Montag 18, September 1905 Grftes Blatt General-Anzeiger Amis- und Anzeigehlaii für den Kreis Gießen Nie Heutige Kummer umfaßt 10 Seiten. 155, Jahrgang Nr. 219 «rfchetut täglich außer Sonntags. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem kefslschen Landwirt die Eiehener Familien- llähet oiemtal in der Woche beigelegt. Rotationsdruck u. Verlag der Brüh l'sehen Unwers.-Buch-u. Stein- druckeret. 9L Lange. Redaktion, Ervedition und Druckerei: Schul st raße 7. Adresse für Depeschen: Auzetger Gießen. Kernsprechanschluß Nr. 51. Bezugspreis: monatlich7bPi., viertel»- jährlich Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch dicPost Mk.2.—viertel- jährl. ausschl. Bcstellg. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis vormittags 10 Uhr. Zeilenpreis: lokal 12Pf., auswärts 20 Psg. Verantwortlich füt den polit. und allgcm. Teil: P. Wittko; für .Stadl und Land" und „Gerichtssaal": August Goetz; für den Anzeigenteil: Hans Beck. Politische Wochenschau. Die Flottenmanöver der aktiven Schlacht flotte ivurden am Mittwoch der vergangenen Woche zum "Abschluß gebracht. Am Freitag erfolgte die Beendigung der großen Kaisermanöver in unserer Gegend. Die Kriegsbereitschaft des Deutschen Reiches zu Wasser und zu Lande wurde bei diesen Veranstaltungen in einigen Reden hcrvor- gehobcn, in denen zu gleicher Zeit die Friedenstcndenz der deutschen Politik mit Nachdruck betont wurde. In Homburg und Koblenz feierte der Kaiser in viel beachteten Trinksprüchen die Segnungen des Friedens. Er ermahnte das deutsche Volk zur Eintracht und wünschte ihm von Herzen eine Beendigung des konfessionellen Haders, damit es dastehc nach innen geschlossen, nach außen entschlossen. Wer möchte nicht dieses schöne Ziel für erstrebenswert halten, wer nicht dem kaiserlichen Sinnspruch herzlich zustinrmen? .... Reichstagsabgeordneter Dr. Spahn führte in einer Bonner Rede aus, daß das Zentrum positive 'Arbeit für das Reich zu leisten bereit sei, um sich in seiner beherrschenden Stellung zu befestigen. So wird es in der Frage der Finanzreform prinzipielle Zugeständnisse machen, ebenso beim Ausbau der Flotte, für den Spahn die Bewilligung von Linienschiffen größeren Deplazements etwas verhüllt ankündigte. 'Auch in kolonialen Dingen betonte er ein größeres Entgegenkommen. Was speziell die Reichs- stnanzreform angeht, so gab er den Vorschlag seiner Partei auf weiteren Ausbau des Matri kularbeitrags- wef ens preis. Er will also versuchen, das Reich von den Bundes staaten finanziell unabhängig zu machen. Wie ernst es ihm damit ist, fielst man daraus, daß er erklärt, das Zentrum habe seinen Befähigungsnachweis für die Steuerpolitik im Reiche zu erbringen. Das Zentrum wird vermutlich, damit die neue Steuerlast nach Maßgabe des Interesses der einzelnen Stände an der Weltpolitik verteilt werden soll, eine direkte Steuer in Vorschlag bringen. Nur auf Grund des politischen Programms des Zentrums, erklärte Dr. Spahn schließlich, werbe das Reich gedeihen können. Danach wird es also eine Reihe von parteipolitischen Kompensationen nicht außer acht lassen, und es wird die Zentrumsära in den nächsten .Fahren gefestigter sein als jemal's zuvor. Wie nah und eng indes die Reibungsflächen zwischen Zentrum und Negierung sind, zeigt der Fall des Erlasses des Posener Erzbischofs v. Stablewski gegen das Verbot der polnischen Sprache im Religionsunterricht, bei der Beichte und Kommunion polnischer Kinder. Der Erzbischof wies den Regierungserlaß als einen Eingriff in seine geistlichen Befugnisse zurück; es soll nicht untersucht werden, ob mit Recht oder Unrecht, bezw. ob der Regierungserlaß klug oder zu weit gegangen ist. Es genügt, nur den Widerspruch der Bestrebungen aufzudecken. Hie Staat, hieKirche, die eine ebenso unabhängig und souverän wie der andere, nicht geneigt, ein Iota vom eigenen Rechte aufzugeben. Daß dabei Konflikte immer wieder kommen werden, ist so selbstverständlich, daß man es kaum zu wiederholen braucht. Die Presse brachte den Besuch des preuß. Ministers des Innern v. Bethmann-Hollwegbei dem Erzbischof v. Stablewski mit der Erlaßaffäre in Verbindung. Die Regelung der Angelegenheit wäre eigentlich Sache des Kultusministers. Man wird daher abwarten müssen, ob die Nachrichten sich bestätigen. Jedenfalls läge jetzt, nachdem der Katholikentag so viel von Toleranz gesprochen hat, der beste Anlaß vor, sich tolerant gegenüber dem Staate zu zeigen. Welchen 'Ausgang die Affäre nehmen tvird, kann man aber nicht wissen. Den Reichskanzler Fürsten Bülow „beförderte" der Kaiser während der Manöver zum Generalmajor. Diese für den obersten deutschen Kriegsher. ' recht charakteristische Verleihung fiel in die Zeit, in der über die marokkanische Frage die abschließenden Vereinbarungen mit Frankreich eingelcitet wurden, in der Dr. v. Rosen in Paris die mündlichen Verhandlungen aufnahm. Die Pariser „Agence Havas" meldete, daß die Unterredungen zwischen Dr. v. Rosen und Revoil bisher stets zufriedenstellend verliefen. Doch erst in dieser Woche dürften sie zum Ziele führen. Mit der Marokkoaffäre hängt es auch zusammen, baß der deutsche Botschafter in Madrid, v. Rado Witz, zum Besuch des Reichskanzlers in Baden-Baden