Kr. 116 Erstes Blatt. 155. Jahrgang Donnerstag 18. Mai 1905 Gchulstratze 7« Adresfe für Depeschen: Anzeiger Gieße». Kernsprechanschluß Nr. 61. wettet tietie außer Sonntags. JDem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem kesfischen Landwirt die Siebener Zamikien« Itottet viermal in der Woche beigelegt. Rotationsdruck u. Verlag der Brühl'schen Umverf.-Buch-u. Stein* druckerri. 9t Lange. GietzenerAnzeiger ** General-Anzeiger w Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen monatlich^ Pf^ vierteljährlich Mk. 8L0; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch diePost Mk.2.—viertel- jährl. ausscht Bestellg. Annahme von Anzeigen ’iit die Tr ^annrer 'S vo^mittags t 'iür. Zc^envreiS: airSwärtS Sfj. Verantwortl'ch füt den volit. und cJaeiit» teil; P. Wittto: für .Stadt und &mb* und .(SerichtSsaal^: August Goetz; für den An* zeigenteil: HanS Beck- Die heutige Yummer umfaßt 8 Seiten. Gießen, den 16. Mai 1905. BeLr.: Fortbildunglehrgang für Zeichenlehrer. Die Großh. Kreisschulkommission Gießen an die Schulvorstände des Kreises. Wir ersuchen Sie, die Lehrer, die an einem Fortbildungslehrgang im Zeichenunterrichte während des laufenden Sommers teilnehmen wollen, zur Meldung dis 15. Juni l. Js. aufzufordern. Dr. Breidert. Bekanntmachung. Die Mitglieder des Kreisziegenzuchtvercins Gießen und diejenigen, welche Mitglieder werden wollen, werden hiermit benachrichtigt, daß die Ankörung der Ziegen und Lämmer durch die Zuchtinspektion im Monat Juli l. Js. vorgenommen werden wird. Anmeldungen hierzu werden von dem Direktor des Kreisziegenzuchtvereins Herrn A. Nöding, Lokomotivführer i. P., Niegelpfad 20, stets entgegengenommen. Gießen, den 16. Mai 1905. Der Vorstand des landw. Bezirksvereins Gießen. Der Krieg. Die Geschwader Roschdjestwenskis und Nebogatows. Saigon, 17. Mai. Admiral Jonquißres ist an Bord des Kreuzers „Guichen" nach Saigon zurückgekehrt. Eingezogene Erkundigungen ergeben, daß Noschdjest- wenski für die Polemik bezüglich der Neutralität unverhohlene Mißachtung an den Tag legt. Er handelt, als ob seine Aufgabe ihm völlige Unabhängigkeit gebe und hat erklärt, er operiere ganz nach seinem Gefallen. Die ihm wegen seines Vorgehens gemachten Vorstellungen üben auf ihn keinen Einfluß aus. Auf seinem Geschwader herrscht eiserne Disziplin. Der Korrespondent der Pariser Zeitung „Journal" in panoi, dessen Schiff bei Port Dayot vom rechten Kurse abgekommen war, wurde von dem russischen Geschwader angehalten. Nachdem er den Sachverhalt aber aufgeklärt hatte, bereiteten ihm die Russen eine herzliche Aufnahme. Die Offiziere sagten, sie seien seit Februar nicht mehr an Land gegangen; sie machten sich auf eine baldige Schlacht gefaßt. Die vereinigten Geschwader seien im Begriff, nach Wladiwostok zu gehen. Das Geschwader Nebogatows macht einen unsauberen, veralteten Eindruck. Die Gesamtzahl der Schiffe der Flotte beträgt sechszig. Die französische Neutralität In der Antwort Frankreichs auf die Vorstellungen der japanischen Regierung ist, wie aus Tokio gemeldet wird, mitgeteilt worden: Der Admiral Jonquiöres kreuzte, wie er meldet, am 13. und 14. Mai an der Küste von Annam zu dem Zwecke, russische Kriegsschiffe zur Weiter- fahrt zu veranlassen, falls er solche antreffen sollte; er stieß jedoch auf keine in den indochinesischen Gewässern von Saint Jacques bis Turan, ja auch bis Jowanedy hin, am nördlichst gelegenen benutzbaren Ankerplatz, wurde kein russisches Kriegsschiff bemerkt. Indessen kommt heute gleichzeitig die Meldung aus Tokio, daß Japan zum dritten Male bei Frankreich wegen des Verbleibens der russischen Flotte in den Gewässern Jndochinas protestiert habe. Die Franzosen scheinen sich in der Frage etwas von der Gleichgiltigkeit Roschdjestwenskis zu eigen gemacht zu haben. Eine Seeschlacht? Amoy, 17. Mai. (Reuter.) Die Frauen und Kinder werden von den Pescadores-Inseln nach Formosa gebracht. Man glaubt, daß ein Teil der japanischen Flotte unterhalb Formosas kreuzt und während der Nacht von hier Befehle erhält. Ferner nimmt man an, die Japaner beabsichtigten, die russische Flotte südlich von Formosa in einen Kampf zu verwickeln. Petersburger Gerüchte. Für das Verhalten weiter Kreise gegenüber den Ereignissen auf dem Kriegsschauplätze ist typisch das fortwährende Auftauchen unkontrollierbarer Gerüchte über die Ab berusung verschiedener He er- und Fl ottensührer. Unlängst wurde Kuropatkins Abreise gemeldet, doch war darüber nichts Sicheres zu erfahren. Tatsache ist nur, daß sein Adjutant sich dem Kaiser vorstellte. Dann sprach man von der Abberufung des Generals Kaulbars und neuerdings meldet der „Peters- burgski Listok", Roshestwenski habe wegen Nervenüberspannung den Kaiser um Abberufung gebeten. Laut in Kronstadt kursierenden Gerüchten werde an seiner Stelle der Kommandant von Kronstadt, Birilew, ernannt. Beschlagnahmen der Japaner. Tokio, 17. Mai. Der en glisch e Dampfer „Linchiden" wurde Montag südlich von Korea beschlagnahmt; an demselben Tage nahmen die Japaner den französischen Dampfer „Quaneynam" in der Nähe der Pescadores- inseln fort. Es liegt keine Meldung vor, wohin die Ladung der Schiffe bestimmt war. Rußland in Sturm und Drang. Petersburg, 16. Mai. Das Ministerkomitee beriet von den am 12. Mai angekündiaten Materien nur die Einzelheiten der Jndenfrage, besonders das Aufenthaltsrecht der jüdischen Handwerker. Es wurde beschlossen, allen jüdischen Handwerkern die Erlaubnis zum Aufenthalt an allen Orten zu gewähren. Diese Erlaubnis genossen bisher nur'jüdische Handwerker mit Zeugnissen der Handwerksämter. Weiter wurde beschlossen, die jüdische Frage in ihrer ganzen Ausdehnung bis zur Einberufung der Volksvertreter aufzuschieben. Petersburg, 17. Mai. Der Gehilfe Pobjedo- noszews, Senator Sabler, verläßt diesen Posten, da er wegen des Erlasses des Zaren über die Glaubensfreiheit in Meinungsverschiedenheiten mit Pobjedonoszews geraten ist. An seine Stelle soll Fürst Schirinski Schichmatow, der Gouverneur von Twer, treten. Ms Li bau wird berichtet, daß es anläßlich des Geburtstages der Kaiserin Alexandra zu heftigen Tumulten kam. Die Jlluminationsanlagen wurden zerstört, mehrere Fenster eingeschlagen und ein Polizist schwer verletzt. Bei Zdaka brannten die Bauern einen Meierhos nieder und versuchten auch die Zuckerfabriken in Brand zu stecken. Ufu, 16. Mai. Der Gouverneur, General Sso- kolowsky, wurde während eines Zwischenaktes einer Theateraufführung im öffentlichen Garten durch mehrere Revolverkugeln schwer verwundet. Der Täter ist entkommen. Der Zustand des Gouverneurs, der bei vollem Bewußtsein ist, ist sehr bedenklich. Bizegouverneur und Staatsrat Bugdamowitsch übernahm die Geschäfte des Gouvernements. Der Mörder des Großfürsten Sergius. Das russische Revolutionsorgan „La Tribüne Russe" in Paris erhält einen sehr ausführlichen Bericht über die Verhandlung gegen den Mörder des Großfürsten Sergius Kalajew, welcher in geheimer Verhandlung zum Tode verurteilt worden ist. Kalajew ist 30 Jahre alt, von mittlerer Größe, mager, mit blondem Haare. Er frappiert durch seine Ruhe nnd durch den Ton der Verachtung, mit welchem er antwortet. Der Präsident fragt ihn: Angeklagter Iwan Kalajew, haben Sie den Anklageakt erhalten? Kalajew: Ich bemerke vor allem, daß