nur noch die Freisinnigen. Ob der neue Landtag schon im November oder später zusammentritt, hängt von dem Termin ab, bis zu welchem die Erweiterungsbauten des Ständehauses beendet sein werden. Der preußisch-hessische Lotterievertrag. Der seit Monaten von allen Seiten mit Spannung erwartete Lotterievertrag zwischen Preußen und den hessischthüringischen Staaten ist foebeu der zweiten hessischen Kammer unterbreitet worden und stellt sich, wie uns scheint, ür Hessen finanziell recht günstig dar. Die Hauptbestimmungen sind folgende: Die Regierungen der hessisch- thüringischen Staaten stellen den Betrieb ihrer Staatslotterie mit dem Ablauf der im Frühjahr 1906 zur Anspielung gelangenden 7. Lotterie ein und räumen der preuß. Regierung für die Dauer des Vertrages, die auf zehn Jähre ^stgesetzt wird, das ausschließliche Recht ein, innerhalb ihrer Staatsgebiete die Lose der preußischen Klassenlotterie zu vertreiben. Als Gegenleistung zahlt Preußen an die hessische H a u p t st a a t s k a s s e für die ersten 5 Jahve eine Rente von jährlich 16 30 000 M k., in den späteren Jahren einen Anteil vom Ueberschuß der Lotterieverwaltung im Verhältnis von 163:1113, wobei der Gesamtüberschuß der preußischen Lotterie auf 11130 000 Mark berechnet ist. Sollte jedoch in einem Jahre die Rente, auf den Kopf der Bevölkerung berechnet, weniger betragen, als der der preußischen Staatskasse verbleibende Ueberschuß der Lotterieverwaltung auf den Kopf der preußischen Bevölkerung, so erhöht sich die Rente dergestalt für dieses Jahr, daß sie, auf den Kopf der Bevölkerung der hessischthüringischen Staaten berechnet, eine gleich hohe Einnahme darstellt, wie der der preußischen Staatskasse nach Abzug der erhöhten Rente verbleibende Ueberschuß auf den Kops der preußischen Bevölkerung. Die Rentenzahlungen erfolgen, olange die betreffende Jahresrechnung der preußischen Staatskasse nicht festgestellt ist, nach dem Jahresbetrage von 1630 000 Mk. Die Verteilung der Rente unter die an ihr beteiligten Staaten bleibt den hessisch-thüringischen Staaten ausschließlich überlassen. Die preußische Regierung wird bis auf weiteres (!?) in Darmstadt eine Geschäfts- -elle der preußischen General-Lotterie- Direktion errichten. Der Vertrag gilt jedesmal für weitere 5 Jahre, wenn er nicht mindestens 2 Jahre vor Ablauf seiner Geltungsdauer gekündigt wird. Von dem Kündigungsrechte werden die vertragschließenden Teile aber nur dann Gebrauch machen, wenn sie auf den Betrieb oder die Zulassung eines Lotterieunternehmens als ständige Einnahmequelle für die Befriedigung allgemeiner laufender Saattsbedürfnisse dauernd verzichten. Der Vertrag tritt am 1. Jüni 1906 in Kraft. Wie die weiteren Bestimmungen besagen, übernimmt Preußen die Kollektenr>e der hessisch-thüringischen Staatslotterie inj ihren Dienst, soweit sie hierzu geeignet sind (?) imb die Deckung des Mehrbedarfs an Beamten dies erfordert. Diese Kollekteure haben für die nächsten zwei Lotterien wenigstens 100 Lose abzusetzen oder mindestens je 50 Lose fest zu übernehmen. Als Beihilfe für den Uebergang in die neuen Verhältnisse und für nicht mit einer Preußischen Kollektur bedachte hessische Kollekteure wird von den Vertrags st aaten ein eintnaliger Betrag von 500 000 Mark ausgeworfen (!). Von derpreußischen Rente erhält Hessen jährlich vorweg 50 000 Mark, den Restbetrag erhält je zur Hälfte Hessen und die thüringischen Staaten.