Dienstag 15. August 1905 Erstes Blatt 88*/, S 155> Jahrgang iHyrung eines dauernden Friedcnszustandes im fernen Osten. Fre- deric Passt). Emile Arnaud." SLolsteaKe ’• Adresse für Depeschen: «nzetger Gtetzeu. FerusvrkchanschlußNr 51. Kolonialpost. Paris, 12. Aug. Kolonialmmister Elemente! empfing gestern Dunkelmann, den Führer der deutschen Mission zur Festsetzung der Grenze zwischen dem französischen Kongogebiete und Deutsch- Kamerun. Nach einer Besprechung zwischen dem Minister einerseits und Dunkelmann und den Mitgliedern der deutschen Mission andererseits vereinigten sich beide Missionen, um gewisse Punkte, die Vorbereitung der Mission betreffend, festzusetzen. In Anbetracht der Wichtigkeit der zu erfüllenden Ausgabe und der voraussichtlichen Dauer der vorzunehmenden Arbeiten ist es wahrscheinlich, daß eine zweite Mission gebildet werden wird, die kurze Zeit nach der ersten die Ausreise antreten wird. Nv. 190 efiAtiet teeite außer Sonntag». Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem vesßsche« Landwirt die Gtehener Kamillen« -lütter viermal in der Woche beigelegt. NotationSdruck u. Der- l»g der Brühl 'schen Nntvett.-Buch-n. Stein« druckerri. 9L Sang«. M esundeu. magen- mkranke id er. bieU>3 “■ >.?tz Sietzener Anzeiger w General-Anzeiger Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen Ausland. London, 14. Aug. König Eduard ist heute votx mittag 10.30 Uhr nach Marienbad abgereist. (Er fährt nicht über Frankfurt a. M., sondern über Aschaffenburg.) — Die französische Flotte begann heute früh mit der Ausfahrt aus dem Hafen von Portsmouths Eine große Menschenmenge war am Ufer versammelt, die di^ Schiffe beim Verlassen des Hafens mit Hochrufen begrüßte. Haag, 14. Aug. (W. B.) Das neue Kabinett ist! nun wie folgt gebildet: Aeußeres: Dr. van TetS van Gou-i drian, bisher Gesandter in Berlin; Justiz: Deputierte« van Raalte; Inneres: Deputierter Rink; Marine: KapitSn- leutnant Cohen Stuart; Finanzen: de Meester, bisherige« Vizepräsident des Rates von Niederländisch-Jndien; Krieg; General Staat, bisher Abteilungschef im Generalstab; öffentliche Arbeiten, Industrie und Handel: KrauS, Direktor bet techn. Hochschule; Ackerbau: der frühere Deputierte VeegenS; Kolonien: der Deputierte Fock. Präsident deS MinisterratS ist bis auf weiteres der Finanzminister de Meester. Madrid, 14. Aug. In Sevilla und Ossunaj plündern zahlreiche Trupps von Arbeitern nachts die Güte« und Dörfer der Umgegend und stehlen Vieh. Mehr als 3000 Arbeiter griffen, durch Hungersnot getrieben, Güter und Höfe an und durchziehen, Freiheit verlangend, die Dörfer, Die Lage wird als sehr ernst aufgefaßt, da die Gendarmerie, nicht im Stande ist, die Plünderungen und Unordnungen zu verhindern. Petersburg, 14. Aug. Der Zar hat daS 93e* gnädig ungSgesuch der Mutter des Arbeiters W a s s i l j e der den Oberleutnant Kawolin ermordet hatte und dafür zuml Tode durch den Strang verurteilt wurde, abgelehnt. DaS Urteil ist bereits gestern in der Peter Paul-Festung vollzogen worden. Rewyork, 14. Aug. Präsident Roosevelt erhielt unmittelbar bevor er seine Reise nach WilkeSbarre antrat,, einen Drohbrief, man werde seinen Zug mit Dynamit in. die Lust sprengen. Mit Rücksicht hierauf wurde die für die Nachtruhe des Präsidenten in Aussicht genommene Station heimlich geändert und auch sonst die größte Vorsicht in allen Neisedispositionen beobachtet. ^'NermoA"^del.' *a9 den 19 y^ilag oubadour.« !>Iha." Montag 'en.' den . 17. Siu * den s-prv '-S'S um 7 Uhr Wir haben heute folgende Meldung zu verzeichnen: Christiania, 14. Aug. Bis 1 Uhr nachmittags waren die Ergebnisse aus 4 01 Wahlkreisen bekannt. 321197 Stimmen wurden für, 161 Stimmen gegen die Auflösung! der Union abgegeben. — Das Storthing wurde zum 21. August nachmittags einbernfen. ।| Deutsches Reich. Wilhelmshöhe, 14. Aug. Der Kaiser und die Kaiserin, sowie die Prinzessin-Tochter unternahmen gestern nachmittag einen Ausflug zu Wagen nach dem Forsthause Deernberg und heute morgen einen gemeinsamen Spazierritt. Später begaben sich beide Majestäten per Automobil nach Kassel, besuchten Professor Knack fuß und di« Gemäldegalerie. Nach der Rückkehr auf Schloß Wilhelms- Höhe konferierte der Kaiser mit Geheimrat Althoff, dem Präsidenten Butler und dem Dekan Professor Burgeß, beide- von der Columbia-Universität. Diese drei Herren waren auch zur Frühstückstafel geladen. Berlin, 14. Aug. Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt; Dem Gouverneur von Samoa, Dr. Solf, wurde in der Presse eine ungerechte und harte Behandlung deS, rüheren Gouvernementsbeamten Eckenweber und seiner Familie vorgeworfen. Auf die erhobenen Beschuldigungen kann im einzelnen erst Auskunft erteilt werden, wenn de« eingeforderte Bericht des Gouverneurs von Samoa eingetroffen ist. Auf Grund des Materials, das cm amtliche« Stelle hier vorliegt, ist indessen schon jetzt festzustellen,, daß Eckenweber wegen verschiedener schwerer Vergehen gegen die Disziplin von dem Gouverneur entlassen wurde, sowie, daß der Gouverneur bereits anfangs April Eckens Weber schriftlich angeboten hat, dessen Frau im Regierung^- Hospital kostenlos ärztlich behandeln und verpflegen zu! lassen, daß dies Anerbieten jedoch von Eckenweber wiederholt abgelehnt wurde. Hierauf ist es wohl zurückzuführen, daß seine Frau drei Tage vor ihrem am 1. Juni erfolgten Tode in das Hospital aufgenommen wurde. Karlsruhe, 14. Aug. Wie der „Straßburger Post", von maßgebender Seite mitgeteilt wird, beabsichtigt de« Gr oßHerzog von Baden, einer Einladung desj Kaisers folgend, an der Kaiserparade bei Hornj-i bürg teilzunehmen und sein Regiment selbst dem Kaiser! vorzuführen. Auch der Erbgroßherzog hat seine Beteiligung zugesagt. ist ausgeschlossen bei täglichem Gebrauch Seife. bV- Aer Krieg zwischen Rußland und Japan. Petersburg, 14. Aug. (W. B.) Line witsch telegraphiert unterm 13. August: Die Japaner, die am 11. August die Offensive gegen das Desilee von Jandylin aufnahmen, wurden am Abend zurückgeworfen, ohne daß sie das Defilee erreicht hatten. Gestern früh bemerkten wir ein erneutes Vorgehen der Japaner längs der Mandarinenstraße, westlich derselben und auch westlich der Eisenbahn. Die Japaner, welche in ersteren beiden Richtunaen vorgingen, erreichten das Defilee am südlichen Rande des Tales Schikhooga, wurden aber um 11 Uhr vormittags zurückgeschlagen. Diejenigen, die westlich der Bahn vordrangen, waren schon gegen 10 Uhr vormittags zurückge- trieben worden und hatten sich, von Kosaken verfolgt, auf ihre Stellungen zurückgezogen. Petersburg, 14. August. Eine dritte Luftschifferabteilung ist gestern nach Wladiwostok abgegangen. Russische Vaterlandsverteidiger. In dem zu Batavia erscheinenden „Bat. Nieuwsblad" findet man einige Lluslassungen des dänischen Kommandanten Jngermann, dessen Schiff, die „Prinzessin Marie", auf dem Wege von Antwerpen nach Yokohama von dem russischen Hilfskreuzer „Te- r e t" in den Grund gebohrt wurde. Die „Terek" wurde in Batavia entwaffnet, und ihre Besatzung darf nur in kleinen Gruppen — jeden Tag 20 Manu — an Land gehen. Jngermann erzählt, daß sein Schiff keine Kontrebanoe an Bord gehabt habe. Dementsprechende Erklärungen des japanischen und dänischen Konsuls in Antwerpen wurden den russischen Offizieren des „Terek" gezeigt, als sie am 22. Juli das dänische Schiff durchsuchten. Bei dem Kriegsrat, den die Russen darauf hielten, schien es Jngermann, daß der Kommandant des „Terek" und einzelne der russischen Offiziere der Meinung waren, daß keine Kontrebande an Bord der „Marie" sei. Doch ein blutjunger Leutnant, ein halber Knabe noch, fiihrte das große Wort, schlug mit der Faust auf den Tisch, schüttelte sie seinem Kommandanten drohend entgegen, und endlich gab der Kommandant des „Terek" nach und befahl, die „Marie" zum Sinken zu bringen. An., folgenden Tag liessen die Russen alle Boote des „Terek" ins Wasser, ruderten mit Kapitän Jngermann zu dem dänischen Schiff zurück, und nun begann eine Vernichtungsraserei, wie sie nur Trunkenbolden eigen ist. Während die dänische Besatzung ihre Kleidungsstücke und andere Habseligkeiten an Deck brachte, durchzogen die Russen das Schiff von oben bis unten, zerschnitten die Teppiche im Eßrau m, schlugen alles kurz und klein, und kamen schließlich in den Besitz des Bieres, das einen Teil der Ladung ausmachte. Vor den Augen ihrer Offiziere erbrachen die russischen Seeleute die Kisten, schlugen den Flaschen die Hälse ab, und es dauerte nicht lange, bis ein Teil der Russen sinnlos betrunken niederfiel. Die anderen, die noch nicht dieses Maß der Trunkenheit erreicht hatten, brachten den gesamten Schiffsproviant der „SDtarie" an Bord des „Terek". Nun wurden zwei Minen, davon die eine im Maschinenraum, an das dänische Schiff gelegt, und diese mit der elektrischen Batterie auf einer Schaluppe verbunden. Als alle das Schiff verlassen hatten, drückte einer der Offiziere aus den Knopf der Batterie. Die „Marie" zitterte ein wenig, doch nichts anderes war von außen an dem Schiff zu bemerken. Kurz darauf