ich nicht ein Angeklagter bin, sondern Jbr Gefangener. Wir sind zwei kriegführende Parteien. Sie sind die bezahlten Organe des Kapitals und der Regierung des Zaren, ich, der revolutionäre Sozialist, bin der Rächer des Voltes. Präs.: Ich verbiete Ihnen, in diesem Tone fortzujahren. Beim Verhör fragte der Präsident: Bekennen Sie sich schuldig? Kalajew sagt: Ich gebe zu, daß Großfürst Sergius von meiner Hand den Tod gefunden, aber aus Gründen der Moral kann irfi mich nicht schuldig bekennen. Präs.: Wollen Sie sich darüber nicker erklären? Kalajew antwortet: Jawohl. Der von mir Hingerichtete Großfürst war der hervorragendste Vertreter der Reaktion, welche in Rußland regiert, die teaf 'onäre Partei, deren Inspirator er gewesen ist, will bte düstere Zeit Alexanders III. wieder zurückbringen, für welchen Sergius einen wahren Kultus hatte. Ehe Sergius gerichtet wurde, hat er zahlreiche Verbrechen gegen das Volk begangen. Seine Tätigkeit hat sich in drei Richtungen gezeigt: Als Generalgouverneur von Moskau, als Hauptinspirator der reaktionären Partei, der Vertreter und Förderer aller Männer, welche die Unterdrückung aufs äußerste trieben. Noch wichtiger war der Einfluß des Großfürsten schließlich beim Zaren selbst. Seine Rolle ist! allgemein bekannt, als Onkel des Zaren hat er die Interessen der Dynastie in nnerbittlichs:er, wildester Weise vertreten. Gegen eine solche Politik i>at sich der Haß des Volkes anfgericktet. Alle revolutionären Gewalten mußten aufgeboten werden. . Der Moment der Abrechnung ist gekommen. Der Tod seiner drei Gesinnungsgenossen Bogoljepow, Sipjagin und Plehwe sollte eine dreifache Warnung an ihn sein, eine Warnung, welche die Revolution der Autokratie gegeben hatte. Der Tod des Großfürsten Sergius ist die Krönung dieser Warnungen. Kalajew nahm dann noch das Wort z-u einer längeren Verteidigungsrede, in welcher er zum Schluß ausführte: Ich habe die volle Ueber- zeugung, daß die neue Freiheit Rußland regenerieren, zu neuem Leben erwecken wird. Ich bin glücklich und stolz, daß mir die Möglichkeit gegeben wird, für die Freiheit zu sterben, mit dem erhebenden Bewußtsein, meine Pflicht getan zu haben! Der Gerichtshof sprach das Todesurteil aus. Ruhig nahm es Kalajew hin. Er bemerkte nur: „Ihr Urteil macht mich,glücklich. Ich hoffe, daß Sie auch den Mut haben werden, es ebenso öffentlich ausführen zu lassen, wie ich das Todesurteil der revolutionären Partei öffentlich vollzogen habe. Sie müssen lernen, der nahenden Revolution Ang' in Äug' zu sehen." Der Kaiser in Wiesbaden. ~~ Wiesbaden, 17. Mai. Der Kaiser hat den Roten Adlerorden erster Klasse dem badischen Staatsminister Frhrm. v. Dusch verliehen. Der hohe Herr unternahm von 4 bis 6 fllhr eine Spazierfahrt im Automobil üb«"r Langensckwal- bach und Schlangendad nach Elwille und B-ebrich. D^r russische Botschafter in Berlin, Grat v. d. Osten-Sacken, wird morgen mit dem gesamten Botschaftspersonal in ^-'"^aden eintresfen, imt am Freitag an den anläßlich M Geburtstages des Z"r?n Nikolaus dort stattfindenden Hwfestlickk"ften (Parade nnd Gala- diner) teilzunehmen. Auch der italienische Botschafter i^raf Lanza wird zum Empfange der Königin-Mutter Margherita von Italien in Wiesbaoen anwesend sein._______________ Zur Hochzeit des dentschen Kronprinzen. Wie aus Paris gemeldet wird, werden der mit der Vertretung der französischen Negierung bei den Vermählungsfeierlichkeiten in Berlin beauftragten Sondermission angehören: Der Gouverneur von Lyon, General de Lacroix, als Botschafter in außerordentlicher Mission, der Gesandte und Deputierte Arago, Kontrcadmiral de Maro l les und Botschaftssekretär Guillem in. Aus Söul wird gemedet: Der Kaiser von Korea sandte an seinen Gesandten in Berlin Min Chöl Hun ein Handschreiben, welches dem Kronprinzen aus Anlaß seiner Hochzeit überreicht werden soll. Diesem Briefe ist ein mit kostbaren Steinen verziertes goldenes Kleinod beigegeben. Das Protektorat im Orient. Die Kaiser Wilhelm zute l gewordene Verleihung des' Ordens vom Heiligen Grabe hat die alten Erörterungen über tne Protektoratsfrage von der Orftntreise des Kaisers her wieder lebendig werden lassen. Der Pariser „Temps" schreibt in einem „Wilhelm II. und das katholische Protektorat im Orient" betitelten Artikel u. a.: Die durch Kardinal Kopp erfolgte lieber* reichuug des Großkreuzes des Ordens vom Heiligen Grabe unb die bei diesem Anlasse ausgetauschten Reden bezeichnen einen! weiteren Fortschritt in dem Werke, an welchem Deutschland im Orient mit Geduld und Ausdauer arbeitet, einem Werke, dessen Erfolg zü leugnen kindisch wäre und das seit 1890 mit bemerkenswerter Folgerichtigkeit fortgeführt wird. Die Wahl der Stadt Meß zu der Ueberreichung dieses Ordens gestattet dieAnnahme, daß der Heilige Stuhl in geringerem Maße als bisher darauf bedacht ist, Frankreich seine Privilegien zu belassen. Wenn Pius X. auf dicjem Wege fortschreitet, wobei er allerdings Gefahr läuft, d"n katholischen Missionen einen großen Teil der hr.it den französischen Verejnig'"noen iäb^ich gesvendeten sechs Millionen zu en^ieW. dann wird der Erwlg Deutscklands den Untergang des französischen Einflusses im Orient, bedeuten. Die verschiedenen Regionen Frankreichs sind sich, während ber fett fünf Jahren im Parlamente gcfiihrten Religionsdebatten dieser Gefahr nickt hewußt geworden." Aehnlick äußert fick d^s . n n r n n t des D 6 bat s. Der deutsche Gesandte beim Sultan von Marokko. Der „Köln. Ztg." wird aus Fez vom 13. d. M. (in Tanger aufgegeben am 17. Mai) über dm Empfang des deutschen Gesandten Gr' >en Tattenbach beim Sultan noch telegraphiert: Graf Tatteickoch drückte d-m Sultan den ^ank des Kaisers aus für den glänzenden Emvlung in Tanger und betonte, der Besuch des Kaiers s"i ein Beweis der starken und dauernden Freunde schäft drs Kaisers für den Sultan. Der Kasi-r wünsche die durch zwei Verttäg ^begründeten Beziehungen Deutschlands und Ma^ rnffn§ zn pflegen und weiter auszugestalten. Graf Tatten^ back überreichte dnn Sultan das Großkreuz des Roten Adler- ordeus mit der Kette und Brillanten, sowie ein kaiserliches Handschreiben und verknüpfte damit den Wunsch auf eine lange unabhängige Herrschaft des Sultans. Dieser dankte äußerst freundlich füridie Entsendung der Mission und für die Ordensverleihung. Graf Tattenbach ist mit der Antwort des Sultans sehr $ufrteben. und erhofft eine glatte Erledigung seiner Aufgabe. Der Maghzen lehnte alle französischen Vorschläge als mit den intemp+ionakn Verträgen unvereinbar ab. Nur für den Schutz der Grenze sollen zweitaustud marokkanische Soldaten!, unter französischen ukteur n aniaestellt werden. Zum neuen Börsengesetz. Berlin, 17. Mai. Die Börsenkommission deS Reichstages nahm zn dem § 68b den Antrag Gamp mit 10 gegen 9 Stimmen an. Die Rückforderung deffen, was bei oder nach der Abwicklung eines Geschäfts zu seiner Erfüllung geleistet wurde, findet auf Grund der Vorschriften des § 51, Abs. 3, und des § 66 nicht statt. Gegen die Forderungen aus Börsentermingeschäften ist eine Aufrechnung auf Grund anderer Börsentermingeschäfte auch zulässig, wenn diese Geschäfte nach dem § 51, Absatz 3, und dem § 66 ein Schuldverbältnis nicht begründen. Zu dem § 68c wird ein Antrag Burlage angenommen: Wer ein Börsentermin- geschäft in