Nr. 216 General-Anzeiger, Amtt- und AnzeigMatt für den Ureis Gietzen Gütergeschosse, 2 II. der -ur ug. Laufmädchen >ol.-.lck -es. Grünbevg.2lr.1ü,p.^^ SM ^«!5. IMl'1! 1 1 1 1 1 dadurch freibekommen, daß i.,m Japan die indische Flanke deckt. Und da alles Denken und Streben Eng- 1 Band Zusammenstellung der Gütergeschosie, baß Protokollbuch; lands patsch •nie jiiindiwrei. cjertÄ' £ 326 poftlaqeniöj^ ,eit daraus gerichtet scheint, einen eure- Zeltbrand zu entfachen, so sucht man in England mit allen Mitteln zweierlei zu erreichen: Rußland zur Wiederaufnahme seiner panslavistischcn Politik zu veranlassen, und Frankreich immer mehr mit Deutschland zu verhetzen. Ohne daß man sich in >ieser Beziehung einer Täuschung hingcbcn darf, ist es )och erfreulich zu sehen, daß der von den offiziösen eng» ischen Blättern ausgcworfene Köder der Rußland mit Ansichten auf Konstantinopel locken wollte, von der russ. Presse mit Entschiedenheit zurückgewiesen wird. So schreiben die gegen findet statt: Montag, 2. Oktober l. I., vormittags von 81/2—91/, Uhr, im Vureau der Grotzh. Bürgermeisterei Gießen, wozu ich die Beteiligten unter dem Anfügen einlade, daß die Nichterscheinenden mit Einwendungen ausgeschlossen sind. Die Einwendungen sind schriftlich abzufasien, zu begründen und auf Papier in Aktengröße (mindestens Vb Bogen) emzureichen. Friedberg, den S. September 1905. Ter Großherzogliche Feldbereinigungskornmissär: Spam er, KreiSamtmann. GklchetM WßNch mU HuBnabme des Sonntag». Die ^Gießener -amttienblätter" werden dem ,Anzetger viermal wöchentlich betgelegt Der Erstich« Laadwirt" erichetnt monatlich einmal. gtotQhonßbrud und Verlag btt Vrühllch« Untoerßtätßbruderet 9L Lange, Vietze». Redaktton, Expedition u.Druderei: Schulstr.K» Tel. Nr. 51. Idcflt.-aUn. > 8ln-etgtt Vietze». bach, 1 Band Zusammenstellung der Gütergeschosse von Wißmar, 2 Bonitierungskarten, Einsicht der Beteiligten offen. Tagfahrt zur Entgegennahme von Einwendungen hier- Aeutschland nach dem Zriedensschluffe. Der Friede von Portsmouth hat England ungeheure Vorteile verschafft ... , ohne baß es selbst fühlbare Opfer dargebracht hätte. Es hat die Arme in Europa schwach sind. Es bedarf für sie im 2. Jahre nur geringer Schädigung, nm sic Krankheiten erliegen zu lassen. Aus alledem geht hervor, daß der Kampf gegen die Säuglingssterblichkeit mit Nachdruck und Ernst geführt werden muß. (L. N. N.) Kekanntmachmlg. B etr.: Feldbereinigung in der Gemarkung Gießen, links der Lahn. In der Zeit vom 16. September l. Js. bis einschließlich 80. September l. J8. liegen auf dem Bureau der Großh. Bürgermeisterei Gießen die Arbeiten des II. Abschnittes, und zwar: I. der Fluren XIX bis XXVIII der Gemarkung Gießen, links der Lahn, nämlich: 2 Bände Besitzstandsverzeichnis, aus besserer ßamlu illifiH such- zum L evlUä, -der eine Me zur MM mmü au übernehmen. Wt i geilem Bekanntmachung. Betr,: Feldbereinigung in der Gemarkung Langsdorf. Freitag den 29. September 1905 findet die Neber- Weisung der Ersatzgrundstücke und die Versteigerung der Maffe- grundstücke an Ort und Stelle statt. Zusammenkunft vormittags 93/4 Uhr am Rathaus zu Langsdorf, woselbst auch die Versteigerungsbedingungen bekannt gegeben werden. Die Üeberweisung erfolgt vsrbehältlich der im Termin bekannt zu gebenden weiteren Bedingungen unter folgenden: 1. Meliorationsarbeiten können auf den überwiesenen Grundstücken auch fernerhin vorgenommen werden. 2. Eigentumsveränderungen, die infolge der Ausführung von Meliorationsarbeiten, der Anlage von Wegen und Gräben und dergleichen innerhalb der Zeit der Ausführung dieser Arbeiten notwendig werden, müssen die neuen Eigentümer dulden. Ein hierdurch bedingter Ab- und Zugang von Gelände wird dem neuen Eigentümer nach dem Bonitätswert vergütet, bezw. zugeschrieben. Friedberg, den 12. September 1905. Der Großher.rogliche Feldb-reinigungstommissär; S p a m e r, Kreisamtmann. »Äfft Volilkschc Tagesschau Auch eine Motivierung der Prügelstrafe. Man schreibt uns aus Berlin: Die seit dem 8. d. M. in Dänemark in Geltung befindliche Prügelstrafe gibt der Zeitschrift „DaS Recht- den Anlaß zu einer Empseblung dieser Einrichtung auch bei unS. Rller- dings ist diese Empfehlung so abgesaßt, daß sie kaum Erfolg haben dürfte. Das Blatt schreibt nämlich: „Wir stehen auf dem Standpunkte, daß für eine Reihe von Noheitsdelikten körperliche Züchtigung völlig am Platze ift und zwar — nicht nur in Dänemark. Den zartbesattcten Seelen, öle ob unseres Wunsches empört >ind, empfohlen wir zur geeigneten Lektüre die Statistik über Bestrafung wegen Noheitsdelikten, und, wenn das nichts nützen sollte, die vorübergehende Bekanntschaft mit einem derartigen Rohling. Wir sind überzeugt, daß sie noch nie o rasch unb so gründlich ihre Meinung geändert haben, als nach dieser rohen Bekanntschaft." , , Wir meinen, „Das Recht" habe sich hier gründlich tm Tone vergriffen. Solche billigen Witze stehen in einer ernsten Sache einem wissenschaftlichen Blatte schlecht zu Gesichte. Aber auch das .sachliche" Argument des ,Rechts" ist völlig werlos. Es empfiehlt zur Beachtung die Statistik über Bestrafung von Noheitsdelikten. Was aber kann aus dieser Statistik entnommen werden? Dock nur, daß die Roheits- delikte leider sehr zahlreich sind. Ob aher die Einführung der Prügelstrafe diese Zahl herabmindern würde, das läßt sich aus Unserer Kriminalstatistik nicht allein entnehmen, sondern nur aus einer vergleichenden Statistik mit Ländern, wo sie noch besteht. Für Dänemark kann nach dem viertägigen Bestehen der Prügelstrafe eine Statistik noch nicht ausgemacht werden, und was Rußland betrifft, wo die Prügelstrafe wenigstens für die bäuerliche Bevölkerung bis in die jüngste Zeit in Geltung gewesen ist, so haben wir zwar die Statistik über die Rohheitsdelikte nicht zur Hand aber die bei den gelegentlichen Bauernrevolten zu Tage tretende Brutalität spricht nicht eben dafür, daß die Prügelstrafe eine Milderung der Sitten herbeigeführt hat. Auch dürften in der deutschen Armee, wo die Prügelstrafe seit einem Jahrhundert abgeschafft ist, seltner Rohheitsdelikte vorgekommen sein, als in der englischen, wo sie vor noch nicht langer Zeit in Geltung war. Jedenfalls wird es sich empfehlen, erst einmal die Erfolge in Dänemark, wo sich die Bevölkerung etwa auf demselben Kulturdurchschnitt befindet wie bei uns, abzuwarten. —> Man schreibt aus Darmstadt: Das großh. Hoftheater wird am 17. ds., dem G e b u r t s t a g e I. K. H. der Groß Herzog in, mit einer Fcstvorstellung von „Der fliegende Holländer" eröffnet. — Am Schauspielhaus in Frankfurter. M. wird das Erstlingswerk eines erst 19 jährigen Autors, Sigmund Neumann, zur Darstellung gelangen, das sich „Stürme, bad Drama einer Jugend" betitelt und in Schülerkreisen spielt. — Das Prinzregenten-THeater in München. Von Alex Braun. München bei A. Bruckmann. — In einem schmucken Quartbande, der mit zahlreichen Bildern ausgestattet ist, liegt die Geschichte des neuen Münchener Theaters vor, uns, das et ne Verwirklichung des Gedankens darstellt, den Richard Wagner ursprünglich bezüglich seiner Festspielhauses hatte, den ihm König Ludwig II. verwirklichen wollte, und zu dessen Ans- si'ihrung Semper bereits den Plan entworfen hatte. Im Jahre 1901 wurde zum ersten Mele in dem Festspielhause gespielt. Im Sommer gelangten vorzugÄveise Wagners Werke zur Auf- sührimg, während des Winters auch Dramen von Shakespeare, Lessing, Schiller und Goethe, wie daS eingehend mit liebevollem Sinne in dem hübschen Buche erzählt wird, , das uns auch Zeichnungen nach Motiven aus dem Theater bringt, sowie