Nr. 116 Zweites Blatt. 155. Jahrgang Donnerstag 18. Mai 1 SOS Vrlcheint «gllch mit Ausnahme deS Sonntags. J . A. Rotationsdruck und Verlag der vrLhlffch« .. . . K llfflymoO UntoafitätSbruderd. R. Lange, Gieß«. Die „Sietzenrr ZamiNenblStter" werden dem g| WM H |7 EU£ |L< W H SLF D O || K /j |g ®JP W ______ »Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der ® B I M g S By Bi öL, kL wL, M- Redaktion,Expedition u.Druckerei» Schulstr.H^ «hesflschtz Landwirt" erscheint monatlich einmal. ▼■VW ▼▼ Ä ▼ ▼ Tel. Nr. 6L Telegr.-Adr. i Anzeiger Gießen. General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Gießen. Ein StreiK-Kericht. Der Verlauf des Gießener Schneiderstreiks und die gegenwärtig überaus zahlreichen Arbeiter-Ausstände im In- und Auslande werden ein gewisses Interesse für einen Aufsatz von Prof. Ziegler in Jena wachrufen, worin erbemerkenswerte Mitteilungen über ein „Streik-Gericht" in Neuseeland macht. Prof. Ziegler schreibt: In unserem wohlgeordneten Staatswesen, welches für tausend große und kleine Streitfälle eine entscheidende Behörde oder ein zuständiges Gericht besitzt, gibt es für den Fall eines großen Arbeiterausstandes doch keine Instanz, welche berechtigt oder verpflichtet wäre, zwischen den Parteien zu vermitteln oder zu entscheiden. Daher dürfte man in der jetzigen Zeit dem eigenartigen Streik-Gericht Beachtung schenken, welches vor einem Jahrzehnt in Neuseeland eingeführt wurde und welches wohl auch für andere Länder vorbildlich sein könnte. Diese Einrichtung ist in Deutschland wenig oder gar nicht bekannt, und ich selbst würde sie allch nicht kennen, wenn ich nicht als Herausgeber des Sammelwerkes „Natur und Staat" in dem siebenten Bande dieses Werkes eine Beschreibung davon gefunden hätte. Aus diesem Bande, der demnächst erscheinen wird, will ich hier mitteilen, was der Verfasser, ein in Fragen der Industrie sehr erfahrener Deutsch-Amerikaner Namens Emil Schalk, darüber berichtet. Früher, waren Ausstände in Neuseeland sehr häufig und wurden mit größter Erbitterung geführt; sie brachten der jungen Kolonie schweren Schaden. Nach jahrelanger Diskussion und dem Studium aller Arbeitergesetze der ganzen zivilisierten Welt wurde endlich in dem Jahre 1895 ein „Compulsory Arbitration "-Gesetz geschaffen, und seit dieser Zeit haben keine weiteren Streiks stattgefunden. Nach diesem Gesetze müssen sich die verschiedenen Gewerbe in Arbeiterund Fabrikantenvereine organisieren, wenn sie der Vorteile des Gesetzes teilhaftig werden wollen. Jeder Verein muß seine Mitglieder besteuern, damit der Verein verantwortlich ist. Dieses ist natürlich der kritische Punkt, denn dadurch werden auch die einzelnen Mitglieder verantwortlich. Für Leute, die nicht organisiert sind, urteilt der Gerichtshof nicht. Der Gerichtshof besteht aus zwei Instanzen, einem „Board of Conciliation“ und „The Court of Arbitration“. Das Verfahren ist wie folgt: Eine Unzufriedenheit oder Differenz zwischen den Arbeitern und Arbeitgebern entsteht, infolge deren die unzufriedene Partei die andere vor den „Board of Conciliation“ zitiert. Von diesem Momente an liegt die Streitfrage vor einem Gerichtshöfe, welcher Zeugen zitieren und unter Eid verhören kann, Geschäftsbücher requirieren usw. Die Richter in dieser ersten Instanz sind vier Männer, zwei von den Fabrikanten und zwei von den Arbeitervereinen gewählt. Diese Richter suchen nach gründlicher Verhörung beider Parteien eine Vermittlung zustande zu bringen. Gelingt dies nicht, so geben sie ein motiviertes Urteil ab, was nach ihrer Meinung die Parteien tun sollten. Folgt auch darauf keine Einigung, so geht der Fall vor die „Court of Arbitration“. Dieses Gericht besteht aus mehreren Sachverständigen unter dem Vorsitz des Präsidenten des höchsten Gerichtshofs von Neuseeland. Das Urteil dieses Gerichts muß von beiden Parteien befolgt werden, widrigenfalls hohe Geldstrafen verhängt werden können. Während der ganzen Zeit der Verhandlung darf keine Arbeitseinstellung stattfinden. Die Urteile sind immer inbezug auf die Zeit beschränkt und gelten nur auf ein oder zwei Jahre.. Sie ermöglichen es demnach, nach einiger Zeit neue Bedingungen zu verlangen, falls sich inzwischen die Verhältnisse geändert haben. Unter dieser Einrichtung hat Neuseeland in den letzten Jahren keinen Streik mehr gehabt. Bedenkt man die Verluste und den wirtschaftlichen Schaden, welchen die Ausstände verursachen, ganz abgesehen von dem Elend der Familien, den Gesetzlosigkeiten und Gewalttätigkeiten, „so muß man zugeben" — sagt Emil Schalk — „daß diese Einrichtung ein Fortschritt in der Zivilisation ist". Die Verfassung Klsaß-Lotyringens. Dem Reichstag ist zur Beschlußfassung ein außerordentlich wichtiger Antrag von Preiß u. Gen. Angegangen, bett, bie Verfassung Elsafi-Lothringens. Es handelt sich um nichts weniaer als die Einordnung Elsaß-Lothringens in das Deutsche Reich als selbständiger Bundesstaat. Der Gesetzentwurf hat folgende 4 Paragraphen: Kleines Aeuilleton. N B Darmstadt, 17. Mai. Sarah Bernhardt hat mit ihrer eigenen französischen Theatertruppe auf ihrer dres- maligen Gastspieltour durch Deutschland auch in Darmstadt eine kurze Rast gemacht und gestern abend lhr Lieblingsstück, Alexan- der Dumas' sfils) Aameliendame zur Auffüyrung gebracht. Ta die Vorstellung im kleinen Jnterimstheater nicht angängig war, fand sie in dem großen, aber für derartige Gastipiele völlig ungeeigneten