Nr. 244 Dienstag 17. Oktober 1905 Zweites Blatt Gießener Anzeiger General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Liehen Redaktion, Expedition u.Druckerei: Schulstr.V. Tel. Nr. 5L Telcgr.-Adr.: Anzeiger Gießen. 155. Jahrgang Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags. Die „Gießener Zamlltenblätter" werden dem .Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der ^hespschr Sanbwirt“ erscheint monatlich einmal. leisten, dabei aber selbst teft entschlossen gewesen sei, dem Dreibund treu zu bleiben. Die italienisch-offiziöse „Ageneia Stcfcmi" macht dagegen bekannt: Der französische Geschäftsträger begab sich zu dem ital. Minister des Äeußern, um ihm im Auftrage Rouviers sein Bedauern auszudrücken, daß gewisse Zeitungen seinen (Tittonis) Namen in ihre Polemiken hineingezogen und ihm eine Aeußerung zuschrieben, die er dem ftanzösischen Botschafter gegenüber niemals getan und die dieser daher auch nicht an seine Regierung habe berichten können imb auch niemals berichtete. Tittoni sprach dem Geschäftsträger für diesen Akt courtoisie- voller Rücksicht seinen Dank aus. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'scben Universitätsdruckerei. R. Lange, Gießen. — Künstler und Kritiker. Hebet einen Liederabend, den der auch in Gießen bekannte Konzertsänger Dr. Wüllner am 28. Februar in Leipzig veranstaltet hatte, war in der Nummer vom 1. März der „Leipz. Reuest. Nachr." ein von deren Redakteur Dr. Viktor Lederer verfaßtes Referat erschienen, worin ausgeführt wurde, daß zu dem Liederabend die Alberthalle gewählt worden sei, um größere Einnahmen zu erzielen, obgleich das Lied hineinpasse wie David in Goliaths Hosen. Weiter war gesagt, Dr. Wüllner habe das Mensck^nmögliche in der Kehlathletik geleistet: er befteibe unkünstlerische Kehltorturen, und der Beifall, der chm gespendet sei, habe gerlimgen, als ob der Atyletenklub zehn Dutzend Hand? zum Klatschen zur Verfügung gestellt habe. Dem Dr. Wüllner war diese Besprechung zu vertagen, wo die Entscheidung des Gerichtshofes über die Kompetenzfrage bekannt gegeben werden soll. Ter während der Pause der heutigen Gerichtsverhandlung von den beiderseitigen Vertretern vereinbarte Vertragsentwurf zwischen dem Prinzen und der Prinzessin besagt: 1. Der Prinz zahlt an die Prinzessin wie bisher eine Apanage von 6000 Mark monatlich. 2. Der Prinz zahlt ferner 120 000 Mark zu Händen de? Advokaten Viiontai. 3. Weitere Ansprüche werden von der Prinzessin nicht erhoben. 4. Rach erfolgter Eheselwidung führt die Prinzessin den schon jetzt benutzten Namen und Titel: Luise Prinzessin von Belgien. — Mit Rücksicht auf die Einigung der Prozeßvarteien und die Anwend- barkeit des ftemden Rechtes, da? den Aussmuch des Verschuldens nicht verlangt, soll durch das Gericht die Ehetrennung ausgesprochen werden, ohne daß die Schuld einer Partei fest» gestellt wird. ——— Aus Htadl und Lattd. Gießen, 17. Oktober 1905. *' Personalien. S. K. H. der Großherzog haben dem Pfarrassistenten Wilhelm Leimbach zu Mainz die evangelische Pfarrstelle zu Münzenberg übertragen. — S. K. H. der Großherzog haben den Kreisdiencr bei bem Kreisamt Büdingen Josef Scppelt auf sein Nachsuchen, unter Anerkennung seiner langjährigen treuen Dienste, mit Wirkung vom 1. November 1905 in den Ruhestand versetzt. — lieber* tragen wurden am 11. Oktober d. J§. dem Lehrer und Hausvater an der Nettungsanstalt zu Hühnlein, im Kreise Bensheim, Georg Heinrich Keil eine Lehrerstelle an der evangelischen Schule zu Lampertheim, dem Schullehrer Johannes Rückert zu Hainhausen, ini Kreise Offenbach, eine Lehrerstelle und der Schulamtsaspirantin Barbara Kirn aus Budenheim, eine Lehrerinnenstelle an der Gemeindeschule zu Kostheim, dem Schullehrer Friedrich Göllner zu Ulrichstein, die Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Grolsheim, Kreis Bingen; dem Schulamtsaspiranten Heinrich Lorz aus Spachbrücken, Kreis Dieburg, die Lehrerstelle an der Ge* meindeschule zu Allertshofen-Hoxhohl, in demselben Kreise.— Bestätigt wurde am 11. Oktober d. IS. der von dem Fürsten zu Löwenstein-Wertheim-Rosenberg auf die Lehrerstelle an der katholischen Schule zu Habitzheim, im Kreise Dieburg, präsentierte SchulamtSaspirant Heinrich Dietz aus Friedberg für diese Stelle. "Erledigt ist eine mit einem evangelischen Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule z» Stein-Bockenheim, Kreis Alzey. Mit der Stelle kann Organistendienst verbunden werden. Ferner die Stelle eines Revisionskontrolleurs bei dem Großh. Hauptsteueramt Offenbach, sowie die Stelle eines Bezirkskasse-Assistenten bei der Großh. Bezirkskaffe Mainz L ** Eine Sitzung der Stadtv ervrdneten-Ver^ sammlung fmbet Donnerstag, den 19. Oktober, nachmittags 4 Uhr, mit nachstehender Tagesordnung statt: 1. Bau-, gesuch des Professor Dr. Poppert für die Wilhelmstraße. 2. Desgleichen von Karl Gerbvde für Asterweg 40. 3. Desgleichen von v. Winn für die Kaplansgasse. 4. Anlage eines gepflasterte« Ueberganges in der Grünbergstraße. 5. Kreuzung des Wismarer Weges mit einer Rohrleitung. 6. Anbringung einer Wettertafel am Hause Seltersweg 30. 7. Verkauf von Gelände ans dem! Stadtbach am Känzleiberg. 8. Versteigerung von Bauplätzen cm der Licherstraße. 9. Anlage eines Entwäsffrungskanals bei dem veterinärmedizinischen Institut. 10. Zahlungsunfähigkeit der Firma Jäger und Rumpf. 11. Vergrößerung des Exerzierplatzes. 12. Rechnungsabschluß des Gas- und Wasserwerks für 1904. 13. Desgleichen des Elektrizitätswerks. 14. Erweiterung der Quelfiassung in Queckborn. 15. Desgleichen beim Hubertusbrunnen. 16. Errichtung eines zweiten Schlaftaumes für die Laternenwärter und Vergrößerung der Wohnung des Auffehers. 17. Ausführung von Entwässerungsanlagen durch das Gas- und Wasserwerk. 