eine lange Reihe von sorgsam ausgeführten Bildnissen ausübender Künstler und Künstlerinnen, die in Oper und Schauspiel auf der Bühne des Prinzregenten-Theaters tätig waren. ,— Auch in weiteren Kreisen als denen der Besucher des Festspielhauses, für die es eine angenehme Erinnerung bildet, wird das gut geschriebene und fein gezierte Buch Interesse erregen. Hamburg, 13. Sept. In der heutigen Morgensitznng der zehnten Versannnlung der Internationalen kriminalistischen Vereinigung unter deni Vorsitz des Professors Tr. Silovie-Agram behandelte Prof. Prinz in längeren Ausführungen die Frage: „Wie kann für bestimmte Kategorien von Rückfälligkeit der Begriff ,.Gemeingefährlichkeit des Täters" anstelle des heute ausschließlich angewandten Begriffs der „ver- breckwrischen Tat" gesetzt irerb.ii; ' "’.u demselben Thema sprach der Advokat Dupont-Brüssel. Die mittagssitzung fiel wegen einer Hafenfahrt und der Besichtigung : r AuSlvandererhallen aud. Die Abnahme der Fliegen ist, wie wir jetzt also wissen, nicht nur eine Annehmlichkeit für den Menschen, sondern bedeutet eine erhebliche Verringerung der Krankheitsgefahr. Dieser Segen beschränkt sich nicht auf eine Verminderung der Kindersterblichkeit, sondern erstreckt sich sicher auch auf die Erwachsenen, denn es ist nicht einzusehen, warum die Fliegen ebenso wie die Keime der erwähnten Krankheiten nicht auch andere, so namentlich die des Typhus auf den Menschen sollten übertragen können. Der Kindersterblichkeit wird steigende Aufmerksamkeit zugewendet. Mit Recht! Wir liehen, besonders in den Städten, aber auch in vielen Landgemeinden, angesichts der furchtbaren Sterbeziffern der Kinder vor einer Kalamität, die zu beseitigen dringend geboten ist Auf Anregung der Kaiserin läßt der Vaterländische Frauenverein seit einiger Zeit überall Vorträge über Kindersterblichkeit halten; auch Merkblätter werden verbreitet, Einrichtungen verschiedenster Art zur Vorbeugung werden geschaffen. Auffallender Weise wird aber in dem, was über diesen Gegenstand von vielen Seiten geredet und geschrieben wird, eine Ursache entweder gar nicht ober Nicht genügend berücksichtigt. Professor Dr. von Bunge hat unter Beibringung eines großen, unanfechtbaren statistischen Materials nachgewiesen, daß die zunehmende Unfähigkeit der Mütter, zu stillen - unb diese Unfähigkeit ist ein Hauptgrund der Krndersterbllchkeit! - im Zusammenhänge mit dem Alkoholismus steht. Diese Unfähigkeit hat sich erst seit dem Jahre 1500 ausgebreitet, also seit der Zeit, wo Branntivem und Bier durch ihre billige und massenhafte Herstellung Volksgclränke wurden. Völker, die keinen Alkohol genießen, wie die Türken, Armenier, Kurden, kennen diese Unfähigkeit nicht. Im Bierland Bayern ist daS Unvermögen, zu stillen, am meisten ausgebreckct. Was hier Bunge fcst- aestellt hat, wird von allen Aerzten, welche diesem Zusammenhang näher nachgegangcn sind, durchaus bestätigt. Mutter, welche stark trinken, verlieren die Fähigkeit, ihre Kinder zu ernähren. Aber nicht nur das: bie Töchter starker Trinker ererben das Unvermögen, ihren Kindern den wertvollsten Dienst zu leisten, den Mutterfürsorge leisten kann. Auf ein Jahr mit hoher Sterblichkeit im 1. Lebenslahre folgt ein Jahr mit hoher Sterblichkeit im 2. Lebensjahre, auf ein Jahr mit nicbrigcr un ersten ein solches mit niedriger im Zweiten. Diel- Tatsache hat neuer- dinqs Dr. Koeppe in Gießen an dem stat.stlichen Material der Stadt Gießen in den letzten l0 Jahren erbariet. Es war d.ev um so Kälter festzusiellen, als im letzten Janrzehnt ,n Gießen immer Jahre mit hoher Säuglingssterblichkeit mit solchen nut niedriger abwechsel,en, denen dann immer die folgenden mit ihrer Sterblichkeit im 2^Lebensiahre entsprachen Die Erklärung dieserzunächst verblüffenden Tatmche ist ziemlich einfach. Die hohe Sterblichkeit wird durch epidemiil. auftretende Mageii- darmkatarrhe hervorgerusen. Die Säuglinge erkranken, soweit sie lunstuch ernährt werden, fas, alle. Tie Überlebenden sind durch die Krankheu geschädigt, sei es, daß ihr Darm empfindlich ist, fei c8, daß sie entwickelungs- ^*Nen dwwcn hpL I Ä&Si* tustnadchx» —vulenbnrg. Kleines Jeuilleton. Fliegen als Krankheitsvermittler. Angesichts b-r Cholerafälle auf deutschem Boden wird man an die in Indien beobachtete Tatsache erinnert, daß die Fliegen zuweilen für die Übertragung dieser Seuche verantwortlich gemacht werden müssen, indem sie den Cholerakeun nut sich herumschleppen und auf Speisen absetzen. Die Rolle der Fliegen m der Verbreitung von ansteckenden Krankheiten ist wahrscheinlich überhaupt cme recht bedeutende, wie jetzt wieder einmal Dr. Nash m einer Zuschrift an ben Lancet ausführt. Dieser Arzt bezieht sich insbesondere auf den un Sommer häufig epidemisch auftretenden Durchfall, also auf btciemge Krank- beit, die vielfach als Cholerine bezeichnet wird Früher hat man aus. schließlich die gesteigerte Temperatur und bte dadurch bedingten Wechsel zwischen Erhitzung und Abkühlung deS Körpers verantwortlich gemacht. Dr Ballard machte zuerst die merkwürdige Entdeckung, daß die sommerliche Steigerung der Sterblichkeit an Durchfall erst dann emsetzt, wenn hie mittlere Erdtemperatur in einer Tiefe von vier Fuß unterderOberflache eine Steigerung bis auf 14 Grad erfahren hat. Er schloß daraus, daß dadurch das Wachstum der ansteckenden Ke,me der Krankhe t besoiiders begünstigt werden müßte, jedoch bheb er ,m unklaren Über die Mtt l Me seine Uebertragung auf Nahrungsmittel und namentlich m d e Milch zu bewirken vermöchten. ES ist zum mindesten sehr wahrsche nl'ch daß die Fliegen als die gefährlichsten Zwischenträger in dieser Hinsicht zu b-trackiftn sind Dafür wird ein aus letzter Zeit berichtetes Bei P.el geradezu beweisend. Im Südende von London wurden während der Monate Juli und Uugusil 1 23 Todesfälle an Durchfall unter den Kindern gezahlt, wahrend m derselben Zeit bei folgenden JahreS nicht ein emz.ger vorkam obgleich die Temperaturverhältnisse die gleichen waren Es fiel schon damalau daß der Hochsommer 1902 sich durch den völligen Mange an fliegen ausreichnete die sich dagegen im September überreichlich em stellten. Als- VKg °I.ch wL bUw.it d.- Durch,--» Iri ta smbnn b-n denen nicht weniger als dreizehn ,n bte em einen Monat daran zu Grund gingen. ES halt schwer, da noch an einen zufälligen Zusammenhang zu glauben. Dr. Nash hat dem Sachverhalt spater noch genauere Aufmei samkeit geschenkt und die Vermutung bestätigt gefunden, daß gerade u Häusern die besonders stark von Fliegen he.mgesucht wurden, auch Er krankungen an Durchfall häufiger waren als anderswo Die- ^sabrungen enthalten eine Hobe Moral. Sie zeigen namlich, wie die Erfüllung der ^oike rungen der Gesundheitspflege einen Lohn inftd) ^°gt,derdie ^^echungeu und Erwartungen noch weit übertrifft D.e Fl.ege, undande gn t n leben von der Unreinlichkeit der Ä.enschen und wertn ihrer Verme> nmgS. und Derbre.tuugS ahigkeit bed ntend e jj< wenn sorgfältig auf die Entfernung jedes Unrats aller Pfützen und> MW* Ansammlungen von stehendem ober fauligem Wasser Sorge getragen wirb zugezogenen Gemarkungsteile von Launsbach und Wißmar, nämlich: Band Besitzstandsverzeichnis von Launsbach, Band Besitzstandsverzeichnis von Wißmar, w Gütergeschosie von Launsbach, „ Gütergeschosie von Wißmar, „ Zusammenstellung der Gütergeschosie vonLaunS- „Birshewija Wjedomostt": „Wenn — der britischen Diplomatie die dominierende Rolle Deutschlands in Europa filrchtbar ist, wenn sie irgend welche Mitwirkung braucht, um Zwietracht unb Mißtrauen zwischen den Mächten aufbem europäischen Fest- lande