Nr. ISS ErfteS Bla«. 155. Jahrgang Freitag 16. Juni 1905 GcholßeaL« T, Ubrtfii für Depeschenr Su-etger «ietzra. Arrnspr^chantchlußNr.kl, monoih(67&t.L,irteTt* jährt»ch DL MO; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 6o Pf.; durch die Post Mt. 2.—viertel- jährt. auSfchl. Bestellg. ^tnabme Snjdm ir die Zi 'S DO-rntttiql Ze7ew^ei«: mtSroättl Ä-I. VOrontworU^ch Uft den volit. und cU^sr r. reu. U Wittko: für „Stadt und ßanb* und .GertchtSfaal^rAuaust Doetz; für den Anzeigenteil: tzanS Beck- Dem Dtetzener Anzeiger werben Im Wechsel mit dem hessische» Landwirt die Sletzesee Kamtlte«. Hitttt viermal in der Woche deigelegt. KotationSdruck tu Der- leg der Drühl fchen Vnwerj^Buch^. Stein» bmdtrtU H Sange» GietzenerAnzeiger ** Eeneral-Anzeiger ** Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Eichen in Der Bericht des vierten Ausschusses über den Antrag oeS ALg. Köhler, betr. die Einrichtung eines ständigen Wetterdienstes bei dem Landwirtschaftlichen Institut der LcmdesuniverMt in Gießen liegt jetzt vor. Das Hydrographische Bureau in Darmstadt hat seine Stellung zu der Angelegenheit ausführlich dargelegt. Vor allem betrachtete eS das Hydrographische Bureau nach seiner Einrichtung als dringendste Aufgabe, ein meteorologisches Beobachtungsnetz im Großherzogtum einzurichten. Bei dem zunächst fetir geringen Personalbestand war daS Hydrographische Bureau durch die Einrichtung und Leitung dieses NetzeS, sowie durch die Verarbeitung und Veröffentlichung der Ergebnisse, bei oer möglichste Raschheit angestrebt wurde, so in Anspruch genommen, daß ihm die Inangriffnahme anderer größerer Arbeiten umsoweniger möglich war, als daS meteorologische Beobachtungsnetz bald in nicht vorherzusehender Weise wuchs, und daS Hydrographische Bureau sich dieser Ausdehnung gegenüber nicht ablehnend verhalten konnte. — Ein zweites Moment des Zögerns bildeten für das Hydrographische Bureau die Erfahrungen, die man mit früheren Einrichtungen eines Wettervorhersagedienstes benachbarten Staaten gemacht hat. Die Trefferprozente benachbarten Staaten gemacht hat. Die Trefserprozente bei der Wettervorhersage sind seit den achtziger Jahren im allgemeinen auf etwa 85 Proz. stehen geblieben. Ferner hat sich gezeigt, daß überall, sobald man die Interessenten einigermaßen zur Deckung der Kosten des Witterungsdienstes heranzog, daS Interesse sofort erheblich abflaute. Jedenfalls kommt baß Institut nach eingehender Prüfung auS verschiedenen Gründen zu der Ansicht: daß die einheitliche Organisation deS Wetterdienstes im Reich absewartet werden muß und keine Einrichtung geschaffen werden sollte, die in diese in allernächster Zeit zu erwartende Organisation nicht paßt; 2. daß int Fall der Einrichtung dieser Organisation ein möglichst zentral im Großherzogtum gelegener Punkt für die Zentrale des Wetterdienstes gewählt und es als selbstverständlich angesehen werden muß, daß in erster Linie für die Angliederung dieses Wetterdienstes das Hydrographische Bureau in Frage kommt, wie dies auch das Großh. Minlsterimn des Innern schon anerkannt hat. Da nun aber eine einheitliche Organisation im Reich in der allernächsten Zeit nicht zu erwarten ist, so hat sich die Hess. Regierung bereit erklärt, die Einrichtung oes Wetterdienstes, wie er eben in Gießen im Interesse der Hess. Landwirtschaft gepflegt wird, finanziell zu unterstützen. Infolge dieser Zusicherung beantragt der Ausschuß, den Antrag des Abg. Köhler für erledigt zu erklären. Ein neuer Antrag des Abg. Köhler lautet: Die zweite Kammer wolle beschießen, Großh. Regierung zu ersuchen, in Verhandlungen mit der Reichspostverwaltung einzutreten mit dem Zweck des Verkaufs der staatlichen Stempelmarken innerhalb des Gronh. Hessischen Gebietes durch oie Reichspostanstalten und deren Unterorgane. Angesichts der Errichtung einer Güterverladestelle in Abendstern kommt der Abg. Leun mit der Frage, warum die Güterverladestelle auf der PersonenHaltestelle Schiffenberg noch nickt errichtet wurde, obwohl die Kammer ihr Einverständnis vor Jahren betätigte. Ein Antrag deS Abg. Leun lautet: Hohe zweite Kammer wolle beschließen, die Großh. Regierung zu ersuchen, im Bundesräte zu beantragen, allen F e l d- zugsteilnehmern, soweit sie weniger als 2600 Mark Jahreseinkommen haben und keine Unterstützung auf Grund des Reichsgesetzes vom 22. Mai 1895 beziehen, einen kleinen Ehren- lold zu bewilligen. Der erste Ausschuß beantragt: I. für die landwirtschaftliche Landesausstellung zu Mainz im Jahre 1905 den Betrag bis zu 16000 Mark und 2. für die Landesausstellung für Kunst- und Kunstgewerbe zu Darmstadt im Jahre 1907 den Betrag bis zu 60 000 Mar? zu bewilligen und sich mit den Regierungsvorschlägen wegen der Verrechnung, Bereitstellung und etwaigen Erstattung dieser Zuschüsse einverstanden zu erklären. Neben Prof, Dr. Biermer, der sich in zwei, bei Emil Roth hier erschienenen Broschüren gegen den Gesetzentwurf, betr. die Gemein de umlagen, ausgesprochen hat, ist auch der Abg. Schömberger ein Gegner der Regierungsvorlage. Ihm mißfällt die im Entwurf vorgesehene Veranlagung nach Betriebs- und Anlagekapital, weil fie niemals eine gerechte Verteilung der Lasten herbeiführen könne und eine Quelle von Unzuträglichkeiten werden dürfte. Denn Betriebs- und Anlagekapital könne weder ein maßgebendes Kriterium für die Leistungsfähigkeit des Steuerpflichtigen, noch für die Höhe der von rhm an die Gemeinde gestellten Ansprüche und damit der von .ihm zu leistenden Gemeindeumlagen sein. Er ist für die Besteuerungsform nach Einkommen und Vermögenswert. Schönberger meint, die vorgesehene Grund- und Gewerbesteuer entspreche über- a keinesfalls, wie behauptet wird, dem Prinzip der ng und Gegenleistung. Im allgemeinen nehme der Grundbesitzer und Gewerbetreibende seine Gemeinde in keiner Weise mehr in Anspruch als andere Gemeindemitglieder. (?) Und doch solle er mehr belastet werden, weil er einmal Grundbesitzer oder Gewerbetreibender sei und die Meinung herrsche, als ob gerade diese unter allen Umständen ihre Gemeinden ganz besonders in Anspruch nehmen müßten. Das ist doch wohl der Fall, denn er ist an fernen Wohnort zumeist lebenslänglich gefesselt, während die gesamte andere Bevölkerung mehr oder weniger fluktuiert und bar um von vornherein ein erheblich geringeres Interesse an allen kommunalen Maßnahmen nimmt. D. Red.) Jedenfalls hat Herr Schönberger den Antrag gestellt, die Regierungsvorlage in der jetzigen Form abzulehnen. Der zweite Ausschuß hat sich mit der ftegierunö^öor* 3>le heutige Yuwwer umfaßt 10 Seite«, Sarlameutarisches aus Kessen. tage, betr. den Entwurf eines Gesetzes, die Ausübung der Jagd eingehend besaßt und ist zu dem Ergebnis gelangt, daß eine Umarbeitung des Entwurfs nicht zu umgehen ist. Er vermißt eine übersichtlichere Gruppierung und leichtere Verständlichkeit und hält den Entwurf in seiner Regelung der Ausübung der Jagd für nicht erschöpfend, sowie eine nochmalige Erwägung der Frage der Jagdfolge für geboten. Er ist der Auffassung, daß Jagdausübung und Jagdschutz in einem Gesetz geregelt werden sollten, und beantragt darum, den Entwurf der Negierung zurück- und ihrer Erwägung anheimzugeben, eine Umarbeitung im Sinne der Vorschläge des Ausschusses eintreten zu lassen. Der Abg. Köhler schlägt vor: „Wenn in einer Gemeinde mehr als die Hälfte der Grundbesitzer der bezüglichen