155, Jahrg Nr. 291 General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Eichen lifdien, käme, al I.Vollherützt »er Dole W. 2.2t per Dose M.2L« Roman ii'1 i Ulk- Sprot billig'! VA>. Dort SnOter Rotationsdruck und Verlag der Brllhl'scchen Unwersuälsdruckeret. R. Lange, Gießen. scheint täglich mit Ausnahme deS Sonntag«. Die „Sietzener Samilienblätter" werden dem .Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der ^hejstlche Land wirft' erscheint monatlich einmal. Weinhansi Kircheopla Gorin. Hcringc ardinen a. Kieler Win ' empfahlt IRothni lelcpho 322. L- Neue Berliner»- per St. 7 1!'. Feinste Neue »l«««? Neue rttjiW ■ einpD Eti. C£ Mlitor^»' Parlamentarische Verhandlungen, tkachdruck ohne Vereinbarung nicht gestattet. Deutscher Reichstag. 8. Sitzung vom 9. Dezember. 1 Uhr. Das HauS ist mäßig besetzt. Am Bundcöratstisch: Frhr. von Stengel, von Einem, grhr. von Richthofen, Graf P o s a d o w s k y u. a. Die erste Lesung des Etats, der Novelle zum Flotten- yesetz und der Reichsfinanzreform wrrd fortgesetzt. r vd Stil8ebiei' ebd. 5 ,/jtt iW*e *#>•* tr. KK' 'S'11 rurH, Weis^ < BMV r Stimme! > Reparif Polierei in tadelloser Ai durch M. Rot 1 Grossh. Hess. B - pianohandlg. o Werkstatt#. Seit? Bei der Finanzreform kommt als Hauptgesichtspunkt mit rn Betracht die Wahrung der finanziellen Selbständigkeit der Einzel- staaten. Die Finanzreform ist eine Notwendigkeit. Die Finanzpolitik der letzten Jahre war eine Politik der Notbehelfe. Wir wären für eine Beseitigung der Matrikularbeiträge, aber wir hriffen sehr wohl, daß das Zentrum dafür nicht zu haben ist.. Und deshalb hat es keinen Zweck, darüber zu meditieren. Wir können bei den Steuervorlagen nur wünschen, daß die Entscheidung so schnell hne möglich fällt, damit die in Betracht kommenden Industrien nicht lange im ungewißen bleiben. Die Argumente, die wir gegen einzelne Stenern gehört haben, sind etwas antiquiert. Aber cs wird schwierig sein, den Wählern des allgemeinen Wahlrechts klar zu machen, daß gerade solche Steuern gewählt werden müssen, die den Konsum der breiten Massen belasten. Es handelt sich hier um eine hochpolitische Frage. Ich glaube jedenfalls, daß Steuern, die in ihrem Endeffekt die Zahl der sozialdemokratischen Wähler und Abgeordneten vermehren, nicht die richtigen sind. (Sehr richtig!) Die Verkehrs st euer erfreut sich sehr geringer Sympathien. Die T a b a k st e u e r hat geringe Aussicht auf Annahme. Den Grundsatz der N e i ch s - erbfchaftssteuer acceptiert meine Fraktion. Wir sind auch für eine Besteuerung der Deszendenten. Der Einwand, daß dann der Staat in das Innere der Familie eindringt, ist nicht stichhaltig. Solch ein Eindringen haben wir schon jetzt, wenn Minderjährige zurückbleiben und eine Inventur ausgenommen werden muß. Wir seben in der Erbschaftssteuer einen gerechten Ausgleich, und weite Kreise unseres Volkes haben dasselbe Empfinden. Herr Fritzen hat völlige Freiheit für den katholischen Kultus und zu diesem Zweck die Annahme des Toleranzantrages verlangt. Wir sind nach wie vor der Ansicht, daß der Tolerauzantraa des Zentrums, namentlich in seinem zweiten Teil über die Grenze hinausgeht, die die Kultfreiheit bedingt. Die Thronrede spricht von der Fortführung der Sozial- ref orm und räumt so mit der Sage von der übervollen Kompottschüssel auf. Es ist nun nicht zu leugnen, daß manche Kreise, di« früher für die Sozialreform lebhaft eintraten, im Laufe der letzten Jahre sich von ihr abgekehrt haben. Namentlich das Wachstum der Sozialdemokratie hat sie abgeschreckl, und daß diese von Jahr zu Jahr radikaler wird. Ich glaube, wir sollten uns dadurch in dem Ausbau der Sozialreform nicht beirren lassen. Dringend ist die Reform und Vereinheitlichung unsere rge- s amten Arbeiterversicherung notwendig. Wie ich höre, ist ein Geheimrat im Reichsamt des Innern mit der Ausarbeitung des Neformplancs beschäftigt. Ich zweifle aber daran, ob die Kraft eines Geheimrats genügen wird, um die große Aufgabe dieser Umgestaltung durchzuführen. Tas gesetzgeberische Vorgehen auf dem Gebiete der Sozial- refcrm beeinflußt das ganze Verhältnis zwisäien Arbeitgebern und Arbeitnehmern. Ter Abgeordnete Jaur^s hat gestern im französischen Parlament Ausführungen gemacht, auf die ein näheres Eingehen wohl lohnte. Ich muß es mir leider versagen. Nur zwei Tinge will ich hervorheben: Tie Kämpfe zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmern haben in letzter Zeit ein ganz anderes Gesicht bekommen. Ter Truck, den die Arbeiterorganisationen ausgeübt baden, hat einen starten Gegendruck erzeugt. Heute stehen wir vor der Tatsache großerArbeitgeberorganisatton en, bit traft ihrer pekuniären Macht (sehr richtig! bei den Soz.) ftäner sind, als die Arbeiterorganisationen. Eine immer größere Bedeutung kommt dem System der Aussperrungen zu. 2^6 Aussverrung ist eine einschneidende Maßregel, die Unschuldige trifft. Sie gebt aus von dem Gedanken der Solidarität der Arbeiter, einer Solidarität, die tatsächlich nicht vorhanden ist, die aber gerade durch das Mittel der Aussperrung gefördert wird, weil man dadurch Leuts in die Organisation hineinireibt, die an sich ihr fern blieben. Wenn wir so sehen, wie die Jnteresscnbarmonie zwischen 'Jirbcitgebern und Arbeitnehmern immer mehr verschwindet, dann wird man e5 begreiflich finden, wenn wir nach Friedensorganisationen rufen. Tabcr haben wir wieder den Antrag eingebracht auf Schäftung von Arbettskammern. Wir sind keine Illusionisten. Wir glauben nicht, das; durch jene Institution die Kampfe zwischen Arbeitgebern und Arbeitern verschwinden werden. Aber der Staat hat die Verpflichtung, wenn die Gegensätze sich verschärfen, seine Schuldig- frühere sozialdemokratische Reichstagsabgeordnete Calwer an, daß eine Flotte nötig sei für eine gesunde Weltpol,iik .t , Tie TeplacemeniSvergrößerung wird ja wohl ohne weiteres bewilligt werden müssen. Alle Nationen hal»cn das gleiche Bestreben, und England ist auch in dieser Beziehung um er großer Lehrmeister Cb die Lebensdauer unserer großen Schifte mit 25 Jahren nicht zu hoch gegriffen ist, darüber werden wir uns m der Kommission zu unterhalten haben. Damit wird d,c r^rage der schleunigen Ersatzbauten auch in den Vordergrund geruckt. — rr können zwar nie daran denken, eine Flotte zu bauen, die der eng- lifdien, geschweige der englischen und sranzösisciien zusammen, gleich- käme, aber wir müssen doch darauf sehen, daß wir wenigstens nur erstklassige Schisse haben. Man denkt über den Ausbau unserer Flotte heute im Volle ganz anders, als in früheren Zeiten. Da, ist ein Verdienst des viel an gegriffenen Flottenverems, wenn dieser auch manchmal über das Ziel hinausgeschossen hat. Einer durchgreifenden Reorganisation unterer Kolomalverwat- htng werden meine Freunde zuitimmcn. Wir stehen da vor großen Aufgaben Aber die Hauptsache sind die Menschen, nicht die Organisation Und da möchte ich, daß in der Auswahl der Personen die peinlichste Sorgfalt gewahrt wird: vor allem keine Leute mit „Vergangenheit". In einem kürzlich erschienenen neuen Buch wird freimütig Kritik an unterer ganzen Kolonialverwaltung geübt. Der Refrain ist: Weniger Monocle und Lackstiefel, lieber einmal Wasserstiefel! Bedauerlich ist der ständige Wechsel in den Vczirköhaupt- mannsstellen; die Leute betrachten die koloniale Tätigkeit vielfach nur als Turchgangsstadium! Sparsamkeit ist ja im allgemeinen erwünscht, aber nicht am falschen Platze. Und gerade bei unseren Kolonien ist immer ganz falsch gespart worden. Es harren große schwere Aufgaben des neuen Herrn, der die Kolonialverwaltung übernimmt Hoffentlich wird er auch bemüht sein, die Kolonien persönlich kennen zu lernen. Ein Abgeordneter hat von der Ko- lonialmüdigkeit des deutschen Volkes gesprochen. Ich glaube nicht daran. Zu sehr ist bereits Deutschland mit seinen Kolonien ver- knüpft, zu viel Söhne des deutschen Volkes sind drüben. Und auch das deutsche Blut, das in Südwestafrika geflossen ist, kettet d,e Nation fester an di« Schutzgebiete. Es hat mich besonders