Grftes Blatt Donnerstag 13. J«n i»vo Ire heutige Mumm er umfaßt 8 Seiten. geifterung ausgenommen ic uns Sicherheit gab. Die 1 155t Jahrgang Deutschland und Frankreich. Die Verhandlungen zwischen der deutschen und frcmzös. Regierung sind noch keineswegs abgeschlossen, sondern: werden jetzt eingehend fortgesetzt. Der deutschen Regierung liegt zunächst viel an der Annahme der Konferenz. Jetzt, nachdem Rouvier die Konferenz angenommen hat, ist die deutsche Regierung, um ihr Entgegenkommen und ihren Wunsch zu einer völligen Verständigung zu beweisen, bereit, in eine detaillierte Aussprache über die Zwecke und Ziele der Konferenz einzutreten. Rouvier, der übrigens am Mittwoch den Besuch des Fürsten Nadolin empfing, wurde am Nachmittag in der Kammer von dem Nationalisten Miklevoyc bezüglich der Beziehungen Frankreichs zu den anderen Mächten interpelliert. Er antwortete, er werde, so bald es die Umstände erlauben, die Mitteilungen darüber machen, die die Kammer interessieren können. Beim Wiederzusammentritt des Hauses int Oktober werde er ein Gelb buch verteilen Ausland. London, 12. Juli. (Unterhaus.) Premierminister Balfour antwortete aus eine Anfrage wegen des Gerüchts, daß ein ausländisches Syndikat im Süden von Wales Kohlenbergwerke zu erwerben suche, daß er nicht land dar. Wir hatten das Recht, ihm davon keine Mitteilung zu machen. (?) Redner billigte die Annahme der Konferenz unter der Bedingung, daß man auf dem Boden des französisch-englischen U e b e r e i n k o m- me ns bleibe. Archd6acon (Nationalist) wünschte zu wissen, ob Rouvier die Politik Delcassss fortsetze, oder ob er eine n e u e P o l i t i k in die Wege geleitet habe. Rouvier gab hierauf keine Antwort. Stls dann die Kammer in 'die Einzelberatung des Budgets der direkten Steuern eintreten wollte, verlangte Beb er (Soz.), daß man vorher den Gesetzentwurf über die Einkommensteuer berate. Rouvier bekämpfte diesen Antrag und stellte eine We rtrauensfrage und der Antrag Vcber wurde mit etwa 100 Stimmen Mehrheit ab gelehnt., Der Pariser „Gaulois" veröffentlicht übrigens eine angebliche Unterredung mit dem ehemaligen Minister D e l c a s s 6, wonach dieser u. a. folgendes gesagt haben soll: „Eine ernsthafte und wirksame Politik macht man heutzutage nicht auf Grund von Sympathie- oder Antipathie- gefühlcn, sondern mit Rücksicht auf die I n t c r e s s e n^ Die I n - leressen Frankreichs sind auf cn glischer Seite. England ist unser bester Käufer. WaskauftDeutschlandvon uns? Nichts, oder fast nichts. Dagegen verkauft uns Deutschland alles, was es kann. Frankreich kann England die .Herrschaft zur See nicht streitig machen. Es war deshalb das Klügste, sich vor der Vernunft zu beugen und zu berechnen, welchen Wert der englische Beistand in gewissen, Eventualitäten für uns haben kann. Dieser Beistand hat für uns den Wert, daß Deutschland in die Unmöglichkeit versetzt würde, uns den Krieg zu erklären. Was vermöchte 3m Falle eines Krieges, wo England mit unä wäre, die deutsche Flotte? Was würde aus den Häfen, dem Handel und der Handelsmarine Deutschlands? Eine vollständige Vernichtung derselben wäre die Folge. Tas ist die Vcdeutnng des wohlvorbereiteten und wahlberechtigten Besuches eines englischen Geschwaders in Brest. (Vgl. die heutige Auslandsmeldung aus Brest.) , Der Gegenbesuch eines französischen Geschwaders in Plymouth tvirb diese Kundgebung vervollständigen. Das Einvernehmen Franttctchs und Englands und die Vereinigung ihrer beiden Flotten schaffen ein so furchtbares Kriegswerkzeug, daß weder Deutschland, noch sonst eine Macht eine Vernichtung zur See riskieren wollte. Die Entente mit England bedeutet außerdem die Anbahnung besserer Beziehungen zwischen Rußland und England. Das war die Ueberraschung, welche das gute Em- vernehmen mit England der Welt bereiten konnte. — Aelcasso habe sodann die Sitzung des Ministerrats geschildert, m welcher er seine Entlassung gab. Delcassö setzte seine Pläne eines Bü n d-- nisses mitEngland auseinander. Die Minister erwiderten erschreckt: „Aber Deutschland wird uns angreifen!, worauf Delcasse erwiderte: ,,Nmr denn, so n'.ag es uns stbueßlich angreisen: wir sind in der Lage zu antworten. Del- cassö erklärte schließlich, zur Konferenz sich zu begeben, set ein Fehler, und welch' ein Fehler." Delcasse schien bei seinem Sturz auf den Mund gefallen zu sein. Der Mann der starken Worte und der kühnen Zeitungsartikel überraschte alle Welt durch ein langes Schweigen. Man fragte sich: Geschieht cs aus Patriotismus, um die Verhandlungen Rouvicrs mit dem Fürsten Bülow nicht zu stören, oder aus Beschämung ob des völligen Fehlschlags seiner Kriegspolitit? Nichts von alledem. Delcasse hat nur den für ihn günstigen Zeitpunkt abgewartet, um zu sprechen, oen Zeitpunkt, wo nach der Aufregung. der letzten Wochen sich eine gewisse Abspannung der französischen Politiker bemächtigt hat, wo in die Erleichterung über die erzielte Verständigung sich ein klein wenig Verdruß mischt, dein festen Willen Deutschlands nachgeben zu müssen. Jetzt -hielt Delcassü den Augenblick gekommen, durch Vermittlung des nationalistischen „Gaulois" seine Politik in bengalische Beleuchtung zu rücken. Er bestätigt mit einer für einen ehemaligen Staatsmann verblüffenden Offenherzigkeit, daß er einen Krieg mit Deutschland nicht gescheut haben würde. Man kann sich vorstellen, welche Bestürzung die oben zitierten Worte Delcasses im französischen Ministcr- rat hervorriefen, der augenscheinlich auf einen so bedenklichen Stand der Dinge gar nicht vorbereitet war. Worauf stützte sich nun Delcasse Zuversichtlichkeit? Nicht etwa auf Frankreichs überlegene Stärke, sondern auf Englands Beistand! Delcassß selbst behauptet nicht, daß er dieser Hilfe gewiß war. Er hatte, wie er sagt, „Pläne für ein Bündnis mit England". Welchen Wert aber konnten bloße Pläne Delcasses haben in einer „in mehrfacher Hinsicht gespannten und gefährlichen Situation"? Delcasse vertraute einfach darauf, daß im Kriegsfälle England mit dabei sein werde, die b eut scbeF1 otte zu vernichten, die Häfen, den Hande 1 nno die H a n- o e 1 s m a r i n e. Delcasses Begeisterung und Haß sah prophetischen Blickes, wie schlechterdings alles, was Deutsche geschaffen, dem unwiderstehlichen Elan der Franzosen und Engländer znm Opfer fiel. Delcasss ist von seinen nüchterner gesinnten Kollegen gehindert worden, diesen Daum weiterzuspinnen. Die Pläne für ein Bündnis mit England scheinen vorläufig zu den Akten gelegt. Delcaffö hatte aber noch einen zweiten Pfeil im Köcher: er gedachte eine endgiltige Verständigung zwischen Rußland und England herbeizuführen. Das wäre dann der neue Dreib und geworden. Eine ebenso phantastische Idee wie das Bündnis mit England. Al§ ob Rußland nicht überall der Gegner