He. 2G9 Qr | ier ist von dem Ernst der Stimmung im Bürgertum die Rede; wir nehmen an, daß nicht minder auch in unseren Negierungskreisen die Situation gewürdigt wird. Es hieße offenkundige Tatsachen leugnen, wollte man bestreiten, daß die Volksbewegungen in Rußland und in Oesterreich.Ungarn in der deutschen Bevölkerung eine Unruhe deS Blutes hervorgerufen haben. Die Zeitungen sind gefüllt mit Meldungen und StiminungSberichten. Wie em roter Faden zieht sich hindurch, daß unter dem Druck der öffentlichen Meinung heute zugestanden wird, was ein paar Tage vorher als un- möglich, ja undenkbar galt. Dieser überraschende Wechsel der Bilder regt in manchem Kopf den Gedanken an, daß eine Volksbewegung, sobald sie mit Wucht sich äußere, da? Meiste, ungefähr alles, durchzusetzen vermöge. Tie Ereignisse und Umwälzungen vollziehen sich mit so verblüffender Geschwin- digkeit, qewiffermaßen über Nacht, daß man an das orienta» lische Märchen von dem Kalifen erinnert wird, der morgens den fertigen Palast an der Stelle emporragen sieht, wo tagS zuvor ein leer.r Platz sich befand. Miguel hatte zu seinem Lieblingtzwort den Rat »Beuge o o r I* sich gewählt. TaS ist ein gutes und nützliches Wort im täglichen Leben wie für das politische Leben. Wenn irgendwo der Blitz eingeschlagen hat, sieht ein verständiger Mann nach, ob auf seinem Hause die Vorkehrungen, den zündenden Funken abzulenken, in Ordnung sind. ES ist ja eine ganz beruhigende Versicherung für daS Bürgertum, daß die preußische Regierung umsaffende Maßregeln getroffen hat gegen ein etwaige? Uebertreten der revolutionären Beweg- ungen. Aber uns scheint, daß damit das Maß von Vorsicht nicht erschöpft sein kann. Die Regierungen müssen sich sehr ernstlich fragen, ob und wo in Deutschland berechtigter Grund zur Unzufriedenheit vorhanden, und aus welche Weise der Mißstimmung zu begegnen ist? DaS Selbslbewußtsein der Sozialdemokratie hat eine ganz außerordentliche Stärkung durch die Taten der »russischen Brüder' erfahren. DaS Preßgezänk zwischen den Anhängern der »revisionistischen' und denen der revolutionären Richtung ändert daran gar nichts. Auf dem Boden gemeinsamer Forderungen finden sich die feindlichen Brüder wieder zusammen. Man braucht nur die Ausführungen im sozial- demokratischen »Vorwärts' über »Agrarier und Revolution' zu leien, um klar zu erkennen, daß die Drohung, in Deutsch- Gießener StadNhoalcr. Durchs Ohr, Lustspiel von Wilhelm Jordan. In einer freundlichen Sommermorgenstunde de? vorigen JahreS entschlief sanft in unserer Rachbarstadt Frankfurt a. M. Wilhelm Jordan, der letzte jener kraftvollen deutschen Dichter, die im Jahre 1819 das Licht der Welt erblickten. Gottfried Keller, Klaus Groth und Theodor Fontane, die nur um wenige Monate Jüngeren, waren ihm alle drei um Jahre in den Tod vorausgegangen. Im letzten Lustrum seines langen, arbeitsreichen Lebens hatte sein Mund geschwiegen. Seinen 80. Geburtstag, dem leider bald ein schwerer Schlaganfall gefolgt war, der seinem hohen Geiste wie seinem bärenstarken Körper verhängnisvoll wurde, hatte er noch rüstig wie ein Sechziger in großem Kreise und in großem Stile gefeiert. Im alten Frankfurter Schaufpielhause hatte er, in Frack und Claque, begleitet von den lebhaften Bewegungen seines feurigen Temperaments, eine flammende Theaterrede gehalten vor einem taufendköpsigen, festlich versammelten Publikum. Seine großen braunen Dichteraugen hatten hell aufgeblitzt, als er zündende, begeisternde Worte 'sprach von der Wiederkehr der Muse auf die deutsche Bühne, von dem Rückeroberungszuge wahrer Größe in die deutsche 'Dichtung, von der Abkehr deS deutschen Theaters vom wlatten Naturalismus. Ein paar Jahre vorher hatte er in •einem freundschaftlichen Briefe an mich gewettert gegen die »Kotrealisten und Afterpoeten, die sich genial dünken, wenn 'sie statt Farben Eiter und Blutwurst auf ihre Palette nehmen, nun Geschwüre an kranken Gliedern der Menschheit naturtreu jju malen.