Erstes Blatt. R VHalsteohe T. Äbrefje Uhr Bereichen: Anzeiger Gtetzen. gernsprrchonschlußNr.81. 155. Jahrgang Nr. 179 evl^elet tagii» außer Sonntag*. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechiel mit dem Vesfischen Landwirt hie «iehener Zamtiren. -giMer viermal in der Woche betgelegt AotottonSbrud tu Der- Ißfl der Vrühl'ichen Unwerl^Buch'U. btein» fcmdetei. St. Sang«. Ausland. London, 1. Aug. (Unterhaus.) Thomas (lib.) stellt die Anfrage, ob man die Einbringung eines Gesetzentwurfs für wünschenswert erachte, der die Negierung ermächtige, in gewissen Fällen die Ausfuhr von wallisischer Dampf- ko h le zu verhindern. Balfour erwidert, er halte c5 nicht für nötig, daß der Regierung besondere Ermächtigungen erteilt werden, weil ihr genügend Befugnisse yt Gebote ständen, um die Ausfuhr von Dampfkohle zu verhindern. Lukas (kons.) fragt an, ob der Premierminister beabsichtige, eine Kommission einzusetzen, die die Umstände zu prüfen habe, unter denen sich der Ankauf der Kohlenfelder in Südwales durch ein deutsches Syndikat vollziehen solle. Balfour erwiderte: Keine der uns zur Verfügung stehenden Informationen gibt uns Grund zu der Annahme, daß ein deutsches Syndikat Verhandlungen pflegt, die auf den Ankauf eines wichtigen oder überhaupt eines Gebietes hinzielen, in dem Dampfkohle gefördert wird, wie! sie von der britischen Flotte gebraucht wird. Im Fall wir! Grund zu der Annahme haben, daß ein ausländisches Syn» dikat im Begriff ist, die Kontrolle zu gewinnen, die wir> zurückweiscn müssen, würde ich es nicht für schwer halten, dem dadurch zu begegnen, daß wir das Gesetz abändern, um die Ausländer an dem Erwerb besten zu verhindern, was für die Verteidigung Großbritanniens oder für die Interessen von Heer und Marine unumgänglich notwendig ist. Ich glaube nicht, daß diese Notwendigkeit sich bereits ergeben haft aber dies wäre die Linie, auf der wir vorgehen müßten, wenn sie sich herausstellt. — Die „Times" meldet aus Tanger: ES heißt, daß die marokkanischen Truppen eine schwere Niederlage bei Ujda erlitten haben. Die Armee des Prätendenten soll sie in wilder Flucht vor sich her jagen. Paris, 1. Äug. Gegenüber Auslastungen El em en« ceaus und Deroulödes, welche sich einst wütend be- fehdeten, nunmehr aber in gemeinsamer antideutscher! Gesinnung sich wiedergefunden haben, erklärt JauröS ins der Humanitär Die einzig kluge Politik Frankreichs- bestehe darin, an die Möglichkeit der Erhaltung deS Frie« dens zwischen England und Deutschland zu glauben! und daran in diskreter, aber ehrlicher Weise zu arbeiten. Wien, 1. Aug. Einem Bericht des „N. W. T." aus! Konstantinopel ist zu entnehmen, daß gegenwärtig nicht! weniger als 3000 Personen aus Anlaß des Bomben»! attentates auf den Sultan verhaftet sind, darunter! Leute aller möglichen Nationalität und Konfession. Türkische! Untertanen, die nicht Muselmanen sind, erleiden im Gefängnis grausame Mißhandlungen. Konstantinopel, 31. Juli. (Wien. Korr.-Bur.) In Zusammenhang mit dem Bombenanschlag wurde eine Reihe weiterer Verhaftungen vorgenommen. Am Samstags wurde ein Franzose verhaftet; da eine Haussuchung bei ihm erfolglos war, verlangt das französische Konsulatseine Freilassung. Konstantinopel, 1. Aug. Verläßlichen Berichten, aus dem Pildis zufolge wurde gestern abend ein Hof-! funkt ionär unter dem Verdacht des Attentats ver-> haftet. Tanger, 1. Aug. Der Sultan unterzeichnete gestern! den Vertrag betreffend die Hafen bauten mit der deutschen Firma. Es handelt sich um eine Summe von anderthalb! Millionen Francs. (Vgl. „Deutsches Reich".) Sidney, 1. Aug. Indem der „Telegr." die Mitteilung des deutschen Generalkonsuls, daß der Streit wegen der Marschallsinseln beigelegt sei, einer Besprechung unterzieht, bemerkt er, die „Times" habe, anstatt eine einwandsfreie Darstellung zu geben, Retorsionszölle empfohlen und damit nur Reklame machen wollen. Das Blatt greift auch den Premierminister Deakins an, der Deutschland mit Repressalien gedroht habe; diese seien vergeblich und würden kommerziell Australiens Selbstmord bedeuten. Aehnlich spricht sich der „Herald" aus. Kaiser Wilhelm in Kopenhagen. Kopenhagen, 1. August. Kaiser Wilhelm, König Christian, der Kronprinz und die Kronprinzessin von Dänemark, sowie andere Mitglieder der königlichen Familie machten eine Spazierfahrt nach der Eremitage, wo das Frühstück eingenommen wurde. Nach dem Frühstück fuhren der Kaiser und König Christian mit einigen Mitgliedern der königlichen Familie über SkodSborg nach Schloß Bernstorff zurück. Heute abend fand puf Schloß B-ernstorff Festtafel beim Mittwoch 2. August 1905 3 monalt fit 75 61^ oierteC« f jährlich Ml 120: durch Adhole- u. Zweigstellen V monatlich 6o Ps.; durch M BR fis V» * diePost Mk.2.—viertel- B'a L?i ErLr LJ jährl. auSlchl. Bestellg. WA M Ka Annahme non Anzel'i« VtSkßwl ir die tr äSr’iftnttt KVnlg statt, an welcher der Kaiser, sämtliche Mitglieder der königlichen Familie, das kaiserliche Yiefolge und der deutsche Gesandte teilnahmen. Nach der Taftl fuhren die Herrschaften nach Schloß Charlottenlund, wo beim kronprinzlichen Paare Abendgesellschaft stattfand, zu der der Minister des Aeußern, die deutsckmr Schiffskommandanten und die Mitglieder der deutschen (Ziesandtschast einqeladen waren. Deutsches Resch. Berlin^ 1. Ang. Der Kaiser wird beut' .Vernehmen nach gelegentlich der Manöver bei Homburg v. d. H. im September muh Wiesbaden einen kurzen Besuch abstatten. Da um die genannte Zeit auch der Generalintendant v Hülsen dort eintrifft, glaubt man annehmen zu dürfen, daß der Monarch das kbnigl. Theater besuchen wird in Bereitung seiner fürstlichen Gäste, die "ber Kaiserparabe am 8. September beiwohnen. ., — Fürstin Emma zu Solms-Hohensolms- Lich ist von Schloß Lich hier eingetroffen. — Der Direktor des ka t ho l i s ch-b ent sche n Hospizes in Jerusalem!, S ch m i b t, hatte an bett Reichskanzler Fürsten Bülow anläßlich seiner Erhebung in bett Fürstenstcmd in Erinnerung an sein bem Jerusalemwerk stets bewiesenes warmes Interesse einen Glückwunsch gerichtet. Daraus ist ihm vom Reichskanzler solgenbe Antwort zugegangen: . . „Hochwürdigster Pater! Unter den Glückwünschen, bre mir auv Anlaß des Gnadenbeweises Sr. M. des Kaisers und Königs zugegangen sind, hat mir Jbr gütiges Schreiben eine besondere Freude bereitet. Indem ich Ihnen ftir Ihr fteundltches Gedenken aufrichtig danke, g-?be ich Ihnen die Versicherung., daß