Englands wäre, als ob man in Rußland von heute auf morgen den Anteil Englands an der Herbei- fühnmg des ostasiatifchen Krieges, mit allem Unglück für Rußland, vergehen könnte. Die Enthüllungen Delcaffö's können in Deutschland von der heiteren Seite genommen werden, er ist ein abgetaner Mann. In Frankreich aber dürfte man jetzt erst über die ganze Größe Delcasse'scher Leichtfertigkeit mit Schrecken ins Klare kommen. Selten ist von einem Staatsrnanne in so geradezu verblendeter, wahnwitziger Weise mit dem Feuer gespielt worden. Unbegreiflich, daß ein fo überaus mäßiger Kopf so lange im Amte sich behaupten konnte. Denn was z. B. Delcassö über England als „besten Kunden Frankreichs" sagt und über Deutschland, „das unS nichts abkauff, ist lächerliche Schülerweisheit. Delcassö konnte die Blamage seiner unfreiwilligen Entfernung nur vervollständigen, indem er das Geständnis feiner Taten und Pläne an die Oeffentlich- keit brachte. ES bleibt aber doch sehr bemerkenswert, daß cS außer Herrn Delcasse, wie der obige Kammerbericht besagt, noch sonst recht einflußreiche Männer in Frankreich gibt, die die neue Freundschaft mit England höher bewerten, als sie das Recht dazu haben. Tenn wer auf England vertraut, hat nicht auf festen Grund geb.*«*. ♦ Eine rein dekorative Reichsinstitution. Die „Norddeutsche" meldet: In Anwesenheit des Reichskanzlers Fürsten v. Bülow trat am Mittwoch b'ormittag her Bundesrat sausschuß für auswärtige Ange l e genh eit en unter dem Vorsitze des bayerischen Staatsministers F-rhrn. v. Podewils zusammen. Vertreten waren außer Bayern, Sachsen durch Staatstninister Frhr. v. Metzsch, Württemberg durch Staatsminister Frhr. von Soden und durch den Gesandten Dr. Frhr. v. Varnbüler, Baden durch den Minister Frhr. Marschall v. Bieberstein und Mecklenburg-Schwerin durch Staatsminister Graf v. Dasfewitz-Levetzow und den Gesandten v. Oertzen. Der Sitzung wohnte ferner der Staatssekretär des Auswärtigen Frhr. v. Richthofen bei. Reichskanzler Fürst Bülow nahm das Wort, um in längerer Ausführung dem BundeSratsausschuffe Mitteilungen über die Vorgänge und Verhandlungen zu machen betreffend den deutsch-französischen Notenwechsel wegen der vom Sultan von Marokko vorgeschlagenen Konferenz. Im Anschlüsse daran gab der Reichskanzler einen Ueberblick über den gegenwärtigen Stand der marokkanischen Angelegenheit. Der Vorsitzende Frhr. v. Podein i 1S und Staatsminister d. Metzsch sprachen hierauf im Namen des Ausschusses und der vertretenden Negierungen den wärmsten Dank aus für die von dem Reichskanzler gemachten Mitteilungen. sowie daS volle Vertrauen, das die verbündeten Negierungen in die nach den Intentionen des Kaisers von dem Reichskanzler geleitete auswärtige Politik fetzen. Es muß überraschen, daß der Bundesratsausschuß erst nach der Beilegung des Marokko-Konfliktes zusammen- berufen wurde, nur um die Mitteilung entgegenzunehmen von Entschlüssen, an deren Zustandekommen die Regierungen der Bundesstaaten keinen Anteil hatten. Wie sie selber darüber denken, danach wurden sie nicht gefragt. Den bundesstaatlichen Ministern wurde nur gnäbigft Gelegenheit gegeben, hinterher authentische Nachrichten zu erhalten übereine bereits abgefchlofseiie Angelegenheit von immenser Bedeutung und vor Berlin zum Schluffe ihren hochachtungsvollen Knicks zu machen. Man ersieht also lsieraus, daß der „Bundesratsausschuß für auswärtige Angelegenheiten", dem der bayerische Ministerpräsident vorzusitzen die Ehre hat, eine Institution von nur dekorativer Bedeutung ist, ohne ratenden und tatenben Wert. Die hessische Regierung hat, wie aus ber offiziösen Melbung hervorgeht, die Rolle des höflich und ergebenft schweigenden Zuhörers nicht mitspielen brauchen. Der Ausschuß besteht nämlich aus den Bevollmächtigten der Königreiche Bayern, Sachsen nnd Württemberg und zwei vom Bundesrat alljährlich zu wählenden Bevollmächtigten anderer Bundesstaaten. Nr. I«Ä außer Sonntag-. Dem Gießener Anzeiger »erben im Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Siebener Kamillen- Wttitt viermal in der Woche beigelegt. AotationSdruck u. Terlag bet Brü h l'schen Unwers.-Buch-». Stein- brudertL St. Sang«. Rtbaftton, «rpebttü» und Druckerei: GQ ulsteatze 7. Adreße für Devejchenr Lvzetger Gieße». FkmsvrrchanlchlußNr 51. lassen unb die nötigen Erläuterungen geben. Millevoye erklärte daraus, daß er gegen diesen Aufschub nichts cin- zuwenden habe, Dcnys-Cochin (kons.) ersuchte dann um einige Aufklärungen über die auswärtige Politik pnd sprach die Ansicht aus, daß die gegenwärtige Lage zu einer Abänderung dieser Politik führen könne. Bezüglich der Marokkofrage stellte der Redner mit Befriedigung fest, daß Deutschland die besondere Lage anerkannte, die für Frankreich in Marokko bestehe. Er fügte hinzu: Wenn Frankreich die Allianz mit Rußland mit so großer Behüt, fo geschah es darum, weil :e Nieoerlagen haben das rusfische Reich geschwächt. Es war also ganz natürlich für Frankreich, das Entgegenkommen Englands an- zunehmen. Das Marokko-Uebereinkommcn stellte in keiner Weise eine Herausforderung an Deutsch- sagen könne, ob es eine Begründung habe. Es ist klar, fuhr Balfour fort, daß wir nicht gleichgültige Zuschauer bei irgend welchen Transaktionen bleiben können, da wir einem ausländischen Syndikat oder einer Negierung die einzigen Quellen der Bewegnngsfähigkcit unserer Schiffe aushändigen würden, und ein solches beispielloses Vorgehen würde eine außerordentliche Behandlung nötig machen. Keir Hardie, Mitglied der Arbeiterpartei, drängt die Regierung, dafür zu sorgen, daß ein Gesetz eingebracht werde, das sich mit den Arbeitslosen beschäftigt. Hardie erklärt, daß das Gesetz höchst wichtig sei, und wenn es in dieser Session nicht eingebracht würde, würde es Revolten und Ruhestörungen geben, und er hoffe, daß es dazu komnien möge. Diese Bemerkung rief bei den Ministeriellen Protestrufe hervor, worauf Hardie ausricf: „Gut gefütterte Tiere können schreien, aber was ich sage, ist wahr." — Die Prinzessin von Wales ist heute vormittag von einem Prinzen entbunden worden. Paris, 12. Juli. Der Abg. d'EstournelleS richtete an Ministerpräsident Rouvier ein Schreiben, in welchem er bittet, in den Konflikt zwischen Norwegen unb Schweben einzugreifen. Er glaube, ein versöhnliches Wort würde von niemandem als unberufene Einmischung angesehen, dagegen von beiden Völkern mit Dank ausgenommen werden. — Die Kammer nahm die ersten 18 Artikel des Gesetz» entrourfeS betr. bie Zwangsversicherung von Greisen und Siechen an. Brest, 12. Juli. Bei bem Frühstück, das heute an Bord beS „King Ebwarb" stattfand, brachte Admiral May einen Trinkspruch auf Sou bet aus, der die Bewunderung des englischen Volkes besitze. Admiral Caillard trank auf bie Gesundheit des Königs