Nr. 36 Samstag, 11. Febrrrar ll>05 155. Jahrg. (hWetid «gttch «tt VrBmcha» de» Bmnitgtz», JfcWsa KmsÄru-iLtter- wrtfcc* bem <*tm« nvöcheEch betgetegt. De- r U* tree6tt6ae a. Druckerei r GckmBe.^ U«i. Är. &L T««tzF^Ldr. $ Ma^etg« Vtstze» General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Glehen. Reichstages nach Wien leitender Staatsmann wurde hier auf einen Ausspruch des Fürsten Hohenlohe angespielt, baß nur 20 Prozeyt der Landwirte von den Gefteibczöllen Vorteil hätten. Das hat er sicher von einem vortragenden Nate gehabt, der von der Landwirtschaft nichts verstand. Caprivi wenigstens habe immer sein Material von Alerander Mever und ähnlichen Leuten bekommen. (Heiterkeit.) Sobald bei uns der Getreidebau nicht mehr lohnend ist, werden nicht Hunderttausende sondern Millionen Arbeiter brodlos, dann kommen wir zu derselben traurigen Entwicklung wie in Irland, wo die Bevölkerung in wenigen Dezennien von acht auf fünf Millionen herunterging. Möge unser Vaterland vor einem solchen Schicksal bewahrt bleiben. (Beifall Pariamentarische Berhandlnnge». Nachdruck ohar VereinbaruLy nicht gestattet. Aentlcher Reilüstay. 138. Sitzung vom 10. Februar. 1 Uhr. Tas Haus ist gut besetzt. Am Bundesratsüsch: Graf Posadowskp u. a. Die erste Beratung der Handelsverträge wird fort» Stimmung zu machen. ‘— ------ - _ Abschluß des Vertrages mit Oesterreich besonderen Lckwierigketten begegnet. Nun ist es doch gelungen, und ich muß sagen, unser Graf Bulow hat sein Wort, das er der Landwirtschaft gegeoen, eingelöst. Er hat für die Landwirtschaft das erreicht, was überhaupt zu erreichen war, und er hat nicht bloß als Freund der Industrie, sondern auch als Freund der Landwirtschaft gehandelt, wenn er diese Verträge abschloß und uns nicht in einen oertragslosen Zustand hineinkommen ließ, denn ivnst hätte Die Landwirtschaft noch weiter unter den Caprivlschen Handels- (Große Heiterkeit.) Ja, das war eine schone Zeit, die Zeit der hohen Getreidepreise! (Stürmische Heiterkeit.) Betrachten Sie ferner den statistischen Zusammenhang zwischen Abwanderung und Getreidepreisen! Je höher die Getreidepreise, desto größer die Ltbwanderung, und gerade vom Lande. Und da kommen Sie nachher und klagen über Leutenot! Dagegen besteht nicht der geringste Zusammenhang" zwisckien Getreidepreisen und Arbeiterlöhnen. Wesbalb also sollten Wohl die Landarbeiter an den Zöllen Jntereste haben? (Zuruf rechts: Und die Industriearbeiter?) Ja, was haben denn die Industriearbeiter davon, wenn sie auch wirklich nominell höhere Löhne bekommen: sie müssen ialb-Fabrikate erhöht wurden. Es ist rwch zweifelhaft ob dies nützlich oder sMdlich sein wird. Lluüi von Oesterreich- Ungarir erzielten wir Zugeständniffe für die ci>cmische Industrie, ^re Schweiz gestand uns den Patentschutz für clnnnifche Produkte zu. Redner fuhrt noch eine Reihe weiterer, wichtiger, durch die Handelsverträge erzielter/Vorteile an. Alle Zollsätze sind auf das gewissenhafteste geprüft worden, eine tisere innere Besorgnis rn.den Kreisen der Industrie besteht lcinesivegs, und von einer Gefahr, day die Indulrrie auswanderu werde, könne keine 9iebe sein. Nach 6V* Uhr vertagt das Haus die Weitcrberatung auf Samstag 1 Uhr. Keffgcher ^Lauvtag. Von unserem Turmstädter Redaktionsburecru liegt uns heute ein ausführlicher Bericht der «gestern bereüs