* Aus diesem Geiste heraus hatte er vor nahezu einem halben Jahrhundert fein berühmtes Lustspiel »Durchs Ohr* geschaffen, von dem er damals schon eine Reform der deutschen Wühncnlitteratur erhofft hatte. Jedoch blieb diese entzückende Kleine Dichtung mehrere Jahrzehnte hindurch ein vereinsamtes SSonntagSkind der Lustspielmuse, bis es seinem eifrigen Jünger Ludwig Fulda gelang, ein paar niedliche kleine Bühnenstücke iin anmutigen Versen nachzuschaffen, die freilich das wundervolle Vorbild nicht annähernd erreichten. »Durchs Ohr* ist als Bühnenwerk freilich für den All- llag zu kostbar, und uni in dem Vlan des heutigen Theaters ffefie und dauernde Wurzel zu schlagen, ist es zu sehr Liane, land die russische Bewegung nach'nahmen, kaum noch verhüllt wird. ES heißt z. B. der Darlegung: Bleibe die Reichsregierung der »gehorsame Kommis der Agrarier*, dann treibe sie ein gefährliches Spiel, bann tue sie alles, den Klassenkämpfen brutalere Formen zu verleihen, obgleich ihr doch ihr eigenes Jntereffe gebieten müßte, gerade jetzt möglichst versöhnlich aufjutreten. Hier hat man kaum noch nötig, zwischen den Zeilen zu lesen. Tie Regierungen würden nun sagen können: Tie Unzufriedenheit der Sozialdemokratie müssen wir als unabänderlich hinnehmen, — wenn nicht auch im Bürgertum, in weiten, durch und durch vaterlandstreu und monarchisch gesinnten Kreisen des Bürgertums, Klagen laut würden, die zwar in anderen Formen, sich äußern, aber inhaltlich mit denen des „Proletariats" übereinstimmen. Tie abnorme Teuerung fast sämtlicher unentb hr kicher Nahrungsmittel, als da sind Fleisch, Milch. Eier und Butter, spürt der Bürger ebensosehr am eigenen Leibe wie der organisierte Arbeiter. Dazu kommt die Hinderung der Durchführung von unserer Grosch. Hess. Negierung weise geplanter, vom volksfreund- lichen und staatsklugen Landesfürsten selber gewünschter populärer Gesetze, die den Bürger wie den Arbeiter in Stadt und Land in gleicher Weise berühren. Bestehen in der Nahrungsmittelsr g? G g.nsätzo zwischen Stadt und Land, so gehen Stadt und Land in Hessen Hand in Hand in dem Wunsche nach dem dir. k.en Wahlrecht'und der Steuerreform. Und daß die Interessen nicht etwa der kleinen Landwirte, sondern der Großgrundbesitzer in der hart empfundenen Fleischteuerüna zum Siege gelangen über Millionen kärglich gestellter Bürger, daß die Reichsregierung Erhebungen und wieder Erhcb- ungen anstellt, statt entschlossen die O ffnung der Grenon zu verfügen, unter höherer Bewertung der Volksgesundheit als der Vichseuchenaefahr: das hat die Verstimmung auf einen hohen Grad getrieben. Tie Städte tun sich zusammen, beraten und beschließen, Aerzte erheben gegen d i c Unterernährung ihre warnende Stimme (vgl. unser gestriges Feuilleton): alles vergeblich — die Gutachten der Larrdwirtschaftskammern fprctf)en das entscheidende Wort. Für die Verstärkung der deutschen Wehrkraft sollen demnächst fehr erhebliche Forderungen gestellt werden. Nur ein starkes und zufriedenes Volk kann Lasten tragen. Tie „sehr ernste Stimmung im Bürgertum", sie beruht auf anderen Ursachen, als auf der Besorgnis vor , plötzlichem Ausbruch von Unternehmungen, die an die russischen Vorgänge an Rin gen". VliliMckr $flflcr>frtian. Berührungspunkte dc8 Liberalismus. In der freisinnigen Volkspartei sind über die Stellungnahme zu den Fragen der Flotten- und Weltpolitik Meinungsverschiedenheiten aufgetreten. Aus der Zurückweisling der vom Abg. Eickhoff in seiner Wiesbadener Rede entwickelten Anschauungen durch den Abg. Müller-Sagan geht allerdings hervor, daß die Fraktion in dieser bedeutungsvollen Frage ebenso gespalten ist, wie c5 die freisinnige Partei gegenüber der Militärvorlage deS JahreS 1893 war. Nur wird eS diesmal darüber nicht zur Scheidung kommen. ES gibt keine Partei, die nicht schon iw wichtigen Fragen getrennt gestimmt hätte. Selbst bei den süddeutschen Demokraten herrscht nicht immer Einstimmigkeit, wie die Stellung deS 9lbg. Ctvrz zur Kolonialpolitik beweist. Aber symvtomisch sind diese Spaltungen im Lager ber bürget» sichen Linken, und zwar in dem Sinne, als sie gerade die Berührungspunkte unter den verschiedenen Gruppen der Liberalen ins Licht rücken. Es sind diese Erscheinungen somit' geeignet, den Glauben an die Möglichkeit eines Zusammenschlusses der Liberalen zu bestärken. Es ist kein Grund ersichtlich, warum nicht auch, wie in Bayern, wi« die schöne und augenscheinlich dauernde Einigkeit der Gießener N a 11 o n a l l i b e r a le n und Freisinnigen in alle »Fragen von besonbererWichtig- feit, im Reichstag ein liberaler Block gebildet werden könnte, warum es ausgefchloffen sein sollte, daß dort die parteipolitischen Erwägunaen, die die Krast des liberalen Gedankens so oft lähmten, mehr zurücklreten. Bei den veränderten Zeit« Verhältnissen ist es ein Unbing, baß liberale