gefreut, daß die Thronrede des Mutes und der Aufopferung unserer Trup- ven dort rühmend gedacht hat. Hoffentlich brechen mit der neuen Verwaltung auch bessere Zeiten für unsere Kolonien an! (Lebhafter Beifall.) , Boot' Abg. Bassermann (natL): Die Thronrede spricht eine ernste Sprache und hat eine bcdeut- Itämc Ergänzung gefunden durch die Ausführungen des Rcichs- !»anzlers. Es klingt die Frage durch, ob cs auf die Dauer möglich Irin werde, den Frieden zu erhalten und cs wird auf die Möglich- Irit Rücksicht genommen, daß eine gewisse Isolierung Deutschlands «i der auswärtigen Politik einmal eintreten könnte. Es nutzt nichts, (■egen diese Situation das Haupt zu verhüllen. Wie die Thronrede, ü) sind auch die Ausführungen des Reichskanzlers in der Nation : .rstanden worden, und eö ist in der Presse aller Parteien ein Gestühl dafür laut geworden, daß man der sich ändernden Weltlage Rechnung tragen müsse. Die Thronrede unseres Kaisers unterscheidet sehr scharf zwischen den fteundschaftlichen Beziehungen, die i n« mit einer Reiht von Staaten verbinden, und den korrekten Begehungen zu anderen. Den Ausführungen dcS Abg. Fritzen über km Dreibund kann ich mich nur anschließcn. Auch wir legen den crößtcn Wert barauf, daß der Dreibund fortbefkt)t, aber wir müssen rn den Darlegungen dcS Reichskanzlers es unterstreichen, daß auch cänmal eine Zeit kommen kann, in der wir allein stehen, und wir müssen daher unsere Rüstungen auf diesen Zeitpunkt zuschneiden. T\rrin liegt keine düstere Betrachtung der Weltlage, sondern lediglich Hie Quintessenz und das nüchterne Urteil, das sich aus der Gesamt- lvcftachtung von selbst ergibt. Es gehört wenig Kombination dazu, rm einzusehcn, daß die Wendung von den korrekten Beziehungen sch auf England und Frankreich bezieht. Korrekte Beziehungen, Icas ist wenig. Man kann da leicht an das Gefühl der Eiseskälte toenfen. Daß eine Mißstimmung in England gegen uns besteht, v'. Tatsache. Diese Mißstimmung darf aber nicht zum Haß führen. Mau hat in unserem Volk ein lebhaftes Gefühl dafür, daß eine rmglischc MaulwurfSarbeit in Bewegung ist, die an den Fundamenten der Machtstellung deS Deutschen Reichs rüttelt. Ich will nicht zu tief einbringen in diese auswärtigen politischen Dinge. Wer b? im Zusammenhänge erkennen und beurteilen will, könnte leicht f.ch den Vorwurf dcS Dilettantismus zuziehen. Es läßt sich aber nicht verkennen, daß die Wege, die sich in England gegen Deutschland richten, auch in Frankreich, Skandinavien, Belgien und Hol- hmb vielfach gewandelt werden. Uebcrall zeigt sich dieselbe Tcn- knz gegen Deutschland. Die Frage, inwieweit das auf cnglijche Machenschaften zurückzusübren ift, will ich nicht untersuchen. Die Hauptursache der Verstimmung liegt Wohl in der Vermehrung unserer Flotte. DaS deutsche Parlament will die Diffcrcn- y-n zwischen England und Deutschland nicht verschärfen, cs will lediglich, daß uns bei unserem Bcvölkcrungsüberschuß die Mög- l«hkeit gegeben wird, uns friedlich über See zu bewegen. Früher Vigtc sich diese Bewegung in einer starken Auswanderungszif'cr, h-iite liegt sic in unserem Handel, in unserer Exvortindustrie. Wir ir iisien unseren Handel schützen und können darauf nicht verzichten, seihst auf die Gefahr hin, bei England Mißstimmung zu erregen. s?Vr Reichskanzler betritt den Saal.) Wir tun dabei genau bngfclbe wie Japan, Frankreich, Amerika und vor allem wie Eng- lcmd selbst, und es ist eine Keckheit sondergleichen, wenn englische P olitiker ober Seeoffiziere uns ben weiteren Ausbau unserer Flotte verbieten wollen. (Beifall.) .Herr Bebel freilich führt bicje Verstimmung im Auslanbc auf deutsche Fehler zurück namentsich auf bas Verhalten ber deutschen T ivlomatic in der marokkanischen Frage. Ich kann es nur bedauern, wenn die Sozialdemokratie hier und in anderen yragen bie Kreise unserer auswärtigen Polin! zu fffiren sucht, unb ab irnib zu dabei sogar einen Erfolg erzielt. Gar manche Rede des mg. Bebel gegen unsere Flotte ist schon in der englijchen Preße grgen uns verwertet worden, unb ebenso hat man cs auch un Aus- lmide illustticrt, wie die sozialdemokratische Presse Deutschlands uns des Neuttalitätsbruches im russisch-japanischen Kriege beschuldigte. Eine solche selbstrnörderisckie Politik aus den Kreijen barscher Landesgcnosscn heraus muß den Patrioten mit Wehmut knrührcn, und so habe ich denn auch ein Gefühl des Bedauerns ho für, wenn ein so hervorragender Mann wie der Abgeordnete Nebel stets nur mit vernichtender Kritik unsere deutsche diploma- tiische Wirksamkeit behandelt, unb Erfolge niemals anerkennt, daß er für den Satz: „Recht ober Unrecht, mein Vaterland . kein Vcr- ß öndniS hat. Es finden solche Ausführungen im Gegeniatz zu früher beute bei der gesamten bürgerlichen Presse keinerlei Wlder- kall mehr Es sind nur die sozialdemokratischen Blätter, die ihnen noch Beifall zollen. Tas Verhalten des Abg. Bebel beweist, daß h*tr in den großen Fragen der internationalen Politik nom immer tm den Kinderschuhen stecken und nicht gelernt haben, dem Auslande gegenüber einig zu sein. Nun liegt cs mir fern, gu behaupten, baß nicht auch in der auswärtigen Politik in Deutschland gehler gemacht worden sind. Ein Fehler liegt z. B. darin, daß auch untere Presse nicht Überall Maß gehalten hat. Ich rechne hierher das Veralten mancher Witzblätter. Wir haben bann insbesondere Beschimpfungen anderer Monarchen gefunden, die viel bester unter» blieben wären. (Sehr richtig!) Aber auch sonst unb in ber deutschen Presse Fehler gemacht worden. Es ist viel zu wenig der Sah bc.dacht worden, daß jedes Land die Scheiben bezahlen muß, die seine Presse dem Nachbar cinroirft. Es ist auch zuzugeben,, dag gegenüber ber stillen Arbeit des Auslandes unsere Politik oft zu geräuschvoll war. Das war nicht notwendig, um so weniger, als ja unser Kaiser bei jeder Gelegenheit betont hat, daß er ein Fricdens- faifer fein wolle unb bic Erhaltung des Friedens ihm in erster Lünie am Herzen liege. Die Bemühungen, wieder bessere Bemühungen zwisclicn England und Deutschland herbeizuführen, bc* aaußen auch meine Freunde auf das lebhafteste. Wir sind der Ansicht, daß diejenigen, die Deutschland unb England in einen Krieg thineintreiben wollen, ein gefährliches unb verdammenswertes Spiel tttiben. Wir wünschen, es mochte der Wechsel im englischen Regi- tnrnt bahin führen, daß die englische Agitation überzeugt wird, daß nrir friedlich gesinnt sind, und daß die englische Presse dann aushort zw behaupten, daß Deutschlands Politik ben Frieden der ganzen Welt störe. Der Abg. Bebel hat sich ja eingehend mit diesen Dingen beschäftigt. Er Hai gemeint, es sei ausgeschlossen, daß England uns angreifen wird. Die Größe unb baS Schwrrgc richt ber cnghidxn Handelsbeziehungen zu uns werde das schon nidn zulasten. Gewiß, aber es gibt Elemente in England, die darauf binarbcücn, baß, wenn bic beutjdje Flagge verschwunben ist, überall an ihre Stelle bic englische treten soll. Aber auch die Ausführungen des „Vorwärts" wirken nicht in friebfertiger Weise. Tie Annahme des Abg. Bcbcl, baß jebc unserer Flottenvermehrungen sich gegen Eng- lanb richtet, trifft nicht zu. Wir können nie einen Krieg mit England wollen, denn die Einsätze wären zu hoch. Taß wir lediglich unseren Handel schützen, also durchaus fticdlich vorgehen wollen, beweist ja schon die Tatsache, daß wir den Erwerb deutscher Kohlen- flationen unterlassen haben. Sie wären sehr notwendig für uns, um uns von England unabhängig zu machen, gleichwohl haben wir solche Erwerbungen unterlassen, doch jedenfalls in der Haupt jache deshalb, weil wir die englische Empfindlichkeit nicht reizen wollten. Im Gegensätze zum Abg. Bcbcl, der von jeder Rüstung und Flottcnvermehrung behauptet, daß sie den Krieg näher bringe, bin ich der Ansicht: Je geringer unsere Machtmittel sind, um jo großer ist der Anreiz gegen uns vorzugehen, und deshalb ist jedes neue Schiff, das wir bauen, ein neues Friedenöband. Ter Abg. Paasche hat in seiner Krcuznackjer Rede nur den Ernst ber