Wertpapieren abgeschlossen hat, welche nach dem § 51, Abs. 3, oder dem § 66 ein Schuldverhältnis nicht begründen, ist berechtigt, Befriedigung aus der für eine unwirksame Verbindlichkeit bestellten Sicherheit zu suchen, sofern der Besteller ihm gegenüber schriftlich erklärte, daß die Sicherheit zur Deckung von Verlusten aus den Börsentermingeschästen dienen soll und sofern die Sicherheit in barem Gelde, Banknoten oder solchen Wertpapieren bestellt wurde, wobei der Börsen- und Marktpreis amtlich festgestellt wird. Der Rest des Entwurfes wird ohne wesentliche Aenderung angenommen. Damit ist die zweite Lesung beendigt. Die dritte Lesung findet morgen statt. Deutsches Reich. Berlin, 17. Mai. Die Abreise der Kaiserin nach Wiesbaden erfolgt heute abend. In ihrer Begleitung befinden sich Oberhofmeister Exz. Frhr. v. Mirbach, die Hofstaatsdame Frl. v. Gersdorff und die Hofdame Gräfin zu Rantzau. Prinz Adalbert nimmt au der Reise nicht teil. — Dem „Temps" wird aus Söul gemeldet: Der KaiservonKorea sandte an seinen Gesandten in Berlin Min Chöl Hun ein Handschreiben, welches dem Kronprinzen aus Anlaß seiner Hochzeit überreicht werden soll. Diesem Briese i stein mit kostbaren Steinen verziertes goldenes Kleinod beigegeben. — Dem bisherigen Unter staatssekretär int Reichsschatzamt v. Fischer, der seinem Ansuchen entsprechend wegen körperlichen Leiden in den Ruhestand versetzt wurde, ist aus diesem Anlasse von dem Könige von Württemberg das Großkreuz des Friedrichsordens verliehen worden, nachdem er erst kurz vor seiner Verabschiedung in Anerkennung seiner vom Reiche geleisteten Dienste von dem Kaiser zum Wirklichen Geheimen Rat mit dem Prädikat Exzellenz ernannt worden war. Auch der Reichskanzler bat, wie der „Reichsanz." berichtet, dem hochverdienten Be- amten mittels eines besonderen Schreibens seinem Danl und seiner Anerkennung mit dem Bedauern Ausdruck gegeben, daß die hervorragende Arbeitskraft v. Fischers lediglich infolge eines Unglückssalles dem Reichsschatzamt zu einer Zeit entzogen ist, wo er der Reichsverwaltung bei den vorliegenden großen Aufgaben mit seinem bewährteip Rat eine wesentliche Stütze hätte sein können. Kircke und Lute Stuttgart, 17. Mai. Das Amtsblatt des evangelischen L a n d e § k o n s i st o r i u m s veröffentlicht einen Erlaß, welcher die Beteiligung der Geistlichen in Fällen der Feuerbestattung neu regelt. Hiernach sind die Geistlichen ermächtigt, vor der Verbrennung der Leiche im eigentlichen Verbrennungsraum einen Trauergottesdienst mit Rede, Gebet und liturgischem 9lft zu ballen. Das kirchliche Geläute findet in derselben Weise statt, wie bei einer Beerdigung Dagegen hat bei der Bestattung der Aschenreste im Grabe oder im Kolumbarium die Mitwirkung der Geistlichen zu unterbleiben. Ausland. Stockholm, 16. Mai. Der Reichstag beschloß in gemeinschaftlicher 'Abstimmung mit 203 gegen 1'9 Stimmen, daß die von beiden Kammern angenommene Hcrabsetz- nng des Zucker zolles vom 1. Sept. 1906 ab in Kraft treten soll. Die Minderheit stimmte dafür, daß die Herab- seüung am 1. Januar 1905 in Kraft treten soll. Nach dem Beschluß werden die Zollsätze wie folgt festgesetzt: Für alle Sorten raffinierten Zuckers auf 17 Oere per Kilogramm, für nicht raffinierten' Zucker, der nicht dunkler ist als holländische Standardprobe Nr. 18. ebenfalls auf 17 Oere Per Kilogramm, für nicht raffinierten Zucker, der dunkler ist als holländische Standardprobe Nr. 18, auf 11% Oere Per Kilogramm, ob die Ware in flüssigem oder festem Zustande eingeführt wird. , — Der Konstitutionsauss chuß forderte vor einiger Zeit von dem Minister des Auswärtigen die Mitteilung der Protokolle über die Verhandlungen mit einer nicht genannten Macht betr. die A n ar ch i st e n f r a g e. Der Minister des Auswärtigen hob hervor, er sei gemäß einem der betreffenden Macht gegebenen Versprechen gezwungen, die Verhandlungen geheim zu halten. Der Konstitutionsausschuß beschloß hieraus, Abstand von dem Verlangen zu nehmen. Einige Ausschußmitglieder brachten heute" diese Angelegenheit in der zweiten Kammer zur Sprache und führten Beschwerde darüber, daß der Ausschuß durch sein Verhalten die Kontrolle über die Negierungsverhandlungen aufgebe. Nach kurzer Debatte beschloß die Kammer den Uebergang zur Tagesordnung. Haag, 17. Mai. Die niederländischen Seestreitkräfte in den indischen Gewässern, die entsandt worden waren, um die Neutralität der Niederlande aufrechtzuerhalten, werden um drei Panzerschiffe vermindert, die in die Heimat zurückkehren. Paris, 17. Mai. Ist betreff des Gesetzentwurfes über die Arbeiterpensionskasse, welcher bekanntlich nach Erledigung der Trennungsvorlage zur Verhandlung gelangen soll, ist zwischen dem Ausschuß und dem Finanzminister Rouvier eme schwerwiegende Meinungsverschiedenheit entstanden. Nach dem Entwürfe des Ausschusses soll der Staat verpflichtet sein, die für die Industriearbeiter mit 360 Fres., für oie landwirtschaftlichen Arbeiter mit 240 Fres. vorgesehene Jahrespension aus eigenen Mitteln zu ergänzen, falls die Pensionskasse nicht in der Lage wäre, die volle Pension zu zahlen. Rouvier erklärte, daß er ein derartiges System absolut nicht annehmen könne. Der Staat könne wohl jährlich eine bestimmte Summe für jeden versicherten Arbeiter der Pensionskasse aufwenden, aber es würde für den Staatshaushalt sehr beoenklich sein, alljährlich für ein unbekanntes Defizit aufzukommen, das etwa durch den Rückgang des Zinsfußes oder durch sonstige Ursachen entstehen könnte. — Die Kammer hat den Artikel 4 b des Gesetzentwurfs betr. die Trennung von Staat und Kirche angenommen, nach welchem der Heimfall gewisser kirch- licher Güter an den Staat, auf denen nicht fromme Stiftungen ruhen, geregelt wird. Die Fortsetzung der Beratung wurde auf "morgen vertagt. — Der Schah ließ dem hiesigen persischen Gesandten mitteilen, daß er sich von Baku, der Einladung Kaiser Franz Josefs folgend, zu viertägigem Aufenthalte erst nach Wien und von dort nach Paris und ^C on tr ex e Ville sich begibt. Es verlautet, es handle sich bei diesem in das Reiseprogramm eingeschobenen Wiener Aufenthalte um handelspolitische Angelegenheiten, die auch Deutschland interessieren. Madrid, 17. Mai. Ministerpräsident Billaverdc erklärt die Meldung der „Correspondeneia Espania", daß er den König auf der Reise nach Paris nicht begleiten werde, für falsch. Der Ministerpräsident sagt, es sei bisher nichts entschieden. Petersburg, 17. Mai. Der Petersburger Telegr.-Ag. zufolge v e r l ä ß t d e r A ck e r b a u m i n i st e r P e r m o l o w s e i n e n P o st e n. Newyork, 17. Mai. Zu dem Streik der Schulkinder in Chicago ist nun noch ein Streik der Botenjungen hinzugekommen (!). Der Bürgermeister droht im Falle weiterer Ausschreitungen mit der Einberufung der Miliz. Aus Stad» und Land. Gießen, 18. Mai 1905. ** Personalien. S. K. §. der Großherzog haben den von Sr. Erl. dem Grafen zu Erbach-Fürstenau auf die evangelische Pfarrstelle zu Michelstadt präsentierten zweiten Pfarrer B e r n b e ck für diese stelle bestätigt. — Uebertragen wurden dem Schullehrer Doll zu Wohnfeld, im Kreise Schotten, eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Melbach, im Kreise Friedberg; der Schulamtsaspirantin Kühn aus Mainz eine Lehrerinnenstelle an der Gemeindeschule zu Biblis; der Schulamtsaspirantin Stegmaier aus Bermersheim eine Lehrerinncnstclle an der Gemeindeschule zu Laubenheim. ** Fe uerwehrse st. Man schreibt uns: Gestern vormittag 11 Uhr hielt der Festausschuß des 50 jährigen Stiftungsfestes der beiden hiesigen Feuerwehren (15.