151/t Ühr •eins •IW s ita.lL • J. BnJuy. ider L. van Beetim läk L van Beethoven. eKkinePartitm-Äuigebe Iph’s Nacht.) uni abends agten Preisen zu haben. A 1 gelbe Karten. ta« ’ KM MU UM«M \e Hin ua Idsendeli' iit Ml, M l5en Wohltätigkeit Geld- jelKnnkeapflegeÄnM: 4.W Kreut, 8truMLt* kni) Balge* lOü ohne Abzug 706013 *: L ä ; = E W"’ a Ä M. * ®ü * ? oB Go*- 204 ,r MO 111**71 ^dtttieneral-Ve,11 d&i-bC?LesI1 -j •PPaa 1 jternoi lraer J n«1' roo'^iW’Ä r*»*;^«ciiarbe rTt . . ^brauch Sfj* 6,1 r* jo^ ,.uer *»"' Nr. 63 Erstes Blatt. 155. Jahrgang Mittwoch 15. Marz 190# Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen SchuIskra Ke 7. Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen. Fernsprechanschluß Nr 51. ietzenerAnzeig General-Anzeiger ö erfAelwt tLgttch außer Sonntags. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Vesfischen Landwirt die Siebener Familien. Hütter viermal in der Woche beigelegt. Rotationsdruck u. Der» lag der Brühl'schen Univers.-Buch-u. Stein- druckeret. R. Lange. Kedaktton, Grveditton Vezv g»preiAr monatlich 75 Pf., viertel» jährlich Mk. 2.20; durch Avhole- il Zweigstellen monatlich 6ö Pf.; durch diePost Mk.2.— viertel- jährl. ausschl. Bestellg. Annahme von Anzei-'.n it tue Tr rsmnnnrer s vomrittaq- J 'rlne»i 3( TerT>Tei5: abwärts -'4 -)y J. BerantwortL'ch ffrt den Doltt und iJje.-x. Leit: P. Wtttto; für »Stadt und Land" und „Gerichtssaal": August Goetz; für den Anzeigenteil: Hans Beck. Die heutige Kummer umfaßt 12 Seiten. Gießen, den 14. März 1905. Betr.r Abhaltung eines Fortbildungskurses für Handarbeitslehrerinnen in Allen d orf a. d. Lumda. Die Großh. KreiMmlkoniinisswn Gießen an die Schulvorstände von Weitershain, Rüddingshausen, Stangenrod, Beltershain, Lumda, Reinhardshain, Geilshausen, Kesselbach, Londorf, Allertshausen, Climbach, Odenhausen, Treis a. d. Lumda nnd Allendors a. d. Lumda. Am 20. März l. Js. beginnend, soll in Allendors a. d. Lumda im Nathause ein zwei Wochen dauernder Kursus zur Fortbildung von Handarbeitslehrerinnen gehalten werden. Wir ersuchen Sie, die Handarbeitslehrerinnen Ihrer Orte für den genannten Tag, vormittags 9 Uhr, in den Versteigerungssaal des Rathauses zu Allendors p. d. Lda. zu bestellen und ihnen zugleich mitzuteilen, daß ihnen nach Schluß des Kurses eine Vergütung aus Staatsmitteln gewährt werden wird. Dr. B r e i d e r t. parlamentarisches aus Kesseu. Tie Abgg. U-llmann, Leun und Genossen beantragen, die zweite Kammer wolle beschließen, die Regierung zu ersuchen, den § 21 der Verordnung vom 31. Mai 1902 (Regierungsblatt Nr. 32) dahin abzuändern, daß das Porto, welches seither von der Gemeinde getragen wurde, von der Berufsgenossenschaft zu tragen ist.. Tie Abg. Reh und Gen. beantragen, für das Großherzogtum Hessen durch ein besonderes Ausschreiben fest- zuftellen, was unter einer wandernden Schafherde zu verstehen ist. Ter Kaufmann W. Menges in Mainz hat bei der Staatsanwaltschaft der Provinz Rheinhessen eine Anzeige eingereicht, in der er den verantwortlichen Leiter des St. Rochus Hospitals in Mainz Medizinalrat Tr. Reisinger, sowie den im Hospital angestellten Obekr- a r z t Dr. Schi s f m a ch e r und die Krankenschwester Ludmilla einer unrichtigen Behandlung seiner im Hospital aufgenonrmen gewesenen Ehefrau und der fahrlässigen Herbeiführung deß Todes derselben beschuldigte. Tie Staatsanwaltschaft hat Ermittelungen ein- treten lassen und darauf dem Menges eröffnet, daß nachdem Ergebnisse der Ermittelungen der von ihm geäußerte Verdacht, seine verstorbene Frau sei möglicherweise in einer den Regeln der .Heilkunde nicht entsprechenden Weise behandelt worden, völlig unbegründet sei. Gegen diesen Beschluß hat Menges Beschwerde an den Generalstaatsanwalt geführt, die gleichfalls als unbegründet zu- rüttgewiesen wurde. Eine Exhumation und Sektion der Leiche war, da seit dem Tode bereits 3Vs Monate vergangen waren, ausgeschlossen. Nach den Ermittelungen mußte angenommen werden, daß der Tod der Frau durch Erkrankung an Wundrose im Verein mit Lähmung beider Beine infolge Knochenfraßes der Wirbelsäule mit Senkungsabszessen herbeigeführt worden ist. Eine Eingabe des Menges an die Kammer ist daher nach Ansicht des dritten Ausschusses für erledigt erklärt wurden. Die Regierung soll ersucht werden, dem Kauftuann Menges mitzuteilen, daß er das Recht seines Einspruchs gegen den Bescheid der Gr. Generalstaatsanwaltschaft durch Friftablauf versäumt habe und daß derselbe nach der Sachlage jetzt auf den Weg des gesetzlichen Jnstanzenzugs verwiesen werde. Den Antrag des Abg. Häusel betreffend: Nr. 25 (Rad fahr karte) des Tarifs zum Gesetz über den Ur* kundenstempel vom 12. August 1899, beantragt der 2. Ausschuß für erledigt zu erklären, da der (von uns ausführlich besprochene) neue Entwurf eines Gesetzes zur Abänderung des Gesetzes über den Urkunderrstempel noch umfassendere Bestimmungen zu aunsten des Radfahrer? vorsieht. KMrsche Tagesschau. Heber die politische Lage in Baden hielt, wie man uns aus Darmstadt schreibt, am 14. ds. in einer gut besuchten Versammlung ein Führer der jung- liberalen Bewegung, Oberamtsrichter Dr. Koch aus Mannheim, einen interessanten Vortrag. Er führte aus, daß nach der großen liberalen Aera in den 60 er Jahren unter Leitung von Jolly, Lamey re. auch in Baden, wie überall im Reiche, der Liberalismus bald erblaßte, nicht ohne Schuld der Liberalen selber, z. B. durch ihren Widerspruch gegen die berechtigten Forderungen der Lehrerschaft in den 80 er Jahren und gegen das direkte