Parteigruppen, von benen je b e national gesinnt ist, durch ^Ibfonberung den Einfluß bes Liberalismus auf bie (Sefcögebung unb bas politische Leben in Frage stellen. • Ter bayerische WahIgeseheSeritwurf. Aus München wird geschrieben: Tie wichtigste Vorlage des neuen daher. Landtags, ber^ Wahlgesetzentwurf, hat ihre erste Lesung in der zweitere Kammer hinter sich. Es handelt sich, wie bei uns in Hessen, um die Einführung des direkten Wahlrechts, die auch m Danern am Schluß des vorigen Landtags nicht gelungen war. Nun war der neue Landtag gewählt, und nun fpUttl das Zentrum wohl sein Versprechen, das direkte Wahlrecht einzuführcn, einlösen. Ta mutz es wundernehmen, daß daS Zentrum die Vorlage mit Zugaben bepacken will, die durch» aus keine Förderung für sie bedeuten. Tas Zentrum hat für diese feine Stellungnahme eine Reihe von Gründen geltend gemacht, die nur «Schein sind, in Wirklichkeit liegen sie wo anders: Wird die Wahlkreiseinteilung jetzt gesetzlich geregelt, so kann es mit seiner Mehrheit den größten Ein^ sluh auf deren Gestaltung nehmen, und ferner bürgt ihms die relative Mehrheit eine Reihe von Sitzen mehr, die e# nach eigenem Zugeständnis sonst nicht erhielte. Zu diesen! parteipolitischen Gründen kommt aber noch ein andererq Es ist nicht ausgeschlossen, daß, wie bei uns in Hessen bie 1. Kammer, der daher. Reichsrat den Entwurf ablehnt; damit! käme das direkte Wahlrecht wieder nicht zustande, un» damit — wäre ein geheimer Wunsch des Zentrums erfüllt.! Tiefes ist nämlich durchaus nicht der Freund des direkten Wahlrechts, als den es sich diese ganzen Monate her und vor und bei der Wahl ausgegeben hat, denn es würde ihm eine ganze Anzahl Sitze weniger g"ben, wie zu Beginn des! bie nicht vom niedrigen Erbrcich lebt, fonbern ihre phan- taktischen Ranken hoch oben in ber Luft von Wipfel zu Wipfel schlingt. Was für ein köstlicher AuSnahmegevuß aber ist es, eine Kunst berounbern zu können, bie bes BroteS nicht bebarf, da sie bie Götterspeise Ambrosia ber nahrhaften Alltagskost vorzieht unb gleich göttlichem Nektar berauscht. Ter anschlagenben Pointen schier überreiche eble, feine Witz ist teilweise von elektrisierenber Wirkung. TaS Stücklein.ist in bieser Beziehung wie überhaupt in ber sinnigen Färbung bes Ganzen einem burch meisterhaften Schliff von allen trübenben Pünktchen freien Juwel gleich und oerbient eingereiht zu werben in bie kleine Sammlung ber Perlen ber Welt- litteratur. Tie öanblung, bie fast von antiker Einfachheit ist, ist es nicht, bie ber Dichtung Wert unb Reiz auSmacht; es ist der poetische Feinsinn, bie blitzende Kraft ber Gebanken, ber erfinbungSreiche, Shakespeci rische Geist; gleichsam ein Geist ohne Körper freilich. Ein junger Mann geht maskiert zum Maskenball. Dort trifft er ein Mäbchen, beren Maske bas Antlitz verhüllt. Er weiß nicht, ob sie jung ober alt, schön ober häßlich ist. Doch »burchs Ohr*, ben Zauber ber Stimme unb ber zarten Rebe findet Heinrich seine Klara. So hat Heinrich noch von keinem Mäbchen, noch von keinem Menschen reben gehört. Was Klara zu Heinrich spricht, funfclt in allen Lichtern ber Empfinbung unb bes Humors, unb ber Süßigkeit ber Stimme fehlt eS nirgenb an einem wohl- gemessenen ©ran geistreicher Würze. Nach ber Demaskierung aber steht Heinrich dem lieblichsten Mädchen gegenüber. Und er gibt seinen Empfindungen in zarten Versen von wundervollem Wohllaut Ausdruck. Das ist Heinrichs Liebesgeschichte. — Auf seinen weiten Rhapkobenfahrten hatte ber Dichter Gelegenheit, zu bem Schluffe zu kommen, baß bas »Gehör* ber vollkommenste ber Sinne ist, nicht bas »Gesicht*. Tas Ohr ist unser am meisten ausgebildetes, seinstlhligsteS Organ, nicht baS Auge, trotz besten lebhafter Sprechlunst. Unb bie Wissenschaft hat bas inzwischen bestätigt. Der bekannte Hallenser Ophthalmologe Profestor Dr. Schmibt-Nimpler veröffentlichte vor einigen Jahren einen Aufsatz in ber Zeitschrift „Nord und Süd*, in bem er bem Auge bie »Sprache bes Herzens* in wissenschaftlich eingehenber unb klarer Weile abspricht. Aehn- sicheS sagt er auch in seiner Schrift »Ter Ausdruck im Auge*. UebrigenS scheint diese Wahrheit bereits Calderon, Wilh. Jordans großes Vorbild, vorgeahnt zu haben. Wenigstens erinnere ich mich, in einer feiner Dichtungen den Ausspruch gesunden zu haben: »Mehr macht verliebt daS Hören.