18. Gesuche um Erlanbnis zunr Wirffchaftsbetriebel o) von Jakob Kunz für Landgraf Philipp-Platz 9, b) von Ehr. Riegelmann für Bahnhofstraße 76, c) von Heinrich Belloff HL Witwe für Bahnhofstraße 15, dl von Ehr. Medenbach si'ir Bleichdritter Kunsterziehungstag. Hamburg, 16. Oft In der Hamburgischen „Kunsthalle" trat dieser Tage der Dritte deutsche Kunsterziehungstag zusammen. Es nehmen an den Verhandlungen teil: 18 Landesregierungen, 42 Schulverwaltungen, Deputationen usw, die Stadtverwaltungen. Weiter sind 45 Verbände durch 64 Delegierte vertreten, dann weist die Präsenzliste 127 Pädagogen, 62 Künstler und Gelehrte und 27 Schulfreunde auf. Neber Musik und Gymnastik sprach Pros. Licht- warck-Hamburg; er führte aus: Die Gymnastik soll zur Erreichung des höchsten Erziehungszieles führen, zur Stärkung des Willens. Man spricht indes nicht mit Unrecht davon, daß die Schule den Willen des Kindes breche. Die Disziplin allein wird nicht das entscheidende Moment in der Geschichte der Völker sein und für unsere Zukunft wird es entscheidend sein, wie sehr es gelingen sollte, den Willen des Einzelmenschen zu stärken. Durch alle Jahrhunderte hat sich der Wille als das schwächste Moment in Deutschland erwiesen. Die Le'.besübungen sind geeignet, eine Willen sstärkung zu schaffen, in den alten deuffchen Spielen, die wieder aufzuleben beginnen und die wir zum Teil in den englischen Spielen wieder bei uns eingeführt haben. Diese Spiele sollen eine gute Ergänzung des Turnens sein. Von der Musik in der Schule verlangen wir die Pffege des Empfindens. Die Vtusik soll in der Hauptsache auf natürliche und unbefangene Weise die Empfindungen stärken. So sind Musik und Gymnastik berufen, dem einzelnen Deutschen Selbsterhaltung und Unbefangenheit zu geben. Mit Neid mag heute oft der Erwachsene das Kind ansehen, das sich in seinen Bewegungen unbefangen gibt. Die Schule förderte diese Unbefangenheit der Haltung nicht. Wir können nur wünschen, daß die Schule die Elastizität heben möge, dem neuen Gedanken der Kunsterziehung Einlaß zu geben und in vorsichtiger Prüfung dieselben zur Tat werden zu lassen. (Lebh. Beifall.) Tie Musikpflege im Hause besprach Prof. Tr. Rich. Batka-Prag, der musikalische Redakteur des vortrefflichen „Kunstwort". Brahms habe einmal den Wunsch Welfische Auslandsagenteu. Dem Organ des braunschweigischen Weffentums erscheint die Enthüllung der Kriegsgefahr des letzten Sommers als geeigneter Zeitpunkt, Deutschland vor den auswärtigen Mächten zu verdächtigen. Tas braunschweigische Welfenblatt findet nämlich die Lösung der Frage, weshalb wir das am meisten gefährdete Volk der Erde sind, in dem Krieg von 1866 „mit seinem Verrat, mit seinem Bundesbruch". Begründet wird diese Auffassung folgendermaßen: „Da sehen wir die Entthronung dreier deutscher Fürsten, denen der König von Preußen sechs Jahre vorher den Territorial bestand ihrer Länder in feierlicher Rede zu schützen versprochen hatte. Er brach dies Königs wort und annektierte die Lander stannnverwandtcr deutscher Fürsten. Und das Ausland? — Muß es sich nach dieser Probe, wie jener preußische König sein Wort von Baden-Baden gehalten hat, nicht sagen, das, was Preußen den ihm verbündeten deutschen Bundesfürsten anzutun über sich gewann, wird es ebenso skrupellos auch dem Aus- lande gegenüber tun, sobald es die Macht dazu hat? Der deutsche Bruderkrieg von 1866 ist in erster Linie die Ursache, daß das Ausland mit dem größten Mißtrauen uns gegenüber stehen — muß!" Nachdem die Friedensliebe des endlich geeinten Denffch- lands länger als ein Menschenalter hinourch selbst für den erbittertsten Feind eine unanfechtbare Tatsache gewesen ist, und nachdem soeben erst der Marokkokonffikt an den Tag gebracht hat, auf welcher Seite eine aggressive Politik verfolgt wurde, muß diese welfische Verdächtigung als die eines giftigen Verleumders der deutschen Politik an den Pranger gestellt werden. Die freche Anschwärzung Kaiser Wilhelms braucht man an dieser Stelle nur mit dem Hinweise abzutun, daß 1860 in Baden-Baden vom Prinzregenten den deutschen Fürsten die Integrität ihrer Länder gegenüber den Annek- tionsgelüsten Napoleons Hl. versprochen worden ist: die Entwicklung der Dinge des Jahres 1866 konnte der Prinzregent selbstverständlich nicht voraussehen. Das Einzelne ist in H. v. Shbels „Begründung des Deutschen Reiches" (2. Band) nachzulesen. gekommen sind. Diese Erkenntnis wird zu neuen Formen! der Konzertmusik führen, von der bann auch eine Befrucht tung der Hausmusik zu erwarten sein wird. Einen gesunden! Kem tragen intime Musikabende von Vereinen. Bon hiev ist ein Rückschlag gegen den Massenbetrieb der Konzerte und gegen die retne Pflege des Virtuosentums zu erwarten. Aber in der Hausmusik kann uns nur gute Musik etwas nützen. Tie Gymnastik auf Klavier und Violine ist ein überflüssiger Sport, ganz abgesehen von den Qualen für den Nachbar. Wir haben in Deutschland eine vorzügliche Literatur für die Hausmusik, die der Konzertliteratur weit überlegen ist. Dieser Schatz muß gewahrt und gepflegt werden. An den mit lebhaftem Beifall auf genommenen Vortrag knüpfte sich eine längere Aussprache, in der unter anderem! auf die Wichtigkeit des Gesanges für die Hausmusik hingewiesen wurde. Studienrat Kerschensteiner-München machte darauf aufmerffam, daß in ganz Oberbayern die Hausmusik noch niemals ganz verschwunden sei. Es werden gepflegt: Zither-, Guitarre-, Mundharmonika-, Maultrommelsprel und Gesang. In einzelnen Gemeinden kommt auch die Hol^- pfeife zur Geltung. Hier jet ein Fingerzeig gegeben, ttne in den Mafien der musikalische Sinn geweckt und gepflegt werden könne. Ten Abschluß der ersten Vortragsreihe bildete eine philosophisch gehaltene Betrachtung von Prof. Dr. MaZ Tessoir-Berlin über das musikalische Genießen. Eine prinzliche Ehescheidung. Gotha, 16. Okt. DoT der ersten Zivilkammer des hiesigen Landgerichts begannen die Verhandlungen im Ehescheidungsprozeß des Prinzen Philipp und der Prinzessin Luisevon Koburg. Für den Prinzen waren der Wiener Hofgerichtsrat, Regierungsrat