und der Königin von England; May sprach die Hoffnung aus, baß bie Begegnung der beiden Flotten, bas heiße ber beiden Nationen, bas gegenwärtige herzliche Einvernehmen noch verstärken werde. Er trinke auf lange Dauer dieses Einvernehmens und den Ruhm und die Wohlfahrt Frankreichs. In seiner Antwort erklärte Caillard, daß die von May ausgesprochenen Gefühle von allen geteilt würden. Er freue sich, zu sehen, wie die Stäbe und Mannschaften beider Flotten sich in denselben Gefühlen maritimer Solidarität begegneten. Tanger, 12. Juli. (Reuter.) Hadjahmed el TorreS, Vertreter des Sultans in Tanger, erhielt ein Telegramm, das den glänzenden Sieg der kaiserlichen Truppen über die Anhänger deS Prätendenten in der Nähe von Udja meldet. Der Prätendent entkam, doch ließ er auf dem Schlachtfelde viele Tote und Verwundete zurück. Wie es i« Kußland aussteyt. Der in Wien eingetroffene russische Oberstjägermeister Fürst Peter Trübetzkoi sagte einem Journalisten, er glaube nicht, daß der Zar beabsichtigt, nach Moskau überzusiedeln. Auf die Frage, wie er den Zaren fand, den er vor sechs Tagen sprach, antwortete Trubetzkoi: „Es fällt mir schwer, darauf zu antworten; dem Zaren gehen natürlich die gegenwärtigen Verhältnisse sehr zu Herzen, am ganzen Hofe ist man sehr deprimiert." Der „Potemkin" ist nun endlich in Konstanza von dem Panzer „Tfchestma" ins Schlepptau genommen worden und mit dem ganzen Geschwader dort abgefahren. — Der Sekretär des internationalen sozialistischen Bureaus in Brüssel erhielt aus Paris ein Telegramm, daß die beiden großen russischen Sozialistinnenparteien, deren Führerinnen Vera Latouitsch und Katharina DrechkowicS sind, ein gemischtes Komitee gebildet haben, das bezweckt, die aufrührerischen Matrosen des Potemkin zu verteidigen. Die Meldung, daß der „Potemkin" auf feiner Irrfahrt ein deutsches Dorf an der Küste der Dobrudscha geplündert habe, wird von unterrichteter Seite als durchaus unzutreffend bezeichnet. Ein peinlicher Vorfall hat sich in Lodz zwischen Offizieren zugetragen. Im Hotel Manteuffel grüßten die angetrunkenen Kofakenofsiziere Polemow und Szczukin nicht vorschriftsmäßig den Divisionsgeneral Szaiilow. Auf dessen Mahnung erwiderten die Kosaken: „Wenn die Panzerschiffe revoltieren, können wir es auch!" Dabei drohten sie dem General mit den Fäusten. Man rief Dragoner hinzu, welche beide Ofsiziere arretierten und dem Kriegsgericht übergaben. Ein großer Teil der in Lodz gacnisonierenden Kofakensothien wurde wegen Plünderungen und Morden auch dem Kriegsgericht überwiesen. Täglich sieht man auf den Straßen arretierte und mit Fesseln gebundene Kosaken unter starker Eskorte transportiert. Bei den Kasernenrevisionen fand man viele goldne Uhren, andere Wertgegenstände und bares Geld in Masse« bei den „armen" Kosaken. Die Inhaber der gefloßenen Wertsachen sind meistens ermordet worden. Nach Meldungen aus Reval haben dort etwa 700 Mann von der ruff. Flotte sich geweigert, daS Mittagessen, bas sie als ungeniegbar bezeichneten, KU sich ru nehmen. Sie entsendeten eine Abordnung zmn Kvrmnan- o unten, berfefbe kostete bie Speisen unb fanb bie Klagen ber Matrosen gerechtfertigt. Ter Kompagniekommanbant wurde deshalb von der Leitung der Mannschaftsverpflegnng enthoben und mit acht Tagen strengem Arrest bestraft. Die Matrosen erhoben gegen denselben auch die Beschuldig- GltMerAmelgerW " General-Anzeiger den ooUt und tJ Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen WWZ ™ zeigentell: Hans Becd tatg, einen Teil der Verpfle gnngsgelder unterschlagen zu haben. Das ganze -Andreiviertel in Kielce (Polen) steht in Flammen. Das Dorf Bukaus^aja wurde eingeäschert. Desgleichen vier Militärdepots in Nossow. In Kobryn wurden 104 Häuser, das Polizeiamt und viele Geschästs- lokale nieder gebrannt. Aus Minsk wird berichtet: Der Ausstand der Fabrikarbeiter ist allgemein, alle Läden sind geschlossen, der Betrieb der Straßenbahn ist unterbrochen. Tausende von Aufständischen durchziehen die Straßen. Das provisorische Kriegsgericht in Kiew verurteilte den Kosaken Kasakow zum Tode. Er hatte in Krement- schug mit zwei Kameraden den Kosaken ob erst Kulow auf offener Straße ermordet. Kasakows Mitschuldige wurden zu lebenslänglicher Zwangsarbeit in den Bergwerken von Sibirien verurteilt. In Kobryn im Gouvernement Grodno hat eine Versammlung christlicher Gutsbesitzer beschlossen, eine Petition behufs Gewährung der Gleichberechtigung an die Juden einzureichen. Die revolutionäreBewegungin Tiflis dehnt sich mit außerordentlicher Schnelligkeit aus; blutige Unruhen stehen für diese Tage allem Anschein nach bevor. In der Vorstadt Awlabar wurden auf einen Polizeileutnant drei Schüsse abgefeuert, die diesen tödlich verwundeten. Bald darauf wurde aus einem Wagen im belebtesten Viertel der Stadt von einem als Studenten gekleideten Individuum eine Bombe geworfen. 15 Personen, darunter einige Polizeibeamte, Frauen, Kinder, wurden getötet. Der Täter ist verhaftet worden. Aus Tiflis wird berichtet: Am Dienstag abend wurde ein Arbeiter verhaftet, bei dem 52 Bomben gefunden wurden, ebenso ein junges Mädchen, welches sich im Besitze von drei Bomben befand. Weitere 57 Bomben wurden bei einem Arsenalarbeiter aufgestmden.____________ Der Krieg. Vom Kriegsschauplätze in der Mandschurei. Petersburg, 12. Juli. (W. 23.) General Linern i t s ch meldet in einem Bericht vom 10. Juli folgendes: Am 9. Juli näherten sich zwei japanische Kompagnien, aus der Gegend von Aarlungchen kommend, unseren bei Schi- miaotse stehenden Vorposten. Nachdem diese Verstärkungen erhalten hatten, zwangen sie den Gegner durch Gewehrfeuer zum Rückzug. Sachalin. Laut weiteren Meldungen des Generals Linwitfch ^vurde die Militärstation Korsakows k (auf Sachalin), nachdem sämtliche vom „Novit" herstammenden Patronen verschossen waren, aufgegeben. Die feindliche Flotte eröffnete das Feuer auf die Station. Die Küstengeschütze wurden gesprengt, alle Vorratshäuser verbrannt. 2luch in den befestigten Stellungen von Sol- wienke wurde eine Abteilung durch japanische Torpedoboote beschossen. Sie zog sich nordwärts zurück. Rußland rüstet wieder? Dem „Standard" zufolge ist Rußland fest entschlossen, was auch kommen möge, jeine Rüstungen wieder aufzu- nehmen. Es finden augenblicklich Versuche statt über die Widerstandsfähigkeit von Panzerplatten sowie über die Wirkung eines neuen Explosiv st offes, den die russischen Ingenieure Popow und Nakhimow erfunden haben. 