WL'L Mai Ein- nach Der deutsche Gesandte in Fez. Die „Kölnische Zeitung" meldet aus Fez vom 11. über Tang er vom 14. Mai: Um 9 Ubr wurde der marsch des deutschen Gesandten Grafen Tattenbach Halbfeiertage. Bei den Leitern unserer staatlichen Sozialpolitik hat allmählich der Gedanke Eingang gefunden, daß die Sicherung eines bestimmten wöchentlichen Ruhequantums eine staatliche Notwendigkeit ist. „Arbeit stärkt die Glieder" doch eben nur, wenn sie innerhalb gesunder Grenzen geleistet wird. Der Bergarbeiterstreil beispielsweise hat die ganz neue Idee des „sanitären Arbeitstages" eingeführt. Dieser Gedanke muß mit der Zeit in einem Staate Wurzel fassen, wo sich die Regierung in einer solchen Weise um die Gesunderhaltung der Bevölkerung bemüht zeigt, wie in Deutschland. Daß dies in einem Militärstaat zuerst und mit der der Stadt begonnen. Der Zeremonienmeister und der Kriegsminister kamen der Reisegesellschaft entgegen. Der Ritt durch die spalierbildenden Truppen und Stämme vom Lager bis zur Stadt dauerte eine Stunde. Mehrere Kapellen spielten. Links war die Kavallerie unter dem Befehl des englischen Majors Ogilvy ausgestellt, rechts die Fußtruppen und die fremden Militärmissionen, ferner zahlreiche Reiter der umliegenden Stämme, darunter 1000 wilde Hiaina - Ka bylen. Der Sultan sah dem Vorbeimarsch von dem Palastturme aus zu. Er ließ den Konsul Vassel zu sich rufen, erkundigte sich nach dem Verlauf der Reise und beauftragte ihn, den Grafen Tattenbach zu begrüßen. In der Stadt, vor deren Tor sich eine besonders dichte Menge angesammelt hatte, wurden den Ankommenden zahlreiche Segenswünsche zu- gerufen, was eine ungewöhnliche Ehrung bedeutet. Rach allgemeinem Urteil war der Empfang außergewöhnlich glänzend. Sofort nach der Ankunft des Grafen Tattenbach im Hause des Finanzministers erschienen der Minister des Aeußem, der Kriegsminister und der Zeremonienmeister. Sie überbrachten die Glückwünsche des Sultans zu der guten Ankunft. — Professor Robert Koch ist in Deutsch-Ostafrika angekommen, um das Studium des Rückfallfiebers, welches an der nach dem Innern führenden Straße mit großer Heftigkeit auftrat, zu organisieren. Von Deutsch-Ostafrika wird sich K'och, wie die „Medizinische .ftltntf" mitteilt, nach dem noch sieben Tagereisen entfernten Massassa begeben, wo die Pest ausgebrochen ist. zunächst die erste Erwiderung der wiederholten Aufmerksamkeiten, die Kaiser Wilhelm hervorragenden Franzosen erwies, und daß man sieh gerade jetzt, wo Marokkos wegen eine gewisse Spannung zwischen Deutschland und Frankreich besteht, zu diesem Höflichkeitsakt entschließt, gibt der Angelegenheit einen bedeutungsvollen politischen Hintergrund. Zweifellos stimmte im Ministerrat auch Herr Deleassö für die Entsendung der Abordnung nach Berlin. Andernfalls hätte er wohl sein Portefeuille zur Verfügung gestellt. Die interessanteste Frage ist nun, von wem die Anregung zu diesem Entschluß ausgegangen sein mag. In hiesigen politischen Kreisen hält man dafür, daß der Besuch König Eduards in Paris, und speziell seine längeren Unterredungen mit Loubet und Deleassö, nicht ohne Einfluß auf die Entschließung des französischen Ministerrats gewesen sind. König Eduard ist allerdings Meister in der Kunst, „Unstimmigkeiten", selbst wenn sie weniger leichter Natur scheinen, auf eine sozusagen elegante Art schwinden zu machen, und es ist ebenso bekannt, daß König Eduard solche „Versöhnungsmissionen" mit Vorliebe auf sich nimmt. Wie dem im vorliegenden Falle oucf) sei, und wenn auch die Entsendung der Hochzeitsabordnung die Marokko-Affäre unmittelbar nicht beeinflussen dürfte — die Herbeiführung einer Verständigung' wird