eingetroffen ist. Als eine Folge der Fleischteuerung werden vielfach, auch von sozialdemokratischen Blättern, die Wahlresultate in Schwarzburg-Rudolstadt, wo die Sozialdemokraten allein die Hälfte aller L an d- tagsmandate errangen, und die Abstimmung bei den Landtags.Wahlen in Sachsen bezeichnet, wo die Sozialdemokraten überall in den städtischen Wahlkreisen die dritte Wählerklasse eroberten. Das Resultat der sächsischen Landtagswahlen ist noch nicht zu übersehen. Sicher ist die agrarkonservative Mehrheit unerschüttert, obwohl einige Mandate verloren sind. Eine große Reihe von Kongressen und Versammlungen charakterisiert die Lebhaftigkeit des öffentlichen Lebens auf allen Gebieten. So tagte in der vorigen Woche der jung- liberale Parteitag, der die „Toleranz"politik des Zentrums in heftiger Wesie anariff; ferner sanden die Generalversammlungen des Deutschen Pfarrertages, des deutschen Medizinalbeamtenvereins, des Vereins für Gesundheitspflege usw. statt. Es tagten die öaugewerksgenossenschaft und die Innungen der deutschen Baugewerksmeistcr in Braunschweig, die konditionierenden Apotheker in Hannover, der Anwaltstag ebenfalls dort, und in Westerland der Kongreß der Erwerbs- und W i r t s ch a f t s g e n o s ] e n * schäften. Die Antialkoholiker versammelten sich in Dresden und Budapest, die internationalen Kriminalisten in Hamburg; ferner fanden die Generalversammlung der Straßen- und K.ernbahn-Gesellschaften und des Verbandes für kaufmännisches Unterrichts wes en statt, also eine Fülle von Kongressen und Anregungen, eine wirkliche Kongreßwoche! Das Erdbeben in E a l o. b r i e n hat im Süden der italienischen Halbinsel 'einen schweren Notstand geschaffen, zu dessen Beseitigung auch der deutsche Kaiser (10 000 Lire!, die deutsche Bankenwelt und die Stadt Berlin Beiträge stifteten. Auch im Ar lb e r g g e b i e t wurden in der vergangenen Woche Erdstöße wahrgenommen. In Ungarn hat der Ministerpräsident Baron Fejer- varh seine Entlassung gegeben. Wie bestimmt verlautet, will die Krone nun mit dem Grasen Johann Zichy, Ladislaus v. Lukaes oder Koloman v. Szell versuchen, eine Entwirrung herbeizuführen. Die Organisation der Koalition erklärt, daß der allgemeine Optimismus bezüglich der Lösung der Krise von den führenden Männern der Koalition nicht geteilt wird, da sich im Standpunkte der Krone bezüglich der Militärfrage nichts geändert habe. In der Z e v s i g a f f ä r e, die recht schmutzige politisch-journalistische Treibereien zutage förderte, erregte es Aufsehen, daß von den von der Polizei an das Gericht übersandten ülkten ein kompromittierender Brief Baron Banffys an Zigany nicht zu den Akten genommen worden ist. Unserer Meinung nach hat man in Wien nicht klng gehandelt, indem man die Einführung des allgemeinen Wahlrechts ablehnte, denn man wird für diese Nachgiebigkeit gegen die Mehrheit des gegenwärtigen Parlaments doch nicht die Nachgiebigkeit dieser Mehrheit in der Armeefrage eintauschen. Es wäre deshalb jedenfalls richtig gewesen, einen Versuch zu machen, diese reaktionäre Mehrheit durch ein wahrhaft liberales Wahlrecht zu zerschmettern. Auf dem Balkan fanden zwischen türkischen und serbischen Grenztruppen heftige Gefechte statt. Das serbische Regierungsblatt stellte fest, daß Ueberfälle tägliche Vorkommnisse seien. Auch die Waffenbrüderschaft wilder Arnautenbanden mit türkischem regulären Militär sei eine gewöhnliche Sache. Dadurch sei die Volkserregung erklärlich sowie die einmütige Forderung nach Genugtuung und nach einer Garantie ge-gen zukünftige ähnliche Fälle. Die Regierung habe deshalb den Gesandten in Konstantinopel angewiesen, bei der Pforte energischen Protest gegen die Ueberfälle aus serbischem Gebiet, einzulegen und die Bestrafung der Schuldigen mit den härtesten Strafen sowie Entschädigung der Betroffenen zu verlangen. Die Entschädigung werde später durch Serbien normiert. Serbien schätze, so fährt das Blatt fort, die guten Beziehungen zur Türkei. Es hänge nur von dem guten Willen der Pforte ab, diese zu erhalten. Deswegen sei Hoffnung vorhanden, daß die Türkei die Forderungen Serbiens erfüllen werde. Im entgegengesetzten Falle werde Serbien trotz des guten Willens, die freundnachbarlichen Beziehungen zur Türkei zu miterhalten, zur Notwehr gezwungen sein. Die Lage auf dem Kaukasus istunverändert schlimm. IN Baku ereignen sich politische Morde auf den belebtesten Straßen. Die Mörder bleiben unbehelligt! Es herrscht eine furchtbare Panik. Die Geschäfte sind verbarrikadiert und die Einwohner verbergen sich in Kellern und sonstigen Verstecken. Die Stadt, die vor kurzem noch in reger Blüte stand und tausenden von 'Arbeitern durch ihren Handel und ihre Fabriken die Mittel zum Lebensunterhalt gewährte, ist in Untätigkeit verfallen. Die Bauern, durch die Agitatoren verleitet, berauben die Grundeigentümer, deren 'wirtschaftlicher Untergang sie selbst ihrer Einkünfte beraubt Die Regierung steht dieser völligen 'Anarchie ratlos gegenüber. Wie Rußland ist auch Japan der Schauplatz von Empörungen. Die Drohungen de§ Pöbels, daß man die Friedens-Delegierten ermorden werde, dauern an. In der Hafenstadt Yokohama ist die Ruhe wieder hergestellt. Das von dem