die von echtem Patriotismus getragene Gesinnung, die sie zum Ausdruck brachten, meinem Herzen wohlgetan hat. Den bedeuttings- vollen Jerusalemwerken widme ich lebhaftes Jntereße, und mit dankbarer Genugtuung begrüße ich die Fortschritte, die dabei unter Ihrer vpserftcudigen und sachkundigen Leitung zum Wohle der Menschheit erzielt werden. Mein inniger Wunsch geht dahin, daß Sie noch lange Zeit in Gesundheit und Kraft ^hrem segensreichen Wirkungskreise erhalten bleiben mögen." — In einer Zuschrift an bett „Vorwärts" erklärt ber Abg. v. 93 o tim ar, er habe ber Tagl. Runbschau lediglich mitgeteilt, baß er in ber Münch. Tagespost feinen Artikel veröffentlicht habe. Von einer materiellen Stellungnahme seinerseits sei keine Rebe. Demgegenüber bleibt ber „Vorwärts" dabei, daß es die Pflicht Bollmars gewesen sei, sich eines Parteiblattes zu bedienen und nicht ber Tagt. Runb- schau. (Das ist bie berühmte sozialdemokratische „Freiheit des Einzelindividuums". D. Reb.) — Der preuß. „Staatsanz." veröffentlicht das Gesetz voM 14. Juli betreffend die Erhebung von Kirchensteuern in Kirchengemeinden, Parocyialverbänben ber evangelischen Landeskirche ber älteren Provinzen ber Monarchie, ferner einen Erlaß des preuß. Finanzministers betr. die Entschädigung ber früheren Hänbler mit Süßstoff, welche beim Inkrafttreten des Süßstoffgesetzes die ihnen verbliebenen Süßstofsvorräte freiwillig unter amtliche "Aufsicht gestellt hatten, biefe Vorräte aber vor den Süßstoffcmkäufeu durch bas Reich haben vernichten lassen. — Der neue Handelsvertrag mit Bulgarte n mürbe heute unterzeichnet. — Tie Rat.-Ztg. schreibt anscheinend offiziös: Die heute in Pariser Blättern vorliegenden Ausstreuungen, wonach der deutsche Votschafter in Madrid Herr von Radowitz entgegen dem Wunsche Frankreichs die spanische Hauptstadt als Ort der m arokkanischen Konferenz vorgeschlagen haben soll oder überhaupt die spanische Regierung zu einer Haltung zu bestimmen suche, die mit der deutsch-französischen Verständigung nicht im Einklang stehe, lind durchaus grundlos. Diese Aus- fhxmmgen widersprechen ebenso den tatsächlichen Verhältnissen wie die anderen in den letzten Tagen in auswärtigen Blättern gegen das Verhalten der deutschen Diplomatie erhobenen Vor- lvürse. Was die viel genannten wirtschaftlichen Konzessionen in Marokko betrifft, so hat nur bie hinsichtlich gewisser Hafenbau t e n in Tanger eine tatsächliche Grundlage. Diese Angelegenheit wurde indes bereits vor dem deutsch-ftanzösischen Abkommen in freier Konkurrenz von mehreren Staaten betrieben. Niemals figurierte die Angelegenheit unter den Forderringen der deutschen Politik. Das Gerücht, daß der Präsident der Bereinigten Staaten Roosevelt zwischen Frankreich und Deutschland interveniert habe, um eine «futc Krise zu beschwören, i|t schon deshalb falsch, weil es in den diesbezüglichen Verhandlungen überhaupt keine Krise gegeben hat, geschweige denn eine akute. — Wie bereits gemeldet wurde, foll sich der Reichstag in der nächsten Session mit einem Gesetzentwurf betr. bie Verleihung der Rechtsfähigkeit an bie Berufs- frer eine zu beschäftigen haben. Jedoch ist es zu einer enbgiltigen Vereinbarem über ben dem Bundesrat zunächst vorxulegendcn Entwiwf bisher noch nicht gekommen. Die Hauptschwierigkeit bürste wohl bestehen in ber Abfassung von Bestimmungen, die einen Mißbrauch ber Korporationsrechte verhindern sollen, ohne jedoch die Bewegungsfreiheit druck: „Und wenn schließlich infolge der Verteuerung ber Zigarren ein Raucher, der bei seiner guten Sorte bleiben will, fernen Zftmsum etwas tzinschränkt, er braucht täglich, noch rricht mal eine Zigarre weniger zu rauchen, dann tut er damit seiner Gesund- hett in keiner Weise Abbruch, wird im Gegenteil oft davon Vorteil haben." Ist sie nicht wahrhaft rührend, diese zarte Sorge nm die Volksgesundheit? Kann ein wohlwollenderes Argument für eine Steuer gefunden werden? Und wie einfach ist der gute Rat, der dem Raucher erteilt wird, wenn er durchaus die väterlichen Bemühungen, sein Wohl durch Beschränkung des Rouchgenusses zu fördern, nicht würdigen will: Gut, bann kaufe ber Raucher in Zukunft für basselbe Gelb bie gleiche Quantität Tabak unb Zigarren, wenn er sich Mit einer etwas geringeren Qualität begnügen will. Salomonische Worte aus der „Krenzztg." ober aus bem Reichsschatzamt. .... Warum aber h ' man sich nicht auf eine !Autorität wie Miquel, bem verstorbenen großen Finanzkünstler, berufen? Herr v. Miquel, ein trotz seines Reichtums recht sparsamer Mann, ließ, so erzählt bie Historie, eines Tages oen Inhaber eines ersten Zigarrengeschäfts Unter ben Linden ins Minister Hotel entbieten. Freudestrahlend, in Erwartunc allerfeinster 'Aufträge, eilt ber Kaufmann hin. Herr von Miquel aber hat keinen Blick für bie vor ihm ausgebreiteten teuren Importen, sondern verlangt Zigarren in einer Preislage, bie mit Grausen erfüllt, wenn man nur davon sprechen hört. Herr v. Miquel aber belehrt bei di.'"r Gelegenheit Den Besucher durch den markanten 'Ausspruch: „üluf die Güte kommt es nicht an. Die Hauptsache ist, das die Zigarre zieht!" — Wir hoffen, daß bas überlegene Urteil Miquels gebührenden Platz in ber Begründung ber Tabaksteuer Vorlage findet. Es gibt nichts Tröstlicheres als bie Sentenz eines großen Mannes. „Kaum fühlbar!" Das wirb in elfen Tonarten von ber neuen Steuer bewiesen werden. Man wirb Rechnungen auf* machen, wie bies heitte in ber „KreuFztg." geschieht, baß die Detailverkäufer, bet einer Erhöhung! des Tabakzolles von 85 auf 115 MI. per Doppelzentner, nur zwei Zehntel Pfennig mehr für jede Zigarre billigster Sorte nehmen bürfen. Die Gegenrechnuug ber Fabrikanten unb Verkäufer wirb wohl etwas anbert? lauten. Zum verteuerten Tabak gesellt sich bas teuerere Gier, Wenn es nadj Frhrn v. Sien^l gebt, unb ber Bunbesrat ben Segen dazu gibt. Zwar hat auf Betreiben bes Zentrums ber gieichstag die Resolution angenommen, baß neue Steuern nicht auf bie schwachen Schultern gelegt werben dürfen. Mer bas Zentrirm weiß seine Beschlüsse den Umständen entsprechend geschickt zu „erläutern". Es wäre nicht bas erstemal, b'aß das Zentrum sein Nein in ein Ja verwandelt. Frhr. v. Stengel erfreut sich der Protektion ber bayerischen Zentrnmsleufe, sie kann ihm manchen Stein aus dem Wege räumen. _______ Aer Krieg. Sachalin. Tokio, 2. Aug. (Amtlich.) Generalleutnant Hara^ guchi hat am 30. Juli bie Militärverwaltung für! Sachalin proklamiert. Petersburg, 1. 