—17. Juli) — Die Budgetkommission des Abgeordnetenhauses nahm den Gesetzentwurf betr. die Bewilligung weiterer Staatsmittel zur Verbesserung der Wohnungsverhältnisse von Arbeitern und Staatsbeam ten an und erklärte die dazu vorliegenden Petitionen für erledigt. D-er Antrag Aronsohn und Genossen betr. kaufmännisch vorgebildete Hilfskräfte bei der Ansiedelungskommission wurde abgelehnt, dagegen wurde beschlossen, die Staatsregierung zu ersuchen, dahin zu wirken, daß die ANsiedelnngskommission Warenhäuser und handwerkliche Großbetriebe nicht fördert. Hiernach wurden Petitionen verhandelt, die der Regierung als Material überwiesen wurden. Posen, 17. Mai. Der „Goniec" meldet: Iw Kreise Adelnau beschlossen die dortigen evangelischen Polen, etwa 20000, die evangelischen Kirchen nicht mehr zu besuchen, weil plötzlich die evangelischen Geistlichen den bisherigen polnischen Kirchengesang und polnische Predigten, auch Grabreden durch deutsche ersetzt haben. Hamburg, 17. Mai. Der Verein der freisinnigen Volkspartei und der liberale Verein berufen eine Protest Versammlung gegen die Wahlrechtsvor- läge ein. Die Bürg e r s ch a f t beschloß mit überwiegender Mehrheit gegen den Widerspruch der Sozialdemokraten und eines Teiles der Linken die Beratung der Wahlrechtsvorlage bereits am nächsten Mittwoch zu beginnen. — Den aus Südwestafrika heimkehrenden Offizieren ist der Befehl zugegangcn, keine Nachrichten über die Kriegslage zu veröffentlichen. Bremen, 17. Mai. Die Dampfer der im Herbst 1905 ins Leben tretenden Frachtdampferlinie des Norddeutschen Lloyd Bremen-Australien werden sowohl auf der Hin- wie auf der Rückreise die Haupthäsen Javas anlaufen? Damit ist eine direkte Verbindung ohne Umladung zwischen den deutschen Häfen und Java hergestellt, welche bisher gefehlt hat. Vegesack, 17. Mai. Auf der Werft des Bremer Vulkan fand heute der Stapellauf des für die Hamburg-Amerika- Linie erbauten Passagier- und Frachtdampfers „Nugia" von 8000 Tvnnen statt. Metz, 16. Mai. Bei der gelegentlich des Kaiserbesuchs km Bezirkspräsidium abgehaltenen politischen Konferenz sollen u. a. die folgenden Punkte zur Besprechung gestanden haben: Uebernahme des deutschen Protektorates über die katholischen Missionen im Orient, Regelung der Kir ch h o fs fr a g e durch Gesetz und Einbringung eines hierauf bezüglichen Gesetzentwurfes im Landesausschuß, Anlage zweier neuer Forts, eins bei Metz und eins bei Diedenhofen, Wechsel im Statt- h a l t e r p o st e n._______________________ Kolonialpost. Die Kameruubahu. Berlin, 17. Mari. (Budgetkommission des Reichstags.) In der fortgesetzten Beratung der Kamcrun- bahn werden die §§ 9 und 10 betr. die Beschaffung von Grimd- eigentum und die Rechte der Eisenbahngesellschaft auf unentgeltliche Materialienentnahme für den Bau angenommen. Bei § 11, der von den Landgerechtsemen handelt, beantragt E r z - berge r den Zusatz, daß b-e Aufsichtsbehörde die Fristen bestimmt, innerhalb deren bei Verlust der Landgerechtsame die Kultivierung der Landfläche begonnen werden muß. Bei § 12 betr. die Berggerechtsame beantragt Erzbergcr den Zusatz, daß die Aufsichtsbehörde Fristen bestimmt, innerhalb deren bei einem Verlust der Gerechtsame die Schürfung vorgenommen werden muß. Die Beratung dieser beiden Paragraphen wird mit der des § 13 verbunden, der die Veräußerungen oder Verpachtungen über zwanzig Jahre der Genehmigung der Aufsichtsbehörde unterstellt. Kolonialdirektor Dr. S t ü b e l erklärt: Bereits im Dezember 1901 sei das Gouvernement angewiesen worden in dem Pflanzungsgebiet in Viktoria bei b-.r Regelung der Landfrage die Rechte der Eingeborenen auf Grund der Kolonialverordnung wahrzunehmen. Daraufhin seien Landeskommissionen eingesetzt worden, über deren Tätigkeit ein abschließender Bericht noch nicht vorliege. Die bisher vorliegenden Berichte befriedigten die Ko- lonialverrvaltung nicht voll weshalb das Gouvernement erneut angewiesen wurde, sich strikt an die gegebenen Weisungen zu Gunsten der Eingeborenen zu halten. Die Missionare, die als Pfleger der Eingeborenen Mitglieder der Landeskommission sind, haben, wenn sie meinen, daü den Gesetzen und der Gerechtigkeit nicht entsprochen wird, die Möglichkeit, sich zu beschweren. Solche Beschwerden sind auch an die Kolonialverwaltung gelangt und gewissenhaftest geprüft worden. Uebcrall, luo den Bestimmungen der Kronlandsverordnung usw. nicht genügt war, werde Remedur geschaffen werden. Geheimrat 5) el ff er ich führt aus: Die Landesionzession rechts und links der Bahn sei im Vergleich zu den anderwärts gewährten Konzessionen minimal. Es seien je 200 Hektar pro Kilometer in Blocks zugewiesen, die 400 Hektar umfassen. Von den Blocks fallen nach dem klaren Wortlaut der Vorlage diejenigen Teile der Gesellschaft nicht zu, die nicht herrenlos sind, sondern auf Grund der Kronlandsverordnung den Eingeborenen zu- gesprochen werden. Nachdem die Kommission beschlossen M, die inzwischen eingegangene Resolution Semler-Erzberger-Arendt und Frhr. von Richthofen, den Reichskanzler zu ersuchen, zur Prüfung der kolonialen Landeskonzessionsftage eine besondere Kommission unter Hinzuziehung von Reichstagsmitgliedern einzusetzen, besonders zu beraten, wird der Zuiatz Erzbergers zu dem! 8 sll angenommen. In der Vormittagssitzung am 17. Mai wurde auch noch ein Antrag Er zberger zu § 12 angenommen, ebenso ein Antrag Kopsch auf Vorlegung von beßimmt bezeichneten Akten. Zu Beginn der Nachmittagssitzung ertlärt Kolonialdirektor Dr. S t ü b e l, daß er das gewünschte Aktenmaterial bereits zur Stelle habe und eine Inhaltsangabe daraus verlesen lassen werde: die Kommission möge dann selbst entscheiden, ob das Material für die zur Beratung stehende Frage von Belang sei. Geheimrat Seitz verliest ein ausführliches Inhaltsverzeichnis der Akten. Der Kolonialdirel'tor erklärt, das Material stehe selbstverständlich der Budgetkommstsion zur Einsichtnahme zur Verfügung. Falls gemäß dem Anträge 'Seniler die Einsetzung einer Landkommission beschlossen werden sollte, könne er, der Kolonialdirektor, nur dringend wünschen, daß alles Material über die Landfrage möglichst weiten Kreisen zugängig werde. Er werde deshalb befür- worteii, daß diese Kommission möglichst bald zusammentrete. Die Kommission nahm dann die §§ 13 bis 15, Landveräußer- iirtg, Steuerfreiheit und Zollfreiheit, an, ebenso die zurück- gestellten 1 bis 3, Konzession und Bedingungen für den Bau. §4, der Bestimmungen für, den Betrieb der Bahn im einzelnen festsetzt, wird mit einem Zusatze Erzbergers angenommen, welcher die Festsetzung der Mindestsätze einer Aufsichtsbehörde vorbehält. Ferner werden angenommen die §§ 5 betr. Verpflichtungen der Gesellschaft hinsichtlich des Bahnbetriebes und der Anschlußbahnen, 6 und 7 betr. das Verfahren bei Vertragsverletzungen, ebenso die §§ 18 bis 27 betr. die Zahlungspflicht des Reiches und der Gesellschaften, Zahlstellen, Uebertragung der Konzession, Erwerbsrecht des Reiches, Auflösung