durch solchen Höflichkeitsakt sicher erleichtert, zumal wenn, wie anzunehmen ist, ein Vertreter des französischen Auswärtigen Amtes sich bei der Gesandtschaft befindet. Vom Haager Schiedsgericht. Am 15. Mai wurden die Verhandlungen vor dem Haager Schiedsgericht in der Frage, ob Japan berechtigt ist, eine Häuser st euer in den Fremdenniederlassungen zu erheben, wieder eröffnet. An Stelle des deutschen Vertreters Konsul Weipert, der in Marseille durch Selbstmord wegen Krankheit aus dem Leben geschieden, ist Geh. Legationsrat Lentze vom Auswärtigen Amt in Berlin getreten. Der Vorsitzende Prof. Gwamm, die Vertreter von England, Japan und Frankreich hielten dem verstorbenen deutschen Vertreter einen Nachruf. Wie bis jetzt bei jeder Verhandlung vor dem Schiedsgericht entsteht wieder die Frage, welche Sprachen zugelassen werden sollen. Frankreich, England und Deutschland beantragen die Zulassung der deutschen Sprache, Zur allgemeinen Ueberraschung erhebt sich Mipaoka, der Anwalt Japans und beantragt aus prinzipiellen Gründen die Zulassung des Japanischen. Das Gericht zieht sich zurück und verkündet nach halbstündiger Beratung, daß ein Schiedsspruch hinsichtlich der Sprachenanfrage gefällt werden könne, wenn neue Erklärungen von den Mächten eingebracht würden. Da aber keine neuen Erklärungen mehr angenommen werden, bleibt die Frage offen. Die Sitzung wird hierauf aufgehoben. Das Urteil in der Häusersteuerfrage wird in einigen Tagen gefällt. Die drei Schiedsrichter, darunter der japanische Gesandte in Paris, Herr Moto no, sowie die Anwälte der Staaten verbleiben bis dahin im Haag. Kammermustkaöend des Krekener Konz-rtvereins. Gießen, 15. Mai. Der gestrige letzte K'ammermusikäbenid des Konzertjahres brachte uns mit Iben Klavierquartetten von Brahms und Strauß zwei meines Wissens hier nocb nicht gehörte Werke, Tinb, um kas gleich vorweg zu sagen, zwei prächtige Sachen. Beide tn Cmoll, Iber Tonart des schwer pathetischen Ernstes, zugleichi ber wvckitiaen Kraft, in der Beethovens herrliche „Künste", Brahms erste Symphonie unib sein kürzlich erst hier gespieltes Trw op. 101, Strauß' „Tod und Verklärung" geschrieben sind, haben sie auch außer der Grundstimmung manches Miteinander oemeui, io das stürmisch drängende, bas Wühlen in den liefen, bas Schwelgen im Woblklana der Melodie. Aber währenb bas Brahms,che Opus, das übrigens von vielen feiner begeistertsten Anhänger nicht unter seinen allerersten Erzeugnissen gewertet wird, iM allge- meinen im Verhältnis zu seinen meisten aitbercn $ ammermll^lf5 wV ^d dm Symphonien, in fast präziser Kürze m den einzelnen Sätzen aufgebaut, in dm Th1 am Schlüsse einen Gesamteindruck als ganzes Kunstweri. hinter- läßt, »£&©UfW■?««!% n* in etmubenber LäE hinauszuziehen; so verliert sich schließlich der Faden, der durch bas Sabyrint bet Töne führt, zumal beim ersten Karen otzne Partitur, die leider nicht erhältlich war. hab. ich mn: bte Erinnerung an eine Reihe schöner Momentt, Mächtig kl^gsch ner Themm, bei denen allerdings manchmal meinem EmKnuden nach ein wmig mit mobemen orchestralen Effekten gearbeitet m, wie überhaupt das Werk fast symphonisch anmutet. W.r dem Werk vor dem Brahmsscheu Quartett den Vorzug gegeben hat, wird mit Genugtuung hören, daß es ^urnzeit preisgekrent ist. Die Wiedergabe beider Werke durch Trw^Rebner, das Herr Natterer als Bratschist trefflich ney'ollstandigte^ w r m stets vorzüglich. Das schwungvolle untf- babet üornebnte, mit lebende und hinreißende Spiel der geehrten K"nstle^ uber b u Technik Worte erübrigen, bietet bei jeb-em neuen Hören neuen und erneuten Genuß. Das „loyale" Amerika. Der Sebatzsekretär ber Bereinigten Staaten