zu unterhalten, so wird sie diese Mitwirkung nicht in Rußland zu suchen haben, das genug für andere gearbeitet bat. Aus den Siegen, die Rußland 1897 errang, haben alle Großmächte fiir sich Vortell gezogen: aus dem Mißgeschick und Unglück, das Rußland jetzt durck)gelebt hat, muß es selbst den Vorteil ziehen, indem es alle seine Kräfte auf die Heilung seiner Wunden, auf seine innere Wiedergeburt richtet." Rußland könnte in der Tat ja auch gar nichts Törichteres beginnen, als sich nach den schweren Niederlagen des eben beendeten Krieges in neue Abenteuer 311 stürzen, denen es, im Augenblicke wenigstens, in keiner Weise gewachsen sein würde. Diese Einsicht kommt auch sehr klar zum Ausdruck in einem Altssatze der Zeitung „Ruß": „Dieser Friede wird stets traurige Erinnerungen wachrufeu unb doch hat ganz Rußland frei ausgeatmet, als die Nachricht vom Stieben kam. Das russische Volk behauptet, her, Krieg set die gerechte Strafe für unsere Sünden gewesen. Wir standen einem Gegner gegenüber, den wir als klein und unbedeutend ansahen, der uns und der Welt aber gezeigt hat, welche Erfolge Bildung und Freiheit zeitigen können. Wir müssen dem Schicksal dankbar sein, daß wir diesen Krieg mit Japan und nicht mit einem europäischen Staat zu führen gezwungen waren. Was wäre aus Rußland geworden, wenn dieser Zusammensto ß nicht im fernen Osten, sondern inEur0pa, nicht mit einer Macht, bie erst durch ihre Siege über uns groß geworden ist, sondern mit einer europäischen Großmacht, z. B. mit Deutschland, erfolgt wäre?! — Dann hätte Rußland ehre Nieder! age erlebt, wie sie die W e ltg e s ch ich te u 0 ch nicht kennt. Rußland wird hoffentlich aus diesem Kriege die nötigen Lehren ziehen, sonst folgt die ©träfe zum zweiten Mal und deren Folgen sind bann schlimmere, als Wir nur auszudenken vermögen." Selbstverständlich kann und darf uns dies nicht daran bindern, dem Panslavismus, der uns in früheren Jahren hinreichende Proben seiner feindseligen Gesinnung gegeben hat, mit Aufmerksamkeit auf die Finger zu schauen. Immerhin stellt unsere russische Grenze nicht die Wetterseite unserer Polittk dar. Deshalb soll man sich mich nicht dadurch über die Lage täuschen lassen, daß die englische Presse jetzt ob- totegelt und behauptet, niemals gegen Deutschland gehetzt zu haben. IM „Sipectator" z. B., der z-u den eifrigsten Deutschenfressern in England gehört, jetzt jetzt ein Herr Seton-Watson auseinander, daß Englands französische Politik nur geeignet erscheine, gleichermaßen Mißtrauen in Frankreich wie in Deutschland gegen das „perfide Albion" (wörtlich) zu erregen. Das ist ja sehr verdienstlich, aber wenn der „Speetator" seine Ausführungen mit überladenen Phrasen über die Verunglimpfung Englands durch die deutsche Presse begleitet, so beweist das eben alles nur, wie weit die Engländer von einer gerechten Beurteilung der deittschen Politik entfernt sind. IM übrigen ist der Pferdefuß in diesen Darlegungen leicht zu erkennen. Watson macht nämlich seinen Landsleuten klar, daß ihre Angriffe gegen Deutschland nur die Bereitwilligkeit des deutschen Reichstages zur Verstärkung der deutschen Wehrmacht zur See erhöhen, während ein liebenswürdiger Ton der englischen Presse Deutschland in die alte Sicherheit wiegen würde. Merken wir uns das! Der Fall Marttn. Die ,Rordd. Allg. Ztg.« schreibt: „In verschiedenen Blättern ist von einem Fall Martin die Rede, der darin bestehen soll, daß gegen den Regierungsrat tnt Kaiserlichen Statistischen Amte, Martin, wegen der in feinem Buche über Japan und Rußland geäußerten Ansichten Ermittelungen eingeleitet worden seien, und das; die Regierung sich bemühe, die Verbreitung dieses Buches zu bindern. Ehe sich diese Meinung festsetzt, wollen wir erklären, daß sie auf ganz falschen tatfäcMidjen Voraussetzungen beruht. Der Inhalt des Martin'schen Buches ist für die amtlichen Kreise vollstündig mit der Erklärung erledigt, die wir am 3. September veröffentlichten. Für die Reichsbehörden ist es daher ganz gleichgiltig, ob. und in welchem Umfange das Buch weitervertrieben wird. Richttg ist, das; amtliche Ermittelungen ang estellt worden finb. Diese beziehen sich aber lediglich auf die Frage, ob Martm, der Autor einer Privatarbeit, bei dem ?lbschlusse des Verlagsvertrages und bei der Mfassung des Prospektes für den Vertrieb des Buches die Rücksichten auf seinen Amtscharakter gewahrt hat, ober ob er,,wie auS einer Erklärung des Verlegers hervorzugehen scheint, die amtliche Eigenschaft seiner Person mißbraucht hat. Hiernach entbehrt der sog. Fall Martin des politischen Charakters, den ihm einzelne Wätter beizulegen versucht haben." Es sind also amtliche Ermittlungen gegen den Verfasier des Auffeben erregenden BucheS eingeleitct. Daß die Re- Zweites Matt. 188. Jahrgang Donnerstag 14. September 1905 Gietzener Anzeiger Maeltursus! L Verkäuferin - du. Moritz iSregoriLksji. ÄIIL Äj» Sanbe gtfud)i, per 1. uttober. J auch Hausarbeit übernimmt, en unb bügeln faim, jü fofort - r 1. Cftßber,gesucht. W 1U Lauge, Aahrungsbttg 8. Frau Loder, Herweg bö M Mädchen stbe Tage gesuchi. 14110 -rb.AiUagc 12, II, et, iWHijäjtin nng. Ehepaar gej. Zu nM : luder, Aeuerweg 17. bcntl. Lausmabcheu ges. Näheres in der Äeschaü^ Siegener An-eigets. 14771 «1 ' fn e?*et4751 ' qci 4 a. d. A^lelbuiKj.. An 200000^ ittÄ"11’' ' QotLir/f gterung solche Erhebungen anstellt, ist ihr Recht, da der 23er» faffer der Schrift seinen Titel auf dem Buch ausdrücklich verzeichnete. Nur hätte eben nicht die bekannte wuchtige, wie es später hieß, vom Reichskanzler-General selber verfaßte Kritik der „Nordd. Allg. Ztq." erscheinen sollen, die den pessimistischen Schlüsien Martins in Bezug auf die russischen Finanzen die Berechtigung absprach, noch dazu ohne Begründung, die jedes Urteil haben muß, wo und von wem immer es veröffentlicht wird. Dadurch erhielt der Fall Martin allerdings einen politischen Charakter. Kolonialpost. — Wie aus Samoa gemeldet wird, empfing Gouverneur Dr. Sols 1000 Häuptlinge, die zum Zeichen des Gehorsams Matten darbrachten und um 'Aufhebung des Deportationsurteils gegen den früheren König Ta- masese und andere Eingeborene baten. Solf nahm die Geschenke an und hob das Urteil auf. Hamburg, 13. Sept. Gegen die Gesellschaft Süd- K'amcruu veröffentlichen die hiesigen Batanga-Firmen eine energische Pr o testc r klär una mit schweren Anschuldigungen gegen das von der Gesellschaft beliebte Kongo- System. Die Schwarten würden ohne Veranlassung nieder geknallt. Der Umstand, daß die Gesellschaft eine Expedition ausrüstete gegen die Niam-Leute, um eine Forderung von 100000 Mark einzutreiben, sei die erste Veranlassung gewesen zum Ausbruch von Unruhen. Auch das rücksichtslose Vorgehen des Grafen S chl i pp e n b a ch, der mit dem der Gesellschaft gehörigen Dampfer die Fischereianlagen der Neger zerstörte, habe Grund zur Unzufriedenheit gegeben. Die Erllärung schließt mit der Forderung, daß Süd-Kamerun dem deutschen Handel offen bleiben müsse. Neber die Irage der Kewinnbeteiligung der Arbeiter in induSrielken Betrieben, über die Durchführbarkeit einer beiden Teile befriedigenden Form dieser Gewinnbeteiligung und über ihren sozialökonomischen Wert sind die Meinungen noch sehr geteilt. Die verschiedentlich auf diesem Gebiete gemachten Versuche einzelner Industriellen haben auch bisher keinerlei Klarheit schaffen können. Von den Gegnern der Gewinnbeteiligung wird nun immer — itnb zwar mit vollem Rechte — besonders geltend gemacht, daß der Unternehmer, der Geschäftsinhaber, durch die Gewinnbeteiligung der Arbeiter direkt benachteiligt