____________________________________ Ausland. Madrid, 19. Juni. Das Ministerium reichtt eine Entlassung ein, die der König an nahm. Wien, 20. Juni. Anläßlich der Beratung des christlich- pzialen Dringlichkeitsanttages, der sich mit der Mißhand- ung des christlich-sozialen Abg. Scheich er, die durch ozialistische Arbeiter geschehen sein soll (wir haben darüber 'urz berichtet. D. Red.), besaßt, kam es im Reichsrat zu Zusammenstößen zwischen Sozialisten und Christlichsozialen. Die Sozialisten verurteilten die Mißhandlung, ftir die sie nicht verantwortlich gemacht werden können. Der Christlich- oziale Geßmann ballt die Fäuste gegen die Sozialisten und schreit: „Verbrecher, schämt Euch!^ Der Sozialist Seitz ruft zu Geßmann: „Wie kann sich ein Negierungsrat so benehmen!" Der Sozialist Rieger ruft dem Christlichsozialen Schraffl, der lebhaft gestikuliert und brüllt, zu: „Ruhig, Grabschänder und Friedhofschänder!" Der Sozialist Schuhmaier wirst den Christlichsozialen vor, daß sie den Fall des Abg. Scheicher ausschroten, und zählt eine Reihe von Fällen auf, in denen die Sozialisten durch Christlichsoziale blutig geschlagen wurden. Graf Sternberg greift die Sozialisten an, die im Dienste deS Hofes und der Negierung stehen. Der Sozialist Seitz erwidert unter stürmischen Unterbrechungen, daß die Christlich Schwab denkmals auf der Mathildenböhe ftattgefunberr. Oberstleutnant a. dem Festessen Der Prozeß de Castres segler durch die Bürgerschaft Harnbur, um Mich an der Nordsee, der C 206.— 238.87 140.75 250.90 213.25 jifitri“"’ „nah"' . y5 bin Ich hierhergekommen, -orgen ledig und freudig, unter .Hurra! Hurra! Hurra 21. Juni. Bei den gestrigen EinzugS- . 238.90 . 140.80 . 250.10 . 213.40 i: Ziemlich fest. Märkte. durchs Ziel. Der Kaiser nahm abends Kunst und Wissenschaft — Die deutsche Zoologische Gesellschaft hielt dieser Tage in Breslau ihre 15. Jahresversammlung ab. Die Eröffnungssitzung fand unter Vorsitz des Geheimrats Svengel-Gießen statt. Mit lebhaftem Interesse folgte die Versammlung den Ausführungen des Regicrungsrats Dr. F. Schaudinn, über „Neuere Forschungen über die Befruchtung bei Protozoen". Eine lebhafte Diskussion entfesselte der Vortrag des Pros. Ziegler-Jena: „Das Ectoderm der Plathelminthen". Als nächstjähriger Tagungsort wurde Marburg gewählt^________________ Oe st. Kredit . Deutsche Bank Darmstädter Bank Bochumer Guß . Harpener Bergbau Tendenz Gad, der Vorsitzende des hiesige >e§ grt, uö öie en unb ft)' Sanb. Alst- tetnfr»9e fäon defimstv P- "oztaldeniokraten aturen ausgestellt^ ' b,e Demokraten ^"und Antional. ^Freisinnigen. Temperatur der Lahn und der Lufr am 21. Juni 1905. Nach Reaumur gemessen mittags zwischen 12 und 1 Uhr. Wasser 19°, Lnit 20° R. Mülle r'sche Bade- und Schwimmanstalt. Ziniversttä'ts-Dachrichten. — In Wien ist der Professor kür Kunstgeschichte an der Universität Dr. Aolis