begann es langsam zu finten. Die Behandlung, die Kommandant Jngermann und seine Mannschaft an Bord des „Xeref" erhielt, war gut. Mas ihn jedoch verblüffte, war die vollkommene Unordnung und Ungebundenheit, die dort herrschte. Fast stets lagen betrunkene Russen auf dem Deck umher. Manchma' geschah es, daß die ganze Besatzung, mit Ausnahme der Wachen, in d i e s e n Zu st an d geriet. Schlägereien waren an der Tagesordnung, und selbst Offiziere hielten sich dabei nicht zurück. Jngermann erzählte noch, daß er bei seiner letzten Heimreise mit der „Marie" 800 kranke und verwundete russische Soldaten aus Menschenfreund li cbkeit an Bord genommen batte. Das Ergebnis der Bottsabstimmung in Norwegen, welche am Sonntag über die Trennung von Schweden stattfand, ist zwar noch nicht in seiner Vollständigkeit bekannt, doch liegen von den verschiedensten Punkten derartig typische Resultate vor, daß der Gesamtausgang nicht zweifelhaft sein kann: allgemeine Annahme der Trennung gegen eine ganz verschwindende Anzahl von Nein. Diese Abstimmung, die von Schweden veranlaßt worden ist, zeitigte im Volke ganz offenbar eine noch viel größere Sinneseinheit, als bis dah-in vorhanden war, und der Abstimmungstag wurde zu einem nationalen Feiertag. Man muß wohl einsehen, daß die beiden Nationen nach reinlicher Scheidung eher friedlich und fteundschaftlich mit- und nebeneinander werden wohnen können, als wenn der einen stets der Stachel des Gefühls einer bevormundeten, unselbständigen Nation im Herzen steckt. Was die weiteren schwedischen Bedingungen über die Volksabstimmung hinaus angeht, so herrscht in angesehenen politischen Kreisen Norwegens die Ansicht vor, daß auch in diesen weiteren Punkten entgegenkommend zu antworten und die Hauptpunkte prinzipiell anznnehmen, die Details aber Schiedsgerichten zu überlassen seien. Insbesondere soll die Frage wegen der Schleifung der Grenzfestungen dem Urteile auswärtiger Generale unterworfen werden, die feststellen müßten, welche Werke als offensiv anzusehen seien. Auf diese Weise hofft man alle Detailftagen auf Nebengleise zu schieben und das Hauptgleise für eine rasche Erledigung der Umons- mte Iriederlsuntersiandtungen. Portsmouth (New-Hampshire), 14. Aug. (Reuter.) In der S am s t a gs sitzun g der Friedenskonferenz erklärte Witte bei der Verhandlung über Korea, Japans wahre Absicht sei es, aus Korea eine japanische Provinz zu machen. Rußland habe gegen die Besitzergreifung Koreas durch die Japaner nichts einzuwenden, aber Japan solle seine Absichten in vollem Umfange zugestehen, damit die Welt über die Lage im Klaren sei. Japans Absicht laufe den Interessen Europas und Amerikas zuwider; wenn jedoch Japan diesen Interessen Rechnung trage, werde Rußland keinen Einspruch erheben. Komura widersprach den Aeußerungen Wittes in bestimmter, aber freundlichster Weise und erklärte, Japan suche in Korea nur kommerzielle und industrielle Vorteile, wozu es berechtigt sei, und es bestrebe sich, dieses Land vor der Anarchie in der Verwaltung zu schützen. Die Stimmung ist jetzt allgemein etwas hoff- fru ngsvoller. Den Hauptgrund hiervon bildet die Vermutung, daß Japan entweder Bereit ist, in den Fragen betreffend die Kriegsentschädigung und die Abtretung Sachalins nachzugeben, oder glaubt, daß ein Weg gefimden werde, die Einwendungen Rußlands zu widerlegen, sobald es zur enbgiltigcn Entscheidung kommt. Wie aus guter Quelle verlautet werden von außen her bei beiden Parteien starke Einflüsse geltend gemacht. Für den Augenblick ist das Bestreben darauf gerichtet, Zeit zu gewinnen. N e w y o r k, 14. Aug. Wenngleich gestern keine Sitzung oer Jriedenskommisfion stattfand, wechseltenWitte und Komura Noten, die der „Tribüne" zufolge darin resultierten, daß der erste Artikel betreffs Koreas erledigt wurde, sodaß heute nur die Redaktion des betreffenden Artikels vorzunehmen ist. Allgemein werden die Jriedens- aussichten als günstig betrachtet, namentlich da heute große Finaneiers wie Jakob Schiff und Vertreter von Seligmann u. Co. nach Portsmouth kommen sollen, woraus geschlossen wird, daß sie mit Witte und Rosen betreffs Aufbringung der Mittel für die Kriegsentschädigung konferieren werden. Die Sonntagssitzung fiel aus, weil beide Teile bestrebt sind, die öffentliche Meinung Amerikas für sich zu gewinnen. Witte hatte früh morgens erklärt, als Christ müsse er in die Kirche gehen, worauf Komura erklärte, es seien Christen gewesen, welche die Sonn- tagssitzung vorgeschlagen hätten, indessen habe