des Unternehmens und Ablauf der Konzession. Damit ist die er)te Lesung der Konzeftionsurkunde beendet. Das Gesetz wird ohne Debatte genehmigt. Schließlich wird die Resolution seniler auf Einsetzung einer Landkommission und die Resolution Erz berg er auf eingehende Prüfung der für Kamerun erteilten Landkonzeffionen an usw. angenommen. x London, 17. Mai. „Daily Telegraph" veröffentlicht eine Drahtung aus Tsingtau über das Gerücht der deutschen Besetzung Haitschus. Danach hat die deutsche Firma Diederichsen und Iebsen einen regelmäßigen Dampferdienst zwischen Tsingtau und Haitschn eingerichtet, und da diese Gewässer nicht bekannt sind, nehmen deutsche Torpedoboote Sondierungen vor. Kcer und K otte. Berlin, 17. Mai. Das „Militärwochenblatt" meldet: Prinz Eitel Friedrich, Hauptmann im ersten Garde-Regiment zu Fuß, wurde zum Koni man d enr der Leibkompagnie dieses Regiments ernannt. unter dem Vorsitz des Beigeordneten Cursch mann im Bürgermeistereigebände eine Sitzung ab, in welcher vom Vorsitzenden des geschäftsführenden Ausschusses über die Vorarbeiten der Einzelausschüsse berichtet wurde. Der Festausschuß, dem die Genehmigung des allgemeinen Festplanes und des provisorischen Gesamthaushaltungsplanes zusteht, sprach sich befriedigt über die Beratungen und Beschlüsse der Einzelausschüsse aus, und erteilte seine Genehmigung hierzu. Der Vorsitzende schloß die Sitzung mit dem Wunsche, daß die weiteren Festvorbereitungsarbeiten die beste Erledigung finden und die Festtage selbst vom schönsten Wetter begünstigt sein möchten. '* 3um Schneiderstreik. Die Streikleitung der Gehilfen bittet uns, folgende Tabelle über die seither bezahlten, die geforderten und die von den Arbeitgebern bewilligten Löhne bekannt zu geben: ezcichmmg der Arbeit Seither bezahlt Mk. . 17.- gefordert Von den Arbeitgebern Frack ...... Mk. 18.— zugebilligt Mk. 17.50 Gehrock ..... . 16.- 17.— 16.50 Fagnett...... . 14.— 14.— 13.50 Sakko, einreihig . . . 10.— 11.- 1050 „ zweireihig . . . 11.— 12.— 11.50 Sommer-Paletot ♦ . ♦ 13.— 14.50 13.50 Winter- „ . . . 14.— 16.- 14.50 Joppe ...... . 9.— 10.— 9.— Hosen: Hose ....... . 3.20 3.50 3.— Slietellwse ..... . 3.50 4.— 3.50 Neitboie ..... Westen: einreihig .... . 3.50 4.50 3.50 . 3.20 3.50 3.20 zweireihig .... . 3.50 4.- 3.50 Stundenlohn .... . -.30 -.35 —.30 Es geben ab 3 Prozent für Nähzutaten. Aus Mainz wird gemeldet: Eine stark besuchte öffentliche Schneiderversammlimg beschloß am Dienstag, die Arbeit einzustellen und sie erst dann wieder aufzunehmen, wenn die Streikarbeit für auswärtige Orte eingestellt wird. 250 Arbeiter haben die Arbeit eingestellt. ** Verhaftet wurde gestern abend ein junger Mensch aus Kinzenbach, welcher sich unter falschem Namen hier eingemietet und seinen Quartiergeber um die Miete betrog. Außerdem hatte er sich des Zechbetrugs in mehreren Fällen schuldig genlacht. Er arbeitete nichts und verschaffte sich Speise und Trank, indem er sich solche in den Wirtschaften geben ließ und dann heimlich durch die Hintertüre verschwand, ohne zu bezahlen. ** Von einem Radfahrer überfahren. In der Moltkestraße wurde gestern ein fünfjähriger Junge von einem Radfahrer überfahren und nicht unerheblich verletzt. Da der Radfahrer sich um den Vorfall gar nicht bekümmerte, ist vom Vater des verletzten Kindes Strafantrag gestellt worden. ** Flottenverein. Die Kreisgruppe Gießen des deutschen Flottenvereins veranstaltet heute abend 8 Uhr im Caf6 Ebel ihre diesjährige Hauptversammlung. Die Tagesordnung ist im Inseratenteil veröffentlicht. rm. Friedberg, 16. Mai. Ueber den größten Teil des Kreises Friedberg ist nun auch die Hunde sperre verhängt worden, da in Assen heim der Hund des Gärtners Leichtnahm wegen Tollwutverdachtes getötet werden mußte. Der Kopf des Hundes ist zur Untersuchung nach Berlin geschickt worden. m. Friedberg, 18. Mai. (Eigener Drahtbericht.) Die Witwe des Gastwirts Kunze von hier stürzte heute in der Brauerei Steinhäuser in eine Abortgrube, deren Deckbretter durchgebrochen sind. Die Frau wurde schwer verletzt herausbefördert. Ilbenstadt, 17. Mai. Heute nachmittag gingen einem hier bediensteten Manne namens R e i ch e r t die vor einem allerdings leeren, aber schweren Lastwagen gespannten Pferde durch, so daß her Fuhrmann vom Wagen fiel und unter die Räder geriet. Die Räder gingen dem Unglücklichen, welcher das Haupt einer nur vom Arbeitsverdienst lebenden mehrköpfigen Familie ist, über den einen Schenkes und über die Stirn.' Bewußtlos wurde Reichert nach Hause getragen. Der ra'ch herbeigerufene Arzt konstatierte außer den äußerlichen V e r l e tz u n g en!, auch noch innere, die offenbar nicht unb edenklich er Natur sind: bis zum Abend hatte Reichert das Bewußtsein noch nicht zurückerlangt. R. B. Darmstadt, 17. Mai. Die gestern mitgeteilte Nachricht von der Verhaftung des Geh. Oberbergrats Prof. D r. C h clius ruft hier in weiten Kreisen Aufsehen nnd Bedauern hervor. Es wird dem Verhafteten zur Last gelegt, sich in verschiedenen Fällen gegen den § 176 Abs. 3 des Strafgesetzbuchs vergangen z-u haben. Der Beschluß zur Ausstellung des Haftbefehls erfolgte, nachdem seitens des Vaters und eines Kindes bei der Staatsanwaltschaft eingehende Aussagen zu Protokoll genommen worden waren. Da Geh.-Rat Ch. darauf eine Dienstreise nach O b e r h e s s e n antrat, lag für die Staatsanwaltschaft begründeter Fln ch t v e r d a cht vor nnd die Verhaftung erfolgte aus telegraphische Anordnung von Darmstadt in Büdingen, wo sich Ch. am Dienstag abend gerade aufhielt. Es kann kaum noch einem Zweifel unterliegen, daß die Hauptursache zu den traurigen Verirrungen in den bellagenswerten Familienverhältnissen des Verhafteten liegt. Er besitzt eine seit Jahren schwer herzkranke Frau und dazn einen erwachsenen/ schwer gelähmten Sohn; der einzige Lichtstrahl in der Familie ist die jetzt 21jährige Tochter, die vor kurzem ihr höheres Lehrerinnenexamen bestand. Ch. sieht trotz seiner noch nicht 50 Lebensjahre auf eine langjährige und verdienstvolle Tätigkeit in Hessen ziirück. Er ist an 'der Technischen Hochschule Privat- wzent für Mineralogie und Geologie, und hatte als solcher längere Zeit die fachmännische Leitung von Bad-Nauheim unter sich; ferner ist er referierendes Mitglied der oberen Bergbehörde beim Ministerium des Innern, deren Leitung Geheimrat Braun übertragen ist. Ch. erfreute sich bisher in Darmstadt allenthalben der größten Hochachtung, auch als Vorstand verschiedener gemeinnütziger Vereine und war eine namentlich durch seine dienstliche Tätigkeit in Oberst e s se n beliebte Persönlichkeit. Die Staatsanwaltschaft hat heute die weitere Verfolgung der >ANgetegenheit an den Untersuchungsrichter, Landgerichtsrat Hofmann, gegeben. Der Beschuldigte ist heute früh nach Darmstadt in Hast gebracht worden. Mainz, 17. Mai. Das Großherzogspaar unter* nahm heute eine Rheinreise bis Schloß Rh einstein. Gegen 7 Uhr abends fuhren der reichbeflaggte Dampfer „Rhcingold" mit dem Paar an Bord, sowie der gleichfalls schön geschmückte Dampfer „Lohengrin" als Begleitschiff auf der Talfahrt an der mit Fahnen und Wimpeln gezierten Stadt Bingen vorüber. Längs des ganzen Ufers stand die Einwohnerschaft Kops an Kopf, um die Gäste zu begrüßen. — Bei der Rückfahrt des Großherzogspaares fand