Minister des Innern Vicomte Poshikawa eingereichte Entlassungsgesuch wurde angenommen. Sein Nachfolger wird der Minister für Ackerbau und Handel Baron Kiyoura, der gleichzeitig sein bisheriges Ressort beibehält. Heber den Untergang des Togoschen Flaggschiffes „Mikasa" brachte ein englisches Blatt eine detaillierte Schilderung. Der Untergang wurde durch eine Reihe von Explosionen herbeigeführt. Es war eine prachtvolle Mondnacht und da sämtliche Kriegsschiffe und Landstationen ihre Scheinwerfer der „Mikasa" zuwendeten, konnte man deutlich sehen, wie sich an Bord aufregende Szenen abspielten. Es wurden sofort von allen Seiten Boote zu der „Misaka" geschickt. Die Bootinsassen und die Ueberlebenden von der „Mikasa" waren auf das Tapferste bemüht, ihre Kameraden zu retten. Tas Wasser drang durch ein großes Loch in der Portseite des Schiffes mit Getöse ein und die „Mikasa" begann zu sinken. Ein in der Nähe des Schiffes liegender Transportdampfer, die „Kaikoko Maru", wurde durch das aus dem Schiff herartSschlagende Feuer beschädigt. Man glaubt, daß der Schaden, den die „Mikasa" erlitt, sich leicht reparieren lassen wird. Die Zahl der Ertrunkenen wird auf 2 00 angegeben. Der Marineminister, Baron Pamamoto, trat dem Gerücht entgegen, daß Unzufriedenheit in der Flotte zu der Vernichtung der „Mikasa" geführt habe. Er erklärte, daß eine derartige Unzufriedenheit in einer diSzipli- nierten Marine ausgeschlossen sei und daß sämtliche Marineoffiziere darin übereinstimmen, daß es sich um einen Unglücksfall bandele. , Are Karsermanöver. (Eigener Bericht des Gießener Anzeigers.) Limburg a. d. Lahn, 15. Sept. Nach der allgemeinen Kriegslage hatte eine rote Armee, zu der das 18. Korps gehörte, von Süden eindringend, blaue Truppen bei Mainz über den Rhein gedrängt, wahrend eine blaue Armee sich bei Marbu r g sammelte. Not ist nun im Vor- umrsch nach Norden geblieben, um seinen großen Feind bei Marburg aufzusuchen. Das 8. Armeekorps (blau) mußte vor ihm zurückweichen, da die blaue Armee ihren vollständigen Aufmarsch Nachrichten zufolge erst am 14. beendet hat und daher bis dahin eine Bedrohung für Rot nicht darstellte. e>o hat Not andauernd versucht das 8. Korps von Marburg abzudrängen. Am 12. abends standen die feindlichen Korps sich bei Nastätten aegenüber, blau die Front gegen Osten, rot gegen Westen. Am 13. abends standen sie etwas nördlicher bei Katzenelnbogen ähnlich, blau die Front gegen Nordosten, rot gegen Südwesten. Gestern abend endlich sahen wir sie noch weiter nördlich, und ihre Fronten batten sich noch mehr gedreht. Blau stand mit der Front nach Westnordwest in einer Linie Dörsdorf- Camberg, rot hatte sich an die Lahn gezogen, und sich rückwärts an di-se lehnend mit dem Zentrum bei Limburg zwischen Diez und Runkel aufgebaut. Da das Korps durch Abkommandierungen geschwächt war und das Marburger Gespenst noch immer txrofrte, so hatte General v. Eichhorn beschlossen, hier eine starke 23er» teidigungsstelle einzunehmen. General v. Deines beabsichtigte anzugreifen, um sich wenn möglich, in den Besitz der Lahnübergänge zu setzen. Ein heftiger Kampf entspann sich bei Werschau am Fuße des Sensen-Kopfes; die 21. Division nahm die Höhen bei Werschau und drückte die 16. Division zurück. Hierbei kam es auch zu einer Attacke der beiden Kavallerie-Divisionen, Die Blaue würbe zurückgewiesen, weil sie in das Feuer des 87. Negimenis kam. Sonnenstrahlen brachen hier und da durch, der Nebel zerstoß langsam, und ein entzückendes Panorama tat sich ringsumher auf: Wiesenwachs und Sturzacker, schmucke Ortschaften; und üppige Waldparzellen allenthalben ein Tal, auf den Hügeln-- und im Hintergründe vor uns die nördlichen Ausläufer des Taunus. In Scharen kamen die Schützenketten der dauere' über die Hügelkämme herüber, ergossen sich ins Tal und stürmten die Höhen. Hier und da gelang es vielleicht, im allgemeinen behauptete Herr v. Eichhorn den Kern seiner kolossalen mit so viel Geschick gewählten und befestigten Stellung. Allerdings hatte das 18. Korps die Uebermacht seiner vier Divisionen noch nickst voll entfalten können. Während die Geschütze donnerten, und die Maschinengewehre mit dem Jnfanteriefener sich zu einem Höllenkon'.crt vereinigten, gab der Ballon der Manöver-- leitung das Signal ,,Abrücken!" Das Manöver wurde abgebrochen, und der Kaiser hielt Kritik, in der er seine vollste Zufriedenheit mit den Leistungen beiber Korpss aussprach. Am alten Zollhaus; an der Chaussee nach Kirberg befand sich die Manöverleitung; als wir dort eintrafen, sahen wir den Kaiser mit seiner großen Suite davonsprengen, neben ihm der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes Gen. St v. Moltke. Auch die Kaiserin war zu Pferde, sie hat später im Galopp die ganze langgestreckte Front des anrückenden Korps abgeritten; Prinz Albrecht waltete seines Schiedsrichter- amtes, zwei Schwestern des Kaisers, die Primessinnen Adolf zu Schaumburg und Friedrich Carl von Hessen, sowie der Kronprinz und alle übrigen fürstlichen Manövergaste hatten sich beritten gemacht Der Kaiser wechselte seinen Standpunkt: mehrfach. Koblenz, 16. Sept Der Kaiser hielt gestern lange Kritik. Er rekapitn- lierte den Verlauf der