Situation der damaligen Zeit betont und nicht, wie Herr Bcbcl meinte, das Aussehen der Welt auf sich ziehen wollen. Taß die Lage damals in der Tat ernst war, das haben doch die Spatzen in Berlin von den Dächern gepfiffen. Nun meint Herr Bebel, wenn Rußland ,n d,c Reihe der konstitutionellen Mächte eintntt, bann wird fein Er- pansionsbcdürfnis noch stärker in Erscheinung treten, dann roin- cs genötigt sein, sich in der Ostsee Häfen zu oerj»affen. Diese Auffassung mag richtig sein, aber warum zieht denn Herr Bcvc, nicht die Konsequenz daraus, baß Dcutschlanb gerüstet sein muß für alle Eventualitäten? Die Rede Bebels bat also nur dem radikaleren Standpunkte entsprochen, den die Sozialdemokratie seit Jena oder früher einnimmt; von dem Gewehr, das Bebel selbst noch auf die Schulter nehmen wollte, wenn es gelte, das schützen, war in diesen Ausführungen nicht mehr die Rede. Aut die Gefahr, daß die Armee durch die sozialdemokratischen Irrlehren erschüttert wird, sollte daher die deutsclie Heeresverwaltung ihr besonderes Augenmerk richten. Im übrigen aber leidet Herr Bebel noch imnur an einer Ucberschätziing der sozialdemokratischen Macht. Ich glaube nicht, daß die Soztaldemoftaie in der Lage sein wird, einen Krieg zu hindern. In der sozialbemokratisckicn Presse w,rd ja vielfach bald leiser, bald lauter, bald sanfter, bald ruppiger der Ruf nach einem Generalstreik, nach revolutionärer Entwicklung laut und Rosa Luxemburg meint, die Sozialdemokratie könne dadurch nichts verlieren, aber alles gewinnen. Ader cs sind doch mich viele Strömungen in der So.zialdemokrcttie vorhanden, die entgegengesetzter Auffassung sind. Ter Abg. Froqme z. B. hat an der ganzen revolutionären Romantik keine Freude Eins aber ist richtig. Würde das Unglück es wollen, daß wir einen Krieg haben, dann müßte cs ein Krieg sein, für den volles Verständnis im Volke vorhanden ist, ein uns aufgebrungener Krieg, der bie nationale Ehre in Mitleidensckiaft zieht. Das sind Gedankengänge, die wir nicht bloß bei General Lieber finden, sondern auch in den Gedanken und Erinnerungen Bismarcks. Wie heute die Tinge liegen, so wird das Häuflein der Zielbewiißten, bic Widerstanb leisten wollen, im Falle einer Mobilmachung febr gering sein unb man wird sehr bald mit ihm fertig werden. Seitdem der Abg. Bebel seine Etatsreden hält, ich höre sie schon seit 12 Jahren, findet sich immer dasselbe Grau in Grau, Schwarz in Schwarz. Er verdammt alles in Grund und Boden. Immer behandelt er das Thema, daß die kapitalistische Weltordnung das Volk auspli'mden. Immer prophezeit er uns ben finanziellen Untergang bcs Reichs. Wir hören die Stimme, aber wir glauben ihr nicht, weil wir die Resultate kennen, welche die deutsche Politik in diesen fünfunddreißig Jahren erzielt hat. Wft werden auf dem Wege, den uns unsere Vaterlandsliebe diktiert, weiterschreiten. Ich wende mich zu den Darlegungen des Reichskanzlers über die Marokkofragc. Nach der Auffassung meiner Freunde stellt die Politik des Reichskanzlers in der Marokkofrage sich als eine verständige Politik dar, die nicht in der Lage ist. Rechte cmes anderen Staates zu verletzen, und wir zollen ihm unseren vollen Beifall. Ich will auf diese Frage nicht weiter eingehen. Ob es möglich war, in einem früheren Stadium bie Marokkofrage aufzurollen, dafür fehlen mir die nötigen Kenntnisse. Wir erkennen es auch als vollkommen richtig an, daß ein Eingreifen unsererseits nötig war, als der französische Gesandte in Marokko erschien und erklärte, ein europäisches Mandat zu haben. Eine andere Frage ist allerdings das Einsehen der Person des Kai sc r s. Das Einsetzen des Kaisers möchte ich doch nicht als unbedenklich unb ungefährlich hinstellen. Hätten wir eine größere Flott»: gehabt, so hätte vielleicht eine Flottendemonsttation genügt, um etwas zu erreichen. Sehr erwünscht würde cs uns auch sein, wenn uns genaue amtliche Auskunft zu teil würde übrr den Verlauf der Interpellation in der französischen Kammer in Sachen der marokkanischen Frage. Das englisch-französische Bündnis ist nur gescheitert an der Einsicht des Ministenrräsidenten Rouvier. Wir müßten den Franzosen zeigen, daß wir unsere deutschen Interessen zu wahren wissen auch auf die Gefahr eines Konfliktes hin. Es wird das nur fricbencrbaltcnb wirken unb uns weitere Provokationen vom Leibe halten. Wir wünschen natürlich keinen Krieg mit Frankreich. Seor interessant waren die Darstellungen der Entwicklung der franzö- sischen Bevölkerung im „Temps". Es war ein einziger Jammer- ruf: Deutschlands Zunahme an Bevölkerung Jahr für, Jahr und die Tatsache, daß Frankreich auf dem Punkt angelangt ist, wo keine Vermehrung mehr stattfindet. Da ist weiter gesagt, daß, wenn Deutschland auch fernerhin alle zwei Jahre um bic Bevölkerungszahl Elsaß-Lotbringcns zimehmen wird, Frankreich bald von Deutschland in den Hintergrund gedrängt werden wird. Die Kanzlerrede hat im Auslände viel Eindruck gemacht. Man hat die Rede herausfordernd genannt. Tas ist ni»t ber Fall. Sie war ruhig und besorgt. Man bat auch von einem Schauspiel gesprochen, das aufgeführt worden sei, um die Flotten- Vorlage durchzubringen. Ich bin der Meinung, daß es viel richtiger ist, bic Wahrheit offen auszusprechen, als sie zu verschleiern. Ich komme nun zur M a r i n e v o r l a g c. Es gibt Leute in Deutschland, und nicht nur im alldeutschen Verband und im Flottenverbanb, die behaupten, daß die Flottenbedürfnisse weniger auf die maritimen Verhältnisse als auf die schwierige innere Lage unb auf bic Wünsche ber ausschlaggebenben Parteien rfugei'ctmiuer seien. Tic Sozialdemokratie ist geteilter Meinung. Während der „Vorwärts" von maßlosen Provokationen spricht, erkennl der Per Plim,, , Schäum^ Cogiy Rum, in “unschessp *n '/, und 1 >n allen Montag, 11. Dezember 1905 Gießener Anzeige Redaktion, Expedttion u. Druckerei: Schulstr.7. ▼ Tel. Nr. bl. Telegr.-Adr.: Anzeiger Gießen. Reichskanzler Fürst von Bülow: abtcilung in ein Reictfskolonialamt ist im vorliegenden Etat ic vorgesehen und dem Hause ist darüber eine Denkschrift zugegangen.. Die besonders wichtige Trennung von Militär- und Zivilvcrwaltung, die sowohl für die Schlagfertigkeit der Truppen Ivie für die Einheitlichkeit der Verwaltung sich als notwendig erwiesen hat, ist durchgeführt und endlich ist der nach meiner Ansicht dringend wünschenswerte Ausbau der Selbstverwaltung der Kolonien und die Verbesserung der RechnungSkontrollc durch eine Acnderung der zur Zeit gültigen Vorschriften über das Etats- rind Rechnungswesen in Aussicht genommen. Ich erkenne sehr wohl die Schwierigkeiten, die nur dem Gebiete der organisatorischen Reform ?w überwinden sind. Ich hoffe und vertraue aber, das; über die Mittel zur Erreichung dieses Ziels eine Einigung mit dem Reichstage sich wird herbeiführen lassen. Ter Abg. Fritzen änderte Bedenken darüber, ob durch die Errichtung eines Reichs-Koloni a l a m t s an dem Kolonialamt etwas geändert werden würde. Er verlangt eine Reorganisierung von unten herauf, die von Der Verwaltung der verschiedenen Schutzgebiete auszugehcn hat. Ich erwidere darauf, man sollte das eine tun und das andere nicht lassen. Aus dem. was ich schon vor einem Jahre ausgeführt habe, wissen Sie, daß ich die Umwandlung der Kolonialabteilung in ein. Reichskolonialamt nur als ein Glied in der Kolonialrcform betrachte, aber allerdings als ein wichtiges. Tie Verwaltung der Schutzgebiete hängt doch wesentlich davon ab, Daß der Mechanismus der Zentralinstanz richtig klappt. (Sehr richtig I) Zweifellos in es mir, daß die Kolonialverwaltung ihren vielgestaltigen Aufgaben bei der jetzigen Organisation nicht mehr gerecht werden kann. Auch ist es für den Reichskanzler sehr erwünscht, für die kolonialen Angelegenheiten einen verantwortlichen Stellvertreter zu haben, wie er sie in den übrigen Ressortchcfs besitzt. Das wird aber nach dem S:el1verrre:ergesetze nur dadurch ermöglicht, daß an die Spitze der .Kolonien eine oberste Reichsbehörde tritt, wie es das Koloniaiamt sein soll. Tic jetzige