Gemarkung zu einer Jagdgenossen- schäft auf Grund deS Reichsgcsetzes, betreffend die Erwerbsund W i r t s ch a s t s genosseiischaften, zusammen getreten und als solche registergerichtlich eingetragen ist, so soll es gestattet sein, daß diese Genossenschaft die bezügliche Gemeindejogd pachtet und die Jagd durch jagdfähige Personen ausüben läßt." Der Rh-ein-Main-Gastwirtevcrband bittet, einen Stempel für den Kleinhandel mit Flaschenbier und Wein einführen zu wollen. Scheitert die Marokko-Konferenz? Die Marokko-Konferenz scheint nicht zur Tat werden zu sollen! Auf Englands Weigerung, der Einladung des SultanS von Marokko Folge zu leisten, war man ja in Berlin vorbereitet,, denn die französische Regierung empfing noch zur Zeit Delcass^s eine entsprechende Zusicherung. Daß aber Oesterreich-Ungarn mit den Vereinigten Staaten im Bunde, den Vorbehalt machte, daß alle interessierten Mächte der Konferenz zustimmen, nru^te füglich in Berlin einige Ver- irimberung erregen. Ebensogut hätte die mit unS verbündett Macht von vornherein ein unumwundenes Nein aussprechen können, da die Zustimmung sämtlicher Beteiligten, wie die Dinge liegen, doch überhaupt nicht in Betracht kam. Doppelt sympathisch berührt unter diesen Umständen die rückhaltlose Art, mit der sich I t a l i e n zur Beschickung der Konferenz bereit erklärt haben soll, was allerdings von Rom aus auch in Abrede gestellt wird. In Paris waren gerade auf Italien Hoffnungen gesetzt worden, daß es einmal die Gelegenheit benutzen möchte, der Republik einen Freundschaftsbeweis zu liefern. Die Rechnung- auf das „Zusammenhalten der Mittelmeer-Mächte" ist also trügerisch gewesen. Spanien dagegen dürste, trotz der erregten Proteste gegen Frankreichs Marokkopolitik in Spanien selbst, an der Seite Frankreichs imb Englands zu finden sein. Dafür hat der Besuch des fimg-en Königs in Paris und London bestens gesorgt, d. h. die bezaubernde Ausnahme, die Alfons zuteil wurde. Nun, daS Scheitern der Marokko-Konferenz wird für Deutschland kein Mißgeschick bedeuten. Wenn Deutschland den zweckmäßigen und klaren Gedanken unterstützte, den in Marokko interessierten Mächten eine ruhige Aussprache zu ermöglichen, so hat es damit einfach zu erkennen gegeben, für wie kräftig und jeder Prüfung standhaltend es seine Haltung zur Sache ansehen darf. Glauben Frankreich und England dieser Aussprache ausweichen zu sollen, bann bleibt eben nur der Weg der unmittelbaren Verständigung mit dem Sultan von Marokko. Das ist wahrscheinlich sogar der raschere Weg, der zum Ziele ftlhrt, den deutschen Interessen in Marokko Luft und Licht zu wahren. In diesem Sinne bemerkt, anscheinend inspiriert, der „Lokalanz.": „Versagen die Signatar- mächte von 1880 die Teilnahme, so habe eben jede in Marokko interessierte Macht freie Hand und könne nach Gutdünken mit dem Souverän deS Landes Verträge abschließen, ohne irgendwelche Rücksichten zu nehmen." Aus diele Folge wird wohl der deutsche Botschafter in Paris Herrn Rouvier höflich, aber bestimmt aufmerksam gemacht haben. ES geht auch so. Die „Nationalltg." erklärt, Mitteflungen über angebliche territoriale Konzessionen für Deutschland in Marokko seien phantastisch; sie bestättgt dagegen, daß das HanS Rentemann eine Konression für Reparaturen und Neubauten im Hafen von Tanger erhielt. Am Schlüsse einer Parade in Fez, die zu Ehren der deutschen Mission stattfand, defflierten die maurischen Truppen vor General von Schenk, der ihr forsches Aussehen lobte. In feiner doppelten Eigenschaft als englischer Gesandter und dänischer Geschäftsträger machte Lowther dem Minister der auswärtigen Angelegenheiten Mdel-Krim ben Sli- man am 12. Juni Vorhaltungen: er verlangte die Festnahme und Bestraftma des Mörders Madden's, des dänischen und östreich-ungnrischen VizekonsulS in Mazagan, sowie Maßnahmen, welche die Sicherheit der anderen fremden Untertanen in Mazagan gewährleisten. Die Frage der Entschädigung soll später erörtert werden. Lowther wird mit dem Sultan persönlich die Angelegenheit besprechen. Es sind, so behauptet wenigstens Reuter, zweifellos Anzeichen einer wach senden Anarchie in Marokko vorhanden. Die Vertreter der sranzös. Banken und industrieller Unternehmen reisten nach der Küste ab, da ihre Mission erfolglos geblieben ist. Der Pariser „Eclair" meldet auS Marokko: Im Gebiete von Mamia verfolgten marokkanische Soldaten Diebe, welche Vieh gestohlen hatten, wobei acht Algerier getötet wurden. 2600 Stück Hammel waren geraubt worden. Eine Schwadron Spahis ist nach Mamia abgegangen. Man befürchtet neue Grenzzwischenfälle.________ ,____________ Ier Krieg. Ein deutscher Dampfer in den Grund gebohrt!! Flensburg, 15. Juni. Nach einem bei der Flensburger Dampfschiifahrtsgesellschaft von 1869 eingegangenen Telegramm ist der eiserne Schraubendampfer „T et arte s", 1812 Registertons groß, am 30. Mai von dem russischen Hilfskreuzer „Don" auf der Reife von Japan nach Tientsin in der nordchinestschen See in den Grund gebohrt worden. Die Mannschaft wurde gerettet und gestern in Batavia gelandet. Das Schiff hatte, wie die Gesellschaft dazu erklärt, keine Kontrebande an Bord und war mit Holz und Schwellen beladen und nach einem neutralen chinesischen Hafen bestimmt. (Was sagt der durchlauchtigste Herr v. Bülow zu dieser neuen russischen Liebenswürdigkeit? Der englische Minister des Aeußern Lord Landsdowne hat noch kürzlich wegen der Vernichtung des englischen Schiffes „Kilda" sofort beim russischen Botschafter Einspruch erhoben und nähere Aufklärung gefordert. Hoffentlich nimmt sich der deutsche Reichskanzler an seinem britischen Kollegen ein Beispiel und redet einmal den freundlichen russischen Bären ein bißchen deutsH an.) Nachträgliches von der Seeschlacht. Tokio, 15. Jüni. In einem heute vom Marinedeparte« ment veröffentlichten Bericht des Admirals Toga über die Seeschlacht bei Tsushima heißt es: Der japanische Schlachtbefehl wurde am 27. Mai um 1 Uhr 55 Min. nachmittags gegeben. Nachdem die japanischen Schiffsdivisionen! ihre Manöver begonnen hatten, eröffneten um 2 Uhr 8 Min. die Russen das Feuer. Die Japaner erwiderten dasselbe erst, als sie auf 6000 DardS an die russische Flotte herangekommen waren. Dann konzentrierten sie ihr Feuer auf die beiden führenden russischen Schiffe mit solchem Erfolge, daß die Schlacht utrt 2 Uhr 45 Min. nachmittags entschieden war^ (Also in wenig mehr als einer halben Stunde war daS ganze russische Geschwader vernichtet?!!) In feiner Schilderung der Ereignisse vom 28. Mai sagt Admiral Togo, seine Schlachtschiffe, Kam'muras Panzerkreuzer, Urius Schiffsdivision uno diejenige des jüngeren Togo hätten Nevoga- tows Geschwader völlig umzingelt und einen Widerstcmd nutzlos gemacht. Togo gestattete bann, nachdem Nebogatowi sich ergeben hatte, diesem und seinen Offizieren, ihre Säbel zu behalten. Dir russische« TSlpel. Tokio, 15. Juni. Mehrere Fachleute untersuchten ba- russische Schiss ,L)rel" in Maitzuru und sanden in deut oberen Teil, daß ein großes und drei kleinere Geschütze sowie zwei Türme beschädigt sind. Die unteren Teile^ Maschinerie und Ankerung waren völlig unversehrt. Danach hat also keine Notwendigkeit Vorgelegen, da- Schiff zu übergeben. Paris, 15. Juni. General Gallient, Gouverneur von Ma dagaskar, der hier eingetroffen ist, teilte solgendeÄ mit: Drei Monate vor dem Eintreffen des russischen Geschwaders Roschdjestwenskis waren zwei Japaner angelangt, welche Geishas mitbrachten und ein Freudenhaus errichteten. Die russischen Offiziere besuchten daS Haus sehr ost, das jedoch lediglich Spionagezwecken diente. Die japanischeu Verluste. Die japanische Flotte hat wabrend der ganzen biS». berigen Dauer des Krieges cm Toten und ^rwundetert 391 Offiziere und 3279 Mann eingebüßt. Die Friedenskonfereuz. Washington, 15. Juni. (Reuter.) Amtlich wird' er» llärt, daß Washington als Ort für die FriedenLkory- ferenz gewählt worden sei. Die Kriegssttmmuug iu Nußlaud ist noch immer nicht verschwunden. Die „Nowvie Sfcetttta* und der „Swjet" treten energisch für die Fortsetzung deS Krieges ein. DaS erstere Blatt erklärt, Japan brauche eher den Frieden wie Rußland, deshalb könne Rußland keine Nachgiebigkeit zeigen. DaS letztere Blatt behauptet, mit wenigen Ausnahmen sei ganz Rußland für die Fortsetzung des Krieges. Schon mit Rücksicht auf die Armee könne jetzt kein Friede geschlossen werden. Sehr bemerkenswert ist die offiziöse Meldung bet, Petersburger Tel.