werde, in allen Fällen, und das dürfte die Mehrzahl der Fälle sein, wo das Betriebskapital, die Konjunktur und vor allem die geistige Tätigkeit des Unternehmers, sein Wissen und seine geschäftliche Tüchtigkeit, auf den Gang des Geschäftes, d. h. auf den zu erzielenden Gewinn von viel größerem Einfluß ist, als Geschicklichkeit, Fleiß und Sorgfalt der Arbeiter. Einen neuen Versuch zur Lösung der Frage, bei dem besonders auf diesen berechtigten Einwand der Gegner Rücksicht genommen ist, veröffentlicht der Lederfabrikant I. Epstein in Frankfurt a. M. im „Arbeiterfreund". Er hat feit mehreren Jahren die Gewinnbeteiligung der Arbeiter in seinem Betriebe eingeführt, jedoch so, daß der Arbeiter nur auf einen Teil des Gewinnes Anspruch erheben kann, der tatsächlich auf Fleiß, Tüchtigkeit, Sorgfalt, kurz auf die Tätigkeit des Arbeiters direkt zurückgeführt werden kann. Um das zu ermöglichen, ist vom Hauptgeschäftsbetrieb: Ein- kauf, Verarbeitung und Verkauf von Häuten, bezw. Leder die Verarbeitung vollkommen getrennt, indem die Fabrik, der reine technische Betrieb in Bezug auf Gewinnbeteiligung als ein vom Gesamtgeschäst unabhängiges Unternehmen betrachtet wird. Diese „autonome Fabrik" hat gleichsam die Fabrikgebäude, Maschinen rc. vom Gesamtgeschäft gepachtet, erhält von diesem zu festen Normalpreisen Rohstoffe und Materialien, also Häute, Gerb- und Farbstoffe,, Kohle, Waffer, Oel re., verarbeitet die Rohstoffe zu fertiger Ware und liefert diese wieder ru bestimmten Normalpreisen an das Gesamtgeschäft zurück. Lediglich an dem bei diesem Fabrikationsvorgange sich ergebenden Gewinne der „autonomen Fabrik" sind die Arbeiter beteiligt und hier sind sie auch sehr wohl in der Lage, durch Fleiß und Geschicklichkeit die Menge und, durch vermehrte Sorgfalt bei der Arbeit, die Qualität und damit den Wert der Ware zu steigern, durch Sparsamkeit im Verbrauche der Materialien die Herstellungskosten zu vermindern, während an dem Gewinn des Gesamtgeschäftes, der in der Hauptsache beim Einkauf und 'Verkauf erzielt wird, wobei Konjunktur, Kapital, Risiko und Tüchtigkeit der Geschäftsleitung allein ausschlaggebend sind, die Arbeiter nicht partizipieren. Die Normalpreise sind auf Grund mehrjähriger Erfahrung so bemessen, daß die Möglichkeit, einen Gewinn zu erzielen, tatsächlich vorliegt; im ersten Jahre betrug der Anteil eines jeden der 75 Arbeiter des Betriebes allerdings nur 8 Mk., im zweiten Jahre aber stieg er schon auf das Vierfache, auf 32 Mk. pro Kopf. Die Teilung erscheint durchaus gerecht. Auf der einen Seite der Arbeiter, der die Erfolge seiner besonders guten Leistungen genießt, auf der anderen Seite der Unternehmer, dem ungeschmälert das zufällt, was durch sein Kapital und seine Tätigkeit erworben wurde. Bon der laridunrlschaMichcn Landes- und Jubiläums-Ausstellung in Mainz. (Original-Artikel des Gießener Anzeigers.) L Mainz, 13. Sept. Das goldene Mainz habe ich gestern abend spät erreicht. In den Straßen war's schon recht still. Mer in der Morgenfrühe des 13. weckt mich, den des Straßenlarms Unae- wohnten, das Räderrasseln all der zahlreichen Fuhrwerke, die die Rheinstraße passieren. Es weckte mich auch das goldene Sonnenlicht. Am Rhein und schönes Wetter, Herz, was willst du noch mehr! Ich springe mit gleichen Füßen aus dem Bett, das verheißt einen frohen Tag! Mein erster Ausgang gilt natürlich der Ausstellung, die meinem Gasthaus gegenüber sich auf dem linken Ufer des Rheines dehnt, soweit es sich um leblose 'Ausstellungsgegenstände handelt. Auf dem rechten Ufer, auf der Seite von Kastell, auf der Mcrrcru, — ist alles ausgestellt und gut untergebracht, was wiehert, brüllt, grunzt, kräht, blökt und meckert. In den Morgenstunden geht es in der Ausstellung natürlich noch lebhaft zu: die Ausstellung wird morgen Donnerstag den 14. vorm. 11% Uhr feierlich eröffnet Man legt aber wirküch heute morgen schon die letzte Hand an, um heute nachmittag sicher fertig zu werden. Noch fahren Fuhrleute kreuz und quer durcheinander, einer ist dem anderen im Wege, man beehrt sich gegenseitig mit allerlei Kosenamen, die wohl originell sind, aber durchaus nicht schön klingen, und Flüche werden laut, die gut mainzisch sind, und das heißt was! Wir winden uns durch, es geht auch ganz gut. Da und dort grüßen tvir Bekannte, der Vorsteher unserer weitberühmten landwirtschaftlichen Versuchsstation in Darmstadt steht selbst in seinem Ausstcltungs- raum und ordnet an, wie die Gegenstände aufgestellt werden sollen. Da bleibe ich interessiert stehen und sehe immer wieder gern, wie uns an lebenden Pflanzen, insbesondere landwirtschaftliu.)en und Handelspflanzcn, gezeigt wird, wie dankbar und empfänglich dieselben sind, wenn man ihnen bietet, was sie an Nahrung bedürfen, wie sie es übel nehmen und verschnupft sind, wenn man ihnen das eine oder andere Nährmittel nicht oder nicht ausreichend gibt. Ich sehe, das; das an Körnerfrüchten, an Meinpflanzen, an Tabakpflanzcn usw., die in Gefäßen stehen und vor unseren Äugen wachsen, gezeigt werden soll. Ja auch an Blumen und Schmuckpflanzen soll uns das gezeigt werden. Diese Ausstellung wird das Interesse aller Menschen erwecken müffen. vom Naturforscher, dem Landwirt bis hinauf zu dem Großmütterchen, das hoch oben in der Mansarde ihre Lieblinge, die Blumen, mit sorgender Hand im Sonnenlichte Pflegt. Doch ich muß es mir versagen, heute schon auf Einzelheiten einzugehen. Es drängt mich auch, aus dem Gewühl herauszukommen, um endlich den Rheinstrom zu sehen, an dessen Schönheit doch alles andere Schöne hier nicht heranreicht. Es dürfte manches in der Ausstellung vielleicht nicht schön sein. Der Rhein und seine Ufer macht alles wett. Aber wir hoffen und erwarten, daß sich die Ausstellung ihrer prachtvollen Lage würdig erweist. Noch immer sehe ich den Rhein nicht, jetzt steige ich eine bequeme Holztreppe hinauf und gehe, wie vorgeschrieben, rechts. Nun bin ich oben und vor mein i Füßen breitet sich die gewaltige Wassermasse, belebt von Dampfern und Schiffchen aller Art. Majestätisch rollen die grünlich-grauen Wogen talab und sofort erscheinen tausend Bilder vor den Augen des Träumenden: von Römern und Germanen, von Heerzügen und Kämpfen, von Festen und frohen Menschen^ und alle Erinnerungen und Sagen, durch die dem Deutschen der Rhein ström von altersher so vertraut ist. Wir steigen zum Ufer hinab. Ein Dampfer liegt bereit und bringt uns etwas stromauf und quer hinüber auf das andere Ufer. Wir landen an der Marau, betreten Wicsen- stächen, die von Baumgruvpen unterbrochen sind. Hier ist die Ausstellung der landwirtschaftlichen, Nutztiere untergebracht. Die oberhessischen An.sstellungstiere stehen schon seit gestern abend in den luftigen Zeltbauten und erholen sich von den Anstrengimgen der ungewohnten Eisenbahnfahrt. Wir sehen viele übernächtige^ Gesichter unter den uns bekannten oberhessischen Ausstellern. Sie haben zum Teil ihre Tiere am gestrigen Wend nicht verlassen wollen und lieber die Nacht unter Zelten im Stroh zugebracht, die richtige Beiwacht! Eben werden von ihren Wärtern die Hengste, die sogen. Landbeschäler, die den größten Teil des Jahres ihr Heim in Darmstadt haben, eingebracht. Die mutigen Tiere tanzen förmlich über den grünen Rasen, kaum gebändigt von ihren Führern, deren dunlle Röcke, weiße Ledcrhosen und blitzende Stiefel sich vorteilhaft abheben von dem grünen Owunde, den sie überschreiten. Aber nichts ist vollkommen auf unserer armen Erde. Da kommt ein Oberhesse händeringend zu mir und klagt: Unser Futter ist noch nicht da und unsere Bullen streiken, sie schlagen