Japan keine Eile, deswegen könne die Sitzung ausfallen. Witte nebst seinem Stabe wohnte dem Gottesdienste in der protestan- tisch-bischöflich en Kirche bei, m welcher sich acht Männer und hunoert Frauen eingefunden batten. Von den Japanern ging Takasira mit Takessita abenos zur selben Kirche. Portsmouth (New-Hampshire), 13. Aug. Heute fand keine Sitzung des Friedenskongresses statt. Die nächste Sitzung ist morgen O1/» Uhr vormittags. Der Kongreß besprach gestern, ohne jedoch Beschluß zu fassen, die Bestimmung, nach der der überwiegende Einfluß Japans in Korea von Rußland anerkannt werden soll. Die „Morning Post" veröffentlicht folgende Depesche aus Portsmouth: In einer Unterredung gab Minister Witte drei Gründe an, welche nach seiner Meinung die Sympathie Amerika, 3 für Japan erklären. Erstens veranlaßte Japan Amerika zu glauben, daß es ebensosehr für Amerika als für sich selbst kämpfe. Der zweite Grund sei, daß Rußland es unterlassen habe, seine Angelegenheit vor das Forum der ganzen Welt zu bringen. Der. dritte sei die russische Judenfrage, welche die Juden in Amerika sich zu nutze machten, um die Sympathie der Amerikaner für Rußland zu zerstören. Minister Witte fügte hinzu, in der amerikanischen Presse werde in nächster Zeit eine Reihe Artikel veröffentlicht, die im Laufe von wenigen Tagen die amerikanische Oeffentlichkeit über die g ^ze Frage aufklären sollten. Er werde mit hervorragendu Vertretern der jüdischen Rasse zusammentreffen, um den Gegenstand mit ihnen zu besprechen. Aus die Frage, ob es möglich sei, zwischen England und Rußland eine Verständigung herbeizuführen, erwiderte Witte: „Ja, das gegenseitige Vorurteil kann beseitigt werden, wenn beide Länder willens sind, einzusehen, daß sie beide Rechte haben, die Anspruch darauf haben, geachtet zu werden." Auf die Frage: Kann Rußland eine Verständigung mit Engiland erreichen, solange Rußland durch enge Beziehungen mit Deutschland verknüpft ist und solange Den tschland seinen Vorteil darin sieht, sowohl bei England wie bei Rußland Mißtrauen zu säen? antwortete Witte: „England und Rußland sind frei im Handeln. Es würde nicht möglich sein, daß Rußland und England eine Verständigung erzielen, die gegen eine mit Rußland befreundete Nation gerichtet ist. Wenn die Verständigung zwischen beiden Landern diesen Zweck nicht im Auge hat, so ist kein Grund vorhanden, der England verhindern könnte, Rußlands Freund zu sein, während Rußland Freund des Deutschen Reiches bleibt." begeisterte Hochrufe aus. Gießener landwirtschaftlicher Wetterdienst. Voraussichtliche Witterung in Hessen für Mittwoch, den 16. August 1905: Temperatur am Tage wenig verändert, nachts etwas wärmer, nur vereinzelt Gewitter. Näheres durch die Gießener Wetterkarte. PertnildySea. * Das Haar der Kaiserin. Manch hübsche Anekdote erzählt man sich im Fischerdorfe Närmeln auf der Frischen Nehrung vom Besuche der Kaiserin, doch dürfte das Kronstück der Sammlung folgendes Vorkommnis sein, das' der „Königsb. Hart. Ztg." von einem zuverlässigen Gcwährsmanne erzählt wird. Ein altes Mütterchen, dessen Haupthaar in seiner jugendfrischen F'arbe die Aufmerksamkeit der Kaiserin erregte, wurde von dieser nach ihrem Alter befragt. Statt der Antwort kam die drollige Gegenfrage: „Wie oalt sönnd Sei denn, Frnke?" — „47 Jahre!" antwortete die Kaiserin. „Ach. mien Lövsterte", rief da die Alte, die knochigen Hände zusammenschlagend, aus, „örscht säwenundvörtig, unn sch on st so e graue Kopp!" Es versteht sich von selbst, daß die Kaiserin diese Kritik mit liebenswürdiger Heiterkeit aufnahm. Das Haar der Kaiserin ist nämlich nahezu völlig weiß. * Kottbus, 14. Ang. Die bisherigen Feststellungen bezüglich der gegen den Stationsassistenten Stnlljos erhobenen Beschuldigung, er sei während des Dienstes betrunken gewesen, haben als zweifellos ergeben, daß er wenige Stunden vor Dienstantritt am Montag eine längere Kneiperei in Teuplitz bei Forst, wo er früher stationiert war, beendigt hatte. So soll er u. a. einen Unter- beamtcn, der auf den im Anfahren begriffenen Zug aufmerksam machte, hart angefahren und geäußert haben, daß sich der Beamte gefälligst um seine eigenen Funktionen bekümmern solle. Wie hier verlautet, hat der Untersuchungsrichter die Verhaftung de? Beamten erst angeordnet, als aus eine erhobene Beschwerde der Staatsanwalt dieserhalb einen Gerichtsbeschluß herbeigeführt hatte. — Ein gemeinsames Denkmal will die Eiscnbahnvcrwaltung den vier Eisenbahnbeamten, die bei dem Spremberger Eisenbahnunglück