-Agentur, daß Großfürst AlexrS um-, seine Entlassung auS der Stellung eines Großadmirals nachsuchte. Mußrand in Stnrm und Drang. Die Resormbewegung. Petersburg, 15. Juni. In der heutigen Beratung sämtlicher von der Moskauer Semstwoversammlung gewählten Deputierten wurde im Hinblick darauf, daß nur einige Mitglieder der Deputation durch den Kaiser empfangen werden sollen, folgende Resolution gefaßt: Die Deputation erachtet die ErMung der ihr von der Semstwoversammlung übertragenen Pflichten nur dann für möglich, wenn in der Zahl der vorgelassenen deputierten Mitglieder alle Fraktionen der Moskauer^ Semstwoversammlung sich beflnden. Petersburg, 15. Juni. Es bestätigt sich, daß btt Juden selbst von den geringsten Wohltaten der zugesagten Reformen ausgeschlossen bleiben sollen. Angesichts der furchtbaren Not, die die Judengesetze über die West« Provinzen gebracht haben und in deren Gefolge auch dis Demoralisation der russischen Bevölkerung eingetreten ist, haben die Semstwomänner bcschloflen, auf ihrer Audienz beim Kaiser auch die Judenfrage zur Sprache zu bringen. Die russische liberale Presse stellt dem entsprechende Forderungen. Indem das Augenmerk der Gesellschaft auf di^ großen Dienste hinlenckt, die die jüdische Intelligenz für den politischen Fortschritt Rußlands geleistet hat, bezeichnet sie es als eine Ehrenpflicht der russischen Intelligenz, sich ihrerseits auch der Juden anzunehmen. Moskau, 15. Juni. Hier sand eine von 200 Personen besuchte Ingenieur- Konferenz statt. Die Teilnehmer beschlossen, sich auf das erste Signal einem zu einem politischen Zweck zu veranstaltenden allgemeinen Aus stand anzuschließen, durch welchen das wirtschaftliche, insbesondere das ir'ulstrielle Leben des Landes zum gän lichen Stocken gebracht werden soll. Die Metzeleien im Kaukasus. Die letzten Nachrichten aus Grivan lauten sehr ernst. An» 80. Mai überschritten 5000 berittene Kurden di» persische Grenze. Alle armenischen Dörfer im Distrikt Lharour stehen in Flammen. In dem Orte Kanlouthar waren mehrere Tausend armenischer Flüchtlinge, 120 russische Soldaten und 100 Kosaken von etwa 3000 Kurden und Tataren eingeschloffen. Nach zwei Tagen erbitterten Widerstandes zogen sich die russischen Soldaten in Ermangelung von Munition auf die Eisenbahnlinie zurück. Das Schicksal der Umlagerten ist unbekannt. Die Kurden rücken gegen Davolou, Kamorku und Erivan vor; sie sind gut bewaffnet und diszipliniert. Vermutlich sind es Kurden des Hamedj- stammS. In allen Bezirken des Gouvernements von Erivan, Alexandropol ausgenommen, wird massakriert. Die allgemeine Lage ist verzweifelt. Einem Privattelegramm aus Erivan entnimmt die „Frks. Ztg/ die Worte: „Wir sitzen eingeschlossen und hungern". Bisher seien 136 Tataren und 23 Armenier getötet. KoMische Tagesschau. Deutschland im fernen Osten. In den Blättern, die für beschleunigten Ausbau 6er deutschen Flotte agitieren, wird besonders beklagt, daß im Vergleich mit anderen Mächten Deutschland in Ost- afien zu wenig Kriegsschiffe halte. Man fordert ein ganzes Linienschisfs-geschwadw, dessen Heimatstation Tsmatau sem soll. Angesichts der im fernen Osten eingetretenen Machtverschiebungen zur See ist diese Forderung nicht zeitgemäß. ES muß vielmehr alles vermieden werden, was Deutschland dort draußen in gefahrvolle Verwicklungen bringen könnte. Zieht doch sogar England seine Linienschiffe aus Ostasien zurück. Japans Seegewalt ist so überragend, daß Deutschland ihm nicht gewachsen wäre, auch wenn es über mehrere Linien- schiffsaeschwader verfügte. Der Faktor Japan muß eben in, jede auf Ostasien bezügliche Rechnung eingestellt werden, auch seitens der anderen dort interessierten Mächte. Auch steht China in Zukunft nie mehr allein. Japan wird sich im Interesse der gelben Rasse jederzeit zu dessen Anwalt aufwersen. Nicht durch militärische Machtentfaltung kann Deutschland seine Position im fernen Osten behaupten, sondern nur durch kluge Wirtschaftspolitik und kaufmännische Tüchtigkeit. Es wäre deshalb zu wünschen, daß die Besatzungsbrigade aus China zurückgezogen werde. Der deutsche Botschafter in Washington, Baron Sveck von Sternburg, hat sich dem dortigen Korrespondenten des Standard gegenüber zu der Meldung von der bestehenden Befestigung von Kiautschou angeblich folgendermaßen ausgesprochen: Die Fortiftkationspläne für Kiautschou wurden im Einklang mit dem deutsch-chinesischen Vertrage schon vor längerer Zeit fertiggestellt. Aus Mangel an Geld jedoch mußte ibre^ Ausführung bis nach Vollendung der sehr kostspieligen, für die Handelsschifffahrt notwendigen Hafcnanlagen verschoben werden. Diese sind nunmehr beendet und die deutsche Regierung wendet sich jetzt den Befestigungen zu, die den ursprünglichen Plänen entsprechend ausgefuhi^ werden dürften, ungefähr wie die englischen Fortifi- kationen von Hongkong oder die amerikanischen von Guantanamo: ein unbefestigter Flottenstützpunkt ist wertlos, jedoch wird Teutsch- 'and sich streng an seine Llbmachungeri mit China halten. * Wahlen in Holland. Die beute stattfindenden Neuwahlen zur zweiten Kammer der niederländischen Generalstaaten werden bedeutsamer sein als alle bisherigen Wahlen unter der Regierung der Königin Wilhelmina. Es handelt sich darum, ob das konservativ- klerikale Kabinet einem liberal-demokratischen weichen wird, das auf seine Fahne die Einführung des allgemeinen und gleichen Stimmrechts, also eine Verfassungsrevision, geschrieben hat. Der bisherige Ministerpräsident Dr. Küpper genießt das besondere Vertrauen der Königin. Seine Herrschaft steht jedoch auf schwachen Füßen. Die Mehrheit, mit der er vier Jahre regierte, betrug etwa ein Dutzend Stimmen, und der Bestand seines Kabinets wäre wohl früher in Frage gestellt worden, wenn nicht die Re- gierungspartrien zusammengehalten hätten. Vor kurzem schien es, als sollte diese Einigkeit in die Brüche gehen, und Dr. Küppers Aussichten auf einen Wahlsieg müßten als gering bezeichnet werden, wenn nicht im letzten Augenblick unter den Liberalen Zwistigkeiten ausgebrochen wären. Die „Altliberalen", die in Wahrheit vom Liberalismus sich längst getrennt haben, entsprechen nämlich unseren hessischen Rechts-Nationalliberalen und Wahlreformgegnern. Sie erklärten, bei den Stichwahlen, deren es nicht