Kolonialabteilung ist cs nicht. Run har der Vorredner den Wunsch nach einer Verbesserung des Deamteiiinaterials für die Kolonien ausgesprochen. Ich gebe vollkommen zu, daß die Kolonialverwaliung nicht immer die richtigen Leute auf Den richtigen Platz gestellt har. Ich bitte aber doch, fofdjc Fälle nicht zu verallgemeinern. Ich bin überzeugt, daß die große Mehrheit unserer foloiüalen Beamten ihre Schuldigkeit iui. In jeder Verwaltung werden Fehler Vorkommen und sie sind angesichts der besonders schwierigen Verhältnisse in den Kolonien um so schwerer zu vermeiden. Ich möchte auch daran erinnern, daß sich eine allen Anforderungen genügende koloniale Beamtenschaft nicht aus der Erde stampfen läßt, sondern nur allmählich herangczogen werden kann. Freilich, alle kolonialen Organisationen sind nichts, wenn nicht ui der ganzen Verwaltung der richtige Geist herrscht. Ich hoffe aber, daß cs nach und nach gelingen wird, einen kolonialen Bcamtenstand zu erhalten, der den speziellen Anforderungeii der Kolonien entspricht und der auf der Höhe des alten guten Rufes der deutschen Beamtenschaft steht. Der Vorredner Hai dann auch den Wechsel in der K o ! o n i a l v c r w a l: u n g berührt. Ich würde Unrecht tun, wenn ich nicht volle Anerlcnnuug ausspräche dem bisherigen Herrn Kclonialdirektor für Die Pflichttreue und, ich kann wohl sagen, für die Selbstlosigkeit, mir Der er seines Amtes gewaltet hat. (Beifall.) Ich hoffe, daß sein Nachfolger der richtige Mann ist, um die Ge- sichtspunkte durchzuführen. Die ich als die Vorbedingung für eine gl..'lichcrc Gestaltung unserer kolonialen Verhältnisse hingestellt habe; ich erwarte insbesondere, daß er von unserer Kolomalver- walkung scrnhaltcn wird die Krebsschaden jeder Verwaltung: leit tu tun und ausgleichend zu tottien. Die wenigen Fälle, in .-„rrf. c;n Ausgleich gelingt, werden schon em reiches Maß bringen 6 AngÄün/gt ist uns ein G-I-tz ub-° d« Rechtsfähigkeit Der B e r u f s v e r e r n e Es hatte trüber kommen sollen. Hoffentlich fällt es letzt so aus, datz es auch du guw^Gesetz wird. Mit Befriedigung haben verkommen dab das Gesetz über die Bau Handwerker nunmehr fertig und wohl noch in dieser Session zur Verabschiedung kommen wird. Die Ereignisse in Rutzland zeigen.uns eindringlich. wie schwer ein Volk gestraft werden kann durch den Urwerftam seiner Bureaukratie, die der Volksbewegung immer noch ve^tandnis- los gegenübersteht. (Sehr richtig!) Nichts vermEe ste zu belehren: Unruhen und Massenstreiks, Revolten und AufstcmDe. So nt der Brand in unserem Nachbarreiche immer großer und großer geworden, und er kann auch schließlich dem Nachbar gefährlich werden. Nun liegen zwar die Dinge bei uns ganzuch anders. Be. uns in Deutschland steht der Monarch fest. Aber es ist an d.r ,eit, zu sagen, daß die Monarchie Fehler vermeiden muß. Wir haben ein Voll, da? alles was oben geschieht, mit Lebendigkeit auffaßt und unter die kritische Lupe nimmt. E^ wird Beute nicht mehr alles deshalb akzeptiert weil es dem Alten nm Ererbten entspricht. Das Volk bat vielfach nicht Die klare Erkenntnis. aber die richtigen Instinkte, und gerade letzt wllte man sie wohl beachten. Manche Institutionen in den Emie staaten werden geändert, freiheitlicher ausgestaltet werden munr stimmung.) Man sollte nicht warten, bis unter Dem £i bnn Straßendemonstrationen viel weitergehenDe Zuaestandniste .'-mach werden müssen, als jetzt notwendig wären. (Lebhafte Bewegung, i Gibt man jetzt freiwillig das allgemeine und gl et die Wahlrecht, so ist ein Ventil vorhanden, durch das das Volk 11® Luft machen kann. . ...... In solchen schwierigen Zeiten muß auch Der Q u a I i r a . der Menschen, die in der Verwaltung sind, eine viel größere Dichtigkeit bcigclegt werden. Wir Horen ictzr manche Klage über unsere diplomatische Vertretung, wir barer, manche Klage über die Auswahl, die vielfach nach einem veralteten System vor sich geht, die Ausgewählten lassen vielfach die Fahigieit Dei Beurteilung vitaler wirtschaftlicher Interessen Der Nation rer- missen. Es gibt eine Menge wohlmeinender Leute, die Da meinen : eine Durchsicht unserer Divlomat'.e tut uns not! (^ebr tid,.y3.) Namentlich auch für Die SanDelsvertragsverhandlungen nur Den Vereinigten Staaten von Amerika ist das von Bedeutung, -tie Regelung unserer handelspolitischen Beziehungen zu Amerika it von hoher Wichtigkeit. Angesichts der Weltlage und der großen Interessen, Die un§ mit Der Union verbinden, wäre em Zollrriea mit ihr sehr beklagenswert. T . . „ . . In unserer ganzen Politik wird über S v it c m l o 1 i g I e . t nnd eine gewisse Plötzlichkeit der Entschlüsse geMagr. (5ef)r wahr!) Eine wirkliche Stetigkeit und eine großzügige Politik ist nur bet der Behan dlung Der deutschen Landwirt, cka r t beobachtet worden (Sehr richtig! bei Den Soz.), und dadurch ist das Vertrauen der Landwirtstbaft zur Regierung zuruckerooerl worden. Dieselbe Stetigkeit sollte man jetzt auch m Der M'uA- standspolitik und in Der Sozialreform zeigen. Noch etwas habe ich auf Dem Herzen: auch mit unserer Justiz hapert es etwas. (Hört, hört!) Wir Dürren bei all unserer Gesetzesmacherei nie vergessen: neben Den Gesetzen steht Uwe Handhabung! UnD Da ist nickst alles, wie es sein wllte. Man wundert sich über Den immer intensiveren Ruf nach ^w"D.'-.-- qcrichten. Woher kommt dieser? Man verlangt eben em billigere» und schnelleres Verfahren. Es wäre an Der Zeit, an eine großzügige Prozeßreform zu Denken. Meines Erachtens muß die Zuständigkeit DeS Einzelrichters erweitert werden; aber Der Richter soll auch finanziell besser g e )t e ! I t Ir-crDen (Sehr richtig!). Damit er sich nicht immer nach anderen ^stellen umzusehen'braucht. Das wird ebenso zum Segen Der Nation aiw- schlagen, wie die Durchführung Der Berufung in LtrasfEn. In der ersten Instanz ist Die Rechtsprechung vielfach eine oberflächlichere; es ist unbedingt die Schaffung einer Korrckturmstanz fährdcn. r Der Finanzminister hat in feiner au5gc3cirimcun -‘c einen großen französischen Patrioten erinnert. Der mit jcttcner schlossenhcit die WicDergeburt seines Vaterlandes tu Du. - 3 . leitet liai. Ich erinnere Sie an Das Wort eines anderen . Als Ende Der 60er Jahre einer Der radikalen Führer Dein - - fischen Kriegsminister vorwarf, Daß er mit seinen Vorlagen - reich in eine Kaserne verwandeln wollte, da ernnberte der ■' , , Minister: Sehen Sic sich vor, daß Sie mit Der Vcr,vc'g""''ü Vorlagen Frankreich nicht in einen Kirchhof verwandeln! bei den Soz.) . n d Herr Bebel hat gestern die Reise des Ka Marokko als eine Provokationsreise bezeichnet unö mw. Abg. Basser mann war mit diesem Besuch nicht ganz cinv Um allen möglichen Mitzverständnissen vorziibcugcn, will a Drücklich betonen. Daß ich Diesen Besuch, der schon 'm tv- f Erwägung gezogen war und zu dessen Ausführung «J. ohne unsere Schuld die Marokkofrage eineli akuteren Ehara - - genommen hatte, angcraten habe (Hört, hört! bei otn ’ s.ji ich Diesen Besuch mit meiner vollen politischen Verantwor - ,ß Dieser Besuch hat Dadurch, daß er den internationalen .