Landtagswahlrecht; auch die Romfreundliche Haltung der Berliner Regierung konnte natürlich nicht ohne Einfluß bleiben. Durch das Erstarken des Junglibera lismus, der in Baden bereits 22 Vereine mit über 5000 Mitglieder zähle, sei wieder frisches Leben erwacht und der Zusammenschluß aller Liberalen erreicht worden. Bei der nächsten, der ersten direkten Landtagswahl stehe der Kampf mit dem Zentrum auf des Messers Schneide, aber wenn dasselbe auch diesmal noch die größte Stimmenzahl erreichen sollte, so sei doch von dem hochersreulichen Zusammenschluß der Liberalen für die Zukunft das beste zu erhoffen. Kirche und Schule. Im Fürstentum Reuß jüngere Linie wurde den Geistlichen jeder Theaterbesuch untersagt. Deutsches Reick. Berlin, 14. März. Wie verlautet, ist auf das Anlaufen von Vigo auf der diesmaligen Kaiserfahrt nach dem Mittelmeer verzichtet worden, nachdem feststeht, daß der Aufenthalt Kaiser Wilhelms in Lissabon drei bls vier Tage in Anspruch nehmen wird. — Zur Mittelmeerfahrt des Kaisers sind, wie die „Kreuzztg." erfährt, außer dem Staatsminister v. Budde auch Oberpräsident Dr. v. Bethmann-Hollweg, Universitätsprosessor Dr. Schiemann, v. Dresky-Ems eingeladen. Stuttgart, 14. März. Dem „Schwäb. Merkur" zu- olge hat der Fürst von Oettingen-Waller st ein der Regierung mitgeteilt, daß er auf das w ü rite m bergische Staatsbürgerrecht verzichte. Damit scheidet der Fürst ür seine Person aus der württembergischen Kammer der Standesherren aus. Kolonialpost. Brüssel, 14. März. Einen Erfolg der heimgekehrten Kongomission bedeutet die Tatsache, daß der belgische Leutnant Mass art aus der Stelle verhaftet wurde. Dieser kommandierte einen Posten der Krondomäne, ließ dort die ihre Abgaben nicht entrichtenden Männer und Frauen er* chießen, die Gefangenen verhungern und die Lei ch en chandbar zerstückeln. Ausland. London, 14. März. (Unterhaus.) Balfour erklärte in Beantwortung einer Anfrage) daß nach der Ansicht des ReichsverteidigungSausschusseS eine Invasion in England zum Zwecke der Eroberung eine Unmöglichkeit sei. Die Frage kleinerer Einfälle sei von geringerer Bedeutung, aber verwickelter. Er glaube jedoch aussprechen zu dürfen, daß sie der Regierung keinen Anlaß zu ernstlicher Besorgnis geben könne. Das Haus setzte sodann die Beratung des Marineetats fort, von dem die Ziffern des Mannschaftsbestandes bewilligt worden sind. Im Laufe der Debatte führte Perbourgh (kons.) aus, der wirkliche Grund für die Aenderung in der Verteilung der Flotte sei das Heranwachsen einer sehr großen Flotten macht in der Nordsee. Die deutsche Flotte werde im Jahre 1917 ouS 38 Schlachtschiffen erster Klaffe bestehen und ferner aus 149 großen und 38 kleinen Kreuzern. Dies sei eine große, mächtige Flotte und man dürfe nicht vergessen, daß sie in der Nordsee konzentriert sei. Der Redner fuhr fort: Man wird mir sagen, es sei nicht mit dem richtigen Einvernehmen zwischen uns und anderen Ländern im Einklang, andere Mächte hier im Parlamente im Zusammenhänge mit der Vermehrung der britischen Flotte zu erwähnen: In anderen Parlamenten handelt man indessen nicht nach dieser Empstnd- dung. Wir sehen, daß im französischen und im deutschen Parlamente die Schaffung der Flotten anderer Länder offen erörtert wird. Der französische Marineminister hielt kürzlich eine Rede, in der er die Stärke der französischen und der deutschen Flotte verglich, und im deutschen Reichstage hat der Führer der sozialistischen Partei hervorgehoben, die gewünschte Vermehrung der deutschen Flotte könnte nur als eine Drohung gegen England gedacht werden. Ich bin also berechtigt, bei der Beratung der Stärke der britischen Flotte die Lage der deutschen Flotte vor dem Hause zur Sprache zu bringen. Rom, 14. März. Das Gerücht, die italienische Kriegs- verwaltung beabsichtige Mehrausgaben im Betrage von 200 Millionen für die Nord- und Ostgrenze zu machen, wird von mehreren Seiten bestätigt. Rom, 14. März. Den Abendblättern zufolge wurden zwei Landleute, die in Cuma bei Neapel den Prinzen Johann Georg von Sachsen beim Betreten eines Saatfeldes bedrohten, verhaftet. Der Präfekt von Neapel sprach dem Prinzen sein Bedauern über den Vorfall au§. Saloniki, 14. März. Bei Cavatan, Bezirk Florina, wnrde eine 40 Mann starke bulgarische Bande von türkischen Regierungstruppen in die Flucht geschlagen. Die Bulgaren hatten 11 Tote. 5>ec Kttkg. Die heutigen offiziösen Meldungen vom Kriegsschauplätze lauten: Ä t „ ,, London, 14. März. Der Berichterstatter des Reuterschen Bureaus in dem Hauptquartier des Generals Kuroki meldet von gestern- Der größte Teil der Russen hat, wie man annimmt,' Tieling erreicht. Die Nachhut hatte mit den Japanern zahlreiche Zusammenstöße. Wenn die Russen die Absicht hÄen, sich nach Charbin zurückzuziehen, müssen sie iTjre Vorräte von Tieling weitergeschafft haben, denn zwischen Tieling und Chardin verstreu sie über , keine Vorräte. Tokio, 14. März. Das japanische Hauptquartier veröffentlicht einen ausführlichen Bericht über die Operationen des rechten japanischen Flügels gegen Fuschun seit dem 19 Februar Der Bericht, der bei der Schlacht von Tsinkhetscheng beginnt, schließt, wie folgt: Als die Japaner bei ihrem Vormarsch zum Angriff aus Fuschun am 10 März den Hunho erreichten, fanden sie das Eis m der Mitte des Flusses au f- aetaut Dieser Umstand störte und verzögerte den Angriff. Endlich wurde der Uebergang über den Fluß unter Heberwindung großer Schwierigkeiten und großer Gefahr bewerkstelligt, worauf die Japaner die Russen von ihren Befestigungen