Woogplatztheater statt, das nahezu voll besetzt war. Die berühmte französische Tragödin spielte die Marguerite Gautier mit außerordentlicher Beweglichkeit und staunenswerter dramatischer Meisterschaft, wobei sie die tiefen seelischen Erregungen und Empfindungen, die das Liebesleben der schonen Hetäre in rascher Folge durchzittern, in höchst effektvoller, vollendet künstlerischer Weise zum Ausdruck brachte. ' Das pariser Ensemble, das allerdings keineswegs der voraufgegangenen Riesenreklame entsprechend „allerersten Ranges" ist, unterstützte die berühmte Darstellerin durch glattes, gut abgetöntes Spiel und stellte auch, soweit das bei den äußerst primitiven Bühnenanlagen möglich war, ein für dieses feinpointierte pariser Salonstück ' absolut notwendiges intimes Milieu her. Das animierte Publikum nahm die glanzvolle Darbietung der gefeierten Mnst- lerfn mit ehrlichem und sehr lebhaftem Beifall, sowie, mchr- facta Hervorrufen auf. Dagegen mußte cs allgemein aufs peinlichste berühren, daß sich am Schluß der Vorstellung einige hundert der hier studierenden Polen, Russen, Spanier usw. zusammentaten 'Md förmliche Demonstrationen für die Französin mit ihrem § 1. Ten Staaten, ans denen das Bundesgebiet gemäß Artikel 1 der Verfassung des Deutschen Reiches vom 16. April 1871 besteht, tritt als weietrer Staat das bisherige Reichsland Elsaß-Lothringen hinzu. § 2. Landesherr in Elsaß-Lothringen ist der Deutsche Kaiser. Der Kaiser kann die landesherrlichen Befugnisse ganz oder teilweise einem Statthalter übertragen. § 3. Elsaß-Lothringen wird im Bundesrate durch Bevollmächtigte vertreten, welche vom Landesherrn ernannt werden. Die Feststellung, wie viel Stimmen Elsaß-Lothringen im Bundesrate führt, bleibt einem besonderen Gesetze Vorbehalten. § 4. Der Bundesrat und der Reichstag scheiden als Organe der Land es gesetzgebun g in Elsaß-Lothringen aus. In den der Reichsgesetzgebung in den Bundesstaaten nicht unterliegenden 'Angelegenheiten werden Gesetze für Elsaß-Lothringen von dem Laudesherrn nach erfolgter Zustimmung des elsaß-lothringischen Landtags (bisher Landesausschuß) erlassen. Berlin, den 12. Mai 1905. Unterzeichnet ist der Antrag von folgenden Abgeordneten: Preiß. Dr. Hoeffel. Dr. v. Jaunez. Labroise. Merot. Dr. Ricklin. Rifs. Roellinger. Schlumberger. Baron de Schmid. Wetterle. Wiltberger. Unterstützt wird er durch: Tr. Bachem. Burlage. Engelen. Erzberger. Faltin. Fritzen (Düsseldorf). Gröber. Herold. Dr. Hitze. Holzapfel. Horn iNeißeV Hubrich. Jtschert. Kalkhof.'. Dr. Marcour. Moritz. Nacken. Osel. Frhr. v. Pfetten. Dr. Pichler. Pingen, v. Savigny. Tr. Schaedler. Schmid (Jmmenstadt). Schmidt (Warburg). Sittart. Strzoda. Stupv. Trimborn. Wallenborn. Wattendorfs. Frhr. v. Wolff-Metternich. Keer und Flotte. — Ein deutscher General für die argentinische Armee? Aus Buenos-Ayres wird geschrieben: Wie hier verlautet, trägt sich die Regierung mit dem Gedanken, einen „deutschen General von Weltruf" zu gewinnen, der das argentinische Heer organisieren und es auf die Höhe einer erstklassigen modernen Armee bringen soll. Dafür sei kein geringerer als General v. d. Goltz, der Schöpfer der modernen türkischen Armee, in Aussicht genommen. Tie Nachricht klingt in dieser Form etwas abenteuerlich; doch ist es keineswegs ausgeschlossen, daß sich das hiesige Kriegsministerium mit einem derartigen Projekte beschäftigt. Es sei daran erinnert, daß schon vor ungefähr sechs Jahren ein ähnlicher Plan austauchte. Damals hieß es, General v. d. Goltz solle dem argentinischen Kriegsminister als „Beirat" dienen und vor allem den Generalstab organisieren. Statt seiner wurde indes Oberst dir ent berufen, der sich im Verein mit anderen deutschen Offizieren um die hiesige Kriegsakademie sehr verdient gemacht hat, trotzdem ihm seitens der Regierung selbst große Schwierigkeiten in den Weg gelegt wurden, die seine Ausgabe keineswegs zu einer dankbaren machten. Sollte ein hoher deutscher Offizier oder gar General v. d. Goltz sich tatsächlich entschließen, eine leitende Stellung in der argentinischen Armee anzutreten, so müßten ihm wohl zuerst Garantieen dafür geboten werden, daß seine Tätigkeit durch Parteiintriguen, wenn nicht gar durch die Regierung selbst nicht unterbunden wird. Aus Stadt Md Land. Gießen, 18. Mai 1905. ** D as Bahnproj ekt Gießen-Beuern. Um über das Bahnprojekt Beuern—Großen-Buseck—Alten-Buseck— Wieseck—Gießen zu beraten, veranstaltete die Gemeinde Beuern, wie man uns von dort schreibt, im Saale von Christoph Wagner am 14. d. Mts. eine große Bürgerversammlung. Sämmtliche Anwesenden bejahten einstimmig die Bedürfnisfrage für Beuern auf das Lebhafteste. Nachdem verschiedene Herren aus Alten-Buseck und Beuern die Notwendigkeit der projektierten Bahn dargetan hatten, machte der Bürgermeister von Beuern, Otto, den Vorschlag, aus den Bürgerkreisen, nicht aus dem Gemeinderat, eine Kommission zu ernennen, die das Projekt weiter zu fördern habe. Der Gemeinderat werde dazu Unterstützung gewähren. Die Versammlung entsprach diesem Vorschlag und wählte eine Kommission von 8 Mitgliedern und 9 Stellvertretern, denen vorerst die Aufgabe geworden ist, mit den Gemeinden Großen- Buseck und Bersrod m Verhandlung zu treten. ** Der Deutsche Verband kaufmännischer Vereine versendet seinen Jahresbericht für 1904/05. Die bekannten früheren Deuffchenhaß veranstalteten. Im Publikum, das die vollendete Kunstleistung vorher vollauf anerkannt