* Daß Jordan das, was er hier in Versen zum Ausdruck gebracht hat, auch erlebt hat, bestätigt fein in ber Gebicht-, fammlung »Strophen unb Stäbe* enthaltenes Poem »An Krimhilb*. Die Reimkunst bes Nibelungen-Jordan (welch stolzes Name!) steht in unserer Sitteratur immer noch unübertroffen ba, unb in bem Schmuck beS Verses, ber feinen Ziselierung von Wort unb Gebanken war Jorban ein echter Golbschmied ber Renaissance. Nur bas ungewöhnliche Formgefühl und mehr noch bie große Feinhörigkeit beS großen Rhapsoben vermochte ben Vers nicht sowohl zu einem bloßen Schmucke des Stückes zu gestalten, als vielmehr durch außerordentlichen Klangzauber Herz und Sinn ber Hörer wie ber Darsteller; selber in seinen Bann zu ziehen. Unb wie weise vom Poeten war'S, baß er baS sinnvolle Spiel enbete, bevor man gewahü ?'e rein unb schön Jorban auch in bie Werke, bas auf Regn uen'cherze, auf Verwickelungseffekte unb für bie Phantasie. ; lyrische Harfe zu grei- kleine Lieb »Wenn z mißte, zeigt baS wunbervolle schlichte sich lieben". trigen Aufführung von »Durchs Chr* c Dichtung umschmeichelte baS Pudli- Unb das will viel sagen bei einem Tie Wirkung bc war burchschlagenb. kum wie mit Feenhäi wirb, baß ein Menu von lauter Konfekt keine Mahlzeit gibt3 waS fünf Akte lang ermüben dürfte, bleibt in kluger Be«z schränkung eine Unterhaltung von bestrickender Anmut unb, eine geistvolle Anregung für ben Verstanb nicht minber als ähnliche scheinbar unvermeibliche Tinge so ganz verzichtet, baS nicht mehr als vier Personen auf bie Bühne bringt. Es war ein Sieg ber reinen Poesie. Eine Aufführung von »Durchs Ohr* bietet weniger durch, bie Reimsprache, als durch bie Verbinbung einer ganz idealistischen Sprachioim mit bem modernen Kostüm Schwierigkeit. Tie kunstvolle Sprache be§ Dichters verlangt eine kunstvolle gebildete Sprechweise, die nicht nur bie Perlenreihe der Gedanken, sondern auch bie Glieder ber sie tragenben golbenen Kette ber Verse in ihrem Bau unb Klang rein unb klar »burchs Ohr* zum Bewußtwerben ihres künstlerischen Gefüges gelangen läßt. Das gelang, unter verstänbnisvoller Regie, auch bei uns über alles Ern'-i'-t-'n gut. Haltung und Spiel ber vier Beteiligten blieben auch in bieser Welt, bie) «ei Eisen feliil dem B!ut der Blutarmen und Bleichsüchtigen. Am wirksamsten wird das Eisen dem Körper durch das wohlschmeckende Perdynamln (1 Flasche 2,50 M.) oder durch den nährenden PerdyHamill-KakaO 1 Büchse 2.7)0 M. zugeführt. Letzterer ist an Stelle des Morgenkaffees zn trinken. 'mit Grazie zwischen Sein und Nichtsein schwankt, durchaus »natürlich und charakteristisch, ohne durch platte Realismen zu istören, und der Verb glitt meist so glatt und leicht über die Lippen, als ob er der unwillkürliche Ausdruck der darzu-- siellenden Wesen wäre. Daß dabei daS Recht deS Reim- INangeS etwa zu kurz kam, kann kaum gesagt werden. Mit lehr viel Glück war trotz unseres verhältnismäßig doch nicht .großen Personals daS harmonische Lustsvielquartett auf vier raufd beste passende Darsteller verteilt, die melodiesührenden .und seelenvoll duettierenden Oberstimmen auf Frl. D on ecker sund Herrn Lüttj oha nu, die obligate neckische Begleitung in jder verminderten Tonart auf Frl. Schellen berg und Herrn Reimer. Im MaSkenspiel deS 1. Aktes wird einmal gesagt, daß itnon später die Mädchen nur an der Stimme erkennen und -üon einander würde unterscheiden können. Sind also die Rollen der beiden Schwestern durch zwei Damen von verschiedener Figur besetzt, dann fällt ein Teil der Intrigue in sich zusammen. Da will e§ ein hübscher Zufall, daß die genannten beiden jungen Damen fast gleich an Größe, und in der Figur nicht gerade durchaus unähnlich sind. Frl. Schellenberg hat gestern abend den Vogel abgeschossen. Sie war von bestrickendster Anmut und Schalkhaftigkeit. Ihre muntere kleine Seele hatte sie in die köstlichste Lustspiel- Imme, in den Uebermut rheinischen Karnevals getaucht, und ganz reizend war ihre heitere Beredsamkeit, waren ihre schnippischen Knickse ivie ihr sprudelndes Flackerzörnchen. Und wie ein silbernes Glöcklein klang ihre holde Stimme. Zu allemdem sah sie wunderlieblich au5 sowohl im Puder- Haar des RokkokodärnchenS ivie im lichtblauen Schmucke der eleganten Modedame. Ta? frisch Zilgreifende stand ihrer Froh- natur so vortrefflich, daß man ihr gleich ihrem Partner von Herzen gilt sein mußte. Dieser Partner. Herr Re im er, brachte seinen .ganzen kernigen, hier vortrefflich vassenden Shakespeareschen