Montag 1K. Juni 1905 Nr. 141 Zweites Blatt 155. Jahrgang wiegend den jeder Gele, einigungen naljli onellen Verb in- nschaft zu der Gin- äußerst flüchtig angcdeutet, so daß die gesuchtesten Regiekünstv von nöten sind, um dem Zuschauer zu verdeutlichen, daß ei nach der ersten Szene einen Traum vor sich sieht. Diesen Regiekünsten oder vielmehr Künsteleien steht der Dichter gewiß ganz fern, und erst nach jahrelangem Widerstreben mag et dem Locken eines gierigen Berliner Theatermannes gefolgt fein, um endlich die Genehmigung zur Aufführung seine- Torso zu erteilen. Es giebt in dem Stück keine Zwischenakte. Die Bühne verhüllt nach jeder Szene ein schwarzer Vorhang und man vernimmt immer wieder einen dumpfen Chorgesang. Daher der wohl von der Berliner Regie gewählte, auch in der Buchausgabe nicht verzeichnete, weit hergeholte, durch seine Seltsamkeit neugierig machende Untertitel .NocturnuS^ womit man im Mitteltalter den Nachtgesang in Klöstern be-i zeichnete. Gesang schrieb Hauptmann allein für den Schluß der ersten Szene vor; während eines Meffegesanges schläft der Ritter ein. Daß der Gesang aber auch die übrigen, bid Traum-Szenen verbindet, ist eine Erfindung der Regie, und zwar keine logische. Denn diese Musik, die nachgerade in ihrer trostlosen Monotonie die Nerven des den ganzen Abend auch rein wörtlich genommen im Dunkeln gelassenen Höreö empfindlich peinigt, gehört nicht zum Traume. Sie und der schwarze Vorhang sind nur dazu da, um den Zuschauer immet von neuem daran zu erinnern, daß er Traumbilder vor sich sieht, die sich am besten wohl auf einer Drehbühne abspielen würden. Der Gedanke an einen Traum würde ohne alle Regiemätzchen dem Zuschauer kaum kommen. Denn von so plastischer Deutlichkeit und so viel wohlbegründeten Zusammenhängen wissen die Träume nichts. Zwei Szenen nur könnten ihm allenfalls den Traum verraten: die atembeklemmende, in der die beiden Männer am tiefsten im Banne des WeibeS stehen und dieses mit dem Netze der Schuld immer wieder gefährliches Spiel zu treiben sich nicht enthalten kann, und die folgende, in der sich die beiden Nebenbuhler unter vier Augen befinden und in der Hauptmann seine feinlte Kunst in einem Versteckspiel von Wechselreden ohne offene Worte zeigt, 3onR aber deutet eigentlich nichts mehr aus den Traum, und darum mußte dem größten Teil beS Frankfurter Publi- besonberer Formation in besonderer Lichtsphäre mit besonderen Farbennüancen. Wie aber einst sein Poetenschifflein trotz aller Entdecker- absicht doch zumeist die Richtung nahm hinter dem großen Nordmeersegler Ibsen her, neben gelegentlichen Abstechern nach den bald von märchenhaft romantischen, bald von niederländisch heiter besonnten Ufern umsäumten Gewäffern Heinrichs v. Kleist, so brachte es ihn diesmal nahe den Märchengestaden Maeterlincks. Schließlich aber fuhr er dabei aus einer Sandbank auf, und bei den Versuchen, wieder flott zu machen, gingen ihm Lust und Atem auS. Im politischen Teile deS „Gieß. Anz." war jüngst die Rede von dem FemininiSmuS in der heutigen deutschen Politik. Unsere Zeit fördert überhaupt mehr FemininiSmuS zu Tage, als der größte Teil der deutschen Vergangenheit. Auch die deutsche Kunst ist vielfach feminin, feminin sind die „Helden" allzu vieler unserer neueren und neuesten Romane und Dramen. Auch die männliche Hauptfigur dieser Hauptmann- schen Dichtung ist feminin. „Ec" steht ganz im Banne deS WeibeS, daS alle seine Sinne beherrscht, ihn allmählich zermürbt und verdirbt, sein Herz zerfleischt, nach flammenderLiebeS- glut mit triefendem Menschenblut ihn besudelt. Aber eigentlich ist dieser Mann gar keine Gestalt von Fleisch und Blut, nach dem Vorbilde Grillparzers, sondern nur eine Traumfigur. Ein an spätem Abend in einem Kloster eingekehrter Ritter träumt, nach kurzem Zwiegespräch mit einem Mönche, von eben diesem Klosterbruder, den einst, als jungen Edelmann, ärgstes Unheil in der Ehe traf. Nach der ersten Szene verschwindet der Träumer, und warnende und mahnende Traumbilder ziehen an und vorüber, die an- und ausklingen in dem Grundtone: baue nie aufs Weib dein Glück! ,p Nun aber fehlt — und daS ist eines der Zeichen des Unvollendeten und Unausgeglichenen der Hauptmann'schen Nachdichtung — unter den Gestalten deS Traumes der Träumer selber, während doch wohl all? unsere Träume um das liebe Ich sich konzentrieren. Und ferner hat der Dichter den Uebergang vom realen zum erträumten Erlebnis Umstimmung hierzu a. . ..... liberaler Seite, wonach die Lehrer solcher Anstalten völlige Hochschulbildung haben müssen und die Nassen höchstens 45 Schüler zählen dürfen. Ein wichtiges Amendement bestimmt noch unter Androhung von Strafe, daß die Abiturienten solcher AnstMen sich nicht als Diplom- Ingenieur oder diplomierter Ingenieur und dgl. bezeichnen Stellung zu der Frage der k o n f e s d u n ge n. Dabei hat sich die F i n , , , „ nähme einer Sonderstellung verleiten lassen, die vermutlich in der Finkenschast selbst auf Widerstand stoßet wird. Was in ihrer Resolution von der „P r ä g u n g n e u e r! Ge danken" und ihrer Propagierung in den Kreisen der Studentenschaft gesagt wird, ist wenig klar, zumal bte Finkenschast in den ersten Sätzen ihrer Resolution erklärt hat, daß eS nicht Sache der Studenten sei, sich mit religiöse«! und politischen Fragen zu beschäftigen. Roosevelts kluge FriedenSaktion, bei der, natürlich Amerika das beste Geschäft auf Kosten JapanS- machen will, deffen Macht gerade ihm besonders bedenklich zu werden droht, schreitet zielbewußt vorwärts. Jetzt ist zwischen den Regierungen in Tokio und Petersburg ein