abends große Uferbeleuchtung und Feuerwerk statt. Marburg, 17. Mai. Die Fleischpreise stehen seit längerer Zeit zu den Preisen für das Vieh in einem recht argen Mißverhältnis. Die hiesigen Metzger haben sich daher veranlaßt gesehen, bekannt zu machen, daß von heute ab alle Jnnungsmeister folgende Preise für das Pfund zu fordern haben: Ochsenfleisch 78 Pfg., schieres Ochsenfleisch 1.10 Mk., Ochsenfleisch, gehacktes 90 Pf., Kuh- und Rindfleisch 72 Pfg., do. schieres 1.10 Mk., Gehacktes 90 Pfg., Schweinefleisch 70 Pfg., Bratstücke 80 Pfg., Koteletts 90 Pfg., Gehacktes 90 Pfg., Kalbfleisch 70 Pfg., Koteletts und Kalbfleisch aus der Keule 80 Pfg., Schnitzel 1.40 Mk., Gehacktes 1 Mk., Hammelfleisch 70 Pfg., do. aus der Keule und ftote= letts 80 Pfg. vermachtes. • Der König von Sachsen und die Gräfin Montignoso. DaS „DreSd. Journ." meldet: Der Vertrag, den in Vollmacht des Königs Staatsminister Otto am 5. Mai in Florenz mit der Gräfin Montignoso abgeschlossen hat, ist vom König genehmigt worden. Die vollzogene Genehmigunqsurkunde wurde gestern an die Gräfin abges^ndt. Inzwischen ist der Gräfin auch die von ihr beantragte Entlassung aus dem sächsischen Staats- angehörigen-Verband von der Kreishauvtmannschaft Dresden erteilt worden. Rach dem Vertrage überläßt der König der Gräfin die Prinzessin Anna Monika Pia bis zum 1. Mai 1906. Danach verpflichtet sich die Gräfin, die Prinzessin einer vom König hierzu abgesandten Vertrauensperson herauszugeben. So lange die Gräfin die Prinzessin in ihren Händen behält, wird ihr zu den Unterhaltungskosten ein Beitrag in gleicher Höhe wie die letzten Monate, gleich 200 Mk. monatlich, gewährt. Ferner verzichtet die Gräfin aus die Staatsangehörigkeit und verspricht, daß sie auch künftig niemals die Aufnahme in den Verband eines deutschen Einzelstaates nachsucht. Der König sagt zu, daß für die Zeit nach dem l.Mai 1906 ein Wiedersehen der Gräfin mit den gemeinschaftlichen Kindern jedes Jahr einmal stattfinden soll. Das nähere über Zeit, Ort und Ausdehnung der Zusammenkünfte u. s. w. zu bestimmen, behält sich der König vor. Für die Zeit vom 1. Juni ab wird die Rente der Gräfin auf 40 000 Mk. jährlich erhöht. • Mailand, 17. Mai. Das Hochwasser hat am meisten in der Umgebung von Verona, Lonigo und Vicenza gewütet. Viele Häuser sind ein gestürzt, der Kerichtslaal. Laubach, 18. Mai. Gestern fand vor der 2. C i v i l - f am m er d eS Landgerichts Gießen ein in erster Instanz an hiesigem Amtsgericht anhängig gewesener Prozeß seine Erledigung, der wohl in weiteren Kreisen 'Oberhessens bekannt geworden ist. Es handelt sich um die von Pächtern derFischerei in der Horloff gegen den Verein für chemischeI n d u ft nie z u Mainz, als Inhaber der chemischen Fabrik Friedrichshütte, und gegen dessen Verwalter Echw. erhobene Klage wegen V e r u n r einig u n g der Horloff durch A b w ä ff e r aus der Fabrik Friedrichs- Hütte und des dadurch verursachten Fischsterbens im Juni 1901. In erster Instanz waren seiner Zeit 1902 und 1903 nahezu 50 Zeugen und Sachverständigen vernommen worden, "ie Schluß- Verhandlung vor dem Landgericht hatte einen vollen Tag in Anspruch genommen. Während das hiesige Amtsgericht zu einer Abweisung der Klage schlechthin kam, indem es sowohl die Tatsache, daß das Fischabsterben iit Abwässern der Fabrik seine Ursache habe, wie das von den Klägern behauptete schuldhafte Verhalten der Fabrikleitung für nicht erwiesen hielt, machte das Landgericht die Entscheidung von der Leistung eines Eides in negativer Ueberzeugungsiorm, durch den der beklagte Verwalter bekräftigen sollte, daß die Abwässer weder durch eine von ihm angeordnete noch geduldete Bctriebsmaßregel in die Horloff gelangt seien, abhängig, es nahm also in Abweichung von dem Amtsgericht die Verursachung selbst als festgestellt an. Mit der Leistung des Eides om gestrigen ist nun dieser Prozeß, dessen Kosten das Wertobjekt weit übersteigen sollen in einer für die Klageseite ungünstigen Weise entschieden, und die Berufung verworfen wurde. Mülhausen, 17. Mai. Die Strafkammer von Mühlhausen verurteilte den dortigen praktischenArzt Dr. W i e g e r wegen Betruges und Urkundenfälschung zu 4 Monaten Gefänams. Arbeiterbewegung. Köln, 17. Mai. In rheinisch-westfälischen Gewerkschafts- kreisen wird angesichts der Fortdauer der Brauereiarbeiter- Aussperrung insofern eine scharfe Maßregel geplant, als allen Mitgliedern der organisierten Gewerkschaften zur Pflicht gemacht wird, nur boykottfreies Bier zu genießen, widrigenfalls der Ausschluß aus den Organisationen erfolgt. Eine diesbezügliche Beschlußfassung ist bereits an einzelnen Orten Westfalens in Versammlungen des Metall- und Bergarbeiterverbandes erfolgt. Der in der nächsten Woche in Köln stattfindende 5. deutsche Gewerkschaftskongreß dürfte sich gleichfalls mit dieser Frage befassen. Elberfeld, 17 Mai. Zu großen demonstrativen Kun d g e b u n g e n kam es gestern abend hier aus Anlaß des Bi er kriegest Auf den Hauptverkehrsstraßen wollte eine mehr- hundertköpfige Arbeiternienge das Betreten von Wirtschaften verhindern, welche boykottiertes Bier verzapfen. Es kam zu Tätlichkeiten, so daß ein starkes Polizeiaufgebot eingreisen mußte. Die Beamten wurden hart bedrängt. Sie nahmen 21 Verhaftungen vor. Erst in später Nachtstunde konnte die Ruhe wieder hergestellt werden. D ortmnnd, 17. Mai. 5.50 Nachm. Der Arb eit geb er- bund beschloß die Aussperrung sämtlicher organisierten Zimmerer, Maurer und Handlanger, da diese über verschiedene Bauten die Sperre verhängten. Auch die Straßenbahner traten in eine Lohnbewegung ehr. Feldschaden ist ungeheuer. Heute morgen hat der Regen aufgehört, sodaß ein Zurücktreten des Wasserstandes zu erwarten ist. • Friezenve en (Prov. Overyssel), 17. Mai. Hier ist Feuer ausgebrochen. Zweihundert Häuser, darunter zwei Kirchen und das Rathaus, wurden eingeäschert. • Wien, 17. Mai. Die Bauleitung des Karawanken-Tunnels in Rosenthal meldet, daß der Durchschlag des Soolstollens heute früh um 8.40 Uhr erfolgte. Kunst und Wissenschaft München, 17. Mai. Der bekannte Heldentenor der hiesigen Ho io per, Kammersänger Knote, hat seine Entlasung eingereicht. Als Grund gibt er in einem Schreiben an die „Münchener Ztq/ an, daß Intendant von Poss art sich durch die Erklärung Knotes, von München wegzugehen, verleiten ließ, dem Sänger, der eine Iahresgage von 40 000 Mark bezieht, in einem Vertrage für den kommenden Winter einen sechsmonatlichen Urlaub zu einem Gastspiel in New-Pork zu verweigern. Nniversitäts-Pachrichten. Berlin, 17. Mai. Den Abendblättern zufolge erfolgte am Schwarzen Brett der Technischen Hochschule zu Charlo ttenbur g ein Anschlag, in welchem der Rektor: und derSenat einerseits und die Studentenschaft andererseits im Interesse der Herbeiführung des akademischen Friedens erklären, daß bei den bisherigen Vorgängen von keiner Seite eine Beleidigung beabsichtigt war und dre Aeußernngen, welche von der anderen Seite als Beleidignngen empfunden worden sind, beiderseits endgiltig zurückgenommen werden. Ferner ladet der Rektor zu einer allgemeinen Studentenversammlung ans den 20. Mai ein, auf deren Tagesordnung die Wahl von Vertretern steht. Kandel und DerKefir. Volkswirtschaft. Berlin, 17. Mai. Hier wurde mit l1/» Mill. Mark Aktienkapital die „Berliner E i e k t r 0 m 0 b i l - D r 0 s ch k e n - A!' t.