so zu sagen mit der Faust auf den Tisch und sagen: „mir fresse kein rheinhessisch Heu, mir wolle unser oberhessisch Heu un mir dunS nit un duns nit". Da ist allerdings guter Rat teuer. Unsere oberhessischen Aussteller kennen ihre Tiere. Mit diesen, in besonderen Waggons, haben ja daS gewohnte Futter mitgenommen. Aber wie es auch anderen Reisenden zuweilen geht, die Tiere wurden von ihrem Gepäck, das ist ihr Futter, getrennt, und nun fliegen die Depeschen, um das fehlende Gepäck schleunigst herbeizuschaffen. Denn das Futter spielt auf der Tierausstellung eine große Rolle. Ein noch so großmächtiges und schönes Bullentier präsentiert sich den Preisrichtern schlecht, wenn es nicht „rund herim sott- gegessen ist". Den Müttern und Frauen und Tächtern der Aussteller selbst, kann ich zur Beruhigung mitteilen, daß diese sich an die rheinhessische Kost überraschend schnell gewöhnt haben! Morgen vielleicht mehr! Aus Stadt und Kaud. Gießen, 14. September. Sprechstunden der Redaktion: 12—1 Uhr mittags, */27—x/j8 Uhr abends. — Kommers in Mainz. In Verbindung mit der Landwirtschaftlichen Landes- und Jubiläums-Ausstellung zu Mainz veranstalten die Studier.enden der Landwirtschaft deS landwirtschaftlichen Instituts der Universität in Mainz am 16. September abends einen Kommers der hessischen Landwirte im Kötherhof, zu dem die Besucher der Ausstellung eingeladen werden. -h Ulfa, 13. Sept. Da das hiesige Pfarrhaus seiner feuchten Räume wegen seinem Zwecke schon lange nicht mehr entsprach, so war schon vor einigen Jahren ein Neubau beschlossen worden. Weil jedoch hinsichtlich der Platzfrage Schwierigkeiten entstanden, so zog sich die Ausführung des Baues bis zu diesem Jahre hinaus. Da erst entschloß man sich endlich, das alte Haus auf den Abbruch zu verkaufen und an derselben, mitten im Orte gelegenen, Stelle den Neubau zu errichten. Nach einem Plane des Baurats Die hm aus Gießen ist nun in modernem Stile der Rohbau soweit vollendet, so daß das Haus im nächsten Sommer bereits bezogen werden kann. Die Kosten, die sich auf etwa 24 000 Mk. belaufen, werden von der hiesigen sehr vermögenden Kirchenkaffe getragen, während die Gemeinde nur 1000 Mk. für die Fuhren aufzubringen braucht. — Gleichzeitig wird auch über den seitherigen Wirtschaftsgebäuden ein großer Konfirmandensaal errichtet, in dem schon von diesem Winter ab der Konfirmandenunterricht erteilt werden soll. w. Stockheim, 11. Sept. Die landespolizeiliche Abnahme der Teilstrecke Stockheim — Helden bergen findet Donnerstag den 21. September statt. Die Teilnehmer werden in einem Extrazuge von Stockheim aus die Strecke befahren. § Ulrichstein, 11. «Sept. Nachdem anfangs yuit oei Grundstein zu dem verfallenen Schloßbergturm gelegt worden war, ist jetzt der Turm nahezu vollendet. Der Schloß, bergturm war ein Teil der alten hessischen Ritterbiirg auf dem Schloßberg. Sein Aufbau ist u. a. den langjährigen Be. mühungen des hiesigen Zweigvereins vom Vogelsberger Höhenklub zu danken. Der Turm ist nach den Plänen des Bau- inspektorS Berth aufgefübrt und soll als AuSsichtsturm dienen. Die Ritterburg selbst, die lange Jahre Eigentum be§ Geschlechts der Riedesel war, ist vollständig zerfallen und nur noch in den Grundmauern zu erkennen. 8ä. Wiesbaden, 11. Sept. Ein Fall, der großes Aufsehen erregt, wird hier demnächst zur Verhandlung kommen. Das Straf-Vorverfahren gegen den Lehrer Ailtor, den Negierungssekretär Bröschel und den Ingenieur Eck, alle in Wiesbaden, ist nunmehr zum Abschluß gelangt und den Angeschuldigtcn sind die Anklageschriften zugestellt worden. Sie werden angeklagt wegen vollendeten und versuchten Betrugs, Urkundenfälschung rc. In zwei Fällen haben sie sich Geldbeträge verschafft, resp. verschaffen wollen durch die Erklärung, sie seien Beauftragte eines Oberbeamten bei der Königl. Regierung, welcher sich anbiete, anhängige Verfahren wegen Entziehung des Hoflieferantentitels, resp. einer Konzession, niederzuschlagen gegen Aushändigung eines bestimmten Geldbetrages. In einem Falle haben sie sich erboten, einem Kaufmanne in Frankfurt a. M. gegen entsprechende Zahlung den Kommerzienratstitel zu verschaffen. Man ist auf den Ausgang der Sache, bi? interessante Enthüllungen bringen wirb, sehr gespannt. Dille.nburg, 9. Sept. Der Wunsch vieler Einwohner, ein würdigeres Glockengeläute zu erhalten, geht seiner Erfüllung entgegen. Im Auftrage des Kirchenvorstandes unterzogen Glockengießer Rinker von Sinn und Musikdirektor Wolfram zu Dillenburg das Geläute einer Prüfling. Sie erstatteten ein Gutachten, nach welchem die „Vaterunser- und Sturmglocke" in Viertelwendung umzuhängen und deren Klöppel zu erneuern sind. Dem nicht voll und rund tönen« den Geläute ist, um die Stimmung zu heben und ihm den erforderlichen mächtigen Baß zu geben, eine 43 Zentner schwere 0-Glocke beizufugen. Endlich ist der Glockenstuhl zu erneuern. Der Kirchenvorstand beschloß hierauf, diese Vorschläge zur Ausführung zu bringen, wenn die erforderlichen Mittel in Höhe von etwa 7000 Mk. vorhanden seien. Man trat mit der Bitte um einen Zuschuß in Form eines Geschenkes an Fabrikbesitzer Georg Landfried heran. In hochherziger Weise erklärte sich dieser bereit, die erforderlichen Mittel zur Beschaffung der neuen größten Glocke in Höhe von 6500 Mk. zu schenken. Die übrigen geringen Kosten sind durch Ertrag eines Konzerts fast ganz gedeckt, so daß die Kirchenkasse nur wenig zuzusteuern hat. — Die 1893 eingeweihte katholische Kirche harrt noch einer inneren Ausmalung. Die zeitweise an Sonntagen zu diesem Zwecke erhobene Kollekte ergab im Laufe der Jahre die Summe von 2500 Mk., so daß der Auftrag zur Ausmalung erteilt wurde. Diese wurde in diesen Tagen von Maler Hei der in Mühlheim begonnen. Sie ist zu 4100 Mk. veranschlagt. El Marburg, 13. Sept. Ein Opfer ihrer Mutterliebe wurde eine etwa 50 Jahre alte Frau aus LaaSphe. Um die Schmerzen ihrer an Brustwarzenentzündung ertrantten Tochter zu lindern, hatte sie die Warzen ausgesogen und war bald darauf an Blutvergiftung erkrankt. Gestern ist sie in der hiesigen Klinik gestorben. — Der Hauptgewinn der hiesigen Pferdemarkt-Lotterie erhielt der Hilfsrangiermeister Rodenhaufen aus Bürgel. Vom 14. Deutschen Pfarrertage zu Neustadt a. H. wird uns wörtlich noch folgendes berichtet: Pastor Oberdieck referierte über die S i m pl i z i s s i m u s- Angelegenheit. Wenn auch der Simplizissimus gerichtet fei, so fei doch damit die Aufgabe des Kampfes gegen die Unsittlichkeit nicht beendet. Diese Angelegenheit habe den Tiefstand des sittlichen Urteils in manchen Kreisen und die daraus entstehende Gefahr beleuchtet. Er macht mehrfache Vorschläge für die Arbeit in dieser Angelegenheit. In temperamentvoller Weffe tritt ihm der Korreferent Pfr. Fritsch-Ruppertsburg zur Seite. Er sieht in dem vom Referenten behandelten Fall ein charakteristisches Beispiel der sittlich gefährdenden 2kfterkunst, sodann auch einen Beweis davon, wie sehr man das Auftreten der Geistlichen gegen die iiberhant nehmende sexuelle Unsittlichkeit und den beängstigend zunehmenden Schmutz in Bild und Wort haßt und bekämpft. Unkenntnis der Künst und des wirklichen Lebens, sowie gemeine Heuchelei wirft man ihnen deshalb vor. Unser Kampf gegen Schmutz in Bild und Wort und die durch letzteren offenbar und systematisch gesteigerte Unsittlichkeit sei also nötig und eine berufliche Aufgabe des Standes. Dieser Kampf sei auch möglich, sowohl dem einzelnen Pfarrer und zwar auf seelsorgerischem Gebiet, in Schule und in Kirche, sondern auch durch Unterstützung der organisierten Arbeit im „Deutschen