'Aug. Wie verlautet, telegraphierte ber Zar, als er von bem Verlust ber Insel Sachalin erfuhr, an General Linewitsch, um ihm sein Erstaunen auszubrücken über bie ungenügenbe Verteibigung ber Insel. Linewitsch antwortete, er habe seine Streite kräste in ber Mandschurei konzentriert unb hoffe, dem Zaren balb mitteilen zu können, baß feine Mrmey siegreich sei. General Linewitsch meldet dem Zaren unter bem 25. Juli: In der letzten Zeit behaupteten ausländische Zeitungen sehr häufig, daß unsere Armee vollständig eingeschloffen unb ihre Lage nicht nur gefährlich, fonbern sogar kritisch wäre. Die rchsischen Zeitungen wieberholen diese Gerüchte, unb das ist ber Grunds warum in ber Gesellschaft eine ganz salscheVorstell- ung bezüglich ber Lage unserer Armee herrscht. .Infolgedessen berichte ich (Surer Majestät, daß die Armee sich nie* ma ls in gefährlicher Lage befunden hat. Unsere Flügel sind niemals umgangen worden. Die Japaner haben vielleicht versucht, unsere Flügel zu umfassen, aber stets ohne Erfolg. WirstehendeMGegner gegenüber. Dio Japaner befinden sich noch in einer gewissen Entfernung von unserer Hauptstellung, obgleich sie mehrfach ben Versuch gemacht haben, näher hercmzu- zukommen, finb diese Versuche stets ohne Erfolg geblieben. Ich berichte Ew. Mas ferner, daß der Geist der Truppen mir volles Vertrauen einflößt unb baß oie Armeen zur Ausführung jeder Aufgabe bereit sind. Linewitsch telegraphiert ferner vom 31. Juli: Air ber Front ber beiden 'Armeen ist keine Veränderung ent» getreten. — Aus Korea wirb front 25. Juli berichtet, ba$ rufsis che Jägerab teilungen gegen ben Engpaß von Wufsalong vorrückten, sich aber bann bis Kopungsau zurückzogen, wobei sie vom Feinde bedrängt wurden. Die Japaner, welche die russischen Jäger verfolgten, wurden jedoch durch Artillerie feuer z u r ü tfg e trieb en. Verwundete in Petersburg. 32 verwundete ehemalige Verteidiger von Port Arthur, darunter ber Matro,e, ber bem Großfürsten Cyrill daH " General-Anzeiger " ** ZWW« v den poltt imb tJjeiHe Amis- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen MW Die veutige Kummer umfaßt 8 Seilen» Sie rauchen zuviel! Man schreibt uns heute aus Berlin: „Sie rauchen zuviel!" An bies geflügelte Wort eines Rauchpastillenfabrikanten wirb voraussichtlich bie parlamentarische Saison gemahnen. Denn zu ben Plänen des emsigen Schatzsekretärs Frhrn. fr. Stengel zählt kaum noch zu bestreitender Maßen die Erhöhung ber Tabaksteuer. Frhr. v. Stengel, der bie Schwierigkeit, gerabe eine solche höchst populäre Steuer burchzubrücken, Wohl kennt, hätte jedenfalls lieber sein Erbschaftssteuer-Projekt im Original dem Reichstag unterbreitet. 'Aber da infolge des Einffwuchs mehrerer Bundesregierungen ber Entwurf um- gearbeitet, bie Besteuerung des Erbes von Ehegatten und Kindern gestrichen werden mußte, so läßt sich fron der Erbschaftssteuer keine durchgreifende Hilfe für bie Finanzen erwarten. Trotzbem wirb auch die „kleine" Erbschaftssteuer nicht verschwinden; man kann sie später „ausbauen". So folgt ja auch die große Reichsftnanzreforrn ber kleiner: Finanzreform, für bie Frhr. fr. Stengel einen großen Orben erhielt. 'Aber bie Reichskassen sollen so bald wie möglich „gestärkt" werden. Da muß denn ber Tabak als „Gegenstanb des Massenverbrauchs" — ein prachtvoller Ausdruck — bem Reich eine bessere Ernte abwerfen. Die Erhöhung ber Tabaksteuer schlägt zu Buch. Ein langer Aussatz in der heutigen „Kreuzztg." scheint die Absichten, die im Reichsschatzamt in dieser Hinsicht gehegt werden, ziemlich genau wiederzngeben. Es wird gesagt, das Wie der Erhöhung ber Tabaksteuer stehe in keiner Weise fest — fei es, baß man eine Fabrikatsteuer ober einen Wertzoll für geeigneter erachte. Vermutlich werben zur Erzielung größerer finanzieller Wirkung beibe Wege eingeschlagen. Dem Raucher ist es ja schließlich gleichgiltig, mit welchem Mittel ber Steuertechnik seine Zigarre verteuert wirb. Schmerzlich aber ist bie Operation auf alle Fälle für Konsumenten wie Produzenten. Steuern werden auf die verschiedenste, mehr oder minder kluge Art begründet. Der Reiz ber Neuheit ist aber, daß diesmal die Volksgesundheit ins Feld geführt wird. 'Also: ,,Sie rauchen zuviel!" erklärt bie besorgte Regierung ben Steuerzahlern Die inspirierten Erörterungen ber „Kreuzzeitung" geben ber Sorge um bie Wohlfahrt ber männlichen Bevölkerung burch folgenden bestecheirben Satz Aus- und Friedber bachung bcr, Bahnsteige neuen Güterbcchnhofes in oluic die Errichtung eines dringende Aufforderung, bei Polizeiamt zu benachrichtigen, weist allein schon der Umstand, das; kurze Zeit nach dem Ausscheiden aus ihrem langjährigen Wirkungskreise im Osfiziers- kasino die „Mutter Frank", wie sie allgemein dort hieß, von maßgebender Seite gebeten wurde, ihre Tätigkeit doch wieder aufzunehmen. „Wir holen Sie vierspännig ab," so lautete damals die ehrenvolle Aufforderung, was sie mit berechtigtem Stolz oft erzählt hat. Auch bis zuletzt hat cd der Verstorbenen namentlich ans dem Kreise unseres Offizierskorps an Beweisen von Anhänglichkeit und freundlicher Erinnerung nicht gefehlt. So mancher schon ergraute aktive und inaktive hohe Offizier, der früher dem Regiments angehörte, hat bei seiner Anwesenheit in Gießen nicht versäumt, die i „Mutter Frank" auszusuchen und mit ihr von vergangenen Zeiten zu sprechen. Sogar kein Geringerer als Exzellenz Budde, früher aktiver Offizier im hiesigen Regiment, sandte ihr s. Zt. einige eigenhändige Zeilen freundlichster Erinnerung, als die jetzt Verstorb-ne ihm zu seiner damaligen Ernennung znm Minister ihre Glückwünsche übermittelte. Mit Stolz hat sie oft im Kreise ihrer Familie und näheren Bekannten erzählt, wie Exzellenz Budde bei Gelegenheit seines "bschiedseffens im hiesigen Offizierskasino sie dem anwesenden D üsionskomrnandcur Prinzen Heinrich von Hessen der Universität Petersburg, der seine Studenten fleißig marschieren ließ, weil, wie er sagte, Rußland keine .Humboldts brauche. Wie man sieht, wird auch heute noch alle mögliche Sorge darauf verwandt, daß die Zachs der Humboldts in Rußland recht beschränkt bleibt. Bezeichnend ist, daß in dem polnischen Orte Zakopane eine Versammlung die Boykottierung der russischen Schulen in Kongreßpolen und die Unterstützung der polnischen Privatschulen durch Erhebung einer Nationalsteuer beschloß. zu sprechen. In Moskau macht die antisemitische