- G es." gegründet. Im Vorstand der Gesellschaft ist der Adel auffallend stark vertreten. Zu den Gründern gehören neben Bankier Carl Neuburger, Freiherr v. Rothkirch-Pantheim und Dr. v. Kaldenberg. Dann sitzen im Aufsichtsrat u. a. Graf^ Adalbert von Franken-Sier stör off, Prinz Friedrich Karl M Hohen- lohne-Oehringen, Graf Sizzo-Noris in Berlin und Freiherr von Brandenstein in Berlin. Essen, 17. Mai. Der „Rheinisch-Westfälischen Ztg." zufolge findet am 20. Mai in Köln die Generalversammlung des Roheisen sh ndikates statt, in der auch'die Festsetzung des Preises für Roheisen erörtert werden soll. In maßgebenden Kreisen glaubt man jedoch nicht, daß die geringe Preiserhöhung auf Siegerländer Eisenstein eine Erhöhung des Preises für Roheisen veranlassen werde. Dem Siegerländer Roheisensyndikat liegt wieder eine Anfrage betreffend 10 000 Tonnen 20 proz. Spiegeleisen von Amerika vor. Erz-Kuxe. F e r n i e. Angebot 3525, Nachfrage 3475. Ausbeuten und Zubußen, 1903: 225: 1904: 300. Gießener landwirtscha ftlicher Wetterdienst. Voraussichtliche Witterung in Hessen für Freitag, den 19. Mai 1905: Wolkig, nach milder Nacht etwas kühler, trocken. Näheres durch die Gießener Wetterkarte. 5t t r (fi 11 di e 31 admditem Israelitische Neligionsgeseltschaft. Äottesdienll. Sabbathfeier am 20.Mai 1905. Freitag abend 7.45. Samstag vormittag 8.00. Nachmittags 4.00. Sabbathausgang 9.05. — Wochengottesdienst: morgens 6.30, abends 9.05 Uhr. Bekanntmachung. Wegen Vornahme von Kanalisationsarbeiten wird die Moltkestraße zwischen Ostanlage und Grünbergerstraße von heute an bis auf weiteres für den Fuhrverkehr gesperrt. Gießen, den 17. Mai 1905. Großh. Polizeiamt Gießen. _________________Herberg._________________ Bekanntmachung. Wegen Vornahme von Kanalisationsarbeiten wird die Westanlage zwischen Frankfurter- und Bahnhofstraße von heute an bis auf weiteres für den Fährverkehr gesperrt. Gießen, den 17. Mai 1905. Großherzogliches Polizeiamt Gießen. . Herberg. Bekanntmachung! Betrifft: Feldbereinigung in der Gemarkung Gießen rechts der Lahn; hier: die Einwendungen gegen die Arbeiten des III. Abschnitts des zugezogenen Teiles der Gemarkung Heuchelheim und des II. und III. Abschnitts der infolge Grenzregulierung zugezogenen Grundstücke aus den Gemarkungen Allendorf und Klein-Linden. Die nachstehende Bekanntmachung bringen wir hiermit zur öffentlichen Kenntnis. Gießen, den 17. Mai 1905. B17/ß Großherzogliche Bnraermeisterei Gießen. Mecum. Bekanntmachung. Betr.: Feldbereinigung in der Gemarkung Gießen rechts der Lahn; hier: die Einwendungen gegen die Arbeiten des III. Abschnitts des zngezogenen Teiles der Gemarkung Heuchelheim und des II. und III. Abschnitts der infolge Grenzregulierung zugezogenen Grundstücke aus den Gemarkungen Allendorf. und Klein-Linden. In der Zeit vom Donnerstag den 18. l. Mts. bis einschließlich Samstag den 20. l. Mts. liegen auf dem Amtszimmer der Großh. Bürgermeisterei Heuchelheim zur Einsicht der Beteiligten offen: 1. Die Entscheidungen des Schiedsgerichts vom 11. v. M. über die Einwendungen gegen die Arbeiten des III. Abschnitts des zugezogenen Teils der Gemarkung Heuchelheim, sowie des II. und III. Abschnitts der infolge Grenzregulierung zugezogenen Grundstücke aus den Gemarkungen Klein-Linden und Allendorf; 3. diejenigen Zuteilungskarten, in denen nach schiedsgerichtlicher Entscheidung eine Aenderung in der Zuteilung cingetreten ist. Diese Offenlegung ersetzt die Zustellung der Entscheidungen an die Reklamanten und an diejenigen von den Entscheidungen betroffenen Beteiligten, die gegen die rubr. Abschnittsarbeiten nicht reklamiert haben. Friedberg, den 13. Mai 1905. Der Großherzogliche Feldbereinigungskommissär: S p a m e r, Kreisamtmann. Bekanntmachung. Das Hebregister pro 1905/1906 liegt bei dem uuterzeickmetcn Vorstaude 8 Tage laug den Beteiligten zur Einsichtnahme offen» Gießen, den 18. Mai 1905. Der Vorstand der israelitischen Religionsgefellschaft. D,8/k _______________I. G r ü newald.___________________ Gräserei-Verpachtung. Dienstag den 23. Mai l. I., vormitt. IO1/* Uhr, soll die Grasnutzung an der Lahn in den Gemarkungen Gießen und Hetichelheim für das laufende Jahr an Ort und Stelle öffentlich versteigert werden. Zusammenkunft am rechten Lahnufer unterhalb der Wieseekmündung. Mainz, den 15. Mai 1905. Großh. Wasserbauamt Mainz. I. V.: Becker. Bl7/5 Griginaf-Araljtmeldunqen.' Berlin, 18. Mai. Die Morgenblätter melden: Infolge erneuter Beratungen zwischen der Firma Robert Warschauer u. Co. und der Darmstädter Bank kam man überein, von dem ursprünglichen Plane, jene Firma als offene Handelsgesellschaft weiterzuführen, abzusehen. Die Firma wird daher demnächst ihre Tätigkeit einstellen. Berlin, 18. Mai. Der „Vorwärts" veröffentlicht den von der sozialdemokratischen Fraktion im Reichstag eingebrachten Gesetzentwurf betr. die Regelung des Vertragsverhältnisses zwischen den Bergwerksbesitzern und den Bergleuten, sowie einen Gesetzentwurf, betr. Aenderung der Gewerbeordnung. Wiesbaden, 18. Mai. Der Kaiser begab sich mit den Herren seines Gefolges um 7 Uhr 45 Min. vorn Schloß nach dem Taunusbahnhof. Pünktlich um 8 Uhr traf der Sonderzug mit der Kaiserin ein. D-er Kaiser ging seiner hohen Gemahlin bis zur Tür des Waggons entgegen. Beide Majestäten begrüßten sich aufs herzlichste. Mit der Kaiserin trafen ein: Hofmeister Frhr. v. Mirbach, die Hofstaatsdame Freiin v. G-ersdorff und die Hofdame Gräfin R an tz au. Nach kurzer Begrüßung des beiderseitigen Gefolges bestiegen der Kaiser und die Kaiserin einen offenen Wagen und fuhren unter dem Jubel der trotz der frühen Morgenstunde zahlreich versammelten Menge nach dem Schloß. Wiesbaden, 17. Mai. Die heutige Vorstellung im königl. Theater war auf das sorgfältigste einstudiert und vortrefflich neuinszeniert. Die Dekorationen und Kostüme zeigten auf das genaueste die Zeit nach Wallenstein. Die bunten Volksszene'n des ersten und dritten Aktes brachten eine Fülle der böhmischen Nationaltrachten jener Zeit. Die Wolfsschlucht machte starken Effekt, Das Schlußbild des fürstlichen Hoflagers im sonnigen, maigrünen Wald war ebenso poetisch wie glanzvoll. In den Pansen verweilte der Kaiser, oer sich viel mit dem Reichskanzler unterhielt, im Foyer. Die Vorstellung schloß mit Fanfaren. Unter den Hochrufen des Publikums verneigte sich der Kaiser wiedev« holt vor dem Verlassen der Loge. Saarbrücken, 18. Mai. Leutnant Deckers vom Dragonerregiment Nr. 77 hat sich heute früh in seiner Wohnung aus unbekannten Gründen erschossen. Madrid, 17. Mai. (Agence Havas.) Aus Anlaß seines Geburtstages hielt der König heute feierlichen Empfang ab und nahm die Glückwünsche der Abgeordneten des Parlaments, der Spitzen der Zivil- und Militärbehörden und des Hofstaates in Anwesenheit des gesamten diplomatischen KortB entgegen. In ihren Ansprachen drückten die Redner die Erwartung aus, die bevorstehende Reise des Königs werde guten Erfolgs für die Befestigung der Beziehungen Spaniens zu Frankreich und England haben. Ganz Spanien begleite mih den Herzen des.Volkes beit Herrscher in der Ueberzeugung, daß die freundschaftlichen Kundgebungen, welche st-attfinden, sich auch an die Nation richten In den Reden