auszugsweise, mitgeteilten Rede des Abg. Hirsch c l vor. Herr Hirschel sprach danach u. a. sein Bedauern aus, daß "der Staatsminister die Lösung des KrciSblattwesens anscheinend für unüberwindlich halte. Tie Kreishlättcr, so führte Herr Hirschel aus, zerfielen in zwei Kategorien, die eine zeichne sich durch Stumpssinu, die andere durch Bosheit aus. Ter „Obcrhesj. Anz." in Friedberg zahle zur ersteren, bei der letzteren Art stehe der Gießener Anzeiger an der Spitze. Bei der Beratung im Dezember vorigen Jahres sei im Kammerbcricht des Gieß. Anz. gesagt worden, Abg. Köhler habe einen schon im Juli erschienenen Gesetzentwurf noch nicht gelesen gehabt, obgleich er erklärt Hatte, noch teme Zeit zum Turchiesen des Ausschußberichts gehabt $11 Haben, weil dieser nach seinem Heimatsort gesandt^ wurde, während er in Darmstadt weilte. Dazu bemerkt unser Darmstädter Redakteur: Ich kann heute nicht mehr den Wortlaut der Ausführungen oes Herrn Köhler feststellen, gebe aber ohne weiteres bie Möglich- teü eines Mitzverständnisscs zu. Protestieren must ich joboch ElMbm gegen die Unterstellung, als sei das aus Absicht ober Gefälligkeit gegen bm Herrn Abgeordneten erfolgt. Tie Herren tollten sich doch nur mal ein halbes Stündchen auf die famose Journalistentrwune mit ihrer miserablen Akustik und Beleuchtung fetzen und bei der fast stereotypen Unruhe im Hause Kvmmer- oeriwte fchreibm— ich bin überzeugt, bie Berichtigungen ber Jxcbner würben langer werben, als bie Berichte über ihre Reben Zudem lallte man auch bedenken, bast von bcii 4—5 fuhibiqcn Verhandlungen icibit in bem großen Bericht des „Gieß. Anz." nur em ganz minimaler Auszug zur Veröffentlichung kommen kamt M einzige Rebe der Herren würbe ost schon nahezu eine ganze ocüungsnummer aussüllen. Unb daß sich bei ber fliegenden Utile in bet Anfertigung bes Berichts unb ber zwangsweisen 3u=> fQnunenäu9ung_ der Gedanken auch fluine Ungenauigkeiten ein- sdellen, ja emstellen müssen, liegt aus der Hand. Mir sind im Moment meiner Tätigkeit in ber Kammer alte Redner gleich lieb unb ich bin bemüht, den Kern aller Reden möglichst präzis R. B. Darmstadt, 10. Februar. Am Ministertisch: Staatsminister Rothe, Geh. Staatstat Krug von Ribda, Geheimrat Braun, 2)linifteria(rätc Dr. Best unb Weber. „ Die Sitzung wirb um 9 i/2 Uhr eröffnet. Es erfolgt zunächst bie Gültigkeitserklärung ber Wahl des Herrn Lder- förjter Dr. Weber -Konrabsborf, ber im Wahlkreis Laubach- Schotten nut 24 von 30 Stimmen gewählt worben war. Gegen die Wahl mar ein Widerspruch nicht erhoben worben. Die Spezialberatung über den .Haushallsctat wird darauf bei der VI. Hauptabteilung, Landstände, fortgesetzt. Abg. Pennrich (Zentr.) richtet an die Regierung die Anfrage, ob sie geneigt fei, den Wünschen ber Kammer bezüglich dec Gewährung von Freikarten für die Eisenbahn- sahrten im Großherzogtum zu entsprechen. (Die Abgeordneten genießen bereits freie Elsenbahnfahrt zwischen ihrem Wahlkreis und Darlnstadt, müssen aber wie icbcr andere Reisende Fahrkarten lösen, deren Betrag ihnen später zurückvergütet wird. D. Ref.) Geh. Staatsrat Krug v. Nidda bemerkt, daß man bezug lieh ber Gewährung besonderer Freikarten beim preußischen Eisenbahnministerirm auf Wiberspruch stoße. Man habe auch von Seiten ber Abgeordneten bie Ueberlassung von Abonnements- karten in Vorschlag