Graziano-Humor für die Rolle deS Advokaten und praktischen Weltmannes mit, und gab an Geschmack und künstlerischem ^Schliff so viel, als i()in eigen ist, und das ist b -nllich ! -rcht respektabel. Was immer wieder besonders an ihm er- Bei der Borstandswahl wurden Pfarrer Röschen-Freienden und Weber-Laug-Göns wieder, und anstelle des aus- iqeschiedenen Pfarrers Mickel Pfarrer K'ö hle r-Rohrlnw) neu ^^Msdami wnckde in die Beratung der Frage über die „Fürsorge für entlassene Gefangene" eingetreten. Den ,-Anlaß dazu hatte ein Ausschreiben Großh. Oberkonsistoriums gegeben, in dem den Erziehungsvereinen die Aufgabe, die entlassenen Gefangenen in Stellungen unterynbringeii, zugeichoben war. .Herr Oberstaatsanwalt Theobald führte dazu aus, daß die Arbeit zu tun sei im Anschluß an den hessischen Schutzverem für entlassene Gefangene, der im verflossenen Geschäftsiahre 30b Entlassene in seiner Fürsorge gehabt und dafür ca. 10 000 Mk aufgewendet habe. Es sei besonders sein Wunsch gewesen, daß die Ersahrimg der Erziehungsvereine auch für die entlaßenen -Gefangenen nutzbar gemacht werde. Die Erziehiingsvereme feien dazu besonders geeignet, da ihre Tätigkeit sich schon in in andrer Beziehung mit der der Schuhvereine berühre. Die Mehrarbeit «Werde auch nicht allzugroß sein. Es handele sich im wesentlichen um solche, die zu ländlicher Arbeit verwendet werden sollen. Deren seien doch inrmerhin höchstens die Halst? aller Entlassenen. Jedenfalls werde die Uebernahme dieses Liebesdienstes die Teilnahme an den Erziehungsvereinen nur erhöhen. Rach eingehender Besprechung wurde beschlossen, daß der Verband 'jid) dem Schutzverein für diese Hilfs"rbeit mr Verfügung stelle. Märkte. fc Rrnnff urt a. M., 14. Nov. Heu- und Stroh, markt.' Man notierte: Heu Mll 3.70 bis Mk. 400 Stroh Mk. 2.60 bis Mk. 3 00. ?llles r > Qilo. senden;: lebt kit. Fiahrcsfeft des Oberheffischcn Vereins für innere Mission. Gießen, den 14. Nov. 1905. Um lOVi Uhr versanrmelten sich im Matchaussaal die Ve r- ttveter und Freunde des Verbandes der O b erhe, i i s ck e n Erziehungsvereine. Von feiten der Behörden tr'rci; Oberkonsistorialrat D. Petersen, Regiemngsrat Dr W a g ' und Kreisamtmann Bernbeck aus ^wiedberg erzch-.en? dem interessanten Jahresbericht des Vorsitzenden. Roschen ans Freienseen, heben wir folgendes Heriw Gesetze über die staatlich geordnete Fürsorgeerzichur. i , billigen Ansprüchen gegenüber bcttwbrt. Angesichts i r tiefen Verwahrlosung, in der viele Kinder der Fürsorgeerziehung übergeben werden, darf die Erwartung nickst zu hoch gespannt werden. Aber die Erfahrungen der Erziehungsvereine und nicht schlecht. Rach den letzten Veröffentlichungen hat die Kriminalität der Jugendlichen um 3 Prozent abgenommen. Das Kreisamt Worms stellt fest, daß bei 80 Prozent der Pfleglinge die Fürsorgeerziehung von Erfolg gewesen sei. Die Erziehungsanstalt Arnsburg rechnet mit 74 Prozent. Die Arbeit der Vereine ist wieder gewacksten. Jrn Jahre 1904iuarcn 508 Pfleglinge in der Pflege der Verbandsvereine, gegen 492 in 1903. (Friedberg 239, Grimberg 106, Lauterbach 61, Büdingen 38, Schotten 34, Alcheld nnd Nidda je 9, Gießen 7, Hungen 51, dar "r 282 Kvufirmierte ,(167 Knaben und 115 Mädchen). Auch l -in Hessen hat sich .ein Verband der Erziehungsvereine gebitb.. i.o der Zusammen- ckchluß der 3 Provinzialverbände zu einem andesverbaud ist im Gang. Das Verhältnis der Erziehungsvereine zu den Nettuugs- anstalten ist noch nicht völlig gellärt. Der Vorsitzende des Dessi- fchen Rettungshausverbandes, Herr Konsistorialrat Jäger m Berstadt, bat sich freudig zur gemeinsamen Arbeit mit den Erziehungsvereinen bereit erllärt. Begrüßt wurde die Begründung des Vereins für geschichtliche Psychologie und Pspcknattie und dessen Eintritt in die Erörterung der Fürsorgeerziehungs- freut, ist, daß er stets mit ganzer Seele bei der Sache ist, daß er ganz in ihr ausgebt, daß er innerlich lebt, was er, ob redend oder hörend, spielt. Und diesmal ist noch aus- drücklich zu betonen, daß er kaum eine der zahllosen, sich jagenden Pointen von epigramatischer Schärfe zu Boden allen ließ, was den Mitspielern doch bisweilen passierte. Frl. Donecker sprach ihren besonders schönen Part mit vollster Wärme und hingebungsstarker Innigkeit in der Tongebung und feinem, eindringlichen Verständnis. Sie hatte den Geist der ßochgestimmten Dichtung voll in sich ausgenommen und