Riegl (nicht Ryegl), geb. 14. Jan. 1858, gestorben. die Segler zu mischen; deswegen soll Mein Glas zuerst geweiht sein der Stadt Hamburg; möge sie blühen, gedeihen und sich entwickeln in friedlichem Wettstreit. Es gilt zweitens dem edlen Segelsport und den Mitseglern, von denen einige sich hervorgetan haben beim Rennen über den Ozean. ES gilt uuseren Gästen, welche bte Ozean-Wettfahrt zu uns herübergeführt hat, und die dadurch wieder bewiesen haben,, daß der Grundsatz richtig ist, der sagt: „Meere verbinden, aber sie trennen nicht." Dann gilt das Glas der Linie, auf deren schönem Schiff wir uns befinden und deren Entwicklung maßgebend und bildlich ist für uns alle, deren Wahlspruch aber auch für uns Segler anzuwenden ist: „M e i n Feld die Welt"! Es lebe der Segelsport und alle Mit- ' 7 »u welchem sein werden, ^vertrag? ut Spannung er» und den hessisch- wetten hessischen 1 hne uns scheint, dar. Die haupt- ^gen der heW- -b ihrer Staats lr 1906 zur te auMn der MK. ie auf zehn Me n, innerW ihrer Klassenlosem ^u -eußen an bte : erstens Zähre '., in den spate- eberschuß der 1:1113, wobei der :e auf 11130000 Fahre die Rente, weniger betragen, ibenbe Ueberschuh Tufiifäen KE- fir dieses Jahr, ; der WW hohe TtWchwe nach Abzug utz aus den Kops Muugen erfolgen, der pmtzischen ZahresbetWv.on "unter die an ihr mrgischen Stacks Regierung M me Geschästs- ral-Lotterte- jedesmal firm» 2 Iah« 6«®’ Bon dm Kllr. eßenden Test-«;« sie ans dm W ess Vertrag tnU ren Bestimmungen M-kteutt itslotterie sind itierienW”1^” sozialen ihn im Landtage tätlich attackiert haben, und daß Pernerstorsser wegen seiner Rede über den Erzherzog Franz Ferdinand von den Christlichsozialen in seiner Wohnung überfallen und verletzt worden sei. Schließlich wird die Dringlichkeit und der Antrag angenommen, worin über den Vorfall die Entrüstung des Hauses ausgesprochen wird. Mo» 'Ä us di- Familien Nachrichten. Gestorben. Herr Justizrat Wilhelm Bodmann, Bingen. feierlichkeiten ist durch die Hitze und das lange Warten eine große Anzahl Erkrankungsfälle veranlaßt worden. Die Genossenschaft freiwilliger Krankenpfleger im Kriege hatte an vier Stellen Rettungsstationen eingerichtet. Eine Uebersicht über die Einlieferungen war bisher nicht zu erreichen. Auf der Langenbrücke sind allein 10 Ohnmachtsanfälle behandelt worden. London, 21. Juni. „Daily Tel." meldet ans Tokio: Die Japaner rücken beständig siegreich vor. Die russische Armee ist auf beiden Flanken vollständig umgangen. Die Japaner haben beträchtlich mehr als eine halbe Million Mann im Felde stehen. Die einleitenden Operationen nahmen am 20. Mai ihren Anfang. Petersburg, 21. Juni. Die Friedensfrage wird im Ministerium des Aeußern ziemlich skeptisch betrachtet. Auch bei Hofe herrscht keine ganz friedensfreundliche Stimmung. Dies soll darauf zurückzuführen sein, daß der Zar genaue Nachrichten über die Friedensbedingungen Japans erhalten hat, die ihm unannehmbarerscheinen. — Nowoje Wremja meldet, Prinz Leopold sei am 16. Juni bei der Besichtigung der Positionen MischtschenkoS in das stärkste japanische Gewehrfeuer geraten. Petersburg, 20. Juni. Der Ministerrat