wenige geben dürfte, für die Kandidaten der Regierungsparteien einzutreten, und das mindert die Aussicht der Liberalen auf ein modernes Wahlrecht. Die große politische Bedeutung der Wahlen hat die Königin veranlaßt, ihre Erholungsreise aufzuschieben, die u. a. auch nach Berlin führen sollte. Hinc Kochzeit am englischen Königshose. Auf Schloß Windsor fand am 15. d. M. in Gegenwart des Königs Eduard, der Königin, des Prinzen von Wales, des Herzogs und der Herzogin von Connuught, des Erbgroßherzogs und der Erbgroßherzogin von Baden, des Khedivcn von Egypten, des Landgrafen von Hessen, des Kronprinzen und der Kronprinzessin von Schweden und anderer Mitglieder des schwedischen Königshauses, der englischen Minister, des diplomatischen Korps sowie anderer Würdenträger die Trauung des Prinzen Gustav Adolf von Schweden mit der Prinzessin Margarete von Connaugcht in feierlicher Weise statt. Das Wetter war prächtig. Die Kapelle bot mit den zahlreichen Uniformen, den Ausschmückungen und den Damen in Hof- Ueidern mit Kronen und Tiaren ein glänzendes Schauspiel. Der Erzbischof von Canterbury, unterstützt von dem Bischof von Oxford, vollzog die Trauung. Jü seiner Ansprache wies der Erzbischof auf die Bande hin, welche England mit Schweden vereinigen. Die neue norwegische Regierung sandte an den Prinzen Gustav Adolf und die Prinzessin Margarete folgendes Telegramm: „Das norwegische Volk sendet durch die Unterzeichneten die herzlichsten Glückwünsche zum Hochzeitsfest. Karl Berner; Ehr. Michelsen." Der König von Schweden ernannte den König von Encp- land zum Ehrenadmiral der schwedischen Flotte und den Prinzen von Wales, sowie den Prinzen Arthur von Con- naught zu Rittern des Scravhinenordens. Eine Robe von ganz, weißen Spitzen, hinfließend über ein Unterkleid von ganz weißen, mit Girlanden aus Orangen- Llüten und Myrthen überstreutem Seidensatin, mit tiefem Äus- schnitt über Nacken und Schultern und auslaufend in die große Hoffchlevpe, die nur den königlichen Bräuten zukommt. — das etwa ist in großer: Zügen das Brautkleid der Prinzessin Margarete. Die Kunst, mit der ucr große Pariser Toilctten- siinüler Mortb die Spitzen mit dem Unterkleid verbunden und zusammen gestimmt hat, ist über jedes Lob erhaben. . Der Stoff ist völlig aufgelöst in fonur eine wölke auS feinstem Gewebe leicht dahinschwebt, die sich nut dem schimmernden Leuchten des darunterliegenden Satins vermahll. Der Trousseau der Prinzessin weist noch eine Reihe von anderen Meisterwerken der Schneiderkunst auf. “Ein entzückendes Weißes Taffetkleid ist über und über mit Seidenapplikationen verziert ; ein Kranz feiner Blüten und Blätter, der fast wie ein zartes Schnitzwerk aus mattem Elfenbein anmutet, umgibt den Saum des Nockes; blasse, weiße Seidenblumen umschließen die Korsage und verlieren sich in einem herrlichen Spitzenfichü. Ein sehr eleganter cremefarbener Mantel mit weißer gestickter Seidengarnierung, einem Muster von Margueritensträilßchen und mit Aufschlägen an Kragen und Aermeln, in denen ein fahles Blau zu einem grünen Blatterornament steht, verbindet sich mit einem kostbaren alten Schal zu einer höchst aparten Straßentoilette. Ihr Promenadenhut hat eine Garnierung von weißem Tüll, die in Zwischenräumen von Buketts niedlichster Heller Rosenknospen durchbrochen wird, und auf der einen Seite überdeckt ist. von einer wallenden helMauen Straußfeder. Die Wäschs ist sämtlich mit einheimischen, besonders irischen, Spitzen geziert, die vielfach wie Spinnweben dünn sind. Für ihr erstes Auftreten am schwedischen Hofe ist eine große königliche Toilette entworfen. Sie besteht aus weißer, leicht changierender Seide, auf das reichste mit Silberspitze übersvonnen. Die äußerst lange Hofschleppe bietet einen höchst farbenreichen 'Mblick, da sie 'aus schimmernden Goldfäden gewobm ist und ein Dessm von Mpenveilchen mit blaßrosa und makv Warben en Tönen zeigt. Silberspitze umschließt den Ausschnitt der svitz zulaufenden Taille. Ein Gesellschaftskleid bietet ein duftiges Gebilde aus elfenbeinfarbenen Spitzen dar, die von einem Fond aus mattblauer, gobelin- artiger Gaze sich abheben. Ein Teil der Kleidung ist in, England verfertigt, so auch ihre Schuhe und Handschuhe. Auch ihre Hüte sind fast sämtlich aus England, und die Londoner Putzmacherinnen haben sich beeifert, ihr Bestes zu leisten. Ihre Lieblingshutform, der große, schwarze Federhut, ist in mannigfachen Variationen vertreten, doch daneben auch malerische Trouville-Mattosenhüte mit Garnierung von Blumenkränzen. Die Toiletten der Brant- jungfem sind ziemlich einfach, aus dem feinsten ünb schönsten blauen Seidensatin verfertigt, mit weiten Röcken, die von der Taille herab in Falten fallen, mit breiten Taillengürteln und viereckig-un Ausschnitt. Die an den Schultern gepufften Aermel reichen bis zu dem Ellbogen und sind ebenso wie das Dökolletve mit breit ui Spi'enk nten b'ietzt Runde Krttize von Margueriten und weißem Klee tragen sie im Haar. Die Ellern haben der Prinzessin eine prachtvolle Diam-mtentiara zum Geschenk gemacht; einen herrlichen Kopfschmuck als Rubinen, den Lieblingsedelsteinen der Braut, ganz von Diamanten eingefaßt, schenkte das englische Königspaar. Außerdem hat sie eine lange alte Rubinenkette mit einem Diamantanhänger, eine Halskette aus Rubinen, einen Schmuck aus Saphiren und Diamanten erhalten. Deutsches Reich. Berlin, 15. Juni. Der Kaiser, die Kaiserin und Prinz Adalbert begaben sich heute morgen nach dem Mausoleum in der Friedenskirche und legten daselbst einen Kranz am Sarge des Kaiser Friedrich nieder. Später hörte der Kaiser den Vortrag des Kriegsministers, zu dem besohlen waren der Chef des Generatstabes der Armee, der Präses der Artillerie-Prüftmgs-Kommission und die Generalinspekteure der Fußartillerie und der Feldartillerie und den Vortrag des Chefs des Generalstabes der Armee. — Der Kaiser hat auch in diesem Jahre eine Anzahl Gelehrte und Künstler zu einer Seereise eingeladen, die an Bord des Dampfers „Meteor" von der Hamburg-Amcrika- Linie vom 17. bis 30. d. M. stattsindet. — Der Kaiser ist heute nachmittag nach Sigmaringen abgereist zu den Totenfeierlichkeiten für den Fürsten von Hohenzollern. — Der Bürgermeister des französischen Städtchens Cannes hat von dem Kronprinzen und der Kronprinzessin folgendes Telegramm aus Hubertusstock erhalten: „Wir sind von den guten Wünschen, die die liebe Stadt Cannes uns aus Anlaß unserer Vermählung auszusprechen die Güte hatte, äußerst gerührt und bitten Sie, der Stadt unseren aufrichtigen Dank zu übermitteln. — Im Abgeordnetenhaus wurde die Mitglieder-Versammlung des vaterländischen Fr au en Vereins in Gegenwart der Kaiserin abgehalten. Die Vorsitzenden der Zweiqvereine waren nahezu vollständig vertreten, u. a. waren anwesend die Gemahlinnen der Minister Frhr. v. Rheinbaben, Studt, Schönstedt, v. Thielen, v. Budde, Graf Posadowsky, v. Bethmann-Hollweg. Aus dem von dem Obersten Everth erstatteten Bericht geht hervor, daß die Zahl der Zweigvereine Ende des Berichtsjahres 1170, die Mitgliederzahl 312 091 betrug. Der gesamte Vermögenvorrat des Vereins hat sich auf 15920966 Mk., die Zuwendungen auf 658 341 Mark belaufen. Vereinskrankenhäuser bestehen jetzt 69. Nach Dechargeerteilung des Schatzmeisters wurde die Tagesordnung erledigt. Die Versammlung wurde mit einem Gesang des Domchores geschlossen. Essen, 