Bewegung Fortschritte. Es hat sich ein Komitee gebildet, welches Unterschriften sammelt für eine Eingabe, in welcher gebeten wird, Friedberg. Bernsbach , I.Aug. Die Herren Adolf Hensel-Dortelweil und Heinrich Lind-Niederissigheim hielten hier eine äußerst gut ausgcnommene Versammlung ab. Die Ausführungen beider Herren über die Vereinigten Landwirte und deren Ziele, sowie über den Stand der Milchpreisfrage wurden mit Verständnis und Beifall ausgenommen. Särnt- iche anwesenden Landwirte traten der Vereinigung bei und gründeten eine Ortsgruppe mit dem Herrn Isidor Bilz als Vertrauensmann an der Spitze. (Deutsche Volksw.) ** Kleine M i t t e i ln n o e n aus Hessen und den N achbarstaate n. Unsere gestrige Notiz unter der Spitzmarke „Bahnball" etc. muß natürlich sich auf den Bahnball Büdcsheim- Bmgen, nicht Rüdcsheim, beziehen. Der Druckfehler ist von den Lesern wohl schon selbst berichtiat worden. und Katzen die grüßt- laffen. Sobald bei einem beobachtet werden, ist das damit das betreffende Tier Es empsiehlt sich, Katzen, Leben gerettet hatte, sind in Petersburg vom Zaren empfangen und eigenhändig von ihm mit dem Georgs- kreuz dekoriert worden. Dies hinderte die Polizei aber nicht, die Veteranen gewaltsam aus Petersburg zu entfernen. Zu den Friedensverhandlungen. Newyork, 1. Aua. Das Mitglied der japanischen 'Friedenskommission, Sato, betonte in einer,Unterredung, Deutschland beobachtete im Laufe des ruffisch-japanischen Krieges stets korrekte Neutralität. Newyork, 1. Aug. Trotz allem Pessimismus welcher 1n Amerika herrscht, setzt Roosevelt in die Friebensver- hcmdlungen große Hoffnungen. Er erklärte mehreren Journalisten, daß ein Waffenstillstand eine Woche nach Zusammentritt der Friedensdelegierten abgeschlossen werden dürfte und daß der F r i e d e d r e i W o ch e n s p a t e r zustande kommen würde. Er glaubt, daß die ^rlebe^3ücr- haublimgen am 10. Au an st 6?-ginnen werden. persönlich vorstellte und mir Worten wärmster Anerkennung rem hohen Herrn ihre Tätigkeit und Kunstfertigkeit pries, worauf sie mit Champagner Bescheid tun mußte. Die letzten Jahre ihres arbeitsamen Lebens nach dem vor fünf Jahren erfolgten Tode ihres Ehemannes verbrachte sie im Kreise ihrer Kinder und Enkel auf dem Windhose, wo sie am 29. Juli im 71. Lebensjahre nach kurzem Leiden starb. )—( Nordeck, 1. Aua. Ein 7jähriger Junge eiterte mit anderen Knaben an der alten Schloß mauer unter Beobachtung gestellt wird. welche das Haus zu verlassen pflegen und nicht unbedingt zur Mäusevertilgung gehalten werben müssen, abzuschaffen, sowie Hunde von auswärts nicht einzuführen. ** Die hessische Vereinigung für Volkskunde wird nächsten Freitag, nachmittags 5 Uhr, im Hotel Trapp ______rv. in Friedberg eine Mitgliederversammlung veranstalten, den höchsten Regionen gewirkt wird, ist interessant. So wird ^^ei Prof. Dr. Drews-Gießen einen Vortrag halten wird das Spiel vermutlich trotz aller gegenteiligen offiziösen Ver- über „Das Abendmahl und die Dämonen". sicherungcn, die vonZcit zu Zeit verbreitet werden, noch eine *• Hessisch-Thüringische Staatslotterie. Am Zeit lang weiter gehen. heutigen ersten Ziehungstage der 3. Klasse dec 6. Lotterie * fiel ein Gewinn von 10 000 Mk. auf Nr. 97511 (nach Daß die Schule überall in den Dienst der herrschenden ein Gewinn von 2000 Mk. auf Nr. 74294, ein -Partei oder der herrschenden Klasse gestellt wird, ist etwas, ^winn von 1000 Mk. auf Nc. 36937 72231, Gewinne von was sich sozusagen von selbst versteht. Im russ. Reiche wirb K 400 gpf, auf Nr. 49106 95541 99966. (Ohne Gewähr, darum versucht, die Ju g end in den Dienst ber finstersten •* Besitzwechsel. Die Hofraite Kirchenplatz 21) Reaktion zu pressen. hinter der ev. Stabtkirche, ging für 40000 Mk. in Besitz des Ein bezeichnendes Licht auf die Art, wie die russischen $crrn C. Wallenfels, Inhaber der Dampffärberci und, Pädagogen sich ihrer Aufgabe entledigen, wirft eine Petition, Waschanstalt, über. die zahlreiche Eltern von Mittelschülern zu Nischni-Nomgorod ^Beerdigung. Gestern wurde, so wird uns ge- an den Unterrichtsminister haben gelangen lassen. Die Un- Rieben, auf dem Friedhöfe inHcuchelheim unter großer Zufriedenheit richtet sich gegen den Unterdirektor Veffelof und Beteiligung Frau Margareta Frank begraben, die 18 den orthodoxen Religionslehrer, den Priester Arkhanghelsky. c^ghrc 'lang — von 1871 bis 1888 — als Oekonomin im In erster Linie beschwert man sich über das System der ^^sigen Offizierskasino tätig war. Wie hoch ihre Tätigkeit Spionage, das in den Schulen eingeführt worden ist! 'sonstigen persönlichen Eigenschaften geschätzt wurden, be- fortgesetzt werden die Taschen der Schüler nach Broschüren' ..... . - • - * - ~ unb Proklamationen durchforscht, man veranstaltet Hcms- * Großfürst Cyrill und der „Klub der Sy- bar iten". Neulich kam die Nachricht aus Koburg, der Zar habe die Genehmigung zur Vermählung seines Vetters, des Großfürsten Cyrill, mit der geschiedenen Großherzogin Viktoria Melitta wiederum abgelehnt. Er würde aber, so meint man, das erneute Bittgesuch, Dispens von der Vorschrift zu erhalten, die Ehen zwischen Geschwisterkindern verbietet, um seine Kusine heiraten zu dürfen, kaum abgelehnt haben, wenn seine Mißstimmung gegen Cyrill nicht in letzter Zeit aus neuer Ursache erheblich verstärkt worden wäre. Und diese Ursache ist, wie unser Berliner Gewährsmann wissen will, die Aufdeckung eines neuen Skandals, in den die beiden ältesten Söhne des Großfürsten Wladimir, Cyrill und Boris, verwickelt sind. Man ist einem Klub auf die Spur gekommen, der sich selbst den bezeichnenden Namen eines „Klubs der Sybariten von Charkow" beigelegt hat. Jedenfalls dürfte dieser Klub bcr kostspieligste unb luxuriöseste aller feiner Art sein. Er zählt nur zwanzig Mitglieber, nämlich außer ben beiben jungen Großfürsten noch achtzehn hoffnungsvolle gleichalterige Söhne vornehmster Familien, die Führer ber russischen „Jeunesse borGe". Strengste Grund- regel des Klubs ist, daß niemand seine Schwelle überschreiten darf, der ihm nicht als Mitglied angehört. Nur für Damen können hiervon Ausnahmen gemacht werden und die ganze Bedienung innerhalb des Klubs geschieht durch weibliche Wesen. Der Klub tagt in einem eigenen kleinen, ganz aus weißem Marmor errichteten Palaste und der Jahresbeitrag der Mitglieder beträgt 4000 Mk., erhöht sich aber durch besondere Zuschüsse, die von jedem einzelnen in regelmäßigen