gebracht. Es empfehle sich, bas Riatenal zii sichten unb baiin einen bestimmt formulierten Antrag zu stellen. Die Abgg. Diehl, Reh, Orb und Korell sprechen sich ebenfalls für Freikarten aus. Abg. Dr. Windeier meint, cs sollte den Abgeordneten jederzieit wenigstens die freie Fahrt zwstehen iljrum Wohnsitz und Darmstadt gestattet fein. Nachdem auch Präsident H aas die Frage der Freikarten näher erörtert uuo für endliche Erfüllung dieser cnitn For- dertiug plädiert, teilt Abg. Pennrich mit, daß demnächst ein von Mitgliedern aller Parteien' 'u nterzerchneter Antrag über diesen Punkt eingereicht werden würde. Geh. Staatsrat Krug v. Nidda versichert, daß die Regierung gern zur näheren Verhandlung darüber bereit sein würde. Bei Kap. 17, Oberrechnungskammer, Ausgabe 234170 Mart, beklagt Abg. Noack, daß dieselbe zu umstüudlich und schwerfällig arbeite. Andere Behörden leisteten mit wenigen Mitteln dasselbe. Man sollte von dem alten bureautra- tischen Zopf einmal ctivus abschneiden. Damit wolle er aber erklären, daß er an der Tätigkeit der Oberrcchnungs- fammer selbst nichts auszusctzcn habe. Bei Kap. 18, Werwaltungsgertchlshof, werden 7640 Mk., bei Kap. 19, Haus- und Staatsarchiv, 14 700 Mk. bewilligt. Bei Kap. 20, Rheinschissahrt, 3250 Mk., ersucht 2lbg. Adelung nochmals um eine Regierungserklärung hinsichtlich ihrer Stellung zu den Schiffahrtsabgaben. Geh. Staatsrat Krug v. Mdda versichert, dc^; die Regierung nach wie vor aus dem Standpunkt ihrer vorjährigen diesbezüglichen Erklärung stehe und sie sich (gegen jede Einführung von SchifsnhrtSabgaben wenden würde, die mit den reichsgesetzlichen Bestimmungen und der Schifffahrtsakte im Widerspruch ständen. Die Kap. 21 und 22 werden genehmigt. Eine längere Debatte entspiunt sich bei der 8. Hauptabteilung, Ministerium des Innern. Bei Kap. 23, Ministerium, Einnahme 4900 Mk., Ausgabe 246 290 Mk., dankt 2lbg. Wolf für Erfüllung seines früheren Wunsches bezüglich Abhilfe der Zigeunerplage. Ferner ersucht derselbe, bei Kreis- und Provinzialausschußsitzungen etwa zu vernehmende Zeugen stets eidlich zu vernehmen. Der Ladenschluß auf dem Lcurde im Sommer um 9 Uhr fei zu früh, es empfehle sich, ihn auf 10 Uhr sestzusetzcn. Abg. Noack wünscht bezüglich der Abteilung für Landmirtschaft, Handel und Gewerbe, daß der Geschäftsverkehr derselben enger zusammengefaßt werden möchte. Abg. Damm bespricht die Friedberger Pferdemarkt- Berlosung. Der Absatz der Loose toerde dadurch erschwert, daß dieselben in Frankfurt verboten sind, während die Frankfttrter in Friedberg zugelassen seien. Obcrregierungsrat U s i n g e r erwidert, die Wiesbadener Regierung sei bereits um Zulassung 0' • Iriedberger Lose in Frankfurt ersucht wordeu, eine luoij. zustimmende Aatt- to-ort stehe noch aus. Abg. Korell beklagt die Maßnahmen in Oberhessen bezüglich der Maul- und Klauenseuche, die zu schablonenhaft seien. Ministerialrat Weber entgegnet, die Maßnahmen seien bei der großen Gefahr der Einschleppung notwendig gewesen, besonders durch die Viehmärkte. Vor Einführung >er Maßnahmen seien auch beide Juteressengruppen darum befragt worden. Abg. Korell hofft, daß die Regierung nicht nur im Innern, sondern auch nach außen hin volle Festigkeit bei den Maßnahmen zeigen werde. Bei Kap. 24, Allgemeiner Fonds für Bertrctungs- und Aushilsskosten, 125000 