und gewürdigt hatte, wurden zahlreiche Stimmen des Mißfallens über diesen Unfug der Ausländer laut. — Ein volkstümliches Schillertheater in Frankfurt soll auf der finanziellen Grundlage einer Aktiengesellschaft errichtet werden. Das Schillertheater soll die Kulturschätze der dramatischen Literatur weiteren Kreisen zugänglich machen und dadurch dem Bildungsbedürfnis der Bevölkerung entgegen kommen. Der Spielplan des Schillertheaters soll keiner einzelnen literarischen, sozialen oder politischen Richtung dienen, sondern allem bewährten bühnendichterischen Schaffen, allem Schönen und Guten, im Ernsten wie im Heiteren. Es soll also das klassische wie das moderne Repertoire gepflegt werden, wobei besonders versprochen wird, der Regie sorgsamstes Augenmerk zu widmen. Ms Grundkapital für die Errichtung und den Betrieb ist ein Höchstbetrag von 1300 000 Mark angenommen. Das' Gebäude soll auf einem freiliegenden städtischen Grundstück der Altstadt errichtet werden. Frankfurt, 17. Mai. In dem nicht öffentlichen Teil der gestrigen Sitzung der Stadtverordneten wurde auf Antrag des Stadtverordneten Flauaus einstimmig beschlossen, ein Rem- brau dt'sches Gemälde für das Frankfurter Städel'sche Kunstinstitut zu eriverben. Das Gemälde, das die Blendung Simsons darstellt (eine Kopie befindet sich 'im Kasseler Museum' stammt aus dem Besitz der gräflich Schönborn'sch en Sammlung in Wien. Der Preis stellt sich auf über 300 000 Mk .Dankenswerter Weise haben sich reiche Privatleute und Kunst- Mitqliederzahl hat um 5916 zugenommen und der Verband umfaßt jetzt 114 Vereine mit 94 964 Mitgliedern, davon 22 467 Prinzipale, 68 302 Gehilfen, 1888 Lehrlinge, 2301 Nichtkaufleute. Der Verband hat im Berichtsjahre wieder an allen auf die Besserung der wirtschaftlichen und sozialen Lage der Handlungsgehilfen gerichteten Bestrebungen den regsten Anteil genommen und sie auf das Eifrigste unterstützt. Im Berichtsjahre hat er sich insbesondere mit den Fragen der Ernennung von Handels-Inspektoren, Sicherung des Anspruchs der Handlungsgehilfen auf Gehalt und Unterhalt in Fällen unverschuldeten Unglücks (§ 63 des Handelsgesetzbuches), der gesetzlichen Regelung der Arbeitszeiten in den Kontoren des Großhandels, der Gewährung von Sommer- Urlaub an die Angestellten, der Alters- und Invaliditäts- Versicherung, der Bestechung von Angestellten in Industrie und Handel, beschäftigt. Die diesjährige Hauptversammlung findet am 29. und 30. Mai zu Pforzheim statt. ** Die Motorschiffahrt auf der Lahn. Die im vorigen Jahre durch den Besitzer des Jagdschlößchens in Dutenhofen eingerichtete Motorschiffahrt auf der Lahn wird demnächst wieder eröffnet. Der vorjährige Schiffsführer Georg Nau hat das Fahrzeug erworben und beabsichtigt, vorerst regelmäßige Fahrten zwischen Gießen und Dutenhofen einzurichten. ** Zoo logischer Garten in Frankfurt. Dee Orchideenausstellung des Palmengartens folgt diese Woche eine andere, die aber an Farbenschönheit nicht hinter jener znrückstchen dürfte, nämlich die Schmetterling-Ausstellung im Zoologischen Garten. Die große, von dem verstorbenen Frankfurter G. Koch herrührende Sammlung ist nämlich aus Privatbesitz auf ca. 30 000 Exemplare ergänzt worden, lieber 300 Glaskasten sind mit den zum teil in prächtigen Metallfarben schillernden Tierchen gefüllt und welche Vollständigkeit man erreicht hat, mag daraus hervorgehen, daß nicht weniger als 70 Arten der sogen. „Ordensbänder", über 30 verschiedene , .^armassier" und mehrere Hunderte verschiedener Schwalbe mnz-Arten vertreten sind. Die prachtvollsten Arten von Schmetterlingen leben in Amerika und auf den nördlich von Australien gelegenen Inseln, aber auch auf Madagaskar leben herrliche Geschöpfe, die taffäch- lich in den Regenbogenfarben schillern, wie die wundervolle Ripheus-Motte. Um die Sammlung allen Besuchern zugänglich zu machen, wird für Freitag und Samstag kein Extraentree für die Sammlung verlangt. Da sich aber schon bei der vorjährigen Ausstellung großer Andrang bemerkbar machte, ist für Sonntag nachmittag ein Sonderentree von 10 Pfg. angesetzt. iv. Wißmar, 17. Mai. Gestern nachmittag ereignete stch auf unserer Dorfstraße ein bedauerlicher UnglückSsall. Ein vierjähriges Mädchen deS Hüttenarbeiters H. Ford ach von hier war einem mit langen Tannenbäumen beladenen Fuhrwerk so nahe gekommen, daß es von einer schwankenden Tanne getroffen wurde. Eine halb- Stunde darauf starb bereits daS Kind. x Ober-Ohmen, 17. Mai. In der hiesigen Gemarkung ist eine Backsteinbrennerei, sogen. Feldbrand, ins Leben gerufen und damit ein für unsere Gegend nicht vorhandenes Unternehmen gegründet worden. Die Unternehmer haben die Erde fachmännisch untersuchen lassen. Diese Prüfung hat ein gutes Resultat ergeben. Da das Beziehen der Feldbrandsteine durch die weite Fracht und den Achsentransport von der Bahn große Unkosten verursacht, so daß diese auch hier zum Bauen immer mehr begehrten Steine sehr teuer werden, so steht den Unternehmern eine gute Ren- tierung in Aussicht. c. Altenhain (Kr. Schotten), 17. Mai. Einem lang* gehegten Bedürfnisse entspricht der hier projektierte Neubau eines Schulhauses. Die gestern erfolgte Grundsteinlegung dazu war mit einer kleinen Feier verknüpft. Anwesend waren die Vertreter der Großh. Kreisschulkommiffion in Schotten sowie der den Bau leitende Techniker S ommer- ko rn aus Laubach. Ein Choral der Schulkinder eröffnete und schloß die Feier. Nach den