auf den nördlichen Anhöhen verdrängten. Nach dein Verluste von Paling verbrannten die Russen auf Rückzüge alle Dörfer, um die Japaner jeden Obdachs bei der bittet ren Kalte zu berauben. Petersburg, 14. März. General Küropatkttt meldet vom 12. März: Gen eral Meyendorf stürzte am 10. März vom Pferde und zog sich einen B^nch des Schlüsselbeins zu; er wurde nach Charbin geschickt. Die Merzte glauben, daß er bald wieder hergestellt ist. — Eine Depesche Knropatkins vom! 13. März meldet: Berichte über neue Kämpfe liegen zur Zeit nicht vor. In den Bewegrmgen der Trrrppen ist Ordnung. Der Feind unternimmt Rekognoszierungen. Tokio, 14. März. (Amtlich.) Ein Bericht des Marschalls O h ama , der hier am 14. März ein ging, besagt: In der Richt^ ung nach Hinking besetzte eine Abteilung unserer Truppen am 11. März Dingpan, 18 Meilen östlich von Fushun, nach^ dem sie den Feind dort vertrieben hatte. Am Schahs, fahren unsere Truppen fort, auf .verschiedenen Punkten dis Ueberreste der feindlichen Streitkräfte zu v er j treiben. In den gebirgigen Gegenden östlich von Tieling hat sich eine beträchtliche Anzahl von russischen Offizieren und Soldaten ergeben. Petersburg, 14. März. (Petersb. Tel.-Ag.) Es geht das Gerücht, der 'Generalkommandant der Truppen des Kiewer Militärbezirks, GeneralleutnantSsuchomlinow, werd« zum Stabschef des Ober st kommandierenden bei Mandschurei-Armee ernannt werden. Ferner liegen folgende Privatmeldungen vor: London, 14. März. Nach einem Telegramm aus Nntt tschwang macht der Gefangenen-Transport großÄ. Schwierigkeiten. 40000 Mann sollen über Dalny nach Japan gehen und eine weitere große Anzahl von Inkan ver-^ schifft werden, sobald das Wetter es erlaubt. Die Uebergabe der russischen Truppenteile erfolgt in unrmterbrochener Reihenfolge. Die russischen Soldaten sind halb verhungert und erfroren. Einem' Test blieb mir die Wahl zwischen Hungertod und Uebergabe. Die Japaner eroberten solche Mengen; Kohlen, daß sie ihre eigenen Vorräte übertreffen^ Paris, 14. März. Von der Regierung der Vereinigtem Staaten soll angeblich der Vorschlag zu einer mehrtägige» Waffenruhe in der Mandschurei zur Beerdigung der Totenj und zur Fürsorge für die uns ägli ch l eidend en Verwundeten ausgehen. . J Petersburg, 14. März. Vom Generalstab wird R* Haupt et, daß Kuropatkin noch über 160000 Manw kampffähiger Truppen verfüge. Er werde versuchen, die Japaner solange in Schach zu halten, bis Verstärkungen etn^ getroffen seien. „ Petersburg, 14. rj. Das 1. Armeekorps Ren» nenkamp hat seinen Rüazug in vollster Ordnung? vollzogen und in mehreren Gefechten dem Feinde bedeut tende Verluste beial'bracht. Kleine Melvungen. Tokio, 14. März. Mit der Ladung des als Prise ein* gebrachten englischen Dampfers ist die Gesamtmenge der vortz Japan beschlagnahmten Kohle auf über 100 000 Toimen ne lange Reihe vvn^Jahren- die Lust und die Kraft zu Lkbenteuern vergcht. Dazu zählt eine gewaltige Kriegsentschädigung. Diese kann nur im Wege enter Anleihe im Auslande gedeckt werden. ~ w . Der Mißerfolg des Versuches, in Frankreich. eine neue Kriegsanleihe auszunehmen, liegt heutr^llaLi zutage. Es konnte keine Verständigung erzielt werden zwischeir den Delegierten der französischcni Bailkinstitute und dem russig schen Finanzminister, so meldet in dürren Worten der offiziös ^rnht aus Paris. Das heißt, bifc französischen Danken haben Ifü ungern essen hohe Forde nm gen gestellt, daß selbst unter dem Trnck der bitteren Notwendigkeit die russische Negierung daran nicht eingchen konnte. Oder die nissiscke Negierung würde bei einem so verzweifelten Geschäft ihren Kredit heillos kombro- mittieren. Vermutlich haben die sranzösischm Banken einen Wink von $Dernt Deleassö bekommen, die Bedingungen zu nbcrschraubcn. Es ist das einzige Mittel, Rußland zum Friedens- sckluß zu zwingen. Mit dem Erlös der bisherigen Anleihen lassen sich große Sprünge nicht mehr machen: über die Summen ist zum erl>eblichstcn Teil verfügt. Innere Anleihen sind wie ein Tropfen ans den heißen Stein, und die Rnbclvresse darf auch nickt mehr in Bewegung gesetzt werden. Sicherlich haben die französischen Banker! ihre Bereitwilligkeit zu erkennen gegeben, an einer Anleihe zur Deckung der Kriegsentschädigung sich zu beteiligen. Diese Lknleihe ganz zu übernehmen, wird ausgeschlossen sein bei der zu erwartenden Höhe. Da wird Rußland wieder die Mitwirkung des deutschen Kapitals in Betracht ziehen müssen. Der Fall ist natürlich undenkbar, daß deutsche Finanzbänser, gleichviel unter welchen Bedingungen, nochmals eine russische Kriegsanleihe vermitteln. Erhält R u ß l a n d nirgends Geld zur Fortführung des Krieges, so wird es in ein paar Wochen „fertig" sein. Das liegt im Interesse der Gläubiger Rußlands. In Paris beginnt, so depeschiert der Korrespondent der „Voss. Ztg.", eine heftige Bewegung gegen jede neue Russenanleihe. Eine Aufsehen erregende Studie der „Revue" führt aus, Frankreich 'könne seine Rußland geliehenen neun Milliarden nur dann retten, wenn es keinen Pfennig mehr zur Fortsetzung des Krieges gebe. Ein Russenkrach würde nicht nur Hunderttansende zu Grunde richten, sondern auch die Republik wegfegen . . . Retten, was zu retten ist: zu dieser kühlen, jede Sentimentalität abstreifenden Auffassung sind also die ehedem so begeisterten Russenschwärmer in Paris gelangt, die vor Entzücken außer sich waren über ein gnädiges Wort aus Petersburg. David Hansemann's berühmtes Wort, daß in Geldsachen die ÖVemüt^ lichkeit ansbör,'. i'"' UTitP-rirrf- worden. Anß'arrd