Meinungsaustausch im Gange, der über Washington ge-! führt wird und ein Zusammentreffen deS Generals Linewitsch und des Marschalls Oyama im fernen Osten zum Gegenstände hat. Der Zweck dieser Zusammen kunft soll der Abschluß eines Waffenstillstandes sein, der der Friedenskonferenz in Washington dep Weg ebnen soll. Anfänglich dachte man daran, daß em vorläufiges Protokoll in Washington unterzeichnet werde, man glaubt aber jetzt, daß der Abschluß des Waffenstilsi standes am besten beiden Befehlshabern anzuvertrauen sei. Die Dauer des Waffenstillstandes ift noch nicht bestimmt, doch soll sie verhältnismäßig kurz sein, sodaß der Fortgang der Friedensbesprechungen nach Möglichkeit beschleunigt wird. Andererseits aber erfährt man, daß die russische I Generalität, die in der Mandschurei dem Feinde gegenüber» Der sozialdemokratische Bergarbeitertag in Berlin zeigte, wie tief die bem alten Verband angehörenden Bergleute noch in der Sozialdemokratie stecken, wie wenig sie sich von parteipolitischer Bevormundung reimachen können, obwohl sie selbst an manchen Punkten chwer die Schädigung empfinden, die ihnen die Partei* )iktatur auferlegt. In der Hauptsache galt die AuSsprachs in Berlin der Formierung einer schärferen Frontstellung gegen daS Zentrum, dessen Einfluß im Ruhrrevier ganz entschieden am Wachsen ist. * Eine Reihe studentischer Vereinigungen nahm dürfen. Am folgenden Tage kam eS zu einer Aussprache über die hessische Eisenbahnpolitt k. Finanzminister Dr. Gnauth legte die Absichten der Regierung über die Art und den Umfang deS Baues von Nebenbahnen dar. Danach muß von einem Bau derselben auf Staatskosten für die nächste Zeit abgesehen werden; lediglich staatliche Zuschüsse könnten gewährt werden. Abg. M o l t h a n vertrat die Auffassung, daß bei den Bahnbauten in erster Linie die wirtschaftlichen Interessen ärmerer LandeSteile inbetracht kommen müssen, die allerdings durch angemessene Zuschüsse ihr Interesse am Babnbau betätigen müßten. Diesen Ausführungen pflichtete der Kammerpräsident Haas bei; Abg. Ulrich wollte die Rentabilitätsfrage in ärmeren LandeSteilen auSgeschaltet wissen. Die Kammer trat sodann in die Beratung deS Gemeindesteuergesetzes ein. Der dreiundachtzigsährige Abg. M üllinger gab ein Bild der hessischen Kommunäl- steuergesetzgebuna wahrend der letzten 50 Jahre und erklärte sich im allaemeinen mit der Vorlage einverstanden. Abg. Ulrich bekämpfte den Grundgedanken der Vorlage, der die Verteilung der kommunalen Steuerlasten auf dem Vwinzip der Leistung und Gegenleistung der Gemeinde auf- vaut. Lediglich die Leistungsfähigkeit des Steuerzahlers komme in Betracht. Scharf wendete er sich gegen den Frhrn. v. Hehl, der in der ersten Kammer die Steuerpolitik der Neuerung vom Standpunkt der monarchischen Interessen bekämpft und dafür eine Zurechtweisung vom Lande s h e r r n sich zugezogen habe. Abg. M o l t h a n erllärte die Zustimmung seiner Zentrumsfreunde zur Regierungsvorlage, wenn auch a-egen einzelne Bestimmungen Bedenken bestehen, und verteidigte den Vorschlag der Regierung, für die Gemeinden auch das Prinzip der Leistung imb Gegenleistung zur Geltung kommen zu lassen; er trat für Steuerfreiheit der Genossenschaften und Konsumvereine ein. Steuerlich belastet werden sollen dagegen die Konsumvereine mit offenen Verkaufsstellen, weil bei diesen der gewerbliche Charakter und der Wettbewerb mit den Gewerbetreibenden offen in die Erscheinung tritt. Der Redner äußerte Be- denken gegen die Einführung der Kapitalsteuer, die Preußen in seiner Kommunalsteuergesetzgebung nicht kenne unb namentlich für die Grenzstädte hinsichtlich deS Zuzuges von! Rentnern eine Quelle der Verlegenheiten sein werde. Der nationalliberale Abg. Windecker (Friedberg) schloß sich im allgemeinen den Ausführungen des Vorredners an; er verteidigte den Frhrn. v. Heyl gegen die Angriffe Ulrichs. Finanzminister Dr. Gnauth trat in längeren Ausführ- ungen der Rede Ulrichs entgegen und erllärte dessen Vorschläge als für die Regierung unverwendbar. Für die Reich S ta gsersatzwahl im Kreise Essen haben die Parteien ihre Kandida..n nominiert. Wegen des dort beendeten Bergarbeiterstreiks besitzt dis Wahl in Essen größere Bedeutung. Es war den liberalen! Parteigruppen gelungen, durch die Nominierung des sozialpolitisch den Anschauungen Naumanns nahe stehenden Rechtsanwalts Dr. Viktor Niemeyer zum Kandidaten eine recht zweckmäßige Einträchtigkeit herzustellen. Sowohl die Freisinnigen, wie auch die rechtsstehenden Parteien erklärten sich mit diesem Kandidaten einverstanden. Doch hat plötzlich die Eigenbrödelei der Christlich-Sozialen die mit der aussichtslosen Sonderkandidatur deS Arbeiterführers Behrens hervortraten, einen Strich durch die Eintracht gemacht. Die Sozialdemokraten haben den Genossen Gewehr-Elberfeld ausgestellt und das Zentrum den Arbeiter- sekretär Giesberts auS München-Gladbach. Die Aussichten sind nun völlig ungewiß. politische Wochenschau. ! Die französische Sondergesandtschaft deS i Generals de Lacroix in Berlin hat sich nach ihrer Heimkehr ht sehr anerkennender Weise über die Auszeichnungen und Ehrungen geäußert, deren Gegenstand sie wahrend ihres : Berliner Aufenthaltes war. Natürlich darf man sich indes 1 über die internationalen Beziehungen zweier Volker nicht ' durch einen gelegentlichen HöflichkeitsauStausch blenden lassen. Der „Gaulois" veröffentlicht eine Erklärung deS angeblich mit einer Spezialmifsion deS deutschen lüiserS in Paris beauftragten Fürsten Henckel von DonnerS- m a r ck, die dieser mehreren französischen Polltikern gegenüber abgegeben haben