£ Marokkofragc zum allgemeinen Bewußtsein brachte, > " gewirkt und Der Kaiser hat sich Dadurch, Daß er h . y (C, und sein Ansehen hierbei einsctzte, nur u ni D a s p Dient gemacht. (Beifall.) Der Abg. Bcbcl hat m ]cnt« Gegenüber den Versuchen, unseren Truppen und imfcru .Kriegführung in Südwestafrika einen Makel anzuhefteu, au« Parteisuckst un-5 im Auslände herabzusetzen, erkläre ich nach mewkr innersten Ucberzeugung, Daß noch niemals cm Kolonialkrieg nut solcher Geduld und Menschlichkeit geführt worden ist, wie öce unseren Soldaten. (Lebh. Beifall.) Zu meiner Freude haben sich die Vertreter Dreier groret Parteien über die F l o t t e n v o r l a g e so ailSgciprocken. eS mich hoffen läßt: das Haus wird Die notwendige.Verstarkr ° unserer Wehrkraft uns nicht verweigern. Ich kann untere rttottm, I Vorlage nicht besser begründen, als mit Den Erwägungen, .it Der italienische Ministerpräsident während Des vergangm« Sommers Der italienischen Flottenvorlagc vorausgeschickt « Mein verehrter Freund, Herr Fortis, hat Damals ausgesutrhttz die Vorlage heroorgche aus der Notwendigkeit der SonD«J£ reidigung, daß die Negierung sich dabei Darauf beichrankt et. nur Das unabweislich Notwendige zu fordern, lind Daß Die lcidigung des Landes für alle Parteien DaS höchste Ziel |cm mmt. Ich erinnere ferner an die Worte, Die Der Präsident Roofcoelt nc Die amerikanische Flottenvorlage sprach. Er führte aus. Dal; .u Flotte vom Standpunkte Der Wohlfahrt und des Aniehenv -« Nation unentbehrlich wäre, daß die Flotte Die sicherste sei für Die Aufrechterhaltung Des Friedens und Die sicherste Bu:» schäft gegen den Kwieg. Nichts fei unvorsichtiger, als wohlbaw'D und unbewaffnet zu sein. Die amerikanische Flotte habe )icu ciw ivickelt unter verschiedeneii Präsidenten und verschiedenen ^taa» fefretären der Marine, Die verschiedenen Parteien angchörten, « sei erbaut worden, weil alle einig waren, weil sie rnr die Uc 1 und Die Wohlfahrt des Landes notwendig war. So wollen Ä es auch machen. In den letzten Zeiten bat eö fick' am Deut« gezeigt, waS eine Flotte für das Schicksal eines Krieges uni>v e st a f r i k a n i s ck e n Kolonie eine Zeit schwerer Prüfung durchgemacht haben. Seit zlvei Jahren stehen unsere tapferen Truppen in Südwestafrika. Es ist ihrer Bravour gelungen. Die WiDerstandskraft der Herero zu brechen und auch die Witvois nach Verlust ihrer namhaftesten Führer zur Unterwerfung zu bringen. Aber biö in die letzten Wochen hinein haben Gefechte ftattacfunDcu, die uns schwere Verluste gebracht haben. In dem Wiederaufbau unserer südwestafrikanischen Kolonie steht uns eine überaus schwere Aufgabe bevor. Ich hoffe,aber zuversichtlich, daß der neue Gouverneur, Herr von LinDcquist, der vom Vertrauen aller Ansiedler empfangen in das Schutzgebiet eingetreten ist, sich dieser Aufgabe gewachsen zeigen wird. Ich hoffe. D.i>- unsere Landsleute Draußen in Der FriedenSaröcu, Die sic jetzt luicDcr aufs nehmen, ihre Pflicht mit ebenso viel AusDauer unD Tüchtigkeit ei «ottvenDig. . Es ist hier schon von einigen Seiten BeschwerDe geführt wor» den über Die BchanDlung Des Reichstags Durch Die Regierung. Ich kann mich ihr nur anschließen. Welcb eine Arbeit ist in voriger Session Durch Die plötzliche Schließung nub» los verfchwenDet worden! .Ich möchte Dem Reichskanzler nicht wünfcben, daß er alle die Kritik härt, die Damals von den Avge- orDneten aller Parteien an Der Regierung hier geübt wurDc. UnD dann noch eins: wir werden jetzt mit Vorlagen geradezu überschüttet (Sehr gut!), wir können sie ja in Der kurzen Zeit kaum lesen. (Sehr richtig!) Wenn so viel gesetzgeberischer Stoff neben der Finanzreform auf einmal kommen muß. Dann wäre c5 c-och gut, tunlichst früh die fertigen Entwürfe in Die Presse zu gcoen und dann auch Den Reichstag früher einzuberufen. (Lebh. Zu, stimmung.) Endlich noch ein Wort über die Diäten! Icb will nicht alle die Gründe für Einführung Dorf eiben hier zum Überdruß wiederholen. Tatfache ist ja. Daß sehr viele AbgeorDi-.elc pekuniär einfach nicht in der Lage sind, solange rhrcni Hame, ihrem Beruf fernzubleiben. Was fall nun geschehen? Wir haoeu große, wichtige Aufgaben in dieser Session zu erledigen. Ich wm-g iricht, wie wir damit fertig werden sollen, wenn wir bet Der- Erledigung jeder Frage von dem Wohlivollen Des Kollegen Ringer abhängig fein sollen. (Sehr gut!) Es sinD ernste Zeiten, Denen un)cr Volk enigcgcn- - geht, unD es ist ein richtiges Wort, Daß es nottut,, Das Pnwer trocken unD DaS Schwert geschliffen zu halten. Wir sehen, wie im AuslanD Das Fortschreiten Des Deutschen Geistes mit Mißbehagen betrachtet wird Im Innern sehen wir ivachscnDe Kampfe zwischen Arbeitgebern unD Arbeitern, wir sehen Das Wachstum Der sozialdemokratischen Ideen über Deutschland herernbrechen, wie cinst Die Heuschrecken über Aegypten. Von dem kräftigen Luftzug, der sic aus Dem Geist Der Arbeiter hinausbläst (Lachen bei Den Sozialdemokraten) bemerken wir nichts. ^Allerdings! bei den Sozialdemokraten.) Aber wir sehen, wie die Phantasie der Deutschen Arbeiter erregt wirD Durch Die Vorgänge in Rußland, wie sie fich den Ostwind kräftig um die Nase blasen lassen. Der Sturm aus Rußland rüttelt an den Pforten des Deutschen Reiches. Nun, dic,e Pforten luerben sich der Revolution nicht öffnen. Der gesunde Sinn unseres Volkes, das Gerechtigkeitsgefühl, Das schließlich alle Klassen beseelt, wird sie von uns fernhalten. Was Das AuslanD anlangt, so mag cs, soweit es uns feindlich gesinnt ist, sich sagen lassen: Eine Nation von 60 Millionen läßt sich nicht beiseite schieben! Dem Reich und dem Reichstag ist cs eine heilige Sache um die Erhaltung des Friedens. Wenn uns aber ein Krieg aufgebrängt wirb. Dann werden wieder große Tage für Deutschland kommen, m denen das gesamte Volk hinter seinem Kaiser steht. (Lebhafter, anhaltender Beifall.) Ick) beantrage die Ueberweisung des Etats und der Flotten- Vorlage an Die Bubgetkommission, der Finanzreform und der Stcuervorlagen an eine besondere Kommission von 28 Mitgliedern. Bur eaukratiSmus und perfSnltcye e t Tm na?, i e I e i c n. sBeifall.) Ich bin überzeugt, daß er tüchtige Leute m Wasserstiefeln nie zurücksetzen wirb hinter weniger tüchtigen Leute: in Lackstiefeln, und ich hoffe, baß mit Unterstützung DeS Reichstages unserer sübwestafrikanisckieii Kolonie, unserem SchmerzenSündr, wieder bessere Tage bevorstehen werden. Ich kann aber diesen Gegenstand nicht verlassen, ohne mit der größten Emickiiedenle.: ziirückzuwcisen die Angriffe, die heute vor ackst ‘-ragen in einer Sitzung des Hauses, der ich wegen dringender Amtsgcschäfte nich: beiwohnen konnte, gegen den General von L r o t !i a gerietet worden sind. sBcifall.) Genera! von Trotha Kat in Dem langwierigen, schwierigen Feldzüge persönliche Bravour, Ausdnuei. Unvitf't. Tapferkeit, kurz, alle Eigenschaften eines tüchtigen, cme? ausge zeichneten und hervorragenden Führers an den -tag gelegt (erneuter Beifall) und mit vollem Recht ist ihm al-5 ehrende Auszeichnung der Orden pour 1e merite verliehen worden. Isturm von den Sozialdemokraten: Stöyel bekam ihn auch! Unruhe rechts.) Diese Angriffe gegen den General von Trotha sind nur geeignet, sein Ansehen zu erhöhen bei allen Dcutsckicn, die sich als ,olche fühlen. sBcifall) Bei feiner Proklamation hat sich General von_Trotba m eritcr Linie von militärischen Gesichtspunkten letten Innen. Diese ließen ihm die äußerste Strenge gegen die Herero als notwenKg er scheinen Sie wissen übrigens. Daß General von Trotha D-C'e Pro- klamotion, die für die Herero bestimmt war. durch emen gleich,ewg erlassenen Truppenbefchl wesentlich gemildert hat. -rrotzdem ist er, sobald Diese Proklamation mir bekannt geworDen war telegravhtsch sofort angewiesen worden, mit Ausnahme ber unmittelbar Schul Dinen bie übrigen Herero, bic sich stellten, ohne weitere? an,.: nehmen unb bcn Dienst ber Missionen für ihre Unterbringung tn Anspruch zu nehmen. Nach diesen Grundsätzen ist im ganzen Schutzgebiet, iottoll im «dererolanbe wie auch auf dem übrigen Kriegsschauplatz. Ot> handelt worden. Wenn Sic sich in die Lage der Leute in euS westafrika versetzen, so werden Sic, glaube ich. zugeoen. Nir weitgehende Schonung bei unseren Truppen^eincn hohen Er- von Selbstbeherrschung voraussetzte, baß die -ruck«, un-. Grai!>a.