Marschbewegungen und Gefechte der ganzen Manövertage — und man sagt in militärischen Kreisen, baß diese Rückblicke Meisterstücke seien in Klarheit der Darstellung und in Scharfe des Urteils — dann wandte er sich den Leistungen der Truppen zu. Die Truppen sahen trotz der großen Anstrengungen der letzten Tage, ja Wochen, durchgängig gut auS, als sie direkt aus den Stellungen weg gestern mit klingendem Spiel den Stationen zu marschierten, auf denen verladen werden sollte. Gewiß sah man hier und da matte Augen und schlechte Haltring, den meisten aber gab der lustige Marschtakt ihre Energie wieder und wenn selbst Trommel und Pfeife schwieg, wurden alle Soldatenlieder angestimmt. Im Ganzen wurden befördert 1950 Offiziere, 50 000 Mann und 2400 Pferde in 57 Sonderzügen: und zwar gestern 1700 Offiziere, 45 000 Mann und 1500 Pferde in 44 Sonderzügen- heute 250 Offiziere, 5000 Mann und 900 Pferde in 13 Sonderzügen. Auf den Linien Staffel-Engers und Staffel-Hadamar konnten nur halbe Militärzüge fahren. Bis auf einige Güterzüge, die umgeleitet wurden, blieb der gewöhnliche Verkehr aufrecht erhalten, waS bei dem Umfang desselben in der Rheinprovinz gam gewiß eine höchst anerkennenswerte Leistung ist. Ein ganz wunderbares Schauspiel war es, als der Kaiser gegen Ende des Manövers vom Nauheimer zum Mensfelder Kopf auerfelbein hinübergalopvierte und die Tausende ihm nachströmten über Wiesen und Kartoffeläcker, vergnügt trotz der nassen Füße, die die Niederschläge des Nebels im Kraut brachten, Männlein und Weiblein, und wie die sechs oder acht Gendarmen Mühe hatten, den Raum um den Kaiser und seine Herren einigermaßen frei zu halten, und zu sorgen, daß man ihnen nicht direkt unter ihre galoppierenden Pferde lief. General v. Eichhorn hat alle seine Schlachten ganz von rückwärts dirigiert, wie Opama bei Mukden. Wisr haben mehrfach darauf hingewiesen, daß sein Hauptguartier beträchtlich hinter der Front lag. Jede Division hatte vier Telephon-Einrichtungen, dos Gerät wurde auf Wagen gefahren. Verbindung wurde hergestellt mit dem Korps, den beiden Brigaden jeder Division und mit der Artillerie. Das 8. Korps hatte nur Feldtelegraph. Selbstverständlich waren alle die älteren Verständigungsmittel wieder in Tätigkeit, vorn Funkenballon bis zur Brieftaube. Der Heliograph (Lichtsignale mit Kalllicht nach dem Morsealphabet) diente den Schiedsrichtern dazu, sich gegenseitig über die Bewegungen der Truppen anfzuklären; der Apparat wurde von Kavallerieunterofsizieren bedient. Leibgendarmen benutzten mebrsich den Winkspruch mit Flaggen, um Meldungen weiter zu geben. Unser Regiment ist im Lauf des Manövers wiederholt Gegenstand der Huld seines kaiserlichen Chefs gewesen. Wo der Kaiser das Regiment bezw. Kompagnien des Negiments sah, begrüßte er sie freundlichst mit den Worten „Guten Morgen, Kameraden", worauf Misere 116 er jedesmal mit „Gilten Morgen Ew. Majestät" oder mit „Hurra" antworteten. So hatte die 3. Kompagnie in einem Orte bei Katzenelnbogen Appell, als plötzlich der Kaiser im Auto- 'mobil hcrankam. Langsam vorbeifahrend. rief er seinen Soldaten fr. indlich zu. Auch während der Gefechte ist der Kaiser öfters an die Kmnpagnie herangerittcn, l>at ilrrc <35rfcclyt5f>cftitng besichtigt und nicht selten an Untcroffnicrc oder Mannschaften Anfragen gerichtet. Anch am Freitag ritt der Kaiser bei Nees- bach und Meusdorf zum Regiment, nm cs noch einmal zu sehen, lieber die Haltung des Regiments hat er sich wiederholt lobend ausgesprochen. Dienstag, wo es 12 Stunden fast ohne Unterbrechung auf den Deinen war und fast 50 K i lo m e t c r znrücklegtc. Aus dem Biwack bei Esch rückte cs früh 6 Uhr ab und kam nachmittags etwa 6 Uhr in Kördorf an. Doch auch an heiteren Stunden hat cs nicht gefehlt; so hatte 5., D. die. 5. Kompagnie das Glück vorigen Sonntag nach Schmitten zu komineu. wo gerade Kirchweihfest war. Die. Mannschaft nahm nach Herzenslust teil und am Montag verliest die Kompagnie, wohl verproviantiert mit Kuchen und Wurst, das Dorf, begleitet von der Dorfjugend und der Kirmcs- musik. In der Nacht vor dem letzten Manövertag lagen die 115 er und 11G er in Oberneisen, Niederneisen und Flacht im Massenauartier, b?.5 3. Bataillon hatte Biwack am MenSfelder köpf. Um 9 Uhr begaben sich die Soldaten zur Ruhe und schon um 12i/i Uhr wurde geweckt und um 1 Uhr begann daS Aushebcn der Schützengräben am MenSfelderkopf nach NccS- bach zu. Um 4’.■ Uhr war die Verschanzung und daS Eingraben der Geschütze beendet und man erwartete den Feind. Erst um 9 Uhr zerteilte sich der Nebel und die 116 er wurden auf der Gegend NceSbach angeariffen, wiesen aber den Feind zurück. Nach Beendigung des Gefechts rückte das Negiment kurz vor 12 Uhr ab und marschierte über Lindenholzhausen, Villmar nach Aumenau a. d. Lahn. Auf dem Lagerplatz nnt Bahnlws entwickelte sich bald ein lebhaftes soldatisches Treiben, die Reservisten begruben in feierlicher Weise ihre Löffel und Gabeln. Reservclicder wechselten mit dem Konzert der NcgimentSmnsik. Der Oberst liest die jetzt abgehende Mannschaft znsammen- tretcn und verabschiedete sich in einer Ansprache von ihr, indem er sie zugleich auffordcrtc, sich ihren soldatischen Sinn zu bewahren und