in Sturm und Drang. Tie Lage im Innern ist noch immer sehr ernst. Der Aufruhr unter der Landbevölkerung nimmt einen drohenden Charakter an. Mich unter der Arbeiterschaft gärt es noch immer weiter und die letzten Ereignisse in der Mandschurei Huben ihre Unzufriedenheit noch vermehrt. So wurde auf dem Mexander Newski-Prospekte in Petersburg ein General von einem Arbeiter geohrfeigt, ein anderer auf offener Straße beschimpft. Tie in einer Versammlung der illrbeiterdelegierten gefaßten Beschlüsse werden streng geheim gehalten, doch trifft die Regierung Vorkehrungen, um für eventuelle neue Unruhen vorbereitet zu sein. Ter Krakauer „Czas" veröffentlicht eine Mitteilung über die Bauernbewegung in Rußland, worin es heißt: Nach amtlichen sowie glaubwürdigen Privatmeldungen nimmt die unter der Bauernschaft namentlich in Littauen, Polen und Weftrußland herrschende Bewegung immer mehr zu. Tie Situation ist geradezu verzweifelt. Alles deutet auf einen baldigen und blutigen Ausbruch einer Revolution hin. Tie Exzesse sind eigentlich von der Regierung selbst hervorgerufen worden, indem sie in allen Dörfern und Kirchen den Erlaß des heiligen Synod mit der Aufforderung, in dem Kampf gegen die Feinde des Kaisers und der Regierung Beistand zu leisten, verkünden ließ. Tie Bauern, durch Agitatoren verhetzt, haben den Erlaß nicht verstanden und beginnen allenthalben zu plündern. Diese Meldung hat ja bereits vor mehreren Tagen chre Bestätigung gefunden, und heute meldet sogar das offiziöse -Telegr.-Bureau: Die bei Dmittowsk im Gouvernement Orel gelegenen Be- /itzungen des Gro ß fürsten Sergius wurden ausge- plündert. Die dort befindlichen industriellen Anlagen wurden niedergebrannt. Aus den Erklärungen der gurischen Gemeinden im Kaukasus geht hervor, dasi die Agitation in Gurien nicht die Losreißung von Rußland zum Ziele hat: die Gurier erklären sich im Gegenteil mit den Fortschrittsparteien Rußlands solidarisch. Die Gurier fordern die Erlaubnis, den Militärdienst in ihren Wohnorten leisten zu dürfen. In Moskau soll wiederum ein Lager von Bomben und anderen Explosivstoffeu entdeckt worden sein. Es hat sich ein Tischler gemeldet, der für den bei der letzten Petersburger Bombenexplosion umgekommenen englischen Untertan Maeeolagh (wie er nach neuesten Meldungen zu heißen scheint) eine große Anzahl kleiner Kästchen geliefert hat. Maeeolagh war augenscheinlich Lieferant von Bomben. Ob er sie selbst anfertigte, wurde bisher nicht festgestellt. In Minsk wurde auf den Polizeichef ein Attentat verübt, glücklicherweise ohne daß jemand verletzt wurde. Ter Urheber des Anschlages ist verhaftet worden; er nennt sich Bermann. In Wladimir wurde ein Militärkommando von Ar- t> eitern überfallen, wobei mehrereSoldaten getötet oder verwundet wurden. Nach Meldungen aus Warschau wurden in der Zitadelle 15 Soldaten, welche sich geweigert hatten, auf den Kriegsschauplatz zu gehen, standrechtlich erschossen. „Daily Chronicle" meldet aus Petersburg: „Eine hochgestellte Persönlichkeit erklärte, daß zwischen dem Zaren und den Ministern im letzten Ministerrat ein ernster Auftritt stattgefunden haben, der einen sehr peinlichen Eindruck hinterließ. D«r Zar soll den Ministern offen seine Unzufriedenheit ausgedrückt haben, tworauf Witte erklärte, daß nach den Worten des Kaisers den Ministern nichts anderes übrig bleibe, als zurückzutreten." Das wird wohl wieder- eins der berüchtigten englischen Märchen fein. Von wannen kommt dem Londoner Sensationsblatt diese Wissenschaft aus dem Ministerrat hinter verschlossenen Türen? In der letzten Sitzung des Ministerkomitees wurde die Beratung des die Toleranz gegen die verschiedenen Religionsbekenntnisse behandelnden § 6 des kaiserlichen Erlasses vom 25. Dezember vorigen Jahres betr. die Vervollkommnung der Staatsordnung beendet. Das Ministerkomitee beschloß, die Bestimmungen über die Erbauung von Kapellen für nicht- christliche Dissidenten einer Durchsicht zu unterziehen, ebenso diejenigen, die sich mit der Stellung der nichtchristlichen Geistlichen, besonders der mohammedanischen, befassen. Des weiteren beriet hie Kommission über die Wahl der Mullahs, über die Befreiung vom Militärdienst und die Errichtung von mohammedanischen Schulen. Tas Komitee sprach sich dahin aus, daß bezüglich der Religionsangelegenheiten der Kirgisen und der muselmanischen Gemeinden im nördlichen Kaukasus und in den Gouvernements Stawropol, Turkestan und TranSkasPien die Jurisdiktion der Gouverne- mentsverwaltuugen auszuschließen sei, und daß diese Angelegenheiten besonderen geistlichen Abteilungen zu unterstellen seien. DaS Komitee beschloß endlich noch die vollständige Durchsicht der Gesetze betr. den Lamaismus unter Heranziehung von Vertretern des lamaitischen Klerus und von Kennern des Lamaismus. In einer allgemeinen Versammlung der Advokatengehilfen in Petersburg wurde eine Resolution gefaßt, in der es heißt, die Aufgabe der Spezialkonferenz. unter dem Minister des Innern Bulygin müsse sich erstrecken auf die Ausarbeitung eines Gesetzes betreffend die Einberufung einer konstituierenden Versammlung, an der Vertreter der gesamten Bevölkerung Rußlands teilzunehmen haben ohne Unterschied der Nationalität und der Religion, unter der Voraussetzung, daß vorher die Ausnahmegesetze über den verstärkten Schutz abgeschafft werden. Ferner müsse die Aufgabe der genannten Kommission sich erstrecken auf die Verkündigung der Preßfreiheit, der Redefreiheit, der Vereins- und Versammlungsfreiheit, der Unverletzlichkeit