ihr Leben einbüßten, auf dem Friedhof in KottbuS errichten lassen. Die vier Beamten wurden dort in einem gemeinsamen Grabe beerdigt. * Stettin, 14. Aug. Auf der Oder, unterhalb Zillichow, stießen gestern abend gegen 10 Uhr die Personendampfer „Stetenitz" und „Hanni" zusammen. „Stetemtz" wurde am Backbordbug getroffen, dabei wurde ihm der Schandeckel gebrochen und mehrere Platten über der Wasserlinie cinge- bogen. „Stetenitz" lief sofort auf eine nahe Wiese auf. Dort rourbe fcstgestellt, daß er keinen wesentlichen Schaden genommen rind dicht geblieben war. Die Passagiere, en. 5 0 an der Za hl, wurden nach Steteniß gebracht. „Hanni" war voll beseht lind hatte ea. 400 Passagiere an Bord und ging zugleich nach Zillichow und setzte dort die Passagiere ab. „Stetenitz" wurde bald wieder abgeschleppt und in die Werft „Vulkan" gebracht, „Hanni" rourbe ber Vorbersteven vollständig verbogen. Auch hier liegt ber Schaben über ber Wasserlinie. Die Passagiere kanien mit dem bloßen Schrecken davon: verletzt wurde nieinand. * München, 14. Aug. Bei der Wettfahrt um den Herkommen Preis verunglückte bei Oberfahlheim ber Wagen des Geheimen Medizinalrats Professor Dr. Hoffa aus Berlin. Geheimrat Hoffa blleb gänzlich linverletzt, während ber Chauffeur einen Arm bruch erlitt. * Die Frau vor 5100 Jahren. Aus Paris wird geschrieben: Im Louvre-Museum ist jetzt die Sammlung von archäologischen Schätzen, welche de Morgan aus Asien mit- gebracht' hat, zu sehen. Darunter befindet sich eine Gesetzes- täfel des Königs Hamurabi von Chaldäa, welche 32 Jahrhunderte vor unserer Zeitrechnung hergestellt worden sein ioll. Was sie über die Stellung der Frau enthält, ist von dem Profeffor Eugene RSvillot entziffert und zeigt, daß die Frau im Hause des Gatten, der sie gekauft hat, nur eine Sklavin war. So lautet Artikel 141: „Die Frau, die im Hause eines Mannes wohnt und sich schmückt, um auszu- Zur Fleischterrerring. Berlin, 14. Aug. In Berlin hat eine Vermehrung -er vegetarischen Restaurants wegen der andauernden Fleischteuerung stattgcfunden. Stadtteile, die bisher keinen Sammelpunkt für die Freunde der Pflanzenkost besaßen, haben in den letzten Wochen vegetarische Restaurants erhalten. Auch in den größeren Vororten sollen Vegetarier- Wirtschaften geschaffen werden. Königs Hütte, 14. Aug. Mit der Fleischnot befaßte sich eine hier abgehaltene außerordentliche Generalver- fammlitng der freien Fleischer- und Wurstmacherinnung. Der erste Bürgermeister Stolle teilte mit, eine Kommission der Interessierten von sieben Schlachthausgemeinden habe eine Audienz beim Ministerpräsidenten nachgesucht, aber noch keinen Bescheid erhalten. Die Versammlung nahm eine Resolution an, in der es heißt, sie halte sämtliche von ber Regierung unb vom Lanbwirtschafts- ministerium getroffenen Maßnahmen für nicht geeignet, ber Fleischteuerung in Oberschlesien abzuhelfen. £)ingcgenjei sie nach wie vor der Ansicht, daß es zur Abstellung der Fleischnot nur einen Weg gibt und der sei die sofortige Zulassung eines erhöhten Einfuhrkontingents ans Rußland. München, 13. Aug. Die Ausschüsse der vereinigten Metzgerinnungen beschloßen, die Ladenpreise in den nächsten Tagen um 4 bis 6 Pfg. pro Pfund Rindfleisch zu erhöhen. Richt weniger als 30 Metzgermeister schlossen in den letzten Wochen ihr Geschäft, weil sie nicht weiter mit Verlust verkaufen wollen. sich mit der Frage: Wie verbeffern wir unsere Sage? In einer andern Sitzung wurde die Frage erörtert: „Wie verbessern wir unsere Nahrung?" Mainz, 14. Aug. Am Samstag sollte hier auf einem Rheinschiff ein steckbrieflich verfolgter Matrose von auswärts verhaftet werden. Er widersetzte sich jedoch der Berhaftung und fand auch noch Unterstützung von zwei Matrosen. Für den unbewaffneten Schutzmann wurde der Fall kritisch. Kurz entschlossen, griff er in seine Brusttasche, zog rasch ein Zigarrenfutteral aus Neusilber hervor und hielt es mit dem Rufe: „Zurück, oder ich schieße!" dem einen Matrosen vor das Gesicht. Erschrocken prallten die Matrosen, welche das Futteral für einen Revolver hielten, zurück, und nun konnte der Schutzmann die Verhaftung vollziehen. (Mainz. Tgbl.) Bodenheim, 11. August. Eine Seltenheit dürfte nach der „Darmst. Ztg." die Tatsache sein, daß fünf-noch ebenbe Geschwister zusammen 428 Jahre zählen und alle von verhältnismäßig größter Rüstigkeit sind. Hier ist dies von den Geschwistern Adam, Johann, Paul, Elisabeth und Christoph Leber zu melden, indem solche 92, 89, 87, 83 und 77 Jahre alt sind, was zusammen 