allezeit gute Patrioten zu sein. Endlich kam die Stunde der Abfahrt nach Giesten. Die auf sechs Wochen etngezogenen Reservisten wurden am Samstag entlassen. Nachdem am Sonntag die alte Mannschaft ihre „Brocken" abgcliefert hatte, nahmen die Kam- pagnicchefs ans dem Kasernenhos in kurzen Ansprachen Abschied von ihren Leuten. Heute früh wurde die alte Mannschaft in Stärke von ca. 650 Mann entlassen und mit Musik an die Züge gebracht. Gar manchen mag das Scheiden von dem lieb gewonnenen Giesten und beit Kameraden recht schwer geworden sein. Unter dem Gesang des Liedes „Must ich denn zum Städtlein hinaus" scüten sich die Züge mit den Reservisten in Bewegung. Reserve Irt Ruh! Eine Bluttat. Im Biwak bei Miehlen c r si a in eine Ordnonnanz, der Musketier Chesnvn vom Infanterie-Regiment Nr. 135, den Da - taillonsschreiber Bochert. Kochwichtlgc Aufgaöen Harren in nächster Zeit im Deutschen Reiche ihrer Erledigung. Der deutsche Reichst!', a wird sich mit einer neuen Flotten Vorlage zu beschäftigen haben. Dadurch wird die wichtige Frage der sogenannteu Reichs- sinanzreform aufgerollt, die durch den im Reiche bestehenden Fehlbetrag ohnehin mehr und mehr in den Vordergrund tritt, .hier gilt es zu verhindern, daß der breiten Masse des Volkes neue schwere Lasten in Form von indirekten Steuern, insonderheit nicht in Form einer erhöhten Tabak- steuer, auferlegt werden. Die bedrohliche Lage in den deutschen Schutzgebieten, namentlich in S ü dwest - und Ostasrika, sowie die Mitteilungen über arge Mißstände in der Kolonialverwaltung werden zweifellos sehr ernste Auseinandersetzungen i b"r unsere gesamte Kolonial- volitik im Reichstage veranlassen. Ten h e s s i s ch e n L a n d t a g in seiner alten Zusammensetzung werden im wesentlichen dieWahlre som, sowie das Gern e in d e ein komm e n st e tler g e setz und das Gesetz bctr. die M e r tzn w a ch s st e n e r aufs neue beschäftigen. Die beiden ersteren haben seit langem im ganzen Lande die erregtesten Erörterungen gezeitigt, deren parlamentarischer Ausgang das hessische Volk im innersten berührt und den es aufs höchste gespannt erwartet. Der alte Landtag wird dann im Laufe dieses Herbstes noch ab treten und durch einen neuen, hoffentlich aufs beste regenerierten, ersetzt werden. Nach Beendigung des Krieges in Ostasien ist die Welt zwar von einem Druck befreit worden, doch ist damit das Gefühl der Unbehaglichkeit nicht gewichen, weil nun durch den Krieg gebundene Kräfte frei geworden sind, von denen man nicht weiß, in welcher Richtung sie sich betätigen werden. Denn, namentlich von englischer Seite, die deutsche Diplomatie als der „böse Geist" in der Weltpolitik verdächtigt wurde, so glich das ziemlich stark dem bekannten Rufe: Haltet den Dieb, mit dem der wirkliche Dieb die Aufmerksamkeit auf andere ablenken möchte. Nach diesem Rezept hat Frankreich jahrzehntelang die deutsche Politik gegenüber Marokko bet den Spaniern verdächtigt, um diese über seine eigenen Machenschaften irre zu führen. Hat Spanien nun auch, durch die Auseinandersetzung mit Amerika politisch gebrochen, in seinem Olmmachtsgefühl trotz inzwischen aufgegangener Erkenntnis der wahren Sachlage Frankreich in Marokko freie Hand gegeben, so ist doch Deutschland als Anwalt aller nichtfranzösischen Interessen im scherifischen Reiche aufgetreten und führt gegenwärtig diese seine Aufgabe dem Ziele, der marokkanischen Konferenz, entgegen, deren Verlauf mit Spannung erwartet wird. Ucbcr dieser diplomatischen Machtprobe hat zeitweilig auch die Frage einer militärischen Machtprobe wie eine dunkle Wolke geschwebt. Damit steht in engstem Zusammenhänge die bedeutsame freundschaftliche Annäherung Frankreichs an England. Welchem Partner mit dieser Annäherung der größere Dienst erwiesen worden ist, das wird auf demselben Blatt beantwortet, auf dem die Erneuerung deS Bündnisses Englands mit Japan steht, rind zwar die Erneuerung unter Bedingungen, welche das beide Mächte vereinigende Baud wesentlich verstärken. Menn man vom „bösen Greift" in der Weltpolitik ernstlich sprechen will, so kann c5 nur diejenige Macht sein, die in augenfälliger Weise ihre Interessen so deckt, daß hauptsächlich andere die Vlutkosten werden zu tragen haben, wenn sie selbst es an der Zeit findet, einen Krieg zu erregen; und in der erwähnten Deckung liegt ein starker Reiz hierzu. Aus die englische Politik wird man also fortan mit scharfer Au f m e r ks ain t ei t zu achten haben, und zwar mit um so größerem Ernste, wenn die inneren Gärungen in Rußland, was zu befürchten ist, noch immer wehr um sich greifen und so der Stimme Rußlands im Wölkerkonzert fürs nächste cm en Hinterplatz anweifen. Es waltet also eine internationale Spannung ob, die f o r t a e s e tz t S o r g f a l t i n der Beobachtung der politischen Erscheinungen dem Zeitungs- Leser dringend nahe legt Wir laden zum Abonnement auf den Gießener Anzeiger für daS letzte Viertel des Jahres ein. Einer Darlegung feines Programms oder Anpreisung seines Inhaltes bedarf es nicht. Es ist anerkanntermaßen die größte, von keiner Partei ab- hängige, für die Versöhnung der Gegensätze zwischen Stadt und Land eintretende, die berechtigten Interessen von I ndu st rie