fuhr heute mit der zweiten Lesung der Vorschriften für die gesetzgebende und beratende Körperschaft fort und stellte die Redaktion der grundlegenden Artikel fest. Am Donnerstag wird der Ministerrat über das Wahlsystem beraten. N e w y o r k, 21. Juni. Politisch einflußreiche Engländer haben hier eine neue Gesellschaft Potentia gebildet, deren Aufgabe darin zu bestehen scheint, durch Beeinfluffung der Weltpresse Deutschland zu isolieren. Die Gesell-» schäft lanciert Artikel englischer und französischer Staatsmänner in die hiesigen Blätter und scheint auf ein englisch, japanisch-französisch-amerikanisches Einvernehmyr hinzuarbeiten und zunächst Deutschland aus Asien verdrängen zu wollen. Kande" urb Werke! r. Volkswirtschaft. Berliner Börse vom 20. Juni 1905. (Mitgeteill von der Bank für Handel und Industrie, Gießen.) Privat-Diskont 2% Prozent. Anfangs- u. Schlußkurfe. «• W" Mb: Kriginat-Dratttmckkmngen. Kuxhaven, 21. Juni. Das gestrige Wettsegeln des Norddeutschen Negattavereins verlief bei großer Flaute. S. M. Jacht „Meteor" ging um 6 Uhr 40 Min. abends Wißmann Köln, 20. Juni. Die Beerdigung des Gouverneurs a. D. Majors v. Wißrnann erfolgte heute nachmittag unter außerordentlich zahlreicher Beteiligung von dem Hause der Schwiegermutter des Verstorbenen Frau Kommerzienrat Langen aus. Die Leichenparade stellte ein halbes Bataillon des Infanterieregiments Nr. 65 mit der Regimentsmusik. Dem Leichenwagen voraus schritten die Mitglieder des Vereins der Schutztruppenangehörigen mit Fahne aus Berlin, ein Offizier der Schutztruppe mit den Orden des Verewigten und ein reitender Feldjäger mit dem Kranze des Kaisers. Hinter dem Leichenwagen folgten: die Anverwandten des Verewigten, Kolonialdirektor Dr. Stübel-Berlin in Vertretung des Reichskanzlers mit dessen Adjutanten v. Schwarzkoppen, im Auftrage des Königs der Belgier Graf D'Aspremonte und der belgische Konsul in Köln, der Regierungspräsident von Köln Dr. Steinmeister und viele andere. Die Beisetzung erfolgte in der Langenschen Familiengruft auf dem Friedhof zu Mcladen. Außer dem Kaiser hatten u. a. Kränze gesandt der Prinzregent von Bayern, Reichskanzler Fürst Bülow, K'riegsminister v. Einem, Staatssekretär Frhr. v. RichLih'ofen, Kolonialdirektor Dr. Stübel und ber=< schiedene Stadtverwaltungen._____________________ Aus Stadt und Land. Gießen, 21. Juni 1905. ** Das Großherzogspaa r in Hohensolms. Die Anwesenheit des hessischen Großherzogspaares und des Patronatsherrn der hresigen Gegend, des Fürsten von Lich, hatte, so schreibt man uns heute aus Hohensolms, am gestrigen letzten Kirchweihtaa und dem damit verbundenen „Wollmarkt" eine außerordentlich große Menschenmenge hierher geführt. Das Volksfest auf dem „Hals" war sehr stark besucht, auch die hohen Gäste begaben sich nach dem Festplatz und wurden von der Bevölkerung lebhaft begrüßt. An die Schulkinder wurden ca. 100 Brezeln verteilt. Nachmittags verließ das Großherzogspaar per Automobil unfern Ort, um nach Darmstadt zurückzukehren. Die Dienerschaft fuhr nachmittags 5 Uhr von Gießen per Bahn nach Darmstadt. Fürst Karl und Fürst Reinhardt bleiben noch bis Ende