Dr. Bachrach-Wien, und der Gothaer Rechtsanwalt, Justizrat Tr. Kurrruither, erschienen, die Prinzessin war durch den ungarischen Rekchstagsabg., Advokaten Tr. Soma Visontai-Budapest und Rechtsanwalt Dr. Rudolph Müller-Gotha vertreten. Auch der ehemalige Oberleutnant Keglevich Matasitsch ist in Gotha ein- getrvsfen. Namens des Prinzen ist eine umfangreiche Anklageschrift überreicht. Die Verhandlung wurde durch den Vorsitzenden mit einem Einigungsvorschlag eingcleitct. Bachrach und Visontai waren zu Einigungsverhandlungen bereit, aber letzterer muß erst aus Paris Jnstn-mationen einholen. Der Gerichtshof beschloß, in eine Verhandlung über die Frage der Zuständigkeit des Gothaer Gerichts einzutreten. Hieraus trat eine Pause ein. Nachmittags um vier Uhr wurde die Zuständigkeit des Gothaer Landgerichts von den Vertretern der Prinzessin angegriffen. Der Gerichtshof beschloß, die V crb a n d l u n g bis zum 30. Okt. ausgesprochen, daß die Vorherrrschaft von Klavier und Violine in der Hausmusik des Deuffchen gebrochen werden möge. Es wäre wünschenswert, wenn auch Holzblasinstrumente, Waldhorn, Flöte usw. mehr zur Geltung kommen würden. Unser Begriff von Hausmusik hat sich in einem bewußten Gegensatz zum Begriff der öffentlichen Musik entwickelt. Man hat uns Deutsche als die „Haustiere der Völker" bezeichnet, d. h. als diejenigen, welche die größte Häuslichkeit besitzen. Die romanischen Völker führen ein viel öffentlicheres Leben. Dementsprechend ist bei ihnen auch die Organisation der Musik öffentlich. Wir Deutsche haben von den Romanen die Organisation der Musik in Form der Konzerte und Tl)eater übernommen. Das Konzert ist eine ganz romanffche Institution, berechnet, die künstlerische Leistung vor der breiten Oeffentlichkeit zur Geltung zu bringen' Unter der Entwicklung des Konzertlebens hat unsere Hausmusikpflege stark gelitten. Humperdinck hat die Aufsehen erregende Bemerkung gemacht: „Die Zukunft unserer Hausmusik bemht auf den mechanischen Musikinstrumenten." In dieser Gesellschaft braucht wohl nicht bargelegt zu werben, wie jedem empfindenden Menschen instinktiv eine Abneigung aegen alle mechanische Musik innewohnt. In der menschlichen Betätigung ber Kunst liegt so viel Psyche, daß sie burch keine mechanischen Instrumente ersetzt werden kann. (Zustimmung.) Anders liegt es dagegen mit dem Wunsche, den Brahms geäußert hat. Es aiebt viel einfachere, schönere Jnstmmente, als die Lieblingsinstrumente des Deutschen, als Klavier und Violine. Da ist das Harmonium viel leichter $u erlernen und trägt zugleich dem gesteigerten harmonischen Farbensinn mehr Rechnung. Erfteulich ist auch die Bewegung zur Wiederbelebung des Guitarrespiels. Damit wird auch das Volkslied wieder neubelebt werden. Je weniger der Konzertkünstler, ber ja auch nur noch Erwerbsmaschine ist, „Walzen" aufzulegen hat, wird es dem Publikum immer mehr zum Bewußtsein kommen, welche Oede sie im Konzerffaal anstarrt. Man wird sich sagen: ich halte es nicht aus, im Jahre so und so oft ein und dieselbe Beethovensche Sonate anzuhören, während es noch so viele andere schöne Sonaten von Beethoven gibt, ite mir noch niemals zu Gehör Volitische Tagesschau. Anaufgeklart I R. Berlin, 16. Okt. Für die Diplomatie ist der „Fall T e l c a s s 6" durch die spontane Erklärung ber englischen Regierung erlebigt. Für die Oeffentlichkeit kann das Thema noch nicht von ber Tagesordnung abgesetzt werben. Vorläufig steht Aussage gegen Aussage. Nicht nur bie auf ben ehemaligen ftanzösischen Minister bes Auswärtigen zurück- zuführenben Enthüllungen bes „Matin" haben behauptet, daß ein Angebot englischer Waffenhilfe gegen Deutschland erfolgt ist, sondern politische Gewährsmänner, Jaurös und Elömenceau, bestätigten, daß ihnen die Tatsache dieses Angebots, das schriftlich fixiert werden sollte, feit längerem bekannt war. Demgegenüber versichert die en gl. Regierung ber beuffchen Regierung: baß Frankreich niemals um Bei- ftanb nachgesucht, unb baß En glaub niemals einen solchen angeboten habe. Es ist zunächst unwahrscheinlich, baß Deleassö, ber erwiesenermaßen auf ben Revanchekrieg lossteuerte, nicht in Lonbon fonbiert haben soll, ob und innerhalb welcher Grenzen auf Englands Waffenhilfe in diesem Krieg zu rechnen sei. Telcasse hätte sein Geschäft als Jntriguant und Friedensstörer schlecht verstanden, wenn er diese Frage umgangen hätte. Was Telcasse in dieser Eigenschaft tat, das tat er sicherlich nicht halb. Es wäre ja ein Wahnsinn gewesen, Frankreich in einen Krieg zu Mrzen, dem jede Hilfe von anderer Seite fehlte, denn an Rußlands Beistand war zu ber Zeit ber Marokkoirage unb bes ostasiat. Krieges, von anberen Momenten ganz abgesehen, nicht zu benFen. Unb was verbot Delcasft, bie Frage ber Waffenhilfe an En glaub zu richten? Glaubte er sich eine Ablehnung zu holen? Man wirb nicht fortgesetzt von jemanb zum Wider- ftanb aufgestachelt — baß die englische Politik Deleassö scharf gemacht hat, ist klar! —, wenn die Frage nicht gestattet sein sollte: Seid Ihr denn auch mit dabei, falls es zum Aeußersten kommt? Nein, Teleasss hat gefront und er hat eine Antwort bekommen. Von wem, von welcher autoritativen Persönlichkeit? Tas bleibt aufzuhellen. Die am Ruder befindlichen englischen Staatsmänner, alfo Lord Balfour, Lord Lans- downe, wollen es nicht gewesen fein. Dann ist es vielleicht doch ein noch HöhersteHmder gewesen, der Deleasss direkt ober durch Mittelsmänner wissen ließ, daß er Englands Beistand in seine Rechnung aufnehmen köunue. Als dieser noch Höherstehende wurde bereits König Eduard genannt. Ein Beweis wird sich für die Vermutung nicht erbringen taffen; aber wenn bie engt. Staatsmänner den Beistand nicht versprochen haben, bann bleibt trotz aller englischen Wibersprüche kaum Raum für eine anbere Vermutung. Delcassö ist Mnz gewiß in vielem Phantast; hier hatte feine Ueberzengung doch wohl einige Grundlage, denn ber Minister