428 Jahre gibt. Die Leute haben ihr hohes, gesundes Alter ohne Zweifel dem Umstande zu verdanken, daß sie zeitlebens fleißig gearbeitet und dabei solid gelebt haben. Diese Leute sind mrchaus keine Weinverachter, trinken aber ihren Boden- jeimer in unverfälschtem Zustande. Hanau, 12. August. Bor einigen Tagen erhängte ich, wie es heißt, ans Verzweiflung, ein Reservist des )iefigen Infanterie Regiments, der früher Fahrbursche in Frankfurt war. Er soll einem Bekannten einen größeren Betrag von seinen Ersparnissen geliehen unb diesen cinge- mßt haben. Bemerkenswert ist nun, daß, wie die „Hanauer Zeitung" schreibt, diesem Soldaten bei der Beerdigung alle militärischen Ehren zuteil wurden, während ihm die kirchlichen Ehrungen versagt blieben; die Geistlichen hatte die Teilnahme bei der Bestattung abgelehnt. Gladenbach, 9. Ang. Unsere Gemeinde steht im Begriff, eine Hochdruckroasserleitung anzulegen. Das Wasser wirb von einem alten Bergwerk bei Rachelshausen, welches die Gemeinbe für 30 000 Mk. käuflich erworben hat, etwa fünf Kilometer weit zu unserem Orte geleitet. Die ganze Anlage kostet über 100 000 Mk. * Kleine Mitteilungen aus Hessen und den N a ch b a r st a a t e n. Am Samstag ist in M a i n z ber 20 jährige Rufer Dietrich unter eigenartigen Umständen verunglückt. Bei dem Abladen eines 30 Zentner schweren Wemfasses wurde T._ von dem Ablaßseil gepackt und mit solcher Gewalt um das Faß ge- kMeubert, baß nach einigen Stunden der Tod eintrat. bewahren. ~ . **DasNeueste auf demGebiete der Vereinsmeierei dürste unstreitig die in Bommern bei Witten erfolgte Gründung eines „Verbandes organisi er ter Kostgänger" sein. In der ersten Sitzung, in der zu- ojoub auch der Verband gegründet wurde, beschäftigte man Kus Klsdl and KauS. Gießen, 15. Augitst. ** Personalien. S .K. H. der Großherzog haben Aem Forstwart der Kommunalforsiwartei Langen-Brombach F. S., Sior zu Rehbach, aus Anlaß seiner Versetzung in den Ruhestand das Allgememe Ehrenzeichen mit der Inschrift „Für treue Arbeit" verliehen. " Provinzialbirektor GeheirneratDr.Breidert ist gestern in Urlaub gereift. ’• Besitzwechsel. Bilbhauer Martin Schm all erwarb bei ber gestrigen Versteigerung den städtischen Bauplatz an ber Licherstraße zum Preise von 6610.50 Mk. = 11.30 Mk. pro Quabratmeter. — Die Firma Emil Horst erwarb heute das Anwesen Alieestraße 11, G. Nauheimer und Georg Appel gehörend, sowie die Besitzung des H. Adami, Alieestraße 12, für zusammen 149 000 Mk. Die Firma Horst beabsichtigt dort weitere Musterlager ihrer Bauartikel anzulegen. Durch gebrannt. Ein von Diez aus in die hiesige Klinik gewiesener Strafgefangener entsprang gestern nachmittag, als er von einem Transporteur abgeholt werden sollte. Die Krankenwärter setzten ihm nach, und es gelang ihnen, den Durchbrenner am Bahnhose wieder einzufangen. ♦* Wegen Sittlichkeitsverbrechens wurde heute vormittag ein Arbeiter verhaftet, welcher bereits wegen de§ gleichen Delikts mit Zuchthaus bestraft worden ist. *• Ueberfahren. Gestern abend rourbe auf ber Mäus- burg eine Frau von einem Rabfahrer überfahren. Es rourbe gegen ben Rabfahrer Strafantrag gestellt. Die Frau wurde an der Hand verletzt. *• Zu ber Reblausgefahr in Rheinhessen schreibt man uns: Eine für jeben Weintrinker recht be- trübenbe Nachricht hat ber Telegraph aus Rheinhessen ver- breitet: Im „Hahnheimer Knopf" im Kreise Oppenheim ist ein großer Reblausherb entbeeft worben, der bereits über 100 Stöcke umfaßt. Gerade das gesegnete hessische Weinland mit seinen Edelgewächsen längs des Rheines war bis jetzt glücklicherweise fast ganz von der verheerenden Seuche verschont geblieben; die vor einigen Jahren bei Schimsheim und Sulzheim von ber Reblaus heimgesuchten Gemarkungen betrafen nur kleinere Gebiete und geringere Sorten. Im Oppenheimer Kreise aber wächst mit ber beste rheinhessische Wein; der Kreis umfaßt 4583 Ha. Weinberge, die jährlich zirka 150 000 Hektoliter Wein im Werte von über 4 Millionen Mark liefern. Zu der direkt betroffenen, zirka 800 Morgen umfassenden Gemarkung Hahnheim gehören noch die Rcb- gelänbe der Gemeinden Sörgenloch und Zornheim im Kreise Mainz unb Selzen unb Mommenheim im Kreise Oppenheim. Als die telegraphische Melbung von ber Entdeckung ber Reblaus in Darmstadt eintraf, begab sich sofort eine Kommission von Sachverstänbigen an Ort unb Stelle unb tra die umfassendsten Vorsichtsmaßregeln. Die Gemarkung Hahnheim wurde für jeden Verkehr mit Reben, Gerätschaften unb für alle nicht amtlich Beauftragten streng