nächster Woche hier, um dann nach Lich zu reisen. Die Groß Herzogin hat als Prinzessin die Burg öfters photographiert, und die schönen Ansichtskarten der Burg Hohensolms sind nach einer Aufnahme der Großherzogin hergestellt. ** Der Persona lbe st and der Landesuniversität für das Sommersemester 1905 ist im Druck erschienen und für 20 Pfg. zu beziehen. ** Eine V ereinigung leitender technischer Wasserbaubeamten des deutschen Rheingebietes stattete gestern, auf einer Reise durch Hessen begriffen, unter der Führung des Oberbaurats Schmick aus Darmstadt und der beiden hiesigen Stadtbaumeister Br au- b a ch und Ger b el zu einer Besichtigung der hiesigen Klärbeckenanlagen unserer Stadt einen Besuch ab. Oberbaurat Schmick erläuterte in einem Vortrage die Vorzüge unserer Klärbeckenanlage im Gegensatz zu anderen, ähnlichen Anlagen. An der Hand einer großen Anzahl von Plänen und unter Zugrundelegung der hiesigen Terrainverhältnisse überzeugte er die Besucher davon, daß die hiesige Kläranlage allen berechtigten Anforderungen genügt. Sämtliche Herren sprachen sich sehr befriedigt über die Sache aus. Nach dem Vortrag wurden verschiedene Materialversuche angestellt, und schließlich erfolgte eine Rundfahrt ourch die Stadt. Von Gießen aus begaben sich die Besucher nach Bad-Nauheim, von wo eine Reise lahnabwärts erfolgen soll. *• Besitzwechsel. Von dem früher Orbig'schen Anwesen an der Friedrichstraße (Hollergasse) wurde das alte Haus für 28 000 Mk. an den Wirt und Metzgermeister Koch, früher im „Schwanen" in der Walltorstraße, verkauft ** Die Krachenburg wird nun endlich in den nächsten Tagen vom Erdboden verschwinden. Die Abbruchs- arbeiten sind, wie wir hören, bereits vergeben worden. Einen Bienenschwarm konnte man gestern mittag vor dem Engel har dt'schen Hause in der Plockstraße beobachten. Ehe die Tiere sich niederließen, konnte man ihr Summen häuserweit hören. Nachdem sich der Schwarm, aus vielen Tausenden bestehend, niedergelassen hatte, wurde er zunächst mit einer Spritzbüchse behandelt und dann wurde der Ast, an dem er sich festgesetzt hatte, abgeschnitten. Der ganze Einfang dauerte beinahe eine Stunde. ** Der Ausflug des Bienenzüchtervereins Gießen und Umgegend am letzten Sonntag war vom Wetter nicht sehr begünstigt. Trotzdem hatten sich nahezu 50 Teilnehmer und Teilnehmerinnen am Bahnwärterhaus Schröder eingefunden. Nachdem die praktischen Arbeiten auf dem Bienenstände, sowie dessen Besichtigung statt- gesunden hatte, begab man sich in die Restauration „Zur Linde" am Bahnhof Großen-Linden. Der Begrüßung durch den Vorsitzenden folgten noch etliche geschäftliche Mitteilungen und dann wurde ein Tanz arrangiert, woran sich Alt und Jung beteiligte. sd. Darmstadt, 21. Juni. (Eigener Drahtbericht.) Heute vormittag hat unter der Teilnahme des Großherzoglichen Paares, der Hofchargen, der Ehefrau und zahlreicher Verel rer des Dichters sowie der Delegierten des deutschen Schriftstellerverbandes die Enthüllung des ke. Frankfurt a. M., 21. Juni. Drig.