soll. Danach foll sich der Fürst be- llagt haben, daß Frankreich Deutschland gegenüber eine diktatorische Haltung einnehme, welche die Geduld beS Kaisers auf eine sehr harte Probe stelle und Schwierigkeiten herbeizuführen geeignet war. Der Fürst babe ferner der sranzös. Regierung oen Vorwurf gemacht, den Versuch ge- mackt zu haben, Italien von Deutschland abwendig zu machen und zwar auf Anraten Englands. Weiter soll der Fürst erllärt haben, die Abmachung Delcassäs mit England, sowie die von verschiedenen Blättern bekundete Auffassung über die anderen Punkte dieses Abkommens, endlich eine von Wnig Eduard in Paris getane Deußerung hätten dem Kaiser zu verstehen gegeben, daß der Hauptzweck der abgeschlossenen Entente cordiale die Isolierung Deutschlands sei und daß diese nur ein Vorläufer eines weiteren Angriffs gegen Deutschland war. — Diese Zeitungsnotiz enthält wohl ebensowenig Wahrheit wie die des „Intrcmsigeanll', der zufolge die Kandidatur des Prinzen Viktor Napoleon in Brüflel zum eventuell en französischen Kaiser in Berlin mit sehr günstigen Augen angesehen werde, zumal der Prinz auch in Frankreich zurzeit be- sonderS viel einflußreiche Freunde habe. Das ist offenbar nicht- weiter als höchst müßiges Geschwätz. Was man indes zurzeit in Frankreich für Absichten besitzt, darüber ist man allerdings noch im Ungewissen. Als Grundzug der Rouvierschen auswärtigen Politik wird freilich die rasche Aufklärung der beunruhigten Bevölkerung über die friedlichen Absichten der Republik bezeichnet. Rouvier will vermieden wissen, daß die alS wirtschaftlich vorteilhaft angesehene Entente cordiale mit England als eine die franco- russische Allianz störende Politik angesehen werde, eine Begriffsverwirrung, welche er alS Hauptursache der als beunruhigend in der zweischen Deutschland und Frankreich entstandenen Schwierigkeiten erachtet. Die Antwort, die er dem deutschen Botschafter Fürsten Radolin am gestrigen Sonntag erteilt haben soll, soll die von Deutschland erwartete sein, nämlich die Zu st immun g Fr an kr e i ch S zur Tangerer Konferenz. Andere Blätter versichern, Rouvier werde bemüht sein, der veränderten Sachlage entsprechend, auch England und Spanien für eine Konferenz zu gewinnen, mit der Motivierung, daß nur auf dieser Grundlage aus die in Aussicht genommene ruhige Auseinandersetzung zwischen Deutschland und Frankreich über die beiderseits in Marokko zu wahrenden Interessen möglich sei. AuS Tanger wird berichtet, daß der amerikanische Gesandte inbetreff der Frage der internationalen Konferenz von seiner Regierung bisher überhaupt noch feine Antwort erhalten habe. ..«<.»» < r 4 Von allen deutschen Parlamenten ist daS hessische das einzige, das stets mit besonderer Vorliebe die beißen Sommermonate sich erwählt, um seine Beratungen zu pflegen. War es denn durchaus nötig, eine ganze Reihe von noch unbedingt zu erledigenden Gegenständen bis auf den alleräußersten Termin zu verschieben, da für Mitte Juli der Schluß der Sitzungsperiode des 32 Landtags und im Spätjahr die Neuwahlen zum 33.. Landtag bevor- stehen? Bei einer, wie man meinen sollte, vorwiegend tech- Kor wenigen Tagen hat Frau Irene Triesch ihr an dieser Stelle schon kurz erwähntes jüngstes Frank- furter Gastspiel beendet, und gerade an den letzten Abenden als Elga in Hauptmanns gleichnamiger ftagmen- tarischer' Dichtung, die rauschendsten Beifallsstürme des Jm^ersten ^este"d erlaufend en Jahrganges der „Neuen Kundschau" (Berlin, S. Fischer) las man auf der ersten Seite „Elga, Drama von Gerhart Hauptmann . Die Begier der Freunde unserer modernen Literatur war gererzt -.wch schon die nächsten Beiten machten stutzig Sie lauteten. Die nacbsolaendsn S,enen ftnb entworsen in der Zeit vom ai 1896 IUM 8. Februar 1898. Der Autor entschließt sich, sie »u veäffentlichew" wL er irgend eine Weiterbildung des Bor- bandenen nickt beabsichtigt Der Entwurf ist durch eine Novelle von Grillparzer angeregt/ **) . Man hatte also keine neue, sondern nur eine bisher unveröffentlichte, in 4 Tagen entstandene Schöpfung Ha.ipt- mann? vor sich, einen nicht zur völligen Ausgestaltung ge- diehenen Entwurf, nachempfunden einer Prosadichtung eine« der Groben des deutschen PamaffeS. D,e Bedenken waren da. Schließlich verstand doch Grillparzer auch em bischen vom Drama. Warum hatte er nicht schon seinen Stoff für die Buhne gestaltet, sondern ganz gegen seine Gewohnheit schlecht und recht eine uraltmodische Novelle biedermänmsch erzählt? Er hatte sich doch wohl gesagt, daß diese Joee nach seinem Gefühl zur dramatischen Behandlung sich nicht eigne. un sind ja viele schon längst sich em,g m der Ucberzei.gung, L.6 Hauptmann, der ernsthafteste und nach dem Höchsten trachtende unter unseren heutigen Poeten, unrecht daran tut, lein starkes Talent ganz dem Drama zu unterwerfen, während eg doch viel mehr znr feinen, seelenkändcnden Novelle, zur ties- gestimmten Gedankenlgrik neigt. Er aber rmgt nun einmal mit zähem Eigensinn um den Lorbeer des DramatllerS. Immer wieder unternimmt er neue Expeditionen im Golfe des Schauspiels zur Entdeckung noch ungekannter Inseln von •) Durch Raummangel verspätet. **) „Das Kloster bei Sendomir^, Grillparzers Wecke, Bd. VII, H. w. Cotta in Stuttgart. nischen Materie, der sog. lex Friedberg, d. h. dem Gesetzentwurf üver die Errichtung und Leitung von technischen Unterrichtsanstalten, kames zu einer poli- ttschen Erörterung bei der Generaldebatte — dank vor- ~ rhremen, ihre Ansichten möglichst und bei i zum Ausdruck zu bringen. Getreu den Grundsätzen seiner Partei trat der Sozialdemokrat Dr. David für