und Lan dwirischaft nach Möglichkeit fördernde Provinzzeitung. Bei seiner Neichhaltigkeit ist der Gießener Anzeiger doch ein billige? Blatt, das an Gediegenheit von keiner Zeitung Hessens uni) der Nachbarstaaten übertroffen wird. Wir laden zmn Abonnement für das letzte Vierteljahr ein mit dem Bemerken, daß unsere sämtlichen Zeitungsträger, Zweigstellen, Vertreter und alle Poslanstalten schon jetzt Bestellung entgegennehmen. Verlag uub Redaktion. Nlüilisclic Tagesschau. Ein Memento für die Amtsblätter finden wir in dem in Dresden erscheinenden „Vaterland", dein offiziellen Organ des konservativen sächs. Landes- Vereins. Dieses Blatt schreibt, es habe während der Wahl- v orberattingen wiederholt beobachten können, daß Amtsblätter königlicher und städtischer Behörden durch Abdruck von Artikeln aus linksliberalen Blättern die Autorität der Negierung nicht unwesentlich schädigten, so zlim Beispiel durch Wiedergabe einer Kritik der sächsischen Finanzgebahrung (biefe hatte die linksnationalliberale, nicht linksliberale „Dresdener Ztg." gebracht), die als irrig bezeichnet wird. Ein Amtsblatt habe die unausgesprochene Verpflichtung, die Autorität deS Staates und der Negierung zu vertreten und nicht zu schädigen. Diese schädige aber ein Blatt, wenn es in „bekannter Manier" gegen die offiziellen Auslassungen der Negierung Stellung nähme und dazu beitrage, sächsische Einrichtungen vor dem Q(uö(anbe bloßzustellen. Im kommenden Landtage werde die Frage der Amtsblätter aufgerollt werden, und man habe Beispiele dafür, daß eine größere Anzahl ihren Pflichten nicht genügend eiu- gsdenk sei, genügend zur Hand. Also in Sachsen hat man sich noch nicht zu der Erkenntnis durchgerungen, ein „Amtsblatt" dürfe unter allen Umständen nur auf der Weide gehen, die der Rcgierung beliebt. Unsere hessische Negierung könnte da wohl für die sächsische vorbildlich werden. Daß unser Landtag aber immer noch nicht unsere Negierung begriffen hat, ist freilich für i h n kein gutes Zeichen. Zn Sachen der Personentarifreform emsing Exzellenz von Budde dieser Tage in Gemeinschaft mit dein Wirkt. Geh. Rat Ministerialdirektor Stieger eine Abordnung des Verbandes reisender Kaufleute Deutschlands. Die Deputation führte aus, daß die Verteuerung des NeisenS durch den Schnellzugs-Zuschlag und die Abschaffung deS Freigepäcks große Erregung hervorgerufen habe und daß man namentlich das Freigepäck ungern aufgegeben habe, wenn dafür nicht in anderer Weise Ersatz gegeben werde. Exzellenz von Budde entwickelte hierauf in längerem Vortrag die Prinzipien, welche ihn bei der Reform geleitet haben und wieS darauf hin, daß er alle Wünsche, welche der Handelßtag gestellt, erfüllt habe. Durch die Aufhebung der Rückfahrkarten und Einführung der einfachen Karten zur Hälfte deS Satzes der Retonrbillets fei den reisenden Kaufleuten größere Bewegungsfreiheit geschaffen worden. Den Schnellzugs-Zuschlag habe er abgeschafft, nicht eingeführt, und nur für einige weit- strcckige Schnellzüge, namentlich im internationalen Verkehr, fei ein Zuschlag geplant, der mit dem kilometrischen Schnell- zugS-Zuschlag nichts zu tun habe. Durch diese Vorteile sei schon ein Aeguivalent für das wegfallende Freigepäck gegeben, an dessen Aufhebung er übrigens selbst ungern heran- gegangcn sei. Es sei aber des Kompromisses mit Süddeutschland wegen notwendig (?) gewesen. Nachdem noch eine ganze Reihe anderer Eisenbahnfragen gestreift worden waren, sprach die Deputation dem Minister ihren Dank für die ausführlichen Darlegungen aus und betonte, daß hinsichtlich deS Schnellzugs-Zuschlages in den Kreisen der reisenden Kaufleute noch vielfach irrtümliche Anschauungen herrschten, die nunmehr geklärt werden würden. Die Frage der Beförderung von Musterkoffern, die als Eilgut aufgegeben werden, in allen Personenzügen, sagte der Minister zu, prüfen zu wollen. Mit Befriedigung nahm man davon Kenntnis, daß Se. Exzellenz es nicht als aussichtslos bezeichnete, daß man vielleicht in Zukunft, wenn die Uebergaugs- zeit überwunden und die zu bringenden Opfer unfühlbar geworden seien, auf weitere Ermäßigung der ©cpäcN fracht, bezw. der Gepäckfreiheit zurückkommen könne. Aeullch-Südiveftafrika. Major Meister schlug am 13. September den Feind westlich von Harnshas nach einem sechsstündigen Aufstieg in einem steilen Gebirge und nach einem heftigen fünfstündigen Gefecht, wobei c§ zum Kampfe Mann gegen Mann kam. Die Hottentotten wurden aus starken Stellungen getrieben. Einem Teil gelang c§ in nordwestlicher Richtung in die Gebirgsschluchten zu entkommen. Die Verfolgung wird fortgesetzt. Der Feind ließ 60 Tote auf dem Gefechts- fclde liegen. Auf unserer Seite fielen zwei Reiter; verwundet wurden Major Märcker, Schuß in die linke Schulter, Oberarzt Korsch schwer und 10 Reiter. In Hamburg trafen mit dem Postdampfer „Ernst Wörmann" etwa fünfzig verwundete und erkrankte Krieger aus Südwestafrika ein. Darunter befinden sich Major Gräser, die Hauptleute Wehle und Schulze und die Leutnants von Bönnighausen, EhaleS de Beaulieu und von der Livm.