15. Juni. Heute vormittag begann die Hauptversammlung der deutschen Kolonialgesellschaft unter dem Vorsitz des Präsidenten Herzog Johann Albrecht von Mecklenburg. In seiner einleitenden Rede wies der Herzog zunächst auf die marokkanische Angelegenheit und den Besuch des Kaisers in Tanger hin. Er dankte dem Kaiser und der Negierung für die erzielten Erfolge. Er gab sodann einen Ueberblick über den Stand der deutschen Kolonien, wobei er auf die Lage in Deutsch-Südwestafrika einging. Die Gewährung einer billigen Entschädigung an die betroffenen Ansiedler sei eine Vorbedingung für die wirtschaftliche Entwicklung der Kolonien und zugleich eine moralische Pflicht des Reiches. In allen anderen Kolonien sei ein aufblühendes Leben zu vermerken. Vor Eintritt in die Tagesordnung berührte sodann Exzellenz v. Barten- werffer die Angriffe verschiedener Zeitungen gegen den Konsul a. D. Vohsen. Dieser wies in einer längeren Rechtfertig- ungsrede die Angriffe zurück. Nach Eintritt in die Tagesordnung wird sodann die vor zwei Jahren eingesetzte La nd- komMission der Kolonialgesellschaft auf den Antrag ihres Vorsitzenden aufgelöst. Zum Ort der nächsten Tagung wurde Königsberg bestimmt. In der Nachmittagssitzung wurde zunächst der Antrag betreffend die Errichtung einer Reichskolonialbank beraten. Nach längerer Debatte erklärte die Versammlung, sie verkenne nicht die im Anträge enthaltene kolonialfreundliche Tendenz, sie sei jedoch der Ansicht, daß die für die wirtschaftliche Entschließung unserer Schutzgebiete erforderlichen beträchtlichen Mittel durch den Betrieb der projektierten Kolonial- und Neberseebank nicht beschafft werden können. Das Projekt sei vom rechtlichen und banktechnischen Standpunkt aus abzulehnen. Im weiteren Verlaufe beschloß die Versammlung, dem Kolonialrat die Einstellung größerer Diittel für die geologische Erforschung der Schutzgebiete zu empfehlen. Ferner wurde der Antrag angenommen, an den Reichskanzler die Bitte zu richten, es möge am Endpunkte der Togo-Hinterland-Bahn in Valime oder Umaebuna mit Rücksicht auf die große Anzahl der Europäer einerseits und die Bedürfnisse der Eingeborenen andererseits (Pockenimpfung, Leprabekämpsung u. s. w.) ein ständiger Negierungsarzt angestellt werden. Im weiteren Verlause der Nachmittagssitzung beschloß die Hauptversammlung, ein deutsch-ost afrikanisches Besiedelungskomitee. zu bilden, dem zur Aufgabe gemacht wird, im Nahmen der zur Verfügung stehenden Mittel die Ansiedelung von Weißen in Deutsch-Östafrika zu fördern. Der schriftliche Verkehr des Komitees soll durch das Bureau der Kolonialgesellschaft erfolgen. Gleichzeitig forderte die Versammlung den Grasen Pfeil auf, Berichte über die Ansiedelungsfrage zu erstatten. Aus Stad! Md Land. Gießen, 16. Juni 1905. * * Das Großherzogspaar wird, wie man uns aus Hohensolms mitteilt, nächsten Sonntag dort zum Besuche eintresfen. * * Personalien. Ernannt wurde der Militäranwärter Weber in Darmstadt zum Kanzleigehilfen am Landgericht der Provinz Starkenburg, die Militäranwärter Bogdanski, Ruffini, Mieles, Groß, sämtlich in Mainz, zu Kanzleigehilfen am Landgericht der Provinz Nheinhessen und der Militäranwärter Schütz in Darmstadt zum Kanzleigehilfen bei der Staatsanwaltschaft am Landgericht der Provinz Starkenburg. * * Das Großh. Regierungsblatt, Beilage Nr. 16, ausgegeben am 15. Juni d. I., enthält it cl: Bekanntmachung, Vorarbeiten für eine Lokalbahn von Aschaffenburg nach Höchst i. O. betreffend. (Die Erlaubnis zur Vornahme von Vermessungen für eine solche Bahn innerhalb des Hess. Staatsgebietes wurde vom Großh. Ministerium des Innern der Königl. Bäuerischen Eisenbahn- bansektion Miltenberg erteilt. Uebersicht der für das Jahr 1905 zur Bestreitung der Kommunatbedürfnisse der Gemeinden des Kreises Lauterbach genehmigten Umlagen. * * Verleihung der Staatsmedaille für A u s st e l l u n g e n. Durch Entschließung des Großh. Ministeriums des Innern wurde der Maschinenbauanstalt Curd Nub e zu Offenbach a. M. auf Vorschlag des Preisgerichts der Ausstellung des Verbandes deutscher Klempner- und Installateur-Innungen zu Berlin 1904 die Silberne Staats- medaille verliehen. * * Der Provinzialausschuß wird am Mittwoch, den 21. d. Mts., vormittags 1/29 Uhr beginnend, eine Sitzung mit folgender Tagesordnung haben: 1. Schulhausneubau in Massenheim, Kreis Friedberg. 2. Den Hebammendienst in Eifa, Kreis Alsfeld. " Gelegentlich der Hauptversammlung detz Landeslehrervereins kam es auch zu einer lebhaften Kundgebung für die Simultanschule, die uns das liberale Volksschulgesetz Hessens bereits vor einem Menschen- alter brachte. Der Obmann Backes betonte in seinem Referat, daß die Negierung bisher alle Bestrebungen, unserer Volksschule den simultanen Charakter zu nehmen, entschieden zurückgewiesen habe. Auch der Regierungsvertreter Freiherr von Gagern sprach den Wunsch aus, daß der jetzige Gottesfriede unserer Volksschule von keiner Seite gestört werden möge. — Auch die Ausführungen des Obmannes, in denen er sich entschieden gegen dieSonderbestrebungen von Berufsbildungen (Landwirtschaft, Handwerk) wandte, wie dies in den letzten Jahren von verschiedener Seite verlangt wurde, fanden stürmischen Beifall. Die Volksschule muß eine allgemeine Bildungsanstalt bleiben. x Ein nie geahnter Verkehr ist am Knotenpunkt der Staats- und Viebertalbahn auf Station Abendstern entstanden. Die im Jahre 1878 vollendete Hauptbahn durchkreuzte ein volles Jahrzehnt das Tal, ohne jeglichen Verkehr nach sich zu ziehen. Jetzt wird demnächst eine Güterverladestelle an der Hauptbahn eröffnet werden. Die dieserhalb vorzunehmende Erweiterung des Bahnkörpers wird wohl noch andere nach sich ziehen. * * Die erste Einquartierung hatten heute die Orte der Umgegend unserer Stadt, Wieseck, Lich und Hungen. Die 61er Artillerie (Darmstadt-Babenhausen) befindet sich auf dem Wege zum Truppenübungsplatz Senne bei Paderborn. Dort bleibt das Regiment ca. drei Wochen. * * Ein Automobil, von Kühen gezogen, mag, so schreibt man aus Ermenrod, wohl selten vorkommen. Und doch ereignete sich dieser Fall hier. Ein Automobil fuhr dem in unserer Nähe brfindlichen steilen Eisenmannsberg hinauf. In der Mitte der Steigung aber ging der Wagen nicht mehr vorwärts, sondern drohte die umgekehrte Bewegung zu machen. Um davor bewahrt zu bleiben, lenkte der Führer des Wagens seitwärts in eine Waldschneise. Dort bat er einen in der Nähe befindlichen Landmann um Vorspann mit seinen Kühen. Diese wurden in der Tat an das Automobil gespannt, und nun gings zum Gaudium der Zuschauer den Berg hinauf. pn. Lang-Göns, 15. Juni. Ein bedauerlicher Unglück sfall ereignete sich gestern nachmittag. Das vierjährige Töchterchen des hiesigen Küsehändlers Stern fiel von dem Brückenstein auf dem Kreuz in den Gönsbach und verletzte sich durch den Fall auf einen Stein sehr schwer am Hinterkopfe. Der Knabe, der es beaufsichtigen sollte, war den Soldaten, die hier einquartiert sind, nachgelaufen. It. Lich, 15. Juni. Der Tag, an dem das Denkmal Sr. Durchl. des Fürsten Ludwig enthüllt werden soll, ist nun endgiltig auf . den 2. Juli festgesetzt worden. Die Feier wird folgenden Verlauf nehmen: Nachmittags um 3 i/2 Uhr wird sich der Festzug an der Turnhalle ausstellen unb" unter den Klängen einer Militärkapelle nach dem Denkmalsplatz sich bewegen. Die Schulen werden den Zug