Zeit- abständcn eingefordert werden. Man speist im „Klub der Sybariteu" nur von vergoldetem Silber und jedes Stück des Tafelgeräts ist — hier möchten wir das Wörtchen „angeblich" einschalten, — mit einem juwelenbesetzten Monogramm geziert. Tischtücher unb Servietten bestehen ans feinstem Seidenstoffe und tragen ebenfalls das kunstvoll her- gestcllte Klubmonogramm, zn dem der Großfürst Cyrill selbst die Zeichnung entworfen hat. Und der Großfürst soll auf diese künstlerische Leistung noch stolzer sein als auf die Medaille, die der Zar ihm verlieh, als er nach seiner Rettung ans der Schiffskatastrophe von Port Arthur nach St. Petersburg zurückkehrte. Großfürst Cyrill befindet sich übrigens gegenwärtig in dem bei München gelegenen Sanatorium Neu-Wittelsbach, das von der internationalen Aristokratie besonders gern aufgesucht wird. Wenn der Großfürst trotz der versagten Einwilligung des Zaren dennoch zur Ehe schritte, so könnte diese als gegen das von Alexander III. erlassene „Gesetz über Rechte und Pflichtcv ter Kaiserlichen Familie" vom Minister des Kaiserlichen Hauses für ungültig erklärt werden. Dies geschah zuletzt, als ber Oheim des Großfürsten Cyrill, der Großfürst Paul, sich heimlich die geschiedene Frau des Obersten von Pistohl- koos hatte antrauen lassen. Aber bekanntlich ist diese Ungültigkeitserklärung dann zurückgenommen worden, als ber Zar sich nach bcr Ermorbung bes Großfürsten Sergius mit dessen jüngstem Bruder wieder aussöhnte. * Kleine TageS chronik. Bei einem Fcu er in Bat» t c n he i m (Elsaß) erschlug ein einstürzcndcr Giebel zwei Löschmänncr und verletzte rwci tödlich. Von kleinen Tagesneuigkeiten registrieren wir folgende: Der Berichterstatter des „Standard" in Mrskau meldet seinem Blatte, daß Golowin, der Präsibent bes Le rn^tw o- kongresses, eine Unterrcbung mit bem Grafen Solsky hatte, um gegen bie Einmischung ber Polizei bei bem Kongreß zu protestieren. Graf Solsn) antwortete: „Wir haben Ihren Verfassungsentwurf erst in ber amtlichen Reg.-Ztg. gelesen. Wir bebauern, baß wir ihn nicht früher gekannt haben, sonst hätten wir ihn bem Zaren vorgelegt. Wir hätten ihn bem Entwurf Bulygins vorgezogen." Graf Solsky gab Golowin ben Rat, mit General Trepow bdrüber Die rujstsche Fersassunsisfrage und andere schöne Ainge. Der Bulygin'schc DerfassungSe ntwur, ist zu Einem Spielzeug in ben Hänben der Machthaber geworden. Man hat die Möglichkeit, bas Volk theoretisch zu belohnen und zu bestrafen, man gewährt Reformen, droht mit ihrer ......-- ------------— . Nvrückriebuna riebt sie zurück — alles Phantom. Heute bie Juden von der Volksvertretung auszmchließen und ihnen wird durch das offiziöse deutsche Tel.-Bureau aus Petersburg weder ein aktives noch ein passives Wahlrecht zu gewahren, wird durcy oas ospzo, w Jy Petersburg verurteilte das Kriegsgericht einen versichert, daß am 1. d. MtS. "l‘n ' gewissen Gerschowitsch, der anläßlich einer Haussuchung auf des Kaisers weitere Beratungen über den Bulygin scheu Polizeioffizier und mehrere Polizeibeamte ge- Entwurf für die Schaffung einer Volksvertretung begannen, hatte, zum Tode durch den Strang. Der Entwurf soll von Grund aus m liberaler Richumg gg ar j au wurde am 31. v. M. ein Polizist umgearbeitet sein unb mit dem ursprünglichen Entwurf h^rch einen Revolvcrschuß getötet. Der Täter konnte nicht wenig Gemeinsames haben. Die Beratungen sollen nicht ermittelt werben. arunbsätzliche Fragen berühren, sondern hauptsächlich Am hellen .Tage wurde in Rigct, im Zentrum der Einzelheiten und es wird deshalbangenommen, daß die Stadt, der Kassierer der Jute-Manufaktur, Roß, der in Beratunacn nur'einige Tage dauern werden unb baß auch einer Droschke zur Bank fuhr unb eine bebeutenbe Gelbsumme “S JTzwJb des kleinen Zarewitsch, von dem übrigens galizische, d. h. Uilö JUlW« allerdings recht unzuverlässige Sßlättermelbungen behaupten, Gießen, 2. Stuguft. daß die Aerzte dessen Taubheit festgestellt hätten. Vielleicht Zur Hundesperre. Vor einigen Tagen zeigte der war§ die symbolische Bemerkung eines skeptischen Hund eines hiesigen Einwohners verdächtige Krank- Arztes, der damit die Stimmung am russischen heitserscheinungen. Da auch ein Kind des Besitzers Hofe jetzt unb in Zukunft charakterisieren wollte. DennL^n dem Hunde gebissen worben war, wurde dieser in die vor wenigen Tagen noch hieß es, infolge der Begegnung Veterinäranstalt gebracht, wo er verendete. Die durch bas mit Kaiser Wilhelm sei bcr Zar von bem eblen (gxoßh. Polizeiamt veranlaßte Sektion durch den Kreis- Plane ber alsbaldigen Veröffentlichung des Manifestes wieder veterinärarzt ergab derart Verdacht auf Tollwut, daß abgekommen. Zwei Fliegen schlug man so mit einerKcr Agpf des Tieres zur weiteren Feststellung an bre Wut- Klappe, man hielt den Entwurf zurück und machte gleich- schutzabteilung des kaiserl. Instituts für Infektionskrankheiten zeitig Stimmung gegen bic beutsche Politik. Die Berlin cingeschickt werben mußte. Nach einer im amt- Besorgnis hat sich jedenfalls als begründet erwiesen, baß die n^cii Teile enthaltenen Bekanntmachinig. des Großh. Reaktionäre bestrebt sein würben, ans ber Entreoue Kapital Polizeiamts ergeht deshalb die zu schlagen und einen Teil der Verantwortung für ib>v|bem Verkehr mit Hunden Vorgehen auf Wilhem II. abzuwälzen. mögliche Vorsicht walten zu Der Kuriosität halber mag erwähnt sein, baß zu den | Tiere verdächtige Erscheinungen für die Oeffeutlichkeit noch ungeborenen Vcrfaffuugsprojckten ein neues hinzugekommen ist, das die politische Großfürstenpartei vertritt: ein Parlament zur Hälfte aus Vertretern bestehend, die durch Klass en wähl unb Wahl - männer geliefert werden; die andere Hälfte ernannt vom Kaiser, die Beratungen unter Ausschluß der Oeffeutlichkeit, beim Kaiser das Recht die Beschlüsse dieser Körperschaft zu verwerfen. Der Plan, für_ den in suchungen, und alle Augenblicke müssen sich die Schüler entkleiden, damit fest gestellt werden kann, ob sie am Hals die kleinen Kreuze, die Zeichen der Zugehörigkeit zur Orthodoxie tragen. Der genannte Unterbirektor ist zu- gleicher Zeit auch Geschichtslehrer. Vor allen Dingen kommt eS ihm darauf an, daß die Schüler die Namen der Bonnen unb ber Ammen des Zaren kennen. Es ist ihnen u. a. verboten, von ben Reformen Peters des Großen zu sprechen, der als ein großer Trunkenbold hingestellt wird; jeder Nicht-1 russe, bcr in der russischen Geschichte irgend eine Rolle ge-1 