20 Kreuzer und 8 Panzerschiffe sollen neu gebaut werben, die Ausgaben hierfür werden 2 6 0 Mill. Mark betragen. Schwierigkeiten werden hinsichtlich der Mannschaften bestehen. Es heißt aber, Rußland werde ausländische Matrosen anwerben. Das Blatt fügt hinzu, daß, wenn die Revolution in Rußland fortdauere, Rußland versuchen Werde, wenigstens seine Macht zur See wieder zurückzuerobern. Die Friedens-Verhandlungen. In den russischen leitenden Kreisen herrscht immer noch große Unentschiedenheit über das Maß dessen, was bei den Friedensverhandlungen den Japanern zugestanden werden dürfe. Es machen 'sich von neuem' Stimmen bemerkbar, die an jedem positiven Ergebnis verzweifeln. Nach einer Petersburger Meldung, die über Paris kommt, erreichte Lamsdorff beim Zaren, daß anstatt des auf höhere Weisung krank gemeldeten Botschafters M u r a w i e w der vertrante Freund Wittes P o k o t i l o w mit Baron Rosen nach Washington gesandt wird. Dazu wird bemerkt, daß die sehr umfangreichen Instruktionen für Murawiew so unbestimmt lauteten, daß der genannte Diplomat an dem Gelingen seiner Aufgabe verzweifeln müßte. In diesen Instruktionen heißt es beispielsweise: „Niemand hat das Recht, von einem besiegten Rußland zu sprechen. Wir haben noch unerschöpfliche Hilfsmittel, niemals werden wir in die Schleifung der Befestigungen von Wladi- w o sto k mittigen." Und doch glaubt man zu wissen, daß dies eine unerläßliche Friedensbedingung Japans ist. — Der Petersburger Korrespondent des „Echo de Paris" zitiert folgende bezeichnende Aeußernng einer hohen Persönlichkeit: „Was wollen Sie? Bei uns kann man feinen Krieg führen und vom Friedenwachen versteht •man auch nichts." Nach einer anderen Meldung, die W. T.-B. aus Petersburg bringt, soll Witte selbst als Friedensbevollmächtigter in Vorschlag gebracht worden sein; die Entscheidung hierüber sei jedoch erst in einigen Tagen zu erwarten. Wie man auch ans Washingtoner Meldungen deutlich erkennen kann, ist die japanische Regierung noch immer sehr mißtrauisch gegenüber den Absichten der russischen Regierung in der Friedensangelegenheit. Die Japaner sind noch nicht überzeugt, daß die Russen den Frieden wirklich herbeiführen wollen. Amerika hatte einen Waffenstillstand während der Dauer der Friedensverhandlungen vorgeschlagen, damit überflüssiges 23lntvergießen vermieden werden sollte. Die japanische Regierung hat nun der amerikanischen bekannt gegeben, daß der Kaiser von Japan in keinen Waffenstillstand einwilligt. Der Newyorker Berichterstatter des „Standard" meldet itnterm 11. Juli: Während der letzten 24 Stunden erneuerte Rußland die Vorstellungen zu gunsten einer Waffenruhe. Ich verletze fein Geheimnis, so sagt der Korrespondent des Blattes, wenn ich sage, Rußland wünscht, daß mehrere Brigaden u nverzüglich die Heimkehr antreten. Die stereotype Antwort Japans war, daß die Waffenruhe nach der ersten Lesung der Friedensbedingungen sofort von den Bevollmächtigten angenommen werden würde. China. Die Forderung der chinesischen Regierung, bei den Varhand- fintgcn in Washington zugelassen zu werden, stößt, wie schon gemeldet, bei Japan auf Widerspruch. Die Gründe dieser önftung werden in einem Kabeltelegramm aus Shanghai wie folgt dargelegt: Der japanische Gesandte in Peking hat gegen das Verzügen Chinas, daß es bei der Entscheidung über die Mandschurei gehört werde, darauf hingewiesen, China habe beim Ausbruch der Feindseligkeiten anerkannt, daß die Mandschurei innerhalb der Operationszvne liege. Aus diesem Grunde feien weder das neutrale China, noch das-geschlagene Rußland berechtigt, betreffs der Mandschurei Arrangements zu treffen. — Die chinesische Regierung ist sehr erbittert, daß Japan darauf besteht, daß die Friedensbedingungen festgesetzt werden, ohne China zu beftagen, das infolge dessen ganz der Gnade des siegreichen Japan aus- geliefert ist. Die japanische Anleihe. Berlin, 12. Juli. Die Zeichnungen auf die 4P° Proz. japanische Anleihe von 1905 (zweite Serie) sind wie verlautet, in Deutschland in so starkem Maße eingegangen, daß selbst tnif die Stücke mit längerer Sperrverpflichtung nur mäßige Be- träge zugeteilt, freie Stücke aber in noch geringerem Maße berücksichtigt toerben können. Wien, 12. Juli. Bei der Anglo-östreichischen Bank sind hier und in den Filialen auf die neue japanische Anleihe 3 141 840 Psund Sterling gezeichnet worden. Valiüsche Tagesschau. Der Wahlerfolg des Zentrums in Bayern verspricht einen geräuschvollen Verlauf des diesjährigen Katholikentages. Pflegt doch ohnehin in den Berichten über diese Generalversammlungen die Bemerkung: „Brausender, nicht enden wollender Beifall" häufig wiederzukehren. Diesmal dürfte der gefeiertste Versammlungsredner des Zentrums, der derbe Bajuvare Dr. Schä dler, seinen größten Triumph erleben. Ist er es doch gewesen, der — es soll sich sogar im Dom zu Bamberg ereignet haben — das Wahlbündnis mit den Sozialdemokraten schloß, durch das die bayer. Liberalen jetzt an die Wand gedrückt wurden. Die Sozialdemokratie ist bei diesem Pakt nicht auf ihre Rechnung gekommen. Der „Vorwärts" setzt sich darüber mit der Bemerkung hinweg, die Genossen hätten sich nur widerwillig auf das Abkommen mit dem Zentrum eingelassen, und in Zukunft, nach der jetzt gesicherten Durch- ührung des allgemeinen gleichen direkten Wahlrechts würden ähnliche Wahlbündnisse nicht mehr nötig werden. In Wirklichkeit liegt die Sache einfach so, daß die Sozialdemokratie vom Zentrum übertrumpft worden ist, daß sie der Partei des Herrn Schädler zu einem recht sicheren Sitz im Sattel verhalfen hat und selbst verurteilt ist, zu Fuß hinterdrein zu trotten. Auch Herr v. Vollmar, der Führer der bayrischen Sozialdemokratie, sindet, obwohl an Klugheit den Berliner Parteigenerälen weit überlegen, am Zentrum seinen Meister. Mit einem derartigen Wahlerfolg der Klerikalen, der Entfesselung einer wahren Zentrums-Hochflut, hat Herr v. Dollmar schwerlich gerechnet. Und wenn auch die sozialistischen Blätter schreiben, die „verräterische" Politik der bayrischen Liberalen habe ihren Lohn erhalten, so erscheint es doch gerade vom Standpunkte der alleräußersten Linken fraglich, ob nicht die Politik der Liberalen sich für sie als das kleinere liebet erwiesen hätte gegenüber der nahezu unumschränkten Machtfülle, zu der das bayrische Zentrum mit Unterstützung der Sozialdemokraten jetzt aufgestiegen ist. Wir leben in einer Zeit des Kampfes um die Schule, und gerade Dr. Schädler ist, wie seine temperamentvolle Rede auf dem vorjährigen Katholikentage beweist, ein scharfer Gegner der von den Sozialdemokraten protegierten Simultanschule. Vielleicht läßt es schon der Verlauf des diesjährigen Katholikentages Herrn v. Vollmar bereuen, dem Zentrum Schildknappendienste geleistet zu haben. * Wechsel im Kriegßminister'mm? Nach einer Meldung der „Hamb. Nachr." aus Berlin wird an zuständiger Stelle erklärt, daß die ungünstigen Nachrichten eines Berliner Blattes über den Gesundheitszustand des Kriegsministers jeder Begründung entbehren. Zutreffend sei nur, daß sich der Minister wie im vorigen