wurde auch ‘in diskreter Weise auf die Vermählung des Königs angespielt. Wien, 18. Mai. Das Hochzeitsgeschenk des Kaisers Franz Josef besteht aus einer offenen Viktoria, bespannt mit zwei Lippizaner Vollblut-Schimmeln, deren Geschirr reich mit Silber beschlagen und mit dem kaiserlichen Namenszuge geziert ist. New York, 17. Mai. Das Signal zum Start für die O z e a n w e 11 s a h r t wurde heute mittag 121/4 Uhr gegeben. Wegen des schwachen Windes passierten mehrere Jachten die Startlinie aber erst um 12 Uhr 34 Min., wäh- „Utowana" und „iValhalla", die um 12y4 Uhr passiert waren, in falsche Richtung gerieten und deswegen zurück- gernfen wurden. Die ,,Utowana" passierte definitiv um 12 Uhr 57 Min., aber bei der „Bathalla^ dauerte es, da der Wind flau wurde, bis 1 Uhr 25 Min. Die „Hambur g^ passierte um 12 Uhr 18 Min. als fünfte Jacht, stürmisch begrüßt von den deutschen Passagieren an Bord des festgekommenen Dampfers „Caronia", dessen Musikkorps die „Wacht am Rhein" spielte. Die „Hamburg dippte darauf die Flagge. Der Wind war günstiger für Jachten mit Schratsegeln als für die mit Rahesegeln. Eine t)aWe Stunde nach dem Start verschwanden die führenden Jachten in dem Nebel, der rasch wieder aufstieg. Mont Real, 17. Mai Die Einnahmen der Canadian^ Paeifie-Eisenbahn betrugen in der letzten Woche 921000 Dollar, das lind 44000 Dollar meh- als in dem entsprechenden Zeitraum des Vorjahres. ____________________ '__________ Familien Nachrichten. Gestorben. Fräulein Susanna Reuter, Nieder-Weisel. Bekanntmachung. Die Gemeindeftenerzettel für das Steuerjahr 1905 werden den Pflichtigen nächster Tage zugestellt werden. Diejenigen Eimvohner, welche bis 10. Juni einen Gemeinde- stener^ettel nicht erhalten haben, obwohl sie sich nach ihren Verhältnissen als steuerpflichtig betrachten müssen, werden hiermit auf« gefordert, alsbald auf Amtszimmer 9tr. 14 bezügliche Anzeige zu machen. Gießen, den 17. Mai 1905. B18/s Großhcr > ! "ifferei Gießen. I. V.: Curschmann. tzeffenitiche Aufforderung. In dem Hypothekenbuch der Gemarkung Daubringen sind unter dem 18. März 1820 eingetragen: 1. eine Hypothek der Eleonore Schwalb zu Daubringen zu Gunsten des Metzgers Philipp Bogt zu Gießen im Betrage von 60.— fl., verzinslich zu 5%; 2. eine Hypothek der Marie Katharine Schwalb zu Daubringen zu Gunsten des Metzgers Philipp Bogt zu Gießen im Betrage von 60.— fl., verzinslich zu 5°/0. Die Hypothekurkunden sind abhanden gekommen. Alle Diejenigen, welche Zlnsprüche aus obigen Schuldverschreibungen erheben 311 können glauben, werden hiermit aufgefordert, ihre Ansprüche binnen zwei Monaten von Einrückung dieses bei unterzeichnetem Gericht anzumelden, widrigenfalls die Löschung der Hypotheken verfügt werden wird. B18/, Gießen, den 12. Mai 1905. Großber^ool'illes Amtsgericht. Bekanntmachung. In unser Handelsregister, Abteilung A, wurde heute eingetragen: Nr. 14: Firma Heinrich Kneipp V. zu Langsdorf, Inhaber Heiitrich Kneipp fünfter, Kaufmann zu Langsdorf. Angegebener Geschäftszweig: Fruchthandel, Lich, den 15. Mai 1905. B“/e GroßherzogUches Amtsgericht. Dem Konkursverfahren über das Vermögen des Dr. Emil Rehm, Inhaber der Firma Hessische VerlagSanstal und Druckerei Dr.RehmLEo., vormals Wilhelm Keller in Gießen, liegt die Schlußrechnung zur Einsichtnahme der Interessenten 6 Tage lang au: der hiesigen Gerichtsschreiberei deö Großherzoglichen Amtsgerichts offen. Die zu berücksichtigenden Forderungen betragen Mk. 40194.86, denen eine verfügbare Masse von Mk. 1250.14 gegenüberstehen und gelangen demnach 3,11 % zur Verteilung. 2705 Gießen, den 17. Mai 1905. Die Konkursverwaltung. Konkursverfahren. lieber den Nachlaß des am 4. April 1905 zu Lollar verstorbenen Schreinermeisterß Heinrich Keßler wird heute am 17. Mai 1905, vormittags 11 Uhr, das Konkursverfahren eröffnet, nachdem die Erben diesbezüglichen Antrag gestellt und die Ueberschuldung des NachlaffeS dargetan haben. Der Kaufmann Zeau Boeck zu Gießen wird zum Konkursverwalter ernannt. Konkurssorderungen sind bis zum 7. Juni 1905 bei dem Gerichte anzumelden. ES wird zur Beschlußfaffung über die Beibehaltung des ernannten ober die Wahl eines anderen Verwalters, sowie über die Bestellung eines Gläubigerausschusses und eintretenden Falls über die in § 132 der Konkursordnung bezeichneten Gegenstände und zur Prüfung der angemeldeten Forderungen auf Freitag, den 16. Juni 1905, vormittags 9 Uhr, vor dem unterzeichneten Gerichte Termin anberaumt. Allen Personen, welche eine zur Konkursmaffe gehörige Sache in Besitz haben oder zur Konkursmasse etwas schuldig sind, wird aufgegeben, nichts an den Gemeinschuldner zu verabfolgen oder zu leisten, auch die Verpflichtung auf- Zerlegt, von dem Besitze der Sache und von den Forderungen, für welche sie aus der Sache abgesonderte Befriedigung in Anspruch nehmen, dem Konkursverwalter bis zum 7. Juni 1905 Anzeige zu machen. B18/6 Gießen, den 17. Mai 1905. Großherzogliches Amtsgericht. K. 82/04. ZMnerstaM8.JlliliM nachmittags 3 Uhr, wird auf hiesigem Ortsgericht die zur Konkursmasse der Eheleute Wilhelm Schomber in Gießen gehörige Parzelle der Gemarkung Gießen 2/140 = 527 qm Hofraite links der Chaussee öffenllich meistbietend versteigert werden. Bu/6 Gießen, den 9. Mai 1905. Großh. Ortsgericht Gießen. Gros. fc 36/05 " Donnerstag den 8. Juni 1905, nachmittags 3 Uhr, werden auf hiesigem Ortsgericht die vor dem Namen des Carl Buß und Ehefrau geb. Rumpf stehendenParzellen derGemarkung Gießen l/dlö^to = 126 qm Hofraite auf dem Marktplatz, l/5164/io — 99 qm Hofraite das., 1/516,7 — 18 qm Hofraitegrund daselbst öffentlich meistbietend versteigert. Gießen, den 19. Avril 1905. Großherzogl. Ortsgericht Gießen. ________Gros.______B2% Otto Schaaf s 2549 liilienmilch- Seife ist die denkbar beste Toiletteseife. 1 Stück 50 Pfg., 12 St. Mk. 5.—. Adler-Drogerie, Seltersmeg 39. ••••mm fA f PflastertteS, eignet sich vor- /iglich zu Gartenkies, Maurer-, Weißbinder- und Streusand zu haben in der Grube an der 1. Schneise Licher Straße, mit ’«>ib ohne Anfuhr täglich. [2658 J. Hofmann, Gießen, Steinstraße 49. Gesellschafts - Verein. Bei der heutigen Ziehung sind ausgelost worden zur Rückzahlung bei unserer Gesellschastskafse oder dem Bankhaus A. Heichelheim 1. von dem Anlehen vom 1. Januar 1836 Nr. 306 287 313 für den 1. Juli 1905, 2. von dem Anlehen vom 1. Oktober 1900 Nr. 60 89 für den 1. Oktober 1905 und hört von den genannten Tagen an die Verzinsung auf. Gießen, den 16. Mai 1905. Gebhardt. Verlobte und andere Interessenten, welche Möbel kaufen wollen, begehen den grössten Fehler, wenn sie nicht vorher meinem reichhaltigen Magazin einen Besuch abstatten. Sie sparen viel Geld A und erhalten ganz vorzügliche Ware. ===== Weitgehendste Garantie ======== 50 komplette Speise-, Wohn- u. Herrenzimmer . Salons ........ Küchen -Einrichtungen Enorme Auswahl in Einzelmöbeln aller Art. Besondere Abteilung für Ködel- und Dekorations-Stoffe, Gardinen, Stores, Teppiche etc. Eigene Polster- und Schreiner-Werkstätten Kein Kaufzwang. — Sonntags geöffnet von 11 bis 3 Uhr. Peter Kronenberg Telephon 399 GIESSEN Kaplansgasse 18 Lieferung franko jeder Bahnstation 0"/, oder durch eigenes Fuhrwerk Ins Haus. Ä M ÄWchil L Großh. Hess. 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