die Ausländer an unseren Hochschulen, allerdings nur in beschränkter Zahl, ein, denen er alle möglichen guten Eigenschaften gegenüber den in- ändifchen Studenten imputierte, und er verflieg sich dabei ogar zu der Behauptung, daß die Ueberflutung oer Hoch- chulen durch die Ausländer im wesentlichen dem Zaren zuzuschreiben sei, „dessen Anwesenheit bei uns immer einen Hauch von russischem Absolutismus und Belästigungen des Publikums durch die Polizei mit sich brinae?" Der Ordnungsruf des Präsidenten blieb natürlich nicht aus. Herr Köhler aber zog Nauheim in die Debatte und meinte, es sei verkehrt, den Ausländern Gelegenheit zu geben, aus deutschen Kassen ihre Krankheiten zu heilen. Trotz dieser und anderer Abschweifungen gelang es, die Vorlage, welche die Verhältnisse an den technischen Unterrichtsanstalten einheitlich, aebr durchaus nicht engherzig regelt, in den Hafen der Annahme zu bringen, und zwar int wesentlichen nach der Regierungsvorlage; als neue, bezw. abgeänderte Be- " 1 *;erte man noch einen Antrag von SchtzetM rv-üch mtt Itonafrne M Sonntag«. J a a aa a a T AA Rotatton«>nrck and Verlag be vrühllcha» ». ... ........ »Anzeige, thermal wöchentlich beigelegl. D« W ff gi uL, B B 1L, W N vk, Redaktion. ExpedMo» u. Druckerei Schutstt-A. eQclßlty U86öUF Erscheint monatlich einmal, W Xet 0U. U Idtgu-ttlta. 4 Anzeig« »ufcflb General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Gießen. Kursbericht Frankfurt a. M., 17. Juni Offizielle Schlusakurse. . 67.65 4'/i°/o äussere Argentiner Tendenz: schwach. I-.. Schiffsnachrichten. E 11 66.85 67.20 88.20 136.30 54.50 44.70 s a 8V8% 3% 8V.°/o 8% W/o 8°/o Mexikaner 4*/«% Chinesen . Electric. 8ohnokert Nordd. Lloyd . . Krediiaktien . . Diskon to-Komm andit Darmstädter Bank ’ Dresdener Bank . Berliner Handelsges Oesterr. Staatsbahn Lombarden . . Gotthardbahn « » Lanrahütte . . Bochum . . . B arpener , . . Staatschatzscheine . . 101.85 . . 90.35 . . 101.45 Reiohsanleihe do. Konsole . do. . . Hessen Oberhessen 4°/o Italien. Rente . . . 4% Portugieser I . . . 3°/ • Portugiesen. UI . . 156 Unif. Türken . . . Türkenlose...... 456 Griech. Monopol.-Anl. Hermann von Lingg t» Der Nestor unter den deutschen Poeten, Hermann v. Lingg, ist am 18. b. M. m München an Herzlähmung gestorben. Er hat ein Alter von 85 Jahren erreicht Seine letzten Lebenswahre waren für ihn eine Qual. Die Last seines Alters bedruckte Geist und Körper und langsam siechte er dahin. Leit Jahren lutt er sein Zimmer nicht mehr verlassen. Zn seinen Jugendiahren war er Militärarzt, doch schon im Jahre 1850 lieb er sich pensionieren und lebte fortan ganz seiner Muse. Er hat auf den verschiedenen voetifchen (gebieten ein Talent von eigentümlichem Gepräge, . 90.45 . 100.75 . 99.00 . 102.15 . 96.70 . 137 00 . 124.00 . 208.10 . 190.30 . 141.25 . 156 25 . 170 10 . 142.90 . 18.60 * 266*00 . 251.00 . 213.50 . 100.60 kums bis zur letzten Szene, die uns den aus schwerem Schlafe erwachenden Nitter des Einganges wieder zeigt, die Dichtung unklar bleiben. Trotzdem war, wie gesagt, der Beifall überaus stürmisch. Ob er ein Zeichen war von einer unbestimmten Hauptmann- Schwärmerei, oder ob er der Dichtung, oder allen Darstellern oder nur der Triesch galt, das läßt sich nicht entscheiden. M. E. ist der Dichter wieder, wenn man sich an feine entschuldigenden Einleitungsworte hält, hohen Lobes würdig. Nicht so der Dramatiker. Die beiden oben kurz erwähnten Szenen, die ganz fein geistiges Eigentum sind, besitzen eine faszinierende Kraft und sind im Auf- und Ausbau geradezu genial. Alles übrige ist Stückwerk. Der Ausgang der Traumtragödie zeigt wieder, im Gegensätze zum Grillparzer'schen Vorbilde, besonders deutlich den vorhin schon beklagten Feminismus, der uns den rechten Abschluß vorenthält, allerdings aber dem Charakter des „Helden" entspricht. Vielleicht ist indeß auch dieser Schluß nicht über den „Entwurf" hinausgekommen. Das Ganze aber ist, trotz der nervenbeklemmenden zweiten Hälfte, durchaus kein „Drama", sondern vielmehr eine theatersremde originelle Unheimlichkeit in Dialogform mit balladesken, darum dramatischen Anklängen. Die Triesch machte sich eine Freude daraus, ein mit Eiseskälte männerverderbendes, wollüstiges, von Grund aus unzüchtiges, mit allen niedrigen Instinkten verschwenderisch ausgestattetes Weib, den urechten Evatypus sarmatischer Decadence mit allem ihrem ungeheuerlichen darstellerischen Raffinement auSzuputzen. Und es gelang ihr, ein Wesen auf die Bühne zu stellen so verabscheuenswerter Art, daß man an diesem Abend wohl hätte das Gruseln lernen können. Ihre darstellerischen Kräfte scheinen immer noch zu wachsen. Eine unerbittliche Konsequenz lag in der fürchterlichen Gesamtdurchführung dieser blutsaugerischen Tigerkatze. Und sie allein verstand eS auch, namentlich in jener großen Szene mit dem betrogenen Gatten und ihrem Geliebten, das Traumhafte der Geschehnisse durch kleine kluge Nüancen anzudeuten. Aber fte scheint neuerdings, mehr noch als früher, ihr allein in der hohen Lage berückendes Organ geradezu zu malträtieren. Fuweilen klang's, als risse die G-Saite einer Meistergeigc mit greulich schrillem Tone. Dann wieder, und namentlich eingangs hatte ihre Stimme barbarische Rauheit und Härte, aariz ohne Not, ja zweifellos entgegen allem dichterischen Willem Ihre Auffassung der Elga hat ihre Berechtigung, ranzdosef BITTERQUELLE. von ärztlichen Autoritäten seit Jahrzehnten ab sicherste natürliche Hbfuhrm.^^ Die ^)irecfton mBudapest. Für Haushalh.Kücheisfdiecondensirte Alpenmilch Nestle unentbehrlich,säuerF nicht, stets gebrauchsfertig alt Sahne f.Kaffee aTee,als Milch f. Kakao,Chocol.