durchgesüh t. Es lag eine frartc, tief empfindende Seele auf ihrer Zunge. Eins aber wirkt immer noch störend an ihr, die Unausgeglichenheit ihrer Bewegungen, ihre etwas schleppende, der Anmut entbeh^nde Gangart. Sollte sich dieser rein äußerliche, aber doch nicht zu unterschätzende Mangel bei einiger Energie nicht überwinden lassen? Bei ihrem schönen Talent und ihrem offensichtlichen künstlerischen Ernst wäre auf die Dauer dieser Mangel ihrem Fortkommen zweifellos hinderlich. Ten lachenden Erben mit der Zweiflermiene, auf die ein erwachendes Herzens- geheimnis seine süßen Schatten wirft, spielte Herr L ü 11» j o b a ii n gleichfalls mit edler Warme und Innigkeit und in der Verstellungskomödie nrit Humor, nnt dem leichten und gefälligen Ton, den Haiidlung und Stinnnung deS Stückes erfordern. Freilich hätte namentlich im ersten Akt eine liefere seelische Anteilnahme, das Vibrieren des von heißer Liebe entzündeten schwärmenden Herzens dem Ganzen zu noch größer ent Vorteil gereicht. Man fühlte, daß Rolle und Darsteller einander noch manches mitzuteilen gehabt hätten bei gründlicherer Bckannlsclxift. Dafür zeigte er maßvolle Besonnenheit und gute Haltung. Hierin hat er gegen das Vorjahr wesentliche Fortschritte gemacht. Er ist überhaupt männlicher, reifer, auch hübscher geworden und verspricht ein recht tüchtiger jugendlicher Held zu werden. So 'erwiesen sich die vier Mitwirkenden als trefflich begabte Künstler, die dem llassischeu Werke Genüge taten und durch eigene künstlens-ck)c Gestaltung in den anmutsreichen Liebcsgesprächen - ch selbst zur Ehre mitwirkten. Nnd was der Darstellung ihren besonderen leuchtenden Reiz re'- ->a§ war die blühende, gtül/enbe Jugend des vierten Künstlerkleeblatts. Eine Million. Im Oktober bat die „V i k t o r i a' zum ersten Male in einem Monat in ihrer Volks-Versichei-ung an die Versicherten für Sterbefälle und abaelaistene Versicherungen mehr als eine Million Mark gezahlt. Hierin stecken die Gewinnanteile,^die rund vi der gezahlten Versicherungssummen ausnia. -n. -i tc uus- zahlungeii wach'en von Monat zu Monat, von ahv zu Jahr, wen mit dem wachsenden Alter und der wachsenden Grone des Per- sicherungsbestandes die Sterbeiälle zunehmen in-.d immer mehr Versicherungen ablaicken. Tie „V i k t o r i an nahm die Volksver- sicherung im Jahre 1892 aus und hatte schon in wenigen Jahren die anderen deutschen Gesellschailen überflügelt. $£r lediger -jer« sicherungs-Bestand beträgt über eine halbe Milliaide Mack und mehr als bei allen anderen deutschen Gesellschaften zusammeu- genommen. Tie Zahl ist noch klein im Vergleich mit den Zahlen in Amerika und England. Hat doch die „Rtetropolitan m New- Bork einen Bestand von 6 Milliarden und die .Prudential in London enienBestand von STliUiarben Mark. Aber die deutschen Gesellschasteu, die „Viktoria' voran, leisteii ihren Versicherten in jeder Hinsicht mehr als die eiiglischen und amerikanischen. ~er volkswirtschaftliche Wert der Volks-Versicherung ist garnicht hoch genug z»i veranschlagen. Sie bietet siir Erwachsene wie sur Kinder aus 'der Grundlage zuverlässiger mathematischer Rechnungen und einer erprobten geschäftlichen Organisation Lebensversicherung ohne ärztliche Untersuchung gegen Wochenbeilräge. -tie Versichonings- funune wird fällig, bei Ablaui der Versicherungsdaner oder- b. vorzeitigem Tode. Das regelmäßige Abholen der geringen Wochen- b ei träge übt einen heilsamen Sparzwang aus, dem man sich gern unterwirft. Was hätten wohl die Versicherten oder chreHmer- bitebenen von der im Oktober ausgezahlten Million ohne die Volks- Versicherung? Wahrscheinlich nichts oder verschwindend weniq.' Was an Beitrügen gezahlt werden mußte, wäre sonst unmerklch nut ausgegeben worden, ohne irgend eine Epiir zu hinter lassen. c16/„ Landtags einer feiner Führer ganz offen gesagt bat. Warum sollte es also denn durchaus das ihm vorteilhaftere indirekte Wahlrecht beseitigen! Aber selbst darf es dem direkten keine Hmdernisse in den Weg legen, um s^^ lerven Beteuerungen nicht selbst Lügen zu strafen,, daher fcßt man lieber einen anderen dieses Odium auf sich nchrnen, und dieser andere sollte eben der Reichsrat sein Tas ist der wahre Grund, weswegen das Zentrinn so bartnackig an feinen Abänderungen des Entwurfes festhalt: Inder Kammer ist es ihm von den Gegnern ziemlich ^luverblumt gesagt worden, wogegen es natürlich mit schöner Entrüstung yr°t Im Verlauf der Verhandlungen Über den Wahlaesetz- enttourf war noch als weitere interessante Beobachtn g festzustellen, daß das Zentrum in semer MiNister- stürzerei, die sie nach den großsprecherischen ungen gar nicht schnell genug beim verhaßten ©rafett Feilitzsch dem Minister des Innern, beginnen konnte auffällig innegehalten hat. Ein Kennzeichen brerfur ist, daß der als Totengräber des Genannten ausersehene Tr. Heun die Berichterstattung über dessen Etat niedergelegt hat.