der Person und des Domizils sowie der Befreiung der wegen politischer Verbrechen verhafteten Personen. Die Resolution soll allen Gemeindeverwaltungen und Semstwos übersandt werden. Tas preußische Abgeordnetenhaus beriet am Dienstag u. a. den Etat der Lotterieverwalt- n n g. Die Beratung erftrccFte sick gleichzeitig auf die mit Mecklenbura-Schwerm, Meckleuburg-Strelitz und Lübeck abgeschlossenen Staatsoerträge. Die Vudgetkommission beantragt, den Staatsverträgen Zustimmung zu erteilen. Finanzminister Frhr. v. Rhein bab en erklärt, das Gesetz, das vor einigen Jahren zum Schutz unseres heimischen Lotteriemarktes erlassen wurde, hat sich durchaus bewährt. Boi den Verträgen haben wir keinen finanziellen Vorteil, sondern nur die Gesundung unserer Lotterie- perhältnisse im Auge. Die Regierung werde auf diesem Wege fortsahren und zunächst Verhandlungen mit Elsaß-Lothringen und der h e s s i s ck - t b ü r i n g i s ch e n Latteriegemein- schäft über den Mfchluß von Verträgen sichren. Abg. Arendt i'fk.l hofft, auch mit Braunschweig und Sachsen werde sich eine Einigung erzielen lassen. Der Etat der Lotterieverwaltung wird bewilligt, die Staats vertrage angenommen. Es folgte die Beratung der au die Budgetkommission zurück- gewiesenen Petition betreffdie Errichtung einer Regierung in Allenstein in Ostsweußen. Nachdem sick die Abgg. Graw lZtr.) Kreth (kons.) u. a. für die Petition erklärt, wird diese angenommen. ^anbrokif^afffid)? Landes- und Zubiläumsaus- ftclunsi in Mainz. (Original-Artikel des „Gießener Anzeiger".) Mainz, 14. März. Heute nachmittag trat unter dem Vorsitz des Geheimrats Ha a s, Präsident deS Hess. Landwirtschaftsrates, der Hanpt- ausschuß der landwirtschaftlichen Landes- und Jubilänms- a.ussiellung im Kasino-.Hvf zum Gutenberg, große Bleichen, Zusammen, um den Ausstellungsplatz endgültig festzu- stellen und um den Verlosungsplan zu genehmigen. Die Platzfrage hat den Beteiligten viel Kopfzerbrechen gemacht. Tie geeignetsten Plätze, welche die gesamte Ausstellung aufnebmen könnten, liegen zu weit vom Zentrum der Stadt entfernt und mußten aus diesem Grunde unberücksichtigt bleiben. Der Viehhof mit feiner Umgebung eignete sich um deswillen nicht, als den Ausstellern von Rindern nicht zugemutet werden konnte, die auszustellenden Tiere einer Ansteckungsgefahr auszusetzen. Der Große Sand, die Ingelheimer Aue, der Schützenplatz liegen, wie schon oben angedeutet, zu entfernt vom Zentrum der Stabt. Man mußte sich entschließen, die Ausstellung auf beide Ufer des Rhein ströme s untcrzubrin gen. Die Stadthalte mit ihren anschließenden Plätzen und der Rheinpromenade wird die Bienenausstellung und die Fischausstellung und alle leblosen Gegenstände der Ausstellung anfnehmen. Die gegenüberliegende Mainau, auf dem rechten Ufer des Rheines, wird _bie Rinder, Pferde, Ziegen, Schweine und das Geflügel aufnehmen. Die Rinder- und Pferdeausstellung wird von einem gewaltigen Ring umschlossen, der auch als Rennbahn dienen kann, auf der die Gespanne von Feldgeschützen vorgeführt werden können. Ein innerer kürzerer .Ring zwischen den Stallungen der Pferde und Rinder ist als Musterungsring gedacht. Diese Scheidung einer Ausstellung in zwei Hälften durch den mächtigen Rheinstrom erschien denen, die zuerst davon hörten, abenteuerlich. Doch gelang es denen, die die Platz- rage gründlich vorgeprüst hatten, fast alle Gegner eines olchen Projektes zu überzeugen, daß der Plan zweckmäßig und überhaupt nicht anders durchführbar fei. In der Umgebung der Stadthalle sind die zahlreichen Ausstellungstiere gar nicht unterzubringen, noch weniger können die unentbehrlichen Vorführungsringe dort angelegt werden. Man kann Ausstellungstiere nur im Freien, in der Bewegung, auf ihren Wert als Zuchttiere prüfen. Ohne Vor- ührungsringe ist eine Tierschau unmöglich; sie verfehlt ihren Zweck. Und die Ausstellung der landwirtschaftlichen dttttztiere ist doch die .Hauptsache der ganzen Ausstellung. Für jene muß reichlich Raum vorhanden sein, für die Tiere vwohl als für die vielen Menschen, die alle kommen, um die besten der landwirtschaftlichen Nuhtiere des ganzen Landes bequem beschauen zu können. Der Ausstellungsplatz auf der Mainau für die landwirtschaftlichen Nuhtiere soll besonders berücksichtigt werden. Nicht allein durch die ausgestellten Tiere, sondern auch durch die Ausstattung dieses Platzes soll die Mainau ein besonderer Anziehungspunkt ür die Besucher der Ausstellung werden. Der Ausstellungs- Katz auf der Mainau erhält einen Zugang vom Bahnhof Kastel. Eine Anzahl Tampfer stehen zur Verfügung, die ununterbrochen die Verbindung aufrecht erhalten mit den Ausstellungshälften auf beiden Ufern des Rheins. Gerade von diesem fortgesetzten Verkehr auf dem prächtigen Rhein- trom zur Besichtigung bald des einen, bald des anderen Teils der Ausstellung verspricht man sich einen besonderen Genup für die Besucher. Besonders die Rheinhessen sind überzeugt, daß, wenn die Wasser des Himmels an den Aus- tellungstagen fernbleiben, die Wasser des Nheinstromes der Ausstellung Heil bringen werden. Und darin mögen re Recht haben! Fast mit Einstimmigkeit wurde der Aus- tellungsplatz^ in der beschriebenen Art bestimmt. Jetzt rüstet Euch zur Ausstellung, Ihr oberhessischen ^andwrrte! Zeigt, was Ihr dem heimischen Boden, der weniger dankbar ist, als der im sonnigen Rheingau, durch ^leig und Zähigkeit abzuringen versteht. Führt den Lands^- wuten der anderen Provinzen die schönen rotbraunen Rinder des hohen Vogetsberges, die starknackigen gelenkigen Rinder, die in den ftuchtbaren Bachtälern des Vogels- .