eröffnen, dann folgt die Musik, hinter ihr die Ehrenjungfrauen, das Denkmalkomitee, Stadt-, Kirchen- und Schulvorstand, die Klubgesellschaft, die Vereine mit ihren Fahnen in einer durch das Los bestimmten Reihenfolge, Bürger und auswärtige Teilnehmer. In weitem Bogen stellt der Zug sich dann um das Denkmal auf, dem gegenüber ein Zelt für die hohen Herrschaften errichtet wird. Zum Beginn der Feier wird ein allgemeines Lied, der Choral: „Eine feste Burg ist unser Gott" gesungen, dami trägt der Gesangverein Cacilia einen Chor vor, worauf Stiftsdechant K l i n g e l h öffer die Festrede hält. Danach erfolgt die Enthüllung, Uebergabe und Uebernahme des Denkmals, wonach der Gesangverein Männerquartett ein Chorlied singt. Den Schluß der Feier bildet das aemeinsam gesungene Lied: Deutschland, Deutsch- land über alles. Darauf nimmt der Zug seinen Weg durch die Sraor bis zum Rathause. Am Abend wird Se. Durchlaucht der Fürst in einem Saale ein Bankett veranstalten, zu dem Einladungen ergehen. Gegen 10 Uhr wird das Denkmal bengalisch beleuchtet werden, und damit werden die Festlichkeiten beendet sein. 0 Grünberg, 15. Juni. Dr. Th. Koch, der nahezu 11/2 Jahre auf einer Forschungsreise in den Jndianergebieten der Nebenflüffe des oberen Amazonenstromes in Süd-Ämerika sich aushielt, teilt seinen hiesigen Freunden mit, daß er gegen Ende ds. Mts. zum Besuche in Grünberg eintreffen würde. Seine Braut, die Tochter des bekannten Hühneraugenring- fabrikanten Wasmuth, mit der er sich kurz vor seiner Abreise verlobt hat, reist ihm dieser Tage in Begleitung ihres Bruders bis Lissabon entgegen. Der Forscher wird sich von hier wieder nach Berlin begeben, wo er eine Stellung an dem Museum für Völkerkunde inne hat. □ Laubach, 15. Juni. Die Lehrerin an der Stadtschule zu Friedberg, Frl. Auguste Draudt, wurde für die Dauer von zwei Jahren für die hiesige höhere Privatmädchenschule mit Wirkung vom Herbste d. I. engagiert. g. Büdingen, 15. Juni. Auf dem diesjährigen Pfing st schießen errang Schlossermeister S ch ö n den Ritter. Se. Durchl. der Fürst nebst Familie sowie Prinz Alfred mit Familie wohnten dem Fest bei. — Se. Durchl. Fürst Bruno trat gestern in sein 68. Lebensjahr. sd. Darmstadt, 16. Juni. (Drahtbericht.) Der ^önig Friedrich August von Sachsen wird am 26. d. M., nachmittags, hier eintreffen zur Erstattung seines Antrittsbesuches, an einer Galatafel teilnehmen und am 27. d. M. wieder abreisen. R.L. Darmstadt, 15. Juni. In der heute nachmittag stattgefundenen Stadtverordneten-Versamm- lung kam wieder einmal die leidige Frage des Bahnhofs-Neubaues zur Sprache. Auf die Anfrage der Stadtverwaltung bei der Eisenbahndirektion in Mainz, wie es mit dem Umbauprojekt bestellt sei, hat diese nach einer Mitteilung des Oberbürgermeisters geantwortet, sämtliche Umbaupläne befänden sich beim Eisenbahnministeriunl in Berlin; die Direktion habe keinerlei Kenntnis von der Stellung des Ministers zu den von der Stadt Darmstadt gemachten Vorschlägen. Die Eisenbahnwagen-Ncparatur- werkstätte soll auf dem jetzigen Platz verbleiben und erweitert werden. Die Stadt erhebt jedoch gegen die Erweiterung beim Finanzministerium Widerspruch, da hierdurch eine völlige Trennung des Westens vom Osten der Stadt herbeigeführt werden würde. — Zur Gemeindesteuer- re f o r m hat der Abg. Schönberger einen langen Antrag, resp. ein Appendix zum Ausschußbericht eingebracht, worin der Abgeordnete auf 5 großen Druckseiten seine Stellung zu der Frage darlegt und um Ablehnung der Regierungsvorlage in der jetzigen Form ersucht. Wenn es Sitte werden sollte, daß noch mehr Abgeordnete anstatt bei den Plenarverhandlungen mündlich, schon vorher schriftlich neben dem sehr umfangreichen Ausschußbericht auch noch ihre spezielle Ansicht so umschweifig zur Kenntnis zu bringen Lust verspüren, so würde man doch schon vom Standpunkt der abermaligen Mehrkosten dagegen Verwahrung einlegen müssen. p. Garb en h eirn, 15. Juni. Ein Landwirt von hier zog sich beim Streuen von Chilisalpeter eine Blutvergiftung zu; er schwebt zwischen Tod und Leben. — Zwischen Studenten und Gymnasiasten einerseits und Ortsburschen von hier andererseits kam es hier dieser Tage zu einer gehörigen Keilerei, bei der es kräftige Hiebe absetzte. Die Sache beschäftigt bereits das Gericht. w. Wetzlar, 15. Juni. Am 13. und 14. Juli wird hier das weithin bekannte „Wetzlarer Ochs en fest" stattfinden. Für Rinder sind 2250 Mark, darunter auch zwei Sammelpreise bestehend aus 10 Tieren einer Gemeinde (1 Bullen, 6 Kühe und 3 Rinder) vorgesehen. Zur Prämiierung wird nur zur Zucht benutztes und bestimmtes Vieh der bodenständigen Vogelsberger Rasse zugelassen. Mithin winken allen Züchtern dieser Gattung wieder reiche Erfolge. Es wird aber auch eine starke Konkurrenz geben, gehören doch der Herdbuchgesellschaft des Kreises Wetzlar arr das Vogelsberger Rind nahezu 400 Mitglieder an. Wie sehr die Vogelsberger Raffe im hiesigen Kreise gepflegt wird, geht schon aus der letzten großen landwirtschaftlichen Ausstellung zu Gießen im Herbste 1903 hervor. Erhielten doch damals von den 48 ausgestellten Tieren des Kreises Wetzlar 27 Preise im Betrage von 1270 Mark. Daneben kommen noch sür Schweine 550 Mark, für Ziegen 200 Mk. und für das zum erstenmal vertretene Geflügel 215 Mark zur Verteilung. ** Kleine Mitteilungen aus Hessen und, den N a chbarfta aten. Eine verhängnisvolle Ballonfahrt unternahmen von Wiesbaden aus Miß Pollv und die Maschinistenfrau Dörr. Der Ballon blieb in den Waldbäumen hängen. Als Frau Dörr aus der Gondel stieg, stürzte sie ab. Beim Sturze wurde ihr der Arm zerschmettert. Durch einen Notverband wurde sie vor Verblutung gerettet. — Die „Wormser Ztg." stellt ihre Mitteilung betr. die Aufnahme des D o m p r o p st e s M a l z i in eine Irrenanstalt dahin richtig, daß es sich nicht um diesen, sondern um dessen Bruder Ferdinand handelt, der bereits in die Irrenanstalt ausgenommen toirtbe. — Reichstagsabg. Graf Oriola ttnrfr nächsten Sonntag in Friedberg in den „Drei Schwertern" über seine Tätigkeit im Reichstag Bericht erstatten uns die bevorstehenden ReichstNgsvorlagen besprechen. Kirche und Hchute. Ein seltsamer religiöser Konflikt. Ein! ganz eigenartiger religiöser Streit setzt die Bevölkerung 0eS kurhessischen, unweit von Kassel gelegenen Städtchens Groß- almerode seit längerer Zeit in Auflegung. Es handelt sich, wie uns von einem Kenner der dortigen Verhältnisse geschrieben wird, um eine Gemeinschaftsbewegung, deren Haupt der evang. Pfarrer Holzapfel in Großalmerode ist. Dieser und seine Getreuen sind so weit gekommen, daß sie, vom Geiste Gottes sich erfüllt glaubend, darüber ihre täglichen Pflichten ihren Mitmenschen und Angehörigen gegenüber vergessen. Die Manner geben den Beruf aus oder vernachlässigen ihn, die Frauen versäumen ihren Haushalt. Ihre Hauptbeschäftigung ist Beten uiid Singen, in der Kirche und auf dem Felde. Sie fallen nieder und ringen die Hände gen HimNrel. Bei der Austeilung des Abendmahls redet Pfarrer Holzapfel seine Gefftcsgenoffen an: „Nimm hin, du Gläubiger des Herrn", den danebenstehenden 'Hichtgenussen dagegen: „Nimm hin, dies " usw. Dee besonne- steren Leute in der Gemeinde gingen r.' t dem Pastor und kamen schließlich zu der Ueberzeugung, 'weder er weichen snüßte oder aber eine Trennung einzu. 