&Speisen. umsomehr als sie nicht um ein Atom von ihrer Richtschnur wich. Aber man kann sich sehr wohl auch eine andere, eine blonde Bestie, rautendeleinhaft lieblich, in ihren äußeren Manieren bestechend, harmlos scheinend, als Elga vorstellen von jener triebhaft unbewußten Verdorbenheit, die alle ihre Niedertracht mit selbstverständlicher Anmut übt und die um so gefährlicher ist, als sie nichts zur Schau trägt von der raffiniert grausamen Häßlichkeit dieser Weibseele, mit der die Triesch, wohl um die Grellheit des Traumbildes zu betonen, die ganze Bühne nachsichtslos überflutete, llebrigens hat die Elga Hauptmanns einmal Gewissensbisse. ^Diese Szene, mit ihrer Zofe in ihrer Kemenate, ist weitaus die schwächste der Triesch. Von den übrigen Darstellern zu reden nach dieser langen Rede ist von Uebel. ES sei nur gesagt, daß Herr Kirch als diese Art von einem Othello im Rechte seine kleinen Außenkünste spielen ließ und daß seine Rede diesmal vielleicht ein bischen weniger affektiert klang als sonst, während Herr Fri cke zu meinem Erstaunen die verhaltene Leidenschaft vortrefflich meisterte und das Schwerblütige des licbebeglückten Moriturus mit bester Wirkung hervorhob. Frau Mondthal zeigte sich wieder als gute Sprecherin. Die lüsterne Gemeinheit der Zofe kam dagegen in der Darstellung des Frl. Harnisch seger nicht zum Ausdruck. Die Regie, die sich gar eng an die Berliner Inszenierung hielt, arbeitete sogar mit Vogelsang und ähnlichen Außeneffekten. Was sie unterließ, das war das Ritardando. Gleich in der ersten Szene erschien gar zu bald der Mönch, und auch sonst geschah manches, was durch allzu hastige lieber- gänge die Stimmung beeinträchtigte. Darstellerisch hätte sie für eine starke Nuance Maeterlinck, für einen geheimnisvollen Flüsterton, für den Eindruck des Schattenhaften, Marionettengleichen der Gestalten Sorge tragen sollen. P. W. 3 7,56 456 Oesterr. Goldrente . nennt man mit Recht die seit Jahren fl.B-lIli.lvl 11 tjllIlLl oort hervorragenden Kinderärzten em- pÄüb=bunneÄeit Myrrholinseife. bVi, Bureau Herold. D. Red.) übersteigt den Betrag seiner Triefte» Verbindlichkeiten. Die italienische Stadt Udine setzt er durch nnalgnbliche Narrheiten in Verbliisstina. dentokraten seien nur bezahlt e Söldlinge anderer Leute — Dr. Ellenbogen: Sie frecher Verleumder! Sie frecher Bordellritter!" — .M wurde mir weiter vor geworfen, daß ich Kognak trinke. (Heiterkeit.) Erstens trmke ich keinen Kognak, sondern guten Wein. (Erneute Heiterkeit.) Wein ist ein Sendling der Sonne, »er mit seiner duftigen Säure himmlisches Empfinden in das har /.eplagte Menschenherz trägt." (Schallendes Gelächter und ironil' vermachtes« * Unwetter. Ein schweres Gewitter ging am Samstag abend über Bielefeld und Umgegend nieder. In Vlotho tötete der Blitz einen 12 jährigen Schüler, in Wallenbrück das Ehepaar Otte. In Lenzinghausen und Bardüttings- dorf zündete der Blitz und äscherte zwei Häuser em. — In Duderstadt entstand inWe eines Blitzschlages Feuer in der Wohnung des Landwirtes Bremer. Bremer und sein vieriährrges Söhnchen verbrannten. — Auch in Lemberg richtete em nachts niehergeaanaeuer Wolkenbruch kolossalen Schaden an. Alle Straßen dn inneren Stadt sind unter Wasser gesetzt, die Pflastersteine wurden herausgerissen. Das Wasser drang in bte Keller- rÄumlichkeiten und Tonterrains 'zahlreicher Kaufleute ein ^n den Vorstädten mußten die Bewohner auf die Dächer der Häuser flüchten; mehrere Gebäude wurden stark beschädigt. Man befürchtet Verluste au Menschenleben. — In Gran hat ein heftiger Wolkenbruch und Hagelschlag an den Saaten großen Schaden angerichtet. Das Wasser überschwemmte einen Teil der Stadt. * Cyklonverheerungen in Kon stantinopel. Die türkische Hauptstadt wurde am 15. und 16. d. M. von Unwettern heimgesucht, wie seit Menschengedenken nicht erinnerlich rft. Ein Cyklon, der an beiden Tagen nur 20 Minuten anhielt, richtete große Verheerungen an. Gegen 50 Häuser stürzten ein, wobei 20 Menschen umkamen und über 100 b er wundet wurden. Zwei Minaretts stürzten ein und unzählbar sind die Cypressen und sonstigen Bäume, welche entwurzelt wurden. Auch mehrere Schissszusammenstöße fanden statt. Entsetzlich war das Geheul der wilden Hunde auf den Straßen. Faustdicke Hagelkörner zerbrachen alles, was ihnen in den Weg kam. Die zerschlagenen Fensterscheiben sind kaum zu zählen. * Ein stolzer Bauer. In den letzten Jahren ist oft über den Rückgang der bäuerlichen Tracht geklagt worden. Man hat versucht, durch Gründung besonderer Volkstrachtenvereine diesen Rückgang aufzuhalten. Um so erfreulicher ist die Wahrnehmung, daß es doch noch Bauern gibt, die stolz auf ihren Beruf find und sich nicht schämen, selbst in vornehmster Gesellschaft, ihr' bäuerliche Tracht zu tragen. MS vor kurzem zum 25 jährigen Jubiläum des Großherzogs von Baden als Protektor der badischen Militärvereine sämtliche Gau Vorstände des M ilitärvereinsverbaudes zur Hoftafel befohlen wurden, wurde auch der. Bürgermeister von Hesselhurst in der Nähe von Straßburg mit einer Einladung beehrt. Der Bürgermeister ist ein Deiner Landwirt mit einem Besitz von etwa zehn Hektar, aber er ist ein stolzer Bauer und scheut sich nicht, noch heute die rote Weste und die goldverbrämte Pelzkappe mit großer Würde zu tragen. Er berichtete, wie der in Engen erscheinende Legauer Erzähler mitteilt, dessen Redakteur selbst bei der Hoftafel war, cm daS Präsidium des Militärvereinsverbandes, daß er der fürstlichen Einladung gerne Folge leisten wolle, aber einen Frack habe er nicht. Das Präsidium