baute ja bereits ein englisch-französisches Bündnis Darauf auf. Tas englische Kabinett tveiß von alledem amtlich nichts. Wohlgemerkt, amtlich. Tas schließt nicht aus, daß Lord Balfour usw. als Privatleute davon unterrichtet waren. Nur ergab sich dabei ber interessante Unterschied für Frankreich, baß ber zugesicherte Beistanb Englanbs, mochte die Zusicherung von noch so hoher Stelle kommen, nicht einen Sou wert war. Das englische Kabinett brauchte diesen Wechsel nicht einzulösen. Die Erklärung ber englischen Regierung ist in Berlin mit gebührenber Achtung unb — mit .Verständnis aufgenommen worben. Es kann nicht erwartet werden, daß nun alles in Ordnung, und „volles Vertrauen" zurückgekehrt ist. Verdoppelte Wachsamkeit! Ter Pariser „Cfclair" greift den italienischen Minister des Aeußern Tittoni heftig an, dem er Doppelspiel vorwirft, weil er angeblich Frankreich ben Rat gegeben, ben Forderungen Deutschlands Widerstand zu WIM rchmm i sosortiger Abnahme roetc i lausen gesucht. Angebote mit Preisangabe s° t den Obermeister der hiesiz- leischek'Jmung, Herrn E. L»t iaLa-k,ti richten. iegclbH KegeW WZ-L- UlflillBll« -»-»'S >. Herrn baldzu lWW "““8 tjrvM'T K erkannt' M'' Pferde znm Schlachten oft ZU den höchsten Preisa X. Kessler Pierdemetzger. M' alles 'er unb erkaufe"^ £> Pferd W den Gieß. An, ert rin straße 5, e) von Heinrich Tiergardt für Dammstraße 39, v von Karl Euler IV. Witwe für Schützenstraße 15. — Zu den Landtagswahlen. Folgende Klage /ommt heute aus Nidda. Man schreibt uns von dort: Die Zeit der Landtaqswahl rückt immer näher, und von der e r a l e n Partei i st nichts zu sehen un d zu Horen. Der frühere liberale Abgeordnete unseres Bezirkes ist inzwischen zu einer anderen Partei übergegangen und nun vom Bauernbund als Kandidat nominiert. Tie Freunde des Liberalis m u . warten vergeblich auf Aufstellung eines 9 e e t g» neten Kandidaten. , . . . , B. Synode. Morgen, Mittwoch, wird m der Zoyannes- .irche die diesjährige Synode des Dekanats Gießen abgehalten, die mit einem öffentlichen Gottesdienst um 9 Uhr vormittags eröffnet wird. Von den Verhandlungen wird das in Aussicht gestellte Referat von Pfarrer D. Schlosser über „Da§ Lcse- bedürfnis des Volkes, und welche Aufgaben daraus den kirchlichen Gemeinden und ihren Organen erwachsen", besonderes Interesse erregen. " Teuerer Spaß. In unserer Stadt machen sich junge Leute im Uebermut oder Trunkenheit vielfach ein Vergnügen daraus, nächtlicherweile die Glasscheiben an den Briefkasten zu zertrümmern. Daß diese üble Sitte sehr unangenehme Folgen haben kann, war aus einer Verhandlung zu entnehmen, die vor kurzem vor dem hiesigen Schöffengericht stattgefunden hat. In dieser wurde nämlich ein Student wegen einer im Sommersemester verübten Sachbeschädigung der in Rede stehenden Art zu einer Geldstrafe von 50 Mk. und zu den Kosten deS Verfahrens verurteilt. Wie wir hören, sind auch die Polizeiorgane angewiesen, auf solche Missetäter ihr besonderes Augenmerk zu richten. — Gestern nacht sind wiederum drei Briefkasten auf diese Art beschädigt worden. W. Bad Nauheim, 16. Oktbr. Die Generalversammlung des im vergangenen Jahre gegründeten Vortragsoereins fand in diesen Tagen statt. An Stelle des seines vorgerückten Alters wegen zurückgetretenen 1. Vorsitzenden Oberamtsrichters Süffert wurde der bisherige 2. Vorsitzende Rechtsanwalt und Notar Stahl mit der Leitung des Vereins betraut. Neu in den Vorstand gewählt wurde der Rektor der Höheren Bürgerschule Professor Dr. Zimmer. Die Mitgliederzahl ist auf 200 gestiegen, und bei der großen Sympathie, die man dem Verein entgegenbringt, ist zu erwarten, daß sich die Zahl noch vermehrt. Auch in dieser Wintersaison sollen außer wissenschaftlichen wieder Gesangs- und Jnstrumentalvorträge geboten werden. -t- Fried berg, 15. Okt. Zur gemeinsamen Kunstseier hatten sich die Posaunenchöre aus Beuern, Dorf- güll, Gießen, Holzheim, Klein-Linden, Langgöns und Öber-Mockstadt mit dem hiesigen Verein hier zusammengesunden, in der stattlichen Zahl von 76 Stimmen. Die Feier begann mit dem Nachmittagsgottesdienst. Professor Dr. Wurster predigte über die Bedeutung der Musik im Gottesdienste. Die vereinigten Chöre unter Leitung des Pfarrers Kalb Henn von Ober-Mockstadt (Dirigent des dortigen Vereins) trugen aus Makkabäus: „Seht, er kommt mit Sieg gekrönet", und den Psalm 55 („Wirf dein Anliegen auf den Herrn", aus „ Elias „) vor, begleiteten auch den Gc- meindegesang bei den Chorälen: O daß ich tausend Zungen hätte, — und: Ach bleib' mit deiner Gnade. Mächtig strömten die starken Klänge durch die hohen Wölbungen der bis auf den letzten Vlatz gefüllten Stadtkirche, tiefe religiöse Empsindungen erweckend und in beredtem Zeugnis unterstützend die warmherzige Ansprache des Predigtwortes. In der nachfolgenden geselligen Vereinigung im Drei-Schwerter- Saal wetteiferten die Vereine in durchweg gut, zum Teil sogar höchst gediegen ausgeführten Vorträgen ernster und fröhlicher Musikstücke und ernteten Dank und Beifall der zahlreichen Zuhörerschaft. Aus den zwischendurch gehaltenen mehrfachen Ansprachen ist hervorzuheben der durch die anwesenden Vereine gefaßte Beschluß, sich dauernd näher zu treten und als Ober hessische Posaunenchö rc sich zusammenzuschließen. Die nächste Zusammenkunft soll in Langgöns stattfinden, das wohl den stärksten Verein hat und verhältnismäßig leicht zu erreichen ist. Frankfurt a. M., 16. Okt. Gestern abend 6 Uhr machte die seither in Bad-Nauheim als Büffctdame beschäftigte, in der Hohenstaufenstraße 17 wohnende Anna Muhl aus Ziegenhain bei Kaffel einen Selbstmordversuch. Sie befand sich allein auf ihrem Zimmer und trank ein etwa 30 Gramm Lysol enthaltendes Fläschchen vollständig leer. Auf ihre Hilferufe eilten die Hausbewohner sofort herbei und anonym unter Streu$bnnb nach Berlin gesandt worden. Ms er Kenntnis von ihr genommen hatte, schrieb er einen Brief an die Redaktion