>' feit bes Feindes sowie die unerhörten Anstrengungen unb etrafravn Die Langmut unserer Leute auf eine harte Probe gellten glaube, daß wer fern vom Schuß sich über die angebliche Grcv. samkeit unserer Leute entrüstet, sich keinen rechten Begriff Nivon macht, was für ungeheure Anstrengungen und Entbcliruiigen n: erdulden waren, was es bedeutet, Männer, Weiber und KwNr zu hunderten aufzunehmen, wenn c§ sich Darum naiwelt, mit ihnen den letzten Schluck Wasser und Das letzte Stück Brot zu teilen, -c? ist eine Selbstverleugnung, von Der ich nicht weiß, ob iie £on .:r Seilten ausgeübt werben würde, die jetzt nach unseren -tmpp:n mit Steinen werfen. (Beifall.) füllen werden, wie unsere Truppen in den harten Kämpfen c= getan haben. (Beifall.) Noch ehe Der Friede in Subwestafrika hergestellt war, ist auch in O st a f r i k a eine Aufruhrbewegung abgebrochen, bie weitere Kreise erfaßt hat. Zu unterem tiefen Gebauern sind ihr eine Anzahl Weißer, barunter Mi,,wnare unb Schwestern, die frieblich ihre? Weges zogen, zum Opfer O^llen. Erfreulicherweise ist es jedoch unserer Truppe gelungen- ohne^cr hebliche Verluste der Bewegung Herr zu werden. Auch h er iü■ ^or, sicht geboten. Es hat die Entsendung von Kreuzern und Mar,ne- Mannschaften dorthin sich als notwendig crroic|cn, und es werden die Mittel dazu in einem Nachtragsetat bet Ihnen ^nachgcfucht. EZ sind schwere Opfer, die dem dcutfchen Volke durch den luDwest- afrikanischen Feldzug auferlegt wurden Defonders schmerzlich ist der Verlust so vieler wertvoller Mcnichenleben Mancher brave Soldat hat in afrikanischer Erbe ein kühles Grab gefunden, nnd me Familien, die Verluste zu beklagen haben, zahlen nach Hunderten. Es darf unZ aber bei diesem schmerzlichen Gedanken ein ^rost sein die Tatsache, daß wir gesehen haben, wie in unserem -,olk und in unserer waffenfähigen Jugend noch der alle | o I D a 111 d.) c Geist lebt. (Lebhafter Beifall.) Unsere Leute haben in Verhältnissen, die schwieriger kaum gedacht werden können, in Verhältnissen, die an die Manneszucht, an die Tapferkeit, an Die Ausdauer Die höchsten Ansord^un^en stellt-n sich des deutschen Namens itnd des alten Dcuttckfcn Ruginc^ würdig' gezeigt. iBeifall.) Sie baben nicht nur zu sterben, sondern, was manchmal noch schwieriger ist, auchdie grAstcn -ctden zit ertragen gewußt. Tas deutsche Volk wird das Andenken an diese seine Söhne ebenso treu bewahren, wie Die Erinnerung an die Kämpfer, Die in Dem Kriege um Die "".twimle Einigkeit icn HelDciitoD gcfunDen haben. (Lebhafter Beifall.) Für ein Ziel, Das solche Verluste an Menschenleben gcforDert hat. Dürfen uns Cofer an GclD unD Gut nickst zul hoch sein. Gew.tz ist bic finanzielle Belastung, bic uns Durch Den süDweftafrikamschen Krieg auferlegt WirD, ungemein groß. Tiefe Belastung wird Doppelt schwer cnwfunDcn in einer Zeit, wo w wele anDcre dringemc Aufgaben Der Lösung harren, aber wir muiicn durchhaUcn, wenn anders wir Die Kolonie nicht preisgeben wollen. lBeifast.l ^cy glaube mit Dem VorreDner, Daß Durch Das Blut, das in Suoweft- äfrifn geflossen ist. Die Schutzgebiete nur noch fester nut dem Mutter- lanDc vcrbunDcii sind. (Sehr richtig!) Ick glaube nickst an Ko- lonialmüdigkeir, ich glaube. Daß Das DcuNcke Vol. heute lveniger als ic geneigt ist, seine Kolonien aufzugeben. (Sehr rmingi rechts und bei Den Nat.-Lib. WiDcrspruch bei Den Soz.) Wenn wir aber unsere Kolonien nicht preisgeben wollen. Dann musten wir uns auch Der Pflicht bewußt tocrDcn, unsere Kolonien in einem rascheren Tempo vorivärts zu bringen unD ihnen cme Enttvia.nng zu sichern, Die nickt mehr Den Rcichssäckel belastet, so."dcrn zu einer Stütze für unsere internationale Stellung unD für umern Wvb! am wird. In Dieser Beziehung gilt c§, aus Den Vorgängen in SuD- lucitafrifa ernste Lehre:' unb Kouseaueiizen zu ziehen. Ick gebe zu. Daß auf kolonialpolitifchem Gebiete Fehler gemacht um, groge Fehler intra muros et extra. Es gilt, sie künftig zu vermeiden. Tie Voraänge in Sübwcstafrika seinen uns, wie teuer übertriebene Sparsamkeit zu stehen kommt. (Sehr wahr! rechts. Lacken unb Widerspruch b.'i Den Svz.l Wenn wir unseren Kolonien Die not- wenbigen Voraiisfetzuiigcn für ihr Gedchen nickt geivähren. Dann Dürfen wir unS auch nickt winiDcrn, Daß. wie cs der Fall gewefer. ist, sich solcke Uiitcrlanungci' Dopvelt unb dreifach rächen. (Sehr i-icfiti?’ reckstSK Wo bas Betriebskapital nicht aitsrcickt, ba kann ein Unternehmen nickt rentieren. Ick will auf bic einzelnen nr’*e K iei daraus beifrär': fordern, und daß dii i das bi-chslc Ziel säe: der Präsident äohik 6. Er füörtc aue, !•: fjrt und des flotte die sielern: & itx\6 und die *'i-.' «orsichiigrr, e.V .wr: tamsL 5äky f'“ * n und vermieteten ien PMr-.n o?;r- men, weil \« w. trt .endig war. * >n hat cs siel' om tat i j Der Vorschlag, fortan aucy imReiche die Automobile tob Motorräder mit einer Steuer zu belegen, hat in den Reichskanzler hat meinem Ja, dann sollte er auch ■[gen und eine Reform Heranziehung bcr Reichskanzler empfahl Keer und Alolte. Stettin, 10. Dez. Die Matrosen des hier eingetroffenen ttlg!ischeu Dampfers .Cavenbourn' haben auf bcr Mt hierher, angeblich wegen schlechten Essens, gemeutert. 3it Kapitän dc§ Schiffes war vollständig der Zügellosigkeit ’toauS 14 Bkann bestehenden Besatzung ausgelicfert. Gestern I htrn.fen sich die Matrosen und mißhandelten das übrige Sie verließen das Schiff und sind nicht mehr an Aid zurückgekehrt. Die Besatzung bestand au5 Engländern, &'!i" fanetn, Dänen und Deutschen. _________ bcr Branntweinbrenner beseitigen. Ter Freunde Richter ein großes Lob gespend' der Autorität Richters auf diesem Gebi. bcr Matrikularbciträge vornehmen Staaten nach ihrer Leistungsfähigkeit. zustellen. Dem- man ernt Prämie sehen würde auf diejenige Acußernng, die am meisten geeignet ist, unsere Stellung gegenüber England zu erschweren, Mißtrauen zu erwecken, Unfrieden zu erregen, so würde der Mann einen Anspruch auf solche Prämie haben, bcr hier eine solche Aeußerung gemacht hat. (Lebhafter anbaltcnbcr Beifall.) Und weiter hat der Führer der Sozialdemokratie gesagt, die deutsche Sozialdemokratie würbe da? Vaterland nur bann ver leidigen, wenn ihr das richtig erschiene, d. h. wenn cs ihr in ihren Parteitram paßt. Es wurde schon vorhin gefragr, wer denn die Entscheidung darüber haben soll, ob das- Vaterland verteidigt werden soll oder nicht. Soll das entschieden werden auf dem sozialdemokratischen Parteitag? Oder soll das entschieden werden vom sozialdemokratischen Partcivorsiand, etwa wie die inneren Stänkc- reten der Redaktionen? (Große Heiterkeit und Zustimmung.) Oder vom Titrator der sozialdemokratisclren Partei in seiner Toga? (Erneute Heiterkeit.) Die anders ist cs in Frankreich! In bcr französischen Kammer erklärte gestern ein französischer Sozialist, die französische Sozialdemokratie desertiere nicht vor dem Feinde. Wenn die Bemerkung bc-5 Abg. Bebel soviel heißen soll, daß die Sozialdemokratie, wo c5 sich um die Sicherheit, die Wohlfahrt, die Zukunft des ganzen Volkes in einem uns freventlich cn'f- gcdrungeitcn Kriege — und nur einen solchen werden wir führen, darauf können Sie sich verlassen! —, daß da die Sozialdemokratie ratschlagen will, ob sie mithin soll ober nicht, ob sie Verrat üben will, dann kann ich Ihnen nur raten, solche Tendenzen nicht dort an den Tag zu legen, wo sic nicht unter dem Schutze der parlamentarischen Immunität stehen. (Lebhafte Zustimmung.) Der Abg. Bebel hat zweimal auf die russtscken Verhältnisse hrngewiescn. In bcr sozialdemokratischen Presse lesen wir täglich solche Vergleiche. Aus naheliegenden Gründen werde ich mich jeder Kritik und jedes Urteils über russische Zustände enthalten. Aber das will ich sagen, baß die Verhältnisse in Deutschland wesentlich anders liegen als in Rußland. Und das will ich weiter sagen: Wenn die Sozialdemokratie bei uns Plünderung, Meuchelmord (Unruhe bei den Sozialdemokraten) und Generalstreik provozieren sollte, so würden solche Versuche zerschellen an der Festigkeit unserer Institutionen, an bcr Entschlossenheit bcr Rcgicinmgcn und an dem gestinden Sinn des deutschen Volkes, baS sich das Joch bcr Sozialdemokratie nicht auf- erlcgcn lasten wird. (Lebhafter Beifall.) Kolonialpost. — Aus Deutsch-Kamerun luirb berichtet, daß der 4 Mdje Reichsangehörige Rogge ermordet morden ist. ' Li Schuldigen sind hin geratet worden. — Aus Tar-es-Salaam wird gemeldet: Dav Ex : Ell'Nskorps des Majors Johannes hat am 22. November F,luß Mbagnrandu erreicht und ist nach Errichtung ritt Etappenstation dort au, Ssongea marschiert. Der mposten in Liwale ist von den Aufständischen mehr- •'<6 Angegriffen worden, doch stets ohne Erfolg. Haupt HL-ai S-ehfried ist nach Säuberung der Gegend bei Mputwa üki 'iitoimn nach Ruangwa und Jlulu marschiert. — Den letzten Nachrichten aus dem St 01190 zufolge IWborct Agenten des Kon ostaates von den Eingebo- ben Totales, getötet worden. Der Kommandant 1 äimtaur ist gegen die Schuld'gen mit 200 Mann Truppen 6 ittiptütft Dre Totales flüchteten in ein Gebiet, welches gjHri’dirii Äbir und den Lomant gelegen ist. Der ^ultan - Kjibirr hat jid) nach Franzöfisch-Ubanghi gefluchtet. T.e S!2>zos!laarlichen Truppen besetzten das lianb. so sehr bic Schuldentilgung. Aber wenn man auf bcr einen Seite ein paar Millionen Schulden tilgt, auf bcr anderen aber bas Zehnfache an neuen Steuern erhebt, so ist bas feine Schuldentilgung, wie wir sie meinen. Notwendig ist es, die Stellung des Sckatz- tüfcj ;’’h. $Wcti «3 :. enber 'C?