-Telegr. des „Gieß. Anz.") V i e b m a r f t. Zum Verkaufe standen 200 Kälber, 00 Schale u. Hammel, 876 Schweine. Kälber 1. Qual. 87—90 Pf,. Lebendgewicht 52—54 Psg., 2. Qual. 80—84 Psg., Lebendgewicht 49-51 Psg., Schlachtgewicht 62—66 Pfg. Schafe 1. Qualität Schlachtgewicht 00—00 Pfg., 2. Qualität 00-00 Pfg. Schweine 1. Qualität 69-00 Pfg., Lebendgewicht 54.00 Psg., 2. Qual. 68—00 Psg., Lebendgewicht 63-00 Pfg., 3. Qualität 62—64 Pfg., Lebendgewicht 00—00 Pfg. Geschäft gut, kein Ueber- stand. ____ Gießener landwirtschaftlicher Wetterdienst. Voraussichtliche Witterung in Hessen für Donnerstag, den 22. Juni 1905: Anhaltend trocken, heiter und sehr warm. Näheres durch die Gießener Wetterkarte. chcrichtslaal. Stuttgart, 20. Juni. In dem SimplizissimuZ- Prozeß, der gieftern gegen den Schriftsteller Dr. Ludwig Thoma und den Vera > tw örtlich en Redakteur des „Simpli- zisfimus" Linnekogel durchgeführt wurde, beantragte der Staatsanwalt gegen Thoma zwei Monate, gegen Linnekogel vier Wochen Gefängnis. Arbeitsnachweis der Stadt Gießen Gartenstratze 2 (Bürgerin eisteretgebärrde) Zimmer Nr. 14. Der Arbeitsnachweis hat die Aufgabe, zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern (Arbeitern jeglicher Art, Dienstboten rurd Lehrlingen) unentgeltlich Arbeit zu vermitteln. An den Werktagen von 8 bte 1 Uhr und von 8 bte 6 Uhr geöffnet. Cs können eingestellt werden: 1 lcmdwirtsch. Knecht, 1 Spengler, 2 Wagner, Schreiner (auswärts), Lackierer (auswärts), 1 Möbelschreiner, 2 Schuhmacher, 2 Glaser, 1 Installateur, mehrere jüngere Fabrikarbeiter, 1 Verkäuferin, 1 Hausbursche, 2 Lauffrauen- oder Mädchen, 5 Dienstmädchen, 1 Schreiber. Lehrlinge: 2 Spengler, 2 Schlosser. 1 Mechaniker, 1 Wagenlackierer, 1 Wagner, 1 Buchbinder, 1 Lackierer, 1 Schreiner, 1 Schneider, 2 Schuhmacher, 1 Friseur, 1 Buchhändler, 1 Kellner. CS suche» Arbeit: B1T/e 1 landwirtschastl. Arbeiter, 1 Eisendreher, 1 Wäscherin, 1 Fabrikarbeiterin, 1 Strickerin (Privatarbeit), Arbeiter für leichtere Arbeit, 1 Haus- oder Bureaudiener, 2 Lauftrauen. R. B. Darmstadt, 20. Juni. Im Hochstaplerprozeß des Ehepaars de East res wurden heute von früh um 8 bis Mittags 1/,12 Uhr die ersten 15 Zeugen vernommen; vier Sachverständige, Kreisarzt Med.-Rat Dr. Lindenborn-Groß-Gerau Prof. Dr. Weller-Darmstadt, Obermedizinalrat Dr. Heil und Dr. med. Sellenthin wohnten der Verhandlung bei. Erste Zeugin ist die Haushälterin Frl. Zeh; sie litt an Blutungen und war die erste Patientin, erhielt aber gleich die Nr. 160 000. Eine leibliche Untersuchung hielt der „Herr Professor" für überflüssig; sie erhielt eine Anzahl Medikamente und mußte dafür 53 Mark bezahlen. Bureaugehilfe Schröder war vom Angeklagten als solcher engaqirt und sollte 8000 Mark „Geschäftslage" geben, wie das in Paris so Sitte sei. Er habe aber mit sich handeln lassen und nur 2000 Mark verlangt, sei aber schließlich auch mit 500 Mark einverstanden gewesen. Zeuge hat natürlich von bem Geld nichts wieder gesehen. Buchdrnckereibesitzer Noether hat die 100 000 Prospekte gedruckt und dabei 1900 Mark eingebüßt, er bekundet, die Prospekte seien ihm zwar sehr prahlerisch vorgekommen, aber das ganze Austreten des Angeklagten, seine fürstlich eingerichtete Wohnung etc. hätten ihm Vertrauen eingeflößt. Frau