abgeschlossen, bie verseuchte unb die verdächtige Rebfläche mit Drahtgitter umzogen, vor allem auch eine größere Anzahl Sachverständiger her- beigerufen unb mit ber genauesten Untersuchung aller Weinberge jener Gegenb beauftragt, lieber die Herkunft des Seucheherdes ist man um so mehr überrascht, als es sich hier um alte Rebbestände handelt, in die seit mehreren Jahrzehnten Schiffsnachrichtcn. Norddeutscher Lloyd. In Gießen vertreten durch Earl LooS, Kircbenplatz. Bremen, 10. Aug. (Per transatlantischen Telegraph.! Der Doppelschrauben-Postdanrpfer „Barbarossa", Kapitän H. Langreuter, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, ist gestern 5 Uhr nachmittags wohlbehalten in Newyork angefontmen. Bremen, 10. Aug. tPer transatlantischen Telegraph'). Der Doppelschranben-Ppostdampser „Breslau", Kapitän £). Prager, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, ist gestern 12 Uhr mittags wohlbcbalten in Baltimore angekommen. kein fremdes Holz hineingekommen ist. Man neigt daher ber Annahme zu, baß möglicherweise eine Windverschleppung vorliegt; der Hahnheimer Knopf liegt auf ber Höhe unb gerabe in nordwestlicher Richtung von ben früheren Seuchc- orten Schimsheim unb Sulzheim, so daß also bie fliegenbcn Läuse vomWind dorthin getragen worden sein könnten. Genaueres darüber können indeß erst die näheren Untersuchungen ergeben. Von Interesse ist, daß die ausgedehnten Weinberge im Binger und Oberingelheimer Kreis nut ihren kostbaren Gewächsen bisher glücklich von der Seuche verschont geblieben sind, trotzdem diese in unmittelbarer Nähe, nämlich in ben preußischen Reb> baugebieten links ber Nahe schon seit Jahren in so vcr- heerenber Weise aufgetreten ist. Die Neblausuntersuchungen in Rheinhessen sind in vier Sachverstänblgenkolonnen em- geteilt; von den brei anberen Untersuchungsbezirken sind, roie amtlich konstatiert wirb, verbächtige Tatsachen bisher nicht gemelbet worben. Hoffentlich gelingt es, bie Seuche aus ihren jetzigen Herb zu beschränken unb die blühenden Wemorte Nierstein, Nackenheim, Bodenheim, Laubenheim davor zu Griqinat-DrattlMi's^unqen. R.-B. Darmstadt, 15. Aug. Die in dem Reblaus- herd am Hahnheimer Knopf weiter stattgehabten Untersuchungen haben erfreulicherweise nur eine geringe Zunahme ber von ber Seuche ergriffenen Rebstöcke ergeben. Es waren bis gestern abenb 115 behaftete Stöcke gezählt. Die Sachverstänbigen neigen der Ansicht zu, baß eS sich nur um eine Verseuchung jüngeren Datum? hanbeln könne. Um die Untersuchung nachhaltig weiter zu betreiben, ist sofort noch eine fünfte Sachverstänbigen-Kolonne gebilbet worben, bie bie bis- gehen, säet Zwietracht, ruiniert bas Haus, schädigt den Garten. Man wird sie vor Gericht laden. Wenn der Mann sagt-. „Ich lasse sie ziehen," so gewährt er ihr freien Abzug und gibt ihr nichts mit. Wenn aber der Mann sagt: Ich schicke sie nicht fort," so kann er eine andere Frau heiraten, und die erste bleibt als Magd im Hause ihres Mannes." Artikel 142: „Wenn eine Frau zu ihrem Manne sagt: „Du sollst mich nicht besitzen," so wird man die Sache untersuchen. Ist sie eine tadellose Haushälterin, von ihrem Manne, der viel ausgeht, vernachlässigt, so ist die Frau straffrei. Sie darf ihre Mitgift nehmen und zu ihrem Vater zurückkehren. Wenn sie aber nicht haushälterisch ist, sondern lüderlich, fein Haus ruiniert und den Mann vernachlässigt, so wirft man sie ins Wasser." Andere Bestimmungen handeln von dem Falle, daß der Mann im Kriege gefangen genommen wird. Wenn dann in seinem Hause grnug zu essen vorhanden ist und wenn die Frau das Haus verläßt und sich einem anderen Manne ergibt, so soll sie ins Waffer geworfen werden. Dagegen begeht sic keinen Fehler, wenn sie das Haus verläßt, wo nichts zu essen ist. Gebiert sie bann Kinder und kommt ihr Mann heim, so kehrt sie zu ihm zurück, die Kinder aber bleiben bei ihrem Vater. Die kinderlose Frau wird verstoßen oder sie darf neben ihrer Magd, einer Hagar die sie selbst wählen kann, und die dem Herrn Nachkommenschaft zu geben hat, im Hanse bleiben. Unter diesen Umständen wird sie sogar ermächtigt, die Hagar, welche die Hoffnung auf Kindersegen täuscht, als Sklavin zu verkaufen. Das mag eine Art Genugtuung gewesen sein, die aber nicht hindert, daß der verschuldete Mann die Frau als Pfand dem Gläubiger hergeben darf, und daß sie diesem gehört, wenn die Schuld nach vier Jahren nicht beglichen ist. * Der Einsturz eines Warenhauses in Albanh. Furchtbare Szenen werden von dem Einsturz des großen Warenhauses der