des genannten Blattes und sagte darin, er habe sich schon manches in seinem Leben gefallen lasten müssen, aber solch eine Gemeinheit denn doch noch nicht; er möchte gern wissen, wem diese unerhörte Frechheit gelten solle, ihm ober bem Publikum. Wegen dieses Brieses hatte Dr. Viktor Lederer Strafantrag wegen Beleidigung gegen Dr. W Ü l l n e r gestellt. Er und sein Advokat wvllten den Einwand deS Vertreters des vom persönlichen Erscheinen entbundenen Dr. Wüllner meßt gelten lassen, daß der Bries in der ersten Erregung gleich nach dem Lesen der fttitif geschrieben worden sei. Mlcn Künstlern würden von den Agenturen sämtliche Besprechungen, die sie beträfen, eingesandt, also auch von der Kvnzertagcntur Eulenburg die Lederersche Kritik. Der Kläger war bereit, zu versichern, daß ihm jede beleidigende Msicht bei seinem Referate fern gelegen habe und der Beklagte uwllte die Ausdrücke in dem Briefe zurücknehmen. Das Schöffengericht hat den Dr. Wüllner zu 10 Mark Geldstrafe verurteilt. — lieber das neue Düsseldorfer Schauspielhaus, zu dem die Zeichnungen der bekannte Berliner Architekt Sehring lieferte, ist eine von der Baufirma Vosvau und Linauer herausgegebene, künstlerisch ausgestattete Denkschrift erschienen. Das (von Luise Dumont begründete» Theater wird eingehend in Wort und Bild geschildert, sowohl das seltsame, durchaus nickt the.itemtäßige, merkwürdig unharmonische Aeußere. dessen reizvolle Trennt iim Stile Ludwigs XVI.) an die alten Schlösser der westfälischen Edelleute erinnert, wie das vornehm eingerichtete Amtete und die Bühne mit ihren modernsten teckmiscken Hilfsmitteln. Das Theater bat eine Drehbühne mit einem Durchmesser von 14 Meter. Grosser Wert tourbe auf eine eigenartige Beleuchtung, vorzügliche Ventilation.und Heizung, sowie aus 2lbwchr von FeuerSgesalw gelegt. Interessant finb die Mitteilungen, in welch rascher, und dabei dock sorgsamster Weise der 1000 Zusäwuer fassende Bau entstand: im Dezember vergangenen Jahres wurden die Erd- und FaindamentierungSarbeiten erledigt und mit dem eigentlichen Bau erst im Januar 1905 begonnen, der trotz ungünstiger Witterungsverhältnisse imb AuSstände in 234 Arbeitstagen beendet war, eine beachtenswerte Leistung der genannten Firma. benachrichtigten die Rettungswache Münzgaffe, die sofort eine Magenausspülung vornahm. DaS Fräulein befindet sich heute auf dem Wege der Besterung. (Gen. Anz.) Wetzlar, 15. Okt. Ein schwerer Unglücksfall, der zwei Menschenleben vernichtete, hat sich heute nacht hier zugetragen. Am Morgen gegen 6 Uhr^ merkten der in dem Hause Rosengasse Nr. 8 wohnende schreiner- meister Stroh und der Fuhrmann Happel, daß Jn dem Hause, obwohl es gar keine Gasleitung enthielt, ein überaus starker Gasgeruch sich bemerkbar machte. Stroh, der Besitzer des Hauses, dachte zunächst an nichts schlimmes, meldete aber dennoch auf der Gasanstalt. Inzwischen war es beinahe 8 Uhr geworden und es erschien den Hausbewohnern auffällig, daß in der Wohnung der Eheleute Schuhmacher Heinrich Hcberling, welche den Mittelstock des Hause? bewohnten, noch niemand sich hören ließ. Die Tür der Hcber- lingschen Wohnung wurde geöffnet und nun bot sich den Eintretenden ein furchtbarer Anblick: Heberling faß mit einem Strumpf an den Beinen im Hemd auf dem Bett,. während seine Frau im Bette lag. Beide waren leblos. Offensichtlich war Heberling, der erst gegen 1 Uhr nach Hause gekommen sein soll, durch den Gasgeruch aus dem Schlafe aufgeweckt worden und hatte das Fenster öffnen wollen: dabei scheint er bewußtlos geworden zu sein. Die erschreckten Mitbewohner holten sofort ärztliche Hilfe herbei, aber vergebens. Heber bie Ursache des Unglücksfalles wird berichtet, daß an dem vor dem Haufe herführenden Gasleitungsrohr an einer hohl gelegenen Stelle ein Rohrbruch entstanden war. Da die über dem Rohr liegende Bodenschicht aus undurchlässiger Tonerde bestand, suchte und fand das Gas einen Ausweg nach der Seite hin, drang durch das poröse Mauerwerk des Fundaments in das HauS und kroch am Mauerwerk der Hauswände empor, so nach und nach das ganze Gebäude erfüllend. (Wetzl. Anz.) k. Sichertshausen bei Fronhausen, 16. Okt. Gestern nachmittag wurde die hiesige, im Jahre 1780 erbaute und in diesem Sommer mit einem Kostenaufwand von nahezu 5000 Mk. restaurierte Kirche durch einen feierlichen Gottesdienst wieder in Gebrauch genommen. Die Festpredigt hielt unser Geistlicher, Pfarrer Böchner von Treis a. d. L. im Anschluß an die über dem Haupteingang der Kirche angebrachte Inschrift: „Herr, ich habe lieb die Stätte deines Hauses und den Ort, da deine Ehre wohnt". Vom Altäre aus hielt nachher noch der Ortsschulinspektor Pfarrer E igen- brodt-Haffenhausen eine Ansprache, die er an das über der Kanzel stehende Wort Jesu anschloß: Selig sind, die Gottes Wort hören und bewahren. Die Kirche hat außen und innen ein neues Kleid bekommen. Türme, Dach und Wetterseite sind neu beschiefert, der Haupt- und Seiteneingang hat neue schöne eichene Türen erhalten, Altar und Kanzel sind neu hergerichtet, ersterer auf Wunsch vieler Gemeindeglieder wieder mit dem alten, jetzt schön gestrichenen Holzkruzifix, letztere mit neuem Behang geschmückt. Eine neue Seitenempore ist eingebaut, die Orgel repariert, der Fußboden mit schönen Tonplatten belegt, Gestühl und Wände stilgerecht bergestellt und verziert. Die Pläne und Kostenvoranschläge fertigte Bautechniker Will von hier, der auch die Bauleitung übernommen hatte. — Unsere Gemeinde ist von altersher eine Filialgemeinde von Treis a. d. Lumda, das im Jahre 1866 zum Großherzogtum Hessen kam. Durch Staatsvertrag zwischen Preußen und Hessen ist nun seit dem 1. Oktober d. I. das parochiale Verhältnis zu Treis a. d. 2. gelöst; da sich aber die Verhandlungen wegen Zulegung der hiesigen Gemeinde zu dem benachbarten preußischen Kirchspiel Haffen- hausen auf uns unerklärliche Weise hinausziehen, ist der Pfarrer von Treis