Jahre zur Kur in Kissingen aufhält. Nach von dort eingegangenen Nachrichten befinde sich der Minister so wohl wie irgend möglich. Unser Berliner ^-Korrespondent bemerkt indes: Richtig ist, daß General v. Einern seit geraumer Zeit voller Gesundheit ermangelt. Er hat, dem Vernehmen nach, die Folger: cineS' schweren Influenza-Anfalls, dem er im vergangenen Winter ausgesetzt war, noch immer nicht überwunden. Der Rücktritt des Ministers dürste gleichwohl jetzt nicht in Frage kommen. Sollte aber der Kürgebrauch die erwartete Wirkung nicht haben, sodaß General v. Einem genötigt sein würde, im Herbst sein Amt niederzulegen, dann wäre das Bedauern wohl allgemein. Denn Preußen hat seit den Tagen V e r d y s und Bron- sarts keinen sympathischeren Kriegsminister gehabt als Herrn v. Einem. * Eine Reichstagsnachwahl. In dem seit anno 1848 interessanten märkischen Wahlkreise Oberbarnim, wo zum ersten deutschen Parlament in Frankfurt gegen den konservativen Generalstabsoffizier Julius Hartmann, den späteren geadelten General der Kavallerie und Gouverneur von Straßburg, der junge deutsche Dichter Wilhelm Jordan nach kecker Wahlrede in Freienwalde gewählt wurde, findet heute die Nachwahl für den durch Kassierung seineI Mandats aus dem Parlament unfreiwillig ausgeschiedenen Professor Pauli (Rp.) statt. Der originelle alte Herr kandidiert wiederum, und die Entscheidung zwischen ihm und dem sozialdemokratischen Bewerber wird wohl auch diesmal in der Stichwahl liegen. Die Nationalliberalen geben den Ausschlag. In Anbetracht dessen, daß z. Zt. im Wahlkreise Frankfurt a. O. ihr Kandidat, Abg. Bassermann, nur mit konservativer Hilfe gewählt wurde, werden sie wohl Mann für Mann für Professor Pauli eintreten, der überdies keineswegs extremer Agrarier ist._____________________________ Deutsches Reich. Berlin, 12. Juli. Die Pacht „Hohenzollern" mit dem Kaiser an Bord, sowie die Begleitschiffe sind, wie aus der schwedischen Hafenstadt Gefle (nördlich von Stockholm) gemeldet wird, heute abend Uhr bei Graberget vor Anker gegangen. Köln, 12. Juli. Die Stadtverordneten ernannten in einer außerordentlichen Sitzung den Ob erb ärgern: eist er Becker anläßlich seines 70. Geburtstages zum Ehrenbürger. Sie stifteten ein silbernes Prunkgerät zmn Rats- silber, 10 silberne und 100 bronzene Plaketten mit dem Bildnis Becker. Stuttgart, 12. Juli. Die Verfassungskommissi on der Abgeordnetenkammer beriet heute Artikel 4 der Regierungsvorlage , der die Zusammensetzung der 2. Kammer betrifft Die Bestimmungen des Entwurfes, wonach die 2. Kammer bestehen soll aus 63 Abgeordnete» der Oberämter, 6 Abgeordneten der Stadt Stuttgart unb je einem Abgeordneten der Städte Tübingen, Ludwigsburg, Ellwangen, Ulm, Heilbronn und Reutlingen wurden angenommen. Abgelehnt wurde der Antrag Keil, 9 3 Abgeordnete durch das ganze Land im Wege des Proporze» zu wählen. Dagegen fand ein Antrag Haußmann-Gerabronn, der neben den 75 in der Regierungsvorlage vorgesehene» Abgeordneten 17 Abgeordnete auf Grund der Ver h ältn is° wähl in den vier Kreisen des Landes vorsieht, angenommen, nachdem ein Eventual-Antrag Hieber, diese 17 Abgeordnete auf dem Wege der Verhältniswahl für daZ ganze Land (Lan d esp r op or z) zu wählen, Stimmengleich- heit erzielt hatte. _________ Entwicklung und Ordnung des Notenwesens in Deutschland. Arn 11. Mai d. I. ging dem Reichstage ein Gesetzentwurf zu, in dem die Neichsbank ermächtigt wird, Banknoten im Werte von 20 und 50 Mark auszugeben und den Nennwert der Neichs- kassenscheine allgemein auf 5 und 10 Mark herabzusetzen. Um die Bedeutung dieser Vorlage, die in der Kommission stecken geblieben ist, in der kommenden Session aber sicher aufs neue den Reichstag beschäftigen wird, zu verstehen, erscheint uns ein kurzer Blick auf die Entwickelung und die Ordnung des Notenwesens in Deutschland am, Platze. Es gibt bei uns zweierlei Arten papierner Umlaufsmittel: 1. Banknoten. Sie dürfen nur in Stücken von mindestens 100 Mark ausgegeben werden und sind jederzeit durch die Bank, die sie ausgegeben hat, einlösbar; ein Drittel des um» laufenden Betrages muß in Gold gedeckt sein. Die deutschen Banknoten sind kein gesetzliches Zahlungsmittel, fein Privater ist gezwungen, sie in Zahlung zu nehmen. Der Gesamtbetrag, in dessen Höhe Noten in Deutschland steuerftei umlaufen dürfen, ist auf 541,6 Millionen Mar? festgesetzt, die unter die einzelnen Notenbanken verteilt sind; für das, was die Notenbanken über diesen Betrag ungedeckt in Noten ausgeben, müssen sie eine Neichssteuer von 5 Prozent zahlen. Es ist dies die fogenannte Kontingentierung der Noten. 2. Reichskassmscheine. Diese dürfen nur im Gesamtbeträge von 120 Mill. Mk. und in Stücken von 5, 20 und 50 Mk. umlaufen. Für sie ist im Gegensatz zu den Banknoten keine Deckung in Gold vorhanden: die im Jnliusturm zu Spandau aufgespeicherten 120 Mill. Mk. haben damit, wie häufig irrtümlich angenommen wird, nicht das geringste zu tun. Sie müssen bei allen Kassen des Reichs und der Bundesstaaten zu ihrem Nennwert eingelöst werden. Die Neichskassenscheine wurden nach 1871 geschaffen, um an stelle des verschiedenen Staatspapiergeldes, das damals noch in den einzelnen Bundesstaaten umlief, ein einheitliches Papiergeld zu setzen. Mit Gründung der Reichsbank ging dann die Verpflichtung, die Reichskassenscheine einzulösen, an diese über, obwohl in dem Metallbestande der Bank fein Fonds für diesen Zweck vorgesehen war. Ziel der Reichsbank muß es sein, für einen möglichst großen Teil der umlaufenden Noten Deckung in Gold zu haben. Diesem Zweck .dient hauptsächlich ihre Diskontpolitik, indem jede Erhöhung des Diskonts den Abfluß von Gold ans den Kellern der Reichsbank mindert und auf eine Goldeinfuhr aus dem Auslande hinwirkt. Welche Absicht verfolgt nun der dem Reichstag vorgelegte Gesetzentwurf? Im allgemeinen eine doppelte: Einmal Null er dem schon feit langem von Gewerbe und Harrdel ausgesprochenem Wunsche, den Mangel an kleineren Umlaufsmitteln zu beseitigen, Nachkommen. Inwieweit dieser Zweck mit der geplanten Maßnahme, Reichskassenscheine nur im Betrag von 5 und 10 Mark auszugeben und Banknoten zu 20 und 50 Mark, erreicht wird, steht dahin. Jedenfalls aber verdient hervorgehoben zu werden, daß die Wünsche der Handelskammern sich saft durchweg auf eine Vermehrung der Zehnmarkstücke (Kronen), nicht der papiernen Umlaufsmittel bezogen, und es hätte noch andere Wege und Mittel gegeben, um dies zu erreichen. Cs sei nur an eine weitere Verbilligung des Postanweisungsverkehrs und vor allem an eine weitere Ausbreitung des Scheckverkehrs erinnert. Man scheint aber mit der geplanten Reform noch einen anderen Zweck im Auge zu haben, der auf das engste mit unserer Währung zusammenhängt; einen Zweck, der weit tiefer