de Castres habe auch erzählt, daß sie 300 000 Fres. von ihren Verwandten in der Schweiz zu erben habe. Kaufmann Fischer erzählt, der Angeklagte habe ihm eine Stelle als Depotverwalter angeboten; er solle 300 Mark Monatsgehalt und 10 °/0 Verkaufsprovision erhalten. Apparate ober Maaren hat er aber nie im Devot erhalten. Fischer mußte 5000 Mark Kaution stellen, die bei ber Südbeutschen Bank hinterlegt werden sollten; de Castres hat das Geld aber zur Anzahlung für das gekaufte Haus verwendet. Der Zeuge wußte auch sonst noch viel von den schwindelhaften Umtrieben des Ehepaares zu erzählen. Morgen früh um 8 Uhr wird mit der Zeugen- vernehmung fortgefahren____________________ des Norddeutschen Negattavereins auf dem Dampfer „Blücher^ teil. Er ging heute vormittag 11 Uhr auf der „Hohen- zollern" durch den Nordostseekanal nach Kiel. Kobnrg, 21. Juni. Großfürst Cyrill von Rußland ist zum Besuche der früheren Großherzogin Victoria Melitta eingetroffen. Kuxhafen, 20. Juni. Bei der heutigen Regatta gewann in der ^.-Klasse der Schooner-Kreuzer den ersten Preis und den Ehrenpreis der Stadt Hamburg die Jacht „Meteor". Kuxhaven, 19. Juni. Bei dem heutigen Diner des Norddeutschen Regattavereins auf dem Dampfer „Blücher" brachte Bürgermeister Dr. Mönckeberg einen Triukspruch auf den Kaiser aus. Dieser erwiderte darauf mit folgender Rede: „Eurer Magnifizenz spreche Ich meinen herzlichen Dan? aus für die schönen Worte, die Sie soeben gesprochen haben. Es ist Mir eine große Freude, heute wiederum Gast der Stadt Hamburg zu sein und als Mitsegler in den Reihen des Norddeutschen Regattavereins hier erscheinen zu können und mit Ihnen ein paar fröhliche Stunden zu verleben. Noch baS Herz voll bewegt von den schönen Eindrücken beim Empfang ArullÄ-Südwestafrika. Berlin, 20. Juni. (W. B.) Im Hereroland wurden von den auf den wichtigsten Orten verteilten Stationsbesatzungen in den letzten Wochen zahlreiche Streifzüge unternommen, namentlich in der Gegend von Waterberg, Owi- kokorero, Otjehangwe, Epukiro und in der weiteren Umgebung von Windhuk. Hierbei sind insgesamt 120 Hereros im Gefecht gefallen, 572 wurden gefangen genommen, 60 Gewehre und einiges Vieh wurden erbeutet. Das Kakau-Veldt hatte Hauptmann v. Oertzen bereits im Mai vom Feinde frei gefunden. Im Nama-Land griff Hauptmann v. Erckert am 6. Juni am Gamtrap-River (80 Kilom. östlich vom großen Karasberge) eine Werft von Hottentotten der Bande Morengas an. Der Feind ließ vier Tote und vier Verwundete liegen. Diesseits keine Verluste. — Die Nachricht, daß Hendrik Witboi auf englischem Gebiete bei Lehutltu sitze, wird erneut bestätigt. Ausverkauf! Wegen Verlegung meines Geschäftes von Neustadt 19 nach Marktplatz 11 verkaufe ich sämtliche Waren bestehend in Öhren-, Geld- und Silberwaren zu bedeutend herabgesetzten Preisen. 