üblichen drei Hammerschlägen hielt Geh. Regierungsrat Schönfeld eine kleine Ansprache. Zu dem Bau des Schulhauses, das Ostern 1906 seiner Bestimmung übergeben werden soll, wird allein Vogelsberger Material (Basaltstein) verwendet werden. fc. Frankfurt a. M., 17. Mai. Wie man hört, soll am Hohenzollernplatz eine Sängerfesthalle gebaut werden. (Bekanntlich ist kürzlich die Meldung aufgetaucht, daß auf freunde bereit finden lassen, fast die ganze Summe durch freiwillige Spenden aufzubringen. Von der Stadt wurde nur ein Zuschuß von 50 000 Mark gefordert, der ihr ein Besitzanrecht sichert, sodaß ohne ihre Zustimmung das Bild nicht weiter verkauft werden darf. Paris, 17. Mai. Lebhaftes Interesse erregt ein Vortrag Metschnikows in der medizinischen Akademie über Arbeiten der Berliner Forscher Schaudinn und Hoffmann zur Auffindung des Erregers der Syphilis. Bei 4 von 6 erkrankten Affen konnte Metschnikow die von den Berliner Geleinten isolierte Spirila Pallida finden. Wien, 17. Mai. Kaiser Franz Josef erschien gestern im Atelier des Bildhauers Wyr, um das Relief für die Peterskirche zu besichtigen Bei dieser Gelegenheit besichtigte der Kaiser auch den Raum, in welchem die Maler Kossak und Temple ein Kolossal-Gemälde fertig stellen, auf welchem die Szejen vor demWinter-Palais inPetersburg am 22. Januar naturgetreu dargestellt sind. Der Kaiser verriet ein starkes Interesse an den tragischen Vorgängen, welche bic beiden Maler mit großer Virtuosität auf die 8V2 Meter lange? Leinwand gebannt haben. Im Mittelpunkt des großen Bildes! steht der Priester Gapon. Man sieht die Dragoner auf das Volk einhauen. Viele liegen verwundet und in ihrem Mute schwimmend im Schnee. Der Kaiser sah sich das Bild lange Zelt an ohne ein Wort zu sprechen Er war sichtlich bewegt und sprach den Künstlern seine Anerkennung aus. Das Bild wird demnächst auch in Berlin zu sehen sein. Wunsch des Kaisers der nächste Sängerwettstreit wieder hier stattfinden solle) WormS, 17. Mai. Die Rheinlinie der elektrischen Straßenbahn ist in der gestrigen Stadtverordnetensitzung mit der Fahrt Hagenstraße—LudmigSstraße angenommen worden. fc. Aus dem TaunuS, 17. Mai. Nach dem Jahresbericht der hirschgerechten TaunuZjäger sind im letzten Jagdjahr im Taunus ungefähr 600 Stück Rotwild geschoßen worden. Der Wildstand hat sich bedeutend gehoben. Nur überwiegt das Kahlwild zu sehr. [ ] Marburg, 17. Mai. In der heutigen Sitzung der Stadtverordneten macht der Abteilungsvorsteher des hygienischen Instituts, Stadtverordneter Prof. Dr. B o n h o f f, gelegentlich der Beschlußfassung über Erneuerung der Fußböden in einigen Mannschaftsstuben der Jagerkaferne interessante Mitteilungen über das von Zeit zu Zeit hier bemerkbare Auftreten der Genickstarre. Er führt aus, daß seit dem Jahre 1899 in jedem Jahre in der Kaserne Einzelfälle von Genickstarre vorgekommen seien, und zwar immer in den heute in Betracht kommenden Stuben. Die Möglichkeit läge vor, daß im Zwischenmaterial der Fußböden gewissermaßen die Ursache der Erkrankungen zu suchen sei, denn eine Einschleppung von außerhalb sei in keinem Fall nachgewiesen und in der Stadt sei auch kein Fall vorgekommen. Nur durch eine völlige luftdichte Neuherstellung der Fußböden ließe sich die Gefahr beseitigen. fc. Kassel, 17. Mai. Hier starb im Alter von 76 Jahren die Gräfin Karoline v. Hertzberg, geb. Knyn. Die Gräfin stammte auS Mainz und war die Witwe eines Generalmajors. Weiteren Kreisen ist sie als die Mutter der Frau des Profesiors Gustav Eberlein bekannt. Die Verbilligung der Steinkohle. Berlin, 16. Mai. Die Kommission des Abgeordnetenhauses zur Vorberatung des Antrages Gamp, betreffend die Mutungssperre für Steinkohle und Steinsalz, hielt heute abend ihre erste Sitzung ab. Zur Begründung seines Antrages führte Gamp aus, eine Lebensfrage für diedeutsche Landwirtschaft undJn du st rie, namentlich für die Exportindustrie, sei die Verbilligung der Produktionskosten, namentlich die Verbilligung der Kohle. Dahin streben zahlreiche Anträge bezüglich der Eisenbahntarife, sowie die ganze Kanalpolitik. Einen diametralen Gegensatz dazu bildeten die jetzigen Mutungsbestimmungen. Die Mutungen seien, namentlich da die Maximalfelder viel zu klein seien, ohne Not mit übergroßen Kosten belastet. Auch hohe Gewinne der Bohrgesellschaften verteuerten die Herstellungskosten für Kohlengruben. Auch die Abhängigkeit von dem Syndikat empfinden viele Industriezweige als nachteilig. Die bisherige Praxis, nach der Mutungen wiederholt zurückgenommen werden können, sei ein Mißstand, dessen Beseitigung kein Eingriff in wohlerworbene Rechte sei. Sein Vorschlag, die Zusammenlegung verliehener Felder zu gestatten, sei ein großes Entgegenkommen gegen die Bohrgesellschaften; dadurch werde die rationelle Abgrenzung und sofortige Ausnutzung zahlreicher Grubenbetriebe ermöglicht. Durch eine besondere Maßregel solle die Aufschließung der Gebiete in den Ostprovinzen ermöglicht werden. Wennschon, wie gegenwärtig, ein Kohlenmonopol bestehe, halte er es für bester, daß der Staat der Inhaber dieses Monopols sei, als Privatpersonen. Die Auslieferung noch nicht privat ausgebeuteter Gruben an den Staat dürfe aber nur unter gesetzlichen Kautelen erfolgen, daß der Staat den Kohlenpreis nicht übermäßig steigere. Sehr wohl möglich sei die Ueberlassung einer Anzahl von Maximalfeldern an die Kohlen verbrauchende Industrie zur Selbstausbeutung gegen die