* -. rW Horden. ”• .Unrus,;«:?' °''nd : V« olejcfc.- 4®enetal £ >. ■ jr. but» einen die Tülle im) itrengungcnimb?... harte Probe ftfe über die anyeblL' nen rechten $egr - gen und (fntbeir.- mner, Veiber ur) . 5 darum bandelt, r Stück Brot zu KÜr n'ckt treitz, ob fit» etzt nach unserer Permi|c^te>. * Ein Geisteskranker beim Kaiser. Ein „religiöser Reformator", der den Kaiser sprechen wollte, begehrte am Mittwoch Einlaß ins Neue Palais. Ter Mann trug die Kleidung eines Bauern aus dem Schwarzwald. Er erzählte, der Kaiser sei gewi.lt, ihm jährlich 10000 Mark zur Durchführung seiner religiösen Reformplänc zu geben, und er wolle sich das Geld abholen. Natürlich hatte man cs mit einem Geisteskranken zu tun. Es stellte sich heraus, daß der Schwarzwälder Bauer infolge seiner fixen Idee mit der Eisenbahn vierter Klaffe nach Potsdam gefahren war. Sehr mißmutig darüber, daß er keine Audienz erhalten hatte, fuhr der „Reformator" ab. * Im Ehrenamt als Vol kszähler ver- bräunte, tote die „Tils. . Ho Ztg.' meldet, am Donnerstag früh der Journalist Paul Staate in Tilsit. Die Feuerwehr fand ihn als Halbvertohlte Leiche aus dem brennenden Sofa liegen. Staate war nachts mit dem Zu- sammenstclleu seiner BolkSzählungScrgebnissc beschäftigt gewesen und cingcschlafen, wöbe: er die Lampe umgeworfen hatte. * Weimar, 9. Dez. Wie sich jetzt herausstellt, sind die gemeldeten Dokumentendicbstähle nicht im Goethe- und Schiller-Arch • sondern im Archiv des Groß h. M inisteri 11 ni s verübt worden. Es handelt sich hauptsächlich um Unterfchriftcn von Goethe aus seiner Ministerzeit und um Unterschritten des Großherzogs Karl August. * ^uf ihren Wunsch ermordet. Eine furchtbare Tragödie wird aus ParG> berichtet: Der Maire (Bürgermeister) voir St. Pierre, Eanton, tötete mit einem Beil seine eigene Frau, auf deren dringende Bitten, sie von einem schweren KrebSleiden, an dem sie litt, durch den Tod zu erretten. Die Ungtucklrche hatte bereits mehrere Male versucht, ihren Qualen ein Ende zu bereiten. Am letzten Sonntag ließ sich nun der Mann, der bei seinen Mitbürgern in Hoyer Achtung stand, zu der entsetzlichen Tat bewegen und stellte sich dann der Polizei. * Ein Rech tsauw2 lals Erpresser. Aus New- york wird berichtet: Ein ganz merkwürdiger Fall von Erpressung gelangt jetzt tu Newyork zur Verhandlung. Der Angeklagte ist ein bekannter und angesehener Rechtsanwalt, Thomas Wickes. Die in seiner Praxis erworbenen Kenntnis,e benutzte er dazu, um von gewissen Parteien Geld zu fordern: seine Briefe unterzeichnete er immer als ,^Lcwis Jarvis". Dw Briefe enthielten stets Anspielungen auf die große Gelehrsamtest, Tüchtigkeit und Zuverlässigkeit des Mr. Thomas Wickes, und i)icie -obeshymnen führten schließlich zu der Entdeckung, daß Wickes und Jarvis ein und die- selbe Person seien. Der Fall wurde vor einigen Monaten in den amerikanischen Zeitungen erwähnt: jetzt dient der Name „Lewis Jarvis" überall in den Bereinigten Staaten zur Bezeichnung einer Selbstretlame der frechsten Art. In biesem Sitme geht der Name vielleicht sogar in Öen Sprachgebrauch über. Wickes gibt zu, daß er dw „Jarvis" Briese geschrieben har, aber er Icudnci jede Art Erpressung. * An der Roulette ton Monte Earl0. Aus Monte Carlo werden dem „Bert. Tagcbl." folgen^ „Mo- sckretärs so zu stärken, baß er ben einzelnen Ressorts gegenüber mrbr Selbständigkeit besitzt. Dies führt zu bcr alten Forderung selbständiger, verantwortlicher Neichsrninister. Was nun die Vcr- kebrssteucrn anlangt, so glaube ich nicht, daß der StaatSstkrctär des ReichSpostarnts ihnen ^uftimmen konnte. Denn ein Staat’# dia( eine; $ ;n nicht mir bic -tut? sei netmöge inner gt. 1 imitanbe, neben eint: , en. Tie siaoenct * ib mit bcr WÜ ba-e ben. .. 1 id nicht vollsicind^ vollsse>ndl'M/-Z Triebe aufrecht et^ [fer jmd bic cm?« «des 6t,un?:<,< Dnhat,« sic iimiomt6rlW n?cr Aohütand,nfV ben, SM »i- iluä ä 1 in volltc, bfl w<,.. !Heilend SBelU» Sctdnn?^; lP°in?eStid''' 'cS Besuchs '.if Frankreich ab und andererseits von dem Mißbrauch, ben bic T ozialdemokratie in Berlin mit dem Besuch deS Herrn Jaures - trieben haben mürbe. (Unruhe bei den Soz.) Waö den Eindruck k>s Besuchs auf Frankreich anlangt, so glaube ich nicht, baß er allgemein günstig gewesen sein würde, und ich nehme da? Recht rar mich in Anspruch- die Verhältnisse in Frankreich gerade so -mmi beurteilen zu können, wie Sie (zu den Soz . Was aber t>m Mißbrauch berrifft, so ist c-5 ja klar, daß bic Sozialdemokratie vtn Besuch wünschte, um ihn für ihre innerpolitischen Ziele au5* znschlachten. Tie Sozialdemokratie wollte bic Legende verbreiten, als ob nch unfere Regierung mit frivolen kriegerischen Absichten getragen Hütte, aber daran durch die Sozialdemokratie verhindert worden t*ärc. ES sollte das Märchen verbreitet werden, als ob die Slc- 3-crung nicht imstande gewesen wäre, den Frieden zu wahren, als »te es dazu der Unterstützung der Sozialdemokratie bedurfte. Die Sozialdemokratie wollte sich als die Retterin des .Kapitals auf- ipeefen (Große Heiterkeit. > In einer unserer Zeitungen ist durchaus fliitrcfcnb gesagt worden, daß die Palmenwcdcl für JaureS m Grunde nur ein recht dürftiges Feigenblatt gewo^" wären. iGrncute Heiterkeit.l Tie Entscheidung über Krieg und Frieden rgt nicht bei bcr sozialdemokratischen Agitation, diese Entscheidung inlrb nicht von sozialdemokratischen Agitatoren in der Hasenhaide aaSgctragen. (Heiterkeit und Zustimmung.) Die Entscheidung i'hcr Krieg und Frieden liegt bei den Faktoren, die dazu ver- cjsiungsgemäß berufen sind. Soweit sind wir noch nicht gekommen, dc ß wir uns dies Recht nehmen lassen, baß wir bic Entscheidung irber, die ernstesten Fragen hineingleitcn lasten in den Strudel snr sozialdemokratischen Agitation. (Lcbh. Zustimmting.) Solange id an dieser Stelle stehe, wird bic auswärtige Politik des Landes nicht von dem Willen bcr Sozialdemokratie gebeugt werden. (Erneute Zustimmung.) Denn die Sozialdemokratie behandelt die fitSmärtigen Fragen nicht "wie sie behandelt werden müssen, nicht vom Standpunkte des . encn Lande?, sondern unfe '-m sehr tttflcn Gesichtswinkel ihres Fraktionsinteresses, ihr 3artei# bdlrrin. Die deutsche Sozialdemokratie treibt keine nationale aus- toürtige Politik, sie weiß nicht einmal, was nationale auswärnge ist (Zustimmung), fonberu sic ordnet die Interessen des eigenen Landes b'i Parteiintcresscn unter. (Erneute Zu- firnmung.) Wenn toir unsere auswärtige Politik solchen tenben* jii'scn Einflüssen unrerordneten, so würden wir die Sicl^rheir des I'rnbeS gesährden; e5 wäre Sclbstm 0 rd. (Sehr wahr I) Ich hxrbe alle Versuche nach dieser Richtung auch künftig abwehr,.n vtb in ihre Schranken zurückweisen. (Beifall.) Ich habe gesagt: Tie Sozialdemokratie weiß nicht, tD!i$ nationale Politik ist. In Konstanz hat im vergangenen Jahre bcr Führer bcr deutschen Sozialdemokratie erklärt: wenn c5 zum Kiiiegc zwischen Teutschland und Frankreich käme — ein Krieg, bc wir zu vermeiden wünschen, ein Krieg, von dem auch bic föi [jrcr der Sozialdemokratie sehr wohl wissen, daß wir ihn vcr» M idcn wollen — wenn es dazu käme, bann würden sich in Deutsch, land Dinge ereignen, wie in Rußland. Das heißt, c? stände Re- tc ution und Meuterei in Aussicht. Wen» es