liegt und von der einschneidendsten Bedeutung für unser ganzes Geldwesen sein kann. Man ist anscheinend der Ansicht, daß die Neuschaffung der kleinen Noten und deren Vermehrung nicht nur dem Mangel an Umlaufsmitteln abhelfen werd?, sondern glaubt auch, einen Teil des in der Zirkulation befindlichen Goldes dadurch im Verkehr ersetzen zu können. In dem Maße, in dem diese Absicht erreicht würde, würde das im Verkehr auf diese. Weise überflüssig gewordene Gold in die Reichsbank zurückströmen und so deren Metallvorrat vergrößern. Diese Absicht ging aus den Aeußer- ungen der Negierungsvertreter bei den Verhandlungen im Reichstag deutlich hervor. Aber es ist ftaglich, ob dieser Zweck erreicht wird. Man hat mit Recht darauf hingewiesen, daß eine Verstärkung der Goldreserven der Reichsbank schließlich doch einmal zu einer Herabsetzung des Diskontsatzes führen wird, wenn die Bank die Ms'.cht hat, ihre Mittel besser zu verwerten. Die Folge davon wird ab - dann wieder eine Verminderung der dort liegenden Goldbestände f Wir haben . reits hervorgehoben, daß für die Reichskassen-- scheine, als unfunbiertem Paviergeld, kein für die Einlösung bestimmter Fonds vorhanden ist. Zweifellos ist dies, eine der bedenklichsten Seiten unseres Geldwesens und es ist an der neuen Vorlage bedauerlich, daß sie diesen Zustand zu einem1 dauernden machen will. Es kann nur getvünscht toerben, daß die Kvm- missionsberatungen, die dem Entwurf in der kommenden Tagung gewidmet werden, nach manchen Seiten verbessernd eingreifen, denn in seiner jetziges Gestalt bedeutet er keinerlei Fortschritt für die Entwicklung unseres Geldwesens. Aus Stadt und Land. Gießen, 13. Juli 1905. * * Personalien. Se. Kgl. Hoh. der Großherzog haben den evangel. Dekan des Dekanats Rodheim, Pfarrer Sartorius zu Groß-Karben, auf sein Nachsuchen, unter Anerkennung seiner treuen Geschäftsführung, von diesem Amte enthoben. — Ernannt wurde der Gerichtsvollzieher-Aspirant Saintonges in Gießen zum Registrator bei dem Amtsgericht Gießen. * * Die Handschrist der Aerzte. Aus Darmstadt wird uns heute drahtlich gemeldet: Das Amtsblatt des Ministeriums des Innern, Abteilung für öffentliche Gesundheitspflege, hat ein Ausschreiben an die Kreisgesundheitsämter gerichtet, worin ersucht wird, den Apothekern folgendes mitzuteilen: Da wir noch immer die Erfahrung machen müssen, daß Rezepte mit kaum leserlicher Schrift zur Anfertigung in die Apotheken gebracht werden, weifen wir die Avo- t h e k e r an, sich für die Folge solchen Rezepten gegenüber in keinen: Fall auf deren mehr oder minder mühe- v o l l e E n t r ä ts e l u n g e i nz u l a s s e n, vielmehr stets von dem ordinierenden Arzt eine deutliche Inhaltsangabe zu verlangen. Dies Vorgehen kann nur gebilligt werden. Dem An- sehen der Wissenschaft wird durch die Vermeidung unleserlicher Handschriften kein Abbruch geschehen. * * Alpines Rettungswesen des D. und Oe. Alpenvereins. Im Jahre 1904 hat der Zentralausschuß des D. u. Oe. A.-V. das gesammte alpine Rettungswesen in umfassendster Weise neu geregelt. Das ausgedehnte Arbeitsgebiet des Vereins, die deutschen und österreichischen Alpen ■ 63 Slbg,.,. fr ai*i-« le| ■ »eil, "> frs<3At. US' »,tX0"". |»ä q r« S« ■c,ttetfcnTi^ I^ert dn Kbon kB p5S h$9» frX »ter ft fr ^ nmtbetreg, ft | LLZtz pii I m Gesamibelioa, I 20 und 50 A | Sandten fcfte Dkurm zu Spachau 1C Msig irrtümlich "• ^-müssen bei u zu ihrem Nenn- - wurden nach 1871 Uk-vapieraeldes, das w umlief, ein ein» m9 der Reichsbank Meine einzulösen, de der Bank kcin >en möglichst großen zu, haben, Tiefem indem jede Er- i aus den Kellern ideinfuhr aus dem steichstag vorgelegte te-, Einmal will er adel ausgesorvchenem nitteln zu beseitigm, der geplanten Maß- ion 5 und 10 Mark Mark, erreicht wird, rgehoben zu werden, fr durchweg auf eine licht der papimen n? Stege imb Wittel n eine wertere D-r- oot aWetn an ein. ,wrt form noch einen an- s engste mit,unfern weit tiefer liegt und ser ganzes Geldwesen daß die Neuschaffung icht nur dem Mangel c glaubt auch, einen des dadurch im Leidem diese Msicht er- ieie Weise überflüssig wen und so dem g aus den AeuM- nblunqen im Reichs- ob dieser Zweck er- iefen, daß eine Ler- «ließlich doch einmal en wird, wenn Die erwerten. Die Folge tg der dort liegenden für die Reichskass^ ir die Einlösung be- iir dies eine der ve- ist an der neum zu einm danmöm d-n, daß bi* kommenden ragM cheisernd ein* Jeinerlei Fortschritt B. 3. Juli 1905. Der GroßherzoS W *£ >LSS , ww’!* ' - Zwisblatt bti ibe 'N -Dxni 211* -nl-s-k- .rtieiWS « 3" 1 jLien «> «i* AK.»' lind mit einem Netz von 140 Rettungsstellen und 500 Nelde posten überzogen, denen die Aufgabe gestellt ist, bei eingetretenen alpinen Unglücksfällen den in Gefahr befindlichen Touristen durch ausgesandte Hilfsmannschaften schnellste Hilfe zu gewähren, ebenso aber auch, wo ein Unfall nur vermutet oder eine Person vermißt wird, die nötigen Nachforschungen anzustellen und die Auffindung oder Bergung der Verunglückten zu bewirken. Von dem erfolgreichen Eingreifen dieser Rettungsstellen hatten die Tageszeitungen oft Gelegenheit zu berichten. Zu diesen mit der eigentlich ausübenden Rettungstätigkeit betrauten Stationen in den Alpen bilden nun eine wichtige Ergänzung die Meldestellen außerhalb des Alpengebiets. Diesen liegt es ob, einerseits auf Ersuchen einer Rettungsstelle die Angehörigen verunglückter oder vermißter Touristen zu benachrichtigen, andererseits aber auch von den Angehörigen vermißt geglaubter Touristen Meldungen entgegenzunchmen und schnellstens die Rettungsstellen jener Älpengebiete, die für einen möglichen Unfall in Betracht kommen können, zu verständigen. Für Gießen hat, woran im heutigen Anzeigenteil erinnert wird, seit dem vorigen Jahre die Geschäftsstelle des Gießener Anzeigers die Obliegenheiten einer solchen Meldestelle außerhalb des Alpengebiets übernommen.— Ausdrücklich sei bemerkt, daß die Einrichtung sich keineswegs auf die Mitglieder des D. u. Oe. Alpenvereins beschränkt, sondern daß über Nichtmitglieder, ohne Rücksicht darauf, ob sie im Sektionsgebiet wohnen oder nicht, Meldungen und Anfragen entgegcngenommen werden. ** Diebstahl. Um sich einen freien Nachmittag zu verschaffen, hatte gestern morgen ein hier beschäftigter Schuhmacherlehrling seinem Meister vorgeschmindelt, er sei nach seiner Heimat zum Bürgermeister vorgeladen wegen eines an ihm verübten Uebersalles. Da der Schwindler aber kein Geld besaß, um mit der Bahn fahren zu können, entwendete er au§ einem Hausflur in der Wallthorstraße ein Fahrrad und fuhr damit los. Der Eigentümer deS Rades hatte alsbald den Verlust bemerkt, eilte dem Dieb nach, holte ihn auch ein und übergab ihn der Polizei. "Obdachlose. In der verflossenen Nacht wurden wegen Obdachlosigkeit zehn kroatische Arbeiter verhaftet. •* Mutwille. Schon längere Zeit fand man in den Speisen eines hiesigen Hotels Sandkörnchcn, ohne daß eine Erklärung dafür gefunden werden konnte, woher dies kam. Weil die Küche im Erdgeschoß sich .befindet, wurde der Verdacht erweckt, daß der Sand von außen eingeworfen werde. Nachforschungen und ein Aufpassen hatten denn auch Erfolg, indem einer der Täter gestern abend vom Küchenchef des betr. Hotels bei der Tat betroffen und auf die Polizeiwache am Selterstor gebracht wurde, wo er seine drei durchgebrannten Mittäter nannte. Es sind vier junge Spengler-, Tapezier- und Schlosserlehrlingc, welche die Tat nach der Turnstunde beim Nachhausegehen verübten. ** Untersuchung von Nahrungsmitteln. Es find in den letzten Tagen wieder eine Reihe verschiedener Proben von Nahrung?