Sittlichkeitsverein" und im „Verein gegen Schmutz in Bild und Wort". Der Korreferent beantragte als Zusatz zu dem Antrag des Referenten: „Der Verband deutscher Pfarrervereine spricht auf seinem Delegiertentag zu Neustadt, veranlaßt durch die Beschimpfungen des Simplizissimus, aus Mit leid zu unserer burd) unsittliche Literatur gefährdeten Jugend und in Wahrung ihrer auf öebung sittlicher Anschauung gerichteten amtlichen Pflichten ihre Zustimmung zu der nötigen und segensreichen Arbeit der „Deutschen Sittlichkeitsvereine" und des „Vereins gegen Schmutz in Bild und Wort" aus. Er fordert sowohl die Pfarrervereine wie deren Mitglieder auf, korporativ und als Einzelmitglieder derselben beizutreten und deren Arbeit in ihren Gemeinden zur sittlichen Gesundung unseres Volkes zu unterstützen. Dem Korreferenten trat im Namen der Württemberger Geistlichen Pft. Snizer - Kirchberg entgegen. Er weise auch den Schmutz weit von sich, aber wenn das evangelische Pfarrhaus von solchen Menschen beschimpft werde, dann teile es bloß das Los der anderen Stände und ntüffe darum diese Beschimpfung als eine Schmach Christi tragen. Die Versammlung schloß sich diesen Ausführungen nicht an. Naivem noch Pft Wahl-Langen, A l l i h n - Athenstadt, Referent und KorreferetU wiederholt geredet haben, wird folgende Resolution gegen eine Stimme angenommen, „int Anschluß an den Bericht über das Vorgehen gegen den Simplizissimus seinen Mitgliedern 1) die kräftige Unterstützung der evangelischen Sittlichkeitsvereine, sowie den Beitritt zu dem Volksbund zur Bekämpfting des Schmutzes in Wort und Bild zu empfehlen, 2) mit den deutschen Buchhändlern zum Zweck der Bekämpfung der systematischen Vergiftung unserer Volksseele durch unsittlich wirkende Literatur direkt Fühlung zu nehmen." • Manöver Unfälle. Der Oberst des bayr. Leib- reqimcnt§, Frhr. v. Kreß stürzte während des Manövers mit dem Pferde und brach zwei Rippen. Auch Herzog Christoph von Bayern soll sich bei einem Sturz mit *- roenn die erforderliches vorhanden seien. >B in Form eines Gescheh !b heran. In hochherzig' e erforderlichen Mittel ckeintzohevon 6500 T igen Kosten sind durch k . cdt, so daß die KircheM ! 1893 eingeweihte k ärmeren Ausmalung. L? n Zwecke erhobene Ä: Summe von 2500 M, fj erteilt wurde. Diese mt- icr in Mühlheimbezem. in Opfer ihrer MM. ? alte ffrau au§ ja-# ttjtnentjünbung itjen ausqesogen und ro:Bp ItMÄt Trsiem \\t \\t - D« harrv^rwinn dc re nM der MSrangi» Q‘ den uh aus lI ”m35"qt4W’''8'n ?"9!3«6te6i ri**«» ständig L„ri9tnlu'ii V mÄ b,t 9* « den . 11‘Or, l thnfttn ’Sl «nb k ’ötnbeitn1 ‘S® ro«k 'S ic. V"b W t. re!,. M «* -in- 'C anbiete 5* 9 v* 5Iusk"4 • r einem Falle 2 ,n 8-nntfurt a* * 1 Ausgang bet SnAn V nietet ®r. 9e «'S Mennotfata ™Smn >«d SlufilbitcS ““le einet Prüfung, x, 4em d" Aletunjet.« .umzuhangcn und dem "«t voll und rund töner. 9 zu heben und ihm be eine 43 Mi lu9 ist der Glockenstuhl i. schloß hierauf, diese Sta. rtlid) nod) folgendes bmitc. ■ berdieTimplizissimM implizissims genffltet tj' ■ mpfes gegen bie UnsE» habe den T.esitand nb die daraus entstehende he Vorschläge für bie Wi itt ihm bei Korreferent K “ Rüe Er sick'N.dem « poften* WeUj nn auch einen eistlicken gegen bi: uWtj|| )en beängstigend JuJe ^nJ| imb bekämpft- lnk A I ns. sowie gememeSE^I Mtz rch m r-s-sg DelesiertmtasZ des SimplmN^ Svger.: .s-SsFä sß&tsä ,«&■**■* . int Namen der ernennd^,- dann teue° MH ZSZM M °bet'1 ^deS^"°^ eget t Pfarrertage ichste Ziehung der türkischen Lose statt: 30. September imb 30. No- 31. Mai, 1. Mrgust, 2 «e Wetter Z s September Höchste Niedrigste 12.-13. e (8) Sonnenschein KlarerHimmel Bed. Himmel steigen 1 zwischen Handel 9,5 9,6 9,0 61 91 89 *8 E NE N 4 2 4 5 § 18,5 0 C. 10,0° „ Pelersbur.' schweben. S-® 55 S es Der Postdampser „Kroonland" der Red Star Linie' tn Antwerpen ist laut Telegramm am 11. Sept, wohlbehalten tn New-Pork angekommen. Schiffsnachrichten. Norddeutscher Lloyd. In Gießen vertreten durch Carl Loos, Kirchenplah. Bremen, 11. Sept. (Per transatlantischen Telegraph). Der Doppelschrauben-Postdampfer „Neckar", Kapitän A. Harrassowih, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, ist gestern 9 Uhr abends wohlbehalten in Newyork angekommen. vember 1905, 1. Februar, 31. März, Tüvkenlo se. Die näi indet an folgenden Terminen Zlniverstlats-Aachrichlen. München, 13. Sept. Gestern abend starb auf der Rückfahrt aus den Bergen, wo er zu seiner Erholung geweilt hatte, Dr. Rud. Weber, Professor für Forsteinrichtungslehre und Geodäsie an der hiesigen Universität und Vorstand der forstlichen Versuchsanstalt. Temperatur am 12.—13. Arbeiterbewegung. Longwy, 13. Sept. Als der Unterpräfekt, begleitet von Polizeikommissar Sonderman und Militär, heute die Ausständigen auffordertc, auseinanderzugehen, antworteten die Ausständigen mit Pfeifen und Schmährufen. Eine Abteilung Dragoner ging, ohne Befehl erhalten zu haben, gegen die Aus ständigen vor, von denen ein großer Teil die Flucht ergriff, während andere Wagen umwarsen, um sie als Barrikaden zu benutzen. Die Dragoner griffen hierauf die Ausständigen an, ivobei ein Ausständiger verwundet wurde. — Die Hinterbliebenen des gestern gelöteten Arbeiters erhielten von der Regierung 300 Frcs. dem Pferde nichr unerhebliche Verletzungen zugezogen haben. Endlich stürzte bei einer Attacke im Manövergelände bei Trostberg ein bayr. Soldat mit seinem Pferde, brach das Genick und war sofort tot. — Bei den in der Nähe von Budapest abgehaltenen Manöver» der Honvedtruppen gab e? infolge der Ueberanstrengungen 9 Tote und etwa 200 schwer Verwundete. • Unfälle in den Bergen. Die Erzieherin Emilie Langer aus Berlin und ihr Bruder sind bei einer Bergtour bei Landcck verunglückt. Beide erlitten erhebliche Verletzungen.— Die Dresdener Lehrer Fischer undSchilde sind im Schrammstein-Gebiet (Böhmen) abgestürzt. Beide wurden schwer verletzt. * Neue Erdbeben. Im Arlberggebiete wurde ein starkes Erdbeben von sechs bis zehn Sekunden Dauer in der Richtung von Süd nach Nord gespürt. — Wie englische Blätter aus Lahore (Indien) melden, ist dort durch einen gewaltigen Wolkenbruch erheblicher Schaden an den Gebäuden angerichtet worden. Fast die gleiche Verwüstung wurde durch ein Erdbeben angerichtet. Viele Häuser sind zerstört; Hunderte sind obdachlos. * Zum neuesten Berliner Frauenmorde. Der Berliner Kriminalpolizei ist eS gelungen, die Persönlichkeit der in der Hasenhaide aufgefundcnen Frauenleiche festzustellen. Es ist die 25jährige Arbeiterin Marie Proch, der Täter ein Mann, der zu ihr seit längerer Zeit in Beziehungen stand uno zwar gegen den ausdrücklichen Willen der Eltern des Mädchens. Der Mord scheint in der Zeit von 9 bis 10 Uhr abends erfolgt zu sein. Um diese Zeit hörte eine Frau einen weiblichen Hilferuf. Der Mörder hat, wie sestgestellt worden ist, seinem Opfer erst einige Messerstiche in den linken Oberarm versetzt und erst dann erwürgt. Der Täter hält sich zweifellos noch in Berlin auf und dürfte bald in den Händen der Polizei sein. • Der Fall Witzhoff. Das Londoner Abendblatt ,Star" stellte fest, daß der Bigamist Dr. Witzhoff von April bis September des letzten Jahres in London als Zahnarzt praktizierte, unter dem Namen A. C. Westen. Er hatte meist weibliche Patienten; er sprach englisch, französisch und deutsch, sowie den jüdischen Jargon fließend und arbeitete viel, bezahlte aber selten die Ateliermiete. Niemand wußte, wo er schlief. Eine englische Dame von 20 Jahren und eine deutsche Dame von 30 Jahren besuchten ihn häufig. Ende September verschwand Witzhoff plötzlich; er ließ elf Pfund Sterling