trug die Sache dem Großherzog selbst vor. Dieser entschied, daß der Bürgermeister von Hesselhurst auch in seiner bäuerlichen Tracht zur Dostafel kommen dürfe, und er zeichnete diesen Bauer, dessen eracht sich von den Generalsuniformen und den goldbestickten Fräcken nicht zu ihrem Nachteil abhob, durch ganz besondere Liebenswürdigkeit und Herzlichkeit aus. * „DerKaiser der Sahara". Der wegen Nichtbegleichung' seiner Schulden und seines exzentrischen Betragens in den letzten Tagen von her Polizei zu Triest streng bewachte „Kaiser der Sahara", Lebaudv ist von dort nach Görz entflohen und wurde dort auf dem Polizeikommissariat einem Verhör unterzogen, dann jedoch wieder freigelassen. Jetzt hält er sich tn Udine auf. Lebaudv hat eine Anzahl Gepäckstücke sonne mehrere arabische Diener und eine Anzahl Pferde in Triest zurück- gelassen D-w Wert dieser G e a e n st ä n d e. ssaat sehr fchön das düsterem Kolorit und weiten weltgeschichtlichen Ausolicken tn allen seinen Werken gezeigt. In feinen lyr. Schöpfungen klingt immer wieder der Ton der Ode oder Hymne an. Die besten Erzeugnisse seiner Lyrik werden unvergessen bleiben, wahrend seine monströse epische Dichtung „Die Völkerwanderung', tue eine Fülle von Geist und Wissen birgt und reich ist an lyAchen Schönheiten, wegen ihrer Uneinheitlichkeit und Weitschweifigkeit sich keinen dauernden Platz in her Literatur zu erwerben vermochte. — In Halle a. S. überreichte ein Ungenannter dem Ma- g-istrat 50000 Mark als Grundstock für eine Gemäldegalerie. — Meister der Farbe. II. Jahrgang, Heft 16 unb>17. Leipzig, E. A. Seemann. — Durch ihre mustergültige farbige Wiedergabe her bedeutendsten Gemälde der Gegenwart, durch ihre weitgespannten Gesichtspunkte, die alle hervorragenden Erscheinungen der modernen internationalen Malerei in ihren Betracvtungsrrers steht, ist diese Zeitschrift die vornehmste Dienerin einer ästhetischen Kultur, deren Hauptwerk auf die Anschauung vollendeter Schöpfungen gelegt wird. Das ehrwürdige Selbstporträt des Wiener Altmeisters R. von Alt, mit dem das 16. Heft der Sammlung beginnt, mutet an wie eine ehrfurchtsvolle Gedächtnisrede, wie man sie teueren Toten am Grabe hält. Hevesis Plaudereien über den ver- ftorbenen Meister ergänzen in ihrer Art dies schöne Büd und schildern mit großem Humor Schwächen und Vorzüge des erlauchten Toten. Die neue österreichische Kunst ist durch eine lachende Land- schäft Slabys „Ter Frühlingstag" und durch eine Winterlandschaft her talentvollen Malerin Zdenka Braunerova in Prag würdig vertreten. Tas beste Blatt dieses Heftes ist aber das „Frühlingsidyll von Max Pietschmann. Ein Faun bringt auf einer Birke kauend einer irst Grase sitzenden, kranzwindenden Nymphe ein Ständchen. Es ist ein Stück glückseligen Arkadiens, in dem nur bte Jugend lebt. Zu welchen sonoren Akkorden sich hier die Farben verbinden! — Sonderbar mutet nach Pietschmanns Frühlingsidyll daS 17. Heft an, das der russischen Kunst gewidmet ist. Es ist, als wenn plötzlich die Sonne des Südens dem grauschweren Himmel, der über Moskau lagert, gewichen wäre. Wrubel, Maliawin, Lewitan, Jüan, Mussatoff und Grabar sind die Namen, bie hier vertreten sind. Alles Rusten; unter Tausenden würde man sie als solche h-rausfinden. Alle Rusien, und doch alle so sehr voneinander ver- schieden. Am meisten berühren sich noch die Landschaften, die em Stück des heimatlichen Bodens zeigen unb eben darum unverkenn- bar sind. Am interessantesten sind Michael Wrubel und Philipp Maljawin. Des ersteren „Prinzessin Schwan wirkt rote eine dämonische Naturaeroalt, die blau- Meere tm hohen Norden ,u Ets- bergen zusammengetürmt, des letzten „Bojarin tm Festschmuck ist ein'unerhörtes Farbenkonzert von flammendem Rot, tn das gelb« und arune Lichter lnuemsvielen. Aul den ersten Blick wirkt e3 rote Revolution, erst allmählich sieht man das, hier mit malerisch rasst- nierten Mitteln der Putz einer russischen Bäuerin illustriert werden soll. Besonders interessant ist noch der Text der Beilage, der den modernen Strömungen in der russischen Kunst gilt. Der Abonw mentspreis des Heftes beträgt 2 Mark, im Einzelbczug 8 Mark. Norddeutscher Lloyd. In Gießen vertreten durch Carl LooS, Kirchenplatz. Bremen, 8. Juni. (Per transatlantischen Telegraph.) Der Doppelschrauben-Postdampfer .Main", Kapitän C. von Borell, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, ist gestern 4 Uhr nachmittags wohlbehalten in Baltimore angekommen. , Keer und Motte. In hem neuesten preußischen OffiziosuS, hem Berliner Scherl- Anzeiger, wird jetzt, unter Verschweiguna her „Zukunft', mtt- ge teilt, haß bie von einigen führenden Persönlichkeiten unserer Gesellschaft, u. a. hem Reichsbankpräsihenten Kvch und Angehörigen her Berliner Finanzwelt gegebene Anregung, einen Fonds von 10 Millionen zu schaffen, aus dem her Kaiser unbemittelten Offizieren Zulagen gewähren könne, ist in den betreffenden Kreisen Nicht ohne Widerspruch aufgenommen und ein Beschluß darüber vertagt worden. (Wie man sich denken kann: ad Ealendas Gvaecas, d. h. auf Nimmerwiedersehen. D. R. d. „Gieß. Anz.") 4*/» 56 Oesterr. Silberrente . 101.00 456 Ungar. Goldrente • . 