Erstattung der Aufschließungskosten. Ter Antrag Maece auf Vorlegung der Uebersichtskosten noch unbetriebener Felder bedeute die Ablehnung jedes Vorgehens. Das Prinzip des Antrages Traeger (Mutungssperre aus zwei Jahre) sei annehmbar, nämlich die Aussetzung freier Mutnng bis zu anderweitiger Regelung der Materie. Vielleicht verständige man sich auf vier oder drei Jahre. Ter Redner erwähnt die vorjährigen ergebnislosen Verhandlungen des Staates mit der internationalen Bohrgesellschaft und fragt, was damals die Gesellschaft forderte und was der Staat bewilligen wollte. Auch in den Versuchen des Syndikates, sehr große Maximalfelder zu erwerben, liege eine der größten Gefahren; das Syndikat könnte dadurch die Zukunft unserer ganzen Industrie und sonstigen Erwerbstätigkeit von sich abhängig machen. Hiergegen sei die Annahme seines Antrages der einzige Ausweg. • Elberfeld, 17. Mai. Die Stadtverordneten- Versammlung beschloß, jenen Schülern, denen die katholischen Rektoren die Schillerbücher vorenthalten hatten, diese nachträglich auszuliefern. Sie lenkte die gerichtliche Verfolgung de§ Rektors Forster, der „Die Räuber" aus dem Schillerbuch herausgeschnitten hatte, ab, mißbilligte aber das Verhalten der Rektoren. * Der Kaiser und die Ansichtspostkarte. Der Kaiser liebt es, auf seinen Reisen sich der Ansichtspostkarte zu bedienen, um Grüße in die Heimat, an seine Gemahlin, seine Kinder oder auch ihm sonst nahestehende Persönlichkeiten zu schicken. Wurden während einer solchen Reise, wie namentlich auf der Mittelmeerfahrt, von einem der Teilnehmer Momentbilder auf Karten ausgenommen, so bewahrt der Monarch diese wohl und versendet sie bei Gelegenheit noch später an Diesen oder Jenen, der auf ihnen dargestellt ist, so zum Jahreswechsel oder zum Geburtstage Desjenigen, dem der Gruß zugedacht ist. Dabei pflegt der Kaiser aber nur die Bildseite zu beschreiben, und oft erinnert er mit einem Scherzworte an ein gemeinschaftliches heiteres Erlebnis. Dann aber geht die Karte nicht den Weg aller Ansichtskarten, sondern sie wird wie jedes kaiserliche Schreiben expediert. Sie wird also nicht offen befördert, sondern in einen versiegelten Briefumschlag geschlossen und mit dem Vermerke „Allerhöchste Angelegenheit" versehen. Bekanntlich genießt die Korrespondenz des Kaisers nicht nur Portofreiheit, sondern wird auch in jedem Falle durch Eilboten bestellt, d. h. zu jeder Tag- oder Nachtzeit ohne Verzögern sofort ausgetragen. So passiert es manches mal einem Derer, an die der Kaiser in Freundlichkeit gedacht hat, daß er nächtiger Stunde geweckt und durch einen alle Merkmale eines offiziellen Schreibens aufweisenden Brief überrascht wird, als dessen Inhalt sich nachher ein kameradschaftlicher Gruß oder Glückwunsch des kaiserlichen Absenders herausstellt. * Amerikanisches Studententurn. Die Grenzboten (Fr. W. Grünow in Leipzig, berichten in einem Artikel, der das Leben an der amerikanischen Universität Syrakuse schildert, über die Art, wie sich die Studenten die M i t t e l zum S t u d i n m erwerben: „Einige sitzen im Bureau des Rechtsanwalts an der Schreibmaschine, andere helfen von fünf bis neun Uhr als L a d e n - diener in Geschäften, wieder andere durchlaufen auf dem Fahrrad als Zeitungsrevorter die Stadt. Sie alle gehören der aronen Kategorie derer an, die sich durch die Universität hindurch- nrbeiten (tfyet) work their wav through college, wie der Amerikaner zu sagen pflegt) und darum etwa jährlich 1000 Mark verdienen müssen, hier etwas weniger schwierig ist, als. in Deutschland. Doch was für eine eiserne Energie entwickeln viele dieser jungen Leute, die früb aufstehen, um im Winter gegen geringes Entgelt den Schnee vor den Häusern wegzuschippen, darauf zur Universität gehn und Kollegien hören, dann ihre Kommilitonen in den Klubs als Kellner beim Mittagessen bedienen, nach Tische arbeiten und in der Stadt tätig sind. Es ist ein großartiger demokratischer Zug des amerikanischen Studentenlebens, daß diese Studenten überall in hohen Ehren gehalten werden. Ich selbst kenne einen Fall, daß ein junger Mann vier Jahre lang in der Fabrik arbeitete und sich auch auf der Universität einen Nebenerwerb verschaffte, um das nötige Geld für sein Studium zu ersparen. Er wurde trotzdem von seinen Kommilitonen zur Ehren stellung des Vorsitzenden der Senioren- llasse erwählt. Die Studentinnen versuchen besonders an der Schreibmaschine, als Hilfe im Haushalt usw. einen Teil ihres Lebensunterhalts zu verdienen und verlieren dabei in den Augen ihrer Genossinnen durchaus nicht an Respekt. Bon 120 000 Studenten der amerikanischen Universitäten und Kolleges machen fast 45 Prozent ohne wesentliche Unterstützung ihrer Angehörigen einen vierjährigen Universitätskursus durch. ES gibt sicherlich kein Land, wo das Sprichwort: „Arbeit schändet nicht" so zu Recht besteht. * Bemerkenswertes über das Rind. Dem ,.Fränk. Courier" sendet ein Nürnberger Korrespondent folgende Blüteu- lese merkwürdiger Anssvrüche die die Schüler einer dritten Volksschulklasse in Aufsätzen über das Tbema ,Das Nind" geleistet haben. ,,Das Nind gehört zu den Haustieren, weil sein Stall gewöhnlich an das Haus angebaut ist. Seinen Körper bedecken Haare, welche verschieden gefärbt sind. Bei der Familie Rindvieh ist der Mann der Ochs Die Frau heißt Kuh. Die Kwder sind Kälber. Die meisten Ochsen kommen vom Lande. In der Stadt findet sie man nur bei den Metzgern. Der Mensch hat viel vom Ochsen. Z. B. das Flersch. das Fett, die Haut und anderes. Der Ochs ist kein Ochs, er heiße nur so. Jedes Rindvieh nährt sich von Pflanzen. Die Dauern und die Ochsen pflügen die Felder. Die Kühe gehen mit den Bauernmädchen auf die Weide. Eine Kuh ist nicht schön: je mehr es aber sind, desto schöner werden sie. Die Ochsen werden im schönsten Mannesalter geschlachtet. Von der Kuh erhalten die Milchfrauen ihre, Milch. Das Rind hilft auch Lichter und Seile bereiten mit seinem, Fett. Es hat einmal ein Voll gegeben, dem sein Gott war ein Ochs. Das schöne Rindvieh ist der größte Stolz der Bauern. Mancher Bauer hat Ochsen, die so groß sind wie er." Zlnivcrsttäts-Hlais>richten. Marburg, 16. Mai. Der Professor für Pathologie und Therapie an der hiesigen Hochschule Geb. Med.