Schulden sowie einen Koffer zurück, der erst heute geöffnet wurde. Man fand darin Instrumente, Medikamente, Briefe, ein Bündel Photographieen von Damen, ein Notizbuch mit Adressen vieler Damen, sowie zwei Dampferbillette, woraus sich ergab, daß Witzhoff im April 1904 unter dem Namen Goldstein an Bord des Dampfers „Lucania" von Amerika nach England kam. Jemand, der Witzhoff kannte, teilte der „Evening News" mit, daß seine großen stechenden Augen alle Frauen faszinierten. Sofort war er stets von Frauen umringt; er muffe mehr als hundert Frauen gehabt haben. In Newyork, in einer fashionablen Gegend, war Witzhoff von Patientinnen überlaufen. Immer wieder machte Witzhoff kleine Reisen, angeblich zu Patienten auf dem Lande, während offenbar jede Reise eine Hochzeit bedeutete. * Professor Huxley'S Zigarre machte großes ,Furore" auf einem Anti-Tabak-Kongreß. Der bereits verstorbene Professor wurde während einer Vortragsreise aufgefordert, einen Vortrag in einer Anti-Rau cher-Ver- sammlung zu übernehmen. Er ging darauf ein, und die Versammlung brachte dem redegewandten Gesinnungsgenossen bei seinem Auftreten gleich vorweg eine mächtige Ovation. In seiner Rede erwähnte nun der Professor zum Schluß, er habe einen Freund besucht, mit dem er einen Streit über eine wissenschaftliche Frage gütlich ausgeglichen habe, dagegen seien sie über etwas anderes nicht einig geworden. Die Differenz habe sich darauf bezogen, daß der Freund ein leidenschaftlicher Raucher gewesen sei, während er den Tabak Als der Urgrossvater die Urgrossmütter nahm, Verwandte letztere schon Im Haushalt Werner Hremr'r (afte-Surrogat als feinsten und bekömmlichsten Caffe-Zusatz. Sinnt: Tie in Klammern gefetzten Ziffern geben an, wie viel der Todesfälle in der betreffenden Krankheit auf von auswärts nach Gießen gebrachte Kranke kommen. Gingesandt. (Für Form und Inhalt aller unter bri'-r Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Bublikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Gießen, den 14. September 1905. Dem Herrn Grünig zur Nachricht, daß der dem Kriegervereinswesen fernstehende Raisonierer Bahnhofstraße 41 wohnt und zu jeder Tageszeit zu sprechen ist. (—) Landwirtschaft. — Das „Bulletin des Halles" schlägt die Getreideernte Frankreichs 1905 auf 116718200 Hektoliter, 12 194767 mehr als im Vorjahre und 1 133 232 mehr als der Durchschnitt der letzten 10 Jahre. Meteorologische Beobachtungen der Station Gießen. Summe 1ö(8) Die ßüolera. Der preusi. „Staatsanz" meldet: Vom 12. bis zum /3. September mittags wurden 15 Erkrankungen und vier Todesfälle an asiatischer Cholera m Preußen neu stc- meldet. Von den Erkrankungen fallen je 1 aus bie Streife Kerichtslaal. Berlin, 13. Sept- Der Fall des früheren katholi- chen Kaplans und jetzigen evangelischen Divi- ^ionspfarrers Dachstein aus Minden hat heute das Reichsmilitärgericht beschäftigt. Dachstein steht unter der Anklage, sich in einem Vortrage vor dem Osnabrücker Zweigverein des evangelischen Bundes am 19. Januar d. I., betitelt: „Ein Blick in die Seele des Ultramontanismus" der Beschimpfung der katholischen Kirche schuldig gemacht zu haben. Nach einstündigev Beratung verkündete der Vorsitzende das Urteil dahin: das freisprechende Urteil des Oberkriegsgerickts vom Generalkommando des 7. Armeekorps vom 23. Mai 1905 wird nebst den tatsächlichen Feststellungen aufgehoben und die Sache zur anderweiten Verhandlung und Entscheidung an die Berufungsinstanz zurückverwiesen. Berlin, 11. Sept. Eine Anllage wegen Lerausforder- uirg zum Zweikampf mit tödlichen Waffen wurde vor der Ferienstrafkammer des Landgerichts II verhandelt. Angeklagt waren die Studenten Artur W. und Walter K. von der Technischen Hochschule. Beide waren, im April d. I. in einem Bierlokal und der erste glaubte, daß sich K'. über ihn lustig machte und ihn absichtlich „an ödetet Er bat deshalb den letzteren zum Kartenaustausch und zu einer Forderung auf krumme Säbel, 15 Minuten mit Bandagen. Am 15. April sollte der Zweikampf in Charlottenburg in der Kaiser Friedrich-Loge ausgefochten werden; die Gegner waren eben mit dem Bandagieren beschäftigt, als die Polizei erschien und den Waffengang vereitelte. Der Gerichtshof verurteilte die Angeklagten zu je einer Woche Festungshaft. Görlitz, 13. Sept. Die hiesige Strafkammer verurteilte den Eisenbahnschaffner Kalus in Hoyerswerda zu drei Monaten Gefängnis, weil er am 6. Dezember 1904 das Eisenbahnunglück bei Ruhland verursachte. Er ließ den Güterzug, dessen Zugführer er war, von Ruhland nach Baerhaus abgehen: der Zug stieß mit einer entgegenfahrenden Lokomotive zusammen, wodurch zwei Beamte getötet und vier verletzt wurden. Drucksachen aller Art liefert in jeder gewünschten Ausstattung. stilrein und preiswert die Brühfsche Universitäts - Druckerei. Schulstr 7 Die Aktien der russischen Banken Verli'ndtt wegen einer Fusion Diskonto-^ und der Moskauer in jeder Form verabscheue. (Stürmischer Beifall.) Nach dem Essen seien sie ins Arbeitszimmer gegangen, wo ihn der Freund durch den Rauch seiner Zigarre belästigt und ihm auf seinen Protest eine Kiste Zigarren zugeschoben habe, Selbstrauchen sei das beste Mittel gegen den Rauch. „Da dachte ich, es sei das „beste Mittel", ihm beizukommen, wenn ich einmal eine Ausnahme mache und die Zigarre rauche, da er sicherlich nicht von seiner Untugend so ohne weiteres abzubringen war. Und so kam ich dann dazu, eine Zigarre zu rauchen, und meine Herren und Damen, um nunmehr auf mein eigentliches Thema zu kommen, feit der Zeit kann mich nichts mehr ab halten, daß ich nach dem Mittagessen meine Zigarre rauche, die mir der größte Genuß am ganzen Tage ist.' Probieren Sie's mal, liebe Nichtraucher!!" • Eine Jungfer, die Soldat wird. 19 V3 Jahre ebte in Murten ein menschliches Wesen, das als weiblichen Geschlechtes galt. Es trug Mädchenkleidung, saß in der Fchule bei den Mädchen und spielte mit den Mädchen. Da 'tellte sich heraus, daß dieses Wesen männlichen Geschlechts ist. Jungfrau Cecille W. änderte am 8. September 1905 hreri Zivilstand, vertauschte Korsett und Jupon mit Hose und Paletot nnd heißt jetzt Cäsar W. Der junge Herr mißt 1,52 Meter und wird sich, so lesen wir in der „Basler Ztg.", im nächsten Monat bei der Nekrutenaushebung zu stellen haben. Durch amtliche Publikation wird die Aenderung im Zivilstandsamt bekannt gemacht werden. • Kleine Tageschronik. Die sranzös. Stadt 91 r f c n t (11 § ,tnb Umqcqenb ift inwlqe einer Was> erboIe uber schm em int. •Biele Wohnunqen sind zerstört, zahlreiches Vieh ilt durch die Fluten .ortqeführL Man glaubt, daß wrenschen nicht uerunqlucften. — Srntenrbciter, welche unter einer Brücke im spanischen ~ox*c Nasan asa schliefen, wurden plötzl'ch , vonl eintretendeni voch- oaffer überrascht. Zwölf werden vermint Man glaubt daß i ’rtrunfen sind. — Der deulsche Sampler „Portoma «i anbei i ?ei ber Ausfahrt aus dem Hafen von Lulea (Schweden). Nackig dem ein Drittel der aus Eis-nerzen bestehenden Ladung ms Meer geworfen ivorden war, wurde der Dammer mit H'"e des schwedischen Bcrgungsdauivfers „Belos" abgeschlevvt und konnte mit Unterltühunq dieses Schiffes seine Reise nach Stettin foitfehen. - In der Nähe von Wollin (Pommern) überfuhr em Per- onenzug einen Wagen. Die beiden Jnsaffen wurden schwer verletzt; der Wagen wurde zertrümmert, die Pierde getötet. Handel und Derkehr. Uolkswirtschast. Russische Notenvermehrung. In der „F. 3." wird auf die rapide Vermehrung der russischen Banknoten aufmerffam gemacht. Um 1100 Mill. Rubel übersteigt jetzt die Emission diejenige von Anfang 1904 bereits um nicht