spielt hat, wird als Kanaille und als Trunkenbold hingestellt; in jeder Stunde müssen die Schüler die Behauptung wieder- holen, daß die Engländer unb bic Japaner die Russen mit einer Summe von ausgerechnet 18 Millionen bestochen haben, um Unruhen hervorzurufen u. a. m. Das ist eine kleine Dlütenlesc, bie ein ung^hrcS BAd von bcr russischen Päbagvgil vermittelt, denn ähnlick>c Untcrrichtsmcthoben wie in Mschninowgorod befolgt man wohl auch an anberen Orten. Der bosyafre Viktor Hehn xr^ählt in feinen Tagebuchblättern vv" einem Kurator herum unb fiel babei so unglücklich in einen Hollnuber- busch, baß ihn ein spießförmiges Holz am Unterleib arg verletzte. Tas abgebrochene Holz konnte erst burch ben aus dem benachbarten Mlenborf berbcigcnifenen Arzt aus bcr Wunbe entfernt werben. Nackjbem ein Verband angelegt war, imirbe bcr Knabe in bie Klinik nach Gießen gebracht. Hcrbornscelbach, 30. Juli. Schon im vorigen Jahre hatten wir in unserem Dorfe vcrschicbenc Typhus- äIIe zu verzeichnen, unb schon bamals würbe dem Wasser die Schuld gegeben, auch wurden die vier in Betracht kommenden Brunnen auf längere Zeit gesperrt, dann aber wieder freigegeben, was, wie sich jetzt zeigt, ein großer Fehler war, denn augenblicklich haben wir im Bereich dieser vier Brunnen eine Typhusepidemic, die mit jedem Tage an Ausdehnung guni '*rit. Nicht weniger als 35 Personen liegen, zum 7. schwer, an Typhus laruiodcr; in einer Familie Manu nb Frau. Die Beunruhigung in unserem Orte ist begreiflicherweise groß. Die vier Unglücksbrunnen sind selbstverständlich wieder polizei- 'ich geschlossen worden. Todesfälle sind bis jetzt glücklicherweise noch nicht zu verzeichnen gewesen. Unsere im Bau begriffene neue Wasserleitung wird uns nach ihrer Vollendung diesen bösen Gast hoffentlich für immer fern halten. (Herb. Tagebt.) Friedberg, 27. Juli. Der Jahresbericht der Handelskammer Friedblerg äußert sich über die Eisenbahnverhältnisse des Kammerbezirks u. a. wie folgt: Nach längerer Pause macht sich eine regere Bewegung für die projektierte Balm Homburg-Vilbel geltend, und die beteiligten Gemeinden sind bereit, entsprechende Opfer zu bringen. Es wird gehofft, daß diese sowohl ftir die Erschließung des südlichen Teils bes Kreises Friebberg, als auch für eine birekte Verbinbung mit bem Frankfurter Ost- bahuhof wichtige Linie balbigst erbaut werbe. Hinsichtlich bcr Bahnhofsverhältnisse in Bab-Nauheim g finb bringenbe Bebürfnissc bie Heber- hnsteige in Bab-Nauheim unb Friebberg Diebe und Schwindler vor der Gießener Strafkammer. Jahren /ich gut geführt Furcht vor Strafe erschossen.— Ter Direktor der Volks- GefanMis durchwmmen. bank DiLtmar ist in der vergangenen Nacht gestorben. A1IT VI YITTrt ft nPT ...» w . . . C C . .. Frankfurt a. jW., 1. . 99.50 <£i.SSS‘'HfoTKerzen Tat M riiim W°!H°rL T.r Direktor d°z Mrt« IMarizy tritt nach «Wiget nachm. 5 Uhr im Hotel Trapp des Herrn Prof. Dr. Drews, und die Dämonen. Zn dem Vortrag sind Gäste, auch Damen, willkommen, v7. B7, 1 TS /<- Preis-Abschlag Pfg. 209.50 242.75 145.62 251.25 222.20 Oest. Kredit . Deutsche Bank Darmstädter Bank Bochumer Gus; . Harpener Bergbau 4% Oesterr. Goldrento . . 4‘/g % Oesterr. Silberrento . 4% Ungar. Goldrpnto . , 4^/e Italien. Rente . . , 4% Portugieser I . . . 3°/p Portugiesen. IH . , 1% Unif. Türken . . . Türkenlose...... 4% Griech. Monopol.-Anl. Freitag, den 4. August, zu Friedberg abgehalten. Um ß1/. Uhr: Vortrag Gießen, über: Das Abendmahl Reicheanleibe do. Konsole . do. . . Hessen Oberhessen Dienstzeit in den Ruhestand. Sein Nachfolger wird der Tirektor des Postamts III Bern ins. — ©er Musketier Bülow hat sich nach Ucberschreitung seines Urlaubs ans besitzen zu Bad-Nauheim als Kutscher tätig. Er entwendete seinem Dienstherrn eine Anzahl Wäschestücke, die er zu Friedberg an einen Trödler al^usetzen versuchte, wobei er von der Polizei Wx-. verreist Vertreter: ör, Geyer, Seltersweg 64. Sprechstunden: Vormittags von 87. bis 10 Ubr. 4MS Nachmittags von 27, bis 4 Uhr. In Feldburg sind der Dteinhauer Rücker und der Lehrling Wenzel infolge Ausströmcns von Benzingcrsen portofrei an uns gelangen. Zuschlagsfrist 14 Tage. Gießen, am 31. Juli 1905. Großherzogliches Hochbauamt. Becker. . 101.75 . 101.40 . 97.60 . .106.20 . 67.45 . 66.95 . 89.20 . 135.00 . 55.50 3V8% 37p 37,°/° 37«% 3°/0 Mexikaner 4%% Chinesen . Electric. Pchuckert Nordd. Lloyd . . Kreditaktien . . Diskonto-Kommandit Darmstädter Bank Dresdener Bank , Berliner Handelsges Oesterr. Staatsbahn Lombarden . . Gotthardbahn . . Laurahütte . . Bochum . . . Harpener . . . 47,% äussere Argentiner . —.— [Staatschatzscheine Tendenz: schwächer. . 101.35 . 90.25 . 101.35 . 90.25 . 100.70 HWe Vereinigung für Volkskunde. Die ordentliche Mitglieder -Versammlung wird . 97.65 . 139 80 . 132.00 . 209.70 . 193.10 . 145.50 . 159.90 . 171 20 . 144.40 . 18.20 Hriginatpralilmesdungen. nnk. Mainz, 2. Aug. (Drahtbericht des Gieß. Anz. Berliner Börse vom 1. August 1905. (Mitaeteilr von der Bank für Sandel und Industrie, Gießen.) Privat-Tiskont 27« Prozent. ___ Anfangs- u. Schlußkurse. . 261.50 . 251.80 . 221 20 . 100.70 Kunst und Wissenschaft. — Vom 8. Deutschen Stenographen tag Gabels« berger zu Braunschweig wird uns heute gemeldet: Zum Vorständen wurde einstimmig gewählt: Oberlehrer Pfaffe D a r m st a d t, zu Stellvertretern des Bundesvorsitzenden: Real- schnldirektor Dr. P i tz - A l s f c l d , Gvmnasialdircktor T"-. Fran 7 Prag Pros. Tr. Mcdem-Danzig, Direllor Tr. Gastcr-Antwerven. Ter' nächste Stenographcntag wird 1910 in Stuttgart statt- Tinb'-n, ir ________ ________ Arbeiterbewegung. Homburg v. d. Höhe, 1. Aug. An den kaiserlichen Bauten zur Wiederherstellung der Saalburg bei Homburg vor der Höhe haben die M aurer wegen Lohndifferenzen die Arbeit niedergelegt. , Gera, 1. Aug. Die ansgesperrtcn Arbeiter der Färbereien suchten beim Stadtrat nach, daß ihnen die Erlaubnis zu einer öffentlichen Versammlung erteilt wird. Ter Stadtrat konnte über das Gesuch noch nicht schlüssig werden. — Der Sächsisch-Thüringische Webe rciverband hat wegen der eventuellen Kündigung aller Weber eine ®enera^üer^amm- fniia für auber-umt Oktsgewcrbeverem. Haupiverfamuilung Donnerstag, 3. August, abends 9 Uhr, Restaurant Feidel. Tagesordnung: 1. Rechenschaftsbericht. 2. Rechnungsablage und Entlastung. 3. Vorstandswahl. 4. Wahl der Beisitzer für Gesellenprüfungen. 5. Berichterstattungen über Sterbekaffs und Genoffenschaftskaffe. 