^Man sagt wegen Nervenüberreizung, kann aber nicht verhindern daß Dr.' Heim als sehr wohlaussehend befunden wird, und daß man'sich erinnert, daß der Reg— höchst cr bitt er ist Über das demagogische C*Mren des t rflchen Zentrums Was liegt da näher, als anzunehmen, uap tue ^wlomaten und Konservativen des Zentrums, die nc!ch dem Hofe hm sehr gute Fühlung haben, ihren Emfluß aufboten, um hrer zeitweilig zu bremsen. der Krcisamter. . .... , Ter gut besuchte Festgottesdienst m der Stadtkirche, der, wie üblich, von Gesängen des Kttchngesgngvercins sckwn geschmückt wer. brachte einen sehr wohltuenden „Ruf zur Stille aus oem Munde oes FcüprediaerS, Pfarrer Palmer aus Offenbach, auf C'tanib von Psalm 46, 11. Sehr anregende Vorttage bot auch die A b e n d v e r s a m m l u n g in Steins r t en. Rach einer einleitenden Ansprache W Vorsitzenden, Drofessor D. (Stamm, in der er auf den Emsi der Lage und die Gefahren, die darin auch für den sittlichen Charakter liegen, binwies und oufforderte, gerade deshalb fortzufahren in der Arbeit, die dem Volksleben die Kräfte des Evangeliums Zufuhren solle, und nach einem Gesang des Kirchengefanavereins irrach Dr. Klum- cker aus Franksiirt n. M. in sehr fesselnder Weise "bcr -Mode r n e Wohltätigkeit". Nickck die modernen Auswüchse der Wohltätigkeit meine er, daß man für die Armen tanze. Lotteriesviele u. dgl., sondern den großartigen Betrieb der ernsten i ™ 03 mit gefäWt ist, Auch ist die Ges. l,"' -ng der Juaend durch die modernen Verhältnisse nickst zu überschätzen. Dir leben m Uebcrgnng5tntcn, in denen die Lebensformen sich wandeln und barum manckmial eine sehr unangenehme Gestalt annehmen, ohne daß bie dahmter liegende Gesinnung schleckst oder gar elstlos siin mutz- Roch b^r Regelung wartet in Hessen die rtrage der Behandmng der Entwichenen. Redner bittet, sich durch Mißerfolg nickt entmutigen zu lassen. Mlcrdings ist in unseren ^ttafanstalten der Pro'-mtsatz derer, die früher in Zwangsernehung geweien, lich hock, z- V. 1904 in Butzbacy 26, in MarienMoß 14. darunter sind solche mit 16 Vofttrefen. sind eben formale, Ae feiner Erstehung zugänglich sind, und dauernd in .lnstalten Chören. Vielfach ist auch die Zwangserziehung viel zu \ibat ngcorbnet worden. Das Gesetz, das nur die drohende völlige sittliche Verwahrlosung das Reckst zur Anordnung der Zwanas- 'rstehung gebe, ist doch nicht so auS-ulegen, bau die V.r- wchrlosi-ng sckon in tatsächll^n Erscheinungen zutaae getreten fei/ Schließlich bittet der Vortragende die Theoretiker di.'.vch die Erf-Hrungen der Praxis zu unterteil In der ^.lssistnon weist Pf'rrer All wohn, Gefängnis' stch.w aus Marienschlotz. auf den starken Prozentsatz der Uneh.sti m vntcr den Zuchthans- 'stäflingen hin und fordert, daß sich d.e F'-rsorgeer'-iebung besonders der uneheliche Kinder cmiiebme. Unter leb vaster Zustimmung zu den Aussiihr'.ingen b's Vrr^' wurde der Erlag einer neuen Instruktion für Handbobum-n-^-r’iepung unter Berücksichtigung der neueren GesichlSwinkte gewünscht. Schließlich wurde die B i l d u n g eiueSLandesver Handes der Erziehungsvereine unter Wahrung der Sstb- sländigkeit der Provinstalverbände beschlossen, ebenso d e Bildung Hncr Verbandskasse aus Beiträgen der Tekanatskasien und sönlichm Liebesübung mit berufsmäßig das ein Hauptkennzeichen der modernen Wotztatigleit ist Als- dann führte Dr. Kahn aus ^anksiirt a. M m . beutung der Wohnungsfrage für das sittliche Leben" ein. Er schilderte und kmnzcichnete d'-s Wohnung», elend in den Städten, wie es aus den teuren .. t.n erwach,c. Der Aufwand für die Miete steigere nck von dem normalen Ver- pzltnis wnt ein Sechstel des Einkommens bei Leuten nut einem Einkommen bis zu 1500 Mark auf ein Anstel, ,a bis m em Drittel des Einkommens. Darum wohnen bis zu - 0 Vrozent aller Einwohner in Einzimuierwohn'.ingen, meist auch mit ganz ungenügenden Nebenräumen. Dazu kommen die ^chlafganger, di'rck die man die teure Miete erleichtern will. In .lltona b- Lni 19 Prozent der F"-milien solck^ Schlafleute, m t.iuncken sogar 30 Prozent In Berlin wurden 7 Prozent der Wohnui^gen als völlig überfüllt bezeichnet, in KömgÄerg sogar 10 Prozent. Bist schlimmer wird es noch durch den Mangel an > losae egm- e beiten. 