^er .weiten Wetterau groß gieworden sind, vor. Meßt Eure Arbeit an der mehr begünstigter Kollegen; Ihr werdet den Vergleich nicht zu scheuen haben. Lernt bei dieser Gelegenheit, wie man weiter arbeiten muß, um immer Besseres zu leisten! Dann tut auch zur Reise an den Rhein beizeiten Geld ln den Beutel und schlagt für diesmal die Mahnung in den Wmd: Mein Sohii, mein Sohn, geh nicht an den Rhein mein ^ohn, ich rate dir gut! S. Ans und Land. Gießen, den 15. März 1905,. * * Da? Großberzogspaar wird, wie uns drahtlich aus Darmstadt gemeldet wird, feine Nückreife nach Darmstadt morgen abend antreten. * * Personalien. Ucbertrcißcn wurde am 9. März ds. I?. dem Schullehrer Wolf zu Wolfsheim die Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Ruttershausen im Greife Gießen. * * Zum Ehrenvorsitzenden des Vereins hessi» scher Zahnärzte wurde der langjährige Vorsitzende des Verein?, G. W. Koch in Gießen, der Vorsitzende der Prüf- ungs-Konimission für Zahnärzte, ernannt. Zum ersten Vorsitzenden wurde der seitherige Stellvertreter Dr.O. Köhler- Darmstadt gewählt. * * Besitzwechsel. Die Rickersche Sortiments- Buchhandlung nebst 91 ntiquari at geht am 1. April an den Buchhändler Ernst Legler, langjährigen Prokuristen der Buchhandlung Otto Harrassowitz in Leipzig, über. Der Rickersche Verlag bleibt jedoch im Besitz des seitherigen Inhaber? Alfred Toepelmann. — Der Buchhalter Johannes Müller kaufte da? dlnwesen. Großer Steinweg 9, vom Bauunternehmer H. W. Rinn für 18 000 Mk. ” Das Winterfest de? Gießener Männer»- Gesangvereins, welches am Samstag abend im Reuen Saalbau abgehalten wurde, war überaus gut von Mitgliedern des Vereins und zahlreichen Gästen besucht. Unter der Leitung des Musiklehrers Kasten erwies sich der Verein als ein gut geschulter Chor, dessen gesangliche Leistungen sich überall hören lassen können. Prächtig wirkten die Massenchöre, welche von den Mitgliedern des Männer-Gefangvereins, des Gesangvereins Gemütliehkeit und de? Sängerchors des Turnvereins zum Vortrag gebracht wurden, wobei sich Herr Kasten al? geschickter Dirigent erwies. In Frl. Zufall hatte der Verein für den Abend eine Solistin gewonnen, welche von den Hörern mit reichem Beifall überschüttet wurde. Den Schluß der wohlgelungenen Feier bildete ein Ball, der erst gegen Morgen fein Ende erreichte. Vom Gardeverein wurde durch Herrn C. G. Kleinhenn dem Männer-Gesangverein ein Lied dediziert. ** Hessische Vereinigung fürVolkskunde. Der am Montag stattgehabte 5. Mitgliederabend war sehr gut besucht. Rentamtmann Schäfer schilderte an der Hand aktenmäßiger Belege die Greuel einer ganzen Reihe von Hexen Prozessen, die bald nach Beendigung des dreißigjährigen Krieges in der damaligen Grafschaft Bingenheim gegen eine große Zahl von Bewohnern angestrengt wurden und die Verbrennung sämtlicher Beschuldigten, Erwachsener und Kinder, zur Folge hatten. Der Hexenglaube hatte in der Mitte des 17. Jahrhunderts in unserem Vaterlande noch o feste Wurzeln, daß selbst die Räte des Reichskammergerichts Urteile bestätigten, die erlassen waren auf Grund der Anklage, daß die Kinder des Grafen von Bingenheim durch Zauberkünste getötet worden seien. — An den Vortrag anlnüpfend, setzte Professor Dr. Wünsch auseinander, daß der Hexenglaube nicht ein Erzeugnis des Mittelalters fei, sondern sich allgemein bei primitiven Völkern finde und beim Ungebildeten aus dem Bedürfnis entspringe, die Ursache einer Erscheinung zu ergründen, für die er eine natürliche Erklärung nicht geben kann. Die Schriften des Lucian und de? Petronius geben eine sichere Grundlage für die Annahme, daß auch im Altertum der Hexenglaube verbreitet war. + Großen-Linden, 14^März. Am 1. April d. I. wird die hiesige Eisenbahnhaltestelle in eine Station um gewandelt. Darmstadt, 14. März. Als Zeichen der Anerkennung für ihre Beteiligung an der vorjä hrigen Ausstellung der Darmstädter Künstlerkolonie wird den Ausstellern und sonst an der Ausstellung Beteiligten gegenwärtig eine Sil berne Med aille verliehen, nachdem chon vor längerer Zeit ein entsprechende? Diplom verteilt worden war. Die Medaille ist auf Initiative Sr. Königl. Hoheit des Großherzog? von dem bekanntlich aus dem Verbände der Künstlerkolonie ausscheidenden Mitgliede P. Haute i n entworfen und in der kunstgewerblichen Werkstätte deS Juwelier? Müller ausgeführt. Abweichend von der seitherigen Plaketten-Manier zeigt die Medaille an der Vorderseite Hochplastik in reicher Ornamentik und dezenter Emailleverzierung, gekrönt mit den Initialen E L und der Krone, auf der Rückseite: „AUSSTELLUNG DER KÜENSTLER- KOLONIE IN DARMSTADT 1904*. Die Hochplastik verleiht der Medaille eine schöne dekorative Wirkung. fc. Vo m Taunus, 15. März. Die Filiale der Holzappeler Blei- und Silbergrube in Wellmich fand bei Aufräumungsarbeiten des alten Stollens Blei- und Silbergänge. Die Firma beabsichtigt, dort ein größeres Werk zu errichten und ihre Erze mittels Drahtseilbahn nach der dem- nächst zu eröffnenden Station Wellmich zu befördern. O Gladenbach, 14. März. Ein beklagenswerter Unglucksfall ereignete sich im nahen End buch im Hause der Familie Biek. Kinder, welche auf dem Boden des Hauses nach Spielzeug suchten, fanden einen Gegenstand, dVy sie der Mutter zeigten. Diese sagte: „Werft es in den Ofen und dann i|t es hinweg." Kaum war dies geschehen, so platzte mit einem fürchterlichen Knall der Ofen auseinander, wobei der Frau vier Finger abgerissen wurden. Der