Mk., beantragt Abg. Korell, die diesmal mehr geforderten 9000 Mk. zu streichen, da die Ausgaben hierfür ganz gut eingeschränkt werden könnten. StaatSnrinister Rothe bemerkt, daß mit dieser Streichf- img nichts erreicht werden würde. Abg. N 0 a cf- fragt, ob das (Gerücht zutreffe, daß den im zweiten Jahr beschäftigten RegicruTtgsbauführern Remunerationen entzogen werden sollen. Ministerialrat B e st erwidert, die Bauverwaltung habe eine Aendcrung insofern beschlossen, daß die von den Kreisämtern beschäftigten Bauführer auch von diesen entschädigt werden sollten. Abg. R e h ist der Meinung, daß von den Kreisämtern für Transportkosten rc. noch viel gespart werden könnte. Es frage sich, ob es nötig fei, daß bei geringfügigen auswärtigen Sachen neben dem einen Kreisvertreter, z. B. Schul- inspektor, auch immer noch der Kreisrat mit zugegen sein müsse. Ihm sei ein Fall bekannt, daß bei einer Bagatelle von 10 Mk. der Kreisrat, der Provinziälbircktor und der Kreisbaurat zugegen waren. Es fei dringend notwendig, daß die Regierung hier auf größere Sparsamkeit hinwirke. Abg. Ulrich meint, man müsse größere Kontrolle darüber üben, daß nicht so viele Chaisen, sondern die Eisenbahn für die Fahrten benutzt würden. Die Fahrt mit ersteren sei allerdrngs angenehmer. Abg. Molthan ist gleichfalls der Meinung, daß viel gespart werden konnte, wenn die Beamten angehalten würben, nur ganz ausnahmsweise die Chaise anstatt die Eisenbahn zu benutzen. Abg. Berthold beklagt, daß in den Garnisonstädtcn Mainz, Darmstadt, Wvrms, Offenbach viele Wirtschaften und Geschäfte dem Militär verboten würden, was in den anderen süddeutschen Staaten nicht der Fall sei. Nach weiterer unwesentlicher Debatte wiro das Kapitel genehmigt. Tie Kapitel 25 bis 29 werden ohne Debatte angenommen. Kap. 30, Provinziald irektionen und K r e i s- ämter, Einnahme 279000 Mk., Ausgabe 781290 Mk.,. wird in Verbindung mit den bekannten Anträgen über die Reorganisation des Kreisgeometerinstituts beraten. A'bg. Häusel bespricht die Kreivgeometerfrage eingehend und erörtert besonders die Gebührensätze und die verschiedenen Anträge. Er komnit zu dcm Resultat, daß die ganze Angelegenheit noch nicht geklärt sei, um durä)- gr ei sende Veränderungen vorzuuehnren. Ministerialrat Dr. B c ft antwortet auf die gestern vorn Abg. Adelung vorgebrachten Beschwerden in Bezug auf verschiedene kreisarnuiche Verfügungen. Abg. Wolf tritt in längeren Ausführungen für die Besserstellung der Kreisgcorneter ein und empfiehlt die Annahme des Ausschußantrvges rn Beromvung nut oem Antrag Möllinger. Ministerialrat Becker ist der Ansicht, daß das Institut der Kreisgeomeier noch nicht genügend erprobt sei. Die Regierung halte an den vor zwei Jahren mit der Kammer vereinbarten Bestimmungen fest, das Budget dürfe durcy das Institut keinesfalls stärker belastet werden. Nach weiterer umfangreicher, aber inhaltlich belangloser Debatte, an der sich die Abgg. Adelung, Ulrich, Tr. F r e n a h, Hauck, S e l i n.g e r, Bähr, Dr. Heidenreich, Wolf und Geh. Rat Braun beteiligen, wird ein Teil des Antrages Möllinger und dazu der Ausschußantraa angenommen: „Tie Regierung zu ersucheu, die für ciij weiteres Jahr auf dem Gebiete der Kreisvermesfungsämtex gcivouneucn Erfahrungen dem ersten Ausschuß mitzuteilen und bis dahin in der Einrichtung der Krcisvermessungs- ämlcr