a. d. L. im Einverständnis mit dem Ober- konsistorium in Darmstadt mit der einstweiligen Weiterve rse h u n g des Pfarrdienstes dahier beauftragt. • Gefährliches Fußballspiel. Aus Newyork wird der „N. A. Z." berichtet: Das Fußballspiel an amerikanischen Universitäten, bei dem die Spieler schützende „Panzer" tragen müssen, wird immer gefährlicher. Obgleich die Fußballsaison erst begonnen hat, liegen schon sieben Studenten der Haward- Universität mit gebrochenen Rippen und Gliedmaßen und inneren Verletzungen im Krankenhause darnieder. In Amerika macht sich eine wachsende Entrüstung gegen das Spiel, so wie es jetzt geübt wird, bemerkbar, die Spieler suchen oft trotz der Regeln aus bloßer Brutalität ihre Gegner kampfunfähig zu machen. So wurde auch der junge Roosevelt bei seinem ersten Spiel in Haward schwer getroffen. Jetzt wendet der Präsident selbst seinen ganzen Einfluß auf, um dem Spiel den gefahrvollen Charakter zu nehmen. Zweifellos wird der Präsident in diesen Bemühungen von allen Seiten unterstützt werden; die englischen Fußballspieler, die zur Zeit in Newyork weilen, haben die beste Gelegenheit, die lieber- legenheit des englischen Spiels über das amerikanische praktisch vorzuführen. • Heiteres von einer Bürgermeistermahl. Jn dem Erfurt benachbarten, ca. 900 Einwohner zählenden Orte Wickerstedt wurde zum zweiten Bürgermeister der Materialwarenhändler, frühere Kunst- und Phantafiewirker, Otto Rüdiger gewählt, aber seine Wahl wurde nicht bestätigt. ES sollte ihm die zu dem Amte erforderliche „Achtung" fehlen. Für die Neuwahl ließ nun Rüdiger folgendes Flugblatt verbreiten: Lieben Bürger von Wickerstedt! Wir kommen nächsten Freitag, den 29. b. M., ans eine frische Wahl eines zweiten Bürgermeisters. Wählbar bin ich wieder, da ich noch nicht wegen Diebstahls vor Gericht gewesen bin, auch habe ich noch kein Bnch gefälscht. Wenn ich auch u n s i t l i ch e Redensarten gegen bie Witwe Barth geführt habe und bin mit 5 Mark Geldstrafe bestraft worden; das ist feine Schande. Wenn ich den Rechtsanwalt Kunrenter ans Gotha batte, der hätte mich auch freigebracht. Auch soll ich im Jahre 1904 einen Frosch losgelassen und zwei Stare beim Kirschen erschossen haben, das sind bis jetzt auch keine Strafen, denn bis Berlin sind sie noch nicht gekommen. Ich bin noch nicht in Heus- dori auf den Anstand gewesen, wo Lips von Wickerstedt bald erschossen wurde. Auch habe ich noch niemanden die Zahne ein- geschlagen. Am liebsten hätten meine Freunde gesehen, wenn Rüdiger an der Kirmeswoche starb; aber es ist ihnen nicht gelungen, er üt wieder wie ein Fisch. Wenn auch mein Haus rot angcstrichen ist, daß schadet nichts. Wer war früher der größte Rote? Cttomar Rüdiger, Materialwarenhändler. Tas Glück entschied in der Neuwahl gegen ihn; würdevoll ergab sich aber Rüdiger in sein Schicksal, wie er durch folgende neue Kundgebung zeigt: Friede sei mit uns! Nachdem bie Wahlschlacht geschlagen, drängt es mich, meinen lieben Mitbürgern für das mir in so reichem Tlafcc entgegengebrachte Vertrauen meinen herzlichen Dank mit ber Bitte auszusprechen, mich bei vorkommenden Fällen tn gutem Andenken zu behalten. Gleichzeitig empfehle ich meine neu eingetroffenen stets keimfähigen Sommer- A r ttkelund Material waren. Bitte besuchen Sie mich, mich habe ich ein Faß Sauerkraut frisch ausgeschlagen. Ottomar Rüdiger, Wickerstedt. * Kleine Tngcsckron - k Vie die „Mittelbad. Nachr> aus Kappelrodeck melden, beläuft sich die durch den Bürgermeister Hermann Haas unterschlagene Summe nach den bisherigen Feststellungen auf 7 2 5 0 0 0 Mk., sie wird aber wahrscheinlich die Höhe von 800 000 Mark erreichen. Der Anf- ichtsrat be5 Vorschußvereins h'ddeutsche ckaingaucs des letzten jener W Her »all ptt. Gießener Fußballk dute Srlolge diese?t klub M ir di- neue m oren der Universität Unteit- ^folger des o. Prof. Dr Eltern d. I. Drudes Lehr- cn hat, ist nach der „D. 2/ av Mie in Greifswald zur c des dhysikalischen Institut; ernannt wvrden. Ter als stantlorscher befannii (ber Baler des IL Berlnut eit SM»“ '*5^5# kise ‘I 1 stellen 1'°' Erde er -^sichen "nZi ^5E'--r sS-aS WS -W.E lurnberg. ^ber, na- mniag den Abends * . Nheingold." ira! von [ Freitag dn .sunkene Gloae. ' $tobtt W Samstag den Udl Oktober, n.tlfc(f)" Monte Uhr: „N^in unte n Male. - rmann. , e, e sn'd 1» . tl1 den 4^- WÄttD*9' * I«"10 kchachl" itB*9. 595551 Weit nnddttch.- °^en Entwurf dcr^N? ^?.nenManN^ SüMv ® innere e 'M tÄ*1* lUometer eWfriwtL 7'" ÄÄ“’ »endurchbr,./5 ble tei?n& 9°9^ ,r,c wird im QQnien ^ welche inÄ & ’J°t ^lächxnraum bedeckt wie Angaben über Gutachien der Kommission Hl Namen Angaben über Gutachten der Kommission über E — V - — - 3 5^ der der Gattung | Raffe ; tt s o V» C Ä-e Bemerkungen ~ bet der Gattung Raffe 5 A s Q 0 1 . JO « = Halter Q deS Faselvichcö § st =-2 Hausen 23 Garbenteich 24 Watzenborn 25 Steinberg 26 Lang-Göns 27 Leihgestern 28 Holzheim 29 Grüningen w Philipp MooS Adam Beimborn Georg Simon IZakob Rinn XXII Ludwig Römer ^.Schimmel Wwe. Ludwig Hörr Wilh. Weller II. Karl Jung Jak. Biehmann II. Jakob Wagner III. Georg Ahnader Gemeinde Hch.WeigantWwe Heinrich Dippel Joh. Ruppenthal Joh. Wallbott IX. Konrad Beder Heinrich Kiffel II. Ludw. Buß Joh. Lud. Philipp Ludwig Pitz Joh. Gg. Burk III Balser Philipp III Peter Junker Gemeinde n w u Wilh" Weil Karl Weil III. Gemeinde Kasp. Waldschmid Gemeinde Joh. Gg. Studer Hartm. Schneide Chr. E. Bingel L Hch. Ernst Hudle Ziegenbod Ziegenbod Ziegenbod Ziegenbod Ziegenbod Bulle Bulle Bulle Bulle Bulle Bulle Bulle Ziegenbod Eber Bulle Bulle Ziegenbod Ziegenbod Bulle Bulle Ziegenbod Bull- Bulle Bulle Ziegenbod Ziegenbod Ziegenbod Eber Bulle Ziegenbod Bulle Bulle Ziegenbod Eber Bulle Bulle Ziegenbod Eber Bulle Bulle Ziegenbod Bull- Bulle Bulle Bulle Bulle Ziegenbod Ziegenbod Eber Eber Bulle Bulle Bulle Zicgenboc Zlegenboc Eber Bulle Bulle Bulle t Ziegenbod Ziegendoc Eber Bulle Bulle r Ziegendoc Saaner Saaner Saaner slm. Krzg. Simment. Bogelsbgr. Bogelsbgr. Bogelsbgr. Bogelsbgr. Bogelsbgr. Saaner Borkshire BogclSbgr. Bogelsbgr. Saaner Saaner Bogelsbgr. Bogelsbgr. Saaner Simment. Bogelsbgr. Bogelsbgr. Saaner Saaner Saaner Borkshire Simment. Saaner S'M.Krzg Simment. Saaner Aorks.