99.70 Arbeiterbewegung. Der Ausstand der Iigaretten-Arbeiterinnen unb Arbeiter in Dresden nimmt einen immer größeren Umfang an. In einer Versammlung der Arbeiter wurde mitgeteilt, bte Streikleitung verfüge über so hohe Summen, baß man einer Daue bes Ausstandes auf Wochen hinaus ruhig entgegensehen könne. Der Streik macht her Polizei viel zu schaffen, da noch nie so viele unb schwere Belästigungen Arbeitswilliger vorgekommen ftnb, wie be biefem Ausstanb. Hcrichtslaak. Leipzig, 18. Juni.' Wegen Herau§f orberung zum Duell würbe der Hauptmann a. D. K. A. Pilz zu einem MonatFestungShaft verurteilt. Zwei Studenten Hatter sich an die Frau heS damals noch aktiven Offiziers gedrängt und waren von dieser nicht abgewiesen worden. Obwohl der in seiner Gattenehre Gekränkte den jungen Leuten den weiteren Verkehr untersagte, hielten sie diesen doch aufrecht, und als sie deshalb gefor« dert wurden, bezeichneten sie den Hauptmann a l s nicht »satisfaktio ns fähig", worauf dieser den Abschied nahm unb den Weg der Privatklage beschritt, nachdem die Studenten eine abermalige Herausforderung unter schweren Bedingungen wiederum abqelehnt hatten. Er erzielte dieVerurteilung der jungen Leute zu 30 bezw. 20 M k. Geldstrafe !!! Zwischen den Ehegatten P. schwebt die Ehescheidung. Straßburg i. Els., 17. Juni. Ter kürzlich gemeldete Grenzzwischenfall bei St. Ail endete mit der Verurteilung der beiden Soldaten, welche betrunken die Grenze überschritten hatten, zu 40 Tagen strengen Arrests. Ein Unteroffizier erhielt 14 Tage Arrest, die übrigen 7 Angeklagten wurden freige- sprachen. steht, sich aus Linewitschs Anregung mit entern Protest- schreiben gegen die Beendigung deS Krieges ausgesprochen haben soll. Nach offiziöser Meldung hat Kuropatktn sein Bedauern ausgedrückt, daß die Semstwos der Städte die FriedenSaktion einleiteten, während die russische Armee die volle Ueberzeugung ihres Sieges hege. Der chinesische Gesandte in Petersburg hat dabei soeben seine Meinung dahin zum Ausdruck gebracht, daß Rußland Frieden schließen muß. Eine weitere Fortführung des Krieges wäre zwecklos, denn die Landarmee Sine* witsch sei von den Japanern umzingelt! Von einem russischen Siege zu Lande könne keine Rede sein. Auch von anderer Seite wird diese Meldung bestätigt. Nach einem Telegramm der Voss. Ztg. aus Tokio vom 17. Juni gingen die Japaner in einem hundert englische Meilen um- saftenden Kreise um Linewitsch herum und haben ihn völlig umzingelt. Sie rücken jetzt von allen Seiten gegen ihn vor, und wenn sie ihren Kreis eng zusammengezogen haben, dürfte Linewitsch die größte Schlacht verlieren, die im bisherigen Kriege geschlagen wurde. Die russische Presse weiß natürlich nichts davon, General Batjanow, Kommandant der 3. mandschurischen Armee, soll einen Korrespondenten versichert haben, er denke äußerst optimistisch über die Lage der russischen Armee und glaube, daß falls Japan im gegenwärtigen Moment nicht Frieden schließe, die Japaner im Laufe dieses Sommers aus der Mandschurei vertrieben werden würden. Eine Belagerung Wladiwostoks werde nur von kurzer Dauer sein. Die russische Armee sei durch gut ausgebildete Mannschaften komplettiert, während die Japaner durch die letzten Kämpfe sehr geschwächt seien. Der Seekrieg sei zwar verloren, aber der Landkrieg fange erst an. Dies wisse Japan und wünsche selbst den Frieden. Der Unionskonflikt zwischen Schweden und Norwegen harrt seiner endgültigen Erledigung. In Schweden findet die Scharfmacherpartei wenig Anklang mit ihren Kriegsdrohungen. Im übrigen find die Norweger sich dessen bewußt, daß der Bruch beleidigend für Schweden ist. Die Beleidigung aber wäre noch größer gewesen, wenn Norwegen zuvor die Auflösung der Union vom schwedischen Reichstag verlangt und dieser seine Zustimmung nicht gegeben hätte. Der rasche Bruch ist schmerzhaft, aber er schafft ein fait accompli, mit dem wohl tatsächlich allmählich alle Staaten rechnen werden. Kompensationen an Schweben in Gestalt einer Gebietsabtretung will Norwegen unter keinen Umständen geben, doch suchen Norwegens verantwortliche Staatsmänner eine Form, um dem schwedischen Reichstag eine Satisfaktion zu verschaffen, die freilich an dem Geschehenen nichts ändern dürste. Die Hoffnung auf Erlangung eines eigenen Königs aus dem Haufe Bernadotte ist in Christiama noch nicht aufgegebeu. Nene Skandalszeneu im Wiener Reichsrat. Wien, 17. Juni. Int ReichSrat kam eS gestern wieder zu stürmischen Szenen, hauptsächlich weil die Bemerkungen des Grafen Sternberg viele Abgeordnete zum Widerspruch reizten, während die Mehrheit ihn verhöhnte. Trotzdem reagierte der Graf gegen die Zurufe nicht; er sand auch heute kein Wort der Abwehr, alF Eldersch ihm zurief: „Einen so unflätigen Menschen, wie Sie sind, gibt es gar nicht mehr!" «Sternberg kam auf einen Borwurf zurück, den man ihm betreffs des Etablissements Brady machte, daS er allnächtlich besucht. Er hielt daraus folgende Rede: „Der Brady ist ein Lokal, das selbst Fürstinnen unb Gräfinnen besuchen. Käme der Abg. Schumeier hin, so würde er hinausgeworfen. Er kann nicht von mir verlangen, daß ich mich in Verbrecherspelunken herum- wälze, in denen er wahrscheinlich seine Tage verbringt. Er hat mir vorgeworfen, daß ich von fremdem Gelbe lebe. Tatsache ist, daß ich der einzige Aristokrat in Oesterreich bin, bet arbeitet. (Schallende Heiterkeit/» Ich verwalte ein ungeheures Vermögen, ich rebifliere ganz allein ein Wochenblatt, ich bin Mitarbeiter der größten Zeitungen Europas! (Stürmische Heiterkeit.) Ich mache den Arbeitern keine Abzüge von ihrem Schweiße und nehme keine Judasgroschen." Weiter bemerkt Sternberg, bie Sozial- o s s W s CD -2 e <53 e E E- E- Q E •5 D 2 . -cr — E X> >b ^ £ RR c-> .x x> Lo " S <3 ’E E oL) X> £ *ö — -E CD O E >8* c 'S M E => E «j> r- CD E SE _ E ■O £ E 'S E E o "5» . e) e E E E <5 >O «S O = ti E rH £ « £ Oft ’E -Cz o CTÄ* • *-> ’T O •gÄöS 5 e 5 WZ u> -o S ; f O O e.2. & -S E .E ä 5 3 = E e E »2-eE ’S >£? o s 2 ZN 5'S o ,5* c~> ro o *-— X> ;E- E iE «ft JE- ~ C3~ E COE RR RR ±? A _S O ’E C 2 E E on Sß •« E RR ö E 3 <53 2- Ä c-> E lcr^Q <5> q O.Z r= ^<7V " E — E O.C o Ö s 2 t>* «S *» «XS x 50, « o-o e t-4 §£=■$ s^s-8 •C - « b o -E • — RR §U>° ECO E vO 05 — «R —< x» kc vQ *5 iq .2c .c ^_, C O ®w E SSk « «« rfS- g S^r « jg . -07)^ -I O c c '—> ■M»s uE-cx RR so fi««. RR RR sr Ä « -e> 2 E E e 2 RR o a E o E E o L CQ.3 LS o* -2 E «3 — io £ cu EN RR cj JE- « o CD >o«K O Z N M x> o E 49/7) NEE E o . RR ‘ ‘ sa £? O =‘S •SÄ w JD UV <55 E *—♦ E RR t2 o Ci JO E X> E o x> E o C4 uz> CE X> 2 , o Gj S -E c ‘E- CD BÄJ E iE: to ® ° - w E o .E O Q N E E C.L (D g _. E C c -ö E cs RR ‘«E E -2 ’E RR Q-* jQ — c> "E »<5 jQ E Ö $2 E . jQ ”2 <53 jQ 1 B ~ T’S E E » U x) "E E «So* C CD jo O E E E "°E G S-> _5* w"^ 5 NHL XD 2. 