John Myers (Meyers) Company berichtet, der am Dienstag früh in Albany (Staat Rewvork) stattfand. Mehr als hundert Angestellte, die Mehrzahl darunter junge Mädchen, wurden unter den Trümmern des vielstöckigen Gebäudes begraben. Das Unglück wurde dadurch verursacht, daß Arbeiter, die eine neue Front aufführten, einige Eisenträger entfernten, ohne sie durch genügende Stützen zu ersetzen. Mauerwerk, Träger, Fachwerks alles an dem gewaltigen Gebäude stürzte zu einem großen Trümmerhaufen zusammen. Es waren etwa 300 Angestellte in dem Gebäude, als dieses plötzlich zu zittern begann, bann anscheinend in eine schwingende Bewegung versetzt wurde, bis schließlich Fußböden und Träger laut zu krachen begannen und dann mit einem Ton, als ob etwas zerrisse, ein großer Teil des Gebäudes auf einen Haufen von etwa 100 Quadratfuß Größe zusammensank. Nahe an 200 Angestellte kamen mit dem bloßen Schrecken davon. Sie glaubten schon beim ersten Stoß, es handele sich um ein Erdbeben, und stürzten aus den Hauptausgängen auf die Straße, wo sie auch nur mit genauer Not den herabsausenden Dachteilen, Trägern und Mauerstücken entgingen. Nach wenigen Minuten waren Rettungsmannschaften zur Stelle, und man ging an die Arbeit, die hundert Personen, die den Ausweg nicht mehr hatten finden können, aus den Trümmern hervorzuziehen. Feuerwehrleute, Polizisten und städtische Arbeiter suchten die Opfer bloßzulegen, und bald waren auch alle Aerzte der Stadt versammelt, den Verunglückten die erste Hilse^ zu leisten. Junge Mädchen unb Knaben würben ans ben Trümmern herausgegraben unb burch bie bichten Zuschauev- mengen, bie sich angesammelt hatten, zu ben schnell eingerichteten Pflegestationen getragen. Während des Rettungswerkes entstand eine neue Panik, als wieder Trümmerteile, die noch an einem der oberen Stockwerke hingen, zu fallen begannen. Von den beim Einsturz des Gebäudes unter den Trümmern Begrabenen sind, soweit sich bisher feststellen ließ, 20— bis 30 Personen getötet. Von denen, die noch lebten, benahmen sich viele heldenhaft. Einige, die unter Balken lagen, forderten die Retter äußerst diejenigen hervorzuholen, die sich in schlimmerer Lage befänden und jämmerlich um Hilfe riefen. Einige der Opfer waren fast unkenntlich, als sie hervorgezogen wurden. Man machte verzweifelte An- trengungen, um die Leute zu retten, die sich in besonders chlimmer Lage befanden. Ein junger Arzt fand eine kleine Oeffnung, durch die er in einen Trümmerhaufen eindrang, unter dem er in einem Hohlraum viele Angestellte unter Mauerwerk und Holzstücken liegen sah. Er wurde hinab- gelassen und konnte mehreren ber Opfer Arzneimittel barreichen. Später brang ein Priester auf biefefbe Art hinab unb spenbete ben Sterbenben Trost. Ein Angestellter fiel durch vier Stockwerke hinburch, kam aber trotzbem mit einem gebrochenen Bein und einigen Quetschungen bavon. Er gab seinen Rettern Anweisungen, wie sie ihn aus bem Trümmerhaufen, unter bem er lag, hervorziehen sollten; als seine Rettung enblich geglückt war, brachen bie Zuschauer in DronAr Beginn des Wintersemesters am ©rauer-AKalk tHie IS. Oktober 11)05 WoiriTüS 3" Fa Sw Prospekte durch E. Ehrich. Für Placierunq der Absolventen ist man bemüht. ss’7/, ,li;j gewesen sein, M°nn die Fra» ^nd datz sie diesem nicht beglichen ist. 'enhauses in wn dem Einsturz ss Weyers) Com° lP ^bany (Staat t Angestellte, ! n, warben unter ldes begraben, daß Arbeiter, die Träger entsernten, >eßen. Mauerwerk, >en Gebäude stürzte nmen. Es waren äude, als dieses cheiaend in eine iS schließlich Fuß- nen und dann mit großer Teil des 100 Quadrats ^stellte kamen mit nbten schon beim 3cben, und stürzten ie, wo sie auch nur Lachteilen, Trägern gen Minuten waren ian ging an die Ar- lusweg nicht mehr em hervorzuziehen, he Arbeiter suchten auch alle Aerzte der bie erste Hilft zu >en auS ben lichten Zuschaun- u den ein- renddrsRettungS- .cker Trümmerteile, ke hingen, zu fallen Gebäudes unter den üsher Mellen ließ, ich, die noch lebten, e, die unter Ballen nigen hervorzuholen, und jämmerlich um fast unkenntlich, als re verzweifelte An- ie sich in besonders rzt fand eine Reute terliaufen eindrang, e Angestellte unter tf!L Es Die e< ^lDters 1905 Oktober ^rlch. ,kte durch JoS, ÄirW4, T„ .< (Totparapb.i w ltwchen ** 9 a lki. Selidaria-Fahrrauer * ’ auf Wunsch TeilxuhlnnK. . , Anzahl. 20, 30. 5Ö M. . Abz. 8-15 M. mou. < , Beicherader von -IfrlM. an. Zubehör- teile spottbillig. t , Mittwoch, öen 18. 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