-Rat Tr. Emil Mann köpf ist auf sein Ersuchen zum 1. Oktober von der Leitung der medizinischen Klinik und der damit verbundenen Lehrvcrpslich» tungen entbunden worden. Die 67. Ausgabe des Deutschen Universitätskalenders (begründet von Prof. Dr. Ascherson, nach des Verfassers Tod mit amtlicher Unterstützung herausgegeben von Dr. Th. Scheffer unb Dr. G. Zieler. Verlag von K'. G. Th. Scheffer in Leipzig) weist wiederum eine Reihe von Änderungen auf. Als einen wesentlichen Fortschritt darf man bezeichnen, daß in in dem vorliegenden Bande zum ersten Male die Geburtsdaten bei so gut wie sämtlichen Dozenten beigefügt werden konnten. Diese für viele Benutzer sehr wichtigen Zahlen sind bisher nirgends anders vollständig zu finden als hier. Indes hätte die Korrektur besser gelesen werden sollen; es finden sich leider recht unangenehme Zahlenfehler in nicht kleiner Anzahl vor. Sehr erhebliche Bereicherungen hat die Statistik erfahren. Die im vorigen Bande angekündigte Personalchronik der Universitäten erscheint zum ersten Male. Man findet in dieser Zusammenstellung und in der daran angehängten Liste der neuen Habilitationen und der Todesfälle sämtliche Veränderungen, die seit Erscheinen des vorigen Bandes im Personalbestände der deutschen Universitäten geschehen sind. Die Statistik der Lehrer und Studierenden ist ebenfalls verschiedentlich bereichert worden. Die Zahl der Lehrer ist diesmal für jede Fakultät bei jeder Universität gesondert angegeben, die Statistik der Studierenden ist durch eine Statistik nach der Staatsangehörigkeit vermehrt worden. — Die diesjährigen Marburger Ferienkurse mit Vorlesungen und Hebungen in deutscher, englischer und fran- zösischer Sprache finden voraussichtlich vom 10. bis 29. Juli und vom 6. bis 26. August statt und werden aus zwei Teilen von je dreiwöchentlicher Dauer bestehen. Handel und Verkehr. Volkswirtschaft. Berliner Börse vom 17. Mai 1905. (Mitqeteilr von der Bank für Handel unb Industrie, Gießen.) Privat-Diskont 2% Prozent. Anfangs- u. Schlußkurse. Oest. Kredit .... 209.50 210.00 Deutsche Bank . . . 237.30 237.12 Darmstädter Bank . . 141.10 141.00 Bochumer Guß . . . 243.50 241.75 Harpener Bergbau . . 212.75 212.37 Tendenz: schwächer. Märkte. (th.) Gießen, 18. Mai Der dieswöchige Vieh markt hatte einen Vorrat von ca. 1000 Stück Großvieh, 350 Kälbern und 800—900 Stück Schweinen. Trotzdem der Vormarkt wegen weniger starker Anfuhr von schwarzbunten Milchtieren, nach denen die Nachftage immer sehr stark ist, recht hohe Preise zeigte, war der Handel am Markttage in Milchkühen, so flott sich auch der Markt machte, nur bei weichenden Preisen zu machen, und die unerhörte Preissteigerung in Milchkühen, welche in letzter Zeit eingetreten war, scheint ihren Höhepunkt überschritten zu haben. Die Kundschaft vom Main, von der Sieg und besonders vom Niederrhein lehnte es ab, troüberu Bedarf vorlag, für frischmelkende Kühe diesmal außergewöhnlich 'hohe Preise, wie bei den letzten Märkten, anzulegen. Fettvieh war' wieder so gut wie gar nicht «am Markt, so daß Reflektanten unverrichteter Dinge abzogen. Der Kälbermarkt zeigte diesmal ebenfalls teilweise sogar stark weichende Preise. Frankfurt und Wiesbaden machten den Markt. Aber auch unsere heimischen Metzger griffen in das Geschäft ein. Gangvieh war nicht am Markt. An den Schweinemarkt waren zahlreich die kleinen Landwirte aus der Umgegend gefommeit. Man war allgemein erstaunt, als man die hohen Preise des Verkaufes hörte und verhielt sich abwartend, so daß der Handel recht langsam in Gang kam. Alle Versuche, die Preisforderungen zu drücken, waren vergeblich, da die Händler erklärt"n.da^ die Waare im Einkauf in Norddeutschland seit dem letzten Markt erheblich im Preis gestiegen sei und für die Folge noch steigen werde. Erst gegen die Mitte des Marktes kam Leben in das Geschäft, welches sich gea-m Schluß noch steigerte, so daß nur ein ganz geringer Ueberstand zu verzeichnen war. Gehandelt wurdm Milchkühe, ftischme'ftend und tragend pro Stück 1. Qual. 440—500 Mk., 2. Qual. 350—420 Mark, 3. Qualität: 280—320 Mark; Kälber, pro Zentner Schlachtgewicht 1. Qual (über 50 Pfund wiegend); 73—76 Mk., 2. Qual (zwischen 40—50 Pfd. schwer): 65—69 Mk., 3. Qual., leichtere Tiere: 58—62 Mt.