suchte es trt seiner Newyorker Bankettrede so 'darzustellen, als ob die Loyalität des handelspolitischen Verhaltens der Union über jeden Zweifel erhaben sei. Loyal wäre die Erklärung der Bereitwilligkeit zum Abschluß eines auf voller Gegenseitigkeit beruhenden Handelsvertrages mit Deutschland. Doch solchem widerstrebt die übermächtige .Hochschutzzoll- Partei drüben auf das entschiedenste, wie sie denn gegen den kommerziellen Wettbewerb der Deutschen nicht nur in der Union, sondern auch in Südamerika nach Kräften agi- tiert. Es ist in diesen Tagen darüber geklagt worden, daß die handelspolitische Situation Deutschlands in Brasilien durch die Nordamerikaner aufs ernsteste bedroht sei. Ebenso berechtigt ist leider die bedauerliche Tatsache, daß die namentlich in Südbrasilien in ansehnlicher Zahl lebenden Deutschen sich für Handel und Industrie ihres alten Vaterlandes nicht so ins Zeug legen, wie es wünschenswert wäre. Tie deutsche Ausfuhr nach Brasilien geht ständig zurück und ist von der amerikanischen bereits überflügelt. Da die Union überdies weit mehr brasilianische Waren aufnimmt, als Deutschland, und da Newyorker Kapitalisten wirtschaftliche und Hasenbaukonzessionen in Südbrasilien anstreben, wird Deutschland seine einst hervorragende Rolle am brasilianischen Markt vielleicht in nicht ferner Zeit zum guten Teil ausgcspielt haben. Es ist gewiß das Recht der Union, auf fremden Märkten zu denselben Bedingungen zu kaufen und zu verkaufen, wie seine Mitbewerber. Aber bei dem Verhältnis der Union zu Deutschland liegt die Sache so, daß amerikanischerseits die Gleichberechtigung beansprucht wird, die man der deutschen Ware auf dem amerikanischen Kontinent teils versagt, teils versagen will. Es mag sein, daß die Washingtoner Regierung sich der Erkenntnis dieses Unrechts nicht verschließt? Dann muß sie den Beweis erbringen, daß sie die Kraft hat, eine Aenderung dieses Zustandes durchzusetzen. — Oskar Wildes „Salome" in London. Aus London wird berichtet: Nach den Theatererfolgen, die Oskar Wildes „Salome" allenthalben auf dem Festland errungen hat, hat nun ein privater englischer Verein, der „New Stage Club" das Werl seines Landmannes wenigstens auf die Bretter des kleinen Bijon- Theaters gebracht. Oessentlich aufgesührt darf das Stück nämlich nicht werden, da der Zensor eine öffentliche Aufführung des Werkes in London verboten hat. Die Zeitungen können zunt großen Teil nicht so Schreckliches an dem Drama finden, dessen Wortpracht und vornehmen Geschmack sie loben. Doch erklärt z. B. der „Standard": „Selbst wenn man von einer Beurteilung nach religiösen Gesichtspunkten absieht, so ist auch in seiner ganzen Stimmung das Stück mehr als unsympathisch und wirkt wie ein zu starkes Gewürz. Es ist nicht nur sinnlich, sondern es ist in einem hohen Grade wollüstig: es hinterläßt einen bitteren Geschmack im Mund. Wohl ist die Sprache schön und reich an glühenden Bildern, sie ist wie roter Wein in ihrem Feuer und ihrem schweren Dust. Im Dialog sind hinreißende Stellen, aber ber Künstler gebraucht allzu oft die Wiederholung und so erhalten die Worte etwas Ueppiges. Die primitive Tierheit vergangener j}eit ist hier äußerst lebendig bargestellt. Die Katastrophe des Stückes ist grauenvoll, zu entsetzlich, um als Stofs zu einem Theaterstück verwenbet zu werden. Nein, „Salome" ist nicht geeignet, um vor einem Publikum öffentlich dar- gestellt zu werben, und ber Zensor hat in diesem Falle durchaus richtig gehandelt." — Diese „Kritik" hinterläßt auch einen „bitteren Geschmack im Munde." Es ist unglaublich, daß ein. großes englisches Blatt so urteilen konnte. (a) Darmstadt, 15. Mai. Das