weniger als 470 Mill. Rubel. Der damalige Bestand von 630 Mill. Rubel ist also um mehr als 2/3 Prozent vermehrt worden. Die Emission war am Anfang August bei 1 Milliarde Rubel angelangt, am 14. Aug. betrug sie 1030 Mill., am 21. Aug. 1048 Mill., am 29. Aug. 1060 Mill, und der Ausweis vom 5. Sept, der eben veröffentlicht wurde, zeigte eine Vermehrung um 40 Mill, auf 1100 Mill. Rubel. Durch die Goldbestände der Bank in ihren Kassen und im Ausland ist auch die jetzige Notenemission noch immer voll gedeckt und eine Gefahr für die russische Valuta besteht im gegenwärtigen Moment noch nicht. Aber diese Deckung ist nur erreicht und bewahrt worden dadurch, daß der freie Verkehr von Metallen und Wertzeichen immer mehr entblößt wurde. Wie lange die Prozedur sich wird fortsetzen lassen, bleibt abzuwarten: noch mehr welchen Einfluß die Beeinträchtigung des russischen Exportes durch die Mißernte, die Wirren in Baku und die inneren Unruhen überhaupt auf die Zahlungsbilanz des Landes Habei wird. Jedenfalls aber zeigen auch diese Vorgänge wieder, da in wirtschaftlick er Begehung der Stieg durch den Friedeusschlu noch lange nickt beendet ist. .Heldburg -Aktien sind in den letzten Tagen sowohl an der Berliner wie der Frankfurter Börse forciert und ganz außergewöhnlich hoher Kurs erzielt worden. Namentlich wenn man bedenkt, wie es um diese Kaligesellschaft vor noch nickt langer Zeit stand. Die Kurstreiberei konnte aber nur im freien V rk'hr stattfinden, da die Altien an den beiden genannten Plätzen offiziell nickt zuaelassen sind. Der Grund der Steigerung soll di rin liegen, daß das Konsortium für .Heldburg-Men, an besten Spitze die Darmstädter Bank steht, vorgestern noch einen Posten von 1 Mitt. Mk. aus ihren Beständen begab, damit aber den Verkauf weiterer Aktien eingestellt hat. Der Betrag, über den das Konsortium noch verfügt, soll konserviert werden. — Auf die weitere Entwicklung der Heldburg-Gesellschaft darf man Der Rheinisch Westfälische Effektenmarkt. Mülheim a. b. Ruhr, 13. September 190b. Das Geschäft auf bem K 0 hlenk u x e n markt ist gegen gestern womöglich noch stiller geworben. Einige vorliegenbe Gebote auf Helene & Amalie, Mont Eenis, Lothringen, Königin Elisabeth konnten wegen geringer Preisdifferenzen nicht erledigt werden. Graf Schwerin wurden mehrfach gefragt und gehandelt. Von kleinen Werten ist nichts zu berichten. Borussia waren etwas schwächer. — Der Kalikuxenmarkt lag für leichte Werte wieder etwas fester. Es fanden verschiedentlich Umsätze statt in Mehrum, KönigShall, Ronnenberg Actien, Schlägel & Eisen, Hermann II., Heldburg Aetien, Hedwigsglück, Glückauf bei Sondershausen und Earlshall zum Teil zu höheren Preisen. Mittel und schwere Werte ruhig. — Bon Erzkuxen Wildberg und Victoria Erz und Peterszeche hoher gefragt. Flatow, Stuhm, Obornik, Ezarnickau, Wirsitz und Bromberg, 3 auf Marienwerder, 4 auf Graubenz und 2 auf Schubin. Zwei am 9. und 10. September auf Pogegen, Kreis Tilsit-Land, und aus Weißenhöhe, Kreis Wirsitz, gemeldete Erckrankungsfälle bestätigten sich nicht als Cholera. Die Gesamtzahl der Erkrankungen beträgt 179, die der Todesfälle 65. Neber choleraverdächtige Erkrankungen in Dömitz in Mecklenburg wird von zuständiger Seite aemeldet: Am Nachmittag des 11. September ging die Meldung ein, daß in Dömitz eine Arbeiterfrau unter choleraverdächtigen Erscheinungen gestorben sei. Da die bakteriologische Untersuchung der Leiche den Verdacht bestätigte, begaben sich am 12. September Ministerialrat Knndt und Professor Dr. Pfeiffer-Rostock nach Dömitz. Es ergab sich, daß noch ein an der Elbe beschäftigter Stackarbeiter unter choleraverdächtigen Erscheinungen erkrankt ist. Für beide Fälle wird daS Ergebnis der noch nicht abgeschlossenen bakteriologischen Untersuchung enbgütig feststellen, ob wirklich asiatische Cholera vorliegt. Gestern und vorgestern wurden je drei Personen als choleraverdächtig in das Krankenhaus Moabit zu Berlin eingeliescrt. Es liegt nicht Cholera vor, sondern Brechdurchfall. Die Erkrankten gelangen in den nächsten Ta!gen zur Entlassung. Den „N. Westpreuß. Mitt." zufolge wurde in K u r z e b r a ck bei c'ner Frau, sowie einem dort verstorbenen Kinde, bei einem in Schilluo verstorbenen galiz. Flößer und einer in Gr a u d e n z erkrankten Frau Cholera bakteriologisch festgesteM. Ein unter choleraverdächtigen Erscheinungen erkrankter Arbeiter ist in La bisch in (Posen) gestorben. Bei einem Schiffer auf der Netze wurde Cholera amtlich festgestellt. Tie Polizei verbot die Wasserentnahme aars der Netze zu Trink- und Wirtschaftszwecken. 1. Oktober und 1. Dezember 1906. Reichsbank. Am 20. Oktober wird in Nakel (Netze) eine von der Reichsbankstelle in Brombcrg abhängige Reichsbanknebenstelle mit Kasseneinrichtung und beschränktem Giroverkehr eröffnet werden. Wechsel auf Nakcl, welcke nach bem 19. Oktober ällia werden, können von jetzt ab angefauft werden. ReichSbank. Arn 2. Oktober wird in Gladbach ü W. eine von der Neichsbonkstelle in Essen (Ruhr) abhängige Reichs- banknebenstette mit Kasseneinrichtung und beschränktem Giroverkehr eröffnet werden. Wechsel auf Gladbach i. W., welche nach dem 30. September fällig werden, können von jetzt ab an* gekauft werden. Sphfpfan des Grotzherzoglichen Kurtheaters Bad-Nauheim. Direktion Hermann ©teingoetter. Montag den 18. September: „Die Herren Söhne*. Volks- stück von Oskar Walther und Leo Stein. Dienstag den 19. September : „Die Logenbrüder." Schwank von Karl Laufs und Kurt Kraatz. Mittwoch den 20. September: Gastspiel von Fräulein Else Röt scher vorn Stadttheater in Riga: „Alt-Heidelberg." Schauspiel von Wilhelm Meyer-Förster. Freitag den 22. September: Letzte Vorstellung: „Pension Schüller." Posse von W. Jacoby und Karl Laufs. Dazu: Balleteinlage von Fräulein Liny Eichrodt Balletmeisterin vom Stadttheater in Straßburg. Uöü rnMt PebrMl der Todesfälle in der Stadt Kießeu 27. Woche. Vom 2. bis 8. Juli 1905. Einwohnerzahl: angenommen zu 28 000 linkt. 1600 Mann Militär. Sterblichkeitsziffer: 33,41 nach Abzug von 8 Ortsfremden: 18,57 "/co. Kinder vom : 2.-15. Jahr gespannt sein. N u s' ! | rf) e Banke Es soll- ES starben an: Zusammen: Erwachsene: im Tuberkulose 2(1) 1. Lebensiahr 2(1) - Krebs 2(2) 2(2) — Typhus KD 1 (1) — Herzleiden 2 (2) 2(2) — Darmkrankheiten 2(1) 2(1) — Gehirnentzündung 1 — 1 Gallensteinen 1 1 —— Geisteskrankheit KD 1(1) — Empyem 1 — 1 Schlagfluß 2 2 — Alterskrankheiten 2 2 — Ertrinken 1 1 —- September 1905. Barometer auf 0° reduziert der Luft 13. 2" 754,2 18,2 13. 9" 753,5 12,2 14. 7»5 751,2 11,5 Bekanntmachung. In das Handelsregister A. wurde eingetragen, bezüglich der Firma Fertsch und Eigel in Gießen: Die offene Handelsgesellschaft ist erloschen, Geschäft ist mit Aktiven und Passiven auf Ingenieur Richard Fertsch in Gießen übergegangen und wird unter der Firma „Richard Fertsch" weiterbetrieben. Gießen, 11. September 1905. Grohh. Amtsgericht. B1*/, CkWUtMS-MsiMrunz Freitag, den 15. l. M., vormittags 9 Uhr anfangend wird das GrummetgraS von den hiesigen Gemeindewiesen versteigert. — Zusammenkunft an der Ziegelhütte. 4760 Allendors a.dLda.,13.Sept.l905. Großherzogl. Bürgermeisterei Allendors a. Lumda Rein. [4766 - 4756 V3 4697 Geschäftseröfinung und Empfehlung ss”/R Bon großem Borteil für jede Haushaltung sind Fluß- und Seefische Heinrich Sack, 19 MrWrche 19. Unübertroffen an Aroma, BoinheU und Kraft, H. Krämer I. D27< ■ Ueberztehen und Reparaturen schnell unb billig in eigener Werkstätte. Familie Hilberg. Daubrmgen, den 18. September 1905. 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