- Schw eine, pro Paar, Ferkel, 6—8 Wochen alt: 44—5* * W, 10—12 Wochen alt, 60-70 Mk., 14—16 Wochen alt, 85—90 Mk., 5 Monate alte Tiere 110—120 Mark: kräftigere Ein leg schw eine je nach der Güte bis 160 Mk. Nächste Markttage (Himmptsahrtswarkt): 30. und 31. Mai d. I., am zweiten Tage auch 'Krämermarkt. Der für den 6. und 7. Juni angesetzte Markt fällt aus. § Ruppertenrod, 17. Mai Unfern heutigen Frühjahrsmarkt begünstigte recht schönes Frühlingswetter, so daß der Markt stark besucht war. Der Schweinemarkt zeigte eine sehr starke Auffahrt von Jungschweinen, über 800 Stück. Der Handel, der anfänglich flaute, kam bald in regen Fluß, und schon vor mittag war alles Angebot verkauft. Tie Preise nmrcit nicht ungewöhnlich hoch, sondern bewegten sich mir der im Frühjahr gewohnten Preisstufe. Man bezahlte für die Ferkel zweiter Sorte pro Paar 45 bis 50 und 55 Mk., erster Sorte 55 bis 60 und 70 Mk. Ungewöhnlich hoch stehen zur Zeit die Preise für Fettschweine; das Pfund Lebendgewicht wird mit 45 bis 47 Pfg. bfr zahlt. — Der Krämcrmarkt wies guten Besuch aus. § Herchenhain, 17. Mai. Gestern und heute fand unser sogen. „W a l p u r g i s m a r k t" statt. Der Schweinemarkt war gut befahren, und es entwickelte sich bald ein lebhafter Handel. Die Preise waren ziemlich hoch. Sechs Wochen alte Ferkel kosteten pro Paar im Durchschnitte 40 — 50 Mk., 8 Wochen alte 50—60 Mk., 10 Wochen alte 65—80 Mk., Läuferschweine 90—115 Mk. Fett- Schweine waren nicht aufgetrieben. Der Krämermarkt ist unbedeutend. Limburg a. b. L., 17. Mai. Fruchtmarkt. Durch- schnittsvreise pro Master. Roter Weizen 15.23 Mk., weißer Weizen 00.00 Mk., Korn Mk. 11.50, Gerste 10.30 Alk., Hafer 7.65 Mt, Caatbaier 0.00 Mk., Erbsen 0.00 Mk., Kartoffeln 0.00 Mk. Lilterar lckcs. — Unlängst erschien: Geologischer F ü hrer durch den Odenwald von Prof. Dr. E. Chelius, Großh. Hess. Oberbergrat. 80 Seiten: mit 9 Abbildungen im Text und einer geologischen Karte im Maßstabe 1:250000. Verlag von Hobbin g und Büchle, Stuttgart. 1905. (Preis 1.50 Mk.) Einen übersichtlichen geologischen Führer durch den Odenwald gab es bisher noch nicht. In den einzelnen Abschnitten behandelt der Führer 1. die Geoaraphie des Odenwaldes; 2. die Geologie; 3. die wichtigsten Mineralien und Gesteine; 4. schließlich noch den Bergbau und die Steiniudustrie. Kurz erörtert werden zunächst zur Einführung in die Geologie die topographischen Verhältnisse und die .Hydrologie des Odenwaldes, gewissermaßen die Anatomie des Gebirges. .Den wesentlichsten Teil n'mmt d'e eigentliche geologische B sbreibung ein. Im zweiten Teile des Führers wird eine Uebersicht über die Industrie der Gesteine, Erze und Erden des Odenwaldes gegeben. Besonders die Steinindustrie zeigt darnach einen erheblichen Aufschwung; die große Zahl ihrer Betriebe, sowie deren Ausdehnung sind eilt erfreuliches Zeichen des heimatlichen Ge- wcrbefleißeS. Im Gegensatz hierzu hat der Bergbau im Odenwald nicht mehr die Ausdehnung, die ihm nach dem Reichtum seiner Manganerzlager zukommen könnte. Im Betriebe sind nur noch das MaNnorwerl zu Auerbach, das interessante Kupferbergwerk bei Reichenbach, die Braunkohlengrube Messel und Manganerzwerke bei Waldmichelbach. Eine Erläuterung zur bei gegebenen geologischen Uebersichts- karte bildet den Schluß des Führers. Die Karte selbst, in hand- ^chem Format, Maßstab 1:250 000, gibt in Farben ein über- chtliches Bild über die geologische Gestaltung des ^deuwaldes und b r unmittelbar angrenzenden Gebiete. Bei der Ausführung der Karte kam besonders zu statten, daß der Verfasser des Führers seine eigenen zahlrfichen geologischen Detailaufnahmen im Odenwald benützen konnte. — Als Gegenstück zu diesem Odenwaldführer befindet sich von demselben Verfasser bearbeitet in Vorbereitung ein Geologischer Führer durch den Vogelsberg, unter besonderer Berücksichtigung der Badeorte, welcher, in Kürze im Verlage von E m i l R o t h in Gießen erscheinen wird. |Uiid;nitliitc llrbrrfitlit her TodesM? in brr Stabt ließen 10. Woche. Vom 5. bis 11. März 1905. Einwohnerzahl: angenommen zu 28 000 linkt. 1600 Mann Militär) Sterblichkeitsziffer: 18,57 nach Abzug von 4 Ortsfremden: 11,14 Kinder- Es starben an: Zusanunen: Erwachsene: im vorn ibensjahr: 2.—15. Jahr 1. Lc Lcmgenentzündung 3(1) 1 1 Kl) Schlagfluß 2(1) KD — .— Krebs 1(1) 1(1) — *■ Herzleiden 2 2 —— — Wochenbettfieber 1 1 — — Ohreneiterung 1 (1) 1 ll) — — Summe 10 (4) 8 (3) 1 1 (1) An m.: Tie in Klammem gefetzten Ziffern geben an, lvie viel der Todesfälle in der betreffende!! Krankheit auf von auswärts nach Gießen gebrachte Kranke kommen. Spielptan des Großherzoglichen Kurtheaters Bad-Nauherm. Direktion Hermann Steingoetter. Montag den 22. Mai: „Die Großstadtluft." Lustspiel in vier Akten von Blumenthal und Kadelburg. Mittwoch den 24. Mai: „Die große Leidenschaft." Lustspiel in drei.Akten von Raoul Aueru- hestner. Freitag den 26. Mai: Gastspiel, Mlle. Viola Villany: Barfuß-Tanz, Tanzidyllen aus der Mythologie und Neuzeit. Dazu: „Wann ivir altern." Plauderei in einem Akt von O. Blumenthal Samstaa den 27. Mai: „Niobe." Schwank in drei Akten von H. und E. A. Paulton. " ..... ............. l ■■■■■— !■■■■■ Hl । Familien-Uachrrchten. Gestorben. Herr Johannes Großhaus, Butzbach. — Herr Mathäus Müller, Espa. Schiffsnachrichlen. Norddeutscher Lloyd. In Gießen vertreten durch Carl Loos, Kirchenplatz. B rem en, 10. Mai. (Per transatlantischen Telegraph.) Der Doppetschrauben-Schnellpostdampfer „Kaiser Wilhelm II.", Kapitän D. Högemann, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, ist gestern 10 Uhr vormittags wohlbehalten in Newyork angekommen. Bremen, 10. Mai. lPer transatlantischen Telegraph). Der Doppelschrauben-Postdampfer „Großer Kursürst", Kapitän F. Mentz, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, ist gestern 12 Uhr nachts wohlbehalten in Newyork angekommen. Red Star Linie Vertreter Carl Netter, Gießen, Eichweg 7, Ecke großer Steinweg. Der Postdampfer „Finland" der Red Star Linie in Ant- werden, ist laut Telegramm am 9. Mai wohlbehalten in Newyork angekommen. TeSegslhomscheip KursbeHcht. Frankfurt a. ÜI„ 31/g% Reichsanleiho . . 