gleichfalls anwesende erwachsene Sohn kam um sein Gehör und sämtliche Fensterscheiben sprangen entzwei. Jedenfalls ist der ^^genttand eine Dynamitpatrone gewesen. m ** Steine Mitteilungen aus Hesse n und den ■ • v u a ? t e n. Beim Abbruch des ehemaligen Schutzenhois yiuz, st ü rzte eine Decke ein und riß den Ataurer Aiuiust Friedrich Fichtner ans Fliedershausen mit in die Tieie. Ficktner erlitt schwere innere Verletzungen. Sein Zustand ist bedentlich. — uiiT der Hochwasser führenden Fulda stürzte bei Hersfeld ein -boot um. Tie Insassen, Baron v o n H u n g e n und der G ä r t• n er M arhenkel ertranken. verrnischtes. ~ Berlin, 14. März. Der Vertrieb des neuesten L>implizissimuS-Flug blatt es ^Die Gräfin von Montignoso" von Thoma mit 11 Illustrationen von öcinc wurde polizeilich für den Straßenhandel verboten. * Ein Pistolenduell hat, wie wir schon kurz mit* teilen, dieser Tage in der Buchheide bei Finkemvatde in Pommern ftakkgesunden. Aks Gegner stanVen sich der prcik-' tische Arzt Dr. med. Pfeiffer und der Amtsrichter Henning gegenüber, die beide in Pasewalk wohnen. Als Kortelltröger fungierte der Gerichtsossessor Sebeunemann. Die Bedingungen waren recht schwer; beim dritten Kugelwechsel wurde Dr. Pfeiffer gm rechten Arme erheblich verwundet, fo das; er sofort das Krankenhaus aufsuchen muhte. Die Veranlassung zu dem Ehrenbandel soll eine Dame gegeben haben. Diese batte von dem Vorhaben der beiden Gegner Kenntnis erhalten und benachrichtigte die Polizei, um den Zweikampf zu verhindern. Ihre Einmischung hatte aber keinen Erfolg; denn während man noch beniübt war, die Teilnehmer des Zweikampfes aufzusuchen, war bereits die Meldung von seinem blutigen Ausgange eingetrofsen. • Kostümfest beim Kaiserpaar. Das bereits von uns kurz erwähnte Kostümfest beim Kailervaar war eins der intimsten und reizvollsten Feste im Königssebloh. Es nahmen nur teil die Mitglieder der kaiserlichen Familie und dem Kaiserhause sehr nahestehende Persönlichkeiten; im Ganzen waren 100 Einladungen ergangen. Kostüme der friderizianischen Zeit waren vorherrschend. Die Kaiserin, deren majestätische Erscheinung durch die malerische Tracht mit dem groben schwarzgebaltenen Federbut vor- trefstich zur Geltung kam, empfing zunächst allein ihre Gäste, da der Kaiser beim sächstschen Gesandten dinierte; Prinzessin Viktoria Luise war, nicht kostümiert, in weißem Kleide erschien en und tanzte später fleißig mit. Der Kronprinz, sowie Prinz August Wilhelm batten die friderizia- nische Uniform des ersten Garde-Bataillons angelegt, die besonders den Prinzen August Wilbelm, dessen Profil viele der Anwesenden in markanter Weise an das Friedrichs des Großen erinnerte, vorzüglich kleidete. Die Damen, unter ihnen auch die Prinzessin Feodora, waren in alter Tracht mit weißgermdertem Haar bezw. weißen Perrücken und Pbantastehüten. Gegen 9 Uhr erschien der Kaiser in der Uniform der S eid liß - Kü rassiere mit Generalabzeichen. Er hatte für viele der Anwesenden ein scherzendes Wort, wie überhaupt das ganze Fest sehr animiert verlies. Von den Herren des Hofes hatten viele das schlichte Hofkteid angelegt, da kein Kostümzwang befohlen war. Beim Souper wurde an zwei Tischen gespeist; an dem einen nahm der Kaiser, an dem anderen die Kaiserin den ersten Platz ein. Nach flottem Tanz und angeregter Unterhaltung endete das Fest um Mitternacht. Metz, 10. März. Die Gedenkhalle auf dem Schla chtfeld von Gravelotte soN im Mai in Gegenwart des Kaisers enthüllt werden. Gleichzeitig werden die Pergamentlisten mit den Namen der Toten und Verwundeten der drei Schlachttage in einer Vlechkavsel eingemauert werden. Gegenwärtig ist man damit beschäftigt, die 14 Bronzebüsten der einzelnen Korpsführer und die Tafeln an den Wänden der Halle anzubringen. * Kleine Taqesch'ronik. In Mannheim hat ein Tagelöhner seine Fran e r s ch l a a e n , weil sie betrunken vom Einkäufen zurückgerebrt war. Sie war die Mutter von sechs kleinen Kindern. — Bei Venedig fand an Bord des italienischen Torvedojäaers Lompo Line E'-vlosion des Damvf- famm^roh'"s statt, durch nfacke acht Matrosen schwere Brandwunden erlitten, an d"nen d^n bereits gestorben sind, während die and!"n"n fvr s-^w-ben. Kunst und Wissenschaft. — Durch Verfügung des franz öfiscken Unterrichtsministers ist Wilhelm Raabe hier unter diejenigen Autoren ausgenommen wvrdm. deren Werke bei den Prüfungen für die Lehrbefähigung im Deutschen 'an den höheren Schulen Frankreichs in den nächsten drei Jahren zu Grunde gelegt werden. Raabe ist Ehrenbürger der Stadt Braunschweig. — Eine erfreuliche Solidarität hat die Stutt-- garter Presse in d"m jünasten Residenztheater- Skandal bewiesen, dem der tätficke Angriff eines Th-"of-'rmitqli^des /t „ 60 72 y Getreidepreife in Mannheim Brotpreise in Gießen Weizen 100 Kg. 18,75 Alk. Roggen 100 „ 14,70 „ Weißbrot 2 Kg. 52 P'g. Schwgrzbrot 2 Kg. 48 Pfg. Giessener landwirtschaftlicher Wetterdienst. Vo> aussicktliche Witterung in j^cef<*n für Donnerstag, den 16. März 1905: Vielfach starke Reaenfälle: Sturm, milder. In den kommenden Tagen stellenweise Hochwasser. Näheres durch die Gießener Wetterkarte. Hriqinas-DralUmckdnnqt'N. R.