6. Verschiedenes. Zu recht zahlreicher Beteiligung wird ergebenst eingeladen. vVs Der Borstand. Verkauf ckes Bauchhes au der Licherßratze. Die Stadt Gießen läßt Montag, den 14. August 1905, nachmittags 3 Nhr ans dem Grotzherzoglichen Ortsgericht den zwischen den Hofraiten Licherstraße 21 und Wolfflraßc 20 gelegenen Bauplatz Flur III, Nr. 281 1/10=585 qm, zwischen bem Wäldchen und dem Schießhaus, öffentlich meistbietend versteigern. Gießen, den 1. August 1905. B U Großherzvglu^ "^nnisterci Gießen. Mecum. Familien-Uachrichten. G e st o r ben: Herr Louis Sommer in Friedberg. Pfd. 23 22 25 26 Bekanntmachung. Betr.: Hundesperre. Da Gefahr vorhanden ist, daß die z. Z. herrschende Hundetollwutseuche eine größere Ausdehnung annimmt, ergeht hiermit die dringende Aufforderung, beim Verkehr mit Hunden und Katzen, da wahrscheinlich auch eine Verschleppung der Tollwut durch letztere siattgehabt hat, größte Vorsicht walten zu lassen. Alle verdächtigen Erkrankungen sind uns alsbald mftzu- teilen, damit veterinärpolizciliche Beobachtung des betr. Tieres eintritt. Ebenso ersuchen wir um Benachrichtigung, sobald herum- ^reifende Hunde wahrgenommen werden. Gießen, den 1. August 1905. _ _ Großh. Polizeiamt Gießen. Herberg. Rheinisches Kaufhaus Bahnhotstr. 26. Giessen Bahnhofstr. 26. Zwanzig Pfennige qesvart und für 10 Mark Wäsche ruiniert, das ist das Resultat des Einkaufs eines billigen Waschpulvers, welches oft Soda, wenn nicht noch schärfere Stoffe wie Chlor u. s. w. enthält. Die Sparsamkeit liegt im Erhalten der Wäsche und dies kann mir durch Anwendung eines wirklich guten Seifenpulvers geschehen, wie Gioth's gemahlene Kernseife mit Salmiak und Terpentin, für deren Güte der Fabrikant I. Gioth, Hanau, garantiert. Preis per Paket Id Pfg. Hauptniederlagen bei Gebr. Adami, Mäusburg; Gg. Adami Wwe., Frankiurterstr.; Hch..Arnold II., Marktstr.; Phil. Dans, Dammstr., A. «elfte, Selters- weg 2; Gebr. Haustein, Nordanlage; Will). Hofmann, Steinstr. 23. hv /- gehindert wurde. Da er in den letzten 6 hat, ließ ihn das Gericht mit 9 iWtonfltcn < — Dem KohlcnhäMer Eduard K. dahier ging auf Antrag der hiesigen Oberförsterei wegen unberechtigten Fischens ein Strafbefehl zu, gegen den er Widerspruch erhob. Das Schöffengericht kam zur Freisprechung, da es ihm an direkten Beweisen fehlte. Das Urteil wurde von der Staatsanwaltschaft angefochten und nach sehr umfangreicher Beweisaufnahme kam das Gericht zur Aussetzung der Entscheidung. Arbeitsnachweis der Stadt Gießen Garteustratze 2 (Bürgermeistereigebäude) Zimmer Nr. 14. Der Arbeitsnachweis hat die Aufgabe, zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern (Urbeitern jeglicher Art, Dienstboten und Lehrlinge») unentgeltlich Arbeit zu oermitreln. An den Werktagen von 8 bis 1 Uhr und von ö bis 8 Uhr geöffnet. Es können eingestellt werden: 3 landwirtsch. Knechte oder Arbeiter, 1 Kunstschlosser, 3 Spengler, 1 Schmied, 1 Wagner, 1 Strickerin, Schreiner, 1 jüngerer sturer, 2 Weckträgerinnen, 1 Friseur, Erdarbeiter, 1 Installateur, jüngere Arbeiter oder Arbeilerinnen, 2 junge Hausburschen, 1 Fuhrknecht, 1 Köchin, Dienstmädchen, Lauffrauen oder Laufmädchen. Lehrlinge: 1 Wagner, 2 Bäcker, 1 Friseur, 1 Schuhmacher. ES suchen Arbeit: ~ , ^7« 1 Maschinenschlosser, 1 Maschinist oder Heizer, 1 Schneider, 2 Wäscherinnen, 1 Installateur, Haus' ober Bureaudiener, Kassierer. (n.) Gießen, 1. Aug. Die Strafkammer verurteilte heute den Taglöhner Daniel G. aus Ernsthausen wegen Dieb- stahls im Rückfall zu 2 Jahren Zucksthaus und 10 Jahren Ehrverlust und stellte ihn unter Pvlfteianfficht G. war int verflossenen Herbst bei einem hiesigen Oekonom beschädigt. Er verschwand kurz nach seinem Eintritt eines Abends unter Mit- nähme der einem Knecht gehörenden Kleider, die er zum Teil , anzog Seine alten Kleider versteckte er unter einem Holzstoß. Als et zur Verantwortung gezogen wurde, gab er an, er sei plötzlich von seinen Eltern abberusen worden, und da er keine geeignete Garderobe gehabt hätte, habe er mit Erlaubnis des , Eigentümers die in der Gesindestube liegenden Kleider angezogen. Diese Angaben erwiesen sich aber als unwahr und das Gericht versagte ihm angesichts der vielen Vorstrafen mildernde Umstände — Der Hausbursche Oskar D. aus Zwickau hat zu Frank- ffirt a. M. im evangelischen Jünglingsvereinshaus eine S a m - Ni e l bü ch se erbrochen und den Inhalt mit etwa 10 Mark ein sich genommen. Bei dieser Gelegenheit nahm er aus der Dienerstube auch verschiedene Kleidungsstücke mit. Er gesellte sich nun zu dem Schlosser Albert O. aus Frankfurt und machte mit ihm einen Streifzug nach Rieder-Eschbach. Sie stiegen nachts durch ein Kellersenster in das Haus des Gastwirts Kester ein und erbrachen, nachdem sie sich int Keller gesättigt hatten, die zum Wirtszimmer führende Tür, in dem ein Hund sich befand, der anschlug. Die Einbrecher ergriffen alsbald die Flucht, denn der Wirt hörte bei seinem Erscheinen nur noch Fußtritte. Sie begaben sich nun zu dem Wirt Ling, wo sie durch ein unverschlossenes Fenster einstiegen und alles nach Geld ^durchsuchten, aber vergeblich, da der Wirt die Kasse mit in sein Schlafzimmer genommen hatte. Sie mußten sich mit einigen Kistchen Zigarren und Zigaretten begnügen, die aber ihre Verräter wurden Auf dem Rückwege wurde aus Vergnügen auf dem Felde auf eine Warnungstafel geschossen, und als sie ein Feldschütz zur Bestrafung notieren wollte, gab D. einen falschen Namen an, worauf beide auf die Wache gebracht wurden. Hier fand man die Zigarren und Zigaretten bei ihnen vor, die zur Entdeckung des Diebstahls führten. Der bereits mehrfach vorbestrafte D. als Rädelsführer wurde zu 3 Jahren 3 Monaten Gefängnis und 2 Wochen Haft verurteilt. Sein noch unbestrafter, jugendlicher und von ihm verführter Genosse O. kam mit 1 Jahr 3 Mon. Gefängnis durch. — Wegen Dicbstahls int Rückfall wurde der Schweizer Theodor R. aus Eichelhain zu 3 Jahren 6 Monaten Zuchthaus, zehn Jahren Ehrverlust und Stellung unter Polizeiaufsicht verurteilt. Der schon vielfach und mit hohen Zuchthausstrafen vorbestrafte Angeklagte wurde schuldig besimden, daß er einem Kümeraden in der Mittagspause einen Geldbetrag von etwa 200 Mark und Uhr nebst Me im Werte von 40 Mark entwendet hat. Dieser hatte hen Geldbettag zusammengespart, um eine Reise in seine Heimat machen zu können, die ihm durch den Diebstahl vereitelt wurde. Trotzdem R. bei der Tat nicht