-Krz. Bogelsbgr. Sim. 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Krzg 37 gut sehrgu sehrgu lehr gut Dulle Simment. 47 sehr gu sehr gu lehr gu lehr gut Ziegb-/ P» Saaner 7 genügb gm gut gut Körbezirk Grünberg. Ordn.-Nummer 11 Kamen bet Gemeinden Namen der Halter Befchr Raffe eibnufl « Farbe Alter (Jahre) || Körperbau ® & Nähr- Z zustand ei 3 Hautpflege ° isfion 2> . -s = 2 5 •i S 5* "cr « Bemerkungen = Namen ~ her | Gemeinde« Q Namen bet Halter Bcschr d Raffe ctbuug er Farbe Jahre (Alter) 1 Körperbau ® chten bei ük V. G -a <=- 3 n Hautpflege ° 3 ission £ . •£ - Bemerkungen 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 IE 16 17 Allendorf o. Lda. • - (Ziegenbock) (Eber) Allertshausen (Eber) (Ziegenbock) Beltershain (Eber) BerSrod (Ziegenbock) Beuern * (Eber) (Ziegenbock) Climbach (Eber) Ettingshausen (Eber) (Ziegenbock) Geilshausen (Eber) (Ziegenbock) Göbelnrod (Eber) Grünberg w * ” (Eber) (Ziegenbock) Harbach * (Eber) Hattenrod (Eber) (Ziegenbock) Kesselbach (Eber) (Ziegenbock) Lauter " (Eber) (Ziegenbock) Lindenstruth (Eber) (Ziegenbock) Londors (Eber) (Ziegenbock- Lumda (Eber) (Ziegenbock) Gemeinde Severin Franz Heinrich Grieb Wilhelm Römer Ludw. Nachtigall Jobs. Schmidt VI Johannes Loth Nikolaus Reitz Jak. Hofmann II. Johs. Becker I. Konrad Repp Gemeinde PHSommerladVII JohS. Stein Wwe. Johannes Leyerer Melchior Wißner Gemeinde Joh. Kasp. Keil VI Wilhelm Diehl Carl Wagner Hch. Wagner HI. H.Kanß VIII. W Konrad Schepp Hermann Velten Carl Jöckel VIII. Hermann Christ Z Peter Albert Konrad Roth Phil. Rock pch. Seipp HI. W. Wilh. Becker I. Johs. Stein II. Julius Zimmer Johs."Rödcr Carl Schaaf Johs. Gerth I. Ludw. Bräuning Ludwig Deines II. Georg Bert Wilh. Becker Wwe. Heinr. Kauß IV. Aug.'Feyh Wilh. HörcS Simment. Reinzuch Simment Reinzuch Sim. Krzg BogelSbgr Yorkshire Sim. Krzg DaS vo Ein Simm. Rz. Vogelsbgr. Dorkshire Sim. Krzg. Saancr Sim. Krzg Yorkshire Saaner Vogelsbgr. Engl. Bast. Sim.Reinz. Yorkshire Saaner Simm. Rz. Yorkshire Ein Ziec Vogelsbgr. Yorkshire Simment. Reinzucht Vogelsbgr. Yorkshire ^Ilcinzucht Saaner Neinzucht Simment. Vogelsbgr. Sim. Krzg. Simment. Yorkshire Saaner Vogelsbgr. Yorkshire Saaner Vogelsbgr. Yorkshire Reinzuch! Saancr Vogelsbgr. Yorkshire Reinzucht Saaner Neinzucht Simment. Rcinzucht BogelSbgr. Engl. Krzg. Simment. Reinzucht Simment. Engl. Krzg. Saaner Rcinzucht Falbscheck Gelbscheck rot weiß Falb rhandene E 7- Jahr al Falbscheck rot weiß Notschiml. Hellfalb weiß Hellfalb Rotschcck Hellfalb weiß rot weiß Hellfalbsch. Gelbscheck weiß Gclb'schcck Falbschcck weiß enbocklamm rot weiß Hellfalbsch. rot weiß Falbscheck rot Falbscheck Hellfalb weiß rot weiß rot weiß rot weiß Hellfalbsch. Falb rot weiß Falb Hellfalbsch. weiß braunsch. 3V, 2V< i‘/< 17, b erst schlc ttS, 3 3 17. 37. 37, 1 27, 27. 7, 27, 37, 17, 37, •27. 1i/’ [1k ! 17. l vor 27, 7. 27, 3 27. 17. 7. 27. 7n 27. 37, 3 27, 2 27. 17. 37z: 27. 17, 27, 3 27, 27, 3 2 27, 712 27, 17, 27. 27, ungen. genügd. gut genügb. k- gen. genügd. rfe( ist chter Kö nicht ge genügd. gut gcnügd. ungen zml.gul gut zml.gut ungen. zml.gut gut genügb. gut genügd. gut zml.gut genügd zml.gut banden, zml.gut gut zml.gut vis gut gut zml.gut gut r. gut aut schlecht genüg. gut genügt), gut genügb. r. gut gut r. gut genügb. zml.gut zml.gut bis gut genügb. genügb. .. ungen. gut r. gut gut genügb licht an rperbcsc 'örte8 r. gut gut schlecht gut genügb. gut genügb gut genügb gut genügb. gut welches gut zml.gut r. gut gut genüg. gut genügb. gut genügb. gut genügb. gut r. gut genügb. gut genügb. gut. enügb. gut ungen. genügb zukören laffenbet liegenbo genügb. gut schlecht gut schlecht gut genügb. gut ungen. gut genügb. gut genügb. schlecht nicht gut zml.gut gut r. gut gut genügb. gut schlecht gut schlecht gut schlecht ungen. gut r. gut genügb. gut genügb. genügb. ungen. genügb. gut w n genügb wegen t. cklamm gut genügb. gut genügb. gut »gekört gut genügb. gut genügb. gut r. gut gut genügb. gut genügb gut ist abzuschaffen. * Ein Ziegenbock zurzeit nicht vorhanben. ist abzuschaffen. Lahmheit unb vorhanben. Zicgenbck. wirb snichtgehalten. ist abzuschaffen Ein Eber zurzeit nicht vorhanben, ist neu zu vergeben. ist abzuschaffcn Ein 2. Bock w. roieb. angesch. Ziegenbockwirb nicht gehalten. werben kann. Ein 2. Bulle bringenb erf. Ziegenbockwirb nicht gehalten. Eber zurzeit nicht vorbanb. Ziegenbockwirb snicht gehalten. Ist bösartig, bab. abzuschaff. Wegen Jncest- Zucht abzusch. Ist Eigentum bes Halters. Wegen Jncest- Zucht abzusch. ist abzuschaffen. Wegen Jncest- Zucht abzusch. Ein 2. Gem.- Bulle erforb. Wegen Jncest- Zucht abzusch desgleichen Zur Abschaffung empfohl. Ein Ziegenbock zurzeit nicht vorhanben. wirb abgeschafft Wegen Jnccst- Zucht abzusch. 18 Münster (Ziegenbock) 19 Nieberbesfingen (Eber) (Ziegenbock! 