101.55 30 /n do. ... 90.25 3V,o/o Konsols .... 101.30 :o/o do......90.15 R‘/2% Hessen .... 100.05 31/, % Oberhessen . , . 99.— 4% Oesterr. Goldrente . . 101.80 4*/ß% Oestorr. Rilberrento . 101.15 4% Ungar. Goldrento . . 99.90 40/ Italien. Rente . . . 106.60 4% Portugieser I , . . 66.95 30/ Portugiesen. III . . 66.95 \% Unif. Türken . . . 88.20 Türkenlose......134.40 4% Grieoh. Monopol.-Anl. 52.20 41/a°/0 äussere Argentiner 46.20 17. Mai. Offizielle Schlusskurse. 30/0 Mexikaner . . 67.16 4 Wo Chinesen .... 96.05 Electric. Sohuckort . . . 136 75 Nordd. Lloyd . . . . 123.90 Kreditaktien . . . - 210.10 Diskonto-Kommandit. . 186 50 Darmstädter Bank . • . 141.00 Dresdener Bank ...» 154 20 Berliner Handelsges • » 169 20 Oesterr. Staatsbahn . . . 143 50 Lombarden.....16.10 Gotthardbahn ..... —. — Lanrahütte..... 267.20 Bochum . . . . . 243.20 Harpener . ..... 21330 Staatschatzscheine . . . 100.55 Tendenz: fest. Für die Gesamt-Redaktion verantwortlich: i. V. August Goetz. Drucksachen aller Art liefert in jeder gewünschten Ausstattung, stilrein und preiswert dis Brühl’sche Universitäts - Druckerei, Schulstr. 7 8 87 coti'2d -c ZZ ^9 2 p P^OÄ p «’S c i?» CD g’P g Q ttr rOVD ,P &‘S fei 6“? ÖD. ; ä <$ "XL 05« E « £ E^ j§.w g rr «v 'S- «i« ._* tu gj T <7? 05t c, p CD$^ « CD «r N CD x> B." « E - d -<-• rr 051 O CQ pE C-A VA» B Toeless-Anzeige lutzbach. - ?ert Herr Wilhelm Lippold nach kurzem Leiden heute mittag sanft verschieden ist, Die tieitrauernden Hinterbliebenen 2707 Fe*au Lippold Swe. nebst Tochter Giessen (Lieber Str. 59), den 17. Mai 1905, ine Die Beerdigung findet statt: Samstag, den 20. Mai, nachmittags 4 Uhr von der Kapelle des neuen Friedhofes. v -■ - > ■ , - ' - - • - . i • ...MMA? GO E O cd 00 £ «51 P E os« CD p CD »ttt s Q IS)- E o 55 CD "St 05» <3D, ZK P cr?E er?. 051 w SS p£ Z'Z 1O o CD S - « OD C ,8-8- SS "*7?^ rAMichy 905. K) Man» Militär) tSD *Ö:ö — 33 ost OSt E CD cj Ra T* — rL2 CD C E o P B er I e Aoctz- OB _ Kinder yom lhr: 2.-15. ^ahr KD KD •n an, wie viel cmswä-cls nach c> Sy CD _ ’qD ^T» :P /p CDUtOiP- -— *. § ost .r-Rauhe'M. :t er. Lustspiel in vier och dm 24. Mai: von Raoul Auern- e. Viola Aillany! d Reuzeit. Dazu! n 0. Vlunrentyal drei Mm von iO) 3 sr o5i er?Ä p .. « P“SH Stf p ä b-O P craxeäaaeö!? 051 P §P P g .E3^ .5 E £(86 c* ST 5 p> S) 5 oC^^-2 e B o w g 5,0.5 CD CD S) CD y £ 051 y P , 2d ‘cd 051.9 P CD CD «P h' ^^Z-Z -q' cd cd K — gp^ A«* CD Eg •5 p E 051 w ’■£' ler a di» *4 e -p p E p 051 cl ZI-LiS £ B c g cd ..Br? icLz2t er? p p c c bz ^.er?cr?'S'^ KirkbenM Telearapl).) h,(m il/,Kav>tan Birnen, ist «#" mrfommea Äle;r->A dapitön <5- en, 12 n* CD CD W CDJ=> E 43 •g^P cd'B' £D g CD dar ^ewyork halten 'N y jo • (sJ'Sjq 051 CD CD §^I p Vr cd E ’S' E p c ö P w E — 5 CD WA ?Ä ® ,h ? ‘Mit btr !teN äj Lolche des ?’birgks. oci: ihr? r?^uil9 Übersicht über ’^ntvalbcs ge, ", ^ncn crheb- k- 'Ogie deren 'Mailichen Ge- bau im Oben» Reichtum -pebe sind nm fte Kudserbera- 1 und Mangan- ^?Ebersichts- W. in band- * ein über- “t§ 7denwaldes der AnsUrnng >im des Mers llmen t,n i)den- '^denwaldführer in Vorbereitung Vogelsberg, rte, welcher in erscheinen wird. Mit -*'Ä enWt yite 11 un. °rkt. Tu cwcherZL vaier 7 c- e*'hi O -U Sj'fe* o M rt 07 CD P CO V2> E B 1-1 CD 3 p CD efo E O £_ CD 'S ^s—, tp_<2 s 051 .p ip' E^E 051 tu ti Q Z'Z E O 0 qt, _ 2^lcd S E3'" 8 — —-o- 'uzt :2 öl e 3 S fi«fP.E-r: ?S«sgg> g£ .gpich^’ idleScti^i» r • ’ » ■ ' 1 .'M ekerf • ' . 138.90 . • ' S10'1® ■ ' ,8650 ^1» ' . 141»°. I,■ - 716.10 2612” . • ‘ ' 24320 . • ’ 216 6” . . ■ 100.6= czr>B- - ä ä -r cov cd P-.p c >0 7'^s _Qg “3 s.5 PS E P ti "C3 cd «— KZ L EZZB § I ^^do-p^-E3^.: ost P c ■ s'E-g ; Ä a S-b^-SZ.3 L S I^S^gs e^H^gg «Q _ S p E Pti^ P p Q51 C 05t Tq” § Pfc’PP O 051 051 > 051 K5 P.(^ ost 05» ost 051 . ZU PK p CD C e. CD PPP s E e sD >-"• CD «r> *>■» 0 2 33 051 3) CD CD oll^tJÄ Projekte und Kostenanschläge sowie Ingenieurbesuche zu Diensten v"/. Telephon No. 35 •V Danksagung 2713 Bunte Oberhemden Gießen (Hammstr. 16), den 18. Mai 1905. 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Mai, abends 8 Uhr findet im Cafe Ebel die diesjährige Kaupt-Iersammkung der Kreisgruppe Gießen des Deutschen Flottenvereins statt, wozu alle Mitglieder des Deutschen Flotten-Vereins ergebens/ eingeladen werden. Tages-Orn ung: 1. Rechenschaftsbericht. 2. Entlastung des Rechners für die Jahresrechnung 1904. 3. Neuwahl des Vorstandes. 4. Sonstige Vereinsangelegenheiten. Im Interesse des Vereins wird um recht zahlreiche Be< teiligung gebeten. H. Schaffffstaedt Schanzenstrasse Maccaroni von 30 Pfg. an per Pfund, Gemüse - Nudeln non plus ultra 1985 empfiehlt Emil Fischbach. Meuer Saalbau Sonntag, efen MaZ da J. nachmittags 4 Uhr und abends 8 Uhr Nur 2 große Zigeuner-Konzerte mit Solo- und Chor-Gesängen! 03376 NB. Nicht Motttag, den 22. Mai, wie erst angekündigb Durch vorteilhafte, große Abschlüffe mit den ersten Fabriken ist es mir möglich, billiger verkaufen zn können als jede Konkurrenz. Angsst Mager Kgl. Bayer. Mineralbad. Saison 1. Mal bis September. 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