etwas gibt, das im fliiSlande diejenigen ermutigt, die dem deutschen Volke gegenüber mit hinterlistigen und gehässigen Absichten tragen, bann ist cs ein solcher Hinweis. (Lcbh. Zustimmung.) Wir wissen alle, daß cS in England Organe der öffentlichen Pl inung gibt, die in völliger Verkennung deutscher Sinnesart oder kr''er besseres Wissen die Anschauung verbreiten, die bcutjd)cn (tlrttcnbermcbrungcn richteten sich gegen England. Während bic ter ständigen Leute nicht nur in Deutschland, sondern auch in Eng- lueb darauf Hinweisen, daß die Ausgestaltung unserer Flotte ledig- dl friedlichen Zwecken dient, daß wir ebenso gut wie andere Na- tauen daö Ncchr haben, Schiffe zu haben, so bemüht sich Herr fajcL unsere Rüstungen als eine Provokation gegen England hin- nrucn Steuern, bann werden die RcichSsinanzen schon von selbst gesunden. (Beifall links.) Abg. von fiarborff (ReichSp.): Ich bin von vielen Seiten angegangen, für eine Beschlcmiigung unserer Schiffsbauten einzutreten AVer dies lvirb bei dem Stande unferer Werften nicht möglich fein. Auch sind unsere mobernen Swine io kompliziert, dast man den Ban nicht überstürzen birf. lieber die Stenervorlagen wird mein Freund Gamp reden. Die Rede deS Ministers von Rheinbaben begrüße ich. Sie ent« hielt so viel und so interessantes Material, daß sic im Wortlaut im ganzen Lande verbreitet werden müßte. Wenn ein Mann, der auf einem so extremen agrarischen Standpunkt steht, wie Herr JauröS. der den Antrag Kanitz übersetzt und einen 10 Mark-Wcizcitzoll gefordert hat, in Berlin gesprochen hätte, so wäre das doch gewiß sehr interessant gewesen. Vielleicht hätte er auch etwas über den Gctrcidczoll gesagt. Ich habe eS deshalb bedauert, daß Herr JauröS hier nicht gesprochen bat. Andererseits glaube ich, daß sein Nichterscheinen dem Abg. Bebel gar nicht so unangenehm war. Der Reichskanzler bat darin recht, daß er c5 nicht duldet, daß die Sozialdemokraten sich in die auswärtige Politik ein« mischen. Herr Bebel weiß alles besser; wenn er wirklich so klug wäre, wie er e9 sich einbildet, dann wäre er ein Staats« nimm von bcr Bebeutnng bcs Fürsten Bismarck Wenn Herr Bebel e? au8malte, baß bei uns mal ähnliche Zustände erfolgen könnten, wie in Rußland, so wird der Erfolg avhängen von der Entschlossenheit der Regierung. Richtig ist e§, daß in einzelnen Gegenden des OstenS ähnliche Dinge wie in Rußland, ich meine die Judenverfolgungen, ftattfinben könnten. Ich erinnere an Könitz. Die Regierung müßte daher hier DorbengnngS- maßregeln treffen. Bedenklich ist es, daß unsere Reichs« bank den geringsten Goldvorrat hat, hierdurch könnte eine große Gefahr für unS entstehen. Es wird so viel gegen ben Krieg gerebet, aber man vergißt ganz, baß bcr 5kricg auch bic besten unb ebelsten Instinkte weckt. Denken Sic an bic Freiheitskriege I An die Sänger Arndt, Körner, dessen Lieder heute noch weiterleben und mit dazu beigetragen haben, daß die deutsche Nation einig wurde. Denken Sie daran, wie jetzt aus allen deutschen Ländern die Jünglinge nach Südasrika sich drängen, das ist doch auch ein Band, daS die Deutschen enger verbindet. (Lachen, Zurufe und Unterbrechungen bei ben Sozialbemokratcu. Rebncr versucht vergebens, sich Gehör zu verschaffen. Glocke bcs Präsibenten.) Ich besitze ja leider nickt die diklatoriichc Gewalt, die der Abg. Bebel über feine Partei« genossen besitzt, bcr nur einfach Pscht! zu sagen braucht, unb alles ist mäuschenstill. (Große Heiterkeit.) Ich meine, bic Verhältnisse bei unS sind doch nicht so scklecht, wie der Herr Bebel c5 immer dmstellt. Welches Land hat denn so gute Schulen, eine so gute Justiz, eine so gute Verwaltung, wie wir? Welches Land hat so viel für die soziale Fürsorge getan wie wir? Herr Bebel lobt immer England. Aber er weiß doch ganz genau, daß dort in sehr vielen Sachen der arme Mann überhaupt kein Recht [liegen kann, weil die Kosten zu hoch sind. Und dann bas englische Wahlrecht! Wenn wir bas in Deutschland hätten, würben anstatt 77 nur höchstens 6 bis 10 Sozialdemokraten hier sitzen. Vielleicht beantrage ich mal, daS englische Wahlrecht auch bei uns einznführcn. (Heiterkeit.) Ich hoffe, daß Deutschland sich unter der kräftigen Leitung des jetzigen Kanzler? glücklich und segensreich entwickeln möge. DaS walte Gott! (Lachen bei den Soz.) Ach so, Sic glauben ja an keinen Gott. (Beifall rechts.) Hierauf vertagt da? HauS die weitere Beratung auf Montag 1 Uhr. Vorher: RechnungSsachen, Handelsvertrag mit Bulgarien und Handelsprovisorium mit England. S.^iuß 6 Uhr. mcmtaufnahmen" übermittelt: In den Roulettesälen: Gr 0 ßfürst Nikolaus von Rußland, von einem Tisch zum anderen gehend, setzt überall das Maximum, ohne das Resultat abzuwarten, spielt an vier Tischen zugleich und läßt sich, falls er gewinnt, das Geld ausheüen, bis er wieder an den Tisch kommt — ver liert täglich seine 100 000 Francs! — Der Kronprinz von Schweden setzt stundenlang seine ö Fres. und gerät oft mit alten Frauen wegen seines Einsatzes in Wortwechsel — zieht natürlich stets den Kürzeren. Am trente et quarente- Tisch: Großfürst Cyrill mit seiner Frau. Sie spielen kleines Spiel und zählen alle Augenblicke ihre LvuiZ, die sie in der Hand halten. Hoben ausgesprochenes Pech — was dem alten Sprichwort recht gibt. — An einem anderen trcntc ct quarente-Tisch fiyr ein kleiner, dicker Frankfurter Kaufmann mir zwei höchst unschiken Frauen Er spielt mit Tausendfrofftscheinen und die Frauen mit Plaques. Anfangs gewinnt er mehrere Male dos Maximum mit 12 000 Francs, doch bald verläßt ihn das Glück, und er verliert Schlag auf Schlag. Ta sagt ihm plötzlich mtt lauter, aufgeregter Stimme die eine Frau: „Setze doch ein Wcilchcn aus, cs stehen wieder Landsleute hinter uns, do kannst Du ja nie gewinnen." Die Landsleute waren der Erbprinz Bernhard und Charlotte von Meiningen, die sich daraufhin )chleunigst aus dem Staube machten. — Dcim Verlassen der Säle erblicke ich den Kronprinzen von Schweden in angeregter Konversation mit dem Großfürsten Nikolaus von Rußland. Ich blieb auf Entfernung stehen und sah zu meinem Ergötzen, wie Üttkolous den Kronprinzen alle Augenblicke stehen ließ, um seine Ein- sätze an den R aletten zu kontrollieren! handel uvb 'bcxRt t. Kolttsunrrfchajl. T i c Börse unb Finanzlage hat sich gegen den Anfang des Jahres ganz auffallend geändert. Damals eine mutvollc Zuversicht und jetzt eine trübe Verstimmung. Es zeigt sich bieS aber weit weniger in der Kursgestaltung als in der allgemeinen Geschastsluge an sich. Ganz vornehmlich ist diese Stimmung die man mit „mnroh- bezeichnen möchte, aus die außerordentlich unerquickliche Lage in Rußland zuriickzustihren. Jetzt glaubt man, baß ein Rückgang der Konjunktur int allgemeinen doch nicht ausgeschlossen ist unb daß bic verzweifelt scheinende Finanz- und Wirtschaftslage m Rußlanb auch die deutsche Kapilallraü mehr als ungünstig beeinflußt. Au Stelle von Gcibübersülle ist Geldversteisung eingetreten. Em 6,J „iger Zinsfuß stehl vor der Türe. Daß die polnische Lage auch sonst sehr ernst ist, wie selten am Jahresschluß, kann nicht abgcftvittcn werden; man denke nur au Marokko, an bic Uamlerrebc-n im Rcichsiag, an bic Lage mTesterreich-Ungarnusw. Arlesküjren. X. ?). Z. Tas über 2 Jahre hinaus gediente Dienstjahr zählt bei bet Berechnung der pennonssalngen Dienstzeit nicht mit, an der Gesamldicuslzeit bet heistschen Gendarmen werden nach einer Minislerialoerorbnumi 3 Jahre abgewogen. Die Kriegsjahre werden bei der Berechnung der GejanUbieustzcit doppelt gezählt; fällt ein Feldzug m die ersten 3 Jahre, so wird bic Fclbzugszeit nicht ab- gezcihlt, fonbet enigev be eit adgeMhlt. Die Pensionierung er'oig: nach dem l)Ci’. Gesetz vom 2. August 1899 über die Dienstveilstümiisc, Ruhcgchalle uud Hiulerdliebenen- verjorguug der Slaalcbcamtcn. Näheres findel sich, namentlich über die Bo hnung bet Pcnfiou, m Beil. 8 der Geschichte des Großh. Hess. Eenbarmeriekorps, Darmstadt 1905, Preis 5 2ik. geb., 4 Äck ->ch. 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