20 Nonnenroth (Eber) (Ziegenbock- 21 Oberbessingen (Eber) (Ziegenbock) 22 Obenhausen (Eber) 23 Queckborn " (Eber) (Ziegenbock) 24 RcinharbShain (Eber) (Ziegenbock) 25 RöthgeS (Eber) (Ziegenbock) 26 Rübbingshan^ii " (Eber) (Ziegenbock) 27 Saasen (Eber) (Ziegenbock) 28 Stangenrod (Eber) (Ziegenbock) 29 Stockhausen 30 Treis a. Lmnba (Ziegenbock) (Eber) 31 Villingen n n (Eber) (Ziegenbock) 32 Weickartshain " (Eber) 33 WciterShain (Eber) (Ziegenbock) 34 Winnerod Heinrich KlöS II. Heinrich Schneide Heinr. Klöß Konrad Heß Heinr. Metzger D Hemr. Sehrt Peter Hoppe Christ. Hederich Heinr. Heinz Heinrich Gölz Johs. Ninker I. Albert Bcuermanr w Joh. Schmidt V. Carl Herzbcrger Konrad Knöß II. Heinr. Damm Kaspar Löchel Max Weis'"nsee Peler Seng August Emmrich Wilh. Buttron Ludwig Theiß Wilhelm Sohl Leonhard Peter Ludwig Loth II Heinr. Werner I Heinrich Schepp V Carl Schäfer Ludw. Schmidt I JohS. Erb II. Martin Theiß August Theiß Gemeinde Konrad Michel H. Nürnberger III. Wilh. Spamer Heinr. Leidner Otto Klauß jjeinr. Schmidtll. Wilh. Biedenkopf Carl Faulstich H. Kaufmann VII Wilhelm Erb Ludwig Klemm Simment. Reinzuch Sim. Krzg Saaner Simment. Reinzuch Sim. Krzg Engl. Krzg Saaner Sim. Krzg Simment Reinzuch Yorkshire Saaner Simment. Simment. Reinzucht Yorkshire Saaner Sim. Krzg Yorkshire Sim. Krzg. Vogelsbgr. Engl. Krzg. Yorkshire Landrasse Simment. Reinzucht Yorks. Bast. Saaner Sim. Krzg. Yorks. Krz. Saaner Vogelsbgr. Yorkshire Landrasse BogelSbgr. Yorkshire Laudraffe Simment. Rcinzucht Simment. Original Hannover. Saaner Vogelsbgr. Simment. Reinzucht Sim Krzg. Simment. Saaner Yorks. Rz. Simment. Sim. Krzg Yorkshire Saaner Vogelsbgr. Yorkshire Reinzucht Simment. Rcinzucht Simment. Simment. Rcinzucht Yorkshire Saaner Reinzucht Simment. Rcinzucht Hellfalb weiß Falbscheck weiß Hellfalb Hellfalbsch weiß Falb weiß Falbscheck weiß Hcllfalb rot weiß schwarzsch. Falbscheck Hellfalbsch. weiß Hellsalb Falbscheck weiß rot weiß schwarzsch. rot weiß weiß unb schwarz Falbscheck. weiß rot Hellfalbsch. Gelbrotsch. Hellfalbsch. weiß Hellfalb Falbscheck Falb mit Bläffe weiß rot weiß Gelbscheck Falbscheck. Gelbscheck weiß Hellfalbsch. 37 VJ? 2'7 27, l’/< 27. 3 17, 17, 17. 17, 17, 3 27. 37 1 •27. 17. 27. > 7. 27, > 3 17. 37, 17, 17, 27. 27. 37. 17, 17. 27. 17. 7, 17. 37, 17, 7, 37, 2 37. 37. 17, 17. h 37, 1 274 27. 17. 7, 37. 17. 17a 17. 27- 37. gut zml.gut gut genügb ungen. gut ungen. gut zml.gut genügb zml.gut gut genügb gut gut bis r- gut genügb. gut ungen. genügb. zml.gut gut genügb. gut zml.gut gut zml.gut genügb. zml.gut gut r. gut gut ml.gut üs gut gut zml.gut genügb. gut gut genügb. r. gut genügb. ungen. gut gut genügb gut zml.gut genügb gut genügb. gut * n genügb. gut genügb. zml.gut gut genügb. gut genügb. gut ■ n w genügb. gut r. gut gut r. gut zml.gut gut H W ff genügb gut gut genügb gut genügb gut ungen. schlecht genügb ungen. schlecht ungen. schlecht gut w * genügb. schlecht genügb. gut schlecht gut w H n genügb. gut genügb. gut genügb. * gut r. gut ungen. r. gut zml.gut gut ungen. genügb. gut genügb. n rt gut ungen. gut genügb gut genügb H • n genügb. gut genügb. gut genügb. gut n n n genügb. gut genügb. gut Eber nicht geh. ist abzuschaffen. Wegen Jncest» Zucht abzusch. Lahmt hinten srechtS. Wegen BöSar» tigkeit und Jncest - Zucht schleunigst abzuschaffen Ist abzuschaff. weg. Jncestz. Lahmt vorn r., ist abzuschaff. Ein 2. Bulle dringend not- wend Ziegb. nicht gehalten. ist abzuschaffen, ist abzuschaffen,' Wegen Bösav tigkeit abzusch. ist abzuschaffen. ist abzuschaff«^ Ein 3. Bulle ist sanzuschaffen. Abschaff, drin-, nötig, wurde schon 1904 auSgesproch. Eber u. Ziegenbock werden nicht gehalten. ist abzuschaffen. Die Haltung eines Ziegenbocks ist von der Gemeinde beschloffeu. Ist abzuschaff. Bekanntmachung. Detr.: Den Erlaß von UnfollverhütungSvorschriflcn für landwirtschaftliche Maschinen und landwirtschaftliche Nebenbetriebe. Von der land-- und forstwirtschaftlichen BerufSgenossen- schaft für daß Großherzogtum Hessen sind durch Beschluß der Genofsenschaftsversammlung vom 19. Dezember v. IS. und mit Genehmigung Großherzoglichen LandeSversicherungsamtS vom 20. Januar l. IS. Unfallverhütungsvorschriften für landwirtschaftliche Maschinen, sowie für landwirtschaftliche Nebenbetriebe und zwar: 1. Brennerei-, Molkerei- und StärkebereitungS- Betriebe, 2. Ziegeleien, Gräbcreicn über Tage und Torf- gräbereien, 3. Steinbrüche, 4. Mahl- und Oelmühlen erlassen worden, welche am 1. Januar 19 06 in Kraft treten. Diese Vorschriften — von denen je 1 Exemplar den in Betracht kommenden BctriebSunternehmern bereits zugesiell worden isl — liegen bei den G r o ß h. B ü r g c r m e i lt e r c i e n und den Herrn Vertrauensmännern dauernd zu Jeder- mannS Einsicht offen und können gegen portofreie Einsendung von 20 Pfg. für das Exemplar von dem Vorstand der Be- cufsgenossenschaft bezogen werden. Wir empfehlen den BetriebSunternchmern und Betriebsleitern genaueBefolgung der angeordnetenSchutz- maßregeln und bemerken schon jetzt, daß alsbald nachdem Inkrafttreten der Vorschriften durch den technischen Aufsichtsbeamten der Berufsgenoffenschaft Revisionen in den in Frage kommenden Betrieben vorgenommen und Ermittelungen an Ort ttnd Stelle darüber angestellt werden, ob die vorgeschriebenen Schutzvorrichtungen angebracht sind und die zur Sicherheit des Betriebs dienenden Vorschriften befolgt werden. Gemäß § 126 deS UnfalloersicherungSgesetzeS für Land- und Forstwirtschaft sind die Betriebsunternehmer verpflichtet, ! den als solchen legitimierten technischen Aufsichtsbeamten der Genoffenschaft auf Erfordern den Zutritt zu ihren Betriebs- hätten wahrend der Betriebszeit zu gestatten und können hierzu auf Antrag der AufsichtSbeamten von dem zuständigen _ Großh. Kreisamt durch Geldstrafen bis zu 300 Mark angehalten werden. Genossenschaftsmitglieder, welche den Unfall- verhütunqSvorschriften zuwiderhandeln, können mit einer Geldltrafe bis zu 1000 Mark oder mit Zuschlägen bis zum doppelten Betrage ihrer Beiträge belegt werden. Versicherte Personen können im Falle der Zu- viderhandlung mit einer Geldstrafe bis zu 6 Mark belegt Derben. Darmstadt, den 4. Oktober 1905. Oer Vorstand der land- und forstwirtschaftlichen Berufs^ genoffenschaft für das Großherzogtum Hessen. Rach, RegierungSrat. Gießen, den 13. Oktober 1905. Betr.: Wie oben. Das GrMerzoqliche Kreisamt Gießen ,n Großh. Polizeiamt Gießen und an die Großh. vürgermeiftrreicn der Landgemeinden des Kreises. Vorstehende Bekanntmachung wollen Sie ortsüblich zur ffentlichen Kenntnis bringen. I. V.: Tr. W a g n e r. Drucksachen aller Art liefert in jeder gewünschten Aoe- •tattung, stilrein und preiswert die ärühl’sche Universitäts - Druckerei, Schulstr. 7