- und Genußmitteln in hiesigen Geschäften und auf dem Wochenmarkte entnommen und an das chem. Untersuchungsamt zur Untersuchung abgegeben worden; auch eine größere Anzahl Milchrevisionen wurden vorgenommen. ** Die gestrige Generalversammlung des Allgemeinen Vereins für Armen- und Kran ken pflege war erfreulich gut besucht. Der Vorsitzende, Pfarrer v. Schlos- ser, wies in seiner einleitenden Ansprache darauf hin, welche bedeutsamen Veränderungen auf dem Gebiete der Armenpflege und Wohltätigkeit seit der Gründung unseres Vereins vor sich gegangen seien, wie die Auffassung ihrer Aufgaben sich vertieft, wie damit der K'reis dieser Aufgaben sich erweitert habe, wie heute allenthalben große Verbände in diese Arbeit eingctreten seien. Er sprach die Hoffnung aus, daß auch der Allgemeine Verein sich allezeit jugendfrisch und lebenskräftig genug erweisen möge, um an dieser Entwicklung teilzimehmen und die neuen ihm dadurch gestellten Aufgaben verständnisvoll zu erfassen. Das sei aber 'nur dann möglich, wenn ihm stetig auch neue frische Kräfte zuwachsen, Mitarbeiter, die gerade für neue Gebiete und Aufgaben sich begeistern. Als solche neue Aufgaben bezeichnete er besonders eine erweiterte Fürsorge für Säuglinge, für schwächliche Kinder und für Rekonvaleszenten. „Freiwillige öor", so schloß er im Blick darauf seine Ansprache. Aus dem dann erstatteten Jahresbericht und der Vereinsrechnung teilen wir, da sie demnächst veröffentlicht werden, kurz kut einiges mit. Von der Helferabteilung des Vereins wurden 117 Personen und Familien in 522 Fällen mit einem Aufwand von insgesamt 3641 Mk. unterstützt. Die Schwestern des Vereins pflegten in 656 Familien und leisteten dabei 20 842 Pflegebesuche, 23 ganze Tagpflegen und 605 Nachtwachen. Im Schwesternhaus selbst wurden 300 Kranke mit 4046 Ver- pflegungstagen und 73 Nachtwachen verpflegt. Im Hospiz fanden 93 Gäste mit 544 Verpflegmwstagen, im Marthaheim 69 stellenlose Dienstmädchen mit 190 Verpflegungstagen Aufnahme. Die Abteilung für Waisenpflege unter der Leitung des Beigeordneten Curschmamr hatte 22 Kinder in ihrer Fürsorge. Die von Herrn Rendant Döring geprüfte Rechnung des Vereins schloß mit 53 507 Mk. 26 Pf. ab. Dem lang- icihrigen treuen Rechner des Vereins, Rechnungsrat Wilker, wurde mit dem Ausdruck herzlichen Dankes für seine erfolgreiche Mühewaltung Entlastung erteilt. Aus Antrag des Vorstandes wurde eine Erweiterung des Schwesternhauses, die weniger einer Ausdehnung der Arbeit, als vielmehr zur Schaffung besserer Einrichtungen dienen solle, nach dem vorgelcgten Bauprogramm genehmigt. Ebenso stimmte die Versammlung dem Verkauf des Hauses Gr. Mühlgasse 14 an die Stadt und der Kündigung der von der Stadt gemieteten Häuser bei, und ermächtigte den Vorstand, auch die übrigen Häuser bei Gelegenheit zu verkaufen. Die Gründe dafür, daß der Verein auf diesem Gebiet seine Aufgabe für nahezu gelöst erachtet, sind in dem Jahresbericht näher iamsgeführt, und es wird gebeten, sie da nachzulesen. Zum Zweck einer erweiterten und vertieften Säuglingsfürsorge hat der Vorstand eine besondere ?lbteilung unter dem Vorsitz des Pfarrers Schwabe gebildet, in die vor allem Dr. med. Koepve berufen wurde, und beantragt auf dessen Anregung hin, dem Plan einer umfassendere Fürsorge flir Säuglingsnahrung «Milchkühe nahe zu treten. Die Versammlung erklärte ihr freudiges Einverständnis unter der Voraussetzung, daß flir diese für das Gedeihen unserer Kinderwelt so eminent wichtige Sache besondere Mittel flüssig gemacht werden. Bei dr nun folgenden Vorstandswahl wurden die ausschcidenden Mitglieder Pfarrer Euler, Medizinalrat Dr. Haberkorn, C. S ch w a n sen. und Rechnungsrat Wilker, Frau Medizinalrat Fallen ins. Fr. Professor Höhl bäum. Fr. Geh. Rat Pasch und Fr. Geh. Rat Siebeck durch Zuruf wieder, anstelle der aus Gesundheitsrücksichten ausschcidenden Fräulein L. Wortmann Frau Bichler gewählt, und ebenso Dr. med. Koeppe in den Vorstand berufen. (*) Hungen, 12. Juli. Noch vor Inbetriebsetzung der neuerbauten Wasserleitung ist der Hochbehälter völlig defekt geworden. Bei einer Druckprobe ist der aus Zeinentmischung hergcstellte Behälter geborsten, und aus der Fundamentierung quoll das Wasser. Außerdem ist die im Innern errichtete Scheidewand, welche Brandbchältcr und Gebrauchswasserbehälter trennt, zusanunengebrochen. Die Untcrnehmerfirma Bopp und Reuther hatte die Ausführung des Reservoirs an eine Spezialfirma vergeben. Unseres Erachtens kann die Ursache nur in der Zusammensetzung deS Zementmaterials zu suchen sein. Wahrscheinlich wird ein neuer Hochbehälter errichtet werden, was einen Kostcnauf- wand von ea. 5000 Mk. verursachen dürfte. Die Eröffnung der Wasserleitung findet trotzdem am nächsten Samstag statt mit direkter Zuführung des Wassers vom Pumpwerk, sodaß vorläufig kein .Hochdruck vorhanden ist. Die Stadt Hungen bat nach der Uebernahme des Wasserwerks eine zweijährige Garantie und ist an der Wiederherstellung des Hochbehälters finanziell unbeteiligt. sd. Darmstadt, 13. Juli. (Eigener Draht- bericht.) S. K. H. der Großherzog hat am 8. d. M. den ordentlichen Professor an der technischen Hochschule hier, Geh. Vaurat Max Gutcrmuth zu Darmstadt, zum Rektor der Technischen Hochschule für die Zeit vom 11. September 1905 bis 31. August 1906 ernannt. Mainz, 12. Juli. Die Vorlage eines Ortsstatuts über die Errichtung von Bauten in der Altstadt gab in der heutigen Stadtverordnetensitzung zu einer erregten Debatte Veranlassung. Stadtv. Schäfer nahm gegen die Vorlage eine entschiedene Stellung ein, weil er der Ansicht ist, daß durch sie die Geschäftsleute in der Altstadt in ihrem Erwerb noch mehr geschädigt würden, als dies bis jetzt geschehe. Stadtv. Dr. Schmitt ist gleichfalls gegen die Vorlage. Das Ortsstatut sott auch nur deshalb geschaffen werden, weil mein dadurch die Errichtung eines Krankenhauses für die Schwestern der „göttlichen Vorsehung" verhindern wolle. Stadtv. Dr. Rautert