'tte. ^as Kon- Mvriunt hat den Marrn bisher trotz aller .,chwerden m Amt und Würden belasten. Die Folge davon ist, datz Hunderte von denen, die mit dem Treiben des Pastors nicht einverstanden sind, ihren Austritt aus der Landeskirche erklärt haben und Hurrderte noch ihrem Beispiele folgen werden. Es wird dahin kommen, daß die Ausgetretenen eine Privatgemeinde gründen und sich auf ihre Kosten einen eigenen Geistlichen gewinnen wird. Diese aus der Kirche Aus geschiedenen und noch Ausscheidenden sind nicht etwa rabiat Liberale oder Freireligiöse, sondern einfache Leute mit schlichtem Gottvertrauen, die sich ihren Gott nicht, verunglimpfen lassen wollen. Sie stehen namentlich allem kirchlichen und religiösen Streit zwischen Orthodoxie und moderner Theologie vollständig fern. Ein katholische Blatt, welches vor einigen Tagen eine kurze Mitteilung über die Vorgänge in Großalmerode veröffentlichte, behauptete darin, daß die aus der Landeskirche Austretenden zum Teil die Absicht hätten, katholisch zu werden. Dies ist, wie uns unser Gewährsmann versichert, völlig ausgeschlossen. Es wäre sehr interessant, zu beobachten, wie sich die oberste preußische Kirchen- behövde, der die Angelegenheit kaum noch lange verborgen bleiben kann, dazu stellen wird. Es ist gewissermaßen ein u m g e ke br- ter Fall Fischer. L. Aachen, 15. Juni. Ein englischer Ausschuß zum Studium der deutschen Einrichtungen besuchte h'^r die städtischen Anstalten und sandte dem Kaiser folgende' Telegramm: „Euerer Majestät beehrt sich der Britische Ausschuß nach Ueberschreiten der Grenze und nach herzlichem Empfang der Stadt Aachen, wobei em Toast auf Eure Majestät und das deutsche Kaiserhaus cnisgebrackt wurde, untertänigsten Gruß und allergehorfamsten Dank zu Füßen zu legen. Lord Lvverden, Dr. Lunn." Der Ausschuß begab sich am Abend nach Köln. Stuttgart, 15. Juni. In der heutigen Versammlung des Deuffchen Vereins für Schulgesundheitspflege wurde nach einem Vortrage des Stuttgarter Stadtarztes Dr. Gastpar über Schülwintersuchungen mit großer Mehrheit ein Antrag angenommen, der den Regierungen nahelegt, die schulärztliche Ueberwachung auf sämtliche Schulen, auch auf die höheren Knaben- und Mädchenschulen, auszudehnen. Die Mit teilung, daß dies für Württemberg bereits beabsichtigt sei, wurde mit lebhaftem Beifall ausgenommen. Als Ort flir die nächste $eT^ sammlung wurde vom Vorwande Karlsruhe voraeschlagen. * Der Kampf gegen die Zigarette. Die Schädlichkeit des Tabakgenusses soll nach Ansicht vieler Hygieniker besonders bei anhaltendem Zigarettenrauchen hervortreten, zum Teil vielleicht deshalb, weil gerade Zigarettenraucher weitaus weniger Maß zu halten wissen als Zigarrenraucher. Auch das Papier, welches dem Tabak als Hülle dient, soll eine Reihe, schädlicher Verbrennungsstoffe liefern. Von manchen Seiten wird deshalb mit besonderer Energie gegen das Zigarettenrauchen gekämpft. In einer Stadt von Massachusetts, in Holyoke, hat — wie die Wochenschrift Medizinische Klinik berichtet — ein förmlicher Kreuzzug gegen die Zigarette begonnen, bei dem die protestantische und katholische Geistlichkeit gemeinsam wirken. Die Bewegung ist nicht gegen den Gebrauch von Tabak überhaupt gerichtet, sondern nur gegen seine Verwendung zu Zigaretten. Erwachsene Personen sollen unb-helligt bleiben' . dag-gen verbietet ein Gesetz den Verkauf von Zigaretten an jugendliche Personen unter 16 Jahren. Es soll sogar ein Kapital zusammen gebracht werden, um eine strenge Durchführung des Gesetzes zu ermöglichen. Angesehene Tabakhändler haben versprochen, an der Bewegung mitzuarbeiten, soweit es sich um den Verkauf von Zigaretten an Minderjährige handelt. Soweit das Taffächliche. Es scheint jedoch, daß dem Kampf gegen die Zigarette die Uebertreibung der Schädsichkeitsbehai'vtung nicht fern liegt. * Kleine Tageschronik. In B r ü s s e l ist ein zweiter Arbeiter der bei der E x p l o i i o n in der Auer-Glühstrumpffabrik (vgl. unsere gestrige Depesche) Verunglückten gestorben. — Aus Cambridge wird gemeldet, daß dort iiüolge Einsturzes einer Teraffe anläßlich der Universitäts'-Regatten 20 Personen insWasser gefallen sind. Es gelang alle zu retten, mit Ausnahme von 3 Mädchen die sämtlich verlobt waren und in Kürze heiraten wollten. — Aus der iranzössischen Ortschaft Ch a u - dien wird berichtet, daß ein 71jähriger Greis, der seit acht Tagen vermißt wurde, in seinem Zimmer als Leiche aufgestmden wurde. Tie Leiche war von zwei im Zimmer befindlichen Hunden total zerfleischt worden. — In G i b r a l t a r wurden ein Leutnant und drei Mann durch die E r p l o s i o n an Bord des „Magnisi- cetit* getötet. Der Unglücksfall ereignete sich dadurch, daß das Geschoß im Geschützrohr versagte. Der Verschluß wurde geöffnet, als plötzlich das Geschoß explodierte. — Im B o d e t a l im Harz ist der Student Ka letsch von einer Felswand abgestürzt und war sofort tot. — Unweit la Roche des Arnauds in den franz. Alpen stürzte ein A u t o m o b i l infolge Versagung der Steuerung in eine Schlucht hinab. Der Eigentümer M. Eor- dingley aus London und der Chauffeur Maurice Bron aus Paris wurden schwer, die Gattin Cordingleys tödlich verletzt; eine zweite Dame kam mit dem Schrecken davon. Bauern brachten die verunglückten Automobilisten nach Gag. Kunst und Wissenschaft Eilenach, 15. Juni. Der Sängerbund estag erhob folgenden Antrag des gescbästsführenden Ausschusses zum Beschluß: Der deutsche Sängertag schließt, seinen Traditionen entsprechend, Wettstreitveranstaltungen von den großen deuffchen Sängerbundesfesten ans; er gedenkt dankbar des Interesses des deutschen Kaisers für den deutschen Männergesang und überläßt es jedem Verein, sich an kaiserlichen und Wettstreitveranstaltungen von Bünden oder großen Vereinen zu beteiligen, er erhebt jedoch aufs neue seine warnende Stimme gegenüber den Wettstreiten, veranstaltet von kleinen und lleinften Vereinen, die kein künstlerisches Interesse verfolgen. Danzig, 15. Juni. Heute wurde b°r 15. Deutsche Geographen tag durch Prof. Oberhummer-Wien geschlossen. Zum Ort der 16. Tagung, die in zwei Jahren stattfindet, wurde Nürnberg gewählt. — Von der Welt-Ausstellung in Lüttich wird ein dummer Vorgang bekannt, der namentlich in allen Künst- kreisen viel bespöttelt wird. Der Bildhauer Lambeau, ein von der Moderne sehr hochgeschätzter talentvoller und ernster Künstler, hatte ein Bild zur Ausstellung gesandt, aber die Herren Preisrichter haben dieses Bild, das ihnen mißfiel, zurückgewiesen; offenbar war ihnen der Name .des Künstlers unbekannt, sonst wäre ihnen ein solcher faux Pas wohl nicht passiert. Jetzt hat sich sogar die Lütticher Gemein de ratssitzung mit dem „gebissenen Faun" befaßt. Der Gemeinderat Seeliger drückte sein und seiner Kollegen Bedauern aus über die Unkorrektheit, mit der gegen den berühmten Bildhauer verfahren worden sei. Er beantragte, daß das Votum des Ausschusses bedauert und zurückgenommen werden solle. Nach längerer Debatte wurde schließlich die Angelegenheit auf ackt Tage vertagt. Kandel nrd Perke! r. AolLswirlschaft. Berliner Börse vom 15. Juni 1905. (Mitgeteilt von der Bank für Handel und Industrie, Gießen.) Privat-Diskont 21/, Prozent. Anfangs- u. Schlußkurse. Oest. Kredit .... 208.75 Deutsche Bank . • . 239.80 Darmstädter Bank . . 141.30 Bochumer Guß . . . 250.80 Harpener Bergbau . . 214.50 Tendenz: Schwach. 