2962 I. Somiiita, Imlin nnb Uhmchcr. Journalisten- und Schriftstellervereins, lfielt eine Ansprache und Höfschauspieler KniSpel sprach einen Nachruf an Gottfried Schwab. Darauf folgte die Enthu''lung de§ Denkmals. pa. Wetzlar^ 20. Juni. Der Sohn eines hiesigen Fabrikbesitzers machte vor glichen Tagen nach einem kurzen Wortwechsel mit dem Vater einen Selbstmordversuch; er verletzte sich lebensgefährlich durch einen Schuß in den Kopf. Die Kugel konnte noch nicht entfernt werden. Gekränkter Ehrgeiz soll das Motiv der unglückseligen Tat sein; es heißt, der Vater habe dem Sohne, der Primaner am hiesigen Gymnasium ist, über den Besuch einer von der An- talt verbotenen Wirtschaft eine Rüge erteilt. [i Mar bürg, 20. Juni, lieber das Liebcsdrama im Burgwald wird noch gemeldet, daß der Lehrer Mengel durch Androhung von Zwangsmaßregeln seitens der Eltern des Mädcheu.s veranlaßt wurde, seine von ihm nach Pfingsten heimlich hierher gebrachte Geliebte, die Landwirtstochter Kunigunde Kinkel aus Wiesenfeld, wieder zurückzuholen. Den ganzen, etwa fimfstündigen Weg von hier nach Roda, der einsame Wald- und Wiesenpfade entlang führt, will er am Samstag abend mit dem Mädchen zu Fuß zurückgelegt haben. Gegen V2I2 Uhr waren sie dann in seinem Elternhause, der Lehrerwohnung in Roda, angekommen und etwa IV2 Stunde später vollführte er etwa 10 Schritte davon die Tat, über die wohl erst die Gerichtsverhandlung volle Aufklärung geben dürste. Mengel wurde gestern von Rosenthal nach hier ins Landgerichtsgefängnis überführt; er machte einen recht verworrenen Eindruck. ** Kleine Mitteilungen ans Hess"n und den Nachbarstaaten. In der Graubengasse in Frankfurt a. 9)1. starb ein Kind an Genickstarre. * Kleine Tageschronik. In Köln entstand ans geringfügiger Veranlassung zwischen mehreren Personen ein Streit, der in eine große Schlägerei ausartete. Mehrere 100 Personen standen sich gegenüber. Ein Polizeiaufgebot von 20 Mann war nicht imstande, die Streitenden auseinander zu bringen, sodaß die Feuerwehr requiriert werden mußte. Die Polizei ging mit blanker Waffe vor. Es wurden 25 Personen verwundet, auch mehrere Polizei beamten erhielten schwere Verletzungen, da sogar mit Mülleimern geworfen wurde. Zahlreiche Exzedenten sind verhaftet worden. — In Posen hatte der zwt^jährig dienende Rahutta vom 20. Feldartillerie- Regiment einen jungen Rekruten wegen schlechter Reinigung seines Gewehrs zur Rede gestellt. Es entstand ein Streit, in dessen Verlaus Rahutta den Rekruten mit einem Besenstiel und durch Tritte an den Unterleib schwer mißhandelte. Der Rekrut ist an den Folgen der MißbaudOma gestorben.__________ Ä August SW Jo? 2 2 ty K -rr. *■ tu >m*ti 8>;s &;S** § v " n 41 s s r.« 3 ' (Q ' e:? ar< 2 o 10 3 -’n' ' 2@ ■» #»' CP ®s ÜP I n h f» . D n Pans Die einen im g ist alles g die W 8' SÄ; 3« |eine Hand S“A® von den en Linne, som benutzt wur aristokrat:e Fahre in ■ ße0an9ß?' . unlergekomi politischen biüder Keinen &P1 zu den Be liche Memi unerhörtes! planten vinismus ung am r Harmswor die vornel zu bringe, die tonferi) Londoner ! (iiei u Gesa hr, Llattes ein öjp SieichSregte diesem fein sarvlose Pi überhaupt große alt ginnt Do beltage werteren Äüägüchsl = £'5® mend Cafe Heute Mittwoch abend Grosses Gartenkonzert ausgeführt von der Regimentskapelle, 8808 Anfang 81/, Uhr. Eintritt 50 Pfgy Anfang 8 Uhr. statt Der Borstauv. bvqi9 Baugeschäst, Gderstraße 20. 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