keine Aendcrung eintreteu zu lassen." Der Antrag Leun, welcher die Gebühren für die Fortführung der bisherigen Grundbücher betrifft, soll, da der Antragsteller in der heutigen Sitzung nicht erscheinen konnte, in einer der nächsten Sitzungen bejonberä zur Beratung kommen. Um IV2 Uhr wurde die weitere Etatsberatuug abge* brochen und auf Dienstag vormittag 10 Uhr vertagt. Zum Haunovcrscheu Hochschuttonstikt. Hannover, 10. Febr. In ber gestern abend hier abge- halteneir akademischen Versammlung, die von 1400 allen und jungen Akademikern besucht war, wurde beschlossen, solgendes T e 1 e g r am m an den Kaiser zu senden: „Eurer Ätajestzit, dem Schirmherrn der freien deutschen Wissenschaft, huldigen 1400 junge und alte Akademiker, welche sich aus^ Sorge um die Gefährdung der akademischen Freiheit versammelten." Auch vou den Hochschulen Eharlottenburg, Braunschweig, Aachen und Göttingen waren Vertreter anwesend. Stadtdirektor (so viel wie Oberbürgermeister) Tramm-Hannover mahnte in längerer Rede zur Mäßigung und zu einer Anbahnung des Friedens. Es wurde schließlich eine Resolution angenommen, in welcher die Versammlung die Erwartung ausspricht, daß die volle akademische Freiheit gewahrt, der ©tu» denten - Ausschuß wieder hergestellt, das Verbot von Versammlungen sowie das Verbot des freien uneingeschränkten Gedanken-Au Staus chcs in allen studentischen Fragen aufgehoben werde und die Herausgabe des beschlagnahmten Verulögens an den Ausschuß verfügt wird. Ferner erachtet es die Versammlung für bringend notrocnbig, daß die Satzungen der Hochschule klar und einwandsfrei abgefaßt werden, damit ein dauernder Friede abgeschlossen werden kann. In Sachen ^der bekannten Protestkundgebung der Marburger Studentenschaft gegen die Maßregelung der Hannoverschen Studenten weilte der Berliner U n i v e r s i- tätsrichtcr Geheimrat Tande, der neulich auch in Hannover war, dieser Tage in Marburg. Es fanden Beratungen mit den Univeesitätsbehörden und de.m Studentenausschuß statt, deren Ergebnis jedoch nicht beiannt wurde. Tem „Kass. Tgbl." zufolge sind zwei Vertreter der Marburger Studentenschaft mit Geheimrat Taude nach Berlin gereift Nach der „Berl. Ztg." ist der Marburger Studentenausschuß unter Bedrohung mit Relegation ausgefordert worden, schriftlich um Verzeihung zu bitten. Uns wird aus Marburg folgendes geschrieben: Tle zwei nach Berlin entsandten Vertreter des Studenten^ Ausschusses hadeir sich hort entschuldigt, iveil die Resolution aus Versehen dem Minister als dringlich zugestellt worden' ei. Es liegt gegenwärtig ein v0 m Mini steri u m an g e bo- tcnerVer gleich dem Stubertten-Ausschuß vor und die nächsten Tage werden wichtige Entscheidungen und Aufklärungen bringen. Eine schriftliche Bitte um Verzeihung ist nicht er- folgt. ___ Die Gräfin Montignoso. Tie neueste Wendung in der Moutignoso-Affaire scheint, so lesen wir in den „Lpz. N.N.", einen ernsteren Hintergrund zu haben und weitere Folgen nach sich ziehen zu wollen, als man zunächst nach der kurzen Notiz dcS Tresdener Regierungsblattes anuehmeu konnte. In ein besonderes Licht wird diese Mitteilung dadurch gcriidt, daß Justizrat Körner bereits seit etwa einer Woche in Florenz weilt. Das genannte viel gelesene und geachtete Leipziger Blatt behauptet „uach Informationen aus bester Quelle", daß man