____________ DaS Kolouialanit und die »Köln. BolkSztg." Die „ 9?orbb. Allg. Ztg." schreibt: Die „Köln. BolkSztg." behauptet in ihrer Nummer 761, bei bei Deratunci der Kamerun-Crtjenbahnvcnlaac hätten zwei Vertrete» der Kolmiialabteilung in der Budgclkommission bezüglich bet Kamerun Eisenbahn-Syndikats unrichtige Angaben gemacht. Daraufhin hat der Direktor der Kolonialabteilung unter dem 15. September an den Chefredakteur der „Köln. Volkszlg." folgendes Telegramm gerichtet: Die beiden einzigen Vertreter der Kolonialableilung, die bei der Beratung der Kamernn-Elsenbahnvor- läge Angaben machten, sind ich selbst und LegationSrat Helsserich. Der Vorivurf unrichtiger Angaben in dieser Sache in Nr. 761 Ihrer Zeitung kann sich mithin nur auf uns beide beziehen. Ich ersuche Sie deshalb um Mitteilung der nach Ihrem Artikel in Ihren Händen befindlichen Beläge, um nur weitere Schritte in dieser 'Angelegenheit zu ermöglichen. Die darauf emgegangene Antwort lautet: „Haben dem Verfasser des betreffenden Artikels sofort van Iiu-em ^''imM'e K enntuiS aegeben." Die g^ofera. Vom 15. bis 16. September mittags sind im preuß. Staatsgebiete drei choleraverdächtige Erkrankttngen und zwei Todesfälle an Cholera amtlich gemeldet worden. Von den neuen Erkrankungen kamen vor tm Kreise Graudenz 2, im Kreise Löbau 1. Von den bisher gemeldeten Erkrankungen haben sich drei Fälle, darunter ein tätlicher, nicht als Cholera herauSgeftettt. Tie Gesamtzahl der Cholerafälle beträgt bis jetzt 19 0, von denen 6 9 tätlich verliefen In Stettin wurde in der Desinfektionsanstalt ein unter choleraverdächtigen Erscheinungen erkrankter Schiffer ein» geliefert, der alsbald verstarb. Beide Söhne des Verstorbenen und ein Bruder, ebenfalls Schiffer, wurden unter Beobachtung gestellt. Bei der vierjährigen Tochter einer wegen eines geheilten Cholerafalles in Breslau isolierten Schifferfamilie wurde ebenfalls Cholera festgestellt. Unter in Hüll (England) neu angekommenen Schiffern sind cinme cholcraverdäcbtige Fälle vorgekommen. * Tas Erdbeben in Süditalien. Aus Monte Leone kommt folgende Nachricht vom 17. September: Heute nachmittag 1 Uhr 40 Min. wurde ein neuer Erd - st o ß verspürt. Die Bevölkerung verließ in lebhafter Beunruhigung die Häuser und verweilt im Freien. Arbeitsmimster Ferraris besuchte Zammaro, Piseopio und Stefanaeoni. Die Errichtung von Unterkunftshütten schreitet lebhaft voran. Tie Soldaten reißen die mit Einsturz drohenden Gebäude vollständig nieder. Der Bevölkerung ist eine große Anzahl von Zelten geliefert worden. An vielen Plätzen sind wahrhafte Zelllager entstanden. — Während der Erdstöße wurden auch noch andere Naturwunder beobachtet. So öffnete sich in Seivigliano plötzlich der Erdboden und verschlang den dort vorbeifließenden Fluß vollständig. Der Fluß trat ober später wieder an die Erdoberfläche. * Rabiate Telephondamen. In der Zentralstelle deS Hauptfernsprechamtes zu Paris kam es zu einem Zwischenfall. Eine Anzahl weiblicher Angestellter lehnte sich gegen eine Aufsichtsbeamtin auf. Eine der Angestellten, welche sehr überreizt war, griff zu einem Revolver und gab mehrere Schüsse ab, glücklicherweise ohne Jemand zu treffen. Auch soll der Versuch gemacht worden sein, einen Kurzschluß herzustellen, um die Apparate zu zerstören. Wien, 17. Sept. Beim Oberst-Marschallamt fand gestern die Vereinbarung des Anwalts der Prinzessin Luise von Ko bürg mit dem bisherigen Kurator und Anwalt des Prinzen Philipp von Kobnrg über die Regelung der finanziellen Bezüge der Prinzessin statt. Der Kurator bezog seit der Kuratel-Verhängung bisher jährlich 120 000 Kronen von König Leopold und dem Prinzen Philipp, die zur Tilgung der Schulden der Prinzessin im Betrage von 3 Millionen Kronen verwendet wurde. Hiernach erhielt die Prinzessin heute von ihrem Einkommen feit der Kuratel-Verhängung nach Abzug der Kuratelkostcn nur 40 000 Kronen. — Wie verlautet, hat Prinzessin Luise ihre Memoiren einem englischen Verleger für 40 000 Pfund Sterling verkauft, mit der Bedingung, daß dieselben erst nach Ableben König Leopolds veröffentlicht werden. * Kleine TageSchronik. Zu der Verhaftung der Falschmünzerbande in Trier wird noch berichtet, daß wegen dieser Angelegenheit ferner der Elektrotechniker Keil als Hersteller und ein gewisser Krantz verhaftet wurden. Auch in Saarbrücken haben Verhaftungen von Mitgliedern dieser Bande stattgcfilndeu. DaS Haupt der Falschmünzer ist geflüchtet. — Zwei Leipziger Damen wurden halb verhungert und er- froren von Führern auf dem Groß-Venediger (Tirol) aufgesunden und zu Tal gebracht. — Auf bisher unaufgeklärte Weise sind in der Ru st sch u kc r Filiale der bulgarischen L a n d- wirtschaftlichen Bank 135000 FreS., wovon 35000 effektives Gold und der Rest Banknoten, abhanden gekommen. Zwei. Beamte und ein Bankdiener sind verhaftet worden. 