3 bis 4 Personen in einem Bett 'F nichts lettenes. Reben allen gesundheitlichen Schädigungen ^rt das b^nk- liche mor-lisch)« Folgernchemnngen mit sich- 1- wichen Wost- nugen ist nur schwer der Unordnung zu wehren, und die äußerliche Unorbnuna zieht leicht innerlich "^ordaiete.' ^estn nach sich. 2. Das Wohnungselend treibt die Mensckwn aus dem Haus ins Wirtshaus, und ist so die mittelbare Unache von viel Trunksucht, und allem sittlichen und häuslichen Eckend, b4 sie im Gefolge hat: es wird 3. zur Quelle von allerlei Unsittlichkeit: 4. es fördert Zank und Streit, a. 2üe Neuerung der Miete bringt Rot und damit Dennchung zu allerlei Vev brechen 6 All^ diese Verhältt'isse üben emen nachteiligen Em, fluß auf die Kindesseele, die sich ohne Freiheit der Bewegung ohne eine Heimat, die die Seele mit frohen ^Erinnerungen siillt in äußerer und innerer Unordnung nicht gesund entfallen kann. Der Vorttagende schlo i mit einem warmen gTufruf jur Mitarbeit an die Wohnuugsreform, vor allem _ an Den Bau- a^nossensch-rften und zur eifrigen Förderung unserer heimncken Baugenossenschaft des Evang. Arbeitervereins, deren Verdienste er anerlannte. Solckw Wohnungsrstorm treiben sei ein eminent patriotisches Werk. Denn ohne die GrunÄage einer Wohnung, in der man sich wohl fühlen könne, könne das Heimatgefthl, auf dem die Vaterlandsliebe mbe, s-ck nickst ciitmltcu. «TJCTMLAMJ11 ■ ! !■ ■ 1—!■ I—C?—3MZ-. -. ■- »-«.• Ter sehr animierte Theaterabend, der das Publikitm ichtlich herzlich erfreute, toar ungewöhnlich kurz. Bald nach VolO Uhr fand er sein Ende. Tas war ja an lieh reckt erfreulich, aber es fehlte doch der rechte Ausgleich zu den bis Mitternacht sich ausdehnenden Vorstellungen. In tfram- urt pflegt auf „Durchs Ohr" noch eine fünfakllge Mo- liöresche Komödie zu folgen. Tas wäre für uns freilich vrelzu viel. Ein Einakter aber, etwa von Jordans Landsmann Wichert ober von feinem Nachahmer Fulda, wäre ganz aw nehmbar gewesen und hätte gleichzeitig aufs deutlichsn' die Kluft gezeigt, die den Schüler von dem Meister Iweiott Verhalten sich doch die Heinen „bramatifdfen Gedichte Fuldas, z. B. „Lästige Schönheit" oder „Frühling un Winter", zur Jordanschen Dichtung wie erste Skizzen zn ausgereiftem Werke. * P- W- — Prof. August Noack i. Im Alter von 83 Jalrrcn iP wie wir schon meldeten, der Nestor der Darmstädter Maler, 4>rv: August Noack, sanft entschlafen. Schon in früstr Jugend rcg sich in ihm der Drang zum Zeichnen. 1839 bis 1842 studiert er in Düsseldorf. Später ging er nach München, dann nov Belgien, Holland, Frankreich und Italien, bis er 18o4, voi Großherzog Ludwig III. zum Hofmaler ernannt, sick dauern in Tarmstadl niederliest 1864 vollendete Noack sein erstes groll^ .Historiengemälde „Das Religionsgespräch zu Marbiirg", bi» ’’ in der Darmstädter Gemäldegalerie befindet: da.S Bild entn-r später zum zweiten Male siir die Stadt Marburg. Em ^i- Luther in Worms von Philipp dem Grosmiütigen betzicht , v findet sich in der Rostocker Gemäldegalerie. 18,0 wurde Noa- Professor an der Hochschule zu Darmstadt. Auch als Portra maler war Noack bekannt, hat er doch über 1000 Porträte- ck'wall Frankfurt a. M., 14. Nov. Im R e s i d e n z- -i. h e a tc setzte gestern Adalbert Mat kowski; sein Gastspiel als Petruea)^ in ,D e r Widerspenstigen Zähmung" iorl. * te .ui^ llihrung war auf den derben Zug der Shakespeareschen Zen ä stimmt und bot dem Gast Gelegenheit zur herrlichen Einwuinz seiner bedeutenden Kunst. Fräulein R o s n ers Kätchen war eo falls eine glänzende Leistung und das übrige Personal gab I Bestes. Tatz Publikum dankte durch reichsten Bestall und heiter, Stimmung. — Emil Vanderstetten's Einakter „D er HerrReg imcn> l Medien s" hatte, wie mar. uns schreibt, bei lewer ura führung im Mannheimer Hofthea! einen unbestrüttnen - M Großer 3$ chuhwaren - Ausverkauf wegen Abbruch meines Hauses 5233 Wllh. Reiber, Seltersweg 38 Vertreter gesucht. DWn miMiN Vollständiger Ausverkauf Sidierheits-Seilwinflen Uhr Prospekt gratis. € Aufhebung der Krämcrmärktc. 1 Kaiser a. 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