an maßgebender Stelle bereits heuts damit rechnet, daß es nicht zu umgehen sein wird, die Prin« zessin Anna Monica Pia der Obhut ihrer Mutter zu entziehen. ES heißt, die Gräfin Montignoso unterhalte seit etwa einem Monat ein etwas ab.entenerliches intimes Verhält- n i S mit einem italienischen Grafen n amens Giüciardini, den ie täglich empfange und den man in der Florentiner Gesellschaft allgemein als ihren Liebhaber ansehc. Von anderer Seite wird auf Grund von Florentiner Nachrichten sogar behauptet, das Ver- IMMis sei nicht ohne Folgen geblieben und die ehemalige Kronprinzessin sehe einer Niederkunst entgegen. Eine mibere Version ist, der sächsische Hof habe sich zum Einschreiten deswegen bewogen gefühlt, weil die Gräfin in letzter Zeit häufig längere Zeit überhaupt nicht in Florenz weilte und sich um die Erziehung und die Pflege der kleinen Prinzessin nicht sonderlich bekümmerte^ dtach anderen Mitteilungen soll der Graf sogar die, Gräfin Montignoso auf ihrer Reise nach Dresden, diel sie Weihnachten unternahm, und die sic ja auch uach Leipzig führte, begleitet haben. Alle diese Gerüchte sind indes u. E. eines wie das andere mit Vorsicht anfznnehmen, da sic zweifellos fämtllch mehr oder weniger auf Kombinationen beruhen. Graf Carlo Guicciardini veröffentlicht eine Erklärung worin er versichert, daß er die Gräfin Montigiwso n u r e i 11 m a gelegentlich eines Gartenfestes in der Billa der Fürstin Waltzoff-I Majsaiskä fluchtig kennen gelernt habe. Seitdem Hobe, er keine Berührung mehr mit ihr gehabt. In der Wiener deutschen Kolonie haben dic Tresdener Sen-, satiouSmcldungcn große Entrüstung hervorgcrufen. Es wird be-i hauptet, daß die Haltung der ehemaligen Kronprinzessin vvip Sachsen völlig tadellos sei. Man vermutet, daß die Ver- leumduugs-Kampagne den Zweck verfolge, ihr das jüngste Töchterchen zu nehmen. Einer Meldung der römifcheu „Tribuns auJ Florenz zufolge, hat Justizrat Körner am 9. d. M. bie Grafm Montignoso aufgesucht, und auf Befehl des Königs von Sachsen die Auslieferung der kleinen Tochter verlangt. Tie Gräfin weigerte sich; sie hat den Beistand zweier Florentiner Advokaten, des Senators Munrcchr und ))iosadis, angerufcn. , _ Märkte. , Gießen, 11. Febr. Markidencht. Auf heutigem Wockenmarkr losteteu: Biittcr pr. Psd. 0.90—0.95 All., Hühnereier 1 St. 8—9 Pfg., 2 Stek. 15—00 Pfg., Gänfeeier 00—00 Pfg., Enteneier 7—0 Pfg., Käse vr. Stck. 6-8 Pf., Kasematte 2 Stck. 5-6 Pfg. Erbsen pr.Litcr 21 Pfg,, Luisen pr. Liter32 Psg., Taubenpr.PaarO,8O—O,9ORck., Hühner pr.Stz 1,00—1,60 Mk., Hähne pr. Stück 0,80—1,80 Mk., Eliten pr. Stück 1,80—2,20 SUf., Gausc vr. Psd. 55—65 Pfg., Ochscnfleisch pr. Pstuid 70—80 Pfg., Kilh-imd :)ckndflcisch pr. Pinnd 62—68 Pfg., Schiveilie- sleiseh pr. Pfund 60—72 Pfg., Schiveinefleisch, gesalzen, pr. Psund 76 Pfg., Kalbfleisch pr. Psd. 70—74 Psg., Hammelfleisch pr. Pfund 50—74Psg. Kartoffeln pr. 100 Kg. 6,00—6,50 Zwiebeln pr. Ztr 8,00—10,00 aHL, Milch per Liter 18 Pfg., Aepscl per Rentner 0 bis 0 Mk., in Körben 00—00 Pfg. Nüsse 100 St. 00-00 Psg. Zwclschcn per Zentner 0.00-0.00 '.Ulf. Birnen per Zentner 6 Ins u.CO aut. Weißkrailt 0.10—0.15. Marttzeil 8—2 Uhr. le. Frankfurt a. Al., 11. Febr. Hcii- u n i) Str 0 h» ma r k i. Heu kostete heute Mk. 3.00-3.40, Stroh Alk. 2.O0 bis- Alk. 2,20. AUcS per 50 Kilo. Tendenz: flau.