Großh. Hochbauamt übertrug bem Maler Adolf Beyer in Darmstabt bic Ausführung eines Repräsentationsbildnisses Sr. Kgl. Hoheit des Groß Herzogs für das neue Juftizgebäube in Darmstadt. ♦ Herr Hegar hatte sich als Solist eine Violoneellsonate von Händel gewählt; feinsinnig und vornehm wie die Wahl des Themas war sein Spiel; vielleicht läßt uns Herr Redner später auch einmal bei gleicher Gelegenheit eine der im Konzertsaal kaum je zu hörenden und doch so dankbaren Händelschen Violin- fonaten genießen. Der Gast des Abends, Frau Hallwachs-Zerny aus Kassel, stellte sich mit ber Wiedergabe der Schubertschen und Wolfschen Lieder den instrumentalen Vorttägen würdig, zur Seite. Das Gebiet ihrer prächtigen Mtstimme scheint mir namentlich im ernsten getragenen Gesang zu liegen; ihr Bestes gab sie in dem Schubertschen „Dem Unendlichen" dessen Vorttag, von vollendetster Kunst, das Pathos der Klovpstockschen Weise zu dem ergreifenden Gebete einer gläubigen Seele gestaltete; weniger gelungen fand ich das gleichfalls aus einer erhaben feierlichen Stimmung herausdringende Möricke-Wolffche „Du bist Orylid mein Land"; über dem Lied muß etwas wie ein Leuchten liegen, das prächtige Schauen des „sein leuchtenden Lands"; dies fehlte. Die beiden anderen Wolfs dagegen, namentlich das „Heimweh", wurden mit erschöpfender Charakterisierung ihres Stimmungsgehalts, mit irarmer klarer Stimme gesungen, ebenso das schöne „Lied der Mignon" Schuberts. Dem herzlichen Beifall dankte Frau Hallwachs mit einer Zugabe. Das letzte Kammermusikkonzert hat so die drei Abende dieses Konzertjahres tresslich beschlossen. Den uns fast zu Gießenern gewordenen Frankfurter Künstlern rufen wir ein freudiges „auf Wiedersehn im nächsten Jahr!" zu, unfern: Herrn Direktor Trautmann, dem wir im Grunde all das Schöne verdanken, sagen wir für alles herzlichen Dank. —n— Volitische Tagesschau. Französische Gaste bei der Kronprinzen-Hochzeit. Aus Paris kommt die Meldung, daß der Ministerrat im Prinzip beschlossen habe, eine Abordnung nach Berlin zu senden, um die Regierung bei der Hochzeit des deutschen Kronprinzen zu vertreten. Die Zusammensetzung dieser Sondergesandtschaft werde in einer ber nächsten Sitzungen des Ministerrates beschlossen werden. Die Regierung werde erwägen, ob diese Mission ausschließlich aus Militärpersonen oder ob sie aus Zivilpersonen gebildet werden soll, denen eine gewisse Anzahl von Vertretern der Armee beigegeben werde. Hierzu schreibt uns unser Berliner Mitarbeiter: Der Beschluß der französischen Regierung, zur Hochzeit des deutschen Kronprinzen eine Abordnung nach Berlin zu entsenden, hat auch, so schreibt man uns aus Berlin, in der Reichshauptstadt Ueberraschung hervorgerufen. Es ist dies Sie Wordnunfl des deutschen Kandwerks- und Keweröckammertages. Ain Mittwoch, dem 10. Mat, empfing der Staatssekretär -es Reichsamts des JUnern Graf Po sad o Ws ky-Wehner eme Abordnung des deutschen Handwerks- und Gewerbekammertages, bestehend aus dem Vorsitzenden und Sekretär der Handwerkskammer zu Hannover als Vorort Obermeister Plate und Dr. Wienbeck, den beiden Vorsitzenden der Handwerkskammer Berlin Obermeister Fast er und Kr ause Obermeister Falk-Mainz, Vor^- srtzender der Handwerkskammer zu Darmstadt, Kommerzien- rat Nagler, Vorsitzender der Handwerkskammer zu München, ^.er etwa ernstündigen Unterredung wohnte auch der Geh. Regwrungsrat Spiel Hagen aus dem Reichsamt des Innern ber. Auf die vorgetragenen Wünsche der Abordnung erwiderte der Staatssekretär, er werde sehr gern den Ausschuß des Handels- und Gewerbekammertages als Experten zur Begutachtung in Maßnahmen, die das Hand- tyerk beträfen, zu Rate ziehen. Er erkundigte