1 Kunst und Wissenschaft Der italienische Dichter D' A n n u n z i o hatte in Lugano eint lange Unterredung mit einem Anwalt aus Freiburg in der Schweiz. Vermutlich hängt die Unterredung mit der Absicht zusammen, schweizerische Nationalität zu erwerben, um sich von seiner Frau scheide n zu lassen. D' Annunzio beabsichtigt, eine junge Witwe aus der italienischen Aristokratie zu heiraten. Hcer und A otie. B c r u f u n d M i l i t ä r t a u g l i ch k e t t. Unter dieser lieber* christ berichtet Ammon von den verdienstvollen Untersuchungen Dr. E. Roeses in Dresden. Danach haben die Brauer eine Militärtauglichkeit von 76 %, die Elbschiffer 73,7, Fleischer 69,0, Landwirte 62,5 * es folgen Verkehrsbeamte, Baugeiverbc, Handwerk, Vekleidlluq, Bäcker, Arbeiter, Kopfarbeiter mit 41,7, Kellner mit 25 °/0. Aber bei den Söhnen dieser Bentfe ergiebt sich eine andere Reihe: Elbschiffer, Landwirte, Baugewerbe, Kopfarbeiter, 3 letzte Alkobolgewerbe 43,3 %, Fleischer 38 0 0, Kellner. Die Kellnersöbne sind die schlechtesten, wie dw Kellner selbst. Ter guten und schlechten Körpereiitwickliing cutlpricht glcichlauseird der Brustumfang. für Kinder, Kranke,GenesendeTVerhütet] u. beseitigt - Diarrhoe, BrechdurchFall, Darmkatarrh. | Sparsame Haussraucu scben nicht allein aus große Ausgiebigkeiten eines Kindernährmittels, sondern sie achten auch daraus, daß c§ die Kinder mit ernährt und gern von denselben genommen wird. Sehr ausgiebig, d. b. billig im Gebrauche ist Kuseke's Kim dermehl, welches als dünne Supvc — 1 Eßlöffel n:t< •/, Liter Wasser — gegeben wird. Dasselbe ernährt nicht nur die Kinder sehr gut, sondern es verhindert auch nach Möglichkeit das Auftreten von Ntagcn- und Darmkrankheiten. ss,e/e f $ercnlesa-j?aleine-Corse{s g haben die Ftihruno; auf dem (ranzen Weltmärkte. Jedes Corset muss den Stempel „Herculesa-Baleine“ tragen. i no1 --- ei,-»K „ rteHaW. yerhütet Seng ;ÄJ lurch :MOs W-tzy: 'och Ihrer * »«'M n'Qiii einrt. ^te ? rr.e" \beMei?ni'nfn' Jjleiet fev ""»"i N»««t ? lo'ort la. "Ass find im , "» <öl[id)fc"*'*'> ’n'l!«tll btt k "'S 69 töttid) ,.a*«l8at öf^bnc be§Sec °'N' wurden Unt^Ctf Ebenen ^Beobachtung s«sns 11 ün^foninifnen eA B "«Vtomintn. *tn ieT ~~---. itil0„lien' Sl« SJl.nt. “™ "» neuer (?rk ’M in lebhafter »mb Stetanaconi. Ti, lebhaft ooran "tat brobenbtn ®,6iabl ift em, gro&e AnM Plih'n sind »*, ”??" SrtMSe würben '»Mtt So öffnete M »bin unb nerfchtnn» ooKltonbij. Sttjiuj Oberfläche. EW 3" der Zentralstelle 'Paris kam cs zu einem üblicher Angestellter tsbeamtin aus. Eine der izt^war, griff zu einem 'Hüffe ab, glücklichemeise soll der Vechich gemacht erzustellen, um die Apparatef Lberst-Marschallamt sand aalt? der Prinzesffn Luise n Kurator und Anwalt iti über die Regeln^ -er statt. Der Kurator fyog ■ jäbrlid) 120000 flwo. fytlipp, bie jutlAW von 3 Millionen ech nM t)\t ^inzessm X der Kuratel-Verhängung r 40 000 Kronen. - Wie ihre Memoiren einem sund Sterling verlaust, mit erst nach Ableben König f Zu der Verhaftung bet er wird noch berichtet, d°8 der Elektrotechniker Sell als erhärtet wurden. Auch w ;en von Mitgliedern dwstr er Falschmünzer ist fleMtt- ^verhungertnnbe. koR»$cnebiger W _ bisher unaufgeklärte [iafe ^knilg°ris^nL°n^ ) >c§„ wovon 35 000 g Zanden gekommen. M ^'sfet worden. ‘■“ft* un5~öiSJtaW betraten. I verdienstvollen. 3rfluet eint >ach b°ben737 ffieiidier 69A | Elbich'ßer Landwers, i eamte, Wfj Merw" «arbeitet m U eine anden . 9^e/rCÄter'3Ä!!l jVTverbe, fio%,$tennetio[" Ks 5 B S s Cb Co a o 5 C S Ä GT 3 5 CT o S1 s 3 cd © S d ' er Cb (?) a o (?) o a 3 - co a -c " D 3 er o <3 p 3, üt o — B c o- Q. er S _ er er 3 Q — 3 Co 3 cs - o 3 3 3 cd -c CT 3 2 ° (?) C d 3; 5 ff CO S a O o äss 3- O £ 3 O — £ 3 5 S e «e o = ec 3- Oc = er 3 ® 3 3 5 R o = S 3. 3^-g ff A 3 asS titi er r- —• s- □; G7* O.; X ~ 2. c -& g, er 3 3 o « B1 »: 3 3 'X'Z'Z 5» - G 3 C3 t er - * 2.^ 3 Br UrÄ«- 3 er o R o 2 © c n (O 2. 3 — o er X 3 A 3 d. s 3 3 'S er o1 o 2 3 3 S a< cp s 3 o 3 3- 5. = n 3 o C o O 3. 3 -?.3 Cb 3 6 = cs 3 cs er 3 Z a er 2. s V 3 n er 3 ÄS 3 3-’^ _ 5" 3 3 cs —• 2 er 3 3 3 3? 2. 3Ä LL • Cb 3- ff)p 3 ro" 3- 3 3 O 8 < 3 2 —' a< o 3*. C3 G ° " <1 rm 3 cs s- cr s 3 Co D S R 3 • Cv s- er 3 o Cb CT O (?) Q- 3- 2, 3 s- R D s< 3 .y> dS o ■e 3 3 cs esH o 2 C-T-C S 3= 3 2 07 C Or S 5 r- . 2. S 3 2 3 S- cr G CO 3 s a s «• 3 cs s Cb O : a- % 5 % S S S>’ 3 3 K)' p 3 a 3 3 C 3 2 JS ~” = & er 3 co @ er B. C3 a or R er S R Cb Ä--3 2 a 3 3 S er 3 -s' 3* » op 3 Alb 2 3 ° a 3 — 3 ' eco -o e V £o O 3 3 -cs LL ko _ ,2, f'S ■e **- n er n V * *n»’ Cb Co Cb co co 15 co 63 co ÖB 2 5 & o 3 3 er s 3 er o 3 er cs er GP s O' 3 cs 3 3 GP 3 3 er 3 ec s -S -2 I P Or 3 CO 3 er to 2 co 3 <-> - —» CS » «- E" s 3 3 - er r» GP @3 D R 3 2^ 3 R 2.a er o a »5 ~ (?) ^a o C" §■« C' a 3* 2. 3 3 3 3 'S* V 3 ri S 3 (?) & £ ö o S3 i' ® *2^, 3 a s 3 S er s Cb 2 a o" 3 — *-! O G. er — 3=3 „ ro a 2 «?- B"2. S- CT o Cb s- Cb —- Q Cb o" a,"3 er q: 5« - a ^3 " 2. D: va CT O x£T Gw n n ® «Q s- er o «* 2S <2 3 .R ö, 5 <2 2 § » 3 er t2 3 2 er S Ä 3 -s« s er s 3 8 S o cs 3 31 3 a a -» c* er — 4T ZT A 2 o er er co 3 er « a5 p’2 S 3 C _ 2 cs « n> er " 3 er kd a a « a s “S a ST 5 Cb -R «a 23, ro a a r r r c?a s r 3 a CD « 3 er ff 3> Zs 2. o, a c? 3 ° «, 3 3 o —- CT3- 3 2 3 - S cs e 3 3 C er er £§■ —, er — as 3 er —• ff cra s ro^a -r. 2 * cp- O #iO 2 S-3' ~ aa o. Cb Cb r-. eob Abeudtisch yiäheres daselbst. Neue Heller-Linsen per Psd. 25 Pfg. fernste Franks. Würstchen 47771 per Paar 30 Pfg. L. Steinhäuser. Zuverlässiger junger Manu Hit Comptoir gesucht. Schriftliche 'Meldungen u.06147 an den Gießener Anzeiger erb. Handarbeitsschute ton Frl Landmann, Giessen, Wage 7. 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