-B. Darmstadt, 15. März. Die evangelische Landessynode beschloß hcnte, aus den Mitteln des evangel. Kirchenfonds ein eigenes Synodalgebäude zu errichten. Das Oberkonsistorium schlägt vor, die Kirchensteuer als Zusatz zur Staatssteuer von 12 Proz. auf 11 Prozent herabzusetzen. Die Steuerfestsetzung soll alljährlich nach Verhandlung zwischen dem Finanzausschuß und dein Ober- konsistorium erfolgen. Berlin, 15. März. Tie als Dichterin neuerdings viel genannte Frau Galon-Gube, deren Gedichtsanimlung „Aus dem Leben und Träumen eines Weibes" Aussehen erregt hat, stürzte bei einem Spazierritt mit dem Pferde und trug schwere Quetschungen an Kopf und Schultern davon. Berlin, 15. März. Die Stadt Berlin brachte beim Kaiser die Benennung einer neuen Straße als Paul Heyse- Straße anläßlich des 75. Geburtstages des Dichters in Vorschlag. — Der Bund der Industriellen setzte eine Kommission zur Erörterung der Idee einer Streikordnung ein. Die Kommission ist bereits zusammengetreten. — Die „Neue Polit. Korr." berichtet zur Landtagskreisnovelle, es sei dem Vernehmen nach die Erhö hung der Zahl der Berliner Abgeordneten von 9 auf 12 ins Auge gefaßt. Düsseldorf, 15. März. Die Stadtverordneten nahmen die ihnen als Geschenk angehotene Heine-Bibliothek an. Detmold, 15.März. Ter 16jährige Mörder Wil- Ha gen, der im September im Dorfe Horstmar die Frau Wampe erschlug, wurde vom Schwurgericht zum Tode v erurte ilt. London, 15. März. Die „Times" meldet aus Tokio vom 13. d. M., daß in Säil (Korea) eine Verschwörung entdeckt worden sei, um den Kaiser zu veranlassen, sich von der japanischen Konvention freizumachen und in einer fremden Gesandtschaft Zuflucht zu suchen. Die Verschwörer wurden verhaftet. Zu ihrem Plane gehörte auch, den General Kasegawa zu ermorden. London, 15. März. Die „Morninypost" meldet aus Shanghai vom 14. d. M., daß die Absicht bestehe, die chinesische Marine zu vergrößern und zu diesem Zwecke die unabhängigen Provinzial-Marineverwaltungen mit einander zu verschmelzen. London, 14. März. Der Berichterstatter des Reuter- schen Bureaus bei der Armee Kurokis meldet, daß das Land gedrängt voll sei von hungrigen und entmutigten Russen, die. sich den Japanern in Trupps ergeben. Inzwischen wird die Verfolgung fortgesetzt. Die meisten fremden Militärattachees' bei der russischen Armee einschließlich eines englischen und zweier amerikanischen Offiziere sind den Japanern bei Mukden in die Hände gefallen. Die amerikanischen und englischen Militärattachees sind über Liau- jang heute nach I^van gereift. Paris, 15. März. In Limoges wurden mehrere Offiziere, die sich in Begleitung des neuen Korps-Chefs, General Fournier, dem Stadthause näherten, von Leuten aus dem Publikum angespieen. Einem Offizier wurde das Kreuz der Ehrenlegion von der Brust gerissen. Die Offiziere wurden dann in ein Cafö gedrängt, General Fournier selbst durch berittene Soldaten geschützt. Die Ursache des Konfliktes ist politischer Natur. Fournier war wegen seiner den Nationalisten günstigen Haltung vom Kriegsminister Llndrä seines Postens in Clermont Ferrand enthoben und dann vom Kriegsminister Berteaux nach Limoges versetzt worden. Briansk, 14. März. Die Direktion des hiesigen Schienenwalzwerks weigert fick den Forderungen der Arbeiter stattzugeben. Der Ausstand dauert deshalb an. Ferner feiern die 'Arbeiter der Lokemotivfabrik und der Malzowgesellschast. Sie drohen, in der Statrt Ruhestörungen zu veranstalten. Infolgedessen wird das Renteigebäude, das Arsenal, die Branntweinnicderlage, die Bank und das Postamt militärisch bewacht. — Auf einigen Gütern und Kronforsten fällten die Bauern eigenmächtig Holz und verkauften es zu Spottpreisen. Nom, 15. März. (Ausführliche Meldung.) Prinz Johann Georg von Sachsen machte gestern in Begleitung einen Ausflug zu Fuß von Neapel nach Cumae, um die Akropolis-Höhe zu besuchen. Arn Fuße des Berges begannen sie, gefolgt von zwei Geheimpolizisten, den Aufstieg auf einem Privatweg, als sich dem Prinzen plötzlich mit hochge - schm ung ener Sichel ein Bauer entgegenstellte und den Fremden das Weitergehen verbot. Die Geheimpolizisten sagten den Bauern, der Herr sei ein Prinz, der nur die Aussicht vom Berggipfel genießen wolle und ihnen sicher jeden Schaden, den man der Saat zusügen könnte, ersetzen würde, aber der Bauer wollte auf den Prinzen eindringen. Sofort warfen sich die Agenten auf ihn und suchten ihn zu entwaffnen. Inzwischen kam noch eine Schar anderer Bauern hinzu und nahm eine drohende Haltung gegen den Prinzen und feine Begleiter an, die es nun für geraten hielten, schleunigst zum 'Wagen zurückzükehren ' und abzufahren. Der Quästor'Netz unter den Bauern eine Anzahl verhaften wegen Bedrohung und Widerstandes gegen die Staatsgewalt. Wien, 15. März. Tas für beute angekündigte Auftreten der Traumtänzerin Madelaine wurde auf. Grund eines Hofdekretes, das öfsentlfche bvpnotifche Darbietungen nnterfagt, behördlich verboten. Petersburg, 15. März. Tie Persönlichkeit des bet1 der B o in b e n e x pl r> s i o n im Hotel Bristol umgekommenen Unbekannten ist als die eines Herrn Naumann sest> gestellt worden. Naumann war Mitglied der Kampfes-. Organisation. Kiew, 15. März. Drei große Zuckerfabriken» dem Großfürsten Michael Alerandrowitfch, dem Baron Mayen- dorff und dem Tereschttschenkoschen Erben gehörig, sind von aufständischen Bauern eina eäfchert worden. TelegsüioniscSiea* Ktsrsbericlht. — , 3V20/0 Reichsanleihe , . 102.15 3Vn do. ... 90.65 Konsole , . . . 101 95 3»/n do 90.75 i Hessen .... 100.90 3V, % OberheRsen . . . 99.70 4 % Oesterr. Go'drente . 102 40 41 \ 9« Opflforr. ^ilborrente 101.50 4% Un!&* | ö Zimmer | Löberstraße 8 per 1. Avril er. schone 5-Zimmer- Mansarde, per 1. Jul: schöne 5-Zmnner-Etage an ruh. Famttie und 01565] Ein schön. 2sitz.Sportwagen zu verk. Müller, Lüwengasse 34. 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