sich eingehend nach der Zusammensetzung des geschäftsführenden Ms- scyusses. Er bemerkte weiter, daß die Einbeziehung der Herrn ar beiter in die Alters - und Invaliditäts- Versicherung von den Buudesregierurrgen trotz der entgegenstehenden großen Schwierigkeiten ernstlich erwogen würde. JU der Frage Fabrik und Handwerk, die ebenfalls sehr schwer zu lösen sei, sähe er die Meinung der Handwerkskammern als wohl berechtigt an, daß möglichst leistungsfähige Betriebe dem Handwerk erhalten bieiben Müßten. Freilich müsse der selbständige Handwerker darauf stolz sein, Handwerker zu heißen, und nicht den Titel Fabrikant höher zu schätzen, wie es zurzeit leider sehr beliebt sei. Im allgemeinen wies der Staatssekretär mit einem Rückblick auf die Blütezeit des KUnsthandwerks darauf hin, daß man die technische Ausbildung und die geschäftliche Gewandtheit des selbständigen Handwerkers fördern, und daß die Vorliebe des Publikums für unsolide Schund- und Massenartikel bekämpft werden müsse. Diesem Ziel dürften vor allem gute Fachausstellungen dienen. Die Abordnung schied aus der außerordentlich vielseitigen und anregenden Aussprache mit der Ueber^ugung, daß Gras Posadowsky den ernsten Willen hat, oie das Handwerk berührenden Fragen ^nö glichst zu dessen Gunsten zu lösen. Die gleiche Abordnung begab sich dann zum preußischen Minister für Handel und Gewerbe Möller. Mich dieser Unterredung wohnte der Geh. Regierungsrat Spielhagen aus dem Reichsamt des JUnern bei, ferner der Unterstaatssekretär im Handelsministerium Lohmann, der Ministerialdirektor Neuhaus und der Geh. Regierungsrat Dr. v. Seefeld. Hauptsächlich wurde die Frage Fabrik und Handwerk erörtert. Minister Möller erkannte an, daß es das Interesse der Handwerkskammern erfordere, in ihre Organisation möglichst leistungsfähige Betriebe einzube- ^iehen, daß aber die Bemühung der Verwaltungsbehörden in dieser Hinsicht an der geltenden Rechtsprechung scheitere, die seit Jahren namentlich in Reichsgerichtserkenntnissen die bekannten Merkmale für Fabrik und Handwerk au.fgestellt hätte. Besser wäre es gewesen, man hätte eine Trennung beider Betriebsarten, die naturgemäß aufeinander angewiesen seien, niemals versucht und vollzogen. Es sei zuzugeben, daß das JUnunasleben und damit auch der Friede zwischen Arbeitgeber und -nehmer durch möglichst weite Uusdehntlng der Organisation des Handwerks nur gestärkt werden könne, andererseits sei ein Zuvielorganisieren bedenklich, da der Kampf aller gegen alle dadurch entfacht würde Bezüglich der Meisterkurse und des neuerrichteten Landesgewerbeamtes äußerte sich der Minister, daß er bestrebt sein werde, die Wünsche des Hrandwerkskammertages zu berücksichtigen, nur solle darauf gesehen werden, daß dem Ministerium nicht Maßnahmen zugemutet würden, die nicht durchführbar oder zeitgemäß wären. Er ersuchte ferner die Handwerkskammern um möglichst kräftige Unterstützung seiner Maßregeln betreffend das Fortbildungsschul- Wes en, da er in der höheren technischen und theoretischen Ausbildung die geeignetste Förderung des Handwerks erblicke Auch aus dieser Unterredung, die etwa zwei Stunden dauerte, konnte die Mordnung die Hwffnung schöpfen, daß die preußische Regierung den Msschuß des Handwerkskammertages zur Mitarbeit in Handwerksangelegenherten so viel wie möglich heranziehen wird. w Zweites Blatt» 125. Jahrgang Dienstag 16. Mai 1905 Mi* n me ormtags. A /A AA X jA AA NotattonSdruck und Verlag der Vrühlfch« Die ^Siebener LamMenblSIter- werden dem V BI OWflfi IW O* lIW O Unwersttätsdruckerei. R. Lange. Gießen VHVQVllvl * *2 UV 3 " . . UV er ” re 3^'03 3* 5. 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