gesehen wurde und sich bei ihm kein Geld vorfand, hat er sich doch in einer fo verdächtigen Weise benommen, daß das Gericht keinen Zweifel an seiner Schuld hatte. Sttaferschwerend wurde berück,iwtigt, daß sich der Diebstahl gegen einen armen Kameraden richtete, der sein durch lange, saure Arbeit verdientes Geld auf diese Weise lassen ntußte. — Der 17 jährige Maurer „Wilhelm H. aus Kinzenbach kam vor einiger Zeit in ein hiesiges Geschäft und bat, angeblich im Auftrag eines Handwerksmeisters von Kinzenbach, der in dem Geschäft bekannt war, um cm Darlehn von 20 Mark. Als man ihm bedeutete, er möge den Auftrag schriftlich bringen, erschien er nach kurzer Zeit mit entern Zettel, auf dem das Ersuchen schriftlich wiederholt war. Man hatte Bedenken und schickte einen Angestellten des Geschäfts mit, der den Geldbettag persönlich aushändigen sollte. Unterwegs kneifte der Angeklagte aus und man sah, daß die Vorsicht an- gczeigt war. Später kam er zu entern hiesigen Fahrradhandler, um ein Rad zu erstehen. Er nnterschrieb den Bestellzettel mit einem falschen Namen , nachdem er sich vorher mit dem richtigen Namen vorgestellt hatte. Der Schwindel wurde gemerkt, und der Kauf kam nicht zustande. Bei einem hiesigen Gastwirt machte er eine Zeche und verschwand in einem unbewachten Augenblick ohne zu zahlen. Bei einem andern Wirt, der mit feinem Vater gut bekannt ist, erschwindelte er sich 10 Mark, indem er angab, sein Vater sei in einem Geschäft, nm etwas ein- zukaufen und benötige noch etwas Geld. Das Gericht zog die Jugend strafmindemd in Bettacht und erkannte, unter Einbeziehung einer von der Wetzlarer Strafkammer verhängten (Zfefängnissttafe von 6 Monaten, auf eine Gesamtstrafe von 10 Monaten Gefängnis. — Ter bereits melwfach bestrafte fc. Frankfurt a. M., 2. Aug. ^Orig.-Telegr. des «Gieß. Anz.") V i e h m a r k t. Zum Verkaufe standen 199 Kalber, 00 Schafe it. Hämmel, 815 Schweine. Kälber 1. Qual. 87—90 Pf,. Lebendgewicht 52-54 Pfg., 2. Qual. 80-84 Pfg., Lebendgewicht 49-51 Pfg., Schlachtgewicht 62—66 Pfg. Schafe 1. Qualität Schlachtgewicht 00—00 * Pfg., 2. Qualität 00-00 Pfg. Schweine 1. Qualität 69-00 Pfg., Lebendgewicht 54.00 Pfg., 2. Qual. 68-00 Pfg., Lebendgewicht 53-00 Vfg., 3. Qualität 62-64 Psa Lebendgewicht 00-00 Pfg. Geschäft gut, fern Ueberstand. fc. Frankfurt a. M., 1. Aug. v e u- u n d St r o h- mar k t. Man notierte: Heu, altes Mk. 3.10 bis Mk. 3w0, neues Mk. 3 10 bis Mk. 3.50. Stroh Mk. 2.50 bis 2.60. Alles uer 50 Kilo. Keilbein: feil. . . 209.50 . . 243.10 . . 145.60 . . 250.00 . 221.50 Tendenz: ruhig. Märkte. Verdingung. Die zur Ausführung der für die Feldbereinigung in der Ge- inarkung Hungen vorgesehenen Drainagen ersorderlichen Dram- röhren und Verbiuduugsstücke, Gesamtlänge 73 700 m, sollen im Wege schristl. Angebotes vergeben werden. Tie Verdutgungsuntcr' lagen liegen bei der iinterzeichneten Behörde zur Einsicht auf, ivoselbst auch die Angebotsvordrucke und Bedingungen gegen Erstattung von 1.00 Mk. erhältlich. Die Angebote sind verschlossen, postfrei und nut entiprechcnder Aufschrift versehen, bis Samstag, deu 12. August, vorm. 11 Uhr, bei der unterzeichneten Behörde einzureichen. Eröffnung der Angebote in Gegenwart etwa erschienener Bieter. Zufchlagsftist 3 Wocheii. Gießen, den 28. Juli 1905. Großherzogliche Kulturinfpektion Gießen W ißmaiin. August Offizielle Schlusskurse. . 68.80 | Vergebung von Bauarbeiten. Die zum Umbau der alten Universitätsbibliothek nötigen Schreiner-, Schlosser- und Weißbinderarbeiten werden hierdurch unter Hinweis auf den Ministerialerlaß vom 16. Juni 1893 zur Vergebung ausgeschrieben. Die Ausführungsbedingungen und Arbeitsbeschreibungen liegen in unserem Amtslokal zur Einsicht offen und können daselbst zum Selbstkostenpreis erhoben werden. Die Angebote müssen bis zum Eröffnungstermin am 9. August 1905, vormittags 11 Uhr, mit entsprechender Aufschrift versehen, geft'orbeii. Berlin, 2. August. Zum Rektor der Universität wurde Geh. Negierungsrat Professor Dr. Hermann Diels gewählt. Berlin, 2. Aug. Der „N. Pol. Korresp." zufolge 'teht die Veröffentlichung der Berggesetznovelle unmittelbar bevor. Kiel, 2. Aug. Prinz Heinrich begibt sich heute int Automobil nach München zur Teilnahme an der Herkomer-K on ferenz (ein Rennen, bei dem der Sieger von dem berühmten Maler Herkomer porträtiert wird. D. Red.) Von dort besucht er seine Familie in Jgls in Tirol. Breslau, 2. Aug. In vierzehn Fabriken erfolgte die Aussperrung der Metall-, Eisen- und Revolver- dreber. Die Aussperrung sämtlicher Metallarbeiter und die Schließung der Betriebswerkstätten soll am 9. August erfolgen, wenn diese Maßnahme ohne Erfolg bleibt. München-Gladbach, 2. Aug. Die Stadtverord» neten in Rheydt haben das Projekt der Vereinigung von München-Gladbach, Rheydt und Odenkirchen zu einer Großstadt mit 17 gegen 7 Stimmen abgelehnt. Detmold, 2. Aug. Staatsminister Gevekot reichte die Beleidigungsklage gegen den Landtags-Vizepräsidenten Hoffniann bei der Staatsanwaltschaft ein. München, 2. Aug. Eine Freidenker-Versammlung mit dem Thema „Die Monarchie" wurde polizeilich aufgelöst. Scheveningen, 2. Aug. Hier hatte sich eine junge Dame aus Berlin trotz wiederholter Warnung des Bade- ausschers zu weit in die See gewagt und ertrank. Der Badeaufseher, der der Dame zu Hilfe kommen wollte, ertrank gleichfalls. Petersburg, 2. Aug. In Lublin wurde der Kreis- richt er nebst einer Dame, die in seiner Gesellschaft war, auf der Straße durch sechs Schüsse getötet. Der Mörder entfloh. — In Rostow am Don zerstreuten Kosaken Strei- lende, die durch die Straßen zogen und rote Fahnen trugen. Dabei wurden verschiedene Personen getötet. Tokio, 2. Aug. Die Ges amt Verluste der japani- schen Marine während des Krieges betragen nach einer genauen Feststellung an Toten 2008 und an Verwun- beten 1 665. SCurslbeFscht- Gießener landwirtschaftlicher Wetterdienst. Voraussichtliche Witterung tu Hessen für Donnerstag den 3. August 1905: Vorübergehend aufheiternd und wärmer, neuerdings Trübung, Gewitterregen und Abkühlung. _____________Näheres durch die Gienener Wetterkarte. Krieflmsten der Redaktion. l-tnontzme Anfragen bleiben nnberücksichtigt.) M. B., Gieße«. Bei Streitobjekten im Werte von unter 100 Mk. ist eine Berufung gegen ein Urteil des Gewerbegerichtes überhaupt nicht möglich; bei über 100 Mk. ist das Landgericht zuständig. 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