207.75 238.62 141.30 250.12 213.75 Erz-Kuxe. Fernie. Angebot 3050, Nachfrage 2975. Ausbeuten und Zu- bnßei', 1903: 225; 1904: 300. Russische Auleihebe d ü V,f nisse. Aus Brüssel wird gemeldet, daß belgische und französische Banken nicht abgeneigt sind, der russischen Regierung für den Fall des Friedensschlusses die nötigen Kapitalien zur Zahlung einer Kriegsentschädigung sowie zur Errichtung einer neuen Flotte zur Verfügung zu stellen. Es ist dabei zu bemerken, daß derartige große Operationen nicht ohne Mitwirku- ) der deutschen Gruppe erfolgen werden. Bierbrauerei-Jndustr Die der Deuffchen Bier» brauerei-Akt.-Ges. in Berlin gehe fnben Brauereien in Pichelsberg und Radeberg, haben im ve ,'un Monat einen Mehrabsatz von 4000 Hektoliter erzielt. De r ist zu berücksichtigen, daß auch im vorigen Jahr um diese /eit schon die Hitzeperiode angefangen hatte. Immerhin wäre zu wünschen, daß es in dieser^ Jahr nicht so anhaltend hei» r ‘,rt>, wie 1904, denn die wirtschaftliche Prosperität hängt dock Glicht allein vom Biertrinken ab. Märkte. 0 Marburg, 15. Ium.. Der heute hier stattgehabte Schweinemarkt war nm mit 620 Schweinen befahren, die zu hoben Preisen verkauft r irden. Es kosteten 4—6 Wochen alte Saugferlel 35—40 M f. 3—4 Monate alte Läufer 60 bis 70 Mark, und ältere -weine 100—120 Mark pro Paar. ko. Frankfurt a. M.. 16. Juni. tOrig.-Telegr. des ^Gieß. Anz.^) V i e h m a r k t. .sinn Verkarüe standen 619 Kälber, 45 Schafe u. Hammel, 333 Schweine. Kälber 1. Qual. 87—90 Pf,. Lebendgewicht 52—54 Pig.. 2. Qual. 80—84 Psg., Lebendgewicht 49-51 Psg., Schlachtgewicht 62—66 Pfg. Schafe 1. Qualität Schlachtgewicht 00—00 Psg., 2. Qualität 00—00 Pfg. Schweine 1. Qualität 69—00 P'g., Lebendgewicht 54.00 Pfg., 2. Qual. 68—00 Pfg., Lebendgewicht 53—00 Pfg., 3. Qualität 62—64 Mg., Lebendgewicht 00—00 Pfg. Geschäft gut, kein .Ueber- stand. __________________________________________________ Der Rheinisch Westfälische Effektenmarkt! Mülheim a. d. Ruhr, 15. Juni 1905. Das Geschäft am Kohlenkuxenmarkte war für schwere Werte, die ihre Kurse fest behaupteten, ansehnlich. Sehr stark gebandelt wurden Konstantin der Große, die bis 43 700 bezahlt wurden. Mont Cenis 24 200, König Ludwig 33 500, Lothringen! 24 950. Stark steigend waren ferner Herkules, die mit 10 600 bezahlt wurden. Ferner wurden umgesetzt Alte Haase, Altendorf, Dahlhauser Tiefbau, Freie Vogel und Unverhofft. Langenbrahm, Siebenplanetcn und Tremonia. — Von Draunkohlenkuxen zogen Roddergrube weiter start an und wurden mit 22 000 Mk. bezahlt. — Auf dem Kalikurenmarkte waren die Kurse gut behauptet und das Geschäft war lebhaft. Höher waren Justus I., Alexand-ershall, Johannashall, Wintershall und Hansa Silberberg. Auch Schieferkaute wurden mehrfach gehandelt. — Vom Erzkurenmarkte ist nichts besonderes berichtet. Für Wildbera wurd-m 925 aeboten. Temperatur der Lahn und der Luft am 15. Juni 1905. Nach Reaumur gemessen mittags zwischen 12 und 1 Uhr. Wasser 17°, Lust 20 6 R. Mülle r'sche Bade- und Schwimmanstalt. Gießener landwirtschaftlicher Wetterdienst. BorauHsichtliche Witterung in Heffeu für Samstag, den 17. Juni 1905: Zunehmende Bewölkung und später Gewitterregen ; schwül. Nähere? durch die Gießener Wetterkarte^ Original-Praylmeldungen. Essena. R., 16. J-uni. Die Aussperrung der 30 000 Bauarbeiter im Jvdustriebezirk veranlaßte eine Streikbewegung der Bauschreiner. In Hofstede und Gelsenkirchen brachen schon pnrtielle Ausstände aus. Halle a. S., 16. JUni. Wegen Lu st mords an der Dienstmagd Minna Kaßler wurde ein Steinbrucharbeiter in Dandersdorf verhaftet, den Kratz- und Bißwunden verrieten. Schwa an (Mecklenburg), 16. Juni. Infolge Kenterns eines Bootes ertrank der Ziegler Lampe mit seinen beiden Töchtern im Alter von 12 und 13 Jahren. Er wollte seinen Töchtern zu Hilfe eilen, wurde aber, da er von der Arbeit erhitzt war, von einem Hitzschlage gerührt und versank in die Tiefe. Ilmenau, 16. Juni. Der Zustand des Professors Wernicke, der bei einer Radtour von einem Fuhrwerk erfaßt und überfahren wurde, ist kein hoffnungsloser, obwohl die Verletzungen sehr schwere sind. London, 15. Juni. Amtlich wird gemeldet: Jn M a tp- ch e st e r kam ein Pe st fa ll vor, welcher tödlich verlaufen ist. Der Erkrankte war Hilfskoch an Bord eines Dampfers, der von Buenos Aires über Hamburg am 8. Juni in Middlesborough angekommen war. Wien, 16. JUni. Das Erdbeben in Skutarr dauert noch immer fort. Seit dem 1. Juni werden täglich zehn bis zwölf Stöße verspürt. Die Häuser sind größtenteils eingestürzt. Im Christenviertel, das am wenigsten gelitten hat, wurden 19 Personen getötet. Der Vorort Bohtschlyk ist ein einziger großer Trümmerhaufen. 54 Personen sind tot. Liezen (Steiermark), 16. Juni. Gestern abend tötete sich der Gouverneur a. D. Wißmann in Weizenbach bei der Rehpürsche in Fischern aus eigener Unvorsichtigkeit durch einen Schuß in den Kopf. Petersburg, 15. Juni. Ein kaiserlicher Tagesbefehl an das Marineressort von heute besagt: Großfürst Alexis Alexandrowitsch ist auf sein Äesuch hin in Gnaden von seinen Funktionen als oberster Chef der Marine und des Marinedepartements enthoben worden unter Belassung in seiner Würde als Großadmiral und Generaladjutant, sowie in seinen übrigen Funktionen und Würden. Newyork, 16. Juni. Als Delegierte Rußlands zu den bevorstehenden Friedensverhandlungen werden Ne- lidow und Kuropatkin genannt. Washington, 16. Juni. Aus autoritativer Quelle wird versichert, daß infolge des Druckes, der von verschiedenen europäischen Mächten ausgeübt wurde, Roosevelt Japan ersuchte, das Minimum der Forderungen festzustellen, welche es als Kriegsentschädigung bestimmen würde. Roosevelt ersuchte glerchzeitig, die Ansprüche möglichst niedrig zu stellen, damit eine endgiMge Regelung des Konfliktes erwartet werden könne. Kursbericht. Frankftirt a. 1.5 Juni. Offizielle Schlusskurse. 3l/g% Reichsanleihe , . . 101.40 do. ... 90.60 3‘Konsoln .... 101.40 b0^ do......90.60 31 '$% Hessen .... 100.60 3l/,% Oberhessen . . . 98.50 4% Oesterr. Goldrente . . 101.95 4*/8% Oesterr. Biiberrente . 101.20 4% Ungar. Goldronte. . . 99.55 4°/ Haben. Rente . . . 106.30 4% Portugieser I . . . 67.00 3 Portugiesen. III . . 67.40 1 % Unif. Türken . . . 88.20 Ttirkenlose .....136.50 4% Griech. Monopol.-Anl. 54.70 4l/i% äussere Argentiner 44.80 3o/o Mexikaner . . Chinesen . . Electric. Sohuckert . Nordd. Lloyd , . Kredite ktien Disken to-Kommandit, Darmstädter Bank . Dresdener Bank . . Ber iner Handelsges Oesterr. Staatsbahu . Lombarden . . . Gotthard bahn « . . Laurabütte . . . Bochum .... Harpener . . . . IStaatschatzscheine • Tendenz; fest. . 67.95 . 96.60 . 137 65 . 124.40 . 209 00 . 190.40 . 141.90 . 156 60 . 171 00 . 143.80 . 18.50 .' 266.85 . 251.60 . 214.70 . 10055 Schluss schwach auf Marokko. zur Blutbildunn, ent- hält Eisen, Eiweiß für die Er- I ]| | nährunq und Lecithin (Phos- 1.JI phor) für die Nerve«. Es ist ohne jede Konkurrenz und das billigste Präparat für Schwächliche, Blutarme, Kinder, usw. Das */a Kilo kostet 3)1. 8.— und ist in Apotheken, Drogerien usw. erhältlich. bT/4 welche ©oft dem Allmächtigen, hat eS gefallen, unfern kleben Gatten, Vater, Schwiege» Bruder, Schwager und Onkel vater, 6 Zimmer j zu vermieten. 3148 2 Zimmer ten •evren edmgungen: Beste Be- yjtarftlauberu 04012 sofort gesucht. 8212 Büchsenschütz. 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