4» "= . Oy® , E c-> CQ >O .E £B Räumungs-Ausverkauf v"/. A. Salomon & Cie., Schulstrasse 4. g 'S E< O) fl CD -r? ö s M -M CD :© fc © © cn S © N k- © 'S Aus Anlass des Neubaues unseres Geschäftshauses und einstweiliger Verlegung unserer Verkaufsräume nach „^äusburg 10“ veranstalten wir vom 14. bis 25. Juni einen N I 8- CO © C/2 CD ** N © e © ö -s © C/2 ■ C/2 .52 'S .a fl © *s © Pu. © 02 cn © ft O Rabatt wird an der Kasse abgezogen. Rabattmarken werden während dieser Zeit nicht abgegeben. Nur vom 14. bis 25 Juni und bei Barzahlung wird der Rabatt gewährt. © n M I E. unseres gesamten Lagers (ausgenommen Zwirn und Nähseide) mit 15 Prozent Rabatt MWtt BchmMchmiS Sitj». Garteustraße 2, Zimmer Nr. 14. (Geschäftsftrmden von 8—1 und von 3—6 Uhr.) Es find zu vermieten: 1 Wohnting von 7 Zimmern, 1 Wohnung von 6—7 Zimmern, 1 Wohnung von 6 Zimmern, 1 Wohnung von 5 Zimmern, 1 Wohnung von 3 Zimmern, 1 Wohnung von 2 Zimmern, 1 Wohnung von 2 Zimmern mit kleinem Laden, 1 Wohnung von 1 Zimmer, 2 unmöbL uivb 1 möbl. Zimmer. Zu mieten gesucht: 74 Wohnungen von 1—8 Rimmern Die Vermieter haben eine Einschreibgebühr zu entrichten und zwar für eine Wohnung mit einem jährlichen Mietwert bis 300 Wik. einschließlich 0,20 Mk., von mehr als 300 Mk. bis 500 Alk. einschließlich 0,50 Mk., und von mehr als 500 Mk. 1,00 Mk.; außerdem ist für jede Wohnungsanmeldung 1,00 Mk. zu Hinterlegern Für die Wohnungssuchenden erfolgt die Vermittelung unentgeltlich. ___________________________________________ /« Heugrasv ersteig ernn g. Mittwoch, den 21. Juni, nachmittags 5 Uhr soll in Ort und Stelle das diesjährige Heugras von der fiskalischen Sorauiviese versteigert werden. Treis a. d. Lda., den 17. Juni 1905. Großherzogliche Oberföcsterei Treis. Schneider. Bie/e Arbeitsnachweis der Stadt Gießen Oavtenstratze 2 (BKrgermeistereigebLude) Zimmer Nr. 14. Der Arbeitsnachweis hat die Ausgabe, -wischen Arbeitgebern und ArbeiMehmern (Arbeitern jeglicher Art, Dienstboten und Lehrlingen) unentgeltlich Arbeit zu vermitteln. An den Werktagen von 8 bis 1 Uhr und von S bis 6 Uhr geöffnet. ES könne» eingestellt werden: 1 landwirtsch. Knecht, 2 Spengler, 1 Eisendreher, 1 Schmied, 2 Schlosser, 1 Möbelschreiner, 5 Lackierer (auswärts), Schreiner, 2 Schuhmacher, Schneider, 1 Wäscherin, 2 Glaser, 1 Installateur, Erdarbeiter, mehrere jugendliche Arbeiter, 1 Hausbursche oderDiener, 1 Köchin, 5 Dienstmädchen, 2 Laufirauen-, oder Mädchen. Es suchen Arbeit: B1T/e 1 Schmied, 1 Schreiner, 1 Wäscherin. 1 Fabrikarbeiterin, 1 Stickerin (Privatarbett), Hausburschen, Arbeiter sür leichtere Arbeit, 1 Haus- oder Bureaudiener, 1 Köchin, 1 jüngeres Dienstmädchen, 2 Laustrauen. Lehrlinge: 1 Spengler, 1 Schlosser, 1 Mechaniker, 1 Wagenlackierer, 1 Wagner, 1 Buchbinder, 1 Lackierer, 1 Schreiner, 1 Schneider, 1 Schuhmacher, 1 Friseur, 1 Buchhändler, 1 Kellner. Kartoffeln inagnum bonum, prima Ware, empfiehlt billigst J. Weisel, Sonuenstraste 6. Telephon 235. 3040 Visitenkarten liefert rasch und billigst Brühl sche Umv^DruckercL Submission. Für unsere Klinik soll die Lieferung von Weißzeug» und Kleidungsstücken auf dem Wege der öffentlichen Submission vergeben werden. Die Bedingungen und der Ministerialerlaß vom 16. Juni 1903 liegen nachmittags von 3 bis 5 Uhr auf dem Verwaltungsbureau offen. Angebote, versiegelt und mit der Aufschrift: Angebot ach Weißzeuglieferung" versehen, sind mit den Mustern bis zum 7. Juli d. I., vormittags 12 Uhr, zu welchem Zeitpunkte die Eröffnung der Angebote stattftnden wird, auf dem Verwaltungsbureau abzugeben. Die Zuschlagsfrist beträgt 14 Tage. Gießen, den 13. Jun: 1905. Großherzogliche Verwaltungs-Direktion der chirurgischen Universitäts-Klinik. Poppert.BW, ISääii,ör reisende HOSDIZ Damen 6 tm evang. Schwesternhaus, tiieseen, lohaoneietr. L täin fu^we/ssfüeinWund/di/fen! (mje führt in der deutschen u. ästerr. Armee rvd, Von heute ab unterstellen wir unser gesamtes Lager einem Inventur-Räumungs-Verkauf Alle von uns geführten Artikel der Wüsche- und Bettenbranche sind während dieser Zeit im Preise wesentlich herabgesetzt. C. Röhr L Co. Giessener Konzert-Verein. Zehntes Konzert Zweiter Chor ab end In der Turnhalle, Steinstrasse 3 am Mittwoch dem 21. Juni 1905, abends 5'4 Uhr präzise Hauptprobe am Dienstag dem 20. Juni 1905, abends 51/iUhr präzise Ole Legende von ftiligen Elisabeth Dichtung von Otto Boqnette, in Musik gesetzt von Franz Llsst Klitwirkendei Dirigent: Herr Uni vereittta-Mnrfk direkter G. Trantmann. Solisten! Fräulein Marie Bnejneger (Sopran) aus Bremen, Frau Professor Mathilde Schmidt (Mezzosopran) ans Halle a. d. 8., Herr Otto Süsse (Base-Bariton) aus Wiesbaden. Chor: Der Akademische Gesangverein. Orehesten Das Verel»«Orchester (Kapelle des Infanterio-Reghnente »Kaiser Wilhelm* (2. Groesh. Hess.) 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