begrüßt das Ortsstatut als ein wahres Glück, damit endlich einmal in der Stadt Erwerbszweige, die durch die Gewerbeordnung nicht getroffen werden könnten und die die Allgemeinheit belästigten, beseitigt oder derart eingerichtet werden könnten, daß die Nachbarschaft nicht benachteiligt werde. Das Ortsstatut wurde hierauf mit großer Majorität angenommen. ** Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. Wie nach dem „Rhein. Courier" verlautet, soll der H o ch h e i m e r R a u b m ö r d e r in Schierstein ver- l> a f t e t worden sein. — Der Verbrecher, der in Friedberg vor einigen Tagen zwei Gendarmen entfloh, wurde am Montag in der Nähe von Hanau wieder festgenommen. • Kleine Tageschronik. Vier italienische Ziegelarbeiter haben in Bühldorf bei Donaueschingen die 62 jährige Witwe Brann ermordet und beraubt. Die Täter sind entkommen. ^rrailrche u ch r r rN r e n. Israelitische Rcligionsgefellfchaft. (botlesdienlk. Sabbathieier dm 15. Juli 1905. Freitag abend 8.00 Uhr. Samstag vormittag 8.00 Uhr. Nachmittags 4.00 Uhr. Sabbathausgang 9.25 Uhr, Wochengottesdienst: morgens 6.00, abends 8.00 Ubr. rird Hrerkel r. KolNswinschaN. 3 V2 °/n Deusche Reichsanlcihe von 1905. Die Abrechnung mit den Konsorten über die letztbegebenen 330 Millionen Mk. 3*/,% Reichsanleihe ist nunmehr erfolgt. Tie Angaben über den zur Verteilung gelangten Gewinn waren nicht völlig genau; nach den Informationen der „F. Z." beträgt der Gewinn O,43°/o. DeutscheBank und rumänischesPetroleum. Es scheint, als ob sich daS rumänische Petrolcumgeschäst der Deutschen Bank nicht ganz ungestört entwickeln soll. Tie Romania, die aus- fchließlicki zum Zwecke der Verdrängung der Deutschen Bank aus den rumänischen Pctroleumgebieten gegründet wurde, ist nun end- giltig konslituirt. Tas Kapital, das einstweilen 10 Mill. Frs. betagt, soll bis 1. Januar 1906 um weitere 20 Mill. Frs. auf 130 Mill. Frs. erhöht werden. Die junge Gesellschaft gibt bereits mit Selbstgefühl bekannt, daß sich die Deutsche Bank mit Vorschlägen zum Zweck eines Zusannnenarbeitens mit ihr und gemeinsamer Uebernahme der rumänischen Petroleuwstaatslnndereien an ste gewandt habe, aber abgewiesen worden sei. Ja, auch eine andere, noch „mächtigere" ausländische Bank soll dieselbe Ablehnung bei ähnlichen Vorschlägen erfahren haben. fc. Frankfurt a. M., 13. Juli. (Telegr. Orig.-Bericht des ,.®iefc. Anz.".) Amtliche Notierungen der heutigen Viebmarkt- v r e i s e. Zum Verkaufe standen : 25 Ochsen, 1 auS Oesterreich 3 Bullen, 00 au? Oesterreich, 62 Kühe, Fersen, Stiere und Rinder, 0 auS Oester., 00 Kälber, 00 Schare und Hammel, 0 Schweine. Bezahlt wurde für 100 Psd. Schlachtgewicht: Ochsen 1. Qualität 74 bis 75 Mk., 2. Qual. 68—70 Mk., 3. Qual. 61—65 Mk.; Bullen 1. Qual. 65—67, 2. Qual. 00—00; Kühe 1. Qualität 68—70 Mk., 2. Qual. 62—64 Mk., 3. Qual. 49—51 Mk., 4. Qual. 42—44 Mk., 5. Qual. 00—00 Mk. Kälber 1. Qual. 83—85 Psg., Lebendgewicht 49—51 Psg., 2. Qualität 77—82 Psg., Lebendgewicht 46— 48 Psg., Schlachtgcw. 60—60 Pfg.; Schafe: 1. Qual. 72—75 Psg., 2. Qual. 66—70 Psg. Geschäft gedrückt, Ueberstand bedeutend.! Limburg a. v. L.» 12. Juli. Fruchtmarkt. Durchs schuittsvreise vro Moller. Roter Weizen 00.00 Mk., weißer Weizen 00.00 Mk., Korn Mk. 12.28, Gerste 00.00 Mk., Haier 8.00 Mk., Saatbaser 0.00 Mk., Erbten 0.00 Mk., Kartoffeln 0.00 Mk. Temperatur der Lahn und der Luft am 13. Juli 1905. Nach Neaumur gemessen mittags zwischen 12 und 1 Uhr. Wasser 18°, Lickt 18° R. __ii ( (c ^ck>c Vade- und Schwimmanstalt. ' wießeuer laudwirtfchafMchcr Wetterdienst. Voraussichtliche Witterung in Hessen für Freitag, den 14. Juli 1905: Meist trüb, kühler, vielfach Regenfälle. Näheres durch die Gießener Wetterkarte. Griginai-Irai-lMi'lilungen. Berlin, 13. Juli. Der Kaiser hat dem Grafregenten von Lippe-Detmold ein persönliches, überaus huldvolles und in herzlichen Worten gehaltenes Beileids- Telegramm gesandt, welches zum ersten Male die Anrede Erlaucht gebraucht. Das Kaiser-Telegramm wird in der amtlichen Lippe'schen Landesztg. veröffentlicht werden. Altona, 13. Juli. Die hiesige Polizei verhaftete den einer internationalen Bande angehörigen Mädchen- händler Engländer, der seit Jahresfrist unangemeldet in Hamburg und Altona lebt. Engländer hatte in Gemeinschaft mit seiner Frau, die in Berlin Aufenthalt hat, einen Mädchenhandel nach Amerika betrieben. Görlitz, 13. Juli. Durch den Einsturz einer alten Mauer wurden drei bei den Ausschachtungsarbeiten eines Neubaues beschäftigte Arbeiter verschüttet. Ein Arbeiter wurde getötet, ein anderer schwer verletzt. Christiania, 13. Juli. Hier verlautet, daß maßgebende Politiker die Kandidatur des dänischen Prinzen Karl stützen. Paris, 13. Juli. Auf Einladung der Londoner Stadtgemeinde wird der Pariser Gemeinderat Mitte Oktober sich vollzählig nach London begeben. Roni, 13. Juli. Enrico Colti, der Kassierer der Edison-Gesellschaft in Mailand, wurde wegen Unterschlagung einer Million in Aktien verhaftet. Mailand, 13. Juli. Auf der Alpenstraße bei Ballun scheuten die Pferde eines Po st wagens vor einem Automobil. Der Postwagen stürzte in die Tiefe. Fünf Personen wurden schwer verletzt, darunter ein Major der Alpenjäger. Verdingung. Für den Neubau des Amtsgerichts- und Gefängnisgebäudes in Fronhausen (Lahn) sollen auf Grund der allgemeinen Vertragsbedingungen für die Ausführung von Staatsbauten vom 17. Januar 1900 die Zimmer- und Stakerarbeiten öffentlich verdungen werden. Die allgemeinen und besonderen Bedingungen nebst den Zeichnungen liegen in den Diensträumen des mitunterzeichneten Regierungsbaumeisters während der Geschäftsstunden zur Einsicht aus, ebenso auch die Verdingungsanschläge und die technischen Vorschriften. Die beiden letzteren können, solange der Vorrat reicht, gegen postfreie Einsendung der Abschreibegebühr — von 1,20 Mk. — von ebenda bezogen werden. Der Verdingungstermin ist auf Freitag den 28. Juli 1905, vormittags 10 Uhr, festgesetzt. Angebote sind verschißen und mit entsprechender Aufschrift versehen, bis dahin h da-s Baubureau in Fronhausen (Lahn) postfrei einzureiche^ Aus^chlagsfrist 4 Wochen. Marburg,— fcen 19^5- D“/, Fronhausen, Der Königs. Kreisbauinspektor: Der Legierungs-Baumeister: Schneider, König!. Baurat. r Heß. Heinrich Sack, 19 MarWsße 19 Uebcrziehen und Reparaturen schnell und billig in eigener Werkstätte. Schirme 105 in großer Auswahl von den billigsten bis zu den feinsten. VekaMmachyD In unser Handelsregister Abt. B wurde heute bezüglich der Bank für Handel und Industrie, Depositenkaffe Gießen, eingetragen: Die Prokura des Paul Busch in Berlin ist erloschen. b13/7 Gießen, den 10. Juli 1905. Großhcrzogliches Amtsgericht. Versteigerung. Samstag den 15. Juli l. 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